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Rezensionen verfasst von
Frank Hertel "teletext1"
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Mutmassungen über Jakob: Roman (edition suhrkamp)
Mutmassungen über Jakob: Roman (edition suhrkamp)
von Uwe Johnson
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,50

4.0 von 5 Sternen Echte Kunst, aber schwer zu lesen, 25. Juli 2014
Ich bin froh, dass es bei diesem Buch einen Klappentext gab. Auch ein paar Rezensionen haben mir geholfen, um den Text inhaltlich überhaupt ein bisschen zu verstehen. Ohne diese Lesehilfe hätte ich gar nicht gewusst, was da eigentlich los ist. Man merkt, es geht um die DDR, um den Sozialismus, um das Überwachen und Aushorchen und Verbieten und Kleinhalten damals. Der Hauptakteur Jakob Abs ist Rangierer und vor allem ist er ein innovativer Reformer. Er hat eine neue Methode entwickelt, wie man effektiver die Züge rollen lassen kann. Leider müssen aufgrund dieser neuen Methode russische Militärzüge länger warten als sonst. Außerdem fährt Abs einmal in den Westen, obwohl er es nicht durfte. 1954 ging das noch. Da war die DDR ja noch nicht eingemauert. Trotzdem ist dann irgendwie nicht klar, ob Abs ermordet wurde, Selbstmord beging oder bei einem Nebelunfall verunglückte.

Jedenfalls ist das Buch immens DDR- und Sozialismus-kritisch. Deswegen wurde es im Westen damals begierig mit Preisen ausgezeichnet. Allerdings glaube ich, dass Johnson mit seiner völlig konfusen Schreibweise keinen schriftstellerischen Erfolg gehabt hätte, wenn er nicht im Kalten Krieg durch diese Themenwahl hätte instrumentalisiert werden können. Und das wurde er.

Johnson geht immer komplett ins Detail. Er pflegt einen ziemlich kurzsichtigen Nahblick auf die Gegenstände und Geschichten. Er verliert sich im Detail. Das liest sich teilweise richtig zauberhaft, etwa wenn er von Äckern, Wäldern, Bachwiesen und Pflügen spricht, aber insgesamt ist es schon nervend, wenn man praktisch null durchblickt. Trotzdem war ich überrascht. Ich dachte immer Johnson sei ein Langweiler. Das ist er überhaupt nicht. Er ist ein Typ zwischen Genie und Wahnsinn, allerdings mit starker Tendenz zu Letzterem.


Cosmopolis: Roman
Cosmopolis: Roman
von Don DeLillo
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen New York aus Sicht eines Alpha-Tieres, 30. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Cosmopolis: Roman (Taschenbuch)
"Cosmopolis" ist ein schräges Buch, das ins New York der Neuzeit entführt. Die Neuzeit aus der Sicht des Elite-Mannes Eric Packer. Ein Self-Made-Man, der vor Tat- und Willenskraft nur so strahlt. Er will sich beim Frisör die Haare schneiden lassen. Die Fahrt durch den Stau der Großstadt entwickelt sich zum absoluten Fiasko mit mehreren Leichen, zahlreichen verbrannten Milliarden Dollar, Gewalt, Filmszenen, absurden Begebenheiten und einigen Schäferstündchen. Ich kannte De Lillo bis jetzt nicht. Er ist ein ziemlich interessanter Autor. Das Buch ist 2003 erschienen und gilt schon jetzt als Klassiker der Gegenwart. Allerdings trägt De Lillo für meinen Geschmack in "Cosmopolis" ein bisschen zu dick auf, was die Knalleffekte und die Art des Sprechens angeht.


Professor Unrat
Professor Unrat
von Heinrich Mann
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

