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Rezensionen verfasst von
M. Biller
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Bordsteinkönig: Meine wilde Jugend auf St. Pauli
Bordsteinkönig: Meine wilde Jugend auf St. Pauli
von Michel Ruge
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Authentischer Einblick in das St. Pauli der frühen 80er, 21. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen. Ich bin ca. 5 Jahre jünger als der Autor und zwischen dem Schanzenviertel und St. Pauli aufgewachsen - und kann daher viele Schauplätze, Gestalten und Erlebnisse sehr gut erinnern. Michel Ruges Biographie hat mir vor allem aus drei Blickwinkeln sehr viel Freude gemacht:

1. Es gibt zwar keinen Mangel an "coming of age"-Werken und "Generationsliteratur" von Generation Golf über Generation X und Y und so weiter - doch leider stammen die fast immer aus einem "bildungsbürgerlichen" Background. Hier gibt es die eher seltene Gelegenheit, einen deutschen Autor "von der Straße" aus St. Pauli beim Aufwachsen zu begleiten und dabei viele Einblicke in eine Welt zu erhalten, die die meisten so nur aus dem Fernsehen kennen. Der authentische Ton und die detaillierten Schilderungen erlauben einem in die Welt des St. Pauli in den 80ern einzutauchen und auch besser zu verstehen, wie St. Pauli zu dem wurde was es heute ist.

2. Der Autor streut - auch aufgrund seiner sehr breiten Erfahrung damit - immer wieder Reflektionen und Erlebnisse mit "Gewalt" eine. Diese wirken auf den ersten Blick teilweise sehr geschönt oder verherrlichend, aber zeigen eben sehr offen den Reiz von Gewalt und gleichzeitig die Risiken. Die Diskussion ist in dem Zusammenhang in den Medien immer noch sehr akademisch und unrealistisch und es hilft, wenn Autoren wie Ruge das Thema für eine breitere Masse öffnen. Insbesondere die Rolle von Gewalt in der "Mannwerdung" des Autors - sowie im Männerbild von St. Pauli - gibt dem Buch eine weitere Ebene die mich sehr zum Nachdenken angeregt hat. Von "Krieg der Knöpfe" zu "Bordsteinkönig" ist es bis auf den Kontext nur ein kleiner Weg. Schaut man sich dagegen die Diskussion in den Medien zu Killerspielen, Amokläufen und jugendlichen Intensivtätern an, wird (mir) deutlich, wie groß die Lücke zwischen der öffentlichen Diskussion und der Realität ist. Schlägereien und Gewalt sind ein fester Bestandteil des "Aufwachsens" von Männern - auch wenn dies vielleicht in einigen Stadtteilen nicht mehr so präsent ist, wie in Ruges St. Pauli. Eine offene und realistische Beschäftigung mit dem Thema ist notwendig und Ruge bietet einen authentischen Aufsatzpunkt für eigene Überlegungen zu dem Thema.

3. Ein dritter Aspekt an Bordsteinkönig, der mich erst im Nachgang zum Nachdenken gebracht hat, bezieht sich auf die Art und Weise des Aufwachsens des Autors in den 80igern und dem was ich als Vater heute beobachte. Auch ich bin - ich leicht vorteilhafteren Verhältnissen - de facto "auf der Straße" im Kreis von Freunden aufgewachsen. Eltern haben ab einem sehr frühen Alter, fast keine Rolle in meinem Tagesablauf gespielt. Das "Erwachsenwerden" war vor allem etwas, bei dem man auf sich allein gestellt war. Dies hat mit allen Vor- und Nachteilen zu einer großen Unabhängigkeit geführt - auch wenn ich sicher einige Erlebnisse nicht ein zweites Mal erleben wollen würde. Wenn ich mir dagegen die Realität der Kinder heute anschaue, sind die Unterschiede schon erstaunlich. Kinder sind sehr viel weniger "alleine" unterwegs und verbringen die Zeit eher in der Obhut ihrer Eltern oder geeigneter Aufsicht (Sport, Hort, Musikunterricht) - UND vor allem im Zweifel sehr viel mehr von dem Fernseher. Ich bin sicher kein Anhänger der "früher war alles besser-Fraktion, aber wenn ich mir anschaue, wie Kinder aufwachsen, dann bin ich sehr ähnlich wie Ruge, wie mein Vater oder sogar die Kinder in "Krieg der Knöpfe" aufgewachsen. Ohne Eltern, in Gruppen von Kindern und Jugendlichen und mit einem hohen Grad an Freiheit - aber auch einem hohen Grad von "auf sich alleine gestellt sein" und Gewalt. Im Unterschied dazu wächst mein Sohn (und seine "peers") doch sehr unterschiedlich auf. Ich habe es als sehr spannend empfunden, am Beispiel von Ruges Jugend - über diesen Aspekt nachzudenken.

