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Rezensionen verfasst von
Marc Ahlburg (Nürnberg)
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DeLonghi ECAM 22110B Kaffee-Vollautomat  (1.8 l, 15 bar, 1450 Watt, Dampfdüse) glossy black
DeLonghi ECAM 22110B Kaffee-Vollautomat (1.8 l, 15 bar, 1450 Watt, Dampfdüse) glossy black
Preis: EUR 269,99

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Vollautomat, der zum Einstieg vollkommen ausreichend ist, 13. März 2014
Wer sich diese DeLonghi mit dem Vorsatz zulegt, guten Kaffee zu machen, der an den Spitzen- Cappuccino vom guten Italiener um die Ecke heran reicht, der sollte sein Vorhaben lieber nicht in die Tat umsetzen. Wer jedoch keine Kapselmaschine haben möchte und trotzdem keinen Filterkaffee (mehr) trinken möchte, der ist hiermit gut bedient. In die zweite Kategorie reihe ich mich ein und möchte nun meine Erfahrungen mit der DeLonghi ECAM 2210B mit euch teilen.

Filterkaffee! Das war für mich bisher das täglich Brot und das mit einer Maschine, die noch den Stempel VEB getragen hat. Sie hat ihren Dienst getan, denn jeden Morgen 20min darauf zu warten, dass 5 Tassen Kaffee fertig werden – das sollte nicht mehr sein. Also stand der Entschluss schnell fest, dass eine neue Maschine ins Haus sollte. Doch was soll man sich zulegen bei diesem Markt, der so viele unzählige Alternativen bietet? Wieder eine Filterkaffeemaschine? Wenn ich ehrlich zu mir bin, hat mir der Kaffee eigentlich nie richtig geschmeckt, vor allem weil er immer zu bitter war. Eine Kapselmaschine? Obwohl günstig, ist es teuer erkauft, da die Kapseln oder alternativ auch Pads dann doch ziemlich ins Geld gehen. Und der Umwelt zuliebe wollte ich mir so ein Ding auch nicht ins Haus holen, denn in meinem Haushalt wird viel Kaffee konsumiert. Also bleibt schlussendlich nur noch die Entscheidung für einen Vollautomaten. Nach langem hin- und herüberlegen, Sichtung des Budgets und dem Wälzen der vielen Kommentare für die unzähligen Varianten war klar, dass es das vorliegende Einstiegsmodell von DeLonghi werden sollte.

1. Der erste Eindruck:
Auch wenn viel Plastik an dieser Maschine dran ist und sie auf den ersten Blick etwas klobig daher kommt, ist der Gesamteindruck positiv. Die wichtigsten Elemente sind sofort zu sehen und griffbereit. Die mechanischen Elemente machen einen stabilen Eindruck und nach dem Aufbau in der Küche macht dieser Apparat schon was her.

2. Die Vorbereitung zum Einsatz:
Diesen Vollautomaten sollte man nicht bedienen, ohne vorher die Anleitung zur Erstinbetriebnahme gelesen zu haben. Gerade die Bestimmung der Wasserhärte und die Abstimmung der Maschine darauf sollte beachtet werden. Da bei uns die härteste Stufe des Wassers vorliegt wäre die Anbringung des mitgelieferten Filters eigentlich angebracht. Es ist uns erstens zu aufwändig und zweitens auf Dauer auch zu teuer, weshalb wir darauf verzichten und lieber die Maschine regelmäßig entkalken. Auf diesen Punkt komme ich noch mal zurück.
Alle weiteren Handgriffe (Einfüllen der Bohnen, Wasserbehälter auffüllen, wie entnehme ich das Mahlwerk, Einschalten der Maschine, Dampfdüse bediene etc.) sind nach einmaligem Durchlesen der Anleitung fast selbsterklärend und müssen nur bei den Dingen, die man nicht alltäglich bedienen muss, ab und zu nachgelesen werden.

3. Los geht es:
Bohnen einge- und Wasserbehälter befüllt und schon kann es losgehen. Maschine ein, auf Espresso oder Kaffee gedrückt und schön tröpfelt/fließt der Kaffee in die Tasse. Erster Eindruck – wässrig bis fad, was sich anfangs auch nicht zu ändern schien. Doch so nach und nach kam der Kaffeegeschmack ohne das bittere zu beinhalten, was den Filterkaffee immer ausgemacht hat. Sehr angenehmer Kaffeegenuss, den ich so bisher nur aus dem Restaurant kannte und nun endlich auch zu Hause genießen konnte.
Da auch gerne mal ein Cappuccino oder ein Latte Machiato getrunken wird, ist die Milchaufschäumdüse ebenfalls von Interesse. Da wir keinen Aufwand betreiben wollten mit einem Milchbehälter, der den Milchschaum direkt abgibt und die Reinigung sicher erschwert hätte, ist dieses System für den Gelegenheits- oder Wochenendmilchaufschäumer ideal. Dampfsystem eingeschaltet, Tasse oder Glas mit Milch gefüllt und in die Dampfdüse hinein halten und dann nach Gefühl den Milchschaum erzeugen. Das erfordert ein bisschen Übung, aber man bekommt es von Anfang an recht gut hin, wenn man die Handgriffe aus etwaigen Kaffeehäusern oder Bars schon mal gesehen hat. Espresso aufgefüllt und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

