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pewis "pewis" (Germany)

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Die Wüstenfüchse: Mit Rommel in Afrika
Die Wüstenfüchse: Mit Rommel in Afrika
von Paul Carell
  Gebundene Ausgabe

20 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Propagandawerk vom NS-Profi, 9. August 2006
Der Krieg war über zehn Jahre vorüber, als Günther Halm von einem Mann Besuch bekam, der mit ihm darüber reden wollte, wie es damals war, unter Rommel in Nordafrika. Der Mann war Paul Karl Schmidt, ehemals SS-Obersturmbannführer und Pressesprecher von Hitlers Außenminister Joachim von Ribbentrop. Paul Karl Schmidt nannte sich inzwischen Paul Carell und war Journalist geworden. Sein Spezialgebiet war der letzte Weltkrieg. Jetzt recherchierte er für sein Buch über den nordafrikanischen Kriegsschauplatz, das 1958 erscheinen würde: "Die Wüstenfüchse". Paul Karl Schmidt interviewte Rommels ehemalige Generäle ebenso wie einfache Soldaten. Und er ließ sich auch von Günther Halm dessen Leben erzählen. Günther Halm war zwanzig Jahre alt, als er am 22. Juli 1942 als Richtschütze neun englische Panzer abgeschoss. Er erhielt dafür das Ritterkreuz und wurde in der gleichgeschalteten nationalsozialistischen Presse als Held gefeiert; sein jugendliches Gesicht war Titelbild in deutschen Zeitschriften. Als er nach dem Krieg trotz seines Ritterkreuzes nicht zum Studium des Maschinenbaus zugelassen wurde, war er doch ein wenig enttäuscht. Aber dann krempelte er die Arme hoch und begründete eine gutgehende Kohlenhandlung. "Er hat es geschafft. Mit Ruhe, Zähigkeit, Unbeirrbarkeit und jenem eisernen Pflichtgefühl, das ihn auch damals erfüllte - damals, am 22. Juli 1942, in Nordafrika", so würde Paul Karl Schmidt über Günther Halm in seinem Buch schreiben. Und genau das war es, was die Kriegsteilnehmer in der Wiederaufbauzeit über sich selbst lesen wollten.

Paul Karl Schmidt versorgte Deutschland mit Artikeln (natürlich auch für den Spiegel) und Bestsellern, mit der eine ganze Generation deutscher Männer ihre Kriegserlebnisse aufarbeiteten. Paul C. Ettighoffer, der in den dreißiger Jahren den deutsche Buchmarkt mit Büchern über den ersten Weltkrieg dominiert hatte, versuchte nach 1945, auch den jüngsten Krieg literarisch zu vermarkten. Aber sein schwülstig-heldischer Stahlgewitterstil kam nicht mehr an. Erst Paul Karl Schmidt fand die richtige Mischung aus Stabsgeschichtsschreibung, Erlebnisbericht und launigen Landser-Anekdoten.

Paul Karl Schmidt konzipierte seine Bücher als Bestseller und scheute sich daher auch nicht, in unterste stilistische Gefilde hinabzusteigen: "Die Italiener sind ja Genies in Erdarbeiten. Nur halten können sie diese Nester nicht. Nun, sie haben andere, liebenswerte Eigenschaften. Freilich, der deutsche Landser fluchte, wenn die Italiener stiften gingen. Aber man soll das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Wenn die Italiener gut geführt wurden, kämpften sie tapfer.

Vor Sollum allerdings, vor Capuzzo, am Halfayapaß und vor Tobruk, da bedurfte es statt der aufbrandenden romanischen Bravour der eisernen Härte. Denn die Burschen, die da auf der anderen Seite lagen, die waren hart wie Stahl."

