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Beiträge von Marc Ahlburg
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Rezensionen verfasst von
Marc Ahlburg (Nürnberg)
(REAL NAME)   

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Sven Väth in the Mix: The Sound of the Sixteenth Season
Sven Väth in the Mix: The Sound of the Sixteenth Season
Preis: EUR 17,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Jahr für Jahr konstante Lieferung feinster Technoklänge, gekonnt gemischt, 18. Dezember 2015
Sven Väths Mixsessions zum Jahresabschluss kaufe ich mir immer mal wieder gern, besonders in den letzten Jahren wieder intensiver. Begonnen habe ich (man ist das lange her) mit der zweiten Season, bei der mich vor allem die Night-Session geflasht hatte und es auch heute noch macht. Die Scheibe war, ist und bleibt der Knaller. Die Jahre danach habe ich aber aufgrund der etwas experimentelleren dritten Season-CD ausfallen lassen und bin erst wieder bei der 12. eingestiegen. Dieser Sprung in der Art, wie Sven seine Mixe arrangiert und anhand der Stilrichtung generell ist schon arg krass gewesen, aber man muss auch bedenken, wie sich Techno und seine Spielarten entwickelt hat.
Nun also die 16.Season und der Stil hat sich seit der zwölften nur noch marginal auf konstant hohem Niveau verändert. Väth versteht es wie kein zweiter eine Stimmung aufzubauen und diesen Spannungsbogen auch aufrecht zu erhalten. Die Aufteilung beider CDs in einen etwas technoideren Part auf der einen Scheibe und housigere Abkömmlinge auf der anderen gefällt mir immer noch gut, auch wenn ich der Technovariante mehr abgewinnen kann. Alles in allem sehr stimmig abgemischt, jedoch mit Ausnahmen, weshalb ich auch einen Stern abziehe. Väth war für mich immer einer, der den Tracks Raum zur Entfaltung ließ. Hektik war in seinen Sets in meinen Augen ein Fremdwort. Die Übergänge perfekt austariert. Doch bei dieser CD wirken mir manche Übergänge zu gehetzt und auch mancher Track wird sprichwörtlich wie die Sau durchs Dorf getrieben.
Alles in allem ist es aber wieder ein sehr höhrbarer Mix geworden und ich hoffe, dass der Babba auch noch ein paar Jahre weitermacht, um uns das Ende des Jahres mit seinen MixCDs zu versüßen.


Signs Under Test
Signs Under Test
Preis: EUR 16,86

5.0 von 5 Sternen Träumerisch verspielter Techno - funktioniert zu Hause und im Club, 26. November 2015
Rezension bezieht sich auf: Signs Under Test (Audio CD)
Auf "Signs under Test" bin ich eher zufällig gestoßen, als ich die Besprechung zu diesem Album auf einer Seite für elektronische Tanzmusik las und mich von der dort gezeigten Begeisterung überzeugen ließ. Zurecht, wie ich nach den ersten Hörerlebnissen befand. Melancholisch treibend und fröhlich verspielt präsentiert Tejada auf diesem Album Tracks die unter die Haut gehen. Sie funktionieren auf dem heimischen Sofa zum entspannen genauso gut wie im Club zum abgehen. Es sind zwar keine abgefahrenen neuen Sachen, die durch die Boxen gehen, aber Tejada arrangiert die Stücke so vielschichtig, dass es einem beim Hören warm ums Herz wird und man immer wieder neue Spuren elektronischen Treibens entdeckt. Schon allein das erste Titel "Two o One" gibt die eigentliche Richtung des Albums vor -zart, verspielt, detailliert, aber trotzdem irgendwie treibend und klar strukturiert. Es zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album und variiert diese Adjektive immer wieder neu. Es wird dabei nie langweilig, kein Track klingt wie der andere, auch wenn die Klangfarbe der meisten Tracks ähnlich ist. Für mich eines der besten Alben des Jahres. Meine Anspieltipps: "y 0 why", "Beacht", "Vaalbara", "Rubric"


Collide
Collide
Preis: EUR 7,99

5.0 von 5 Sternen Techno, wie er im Jahr 2015 sein muss, 19. November 2015
Rezension bezieht sich auf: Collide (MP3-Download)
Florian Meindls Schaffen verfolge ich schon seit (ich glaube) 2006, als ich die ersten Tracks von ihm und vor allem seine Mixe auf dem Internetportal play.fm hörte. Schon damals nahm er mich mit seinen teils energetischen Tracks und die Art seiner Mixe gefangen, die auf eine sonderbare Art und Weise wie alle anderen waren und doch so anders. War es anfangs alles sehr technoid, was er produzierte und mixte, kamen auch nach und nach housigere Elemente in seine Titel, was er in seinem ersten Album Waves formvollendet zusammenfasste.
Nun kehrt er mit seinem zweiten Album Collide zu den technoiden Wurzeln zurück und verfeinert seine Stücke gegenüber der rohen Kraft seiner Erstlinge. Alle Titel auf diesem Album sind druckvoll und gehen ins Ohr und von da ins Tanzbein. Es ist eigentlich kein Track dabei, bei dem man nicht sofort mit dem Kopf nickt oder mit dem Fuß wippt. Manchem mag das zu monoton sein, was er da hört, aber wer Techno mag, wird hier die Nuancen heraushören, die das komplette Album so besonders machen – gerade im Jahr 2015, in dem mehr und mehr elektronischer Musikschrott die Radios erobert und mit solchen Werken dagegen gehalten werden muss. Favoriten habe ich auf diesem Album keine, denn jeder Track hat auf seine Art etwas. Near Unison mit seiner beschaulichen Art und schrägen Melodiebausteinen, Collide mit seinem Spannungsaufbau, All those Moments für seinen Abgehfaktor, In Trouble für seine treibenden Elemente trotz wenig bpm und so könnte man es weiterführen. Es ist jetzt kein Album, welches Preise abräumen wird, selbst im Bereich der elektronischen Musik nicht, dafür verfolgt es keinen Ansatz der Weiterentwicklung. Dafür ist es ein Album geworden, dem man anmerkt, welchen Spaß Florian Meindl mit seiner Musik hat, wie er Dinge ausprobiert und in seinem eigenen Kontext weiterentwickelt. Es ist tanz- und hörbar geworden und kann in den versifften Kellern beziehungsweise in den engen, verschwitzten Clubs dieser Welt rauf und runter gespielt werden.


