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Saul Karoo "Radioplayboy" (Köln)

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Kabale und Liebe (MDR)
Kabale und Liebe (MDR)
von Friedrich Schiller
  Audio CD
Preis: EUR 9,95

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sätze wie Melodien - Texte wie Musik, 24. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Kabale und Liebe (MDR) (Audio CD)
Der Pisa-Schock sitzt uns allen in den Knochen, und es wird in den Kultusministerien unter Schweiß und Tränen überlegt, wie der Abiturientenjugend beizubringen sei, was schönes, edles Deutsch nun wirklich sei und ausmache, wie Schiller die Exposition in den »Räubern« oder in »Kabale und Liebe« mit leichter Hand gestaltet habe, oder was der junge Goethe unter einer kessen und theatralischen Dreiecksbeziehung mit Decknamen »Stella« dramaturgisch alles versteckt hielt. Und so haben sich jüngst die Hörspielredaktionen von SWR und MDR und der Argon Verlag zusammengeschlossen um mehrere Klassiker wie »Emilia Galotti« (Lessing), »Urfaust«, »Iphigenie auf Tauris«, »Stella« (Goethe), »Die Räuber«, »Kabale und Liebe« (Schiller), »Der Hofmeister« (Lenz), »Der zerbrochene Krug«, »Prinz Friedrich von Homburg« (Kleist) und »Woyzeck« (Büchner) via CD ins Klassenzimmer zu bringen. Wobei es dem leitenden Projektregisseur Leonhard Koppelmann nicht um wie auch immer geartetes »Regiehörspiel« ging, sondern um ganz textnahe und unprätentiöse Auslegung der jeweiligen Vorlage. Koppelmann erläutert hierzu: »Dialoge zu lesen, ist schwierig für Ungeübte. Gesprochen jedoch entfalten sie ihren unentrinnbaren Reiz. Dazu bestechen die Theatertexte der deutschen Klassik durch ihre zeitlose Würde, ihre tiefe Humanität, ihre hohe Sprachkunst. Die Dialoge sind wie Musikstücke. In ihnen ist jene sprachliche Virtuosität zu hören, die Goethe, Schiller, Lessing, Kleist und die anderen zu Klassikern hat werden lassen, zu Tragsäulen unseres kulturellen Erbes.« Unterstützt wird das Projekt im übrigen durch die Kultusministerien von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und die Stiftung Medienkompetenzforum Südwest (MKFS). Zu einigen der Produktionen sind auch didaktische Handreichungen für den Unterricht vorbereitet worden, die wie beim Begleitmaterial zu »Emilia Galotti« Möglichkeiten einer modernen Theater- und Medienpädagogik für die Schule aufzeigen. In »Kabale und Liebe« (1784) und Lessings »Emilia Galotti« (1772), die ich hier stellvertretend für das Gesamtkonzept der Reihe »Klassik: Jetzt!« hervorheben möchte, ist die Texttreue sowie die Noblesse und Zurückhaltung der Schauspielerinnen und Schauspieler ein hervorstechendes, gewolltes Merkmal ? ohne dass es je langweilig wird. Schillers Fünfaktiger Aufschrei gegen den Absolutismus wirkt hier als Hörspiel erstaunlich frisch. Dem Pathos begegnet Regisseur Leonhard Koppelmann mit analytischem Elan. Sprachlich filigran entspinnen Birgit Minichmayr und Andreas Pietschmann als Luise und Ferdinand ihre Liebe, ehe sie sich in einem Netz aus Intrigen verfangen und schließlich sterben (Großartig: Ilya Richter als Hofmarschall und Walter Kreye als Präsident!). Auch bei Lessing reißen absolutistische Intrigen Liebende auseinander, kollidieren Bürgerwille und Fürstenwillkür, Recht und Gewalt. Gestochen scharf kommt die Hörspielversion (mit Fritzi Haberlandt und Max von Pufendorff) gerade dem Aufklärer entgegen, der Konflikte im Gespräch vorantreibt, Actionszenen nicht direkt vorführt, sondern rückblickend durchleuchtet. Frische und Klarheit sind für Koppelmann und die Ensembles in allen Inszenierungen unüberhörbar Programm. Fern von theatralischer Deklamation, fern auch von modischen Regiegags wagt der junge Regisseur die Konzentration auf die »Sprach-Sinfonien«. Die behutsame und ansonsten textnahe Inszenierung ist wohltuend für die Ohren und dürfte auch in der Schule Fürsprecher gefunden haben. Die CD-Edition »Klassik: Jetzt!«, klug platziert und mit allen zehn Schauspielen bereits auf dem Markt, dürfte ein Renner werden, da das Hören allemal komfortabler scheint als das Blättern in vergilbten Reclam-Seiten.