Insgesamt kann ich die Lektüre nur empfehlen. Ich habe es als sehr angenehm empfunden, dass der Autor nicht zu sehr versucht seine Erlebnisse zu "post-rationalisieren", sondern im Ton und mit der Unbedarftheit des jungen Michel schreibt. Reflexion der Themen bleibt so dem Leser überlassen.

Beste Grüße. Max


Das Ruge-Prinzip: Signale der Gewalt erkennen, Konflikte meistern Zivilcourage zeigen!
Das Ruge-Prinzip: Signale der Gewalt erkennen, Konflikte meistern Zivilcourage zeigen!
von Ulf Meyer zu Kueingdorf
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,95

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ganz anderer Blickwinkel auf das Thema, 2. Dezember 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich beschäftige mich seit fast zwei Jahrzehnten mit dem Themenkomplex und freue mich, dass es mit diesem Buch einen Beitrag gibt, der sich von den ganzen typischen "Wie verteidige ich mich"-Büchern deutlich abhebt. Konflikte beginnen und entscheiden sich sehr viel früher als beim körperlichen Zusammentreffen von zwei Kontrahenten. Mit vielen "Einsichten" aus seinem scheinbar sehr ungewöhnlichen Leben versucht der Autor den Blick für Muster und Mechanismen in Konflikten zu schärfen. Insbesondere die Analysen was im "Täterkopf" vorgeht und welche Verhaltensweisen einen zum "Opfer" machen, habe ich noch nicht so klar beschrieben bekommen. Ich persönlich hätte mir noch mehr "Fallbeispiele" inkl. Analysen gewünscht. Der Autor hat hier als Türsteher einen Erfahrungsschatz, der einem als Laien nicht zur Verfügung steht. Die im Buch enthaltenen Übungen sind teilweise sehr anspruchsvoll und entstammen eher der Theaterschule als einer Kampfsportschule. Ein guter Hinweis darauf, auf welcher Ebene der Autor die Lösung vieler Konflikte für Normalbürger sucht - und auf welcher eher nicht.

Disclaimer: Ich habe den Autor auf einem Seminar in Berlin persönlich kennengelernt - was mich aber in meiner Meinung über das Buch nur bestätigt hat.


The Suit: A Machiavellian Approach to Men's Style
The Suit: A Machiavellian Approach to Men's Style
von Nicholas Antongiavanni
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,25

13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen If you know...you know!, 8. Juni 2006
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Tja. Also erst mal die Zusammenfassung: Ich keine kein Buch das alle wesentlichen Erkenntnisse so pointiert und gut zu lesen zusammenfasst. Definitiv nichts für den Einsteiger (da sollte man sich vielleicht über Rötzel und Flusser "hochlesen"). Erinnert am ehesten an Boyer, aber eben viel aktueller und viel lustiger und auch umfangreicher.

Einschränkung: Es ist kein einziges Foto in dem Buch und setzt also voraus, dass man sich vorstellen kann, worüber gerade geredet wird. Die wesentlichen Fachbegriffe sollte man auch drauf haben. Meiner Meinung nach der Pflichtkauf für jeden, der sich ernsthaft für Anzüge und stilvolle Kleidung interessiert.


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