4. Erfahrungen:
a) Bohnen:
Hier gibt es unzählige Angebote an Bohnen mit den Unterscheidungsmerkmalen der Sorte und wie diese geröstet sind. Da variiert der Geschmack und es muss jeder für sich selbst heraus finden, was er gerne trinkt, wie stark er den Kaffee braucht und wie die Maschine mit den Bohnen klar kommt. Wir hatten bisher 2 Sorten – einmal von Lavazza (den Röstgrad kenne ich leider nicht) und aktuell von Espressone mit einer relativ milden Sorte und sind mit beiden Sorten sehr zufrieden.
Im Durchschnitt werden mit der Maschine 5-10 Tassen Kaffee/Espresso gemacht, weshalb der Bohnenbehälter alle 3 Tage neu aufgeüllt werden muss. Ein Kilogramm Bohnen halten sich bei uns knapp eineinhalb Wochen, was eine Steigerung des Verbrauchs gegenüber der Nutzung der Filterkaffeemaschine darstellt, aber der bessere Geschmack und die intensivere Auseinandersetzung mit dem Kaffee macht diese Mehrnutzung mehr als wett.
b) Reinigung:
Die tägliche Reinigung kann man in den allabendlichen oder mittäglichen Abwasch mit einbauen. Den Auffangbehälter für die gepressten Mahlabfälle lässt sich leicht reinigen, ebenso wie die Auffangwanne für das Tropfwasser. Beim Mahlwerk reicht es, dieses einmal pro Woche unter klarem Wasser abzuspülen. Die Milchaufschäumdüse ist auch sehr einfach zu reinigen, was gleich nach der Nutzung erfolgen sollte, da die Milchrückstände nach ein paar Stunden etwas schwerer zu entfernen sind.
Das Entkalken ist, da wir sehr hartes Wasser haben, fast einmal im Monat dran. Dazu haben wir das Entkalkungsmittel gekauft, was vom Hersteller empfohlen wird und sind bisher sehr zufrieden damit. Spült die Maschine ordentlich durch und gibt das Gefühl, dass das nichts verstopfen kann (mal schauen, wie es in 2 Jahren aussieht). Einziger Wermutstropfen ist, dass das Spülen nur über die Dampfdüse geschieht und nicht über die Kaffeedüsen. Dazu schwirren im Internet aber Anleitungen herum, wie man dieses Manko umgeht, was ich aber noch nicht ausprobiert habe.
c) Die tägliche Handhabung:
Hier kann ich nur sagen, dass diese Maschine richtiggehend einfach zu bedienen ist. Ab und zu, wenn eine Fehlermeldung auftritt, die man nicht kennt, muss das Handbuch in dem betreffenden Abschnitt eingesehen werden und bisher konnte alles behoben werden. Nur ein einziges Mal hatte nur ein Neustart über den Ein/Ausschalter auf der Rückseite Abhilfe geschafft, da ich vom Umschalten von Pulverkaffee auf gemahlenen Kaffee etwas falsch gemacht hatte und die Maschine darauf etwas verstockt reagierte.
Nach dem anfänglichen Gefühl, der Kaffee schmecke wässrig, haben die Geschmacksknospen jeden Tag einen wohlfeinen Kaffee mit einem Schuss Säure, der genau richtig ist, auf ihren Fühlern. Die betriebsseitige Einstellung des Mahlgrade habe ich mittlerweile auch etwas verfeinert, was zwar den Kaffeedurchfluss etwas verlangsamt hat, dafür aber der Kaffee einen ticken mehr Intensität hat.
Die Auflage, auf die die Tassen abgestellt werden, zerkratzte sehr schnell, was ich persönlich nicht als negativ oder störend empfinde. Bei diesem Preis und für einen Gebrauchsgegenstand, der täglich benutzt wird, ist das ein zu verschmerzender Punkt. Ich bringe das als Anhang mit in diese Besprechung mit ein, da es bei einigen schon zu Punktabzug geführt hat, was ich persönlich nicht verstehe, da man bei diesem Preis nicht erwarten sollte, dass die Maschine nach 3 Monaten immer noch wie geleckt aussieht. Da muss man sich in einer anderen Preiskategorie umschauen.

Gesamtfazit:
Ich bin mit dieser Maschine rundum zufrieden. Sie macht den Kaffee, den ich gerne trinke, sie ist einfach zu bedienen und in punkto Pflege ist kein großer Aufwand zu betreiben. In der Summe ist das Preis- Leistungs- Verhältnis mehr als angemessen und die Maschine für diejenigen, die sich mit dem Gedanken tragen, einen Kaffeevollautomaten zu kaufen, als Einstiegsmodell mehr als geeignet.

P.S.: Diese Rezension wurde nach einer Nutzungszeit von etwa 3 Monaten geschrieben. Ich versuche diese immer wieder, in etwas größeren Zeitabständen zu aktualisieren, damit man ein Bild davon bekommt, wie sich die Erfahrungen über einen längeren Zeitraum entwickeln.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 26, 2014 4:40 PM CET


Non Stop
Non Stop
Preis: EUR 15,12

5.0 von 5 Sternen Ein grooviges Bassgewitter zieht auf und fegt euch auf den Dancefloor, 5. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Non Stop (Audio CD)
Tiga, den die meisten sicher noch von Tiga&Syntherius mit ihrer Interpretation des Titels „Sunglasses at Night“ kennen dürften, hat 2012 eine neue Compilation heraus gebracht. Mit seinen Alben und Eigenproduktionen bin ich nie richtig warm geworden, da mir diese einfach nicht gefallen haben. Doch seine Mixcompilations für die DJ- Kicks Reihe und die Doppel- CD „Mixed Emotions“ haben es mir angetan und laufen seit ihrem Erscheinen immer wieder in schwerer Rotation in meinen Musikabspielgeräten. Nun erschien Ende 2012 mit Non Stop der neueste Mixcompilationwurf des Kanadiers, bei dem man sich überzeugen kann, dass er es immer noch drauf hat. Zwar nicht ganz so gut, wie bei den schon genannten Compilations, aber immer noch gut genug für ein paar wunderbare Abgeh- und Gänsehautmomente, dessen man bei seinen Mixen nie satt wird. Eingeleitet mit einem sehr schunkeligen Swingin‘ Party von Kindness geht danach die Abfahrt auch schon langsam los, um in immer höheren Wogen der Ekstase entgegen zu fiebern. Dabei „plätschern“ zwar ab und zu ein paar zu ruhige Sachen hinein, aber diese lassen einen wenigstens kurz verschnaufen und stören deshalb auch nicht. Wie man es von Tiga kennt, ist das Ganze hochwertig gemischt und wirkt trotz der kurzen Laufzeit, die manche Titel in dem Mix haben, nicht abgehackt oder Stakkato-mäßig runtergeleiert. Er kann es meiner Meinung nach immer noch und darf auch gerne noch mehr solche Mixcompilations nachschieben. Ich hätte nix dagegen.


Der Gang vor die Hunde
Der Gang vor die Hunde
von Erich Kästner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen 5vor12, Momentaufnahmen in einer Republik kurz vor dem Abgrund, 20. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Gang vor die Hunde (Gebundene Ausgabe)
Wer Erich Kästner bisher nur als Kinderbuchautor sah, wird, genau wie ich, überrascht sein, dass er auch Bücher für Erwachsene geschrieben hat. Mit „Der Gang vor die Hunde“ erschien im letzten Jahr die ungekürzte beziehungsweise von Kästner ursprünglich angedachte Ausgabe von „Fabian – Die Geschichte eins Moralisten“. Diese Geschichte lässt uns in die Zeit der Weimarer Republik eintauchen, als es mit ihr schon wieder bergab ging und die ersten Tendenzen in Richtung Nationalsozialismus auftauchten. Wir lernen den 32- Jährigen Werbetexter und Propagandisten Jacob Fabian kennen, der im Berlin Ende der 20er/Anfang der 30er Jahre lebt. Wir begleiten ihn in Situationen, die an der Grenze des moralischen sind und immer wieder haarscharf an dieser entlang schrammen. Er begibt sich gedankenlos in diese Momente. Ihm fehlt es an einem strukturellen Tagesablauf und Zukunftsdenken, was ihn so durch die Zeit treiben lässt.

