Profil für Marko Ferst > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Marko Ferst
Top-Rezensenten Rang: 118.690
Hilfreiche Bewertungen: 245

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Marko Ferst "Marko Ferst"
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5
pixel
Putins Demokratur: Ein Machtmensch und sein System
Putins Demokratur: Ein Machtmensch und sein System
von Boris Reitschuster
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

5 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Weg zum Personenkult um Putin, 4. März 2015
Ich kann Reitschusters Anlayse in vielen Punkten folgen. Der Auslöser, wo ich zu verstehen begann, daß etwas gründlich schief läuft im Staate Russland, war die Hinrichtung von Anna Politowskaja zum Präsidentengeburtstag. Sicher war auch die Zeit davor nicht ungetrübt von mafiösen Umtrieben. Aber in der Folgezeit zeigte sich immer stärker die totaliärer werdende Grundstruktur der Politik. Man erzählt schöne Dinge, die Praxis sieht aber ganz anders aus. Bis 2011 etwa wurden in den zwei Jahzehnten rund 300 Journalisten in Russland umgebracht. Wie anders soll man das interpretieren als Unfähigkeit der Regierenden über einen langen Zeitraum, elementare Grundrechte zu schützen. Aus vielen Puzzleteilen setzten sich meine Informationen zusammen, Reitschusters Buch fast viele dieser Fakten in einem Buch zusammen. Wie kann man interpretieren das Perm 36, die einzige Gedenkstätte in Russland für den Gulag-Terror, geschlossen wurde? Die zivilgesellschaftlichen Betreiber mußten kapitulieren vor dem Druck der Behörden. Wer ein Loblied auf die russische Staatspropaganda hören möchte, sollte lieber ein anderes Buch lesen. Wer einen kritischen Blick auf die russischen Gesellschaftsverhältnisse richten will, dem kann man das Buch in jedem Fall empfehlen. Die russische Kriegstreiberei im Schatten von Regional-Terroisten in der Ukraine zeigt wie weit der Degenerationsprozess der politischen Sphäre im Land schon vorangeschitten ist. Niemand sollte sich wundern, wenn weitere Schritte für den Infarkt der ukrainen Wirtschaft folgen. Das Buch behandelt natürlich besonders die Jahre ab 2000, auch wenn es etwas aktuallisiert ist. Dieser zeitliche Bereich ist aber wichtig, um die aktuelle Entwicklung zu verstehen.


Was passiert in Russland
Was passiert in Russland
von Gabriele Krone-Schmalz
  Gebundene Ausgabe

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein kritischer Blick auf die russischen Verhältnisse kommt nicht vor, 3. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Was passiert in Russland (Gebundene Ausgabe)
Ich gebe zu, es ist eines der wenigen Russland-Bücher, die ich mit großen Unbehagen gelesen habe. Eine kritsche Analyse der gesellschaftlichen Verhältnisse findet nicht statt. Wenn man in konkreten Fragen zu einer anderen Schlußfolgerung kommt, das kommt vor und wäre auch in Ordnung. Hier ist aber die gesamte Plattform staatsnahes Regierungserklären. Dann soll man das Buch anders nennen: Schönfärberei im Dienste von Russlands Mächtigen. Das würde besser zutreffen. Ich habe erst im letzten Jahr von Boris Reitschuster "Putins Demokratur" gelesen in der ergänzten Version. Viele Konfliktmuster, die er dort benennt, habe ich in gleicher oder ähnlicher Form in den zurückliegenden Jahren in kleinen Ausschnitten durch Fernsehreportagen und andere Quellen mir erschlossen. Es hat auch bei mir ein wenig gedauert, bis ich langsam schnallte, nach welchen Regeln das russische Schwindelsystem in der gesellschaftpolitischen Dimension funktioniert. Demokratische Verkehrsformen sind nur noch eine leere Hülle, Vortäuschung. Für mich war der Mord an Anna Politowskaja zum Präsidentengeburtstag, eine deutlicher Hinweis: Hier ist etwas grundsätzlich faul mit dem politischen Klima. Dafür hat die Autorin keinerlei Sensorium. Wenn ich mir anschaue was Anna Politowskaja in ihrem Buch "Putins Russland" u.a. schreibt, dann hat man den Eindruck Gabriele Krone-Schmalz beschreibt ein anderes Land, aber nicht Russland.