5.0 von 5 Sternen Gute Story, rasant erzählt, 26. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Professor Unrat (Taschenbuch)
Viele haben wahrscheinlich das Glück, dieses Buch in der Schule lesen zu dürfen. Ich habe es erst jetzt entdeckt, als halbalter Knacker. Die Hauptfigur ist 57 Jahre alt und verliebt sich in eine Halbwelt-Lola namens Rosa Fröhlich. Er wandelt sich vom staubtrockenen Herrn Oberlehrer zu einer Art Zuhälter mit Geschmack am Untergang. Die Story ist wirklich klasse, und Heinrich Mann hat eine Menge daraus gemacht. Kein Wunder, dass dieses Buch verfilmt wurde. Es wäre natürlich auch viel über die Anlage des Buches zu sagen, und man kann sich einiges dazu denken, von wegen Entfesselung des Kleinbürgertums, die drei Schüler könnten für drei Bevölkerungsteile stehen. Da kann man viel hineininterpretieren. Aber ich bin ja Gott sei Dank kein Schüler mehr. Mir hat das Buch großen Spaß gemacht. Und ich schätze, ich werde noch mehr vom Thomas-Mann-Bruder lesen, der es etwas knackiger, schneller, deutlicher und härter zur Sache gehen lässt als der Schöpfer des "Zauberbergs".


Vergessenheit
Vergessenheit
von David Foster Wallace
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

3.0 von 5 Sternen Short Storys liegen Wallace nicht, 23. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vergessenheit (Taschenbuch)
Ich war begeistert von Wallace großen Büchern "Unendlicher Spaß" und "Der bleiche König". Jetzt habe ich drei Story-Bücher von Wallace ("Alles ist grün", "Kleines Mädchen mit komischen Haaren" und "Vergessenheit") gelesen und bin ein wenig enttäuscht. Vor allem "Vergessenheit" ist ein schwaches Buch. Die drei Geschichten hören einfach auf, ohne erkennbaren Grund. Der Autor hatte wohl keinen Bock mehr. Einer Logik folgt das jedenfalls nicht. Und als Leser fühlt man sich regelrecht verschaukelt. Natürlich blitzt in den Geschichten viel vom Können des Großmeisters auf. Aber, er nimmt den Leser nicht ernst, er stellt alles gleichzeitig in den Vordergrund. Die Haltung ist zynisch. Man fühlt sich nach der Lektüre psychisch geschreddert. Vielleicht hatte ich zu viel Wallace in den letzten Wochen. Jedenfalls werde ich den dieses Jahr nicht mehr lesen. Man bekommt einen Eindruck von seiner persönlich ausweglosen Situation. Diese Bücher sind hart an der Grenze des Ertragbaren.

Also Fazit: In der großen Linie, in den richtig großen Werken ist Wallace sehr stark, grandios stark. Aber ich finde, die Short Story kann er nicht. Wallace ist so ein großer Erzähler: Er braucht sehr viel Platz. Den bietet ihm die Short Story nicht, denn er bringt darin so viel Nebensächliches und Abseitiges, dass die eigentliche Geschichte auf dem kurzen Seiten keinen Platz mehr hat. Und das nervt.


Der bleiche König: Roman
Der bleiche König: Roman
von David Foster Wallace
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,99

5.0 von 5 Sternen Das letzte große Werk des (leider schon) bleichen Königs der Gegenwartsliteratur, 12. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Der bleiche König: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dass es ein unvollendetes Werk ist, das vom Lektor aus dem Nachlass zusammengestellt wurde, tut der Sache eigentlich keinen Abbruch. Wallace ist ein Autor, dem das Unvollendete liegt. Den "Unendlichen Spaß" hat er mitten in einer wörtlichen Rede enden lassen. Beim "Pale King" endet eben das ganze Buch, bevor irgendeine wirklich erkennbare Handlung aufkommt. Es geht DFW nicht um Handlung im Sinne eines Action-Plots. Er ist ein direkter Gegenentwurf zum US-amerikanischen Hollywood-Kino. Wallace beschreibt wortreich Zustände, er "verliert" sich in kleinsten Details - absichtlich wahrscheinlich - er imitiert Sachbuch-Atmosphäre, indem er mit Fußnoten nur so um sich wirft, allerdings bringt er dabei komplette Hämmer: In einer Fußnote geht es um eine, tja, sogenannte Below-Arbeit, das ist schon wirklich eine Weltpremiere. So eine Fußnote habe ich noch nie gelesen. Allen Figuren haftet eine schwierige und katastrophale Situation an. Praktisch jeder in dem Buch ist auf irgendeine Weise beschädigt oder seltsam. Aber gerade das macht ja den Reiz aus - wenn es auch etwas traurig wirkt, weil man ja weiß, dass sich Wallace aufgrund seiner schweren Depressionen während der Arbeit am "Pale King" erhängt hat. Man ahnt den Wahnsinn, in dem der Autor gefangen war. Sein Buch ist wie ein Labyrinth ohne Ausweg. Wortreich hängt er sich an Einzelheiten, aber ohne Gesamtplan, ohne Ausweg. Alles ist gleich wichtig. Er kann nichts wirklich priorisieren. Das beschreibt er auch anhand seiner Figuren. Und die US-amerikanische Steuerbehörde IRS ist natürlich mit ihrer bürokratischen Monstrosität ein idealer Vorhang für Wallace' eigenen Zustand, für die Verlorenheit seiner Figuren. Das Besondere an Wallace ist, dass er nicht jammert, sondern eine Art Galgenhumor entwickelt, die seine weltweiten Leser über echte Grausamkeiten der Psyche und der Absurdität unserer Welt lachen lässt. Schade, dass der Autor nicht mehr lebt. Insgesamt hat mir der "Unendliche Spaß" besser gefallen als der "Pale King", aber ein unvollendetes und nicht ganz so gutes Buch von David Foster Wallace ist immer noch tausend Mal besser als das meiste andere, was man sonst heute so zu lesen kriegen kann.