Das Buch fängt damit an, dass Fabian in eine Art Verbindungsclub Einlass ersucht, den man nur vom Hörensagen kennen darf und der ihm von einem Arbeitskollegen empfohlen wurde. In diesem Lokal können sich Männer und Frauen ganz ungezwungen treffen und bei gefallen zu sich nach Hause gehen, um ungezwungen das zu tun, was zwei erwachsene Menschen gerne im Schlafzimmer (außer schlafen) machen. In diesem Lokal lernt Fabian eine Frau namens Irene Moll kennen, die den widerspenstigen Fabian mit zu sich nach Hause nimmt, um ihn zu verführen. Als sich herausstellt, dass Irene Moll eigentlich verheiratet ist und ihr Mann … Moll dieses ganze Treiben absegnet, wenn der vermeintliche Liebhaber von Irene Moll seinen Maßstäben genügt, ist das Fabian zu viel und er verlässt dieses skurrile Ehepaar mit dem Hintergedanken diese nie wieder zusehen, was sich im Falle von Irene Moll leider nicht erfüllen wird, da sie Fabians Wege immer wieder kreuzt und ihm unmoralische Angebote unterbreitet und das in Momenten in denen es Fabian eigentlich nicht passt. Auch wenn Fabian kein Schwerenöter ist, lässt er Irene Moll als Einzige während der ganzen Geschichte immer wieder mit ihren Forderungen im Regen stehen.

Seine Arbeit als Werbetexter für eine Zigarettenmarke macht er mehr gelangweilt als inspiriert und die Ideen für seine Texte fallen ihm auch immer wieder vor die Füße, weshalb er die Vorgaben von Direktor Breitkopf, was Pünktlichkeit und Arbeitsmoral angeht, nie ernst nimmt und sogar verhöhnt. Damit macht sich Fabian bei Direktor Breitkopf nicht gerade beliebt, obwohl er das alles mehr im Scherze sagt und immer etwas zu sehr auf die leichte Schulter nimmt. Daraus entsteht eine Situation, in der er Direktor Breitkopf zum Spaß provoziert und mit Übertreibungen in die Weißglut treibt. Das bringt Fabian in ein Dilemma, die ihn in einer Zeit empfindlich treffen wird.

Mit seinem Freund Stephan Labude, der an einer Doktorarbeit im literarischen Gebiet arbeitet und kurz vor seinem Abschluss steht und der mit vollem Verstand an seiner Zukunft feilt, macht er Berlin unsicher. Eines Tages wird Fabian von Labude zu einem Atelier geführt, in welchem es etwas freizügiger vonstattengeht. Dort lernt Fabian die angehende Juristin Cornelia Battenberg kennen und die beiden verlieben sich ineinander. Da sie auch noch zufällig im selben Haus wohnen, steht einer ernsten Beziehung nichts mehr im Wege und die Zukunft, die für Fabian bisher immer im Nebel lag, nimmt immer schärfere Konturen an. Doch dann bricht mit seiner plötzlichen Arbeitslosigkeit und der prekären Beschäftigungssituation in Berlin diese klar geglaubte Zukunft in sich zusammen. Ein kurzer Hoffnungsschimmer keimt auf, als Cornelia einen Termin zum Vorsprechen für eine Rolle in einem Film zugesagt bekommt und sie diese Rolle auch bekommt. Doch der Preis dafür ist hoch und die Beziehung zwischen den beiden auf dem Prüfstand. Was danach geschieht raubt Fabian den letzten Glauben an einen Weg in die sicher geglaubte Zukunft.

„’[…]Ich saß in einem Wartesaal, und der hieß Europa. Acht Tage später fuhr der Zug. Das wusste ich. Aber wohin er fuhr und was aus mir werden sollte, das wusste kein Mensch. Und jetzt sitzen wir wieder im Wartesaal, und wieder heißt er Europa! Und wieder wissen wir nicht was geschehen wird. Wir leben provisorisch, die Inflation nimmt kein Ende!’
[…]
‚Die Vernünftigen werden nicht an die Macht kommen’ sagte Fabian, ‚und die Gerechten noch weniger.’“

Wer Erich Kästner bisher nur als Autor von Werken wie „Emil und die Detektive“ oder „Das fliegende Klassenzimmer“ kannte, in denen er pointiert Geschichten präsentierte, die für Erwachsene und Kinder gleichermaßen geeignet sind, wird überrascht sein, dass es auch einen anderen Kästner gab. Mir war jedenfalls nicht geläufig, dass Kästner auch Bücher geschrieben hat, die sich zielgerichtet an ein erwachsenes Publikum richten. Das Wissen darum änderte sich, als ich im Herbst letztes Jahr einen Artikel in der FAZ las, der von einer Neuauflage seines Werkes „Fabian – Die Geschichte eines Moralisten“ (von dem ich schon öfter mal gehört habe, aber nie wusste, um was es in dem Buch geht) unter dem ursprünglich geplanten Namen „Der Gang vor die Hunde“ las. Hier präsentiert uns Kästner einen Blick in das Berlin der Weimarer Republik Ende der 20er Anfang der 30erJahre des 20.Jahrhunderts, als der 1.Weltkrieg schon überwunden war und die Nationalsozialisten langsam am Horizont auftauchten. Mit den Augen des Jacob Fabian sehen wir eine Welt, in der es, wenn auch übertrieben dargestellt, an unmoralischen und unmenschlichen Situationen nur so wimmelt. Wie sich die Menschen den einfachen Gelüsten hingeben, wie die Kultur immer mehr den Bach runter geht und wie der Umgang der Menschen untereinander nicht mehr durch Respekt sondern durch gegenseitiges Misstrauen, langsam steigende Angst und der Sicherung der eigenen Existenz geprägt ist. Fabian entzieht sich diesem Rummel, indem er belustigt den Beobachter der Lage spielt und abwarten möchte, wohin sich denn alles entwickeln wird. Er lässt sich einfach treiben, er weiß nur nicht wohin die Reise geht.

