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Rezensionen verfasst von
Björn Schultz

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Still: Die Bedeutung von Introvertierten in einer lauten Welt
Still: Die Bedeutung von Introvertierten in einer lauten Welt
von Susan Cain
  Gebundene Ausgabe

18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endlich sagt es mal jemand, 11. März 2012
Viele der vorhergehenden Rezensionen sind sehr treffend, daher beschränke ich mich auf das, was ich noch hinzufügen möchte.

Cain macht auf den wichtigen Unterschied aufmerksam, dass Introversion nicht identisch ist mit Schüchternheit, obwohl beides häufig in einen Topf geworfen wird. Zwar kommt beides oft bei derselben Person vor, aber es gibt auch schüchterne Extravertierte wie Barbra Streisand und nicht schüchterne Introvertierte wie Bill Gates. Sogar ich als Betroffener habe beides häufig verwechselt, und auf diese Unterscheidung hingewiesen zu werden, hat mir sehr geholfen, mich selbst besser zu verstehen.

Cain vermittelt die Botschaft: Es ist in Ordnung, introvertiert zu sein, es gibt sehr viele erfolgreiche introvertierte Menschen. Man muss sich nicht schleunigst ändern und kontaktfreudig werden, so wie es vielen Introvertierten schon von klein auf nahegelegt wird. Umerziehungsversuche bringen nichts, sondern nehmen introvertierten Kindern nur ihr Selbstbewusstsein.

Introversion ist zu 50 % angeboren und geht häufig einher mit einer anderen Wahrnehmung der Umwelt: Introvertierte sind oft hochsensibel, nehmen ihre Umwelt intensiver wahr und leiden schneller an Reizüberflutung als weniger sensible Menschen. Letztere langweilen sich dagegen recht bald und brauchen stärkere Reize, um sich wohlzufühlen. Nichts davon ist besser oder schlechter, sondern jeder Mensch sollte danach streben, seinen Optimalzustand zu erreichen, in dem er besonders leistungsfähig ist.

Introvertierte Menschen haben besondere Stärken, zum Beispiel können sie gut zuhören, sind gewissenhaft, viele von ihnen widmen sich seit früher Jugend intensiv einem Thema und werden dadurch Experten auf ihrem Gebiet. Sie haben wirklich etwas Substanzielles zu bieten, anstatt nur davon zu reden. Leider können sie sich mit ihren Ideen häufig nicht durchsetzen, da eloquenten Menschen in unserer Gesellschaft mehr zugetraut wird.

Cains geschichtlicher Abriss zeigt: Es ist nicht selbstverständlich, Kontaktfreudigkeit und Selbstdarstellung mehr zu schätzen als Bescheidenheit und Beharrlichkeit. Dies hat sich erst im Verlauf des 20. Jahrhunderts so entwickelt. Auch der Vergleich mit anderen Kulturen macht deutlich, dass nicht jede Kultur Extravertiertheit so hoch bewertet wie wir. In vielen asiatischen Kulturen gilt Bescheidenheit noch immer als Tugend, und wir könnten davon einiges lernen.

Leider geht besonders der Abschnitt zur historischen Entwicklung ausschließlich auf amerikanische Verhältnisse ein. Aber ich denke, es ist zu viel verlangt, die Kultur mitzuübersetzen. In dem Fall hätte zumindest der erste Teil völlig neu geschrieben werden müssen. Vieles, was Cain beschreibt, trifft aber allgemein auf die westliche Kultur zu.

Wer ein hochwissenschaftliches Buch erwartet, kommt hier nicht auf seine Kosten. Cains Buch ist populärwissenschaftlich, leicht zu lesen und mit vielen Beispielen aus ihrer Beratungspraxis und aus ihrem eigenen Leben garniert. Dadurch wird deutlich, dass Cain weiß, wovon sie spricht.


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