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Rezensionen verfasst von
MengKi (Ettlingen)

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Berberian Sound Studio (OmU)
Berberian Sound Studio (OmU)
DVD ~ Toby Jones
Preis: EUR 12,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Vom Geräusch zerplatzender Melonen, 19. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Berberian Sound Studio (OmU) (DVD)
Ein wirklich eigenartiger und sehenswerter Film mit einer großartigen Grundidee: Annäherung an die Klangwelt bestimmter Horrorfilme (Italien70er/80er) über die Sounds. Ein britischer Tontechniker und Filmgeräusch-Experte soll die Tonspur eines Filmes perfektionieren, in dem es im Wesentlichen um das Foltern schöner Hexen geht. Referenzen vor allem an Dario Argento sind deutlich. Dabei sieht man in „Berberian Sound Studio“ nie irgendwelche grausigen Szenen – alles findet im Kopf bzw. im Ohr statt. Und dennoch geht einem das zum Teil ziemlich nahe und man lernt, wie viel über die Geräusche, die Musik, die Stimmen transportiert wird.
Grotesk und sehenswert wie der Hauptdarsteller Toby Jones Gemüse zerreißt und auf Salatköpfe einsticht. Rührend die zarten Annäherungen an die hübschen Synchronsprecherinnen indem er endlos ihre Stimmen bearbeitet, mit Hall und Echo „vergruselt“. Hörenswert die musikalischen Synthesizer-Alptraumlandschaften. Einfach schön das Filmdesign und das kafkaeske Setting. Zuerst auch unterhaltsam, dann aber immer mehr nervend die Darstellung der „kulturellen Unterschiede“, die über die Konfrontation zwischen introvertiertem und überhöflichem Briten und desorganisierten und unprofessionellen, aber unterhaltsamen und dauernd essenden, trinkenden und Frauen begrabschenden Italienern nicht wirklich originell inszeniert wird.
Hauptgrund aber dafür, dass ich der Umsetzung einer sehr guten Filmidee dann doch nur 4 Punkte geben kann, ist, dass ab ca. 2/3 des Films alles unklar zerfließt. Es wird nicht wirklich surreal, aber eben gerade so unverständlich, dass man sich fragt, worauf die Macher hinauswollten. Ich glaube, so ganz genau wussten sie das nicht. Meines Erachtens hätte man entweder realistisch weitererzählen können oder den Film ganz gegen jede Logik oder jeden Zusammenhang in konfus-schrecklichen Bildern implodieren lassen können. So wie es ist, bleibt irgendwie das Gefühl zurück, dass irgendwo noch ein richtig guter „director’s cut“ liegen könnte. Wer weiß?


Take Ivy
Take Ivy
von Shosuke Ishizu
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 15,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Those were the days, 25. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Take Ivy (Gebundene Ausgabe)
Was für ein herrlicher Bildband, liebevoll ediert und produziert, noch dazu zu einem wirklich günstigen Preis (in festem Einband und mit Schutzumschlag). Es handelt sich um ein Standardwerk zum "preppy look" bzw. dem Kleiderstil, den man mit den Ivy League-Universitäten in den USA verbindet. Das Besondere ist, dass es aus authentischen historischen Aufnahmen der 60er Jahre besteht. Also keine Anzeigen mit Idealmenschen auf dem Campus, keine Ralph Lauren-, Hilfiger- und GANT-Ads, sondern eher sozialhistorische Dokumente von Rang, die nebenher auch eine kleine Stilkunde ergeben. Gesammelt und kommentiert haben die Aufnahmen seinerzeit einige japanische Begeisterte, die alles toll finden, ganz rührend von den Sonntagen in Boston schwärmen und sich sogar bemühen, den Ivy-Stil im New York der Zeit aufzufinden. Ich mag diese alten Aufnahmen in ihrer verblichenen Farbigkeit sehr, die kruden Aufnahmewinkel, die komischen Belichtungen, die seltsamen Details (man achte auf die Autos, die gelegentlich zu sehen sind). Ein klassisches Buch zu einem klassischen Stil.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 13, 2014 12:47 PM MEST


Quai d`Orsay: Hinter den Kulissen der Macht
Quai d`Orsay: Hinter den Kulissen der Macht
von Abel Lanzac
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 36,00

