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sakiko_69 (berlin)

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Die Bibel: Die Erzählungen des Alten und des Neuen Testaments in den Meisterwerken der Malerei
Die Bibel: Die Erzählungen des Alten und des Neuen Testaments in den Meisterwerken der Malerei
von Régis Debray
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Wunder, nicht weniger ist mir dieser Bilderschatz vom Gewicht..., 8. Juli 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
....eines Tageseinkaufes und zum selben Preis.

Was für eine gute Idee: an einem der heissen Tage diese Sommers unterbrach ich meine Radstrecke kurzerhand auf Weges Mitte in der großen und kühlen Berliner Amerika Gedenk Bibliothek und blätterte dort in Bildkunstbänden. Dieses Bilderbuch, denn das ist es vor allem, begeisterte mich sofort. Warum?

Als DDR sozialisierter bin ich nicht gläubig. Gleichwohl haben mich schon immer die ganz alten Erzählstoffe gefesselt. Ich hatte das Glück als KInd ein paar gute Kinderversionen solcher Stoffe geschenkt zu bekommen (darunter viele hochwertige Übertragungen von Franz Fühmann wie Reineke Fuchs, Odyssee, Nibelungenlied).
Nach der Wende wuchs mein Interesse, endlich auch die wunderbaren Renaissancce-Gemälde nicht nur zu bewundern, sondern auch LESEN zu können. Eine Kinderbibel machte den Anfang. Mittlerweile habe ich eine kleine Sammlung an Büchern zur Ikonographie und bekomme langsam eine Ahnung, wie Bilder in früheren Jahrhunderten gelesen wurden.

Faszinierend finde ich, daß es Erzähungen, Themen gab, die durch Jahrhunderte und Kontinente wanderten und sehr vielen Menschen bekannt waren. Die Legenda Aurea (eine Sammlung von Heiligen Legenden) war zum Beispiel eines der meist gelesenen Bücher, ein echtes Volksbuch also, seit dem 14. Jahrhundert.

Hier setzt vielleicht auch dieser wahrhaft prächtige auf schwerem Papier gedruckte Band an. Großzügig stehen sich je ein Text -in sehr augenfreundlicher Größe- und ein seitenfüllendes Gemälde gegenüber. Nicht nur knapp, sondern auch spannend, niedrigschwellig und sogar humorvoll schildern die Texte die wichtigsten und schönsten Geschichten aus Altem und Neuem Testament. Nur am Ende geht es jeweils ganz knapp um die Interpretation des Künstlers- insofern ist es kein kunsthistorisches Werk. Natürlich sind Jahr und Museum angegeben, so daß Jeder weiter forschen kann, aber Schwerpunkt sind eben die - ich sag mal- Märchen, denn das sind die Bibeltexte ja auch immer gewesen- und ihre sehr verschiedenen Umsetzungen (Renaissance, Barock bis hin zu Symbolismus und Historismus. Schwerpunkt jedoch auf den älteren Epochen und ausschliesslich der satten und die Sehlust besonders sättigenden Malerei).

Mich hat sehr gefreut, das neben einigen Klassikern (Rembrandt etwa in tollen Drucken) auch viele eher nicht so bekannte Kunstwerke gezeigt werden. Selten gehen die Macher soweit, Beispiele zu wählen, die den Kern der "Story" nicht unbedingt optimal wiedergeben. So finde ich bei der "Anbetung des goldenen Kalbes" von Andrea Celelsti (Barock) beim besten Willen kein Goldkalb. Hier wären ein paar Worte hilfreich gewesen, die darüber Auskunft geben, wie verschieden die Textvorgaben in der langen Geschichte oft illustriert wurden. Genau das gehört ja auch zum Reiz der Bibel-Bilder, zu vergleichen, wie ein und die selben Themen über 1000 Jahre und mehr variert und Zeitgeschmack und Auftraggebern sowie eigenem Empfinden angepasst wurden.

Ich würde nicht zögern, diesen Band auch mit Kindern zu durchblättern. Anhand der klaren und klärenden Kurz-Texte, kann man selbst beim ersten Lesen den Kern der Geschichten jedem Menschen vermitteln und in so neugierig machen.
(Es gibt so grausam schlechte -niedliche- KInderbibeln).
Historischen Gemälde hingegen, befördern vermutlich -ganz nebenbei- eine Ahnung vergangener Zeitalter mit ihren so anderen Werten und Anstrengungen.

