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Rezensionen verfasst von
Marc Richter (Nürnberg)

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Bevor sie mich liebte
Bevor sie mich liebte
von Elanor Dymott
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

3.0 von 5 Sternen Konjunktive Zeitsprünge, 24. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Bevor sie mich liebte (Gebundene Ausgabe)
Alex Petersen hat seine Frau Rachel verloren. Sie wurde ermordet und er hat sie als erstes am Tatort gefunden und muss nun mit dem Verlust, den dieser tragische und plötzliche Tod in seinem Leben verursacht, zurechtkommen. Zu Beginn gelingt ihm das recht gut und er redet sich ein, dass alles wieder besser wird. Doch in seiner Arbeit als Jurist schleichen sich immer mehr kleinere Fehler ein, sehr zum Unmut seiner Geschäftspartner und Kunden, so dass diese irgendwann die Reißleine ziehen und ihm ein Ultimatum stellen. Er soll sich in ein Sabbatical von 3 Monaten nehmen und in dieser Zeit versuchen die Trauer um seine Frau zu verarbeiten, da diese seine Arbeit zu sehr beeinflusse. Nachdem er das Sabbatical angetreten hat, eröffnet ihm Harry Gardner, ein Professor in Oxford der Literatur unterrichtet und bei dem auch Rachel gelernt hat, dass er noch ein paar Sachen von seiner Frau hätte und er sie ihm gerne überreichen möchte. Harry ist für Alex kein Unbekannter, studierte er doch ebenfalls in Oxford, wo er auch Rachel das erste Mal kennen lernte. Doch in Wahrheit wird ihm Harry eine Geschichte erzählen, die Rachels Tod in einem völlig neuen Licht zeigen wird und bei der die Vergangenheit wieder lebendig wird, denn die Ereignisse, über die Harry berichten will und die bis in die Gegenwart reichen, sind auch Alex nicht gänzlich unbekannt. Durch diese Geschichte lernt Alex endlich loszulassen, weil er nun die Seite seiner Frau kennen lernt, die ihm noch unbekannt war und er erfährt auch den Grund, warum seine Frau sterben musste.

Ich kann mich einfach nicht entscheiden, wie ich dieses Buch bewerten soll. Auf der einen Seite ist dieses Buch flüssig zu lesen und man fliegt nur so über die Seiten, weil man wissen will, wie diese ganze Situation, die den Roman einleitet, entstehen konnte und warum Rachel sterben musste. Ebenfalls fasziniert war ich von der Tatsache, dass dieser Roman wie ein einzelner großer Gedankengang aufgebaut ist, den Alex Petersen niederschreibt, um seine Trauer an seine Frau Rachel zu verarbeiten. Dabei schreibt er die Gedanken so auf, wie sie ihm gerade durch den Kopf gehen und es entsteht an manchen Stellen ein wildes Potpourri an Zeitsprüngen, die uns bis in die frühe Jugend von Alex führen. Aber geht es uns nicht allen so, wenn wir unseren Gedanken nachhängen (besonders wenn diese aus einer Trauer heraus entstehen), dass wir von einem Punkt zum nächsten springen und ein Gedanke zum nächsten führt? Genau das macht das Buch in meinen Augen authentisch und lesenswert, weil es einen realistischen Ansatz bietet, wie jemand die Trauer um einen geliebten Menschen verarbeitet und wie ihm seine Gedanken dabei helfen beziehungsweise die Geschichten, die er von anderen erfährt und ihm so ein ganzheitlicheres Bild seiner Frau geben.
Doch gerade dieser realistische Ansatz ist es auch, der mich an der Bewertung etwas verzweifeln lässt, da manche Passagen einfach überflüssig erscheinen und in keinem Bezug zur eigentlichen Geschichte stehen, sondern eben nur die Gedanken der Hauptfigur widerspiegeln. Gerade die Sprünge in die Jugend von Alex Petersen behindern den Lesefluss ganz erheblich, da man sich immer einen Punkt erhofft, der sich in der Gegenwart daraus ergibt oder uns den Menschen Alex Petersen näher bringt. Doch meist ist das nicht der Fall und spiegelt eben nur ein abschweifen seiner Gedanken wieder.
Stilistisch gesehen, da es ja Alex Petersens Gedanken sind, denen wir lesend lauschen, setzt Elanor Dymott ganz oft Konjuktive ein, da sich Alex in vielen Punkten nicht zu einhundert Prozent sicher ist, dass das, was er denkt oder erzählt bekommen hat, auch der Wahrheit entspricht. Das verstärkt den realistischen Ansatz des Romans enorm, macht ihn an manchen Stellen auch etwas sperrig, aber allgemein kommt man recht gut durch die Seiten und es liest sich richtig flüssig, trotz der ganzen Zeit- und Gedankensprünge. Man verliert nie den Überblick und irgendwie ist es trotz aller Sprünge und Nebengeschichten eine narrativ geradlinige Geschichte, die sich mit der Aufarbeitung um Rachels Tod beschäftigt. Durch die Konjunktive ist der Leser stellenweise auch gefordert selber mitzudenken und sich so das Puzzle parallel zu Alex zusammen zu legen und seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Man wird am Ende des Buches (ungefähr im letzten Drittel) erstaunt sein, wie sich nach und nach der Vorhang zurück zieht und wie einfach und logisch im Endeffekt diese ganze Geschichte eigentlich aussieht.

Nachdem ich das Buch zugeklappt habe, war ich einerseits erleichtert, da Alex seine Trauer verarbeiten konnte und mit dem Tod um seine geliebte Frau abschließen und ein neues Leben beginnen kann, und andererseits irgendwie innerlich berührt, da diese Geschichte in gewissem Sinne jeden anspricht, da jeder die Konsequenzen für seine Handlungen, und seien sie noch so lange her, zu tragen hat. Wie schwerwiegend das geschieht hängt von den Handlungen selber ab und von den Menschen, denen man damit Schmerzen (seelische wie körperliche) zufügt.
Ich persönlich fand die Lektüre, mit Ausnahme manch überflüssiger Passage, recht kurzweilig und lesenswert. Es wird mich gedanklich noch ein kleines Stück begleiten, doch nicht unbedingt in meinen Favoritenschrank der Bücher wandern, die ich unbedingt noch einmal lesen möchte. Dieses Buch kann ich jedem ans Herz legen, der mit etwas melancholischeren Stoffen etwas anzufangen weiß, der sich an Konjunktiven in Masse nicht stört und der einer einfachen, aber trotzdem komplizierten Geschichte seinen Spaß hat.
Letzenendes ist die Entscheidung knapp gegen die 4 Punkte ausgefallen, da mir das Ende und die darin enthaltene Auflösung dann doch zu simpel erschien und den ganzen Aufwand eigentlich nicht lohnte. Ebenfalls bleiben die Figuren nicht im Gedächtnis haften, was nicht gerade dafür spricht, dass sie interessant gestaltet wurden. Es ist an sich kein schlechtes Buch und ausreichend für einen einzigen Lesedurchlauf, doch danach stellt man es ins Regal und vergisst es wieder.


