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NikeX

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Die Gebetsmaschine. ( Science Fiction).
Die Gebetsmaschine. ( Science Fiction).
von Christopher Hodder-Williams
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Naked Lunch plus Terminator und Psychose, 13. Juni 2013
Erste Gedanken beim Lesen der Inhaltsangabe: Naked Lunch. Erste Gedanken nach den ersten Seiten: Erinnert mich deutlich an “Menschengleich” – die vierte Erzählung in dem Buch “Die Erfindung des R62″ von Kobo Abe. Spiegelungen, Allegorien, was ist jetzt, was dann, was echt, was psychotisch. “Menschengleich” kann nicht ganz allein überzeugen, ich musste “Die Gebetsmaschine” lesen um die Metagenalität von “Menschengleich” zu erkennen.

Buch ist aus den 70ern des 20. Jhd., und spielt in den 70ern. Ein Mann unterzieht sich der Behandlung mit einer neuen Bewusstseins verändernden Droge namens TNA in einem englischen Forschungsinstitut. Er lernt ne hübsche Nonne und Ärtzin kennen. Viel wörtliche Rede anfangs. In mir kamen Zweifel auf: Grobe englische Übersetzung oder Simpelliteratur ausm Regal? Von wegen. Als Neil seinen ersten Trip macht, wird mir die Genialität sofort klar, schließlich arbeite ich mit psychisch Kranken zusammen, betreue sie. So eine überzeugende Schreibe ist mir noch nicht begegnet. Nur als Film in “I’m a Cyborg but that’s ok”. Das meine ich ernst. Wer es schafft, absurde Logik wirklich logisch in sich darzustellen, dabei den Leser mitreinzieht, der hat es verstanden. Er bekommt Wind vom Block G – einem Forschungstrakt mit Gen- und Isotiopenforschung, der die gesammten Zukunft beeinflusst. Neil nimmt Kontakt mit einem neuen Faschismus der Zukunft auf, durch seine Psychose, dabei ist nicht klar, ob die nur Wahn ist, ebenso die Realität aus der er zu kommen scheint, sowie seine eigene Rolle. Es geht also um Vergangenheit und Zukunft, aber was die eigene Zeit des Protagonisten? Ist er die Zeit? Das ganze Universum? Die Zeit bewegt sich vielleicht wirklich, nur er nicht, da er sich in einem sogenannten Erdlos- oder Gedankenbeben befindet. Dann kommen schwarze Löcher ins Spiel und Pulsare, es wird astrophysikalisch, wissenschaftlich jedoch mit Fakten vermengt – das muss aber nichts heißen, den Wahnwelten sind nicht bescheuert, sondern logisch. Das besondere ist der sogenannte PONEM, die einzige Möglichkeit, mittels derer schizoides Denken einem nicht schizophrenen Menschen erklärt werden kann, so dass er es versteht. Und, ich muss fast lachen, hier ist ja der springende Punkt (aber im Auge behalten!): Wenn der schizophrene Akteur einem “gesunden” die Logik seiner Welt erklärt, so dass sie plausibel erscheint, sind wir dann auch schizophren? Nicht durch die Erzählung sondern schon vorher? Das ist der Punkt in “Menschengleich” und “Die Gebetsmaschine”.

Und so kommen sogar Zweifel im Buch, aber auch im Leser auf, ob denn die wissenschaftliche Welt nicht auch so etwas wie eine gesellschaftliche Psychose sein muss, interschizoides Denken, Phreniker. Sogar Gott, so mutmaßt ein Pfarrer im Buch, könnte schizophren sein, aber die menschliche Auslegung des Wortes bedeutungslos, da nur auf dem gegenwärtigen Erkenntnisstand. In dem Film “Höllentrip / Altered States” meint ein Wissenschaftler, Schizophrenie wäre ein anderer Zustand, oder eine andere Dimenstion. Die Ideen, die Dramaturgie, alles spitze. Alle vorkommenden Personen werden weitergeführt, und das Buch langweilt nicht mit ausufernden-das-hab-ich-schon-mal-gesehen-Beschreibungen, wie bspw. eines gewissen Deutschen Hyper-Langeweilers namens Schätzing. Das Buch habe ich in einer Woche gelesen, und bereue es, dass ich mir nicht mehr ließ. Weitere Ideen im Buch: (Spoiler) Plastikkrebs, eine Krankheit der Zukunft, hervorgerufen durch Antiobiotikamutationen. Ein Kontakt und dein Körper wird zu PVC. Frühzeitige Vergreisung, da Menschen immer intelligenter werden sollen, verkommt ihr Körper schon im Kindesalter zu greisenhafter Physiologie. Gebuchte Entscheidungen – im Hirn ein Chip, der nur bestimmte Handlungen zulässt: x-mal Türe öffnen und laufen, etc… die brutalste Form der Folter: Umpolung aller neuronalen Schnittstellen – der Mensch lebt weiter, aber nur in der neurologischen Innenwelt, alles nach innen gerichtet, ohne Reize von außen – oder genauer: Er kann sehen, aber die Reize werden nicht im Hirn verarbeitet, er versteht nicht, was er sieht. Dafür werden Schreirräume eingerichtet, in denen diese Menschen bis zum Ende ihres Lebens, das kann Jahrzehntelang gehen, schreien.

Die Idee der Zeitreisen, und die Auswirkungen von Veränderungen auf die Zeit, wird im Buch erweitert: Um die Psychosen. Denn, als Zeitreisender hört sich jeder wie ein Psychotiker an. Wenn ein Nichtpsychotiker dessen Argumentation nachvollziehen und darin aufgehen kann, ist er dann selbst psychotisch? Zeitreisen sind doch unmöglich. Wenn es aber eine Nachvollziehbarkeit der psychotischen Halluzination und Argumentation gibt? Redet der PSychotiker dann mit sich selbst, oder mit jemanden in seinem Kopf?
Nur der Geist verschwindet in die Zukunft durch den Einsatz der Droge, der Körper bleibt auf dem Bett liegen - und spricht dann rückwärts, weil der Geist rückwärts aus der Zukunft spricht. Einer faschistischen Zukunft, woe Menschen in Plastik verwandelt werden, wo sie schneller altern, weil sie intelligenter sind, wo schwarze Löcher für Sondierungen der Zeit verwendet werden, wo Funk und Energie in das Universum abgeleitet werden, also auch in die Vergangenheit - wo wir dann diese Funksprüche irrtümlich als Pulsare interpretieren. Möglichkeiten, Wahrheiten, oder doch nur Fantastereien und Ideen eines Psychotikers? Ist das Universum um mich herum, oder ist es in mir?