Prinz Friedrich von Homburg (SWR)
Prinz Friedrich von Homburg (SWR)
von Kleist von Heinrich von
  Audio CD
Preis: EUR 9,95

3 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sinfonie für die Ohren, 24. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Prinz Friedrich von Homburg (SWR) (Audio CD)
Der Pisa-Schock sitzt uns allen in den Knochen, und es wird in den Kultusministerien unter Schweiß und Tränen überlegt, wie der Abiturientenjugend beizubringen sei, was schönes, edles Deutsch nun wirklich sei und ausmache, wie Schiller die Exposition in den ?Räubern? oder in ?Kabale und Liebe? mit leichter Hand gestaltet habe, oder was der junge Goethe unter einer kessen und theatralischen Dreiecksbeziehung mit Decknamen ?Stella? dramaturgisch alles versteckt hielt. Und so haben sich jüngst die Hörspielredaktionen von SWR und MDR und der Argon Verlag zusammengeschlossen um mehrere Klassiker wie ?Emilia Galotti? (Lessing), ?Urfaust?, ?Iphigenie auf Tauris?, ?Stella? (Goethe), ?Die Räuber?, ?Kabale und Liebe? (Schiller), ?Der Hofmeister? (Lenz), ?Der zerbrochene Krug?, ?Prinz Friedrich von Homburg? (Kleist) und ?Woyzeck? (Büchner) via CD ins Klassenzimmer zu bringen. Wobei es dem leitenden Projektregisseur Leonhard Koppelmann nicht um wie auch immer geartetes ?Regiehörspiel? ging, sondern um ganz textnahe und unprätentiöse Auslegung der jeweiligen Vorlage. Koppelmann erläutert hierzu: ?Dialoge zu lesen, ist schwierig für Ungeübte. Gesprochen jedoch entfalten sie ihren unentrinnbaren Reiz. Dazu bestechen die Theatertexte der deutschen Klassik durch ihre zeitlose Würde, ihre tiefe Humanität, ihre hohe Sprachkunst. Die Dialoge sind wie Musikstücke. In ihnen ist jene sprachliche Virtuosität zu hören, die Goethe, Schiller, Lessing, Kleist und die anderen zu Klassikern hat werden lassen, zu Tragsäulen unseres kulturellen Erbes.? Unterstützt wird das Projekt im übrigen durch die Kultusministerien von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und die Stiftung Medienkompetenzforum Südwest (MKFS). Zu einigen der Produktionen sind auch didaktische Handreichungen für den Unterricht vorbereitet worden, die wie beim Begleitmaterial zu ?Emilia Galotti? Möglichkeiten einer modernen Theater- und Medienpädagogik für die Schule aufzeigen. Die Besetzungslisten der einzelnen Stücke würden jedem Theater zur Ehre gereichen. Hier finden sich alle Namen, die derzeit auf den deutschsprachigen Bühnen Furore machen. Fritzi Haberlandt (Maxim Gorki Theater, Berlin; Filme: ?Kalt ist der Abendhauch?, ?Erbsen auf halb 6?) ist Lessings ?Emilia Galotti?, Sybille Canonica (Residenztheater, München; Filme: ?Der Campus?, ?Die Braut?) Goethes ?Stella?, Oliver Stokowski (Schauspiel Zürich; Filme: ?Der Ermittler?, ?Das Experiment?) bricht als Karl Moor aus kleinbürgerlicher Provinzialität aus, während Ulrich Matthes (Deutsches Theater, Berlin; Filme: ?Der Untergang?, ?Der neunte Tag?) als ?Urfaust? mit Sven-Erik Bechtolf (Burgtheater, Wien, zweifacher Nestroy-Preisträger; Filme: ?Im Namen des Herrn?) als Mephisto um seine Seele ringt. Für den märkischen Adel von Kleists ?Prinz Friedrich von Homburg? finden edelste Repräsentanten deutscher Schauspieler-Aristokratie, wie z.B. Matthias Habich (?Der Untergang?, ?Unkenrufe?), Ulrich Noethen (?Der Untergang?, ?Das wahre Leben?), Corinna Kirchhoff (?Die Kirchkönigin?), Peter Fitz (?Lautlos?, ?23?)und Wanja Mues (?Die Bourne Verschwörung?, ?Yella?) den rechten Ton. Und jener gefallenen Maria aus Büchners apokalyptischer Unterschichtenwelt leiht die unvergleichliche Sandra Hüller (?Requiem?) ihre Stimme. Aber ist es wirklich nur ihre Stimme? So gerne man jeden einzelnen der genannten Akteure leibhaftig vor sich wissen würde, so gewiss Theater nur als Einheit von Szene, Körper und Text existiert, so sehr verblüfft es doch, wie viel es in den subtilen Ohreninszenierungen des Regisseurs Leonhard Koppelmann (Hörspiele: ?Baudolino?, ?Elementarteilchen?, ?Wassermusik?) zu entdecken gibt. Auf knapp 80 Minuten hat er die Vorlagen zurechtgestutzt. Und doch triumphiert hier das Wort, das aus sich selbst eine Vielfalt von Farben, Rhythmen und Bewegungen freisetzt, ja, eine Drastik, die sich in mancher Hinsicht den vergegenwärtigenden Einschränkungen auf der Bühne sogar als überlegen erweist. Mit welcher innigen Charakterisierungskunst etwa beatmet Hans Michael Rehberg die Lebenstäuschung des um seinen Sohn gebrachten alten Moor in Schillers ?Räubern?, und wie kalt hallt zu Beginn von Goethes ?Iphigenie? Ulrike Krumbiegels Eröffnungsmonolog aus dem Tempelinneren wider, in das es sie verschlagen hat. Hier entsteht eine Intimität, eine Verstärkung kleinster Nuancen, die auf der Bühne kaum erreicht wird. Frische und Klarheit sind für Koppelmann und die Ensembles in allen Inszenierungen unüberhörbar Programm. Fern von theatralischer Deklamation, fern auch von modischen Regiegags wagt der junge Regisseur die Konzentration auf die ?Sprach-Sinfonien?. Die textnahe Inszenierung ist wohltuend für die Ohren und dürfte auch in den Schulen Fürsprecher finden. Die CD-Edition ?Klassik: Jetzt!? dürfte ein Renner werden, da das Hören allemal komfortabler ist als das Blättern in vergilbten Reclam-Seiten.