Das Buch eignet sich, um Interesse an der Malerei (Geschichte) zu wecken, anhand der Wanderungen über diese riesigen Bilderbogen. Der band ist eher Ergänzug, Illuminierung der Bibel Geschichten als Nachschlagewerk (dafür ist es auch zu schwer).
Nein eher fühle ich mich beim Umblättern der dicken Seiten (mindestens 250 Gramm schweres Kunstdruckpapier) wie einer jener Fürsten, für die die prachtvollen Bilderbibeln und Stundenbücher vor der Erfindung des Buchdruckes von Hand geschrieben und illustriert wurden.

Durch Gestaltung und Großzügigkeit wie hier, haben die Buchmacher es geschafft: man begegnet den Bildern mit Ehrfurcht und blättert diesen 4-5 Kilo Band bedächtig,
fast so, als ob man ein Museum durchwandert. Glücklich derjenige, der diesen Reichtum (an Geschichte(n) und Fantasie empfinden kann. Jedes Kind und jeder "Alte" kann diese Art Genuss "lernen": Am besten vielleicht, wenn es einen begeisterten Mitgucker zur Seite hat.

p.s.: Eine schöne Ergänzung ist der Bibel Bildband von Gianni Guadalupi "Die Bibel" vom Karl Müller Verlag. Zum vergleichenden Betrachten und Nachlesen der Erzählungen eignen sich außerdem die wunderbaren, handlichen viel gekauften Paperback-Bände der Reihe "Bildlexikon der Kunst" (Altes und Neues Testament je ein Band) durchgehend bebildert und wie immer bei dieser tollen Kunst-Reihe mit Pfeilen / Texten zu den vielen Bilddetails.

Nie enttäuschend, immer zuverlässig ausserdem das Nachschlagewerk in einem Band "Was Bilder erzählen, Die klassischen Geschichten aus Antike und Christentum" vom Beck Verlag.


Follow Me
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4.0 von 5 Sternen Die Sixties... Ich hab sie nicht erlebt...., 31. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Follow Me (Audio CD)
..Leider möchte ich fast sagen, habe ich diese Zeit nicht erlebt, denn was da popmusikalisch alles passiert ist kam danach nie wieder. Diese Fülle an Ideen, Stilen und unwahrscheinlich guten Songs gab es danach wohl nie mehr. Ausserdem hört man dem Pop dieser Dekade so sehr den Spass und die Entdeckerfreude an, was ganz sicher auch mit dem gesellschaftlichem Aufbruch und den damit verbundenen grossen Hoffnungen zusammen hängt (ab 1968 war der Optimismus zumindest bei der Jugend bereits weitgehend verbraucht und auch die Popmusik erlahmte zunehmend. Die Songs wurden länger und länger. Schwitzende, schlecht gekleidete Männer dominierten zunehmend das Geschehen..;-)

Ich bin zu diesem wie zu vielen anderen Musikern der Entstehungsgeschichte des Pops durch eine der dienstältesten Radiosendungen Berlins gekommen. Wolfgang Doebeling moderiert dort seit mindetens 20 Jahren ROOTS. Wie der Name schon sagt, spürt er den Wurzeln des Pop nach und lässt dabei kaum etwas aus. Ganz wie bei John Peel muss man auf alles gefasst sein: von Western Swing der 40er über British Folk bis Punk ist da Alles drin (Sonntags ab 23.00 Radio Eins). Aber das musikalische Epizentrum seiner Sendung ist und bleibt wohl das 60er Jahrzehnt:

Crispian st. Peters ist ein schönes Beispiel für den hohen Standard der damals herrschte. Einerseits ist da diese kristallklare, sauber produzierte Musikalität wie man sie etwa von den Everly Brothers her kennt oder auch vom präzisen Gesang des frühen Cliff Richard. Und dann gibt es hier eben einfach tolle Songs, die- so meine Erfahrung- ja oft den Unterschied machen (Der beste Sänger kommt wenig zur Geltung, wenn das Songmaterial einfallslos ist. )