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Genuß!, 30. September 2013
Wunderbarer Band: ein sehr schön produzierter Comic über das Innenleben ministerieller Apparate. Die Figuren sind großartig charakterisiert, der Politbetrieb wird in allen seinen Einzelheiten dargestellt; Spaß und Entsetzen geben sich dabei die Hand. Faszinierend ist, dass nicht einfach bloßgestellt wird, sondern wir erfahren auch, was intelligente Menschen dazu bringt, freiwillig und begeistert Nächte in muffigen Büros zu verbringen und das übersteigerte Ego von Berufpolitikern zu füttern. Die Präsenz und Faszination der Macht wird durchaus spürbar. Auch der Mann an der Spitze, der Minister, ist nicht nur ein Hampelmann, sondern kann Visionen entwickeln und seine Mitarbeiter mitreißen.
Sehr schön wird auch die Politikersprache seziert: aus Begriffen entstehen Pläne, ein Komma kann entscheiden - aber eben nur in der Welt der Politik. Im richtigen Leben könnten sich viel der Hohlformeln nicht behaupten (herrlich das Geschwafel über das "sinnliche" Afrika und die Strukturierungsrhetorik - "zack, zack und zack").
Mir hat die grafische Umsetzung recht gut gefallen, weil sie nicht nur das Karikaturhafte betont. Allerdings würde man sich über mehr "Totalen" (wie auf dem Cover) freuen. Aber dennoch: Rundum gelungen - eine politische Graphic Novel, die für Deutschland ebenso gültig ist wie für Frankreich. Fünf Sterne stehen für fünf Wörter: "Das musst Du unbedingt kaufen!" Und stabiloisieren. Zack.


Der größte Raubzug der Geschichte: Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden
Der größte Raubzug der Geschichte: Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden
von Matthias Weik
  Broschiert
Preis: EUR 19,90