Baudolino, 5 Audio-CDs
Baudolino, 5 Audio-CDs
von Umberto Eco
  Audio CD

3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen FSK - Freiwillige-Selbst-Kritik, 9. März 2004
Rezension bezieht sich auf: Baudolino, 5 Audio-CDs (Audio CD)
Als "Baudolino", der fünfte historisierende Roman Umberto Ecos, im August 2001 in Deutschland erschien, da stürmte er adhoc an die Spitze der Spiegel-Bestsellerliste. Vergessen waren die kommerziellen Flops der Vorgängerwerke "Kant und das Schnabeltier" (1997) und "Die Insel des vorigen Tages" (1994). Der politische Humanist, Mittelalterforscher und Semiotiker von Weltrang, der zwischendurch Forschungsarbeiten wie "Kunst und Schönheit im Mittelalter" veröffentlicht, knüpfte mit seinem sprühenden wie akademischen Mittelalterepos "Baudolino" direkt an seine erfolgreichsten Zeiten an. Die Zeiten des intelligent-schmissigen "Foucaultschen Pendel" (1988) und des linguistisch-gewieften Mittelalter-Krimis "Der Name der Rose" (1980).
Fälschen, Lügen, Spielen
"Baudolino", der fette 600-Seiter ist ein satt-triefendes Füllhorn fesselnder Episoden aus dem Leben eines Bauernburschen aus Oberitalien. Dieser Baudolino verschafft in einer nebligen Nacht dem Kaiser Friederich Barbarossa Unterschlupf bei seinem Vater, lügt den Kaiser von einer Vision seines Sieges vor, erlangt sich dessen Vertrauen, und kann das Lügen, Inszenieren von Tatsachen, strategische Fälschen von Dokumenten, ja später sogar des heiligen Grals nicht mehr lassen. Nebenbei eingeschoben: Deutsche Historiker haben vor 2 Jahren mittelalterliche klösterliche Besitz-Urkunden einer Authentizitäts-Prüfung unterzogen. Mehr als 60 Prozent waren gefälscht.
Mitten in den Wirren des 4. Kreuzzugs
Am Anfang, da befinden wir uns mitten in den Wirren des 4. Kreuzzugs, in Byzanz im Jahre 1204: Baudolino erzählt dem Griechen Niketas seine Lebensgeschichte. Niketas, seines Zeichens Chronist im byzantinischen Reich, wurde von Baudolino aus den Fängen marodierender Kreuzfahrer gerettet. Zum Dank zeichnet er die Lebenserinnerungen des über 60-jährigen Baudolinos auf.
Diesen erzählerischen Rahmen habe ich auch versucht beim Hörspiel beizubehalten. So funktioniert das Hörspiel über drei Erzählebenen: Baudolino erzählt die Geschichte dem Chronisten Niketas, dessen Aufzeichnungen wiederum sind Grundlage für die Arbeit von Eco, der sie übersetzt und abtippt oder war es andersrum? Viele großartige Schauspieler sind in dieser Produktion zu hören: allen voran Jens Wawrczeck als Baudolino (Jens Wawrczeck ist einer breiten Fangemeinde aus den "Drei Fragezeichen" bekannt, hat darüberhinaus aber schon unzählige andere Hörspiel-Hauptrollen gesprochen und ist einer der größten Schauspieler dieser Zunft!) , und Peter Fricke als Niketas plus etwa 30 weiterer Schauspieler, die dieses Epos brilliant in die Hörwelt übertragen.
Für das SWR Sinfonie-Orchester Kaiserlautern hat der geniale Komponist Henrik Albrecht ("Die Säulen der Erde" u.v.a.)einen aufwendigen Soundtrack komponiert. Dieser und die jeder Hollywood-Produktion in nichts nachstehende Geräusch- und Atmosphären-Untermalung tun ein übriges, die mittelalterliche Phantasie-Welt im Kopf des Hörers zum Leben zu erwecken. So entstanden 6 - hoffentlich - äußerst kurzweilige Stunden.
Leonhard Koppelmann ist Regisseur und Bearbeiter u.a. folgender Hörbücher: Philip Kerr - "Das Wittgenstein-Programm", Ken Follet - "Die Säulen der Erde", Michel Houellebecq - "Elementarteilchen", Andreas Eschbach - "Eine Billion Dollar", John Galsworthy - "Die Forsyte Saga", Léo Malet - "Das Leben ist zum Kotzen", Moritz Rinke - "Die Nibelungen", Bodo Kirchhoff - "Schundroman", Andrea Camilleri - "Die Stimme der Violine" u.v.a.


Shaft und das Drogenkartell: Hörspiel
Shaft und das Drogenkartell: Hörspiel
von Ernest Tidyman
  Audio CD

