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Rezensionen verfasst von
Christian H.

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Rest Now Weary Head You Will Get Well Soon
Rest Now Weary Head You Will Get Well Soon
Preis: EUR 14,21

5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der schmale Grat zwischen Kunst und Kitsch, 25. Dezember 2009
Get Well Soon. Das ist Musik aus Deutschland, bei der man sich fragt, was um alles in der Welt eigentlich schief gelaufen ist, dass sie nicht schon längst den Status des Insider-Tipps verlassen hat und zu größerer Bekanntheit gekommen ist.

Aber andererseits ist das auch Musik, von der man sich wünscht, dass sie das niemals wird.
Zu groß ist die eigene Freude über den entdeckten Goldschatz in CD-Form, den man, bei aller Nächstenliebe, nur ungern mit der breiten Masse teilen möchte.

Vermutlich aber wird uns die breite Masse ohnehin den Gefallen tun und, ob zur Freude oder zum Leidwesen des Künstlers sei dahingestellt, weiter mit geschlossenen Augen und Ohren daran vorbeigehen.

Denn im Grunde ist diese Musik so weit weg vom Zeitgeist wie nur irgendwie möglich. Instrumental außergewöhnlich arrangiert, balanciert man stets auf dem schmalen Grat zwischen Kunst und Kitsch, verliert jedoch nie das Gleichgewicht. Behutsam werden Hymnen der Melancholie geschaffen, ohne aber weinerlich und verbittert zu wirken. Keine Spur vom Druck, einen Hit produzieren müssen, dennoch gelingt dies doch mit traumhafter Nonchalance.

Stimmlich ist Konstantin Gropper, der Mann hinter "Get Well Soon", irgendwo bei Nick Cave einzuordnen. Musikalisch erinnert Get Well Soon zuweilen an Sigur Rós, bleibt jedoch stets eigenständig. In "I sold my hands for food so please feed me" beispielsweise wird der Spannungsbogen zwar ähnlich wie in Sigur Rós' "Glósóli" (Takk..., 2005) gespannt, entlädt sich jedoch nicht gar so nihilistisch wie bei den Isländern.

Get Well Soon ist Musik für besondere Stunden, abseits der unaufhörlich tickenden Uhr, in Stunden der Tristesse und des Weltschmerzes. Obschon sich auch dieser lindern wird, wenn man nur zur Ruhe kommt. Rest now, weary head! You will get well soon!


A Sun That Never Sets
A Sun That Never Sets
Preis: EUR 18,92

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Neurosis - Ein Erklärungsansatz, 15. August 2009
Rezension bezieht sich auf: A Sun That Never Sets (Audio CD)
Wie kann man das Phänomen 'Neurosis' erklären?

Neurosis sind nicht 'schön', sie sind nicht feinfühlig, sie wiegen uns nicht in Wohlgefühl.
Im Gegenteil, Neurosis sind heftig, sie lassen auf den 70 Minuten dieses Albums nichts unversucht, uns das Elend der Welt vor Augen zu führen und uns zu verjagen, uns zu ängstigen. Warum laufen wir nicht einfach weg?
Dann, als wir bis zum Ende durchgehalten haben und 'Stones From The Sky' eher abbricht denn endet, stehen wir mit offenem Mund da. Als verschreckte Zeugen der Apokalypse.
Doch wir werden es wieder tun.
Warum? Warum kommen wir nicht los?

Die Antwort ist:

E = 1/2 * m * v²

Diese Musik hat eine mächtige Energie.
Diese Musik ist zäh, unerträglich langsam.
Das sind zwei Aussagen, die wir schon damals nach dem ersten Hören bestätigen konnten.

Es muss also die Masse sein. Die Masse erklärt die Energie, die wir spüren.
Masse bewirkt eine Gravitation um sich.
Wir haben also gar keine andere Wahl, als im Schwerefeld von Neurosis zu verschwinden.
Wir haben nur alle denselben Fehler gemacht: Uns Neurosis zu nähern.


Für Alle Zeit
Für Alle Zeit
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gewaltiges Potential!, 13. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Für Alle Zeit (Audio CD)
Eigentlich hasse ich ja diese Unsitte, dass nun scheinbar sämtliche Bands, die modernen und nicht allersimpelsten Rock/Metal spielen, sich am liebsten "Wir sind so ähnlich wie Tool! Kaufen!" auf die Stirn tätowieren lassen würden. Und auch Geist aus Köln ziehen sich diesen Schuh an und verspüren keine Scham, sich damit zu brüsten. Und, wahrlich, schämen müssen sie sich nun wirklich nicht. Der Schuh passt ausgezeichnet. Zwar zwei oder drei Nummern zu groß, aber Geist sind ja noch klein und können da noch hineinwachsen.