51 von 58 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Empören statt verstehen, 30. September 2013
Zunächst das Positive: das Buch greift ein wichtiges Thema auf – es beschreibt Aspekte der Finanzkrise und der Fehlentwicklungen im Bankenwesen der letzten 5-10 Jahre. Das leistet es kurzweilig und verständlich, ohne Angst vor offenen Worten und klaren Ansagen.
Obwohl ich die Problematik außerordentlich behandelnswert finde und es mich immer freut, wenn auch ein allgemeineres Publikum angezielt wird und nicht alles in Fachterminologie ertrinkt, habe ich mich über „Der größte Raubzug der Geschichte“ trotzdem eher geärgert. Warum?
Der Band will offensichtlich nicht orientieren und informieren, sondern Empörung erzeugen. Deshalb fehlen ihm auch einige Dinge, die ein gutes Sachbuch eigentlich benötigt, damit Leserinnen und Leser langfristig damit etwas anfangen können. Wenn man alles gelesen hat, dann ist man zwar irgendwie auf Banker schlecht zu sprechen, kann aber wenig Substanzielles zum Finanzsystem sagen.
Was fehlt diesem Band?
- Ein Literaturverzeichnis (!)
- Ein Glossar der Fachbegriffe
- Eine Zeitlinie oder zumindest eine wie auch immer geartete geordnete Darstellung der Entwicklung und Struktur der Finanzkrise
Eigentlich ist es ein ziemlich schmales Pamphlet, das sich künstlich aufbläht. Dickes Papier lässt den Band gewichtig wirken und ein großzügiger Satz (mit wenig Text pro Seite) ermöglichen einen Umfang von 381 Seiten. Auch die anstrengend unwitzigen Karikaturen nehmen viel Raum ein… Lange Zitate (z.T. bis zu 10 Seiten) helfen auch. Es wird tatsächlich sehr großzügig zitiert. Die Autoren geben dabei jeweils brav ihre Quellen an, aber dennoch ist man ein bisschen erstaunt, seitenweise Artikel aus Zeitschriften und Zeitungen zu lesen. Die Inhalte dieser Artikel hätten jeweils auch kurz referiert werden können – nur wäre der Band dann deutlich dünner ausgefallen. Erfreulich wäre es auch gewesen, wenn wenigstens gelegentlich Fachliteratur eine Rolle spielen würde – aber die Weisheiten der Autoren stammen aus Zeitungen und Fernsehsendungen. Als Quelle für Einzelfakten ist das z.T. ausreichend – aber die größeren Zusammenhänge bleiben auf der Strecke wenn man konsequent jede Stellungnahme von Ökonomen und Finanzwissenschaftlern vermeidet. Ohne Zweifel hat sich die Ökonomenzunft nicht mit Ruhm bekleckert in Bezug auf die Finanzkrise, aber ein paar kritische und umsichtige Geister gibt es in diesem Bereich ja doch.
Irritierend ist, dass der Band zwar von zwei Autoren verfasst wurde, im Text wird aber durchgehend die „Ich-Form“ verwendet. Natürlich soll auch das der Lebendigkeit und Lesbarkeit dienen – ebenso wie die ständig wiederholten Wendungen wie „Ein Schelm, wer Böses dabei denkt“ u.ä. Aber diese ganzen Teaser und Appetitmacher gehen einem mit der Zeit auf die Nerven. Immer wieder wird ein Vorhang aufgezogen und die Autoren brüllen einem ins Ohr „Das hast du noch nicht gesehen – so eine unglaubliche Schweinerei“. Permanent wird einem so vermittelt, wie unglaublich das alles ist und wie haarsträubend. „Jawohl, Sie haben richtig gehört“ kommt mehrfach vor (auch wenn man die Unfassbarkeiten natürlich nicht gehört, sondern gelesen hat).
Das wichtige Anliegen, über Ursachen und Folgen der Finanzkrise zu informieren, geht in alarmistischem Stammtischgeschrei unter. Anstatt dass sie sich einmal intensiv und seriös mit einem Thema wie der der Subprime-Problematik beschäftigen, springen sie gleich weiter zum nächsten Aufreger und der nächsten haarsträubenden Geschichte über Banker-Boni. Natürlich gibt es da vieles, das einen aufregen kann. Aber Aufregung genügt eben nicht. Wenn es um Erkenntnisse zu den Strukturen des Finanzsystems geht (wozu volks- und betriebswirtschaftliches Wissen ebenso gehören würde wie ein solider historischer Hintergrund), dann wird das Autorenduo kleinlaut. Die Lösungsvorschläge sind recht unbedarft: mehr Regulierung in allen Bereichen, staatliche Aufsicht und Begrenzung der Bezüge. Die Politik wird es schon richten (wie das Beispiel der Landesbanken ja auch wundervoll belegt...). Wie und wo das Geforderte umgesetzt werden soll und welche Nachteile oder Vorteile welche Maßnahme im Einzelnen hat, das möchte man offenbar nicht so genau wissen. Auch die konkreten Tipps für Anlagen auf den letzten paar Seiten fallen dürftig aus – den Banken soll man möglichst nicht vertrauen, Gold bzw. Immobilien sind u.U. OK… Alles bleibt aber im Unbestimmten, weil man vor allem eins will: Empörung erzeugen und Angst machen.
Und die Autoren verdienen mit der Angst der Menschen wohl ganz gut. Sie werben offensiv für ihre eigene Firma, die Beratungen zur „Vermögenssicherung“ anbietet. Deren Homepage lohnt einen Besuch, da man dort mitbekommt, wie einfach es ist, Plattitüden in Geld zu verwandeln.
Es gibt meiner Meinung nach einige gute Veröffentlichungen zur Finanzkrise, die sachlicher und kritischer sind. Man kann Max Ottes „Der Crash kommt“ lesen, Rajans „Fault Lines“, den Band „Kasino-Kapitalismus“ von Sinn oder sogar das reißerische SPIEGEL-Buch „Billionenpoker“. Jedesmal wird man am Ende besser orientiert und gründlicher informiert über die Probleme reden können. Sogar der Film „Let’s make money“ hilft weiter.
Aber dieses Buch von Weik und Friedrich ist nur sinnvoll, wenn man sich ärgern will, nicht wenn man etwas begreifen möchte.
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 27, 2014 11:31 AM CET


I SELL THE DEAD- VERTRAUE NIEMALS EINER LEICHE - UNCUT
I SELL THE DEAD- VERTRAUE NIEMALS EINER LEICHE - UNCUT
Wird angeboten von Drehscheibe24
Preis: EUR 2,81