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die besten Hörspiele..., 8. März 2004
Shaft kennt kein Pardon!
Wer nicht reden will, fliegt! Und das ohne jede Sicherung! Aus dem Bürofenster im zwanzigsten Stockwerk des Hochhauses am Time Square.
Sorry, John Shaft hat vorher vergessen, das Fenster zu öffnen, aber den Kerl, den sie jetzt bröckchenweise vom Trottoir schrubben, dürfte das eher nicht mehr beunruhigen. Doch sein Kumpan, der gerade in den Lauf einer 45er blickt, verrät den Namen des Auftraggebers, der die Ganoven geschickt hat: Knocks Persons.
Knocks Persons ist eine harte Nuss! Der heimliche Beherrscher Harlems, der König der schwarzen Unterwelt, der mitleidlose Riese, den Freund und Feind gleichermaßen fürchten, will ihn sprechen. Aber er kennt Shaft noch nicht. Der schwarze Detektiv ist härter, wütender und skrupelloser als jeder Verbrecher. Und er will wissen, was gespielt wird, koste es, was es wolle. Und Knocks spricht. Erzählt aus seinem Leben, erzählt von seiner Tochter und ihrem Abstieg in die Hölle zu Alkohol, Drogen und Prostitution, nur um es ihrem Vater zu zeigen. Doch jetzt ist sie weg, verschwunden, gekidnappt. Und John Shaft soll sie suchen, denn auch Persons weiß, Shaft ist der Beste.
Shaft, der Modellschwarze im grauen Wollanzug mit den sündteuren Oxfordschuhen, arrangiert sich. Mit Verbrechern, Polizisten und schwarzen Rassisten, mit Mafiosi, Barkeepern und Frauen. Natürlich mit Frauen! Welches weibliche Wesen könnte dem gutaussehenden Zwei-Meter-Lackel mit den erotischen Narben am Körper und dem coolen Spruch widerstehen?
John Shaft hat es aus eigener Kraft geschafft, von Harlem aus nach oben zu kommen, den Vietnamkrieg zu überleben und sich als Detektiv eine Existenz aufzubauen. Alles unter dem Motto: wer nicht für mich ist, ist gegen mich und kriegt was in die Fresse, oder die Eier, oder wo auch immer Shaft gerade in seinen Ermittlungen nach der verschwunden Beatrice hinlangt.
Shafts Metier ist nicht das große Nachdenken. Shaft geht seinen Weg, provoziert, schießt und prügelt sich und steckt auch selbst mehr als genug ein. Shaft ist ein gebranntes Kind, lauernd, wütend und durchtrainiert. Ein Sturschädel, der die einmal eingeschlagene Richtung ohne Rücksicht auf Verluste durchzieht. Und dabei pflastern gebrochene Nasen und eingeschlagene Schädel genauso seinen Weg, wie die Leichen seiner Gegner, die er nach erholsamen One-Night-Stands seinem indirekten Beschützer Lieutenant Anderozzi zur Beseitigung hinterlässt.
Ernest Tidyman ist vor allem Filmfreunden kein Unbekannter. Der 1928 geborene Autor war vor allem für seine Drehbücher bekannt und für jenes von French Connection durfte er sich über einen Oscar freuen. Den übrigens auch Isaac Hayes für seine Filmmusik "Theme From Shaft" einheimste. "Shaft" kam zum ersten Mal 1971 in die Kinos und ihm folgten zwei weitere Filme und eine Serie, in der Richard Roundtree den mehr smarten als harten Detektiven mimte. Im Jahr 2000 durfte sich Samuel L. Jackson halbwegs erfolgreich an der Figur versuchen, aber auch er war mehr schwarzer Kleiderschrank als Actionheld.
Annette Kurth hat aus der Vorlage ein eindrucksvolles Hörspiel geschaffen. Mit der Musik von Johan Daansen, die kongenial den Original-Soundtrack von Isaac Hayes reanimiert und fortführt ohne das Zeittypische aus den Augen (Verzeihung!), aus den Ohren zu verlieren. Dazu ein veritabler Geräusch-Film der Asoziationen zum Actionkino der 70er Jahre evoziert. Garniert mit den testosteronhaltigsten Stimmen aus Filmsynchron und Hörspiel... Schöner hat "Schund" nie geklungen.
Betrachtet man dann noch die einigermaßen mißlungene Hollywood-Neuauflage, dann hat man von Annette Kurth, geradezu eine Wiederbelebung von Tarantino'schem Format. Also Ohren auf! für "Blaxploitation"-Radiofilms


Shaft und das Drogenkartell: Hörspiel
Shaft und das Drogenkartell: Hörspiel
von Ernest Tidyman
  Audio CD

