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Rezensionen verfasst von
Peter Oefele "freier Journalist und Autor"
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Mein Tanger Mein Marokko: Vom Jungen zum jungen Mann
Mein Tanger Mein Marokko: Vom Jungen zum jungen Mann
von Indrikis Harold Martinson
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,00

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zeugnis einer aufregenden Jugend, 10. August 2008
Indrikis Harold Martinson, Mein Tanger - Mein Marokko"
ISBN 978-3-8334-8872-6, Paperback, 140 Seiten, 9,00

von Peter Oefele

Wer die Welten wechseln oder nur über deren jeweiligen Tellerrand hinausschauen wollte, der war in Tanger zu jeder Zeit richtig. Tanger: stadtgewordener Mythos vom Tor zu Afrika", Schnittstelle zwischen Okzident und Orient, berühmt-berüchtigtes Sammelbecken für Glücksritter, Hedonisten und weltbekannte Autoren. Truman Capote beispielsweise schrieb: Bevor du nach Tanger kommst, solltest du drei Dinge tun: Dich gegen Typhus impfen lassen, deine Ersparnisse von der Bank abheben und deinen Freunden Lebewohl sagen. Der Himmel weiß, ob man dich jemals wieder sieht."
Robert Ruark hingegen wusste: Verglichen mit Tanger ist Sodom ein Gemeindepicknick und Gomorra ein Versammlungsort von Pfadfinderinnen..."

Den deutschen Juristen und Mitarbeiter in verschiedenen Bundesministerien, Indrikis Harold Martinson, verschlug es 1958 - im zarten Alter von zehn Jahren - in diese sagenumwobene Stadt. Mit seinem kurzen Erstlingswerk Mein Tanger - Mein Marokko" legt er nun eine faszinierende Teilautobiographie vor, die sein dortiges Heranwachsen bis 1969 beschreibt. Dabei lässt Martinson auch seine Erziehung Revue passieren. Ein wichtiger Akzent, der vor dem Hintergrund der Gegebenheiten von Ort und Zeit besonders interessant erscheint. Mit seinen Eltern war er Mitglied der legendären internationalen Gesellschaft Tangers. Gegen Ende seiner Teenager-Zeit bereiste er alleine per Auto das gefährliche Land. Viele Male verliebt, geizt der Autor nicht mit der Beschreibung einiger spannender erotischer Abenteuer. Dies gelingt ihm trotz seines sachlichen Stils überraschend gut. Martinson hat das seltene Talent zur Lücke. In eben diesen Lücken findet sich genügend Raum für kaum angedeutete und doch wuchtige pubertäre Emotionen (die man fast ein halbes Jahrhundert später wohl auch gar nicht mehr versuchen muss, in konkrete Worte zu fassen).

Für Tanger-Fans deutlich schwerer zu verkraften sind jene Lücken, die das Buch hinsichtlich der politischen und kulturellen Bedeutung dieser Epoche (kurz nach Tangers Wiedervereinigung mit Marokko) lässt. Immerhin nutzt Martinson an manchen Stellen die historische Gelegenheit, politische und gesellschaftliche Hintergründe zumindest anzusprechen. Selbst wenn er dabei immer an der Oberfläche und somit weit unter seinen Möglichkeiten bleibt, wird sein Buch schon allein dadurch zu einem wertvollen und unverzichtbaren Beitrag zur Detailbeleuchtung dieser Zeit.

Martinsons Zeugnis einer aufregenden Jugend bleibt immer sachlich und entwickelt dabei doch erstaunliche, sehr persönliche, sehr ehrliche Erkenntnisse. Es ist auch ein Buch über Werte, und steigert sich mit der Sicherheit, die ein Erstlings-Autor mit jeder Seite mehr erfährt.
Ein Erstlingswerk, das auf mehrere weitere Bücher hoffen lässt. Am Ende von Mein Tanger - Mein Marokko" stellt Martinson in Aussicht, auch über seinen folgenden Lebensabschnitt schreiben zu wollen. Dies wird zweifelsohne interessant. Vielleicht hat der Autor sein großes Thema aber bereits gefunden: Tanger! Sein zweites Buch, ein kurzer Roman, Zimt auf meiner Haut", liegt griffbereit zu weiterer Besprechung.