Böser kleiner Junge (Kindle Single)
Böser kleiner Junge (Kindle Single)
Preis: EUR 1,99

4.0 von 5 Sternen Böse kleine Kurzgeschichte, 4. September 2015
Stephen King war im Herbst 2013 auf Deutschland- und Frankreichbesuch, um sein damaliges neues Buch „Doktor Sleep“, den Nachfolgeroman zu „Shining“, vorzustellen. Überwältigt von der Gastfreundschaft und der allgemeinen, wohlwollenden Stimmung, die dem Meister des Horrors entgegenschlug und die ihn nach eigenen Angaben ziemlich begeistert hat, setzte er sich an den Schreibtisch und schrieb ein kleines Dankeschön an seine Fans in Deutschland und Frankreich. Herausgekommen ist diese Kurzgeschichte, die nur in elektronischer Form veröffentlicht wurde. „Böser kleiner Junge“ beginnt, wie immer bei King, ganz harmlos mit einem Besuch des Anwalts Leonard Bradley bei seinem Klienten George Hallas. Hallas sitzt in der Todeszelle und erwartet die Vollstreckung seines Todesurteils, was kurz bevor steht. Bradley besucht seinen Klienten, um einen letzten, hoffnungslosen Versuch zu unternehmen, seine Todesstrafe hinauszuzögern oder gänzlich zu verhindern. Ein eigentlich hoffnungsloses Unterfangen, da George Hallas gegenüber Bradley nicht sehr redselig war und kaum ein Wort ihm gegenüber verloren hat. Doch heute, im Angesicht des nahen Todes, sprudelt es aus Hallas plötzlich heraus und er will seinem Anwalt die volle Geschichte erzählen, wie es dazu kam, dass sich die beiden Männer nun gegenüber sitzen. Bradley wittert noch eine letzte Chance, um seinen Klienten zu retten und hört Hallas aufmerksam zu. Doch was George Hallas ihm zu erzählen hat, ist keinesfalls die Art von Unterhaltung, die Bradley erwartet hat und dennoch lässt ihn diese Geschichte nicht los und er möchte alles wissen. Alles begann, als George Hallas 9 Jahre alt war und mit diesem Jungen mit seinen karottenfarbigen Haaren und der komischen Propellermütze auf dem Kopf.

In dieser Geschichte wird relativ schnell klar, worum es geht, warum Hallas im Todestrakt sitzt und auf die Vollstreckung seines Todesurteils wartet – das suggeriert allein schon der Name dieser kurzen Geschichte. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass es kaum überraschendes an Handlungswendungen gibt. Relativ geradlinig wird der Hergang durch Hallas selber erzählt, der die Vergangenheit wieder lebendig werden lässt. Diese Episoden werden, meist kurz, durch die Gegenwart unterbrochen, in der ein neutraler Beobachter die Situation zwischen Hallas und Bradley beschreibt. Und obwohl man weiß, was passiert, kommt der Horror in kleinen Schritten und auf kleinen Beinen auf einen zumarschiert und man mag kaum glauben, was da alles in diesen knapp 50 Seiten passiert und vor allem, wie es passiert. Ein bisschen erinnert das an „Needful Things“, nur das der Anstifter in der Gestalt eines kleinen Jungen daher kommt und sich mit Hallas auf eine Person beschränkt, der er schreckliches wiederfahren lässt. Die große Stärke Kings, besonders auf dieser kleinen Zahl an Seiten, ist es, eine Stimmung in wenigen Worten herauf zu beschwören, die einem Schauer über den Rücken jagen lässt. Allein wie er den Todestrakt und das ganze dazugehörige Gelände beschreibt, lässt einen schon in die Geschichte saugen und erst nach knapp einer Stunde, wenn man am Ende angelangt ist, wieder ausspuckt. In meinen Augen ist er, was dieses Beschreiben von Stimmungen und Umgebungen angeht, einer der besten seiner Zunft. Auch in dieser Kurzgeschichte lässt er diese Stärke wieder heraus und präsentiert uns eine Horrormär um einen armen Tropf, der von einem dämonischen kleinen Jungen zu einem Duell herausgefordert wird. Wie sich Hallas der Herausforderung stellt wird relativ schnell deutlich, aber wie King diese Situation durch Hallas erzählen lässt, ist starker Tobak und eindeutig der Höhepunkt des Buches, lässt einen aber auch das Blut in den Adern gefrieren, zu was Menschen fähig sein können, wenn ihnen alles genommen wurde. Dagegen kann der Abschluss der Geschichte leider nicht mithalten, da es leider zu vorhersagbar kam. Es steckt aber voller Andeutungen und Fragezeichen, dass man trotz allem darüber nachdenkt, was der böse kleine Junge bezweckt und wer er überhaupt ist.

Alles in allem eine mehr als lohnenswerte Kurzgeschichte von King, die man innerhalb einer Stunde ausgelesen hat. Für Fans sowieso ein Muss und für Neu- oder Wiederentdecker ein guter, kurzer Einstieg in die Welt von Stephen King. Vielen Dank an den “constant writer” für das kleine Dankeschön an die Fans.


Zerteiltes Leid: Liebesroman
Zerteiltes Leid: Liebesroman
von David Wonschewski
  Broschiert
Preis: EUR 13,50

5.0 von 5 Sternen Wenn Liebe in Wahnsinn umschlägt, 4. September 2015
Rezension bezieht sich auf: Zerteiltes Leid: Liebesroman (Broschiert)
Uta Wensch wurde ermordet. Vermeintlich von dem in Haft sitzenden Janusz Jaroncek. Er war zu besagtem Tatzeitpunkt am Tatort, wurde von mehreren Zeugen gesehen und hat der Spurensicherung eine saubere Beweislage hinterlassen. Und doch steht nicht zu 100% fest, dass Jaroncek Uta Wensch umgebracht hat. Aus diesem Grund wird er verhört und von Wissenschaftlern untersucht, um aus ihm eine Art Geständnis zu bekommen. Dabei ist der Polizei jedes Mittel recht, um die Wahrheit herauszufinden. Es entwickelt sich eine Art Kammerspiel zwischen dem Stalker Jaroncek und einer Beamtin, die ihn verhören soll. Doch ist wirklich alles so, wie es scheint?

Janusz Jaroncek ist ein wirrer Typ, ein Eckenplauderer, der seine Wahrheiten an den Straßenecken dieser Welt hinausschreit. Ihm ist es egal, dass keine zuhören will – Hauptsache er ist seine Wahrheit los. Dieser Janusz hat ein Problem, welches auf den Namen Uta Wensch hört. Er ist ihr seit seiner Jugend verfallen und läuft ihr hinterher. Sie, die ihn abweist und nichts mit ihm zu tun haben will, ist das Objekt seiner Begierde. Und trotz aller Abweisungen reist er ihr in ihre Urlaubsdomizile hinterher, spioniert sie aus, schreibt ihr Liebesbriefe. Das geht gut, solange sie seine Avancen einfach ignoriert und an sich abprallen lässt.
Nun sitzt Janusz in Untersuchungshaft, weil ihm der Mord an ebenjener Uta Wensch angelastet wird. In ihrer Wohnung überrascht und gnadenlos ermordet soll er sie haben. Die Arme aufgeschlitzt und sie dann in der Wanne ausbluten lassen. Und trotz einer erdrückenden Beweislast ist die Schuld Jaronceks nicht zu 100% bewiesen. Es ist an einer namenlosen Beamtin, Janusz zu verhören und ihm ein Geständnis zu entlocken. Dabei soll sie ihre weiblichen Reize ausspielen, denn Janusz hat eine Schwäche für die Weiblichkeit und die Frauen an sich. Ein gestörtes Verhältnis zu seiner Mutter (er nennt sie Mummy) und seiner Schwester hat ihn zu einem Weichling werden lassen, der im Anblick der weiblichen Reize nervlich zusammenbricht und keine normalen Handlungen mehr zustande bringt. Dieser Schwachpunkt soll im Verhör ausgenutzt werden, um ihm die Wahrheit über die Nacht, in der Uta Wensch gestorben ist, zu entlocken.

