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Rezensionen verfasst von
Saul Karoo "Radioplayboy" (Köln)

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Maria, ihm schmeckt's nicht
Maria, ihm schmeckt's nicht
von Jan Weiler
  Audio CD
Preis: EUR 19,95

24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen isse beste vonne beste!!!, 26. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Maria, ihm schmeckt's nicht (Audio CD)
Nach dem Kracher "Liebe Sabine" zeigt Weiler hier wieder, wie gut er sich auch auf dramatische Formen versteht. Er kann eben nicht nur Roman und Erzählungen – zu wahrer Hochform läuft er auf, wenn er seine Figuren auf einer Bühne (und sei es - wie hier – eine Hörbühne!) antreten lassen kann. Wieder sind er selbst und seine Frau mit von der Partie, wieder gibt es viel zum leise Schmunzeln und zum laut Lachen, aber auch viel zum Nachdenken (Weiler erzählt auch die hässlichen Situationen, die die italienische Einwanderer der ersten Stunde erdulden mussten). Es gibt außerdem einen grandiosen Konrad Beikircher als Antonio (der hier auch unfassbar gut italienische Urlaubshits zum Besten gibt!!!) und soviel italienische Atmosphäre, dass man sich nach den fast 3 Stunden Hörspiel, wie aus einem wunderbaren Italienurlaub zurückgekehrt fühlt (und sogleich wieder zurück möchte!!!). Wie würde Antonio sagen: "Isse beste vonne beste!!!"
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Doktor Faustus, 10 Audio-CDs
Doktor Faustus, 10 Audio-CDs
von Thomas Mann
  Audio CD

25 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Ohrengenuß!, 21. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Doktor Faustus, 10 Audio-CDs (Audio CD)
»Was werden die Deutschen meinen?« fragte sich Thomas Mann 1947, als er seinen, im kalifornischen Exil geschriebenen, Roman »Doktor Faustus« abschloss. Er ist sein vielschichtigstes Werk geworden. Es handelt vom Denken, von den Sehnsüchten und von der Musik des sogenannten Kulturvolks der Deutschen, das den Teufelsbund mit dem Faschismus einging. Thomas Mann hat hierfür der Deutschen Volksbuch, den Faust, zum Vexierstoff eines Zeitromans gewählt. Es ist der Faustus des Mittelalters, der Reformation bis hin zu seiner Gestaltung im Drama Goethes, den Mann hier als den deutschen Mythos über die Jahrhunderte hinweg herbeizitiert.

Sein »Faust« erschien am 17. Oktober 1947 in Stockholm, 1948 in den USA, im selben Jahr, aber zuletzt in Deutschland. Dort wurde er zur proklamierten »Stunde Null« als unangemessene Darstellung des deutschen »Schicksals« heftig kritisiert. Bis heute dürfte die Auflage sich jedoch weltweit auf eine Million Exemplare belaufen. Ein Longseller also seither ? aber ein Lieblingsbuch der Deutschen wurde der Roman nicht.

Thomas Manns Diktum, es gebe nicht zwei Deutschland, ein böses und ein gutes, sondern nur eines, »dem sein Bestes durch Teufelslist zum Bösen ausschlug«, wird im »Faustus« durchgespielt, was vielen Lesern im Nachkriegsdeutschland mißviel. Darüber hinaus gilt der Roman als Thomas Mann schwierigstes und komplexestes Werk: Hinter der klassischen Ich-Erzählform verbirgt sich eine moderne Montagetechnik, die in die Monologe und Gesellschaftsszenen theologische Diskurse, Schönbergs Kompositionslehre, Adornos Musiktheorie, Nietzsches Leben sowie konservativ-revolutionäre Moralideologie des frühen 20. Jahrhunderts einarbeitet. Der Germanist Heinrich Detering vermerkte: »Dieser Roman tut enorm vieles und Kompliziertes auf einmal. Kann man ihn verschlingen wie die Buddenbrooks? Man kann nicht nur, man sollte unbedingt!« Mann hat hier ein »Geschichten- und Unterhaltungsbuch« geschrieben, das in lebenssatter Fabulierlust den Künstler- und Deutschlandroman mit Elementen von Psycho-Thriller, Liebesdrama und Horrorgeschichte verknüpft.

Und verschlingen kann man dieses sperrige Literatur-Möbel nun unbedingt. Der fast vierzehnstündigen Hörspielfassung von Thomas Manns Roman Doktor Faustus darf man vieles nachrühmen. Sie ist mit großer Sorgfalt und souveränem Stilgefühl erarbeitet, sie ist texttreu und setzt dennoch eine Fülle eigener Akzente, sie ist zurückhaltend inszeniert und gleichwohl höchst originell, sie findet für die Klangräume dieser Komponistentragödie überzeugende, dabei nie auftrumpfende Lösungen - und sie versteht es, das gute halbe Hundert an Sprechrollen mit einem Ensemble zu besetzen, das noch für die kleinsten Nebenpartien unverwechselbare Sprachmasken bereithält. Klug hält das Hörspiel die Mitte zwischen Sprechoper und szenischer Lesung, zwischen Kargheit also und Opulenz. Wenn es mit rechten Dingen zugeht, dürfte, ja müsste diese Produktion dem spätesten und schwierigsten der vier Großromane von Thomas Mann ein Publikum erschließen, das den puren Minderheitenstatus, den derart anspruchsvolle Hörfunk-Unternehmungen üblicherweise bedienen, merklich hinter sich lässt.