Schließlich würzte Paul Karl Schmidt "Die Wüstenfüchse" mit einem Quentchen oberflächlicher Anti-Kriegsparolen und mit viel Stolz auf das Durchhaltevermögen und auf die "militärische Leistung" des deutschen Soldaten. Denn der hatte in all dem Sterben unbeirrt "seine Pflicht getan". Dagegen "zeigte der Durchschnittsitaliener zum Heroismus des soldatischen Kämpfens und Sterbens nicht dieselbe Veranlagung".

"Man vergesse nicht, dass es bei Rommel in Afrika vier Dinge nicht gab: keinen SD, keine Geiselerschießungen, keine politische Schulung und auch keine Frontbordelle. Anders als an anderen Fronten." Es gab zwar "übereifrige Anhänger des Regimes in der Heimat", aber "die Panzerarmee Afrika war nicht ein Regime, sondern war das gute Deutschland". Und dafür tat man eben seine Pflicht: "Würden Deutschlands Panzer an den Nil gelangen? In dieser Frage lag eine atemberaubende strategische Chance für Deutschland."

Allerdings wollten nicht nur die in Nordafrika eingesetzten Soldaten "das gute Deutschland" sein. Und so kommen auch in Paul Carells Büchern "Unternehmen Barbarossa" von 1963 und "Verbrannte Erde" von 1966, die beide den Krieg in Rußland schildern, SD und Geiselerschießungen in keinem Satz vor. Nicht weil es sie dort nicht gegeben hätte, sondern weil sie einfach unterschlagen werden. Der routinierte Propagandamann Paul Karl Schmidt blieb bei der bewährten Mischung, die er in "Die Wüstenfüchse" entwickelt hatte.

Paul Karl Schmidt war allerdings nicht das "gute Deutschland", das "nur seine Pflicht getan" und "von allem nichts gewußt" hat, denn er war spätestens 1944 über die Judenvernichtung informiert. Er ist nie belangt worden und starb 1997. Günther Halm erhielt 1995 das Bundesverdienstkreuz. "Die Wüstenfüchse" wird seit 1958 ununterbrochen verlegt. Damit wir uns einundsechzig Jahre nach Kriegsende sagen können: Du bist das gute Deutschland.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 26, 2014 7:20 PM CET


Sterben wie Gott in Frankreich: Ein Wein-Roman
Sterben wie Gott in Frankreich: Ein Wein-Roman
von Michael Böckler
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

33 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Grottenschlecht, 13. Februar 2006
Mögen Sie nichtssagende Konfektionskrimis? Dann werden Sie in diesem Buch alles finden, was Ihr Herz begehrt: Einen smarten Superhelden, der mafiöse Schwerverbrecher mühelos austrickst, eine schöne junge Frau, die sich schon nach wenigen Seiten dem Superhelden hingibt und ein Setting in der Welt der Villen, Sportwagen und Yachten, in der Geld nicht in dem Sinne eine Rolle spielt, wie Normalbürger es kennen. Die Handlung ist nicht nur an den Haaren herbeigezogen, sondern schlichtweg falsch konstruiert - der diesem Buch geneigte Leser möge nach der Lektüre die kursiv gedruckten inneren Monologe "des" Schurken noch einmal lesen und sich dann Rechenschaft darüber ablegen, ob diese zu der Auflösung passen.
Ansonsten folgt das Buch dem modischen Trend, Gattungen von Büchern zu verschmelzen: Nach Beauty-Tipps mit Poesie, Kochrezepten mit Landschaftsfotos und Reiseführern mit Liebesgeschichte jetzt also ein Krimi mit Weinführer. Eigentlich nur ideal, wenn man gar nicht so gerne liest. Sonst zieht man wohl ein gutes Weinbuch und einen guten Krimi in getrennten Buchdeckeln vor.


