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JazzMatazz (Würzburg, Dirty South)

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Watch the Throne
Watch the Throne
Preis: EUR 7,99

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Unter ihren Möglichkeiten, 24. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Watch the Throne (Audio CD)
Kanye West und Jay-Z können auf eine erfolgreiche gemeinsame Vergangenheit zurückblicken, ein Kollabo-Album ist dabei jedoch ein Novum. Ursprünglich als EP gelpant, wurde aus "Watch The Throne" im Endeffekt eine vollständige LP, die in der Standard-Ausgabe mit 12 Songs aufwarten kann, die Deluxe Version bietet neben 4 Bonus Tracks noch einen edlen Papp-Schuber. Bei Zusammenschlüssen von Künstlern mit solch großen Namen entstehen natürlich nicht minder große Erwartungen seitens des Publikums. Allerdings musste man in ähnlichen Fällen auch so manch Ernüchterung hinnehmen ("Blackout! 2"). Damit dies dem Werk von Kanye und dem Jigga nicht passiert, wurden mit 88-Keys, RZA, Q-Tip, Swizz Beatz oder The Neptunes viele bekannte Producer engagiert. Checken wir mal, ob es funktioniert.

Was man bei einem Album mit dem Titel "Watch The Throne" und zwei selbstverliebten Rappern lyrisch erwarten kann, steht schon im Vorfeld klar: Selbstverherrlichung noch und nöcher... gähn! Lassen wir uns von diesem Minuspunkt nicht abschrecken und hören in den Opener "No Church In The Wild" hinein. Die Produktion hat einen lässigen Touch, gepaart mit einem packenden Rhythmus und ein bisschen Jungle Flavor, der ein paar Tiergeräusche als Highlight vorweisen kann. Neben Jay-Z und Kanye ist auch Newcomer Frank Ocean vertreten, der jedoch nicht sonderlich glänzen kann, insbesondere sein Auto-Tune Part (von wegen "D.O.A.") ist ein Graus. "Lift Off" hingegen paart moderne, sehr elektronische Melodien mit barocken Klavierschlägen, kommt insgesamt sehr harmonisch rüber, was nicht zuletzt an Kanye's Gesangseinlagen liegt. Verächter von Pop-Rap werden diesem Stück unter Garantie nicht viel abgewinnen können, zumal auch Jay-Z's Gattin Beyoncé mit von der Partie ist. Nachdem wir mit "Niggas In Paris" einen absoluten Langweiler geboten bekamen, gibt es mit den Tracks "Otis" und "Gotta Have It" die volle Ladung Samples auf die Ohren. Während das Blues behaftete "Otis" den 1967 verstorbenen Otis Redding würdig wieder aufleben lässt, beinhaltet "Gotta Have It" die Stimme des legendären James Brown. Die Neptunes setzten wie gewohnt auf massig Synthesizer und einen dicken Beat, der besonders Jay-Z in die Karten spielt.

"New Day" stammt aus den Händen von RZA, dem genialen Mastermind des Wu-Tang Clans. Wie häufiger in der Vergangenheit wichen hier die knüppelharten Sounds dem relaxten Melodiengewand. Das Instrumental ist schlicht und einfach eine Wucht, leider wird dieses völlig unnötig von einer furchtbar verzerrten Stimme, die während der kompletten Laufzeit präsent ist, verdorben und fast unerträglich. Das darauffolgende "That's My Bitch" begeistert dagegen mit elektronischen Klängen, die sich ein wenig nach der 8-Bit-Videospiel-Ära anhören, dazu kommt ein kraftvoller Beat und eine schlicht und einfach coole Gesamtanmutung, bei der die beiden Homies auch mit flotten Raps glänzen können. Fern ab von diesem Glanz zeigt sich das von Swizz Beatz produzierte "Welcome To The Jungle", welches absolut misslungen ist und ein nerviger, penetranter und unmelodischer Song zu Buche steht. Deutlich besser machte es Swizzie da bei "Murder To Excellence". Das besondere an diesem Titel ist, dass er in zwei Teile gesplittet wurde. Der erste, "Murder", bringt Power und Emotion, hat Drive und geht einfach unter die Haut wenn Kanye und Jay-Z über die Gewalt auf den Straßen philosophieren. Der von S1 geschmiedete Part "Excellence" ist dank Chipmunk-Stimmen im Background ein wenig kitschig geraten, punktet aber mit dem Gute-Laune-Feeling. Zum Abschluss rechnet Jay-Z auf "Why I Love You" mit ehemaligen Weggefährten und Speichelleckern ab. Das Ganze geschieht in Zusammenarbeit mit einem mächtigen und pompösen Stück Musik. Einen besseren Abgang kann man sich wohl kaum selbst bereiten.

"Watch The Throne" hat definitiv seine Lichtblicke, allerdings muss auch festgehalten werden, dass Jay-Z und Kanye West unter der Messlatte bleiben, die sie zu ihrer Glanzzeit mit "The Black Album" und "The College Dropout" gelegt hatten. Fans der beiden wird dies sicher nicht davon abhalten sich die Platte zu kaufen und Gefallen daran zu finden, als neutraler Hip Hop Hörer hingegen sollte man sich die Gelegenheit auf ein paar Hörproben nicht entgehen lassen.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 10, 2011 2:17 PM CET


Kein Titel verfügbar

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen B*tch I am RAW!, 13. August 2011
War sein Debüt "Gazing At The Moonlight" 2009 noch über das inzwischen zwar abgehalfterte, aber immer noch legendäre Label Ruthless erschienen, so blieb Hopsin mit dem Nachfolger "RAW" leider nichts anderes übrig als den digitalen Weg der Distribution zu wählen und das Album als MP3 zu veröffentlichen. In Deutschland sicher noch vielen unbekannt, dürfte der 26-jährige Rapper aus Los Angeles durch seinen Auftritt auf Tech N9ne's neuem Werk "All 6's And 7's" vielleicht etwas mehr Aufmerksamkeit erlangen. Dass er diese definitiv verdient hätte, zeigt uns dieses Album aus dem Jahr 2010.