Der zerbrochene Krug (MDR)
Der zerbrochene Krug (MDR)
von Kleist von Heinrich von
  Audio CD
Preis: EUR 9,95

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sprache wie eine Sinfonie, 31. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Der zerbrochene Krug (MDR) (Audio CD)
Der Pisa-Schock sitzt uns allen in den Knochen, und es wird in den Kultusministerien unter Schweiß und Tränen überlegt, wie der Abiturientenjugend beizubringen sei, was schönes, edles Deutsch nun wirklich sei und ausmache, wie Schiller die Exposition in den »Räubern« oder in »Kabale und Liebe« mit leichter Hand gestaltet habe, oder was der junge Goethe unter einer kessen und theatralischen Dreiecksbeziehung mit Decknamen »Stella« dramaturgisch alles versteckt hielt. Und so haben sich jüngst die Hörspielredaktionen von SWR und MDR und der Argon Verlag zusammengeschlossen um mehrere Klassiker wie »Emilia Galotti« (Lessing), »Urfaust«, »Iphigenie auf Tauris«, »Stella« (Goethe), »Die Räuber«, »Kabale und Liebe« (Schiller), »Der Hofmeister« (Lenz), »Der zerbrochene Krug«, »Prinz Friedrich von Homburg« (Kleist) und »Woyzeck« (Büchner) via CD ins Klassenzimmer zu bringen. Wobei es dem leitenden Projektregisseur Leonhard Koppelmann nicht um wie auch immer geartetes »Regiehörspiel« ging, sondern um ganz textnahe und unprätentiöse Auslegung der jeweiligen Vorlage. Koppelmann erläutert hierzu: »Dialoge zu lesen, ist schwierig für Ungeübte. Gesprochen jedoch entfalten sie ihren unentrinnbaren Reiz. Dazu bestechen die Theatertexte der deutschen Klassik durch ihre zeitlose Würde, ihre tiefe Humanität, ihre hohe Sprachkunst. Die Dialoge sind wie Musikstücke. In ihnen ist jene sprachliche Virtuosität zu hören, die Goethe, Schiller, Lessing, Kleist und die anderen zu Klassikern hat werden lassen, zu Tragsäulen unseres kulturellen Erbes.« Unterstützt wird das Projekt im übrigen durch die Kultusministerien von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und die Stiftung Medienkompetenzforum Südwest (MKFS). Zu einigen der Produktionen sind auch didaktische Handreichungen für den Unterricht vorbereitet worden, die wie beim Begleitmaterial zu »Emilia Galotti« Möglichkeiten einer modernen Theater- und Medienpädagogik für die Schule aufzeigen. Die Besetzungslisten der einzelnen Stücke würden jedem Theater zur Ehre gereichen. Hier finden sich alle Namen, die derzeit auf den deutschsprachigen Bühnen Furore machen. Fritzi Haberlandt (Maxim Gorki Theater, Berlin; Filme: »Kalt ist der Abendhauch«, »Erbsen auf halb 6«) ist Lessings »Emilia Galotti«, Sybille Canonica (Residenztheater, München; Filme: »Der Campus«, »Die Braut«) Goethes »Stella«, Oliver Stokowski (Schauspiel Zürich; Filme: »Der Ermittler«, »Das Experiment«) bricht als Karl Moor aus kleinbürgerlicher Provinzialität aus, während Ulrich Matthes (Deutsches Theater, Berlin; Filme: »Der Untergang«, »Der neunte Tag«) als »Urfaust« mit Sven-Erik Bechtolf (Burgtheater, Wien, zweifacher Nestroy-Preisträger; Filme: »Im Namen des Herrn«) als Mephisto um seine Seele ringt. Für den märkischen Adel von Kleists »Prinz Friedrich von Homburg« finden edelste Repräsentanten deutscher Schauspieler-Aristokratie, wie z.B. Matthias Habich (»Der Untergang«, »Unkenrufe«), Ulrich Noethen (»Der Untergang«, »Das wahre Leben«), Corinna Kirchhoff (»Die Kirchkönigin«), Peter Fitz (»Lautlos«, »23«)und Wanja Mues (»Die Bourne Verschwörung«, »Yella«) den rechten Ton. Und jener gefallenen Maria aus Büchners apokalyptischer Unterschichtenwelt leiht die unvergleichliche Sandra Hüller (»Requiem«) ihre Stimme. Aber ist es wirklich nur ihre Stimme? So gerne man jeden einzelnen der genannten Akteure leibhaftig vor sich wissen würde, so gewiss Theater nur als Einheit von Szene, Körper und Text existiert, so sehr verblüfft es doch, wie viel es in den subtilen Ohreninszenierungen des Regisseurs Leonhard Koppelmann (Hörspiele: »Baudolino«, »Elementarteilchen«, »Wassermusik«) zu entdecken gibt. Auf knapp 80 Minuten hat er die Vorlagen zurechtgestutzt. Und doch triumphiert hier das Wort, das aus sich selbst eine Vielfalt von Farben, Rhythmen und Bewegungen freisetzt, ja, eine Drastik, die sich in mancher Hinsicht den vergegenwärtigenden Einschränkungen auf der Bühne sogar als überlegen erweist. Mit welcher innigen Charakterisierungskunst etwa beatmet Hans Michael Rehberg die Lebenstäuschung des um seinen Sohn gebrachten alten Moor in Schillers »Räubern«, und wie kalt hallt zu Beginn von Goethes »Iphigenie« Ulrike Krumbiegels Eröffnungsmonolog aus dem Tempelinneren wider, in das es sie verschlagen hat. Hier entsteht eine Intimität, eine Verstärkung kleinster Nuancen, die auf der Bühne kaum erreicht wird. Frische und Klarheit sind für Koppelmann und die Ensembles in allen Inszenierungen unüberhörbar Programm. Fern von theatralischer Deklamation, fern auch von modischen Regiegags wagt der junge Regisseur die Konzentration auf die »Sprach-Sinfonien«. Die textnahe Inszenierung ist wohltuend für die Ohren und dürfte auch in den Schulen Fürsprecher finden. Die CD-Edition »Klassik: Jetzt!« dürfte ein Renner werden, da das Hören allemal komfortabler ist als das Blättern in vergilbten Reclam-Seiten.