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Humortot, 24. Juni 2013
Was für ein einfallslos runtergedrehter Streifen! Ich hatte mich auf eine Horrorkomödie à la "Shaun of the Dead" oder "Zombieland" gefreut, auf Ron Perlman und britisch-skurrile Dialoge. Aber stattdessen bietet der Film endlose Längen, untote Witze, die man noch nicht mal auf dem Schulhof erzählt hätte und profillose Darsteller. Perlman bekommt man als Standbild; gelegentlich macht er die Perlman-Grimasse und wird zum Selbstzitat. Trostlos.
Ab und zu wird eine Szene in eine Comic-Zeichnung verwandelt ohne dass man wüsste, was das soll. Überhaupt hat man den Eindruck, die Macher hätten von allem ein bisschen zusammengemischt ohne zu wissen, was sie eigentlich wollen. Splatterfans werden nicht auf ihre Kosten kommen, die Komödiengucker ebensowenig. Ein Film, der rundum enttäuscht, mit einem Ende, das so wirkt als wäre nun das Geld ausgegangen und man hätte irgendwie einen Schluss finden müssen.
Die viktorianische Ausstattung ist ganz nett und die Hammer-Zitate auch - aber das reicht einfach nicht wenn man sich an so vielen Stellen langweilt.


Das Gespenst des Kapitals
Das Gespenst des Kapitals
von Joseph Vogl
  Broschiert
Preis: EUR 14,90