"RAW" umfasst 16 Songs, die alle vom Mann mit dem Faible für weiße Kontaktlinsen selbst produziert wurden. Als Opener dient "Hot 16's", bei dem der Junge keinen Zweifel daran lässt, dass er vor Selbstbewusstsein nur so strotzt, was in Kombination mit einem penetranten, straff gehaltenen Instrumental passiert. Wer Hopsin zum ersten Mal hört, wird dabei auch sofort auf seinen lässigen Flow und die angenehme Aussprache aufmerksam. "Sag My Pants" erinnert ein wenig an Hopsins Vorbild Eminem. Das liegt nicht nur am rotzfrechen Refrain, sondern auch daran, dass der Junge sich gleich mit einem Haufen von Leuten anlegt. Neben Drake, Rick Ross, Lil Wayne und Soulja Boy bekommt auch das alte Label Ruthless sein Fett weg. Die Produktion ist dabei recht schlicht, fast schon unspektakulär, eignet sich dadurch aber perfekt zum Zuhören. Kleiner Tipp: Unbedingt mal das Video zum Song anschauen. Deutlich düsterer geht es beim darauf folgenden "You Are My Enemy" zu. Allein schon die Hintergrundmelodie sorgt für Gänsehaut-Feeling, Hopsin tut sein Übriges. Leider nimmt der Refrain mit seiner vielen Elektronik und dem Gesang wieder etwas davon, nichts desto trotz kann man auch hier von einem gelungenen Track sprechen. Im krassen Gegensatz dazu steht dazu "I'm Not Introducing You", das insgesamt verdammt groovy und fröhlich klingt, was durch Hopsins Gesang etwas verstärkt wird. Den ersten Gastauftritt erleben wir mit Swizzz, der ja öfter mit Hopsin zusammenarbeitet, auf "I Am RAW". Inhaltlich erzählen die beiden von ihrem Werdegang und diversen Rückschlägen, was mit einem sehr pompösen Beat und der Aussage "B*tch I am raw" in unser Gehör gemeiselt wird.

Etwas nachdenklicher erleben wir Hopsin auf "Nocturnal Rainbows", das vom Sound her tatsächlich nach einem Ausflug in die dunkle Nacht klingt. Dabei spricht er seine persönliche Lage an ("I still don't know who Hopsin is"), aber geht auch mit dem amerikanischen Präsidenten hart ins Gericht. Der nächste Track "How You Like Me Now", ebenfalls mit Swizzz, präsentiert sich dagegen ruff und aggressiv, was man sowohl der Produktion, als auch den Performances der beiden deutlich anhört. "Kill Her" erinnert ein wenig an Brotha Lynch Hung. Harter Tobak, bei dem die Bässe gnadenlos poltern und Hopsin seinem Hass auf Tomica Wright freien Lauf lässt. Auch hier sollte man sich unbedingt mal das zugehörige Video ansehen - krasser Stoff! Als perfektes Anhängsel folgt darauf mit "I'm Not Crazy" (feat. SwizZz & Cryptic Wisdom)ein Track, der unterhaltsamer nicht sein könnte. Hier erzählt er uns, was er ist und was nicht. So wirklich glauben mag man den Titel des Tracks zunächst zwar nicht, doch nach den Worten im Refrain: "I'm not crazy // I'm just a tad bit strange" denkt man sich selbst nur "alles klar" und grinst dabei, insbesondere beim erneuten Seitenhieb auf Lil Wayne. Gegen Ende geht es mit "Blood Energy Potion" in Richtung Horrorcore, wobei der Song tatsächlich den Sound eines alten Horrorschinkens - garniert mit ein paar E-Gitarrenriffs - nennen kann. Hopsins Flow ist hier ein wahrer Genuss, den Inhalt darf man dabei natürlich nicht ganz so ernst nehmen. Abgerundet wird das Ganze mit einem erneut mehr als gelungenem Track, "Pillow Man".

Wenn man das Album dieses wirklich talentierten Rappers durchgehört hat, fällt man zunächst in Begeisterung, dann jedoch auch in Bedauern, dass er momentan kein Label findet, das dieses Werk auf Platte presst. Verdient wäre es allemal. "RAW" ist erfrischend, da deutlich abweichend vom Mainstream, außerdem sehr unterhaltsam, wenn man den Lyrics aufmerksam zuhört. Wer die Strange Music Crew oder die älteren Sachen von Eminem mag, sollte hier definitiv mal rein hören, aber auch alle anderen, die vom Pop-Weichspüler genug haben.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 27, 2011 1:48 AM MEST


All 6's and 7's
All 6's and 7's
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Welcome 2 Strangeland, 23. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: All 6's and 7's (Audio CD)
Es ist mittlerweile ein alljährliches Ritual geworden, dass Aaron Yates a.k.a. Tech N9ne mindestens eine Platte veröffentlicht - die Collabos-Werke einbezogen. Nachdem sich "K.O.D." zumindest in den USA verkauft hat wie geschnitten Brot und Tech's Fans generell hohe Ansprüche haben, liegt die Messlatte für sein jüngstes Werk "All 6's And 7's" selbstverständlich sehr weit oben. Im Vorfeld wurde bereits viel über das Album gesprochen, insbesondere die geplante Gästeliste mit Leuten wie Nicki Minaj, Lil Wayne, Eminem oder Snoop Dogg hatte bei nicht wenigen für etwas Missmut gesorgt, allerdings wurde im Endeffekt nur ein Teil der Ideen in die Tat umgesetzt. Wie das funktioniert und ob Kansas City's liebster Sohn eine weitere Perle zu seiner hochkarätigen Discografie hinzugefügt hat, sehen wir jetzt.

Stolze 24 Titel zählen wir auf der Tracklist, wobei natürlich wieder einige Skits mit dabei sind. Etwas schade ist auch, dass Pre-Order, Best Buy und die iTunes-Ausgaben von "All 6's And 7's" insgesamt 7 Bonus Tracks spendiert bekamen, in deren Genuss wir hier nicht kommen. Sei's drum. Mit dem ersten Song "Technicians", eine Art Hommage an seine Anhänger, die er der Welt präsentiert. Das Kampfgeschrei, das aus dem Film "300" übernommen wurde, kam ja schon früher zum Einsatz, passt hier aber auch wie die Faust aufs Auge, in Kombination mit Tech N9ne's zerstörerischem Flow und dem donnernden Beat wird am Ende eine wahre Hymne daraus, der auch Krizz Kaliko mit seinen Parts im Refrain seinen Stempel aufdrücken kann. Auf diesen Kracher zu Beginn folgt mit "Am I A Psycho?" gleich das nächste Highlight. B.o.B., der ja sonst eher zur soften Kategorie zählt, produzierte das Stück und ist gleich noch als Feature dabei, zusätzlich ist noch Hopsin mit am Start. Schnell wird klar, dass der Titel des Songs eigentlich nur eine rhetorische Frage ist und mit abgedrehten Verses der drei beantwortet wird. Soundmäßig ein wenig düsterer, aber erneut mit einer unglaublichen Wucht, der man sich einfach nicht entziehen kann. Nach diesem kleinen Einblick in Tech's Inneres bekommen wir mit der Single "He's A Mental Giant" gleich noch passenden Nachschub. Hierzu schaut man sich am besten das Video an, das mit seiner abgedrehten Visualisierung die Stimmung des Songs perfekt einfängt.