Das Ende des Buchs ist die Zeitreisegrundidee von Terminator, aber 1000 mal durchgeschüttelt und gerührt. Mama Mia.

Die Gebetsmaschine verdient eine Verfilmung. Sie ist kranker, interessanter, als bspw. ein “Naked Lunch”. Müsste ich ne Prognose abgeben (wenn ich Arzt wäre), ich würde sagen: Unheilbar – im Falle des vorliegenden Meisterwerks die bestmögliche Wertung.


Resident Evil: Revelations
Resident Evil: Revelations
Wird angeboten von CharliDiscount
Preis: EUR 28,30

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Luigis Mansion 2 ist gruseliger, 13. Juni 2013
= Spaßfaktor:3.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Resident Evil: Revelations (Videospiel)
Laufen, Ballern, Scannen, grenz-debile Dialoge - das kennen Fans, das erwarten wir von Resident Evil.
Genau das bietet auch diese Handheld Version. Was wir auch erwarten, ist etwas Grusel - der fehlt total.
Das kostet den Titel zwei Sterne. Und mich leider fast 40,- EUR. Das habe ich bereut. Vergleiche ich
es mit Resident Evil 5 oder 6 auf der PS3, gab es dort zumindest am Anfang etwas Grusel. Hier ist nichts.
Im Revelations Teil wechselt ihr zwischen Szenarien (werdet gewechselt). Aber egal wo, die Umgebung ist steril
und tot, was sicherlich nicht nur an den Gegnern liegt. Ein graues Schiff aus Metal, kurz am Strand, ein bisschen Forschungsstation,
oder Schnee. Die Gegner stossen euch die Zunge in den Hals oder fallen euch anders an. Wie gehabt. Ihr reagiert mit Ballern.
Schlüssel und Karten finden - check. Wie eine DOS Tabellenkalkulation mit den ewig gleichen Werten. Verkauft.
Das bessere Adventure für 3DS: Luigis Mansion 2. Das ist komischerweise gruseliger. Ja, auf komische Art!


Furchtbare Juristen
Furchtbare Juristen
von Ingo Müller
  Taschenbuch

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nach 1945 steile Karrieren für alle Nazis, 4. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Furchtbare Juristen (Taschenbuch)
Vorrausgesetzt man war Richter oder Anwalt. Dann fragte keiner nach. Ab den 30ern bekleideten extreme Verbrecher die Posten der Justiz. Und ab 1945 bis in die 70er und 80er machten diese Killer weiter Karriere, unterstützt durch ihre Kollegen, teils auch durch die allierten Besatzer (irgendwie mussten sie die Lücken auffüllen, die Entnazifizierung war ein Papiertiger). Anwälte und Richter, die Justiz allgemein, war voll von diesen Killern. Zuerst entledigten sie sich per Gesetz ihrer jüdischen und später aller andersdenkenden Kollegen. Dann sorgten sie, teils noch vehementer als manche anderen Nazis selbst, dafür, dass Menschen zum Tode verurteilt werden, nur weil sie mal ein Mädchen ansehen oder ein Stück Brot gefunden haben. Steht alles mit Fallbeispielen im Buch. SA, SS, Gestapo verhafteten noch während des Freispruchs vor Gericht, die so eben Freigesprochenen. Alles unter den Augen der "Richter", Beschwerde legte kaum einer dieser "furchtbaren Juristen" ein. Alles wurde geleugnet und umgedeutet. Diese FURCHTBAREN JURISTEN machten den Mord salonfähig. Egal, ob Menschen mit Behinderung (mit herzlicher Unterstützung der deutschen Ärztekammer!), Oppositionelle, Unschuldige, Schwangere, Alleinerziehende, das ware denen egal. Sie schrien nach mehr, nach mehr Verfolgung, nach mehr Brutalität. Sie überliesen das "Recht" immer mehr den Spezialeinheiten, den Killertrupps. Am Ende war das gesamte Justizsystem ein Standgericht, null Verteidigung, automatische Todesstrafe, usw... Manch einer von diesen Verbrechern wurde NACH 1945 sogar Ministerpräsident oder hatte andere hohe Ämter; veröffentlichte sogar Bücher und Berichte, wonach die Richter GEGEN die Nazis waren. Laut dem Buch gab es NUR EINEN einzigen Richter, der opponierte, sonst KEINEN! So ist das! Dieses Buch kann einem nicht teuer genug sein. Vergangenheitsbewältigung fand NIE statt. Nur Vetuschung und Leckerlies für die Killer. Das Dritte Reich blieb dadurch nach Ende des Krieges teils bestehen, dank dieser Killer Juristen! In diesem Buch sind die alle genannt, ihre mörderischen Phrasen, ihre steilen Karrieren, ihre Feigheit, ihr Hass, ihre Sitzungsprotokolle. Die Opfer bekamen keine Entschädigung nach 45, aber die Täter wurden in Kur geschickt, entschädigt. Selbst Todesurteile wurden nach 45 für rechtens befunden, weil damals ja anderes "Recht" galt. Die Welt des Angeklagten! Schande über diese Furchtbaren Juristen und ihre Helfer, über jeden einzelnen. Bis heute wird vertuscht. Siehe auch NSU Prozess. Der Verfassungsschutz fehlt auf der Angeklagtenbank.