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen FSK - Freiwillige-Selbst-Kritik, 4. März 2004
Wer nicht reden will, fliegt! Und das ohne jede Sicherung! Aus dem Bürofenster im zwanzigsten Stockwerk des Hochhauses am Time Square.
Sorry, John Shaft hat vorher vergessen, das Fenster zu öffnen, aber den Kerl, den sie jetzt scheibchenweise vom Trottoir schrubben, dürfte das eher nicht mehr beunruhigen. Doch sein Kumpan, der gerade in den Lauf einer 45er blickt, verrät den Namen des Auftraggebers, der die Ganoven geschickt hat: Knocks Persons.
Knocks Persons ist eine harte Nuss! Der heimliche Beherrscher Harlems, der König der schwarzen Unterwelt, der mitleidlose Riese, den Freund und Feind gleichermaßen fürchten, will ihn sprechen. Aber er kennt Shaft noch nicht. Der schwarze Detektiv ist härter, wütender und skrupelloser als jeder Verbrecher. Und er will wissen, was gespielt wird, koste es, was es wolle. Und Knocks spricht. Erzählt aus seinem Leben, erzählt von seiner Tochter und ihrem Abstieg in die Hölle zu Alkohol, Drogen und Prostitution, nur um es ihrem Vater zu zeigen. Doch jetzt ist sie weg, verschwunden, gekidnappt. Und John Shaft soll sie suchen, denn auch Persons weiß, Shaft ist der Beste.
Shafts Metier ist nicht das große Nachdenken. Shaft geht seinen Weg, provoziert, schießt und prügelt sich und steckt auch selbst mehr als genug ein. Shaft ist ein gebranntes Kind, lauernd, wütend und durchtrainiert. Ein Sturschädel, der die einmal eingeschlagene Richtung ohne Rücksicht auf Verluste durchzieht. Und dabei pflastern gebrochene Nasen und eingeschlagene Schädel genauso seinen Weg, wie die Leichen seiner Gegner, die er nach erholsamen One-Night-Stands seinem indirekten Beschützer Lieutenant Anderozzi zur Beseitigung hinterlässt.
Ernest Tidyman ist vor allem Filmfreunden kein Unbekannter. Der 1928 geborene Autor war vor allem für seine Drehbücher bekannt und für jenes von French Connection durfte er sich über einen Oscar freuen. Den übrigens auch Isaac Hayes für seine Filmmusik "Theme From Shaft" einheimste. "Shaft" kam zum ersten Mal 1971 in die Kinos und ihm folgten zwei weitere Filme und eine Serie, in der Richard Roundtree den mehr smarten als harten Detektiven mimte. Im Jahr 2000 durfte sich Samuel L. Jackson halbwegs erfolgreich an der Figur versuchen, aber auch er war mehr schwarzer Kleiderschrank als Actionheld.
Obwohl Ernest Tidyman selbst kein Farbiger ist, versucht er doch beständig die Tonart des schwarzen Mannes aus Shafts Sprache klingen zu lassen, so dass ständig ein rauher und anklagender Ton wider die weiße und korrupte Obrigkeit im herrscht.
Annette Kurth gelingt es mit ihrer Inszenierung stilsicher das New York der 70er Jahre vor unseren Ohren erstehen zu lassen. Vor allem die Musik von Johan Daansen spinnt dabei eine Atmosphäre aus, die kongenial die Musik von Isaac Hayes nacherzählt und fortentwickelt ohne den Zeitbezug zu verlieren. Markige Stimmen, bekannt aus unzähligen Filmsynchronisationen und Hörspielen, verleihen den Figuren höchst glaubwürdig Gestalt. Das alles amalgamiert zu einem höchst edlen Trash mit B-Film-Attitüde, bei dem man jede Sekunde glaubt, in ein schmuddeliges Bahnhofskino 1971 zurückversetzt worden zu sein. Eine spannende, augenzwinkernde und echt coole Reise zurück durch die Zeit. Alles das, was das Film-Remake nicht geleistet hat - eher was ein Tarantino an diesem Stoff geleistet hätte...
Leonhard Koppelmann ist Regisseur und Bearbeiter u.a. folgender Hörbücher: Philip Kerr - "Das Wittgenstein-Programm", Ken Follet - "Die Säulen der Erde", Michel Houellebecq - "Elementarteilchen", Umberto Eco - "Baudolino", Léo Malet - "Das Leben ist zum Kotzen", Jakob Arjouni - "Kismet", Moritz Rinke - "Die Nibelungen", Andrea Camilleri - "Die Stimme der Violine" u.v.a.


Kismet: Kriminalhörspiel
Kismet: Kriminalhörspiel
von Jakob Arjouni
  Audio CD

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen FSK - Freiwillige-Selbst-Kritik, 2. März 2004
Rezension bezieht sich auf: Kismet: Kriminalhörspiel (Audio CD)
Die Hörspielumsetzung von Kismet mag ich sehr gerne, wegen der coolen Atmosphäre in die Frankfurt hier getaucht ist. Halb zwischen Ebblewoi und tougher Großstadt. Die Raps vom Frankfurter Benni Kratz sind absolut fett und Tim Seyfi ist die Idealbestzung für Kayankaya. Ein Hörstück mit großem Tempo, viel Witz, knallharter Action und echt fettem Groove. Meine Empfehlung.