Hörbuch Die Räuber (SWR)
Hörbuch Die Räuber (SWR)
von Friedrich Schiller
  Audio CD

3 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sturm und Drang ist Rock'n Roll, 31. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Hörbuch Die Räuber (SWR) (Audio CD)
Der Pisa-Schock sitzt uns allen in den Knochen, und es wird in den Kultusministerien unter Schweiß und Tränen überlegt, wie der Abiturientenjugend beizubringen sei, was schönes, edles Deutsch nun wirklich sei und ausmache, wie Schiller die Exposition in den »Räubern« oder in »Kabale und Liebe« mit leichter Hand gestaltet habe, oder was der junge Goethe unter einer kessen und theatralischen Dreiecksbeziehung mit Decknamen »Stella« dramaturgisch alles versteckt hielt. Und so haben sich jüngst die Hörspielredaktionen von SWR und MDR und der Argon Verlag zusammengeschlossen um mehrere Klassiker wie »Emilia Galotti« (Lessing), »Urfaust«, »Iphigenie auf Tauris«, »Stella« (Goethe), »Die Räuber«, »Kabale und Liebe« (Schiller), »Der Hofmeister« (Lenz), »Der zerbrochene Krug«, »Prinz Friedrich von Homburg« (Kleist) und »Woyzeck« (Büchner) via CD ins Klassenzimmer zu bringen. Wobei es dem leitenden Projektregisseur Leonhard Koppelmann nicht um wie auch immer geartetes »Regiehörspiel« ging, sondern um ganz textnahe und unprätentiöse Auslegung der jeweiligen Vorlage. Koppelmann erläutert hierzu: »Dialoge zu lesen, ist schwierig für Ungeübte. Gesprochen jedoch entfalten sie ihren unentrinnbaren Reiz. Dazu bestechen die Theatertexte der deutschen Klassik durch ihre zeitlose Würde, ihre tiefe Humanität, ihre hohe Sprachkunst. Die Dialoge sind wie Musikstücke. In ihnen ist jene sprachliche Virtuosität zu hören, die Goethe, Schiller, Lessing, Kleist und die anderen zu Klassikern hat werden lassen, zu Tragsäulen unseres kulturellen Erbes.« Unterstützt wird das Projekt im übrigen durch die Kultusministerien von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und die Stiftung Medienkompetenzforum Südwest (MKFS). Zu einigen der Produktionen sind auch didaktische Handreichungen für den Unterricht vorbereitet worden, die wie beim Begleitmaterial zu »Emilia Galotti« Möglichkeiten einer modernen Theater- und Medienpädagogik für die Schule aufzeigen. Die Besetzungslisten der einzelnen Stücke würden jedem Theater zur Ehre gereichen. Hier finden sich alle Namen, die derzeit auf den deutschsprachigen Bühnen Furore machen. Fritzi Haberlandt (Maxim Gorki Theater, Berlin; Filme: »Kalt ist der Abendhauch«, »Erbsen auf halb 6«) ist Lessings »Emilia Galotti«, Sybille Canonica (Residenztheater, München; Filme: »Der Campus«, »Die Braut«) Goethes »Stella«, Oliver Stokowski (Schauspiel Zürich; Filme: »Der Ermittler«, »Das Experiment«) bricht als Karl Moor aus kleinbürgerlicher Provinzialität aus, während Ulrich Matthes (Deutsches Theater, Berlin; Filme: »Der Untergang«, »Der neunte Tag«) als »Urfaust« mit Sven-Erik Bechtolf (Burgtheater, Wien, zweifacher Nestroy-Preisträger; Filme: »Im Namen des Herrn«) als Mephisto um seine Seele ringt. Für den märkischen Adel von Kleists »Prinz Friedrich von Homburg« finden edelste Repräsentanten deutscher Schauspieler-Aristokratie, wie z.B. Matthias Habich (»Der Untergang«, »Unkenrufe«), Ulrich Noethen (»Der Untergang«, »Das wahre Leben«), Corinna Kirchhoff (»Die Kirchkönigin«), Peter Fitz (»Lautlos«, »23«)und Wanja Mues (»Die Bourne Verschwörung«, »Yella«) den rechten Ton. Und jener gefallenen Maria aus Büchners apokalyptischer Unterschichtenwelt leiht die unvergleichliche Sandra Hüller (»Requiem«) ihre Stimme. Aber ist es wirklich nur ihre Stimme? So gerne man jeden einzelnen der genannten Akteure leibhaftig vor sich wissen würde, so gewiss Theater nur als Einheit von Szene, Körper und Text existiert, so sehr verblüfft es doch, wie viel es in den subtilen Ohreninszenierungen des Regisseurs Leonhard Koppelmann (Hörspiele: »Baudolino«, »Elementarteilchen«, »Wassermusik«) zu entdecken gibt. Auf knapp 80 Minuten hat er die Vorlagen zurechtgestutzt. Und doch triumphiert hier das Wort, das aus sich selbst eine Vielfalt von Farben, Rhythmen und Bewegungen freisetzt, ja, eine Drastik, die sich in mancher Hinsicht den vergegenwärtigenden Einschränkungen auf der Bühne sogar als überlegen erweist. Mit welcher innigen Charakterisierungskunst etwa beatmet Hans Michael Rehberg die Lebenstäuschung des um seinen Sohn gebrachten alten Moor in Schillers »Räubern«, und wie kalt hallt zu Beginn von Goethes »Iphigenie« Ulrike Krumbiegels Eröffnungsmonolog aus dem Tempelinneren wider, in das es sie verschlagen hat. Hier entsteht eine Intimität, eine Verstärkung kleinster Nuancen, die auf der Bühne kaum erreicht wird. Frische und Klarheit sind für Koppelmann und die Ensembles in allen Inszenierungen unüberhörbar Programm. Fern von theatralischer Deklamation, fern auch von modischen Regiegags wagt der junge Regisseur die Konzentration auf die »Sprach-Sinfonien«. Die textnahe Inszenierung ist wohltuend für die Ohren und dürfte auch in den Schulen Fürsprecher finden. Die CD-Edition »Klassik: Jetzt!« dürfte ein Renner werden, da das Hören allemal komfortabler ist als das Blättern in vergilbten Reclam-Seiten.