Dishonored: Die Maske des Zorns (100% Uncut) - [PlayStation 3]
Dishonored: Die Maske des Zorns (100% Uncut) - [PlayStation 3]
Wird angeboten von ak trade
Preis: EUR 13,61

5.0 von 5 Sternen Halflife 2 und Stadt der verlorenen Kinder, 30. April 2013
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Wenn andere ein solches Spiel machen, versuchen sie alles reinzupacken (Bioshock). Wenn Bethesda ein Spiel dieser Kategorie macht, müssen sie möglichst viel entfernen (Skyrim), damit es uns nicht überfordert. Übrig bleibt trotzdem immer mehr, als bei anderen. Dishonored hat ein Gamaplay, das sich wie ein Messer in der Hand anfühlt. Alles ist da, wo man es braucht, und sofort einsetzbar. Zeit anhalten, Teleport, das kennen wir. ABER: Da wo Halflife 2 aufhörte (nach dem Rundgang durch die Stadt), und zum 08/15 Shooter wurde, schafft Dishonored sich treu zu bleiben. Stets kann der Spieler zu Händlern gehen, mit Personen reden, verschnaufen, belauchen, durch Schlüssellöcher sehen. Es ist kein Rush und Go. Es ist ein Taktik Slasher, wenn man so will. Es drohen Umweltgefahren, wie die Pestratten, oder Fallen, stationäre Geschütze... Darauf einstellen kann man sich. Das Spiel ist erstaunlich fair, schleichen ist kein Muss. Das ist die Freiheit, die ich aus den Elder Scroils Spielen liebe. Es gibt kein MUSS! Es fühlt sich wie eine zweite Welt an. Ich finde, dass die Figuren alle etwas rattenhaftes an sich haben. Das Spiel ist morbide, unheilvoll. Der Spannungsfaden stets ansteigend. Replayvalue ist extrem hoch: Vier Schwierigkeitsgrade, unterschiedliche Enden. Man muss nicht töten, kann aber. Zu wenige Spiele stellen einen vor diese Wahl. Zu wenige geben einem ünerhaupt das GEFÜHL wählen zu KÖNNEN. Wählen und Können - das ist, was Bethesda seit jeher mit ihren virtuellen Welten verfolgt.


New Super Mario Bros.
New Super Mario Bros.
Wird angeboten von Catvertrieb
Preis: EUR 35,45

3.0 von 5 Sternen Zwei große Probleme killen 2 Sterne, und euch gleich mit, 19. April 2013
= Spaßfaktor:3.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: New Super Mario Bros. (Videospiel)
Wenn ihr mit anderen zusammen spielt, und dieser etwas einsammelt, bleibt das Bild für eine Sekunde stehen.
Und genau DAS kann euer Tod sein: Während eines Sprungs über Feuer, Gegner, Wasser, Eis, etc...
Ihr konzentriert euch, wollt springen, schafft es, plötzlich STOP! Es geht weiter, ihr fallt runter, seid aus
der Konzentration raus.
Voraus berrechnen, wann es zum Freeze kommt, macht keinen Sinn. Ihr wisst ja nur manchmal, wann euer
Spielpartner etwas einsammelt, weil ihr euch auf eure Figur konzentriert. Das ist ein echtes Problem. Es dauert
locker bis zu vierten Welt, bis ihr euch ein bisschen darauf eingestellt habt.
Ich sehe in dieser Zeitverzögerung passive Sterbehilfe.
Und es gibt noch ein Gameplayschlagloch: Kommt ihr aus Versehen auf den "A" Knopf, landet eure Figur in einer
Blase, und muss wieder erweckt werden, durch euren Spielpartner. Passiert ihm das auch, ist das Level samt Leben
vorbei. Der "A" Knopf ist ja direkt neben dem Steuerkreuz - also nicht verfehlbar.
Das sind die ZWEI größten Probleme dieses an sich guten Jump'n Runs. Schade. Und auch ziemlich dumm vom
Entwickler.


While You Wait
While You Wait
Wird angeboten von groovetemplemusic
Preis: EUR 11,49

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kindheittraumspielfeier, 16. April 2013
Rezension bezieht sich auf: While You Wait (Audio CD)
Ich glaube, ich war auf der Suche nach electronica, etwas house, etws jazz, und das Ganze frisch, “jung” aufgepeppt. Also eine hörbarere Version von der “Plaid” (warp) Alben. Auch wenn ich diese mag, sind sie mir zu speziell, nichts, was ich kontinuierlich hören kann. Da traf ich youtube sei Dank auf Schmoov! tracks. Wie immer diente mir youtube als Anspielmöglichkeit und schließlich amazon zum Kaufen. “While you wait” scheint ein eher rares Album zu sein. Irgendwie kennt man die Melodien, wie alles heutzutage, aber sie sind hier endlich, was house betrifft, perfektioniert. Beginnen wir:

People haucht uns mit einem lockeren Snare, Beat und gedämpten Sax entgegen, regelmäßig gibts ein hintergründiges “People”voiceover dazu. Bongos, synthi, Keyboard. Easy listening. Kindergerede, Kindergeschrei; Playground ist ein unbeschwerter Spielplatz, hart abgefederte Beats, eine sanfte Meeresbrise und Sphärenmelodie, die irgendwo etwas weiter fantastisch oben wabbert. Alles im Loop, mit regelmäßiger voiceover, verzerrte vocals, dazu eine Keyboardmelodie, die das ganze zu einem 80er Jahre reloaded track machen. Locker, lässig, House, treibend. Keep on Bumbin setzt das konsequenter fort. Wir sollen weitermachen, immer weiter. Permanenter Refrain, ohne langweilig zu werden, als vocal, electro Gitarrenmäßig überzuckert. Ganz easy. Am Ende noch eine Sehsucht erweckende Flughafendurchsage, die immerhin fast eine Minute geht, Klavier gibts obendrein. Destination: Klares Schlagzeug und wieder Sehnsucht, und Nostalgie. Eine Fahrt durch den Winter, irgendwo hin, wo es trotz der Kälte warm sein wird. Eine Stimme schraubt sich durch das ganze Stück. Schmoov! beweisen, dass dies nicht nervig sein muss, wenn die Umkleidung passt. Ein ganz leichtes Geschrredere und Gezupfe an der Gitarre ab der Mitte, eine kurze Zeit der Besinnung, nur um ab der zweiten Hälfte mehr Anlauf zu nehmen. Hart geschossen, rund und metallisch abgefangen: Der Beat in Duckshot ist eine Absage an die instrumentale Lockerheit, aber ein Lobgesang auf die Lockerheit sonst. 70er Riffs , möchte man meinen, Vinyl Gespiele, Hi Hats machen ernst. Super.