Wer nun denkt ein wenig verschnaufen zu können, der hat leider Pech gehabt, den mit "Worldwide Choppers" wird der Power-Regler bis zum Anschlag aufgedreht. Aggressive E-Gitarren zieren einen mächtigen Bass, dazu feuern Tech N9ne und seine Gäste Busta Rhymes, Yelawolf, Twista, D-Loc, Twisted Insane, JL, Ceza und Uso einen High Speed Vers nach dem nächsten ab. Dank den europäischen Kollegen Ceza und Uso blieb es diesmal nicht bei der Bezeichnung "Midwest Choppers", allerdings passt "Worldwide" bei einem solchen Biest auch gleich viel besser. Einen krassen Kontrast dazu bietet die groovy Gute-Laune-Nummer "I Love Music", die das Album zum richtigen Zeitpunkt ein wenig auflockert. Eine kleine Überraschung erleben wir mit "Strangeland" und das liegt weniger am Song an sich, sondern am Producer-Team J.U.S.T.I.C.E. League, das sich ja eigentlich auf sonnigen Florida Hip Hop à la Rick Ross oder Ace Hood spezialisiert hat. Das Stück für Tech N9ne gestalteten sie hingegen mystisch und fast schon märchenhaft, wozu unser Erzähler von seinem selbst kreierten Reich berichtet. Da das den Jungs offenbar so viel Spaß gemacht hat, setzen sie mit "The Boogieman" das Konzept fort und liefern ihre Version der Story um den bösen Mann der unterm Bett lauert. In der Mitte von "All 6's And 7's" finden wir eine Art Porno-Phase, angeführt von dem Song, vor dem es wohl vielen gegraut hat, nämlich "F*ck Food", die Kollabo mit Lil Wayne und T-Pain. Gemeinsam mit seinen Gästen lässt Tech keine Gelegenheit über die Vorlieben beim Schäferstündchen zu philosophieren, da sollte man eine Brise Humor mitbringen. Das eigentlich Verrückte an dem Track: es funktioniert. Besonders T-Pain zeigt auf dem wieder ein wenig dunkler ausgelegten Stück, dass er als Rapper mehr auf dem Kasten hat, als als Sänger.

Leider ist der Rest dieser Phase bei weitem nicht auf dem Niveau, sondern insgesamt recht uninteressant und wird von dem ebenfalls nicht besonders glänzenden "You Owe Like Pookie" und dessen unharmonischer Art vollendet. "So Lonely" verbindet gekonnt Härte mit Gänsehauteffekten, besonders der Refrain mit Tech's aggressiver Performance zusammen mit dem Gesang von Mackenzie, der Tochter von Co-Labelchef Travis O'Guin. Feature Blind Fury hat gegenüber Tech N9ne deutlich das Nachsehen und passt somit nicht hundertprozentig auf einen Track, in dem es um Alleinstellung im Biz geht, nichts desto trotz hören wir ein großartiges Stück Musik. Ebenfalls sehr schön anzuhören sind die gefühlvollen Songs gegen Ende. Angefangen mit "If I Could", das seiner Familie gewidmet ist, über das chillige "Love Me Tomorrow", das sich mit der eigenen Person beschäftigt, hin zu "Mama Nem", das - wie der Titel schon erkennen lässt - an die Mutter gerichtet ist und als Danksagung zu verstehen ist. All diese Titel zeigen die menschliche Seite des Tech N9ne und nicht den Psycho aus dem Strangeland. Nebenbei glänzt Krizz Kaliko, der mit seinen Hooks den Vorstellungen seines Chefs die Krone aufsetzt. Zum Abschluss gibt es mit freaky Klängen einen kurzen Überblick über den freaky Werdegang von Tech N9ne und dessen komplett selbstgeschaffener Karriere, dem sogenannten "Promiseland" (feat. Nikkiya Brooks).

Trotz bald 40 Jahren auf dem Buckel zeigt sich Tech N9ne mit "All 6's And 7's" so frisch und energiegeladen wie eh und je. Zwar haben sich bei der langen Tracklist auch schwache Stücke eingeschlichen, insgesamt überwiegen jedoch wieder einmal die Highlights, die in Sachen Text und Sound für Begeisterung bei all seinen Fans unter Garantie sorgen werden und sicher auch noch einige neue hinzugewinnen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 26, 2011 6:27 PM MEST


Hell: The Sequel (Deluxe Edition)
Hell: The Sequel (Deluxe Edition)
Preis: EUR 11,98

15 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen See you in Hell for the Sequel, 9. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Hell: The Sequel (Deluxe Edition) (Audio CD)
Royce da 5'9'' und Eminem - Bad Meets Evil. Was vor über 10 Jahren so vielversprechend begann, wurde durch den Beef zwischen D12 und Royce zerschlagen. Mittlerweile ist das Schnee von gestern, die Unklarheiten sind beiseite geräumt und Eminem hat seinen Homie samt dessen Crew Slaughterhouse zu Shady Records geholt. Bei der Gelegenheit bot es sich natürlich auch gleich an, Bad Meets Evil aus den dunklen Abgründen des Midwest Raps heraufzubeschwören. Mit dem passenden Titel "Hell: The Sequel", angelehnt an ihr Duett auf der "Slim Shady LP", präsentieren uns die beiden Mit-Dreißiger ihre erste offizielle EP, die hierzulande als Deluxe Edition mit 2 Bonus Tracks auf den Markt kommt.