Iphigenie auf Tauris (MDR)
Iphigenie auf Tauris (MDR)
von Johann Wolfgang Goethe
  Audio CD

1 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zauber der Sprache, 31. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Iphigenie auf Tauris (MDR) (Audio CD)
Der Pisa-Schock sitzt uns allen in den Knochen, und es wird in den Kultusministerien unter Schweiß und Tränen überlegt, wie der Abiturientenjugend beizubringen sei, was schönes, edles Deutsch nun wirklich sei und ausmache, wie Schiller die Exposition in den »Räubern« oder in »Kabale und Liebe« mit leichter Hand gestaltet habe, oder was der junge Goethe unter einer kessen und theatralischen Dreiecksbeziehung mit Decknamen »Stella« dramaturgisch alles versteckt hielt. Und so haben sich jüngst die Hörspielredaktionen von SWR und MDR und der Argon Verlag zusammengeschlossen um mehrere Klassiker wie »Emilia Galotti« (Lessing), »Urfaust«, »Iphigenie auf Tauris«, »Stella« (Goethe), »Die Räuber«, »Kabale und Liebe« (Schiller), »Der Hofmeister« (Lenz), »Der zerbrochene Krug«, »Prinz Friedrich von Homburg« (Kleist) und »Woyzeck« (Büchner) via CD ins Klassenzimmer zu bringen. Wobei es dem leitenden Projektregisseur Leonhard Koppelmann nicht um wie auch immer geartetes »Regiehörspiel« ging, sondern um ganz textnahe und unprätentiöse Auslegung der jeweiligen Vorlage. Koppelmann erläutert hierzu: »Dialoge zu lesen, ist schwierig für Ungeübte. Gesprochen jedoch entfalten sie ihren unentrinnbaren Reiz. Dazu bestechen die Theatertexte der deutschen Klassik durch ihre zeitlose Würde, ihre tiefe Humanität, ihre hohe Sprachkunst. Die Dialoge sind wie Musikstücke. In ihnen ist jene sprachliche Virtuosität zu hören, die Goethe, Schiller, Lessing, Kleist und die anderen zu Klassikern hat werden lassen, zu Tragsäulen unseres kulturellen Erbes.« Unterstützt wird das Projekt im übrigen durch die Kultusministerien von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und die Stiftung Medienkompetenzforum Südwest (MKFS). Zu einigen der Produktionen sind auch didaktische Handreichungen für den Unterricht vorbereitet worden, die wie beim Begleitmaterial zu »Emilia Galotti« Möglichkeiten einer modernen Theater- und Medienpädagogik für die Schule aufzeigen. Die Besetzungslisten der einzelnen Stücke würden jedem Theater zur Ehre gereichen. Hier finden sich alle Namen, die derzeit auf den deutschsprachigen Bühnen Furore machen. Fritzi Haberlandt (Maxim Gorki Theater, Berlin; Filme: »Kalt ist der Abendhauch«, »Erbsen auf halb 6«) ist Lessings »Emilia Galotti«, Sybille Canonica (Residenztheater, München; Filme: »Der Campus«, »Die Braut«) Goethes »Stella«, Oliver Stokowski (Schauspiel Zürich; Filme: »Der Ermittler«, »Das Experiment«) bricht als Karl Moor aus kleinbürgerlicher Provinzialität aus, während Ulrich Matthes (Deutsches Theater, Berlin; Filme: »Der Untergang«, »Der neunte Tag«) als »Urfaust« mit Sven-Erik Bechtolf (Burgtheater, Wien, zweifacher Nestroy-Preisträger; Filme: »Im Namen des Herrn«) als Mephisto um seine Seele ringt. Für den märkischen Adel von Kleists »Prinz Friedrich von Homburg« finden edelste Repräsentanten deutscher Schauspieler-Aristokratie, wie z.B. Matthias Habich (»Der Untergang«, »Unkenrufe«), Ulrich Noethen (»Der Untergang«, »Das wahre Leben«), Corinna Kirchhoff (»Die Kirchkönigin«), Peter Fitz (»Lautlos«, »23«)und Wanja Mues (»Die Bourne Verschwörung«, »Yella«) den rechten Ton. Und jener gefallenen Maria aus Büchners apokalyptischer Unterschichtenwelt leiht die unvergleichliche Sandra Hüller (»Requiem«) ihre Stimme. Aber ist es wirklich nur ihre Stimme? So gerne man jeden einzelnen der genannten Akteure leibhaftig vor sich wissen würde, so gewiss Theater nur als Einheit von Szene, Körper und Text existiert, so sehr verblüfft es doch, wie viel es in den subtilen Ohreninszenierungen des Regisseurs Leonhard Koppelmann (Hörspiele: »Baudolino«, »Elementarteilchen«, »Wassermusik«) zu entdecken gibt. Auf knapp 80 Minuten hat er die Vorlagen zurechtgestutzt. Und doch triumphiert hier das Wort, das aus sich selbst eine Vielfalt von Farben, Rhythmen und Bewegungen freisetzt, ja, eine Drastik, die sich in mancher Hinsicht den vergegenwärtigenden Einschränkungen auf der Bühne sogar als überlegen erweist. Mit welcher innigen Charakterisierungskunst etwa beatmet Hans Michael Rehberg die Lebenstäuschung des um seinen Sohn gebrachten alten Moor in Schillers »Räubern«, und wie kalt hallt zu Beginn von Goethes »Iphigenie« Ulrike Krumbiegels Eröffnungsmonolog aus dem Tempelinneren wider, in das es sie verschlagen hat. Hier entsteht eine Intimität, eine Verstärkung kleinster Nuancen, die auf der Bühne kaum erreicht wird. Frische und Klarheit sind für Koppelmann und die Ensembles in allen Inszenierungen unüberhörbar Programm. Fern von theatralischer Deklamation, fern auch von modischen Regiegags wagt der junge Regisseur die Konzentration auf die »Sprach-Sinfonien«. Die textnahe Inszenierung ist wohltuend für die Ohren und dürfte auch in den Schulen Fürsprecher finden. Die CD-Edition »Klassik: Jetzt!« dürfte ein Renner werden, da das Hören allemal komfortabler ist als das Blättern in vergilbten Reclam-Seiten.


Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung
Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung
von Jakob Michael Reinhold Lenz
  Audio CD
Preis: EUR 9,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Repräsentanten deutscher Schauspieler-Aristokratie, 24. März 2007
Der Pisa-Schock sitzt uns allen in den Knochen, und es wird in den Kultusministerien unter Schweiß und Tränen überlegt, wie der Abiturientenjugend beizubringen sei, was schönes, edles Deutsch nun wirklich sei und ausmache, wie Schiller die Exposition in den »Räubern« oder in »Kabale und Liebe« mit leichter Hand gestaltet habe, oder was der junge Goethe unter einer kessen und theatralischen Dreiecksbeziehung mit Decknamen »Stella« dramaturgisch alles versteckt hielt. Und so haben sich jüngst die Hörspielredaktionen von SWR und MDR und der Argon Verlag zusammengeschlossen um mehrere Klassiker wie »Emilia Galotti« (Lessing), »Urfaust«, »Iphigenie auf Tauris«, »Stella« (Goethe), »Die Räuber«, »Kabale und Liebe« (Schiller), »Der Hofmeister« (Lenz), »Der zerbrochene Krug«, »Prinz Friedrich von Homburg« (Kleist) und »Woyzeck« (Büchner) via CD ins Klassenzimmer zu bringen. Wobei es dem leitenden Projektregisseur Leonhard Koppelmann nicht um wie auch immer geartetes »Regiehörspiel« ging, sondern um ganz textnahe und unprätentiöse Auslegung der jeweiligen Vorlage. Koppelmann erläutert hierzu: »Dialoge zu lesen, ist schwierig für Ungeübte. Gesprochen jedoch entfalten sie ihren unentrinnbaren Reiz. Dazu bestechen die Theatertexte der deutschen Klassik durch ihre zeitlose Würde, ihre tiefe Humanität, ihre hohe Sprachkunst. Die Dialoge sind wie Musikstücke. In ihnen ist jene sprachliche Virtuosität zu hören, die Goethe, Schiller, Lessing, Kleist und die anderen zu Klassikern hat werden lassen, zu Tragsäulen unseres kulturellen Erbes.« Unterstützt wird das Projekt im übrigen durch die Kultusministerien von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und die Stiftung Medienkompetenzforum Südwest (MKFS). Zu einigen der Produktionen sind auch didaktische Handreichungen für den Unterricht vorbereitet worden, die wie beim Begleitmaterial zu »Emilia Galotti« Möglichkeiten einer modernen Theater- und Medienpädagogik für die Schule aufzeigen. Die Besetzungslisten der einzelnen Stücke würden jedem Theater zur Ehre gereichen. Hier finden sich alle Namen, die derzeit auf den deutschsprachigen Bühnen Furore machen. Fritzi Haberlandt (Maxim Gorki Theater, Berlin; Filme: »Kalt ist der Abendhauch«, »Erbsen auf halb 6«) ist Lessings »Emilia Galotti«, Sybille Canonica (Residenztheater, München; Filme: »Der Campus«, »Die Braut«) Goethes »Stella«, Oliver Stokowski (Schauspiel Zürich; Filme: »Der Ermittler«, »Das Experiment«) bricht als Karl Moor aus kleinbürgerlicher Provinzialität aus, während Ulrich Matthes (Deutsches Theater, Berlin; Filme: »Der Untergang«, »Der neunte Tag«) als »Urfaust« mit Sven-Erik Bechtolf (Burgtheater, Wien, zweifacher Nestroy-Preisträger; Filme: »Im Namen des Herrn«) als Mephisto um seine Seele ringt. Für den märkischen Adel von Kleists »Prinz Friedrich von Homburg« finden edelste Repräsentanten deutscher Schauspieler-Aristokratie, wie z.B. Matthias Habich (»Der Untergang«, »Unkenrufe«), Ulrich Noethen (»Der Untergang«, »Das wahre Leben«), Corinna Kirchhoff (»Die Kirchkönigin«), Peter Fitz (»Lautlos«, »23«)und Wanja Mues (»Die Bourne Verschwörung«, »Yella«) den rechten Ton. Und jener gefallenen Maria aus Büchners apokalyptischer Unterschichtenwelt leiht die unvergleichliche Sandra Hüller (»Requiem«) ihre Stimme. Aber ist es wirklich nur ihre Stimme? So gerne man jeden einzelnen der genannten Akteure leibhaftig vor sich wissen würde, so gewiss Theater nur als Einheit von Szene, Körper und Text existiert, so sehr verblüfft es doch, wie viel es in den subtilen Ohreninszenierungen des Regisseurs Leonhard Koppelmann (Hörspiele: »Baudolino«, »Elementarteilchen«, »Wassermusik«) zu entdecken gibt. Auf knapp 80 Minuten hat er die Vorlagen zurechtgestutzt. Und doch triumphiert hier das Wort, das aus sich selbst eine Vielfalt von Farben, Rhythmen und Bewegungen freisetzt, ja, eine Drastik, die sich in mancher Hinsicht den vergegenwärtigenden Einschränkungen auf der Bühne sogar als überlegen erweist. Mit welcher innigen Charakterisierungskunst etwa beatmet Hans Michael Rehberg die Lebenstäuschung des um seinen Sohn gebrachten alten Moor in Schillers »Räubern«, und wie kalt hallt zu Beginn von Goethes »Iphigenie« Ulrike Krumbiegels Eröffnungsmonolog aus dem Tempelinneren wider, in das es sie verschlagen hat. Hier entsteht eine Intimität, eine Verstärkung kleinster Nuancen, die auf der Bühne kaum erreicht wird. Frische und Klarheit sind für Koppelmann und die Ensembles in allen Inszenierungen unüberhörbar Programm. Fern von theatralischer Deklamation, fern auch von modischen Regiegags wagt der junge Regisseur die Konzentration auf die »Sprach-Sinfonien«. Die textnahe Inszenierung ist wohltuend für die Ohren und dürfte auch in den Schulen Fürsprecher finden. Die CD-Edition »Klassik: Jetzt!« dürfte ein Renner werden, da das Hören allemal komfortabler ist als das Blättern in vergilbten Reclam-Seiten.