Die Nibelungen: Hörspiel
Die Nibelungen: Hörspiel
von Moritz Rinke
  Audio CD

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen FSK - Freiwillige-Selbst-Kritik, 13. Februar 2004
Rezension bezieht sich auf: Die Nibelungen: Hörspiel (Audio CD)
Moritz Rinke hält sich bei seiner Dramatisierung im Wesentlichen an die bekannten dramatischen Höhepunkte des im Originaltext recht sperrigen Werkes. Doch Rinkes Nibelungen-Text ist mit feinem Humor durchzogen und spielt mit einer höchst gegenwärtigen Sprache und Zeichenwelt, ohne in plumpen Modernismus zu verfallen. Statt Blut, Boden und Deutschtümelei interessiert sich Rinke für die Rache als Faden einer Geschichte, die sich bis in unsere Gegenwart immer wieder am eigenen Blut besäuft. Politik nicht ohne Vernunft, aber ohne Chance, sie anzunehmen.
Wer also eine Fantasy-Spektakel oder eine Germanistik-Übung erwartet, wird sicher enttäuscht sein. Freunde anspruchsvoller und doch humoriger Theaterabende hingegen sei dieses Werk anempfohlen. Litt und leidet die Inszenierung in Worms an der zwangsläufigen Vergröberung, die nicht zuletzt durch die enorme Kulisse provoziert ist, darf sich hier ein fulminates Schauspielerensemble in feinstem Textflorett üben. Mit Christian Redl als Hagen, Gerd Wameling als Gunther, Sylvetsr Groth als Siegfried, Christian Berkel als Gernot, Dietmar Mues als Etzel, Gisela Trowe als Mutter Uwe u.v.a. ist hier ein Ensemble zusammengekommen das jedem Festspiel, jedem Festival zu Ehre gereichen würde und sie zeigen sich mit einer Spielfreude, wie man sie leider all zu häufig auf den Bühnen dieses Landes vermisst.
Freunde modernen Theaters und Liebhaber spritziger Konversationskomödien mit Tiefgang kommen hier auf ihre Kosten (interessant ist auch der Vergleich mit der "Freiluft-Fassung" von Worms!)
Leonhard Koppelmann ist Regisseur und Bearbeiter u.a. folgender Hörbücher: Philip Kerr - "Das Wittgenstein-Programm", Ken Follet - "Die Säulen der Erde", Michel Houellebecq - "Elementarteilchen", Umberto Eco - "Baudolino", Léo Malet - "Das Leben ist zum Kotzen", Jakob Arjouni - "Kismet", Rebecka Bradley/Stewart Sloan - "Temutma", Andrea Camilleri - "Die Stimme der Violine" u.v.a.


Das Leben ist zum Kotzen, 3 Audio-CDs
Das Leben ist zum Kotzen, 3 Audio-CDs
von Léo Malet
  Audio CD

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen FSK - Freiwillige-Selbst-Kritik, 10. Februar 2004