Moderat
Moderat
Preis: EUR 7,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leichtfüßige Melancholie, 11. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Moderat (Audio CD)
Dieses Album ist mir vor ein paar Jahren durch die Lappen gegangen, so dass ich es jetzt erst, zusammen mit dem neu erschienen Album II, erworben habe. Bereut habe ich den Kauf bis jetzt zu keiner Sekunde. Was erwartet einen, wenn man sich auf ein Album von Moderat einlässt? Zum einen sollte man die Erwartungen zurückschrauben, dass man Modeselektor- mäßig den Bass um die Ohren gehauen bekommt. Es geht auf dieser Scheibe zwar stellenweise auch ordentlich ab, aber die Jungs haben sich für die Kollaboration mit Apparat ein wenig zurück genommen. Dazu gekommen ist die Melancholie von Apparat, die den Titeln auf diesem Album etwas leichtes verleihen und ein Gefühl vermitteln, dass man so schnell nicht mehr los wird. Was geblieben ist im Vergleich zu Modeselektor- Alben ist die Vielfältigkeit und enorme Streubreite in der Musikauswahl. Zum einen sind da die tanzbaren Nummern (Seamonkey, A New Error und Les Grandes Marches), aber auch die ruhigeren Töne werden angeschlagen (Rusty Nails, das wunderbar verträumte Out of Sight) und die Titel mit den 2 Gastsängern (Slow Match und Sick with it) geben dem Ganzen eine leichte Popnote mit und werten das Album in meinen Augen noch ein wenig auf. Es sind zwar ein paar Titel darauf, die mir so nicht insgesamt zusagen, die sich aber wunderbar in das Gesamtkonzept des Albums einfügen, so dass ich meine 4,5Sterne auf 5 aufrunde. Insgesamt bekommt man abgespeckte Modeselektor- Verrücktheit gepaart mit lässigem Apparat- Träumereieinfluss, den man so schnell nicht mehr aus den Ohren bekommt und der bei mir, wenn auch mit ein paar Jahren Verspätung, in Endlosschleife läuft.
Meine Anspieltipps für dieses Album sind: Seamonkey, Rusty Nails, Out of Sight und Les Grandes Marches.


Das Leben und das Schreiben: Memoiren
Das Leben und das Schreiben: Memoiren
von Stephen King
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Schreibratgeber der etwas anderen Art, 9. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses stellt eine Mischung aus Schreibratgeber und homöopathischen Anteilen von Biographieschnipseln dar. Zuerst entwirft Stephen King bruchstückhaft ein Bild seiner Kindheit und Jugend, welche beide durch viele Umzüge unstet waren. Das Geld war immer knapp und die Mutter von Stephen King, die ihn und seinen Bruder allein aufzog hangelte sich durch viele Gelegenheitsjobs. Stephen King flüchtete aus diesem Leben in eine Phantasiewelt, die über die Jahre immer ausgereifter wurde und irgendwann mit Carrie den ersten großen Erfolg einbrachte, der zeitnah sogar verfilmt wurde. Von da an ging es stets bergauf und er wurde nach und nach zu dem Bestsellerautor, den man heute kennt. Was ich zum Beispiel aber noch nicht wusste war der Fakt, dass Stephen King ein massives Drogen- und Alkoholproblem hatte (ist es nicht dasselbe?) und diesen Punkt in diesem Buch schonungslos offenlegt zum Beispiel indem er sagt, dass er das Buch Cujo in einem Drogenrausch geschrieben hat, so dass er sich nicht daran erinnern kann, wie er es geschrieben hat, nur dass es irgendwann fertig war. Der Part der Biographie beschreibt die Phase bis sich die ersten großen Erfolge einstellten und geht dann nahtlos in den Schreibratgeber über. Dabei verfasste er eine Art Handbuch an das man sich nicht sklavisch zu halten hat, sondern er zelebriert seine eigene Schreibkunst und offenbart uns sein Handwerk, wie er es versteht und anwendet. Dabei geht er zentrale Fragen an, die Tempo der Geschichte, Thematik, ein bisschen Grammatik usw. behandeln und flechtet darum herum seine eigenen Erfahrungen ein und führt Beispiele seiner eigenen Texte an, was man zu lassen hat und was man aus seiner Sicht unbedingt beachten sollte. Das alles liest sich richtig entspannt und man meint nach dem Lesen dieses Abschnittes, man ist bereit, selber einen Roman zu schreiben. Das ist natürlich Quatsch, aber für einen Tritt in den Arsch, um den eigenen inneren Schreibschweinehund zu überwinden, reicht es allemal.

An wen richtet sich dieses Buch? Zuerst an jene Fans und treuen Leser von Stephen King, die alle seine Bücher verschlingen und mit diesem Buch einen Einblick darin erhalten, wie King seine Bücher schreibt und vor allem, wie er es schafft in kurzer Zeit so viele Bücher zu schreiben (ich glaube in den letzten 5 Jahren hat er jedes Jahr ein Buch veröffentlicht). Nimmt man diese Leuten mal beiseite, so ist das Buch auch an Leser gerichtet, die sich des Schreibens mächtig fühlen, aber mal einen kleinen Wink in die richtige Richtung benötigen, um einen Anfang zu wagen. denn King zeigt in diesem Buch immer wieder anhand von kleinen Beispielen, wie man einen Text bearbeiten kann, um etwas lesenswertes daraus zu zaubern. Dabei tritt er aber nicht wie der Oberlehrer vom Dienst auf, sondern eher wie ein gütiger Onkel, der dem Neffen bei seinen ersten Schreibversuchen über die Schulter schaut.