Was passiert, wenn man jemanden begehrt und diesem Menschen jahrelang hinterhersteigt, immer Absagen bekommt beziehungsweise auf eine Mauer aus Ablehnung trifft? Was passiert, wenn dieser jemand sich dann auf einmal umentscheiden sollte und den einen entscheidenden Schritt, den man jahrelang erhofft hat, auf einmal macht und davon überrascht wird? Diesen Fragen geht David Wonschewski in seinem neuesten Roman “Zerteiltes Leid” nach, das als Liebesroman beworben wird, aber keiner im klassischen Sinn ist. Die Geschichte von Janusz Jaroncek und seine Liebe zu Uta Wensch ist gepflastert von Missverständnissen, einseitigen Liebesbekundungen und Ablehnung. Dazu ist Janusz geprägt von den häuslichen Frauenfiguren, die ihn entweder missachten (seine Mutter) oder zu stark vereinnahmten (seine Schwester). Er hatte keine väterliche Bindungsfigur, zu der er aufschauen konnte, da sein Vater die Familie in jungen Jahren verließ.
Vieles verliert sich dabei in diesem Buch in Andeutungen, was ich nicht negativ meine. Man muss sich die Zwischenstücke erarbeiten. Es wird weder die Frage geklärt, warum Januszs Vater weggegangen ist (Krankheit, Frau betrogen, unheilbare Krankheit?) oder ob Janusz Uta Wensch wirklich ermordet hat. Es ist nicht unbedingt die Art Lektüre, die sich nebenbei weglesen lässt oder die man genießt. Es ist ein Buch, wie auch schon sein Erstling “Schwarzer Frost”, das anstrengt, zum nachdenken anregt und den Leser an manchen Stellen auch etwas ratlos zurücklässt. Man kommt ins Grübeln, was Stalking in demjenigem anrichtet, der einer Person nachstellt und es werden mögliche Gründe angegeben, dass es so weit kommen konnte. Was Janusz erwarten wird, wenn diese Geschichte ausgestanden ist, wird nicht geklärt und muss sich im Kopf des Lesers abspielen.
Sprachlich ist dieses Buch gleich und doch wieder anders im Vergleich zu “Schwarzer Frost”. Bei “Schwarzer Frost” stand der innere Monolog im Vordergrund und war dementsprechend in geringen Dosen genießbar. “Zerteiltes Leid” hat auch viel von diesen inneren Monologen und es steht auch eine Art Todessehnsucht im Raum. Diese wird aber ungenauer angerissen, denn das Stalking und seine Folgen steht viel mehr im Vordergrund und wird durch die Gedanken Jaronceks getragen. Aufgelockert wird das Szenario durch die Verhöre der namenlosen Beamtin und durch vereinzelte Liebesbriefe, die Janusz an Uta geschrieben hat und die das ganze Ausmaß des Stalkings erst verdeutlichen. Die drei Formen des Schreibens (Gedankenmonolog, Verhör und Briefe) geben jeweils unterschiedliche Einblicke in die Geschichte, was man erst im Verlauf des Buches mitbekommt.

Das dieses Buch anstrengend wird, konnte ich mir im Vorfeld klarmachen, da schon der Erstling keine einfache Lektüre war. Ich habe eine Schwäche für solche Bücher, in die man eintauchen kann, die man atmet und die einem etwas zum Nachdenken mitgeben. An manchen Stellen muss man schlucken, ob der Charakterisierung der Hauptfigur. Jedoch kann ich mir vorstellen, dass es im echten Leben solche Figuren wirklich gibt und diese auch so handeln, wie in diesem Roman beschrieben. David Wonschewski nimmt dabei kein Blatt vor den Mund und offenbart schonungslos die Gedankenwelt von Janusz Jaroncek. Damit muss man als Leser umgehen können. Hat man danach mehr Nachsicht mit Stalkern? Ich meine nicht, aber man kann sich besser in sie hinein versetzen.


Schwarzer Frost: Roman (Edition Periplaneta)
Schwarzer Frost: Roman (Edition Periplaneta)
von David Wonschewski
  Broschiert
Preis: EUR 13,50

5.0 von 5 Sternen Wenn dich deine eigene Seele auffrisst – Über die seelische Selbstzerstörung, 4. September 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wer David Wonschewskis Roman das erste Mal in die Hand nimmt und das Cover betrachtet, sollte schon einmal gewarnt sein, dass das, was den Leser als Inhalt erwartet, kein leichter Stoff sein wird. In weichgezeichnetem Schwarz-Weiß sind ein Glas Wasser und wahllos verstreute Pillen unbekannter Herkunft abgebildet. Es deutet also vieles auf eine anstrengende Lektüre hin, die es letztendlich auch geworden ist, was ich aber nicht negativ verstanden wissen möchte. Das Buch fordert den Leser heraus, geht an die Nieren und den Verstand. Es ist kein einfaches Buch, denn es behandelt wie selbstverständlich die Themen Suizid, Depression, Misshandlung, Neid, Missgunst und die Folgen aus all diesem. Harter Tobak, der nicht jedem gefallen wird, zu dem ich aber sage, dass es richtig und wichtig ist, auch solche Dinge niederzuschreiben und im Anschluss daran darüber zu diskutieren.

Das Buch ist in einem einzigen langen Gedankenmonolog geschrieben, der nur ab und zu durch Satz- oder Dialogfetzen unterbrochen wird. Wir folgen den Gedanken eines namenlosen “Erzählers” der Besuch von seinem Kollegen Lohwald empfängt und die sich beide nicht ausstehen können. Lohwald und der Erzähler arbeiten beide beim Radio und demselben Sender, Lohwald als Moderator einer Morgenshow und der Namenlose Mr.X als Redakteur, der die Musikbeiträge, unter anderem auch für die Morgenshow, auswählt und für die Sendungen zusammenstellt. Sie beide kritisieren gegenseitig ihre Arbeiten und stehen kurz vor der Schwelle, den letzten Respekt voreinander zu verlieren und aufeinander loszugehen. Der Besuch von Lohwald löst im Erzähler eine Kaskade von Erinnerungen aus, an denen wir teilhaben dürfen/müssen. Da ist zum einen der Suizid seines besten Freundes Moritz, den der Namenlose wie selbstverständlich herbei- und seinem Freund bei jeder Gelegenheit eingeredet hat. Marie ist 6 Jahre lang die Freundin vom Erzähler. Er hat ihr eine Beziehung und Gefühle vorgespielt, doch innerlich darüber gelacht, wie sich Marie einen abstrampelt, um aus dem ‘gewollten Untergeher’, wie sie ihn immer halb liebevoll halb traurig nennt, so etwas wie einen liebenswerten Beziehungsmenschen zu machen. Nach und nach tauchen wir in den Gedankenstrudel des Erzählers, aus dem es kein Entkommen mehr zu geben scheint. Wir blicken immer tiefer in seine Seele, die ‘Schwarzen Frost’ angesetzt hat. So nennt er seinen Zustand, der ihn ohne weiteres seit seiner Kindheit befallen hat. Sogar das Ereignis, welches diesen Zustand des Erkennens und ständig und jeden analysieren müssen ausgelöst hat, kann uns der Erzähler genau beschreiben.
Selbst als Lohwald uns und ihm gegenübersteht und wir ihn in seiner ganzen, verbrauchten Schönheit betrachten können, hören diese Zwiegespräche nicht auf. Im Gegenteil, sie verschärfen sich, schlagen immer schnellere Haken, bis der Erzähler einen Entschluss fasst, der ihn aus seiner Misere befreien könnte – er muss Lohwald töten. Er legt sich auch schon Pläne zurecht, wie und wann er es durchführen könnte und malt sich die Situation aus. Doch etwas lässt ihn zögern, etwas das er als Unheimlich zu erkennen vermag und was ihn mit Lohwald anscheinend verbindet. Es stellt sich aber die Frage, was man noch glauben kann und was den Hirngespinsten und eigenwilligen Interpretationen des Erzählers entsprungen ist.