Aqua Marina will uns Duckshot aus dem Kopf treiben. Wir sind im Aqua Marina Land, mit Mädchen in Bikins. Sonne, Strand, Martinis. Das ist so ungefähr der Wortlaut zu Beginn des Lieds. Vordergründig oberflächlich, aber gekonnt durch den Akzent des Bongos, der Maracas, des Rhythmus. Das Lied erzählt eine Story, im wahrsten Sinne. Und endet dann auch nicht ganz so unbeschwert. Glocken, dumpf, lang, eine Melodie, zum Nachdenken vielleicht, aber auch zum Weitermachen. Wir halten dennoch kurz zu Beginn inne, bis endlich der kickdrum losreisst und alles in einen Strudel mitzieht, spätestens wenn uns andauernd das “Movin” in Put Your Mind 2 It durch die Rindenfelder knallt, ist klar was zu tun ist. Irgendwas, was wir aufgeschoben haben, was wir anpacken wollen. Pure Energie. Dann darf auch das Sax als Steigbügel dienen, chaotisch, verspielt. Am Ende kommt endlich auch der track zur eigenen Besinnung. Effektgewitter zu Beginn, loop mäßige Vocals – bei Rayday. Wirklich, wie Strahlen die alles erfassen, durch alles hindurch scheinen. Ein Konzert in einer Bar, Klatschen in die Hände, wäre so auch als OST für eine TV Serie durchgegangen. Lonelyman im Anschluss hört sich ganz ähnlich an, der Singsang eines Mannes, leicht verzweifelt, aber dennoch nicht niedergeschlagen, das ist die Schmoov! Mischung. Trommeln, Buschatmosphäre, in In Yo’ Soul fühlen wir tatsächlich etwas, das Prinizip der track Gestaltung kennen wir noch aus Destination. Auch wenn das Lied zunehmend entfremdet wird. Es endet wieder einmal mit Vocals. Die 70er kommen zum Schluss des Albums in What U Do To Me wieder (wieder). Durchgängiger Text, Ausklang wirr, aber gekonnt. Die Musik lässt nach, verschwindet, die Energie in uns nicht.

Repeat
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 10, 2015 11:53 AM MEST


Nu Breed (Jim Rivers)
Nu Breed (Jim Rivers)
Preis: EUR 17,13

3.0 von 5 Sternen Kennt man schon plus Durchschnitt, 16. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Nu Breed (Jim Rivers) (Audio CD)
Baujahr 2009. Zwei CDs, 37 tracks.

Jaash – Bubblegum Strings – einfaches, monotones Tastendrücken, hell, steril, dumpfes Bummen. Etwas Hi Hat. Spacige minimal Melodie dazu addiert. Kann als Introtrack durchgehen. Nachdenklich, verheißungsvoll. Violinenriffs sollen Dramatik reinkippen. Mike Monday macht mit Stargirl die Space Atmosphäre eindeutig. Haut deutlicher durch, verspielt, disharmonisch gegen Ende hin. Florian Kruse schafft mit The Miracle eine kurze zweiminütige Nachdenkbrücke und Verschnaufpause mit etwas Anspannung dank kurz angespülten Tastenanschlägen und etwas Sphäre. Burnski bedankt sich mit Packing My Bags für das vorherige Outro, lässt er doch die hohe Perkussion drin. Nicht mal 1:30 Min. lang, dann wird alles über den Haufen geworfen.

Bekannte Melodie in Ilijah Rudman und Ocean Colour; Wimmersounds und Elektrowellen umspülen den Hörer. Etwas soft, etwas 80er, Keyboards. Zwielicht wird am Schluss zu setzt krass ein. Didier Sinclair & Chris dürfen mit Pi Devation Atmosphärenhintergrund Traurigkeit entfachen, aber wie eine Spirale nach oben schraubend, verheißungsvoll. Will Saul & Tam Cooper machen durch Through The Smoke damit Schluss. Harte Fakten sind gefragt. Schaurig, eiskalt. Und auch leicht nervig. Die ersten weiblichen Vocals kommen einem mit Luama – Tessio entgegen. Der Freundin gefällts (“Da ist endlich mal ne Stimme dabei” – O-Ton), aber es ist nichts, was man nicht aus zahllosen anderen Kaugummiautomaten kennt.

Jim Rivers serviert uns endlich mit By Any Means das, worauf wir gewartet haben. Kompromisslosigkeit, sauber und exakt. Schnelles Klopfen, variabel, nachdrücklich, soft und hart abgefert. Erinnernd, bedingungslos. Sphären unterschwellig einsetzend. Eine Ohrmaschine die keinen Rost kennt. Kurze Breaks, dann sofort pünktlich wie eine marsianische S-Bahn weiter im Programm. Mit The Viewers und Streethorn gehts in den Großstadtdschungel. Kurze Flöten, hohes Antippen. Bleibt brav. Scope stampfen unverzüglich mit Strung Out (2009 Mix) los. Deftig, schmetternd; dumpfe, monotone, aber passende Melodie. Lemon Popsicle – Zavaaie – unternimmt den Versuch, den Vorbau etwas abzudämpfen, stampft dabei die Melodie ein. Für eine Minute. Z’S Company macht da mit Drop Kick Bass weiter, und lässt auch mal eine männliche Vocal rein. Es bleibt beim Standard Kick Drum. Nochmal Gesang am Ende. Synthi Drums, Bedrohung, weibliche Stimme. Alles bei Beanfield Feat. Bajka – Tides. Wie schon zuvor eher ein track für die zuhörende Freundin. Unerfreulich lang, mit über 5 Min.