King gehört zu meinen Lieblingsschriftstellern. Er mag zwar einfach schreiben und auch keine weltbewegenden Dinge sagen, die für die Nachwelt von Bedeutung wären, aber er schreibt ehrlich und erzeugt auf einem gleichbleibenden Niveau spannungsgeladene Bücher, von der sich viele Autoren der heutigen Trivialliteratur immer wieder gern mehr als eine Scheibe abschneiden dürfen. Seine Bücher strahlen immer eine gewisse Magie aus und fesseln einen bis zum Schluss und selbst wenn man 10 seiner Bücher gelesen hat, kann er einen mit seinen Geschichten immer noch überraschen oder sogar schockieren.

Das Buch Das Leben und das Schreiben" hat mir einen kleinen Einblick in seine Welt gegeben und auch ein Quantum Motivation, sich selbst mal an den Schreibtisch zu setzen und seiner Fantasie freien Lauf zu lassen (wenn da das Problem der Zeit nicht wäre) beziehungsweise merke ich teilweise beim Schreiben dieses Beitrages, wie er sich mit seinen Tipps schon in meinem Kopf verewigt hat. Ich lege dieses Buch jedem ans Herz, der mit Literatur in seiner großen Bandbreite etwas anfangen kann. Viele werden in diesem Buch nichts Neues erfahren, aber es ist sehr unterhaltsam zu lesen und man bekommt einen kleinen Einblick in das Denken und Schaffen eines Autors, der einem nach der Lektüre dieses Buches weniger verschroben erscheint, als es vielleicht seine Bücher ausdrücken.

P.S.: Als kleines Schmankerl gibt uns Stephen King zum Schluss noch eine Liste mit Büchern, die ihn zu diesem Schreibratgeber entweder inspiriert oder zumindest begleitet haben beziehungsweise, die er einfach gerne gelesen hat. Auch das nimmt diesem Mann ein bisschen die Aura des Einfachen, denn da tauchen auch Bücher auf, bei denen man nicht vermuten würde, dass so einer wie Stephen King diese lesen würde. Für mich waren da einige nette Anregungen dabei, die ich mir über kurz oder lang selber zu Gemüte führen werde.


Muttergefühle. Gesamtausgabe.
Muttergefühle. Gesamtausgabe.
von Rike Drust
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kinder können einen wahnsinnig machen. Von einer die auszog, die Wahrheit zu verkünden., 24. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Muttergefühle. Gesamtausgabe. (Broschiert)
Bei dem Thema Kinder und allem was dazu gehört, zum Beispiel Fremdbetreuung, Stillen, schlaflose Nächte, Erziehung, Freizeit mit Kind (und auch ohne), kann man sich eigentlich nur den Mund verbrennen, sobald man seine Meinung dazu kundtut. Rike Drust hat den Versuch trotzdem gewagt und das heikle Thema Leben mit Kind und als Mutter in Buchform gebracht. Dabei geht sie so vor, dass sie das Buch in verschiedene große Abschnitte einteilt, die sie mit Der Anfang. Die erste Zeit mit Kind", Die Familie", Der Alltag", Die Kindererziehung", Die Partnerschaft" und noch einigen anderen Themen überschreibt. Diese Abschnitte sind in einzelne kleine Kapitel unterteilt, in denen sie zu den jeweiligen großen Themen ihre eigenen Erfahrungen und Meinungen notiert hat und allen, die es interessiert, zum Lesen in Buchform überlässt. Da ist dann so ziemlich alles enthalten, was das Leben mit Kind ausmacht, angefangen vom Stillterror, der in der heutigen Zeit herrscht über den ebenso und gleichwertigen Schrei- bzw. Schlafentzugsterror, den das Kind ausübt weiter zu den Anspannungen in der Partnerschaft, die das Leben mit Kind mit sich bringen und zu dem großen Thema Gleichberechtigung, welches sich so richtig offenbart, wenn es darum geht, wer das Kind in den ersten Monaten zu Hause betreut. Einzelne Themen herauszupicken und zu analysieren macht fast keinen Sinn und man würde sich nur verheddern (bzw. siehe oben mit dem Mund verbrennen).
Das Buch hat sehr viel Spaß gemacht. Es ist kurzweilig geschrieben und sprachlich auf einem Niveau, dass man nicht jeden Satz analysieren und deuten muss, aber man merkt auch an vielen Stellen, dass Rike Drust von ihrem Schreiben lebt, denn wie sie mit Vergleichen arbeitet, um zum Beispiel Humor in ihre Aussagen zu bringen kann nur von jemandem stammen, der in einem schreibendem Beruf tätig ist.
Ich bin eher durch Zufall auf dieses Buch aufmerksam geworden und habe den Kauf nicht bereut. Ich fand dieses Buch sehr gut, weil es mir, und dass sage ich als Mann, aus der Seele gesprochen hat. Gut, manche Dinge kann ich schon unter biologischen Gesichtspunkten nicht nachvollziehen (Wehen, Stillen zum Beispiel), aber gerade was die Themen anbelangt, die das Kind direkt betreffen und auch der Umgang miteinander, haben bei mir voll ins Schwarze getroffen beziehungsweise ich verstehe meine Partnerin nun noch etwas besser als vorher. Dabei erhebt Rike Drust, wie sie auch selber sagt, nicht den moralischen Zeigefinger (außer vielleicht bei der Gleichberechtigungsfrage), sondern geht die ganze Sache mit Humor an, denn nur so kann man die schwierige erste Zeit mit Kind überstehen.
Zum Abschluss dieser Besprechung möchte ich noch folgendes Zitat anbringen, welches als Plädoyer für alle werdenden Eltern verstanden werden sollte, sich bei der Erziehung und bei einem Leben mit Kind ein wenig zu entkrampfen, denn vieles geht auch von alleine und dann kann man die erste Zeit mit Kind auch mehr genießen:
Ich kam mit dem Status Mutter und dem dazugehörigen Hindernissen und Klischees nicht zurecht, war oft unglücklich und unsicher und überfordert, und wenn mir jemand gesagt hat, ich solle mich entspannen, weil irgendwann alles einfacher wird, habe ich nur hämisch gelacht. Das hätte ich nicht mal mir selbst geglaubt, wenn ich mir als Geist erschienen wäre. Aber es stimmt. Und mit diesem Abstand und meiner jetzigen Erfahrung denke ich traurig, ich hätte die erste Zeit mit meinem Sohn noch mehr genießen können."