Leo Malet heißt der Mann, der in den 40er Jahren mit seiner Schwarzen Trilogie die Ehre Europas, was die Schattenseiten der menschlichen Phantasie betrifft, wiederhergestellt hat - schrieb einmal ein Kritiker. Malet war Vagabund, Gelegenheitsarbeiter, Zeitungsausrufer, Chansonnier und Anarchist, verkehrte in den 30er Jahren bei den Pariser Surrealisten und war mit Breton und Dal befreundet war. Ende der 40er Jahre schrieb er diese stark autobiographisch gefärbte "Schwarze Trilogie", in der die Helden auf der Schattenseite der Gesellschaft stehen. Es sind kleine Ganoven und Herumtreiber, denen die Verhältnisse keine Chance gelassen haben. Malet wurde mit der "Schwarzen Trilogie" zum Begründer des französischen Schwarzen Romans, der die Tradition eines Poe oder Chandler in Paris fortsetzt.
Die Arbeit an der Hörspielumsetzung der schwarzen Trilogie war vor allem von zwei Besonderheiten gekennnzeichnet: drei vollkommen verschiedene hochklassige Bestzungen und eine grandiose Musik.
Teil 1 "Das Leben ist zum Kotzen": In dieser dunklen Geschichte von fehlgeleiteten Idealen und niederen Beweggründen agieren ein grandioser Oliver Stokowski ("Das Experiment" u.v.a.) und eine hinreissende Martina Gedeck ("Bella Martha" u.v.a.), nicht zu vergessen Jens Wawrczeck in einer ungewöhnlichen Rolle als Anarchist und Kleinganove.
Teil 2 "Die Sonne scheint nicht für uns": Hier beschreibt Malet schonungslos den Alltag von Kindern in den dunklen Vorstädten des Paris' der frühen 30er Jahre. Für dieses Stück konnten wir mit Frank Giering ("Absolute Giganten" u.v.a.), Julia Hummer ("Die innere Sicherheit" u.v.a.) und Roman Knizka ("Vergiß' Amerika" u.v.a.) drei große Talente des jungen deutschen Films verpflichten.
Teil 3 "Angst im Bauch": Im dritten und letzten Teil seiner "schwarzen Trilogie" beschreibt Malet eine "Amour Fou" mit tödlichem Ausgang. Die unglücklich Liebenden in diesem Stück sind Anna Thalbach ("Burning Life" u.v.a.) und Sebastian Blomberg ("Väter", "Was tun wenn's brennt" u.v.a.) und sie sind der eigentliche Höhepunkt dieser an Höhepunkten nicht eben schwachen Trilogie. P.S.: Der dritte im Bunde dieser Liebestragödie ist Reiner Schöne, der zwischenzeitlich in Hollywood arbeitende, Schauspieler und Sänger, der in Deutschland mit "Hair" bekannt wurde!
Über allem thront noch eine atmosphärisch dichte, unheimlich traurige Musik von Henrik Albrecht, der hiermit Angelo Badalamentis "Stadt der verlorenen Kinder" den 1. Platz unter den traurigsten Karussellmusiken streitig machen könnte.
Leonhard Koppelmann ist Regisseur und Bearbeiter u.a. folgender Hörbücher: Philip Kerr - "Das Wittgenstein-Programm", Ken Follet - "Die Säulen der Erde", Michel Houellebecq - "Elementarteilchen", Umberto Eco - "Baudolino", Philip Kerr - "Das Wittgenstein-Programm", Jakob Arjouni - "Kismet", Moritz Rinke - "Die Nibelungen", Andrea Camilleri - "Die Stimme der Violine" u.v.a.