Rockers Hi-Fi verbreiten gute Stimmung. dank Push Push. Etwas womit man sich identifizieren kann. Strand, Wasser, Gesang. Weiche Drums. 3:40 reichen gut aus, und lassen uns mit Erwartung zurück. Jim Rivers lehrt uns eines besseren, durch Forget About It. Minimal Style, Szenenwechsel im letzten Viertel. dann darf Tom Burden etwas fragwürdig experimentell ran, durch Tree Dance. Kurz darauf erschreckt Jim Rivers und Vibrant mit hohem und lauten Intro, das zum Outro der ersten CD wird. Noch einmal auf die Folter spannen, aber gleichzeitig durch die Perkussion entspannen lassen, hin- und her. Helles Aufschreien, dann wieder Besinnung. Minimal.

UNKLE – Heaven – mit höherem männlichem Gesang, vorwurfsvoller, steriler Synthies. Kabuto & Koji zerstören mit Drunken Slumber das Einlullende. Umhertrudelnde, wirre Töne. DJ Yellow Presents Mindz Kontrol Ultra – Space Soon To Vanish – und damit ein immer stärker, höher werdendes Chaos der Bedrohung. Nobou Ittetsu macht mit Flow gekonnt aus Einzelstücken und Relikten der vorherigen tracks eine Perlenschnur des Rhythmus. Und dann darf Aril Brikha mit seinem abgewandelten track Deeparture in Time einsteigen, einem Klassiker, der wir dankbar aufnehmen, und den wir kennen. Aber nur für kleine 30 Sekunden. 16 Bit Lolitas Presents Glowfield formen ihn nämlich mit Moiemaker um. Drin enthalten sind Stör- und Harmonieelemente, die anfangs noch mit Brikha Riffs vermengt werden. Am Ende leicht nervig.

Plasmic Honey – Jungle – geben sich einminütiges Stelldichein, unscheinbar, geklopft, weich gemacht, bevor es mit Itamar Sagi – One Million Oaks endlich sachlich wird. Erinnert etwas an XMix tracks aus den 90ern, mit befriedigender Länge. Christopher Manik – Take it back, lüftet das Lied mit seichter Art. Badler & Dualton werden richtig minimal durch Glow. Leicht öde. Nick Muir spielt mit Hundreds And Thousands rum, es bloeibt aber bei einer akustischen Null. Guy J haut Trance mit Lamur rein. Ohne Aha Effekt. Dank Claes Roséns Captivating gibts endlich wieder etwas tech und Spannung. Da verzeiht man erleichternd die etwas zu saubere Note. Pesticide von Clinton Brown & Miltas ist eklig, ist Pestizid, vom Klangbild her sehr treffend, und schnell. Jim Rivers dudelt danach leider etwas langweilig mit Stone auf uns ein.

André Kraml Deat. Shad Privat nehmen uns auf eine Safari mit. Für eine Minute. Und die präsentiert sich schlicht. Ein Zebra. Ein Baum. Endlose Steppe. Entschädigung wiederum durch Avilo und dem Lied Rubicon. Schaurig am Ende, nüchtern zu Beginn. Wenigstens etwas für die Cochlea. Tarantella gibt sich zurückhaltend aber wandelbar mit Karma. Schwach auch der track von Paul Woolford: Heirbas. Wie ein Klangrestprodukt von DJ Sasha.


Deeparture in Time
Deeparture in Time
Wird angeboten von EliteDigital DE
Preis: EUR 62,95

5.0 von 5 Sternen tech house Referenz, 16. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Deeparture in Time (Audio CD)
11 tracks des iranisch stämmigen House / electronic Musikers Aril Brikha.

Die CD gilt ebenfalls als schwieriger zu bekommen.Es handelt sich um progressives, technisches House, mit einem Hang zum Chillout / Ambient.

embrace - track 1: Kühle Nachtluft, die vor Spannung elektrisch in unserer Nase zittert. Astrophobische, mit dem Beat nachgedämpfte Segmente, die fließen. Durch Autobahntunnels bei Nacht. Ziel: Unbekannt. Mit Otill erreichen wir die Großstadt. Unsere Gesicher spiegeln sich ungläubig in den Schaufenstern, Ampeln schalten unermüdlich, von den Rücklichtern bleiben nur Streifen, dazwischen unzählige Blinker von anderen Wagen. Dampf in den Straßen, hergeweht aus Gullis der Nebengassen. Gesetzt aber doch leicht. Helle Hi Hats, Snares, Sticks. Erschöpft von der Fahrt und den Eindrücken, im Halbschlaf mit sweet lullaby. Das Herzpumpen, das Zirkulieren des Bluts vor den Augen, in den Lidern. Aus dem Hintergrund der Beat, wie schneller Regen. Und dann empfängt uns read only memory. Immer wieder kehrende Klangfolgen. Scharf geschnitten, auf und ab, in schneller Abfolge. Synthetisch, unnatürlich, der Großstadtpuls. Elektromagnetisch.

groove la chord (the other side) hoch gepitchte, verspielte Sounds, als Hoch-und-Runter Melodie. Kompromisslos wie ein chaotischer Barbesuch, bei dem wir aber dennoch auf die Uhr schauen. Denn on and on will uns benebeln und entführen. Es gibt nur noch Bewegung, kein Innehalten. Was wir auch sagen, tun, es ist Teil des Rhythmus. Nur so werden wir verstanden. Noch extremer, aber in der Gesamtstimmung ausklingender, als groove la chord, ist setting sun. Und der Titel sagt auch alles zum Gemüt, das wir beim Hören dieses tracks haben. Chillig. Wir steigen um, anderes Gleis. In Zeitlupe fährt der Zug ein. Spannung. Lange Töne, sich in der Höhe verlierend, sphärisch, plötzlich endend, wieder beginnend: Deeparture in Time ist da. Erst nach über ein und halb Minuten die wohlverdiente Entladung. Schnörkellose, sterile Beats. Brückenpfeiler, Regen, Häuserschluchten, Gehwege, rote Autos, Regenschirme. Neon.