Wie ein Kritiker hier schon sagte, es gibt mehr zu entdecken als den Hit mit der zugegeben süchtigmachenden Flöte (Pied Piper).
Ich selbst habe einige Jahre gebraucht, um offen zu werden für die ganz anderen Qualitätsstandards jener Zeit. Musik heute ist ja nachweislich bis über die Schmerzgrenze hinaus hochgepuscht, überproduziert (in der Süddeutschen Zeitung gab es dazu mal einen interessanten Artikel). Mit dieser mächtigen (jedoch nicht kraftvollen) Musik (die oft genug mangelhafte Songs zu übertünchen versucht) muss einem der Sound dieser alten Pop-Musik hier seltsam vorkommen. Was soll dieser Hall und der zerbrechliche Satzgesang. Das alles hat wenig von dem was heute Musik oft leisten soll: sie soll FETT sein. Schönheit die den eigenen Schutzpanzer passiert und überwindet scheint selten zu sein?! Was wunderts in einer unsolidarischen Gesellschaftsordnung....

Woher kam damals der Durst nach schwärmerisch, schönen Harmonien? Das mag auch damit zusammenhängen, dass diese Generation, wenn nicht selbst so doch das gemeinsame SINGEN noch als integralen Bestandteil des sozialen Lebens erlebt hat. Mick Jagger hat mal erzählt, dass es bei ihm so eine Familientradition gab: bei jedem Treffen war es üblich, dass die Leute etwas aufgeführt haben, von Jung bis alt. Ein Gedicht, ein Lied. Bei uns ist das wohl durch die Nazis kaputt gemacht worden, diese Nabelschnur zum Singen gekappt...?

Meine Generation ist bereits überwiegend mit Konserven aufgewachsen.
Gut gefällt mir bei Crispian st. Peters der Schwebezustand der Musik. Immer ist das Folk aber dann gibt es bei manchen Songs auch diesen simplen und vielleicht deshalb um so mächtigeren Beat wie man ihn von Roy Orbison kennt. Schade, ich weiss zu wenig über diesen Mann. Hat er Ende der Sechziger auch noch Platten gemacht? Ich traue ihm zu, mühelos auch Soulnummern gebracht zu haben, so wie viele zunächst harmlos wirkende Popsänger seiner Zeit.

Schade, oft werden Musiker auch heute noch deshalb ignoriert, weil sie scheinbar nicht die richtige, die coole Erscheinung haben. Umgekehrt wird oft furchtbar ernst genommen, was den eigenen Haltungen und Darstellungsformen der Hörer zu entsprechen scheint. Dabei haben sich auch damals schon Musiker unverschämt direkt - beispielsweise beim Hippiepublikum angebiedert (Sonny & Cher etwa).

Viellicht deshalb wurden Einzelperönlichkeiten wie Crispian st. Peters, grosse Sänger wie Gene Pitney wenig beachtet. Die Beatlemania ist sicher auch nicht ganz schuldlos daran.
Also, Spätgeborene wie ich: traut euch. Entdeckt die vielen Schätze der Sixties!


Kinderlieder aus aller Welt
Kinderlieder aus aller Welt
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen ...und ein Zauberer steigt aus ganz in Weiss!, 6. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Kinderlieder aus aller Welt (Audio CD)
so geht eine zeile in dem lied, was ich bis heute auf dieser platte fast am meisten mag: das "geburtstagslied". wie bei jedem lied steht auf der original schallplatte (ich weiss nicht, ob auf der cd auch?) das herkunftsland dahinter.

auf der ddr schallplatte stand bei diesem lied dort "sowjetunion".
die gibts bekanntlich nicht mehr. aber das lied, die melodie ist immer noch wunderschön und verbindet sich für mich mit schönen erinnerungen an russische märchenfilme oder volksmusik, die doch recht viel im ddr fernsehprogramm vorkam.

irgendwie scheine ich die melancholischen melodien, das musikalische schwelgen aufgesogen zu haben. und daran ist nichts schlechtes.
ich mag die einfache botschaft und geschichte dieses liedes. der text aus der erinnerung geht so:

"plötzlich kommt ungelogen / ein grosses flugzeug geflogen / und ein zauberer steigt aus ganz in weiss / er will mir gratulieren, ein paar filme vorführen / und er schenkt allen eskimo- eis / ich bin so glücklich, ich spiel für alle, zieharmonika na klar! / denn geburtstag hat man schliesslich nur ein mal im jahr!".

ist doch schön oder?

die lieder stammen wirklich aus aller welt. beispielhaft für die liebevolle, jeweils landestypische musikalische umsetzung ist
das afrikanische "alfonsina" hier tritt ein ganzer afrikanischer männerchor auf. und singt- wunderbar kräftig:
"alfonisna ist ein ganz kluges kind / alfonsina ist ein ganz kluges kind / sie kann schon lesen, schon lesen, schon lesen / sie kann schon lesen, sie ist ein kluges kind".

hier finden sich aber auch so lustige lieder, wie der ewige kinder-hit "der popel"(aus bolivien stammt das glaub ich).
dieser titel behandelt die wahrheit übers popeln: jeder macht es, sogar die elefanten! textprobe:
"die langen eleganten / gibts bei den elefanten. / was kann man von der mama, übers popeln noch erfahren? / sie wird erzählen, dass die früher`n popel besser waren".

fazit:
ein stück wunderbare welt und musik. mit viel liebe zum detail und humor gemacht und daher seit seiner entstehung (ca 1983?) kein stück gealtert. unbedingt auch den nanchfolger von 1993 " bis die katze bellt" anhören. der ist noch besser!!


Die ganze Welt
Die ganze Welt
von Katy Couprie
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen schweifen, schwelgen, lächeln, 17. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Die ganze Welt (Gebundene Ausgabe)
es ist schon einige jahre her, als mich dieses bilderbuch angesprochen hat. ich glaube der titel, dies übermütige versprechen (die ganze welt!!) hat mich neugierig gemacht. der erste bis heute anhaltende eindruck war zunächst eine erfrischende unbekümmertheit. selten sah ich so eine wilde mischung von bildtechniken. es gibt handgearbeitete bilder: kühn gepinselte gouachen, radierungen, holzschnitte, zeichnungen. es gibt fotos und fotogramme und einiges mehr. das erfordert eine gewisse bereitschaft, die - so vermute ich - viel mehr kinder aufzubringen bereit sind - als so mancher (auf ergebnisse erpichter)erwachsener denkt. ganz einfach, weil kinder tagtäglich neues entdecken, täglich unbekanntem gegenüber treten auf dass sie sich ihren reim machen.

ausserdem halte ich den "bilder- overkill" von 10 minuten fernsehen für ungleich heftiger schon wegen seiner beliebigkeit.
zufall ist ein gutes stichwort und grundverschieden von beliebigkeit. dieses buch ist ein spiel mit ZUFALL, ABSICHT, und BEDEUTUNG. erst nach ein paar seiten merkt man nämlich, dass die bilder keinesfalls willkürlich angeordnet sind. nein, irgendwas stimmt hier nicht... bessere gesagt STIMMT hier!

ein beispiel:
auf das bild einer baby milchflasche, folgt die grafik einer klassischen milchkaffee-tasse, dann ein paar zunächst unmotiviert erscheinende schwarze flecken schwarz auf weissem grund. aber nein, das bild gegenüber zeigt ein foto. darauf eine schwarz, weiss gefleckte kuh-figur tief im gras einer sommerwiese. umblättern. huch: noch eine wiese. diesmal nahaufnahme mit butterblume. auf der seite gegenüber detail-foto ein schönen dreitagebartes!. umblättern. und (fast hatte man es geahnt): hier nun das foto einer halb abgemähten (quasi "rasierte" wiese).
es folgt ein diesmal rosig gepinselter unrasierter herr. danach ein kaktus (als grober s/ w holzschnitt) und eine art stachliger riese der unbeholfen auf einer leeergefegten dorfstrasse steht.
und so fliesst das buch hieter und immer überraschend weiter.

es bietet 1001 anlässe um mit kindern ins gespräch kommen (somit ist es auch ein idealer reisebegleiter) wirklich! man spürt förmlich, wie sich - wenn man sich erstmal darauf einlässt - innere schranken in einem öffnen. und sich minütlich neue einsichten, assoziationen und lesarten einstellen. vielleicht auch weil die bilder so wenig virtuos sind - und das meine ich positiv! sie sind eben einfach nachvollziehbar. die entdeckerfreude der autoren überträgt sich. man bekommt schnell lust auch so eine wilde sammlung anzulegen. und vor allem immer wieder neu zu ordnen!

fazit: ein nie endendes buch. ein bilderbuch im wortsinne. es erzählt alles. die ganze (sichtbare) welt!
und nebenbei zeigt es sogar, wie wir uns diese welt mit bildern aneignen.