„Den Untergang Europas konnte er auch dort abwarten, wo er geboren worden war. Das hatte er davon, dass er sich einbildete, der Globus drehe sich nur, solange er ihm dabei zuschaue. Dieses lächerliche Bedürfnis anwesend zu sein! […] Und er musste, noch dazu freiwillig, hinterm Zaune stehen, zusehen und ratenweise verzweifeln.“

Dieses Buch hat mir außerordentlich gut gefallen. Man erkennt den Erich Kästner wieder, den man mit seiner Kinderliteratur lieb gewonnen hat. Seinen ironischen Biss, der auch in den Kinderbüchern durchleuchtet, verstärkt er hier, in dem noch Zynismus hinzukommt, um die Zustände anzuprangern und anzumahnen, dass die Zukunft noch schlimmeres bereit halten wird. In manchen Passagen will man eigentlich über die übertrieben dargestellten Situationen und die Komik die sie eigentlich ausstrahlen schmunzeln, doch dieses bleibt einem meist im Halse stecken und wandelt sich teilweise in einen kalten Schauer um, weil die Weitsicht, die Kästner hier an den Tag legt, beängstigend erscheint. Seine Sprache, die er dafür verwendet ist gewandt, teilweise dreckig und er beschreibt auch Tätigkeiten sexueller Natur, vor denen die meisten zu der Zeit zurückschreckten. Diese Passagen sind es größtenteils auch, die sein damaliger Lektor anmahnte zu kürzen oder umzuschreiben, damit es keinen großen Aufschrei gibt, denn Kästner war zu dem Zeitpunkt als Fabian erschien schon ein bekannter und erfolgreicher Autor. Jede neue Erscheinung des „Fabian“ war also eine „gekürzte“ Variante dessen, was Erich Kästner ursprünglich plante. Durch Zufall ist der Herausgeber des vorliegenden Bandes, Sven Hanuschek, auf das Originalmanuskript von „Fabian“ gestoßen. Dieses sorgsam redigierte Manuskript enthielt auch alle Passagen, die damals für die Erstausgabe herausgestrichen wurden. Hanuschek hat diese Puzzleteile in mühevoller Kleinstarbeit wieder zu dem Roman zusammengefügt, wie ihn Erich Kästner ursprünglich andachte, und er hat die Puzzlearbeit auch im Detail in einem Anhang ausgewiesen, in dem die geänderten Stellen dem Originalmanuskript gegenüber gestellt werden. Außerdem sind dem Roman alle Nachworte von Erich Kästner angehängt, die er je zu Fabian geschrieben hat und ebenfalls erzählt Hanuschek in einem kleinen Essay die wechselvolle Geschichte dieses Buches.

„Deshalb ist es schon ein seltenes Glück philologischer Arbeit, plötzlich in der Stille und Konzentration des Deutschen Literaturarchivs in Marbach vor einem verblüffend gut erhaltenen, handschriftlich korrigierten Typoskript zu sitzen und genau dieses Leseerlebnis zu haben, das nun, mehr als 80 Jahre nach Erscheinen der Erstausgabe, an das lesende Publikum weitergegeben werden kann. Es ist geeignet, das Bild dieses Autors zu verändern, im feinen stilistischen Detail ebenso wie durch Wiedereinsetzung der Streichung im gröberen Register, im politischen wie im erotischen bzw. sittengeschichtlichen: ein freier, frecher Kästner zeigt sich, der seine besten und kreativsten Jahre vor 1933 hatte und der seine ästhetischen Mittel souverän beherrschte.“

Auch wenn ich vielleicht ein wenig zu euphorisch urteile, so muss ich für mich persönlich anmerken, ein ganz großes Werk deutscher Literatur gelesen zu haben, dass man nun endlich in der Fassung vor sich liegen hat, wie es eigentlich schon für 1931 zur Veröffentlichung vorgesehen war. Geschichtlich gesehen ist dieses Buch ebenfalls als ein wichtiges einzuordnen, denn es war, ebenso wie einige lyrische Werke, ein Grund dafür, dass Kästner durch die Nationalsozialisten zu den verbotenen Autoren gezählt und mit einem Veröffentlichungsverbot belegt wurde. Leider hat sich Kästner als Schriftsteller nie wieder davon erholt. Er hat zwar in der Folge weiterhin wundervolle Kinderbücher geschrieben, aber Literatur mit erhobenem Zeigefinger und mit Anspruch war von ihm nur noch selten bis gar nicht mehr zu lesen. Auch wenn es ein relativ versautes Buch ist, würde ich sogar so weit gehen zu sagen, dass dieses Buch einen Kästner in Hochform repräsentiert und Pflichtlektüre in den höheren Klassen der Schule sein sollte und das man gelesen haben muss.


Die Lage des Landes: Roman
Die Lage des Landes: Roman
von Richard Ford
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,90

4.0 von 5 Sternen Wohlstandsprobleme, 20. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Lage des Landes: Roman (Taschenbuch)
Frank Bascombe, aus den Romanen „Der Sportreporter“ und „Unabhängigkeitstag“ bekannt (mir jedenfalls nicht, aber dazu gleich mehr), lebt sein Leben mittlerweile in dem kleinen, fiktiven Küstchenstädtchen Sea- Clift in New Jersey, in dem er als Immobilienmakler tätig ist. Die Geschichte steigt 3 Tage vor Thanksgiving im Jahre 2000 ein und beleuchtet die Ereignisse und Tätigkeiten von Frank in seiner Umgebung bis zu Thanksgiving, zu dem ihn seine zwei Kinder Paul und Clarissa mit ihren jeweiligen Partnern besuchen werden, um mit ihm gemeinsam Thanksgiving zu feiern. Dabei erlebt und erfährt man einen Mann in seinen Mitfünziger- Jahren, der sehr viel durchlebt hat und dies in den Tagen vor Thanksgiving reflektiert. Das wären zum Beispiel die Trennung von seiner zweiten Ehefrau Sally, die ihn für ihren tot geglaubten ersten Ehemann verlassen hat, seine Krebserkrankung an der Prostata spielt auch eine große Rolle, die ihn seit einem Jahr beschäftigt und sehr in Sorge versetzt, der vernachlässigte Kontakt zu seinen Kindern und das Immobiliengeschäft, in dem er tätig ist, dem er sich aber irgendwie gleichzeitig nicht mehr so richtig gewachsen fühlt. Zu diesen ganzen Gedanken und Tätigkeiten, die sich in den Tagen vor Thanksgiving ansammeln, schwelt im Hintergrund noch die Präsidentenwahl um Gore und Bush, der Skandal des knappen Wahlausgangs und der Handauszählung der Stimmen in Florida, der einigen sicher noch im Bewusstsein sollte, sofern die Anschläge auf das World Trade Center, dieses „unbedeutende“ Ereignis nicht überblendet haben.