Hart im Nehmen ist groove la chord, das Original. Obwohl wir unausgeschlafen sind, sind wir aufnahmefähig. Die Lage ist ernst, wir wissen nicht, auf welchem Bahnhof wir sind. Wie von Geisterhand verschwindet die Stadt, mit ihr das Bekannte. Ein Verwirrspiel der Farben und Formen taucht am Horizont auf. Was unten war, ist nun oben. Eiskalt, maschinell, schnell vorgearbeitet. Und nun wissen wir, warum wir so fluchtartig unterwegs sind, seit dem ersten Lied. Der Grund heißt Headhunter: Flucht, Vertecken, Reizüberflutung. Wie ein Jojo schnellt dieses Stück voran. Entspannung kommt als Perkussion und bleibt als Melodie. Und mit ride werden wir abgeführt, sehen die Stadt nochmal. Diesmal aus einem anderen Fenster.


Consumed
Consumed

5.0 von 5 Sternen Akustische Simulation des Verbrauchs, 16. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Consumed (Audio CD)
Plastikman nennt sich auch Richie Hawtin. Ich bevorzuge ersteren. Das Album “Consumed” war mein erstes von ihm. Seit zehn Jahren höre ich es regelmäßig. Denn es ist geradezu außergewöhnlich steril. Selbst schon die Verpackung: Ein dunkelblauer Strich, nur erkennbar durch eine Aussparung im schwarzen Pappschuber. Es gibt nichts zu entdecken. Die CD ist “abkonsumiert”, noch vor ihrem Öffnen. Die Musik besteht aus minimalsten Drums, Hi hats, kaum Melodie, alles wirkt extrem dumpf, diffus, abgeflacht. Musik nutzt sich beim Hören ab, irgendwann kann man es nicht mehr hören. Consumed meint das wörtlich. Als ob jedes einzelne der 11 Lieder früher einmal ein “richtiges” Stück gewesen wäre. Doch das Hören hat alle tracks abgenutzt.

Übrig bleibt nur eine Art Rest, der aus dem allernötigsten besteht, was Musik ausmacht. Und das macht dieses Album aus. Contain gibt sich pragmatisch, macht uns mit etwas Echo und regelmäßigen Synthi-Herzschlägen irgendetwas klar. Dazu kommt ein schnellerer Puls. Eine Kontrolllampe scheint zu leuchten, Echo flattert durch den Tunnel. Contain bedeutet beinhalten. Aber was beinhaltet dieser Stück? Lediglich die reduzierte Aussage, dass es etwas beinhaltet. So klar wie Malewitschs schwarzes Quadrat auf weißem Hintergrund. Consume macht so weiter, aber schneller. Es geht nur ums Konsumieren. Leichtes Anschlagen, jedoch nachdrücklicher, dazu beschleunigtes, futuristisches Froschquaken – anders kann ich es nicht beschreiben.

Durch die hohen Töne wenigstens ein Einsatz von Melodie, Dramatik. Passage [in] lässt uns in eine Brandung aus Elektronik mit Wellengang eintauchen. Und in cor ten gibt es Herzschlag, aus den Ohren, aus den Blutgefäßen, ein Aufpumpen unserer Rindenfelder – was man hört, wenn man taucht, und Druck sich aufbaut. Leichtes Klingeln, das an das entfernte Fahren eines alten Zuges erinnert, Räder die sich drehen. Das Echo bleibt. Convulse [sic] Spacige Töne erschaffen ein verzerrtes Bild, das uns erschüttert, verunsichern, erzeugen Brechreiz. Schritte nähern sich… Ekko ist da, background dazu, in Form von mehreren rhythmischen Begleitschlägen, dazu noch stärkerer Nachhall. Ernst wird es mit Converge (unbedingt das Musikvideo dazu ansehen “Plastikman – Converge”).

Ein Spaziergang durch den Wald, ein Dimensionstor, ein Mann flieht, ein Autounfall, er wird operiert, sieht danach die Welt mit anderen Augen. Mysteriös? Aber auf surreale Weise passend zum akustischen Treiben dieses Stücks. Ein Pendel, das hin- und her schwingt. Verfremdeter Hintergrundchor. Locomotion ist das unruhigste Lied von allen, und ähnelt am Meisten einem Lied: Schnell, reibend, konträre Töne, Snares, die Hi Hats. In Side kehrt wieder zurück, in das Konsumierte. Typisch Richie Plastikman: Fragmente, zusammengeschüttet, kompromisslos. Abgefederte Drums, ein monotoner Ton, wie eine Tuba, die nicht aus sich herauskommt. Consumed verbreitet Krisenstimmung, als ob der Kopf im inneren in Flammen steht; ein Alarm.

Ein Signal, das uns zeigt: Wir haben gegessen, wir haben gehört, wir haben konsumiert. Hohe, sterile Töne, ein Becken eines Schlagzeuges wird angestrichen, im Dauerfeuer. Und im letzten Teil blitzt tatsächlich etwas Melodie hindurch, wir dürfen noch einmal unseren Bauch / Ohr vollschlagen, es darf konsumiert werden. Bis uns passage out in den Schlaf wiegt, in welchem wir verdauen.


Toy Commander
Toy Commander

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Virtual Kindheit, 16. April 2013
= Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Toy Commander (Videospiel)
Virtuelle Freiheit und Interaktion – die erste Gedanken 1999 beim Spielen der Toy Commander Demo auf Dreamcast.

Der MG-Jeep: Von einem Radiergummi ausser Gefecht gesetzt.
Der Helikopter: Zerstört durch eine Bleistiftmine.
Und der Panzer? Ist in ein Reissnagelfeld gebrettert…

Es herrscht Spielzeugrevolte, man braucht euch! Plastiksoldaten nehmen Kuscheltiere ins Visier, Panzer fahren auf, setzen Häuser in Brand, Bomber-Repliken werfen explosive Ladungen auf Züge, zwischendrin finden Wettrennen mit Bus und Formel1-Wagen statt – und ihr als Toy Commander müsst wieder Ordnung herstellen. Um das zu erreichen, nehmt ihr je nach Mission in einem oder mehr der über 40 Fahr- / und Flugzeuge Platz. Die steuern sich auch unterschiedlich, so beschleunigt der Jeep recht flott, mittels “R”-Trigger, wobei der “L”-Schalter der Verlangsamung dient. So weit so gut, steuert ihr allerdings mittels beidem und “Analogstick” eine Rampe an, um bspw. ein Extra zu bekommen, kann es sein, dass ihr vorbeirauscht, oder dagegen kracht. Warum? Die Steuerung ist etwas ungenau, das Fahrzeug scheint ein bisschen wie auf Schienen zu fahren -> extrem Arcade-lastig.