Die heimliche Bürogymnastik
Die heimliche Bürogymnastik
von Bernd Hüttich
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein blick ins gesicht des kapitalismus, 13. Januar 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
vor vielleicht 10 jahren stiess ich in einer berliner bibliothek auf dieses zeugnis deutscher wirklichkeit. der surreale titel in verbindung mit dem anmutigem foto nahm mich gleich für das büchlein ein. worum geht es? wie der titel verspricht um gymnastik (ein wort dass auch fast ausgestorben zu sein scheint). körperliche ertüchtigung also. jedoch nicht im sportverein, oder im nahegelegenen "gesundheitstempel". nein auf ARBEIT. im büro! 1992 als das buch erschien, setzten sich computer mehr und mehr durch. damals war der kampf computer versus schreibmaschine vielleicht noch nicht ganz entschieden oder? ich stelle mir vor, wie hundertausende "schreibkräfte" sich widerwillig plagen mit sehr kleinen giftgrünen schriftzeichen auf rabenschwarzen bildschirmen! wen wunderts, wenn dabei nacken, rücken und gedanken vekrampfen! nicht gut für die arbeitskraft!
darum: pause machen. und körperübungen!
aber: aufpassen, dass der chef nüscht merkt! wie stellt man das nun an? bernd hüttich ( von ihm stammen auch "aktiv contra streß", "aktiv contra figurprobleme" und acht weitere ähnliche titel) weiss rat! einfach IM SITZEN TURNEN!!
genial, da hätte schon früher einer drauf kommen können: das absichtlich weit weggestellte telefon gibt so anlass zu einer DEHNUNGSÜBUNG. der drehsessel erhöht bei regelmässigem üben merklich die schwindelfreiheit und qualifiziert sie mit etwas glück sogar zu einer zweiten karriere in der raumfahrt!! MITHIN: "die heimliche bürogymnastik" ist EIN LEBENSPRAKTISCHER RATGEBER der nichts an aktualität eingebüsst hat. gerade in zeiten wo sich der verzehr einer "chef boulette" ruck zuck als schleudersitz entpuppt.
dann doch lieber PUPEN! im sitzen. und vor allem SCHÖN HEIMLICH!!


Irres Licht
Irres Licht
Wird angeboten von all-my-music-rheingau
Preis: EUR 19,85

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen was zum teufel fängst du damit an?, 13. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Irres Licht (Audio CD)
was will man eigentlich von kunst?
will man bestätigt werden in seinen ansichten, seinem geschmack? will man unterhalten sein? will man neues entdecken, überrascht werden und mit gedanken, gefühlen konfrontiert sein, die einem neu sind? letzteres kann man (frau, kind, onkel auch) bei den sternen immer wieder erleben. denn: die sterne wandern. sie glühen, explodieren und leuchten. je nach blickwinkel verschieden.

ich schätze die sterne dafür, dass sie beides sind: einfach und kompliziert. beides im besten sinne des wortes. beschleicht mich beispielsweise bei BLUMFELD doch öfter das gefühl des allzu kalkulierten (letzlich ja ängstlichen und stil beflissenen, eben des SPEX mässigen "gefrickels") erscheinen mir die sterne meistens frisch. glaubwürdig. hellwach. musikalisch swingen die stücke der späteren platten - so auch dieser - recht unterschiedlich. manches kommt für mein gefühl "nicht recht aus der hüfte". aber- so denke ich dann- vielleicht wollen die das so? eben: "Gegen die Welt, gegen den Beat"? die "diktatur des beats" kann ja auch recht nerven.