Dieses Buch habe ich eher durch Zufall auf einem Krabbeltisch entdeckt und nur eingesteckt, weil ich den Autor Richard Ford und sein neuestes Werk „Kanada“ im Auge hatte und mit diesem Buch die Gelegenheit nutzen wollte, seinen Stil kennen zu lernen. Leider habe ich mit „Die Lage des Landes“ ein Buch erwischt, dass (quasi) der dritte Teil einer Trilogie über das Leben des Frank Bascombe ist und mir somit gewisse Vorkenntnisse über diesen Charakter fehlen, weshalb er mir irgendwie fremd und fern blieb. Zusätzlich kann das auch an seinen Aussagen liegen, die eine gewisse Angst vorm Alter erkennen lassen, welche ich nicht kenne und (noch) zu abgehoben vorkommt. Möglicherweise lese ich dieses Buch in 10-15 Jahren mit anderen Augen, aber hier und heute gingen mir manche der Sachen, die in dem Buch beschrieben werden, einfach nur auf den Senkel und waren mit zu pessimistisch angehaucht, was aber bei den Lebensumständen, die Frank Bascombe begleiten, einfach nur logische Begleiterscheinungen sind. Die Geschichte selbst schleppt sich auf knapp 700 Seiten dahin wie zäher Kaugummi, man hat irgendwie nur das Ziel Thanksgiving zu erreichen, damit dieser Spuk ein Ende hat. Zwischendurch erheiterten mich einige nette Passagen und hielten mich bei der Stange, aber das waren nicht sehr viele. Was mich daran hinderte zu überblättern, war die Sprache von Richard Ford, die von Frank Heibert gut ins Deutsche übersetzt wurde, was ich an dieser Stelle einfach mal in Unkenntnis des Originals in den Raum werfe. Sie bringt den Pessimismus von Frank und sein relativ biederes Leben (Stichwort Permanenzphase) auf den Punkt und beschreibt das (manchmal zu oft) sehr genau. Wie die Lage des Landes ist, wird immer mal wieder angerissen, besonders in den Momenten, als es um die Präsidentenwahl von 2000 geht, die damals Bush mit einem sehr kuriosen Ausgang in Florida gewann, wenn das noch einigen im Gedächtnis ist. Man hatte den Schritt ins neue Jahrtausend geschafft und war nun an einem Punkt, an dem man nicht so richtig wusste, wie es weitergehen wird. Man hatte sich auf allem ausgeruht, was in den 90ern geschaffen wurde und es waren halbwegs ruhige Zeiten, bevor es den großen Knall des 11.September 2001 gab. Das lässt Richard Ford sehr schön in das Buch einfließen und zeigt in meinen Augen sehr gut, wie um die Jahrtausendwende in Amerika (vor allem auf dem Land – die großen Städte lasse ich aus dieser Betrachtung mal außen vor) ausgesehen haben könnte, was die Menschen bewegte und in welchen eingefahrenen Wegen sich die meisten befanden.

Ohne Erwartungen an das Buch heran gegangen, erwischte ich einen schweren Brocken, was natürlich auch an der Tatsache lag, dass es ein dritter Teil zu einer Trilogie war, weshalb mir der Hauptcharakter Frank Bascombe relativ fern blieb und ich mich mit ihm nicht identifizieren konnte. Der zweite Punkt war sicher der, dass mich seine Altersprobleme relativ unberührt ließen, auch wenn sie gut beschrieben sind, aber das war einfach zu langatmig (zu viele Palaver um nichts), zu pessimistisch und irgendwie auch einen Ticken zu real. Auch wenn das dem vorhergehenden widerspricht, werte ich das Buch an dieser Stelle trotzdem als lesenswert ein. Man muss sich nur den angesprochenen Kritikpunkten gewiss sein. Ich denke mal, dass ich in dieses Werk in ein paar Jahren noch mal einen Blick werfen werde. Anderen Büchern von Richard Ford werde ich sicher noch Gelegenheit geben, sich in mein Bücherregal zu verirren, denn sprachlich hat es mich auf jeden Fall begeistert.


Was mit dem weißen Wilden geschah: Roman
Was mit dem weißen Wilden geschah: Roman
von François Garde
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was ist Zivilisation?, 20. Februar 2014
Ein Mensch, drei Leben, die er geführt hat und zwei davon werden uns in diesem Buch näher gebracht. Wage angelehnt an einen wahren Fall, erzählt uns François Garde eine Geschichte von einem jungen Mann, der in einer unzivilisierten Welt zurück gelassen wurde, 17 Jahre in dieser verbrachte und als dem Stamm angepasster Mann wieder in seine ursprüngliche Umgebung eingegliedert werden soll.

Narcisse Pelletier, der auf dem Schiff Saint Paul seinen Dienst als Schiffsjunge tätigt, landet mit der Crew von diesem Schiff vor der Nordostküste Australiens. Wasserknappheit auf dem Schiff und einige kranke Crewmitglieder lassen dem Kapitän keine Wahl als an diesem unwirtlichen und noch nicht erkundeten flecken Erde an Land zu gehen, um nach Wasser zu suchen. Bei diesem Landgang entfernt sich Pelletier von der ihm zugewiesenen Gruppe, um weiter landeinwärts nach einer tauglichen Wasserquelle zu suchen. Darüber vergisst er die Zeit und als er zur Küste zurück kommt, ist das Schiff samt allen Besatzungsmitgliedern verschwunden und kein Mast ist mehr am Horizont auszumachen. Anfangs mit großer Hoffnung, die sich aber nach und nach zerschlägt, wartet er auf die Rückkehr des Schiffs. Am Ende seiner Kräfte und kurz vor dem Verdursten wird er von einer einheimischen Aborigines- Frau aufgesammelt, die ihm zu trinken gibt und für ihn nach etwas essbarem jagt. Da Narcisse sich nicht anders zu helfen weiß und auf die Hilfe dieser Frau angewiesen ist, folgt er ihr und kommt somit zu einem Stamm von Aborigines, die sich gerade in diesem Gebiet aufhalten. In einem Anfall von Aggression, so scheint es jedenfalls Narcisse, entkleiden sie ihn und entfernen einen Ohrring, den er auf einen seiner Reisen hat stechen lassen, auf brutale Art, indem sie ihn einfach vom Ohr abreißen. Ansonsten kümmern sich keiner um den fremden weißen Mann, der auf einmal in ihrer Mitte auftaucht. Sie lassen ihn zwar nicht verhungern oder verdursten, aber indem sie ihn bei den Frauen und Kindern lassen, zeigen sie ihm auch, dass er unter den Männern nicht angenommen wird. Anfangs sperrt sich Narcisse, den Gepflogenheiten dieses Stammes zu folgen und macht viele Dinge (außer essen und trinken) eher widerwillig mit, da er denkt, dass er noch gerettet wird. Doch so nach und nach merkt er, dass für ihn keine Hilfe kommt und er lässt sich immer mehr auf diese Menschen ein, die sich ganz anders verhalten, als er es gewohnt ist.