Nachdem Eminem mit Songs wie "We Made You" oder "Love The Way You Lie" nach seinem Comeback die Charts und eine Menge neuer Teenie-Herzen eroberte, fragt man sich vor Einlegen der Disc natürlich, ob "Hell: The Sequel" wieder in Richtung Pop-Rap oder Back to the Roots geht. Die Antwort liefert der Opener "Welcome 2 Hell". Havoc von Mobb Deep schmiedete den Beat, der gewohnt düster und penetrant aus unseren Speakern hämmert. Eminem, der die ersten Zeilen vorträgt, packt dazu einen extrem bissigen Flow aus und zeigt, dass es ihm mit der Bad Meets Evil Reunion verdammt ernst ist. Royce steht dem in nichts nach und bietet wie auf seinen Solo-Platten einen starken Auftritt, der uns Vorfreude auf den Rest der EP macht. Eine Spur melodischer, geht es bei "Fast Lane" zur Sache, nichts desto trotz zeigt sich der Song erneut sehr maskulin. Inhaltlich wird geprollt und auf dicke Hose gemacht, was das Zeug hält, zusätzlich verfeinert ein eingesungener Refrain von Sly Jordan das Stück. Die Power des Beginns von "Hell: The Sequel" ist also schon wirklich beachtlich, doch Bad Meets Evil steigern sich noch. In "Above The Law" mutieren die beiden zum Albtraum des amerikanischen Spießertums, erzählen von ihren Kriminalitäten und zeigen dem Gesetzgeber quasi den Mittelfinger - wieder einmal machen sie ihrem Bandnamen alle Ehre. Unterstützt wird dies von einem extrem energiegeladenen Instrumental aus den Händen von Mr. Porter, welches mit bombastischen Klängen durch die Anlage donnert und mit zwei aggressiven MCs hinterm Mikro seinen mitreißenden Charm entfaltet.

"I'm On Everything" erinnert ein wenig an Eminems Major Debüt von 1999, als er unverblümt von Drogentrips jeglicher Art berichtete. Auch in diesem Track dreht sich alles um die bewusstseinerweiternden Substanzen und ihre Wirkungen. Musikalisch erwartet uns eine recht schräge Begleitung, der Komiker Mike Epps mit seinem Refrain die Krone aufsetzt. Leider hält sich die bisher recht hohe Qualität der EP nicht konstant von Anfang bis Ende. So wird beispielsweise die recht maue und eintönige Bangladesh-Produktion "A Kiss" ziemlich schnell zur Schlaftablette und auch die kitschige Pop-Nummer "Lighters" von und mit Bruno Mars will sogar nicht auf ein Werk, das das Wort "Hell" in sich trägt, passen. Die Standard-Version der EP erhält ihren Ausklang mit "Loud Noises", bei der Royce's Crew Slaughterhouse vertreten ist. Insgesamt liefert das Quintett eine ansprechende Performance und feuert sich die Reime nur so um die Ohren, allerdings basieren ihre Vocals auf einem nicht mehr als durchschnittlichen E-Orgel-Instrumental, das relativ bald seinen Reiz verloren hat. Da wäre deutlich mehr drin gewesen! Glücklicherweise können die Bonus Tracks "Living Proof" und "Echo" hier wieder einiges glatt bügeln und überzeugen sowohl mit Royce da 5'9'' und Eminem, als auch mit ihren Beatbastlern Mr. Porter und DJ Khalil.

"See you in hell for the sequel" hieß es vor 12 Jahren, nun ist es also tatsächlich dazu gekommen. Trotz des vorangeschrittenen Alters zeigen sich die beiden Rapper aus Detroit engagiert und vor allem so böse wie zu ihrer Blütezeit. Die Qualität ihrer Klassiker "Nuttin' To Do", "Bad Meets Evil" oder "Renegade" erreicht "Hell: The Sequel" zwar eher selten, trotzdem lässt sich die EP als gelungen bezeichnen und ist damit definitiv eine Empfehlung für alle Fans der beiden, egal ob solo oder in Kombination.


Pl3dge
Pl3dge
Preis: EUR 17,74

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen 3.5 Sterne, 1. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Pl3dge (Audio CD)
Mit "Pl3dge" veröffentlicht Killer Mike, der sich in den letzten Jahren kurzzeitig in Mike Bigga umbenannte, den dritten und damit finalen Teil der "I Pledge Allegiance To The Grind"-Serie. Kleiner Unterschied zu den 2006 und 2008 erschienen Vorgängern: das Album erscheint nun neben Mikes eigener Plattenfirma Grind Time Official auch über die des Kollegen T.I., Grand Hustle. Neben dem neuen Geschäftspartner treffen wir auf der Gästeliste auf jede Menge weitere Prominenz aus Atlanta. So sind neben Mikes langjährigem Dungeon Family Kumpanen Big Boi von OutKast auch noch Gucci Mane oder Young Jeezy mit von der Partie. Wer also auf Southern Rap aus Georgia steht, kann sich auf eine Platte ganz nach seinem Geschmack einstellen.

Smiff & Cash, die bereits auf älteren LPs von Killer Mike so manchen Song produziert hatten, lieferten für "Pl3dge" erneut einige Beats ab, den ersten zum Opener "So Glorious". Wen oder was Killer Mike so glorious findet, liegt natürlich auf der Hand: sich selbst. Mit scharfem Flow zeigt der mittlerweile 36-jährige Rapper, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört und das mit einem Instrumental im Hintergrund, das nicht nach dem typischen Down South Rap kling, sondern trotz des kräftigen Beats dank Pianoloop und Backgroundgesang einiges an Soul mitbringt. 5 Jahre nach "That's Life" bekommen wir nun den zweiten Teil (feat. Rock D The Legend) zu hören. Killer Mike geht hierbei mit mächtig Wut im Gepäck als eine Art Ghetto Preacher auf die Missstände seines Landes ein. Die musikalische Begleitung fällt dazu recht schlicht aus, lediglich ein treibender Bass, ein paar scharfe Claps und ein sich dauerhaft wiederholendes Vocal-Sample sorgen zwar nicht für megamäßiges Spektakel, dafür für Power. Die Single "Ready Set Go" (feat. T.I.) ist bereits schon länger im Umlauf, für alle die sie noch nicht kennen: Es ist ein reiner Club-Track. Zwar bringt er die Boxen ordentlich zum Beben, insgesamt fehlt es jedoch an Abwechslung, sodass der ewig gleiche Sound schon nach der ersten Strophe seinen Reiz verliert. Der Remix, der sich unter den Bonus Tracks befindet, unterscheidet sich bis auf einen Vers von Big Boi leider nicht merklich davon.