Hunger, Pipi, Durst. Eine Chaosfamilie macht Urlaub. (Taschenbücher)
Hunger, Pipi, Durst. Eine Chaosfamilie macht Urlaub. (Taschenbücher)
von Anke Schipp
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen Der ganz normale Ferienwahnsinn, 18. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch beinhaltet den ganz normalen Wahnsinn, den jede Familie befällt, die in den Sommermonaten in den Urlaub fahren will. Anke Schipp beschreibt darin einzelne Momentaufnahmen aus einem Urlaub, den sie mir ihrer Familie an der Nordsee verbracht hat. Die Themen drehen sich dabei um den unvermeidlichen Stau, in den man schon auf der Anreise gerät, um das liebe und auch nervige Kind (man sollte es nicht verschweigen), um den Partner, der sich keinen Kopf um die jeweilige Tagesplanung macht, um Urlaubsbekanntschaften, die man unbedingt vermeiden will und die sich dann doch als nett herausstellen, ein Urlaubsdomizil, in das man unter normalen Umständen keinen Fuß setzen würde und und und. Diese Liste kann man beliebig fortsetzen und Anke Schipp und ihre Familie geben wirklich alles, um so viele kleine Fettnäpfchen wie irgend möglich in Angriff zu nehmen, um dann mit voller Wucht hinein zu springen.

Auf dieses Buch bin ich über einen Artikel in der FAZ aufmerksam geworden. Dieser stellt eine Leseprobe aus dem Buch dar (das 1.Kapitel wird in dem Artikel wieder gegeben) und ich dachte mir an dieser Stelle, dass muss ich unbedingt lesen, denn der Humor und auch die realistische Beschreibung der Situation um die Anreise (bis auf die Sache mit der abgeschnittenen Plastikflasche - Leute, die das Buch gelesen haben oder lesen werden, verstehen, was ich meine) haben mich sofort begeistert und ich wollte wissen, was für Situationen die Schipps in ihrem Urlaub noch so zu meistern hatten. Dabei kamen gar nicht die absurden Situationen zum Vorschein, die ich ursprünglich erwartete, sondern der ganz normale Ferienalltag, den jede Familie kennen sollte und der mir so nur noch im Bewusstsein ist, als ich selber Kind und Jugendlicher war. In diesem Sinne betrete ich in den nächsten Jahren auch Neuland und muss mich mit der Situation auseinandersetzen, mit Kind und Kegel in den Urlaub zu fahren, statt selber von meinen Eltern durch die Gegend gescheucht zu werden. Der jetzige Urlaub war zwar auch anstrengend, aber in Hinsicht auf die Anforderungen, die das Kind selbst an seine Eltern stellt noch relativ entspannt. Da ist Familie Schipp schon auf einer anderen Ebene unterwegs, auf die sich die Episoden bewegen. Die meisten Probleme, die auftauchen, werden entweder vom Mann oder von ihrer Tochter verursacht und verhindern dadurch einen entspannten Urlaub für Frau Schipp beziehungsweise (und das ist jetzt die Männersicht) finde ich, dass sie sich an manchen Stellen einfach zu viele Gedanken macht und die Sachen nicht einfach mal laufen lässt. Dabei beschreibt sie die Situationen so normal wie möglich, ohne blumige Vergleiche anzustellen, womit sich wahrscheinlich jeder identifizieren kann und auch wiedererkennt. Ich fand das für die Thematik passend und gerade das Anke Schipp fast ohne Übertreibungen auskommt, macht es zu einer realistischen Reportage (ob Namen und andere Angaben stimmen sei mal dahin gestellt) über ein Thema, welches viele Familien beschäftigt, die in den Sommerurlaub fahren.
In einem Blog hatte ich gelesen, dass wahrscheinlich nur Frauen zu diesem Buch greifen werden, da Männer mit diesem Thema nichts anfangen können. Auf einer gewissen Art und Weise kann ich diese Aussage nach dem Lesen von diesem Büchlein nachvollziehen, da viele Dinge, die angesprochen werden, aus Frauensicht beschrieben sind. Doch genau das war für mich das interessante daran, weil man als Mann einen Einblick in die Gedankenwelt einer Frau im Urlaubsfieber bekommt und dadurch vielleicht für zukünftige Reisen ein paar Fettnäpfchen umgehen kann.

Dieses Buch kann ich jedem ans Herz legen, der selber Kinder hat und entweder schon Urlaubserfahrungen mit diesen durch hat oder noch die noch vor einem liegen. Die Episoden sind aus dem Leben gegriffen und werden ungeschminkt und sehr realitätsnah dargestellt, so dass man sich selber darin wieder finden kann. Die Sprache, der sich Anke Schipp bedient, ist der Alltagssprache entlehnt und bietet jede Menge Witz ohne dabei zu übertreiben. Als Buch für den eigenen Urlaub unbedingt zu empfehlen.


Mein Herz ruft deinen Namen: Roman
Mein Herz ruft deinen Namen: Roman
von Susanna Tamaro
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Philosophische Melancholie, 18. September 2013
Susanne Tamaro ist eine italienische Schriftstellerin, die mir bisher völlig unbekannt war und mit dem Roman Geh wohin dein Herz dich trägt" weltweit erfolgreich wurde. Ich sehe es mir selber mal nach, dass ich zu der Zeit, als das Buch erschien, mit Literatur nichts am Hut hatte und so ein Welterfolg meinen Horizont nicht berührte. Frau Tamaro lebt und arbeitet derzeit in Rom und Orvieto und hat mehrere Romane und Kinderbücher veröffentlicht. Mit Mein Herz ruft deinen Namen" liegt nun die (fast) taufrische deutsche Übersetzung ihres 2011 in Italien erschienen Werks vor.

Am Anfang des Buches lernen wir einen Mann namens Matteo kennen, der sich gänzlich aus dem normalen Leben zurückgezogen hat und als Einsiedler auf einem namenlosen Berg lebt. Immer mal wieder kommen entweder zufällig oder aus freiem Willen Menschen an seiner Hütte vorbei und verweilen ein wenig. Die meisten sind irritiert ob seiner offenen Art und das er keine Gegenleistungen verlangt für seine Getränke und Speisen, die er seinen Gästen anbietet. Wir haben es anscheinend mit einem Menschen zu tun, der viel in seinem Leben erlebt hat, der in sich ruht und den nichts mehr aus der Fassung bringen kann. Die Frage, die sich schon in den ersten Zeilen stellt, ist die, was das Leben mit ihm angerichtet hat, die so eine Gelassenheit herbeiführt. Die Beantwortung füllt den restlichen Roman aus. Wir erfahren, dass er eine Frau namens Nora hatte und mit ihr einen Sohn. Doch warum wirkt er so melancholisch, wenn er sich in Briefform an sie wendet? Was ist in der Vergangenheit geschehen, dass ihn so hat werden lassen, wie er den Menschen im hier und jetzt entgegentritt? Und was bringt einen Menschen dazu, die Einsamkeit zu suchen? Hat er etwas zu verbergen oder flieht er vor etwas? Die Beantwortung dieser Fragen geben erschreckende Einblicke in das Leben von Matteo, der zweimal in einen schrecklichen Abgrund ohne erkennbaren Boden zu stürzen drohte.