17 Jahre später wird er von dem englischen Schiff John Bell durch Zufall in der Nähe desselben Ortes, an dem er auch gestrandet war, inmitten eines Stammes Aborigines gefunden, die gerade an der Bucht fischen sind. Er wird mit einem Trick auf das Schiff gelockt und nach Sydney gebracht und als Sensation angesehen, aber trotz allem festgehalten. Da er weder sprechen kann oder will und niemand weiß, welcher Nationalität er angehört, wird vom Gouverneur von Sydney ein Test vorgeschlagen, um genau das herauszufinden. Der französische Forscher und Reisende Octave de Vallombrun, der sich gerade zufällig in Sydney befindet, lockt bei diesem Test als Einziger mit seinem Französisch eine Reaktion bei dem wilden Weißen hervor, wodurch festgestellt wird, dass er französischer Abstammung ist. Bei Octave de Vallombrun weckt es ab diesem Punkt den Forscherdrang, da er an Narcisse erforschen will, wie es dazu kommen konnte, dass er alles, was er je über die Zivilisation gelernt hat und was den Begriff Zivilisation westlichem Maßstabs überhaupt definiert, verlernt hat. Doch dieses Vorhaben gestaltet sich im Endeffekt schwieriger als gedacht, denn wie es Narcisse im Laufe der Bekanntschaft mit de Vallombrun sagt: „Reden ist wie Sterben.“.

Australien, der Kontinent, der viele fasziniert und von dem es auch eine unzählige Vielzahl von kleinen Geschichten gibt, die es kaum oder nicht bis nach Europa schaffen. So zum Beispiel auch die, die in diesem Buch in stark abgewandelter Form wiedergegeben wird. Dabei ist das Buch in zwei verschiedene Bereiche beziehungsweise Stile eingeteilt. Ein Stil ist ein Tatsachenbericht, der aus der Perspektive eines Unbeteiligten und aus der Sicht von Narcisse selber berichtet, wie Narcisse in die ihm fremde Welt eintaucht und sich ihr anpasst beziehungsweise annähert, um sein eigenes Überleben zu sichern. Dabei erleben wir zu Beginn dieses Berichtes einen jungen Menschen, der mit seinem Schicksal hadert und die Situation noch nicht zu begreifen scheint und hartnäckig daran festhält gerettet zu werden. Doch als er merkt, dass es nicht anders geht, als sich auf die Umstände einzulassen, ist das der „Todesstoß“ für sein altes Leben und er streift alles ab, was den Menschen Narcisse in seiner Heimat Frankreich ausgemacht hat und wird zum weißen Wilden.

Die zweite Stilform ist ein Briefwechsel von Octave de Vallombrun mit dem Präsidenten einer Forschungsgesellschaft, wobei wir nur die Seite Vallombruns von der Briefkorrespondenz lesen und die Informationen die in den Antworten des Präsidenten stehen, nur aus den darauf folgenden Briefen erahnen können. Darin erleben wir einen Menschen de Vallombrun, der den Präsidenten gottgleich um Rat fragt und ihm detailgenau die Fortschritte berichtet, die er mit Narcisse bei seiner Wiedereingliederung in die zivilisierte Gesellschaft erreicht und wie ihm die Rückschläge an den Nerven zerren, da die Fakten, die ihn wirklich interessieren, sprich das Leben der Eingeborenen auf dem australischen Kontinent, von Narcisse um jeden Preis zurück gehalten werden. Beide Berichte bedingen einander und laufen „parallel“ ab. Er taucht in die Welt der Aborigines ab und mittels der Briefe sehen wir gleichzeitig den umgekehrten Weg. Dabei wird dem Leser indirekt die Frage gestellt, was eigentlich Zivilisation bedeutet. Ist es das Leben, welches die Menschen zu der damaligen Zeit in Europa und der westlichen Welt geführt haben? Spricht gegen die Norm, wie die Eingeborenen des australischen Kontinents ihr Leben führen, um auf diesem unwirtlichen Kontinent zu überleben? Diese Fragen werden nicht direkt gestellt und damit auch nicht beantwortet. Doch sie scheinen durch. Ebenso ist die Skepsis unserer Wertegesellschaft spürbar, die allem fremden und scheinbar unzivilisierten entgegenschlägt und was man auch heute immer wieder merkt, wenn es um Fremdenhass geht (auch wenn das ein weit her geholter Vergleich ist). In dieser Hinsicht ist dieses Buch spannend und aufschlussreich geschrieben. Als ich es zugeschlagen habe, wollte ich es schon als Lektüre abtun, die man schnell wieder vergisst. Doch beim Schreiben dieser Besprechung merke ich, dass mich das Buch doch ein wenig mehr beschäftigt hat als zuerst angenommen.

Einzig die Tatsache, dass die historischen Fakten, die diesem Fall zugrunde lagen, enorm umgeändert worden, stimmt mich ein wenig negativ. Wenn selbst die Umstände im Buch andere sind, als die Fakten, die man bei, zugegebenermaßen kurzer, Internetrecherche findet, dann ist es auch egal, wie man die Figuren nennt, denn die Botschaft, die dieses Buch trägt, wird so oder so transportiert.
Doch das soll dieses Buch in der Summe nicht schmälern. Es ist Abenteuerliteratur, die dieses Genre ein wenig anders angeht als gedacht. Doch gerade für Narcisse Pelletier war es, im Buch, wie im wahren Leben, ein Abenteuer in mehreren Akten.