Bollywood Hollywood
Bollywood Hollywood
DVD ~ Rahul Khanna
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 6,47

5 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Eine Komödie - leider ohne Lacher, 12. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Bollywood Hollywood (DVD)
"Bollywood/Hollywood" möchte eine Parodie auf das Bollywood-Kino sein, die zudem ironisch und mit leichter Hand die Probleme von "Non-resident Indians" schildert. Leider funktioniert der Film als Komödie nicht: Niemand in meiner Familie konnte an einer einzigen Stelle lachen. Nun kann man über Humor nicht streiten. Falls Sie aber z. B. die Kinofassung von "Per Anhalter durch die Galaxis" für einen furchtbar verunglücklichten Film hielten, werden Sie auch in "Bollywood/Hollywood" den Humor nicht auffinden können. In den Special Features kann man dann nachlesen, wo genau der Witz lag - ein schönes Beispiel von verkopftem Intellektuellenhumor, der das Zwerchfell nicht erreicht.
"Bollywood/Hollywood" funktioniert auch nicht als Tanzfilm. Natürlich sollen viele Tanzeinlagen ironisch sein, sie wirken aber vor allem amateurhaft und unprofessionell choreographiert. Immerhin ist mir erst durch "Bollywood/Hollywood" völlig klar geworden, welche suggestive und manipulatorische Kraft in echten Bollywood-Tanzszenen liegt und wieviel Professionalität der Inszenierung dahinter steht.
Schließlich kommt in "Bollywood/Hollywood" an keiner Stelle Spannung auf, der Film funktioniert also auch als Unterhaltungsfilm nicht.


Volkswirtschaftslehre: Paradigmenorientierte Einführung in die Mikro- und Makroökonomie
Volkswirtschaftslehre: Paradigmenorientierte Einführung in die Mikro- und Makroökonomie
von Michael Heine
  Gebundene Ausgabe