aber ich finde auf dieser platte einige songs wo sich melodie, instrumentation und text so unlösbar verbinden, dass sie zu einer art neuen wahrheit werden. eine, die ihre eigene logik hat, und die ich gar nicht vollkommen verstehen muss und will. wie singen die sterne so schön im letzten song:" Wir verstehen so manches nicht/ Nicht nur was das Gemüt betrifft/ Ich nicht, du nicht, ihr nicht/ - Oder irre ich mich?". ist das nicht wunderbar? ich ahne nur vage, worum es den jungs in der seltsamen sankt pauli hymne geht. der song mit seinen süffigen streichern und dem überraschendem dudelsack refrain wirkt wie bewusst angelegt als, ja als was eigentlich? als traurige parodie eines schunkelsongs? jedenfalls, ob man will oder nicht: gefühle finden statt! und erinnerungen. zum beispiel, dass ich mit 14 jahren "Mull of Kintyre" von paul mc cartney mal richtig gut fand.

wie bei guter kunst vielleicht immer - sind es eher splitter, kristalle von wahrheit die einen (mich) durchdringen und im innersten berühren. so die verbindung von repetetiv schleppendem beat und gebremster energie im bitterbösen stück "ich bring euch beide um". grosses gefühlsdrama! "roy orbison im schallgedämpftem pappkarton der verletzten gefühle". worum gehts da? jemand entdeckt, dass er perfide und routiniert von seiner liebe betrogen wird. text:
"Weil ihr euch begegnet seid,
fühlt ihr euch erleichtert. Es gab eine Gelegenheit und ihr habt euch bereichert." weiter geht es dann: "Ihr haltet euch für ziemlich schlau, und ihr denkt ich merk nichts. Ihr trefft euch heimlich, sprecht euch ab, versucht zu tun, als wäre nichts. Ausgefeilte Techniken der Manipulation. Oder einfach nur noch billig und der blanke Hohn". der höhepunkt wenn man so will ist der refrain: die musik verstummt und in das bedrückende schweigen hinein singt frank spilker glaubwürdig leise (fast ohne wut, eher resignierend) "ich bring euch beide um". WOW!

von ganz anderer art ist das wiederum hymnische " du hast die welt in deiner hand". es klingt wie ein propaganda song vom oktoberklub, DEM staatstragendem "singeclub" der frühen DDR. (so hiessen song orientierte politisch ausgerichtete chöre/ singegruppen der 60er jahre DDR). ich musste erst grinsen als ich das erstmals hörte. dann aber LAUT LACHEN! denn nachdem diese zeile 3 mal rausgewuchtet ist, geht der text so weiter: "gib sie wieder her / ich brauche sie so sehr!".
wunderbar!
ein weiterer höhepunkt ist "irrlicht" ein song, wie ein windschiefes kettenkarussel dass sich pünktlich zur dämmerstunde im stadtpark zu drehen beginnt!" Text: "Ein irres Licht, es möchte dass ich folge. Für den Moment weiss ich nicht ob ich soll.
Ein irres Licht, doch ich folge nicht, nein so irre bin ich nicht!"


Die Fundsache
Die Fundsache
von Shaun Tan
  Gebundene Ausgabe

12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen das gegenteil von lieblos, 12. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Fundsache (Gebundene Ausgabe)
warum nur sind bilderbücher aus dem englischsprachigen raum oft um vieles sorgfältiger, ja raffinierter gemacht als hiesige produkte? die fundsache ist unschwer als import zu erkennen. weit entfernt von der beschaulichen "helme heine / petterson idylle" sind nicht nur die bilder, nein auch die geschichte selbst. im weiteren sinne würde ich sie dem bereich comic / graphic novel zurechnen. das heisst, der autor vertraut auf die intelligenz und beobachtungsgabe des lesers. bilder und texte haben ihre eigenen, verschiedenen aufgaben. sie unterstützen sich und "schaukeln sich dabei gegenseitig hoch". das ist ja, unter anderem, was einen guten comic, eine bilderzählung auszeichnet.