Dieses Buch kann ich jedem ans Herz legen, der Abenteuerromane mag, die einen, wenn auch nur ein kleines bisschen, zum nachdenken anregen.


Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert: Roman
Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert: Roman
von Joël Dicker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

4.0 von 5 Sternen Führen wahre Meisterwerke nur über die Liebe?, 20. Februar 2014
Harry Quebert, ein angesehener und erfolgreicher Autor, der unter Mordverdacht steht.
Marcus Goldmann, ein aufstrebender und erfolgreicher Debüt- Autor, der seinem Mentor helfen will und mit dem Fall seine Schreibblockade bekämpft, die ihn seit mehr als einem Jahr in der Klemme hält.
Nola Kellergan, eine 15 Jährige Unschuld vom Lande, die 33 Jahre nach ihrem Verschwinden tot im Vorgarten von Quebert gefunden wird.
Aurora, eine typische Kleinstadt an der Ostküste der USA, in der Quebert lebt und die den typischen Kleinstadtcharme versprüht, in der jeder jeden kennt und in der die Leute viel zu verbergen haben.
Das ist der grobe Rahmen, den dieser spannende, einfach geschriebene Krimi vorgibt, der Dickers zweiter Roman ist und der letztes Jahr die Bestsellerlisten stürmte. Dieses Buch krankt an ein paar Kleinigkeiten ist aber im Großen und Ganzen spannende Unterhaltung, die es lohnt zu lesen.

Harry Quebert, der vor über 30 Jahren seinen Durchbruch mit dem Buch „Der Ursprung des Übels“ feierte, wird des Mordes an dem jungen Mädchen Nola Kellergan beschuldigt. Nola galt 33 Jahre als vermisst und die Suche nach ihr wurde bald eingestellt. Bei Ausgrabungsarbeiten im Garten von Harry Quebert wird die Leiche des Mädchens gefunden und ein Manuskript des eben genannten Buches, was Harry Quebert zum Hauptverdächtigen werden lässt.
Marcus Goldmann hat eine Schreibblockade. Er hatte einen großen Erfolg mit seinem Debütroman und hat das Leben in vollen Zügen genießen können. Leider hat er im Überschwang des Erfolges einen Knebelvertrag unterschrieben, welcher ihn zu weiteren fünf Büchern verpflichtet. Da er das nächste große Meisterwerk schreiben möchte, ist ihm kein Satz gut genug und sein Talent versagt ihm den Dienst. Sein Verleger macht ihm dagegen Druck und setzt Marcus ein Ultimatum. Um sich besser konzentrieren zu können und weil er Hilfe erwartet, geht er zu seinem Mentor Harry Quebert, der ihm alles über das Schreiben beigebracht hat. Doch auch dieser kann ihm nicht helfen und so reist Marcus wieder ab und geht nach New York zurück.
Kaum zurück, erreicht ihn die Nachricht, dass Harry unter Mordverdacht steht und das im Zuge der Ermittlungen herauskommt, dass Harry eine Beziehung mit dem Mordopfer hatte. Da diese zum Zeitpunkt der Tat erst 15 Jahre alt war und Harry schon über 30, wird er als Autor und Mensch verteufelt und seine Werke aus allen Bibliotheken und Buchhandlungen entfernt. Dies und das schon erwähnte Manuskript sind Indizien, die Harry schwer belasten und keiner, außer Marcus, glaubt mehr an seine Unschuld und alle fragen sich nur noch, wie lange es dauert, bis Harry verurteilt wird und wie hoch die Strafe ausfällt. Doch im Zuge seiner Ermittlungen, die durch Perry Gahalowood von der State Police unterstütz werden, stellt Marcus fest, dass die Dinge nicht so eindeutig stehen, wie sie eingangs aussahen. Doch die Wahrheit, die Marcus herausfinden wird, stellt alles in den Schatten und er wittert die Chance, durch sein Wirken Harry zu entlasten. Als Zugabe fällt ihm die Geschichte seines Lebens in den Schoß, die er zu einem Buch verarbeiten wird und das ihn zum nächsten großen Autor machen wird.

„Wenn das Buch dem Ende zugeht, Marcus, bieten Sie Ihrem Leser in letzter Minute einen Überraschungseffekt.“
„Warum?“
„Warum? Weil man den Leser bis zum Schluss in Atem halten muss. Das ist wie beim Kartenspielen: Ein paar Asse müssen Sie bis zum Ende im Ärmel behalten.“

Diese Aussage nehme ich einleitend dafür, dass das nicht immer unbedingt die beste Methode ist, um ein Buch spannend zu gestalten, denn die besagte Passage, die sich diesen Worten anschließt, passt nicht so richtig in die Geschichte hinein, streckt das Buch unnötig in die Länge und hat in mir während des Lesens das Gefühl erzeugt, dass es Joël Dicker (bewusst) etwas übertreibt und mich damit fast darum gebracht hat, dieses Buch zu mögen. Ich jedenfalls habe ab dieser Stelle permanent mit dem Kopf geschüttelt, ob der Unlogik und Übertreibungen, die Dicker hier einem auftischt. Zum Glück bekommt er die Kurve noch und fängt sich in den Kapiteln danach wieder. Ebenso ist die Liebesgeschichte zwischen Harry und Nola etwas hanebüchen gestaltet. Man kann in Liebende nicht hineinschauen und sie machen sicher auch blöde Dinge und sprechen nicht unbedingt hochtrabend miteinander, aber was die Liebe zwischen diesen beiden angeht, wollte ich sie nicht so richtig schlucken. Das Meisterwerk „Der Ursprung des Übel“ war auch nicht unbedingt das, was man sich unter einem ebensolchen Meisterwerk vorstellt. Jedenfalls waren die Passagen, die im Buch abgedruckt sind, nicht gerade eine berauschende Symphonie von Prosa, die Weltruhm erlangt. Legen wir es einfach in dem Sinne positiv aus, dass es dem Fortgang der Geschichte den nötigen Vortrieb gibt und eine entscheidende Rolle spielt. Über alles Weitere kann man wohlwollend ein Auge zudrücken.
Das klingt jetzt alles negativer als ich dieses Buch im Ganzen machen will und es auch nicht sehe. Es sind einfach Dinge, die einem negativ auffallen, die aber den Gesamteindruck des Buches nicht so stark schmälern. Es ist gute Unterhaltungsliteratur, die den Leser im Sinne von Dan Brown (Frevel, dass ich diesen Namen hier nenne?) dazu verleitet, die Seiten zu überfliegen, weil man wissen will, wie es weiter geht. Dabei versteht es Joël Dicker, den Leser gekonnt in die eine Ecke rennen zu lassen, nur um ihn dann im nächsten Kapitel mit einer neuen Information zu überraschen, die den Fall Nola Kellergan (hüstel den Fall Harry Quebert) wieder in einem völlig neuen Blickwinkel erscheinen lässt. Das es am Ende ganz anders kommt, als gedacht, brauche ich nicht weiter zu betonen und ich würde sogar behaupten, dass selbst diejenigen, die bei Krimis meist den Täter schon weit vor dem Ende erraten, hier vor arge Probleme gestellt werden, heraus zu finden, was wirklich vor sich gegangen ist.
Nebenbei versteht es Joël Dicker noch, den ganzen Literaturbetrieb durch den Kakao zu ziehen und es ist als ein Wunder anzusehen, dass Dicker sein Werk so veröffentlichen konnte. Die Hysterie, wenn ein Erfolgsautor etwas Kriminelles getan hat, selbst wenn es nicht eindeutig bewiesen ist. Den Druck, den Verleger auf ihre Autoren ausüben. Die Hinterlistigkeit, mit der die Verleger an Informationen kommen und diese zu ihrem Vorteil nutzen, um den Profit des nächsten Buches zu steigern und vieles mehr, was fein ausgearbeitet wird. Es existiert parallel neben dem Hauptplot und macht stellenweise sogar mehr Spaß als der Kriminalfall.
Insgesamt ist das Buch in 31 Kapitel (Einleitung und Nachwort exklusive) eingeteilt, die allesamt mit einem Rat von Harry Quebert an Marcus Goldmann eingeleitet werden, die als Lektionen gedacht sind, wie man ein (gutes) Buch gestaltet und inhaltlich grob aufzubauen hat. Manche dieser Kochrezepte sind recht einfach gehalten und andere richtig gut. Alle spiegeln grob den Inhalt des darauf folgenden Kapitels wieder. Beispiele gefällig?