Durch eine Empfehlung bin ich zu diesem Buch gekommen und ohne diese wäre ich nie im Leben auf diese Autorin aufmerksam geworden, da ich um diese Art von Büchern bisher einen riesengroßen Bogen gemacht habe. Doch eine Leseprobe hat mich gleich so gepackt, dass ich wissen wollte, was diesen Mann in seinem Leben so bewegt hat, dass er die Einsamkeit gesucht und sich mit ihr arrangiert hat. Aus diesem Grund bin ich über meinen Schatten gesprungen und habe das Buch gelesen. Erwartet hatte ich eine gefühlvolle Geschichte, was eigentlich nur der halben Wahrheit entspricht, denn eigentlich bekommt man eine Lebensgeschichte von einem Mann erzählt, der so viel hat einstecken müssen, dass man daran nur zerbrechen kann, was er auch beinahe macht. Doch er findet seinen Rettungsanker und wirft ihn auch in der rauen See seines Lebens aus, um endlich zur Ruhe zu kommen. Die Sprache, die in der deutschen Übersetzung verwendet wird, ist eine weiche, die für mich darstellt, dass der Erzähler oder Briefeschreiber eine Läuterung durch gemacht hat durch das, was in seinem Leben passiert ist. Da wir Menschen allem einen Sinn geben wollen, indem wir in jedem Schicksalsschlag auch eine Chance sehen beziehungsweise ein Zeichen, bekommt der Roman auch einen philosophischen Überbau, der jeden Menschen ansprechen sollte, der ein Herz besitzt und sich Zeit nimmt, über sein Leben nachzudenken. Das ist für mich eine der größten Stärken dieses Romans, da es einen jeden einzelnen auch passieren kann, dass das Schicksal Karussell fährt, nur das eben die Situationen die jeder zu meistern hat, nicht diese Dimension annehmen muss, wie in dem Buch beschrieben (aber auch die ist nicht so unrealistisch). Es gab eigentlich keine langweiligen Passagen, durch die man sich durchbeißen musste. Man leidet mit Matteo mit, wenn seinem Leben die Wendung aufgezwungen wird, die ihn zu dem hat werden lassen, der er im hier und jetzt ist. Durch die Thematik ist es aber auch keine leichte Lektüre für zwischendurch, denn die Melancholie, die in diesem Buch anschlägt, kann einen an einem schlechten Tag schon mal aus der Bahn werfen und man sollte sich bei der Lektüre gewiss sein, dass man einen heiteren Ausgleich für danach findet.

Als Fazit für mich ziehe ich, dass dieses Buch kein heiteres Vergnügen darstellt, denn es beschreibt das pure Leben, aber eben von seiner dunkleren Seite. Auf seine Art und Weiße hat es Spaß gemacht es zu lesen, denn es gefiel mir gerade auf der sprachlichen Ebene sehr gut und ich würde es jedem weiter empfehlen, der mit Thematiken umzugehen weiß, die einem danach etwas schwerer im Magen liegen bleiben.


Allein unter Müttern: Erfahrungen eines furchtlosen Vaters
Allein unter Müttern: Erfahrungen eines furchtlosen Vaters
von Tillmann Bendikowski
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Selbstreflexionen eines Vaters in Mutterschaft, 15. August 2013
Tillmann Bendikowski hat seine Erfahrungen, die er während den verschiedenen Auszeiten für die Erziehung seiner Söhne gemacht hat, in einzelne kleine Kapitelchen eingeteilt, die allesamt ihre 7 Seiten oder weniger haben, was einen flüssigen und rasanten Lesefluss garantieren sollte. Darin berichtet er aus dem Alltag eines Vaters, der im Begriff ist zu einer Vollzeitmutter zu werden. Dabei drehen sich diese kleinen Geschichten um Dinge im Alltag, die einem mit Kind wiederfahren können, was zum Beispiel mit dem Besuch beim Babymassagekurs anfängt, sich mit dem Schwimmbadbesuch fortsetzt, bei der Nahrungsmittelversorgung während der Urlaubsreise einen Zwischenstopp einlegt, um dann zum Ende zu der Erkenntnis zu gelangen, dass Kinder zwar anstrengend sein können, aber im Endeffekt glücklich machen. Man muss nur wissen wie man(n) an die ganze Sache herangeht.
Meine Erwartungen an dieses Büchlein, was gerade einmal 205 Seiten fasst, waren im Vorfeld so gestrickt, dass ich dachte, ich erhalte eine lockere Lektüre über das Leben mit Kindern, wie man seine Zeit als Hausmann mit diesen einteilt und was für Fallstricke im Alltag lauern können, wenn ein Vater allein unter Müttern unterwegs ist. Mit ein paar Abstrichen habe ich das auch erhalten, auch wenn manches, wie Tillmann Bendikowski es erzählt, überspitzt erscheint. Es wird über vereinzelte Abschnitte aus dem Leben mit Baby, Kleinkind oder Grundschulkind erzählt. Enthalten sind zum Beispiel der unvermeidliche Besuch eines Babymassagekurses (wahlweise geht auch Babyschwimmen oder frühkindliche Förderung, kurz PeKip), der Schwimmbadbesuch im Allgemeinen, der Mann im Haushalt, der Besuch des Spielplatzes und einiges mehr. Dabei sind einige lustige Abschnitte dabei und ich habe mich in manchen Passagen auch selbst wieder erkannt. Zwar nicht als Vater unter Müttern, aber als ein Papa, der sich, seine Frau und sein Kind gegen manches Ärger, der von außen hereingetragen wird, beschützen muss. Manche der Geschichten haben mich dagegen nicht angesprochen, entweder weil mir die Erfahrungen dazu noch fehlen, da mein Sohn noch nicht so alt ist oder aus dem einfachen Grund, dass es an meinen eigenen Interessen bzw. Vorstellungen des Lebens mit Kind vorbei geht.
Der Sprachstil des Buches schwankt zwischen (stellenweise bemüht) lustigen, selbstironischen und ernsteren Tönen hin und her, was größtenteils passt, doch an manchen Stellen auch unfreiwillige Komik erzeugt, z.B. als Bendikowski in einem Kapitel darüber philosophiert, ob man Leuten, die mit ihren Tieren reden, dass Wahlrecht entziehen sollte. Da habe ich mich schon gefragt, was das in diesem Buch zu suchen hatte. Ebenso merkt man dem Autor an, dass er in dem Gebiet der Unterhaltungsliteratur bisher nicht gewandert ist. Er versieht seine Sätze teilweise so mit Klammern, die teilweise länger als der ganze Satz sind und seine Nebengedanken wiederspiegeln sollen, dass es stellenweise anstrengend war zu lesen. Leider zieht sich diese Satzbauweise durch das gesamte Buch durch und verdirbt einem ein bisschen den Spaß am Buch. Die einzelnen Kapitel haben größtenteils keinen oder nur wenig Bezug zueinander. Es wirkt fast so, als ob Bendiskowski einzelne Tagebucheinträge genommen, diese ein wenig lektoriert hat und dann mit dem Setzkastenprinzip nach Zufall zu einem Buch gebunden hat. Es fehlten nur noch die Datumseinträge oben rechts, dann hätte das gepasst.
Im Gesamtfazit muss ich sagen, dass ich mich stellenweise gut amüsiert und auch manchmal zwischen den Zeilen wieder erkannt habe. Doch ich könnte dieses Buch nicht aus vollem Herzen weiter empfehlen, da es anstrengend ist zu lesen und an dem grundsätzlichen Problem krankt, die diese Art von Büchern mit sich bringt - man muss sich mit den Ansichten des Autors identifizieren können, da er ja keine Figur hat, über die er sprechen kann, und das gelang mit nicht immer. Es wird dem einen mehr und dem anderen weniger gefallen. Grundsätzlich würde ich es denjenigen ans Herz legen, die schon Kinder haben (am besten schon etwas größer), denn diese Leute können, so glaube ich jedenfalls, etwas mehr mit den Erfahrungen des furchtlosen Vaters anfangen.