Dieses Buch ist, wie eingangs schon angedeutet, harter Tobak, dem nicht jeder gewachsen sein dürfte. Ich würde dieses Buch nicht jedem empfehlen und doch sollte es einen noch einem noch größeren Lesekreis erschlossen werden, denn das Thema Depression geht uns alle etwas an. Sei es, weil man selbst betroffen ist oder mit einem depressiven Menschen in täglichem Umgang steht und begreifen muss, wie man mit dieser Krankheit, die niemand sichtlich wahrnehmen kann, umzugehen hat. David Wonschewski kreierte mit Schwarzer Frost ein Buch, dass einem aufs Gemüt schlägt und das nicht unbedingt mit negativ aufgeladener Stimmung gelesen werden sollte. Mit dem namenlosen Erzähler stellt er nicht den sympathischsten Menschen in den Mittelpunkt der Geschichte. Er ist arrogant, großkotzig, allwissend und rücksichtslos und doch steckt hinter alldem eine Art Hilferuf, der mit fortlaufender Lektüre immer lauter wird und der einfach nur gehört werden will. Gerade die Gedanken, die sich um die Vergangenheit drehen, haben anscheinend keinen Anfang und kein Ende. Der Erzähler dreht sich im Kreis, kommt zu keinen schlüssigen Schlussfolgerungen, wie er diesen Kreis durchbrechen soll. Eingangs denkt man auch, er will das gar nicht, denn er badet sich regelrecht im Leid der anderen. Aber das es ihn nervlich fertig macht, begreift er nach und nach und Lohwalds Besuch wirkt dabei als Katalysator des Ganzen. David Wonschewski ist es dabei gelungen, diese Gedankenmonologe in einer faszinierenden Art und Weise niederzuschreiben, dass man trotz der schwierigen Thematik, des schwierigen Charakters der Erzählperson und der sich ständig wiederholenden Vergangenheitsbewältigungen am Ball bleiben möchte. Er findet immer wieder neue Worte und Gedanken, die Spannung in diese Geschichte bringen. Man sieht fasziniert diesem depressiven Charakter zu, wie er sich selbst zerstört und ist am Ende genauso hilflos, wie alle Mitmenschen um ihn herum, die ihn nicht verstehen und nicht helfen können/wollen. Eine befriedigende Lösung wird dem Leser dabei auch nicht präsentiert, so dass man das Buch zuschlägt und ein wenig ratlos zurückbleibt, was man nun mit dem Gelesenen anfängt. Auf jeden Fall ist es ein Gedankenanstoß, sich mit der Thematik Depression auseinanderzusetzen und die Menschen, die so wirken und nach außen grob und unnahbar sind, zu verstehen. Kein einfaches unterfangen, solche Leute an sich zu ziehen und aus ihrem Loch zu holen, aber bestimmt eine lohnenswerte. Ob das beim namenlosen Erzähler möglich wäre oder ob da nur ein anderer Ausweg hilft? Das muss jeder selbst herausfinden.

Dieses Buch lässt mich fasziniert zurück. Hatte ich anfangs meine Bedenken, dass das Gelesene einen herabzieht, hat sich das nicht bewahrheitet, eher das Gegenteil ist eingetreten, dass man das Leben nach so einem Buch wieder ein Stückchen mehr zu schätzen weiß. Der Schreibstil von Wonschewski ist so locker und teilweise bissig humorvoll, dass man diesen Punkt getrost abhaken kann. Er findet mit diesem Buch einen Weg sich mit dem Thema Depression auseinanderzusetzen und sich in dieses hinein versetzen zu können. Dieses Buch liest man zwar nicht locker in ein paar Stunden weg, man braucht seine Pausen, um zu verarbeiten und doch ist es relativ schnell gelesen. Die Verarbeitung nachdem man es zugeklappt hat, braucht dagegen länger.


Amerika-Plakate
Amerika-Plakate
von Richard Lorenz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Brooklyn - Ein Ort, an dem Träume und Geschichten Wirklichkeit werden, 4. September 2015
Rezension bezieht sich auf: Amerika-Plakate (Gebundene Ausgabe)
New York, die Stadt der Träume, des hektischen Lebens, die Stadt in der für viele Amerika begann oder auch endete, die Stadt der Superlative, der wohl berühmtesten Hochhäuser der Welt, die Stadt die niemals schläft und einen auch nicht schlafen lässt. Diese Stadt und davon den Stadtteil Brooklyn hat Richard Lorenz als den Ruhepol seines Romans “Amerika-Plakate” geschaffen. Hier treffen sich die schon Verstorbenen, die noch Lebenden, die, die Träume haben, die Geschichten in sich tragen und diese verwahren oder weiter geben. New York und Amerika sind der Dreh- und Angelpunkt in Leibrands Leben. Wer ist dieser Leibrand? Ich würde ihn als Medium bezeichnen, der Dinge sieht, die anderen verborgen sind oder die nicht gesehen werden wollen. Er ist ein Mensch, der anderen hilft und der selber nur das Ziel hat, die Liebe seines Lebens zu finden und mit ihr glücklich zu werden.

Es ist ein Sommer in den 70ern. Leibrand versteckt sich in seinem Schrank. Er versteckt sich da sehr oft, da sein Vater, dem Alkohol verfallen, seine Mutter schlägt und sicher auch vor Leibrand nichtt zurück schrecken würde. Der Schrank ist daher ein Zufluchtsort für Leibrand, in dem er viel träumt. Sich wegträumt von diesem Albtraum namens Alltag. Er träumt dabei die Geschichten anderer Menschen, die Wirklichkeit sind oder werden, und malt Bilder, hauptsächlich in blauen Tönen, die er als Amerika-Plakate bezeichnet. Eines Tages kommt ein rothaariges Mädchen in die Stadt und auch eine Art Wanderzirkus, mit Leuten, die auf der Suche nach jemand bestimmten sind. Als Leibrand und das rothaarige Mädchen sich begegnen passieren viele Dinge auf einmal, die Realität verschiebt sich und nur ein Kuss zwischen Leibrand und Suzanne, so heißt dieses Mädchen, scheint die Welt vor einer Art Untergang zu bewahren. Ein Mädchen namens Mathilda verschwindet in dieser Nacht und Leibrand muss dieses Mädchen retten und dafür sein Leben “aufgeben” indem er sich auf immer und ewig an Suzanne bindet, die an einem Ort namens Brooklyn, welches dem Brooklyn entspricht, was Suzanne in ihrer Fanatasie daraus macht, eine Art Königin und Geschichtenbewahrerin ist; von Geschichten die sind und die noch sein werden. Die noch nicht geschrieben sind oder auch niemals geschrieben werden.
Danach ist Leibrands Leben nicht mehr dasselbe. Er ist auf der steten Suche nach Suzanne, kann sie nicht vergessen und will sie irgendwie doch nicht finden. Dabei hilft er anderen Menschen ihren Weg zu finden. Sei es, um sie auf den rechten Pfad zu bringen oder sich zu erlösen von ihrem Leid. Leibrand hat diese gewisse Gabe, die nur wenigen zuteil werden. Er mischt sich ein, wo er muss und niemand ist ihm deswegen böse. Alle schauen ihn nur verwundert an und erinnern sich im Guten an ihn. Dieses Leben führt er bis eines Tages der Zufall es will, dass er erfährt, wo Suzanne wohnt und er seine Suche nach ihr fortsetzt.