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Lesenswert und ärgerlich, 5. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Das Gespenst des Kapitals (Broschiert)
Zunächst einmal: Joseph Vogl ist kein Ökonom.
Er hat sich weder mit betriebswirtschaftlichen noch mit volkswirtschaftlichen Fragen wissenschaftlich befasst, hat keine mikro- oder makroökonomischen Arbeiten geschrieben und nichts studiert oder gelehrt, das Finanzwissenschaft oder Außenhandelswirtschaft betrifft. Er ist Literatur- bzw. Kulturwissenschaftler.
Und dementsprechend beschäftigt sich sein Buch auch nicht mit den Finanzmärkten oder globalen Geld- und Warenströmen, sondern damit, wie diese sprachlich und denkerisch dargestellt wurden und werden. „Wie beschreiben Menschen die Wirtschaft?“ – Das ist seine Frage. Wenn man das immer im Hinterkopf behält, dann wird man dem Band vielleicht eher gerecht als wenn man ihn entsprechend der eigenen ökonomisch-politischen Meinung lobt oder verdammt.
Erfolg hatte dieses Buch, das alles andere als leicht verständlich und populär geschrieben ist, weil man es als Analyse der Eigendynamik der Finanzmärkte oder als Kritik an neoliberalen Strategien las. Dabei genügt ein Blick in das Inhaltsverzeichnis, um zu erkennen, dass es an den zentralen Stellen nicht um eine konkrete Beschreibung der Wirtschaftsabläufe geht:
„… Erstes Kapitel: Der schwarze Schwan / Zweites Kapitel: Idylle des Marktes I / Drittes Kapitel: Zeit des Kapitals / Viertes Kapitel: Idylle des Marktes II / Fünftes Kapitel: Ökonomische und soziale Reproduktion / Sechstes Kapitel: Überraschungsraum …“
Die Kapitelüberschriften zeigen, dass Vogl hier jeweils eine Art Theaterbühne aufbaut, auf der die zeitgenössischen Theoretiker ihre Begriffsdichtungen vorstellen. Und er macht sehr schön klar, wie das jeweilige geistesgeschichtliche Setting für diese Begrifflichkeiten aussieht. Wer eine Schilderung der Theoriendynamik sucht, die näher an den realen Wirtschaftsabläufen ist und doch zusätzlich eine begriffsgeschichtliche Tiefendimension hat, der sei auf die exzellenten Bücher von Prof. Brodbeck verwiesen, vor allem auf die „Fragwürdigen Grundlagen der Ökonomie“, aber auch auf sein monumentales Geld-Buch.
Die Stärken des Bandes von Vogl, seine Sensibilität für die Reichweite und den Resonanzraum von Metaphern des Ökonomischen, seine enormen Literaturkenntnisse, hängen mit den Schwächen unmittelbar zusammen. Zum einen wird einem manches in schwer erträglichem wichtigtuerischem Stil vorgesetzt, der mehr der Studentenbeeindruckung und dem Wunsch nach Beachtung im gehobenen Feuilleton geschuldet zu sein scheint als dem Bedürfnis danach, ein Publikum zu informieren. Sprachstil und Argumentationsform werden durch Sätze wie diesen deutlich: „Die ausgleichenden Kräfte des Markts liefern demnach ein privilegiertes Bildreservoir, aus dem moderne Gesellschaften ihre Selbstrepräsentationen gewinnen.“ (S. 55) Das wäre ohne „Komplexitätsreduktion“ in einfachen Worten zu sagen gewesen.
Dann versucht der Autor regelmäßig, den Unterschied zwischen den Annäherungen an die objektive Realität und den Annäherungen an die Beschreibungsvarianten der objektiven Realität zu verwischen. Sprache und Welt sollen in eins fallen, Idee und Tatsache vermengen sich. Und das wird auch in realen Abläufen wiedergefunden. „Die Unterscheidung von wirklichen und fiktiven Werten, von natürlichen und künstlichen Reichtümern, von materiellen und immateriellen Gütern, von realer und virtueller Ökonomie macht hier wenig Sinn.“ (S. 81) So eine Absage wiederholt sich in verschiedenen Varianten und hat als Mantra "Nix Genaues weiß man nicht!"
Das kommt insgesamt einer Art Selbstermächtigungsstrategie des Literatur- und Kulturwissenschaftlers gleich. – Wenn ich als solcher über die Sprache kompetent reden kann, in der die Dinge verhandelt werden, so die Annahme, dann kann ich auch über die Dinge kompetent reden. Weit gefehlt! Wer weiß, welche Sprache der Bäcker spricht, der weiß noch lange nicht, wie man Brot backt…
Wo genau das Umschwenken im Text stattfindet, das ist nicht leicht zu sagen, aber mir scheint, dass Aristoteles den Punkt markiert; bei seinen Ausführungen zu ihm wechselt Vogl in die Rolle des Wirtschaftsphilosophen bzw. Ökonomietheoretikers. Und das hätte nicht sein müssen.
Denn hier wird es dann auch ein bisschen peinlich, da der Autor eben viele Probleme der Wirtschaftstheorie, der Finanzwissenschaft wie der politischen Ökonomie usw. nicht kennt oder nicht kennen will. Er versteht Berechnungsmodelle falsch, verwendet Begriffe nicht im korrekten Zusammenhang und verheddert sich im Ökonometrischen. Ganze Stränge der Theorieentwicklung bleiben unberücksichtigt. Die „Freiburger Schule“ der Ordnungsökonomik bzw. des Ordoliberalismus kommt beispielsweise nur ganz am Rande in Form weniger Fußnoten über Rüstow vor. Auch institutionenökonomische Ansätze werden nicht thematisiert.
Also: eine faire Gewichtung des Bandes nimmt ihn als kulturgeschichtliches und sprachkritisches Werk ernst, genießt aber die ökonomischen oder wirtschaftsethischen Aussagen mit Vorsicht. Man sollte sich dementsprechend die Lektüre nicht durch falsche Hoffnungen verderben, dann wird man nämlich auch die Stärken der Arbeit nicht wahrnehmen.
Sehr schön beschreibt Vogl zum Beispiel den Wunsch nach Harmonie, nach Gleichgewicht und Selbststabilisierung, der sich in den klassischen Modellen findet. Die Sinn-Annahme, die in der Theologie und Philosophie immer schwerer haltbar wurde, diffundierte in die Ökonomie. Bemerkenswert und erhellend auch die Beschreibung der öffentlichen Wahrnehmung zweier wichtiger Ereignisse des Jahres 1797 (S. 67-70). Überhaupt gelingt ihm oft ein griffiges Zusammenfassen theoriegeschichtlicher Tableaus. Das sollte man genießen und daraus lernen ohne sich zu sehr über die Anbiederung an das vorherrschende anti-neoliberale Ressentiment zu ärgern.


I Shall Destroy All the Civilized Planets: The Comics of Fletcher Hanks: The Fantastic Comics of Fletcher Hanks
I Shall Destroy All the Civilized Planets: The Comics of Fletcher Hanks: The Fantastic Comics of Fletcher Hanks
von Paul Karasik
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,91

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verstörender Blick auf den Superheldencomic, 30. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Weird" ist wohl ein passendes Adjektiv für diese hochseltsamen Comics, die eine düstere und seltsame Seite des klassischen Superheldencomic zeigen. Hier werden lustvoll schreckliche Katastrophen ausgemalt, in die die omnipotenten Helden so spät eingreifen dass man sich fragt, ob sie nicht das Leid eher steigern als mildern wollen. Die Bestrafungen der Bösewichter sind nur vor dem Hintergrund einer sadistischen Fantasie erklärlich. Die seltsam statischen und schablonenhaft gezeichneten Figuren haben etwas von einem Papiertheater-Albtraum. Eine ganz eigene Welt, in der man gewiss nicht leben möchte. Die Wiederveröffentlichung ist verdienstvoll und eigentlich gehört dieser Seitenausleger in jede Bibliothek der klassischen US-Comics. Wenn man die traurige Lebensgeschichte des Künstlers Fletcher Hanks kennt, dann wird einem klar, welche Hoffnungen und Ängste im Superheldengenre notwendigerweise immer präsent waren. Hier wird der Stein, unter dem sie sitzen, gelüftet. Nicht jedermanns Sache...