15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen „Endlich einmal wissen, warum es Arbeitslosigkeit gibt", 12. Februar 2006
„Endlich einmal zu wissen, warum es Arbeitslosigkeit gibt und wie man sie bekämpfen kann, warum Preise steigen und wo die Ursachen für die immer wiederkehrenden Wirtschaftskrisen liegen, weshalb die unterentwickelten Länder nicht aufholen und was man von Börsenspekulanten zu halten hat, ist die Motivation vieler, sich mit dem Fach Volkswirtschaftslehre auseinander zu setzen.“ – mit diesem Satz beginnen Michael Heine und Hansjörg Herr ihr Lehrbuch “Volkswirtschaftslehre“. Diese Fragen dürften nicht nur VWL-Studenten interessieren, sondern auch den „lesenden Arbeiter“ des Informationszeitalters. Allerdings bauen Heine und Herr für fachfremde Leser einige Hürden auf: Zum einen ist das Buch mit mathematischen Formeln gespickt. Die Autoren halten das für unvermeidlich und ich muss mich ihnen hier anschließen: Die Mathematik dient der modernen Volkswirtschaftlehre als Instrument, durchaus diskussionswürdige Aussagen als unumstößliche Wahrheiten zu kaschieren. Wer mehr als oberflächlich begreifen will, welche Logik den Politikempfehlungen der volkswirtschaftlichen Größen unseres Landes zu Grunde liegt, muß sich auf etwas Mathematik einlassen.
Ich möchte bei dem Punkt „Mathematik“ noch einen Moment bleiben, um potenziellen Lesern Mut zuzusprechen: Für den zweiten Teil des Buches, der die Makroökonomie behandelt, reichen Algebrakenntnisse auf Mittelstufenniveau aus. Zwar führen Heine und Herr hier Variablen ein, bis dem Leser der Kopf raucht, aber nach jeder Umformungsorgie wird der Sinn der sich ergebenden Gleichung im Text erläutert. Für den ersten, mikroökonomischen Teil des Buches sollte man die Differentialrechnung aus der Oberstufe noch präsent haben oder auffrischen. Darauf aufbauend benötigt man ein Grundverständnis dreier weiterführender Themen der Differentialrechnung: Partielle Ableitungen, Lagrangetechnik und Totales Differential. Das Wirtschaftsmathe-Buch von Peter Dörsam bringt einem diesen Stoff am schmerzfreisten nahe.
Die zweite Hürde liegt darin, dass Heine und Herr Schüler von Hayo Riese sind, dem Papst des montären Keynsianismus und wahrscheinlich dem deutschen Wirtschaftswissenschaftler, der sich am kompliziertesten ausdrückt. So kommt es, dass bespielsweise der erste Band von Marx’s Kapital sich neben Heine/Herrs „Volkswirtschaftslehre“ wie eine Badewannen-Lektüre ausnimmt. Ich war oft versucht, das Buch zur Seite zu legen, aber bereits nach wenigen Seiten wurde ich dann mit interessanten Erkenntnissen für das Durchhalten belohnt – und las dann doch weiter.
Der „Heine/Herr“ ist z. B. das einzige volkswirtschaftliche Lehrbuch, dass ich gefunden habe, in dem die Cambridge Capital Controversy ausführlich besprochen wird. Diese hochinteressante Forschungsdebatte aus den sechziger Jahren wird in anderen VWL-Einführungen wie eine verbotene Frucht behandelt, vor der man den Leser am besten dadurch schützt, dass man sie gar nicht erwähnt. Das könnte damit zusammenhängen, dass der Verlauf der Kontroverse nicht sonderlich schmeichelhaft für den neoklassischen Mainstream der volkswirtschaftlichen Zunft war. Auch sonst sind Heine und Herr erfrischend methodenkritisch, ohne dabei so weit zu gehen, ihr Fach komplett zu diskreditieren. Nur selten bricht der echte Keynsianer aus den Autoren hervor: Ein Leviathan, dessen überlegene und über dem Gewimmel der Welt schwebende Vernunft Staat und Zentralbank genau sagen kann, was zu tun ist, wann gegen Deflation und wann gegen eine Lohn-Preis-Spirale eingegriffen werden und wann welcher Gruppe von Wirtschaftssubjekten welches Opfer im Namen des Gemeinwohls abverlangt werden muss. An solchen Stellen frage ich mich immer, wie sich der majestätisch neutral über den Interessengruppen stehende Staat wohl theoretisch ableiten lässt. Faktisch ist die deutsche Wirtschaftspolitik seit über zwanzig Jahren theoretisch neoklassisch inspiriert und damit in der Praxis einseitig unternehmerfreundlich. Die wenigen verbleibenden Keynsianer auf deutschen VWL-Lehrstühlen sehen dem Treiben der Du-bist-Deutschland-Bewegten derweilen mit großen, staunenden Augen zu und können gar nicht aufhören, sich zu wundern, wie es einem derartig logisch inkonsistenten Paradigma wie der Neoklassik gelingen konnte, sie zu marginalisieren.


Oskar und das Geheimnis der verschwundenen Kinder
Oskar und das Geheimnis der verschwundenen Kinder
von Claudia Frieser
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,00

17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kompetent geführte Reise ins Spätmittelalter, 13. November 2005
Die Autorin Claudia Frieser ist ausgebildete Stadtarchäologin und somit jemand, dem man seine Kinder als Reiseführerin ins Mittelalter beruhigt anvertrauen kann. "Oskar und das Geheimnis der verschwundenen Kinder" erzählt von einem Jungen unserer Tage, der eine Zeitreise in das Nürnberg des ausgehenden 15. Jahrhunderts unternimmt. Dort verliert er das Gedächtnis, so dass ihm die Rückreise verbaut ist, und gerät in den Strudel eines Kriminalfalles. Claudia Frieser gelingt bei der Entfaltung der Kriminalhandlung eine schwierige Gratwanderung: Nie verniedlicht sie die barbarische Grausamkeit spätmittelalterlich-frühneuzeitlicher Strafjustiz, ohne jedoch den jugendlichen Leser über Gebühr zu schockieren oder ihm das Happy End vorzuenthalten.
Das Buch ist allerdings nicht völlig frei von Schwächen: Die ausführliche Beschreibung Nürnbergs am Anfang des Buches ist etwas langatmig geraten; dies ist die einzige Stelle des Buches, an der die didaktische Absicht zu deutlich durchschmeckt. Die weibliche Heldin, die Baderin und Apothekerin Kathrin, denkt derartig rational und aufgeklärt, dass eher sie als Oskar wie eine Zeitreisende aus der Jetztzeit wirkt. Und musste der gleichaltrige Freund, den Oskar im mittelalterlichen Nürnberg findet, nun ausgerechnet niemand anderes sein als Albrecht Dürer? Schließlich erfolgt die Rettung aus höchster Not etwas abrupt, hier hätte die Handlung mehr Suspense hergeben können.
Ingesamt ist "Oskar" ein Kinderbuch, das meiner Tochter gut gefallen hat und bei dem auch erwachsene Vorleser auf ihre Kosten kommen.


