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Rezensionen verfasst von
Andreas Becker (München)
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Fork in the Road
Fork in the Road
Preis: EUR 12,98

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Viel besser als erwartet (und als viele denken)!, 14. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Fork in the Road (Audio CD)
Vor ein paar Jahren las ich im NME mal etwas ganz Schlimmes über die Oberschlaumeier von U2 (eine Band, die ich seit je her ziemlich grauenhaft finde): Nach dem Ende ihrer aktuellen Tournee wolle sich die Band erst mal ein Jahr Auszeit gönnen. Danach plane man im anschließenden Februar mit ersten Demos fürs neue Album zu beginnen, um dann im darauffolgenden November ins Studio zu gehen. Die Aufnahmen würden mindestens neun Monate in Anspruch nehmen, so dass das neue Werk voraussichtlich im Herbst des darauffolgenden Jahres erscheinen würde. Spontan ist was anderes, oder?

Nun, Neil Young ist da anders. Je älter er wird, desto mehr erhöht er die Frequenz, mit der er Album nach Album rausjagt. Im Schnitt ist es jedes Jahr mindestens eins, und nebenher spielt er noch eine Tournee nach der anderen. Tja, U2: Mal drüber nachdenken!

Dass bei diesem halsbrecherischem Arbeitstempo nicht alles ein Volltreffer sein kann ' geschenkt. Aber mir ist so eine Einstellung bzw. Arbeitsweise tausendmal lieber und sympathischer, als dieses grässliche Rockstar-Gebare und eine selbstverliebte, offen zur Schau gestellten Selbstverliebtheit, mit der stets verkündet wird, dass das letzte Album nun wirklich das Tollste seit geschnittenem Brot ist.

Let's start with the bad news. Track #4 "Johnny Magic" ist wirklich ein Cretin von einem Song, richtiger Müll, und wenn "Fork In The Road" ohne diesen Quark ausgeliefert worden wäre, wäre das die richtige Entscheidung gewesen. Aber egal. Vor x-Jahren hat einmal ein schlauer Spex-Redakteur folgendes geschrieben: "Auf jedem Neil-Young-Album befindet sich ein kleiner Schatz von einem Song. Und diese Schätze kann man zu einer langen, langen Perlenkette aneinander reihen." Und der Schatz ist dieses Mal "Just Singing A Song". Als ich diesem Killer-Track auf Neils letzter Tour das erste Mal live hörte, war mir sofort klar, dass das hier ein Klassiker wird. Und das ist genau so gekommen. Wahnsinnsgitarre, brennende Soli, hypnotischer Gesang, engelhafter Harmonies ' simply perfect. "Just Singing A Song" erinnert mich irgendwie an "Cortez". Für diesen Song allein lohnt sich die Anschaffung von "Fork In The Road". Der Rest ist knochentrockener Garage-Rock, wobei insbesondere "Caught Up The Bucks" hervorzuheben ist. Akustisches gibt es natürlich auch noch: "Off The Road" sei dabei lobend erwähnt. Einfach zauberhaft.

Wer sich noch kein Ticket für die anstehende Tour von Neil besorgt hat, sollte sich beeilen. Es wird definitiv ein denkwürdiger Abend!
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 29, 2010 1:03 PM MEST


Chrome Dreams 2
Chrome Dreams 2
Preis: EUR 9,99

35 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Warten hat ein Ende! "Ordinary People" have come to town, 31. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Chrome Dreams 2 (Audio CD)
Es sei mal dahingestellt, wie sinnig der Titel "Chrome Dreams II" ist. "Chrome Dreams I" hat es ja offiziell nie gegeben, und diejenigen, die den Bootleg ihr eigen nennen dürfen, werden sich sicherlich an dieser Rarität freuen. Aber einen richtig engen Bezug zwischen beiden Alben gibt es für mein Dafürhalten jedoch nicht. Aber egal.