Inhaltlich mag jetzt auf den ersten Blick alles sehr verwirrend und auch seltsam klingen, was es auf den ersten Seiten auch ist. Es benötigt ein wenig Eingewöhnungszeit, sich auf den Schreibstil des Autors einzulassen. Man hat hier kein gewöhnliches Buch vor sich liegen, bei dem man sich auf die Geschichte stürzt und es nicht mehr aus der Hand legt, bis es ausgelesen ist. Dieses Buch ist eher etwas für Genießer, man muss es immer mal wieder aus der Hand legen, die Dinge auf sich wirken lassen. Es ist sperrig und ungewöhnlich anders geschrieben, als man es heutzutage gewohnt ist. Es ist phantasievoll, abseitig, voller Wunder und auch Schrecken, es steckt voller Melancholie und Todessehnsucht und doch ist an jeder Ecke ein Optimismus zu erkennen, der diese ganze Melancholie aufwiegt. Wie die Musik, die Filme und die Bücher, die in diesem Buch erwähnt werden, verströmt dieses Buch eine Art Lebensgefühl der 70er, was mir als Leser zwar fremd ist, aber durch das Lesen näher gebracht wurde.

Wenn es bis jetzt noch nicht durchgedrungen ist, dann merkt man spätestens jetzt, dass ich von dem Buch richtiggehend begeistert bin. Es gibt zwar ein paar Punkte, die ich nicht so gut fand, aber die wiegen das Positive bei weitem nicht auf. Im Gegenteil, lassen sie doch Spielraum für Interpretationen und überlassen es dem Leser, die Fäden der Geschichte weiterzuspinnen. Richard Lorenz hat einen Roman geschrieben, den es eigentlich nicht hätte geben sollen, da viele Verlage ihn als zu abseitig, zu verkopft oder einfach als zu sperrig für den Buchmarkt fanden und deshalb ablehnten. Joachim Körber von der Edition Phantasia hat sich des Textes angenommen und ihn, ich sage jetzt mal in Unkenntnis des genauen Ablaufes, ohne mit der Wimper zu zucken auf dem Imprint kuk veröffentlicht. Dazu kann man nur sagen: zum Glück, denn sonst hätte ein Roman nicht das Licht der Welt erblickt der Leser wie mich oder Frank Duwald, dem ich diesen Außenseitertipp zu verdanken habe, begeistert zurück gelassen hat. Man muss sich nur darauf einlassen und es auf sich wirken lassen.

„Dann war es ganz still.
Die Wolken wie gemalt.
Ein kleiner Riss zwischen zwei pechschwarzen Wolkengebilden.
Aus denen ein Blitz geboren wurde.
Jener Blitz, der den Jungen aus den Stiefeln schleuderte.“


89/90: Roman
89/90: Roman
von Peter Richter
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Wende zwischen Mathehausaufgaben und Wehrlager, 4. September 2015
Rezension bezieht sich auf: 89/90: Roman (Gebundene Ausgabe)
Dresden, die Stadt und das Umland dazu, die derzeit in aller Munde ist. Wegen Flüchtlingsdebatten, Schmarotzervorwürfen und braunem Gedankengut. Diese Stadt, die ich als meine Heimat bezeichne (nicht ganz genau, denn ich bin im 30km entfernten Meißen aufgewachsen), ist der Schauplatz zu Peter Richters autobiographischen Roman “89/90″ mit Peter Richter als Chronist der Ereignisse in dieser Zeit und dieser Stadt. Ein lesenswertes Buch über pubertierende Jugendliche, die mit der Wende nicht so richtig etwas anfangen konnten, über Jugendkultur in der DDR und wie junge Menschen trotz aller Geschichte einfach ihr Leben leben.

Wie will man ein Buch über die Wende schreiben, dass es noch nicht gab oder Dinge beleuchtet, die noch nicht beleuchtet wurden? Entweder man lässt es bleiben, weil es eigentlich nicht geht, oder man versucht den Weg von Peter Richter zu gehen, der seine eigenen Erlebnisse in diesen (Tatsachen)- Roman verarbeitet hat. Peter Richter tritt in diesem Fall als Ich- Erzähler auf und lässt alle anderen Figuren nur mit Vornamensabkürzungen (V.) oder Spitznamen (Kiste) auftreten. Der Zeitraum, in dem das Buch spielt, ist durch den Titel schon gegeben. Es spielt sich alles in Dresden und Umgebung ab. Peter Richter stellt uns in diesem Buch sein jüngeres Ich vor. Wir lernen ihn als 16 Jahre alten Jungen kennen, der alles macht, was Jungs in diesem Alter nun mal machen. Sie schauen den Mädels nach, hören Musik, tricksen die Eltern aus und mogeln sich irgendwie durch die Schule. Doch etwas ist für die Jugend der DDR anders. Zum einen bekommt man in der Schule immer wieder eingebläut, wie schlecht der Westen ist und wie gut die DDR. Man bekommt das System in den Kopf gehämmert. Es gibt dann eben jene Schüler, die das alles annehmen und die, die diese Art Unterricht hinnehmen und dann einfach nicht hinhören. Zur zweiten Sorte gehörten eigentlich die meisten. Auf der anderen Seite wartete vor allem für die Männer immer die NVA und die ganzen Vorbereitungslager, so zum Beispiel das Wehrlager, dass Peter Richter und seine Freunde als letzter Jahrgang mitmachen mussten.

Und doch ist in dieser Zeit etwas anders. Die Stimmung ist gegen das System gerichtet. Langsam kommt die ganze Wucht ins Spiel, die die Wende ausgelöst hat. Geschichte tropft von den Seiten und doch ist es noch nicht politisch, denn dass, was in den Geschichtsbüchern steht wird aus den Augen Peter Richters und seinen Freunden geschildert, die mitten im Geschehen sind. So zum Beispiel als es zu den Ausschreitungen mit der Polizei auf der Prager Straße kam. Und dann kam das Jahr 1990 und plötzlich waren alle Dinge, die diese Jugend geprägt haben, verschwunden. Wurden abgelöst durch Treuhand, Begrüßungsgeld und Punkrock aus dem Westen. Die alten Freunde, die 89 noch die Chance zur Flucht genutzt hatten, kommen wieder und sind total verändert und atmen schon nach dieser kurzen Zeit die Luft des Kapitalismus. Und noch etwas ist anders. Peter Richter als Punk bekommt das besonders zu spüren. Die Rechten mit ihren Springerstiefeln inklusive weißen Schnürsenkeln, Bomberjacken und Glatzen machen Jagd auf alles was andersartig ist und nicht ihrem Deutschbild entspricht, seien es Punks oder Ausländer. Die Stimmung ist aufgeladen, gereizt und in dieser turbulenten Zeit scheint sich niemand dafür zuständig zu fühlen, dieses braune Aufleben einzudämmen. Somit regiert in der neuen Zeit, in die man aufgebrochen ist, die Dinge anders anzupacken, die Angst und Resignation, die sich auch im Herbst 1990 nicht aufzulösen scheint.