Urfaust (MDR)
Urfaust (MDR)
von Johann Wolfgang Goethe
  Audio CD
Preis: EUR 9,95

4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hohe Sprachkunst, 24. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Urfaust (MDR) (Audio CD)
Der Pisa-Schock sitzt uns allen in den Knochen, und es wird in den Kultusministerien unter Schweiß und Tränen überlegt, wie der Abiturientenjugend beizubringen sei, was schönes, edles Deutsch nun wirklich sei und ausmache, wie Schiller die Exposition in den »Räubern« oder in »Kabale und Liebe« mit leichter Hand gestaltet habe, oder was der junge Goethe unter einer kessen und theatralischen Dreiecksbeziehung mit Decknamen »Stella« dramaturgisch alles versteckt hielt. Und so haben sich jüngst die Hörspielredaktionen von SWR und MDR und der Argon Verlag zusammengeschlossen um mehrere Klassiker wie »Emilia Galotti« (Lessing), »Urfaust«, »Iphigenie auf Tauris«, »Stella« (Goethe), »Die Räuber«, »Kabale und Liebe« (Schiller), »Der Hofmeister« (Lenz), »Der zerbrochene Krug«, »Prinz Friedrich von Homburg« (Kleist) und »Woyzeck« (Büchner) via CD ins Klassenzimmer zu bringen. Wobei es dem leitenden Projektregisseur Leonhard Koppelmann nicht um wie auch immer geartetes »Regiehörspiel« ging, sondern um ganz textnahe und unprätentiöse Auslegung der jeweiligen Vorlage. Koppelmann erläutert hierzu: »Dialoge zu lesen, ist schwierig für Ungeübte. Gesprochen jedoch entfalten sie ihren unentrinnbaren Reiz. Dazu bestechen die Theatertexte der deutschen Klassik durch ihre zeitlose Würde, ihre tiefe Humanität, ihre hohe Sprachkunst. Die Dialoge sind wie Musikstücke. In ihnen ist jene sprachliche Virtuosität zu hören, die Goethe, Schiller, Lessing, Kleist und die anderen zu Klassikern hat werden lassen, zu Tragsäulen unseres kulturellen Erbes.« Unterstützt wird das Projekt im übrigen durch die Kultusministerien von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und die Stiftung Medienkompetenzforum Südwest (MKFS). Zu einigen der Produktionen sind auch didaktische Handreichungen für den Unterricht vorbereitet worden, die wie beim Begleitmaterial zu »Emilia Galotti« Möglichkeiten einer modernen Theater- und Medienpädagogik für die Schule aufzeigen. Die Besetzungslisten der einzelnen Stücke würden jedem Theater zur Ehre gereichen. Hier finden sich alle Namen, die derzeit auf den deutschsprachigen Bühnen Furore machen. Fritzi Haberlandt (Maxim Gorki Theater, Berlin; Filme: »Kalt ist der Abendhauch«, »Erbsen auf halb 6«) ist Lessings »Emilia Galotti«, Sybille Canonica (Residenztheater, München; Filme: »Der Campus«, »Die Braut«) Goethes »Stella«, Oliver Stokowski (Schauspiel Zürich; Filme: »Der Ermittler«, »Das Experiment«) bricht als Karl Moor aus kleinbürgerlicher Provinzialität aus, während Ulrich Matthes (Deutsches Theater, Berlin; Filme: »Der Untergang«, »Der neunte Tag«) als »Urfaust« mit Sven-Erik Bechtolf (Burgtheater, Wien, zweifacher Nestroy-Preisträger; Filme: »Im Namen des Herrn«) als Mephisto um seine Seele ringt. Für den märkischen Adel von Kleists »Prinz Friedrich von Homburg« finden edelste Repräsentanten deutscher Schauspieler-Aristokratie, wie z.B. Matthias Habich (»Der Untergang«, »Unkenrufe«), Ulrich Noethen (»Der Untergang«, »Das wahre Leben«), Corinna Kirchhoff (»Die Kirchkönigin«), Peter Fitz (»Lautlos«, »23«)und Wanja Mues (»Die Bourne Verschwörung«, »Yella«) den rechten Ton. Und jener gefallenen Maria aus Büchners apokalyptischer Unterschichtenwelt leiht die unvergleichliche Sandra Hüller (»Requiem«) ihre Stimme. Aber ist es wirklich nur ihre Stimme? So gerne man jeden einzelnen der genannten Akteure leibhaftig vor sich wissen würde, so gewiss Theater nur als Einheit von Szene, Körper und Text existiert, so sehr verblüfft es doch, wie viel es in den subtilen Ohreninszenierungen des Regisseurs Leonhard Koppelmann (Hörspiele: »Baudolino«, »Elementarteilchen«, »Wassermusik«) zu entdecken gibt. Auf knapp 80 Minuten hat er die Vorlagen zurechtgestutzt. Und doch triumphiert hier das Wort, das aus sich selbst eine Vielfalt von Farben, Rhythmen und Bewegungen freisetzt, ja, eine Drastik, die sich in mancher Hinsicht den vergegenwärtigenden Einschränkungen auf der Bühne sogar als überlegen erweist. Mit welcher innigen Charakterisierungskunst etwa beatmet Hans Michael Rehberg die Lebenstäuschung des um seinen Sohn gebrachten alten Moor in Schillers »Räubern«, und wie kalt hallt zu Beginn von Goethes »Iphigenie« Ulrike Krumbiegels Eröffnungsmonolog aus dem Tempelinneren wider, in das es sie verschlagen hat. Hier entsteht eine Intimität, eine Verstärkung kleinster Nuancen, die auf der Bühne kaum erreicht wird. Frische und Klarheit sind für Koppelmann und die Ensembles in allen Inszenierungen unüberhörbar Programm. Fern von theatralischer Deklamation, fern auch von modischen Regiegags wagt der junge Regisseur die Konzentration auf die »Sprach-Sinfonien«. Die textnahe Inszenierung ist wohltuend für die Ohren und dürfte auch in den Schulen Fürsprecher finden. Die CD-Edition »Klassik: Jetzt!« dürfte ein Renner werden, da das Hören allemal komfortabler ist als das Blättern in vergilbten Reclam-Seiten.