Eintagsfliegen
Eintagsfliegen
von Günter Grass
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 28,00

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ausdrückliche Leseempfehlung, 27. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Eintagsfliegen (Gebundene Ausgabe)
Mein ausdrückliches Lob für diesem Gedichtband. Ich habe die meisten Gedichte auch aus früheren Lebensjahrzehnten des Autors gelesen und nicht alles gefällt mir, mit zahlreichen Sachen werde ich nicht warm. Aber diesen Band finde ich ausdrücklich gelungen und lesenswert. Darunter gibt es auch politische Gedichte wie zum Beispiel „Ein Held unserer Tage“, das mir sehr sympathisch ist. Vorzüglich gelungen ist auch das Gedicht „Einige Vorschläge zur schulischen Rückbildung“. Das Griechenland-Gedicht ist bekannt und trifft auf meine Zustimmung. Natürlich gibt es auch einzelne Beiträge, die mir weniger sagen. Interessant auch seine kleine Versschule. Das man etwas für seine nicht gewogenen Journalisten etc. bereithält, kann ich gut verstehen. Mag sein, daß die PR-Aktivitäten von Grass für die eigenen Produkte mitunter nicht immer so völlig optimal gelagert sind und dem Vorschub gegeben haben, das sei durchaus eingeräumt.
Ich sehe, daß die Kriegsgefahr zwischen Israel und Iran diplomatisch entschärft werden muß. Eine solche Tragödie für alle Seiten muß man unter allen Umständen vermeiden. Schon ein israelischer Angriff auf ein laufendes AKW wäre eine unverzeihliche Aktion, ich erwähne dies so ausdrücklich, weil Israel einen Hang dazu hat, solche Luftangriffe auf Atomanlagen auszuführen wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt. Ich hätte weniger Bedenken die israelische Politik in die Kritik zu nehmen und habe dies in sehr scharfer Form auch in eigenen Gedichten getan. Erich Fried nahm dies in „Höre Israel (Gedichte)“ als Jude auch vor und ich habe bei ihm viel gelernt. Die israelhörige Gläubigkeit oder Staatsideologie, die in der Debatte um das Gedicht „Was gesagt werden muß“ hochkochte, teile ich nicht. Vielmehr würde mich interessieren, wie man die Fundamente palästinensischer Dörfer unter israelischen Siedlungen bewertet und ich frage mich, ob die historische Darstellung im Brockhaus (24 Bde) nicht koloniale Eroberung genannt werden muß und ein großes Unrecht darstellt, so wie die Besetzung Tibets durch China Unrecht genannt werden muß. Das die fatale Schuld für diese Entwicklung im Nahen Osten auch im braunen deutschen Bestialismus liegt, steht dabei außer Frage, gleichwohl englische koloniale Umtriebigkeit mit am Zuge war.
Ich nahm z.B. mit einem Gegengedicht zu Grass Gedicht „Irgendwas machen“ von Ende der 60iger Jahre Stellung, wo er politische Gedichte kritisiert, die er heute selber schreibt. Ich bin bei manchem seiner früheren Gedichte durchaus nicht auf seiner Seite. Aber diesen Band kann ich zur Lektüre ausdrücklich empfehlen. (Einschätzung von Marko Ferst. Er schrieb die Gedichtbände „Umstellt. Sich umstellen“ und „Republik der Falschspieler“)


Kurvendiskussion
Kurvendiskussion
von Christian Engelken
  Broschiert
Preis: EUR 12,80

5.0 von 5 Sternen Lesenwerte Lyrik, 1. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Kurvendiskussion (Broschiert)
Manche der Gedichte erinnern mich weitläufig an Ernst Jandl. Das Gedicht zum Migrationshintergrund wirkt gerade durch die Schlichtheit der Textelemente, zudem auch mehrdeutig. Es rückt den Menschen je als Gleichen in die erste Reihe. Wie aus ANFANG am Ende ANNA wird, mir gefällt dieses Experiment in Gedichtform. Auch andere Liebesgedichte scheinen mir gelungen. Zudem enthält der Band einige Gedichte zum Umwelt- und Klimathema, die mich naturgemäß besonders interessieren, weil dies wichtige Felder sind, auf denen ich mich selbst bewege. Zu der großen Flut in Pakistan überlegte ich auch ein Gedicht zu schreiben und das wäre mir sicher gelungen, wäre ich dichter mit dem Leben und Zusammenhängen dort vertraut. Engelken versuchte es und ich würde dem Aspekt des schnellen medialen Vergessens folgen als Kritikpunkt. Dennoch stellt sich für mich die Frage, ob man nicht mehr daraus hätte machen können. Ohnehin scheint mir, lieber weniger Gedichte zu schreiben und mehr in das einzelne Gedicht zu investieren, eine sinnvolle Regel, die man sich immer wieder in Erinnerung rufen sollte. In jedem Fall ist Engelkens „Kurvendiskussion“ eine Lesereise wert.