Der Crash kommt: Die neue Weltwirtschaftskrise und was Sie jetzt tun können
Der Crash kommt: Die neue Weltwirtschaftskrise und was Sie jetzt tun können
von Max Otte
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hintergründe und lange Wellen, 30. Oktober 2012
Ich fand die Lektüre von Max Ottes "Der Crash kommt. Die neue Weltwirtschaftskrise und was Sie jetzt tun können" wirklich erhellend. Man muss dazu sagen, dass ich nur die 5. Auflage von 2010 kenne, also das Buch nicht als "prophetisches" Buch gelesen habe oder als Investmentratgeber. Da mag es die eine oder andere Unstimmigkeit geben - das kann ich nicht beurteilen. Aber was das verständliche und plausible Erklären von Krisen in der Weltwirtschaft betrifft, da ist Otte schon meisterhaft. Er versteht es, das große Bild zu zeichnen und enorm viele Einzelfakten zu integrieren. Das bietet einem die Möglichkeit, sich über die Hintergründe des Wirtschaftsgeschehens selbst Gedanken zu machen und das von Otte verfolgte Projekt einer Wiederbelebung der politischen Ökonomie zu verstehen. Auch kann man von seinen Überlegungen und Darstellungen aus wichtige Schneisen in die Wirtschaftsgeschichte legen.
Wenn ich es recht sehe, dann gibt es zwei wesentliche Einwände bei den Rezensionen hier:
- Manche der Anlagetipps haben sich als zweifelhaft erwiesen.
- An einigen Stellen klopft sich der Autor ein bisschen sehr lautstark auf die Schulter und betont die eigene Wichtigkeit.
Nun ja, für konkretes Investment lese ich andere Bücher oder unterhalte mich mit Leuten, die mehr davon verstehen als ich. Mir geht es dabei auch weniger um Profite als um Werterhaltung - auch insofen ist mir sein Ansatz des Value Investments und der langfristigen Stretegien sympathisch.
Seine Eitelkeit ist für mich nicht von so großer Bedeutung, da er offensichtlich ein kundiger und intelligenter Wirtschaftsexperte ist, der über den Tag hinaus denkt. Die Seidenkrawatte stört nicht, wenn sie um den richtigen Hals liegt.


New York Stories [UK Import]
New York Stories [UK Import]
DVD ~ Woody Allen
Wird angeboten von ZOverstocksDE
Preis: EUR 3,95

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen New Yorker Episodenfilm - Jahre später gesehen, 30. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: New York Stories [UK Import] (DVD)
Zum Inhalt ist ja schon einiges gesagt worden: Drei Kurzfilme oder "Featurettes", die in New York spielen. Einmal Woody Allen mit einer großartigen Seelenerkundung des Elternhasses. Brilliant bösartig und bösartig brilliant. Sehr Allen und sehr New York, mit ungeheuer viel Witz und auch einem großartigen Blick in die Welt des Westküsten-Judentums. Dann Scorseses Künstlerpsychogramm über den "Lion", einen in die Jahre gekommenen Avantgarde-Künstler, der immer noch auf der Suche nach dem Kick ist und demütig die jungen Frauen wegschleckt, die ihm sein Ruhm ins Bett legt. Irgendwie zynisch-gemütlich, mit einem herrlich ranzigen Nick Nolte. Schließlich Coppolas "Life without Zoe", der Film, der immer und regelmäßig als der schlechteste beschrieben wird: eine Art modernes Märchen mit einer abstrusen Handlung, die im New Yorker Geldadel spielt - eine seltsame Konsum-Utopie mit unwirklich schönen, aber seltsam fassadenhaften Bildern. Als ich den Film damals im Kino sah, das hätte ich diese Hitliste aufgestellt:
1. Scorsese
2. Allen
3. Coppola
Aber es ist ganz seltsam: Während sich Allens "Oedipus Wrecks" bieder und brav den Mittelplatz bewahrt hat, haben die anderen die Plätze getauscht. Gerade habe ich den Film nochmals gesehen und dann wieder und schließlich ein drittes Mal und ich muss eindeutig sagen: Coppola ist hier der verkannte Visionär und Scorsese hat eigentlich eine ziemlich mäßige Späthippie-Klamotte abgeliefert.
Meine ganz persönliche Meinung (die vermutlich mit Negativpunkten bestraft wird): das kleine Mädchen im Luxushotel hat uns immer mehr zu sagen und ihre Welt legt sich immer mehr über unsere, während die Blut-Schweiß-Tränen-Aktionskunst von Tag zu Tag langweiliger wird. "Life without Zoe" ist ein seltsames kleines Meisterwerk in einem immer noch sehenswerten New Yorker Tableau.
Schön, wenn man einen Film nach so vielen Jahren noch einmal und dann ganz anders sehen kann!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 31, 2012 2:56 PM CET