Hörbuch Emilia Galotti (SWR)
Hörbuch Emilia Galotti (SWR)
von Gotthold E Lessing
  Audio CD

4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Noblesse und Zurückhaltung, 24. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Hörbuch Emilia Galotti (SWR) (Audio CD)
Der Pisa-Schock sitzt uns allen in den Knochen, und es wird in den Kultusministerien unter Schweiß und Tränen überlegt, wie der Abiturientenjugend beizubringen sei, was schönes, edles Deutsch nun wirklich sei und ausmache, wie Schiller die Exposition in den »Räubern« oder in »Kabale und Liebe« mit leichter Hand gestaltet habe, oder was der junge Goethe unter einer kessen und theatralischen Dreiecksbeziehung mit Decknamen »Stella« dramaturgisch alles versteckt hielt. Und so haben sich jüngst die Hörspielredaktionen von SWR und MDR und der Argon Verlag zusammengeschlossen um mehrere Klassiker wie »Emilia Galotti« (Lessing), »Urfaust«, »Iphigenie auf Tauris«, »Stella« (Goethe), »Die Räuber«, »Kabale und Liebe« (Schiller), »Der Hofmeister« (Lenz), »Der zerbrochene Krug«, »Prinz Friedrich von Homburg« (Kleist) und »Woyzeck« (Büchner) via CD ins Klassenzimmer zu bringen. Wobei es dem leitenden Projektregisseur Leonhard Koppelmann nicht um wie auch immer geartetes »Regiehörspiel« ging, sondern um ganz textnahe und unprätentiöse Auslegung der jeweiligen Vorlage. Koppelmann erläutert hierzu: »Dialoge zu lesen, ist schwierig für Ungeübte. Gesprochen jedoch entfalten sie ihren unentrinnbaren Reiz. Dazu bestechen die Theatertexte der deutschen Klassik durch ihre zeitlose Würde, ihre tiefe Humanität, ihre hohe Sprachkunst. Die Dialoge sind wie Musikstücke. In ihnen ist jene sprachliche Virtuosität zu hören, die Goethe, Schiller, Lessing, Kleist und die anderen zu Klassikern hat werden lassen, zu Tragsäulen unseres kulturellen Erbes.« Unterstützt wird das Projekt im übrigen durch die Kultusministerien von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und die Stiftung Medienkompetenzforum Südwest (MKFS). Zu einigen der Produktionen sind auch didaktische Handreichungen für den Unterricht vorbereitet worden, die wie beim Begleitmaterial zu »Emilia Galotti« Möglichkeiten einer modernen Theater- und Medienpädagogik für die Schule aufzeigen. In »Kabale und Liebe« (1784) und Lessings »Emilia Galotti« (1772), die ich hier stellvertretend für das Gesamtkonzept der Reihe »Klassik: Jetzt!« hervorheben möchte, ist die Texttreue sowie die Noblesse und Zurückhaltung der Schauspielerinnen und Schauspieler ein hervorstechendes, gewolltes Merkmal ? ohne dass es je langweilig wird. Schillers Fünfaktiger Aufschrei gegen den Absolutismus wirkt hier als Hörspiel erstaunlich frisch. Dem Pathos begegnet Regisseur Leonhard Koppelmann mit analytischem Elan. Sprachlich filigran entspinnen Birgit Minichmayr und Andreas Pietschmann als Luise und Ferdinand ihre Liebe, ehe sie sich in einem Netz aus Intrigen verfangen und schließlich sterben (Großartig: Ilya Richter als Hofmarschall und Walter Kreye als Präsident!). Auch bei Lessing reißen absolutistische Intrigen Liebende auseinander, kollidieren Bürgerwille und Fürstenwillkür, Recht und Gewalt. Gestochen scharf kommt die Hörspielversion (mit Fritzi Haberlandt und Max von Pufendorff) gerade dem Aufklärer entgegen, der Konflikte im Gespräch vorantreibt, Actionszenen nicht direkt vorführt, sondern rückblickend durchleuchtet. Frische und Klarheit sind für Koppelmann und die Ensembles in allen Inszenierungen unüberhörbar Programm. Fern von theatralischer Deklamation, fern auch von modischen Regiegags wagt der junge Regisseur die Konzentration auf die »Sprach-Sinfonien«. Die behutsame und ansonsten textnahe Inszenierung ist wohltuend für die Ohren und dürfte auch in der Schule Fürsprecher gefunden haben. Die CD-Edition »Klassik: Jetzt!«, klug platziert und mit allen zehn Schauspielen bereits auf dem Markt, dürfte ein Renner werden, da das Hören allemal komfortabler scheint als das Blättern in vergilbten Reclam-Seiten.