Nachdem wir mit "Go Out On The Town" den für Atlanta typischen Trap Style, bei dem sich auch Young Jeezy die Ehre gibt, zu hören bekamen, erwartet uns ein zweiter Part zu "God In The Building". Sein Vorgänger war wohl das größte Highlight auf "I Pledge Allegiance To The Grind II", daher sind die Erwartungen hier natürlich relativ hoch. Und tatsächlich schafft es Killer Mike wieder einen echten Knaller abzuliefern. Der Song sprüht nur vor Soul und Gospel, auch wenn Mike offensichtlich darlegt, dass er kein Chorknabe ist. Seinen Reiz bekommt dieses Stück in erster Linie von seinem emotionalen Touch, doch auch der MC am Mic weiß zu unterhalten. "Player's Lullaby" zeigt nicht nur Mikes entspannte Seite, sondern auch, dass bei "Pl3dge" versucht wurde, ein abwechslungsreiches Album abzuliefern. Wenn man das Lied bildlich beschreiben sollte, so könnte man es mit einem relaxten Sonnenaufgang vergleichen, etwas verträumt, doch immer wieder mit kleinen Höhepunkten bereichert. Insbesondere der Auftritt von Twista, der selbstverständlich einen High-Speed-Rap hinzaubert ist ein Genuss, während der Refrain eine Spur zu schnulzig ausfällt. "Animal" entpuppt sich als wahres Biest, den sein Beat pumpt gnadenlos, dazu ein paar dunkle Synthie-Effekte und dazu ein Gucci Mane, dessen langsamer Flow hier wie gemacht ist. Zwar gibt es Tracks dieser Art wie Sand am Meer, Fans dieser Richtung werden dennoch sicher ihre Freude daran haben. Wo es hier noch so hart zur Sache ging, fällt die Schlussphase des Albums wesentlich ruhiger aus. So ist "Everything (Hold You Down)" sommerlich relaxt gehalten, "Follow Your Dreams" zeigt dagegen starken Hang zum R&B.

Ein Innovationswunder ist "Pl3dge" sicher bei Weitem nicht, macht dafür aber größtenteils einen durchaus souveränen und gelungenen Eindruck. Neben den oben angesprochen Highlights wird man mit "Ric Flair" oder "Burn" noch die ein oder andere Perle finden, die uns bei der ebenfalls vorhandenen Stangenware gerne mal ein Ohr zudrücken lassen.


Revelation Part 1: the Root of Life
Revelation Part 1: the Root of Life
Preis: EUR 10,99

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das perfekte Sommer-Album, 17. Juni 2011
Wie sein älterer Bruder Ziggy droppt auch Stephen Marley im Sommer 2011 ein neues Album. Nach "Mind Control" ist "Revelation Pt. 1: The Root Of Life" die zweite LP in der Karriere des 39-jährigen Reggae-Musikers. Da der Name Marley ja fast schon ein Gütesiegel für gelungene Sounds ist, sind die Erwartungen an dieses Werk natürlich recht hoch, testen wir doch gleich mal, ob die mit 14 Songs bestückte Platte diesen Stand halten kann.

Als Opener dient "Made In Africa", ein ruhiger und gefühlvoller, aber auch nachdenklicher Einstand, der die traurige Geschichte, aber auch die Liebe zum schwarzen Kontinent aufzeigt. Während die Strophen von Stephen langsam und traurig erscheinen, sind die von Feature Wale mit viel Power und Energie ausgestattet, hinzu kommt noch der Cast of Fela, ein Chor, der dem Ganzen noch zusätzliche Emotion verleiht. Deutlich entspannter sind im Vergleich dazu Lieder wie "False Friends" oder "Break Us Apart" (feat. Capleton), die im weitläufig bekannten, sehr sommerlichen Reggae-Flavor gehalten sind. Fast das Selbe gilt für "Can't Keep I Down", welches jedoch ein gutes Stück flotter durch den Speaker dröhnt und dank viel Mundharmonika-Einsatz zum Garant für gute Laune mutiert. Eine tolle Kombination aus Reggae und R&B erleben wir mit "No Cigarette Smoking (In My Room)". Für einen Lovesong mag der Titel zwar etwas ungewöhnlich klingen, doch wenn man die soften Vibes spürt und dem gelungenen Duett von Stephen Marley und Melanie Fiona lauscht, weiß man, dass hier alles richtig gemacht wurde.

Härter und mit dickem, elektronischen Beat geht "Jah Army" etwas in Richtung Ragga und hat eine dicke Portion Wums im Gepäck. Zusammen mit Bruder Damian und Buju Banton zeigt Stephen Marley Loyalität zu Rastagott Jah, wobei besonders die Performances der Gäste mit viel Herzblut und Kraft beeindruckend sind. Der Text zu "Pale Moonlight" kommt dem ein oder anderen sicher schnell bekannt vor, denn er stammt ursprünglich von Bob Marleys "How Many Times". Stephens Version ist ein wenig schwungvoller und schöner anzuhören, was insgesamt ein frisches, aber auch gefühlvolles Liebeslied zum Ergebnis hat. Gefühlvoll ist auch bei "She Knows Now" das richtige Stichwort. Recht schlicht, eigentlich fast nur auf Akustikgitarren basierend, entfaltet dieses Stück über das gebrochene Herz einer jungen Lady schnell seine traurige Atmosphäre. Nachdem auf "Selassie Is The Chapel" (feat. Ziggy Marley) Haile Selassie gehuldigt wurde, beginnt so langsam aber sicher die Schlussphase des Albums. Hier ist besonders "Working Days" beeindruckend. Das liegt zum einen an den Lyrics, die den Leuten Kraft geben sollen, aber auch an dem wirklich wunderbaren Instrumental, das sich schnell den Weg in Gehör und Herz bahnt, da dessen Kombination aus Saxophon, Keyboard und Drums schlicht und einfach ergreifend ist. Zwischendurch wird der Takt ein wenig erhöht, immer genau dann, wenn Dancehall-Artist Spragga Benz am Mic steht. Seinen Ausklang erhält "Revelation Pt. 1: The Root Of Life" mit einem erneut ruhigen und nachdenklichen Stück, nämlich "Now I Know".