Tödliche Entscheidung - Before the Devil Knows You're Dead
Tödliche Entscheidung - Before the Devil Knows You're Dead
DVD ~ Philip Seymour Hoffman
Preis: EUR 4,99

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwiespältiger Eindruck, 7. November 2011
Der letzte Film von Sidney Lumet! Ich muss sagen, dass ich den gerne richtig gut gefunden hätte. Es wäre schön gewesen, wenn er zum Abschluss seiner Laufbahn noch einmal ein Meisterwerk wie "Die zwölf Geschworenen", "Serpico" oder "Hundstage" vorgelegt hätte. Aber mich hat der Film nicht überzeugt.
Zum einen fand ich das Hin- und Herspringen in den Zeitebenen zum Teil unsinnig und aufgesetzt. Es hat keine zusätzlichen Sichtweisen ermöglicht, keine Wendung in der Handlung vorbereitet... Mir schien das einfach der Versuch zu sein, Komplexität zu simulieren, wo keine vorhanden war. Um nicht ungerecht zu sein, habe ich mir den Film zweimal angesehen - die Rückblenden sind zum Teil einfach willkürlich - oder ihre Funktion ist so offensichtlich und weist so übertrieben deutlich auf die Defizite in der Familie hin, um die es im Wesentlichen geht, dass es ein wenig peinlich wirkt.
Die Darsteller waren fast durchweg gut; das Overacting bei Ethan Hawke hat aus meiner Sicht zur Rolle gepasst, ebenso die stoische Verwirrtheit und Grimmigkeit von Finney, auch Seymour-Hoffmann hat den drogenabhängigen Angestellten, der dauernd neben sich steht, gut gespielt. Aber sie alle werden in einen öden und düsteren Plot hineingezogen, der einen nach 30 Minuten unablässig anschreit: "Ist das Leben nicht furchtbar?" Und das möchte ich doch ein bisschen subtiler und interessanter gezeigt bekommen als mit ständig tragisch herumdudelnden Klavierstücken, depressiv gedämpften Farben (es wurden scheinbar oft Filter verwendet) und einer ansteigenden Sterberate. Zu früh legt der Regisseur offen, dass er für KEINE seiner Figuren einen Ausweg sieht. Und wenn einem das klar ist, dann interessiert man sich einfach nicht mehr für die weitere Entwicklung. Tja, sie sind alle erledigt - so what? Damit man bei der Stange bleibt, sind noch ein paar Wendungen eingebaut, die aber durchschaubar und plump präsentiert werden. Ja, der Film ist verblüffend plump, obwohl handwerklich alles stimmt, wartet man etwas ungeduldig auf einen Einfall, eine neue Einsicht.
Der deutsche Verleihtitel ist natürlich eine Frechheit; hier wird ein Hochgeschwindigkeitsthriller angekündigt. Das ist der Film nun wirklich nicht, aber zum psychologisch unjd dramaturgisch überzeugenden Kammerspiel reicht es auch nicht hin.
Wegen der Darsteller und der soliden Machart bekommt der Streifen gerade noch drei Sterne. Was mich verblüfft ist, dass so viele Kritiker voll des Lobes waren. Wahrscheinlich haben sie Lumet einen großen Film als seinen letzten gegönnt. Das kann ich verstehen. Man sollte sich aber wohl lieber die Filme ansehen, mit denen er seinen Ruhm begründet hat.


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