Darm mit Charme: Alles über ein unterschätztes Organ
Darm mit Charme: Alles über ein unterschätztes Organ
von Giulia Enders
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

19 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Hat mich enttäuscht, 16. April 2014
Ich hatte mir ein bisschen mehr wissenschaftliches Fundament erwartet. Die Texte sind doch in einem etwas lockeren Ton verfasst. Die Teilüberschriften finde ich manchmal etwas peinlich. Mir ist völlig unverständlich, warum es hier auf Amazon zu diesem Buch nur mindestens Drei-Punkte-Rezensionen gibt. Von mir gibt es nur einen für diesen Fehlkauf.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 25, 2014 9:27 PM MEST


Das biotechnische Zeitalter: Die Geschäfte mit der Gentechnik
Das biotechnische Zeitalter: Die Geschäfte mit der Gentechnik
von Jeremy Rifkin
  Broschiert
Preis: EUR 19,90

5.0 von 5 Sternen Idealer Stoff für Science-Fiction-Autoren, 15. Januar 2014
Ich bin zwar kein Science-Fiction-Autor, aber ich könnte einer werden. Dieses Buch von Rifkin bietet so viel Stoff, dass man daraus zehn gute Bücher und fünf Filme machen könnte. Unglaublich, wie viel Information der Mann da zusammengetragen hat. Der Inhalt ist ziemlich schwer verdaulich. Molekularbiologen träumen davon, den Menschen umzuzüchten. Vielleicht wird das angesichts der Umweltzerstörung tatsächlich mal nötig. Wir entwickeln uns dann mit Hilfe der Gentechnik in kleine Fischmonster, die in der giftigen Schlacke überleben können, die wir selbst geschaffen haben. Das schreibt Rifkin nicht, aber man kommt so auf Gedanken. Dieses Buch liefert auch Namen von Firmen und Personen, die später mal interessant werden könnten. Später: Im biotechnischen Zeitalter (wenn es denn wirklich kommt, denn viel von dem, was da geschrieben steht, klingt wie pure Träumerei und Drittmittelbeschaffung).