Fazit: Vier von fünf möglichen Sternen, weil sehr lesenswert!
Minus einen halben Stern, weil sich der Autor zu sehr zurück genommen hat (er ist sich dessen selbst bewusst). Für Prosa ist das Buch zu förmlich. Starke Bilder kommen vor, sind aber leider zu selten. Die Beschreibung eines Erwachsens in Tanger sollte sprachgewaltiger angelegt sein. Es fehlen Hitze, Gerüche und schillerndes Licht.
Minus einen weiteren halben Stern, weil die Produktion ohne professionelle Verlagsberatung auskommen musste (Gestaltung, Satz, Lektorat). Hierfür kann der Autor nichts - eben dies hätten seine zukünftigen Vorhaben aber zweifelsohne verdient.

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Hinweise zum Autor dieses Beitrages:
Peter Oefele ist Jurist, freier Kultur-Journalist und Autor. Er veröffentlicht im kompletten deutschsprachigen Raum, u.a. in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Einzelveröffentlichung: "Fiesta, Ramadan und tote Helden - Unterwegs in Frankreich, Spanien, Marokko und Portugal", ISBN: 3-937034-00-5, literarischer Reisebericht, bei Amazon verfügbar.

Che Guevara: Biographie (suhrkamp taschenbuch)
Che Guevara: Biographie (suhrkamp taschenbuch)
von Jorge G. Castañeda
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,00

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen zu lang... zu detailversessen!, 14. Oktober 1999
"Che Guevara" von Jorge G. Castaneda, welcher keinesfalls mit Carlos Castaneda zu verwechseln ist, ist ein sehr langes Buch. Auf 640 Seiten wird tatsächlich bis in das kleinste Detail gegangen. Was der Autor nicht zu recherchieren vermochte, mutmaßt er umfassend und auch nachvollziehbar. Somit ist dieses Buch fachlich nicht angreifbar. Allerdings ist es sehr schwer zu lesen und erscheint manchmal schlecht übersetzt. Mit seiner zumeist übertriebenen Ausführlichkeit, raubt es dem Leser bald das Interesse am Thema, welches, an sich, selbstverständlich überwältigend ist. "Il Commandante", dessen Logo inzwischen schon lange nicht mehr nur noch die Wände von Studentenbuden ziert, zählt zweifelsohne zu den aufregendsten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte. Von seinen bürgerlichen Anfängen in Argentinien bis zum Tod des Guerilleros in Bolivien blieb er seinem einzigen Ziel - der Revolution - verpflichtet. Dem Interessierten kann man zwar zum Thema, keinesfalls aber zu diesem Buch raten. Mit seinen weit über tausend Fußnoten ist es vom Ansatz her einfach zu akademisch. Es gibt genügend kürzere Biographien zu Che Guevara, welche sich sicherlich besser lesen lassen.

John Lennon. Ein Leben.
John Lennon. Ein Leben.
von Albert Goldman
  Broschiert

6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lange aber sehr informativ, 11. Oktober 1999
Rezension bezieht sich auf: John Lennon. Ein Leben. (Broschiert)
Es bedarf schon einer gehörigen Portion Interesse und Engagements, will man "John Lennon" von Albert Goldman lesen. ABER: Im Gegensatz zu einigen anderen derart umfassenden Biographien zu verschiedensten Themen, wird man hier für seine Ausdauer belohnt. Der Autor ist ein Meister seines Faches und auch die Übersetzung scheint gut gelungen. Auf knapp eintausend Seiten wird das Leben eines Menschen so brillant skizziert, daß beim Leser schon bald Verständnis für eine derart ausführliche Bearbeitung geweckt wird. Ein Autor vom Schlage Goldmans kann, um seinem eigenen Anspruch gerecht zu werden, eine solch komplexe Persönlichkeit gar nicht knapper beschreiben. So bleibt auch tatsächlich keine Frage offen. Von Lennons Magersucht und Neurosen bis hin zur verhängnisvollen Affäre mit Yoko Ono und den von ihm so zahlreich ausgeübten Süchten, werden die Details in äußerst objektiver Weise analysiert. Bemerkenswert ist auch die Fähigkeit des Biographen (ein ehemaliger Jazzkritiker) sich mit dem Werk des Helden so treffend auseinanderzusetzen. Ebenso werden tiefe Einblicke ins Musikgeschäft der Beatles-Jahre vermittelt. Sehr interessant gestalten sich auch die Kontakte Lennons mit anderen Größen seiner Zunft und die Beziehungen von John, Paul, George & Ringo untereinander. Goldman schreibt so zynisch, humorvoll und respektlos von diesem außergewöhnlichen Genie, daß John Lennon selbst wohl der begierigste Leser dieser Autobiographie wäre. Eine rundum gelungenes Buch, für welches man sich aber laaaaange Zeit nehmen sollte.