Wie der Stahl gehärtet wurde
Wie der Stahl gehärtet wurde
von Nikolai Ostrowski
  Gebundene Ausgabe

10 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Verstörende Selbstdarstellung des Bolschewismus, 14. Oktober 2005
Gut, dass der Kapitalismus so funktioniert, dass alles gedruckt wird, was Profit verspricht. Auf diese Weise kann man mit Nikolai Ostrowskis "Wie der Stahl gehärtet wurde" auch 15 Jahre nach dem Ende der DDR noch ein Buch kaufen, in dem man über den Sowjet-Kommunismus mehr lernt, als durch alle Bücher bürgerlicher Historiker über dieses Thema. Spannender ist "Wie der Stahl gehärtet wurde" allemal und natürlich authentischer, denn das Buch ist stark autobiografisch geprägt.
"Wie der Stahl gehärtet wurde" begleitet seinen Helden Pawel Kortschagin von seiner Kindheit im vorrevolutionären Russland bis zu seiner Tätigkeit als stalinistischer Kulturschaffender. Schon als Kind wird er magisch von Waffen angezogen; er stiehlt und versteckt sie. So ist es folgerichtig, dass er noch als Minderjähriger in die Rote Armee eintritt und am Bürgerkrieg teilnimmt. Nach schwerer Kriegsverletzung und Demobilisierung jagt er mit der Tscheka, der sowjetischen Geheimpolizei, konterrevolutionäre "Banden". Besonders bedrückend ist das erste Kapitel des zweiten Buches, in dem die Tscheka eine großangelegte Verschwörung aushebt. Ist diese Bedrohung wirklich real oder nur Paranoia, fragt sich der Leser fröstelnd. "Hunderte von Personen ... wurden zur Tscheka gebracht. Dort arbeitete eine Kommission, die die Leute sortierte." Weder hier noch an vergleichbaren Stellen erfahren wir, was mit "den Leuten" danach passiert.
Pawel jedenfalls geht weiter seinen Weg als Komsomol-Aktivist und später Parteisoldat, ordnet der Partei alles unter und ruiniert seine Gesundheit bei der revolutionären Aufbauarbeit. Mit 25 Jahren ist er blind und bewegungsunfähig.
Obwohl Pawels Leben stark von männerbündischen Idealen geprägt wird, spielen auch Frauen in "Wie der Stahl gehärtet wurde" eine Rolle. Genauer gesagt spielen sie zwei Hauptrollen: Erstens die, den Helden Pawel gesundzupflegen, wie es seine Mutter oder die mehrfach auftretenden gutaussehenden, extrem anteilnehmenden Ärztinnen tun, und zweitens die Rolle, ihn still zu bewundern und nach ihm zu schmachten. Pawel aber bleibt immer kühl und asexuell, bevor ihn kurz vor Eintritt der Vollinvalidität die Torschlußpanik ergreift.