Das Informationszeitalter Wirtschaft. Gesellschaft. Kultur. Bd. 1: Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft
Das Informationszeitalter Wirtschaft. Gesellschaft. Kultur. Bd. 1: Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft
von Manuel Castells
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wegweisendes Werk, 26. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Manuel Castells hat in dieser Trilogie einen Weg eingeschlagen, der der Soziologie der Zukunft zeigen kann, wohin die Reise geht. Wir treten in ein neues Zeitalter. Die digitale Revolution verändert den Planeten. Das gilt auch für die menschlichen Gesellschaften, also den Forschungsgegenstand der Soziologie. Castells denkt die neue Gesellschaftsordnung vom Computer her. Er spricht von der informationellen Gesellschaft als Nachfolgerin der industriellen Gesellschaft. Und er beleuchtet die neue Ordnung von allen Seiten. Er sieht in der Netzwerkgesellschaft vor allem das Problem derer, die nicht im Netzwerk sind, also der strukturell Überflüssigen, die sich zunehmend neue Identitäten bilden wie Fundamentalismus oder Nationalismus. Die neue Arbeitswelt teilt sich in Netzwerksteuerer an der Spitze und in Netzwerkausübende ganz unten. Die Mitte fällt weg. Der Kapitalismus ist erstmals auf dem ganzen Planeten zu finden und formiert sich ganz neu. Die Frauen treten massenhaft ins Arbeitsleben ein, die patriarchalische Ordnung löst sich auf. Überhaupt löst sich viel auf. Die Kriege sind heute kurze medial optimierte Instant-Kriege, Geburten können gentechnisch gesteuert werden, der Tod wird nicht mehr mitgedacht, die neue Generation der Männer ist ganz anders als die vorhergehenden, nämlich durch und durch pazifistisch. Castells spricht über den Zusammenbruch der Sowjetunion. Er zeigt die Welt bis ins Jahr 2000. Das ganz neue Zeitalter seit 2001 ist in diesem Buch noch nicht zu finden, sehr wohl aber die Grundlagen der neuen Gesamtentwicklung. Die drei Castells-Bände sind interessierten Soziologen auf jeden Fall zu empfehlen. Man kann eine Menge lernen. Castells schreibt stellenweise schön blumig, dann ist er wieder statistisch und knochentrocken. Er ist Professor an der renommierten Berkeley-University. Er hat wirklich was zu sagen. Und für die lieben Bayern ein hilfreicher Tipp: Am Ende des ersten Bandes ist sogar mal von der CSU die Rede.


Die kaputte Elite: Ein Schadensbericht aus unseren Chefetagen
Die kaputte Elite: Ein Schadensbericht aus unseren Chefetagen
von Benedikt Herles
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

3 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Knaller zur rechten Zeit, 9. Oktober 2013
Interessantes Buch. Ein Absolvent einer Business-Schhool fordert die Abschaffung von BWL als Studienfach, bzw. dessen verpflichtende Ergänzung durch ein geisteswissenschaftliches Nebenfach. Als 42-jähriger Soziologe kann ich Herrn Herles etwas verraten: Freie Geister, Denker und Querköpfe sind in der deutschen Elite nicht gefragt. Sie würden die Tricks, Finten und Fehler dieser Eliten viel zu schnell durchschauen und wie Sand im Getriebe wirken. Fragen Sie sich bitte mal, warum Businessschoolleute nach zehn Jahren bei einer Bank mit einem Jahresgehalt von 225000 Euro rechnen dürfen während Magistersoziologen wie ich froh sein können am Ende des Monats über Null zu stehen. Übrigens schreibe ich auch Bücher, bin aber leider nicht sehr erfolgreich. Dieses Buch von Herles hat Kraft und Saft und wird womöglich einen Denkprozess in Gang setzen, denn es kommt genau im richtigen Zeitpunkt auf den Markt.


Das Informationszeitalter, Bd.3, Jahrtausendwende
Das Informationszeitalter, Bd.3, Jahrtausendwende
von Manuel Castells
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Echte Aufklärung, 6. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der dritte Band dieser Trilogie geht vor allem auf die Wirtschaft ein. Und bei Castells heißt das immer, dass er die ganze Welt im Blick hat. Also nicht die ganze, aber einige ausgewählte wichtige Länder, die er im Lauf seiner langen Karriere gut kennen gelernt hat. Es geht umd den Zusammenbruch der UDSSR. Castells glaubt, dass die Sowjets mit der neuen Informatikwelt überfordert waren. Man stelle sich vor, wie lange man heute in der DDR auf einen neuen Ipod warten müsste, dann checkt man, dass Castells wohl richtig liegt. Er betrachtet die Tigerstaaten Südostasiens, Singapur, Süd-Korea, Taiwan und Hongkong. Er sieht hier sogenannte Entwicklungsstaaten am Werk, also entschlossene Regierungen, die realtiv kompromisslos und sehr erfolgreich ihre Länder in eine bestimmte Richtung peitschen konnten. Er betrachtet China und auch mit klugen Worten die EU, die in seiner Sicht geschaffen wurde, um Deutschland mit seinen Nachbarländern zu versöhnen. Ein Kapitel widmet sich der weltweiten organisierten Kriminalität, die ebenfalls zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden ist.


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