Die New-York-Trilogie: Stadt aus Glas / Schlagschatten / Hinter verschlossenen Türen
Die New-York-Trilogie: Stadt aus Glas / Schlagschatten / Hinter verschlossenen Türen
von Paul Auster
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wider Erwarten, 1. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Mich fasziniert die Stadt New York seit ich denken kann und da bietet sich natürlich Literatur an, die in dieser Stadt spielt und dabei noch von einem Autor geschrieben wird, der dort lebt. Da zusätzlich New York schon alleine im Titel vorkommt, war ein Ignorieren dieses Buches so gut wie unmöglich. Ich habe mit diesen 3 Titeln, die zur New York- Trilogie zusammengefasst sind, überhaupt nichts falsch gemacht. Sprachlich auf einem sehr hohen Niveau, breitet uns Auster das New Yorker Lebensgefühl in winzigen Dosen vor uns aus, welches die Stadt in den 1980er- Jahren ausgemacht hat. Auf jeder Seite meint man, die New Yorker Luft zu schnuppern und mit den handelnden Figuren um die Blöcke zu schlendern und sie bei ihrem Treiben zu beobachten. Dabei schreibt Auster (auch wenn es nur" die Übersetzung ist) so gekonnt, dass man fast jeden Satz einrahmen und sich zu seiner Lebensweisheit machen möchte.
Worum geht es in den 3 Büchern, die allesamt den Ort der Handlung und jeweils eine grobe Handlungsvorgabe gemeinsam haben? Der Ort, wie der Titel schon sagt, ist New York und die Handlungsbasis für alle 3 Geschichten ist, dass die jeweilige Hauptfigur einen Auftrag erhält, die in weit gestecktem Rahmen etwas mit Detektivarbeit zu tun haben. Dabei spielt Paul Auster gekonnt mit den Erwartungen des Lesers und gaukelt ihm Sachen vor, nur um sie dann in einem anderen Licht erscheinen zu lassen.

Das erste Buch mit dem Titel Stadt aus Glas" handelt von einem gewissen Quinn, der uns als Romanautor von Detektivgeschichten, die er unter dem Pseudonym William Willson schreibt, und als Müßiggänger vorgestellt wird, der eine gewisse Melancholie vor sich her trägt. Dieser Quinn erhält durch eine Verwechslung mit dem Detektiv Paul Auster den Auftrag einen gewissen Peter Stillmann vor seinem Vater zu beschützen, der aus dem Gefängnis wegen guter Führung entlassen worden ist. Er soll diesen beschatten und verhindern, dass er seinem Sohn wieder schreckliche Dinge antut. In seinen Jugendjahren wurde Peter von seinem Vater seelisch und körperlich misshandelt, wovon er sich bis heute nicht mehr erholen konnte. Wie Stillmann geschädigt wurde, zeigt Auster in einem Kapitel des Buches auf hervorragende Weise, dass es einem Kopfschmerzen bereitet, diese Seiten zu lesen und gleichzeitig verstehen zu wollen. Quinn nimmt den Auftrag letztendlich an und heftet sich unter der Identität von Paul Auster an die Fersen von Stillmanns Vater und beschattet ihn (fast) auf Schritt und Tritt und obwohl von diesem vermeintlich keine Gefahr ausgeht, ist Quinn immer auf der Hut, was ihm dann letztendlich zum Verhängnis werden soll

Der zweite Band mit dem Namen Schlagschatten" handelt von Figuren, die allesamt Farbnachnamen tragen, was für mich erst Sinn gemacht hat, als ich das Ende der Geschichte kannte. Vorher ist es ein wenig anstrengend, dem Geschehen zu folgen, da durch die Namensgebung eine Orientierung etwas erschwert wird und ein einfacher Zugang zu dieser Geschichte nicht gegeben war. Zu Beginn bekommt ein gewisser Blue von einem Herrn namens White den Auftrag einen Mann mit dem Namen Black zu beschatten und wöchentlich einen Bericht anzufertigen. Ihm wird eine Wohnung zur Verfügung gestellt und ein wöchentliches Gehalt bezahlt. Dieser Auftrag soll so lange gehen, bis Mr. White diesen für beendet erklärt. Nach einem kurzen Zögern willigt Blue ein und bricht privat die wenigen Kontakte ab, die er hat. Die Beobachtungen an Black stellen sich als zäh heraus und als nicht gewinnbringend, da dieser Mann keine Anhaltspunkte liefert, was an ihm dran sein könnte, das beschattenswert wäre. Da Black Blue nichts bietet fängt er an, sich Geschichten über ihn auszudenken. Als das nicht reicht, versucht Blue mit verschiedenen Identitäten Black direkt zu konfrontieren und aus der Reserve zu locken, was ihm eine Überraschung bescheren wird, die sein Leben verändert.