Stephen Marley enttäuscht mit seiner neuen Platte definitiv nicht, besser gesagt: er begeistert. Das Album überzeugt nicht nur durch den Gesang und die Musik, sondern weiß auch mit viel Abwechslung zu glänzen. Egal ob typisch Reggae, ob Lovesong oder Sommerhit, wirklich alles ist dabei und auch alles ist gelungen. Wer also auf die Marleys steht, kommt an "Revelation Pt. 1: The Root Of Life" definitiv nicht vorbei.


Wild and Free
Wild and Free
Preis: EUR 21,02

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen I see Marijuana Trees growing Wild and Free, 17. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Wild and Free (Audio CD)
Fast pünktlich mit dem 30-jährigen Todestag von Bob Marley veröffentlicht dessen Nachwuchs neue Musik. Neben Stephens neuer Platte, steht in den aktuell heißen und perfekt für Reggae geeigneten Tagen nun auch das aktuelle Werk des größeren Bruders Ziggy in den Läden. "Wild And Free", so der Titel der LP, die selbstverständlich über das Familien-Label Tuff Gong erscheint. Ganze 12 Tracks hat diese CD im Gepäck, sicher nicht sonderlich üppig, aber bei entsprechender Qualität mehr als ausreichend.

Und einen Beleg für diese Qualität liefert uns Ziggy gleich mit dem ersten Track, "Wild And Free", bei dem kein Geringerer als Hollywood-Komiker Woody Harrelson einen Gastauftritt hinlegt. Wie man sich bei diesem Feature fast schon denken kann, ist das komplette Lied auf gute Laune ausgelegt und groovt mit freundlichen und sommerlichen Klängen in unser Gehör. Für den ein oder anderen vielleicht etwas überraschend, dass Woody Harrelson tatsächlich ein durchaus passabler Sänger ist. Eine Spur flotter präsentiert sich "Forward To Love", dessen funky Bass einen Rhythmus vorgibt, dem man sich einfach nicht entziehen kann. Passend dazu die schönen Lyrics, die das Ganze zum echten Highlight avancieren lassen. "It" hingegen kommt sanfter daher, was insbesondere einem gefühlvollen Gitarrenspiel zu verdanken ist, nichts desto trotz ist auch hier ein mitreißender Vibe zu spüren. Neben Ziggy ist auch Hip Hop Altmeister Heavy D dabei und droppt zwei Verse, Backgroundsängerin Tracy Hazzard bringt gemeinsam mit dem Gastgeber im Refrain einen Touch Soul mit ein.

"Personal Revolution" lässt am Titel schon erkennen, dass es ernster zur Sache geht, dementsprechend ruhig und schlicht ist auch das Instrumental gehalten. Neben einem tief wummernden Bass und dem üblichen Reggae-Rhythm setzt lediglich eine E-Orgel ab und zu ein, um Ziggy zu unterstützen, der es mit dieser Untermalung selbstverständlich perfekt versteht, seine Message an den Hörer zu überliefern. Mehr Power, aber auch Dramatik vereint "Get Out Of Town" in sich, bevor es danach mit "Roads Less Traveled" oder "Welcome To The World" erneut den sommerlichen und karibischen Sound zu hören gibt, zu dem man sich am besten raus in die Sonne legt und das Leben genießt. Auch gegen Ende leistet sich "Wild And Free" keinerlei Schwächen. Insbesondere das Kraft spendende "A Sign" ist hierbei als emotionales Highlight zu nennen, aber auch die restlichen Stücke um das relaxte "Reggae In My Head" oder das etwas rockigere "Elizabeth" wissen vollkommen zu überzeugen.

Der Name Marley steht einfach für super Musik. Nachdem Damian ja letztes Jahr schon mit seiner Kollabo mit dem New Yorker MC Nas glänzen konnte, geht es im Sommer 2011 nicht minder gut weiter. "Wild And Free" kombiniert gute Laune mit gefühlvollen Klängen und schön anzuhörenden Texten - eben das, was man von Ziggy auch erwartet. Zusätzlich leistet sich der Jamaikaner keine Ausfälle, sondern weiß uns mit jedem seiner Songs bestens zu unterhalten.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 19, 2011 3:29 PM MEST


Coathanga Strangla
Coathanga Strangla
Preis: EUR 17,61

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen The Cannibal is back... and hungry!, 7. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Coathanga Strangla (Audio CD)
Als Brotha Lynch Hung seinen Plattenvertrag bei Strange Music unterzeichnete, gab es nicht wenige, die am Erfolg der Geschichte zweifelten. Als im Frühjahr 2010 "Dinner And A Movie" in den Läden stand, verstummten die Kritiker jedoch, denn der Rapper aus Sacramento präsentierte sich so stark wie seit einer halben Ewigkeit nicht mehr. Daher sind die Erwartungen an sein 2011er Werk "Coathanga Strangla" natürlich auch ganz andere. Da die ersten drei Strange Music Alben eine Trilogie bilden sollen, überrascht es nicht, dass die neue LP einem ähnlichen Konzept folgt wie der Vorgänger. Wir erleben also erneut eine CD, die man eher als Horror-Hörbuch bezeichnen sollte, mit Songs die aufeinander aufbauen und durch zahlreiche Gesprächspassagen miteinander verknüpft werden.

Nachdem in "Dinner And A Movie" Brotha Lynch Hungs selbstkreierter Serienkiller die Bühne betreten hat, geht es nun auf "Coathanga Strangla" noch eine Spur intensiver zur Sache, wir werden quasi mit in die Gedankengänge des Kannibalen genommen. Nach dem Intro erleben wir auf "The Coathanga" somit das erste Mal, was eben in jenem vorgeht und welche Werkzeuge er so benutzt. Musikalisch wirkt das Ganze wie ein Paukenschlag, den BLH mit seiner kraftvollen und dunklen Art nutzt, um die Eröffnungsszene zu stürmen. Fortgeführt wird dies mit "Mannibalector", das mit langsamen und furchteinflößenden Beat poltert und uns von der Speisekarte des Menschenfressers berichtet - wer braucht da noch Horrorfilme? "Sooner Or Later" beschäftigt sich mit Liebe, besser gesagt um das gebrochene Herz des Coathanga Strangla und die Freundin, die ihn früher oder später um den Verstand bringt. Und was daraus folgt, kann sich wohl jeder denken. Dementsprechend traurig und behäbig kommt der von Piano begleitete Song daher. Im Gegensatz zu den sonst recht böse und unbehaglich klingenden Tracks, klingt "Red Dead Bodies" fast schon locker, allerdings keinesfalls freundlich. Ein melodisches Zusammenspiel von Streichern und E-Gitarren sorgt dafür, dass man den Titel trotz der erneut harten Texte recht relaxt anhören kann. Brotha Lynch Hung zeigt dazu mit geschickten Tempowechseln im Flow, wie perfekt seine Skills auf das Erzählen von Gruselgeschichten ausgelegt ist und auch Feature G Macc bietet eine ordentliche Vorstellung.