Stella (SWR)
Stella (SWR)
von Johann Wolfgang Goethe
  Audio CD
Preis: EUR 9,95

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klassik: Jetzt!, 24. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Stella (SWR) (Audio CD)
Der Pisa-Schock sitzt uns allen in den Knochen, und es wird in den Kultusministerien unter Schweiß und Tränen überlegt, wie der Abiturientenjugend beizubringen sei, was schönes, edles Deutsch nun wirklich sei und ausmache, wie Schiller die Exposition in den »Räubern« oder in »Kabale und Liebe« mit leichter Hand gestaltet habe, oder was der junge Goethe unter einer kessen und theatralischen Dreiecksbeziehung mit Decknamen »Stella« dramaturgisch alles versteckt hielt. Und so haben sich jüngst die Hörspielredaktionen von SWR und MDR und der Argon Verlag zusammengeschlossen um mehrere Klassiker wie »Emilia Galotti« (Lessing), »Urfaust«, »Iphigenie auf Tauris«, »Stella« (Goethe), »Die Räuber«, »Kabale und Liebe« (Schiller), »Der Hofmeister« (Lenz), »Der zerbrochene Krug«, »Prinz Friedrich von Homburg« (Kleist) und »Woyzeck« (Büchner) via CD ins Klassenzimmer zu bringen. Wobei es dem leitenden Projektregisseur Leonhard Koppelmann nicht um wie auch immer geartetes »Regiehörspiel« ging, sondern um ganz textnahe und unprätentiöse Auslegung der jeweiligen Vorlage. Koppelmann erläutert hierzu: »Dialoge zu lesen, ist schwierig für Ungeübte. Gesprochen jedoch entfalten sie ihren unentrinnbaren Reiz. Dazu bestechen die Theatertexte der deutschen Klassik durch ihre zeitlose Würde, ihre tiefe Humanität, ihre hohe Sprachkunst. Die Dialoge sind wie Musikstücke. In ihnen ist jene sprachliche Virtuosität zu hören, die Goethe, Schiller, Lessing, Kleist und die anderen zu Klassikern hat werden lassen, zu Tragsäulen unseres kulturellen Erbes.« Unterstützt wird das Projekt im übrigen durch die Kultusministerien von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und die Stiftung Medienkompetenzforum Südwest (MKFS). Zu einigen der Produktionen sind auch didaktische Handreichungen für den Unterricht vorbereitet worden, die wie beim Begleitmaterial zu »Emilia Galotti« die Möglichkeiten einer modernen Theater- und Medienpädagogik für die Schule ausschöpfen. In Koppelmanns Inszenierung der »Stella« von Goethe, die ich hier stellvertretend für das Gesamtkonzept der Reihe »Klassik: Jetzt!« hervorhebe, ist die Texttreue sowie die Noblesse und Zurückhaltung der Schauspielerinnen und Schauspieler ein hervorstechendes, gewolltes Merkmal ? ohne dass es je langweilig wird. Sybille Canonica spricht ?ihre? Stella zwar als eine durch Leidenschaft Zerrissene, aber der Weg in eine denkbare hysterische Übersteigerung wäre noch ein weiter. Oliver Stokowski als der düpierende Ehemann und Liebhaber Fernando lässt noch ganz viel Raum auf der Klaviatur des Sturm und Drang und verausgabt sich ganz bewusst nicht ? und das im Dienste einer nicht ?ausinterpretierten? Werktreue. Und darf man es sagen? Die kratzige, rauchzarte Stimme von Jule Böwe als Lucie und damit hin- und hergerissenes Kind zwischen Mutter und treulosem Vater, das war eine pikante Tingierung einer morbiden Konstellation. Koppelmanns Entscheidung, Goethes Urfassung von 1775 als Vorlage zu nehmen und nicht seine spätere Handschrift (1805) mit einem bürgerlichen Gift- und Schuss-Ende als Konzession an damalige Moral- Etikette, war richtig. Die behutsame und ansonsten textnahe Inszenierung ist wohltuend für die Ohren und dürfte auch in der Schule Fürsprecher gefunden haben. Die CD-Edition »Klassik: Jetzt!«, klug platziert und mit allen zehn Schauspielen bereits auf dem Markt, dürfte ein Renner werden, da das Hören allemal komfortabler scheint als das Blättern in vergilbten Reclam-Seiten.


Hörbuch Woyzeck (SWR)
Hörbuch Woyzeck (SWR)
von Georg Büchner
  Audio CD

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Reise in den Kopf, 24. März 2007
Rezension bezieht sich auf: Hörbuch Woyzeck (SWR) (Audio CD)
Der Pisa-Schock sitzt uns allen in den Knochen, und es wird in den Kultusministerien unter Schweiß und Tränen überlegt, wie der Abiturientenjugend beizubringen sei, was schönes, edles Deutsch nun wirklich sei und ausmache, wie Schiller die Exposition in den »Räubern« oder in »Kabale und Liebe« mit leichter Hand gestaltet habe, oder was der junge Goethe unter einer kessen und theatralischen Dreiecksbeziehung mit Decknamen »Stella« dramaturgisch alles versteckt hielt. Und so haben sich jüngst die Hörspielredaktionen von SWR und MDR und der Argon Verlag zusammengeschlossen um mehrere Klassiker wie »Emilia Galotti« (Lessing), »Urfaust«, »Iphigenie auf Tauris«, »Stella« (Goethe), »Die Räuber«, »Kabale und Liebe« (Schiller), »Der Hofmeister« (Lenz), »Der zerbrochene Krug«, »Prinz Friedrich von Homburg« (Kleist) und »Woyzeck« (Büchner) via CD ins Klassenzimmer zu bringen. Wobei es dem leitenden Projektregisseur Leonhard Koppelmann nicht um wie auch immer geartetes »Regiehörspiel« ging, sondern um ganz textnahe und unprätentiöse Auslegung der jeweiligen Vorlage. Koppelmann erläutert hierzu: »Dialoge zu lesen, ist schwierig für Ungeübte. Gesprochen jedoch entfalten sie ihren unentrinnbaren Reiz. Dazu bestechen die Theatertexte der deutschen Klassik durch ihre zeitlose Würde, ihre tiefe Humanität, ihre hohe Sprachkunst. Die Dialoge sind wie Musikstücke. In ihnen ist jene sprachliche Virtuosität zu hören, die Goethe, Schiller, Lessing, Kleist und die anderen zu Klassikern hat werden lassen, zu Tragsäulen unseres kulturellen Erbes.« Unterstützt wird das Projekt im übrigen durch die Kultusministerien von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und die Stiftung Medienkompetenzforum Südwest (MKFS). Zu einigen der Produktionen sind auch didaktische Handreichungen für den Unterricht vorbereitet worden, die wie beim Begleitmaterial zu »Emilia Galotti« Möglichkeiten einer modernen Theater- und Medienpädagogik für die Schule aufzeigen. In »Woyzeck«, das ich hier stellvertretend für das Gesamtkonzept der Reihe »Klassik: Jetzt!« hervorheben möchte, prägen Satzfetzen und eine gehetzte Atemlosigkeit das Sujet. Sie verraten Wucht und Wut, längst ehe Woyzeck (Werner Wölbern) seine untreue Geliebte Marie (Sandra Hüller) ersticht. Unter ihm »schwankt die Erde«, über sich wähnt er »Getös? am Himmel«, rundum verfolgen ihn Stimmen oder pochende Wände. So klug wie expressiv lädt die Sprach- und Klangkomposition jedes Geräusch, jede abgerissene Melodie mit Bedeutung auf. Wenn dieser radikale akustische Zugang die wilde Jagd in Woyzecks Kopf offen legt, wird das Hörspiel zum Königsweg ins Unbewusste. Frische und Klarheit sind für Koppelmann und die Ensembles in allen Inszenierungen unüberhörbar Programm. Fern von theatralischer Deklamation, fern auch von modischen Regiegags wagt der junge Regisseur die Konzentration auf die »Sprach-Sinfonien«. Die textnahe Inszenierung ist wohltuend für die Ohren und dürfte auch in den Schulen Fürsprecher finden. Die CD-Edition »Klassik: Jetzt!« dürfte ein Renner werden, da das Hören allemal komfortabler ist als das Blättern in vergilbten Reclam-Seiten.


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