Maia oder als Miss Minton ihr Korsett in den Amazonas warf
Maia oder als Miss Minton ihr Korsett in den Amazonas warf
von Eva Ibbotson
  Gebundene Ausgabe

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Politisch korrekt bis zum Überdruß - aber spanned, 9. Oktober 2005
Die Personen, die Eva Ibbotson in "Maia" auftreten lässt, sind nicht die Stärke dieses Buches: Allzu holzschnitthaft sind die Charaktere, allzu tief ist die Kluft zwischen den Guten und den Bösen. Was den Reiz des Buches ausmacht, ist vielmehr die völlige Ummünzung des gängigen Klischees von der "grünen Hölle": In Wirklichkeit ist das Land an Amazonas und Rio Negro ein Paradies. Dieses Motiv wird in dem Buch konsequent durchgehalten und es bildet auch die Scheidelinie zwischen den Guten und den Bösen: Die Guten leben auf in der Schönheit des Urwaldes; die Bösen schotten sich ab, blicken voller Dünkel auf Brasilien und die Brasilianer herab und versuchen dort den englischen Lebensstil ohne Abstriche aufrecht zu erhalten. In diesem Punkt übertreibt das Buch kaum, sondern es liefert eine nur leicht karikierend überzogene Beschreibung kolonialer Gesinnung, wie sie im Jahre 1910 vorherrschte. Dennoch ist das Buch keine Anklage gegen den Kolonialismus. Natürlich beuten die Bösen die Indianer aus; aber sie gelangen damit nicht zum wirtschaftlichen Erfolg. Wenn Gute wie die Keminskys die Indianer für sich arbeiten lassen und dadurch steinreich werden, dann ist das in Ordnung, solange sie die Indianer "gut behandeln" - was eigentlich nur bedeutet, sie nicht zu misshandeln. Und das ist wenig genug.
Vor dem geschilderten Hintergrund entfaltet das Buch eine spannende Abenteuergeschichte. Meiner Tochter hat sie gut gefallen, daher vier Punkte. Das Buch ist zum Vorlesen ab 8 Jahre, zum Selberlesen wohl erst ab 12 geeignet, da verhältnismäßig viele Worte für Dinge auftreten, die nicht zur Lebenswelt eines mitteleuropäischen Kindes gehören. "Maia" enthält als Nebenhandlung eine gelungene Parodie auf den "kleinen Lord"; der Leser oder Hörer sollte diese Geschichte unbedingt vorher aus Buch oder Film kennen.


UNIX Shell-Programmierung
UNIX Shell-Programmierung
von Rainer Krienke
  Taschenbuch

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tiefgehende Einführung in die Shell-Programmierung, 27. September 2005
Rezension bezieht sich auf: UNIX Shell-Programmierung (Taschenbuch)
Rainer Krienke hat mit mit diesem Titel ein hervorragendes EDV-Fachbuch vorgelegt. Der Stil des Autors ist klar und didaktisch und dabei frei von Abschweifungen und kumpelhafter Anbiederung an den Leser. "UNIX Shell-Programmierung" hat ein unprätentiöses Layout und schreckt mit seinen 241 Seiten (inkl. Anhang und Register) den Anfänger nicht schon durch seinen bloßen Umfang ab. "Anfänger" meint hier: "Anfänger in der Shell-Programmierung", nicht "blutiger UNIX-Anfänger". Das Buch ist keine allgemein gehaltene UNIX-Einführung, sondern beschäftigt sich ausschließlich mit dem, was der Titel verspricht. Es gibt hier also keine Listen von UNIX-Kommandos, keine Tabelle der regulären Ausdrücke und auch keine Kurzeinführung in sed und awk. Es gibt in diesem Buch einfach Shell pur.
Ich habe auch das hochgelobte "Shell-Skript Programmierung" von Patrik Ditchen auf dem Schreibtisch, empfehle für den Einstieg in das Thema aber auf jeden Fall das Buch von Rainer Krienke. Trotz des handlichen Formats geht "UNIX Shell-Programmierung" weit über eine Einführung hinaus, es werden vielmehr alle wichtigen Konzepte der Shell-Programmierung erläutert. Natürlich wird man in viermal so dicken Büchern zum Thema den einen oder anderen esoterischen Trick finden, der hier fehlt - wenn man aber in nur wenigen Tagen fit in der Shell-Programmierung werden will, dann ist man mit Krienkes Buch gut bedient.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 15, 2012 3:43 PM MEST