Schon bei "Dinner And A Movie" hat Brotha Lynch Hung weitestgehend auf die Hilfe aus dem Strange Music Camp verzichtet und sein eigenes Ding durchgezogen, so auch hier. Chef Tech N9ne darf dennoch nicht fehlen. Seinen ersten von zwei Auftritten hören wir auf "I C U". Inhaltich geht es um das Beobachten des Opfers und den darauf folgenden Überfall, wobei sich insbesondere Brotha Lynch Hung an exzessiver Gewalt erfreut, dass es einem kalt den Rücken hinunter läuft. Die Hintergrundmusik dazu ist ebenso schlicht wie unbehaglich und bedrückend, perfekt für das Feeling. Einen möglichen Hintergrund für all die Taten liefert "I Don't Think My Momma Ever Loved Me". Wie man am Titel schon erkennt, dreht sich der Track um die missratene Jugend des Kannibalen und ist damit der wohl traurigste und gefühlvollste Song der Platte. Zu den seichten Melodien kommt noch ein eingesungener Refrain von Mr. Blap, welcher die Emotion noch weiter steigert. Seinen Ausklang findet "Coathanga Strangla" mit "If Happens", welches pausenlos mit Waffengeräuschen unterlegt ist und einen ziemlich abgedrehten Refrain sein Eigen nennen kann, außerdem ist Brotha Lynch Hungs nicht minder durchgeknallter Homie First Degree The DE mit von der Partie. Zum Schluss berichten uns BLH und Tech N9ne auf "Takin' Online Orders" noch von ihrem Versandhandel für Menschenfleisch - welch kranker Abschluss eines verdammt kranken Albums!

Fans von hartem Tobak kommen mit "Coathanga Strangla" voll auf ihre Kosten. Lyrics und Beats harmonieren optimal und fesseln bzw. schockieren in Zusammenarbeit noch mal ein Stück mehr, als auf dem letzten Album. Insgesamt also kann man von Brotha Lynch Hungs jüngstem Werk von einem perfekten Horrorcore-Album sprechen, dem vielleicht ein Hauch mehr Abwechslung noch gut getan hätte, das ansonsten aber seinen Job so ausführt, wie man es erwartet. Für Strange Music Fans sei noch erwähnt, dass Big Scoob in den USA bereits seine neue LP "Damn Fool" veröffentlicht hat und auch Tech N9ne steht mit "All 6's And 7's" in den Startlöchern.


Rolling Papers
Rolling Papers
Preis: EUR 9,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Chill 2 Dis 1, 22. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Rolling Papers (Audio CD)
Nachdem seine ersten beiden Alben von der Öffentlichkeit weniger beachtet wurden, will es Wiz Khalifa nun mit Major-Deal im Gepäck seinem Kumpel Curren$y gleichtun und in diesem Jahr mit seiner neuen Platte durchstarten. Der große Erfolg der Single "Black And Yellow" zeigt schon, dass der 23-jährige Rapper aus Pittsburgh offensichtlich gut ankommt, doch wie sieht es mit einer kompletten LP aus? Der Titel "Rolling Papers" sowie das Cover verraten im Vorfeld bereits: der Junge kifft gerne und spricht auch darüber. Ob das Gesamtpaket etwas mehr zu bieten hat als Grasgeflüster, checken wir am besten indem wir uns die Platte entspannt durchziehen.

Das 14 Track umfassende Werk - bei dem glücklicherweise keinerlei Skits zu finden sind - startet nicht furios, sondern eher nachdenklich mit "When I'm Gone". Auch wenn der Beat einiges an Power besitzt kommt durch die elektronischen Melodien und insbesondere durch Wiz' Gesang im Refrain ein gefühlvoller Touch in den Song. Ganz anders der dumpf pumpende Poser-Track "On My Level", bei dem das Tempo deutlich nach unten geschraubt wird. Mit dabei: Too Short, der über 20 Jahre mehr auf dem Buckel hat als Wiz Khalifa, aber immer noch frisch wie der Morgentau ist. Leider kommt der Track nie so richtig in Fahrt und gehört damit zu den Stücken, die man sich anhört, wenn man mal wieder chillen will. Dem folgt die Hit-Single "Black And Yellow", die mittlerweile wirklich jeder kennen sollte. Das Producer-Team von StarGate machte das, was es am besten kann: eingängige Lieder mit Ohrwurm-Charakter basteln. Dass dieser Smash sich besonders für Clubs eignet, versteht sich ja von selbst, aber auch in der heimischen Anlage macht "Black And Yellow" einen guten Job. Schade nur, dass der offizielle Remix nicht noch als Bonus mit auf den Silberling gepresst wurde. Nach dem lyrisch ansprechenden "Roll Up" (geht eher um Unterstützung als um den Inhalt des gerollten Tütchens), welches jedoch auch recht poppig daher kommt, folgt eine musikalisch recht unspektakuläre Phase.