Zudem fliegt das Vehikel in Kurven nicht um, bleibt also immer schön auf der Linie. Dennoch habt ihr viel fahrerische Freiheit: Fahrt dank der erwähnten Rampen an der Wand entlang, bis zur Decke, zwischen Cornflakespackungen, oder zwischen der Glut des Kamins. Der “A”-Knopf feuert euer Maschinengewehr ab (unendl. Munition), der “B”-Button Raketen, Minen oder Bomben, zwischen diesen drei Optionen wählt ihr mit “Y”. “X” ist für den etwaigen Fahr/Flugzeugwechsel vorgesehen – im Multiplayer fahrt ihr hierfür einfach in den bereitgestellten Hangar.

Ausser den Fahrzeugen könnt ihr selbstverständlich noch Helikopter oder Flugzeuge steuern. Bei den Rotor-Geräten wird allerdings mittels “Analogstick” Gas gegeben. Ihr könnt nach hinten und zur Seite sehen, sowie alles durch Einsatz des “Digi-Kreuz” aus drei Perspektiven an euch vorbeiziehen sehen (inkl. Egoperspektive). Das bringt im Kampfjet plus grossem TV eine geniale Stimmung auf (Thema “Loopings”). Bis auf das MG müsst ihr die offensive Waffen einsammeln, haltet also nach Icons Ausschau. Jede der vier Waffen lassen sich nach dem gleichen System in drei Stufen upgraden, so werden aus den 08/15-Radiergummi-Bomben richtige Tipp-Ex-Hammer, die gehen noch mehr ab und richten mehr Schaden an. Ebenso die 3er Filzstift-Raketen, oder die gelben Super-Reissnägel. Dennoch wäre eine grössere Auswahl, gerade im Multiplayer, sehr vorteilhaft gewesen.

Defensive Gimmicks gibt es, sie sind nicht minder nützlich: Der Turbo bringt euch kurzzeitig auf die doppelte, bis dreifache Geschwindigkeit (so entkommt man leichter aus brenzligen Situationen), und an den Sprit muss natürlich auch gedacht werden. Jedes Vehikel verbraucht unterschiedlich schnell Benzin oder hält mal mehr, mal weniger Treffer aus. Die Wahl von eben diesen wird stets vorgegeben, ihr seid zudem gezwungen, zwischen ihnen zu wechseln, denn ein Panzer kann nun einmal keine “Bewohner” befördern, ganz im Gegensatz zu einem “Touristenbus”. Achtet aber unbedingt darauf, dass euch die Fahrzeuge nicht zerschossen werden. Und nicht nur darauf, sondern auch auf den Radar rechts oben.

Das Ganze gibt’s bunt serviert, an den verschiedensten Stellen in den insgesamt neun Level (mit jeweils sieben internen Missionen), welche über das ganze Haus verteilt sind; inkl. geheimer Bonusmission nach Spielende. Ihr kämpft euch vor, von der riesig wirkenden ‘Küche’, mit herabstürzenden Joghurtpackungen, einer Maus und Katzenklo, ins ‘Kinderzimmer’, mit Puppenhaus und Befreiung einer Spielzeugstadt von Besatzern, samt zu vernichtenden Gozilla-Verschnitt, befahrbarem Parkhaus und Hochhäusern. Von da an geht’s ins ‘dritte Level’ mit Klo-Waschbeckenverbindungstunnel, Treppe und zu zerstörenden Kakerlaken, samt Muttertier. Ausserdem stinken hier ein paar Turnschuhe, sogar die Spielzeugkühe auf dem Bauerhof fallen in Ohnmacht, ihr müsst das beseitigen! Das ‘Elternschlafzimmer’ ist hingegen von der Architektur her relativ unspektakulär, dank den Missionen aber doch sehr knackig (gebt einem Konvoi Geleitschutz).

In der ‘Werk-Garage’ warten Werkzeugbank, Abfluss, ein zweites Zimmer samt PC, und anderen Dingen auf euch: Befreit z.B. die Prinzessin im Wasserschloss und findet den Schatz. In einem der grössten aller Level, dem ‘Wohnzimmer’ samt Fernseher, Dreamcast (!), Kaminverbindung, Aquarium, und Cocktailbar.

Hier erwarten euch die “spacigsten” Aufträge, wie Planeteneroberung oder Evakuierung und Gefängnisbefreiung. Ein Billiardtisch mit rollenden Kugeln steht hier übrigens auch herum, und auch sonst könnt ihr euch interaktiv betätigen. Auf dem Dachboden rettet ihr einen Freund vor dem Flammentod, indem ihr regelmäßig Wasser ladet und von eurem Löschflugzeug abwerft. Der ‘Keller’ beherbergt schließlich alle übrig gebliebenen Endbosse, samt Oberchef “Hugolin der Bär”. Jedes Level wartet nämlich mit einem Endboss auf, den ihr meist in mehrere Teile zerlegen müsst. KI-mäßig ist da nicht viel los, meistens halten die Gegner einfach drauf, komplexere Flug-/ Lenkmanöver seht ihr selten. Habt ihr das bei einem oder mehr geschafft, könnt ihr ihn im finalen Endkampf gegen Hugolin einsetzen. Werden mindestens vier Geschwindigkeitsrekorde in den Missionen gebrochen, und das in jedem Level, wartet die eingangs erwähnte Bonusmission.

Mission, Mission.. das bringt uns nicht zur Missionierung, sondern zum Missionbriefing. Das nimmt’s nicht immer sehr genau mit der Erklärung von Primär- und Sekundärzielen. Meist wird irgendwie um den heißen Brei herumgeredet. Ob’s an der Übersetzung lag?