Unterm Strich
Unterm Strich
von Peer Steinbrück
  Taschenbuch

0 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ökologisch und sozial nicht kompetent, 29. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: Unterm Strich (Taschenbuch)
Das er sich um ernsthafte Politikaussagen bemüht, ist völlig unstrittig. Wie weit die Aussagen zur Regulierung der Finanzmärkte ausreichen oder nicht, zu Gute halten möchte ich, daß der Versuch unternommen wird. Das man sein eigenes Handeln in der Krise im guten Licht darstellt, kann ich nachvollziehen. Freilich, ob die heutigen Zockerprozesse an den Finanzmärkten eine zukunftsfähige Wirtschaftsweise befördern, gehört gründlicher in Frage gestellt, als dies Steinbrück bereit ist zu tun.

Seine Ansichten zur Sozialpolitik halte ich für sehr problematisch. Aus dem Buch geht klar hervor, daß er bei Rente mit 67 und Hartz IV dort weitermachen möchte, wo Kanzler Schröder abgewählt wurde. Auch die Rentensteigerungen, die die CDU veranlaßt hat, sind ihm zu hoch ausgefallen. Man dürfte sich mit ihm als Kanzler auf Nullrunden bei der Rente freuen. Umverteilung von Arbeitzeit z.B. durch eine 4-Tage Arbeitswoche und damit mehr Jobs und weniger Arbeitslosigkeit, kommt in seinem Denkhorizont nicht vor. Da muß Politik die richtigen Rahmenbedingungen organisieren. Da geht es nicht nur darum wie man die Kosten für Rentner und soziale Transfers senken kann.

Sicher fällt ihm auf, daß sich die Gesellschaft immer extremer in Reich und Arm spaltet. Aber offensichtlich denkt er immer erst an seine eigenen Einnahmen, die zu niedrig sind, also das Kanzlergehalt z.B. Vielleicht liegt die Sache ja auch so, daß einige wirtschaftliche Leitungsfunktionen stark überbezahlt sind. Der Gedanke ist ihm aber offensichtlich fremd.

Eine gänzliche Katastrophe ist er im Bereich Klima- und Umweltschutz. Jeder weiß, wir laufen mit den globalen Steigerungen der Treibhausgase, die wir jetzt global haben auf eine Situation zu, wo nicht 2 Grad mehr, sondern eher 4 bis 6 Grad mehr realistisch sind. Das ist eine Eiszeitdifferenz im Temperaturunterschied. Am Ende wird von dieser Zivilisation nicht viel übrig bleiben. Hier in diesem Bereich ist er völlig konzeptionslos, auch in den Interviews, die ich gelesen habe, ist er wirklich eine völlige Fehlbesetzung als Kanzler und mir ist eher ein Rätsel wie die Grünen sich mit so einem Kandidaten anfreunden können.


Ökologische Umbrüche und Technik: Leitlinien für eine ökologische Linke
Ökologische Umbrüche und Technik: Leitlinien für eine ökologische Linke
von Götz Brandt
  Taschenbuch
Preis: EUR 15,90

5.0 von 5 Sternen Ökologischer Kurswechsel für die LINKE, 29. Februar 2012
Ökologischer Kurswechsel für die LINKE

Götz Brandt liest in seinem Buch Parteien die Leviten, fordert grüne Wirtschaftspolitik