Die 3. Geschichte und die aus meiner Sicht die interessanteste heißt Hinter verschlossenen Türen", in der wir einen Namenlosen dabei begleiten, wie er Spuren seiner Vergangenheit untersucht, um mehr über seinen Jugendfreund Fanshaw herauszufinden. Wie kommt es dazu? Fanshaw ist verschwunden und für den Fall seines Verschwindens oder seines Todes, hat er seiner Frau Sophie den Auftrag erteilt, dem namenlosen Erzähler sein literarisches Werk zur Sichtung und Veröffentlichung oder vollkommenen Vernichtung anzuvertrauen. Der Erzähler findet es nicht nur gut, er sieht in den Büchern das Beste, was er je gelesen hat und in einer Veröffentlichung des Gesamtwerkes mehr als Bedarf. Nachdem die Bücher in den Bestseller- Listen einschlagen wie eine Bombe nimmt unser Erzähler auch den Auftrag an, eine Biographie über Fanshaw zu schreiben. Bei der Arbeit an dieser Biographie und der damit verbundenen Recherche verschwimmt vor dem Auge des Namenlosen die Identität Fanshaws immer mehr und er greift zu drastischen Mitteln, um die Arbeit an der Biographie zu beenden. Dabei findet er Dinge über Fanshaw heraus, die besser im Verborgenen geblieben wären.

Ich bin geplättet- von der sprachlichen Wucht, von der Art und Weise einen Krimi zu erzählen, ohne das irgendwelchen kriminelle Tätigkeiten beschrieben werden, von der Beschreibung einer an sich schlüssigen Logik, nach der sich die handelnden Personen richten, von der Zeichnung eines New York in leisen Tönen (was zwischen den Zeilen geschieht) und von der Art und Weise, wie das Große und Ganze nicht außer Acht gelassen wird - das ist die New York Trilogie von Paul Auster. Es gab bis auf den Anfang des 2.Buches eigentlich keine Passage, durch die ich mich durchmogeln musste, da alles flüssig erzählt und damit die Spannung hochgehalten wurde. Ebenso machte das Ende des 3.Bandes alles rund und schlug eine Brücke zu den 2 anderen Teilen und wenn man die letzte Seite zugeschlagen hat, versteht man, warum diese 3 Bücher eine Trilogie bilden. Verblüffend dabei ist, wie Auster mit dem Leser spielt und es versteht ihn zu verwirren, denn er hat in alle 3 Bücher Personen einbaut, die denselben Namen tragen und gewisse Rollen in jeder Geschichte innehaben, aber unmöglich dieselben Personen sein können. So spielt er mit den Erwartungen des Lesers und verwirrt ihn mit den verschiedenen Identitäten der betreffenden Personen. So richtig aufgefallen ist mir das erst am Ende des 3.Bandes und vielleicht war auch genau das die Intention des Autors.

Diese Trilogie war sehr spannend zu lesen und ich denke, das ich nicht zum letzten Mal zu diesem Buch gegriffen habe und ebenso werde ich das Werk des Schriftstellers Paul Auster weiter verfolgen und bin gespannt, was er mir noch für Geschichten offenbaren wird.


Der Wolkenatlas
Der Wolkenatlas
von David Mitchell
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Ocean voller Tropfen, 29. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Wolkenatlas (Taschenbuch)
Ich erwarte, dass Sie sich eines lösungsorientierten Denkens befleißigen und mir eine Fahrkarte nach Hull verkaufen!"

Worum geht es im Wolkenatlas? Zuerst sind es 6 einzelne Geschichten, die nach und nach erzählt werden. Den Anfang bildet das Pacifictagebuch des Adam Ewing" in dem eine Pazifiküberfahrt des jungen Notars Adam Ewing beschrieben wird. Darauf folgt ein einseitiger Briefwechsel, der mit Briefe aus Zedlghem" überschrieben ist. In diesem Teil geht es um den jungen Komponisten Robert Frobisher, der abgebrannt und von seiner Familie ausgestoßen Arbeit bei dem alternden Starkomponisten Vyvyan Ayrs sucht und diese Hilfsstelle auch bekommt. Die Erfahrungen die er da macht hält er in Briefen fest, die er seinem Liebhaber Sixsmith schreibt. Dieser Sixsmith ist es auch, der die Grundlage für die dritte Geschichte mit dem Namen Halbwertszeiten - Luisa Reys erster Fall" liefert. Hier spielt die Reporterin Luisa Rey die Hauptrolle, die einem Komplott auf der Spur ist, an dessen Ende es zu einer gewollten Katastrophe in einem Kernkraftwerk kommen soll. Für diese Recherchen steht sie ganz oben auf der Abschussliste die die Planer dieser Katastrophe immer weiter gestalten.

Der vierte Abschnitt Das grausame Martyrium des Timothy Cavendish" handelt von dem Verleger Timothy Cavendish, der mit dem Roman Faustfutter", den er in seinem Verlag hat, urplötzlich Erfolg feiert, was er im eigentlichen Sinne einer Eingebung des Autors zu verdanken hat, der diesem Erfolg im wahrsten Sinne des Wortes auf die Sprünge half. Mit den Gewinnen aus dem Verkauf kann Cavendish aber nur seine Schulden tilgen und als die Brüder des Autors vor seiner Tür stehen und ihn erpressen, flieht Cavendish und bittet seinen eigenen Bruder um Hilfe. Dieser gibt ihm einen Unterschlupf, der sich im Endeffekt als das Altersheim Aurora herausstellt, in das Cavendish abgeschoben wird und in dem sehr raue Sitten vorherrschen. Im vorletzten Teil Sonmis Oratio" spielt die genomierte Sonmi 451 die Hauptrolle. In einer nicht näher definierten Zukunft wird sie von einem Mann, der die ganze Zeit von ihr als Archivar angesprochen wird, zu Ereignissen befragt, die Sonmi direkt betreffen und die das Gesellschaftsgefüge, welches zu dieser Zeit besteht, entscheidend verändern könnten. Die letzte Geschichte Sloosha's Crosson` un wies weiterging" zeigt auf, dass ihre eigentliche Mission gescheitert ist, denn diese spielt in einer weiteren Zukunft und beschreibt eine zerstörte und entvölkerte Erde. Die Menschen haben sich durch ihre Unvernunft selbst in den Abgrund getrieben und es sind nur versprengte Reste von Zivilisation übrig, die mehr an frühe Menscheitsgeschichte erinnern, als an Hochkultur. Diese Zukunft wird von einem Hirten namens Zachry wieder gegeben und zwar einen Zeitpunkt in seinem Leben, der alles verändern wird.