nach meiner erfahrung lieben viele menschen (junge und alte) es, wenn sie auf diese weise ernst genommen werden und selbst auf die suche nach bedeutungen gehen können. der held des buches selbst ist so ein "abenteurer". er entdeckt etwas, das ausser ihm niemand zu sehen scheint: mitten in der rostig, futuristischen stadt (detaillreich collagiert ,gemalt und gezeichnet) steht ein riesengrosses - nunja - dingsda. eine art maschine. ein metall-lebewesen irgendwo zwischen teekanne und dampflok. eins ist dem helden klar: diesem etwas geht es nicht gut, so verloren sitzt es am strand. und so geht er auf die suche nach einem ort, wo es hingehört.

die stationen sind ein kafkaeskes fundbüro mit endlosen fluren (wie in terry gilliams film "brazil"). auch in der elterlichen wohnung wird das riesenhafte ding platziert. die eltern übersehen es bei chips und fernsehen, so wie der rest der stadt, die zu beschäftigt ist mit sich (ein gefühl - das des nicht wahr genommen werdes-, das vielleicht viele kinder teilen?)
fazit: alle onkels, tanten, grossmütter, und freunde von kindern. hier ist eure chance bei den kindern (aber auch bei fröhlichen erwachsenen) richtig zu punkten!! ein buch dass man immer wieder durchblättern kann. über die jahre werden sich wohl den älteren kindern mehr und mehr die philosphischen aspekte unaufdringlich erschliessen. daher aus meiner sicht für leser von 6- 60 geeignet


Such dir was aus, aber beeil dich! Kindsein in zehn Kapiteln
Such dir was aus, aber beeil dich! Kindsein in zehn Kapiteln
von Nadia Budde
  Gebundene Ausgabe

24 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen klug, urkomisch, einfallssprühend und präzise und liebevoll geschildert, 12. Januar 2010
was soll ich sagen. ich war voreingenommen, als ich das schön im schuber verpackte buch im dussmann kultur kaufhaus begrüsste ("hallo du......schon viel von dir gehört"). so oft schon hatte ich die papp bilderbücher von nadia budde bei meinen besuchen im buchhandel in die hand genommen. und insgeheim bedauert, dass meine tochter "zu alt" dafür ist. und nun das: ein comic, eine "graphic novel", ein roman in bildern, popliteratur im erfolgreichen genre " meine komische kindheit (im osten)"?

all das kann dies buch beschreiben. trotzdem nimmt es eine sonderstellung ein. bild und text sind so geschickt miteinander verzahnt, dass es eine lust ist. auch ausgemachte comic-skeptiker werden sich hier schnell festlesen! so wie ich bei dussmann.
binnen 30 minuten habe ich den ganzen, schönen band "weggeschnurpst" und musste immer wieder kichern (meine lesenachbarin muss sich gewundert haben!). noch besitze ich das buch nicht und schreibe ganz aus der erinnerung. was also ist so besonders daran?

nadia budde scheint den blick des kindes auf die welt nicht verlernt / vergessen zu haben. so präzise schildert sie die verwunderte, kindliche sicht auf die welt, dass eigene, verschollene wahrnehmungen plötzlich ganz plastisch vor einem stehen. so etwa der blick in den faltigen, sonnengegerbten nacken des grossvaters, wo die nackenfalten ein verschwitztes, rhombenmusster bilden. oder die pvc-kittelschürzen der landfrauen (in tausendundeiner variante), aus denen fleischige landfrauen-oberarme (mit damals garantiert unrasierten achselhöhlen) hervorragen.

land und stadtsitten werden unterhaltsam philosphisch miteinander verglichen. als clou gibt es eine geschichte in der geschichte. eine art märchen von der rivalität zweier kunstiguren: dem land- und dem stadttod (beide sind gewissenhafte arbeiter, die ihre kundschaft (die toten) mit dem bus abholen. nur haben der land und stadt-tod eben eine verschiedene auffassung (arbeitsethik) von ihrer arbeit.