Marko Ferst

Seit annähernd einem Jahrzehnt prägt Götz Brandt als einer der strategischen Köpfe die Ökologische Plattform bei der LINKEN. 1975 wurde er als Professor für landwirtschaftlichen Anlagenbau abberufen. Nicht systemkonformes Verhalten" und kritische Einstellung zum Hoch- und Fachschulwesen der DDR" wurde ihm vorgeworfen. Nach der Wende rehabilitiert, nimmt er auch heute kein Blatt vor den Mund. Von der eigenen Parteiführung fordert er die ökologischen Herausforderungen ins Zentrum ihrer Politik zu rücken.
Jetzt erschienen in Buchform viele seiner Beiträge, in denen er Leitlinien für eine ökologische Linke skizziert. Zugleich setzt sich der Autor mit vielen ökologischen Politikfeldern auseinander. Er zeichnet die umfangreichen Befunde ökologischer Technikkritik nach, nimmt zu den Gefahren von Klimaumbrüchen Stellung und zeigt auf, daß die Grenzen des Wachstums längst überrannt sind. Wer diese Zivilisation nicht der Selbstzerstörung preisgeben will, muß in den Industriestaaten 90-95% seiner Treibhausgase einsparen. Das wird nicht ausschließlich über Material- und Energieeffizienz zu erreichen sein, sondern muß auch Schrumpfungsprozesse der industriellen Infrastruktur einschließen. Dies so deutlich zu sagen, ist ein Verdienst Brandts und er beklagt, alle Parteien, auch die Grünen, seien so sehr mit dem Abholen von Wählern beschäftigt, daß unbequeme Wahrheiten nur stören.
Vor diesem Hintergrund wird man nicht umhin können Alternativen zu einem finanzkapitalistisch geprägten System zu suchen, Optionen die unterm Strich dafür sorgen, daß der Planet nicht bis zum letzten förderbaren Öltropfen abgezapft wird oder die Ozeane nicht bis zum Zusammenbruch ganzer Fischpopulationen ausgeräumt werden. Ein Wirtschaftssystem, das auf Nimmersatt gepolt ist und zu gesetzlich fixierter Selbstbegrenzung nur marginal fähig, wird diese Zivilisation geradezu hinrichten, da ist Brandt zuzustimmen.
Bei den Alternativen freilich dürfte es vermutlich nicht ausreichen eine treuhändlerische Verwaltung des Eigentums mit ökologischem Ansatz zu versuchen, selbst wenn man umfassende Wirtschaftsdemokratie hinzudenkt. Eine Kombination von gesellschaftlichem und Belegschaftseigentum bei klaren Regeln der Reichtumsbegrenzung könnte immerhin von der Richtung her - Aspekte von Motivation, Innovation und Gier im Wirtschaftsleben austarieren im Rahmen einer ökologischen Begrenzungsordnung.
Hinzu kommt, wir müßten auf eine mittlere" Technik mit Menschenmaß setzen, die zu einer dezentralisierteren Gesellschaft paßt mit hochentwickeltem naturwissenschaftlichen Können. Zu sehr, so erinnert Brandt, sind die Segnungen der modernen Megamaschine zu einem religiösen Fortschrittsglauben verklärt worden ohne die totalitären Tendenzen dieser Art von Organisation von technischer Infrastruktur zu bedenken. Die Technikfolgenabschätzung kommt immer zu spät, wie aktuell bei der Nanotechnologie oder der Agrogentechnik zu besichtigen.
Götz Brandt ist immer für eine Überraschung gut. So analysiert er in einem Vortrag die Naturfrage bei Marx, in einem anderen fragt er wie die Linke den Katechismus der katholischen Kirche bewerten kann oder er nimmt die Aussagen in einer Broschüre des Bundesumweltministeriums auseinander.
Götz Brandt: Ökologische Umbrüche und Technik. Leitlinien für eine ökologische Linke, Edition Zeitsprung 2011, 300 Seiten, 15,90


Rudolf Bahro: Denker, Reformator, Homo politicus. Nachgelassene Texte
Rudolf Bahro: Denker, Reformator, Homo politicus. Nachgelassene Texte
von Guntolf Herzberg (Hrsg.)
  Broschiert
Preis: EUR 19,90

5.0 von 5 Sternen Zur Kritik der Linken, 12. November 2011
Der Band enthält zahlreiche Vorlesungen z.B. eine über Laotse oder das Stammesbewußtsein versus Klassenbewußtsein, Einrichtungen für eine ökologische Politik auch ein Spiegel-Interview. Besonders interessant ist der Essay, der sich mit der Linken auseinandersetzt. Er kommt zu sprechen auf den Prager Frühlung und wie er ihn heute bewertet. Sahra Wagenknecht wird kritisch aber auch sehr wohlwollend in ihren politischen Ansätzen kommentiert. Insgesamt stellt er das linke Projekt, damals noch PDS, auf einen kritisch-philosophischen Prüfstand. Daß das nationale soziale Optimum und nicht die langfristigen ökologischen Interessen in den Mittelpunkt gestellt werden kritisiert er. Noch sitzt die Linke auf der Tektonik der biosphärischen Selbstausrottung fest.


BBI - ein neuer Berliner Bankenskandal?
BBI - ein neuer Berliner Bankenskandal?
von Frank Welskop
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großflughafen Schönefeld in der Schuldenfalle?, 19. August 2011
Großflughafen Schönefeld in der Schuldenfalle?