Will man die Dinge verstehen, die heute so durch Dresden geistern (pegida, Fremdenfeindlichkeit), kommt man um „89/90“ nicht herum. Es beleuchtet die Zeit in den Jahren 1989 und 1990. Eine Bestandsaufnahme dieser Zeit, in der sich nicht nur für die Elterngeneration (also 30 plus) viel änderte sondern auch für die jungen Menschen, die kurz vor ihren Schulabschlüssen stehen und mitten in diesen Umbruch hinein geschmissen werden. Pupertät ist auch so schon ein schwieriges Alter. Dort noch Geschichte mitschreiben zu müssen, macht diese Zeit nicht einfacher. Peter Richter arbeitet sich gerade im Herbst 1989 in sehr amüsanter Weise an diesem Punkt ab und bringt mir, der zu diesem Zeitpunkt in derselben Gegend wohnte, aber 8 Jahre jünger war, das Leben dieser Jugend näher. Vieles erkenne ich in seinen Beschreibungen wieder (Prager Straße = Rue, viele Marken der DDR und manche Sprüche, die sich über meine Eltern erhalten haben), haben mich erheitert und zum nachdenken angeregt über diese Zeit, die mir heute so fern und fremd erscheint, da ich sie nicht richtig begreifen konnte. Die Ausschreitungen auf der Prager Straße und am Dresdner Hauptbahnhof beschreibt der Autor sehr realistisch und von Erzählungen meines Vaters, der da auch vor Ort war, konnte ich mir davon ein wenig ein Bild machen. Geschichte in Realform sozusagen. Was Peter Richter aber dann für das Jahr 1990 beschreibt kann man heute wieder oder immer noch beobachten. Jedenfalls ist der Grundstein für heutige Pegida- Züge und braune Gedanken damals gelegt worden. Diese Beschreibungen klingen dann nicht mehr so lustig, wie der erste Teil. Wenn Peter Richter Jagdszenen auf sich und seine Kumpels auf das Papier bringt, wird einem mulmig in der Magengegend. Ebenso wie sich der Freundeskreis plötzlich in die linke und rechte Ecke des politischen Spektrums orientiert und das plötzlich manche, mit denen man früher noch auf dem Schulhof in der Pause eine geraucht hat, im nächsten Moment einem eine in die Fresse hauen wollen.

Für alles benutzt Peter Richter eine Art realistische Sprache mit teilweise Anleihen an Jugendsprech der damaligen Zeit. Was beim Lesen aber irritiert sind die Namensabkürzungen, die man so im ganzen Buch hinnehmen muss und die ganzen Fußnoten, die gewisse Dinge wie Markennamen oder DDR- typische Begriffe beschreiben. Das unterbricht den Lesefluss ungemein und man kann an manchen Stellen nicht so richtig in die Geschichte abtauchen beziehungsweise die Charakteristiken zu den jeweiligen Buchstaben zuordnen. Da kommt man immer durcheinander. Besser hätte ich zum einen gefunden die Fußnoten in ein abgetrenntes Kapitel am Ende des Buches zu stecken damit diejenigen, die es interessiert, diese nachlesen können und zum anderen hätte ich nicht die Namen abgekürzt sondern mir Spitznamen ausgedacht, wie bei manchen, die wahrscheinlich die richtigen Spitznamen derjenigen Personen waren. Ob es nun ein Stilmittel ist oder dazu gedacht, gewisse Personen zu schützen, weiß nur der Autor, aber für mich war es somit schwierig, mit den Figuren mitzugehen. Trotz dieser Schwächen hat Peter Richter aber eine Art Roman vorgelegt, in der Geschichte wieder lebendig wird. Man wird förmlich hineingezogen in diese Art Rausch, die diese jungen Leute damals befallen hat, die an Parolen wie „Wir sind das Volk“ nicht recht glaubten, die aber trotzdem mitmachten. Eine sehr realistische Lektüre, die man als Roman und/oder als Sachbuch ansehen kann. Es beschreibt zwar nur einen kleinen Blickwinkel der Wende und doch steckt in diesem kleinen Ausschnitt alles drin, was damals ausschlaggebend war, dass es funktioniert hat. Für alle die in Geschichte nicht aufgepasst haben, die dafür zu klein waren (wie ich) oder zur Erinnerungsauffrischung – mehr als eine lohnenswerte Lektüre, die das Thema Wende stilistisch mal etwas anders anpackt und dadurch richtig interessant wird. Für alle Dresdner + Umland (zugezogen oder da geboren) ist es in meinen Augen sogar eine Pflichtlektüre.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 4, 2016 9:38 AM CET


Die Glücklichen: Roman
Die Glücklichen: Roman
von Kristine Bilkau
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Ängste der Mittelschicht vor dem Scheitern, 8. Juli 2015
Rezension bezieht sich auf: Die Glücklichen: Roman (Gebundene Ausgabe)
Viele werden stöhnen. Ein Buch über eine Familie in Deutschland auf dem sozialen Abstieg. Haben wir das nicht schon zur Genüge im normalen, im richtigen Leben? Muss man darüber noch einen Roman schreiben und diesen auch lesen? Man muss. Kristine Bilkau hat mit „Die Glücklichen“ ein Buch geschrieben, welches unserer Gesellschaft in ihrem Istzustand einen Spiegel vorhält. Sie behandelt in einfühlsamen Worten das Leben des großstädtischen Paares Isabell und Georg, die zusammen den knapp einjährigen Sohn Matti haben. Es geht um Liebe, um Vertrauen, um den Wiedereinstieg in den Beruf, um das innere und äußere Kündigen, um den täglichen Kampf mit den Widrigkeiten, die auf eine Familie einströmen » Lesen Sie weiter... und wie man damit als Paar fertig wird – alles Themen, die derzeit aktuell sind, viele betreffen und die in diesem Buch entweder angerissen oder konkret thematisiert werden. Das Buch beginnt damit, dass Isabell nach ihrer Babypause wieder in ihren Beruf zurückkehrt. Sie spielt Cello an einem Theater und ist mit anderen die Begleitmusik für die Theaterstücke, die aufgeführt werden. Sie ist also anonym im „Orchestergraben“ untergebracht und mit ihrer Leidenschaft Geld verdienen. Doch schon an den ersten Abenden spielt sie ihre Soli nicht wie gewohnt souverän, sondern es setzt ein Zittern in ihren Händen ein, welches sie beim Spielen behindert. Sie steigert sich immer mehr in dieses Zittern hinein, dass es nicht besser, sondern schlimmer wird. Bis es letztendlich gar nicht mehr geht und sie die Reißleine zieht. Sie begibt sich in Therapie und gibt ihren Job auf. Gleichzeitig wird ihre wunderbare Altbauwohnung als eine der letzten in ihrer Straße saniert, sprich die Fassade wird gedämmt, neu verputzt und gestrichen. Eine Situation, die mit einem einjährigen Kind zu Hause nicht gerade einfach ist, da alle Fenster mit Planen verhangen sind und der tägliche Rhythmus der Bauarbeiter den Lebensrhythmus der Familie aus dem Takt bringt. Es ist somit keine einfache Situation. Georg ist Journalist bei einem lokalen Blatt und erarbeitet größere Reportagen. Aktuell soll er ein Aussteigerpaar interviewen und daraus einen Artikel mache. Er und Isabell teilen sich in die Erziehungsarbeit und Betreuung mit ihrem Kind ein. Während Georg arbeitet ist Isabell für ihr Kind da und abends, wenn Isabell am Theater spielt meistert Georg den Abend mit seinem Sohn. Oft sehen sich die Isabell und Georg nur kurz an der Tür um Hallo und Tschüss sagen zu können. Für wichtigen Informationsaustausch bleibt meist keine Zeit.