Kismet: Kriminalhörspiel
Kismet: Kriminalhörspiel
von Jakob Arjouni
  Audio CD

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen FSK - Freiwillige-Selbst-Kritik, 6. Februar 2004
Rezension bezieht sich auf: Kismet: Kriminalhörspiel (Audio CD)
Die Hörspielumsetzung von Kismet mag ich sehr gerne, wegen der coolen Atmosphäre in die Frankfurt hier getaucht ist. Halb zwischen Ebblewoi und tougher Großstadt. Die Raps vom Frankfurter Benni Kratz sind absolut fett und Tim Seyfi ist die Idealbestzung für Kayankaya. Ein Hörstück mit großem Tempo, viel Witz, knallharter Action und echt fettem Groove. Meine Empfehlung.
Leonhard Koppelmann ist Regisseur und Bearbeiter u.a. folgender Hörbücher: Philip Kerr - "Das Wittgenstein-Programm", Ken Follet - "Die Säulen der Erde", Michel Houellebecq - "Elementarteilchen", Umberto Eco - "Baudolino", John Galsworthy - "Die Forsyte Saga", Léo Malet - "Das Leben ist zum Kotzen", Moritz Rinke - "Die Nibelungen", Bodo Kirchhoff - "Schundroman", Andrea Camilleri - "Die Stimme der Violine" u.v.a.


Die Forsyte Saga, 6 Audio-CDs
Die Forsyte Saga, 6 Audio-CDs
von John Galsworthy
  Audio CD

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen FSK - Freiwillige-Selbst-Kritik, 4. Februar 2004
Rezension bezieht sich auf: Die Forsyte Saga, 6 Audio-CDs (Audio CD)
"Die Forsyte Saga" ist eines meines Lieblingsstücke. Es ist, als nähme man bei einer fremden Familie auf dem Sofa Platz und ließe sich die kleinen und großen Tragödien ihrer Verwandschaft erzählen. Alles gemildert durch den Sepiabraunen Farbton vergilbter Photographien, mit einem Hauch Staub und viel Patina... Am Ende der Hörstrecke ist man fast ein bisschen verwandt mit allen den Forsytes, auf jeden Fall aber bekannt mit allen ihren Seelengründen.
Großartige Schauspieler bevölkern dieses Stück: allen voran Irina Wanka (als Irene) und Udo Schenk (als Soames), nicht minder die Großeltern-Generation u.a. mit Eva Pflug und Horst Sachtleben, dann die Kinder Laura Maire (als Fleur) und Paul Herbig (als Jon) u.v.a. Die Aufnahmen mit diesem Ensemble waren einzigartig. Dazu hat Henrik Albrecht wieder einen wunderbaren Soundtrack geliefert mit herrlich verkniffener "Queen Victoria"-Noblesse.
Leonhard Koppelmann ist Regisseur und Bearbeiter u.a. folgender Hörbücher: Philip Kerr - "Das Wittgenstein-Programm", Ken Follet - "Die Säulen der Erde", Michel Houellebecq - "Elementarteilchen", Umberto Eco - "Baudolino", Léo Malet - "Das Leben ist zum Kotzen", Jakob Arjouni - "Kismet", Moritz Rinke - "Die Nibelungen", Andrea Camilleri - "Die Stimme der Violine" u.v.a.


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