Frank Welskop warnt in seinem Buch vor dem Luxusflughafen für Billigflieger

Von Marko Ferst

Alle Versuche den geplanten Großflughafen Schönefeld in private Regie zu überführen scheiterten. Das hat Gründe. Ohne ständige staatliche Subventionen ginge er unvermeidlich pleite, so das Resümee von Frank Welskop in seinem neuen Buch zum BBI. Der Verkehrsexperte arbeitete als Mitarbeiter in der Berliner Linksfraktion und trug für die Politik höchst unbequeme Zahlen und Fakten zusammen. Der Umsatz in Berlin je Passagier fiel von fast 15 im Jahr 2002 auf zwölf Euro 2007. Dagegen nimmt der rentable Frankfurter Flughafen 42 pro Fluggast ein. Damit der BBI aus den roten Zahlen käme, müßte er mindestens 20 erwirtschaften. Frachtverkehr spielt für Berlin keine Rolle mit nur 0,67% Anteil 2007. Bisher gibt es nur 0,15% Fluggäste, die in Berlin umsteigen und wie in Frankfurt, Geld in den riesigen Einkaufspassagen lassen könnten.
Zur Eröffnung des BBI werden Billigflieger mit rund 70% den Verkehr dominieren. Damit ist er mit dem Flughafen Frankfurt/Hahn für niedrigpreisige Airlines vergleichbar, der pro Passagier 4,50 Verlust einfliegt. Die Rabattsysteme um Billigflieger anzuziehen für Schönefeld sorgen dafür, daß die Berliner Flughäfen unrentabel arbeiten und subventioniert werden müssen. Überdies konterkariert man so durch staatliche Zuschüsse Klimaschutz, fördert die umweltschädlichste Verkehrsform. Welskop spricht von einem dreistelligen Millionenbetrag zwischen 2003 und 2007, der dafür abgezwackt wurde.
Es besteht die Gefahr, europarechtliche Bestimmungen untersagen die weitere Subventionierung des BBI aus Landesmitteln. Dann ist die Abwärtsspirale unaufhaltsam. Steigende Flughafengebühren führen zu rapide sinkendem Passagieraufkommen und immer höheren Schuldenbergen. Wie ist die Pleite dann aufzuhalten? Auch Kleinflugzeuge müssen in Schönefeld starten. Durch sie sinkt der Umsatz um ca. 20%, so Welskop. Schon jetzt gab es mehrfach Störfälle durch die Kleinen, weil stundenlang die aktuelle Startbahn nicht genutzt werden konnte.
Bei Planung und Bau des BBI verschleudert die Politik Steuermittel in gigantischem Ausmaß. So verweist der Autor auf den weltweit anerkannten Flughafenplaner Faulenbach da Costa. Während für den BBI 30 Millionen Fluggäste pro Jahr beantragt sind, wird jetzt eine Terminalkapazität in Beton gegossen, die für mindestens 90 Millionen ausgelegt ist. Das Passagiervorfeld ist für 70 Millionen Passagiere ausreichend und das Start- und Landebahnsystem für 56 Millionen. Wenn das kein Grund für einen parlamentarischen Untersuchungsausschuß ist, was dann? Immerhin könnte man gigantische Kosten sparen, wenn die überdimensionierten Bauten noch rechtzeitig abgespeckt würden. Im ebenfalls überteuerten unterirdischen Bahnhof wird nie ein ICE halten, weil die Züge keinen Umweg über Schönefeld nehmen werden. Die Ost-West-Bahnanbindung dürfte erst Jahre nach BBI-Eröffnung fertig sein.
Frank Welskop rechnet anhand der bereits für den Bau aufgenommenen Kredite vor, daß selbst bei optimistischen Annahmen ein jährlicher Schuldendienst von 226 Millionen entsteht. Wollte man schwarze Zahlen schreiben, die oben genannten 20 pro Passagier, bei jährlich 25 Millionen Fluggästen, müßte der BBI mit jährlich 360 Millionen Euro subventioniert werden. Doch die Schulden für Bau und unrentablen Betrieb des VEB Schönefeld müssen getilgt werden. So rechnet der Verkehrsexperte vor, daß der Großflughafen in den nächsten zehn Jahren über 10 Milliarden Euro an Kosten verursachen wird. Da Welskop jeden Posten detailliert erläutert, sollte es leicht sein, für Experten seine Rechnung zu überprüfen.
Weltweit einmalig ist am Flughafen Schönefeld, er wird mitten in dicht bewohnte Siedlungsräume
eingeklemmt. Der Absturz eines Flugzeugs hätte verheerende Folgen auch am Boden. 2006 verhängte das Leipziger Bundesverwaltungsgericht ein Nachtflugverbot. Doch die Lobbyisten des BBI wähnen sich längst über Richtersprüchen stehend. Statt der ursprünglichen 90 Nachtflüge in der Nacht, wollen sie jetzt maximal 113 durchsetzen. Wieder werden enorme finanzielle Lasten auf die Anwohner abgewälzt. Jede klagende Familie verlor schon im zurückliegenden Prozeß deutlich mehr als 1200 Euro.
Steigt der weltweite Ölbedarf und stagniert die Ölfördermenge oder geht in wenigen Jahren, wie vorherzusehen zurück, ist das Massensterben der Billigflieger nicht mehr aufzuhalten. Durch die sinkenden Ölvorräte könnte ein Preis von 150 oder 200 pro Barrel laut kritischen Experten bald unvermeidbar sein. Ist die maximale Fördermenge global überschritten, wird es zu immer neuen Preisspitzen kommen. Schon heute entfallen 50% der Kosten für die Billigflieger auf Kerosin. Besteuert man den Flugsprit, erhebt die Mehrwertsteuer wie für andere Güter auch und bezieht den Flugverkehr in den Emissionshandel ein, könnten bald viele Flugzeuge in den Ruhestand geschickt werden. Positiver Nebeneffekt des Klimaschutzes: Die Anwohner müssen nicht mehr im Minutentakt den Lärm aushalten. Für den BBI bedeutet diese mittelfristige Perspektive den endgültigen finanziellen Absturz. Verluste in der Größenordnung wie beim Berliner Bankenskandal sind dann nach Welskop unvermeidlich. Doch die BBI-Akteure sind Gefangene ihrer irrationalen Flughafenpolitik. Die 40.000 Arbeitsplätze, welche die Länder schaffen wollen, so aktuell der Koalitionsvertrag in Brandenburg, sind nichts als Luftschlösser.
Frank Welskop: BBI - ein neuer Berliner Bankenskandal?, 238 Seiten, Kai Homilius Verlag, Berlin 2009, 19,90