"CD II" ist ein tolles Album geworden, jeder Track was Besonderes und insgesamt ein aufregender Streifzug durch das Schaffen des Meisters. Die beiden Stand-Out Tracks sind natürlich die Mammut-Werke "No Hidden Path" und "Ordinary People". Erst genannter Song ist mit gut 14 Minuten das zweitlängste Werk, das Neil Young bisher veröffentlicht hat. Es steht in der großen Tradition von "Cowgirl in the Sand", "Down by the River", "Love and only Love" sowie "Love to Burn". Eine phantastische Gitarre mäandert durch den Song und man verliert jedes Zeitgefühl. Wie hieß es damals im "Musikexpress" doch so schön, als Ragged Glory 1990 herauskam:

"Seine archaischen Soli glühen neben den Harmony Vocals wie schmelzendes Glas. Es gibt nichts vergleichbar Bewegendes, Aufwühlendes und Abgeklärtes." Besser kann man "No Hidden Path" nicht bechreiben.

Und dann gibt es da noch "Ordinary People" – der Heilige Gral der unveröffentlichten Neil Young Songs. Er spielte das nur ein paar Mal 1988 mit den Bluenotes, und seitdem ranken sich Legenden und Geschichten um dieses Meisterwerk. Als ich es 1990 dann endlich auf einem Bootleg das erste Mal hörte, war ich von den Socken: Zum einen, wie großartig dieser Song war, zum anderen, warum dieser Song nicht veröffentlicht worden war. Jahre vergingen, als geneigter Fan wartete man auf die Archives und hoffte zunehmend ungeduldig, dass "Ordinary People" endlich veröffentlich würde. Aber nichts geschah, und "Ordinary People" schlummerte unveröffentlicht im Keller.

Doch nun ist es endlich so weit, und alle Menschen, die nur einen Schimmer von Sympathie für Neil übrig haben, sollten sich schleunigst diesen Song anhören. Ergreifend, bewegend, dynamisch. Was bei jedem anderen Musiker zu einem leicht peinlichen Moralstück geworden wäre, gerät Neil Young zu einem epischen Kampf zwischen "Gut" und "Böse". Mehr will ich gar nicht dazu sagen, denn anhören geht über studieren.

PS: Wer doch einmal die Gelegenheit haben sollte, die Original-Live-Versionen von 1988 zu hören, sollte sich das nicht entgehen lassen, da hier Gesang und insbesondere Bläser noch druckvoller rüber kommen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 13, 2007 6:32 PM CET


Living With War
Living With War
Preis: EUR 8,99

14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wow: A true return to form!, 15. Mai 2006
Rezension bezieht sich auf: Living With War (Audio CD)
Bei mir zuhause stehen ca. 150 Neil Young CDs im Regal. Neben den ca. 50 offiziell veröffentlichen Titeln kamen im Laufe der Jahre so ca. 100 Bootlegs zusammen. Neun Mal habe ich den Meister seit 1989 live gesehen und jedes Mal war es die helle Freude.

Diese Freude sollte sich in den letzten Jahren nur noch bedingt einstellen. Das letzte durchgäng gute Album war für mich "Mirror Ball" und danach gings bergab. Dabei waren die Alben, die folgten, nicht einmal wirklich schlecht und auf keinen Fall so unnötiger Blödsinn wie die stilistischen Entgleisungen "Old Ways" oder "Everybody's Rockin'" aus den 80ern. Doch die richtig großen Knaller suchte man auf "Are You Passionate?" oder auch "Prairie Wind" leider vergeblich.

Als ich Vorfeld der Veröffentlichung von "Living With War" las, dass Neil das mit einem 100stimmigen Chor aufgenommen hatte, schrillten bei mir bereits die Alarmglocken. Oh weh, sollte es jetzt ein theatralisches Singspiel werden, eine Oper gar? Bei Neil Young weiß man ja nie.

Doch alle Befürchtungen sollten sich als null und nichtig herausstellen, nachdem ich "Living With War" das erste Mal gehört hatte. Dieses Album "is a true return to form". Wunderbarer, druckvoller no-nonsens Rock, wie ihn nur Neil spielt. Das hat er seit "Ragged Glory" und "Mirror Ball" nicht mehr so überzeugend hinbekommen. Kompliment. Die Songs sind phantastisch, Neils Stimme ist bei Kräften und seine Gitarre klingt halt so, wie es eben nur bei Neil Young der Fall ist.

Die erste Durchstrecke in Neil Youngs Karriere waren die verkorksten 80er. Danach erhob er sich wie der Phönix aus der Asche und schenkte uns sechs Jahre lang ein Meisterwerk nach dem anderen. Hoffen wir nun, dass "Living With War" ebenso das Ende der zweiten Schaffenskrise wie der Beginn eines neuen Höhenflugs darstellt. Long May You Run!


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