Die Ansätze dafür sind definitiv da. Geist brauen ihr Gebräu nämlich mit den gleichen Inkredienzen, mit denen die Mannen um Kochlöffel- und Zauberstabschwinger Mr. Keenan einst ihre Geschmacksexplosion "Undertow" zusammenrührten.
Diese Inkredienzen sind hinlänglich bekannt: Trauer, Aggression, Melancholie, auf einem Fundament aus basslastigem, trocken produziertem, rhythmusbetontem Rock. Diese Zutaten sind allesamt keine Innovation. Man erlegt sich ähnlich wie Tool zwar kein Reinheitsgebot auf, hier dürfen auch mal Didgeridoo & Co vorbeischauen und ihre Duftmarken setzen, aber im Großen und Ganzen besteht die Kunst von Geist darin, die vorhandenen Zutaten genial zu kombinieren und das mit deutschen (!) Texten, die niemals sauer aufstoßen, zu garnieren!

Die Gesangsstimme erinnert zuweilen wirklich an den Troubadix Mannheims und noch viel mehr an Peter Heppner. Das zweite ist ein Kompliment, das erste eher weniger. Denn genauso wie der gallische Barde versteigt sich Fahres Rahmun zuweilen zu sehr in seine Gesangskapriolen und vernachlässigt in diesen Momenten etwas die eigentliche Melodieführung. Dieser Makel ist zwar längst nicht so schlimm, als dass man ganz klassisch den Knaben geknebelt auf den Baum setzen und sein Wildschwein mit lauwarmer Cerivisia alleine genießen möchte, aber es trübt den sonst hervorragenden Gesamteindruck doch ein wenig.
Denn singen kann dieser Junge wirklich! Emotional, höchst variabel und tonsicher. Besonderes in den aufbrausenderen, aggressiveren Momenten erzeugt er eine gänsehauterregende Stimmung.
Geist muss nur noch lernen, Worte und Musik in ihrer Rhythmik besser zu vereinen. Ich bin ihnen zwar zu höchstem Dank verpflichtet, dass sie die Reim-dich-auf-Teufel-komm-raus Mentalität fast sämtlicher deutschsprachiger Kollegen nicht übernommen haben und komplett ohne derlei Schwulst auskommen, aber dennoch wirkt der Gesang manchmal etwas aufgesetzt. Es ist offensichtlich, dass die Musik eher unabhängig vom Text geschaffen wurde und anschließen beides irgendwie zusammengekleistert werden musste. Und das passt oft sehr gut, manchmal jedoch naturgemäß auch weniger.

Abschließend kann ich jedoch eine klare Kaufempfehlung aussprechen!
Ich kann guten Gewissens 4 Sterne vergeben, wohlwissend dass Geist noch gewaltiges Potential haben, wenn sie ihre wenigen Schwächen abstellen!


Catch Without Arms
Catch Without Arms
Preis: EUR 10,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Melodien für Millionen, 15. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Catch Without Arms (Audio CD)
Mein musikalischer Hintergrund bzw. meine bisherigen Präferenzen sind eher in progressiven als in Mainstream-Alternative-Rock-Gefilden zu finden. Deswegen habe ich zuerst sehr lange Zeit mit dem Kauf dieser Platte gezögert, da man ja teilweise von kritischen Stimmen hörte, dredg hätten mit dieser Platte ihren musikalischen Anspruch aufgegeben und wären nun in etwa so glatt wie der zugefrorene Bodensee. Nein, ich habe nicht nur sehr lange mit dem Kauf gewartet, vielmehr war jeder Tag, den ich mit dem Kauf zögerte, einer zuviel. Das Album hat mich damals beim ersten und zweiten Hören schier umgehauen, und das tut es auch jetzt, einige Monate später, immer noch. Klar, den Kritikern kann man insofern Recht geben, als dass dredg nun kompakter und unbestreitbar massenkompatibler geworden sind. Und, keine Frage, das Album ist durchgehend sehr glatt produziert, Ecken und Kanten muss man da schon sehr genau suchen. Aber: Auf 'Catch Without Arms' finden sich zum Heulen schöne Melodien im Hunderterpack, an allen Ecken und Enden blitzt und strahlt es, trotz der zum Teil nachdenklichen Texte springt einem das Glück förmlichen entgegen, sodass einem das Herz aufgeht. Allen voran natürlich Bug Eyes, Ode to the Sun, Matroshka, aber auch Spitshine, Jamais Vu'ich könnte jetzt die komplette Tracklist des Albums aufzählen (na gut, Zebraskin übergehe ich wohlwollend'). An den Sangeskünsten von Hayes gab es eigentlich eh noch nie etwas zu rütteln, bei dieser Platte jedoch kommen diese besonders gut zur Geltung: Melodieführung und die Grundstimmung, die sich wie ein roter Faden durch das Album zieht, harmonieren perfekt mit Hayes' pathetischer Stimme. Ein echtes Goldkehlchen, der Kerl.
Das mit dem abgenommenen musikalischen Anspruch und der Hinwendung zum Mainstream ist mir hierbei nun einmal herzlich egal, diese Musik ist einfach nur schön und emotionsgeladen, und erfüllt damit absolut ihren Zweck: Erhebende Musik für Bauch und Seele zu sein.

Also: absolute Kaufempfehlung, eine wahre Perle
Ich komme kaum um die 5Sterne-Wertung herum.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 16, 2010 9:17 PM CET


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