6 Geschichten, 6 Schicksale, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben und doch bedingen sie einander, fließen ineinander über, beeinflussen sich gegenseitig und zeigen in den leisen Momenten ihre Gemeinsamkeiten (z.B. kometenförmiges Muttermal, Aufbau der Geschichte usw.). Der Aufbau des gesamten Romans ist dabei dem des Wolkenatlas- Sextetts gleich, welchen Robert Frobisher zwischendurch erwähnt und welches er in seiner Geschichte als sein Meisterwerk komponiert. Er ähnelt der Struktur eines V, ob normal oder auf den Kopf gestellt, ist jedem in seiner Fantasie überlassen, z.B. abhängig davon wie man die Zeitskala ansetzen möchte. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, denn es macht auch das Vergnügen beim Lesen aus, genau dieses Schema zu durchschauen.

Für diesen Roman gibt es eigentlich nur ein Wort, auch wenn es zusammengesetzt ist: großartig. Auch wenn ich anführen muss, dass ich dieses Buch wahrscheinlich nach 100 Seiten beiseitegelegt hätte, wenn der Kinofilm nicht gewesen wäre. Dieser hat mir auf seine ebenfalls verwirrende Art den Stoff auf seine Art näher gebracht, so dass mich beim Lesen z.B. der abrupte Abbruch des ersten Teils mitten im Satz nicht mehr überraschen konnte, auch wenn er so im Film gar nicht vorkam. Die Sprachen die David Mitchell für die einzelnen Episoden benutzt (bzw. wie die Übersetzung diese kongenial umsetzt) sind der Zeit der jeweiligen Episode entsprechend gewählt und stellenweise etwas anstrengend zu lesen (z.B. die Passage um Adam Ewing ist der Zeit angepasst geschrieben, aber mit den vielen h's und ie's, die an ungewohnten Stellen platziert werden), doch das macht es in meinen Augen um einiges authentischer. Ebenso, wie er die Sprache für die 2 Geschichten, die in der Zukunft spielen, weiter entwickelt erscheint in meinen Augen logisch und konsequent (man braucht nur mal in eine Einkaufspassage gehen und den Leuten bei ihren Unterhaltungen zuhören) als einer von vielen Wegen die man sich vorstellen kann.

Gibt es eine Lieblingsepisode? Mancher mag sich da festlegen, aber in meinen Augen hat jede einzelne Geschichte ihre eigene Magie und ihre ganz speziellen Momente, die sie zu etwas besonderem werden lassen. Somit habe ich keinen Favoriten und man kann fast sagen, dass jede Geschichte für sich auch als kleiner Roman in sich funktioniert. Ich hatte meine pure Freude an diesem Buch und werde es nicht zum letzten Mal gelesen haben, da man allein beim erstmaligen Lesen nicht alles begreifen und erfassen kann. Ebenso ist dies für mich ein Buch, welches mit speziellen Hinweisen versehen auch als Geschenk immer wieder funktionieren kann. Ganz klare Leseempfehlung an alle, die mit "schwierigen" Büchern, mit Science- Fiction, mit Krimis, mit Tagebüchern, mit Geschichte etc. etwas anfangen können - es ist für alle etwas dabei.


Karawane des Grauens
Karawane des Grauens
von Wolfgang A. Gogolin
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Beamtenklischeeansammlungen, 5. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Karawane des Grauens (Taschenbuch)
Das Romandebüt von Gogolin ist einer wunderbare Beamtensatire, in der er alle gängigen und nicht so gängigen Klischees, die man über Beamte kennt, in einen nach eigenen Worten Patchwork- Roman ohne Wohlfühlgarantie" gegossen. Dabei steht die kriminalfallähnliche Geschichte, bei der es um einen vermeintlichen Mordfall an einer ehemaligen Kollegin im Amt für Wegebau und Entwässerung geht, nicht so sehr im Vordergrund und man sollte dieser auch nicht so die große Beachtung schenken. Gogolin, seines Zeichens selbst mit Beamtenschädigung in seinem Lebenslauf gesegnet, wirft bei der Klischeesammlung so gekonnt mit Schachtelsätzen um sich, dass man den Linoleumboden des Amtes schon fast zu riechen beginnt und fürchtet das ein Herr MüllerMeierKunze einem persönlich irgendeine Mahnung auf grauem Umweltpapier" in doppelter Ausführung um die Ohren haut. Die Figuren, die in dem Roman etwas genauer vorgestellt werden, kann man sich in abgespeckter (Vorsicht Wortwitz in Hinsicht auf der im Roman auftauchenden Frauenbeauftragten) auch in anderen Berufsgruppen vorstellen, die am Schreibtisch sitzen. Doch gerade der von Kaffee lebende, in Unordnung arbeitende und der unbedingt jeden Morgen Zeitung lesende Beamte dürfen hier nicht fehlen. Ebenso gibt es eine, die so gar nicht aufs Amt passt, aber da trotzdem ihren Spaß hat und auch den karrieregeilen Chef, obwohl auf dem Amt das Wort Karriereleiter ein Fremdwort ist. Allesamt tauchen diese Muster auf, dass man immer wieder ins Schmunzeln kommt, doch das man sich vor Lachen auf die Schenkel klopft, habe ich nicht erlebt.

Wenn man, wie schon erwähnt, bei der Geschichte etwas Abstriche macht, erwartet den Leser eine wunderbare, feine Beamtensatire, welche ich für ein Romandebüt als gelungen bezeichne, auch wenn einem ein paar Kleinigkeiten auffallen, die beim Lesen gestört haben und es ist um einiges besser als das erst kürzlich gelesene "Es gibt viel zu tun, heften wir es ab" von Jule Mann.


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