Soweit klingt erst einmal alles sehr banal und alltäglich. Man wird das alles in den deutschen Großstädten (und auch Kleinstädten) zu Tausenden antreffen. Gentrifizierung, Arbeit in Voll- oder Teilzeit, Beziehungen in der zermürbenden Work-Life-Balance, Großmütter, die immer irgendetwas wollen, belasten sicher viele Haushalte. Dazu kommt noch, dass bei vielen die Geldsorgen das letzte bisschen Optimismus unter einem muffigen Mantel aus Alltagstristesse begräbt. Dies ist bei Georg und Isabell zu Beginn nicht der Fall und trotzdessen, dass die Rückkehr Isabells in den Job die Belastungsgrenze für die kleine Familie verschiebt, scheinen sie es zu schaffen und diesen Weg zu meistern. Kommt jedoch ein kleiner Stein ins Rollen, eine Veränderung, stürzt dieses fragile Gebilde ein. Im Fall von Isabell und Georg kommt es gleich zu mehreren großen Steinen, die ins Rollen kommen. Das schon angesprochene Zittern ihrer Hände bekommt Isabell nicht in den Griff und lässt sich krankschreiben, geht in Therapie. Georg verliert seinen Job, da die Zeitung, für die er arbeitet, aufgekauft und danach aufgelöst wird. Als Folge dieser Ereignisse begibt sich Georg auf eine zermürbende Arbeitssuche, was bei der Zeitungskrise, die gerade vorherrscht, nicht gerade einfach ist und Isabell versucht ihr Leiden mittels einer Therapie zu überwinden. Das alles sind einschneidende Ereignisse, die zur Folge haben, dass diese kleine Familie zu zerbrechen droht. Isabells zitternde Hände schlagen auf ihre Psyche. Sie kann zeitweise nicht mehr aus dem Bett und steht erst Mittags auf. Georg kann sich in Isabell nicht hinein versetzen, da sie ihm nicht erzählt, was sie konkret hat und er somit sauer auf sie und ihr Verhalten ist. Gleichzeitig muss er sich um einen neuen Job kümmern und geht dafür weite Wege, lehnt auch Stellen ab, die er moralisch nicht vertreten könnte, obwohl er viel Geld verdienen könnte. Letztendlich müssen die beiden sich entscheiden. Wollen sie die Wohnung in traumhafter Innenstadtlage behalten und dafür finanziell stärkere Belastungen in Kauf nehmen? Oder wollen sie aufs Land in eine Kleinstadt ziehen, damit Georg näher an einem halbwegs vernünftigen Job wäre? Eine Entscheidung, die in der Trennung dieses anfangs harmonischen Paares münden könnte.

In wieweit verändern äußere Umstände die Menschen? Ist jemand aufgeschlossen, lebensfreudig und offen, kann ein einzelner Schicksalsschlag alles verändern und diesen Menschen in den psychischen und/oder physischen Abgrund ziehen. Isabell und Georg sehen sich gleich mehreren solcher Wendungen ausgesetzt. Sicher ist es ist in ihrem Fall Jammern auf hohem Niveau, aber diese Ängste sitzen sicher vielen Menschen, die man der Mittelschicht zuordnen kann, im Nacken. Kind und Familie versorgen, Lebensstandard halten oder vielleicht sogar ausbauen sind alles Dinge, für die man Geld benötigt und dafür muss man arbeiten gehen. Als beide ohne Arbeit dastehen, sitzt die Existenzangst im Nacken, die von Kristine Bilkau sehr schön in diesem Roman beschrieben wird. Erst leise (zitternde Hände), dann mit Gewalt (Jobverlust) steht sie in der Tür und will nicht verschwinden. Wo alles vorher sicher erscheint, ist plötzlich alles mit Verunsicherung behaftet. Und während man sich die Beine abstrampelt, um wieder etwas Luft nach oben zu bekommen, zieht die Zeit, in der man sein Kind genießen möchte an einem vorbei und man hat diese wunderbaren Jahre verpasst.

Kristine Bilkau hat in meinen Augen den passenden Roman für die aktuellen Debatten geschrieben, in denen die große Überschrift Vereinbarkeit von Familie und Beruf lautet und alles, was im Dunstkreis von diesen Schlagwörtern eine Rolle spielt. Sie wählt dabei den Schritt eine Familie vorzustellen, denen es eingangs gut geht und denen große Veränderungen ins Haus stehen, von denen sie aber noch nichts ahnen. Sie können sich anfangs vieles leisten (z.B. frische Brötchen beim Bäcker statt bei Lidl oder eine schicke Altbauwohnung in der Innenstadt einer hier namenlosen Großstadt), was nicht unbedingt notwendig ist, aber in ihren Augen zu einem zufriedenen Leben dazugehört. Sie nutzt dabei jeweils die Perspektiven Georgs und Isabells, meist im Wechsel, um die jeweiligen Sichtweisen der Beiden herauszustreichen. Dabei bekommen wir nicht nur die schon genannte Vereinbarkeit, sondern auch einen interessanten und, wie ich finde, treffenden Blick beider Geschlechter auf die Probleme, die diese Familie betreffen. Das alles präsentiert uns die Autorin in leisen Tönen mit einer klaren, unaufgeregten Stimme. Bei vielen Dingen, die Kristine Bilkau beschreibt, möchte man einfach nur mit dem Kopf nicken (aus meiner Sicht vor allem die Dinge, die die Erziehung und das Leben mit Kind betreffen) oder die beiden Erwachsenen einfach mal in den Arm nehmen und ihnen sagen, dass alles nur halb so schlimm ist, wie sie es für sich darstellen. Gibt sie uns eine Lösung an die Hand, wie man diese ganzen Dilemma lösen kann? Nein, aber sie gibt einem auf den Weg, dass man miteinander reden sollte, um Probleme zu vermeiden und das es meist immer einen Weg aus der Misere geben kann. Man muss es nur versuchen und darf nicht resignieren.
Insgesamt gesehen, auch wenn ich dieses Frühjahr nicht viele Bücher gelesen habe, ist das für mich einer der Romane des ersten Halbjahres 2015, die man gelesen haben muss. Sanft geschrieben und aktuelle Themen unserer Zeit in einem ansprechenden Rahmen präsentiert. So stelle ich mir einen (fast) perfekten zeitgenössischen Roman vor. Unbedingte Leseempfehlung.