Wirrwahr: Minimalprosa
Wirrwahr: Minimalprosa
von Günther Bach
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Lyrischer Geheimtip, 15. August 2011
Rezension bezieht sich auf: Wirrwahr: Minimalprosa (Taschenbuch)
Der Band enthält viele gelungene Gedichte, nicht kryptisch unerschließlich, sondern exzellente Sprache mit Sinn. Mir gefallen z.B. die Gedichte Palmsonntag, Verdienste oder Gipfelstürmerin (für Angela Merkel). Eine satirische Anleitung wie man sein eigenes Buch bewerben könnte, läßt sich ebenso finden. Natürlich fehlt mir dazu die Voraussetzung "reich sein". In einer Kurzgeschichte behandelt der Autor eine Lesung auf Hiddensee und seine dabei gemachten Erfahrungen. Wo wir bei Erfahrung sind. Er weiß von Fällen zu berichten, wie erlesene Bücher mit Gedichten heute auch gebunden werden. Da lästert er über den Kostenpunkt solcher Einbände aus feinem hellblauen Leinen, Goldschnitt und Fadenbindung. Eine weitere Erzählung nimmt die Marketingkonzepte für Bestseller auf den Arm, aber lesen Sie selbst. Sie werden Ihren Spaß an Günther Bachs "Wirrwahr" haben.

Marko Ferst

Autor der Gedichtbände: Republik der Falschspieler / Umstellt. Sich umstellen


Rudolf Bahro: Eine Dokumentation
Rudolf Bahro: Eine Dokumentation
von Rudolf Bahro
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kurze Vorträge, gut lesbar, 15. August 2011
Der Band lohnt sich zu lesen, weil der Stoff der "Alternative" hier in kurzen prägnanten Vortägen präsentiert wird. Wer nicht 500 Seiten lesen möchte, kann sich hier eine gute Orientierung auf wenigen Seiten über Bahros Kritik an den östlichen Systemen verschaffen.

Für seine ökologische Kritik an der westlichen Gesellschaft ist natürlich "Logik der Rettung" das Standardwerk. Drei Vorträge zur Studie Zukunftsfähiges Deutschland von 2006 finden sich in dem Band "Wege zur ökologischen Zeitenwende".


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5