Kreuzzug ins Ungewisse
Kreuzzug ins Ungewisse
von Thea Beckman
  Taschenbuch

14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Abenteuer, Freundschaft, Verantwortung, 26. September 2005
Rezension bezieht sich auf: Kreuzzug ins Ungewisse (Taschenbuch)
„Kreuzzug in Nietenhose", wie das Buch im Original heißt, schildert, wie der fünfzehnjährige Dolf Wega auf einer Zeitreise im Jahre 1212 strandet und dann den Kinderkreuzzug von Speyer nach Brindisi begleitet. Worum es Thea Beckman, der großen alten Dame der niederländischen Jugendliteratur, ging, erläutert Sie in einer programmatischen Passage gegen Ende des Buches: Das Mittelalter der Bauern, Bettler und Waisen zu schildern und nicht das der Dombaumeister, Gildeumzüge, schönen Burgjungfern, Minnesänger und geharnischten Ritter auf weißen Pferden. Diesem Programm bleibt Thea Beckman treu, wobei Sie
reichlich Gebrauch von ihrer Autorenphantasie macht, um Lücken in den Quellen zu schließen. Dabei hat sie nicht immer eine glückliche Hand, denn nicht alle Episoden wirken (zumindest für Erwachsene) glaubwürdig. Vor allem die Darstellung militärischer Gewalt ist stark verharmlost: Anfang des 13. Jh. waren Waffentechnik und Professionalisierung des Kriegertums längst so weit fortgeschritten, dass Hobby-Kämpfer mit Knüppeln und Küchenmessern chancenlos gewesen wären. Die Bewährung der Helden des Buches im Kampf bedient also eher die Allmachtsphantasien der jugendlichen, männlichen Zielgruppe, als dass sie die historische Realität spiegelt.
Manches atmet den Geist der Entstehungszeit dieses 1971 erschienenen Buches, so z. B. der dramaturgische Einsatz der Blinddarmentzündung als besonders tückische Todesursache Heranwachsender. Gestorben wird sowieso reichlich in diesem Buch; Kinder unter 10 Jahren werden daher wohl weniger Freude daran haben. Für 12- bis 16jährige Jungen ist „Kreuzzug ins Ungewisse" aber sicherlich ein spannendes Lesevergnügen. Trotz der hohen Verlustzahlen auf dem Kinderkreuzzug ist das Buch im Grundton eher ethisch-heroisch als deprimierend und es gibt auch einen Abschuss, in dem man - wenn man will - ein Happy End sehen kann.


Unix for Oracle DBAs Pocket Reference
Unix for Oracle DBAs Pocket Reference
von Donald K Burleson
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,01

4.0 von 5 Sternen Useful Tips and Tricks, 29. Juni 2005
This booklet contains a collection of shell script code snippets and other UNIX tips for the DBA. Not everything will be useful for everyone, but only the most experienced UNIX geek will fail to find one trick or the other that he did not know before. And what else is UNIX expertise if not knowledge about such little tricks?
I especially liked the sections about commands to collect performance statistics for the UNIX boxes your databases run on. You do not normally find these commands in general UNIX books (not even in the meatiest ones) and would have to turn to special UNIX admin books, which might be sort of an overkill for a mere DBA.
The book also introduces into some very basic UNIX concepts like piping commands and changing file permissions. This is superfluous as this booklet does by no means repalce a full-fledged UNIX introduction. But if you are a DBA who has already read his "UNIX for Beginners" or the like and who wants to delve a little bit deeper into HP-UX or AIX, than this book is for you.


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