Damit sind in erster Linie die Instrumentals gemeint, die eine Spur zu relaxt ablaufen, zwar nicht als misslungen zu bezeichnen sind, aber die eben auch nur in seltenen Momenten wirklich mitreißen können. So geschehen bei "Hopes & Dreams", "Wake Up", "The Race" oder "Star Of The Show" (feat. Chevy Woods), die einzeln noch halbwegs ordentlich anzuhören sind, im Verbund jedoch bald etwas langweilig werden. Da kommt ein Song wie "Get Your Shit" gerade recht. Zwar ist dies kein bombastisches Soundfeuerwerk, dass den Hörer aus der Lethargie herausreißt, dafür aber wieder ein emotional gehaltener Song, bei dem besonders toll ist, dass sich die Finger mal größtenteils vom Synthesizer fern gehalten haben und stattdessen auf akustische Instrumente, nämlich Gitarre und Violinen, gesetzt wurde, was in Kombination mit der Vorstellung von Wiz einfach gut klingt und dazu verführt die Repeat-Taste zu drücken. Wirklich nervig hingegen wird es mit "Top Floor", das recht konzeptlos erscheint, sich schräg, unmelodisch, viel zu slow und insgesamt schnell dahin geklatscht anhört. Die Schlussphase punktet insbesondere mit "Fly Solo", dem besten Stück von "Rolling Papers". Auch hier ist die Gitarre erneut der Erfolgsgarant und spielt uns ein sommerlich frisches, zwar schlichtes aber dennoch packendes Stück, bei dem Wiz größtenteils singt, was er aber mindestens so gut kann wie rappen, wenn nicht besser. Abgerundet wird die Platte von zwei weiteren Liedern, die wie der große Rest ordentlich, aber nicht herausragend sind.

Waren die Erwartungen an ihn oder der Druck vom Label zu groß? Die Antwort auf die Frage und damit die Begründung für ein nur mittelmäßiges Album weiß Wiz Khalifa wohl nur selbst. "Rolling Papers" bietet zweifelsohne eine Hand voll Perlen, aber auch jede Menge an zu ähnlich klingenden und zu unspektakulären Tracks, um dem Anspruch gerecht zu werden, den viele Beobachter im Vorfeld an das Album hatten. Wer gerne entspannten Rap hört, der kann guten Gewissens zugreifen, alle anderen sollten gründlich in "Rolling Papers" hinein hören, bevor sie zuschlagen.


Lasers
Lasers
Wird angeboten von Side Two
Preis: EUR 8,77

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Beautiful Lasers, 16. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Lasers (Audio CD)
Lange war es still um Lupe Fiasco, seit 2007 mussten wir auf eine neue LP des smarten Chicagoers warten. Was ursprünglich sein großer Abgang von der Bühne mit einem als "LupE.N.D." betitelten 3-Disc-Set werden sollte, wurde dank des Vetos seiner Plattenfirma ein normales Album namens "LASERS", der Kurzform von "Love Always Shines: Everytime Remember 2 Smile". Im Gegesatz zum viel gelobten Vorgänger "The Cool", ist "LASERS" kein Konzeptalbum mit rotem Faden, sondern eher eine Ansammlung verschiedener Stile und Themen. Dass dabei am Ende nur 12 Songs zu Buche stehen, ist vielleicht ein wenig mager, aber auch hier kommt der viel zitierte Spruch "Qualität statt Quantität" wieder einmal zum Tragen.

Gleich zum Auftakt bekommen wir den neuen Sound Lupe Fiascos zu hören. "Letting Go" hat zwar eine entspannt nachdenkliche Note, die wir schon von seinen älteren Alben her kennen, allerdings ist dieser Track hier wesentlich elektronischer gestaltet, was anfangs vielleicht etwas befremdlich rüber kommt, man sich aber schnell daran gewöhnt. Auch "Words I Never Said" hat einen stark von Synthesizer & Co. geprägten Style, dazu kommt eine mächtige Drum, die den pikanten Inhalt, in dem sich Lupe über die innenpolitische Lage der USA auslässt, gut untermalt, hinzu kommt dann noch ein bombastischer Refrain, eingesungen von Skylar Grey. Nach diesem mitreißenden Auftakt lässt es der 29-jährige MC mit "Till I Get There" wieder etwas lässiger angehen. Das Instrumental setzt auf zurückhaltende Klaviermelodien, ist also das komplette Gegenteil zu den vorangegangenen Tracks und erinnert ein wenig an sein Debüt-Album. Trey Songz bringt eine Prise R&B in den ansonsten sehr poppigen Love-Song "Out Of My Head", der für manche sicher etwas kitschig, für andere aber auch ein echter Ohrwurm ist. Gefolgt wird dieser von der bereits länger bekannten Single "The Show Goes On", die uns schon vor einigen Monaten die Stilveränderung des Lupe Fiasco ankündigte. Im Gegensatz zu seiner sonstigen Musik ist dieses Stück schon sehr auf die Charts ausgerichtet, allerdings müssen auch absolute Mainstream-Hater zugeben, dass der Flow wie immer wirklich gut kommt und sich der Refrain schlicht und einfach im Gehör festbeißt.

Die zweite Albumhälfte wird mit "Beautiful Lasers (2 Ways)" (feat. MDMA), welches bei diesem Titel erwartungsgemäß vor schrägen Tönen aus der Elektronik nur so strotzt, eingeleitet. Nachdem es mit einem weiteren radiotauglichen, sommerlichen Hit namens "Coming Up" (feat. MDMA) weiterging, kommen wir in den Genuss des fast schon widersprüchlichen "State Run Radio", das sich mit dem aktuell glattgebügelten Sound, der Airplay garantiert befasst. Passend dazu wartet das Stück mit krachenden Gitarrenriffs und vielen Gesangsparts von Matt Mahaffey. Einen wirklich gravierenden Unterschied zur sonstigen Radiomusik gibt es zwar nicht, unterhaltsam ist das Stück aber allemal. Bevor "LASERS" mit dem sehr soulig gehaltenen "Never Forget You", bei dem auch John Legend seine butterweiche Stimme zum Besten gibt, ausklingt, spricht Lupe mit "All Black Everything" die seit Jahrhunderten missliche Lage der Afroamerikaner an, ist dabei aber eher als nachdenklicher Berichterstatter, anstatt als aggressiver Ankläger zu sehen. Und obwohl der Track im Vergleich zum Großteil des Rests des Albums recht schlicht und besonnen wirkt, so ist es doch einer der emotionalsten Höhepunkte eines rundum gelungenen Werkes.

"LASERS" ist definitiv anders als seine Vorgänger, zumindest was den Sound betrifft. Lupe hingegen schafft es unverändert mit cleveren Rhymes über alltägliche oder ernste Dinge des Lebens den Hörer in seinen Bann zu ziehen und somit trotzdem die teils mächtigen Beats zu dominieren. Auch wenn viele derzeit sagen, dass Electro im Hip Hop nichts zu suchen hat, sollte man "LASERS" eine Chance geben, denn mit dem üblichen und stumpfsinnigen Brei hat Lupe Fiasco nach wie vor nichts zu tun.


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