Mein Leben (suhrkamp taschenbuch)
Mein Leben (suhrkamp taschenbuch)
von C.F. Andrews
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

54 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen dieses Buch ließt sich so flüssig wie ein Roman!, 8. Oktober 1999
Satyagraha, die Lehre des gewaltfreien Widerstandes, ist der Inbegriff Mahatma Gandhi's Lebens, Schaffens und Todes. In diesem Buch "Mein Leben" beschreibt der Mensch, der laut Hermann Hesse "mehr war, als sämtliche amerikanische Präsidenten des Jahrhunderts, samt allen Vertretern und Schöpfern des Kommunismus von Marx bis Stalin....", eben seinen Weg zum Satyagraha. Dies geschieht mit dem von Gandhi nicht anders zu erwartenden Understatement. Was allerdings nicht zu erwarten war, ist die streckenweise fast schon humoristische Schilderung seiner jungen, ungetrübten Jahre. So beschreibt er sexuelle Erlebnisse, Diebstähle, Zigarettenkonsum und vieles mehr, was seine späteren Werdegang zum bekanntesten aller Asketen und Pazifisten um so glaubwürdiger erscheinen läßt. Er hält sich selbst für einen schlechten Ehemann und setzt sich in interessanten Thesen mit dem Thema Sexualität auseinander. Weiterhin schreibt er über seine jungen Jahre als praktizierender Anwalt im rassistischen Südafrika und somit über den Beginn seiner Hingabe zum Widerstand. Er hat in zwei Kriegen gegen die Unterdrückung gedient, ja, war sogar Kommandeur. Später analysiert er seinen Aufstieg zum Weltpolitiker bis ins kleinste Detail. Dieses Buch liest sich tatsächlich wie ein Roman, denn kein fiktives Leben könnte spannender und überraschender Verlaufen als das des realen Helden dieser Autobiographie. Gandhi überrascht mit seinem schriftstellerischen Talent und auch die Übersetzung scheint hervorragend gelungen. Eines sei aber noch vorweggeschickt. Natürlich fehlt die Geschichte der letzten zwanzig Jahre seines Lebens, da dieser Text bereits zu Gandhi's 61. Lebensjahr veröffentlicht wurde. Mahatma Gandhi's Menschenleben ist zweifelsohne eines der interessantesten dieses Jahrhunderts. Um so reizvoller wird die Lektüre seiner Autobiographie. Sie läßt in ihrer Genauigkeit und Ehrlichkeit keinem außenstehenden Biographen den Anspruch zuvor gelesen zu werden. "Mein Leben" von Mahatma Gandhi ist wohl, zumindest was die Ereignisse bis 1930 betrifft, das Standardwerk zum Thema. Wie sollte es auch anders sein, wenn ein Autobiograph, wie er, derartige rhetorische Fähigkeiten besitzt.

Der Pfad des friedvollen Kriegers.
Der Pfad des friedvollen Kriegers.
von Dan Millman
  Taschenbuch