Die angesprochene Interaktivität, ob sinnvoll eingesetzt oder nur aus Spass, wird in Toy Commander sehr gross geschrieben. Alles kann physikalisch relativ korrekt simuliert, zerstört oder umgestoßen werden: Das können Stilglässer sein, oder ein Schwamm, Spülmittel, Toast, Kohlestücke am Kamin, Flaschen, Farbdosen, Spielzeughäuser, Spielzeugautos, Eier oder Besteck. Fast alle zerspringen oder fangen nach Beschuss zu brennen an, bewegen sich, und wackeln noch nach. Oder ihr schaltet die Lichter in den Räumen ein und aus, ärgert die Fische im Aquarium oder die Katze in der Küche (Star Wars AT-AT Feeling…). Wie wär’s mit dem Betätigen des Power-Knopfs am Fernseher? Rollt die Billardkugel ins Loch, schaltet Wasserhahn und Herd ein, oder betätigt den On-Button für den PC.

Sinnvoll eingesetzt wird die Interaktivität auch in den eigentlichen Missionen, bspw. um Eier mittels Panzer im Topf zu kochen, oder Zucker in den Kaffee dank Helikopter fallen zu lassen. Auch wenn sich das alles sehr kreativ anhört, so ist doch ein Grossteil des Spiels Search & Destroy.

Das Spiel wird leider mitunter frustig, u.a. weil die Zeit stellenweise knapp bemessen ist. Je nach Mission geben euch auch noch fiese stationäre Geschütze Saures. Bis sich dann mal ein Medikit regeneriert hat, ist euer Flieger samt Fallschirmjägern an Bord schon längst Vergangenheit. Die Steuerung macht bei Balance-Akten auch Zicken: Fahrt mal mit einer der Kisten auf dem Dachbalken, bei gleichzeitger Turbo-Aktivierung… man hat dadurch manchmal das Gefühl, das Fahrzeug nicht richtig zu beherrschen. Das macht sich vor allem in den wenigen Rennaufgaben bemerkbar: Da werden die Schanzen nicht 100%ig genommen, oder aber ständig gegen die Bande gefahren. Mit der Zeit hat aber der Durchschnittsspieler den Bogen raus.

Was hingegen absolut stimmt, ist die Grafik. Detaillierte Texturen auf Postern und glänzenden Oberflächen, Authentizität wird auch durch Beschriftungen auf Anlagen, an der Vorderseite des gigatisch wirkenden Klavierflügels oder auf der im Spiel “versteckten” Saturn/Dreamcast-Konsole (!) erzeugt. Die Reifen der Fahrzeuge bewegen sich, Flugzeuge und Helikopter hinterlassen “Kondensstreifen” an den Flügeln, und die Raketen geben einen Schweif ab. Die Explosionen von Bomben erzeugen einen kleinen Pilz und eine temporäre Brandspur. Auf dem Boden macht sich allerdings das Bi-lineare Flitering deutlich bemerkbar, ist aber zu verschmerzen. Alle Modelle sind realistisch modelliert, nur die Flugzeuge haben an Spielzeug angelehnte Proportionen. Kassiert ihr oder der Gegner zu viele Treffer, fängt das Chassis an in zwei versch. Phasen zu rauchen.

Sehr gut gefallen auch andere Details, wie das Modellschiff in der Werkstatt, welches viel grösser als euer Helikopter ist, das ihr aber dennoch umstoßen könnt. Die wenigen, kurzen Cut-Scenes erzeugen bspw. mit einer kurzen Kamerafahrt über eine Festung, eine dichte Atmosphäre. Auf einen Grossteil der interaktiven Umgebung müsst ihr leider im Multiplayer (1-4 am System) verzichten, war wohl nicht anders machbar. Ansonten punktet der Mehrspieler-Mode trotz der kargen Auswahl an Optionen: Entweder CtFlag, Deathmatch oder Katz und Maus. Hierzu stehen alle erspielten Arenen samt Interaktions-Beschneidung bereit, dafür mit völlig freier Fahrzeugauswahl – super! Ihr könnt euch in Teams aufteilen: Der eine hockt im SU-Jet, der andere lenkt die Walze und schnappt sich die Fahne. Meiner Meinung nach auch heute noch interessant; sicherlich auch dank der interessanten Umgebung und den damit einhergehenden Versteckmöglichkeiten.

Zu den üblichen Gadgets gesellt sich dann übrigens auch noch ein Beam-Punkt.

Soundmäßig untermalt wird das alles mit passenden Dancefloor-artigen Pop: Guter Bass und Charts taugliche Melodien erzeugen mal ein Western-Ambiente, mal eine gruselige Stimmung oder einfach nur eine fetzig-lockere Atmosphäre. Ablenken tut das nicht, sondern fügt sich gut ins Spielgeschehen ein. Die Raketen fauchen Star Wars-ähnlich an euch vorbei (je nach Upgrade), genauso wie Maschinengewehr oder ein sich drohend nähernder Bombenteppich. Da kommt besonders im Multiplayer “Kriegstimmung” auf. Moral: Toy Commander ist auch soundtechnisch perfekt auf die Geschmäcker der Spieler abgestimmt. Und sonst? Auf den damaligen Demo GD’s des offiziellen Dreamcast Magazins (und später auf denen der Dreamcast Total) gab es zwei Bonusmissionen zu Toy Commander. In einer steuerte man u.a. einen Weihnachtsmann… bis ins Klo…

Ein weiteres Spiel von No Cliché existiert noch auf Dreamcast: Toy Racer. Dies ist ein pures Rennspiel, teils mit den Vehikeln aus Toy Commander plus ein paar Bonuswaffen, und ist eigentlich für Online-Rennen gedacht (offline ziemlich witzlos). 3,- DM pro Spiel gingen damals wenigstens an schwer kranke Kinder. Das ist die innovativste Idee, die je ein Videospiel hatte. Das Entwickler-Team hatte noch vor, den Adventure-Titel Agartha fertigzustellen und zu veröffentlichen. Mangels materieller Mittel seitens SEGA, löste sich das Team auf – schade.


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