erwähnen möchte ich noch die delikaten farben und die liebevolle herstellung. bis zum schluss gibt es überraschungen. nicht viele verleger wagen sicherlich eine fast leere braune doppelseite zu drucken- aber solche details sind wichtig. das allerletzte wort - eine art epilog- haben dann zwei figuren aus der muppet show!!
APPLAUS, APPLAUS, APPLAUS nicht zuletzt auch zu diesem verlegerischen mut und kunststück.
fazit: dieses buch bringt FREUDE, ernste und ungewöhnliche gedanken mit bild und text in die welt.
wieviel bücher können das von sich behaupten?
anders gefragt: wie viele oft besprochene bücher behaupten dies zu tun ( und lösen es kaum ein).
in dieser bildgeschichte wird wenig behauptet. statt dessen (zur freude des lesers) frank und frei erzählt, fabuliert und erfrischend unverklemmt philosophiert.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 9, 2014 7:20 PM MEST


Bis die Katze bellt
Bis die Katze bellt
Preis: EUR 13,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen kluge, witzige texte, liebevoll arrangiert und daher für jung UND alt ein genuss, 12. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Bis die Katze bellt (Audio CD)
aus der ddr stammt der- ich wage das wort kaum zu benutzen- "liedermacher" gerhard schöne.
er hat unter anderem kinderlieder aus der ganzen welt zusammengetragen und ins deutsche übertragen. das klingt erstmal nicht so aufregend oder?

besonders finde ich daran, die sorgfalt, der aufwand der dabei betrieben wurde.
ok, AUFWAND ist auch noch kein beleg für qualität. andersrum gesagt: das gros der kinderplatten heute bemüht in musikalischer hinsicht meist ein keyboard, dass mit seinen tausend und drei effekten eine ganze welt herbeizaubern soll. musikalisch wirkt das - zumindest auf mich - oft unerträglich seicht und ermüdend. anders bei bei gerhard schöne.

hier erscheint ein spanisches kinderlied als liebevoll instrumentierter fescher flamenco (und von augezeichneten instrumentalisten eingespielt). und für das afrikanische "alfonsina" tritt ein ganzer afrikanischer männerchor auf. beide lieder sind nicht auf dieser, sondern auf der vorgängerplatte "kinderlieder aus aller welt". auf dieser platte findet sich auch der ewige gerhard schöne kinder-hit "der popel" (das original aus bolivien glaub ich). dieser titel behandelt die wahrheit übers POPELN: jeder macht es, sogar die elefanten! textprobe: "die langen eleganten / gibts bei den elefanten. / was kann man von der mama, übers popeln noch erfahren? / sie wird erzählen, dass die früher`n popel besser waren".

aber zu seiner zweiten, nämlich dieser platte mit kinderliedern aus aller welt:
die ist fast noch besser. das titellied ist eine vertrackte, wundervolle melodie (hier mit keyboard und präzise, zupfender streichergruppe) die süchtig macht.
der text geht so:
"auf unserm dach sitzt unsre katze drauf / schliesst ihre augen / und macht sie auf / weil sie so gut die balance hält / kommt es, dass sie nicht herunterfällt".

Kinder lieben vermutlich besonders eindeutig lustige titel wie: "Mein Papa Druckt Falschgeld Im Keller" dass vielleicht aus zeiten der weltwirtschaftskrise und jedenfalls aus den USA stammt. veronika fischer eine kraftvolle sängerin und ehedem (in den 70ern) ein superstar der ddr singt wunderbar intensiv: "Woraus Sind Kleine Babys Gemacht" und "das schöne haus".

im text zu " das schöne haus" wird aufgezählt, das diesem seltsamen gebäude eigentlich alles fehlt, was ein haus so braucht. zitat: " es fehlt elektrik und wasserleitung / sogar der türschlitz für eine zeitung / man kann darinnen nicht pullern gehn / und doch: das häuschen ist wunderschön!"
das lied endet tränentreibenden intensiv gesungen mit den zeilen
" so etwas hübsches, so etwas nettes!/ so was besonders und adrettes / das einem gleich in die augen fällt / gibts nicht noch einmal auf dieser welt!"

ich finde: ein schönes statement wider die heute so geläufige doktrin, das ALLES "sinn machen soll".
kinder erleben die welt vielleicht doch noch etwas anders (vielleicht weniger angstbesetzt?).

diese wunderbare platte geht nicht nur kindern (von 1-10) direkt ins herz, nein auch uns erwachsenen. ICH SCHWÖRE!!
oder wie gerhard singt:
"und wem das lied so gut wie mir gefällt / der singt es so lange, bis die katze bellt"


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