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr wertvoll, 3. Oktober 1999
"Der Pfad des friedvollen Kriegers" ist ein wunderschönes Buch. Es besticht durch seine Bilder und eingeflochtenen Fabeln. Es liest sich in einem Rutsch durch und fesselt den Leser vollkommen. Manchmal allerdings schockiert der Autor mit seinem Bestehen darauf, daß es sich bei dem Erzählten um real Erlebtes handelt. Eben in dieser Konfliktsituation - soll man dem an sich so glaubhaft wirkenden Autor wirklich vertrauen? - besteht der letztendliche Reiz. Ebenso muß sich der Leser allgegenwärtig fragen, ob es sich vorliegend nicht um ein übliches esothärisches Werk handelt. Ich selbst, für mich, habe diese Frage verneint. In jedem Falle macht die Lektüre dieses Buches bis zu einem gewissen Grad glücklich. Ich selbst konnte mich bisher nicht weiter den dargelegten Theorien widmen, habe aber von vielen Seiten bereits gehört, daß der "Pfad des friedvollen Kriegers" erst das Einstiegswerk zu den Lehren Millmans ist. Besonders empfehlenswert ist es das Buch in Phasen der Identitätsschwierigkeiten zu lesen. Hierbei kann es unter Umständen ernsthafte Hilfe leisten und Alternativvorschläge bieten.

Bis ans Ende aller Straßen
Bis ans Ende aller Straßen
von Frederik Hetmann
  Taschenbuch

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Das Buch ist hervorragend flüssig lesbar, aber zu kurz, 30. September 1999
Rezension bezieht sich auf: Bis ans Ende aller Straßen (Taschenbuch)
Es gibt drei Arten von Biographien. Erstens die Autobiographie in der uns die sich selbst beschreibende Person aus erster Hand mitteilt, was im Leben wichtig war, was Werdegang und Charakterbildung beeinflußt hat. Selbstverständlich ist dabei, daß der Verfasser das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen vermag. Er schreibt ja über sein eigenes Leben. Zweitens gibt es Monströse Werke, wie sie etwa Albert Goldman oder Jorge Castaneda schreiben. Hier wird das Leben des jeweiligen Subjekts des Interesses bis aufs kleinste Detail analysiert. Das Lesen dieser tiefschürfenden Arbeiten ist oft mühsam und wird bald zum Kampf gegen die vielen hundert Seiten. Bei der Lektüre verliert man oft den Überblick und muß sich zwangsläufig auch fragen, ob die Art und Weise in welcher der Schriftsteller das zu bearbeitende Leben interpretiert überhaupt statthaft ist. All zu oft wird dabei nämlich über das eigentlich Ziel hinausgeschossen. Und dann gibt es da noch die Kurzbiographien. Sie sollen einen groben Überblick über ein Leben ermöglichen und verlieren sich nicht in überflüssigen Analysen bezüglich der Höhen und Tiefen im zu schildernden Leben. Eben ein solches Buch ist "Bis ans Ende aller Straßen" von Frederik Hetmann. Die etwas über einhundert Seiten (somit ist das Buch fast zu teuer) lesen sich sehr flüssig in einem Rutsch durch und zeigen ein Leben auf, welches interessanter nicht hätte sein können. Nämlich das der Galionsfigur der "Beat-Generation", Jack Kerouac. Sehr präzise wird Kerouac's von Anfang an von Komplexen geplagtes Dasein zwischen zwei Welten (die der Mutter und die der wilden Freunde wie Ginsberg und Burroughs) beschreiben. Fast mitleidig stellt der Autor dabei fest, daß es sich bei dem Meister der prosaischen Schilderung von Freiheit um einen sehr, sehr bedauernswerten Menschen handelte. Mit dem ersehnten Erfolg Kerouac's folgte der schnelle Abstieg hinab, bis in den Wahnsinn. Hervorragend erkannt wird seine einzigartige Fähigkeit, Musik zu beschreiben. Alles in allem ist das Buch ein hervorragender Einstieg zum Thema Beat Generation und Boheme der 50iger in Amerika. Allerdings keinesfalls mehr als ein Einstieg. Für Leser, welche sich schon eingehender mit ihm beschäftigt haben bleiben zu viel Fragen offen. Die Analyse seines Werkes beschränkt sich fast ausschließlich auf den Klassiker "On the Road". Außerdem werden Kerouac's letzte Lebensjahre und somit sein fürchterliches aber ebenso interessantes Schicksal auf nur fünfzehn Seiten äußerst oberflächlich beschrieben. Eben die interessanten Schattenseiten werden kaum beleuchtet. Diese Lebensgeschichte des Jack Kerouac ist und will nicht mehr sein, als eine Kurzbiographie.

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