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DVD ~ Peter Krause
Preis: EUR 49,87

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Über das Leben der Familie Fisher über der Erde, die andere 6 Fuß unter selbige bringt, 30. Juni 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Auf diese Serie bin ich eigentlich nur durch den Schauspieler Michael C. Hall aufmerksam geworden, der mich durch seine Performance als Dexter begeisterte. Nun wollte ich wissen, wie er in dieser Serie das komplette Gegenteil eines Killers spielt – das des schwulen Bestattersohnes, der anfangs seine sexuelle Orientierung vor allen verheimlicht. Nachdem Dexter sein Ende fand widmete ich mich nun dieser Serie, auch um gleich einen direkten Vergleich der Leistungen von Hall in beiden Serien zu haben. Durch die wunderbar gestaltete DVD- Edition mit allen 5 Staffeln konnte ich den Plan in die Tat umsetzen und mir die Serie in mehreren Wochen hintereinander weg anschauen. Ich wusste grob aus Inhaltsangaben, um was es in dieser Serie gehen wird, aber welchen Verlauf sie nehmen wird war mir gänzlich unbekannt. So konnte ich mich voll und ganz auf die Figuren und deren Handeln einlassen.
Wir steigen in diese Serie ein, indem das Familienoberhaupt Nathaniel Fisher auf dem Weg zum Flughafen, wo er seinen Sohn Nathaniel jr. abholen möchte, tödlich bei einem Autounfall verunglückt. Durch dieses Unglück werden die Grundfeste der Familie Fisher erschüttert, denn eigentlich redet hier niemand so richtig mit dem anderen. Da wäre die Mutter Ruth Fisher, die sich zeitlebens um die Kinder gekümmert hat und seit ihrer Geburt nie arbeiten war. Sie wurde jung Mutter und hat den einzigen Mann in ihrem Leben, eben jenen Nathaniel, gezwungen durch die Schwangerschaft mit Nathaniel jr., geheiratet. Nathaniel jr. ist quasi der Aufmüpfige in der Familie. Wollte nie mit dem Bestattungsbetrieb seines Vater etwas zu tun haben und hat sich deshalb früh abgesetzt. Und zu guter Letzt haben wir noch das Nesthäkchen Claire, dass vom Tod ihres Vaters erfährt, als sie gerade im Drogenrausch ist und völlig benebelt nach Hause fahren muss. Daneben werden noch ein paar Nebenfiguren vorgestellt, die im weiteren Verlauf zentrale Positionen zur Familie Fisher einnehmen. Da wäre einmal Davids Freund Keith, der bei der Polizei arbeitet und sein Schwulsein, anders als David, nach außen offensiv verteidigt. Frederico ist der Präparator bei den Fishers und seit Jahren irgendwie ein Mitglied der Familie. Und Brenda. Nate lernt sie am Flughafen kennen und hat mir ihr eine Art One- Night- Stand in der Wäschekammer, während sein Vater auf dem Weg zu ihm tödlich verunglückt.
Die erste Folge, die zwar an Tragik nichts ausspart, bietet als Kontrastprogramm eine Komik an, die einem manchmal das Lachen im Hals stecken lässt. So werden zum Beispiel in der Pilotfolge immer wieder Fake- Werbespots über Präparationsflüssigkeiten, Bestatterfahrzeuge und Särge eingeblendet, die den Zuschauer ein wenig ratlos zurücklassen und nur bedingt mit der Handlung zu tun haben. Nebenbei wird die gesamte Familiensituation der Fishers nach und nach (auch über die erste Folge hinaus) entblättert. Wie David und Nate sich überhaupt nicht ausstehen können, Claire als fünftes Rad am Wagen und spätgeborene irgendwie immer ignoriert wird und das Ruth immer das Mütterchen im Haushalt war. Außerdem bekommen wir mit, wie die Stellung von Frederico im Familienunternehmen der Fishers ist und die Beziehung von David zu Keith wird ebenso angerissen. Diese Grundvoraussetzungen bieten jede Menge Potential eine interessante Geschichte zu erzählen. Dies geschieht auch auf eine leise Art mit spontanen, kurzen Ausbrüchen von Wut und Gewalt. Die erwähnten Konstellationen werden im Verlauf der Serie immer mehr aufgebrochen und die Figuren wandeln ihre anfänglichen Charakterzüge immer mehr ab. Die anfangs seltsam anmutende Komik weicht eigentlich schon ab der zweiten Folge einer gesunden Mischung aus Drama und leichten Komödieneinschlägen. Das wandelt sich im Verlauf der Serie über die 5 Staffeln immer mehr zur reinen Dramaserie. Es ist dabei zwar nicht immer alles gut, was dem Zuschauer präsentiert wird und manch langatmige Stelle schleicht sich ein. Doch die große Stärke dieser Serie ist die Entwicklung der Charaktere und wie sich die Konstellationen unter ihnen immer wieder ändert. Das bringt auf seine Art eine angenehme Spannung rein, dass man nicht unbedingt 3 Folgen hintereinander schauen möchte (wie z.B. bei Breaking Bad oder Dexter), jedoch trotzdem wissen möchte, wie es weiter geht. Zusätzlich bekommen wir zu den ganzen Entwicklungen der Figuren in jeder Folge einen Todesfall präsentiert, von denen manche skurril sind, andere wiederum völlig banal und ein paar richtig unter die Haut gehen und auch das Leben der Hauptfiguren durcheinander bringen.
Nach einer etwas schwächeren 5.Staffel, die vieles, was vorher schon gezeigt wurde, nochmals durch den Fleischwolf dreht, schließt die Serie mit dem einem in meinen Augen bestmöglichen Ende ab, dass, wenn ihr mit den Figuren mitgefiebert habt, zu 100% die Tränen in die Augen treiben wird. Besser kann man es nicht machen und garantiert eines der besten Abschlüsse im Film-/Serienuniversum.
Im Gesamtfazit würde ich die Serie als eine anpreisen, die auf eher leise Töne setzt und mit der Entwicklung der Figuren zu begeistern weiß. Für diese Serie wollte man sich Zeit nehmen, um sie zu genießen. Mehrere Folgen hintereinander zu schauen war mir aufgrund der Dramaelemente nicht möglich, da es mich zu sehr aufgewühlt hätte. Von den Schauspielern ist das alles sehr authentisch umgesetzt und man nimmt ihnen die Rolle ab. Einzig Peter Krause und Rachel Griffiths stecken mit ihren Rollen Nate jr. und Brenda Chenowith zum Ende hin in einer Sackgasse und wirken ein wenig festgefahren, aber das ist bei dem was sie vorher geboten haben, Jammern auf hohem Niveau.
P.S.: Um nochmal auf den eingangs erwähnten Michael C. Hall zu kommen. Da ich ja Dexter vor Six Feet Under gesehen habe, war es anfangs sehr ungewohnt ihn in einer schwulen Rolle zu sehen und manche Nuance in seinem Spiel hat er beiden Figuren mitgegeben, so dass es mir zu Beginn schwer fiel, diesen Charakter ernst zu nehmen. Doch mit fortschreitendem Verlauf löste sich das in Luft auf und ich habe Halls Charakter David als eigenständige Figur wahrnehmen können.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 8, 2015 11:11 AM CET


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