Hausmannskost

„Harry, wie lange braucht man, um ein Buch zu schreiben?“
„Das kommt darauf an.“
„Worauf?“
„Auf alles.“

Ratschlag, der mir gefallen hat

„Das Gefährliche an Büchern ist, Marcus, dass Sie manchmal die Kontrolle über sie verlieren können. Sie zu veröffentlichen bedeutet, dass das, was Sie einsam vor sich hingeschrieben haben, plötzlich Ihren Händen entgleitet und in den öffentlichen Raum entschwindet. Dieser Augenblick birgt eine große Gefahr. Sie müssen die Sache jederzeit fest im Griff haben. Die Kontrolle über sein eigenes Buch zu verlieren ist eine Katastrophe.“

Wer verschachtelte Krimis mag und an einer spannenden Geschichte interessiert ist, die ein paar Seitenhiebe auf das Verlagswesen nicht auslässt, der ist bei diesem Buch genau richtig. Ist es ein Meisterwerk? Das ganz sicher nicht, auch wenn viel von Liebe gesprochen wird, aber das größtenteils so hölzern, dass man diesen Anteil nicht allzu ernst nehmen sollte. Trotz dessen, dass es einen großen Teil der Geschichte einnimmt, verdirbt es einem nicht den Spaß am Knobeln und Lesen. Zusätzlich dazu ist das Ganze recht seicht und human geschrieben (z.B. trinken die Leute größtenteils Limo statt starke alkoholische Getränke, die Gewaltdarstellungen sind zurückhaltend geschrieben), so dass es kein ernstzunehmender Roman ist, aber auch keine Geschichte, die man so schnell vergisst. Ich hatte meinen Spaß an dem Buch und werde es, wenn die Gelegenheit wiederkommt, bestimmt noch mal lesen und sei es nur, um die Logiklöcher zu finden.


24 - Season 3 (7 DVDs)
24 - Season 3 (7 DVDs)
DVD ~ Kiefer Sutherland
Wird angeboten von media-summits
Preis: EUR 9,98

3.0 von 5 Sternen Da läuft einem doch glatt das Blut aus der Nase, 24. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: 24 - Season 3 (7 DVDs) (DVD)
*** Enthält Spoiler ****

Nach endlos langer Zeit habe ich es endlich geschafft, die 3.Staffel zu beenden, denn zwischendrin war mir die Lust vergangen, dieser Geschichte weiter zu folgen. Nach einer geschickten 1.Staffel, die auch ihre Hänger hatte und einer 2.Staffel, die kaum Luft zum Atmen ließ, kommen uns die Macher mit diesem teilweise hingeschusterten Werk entgegen und ich wusste nicht so richtig damit etwas anzufangen, einerseits. Andererseits fängt die Serie in dieser Staffel an moralisch fragwürdig zu werden, was ab dem Zeitpunkt auch in den Medien sehr präsent war und die Serie, wie ich damals empfand, erst so richtig bekannt machte. Ich weiß zwar nicht, wie sich das noch weiter entwickeln wird, aber nur um der Effekthascherei willen Entscheidungen oder Zwänge herbeizuführen, die sich im Nachhinein als vollkommen sinnlos herausstellen, lassen mich mit einem Kopfschütteln zurück. Dazu dann später mehr.
Diesmal geht es um einen Virenanschlag, der auf L.A. und weitere Städte der USA verübt werden soll. Wer dahinter steckt und was seine Motive sind, bleibt lange im Dunkeln und man wird auch ziemlich lange an der Nase herum geführt. Zuvorderst entwickelt sich der Plot dahin, das Jack Bauer und Tony Almeida eine Undercover- Aktion geplant haben, um einem Drogenkartell um die Salazar- Brüder auszuheben und ihnen bei einem Deal, bei dem sie einen gefährlichen Virus erwerben wollen, dazwischenzufunken. Um in das Kartell eingeschleust zu werden und um die Tarnung perfekt aussehen zu lassen, ist Jack Bauer zum heroinsüchtigen geworden, was ihn auch den Job bei der CTU kosten könnte, wenn das heraus kommt.

Ein langsamer, schleppender Beginn, viele kleine Nebenhandlungen, die im Sand verlaufen, Figuren, die eigentlich schon nichts mehr in dieser Serie verloren haben, tauchen doch nochmal auf, moralisch fragwürdige Entscheidungen und nervenzerrende (An)- Spannung im letzten Drittel prägen diese 3.Staffel der Erfolgsserie. Ich habe diese Staffel zweigeteilt gesehen, denn nach ungefähr 2/3 des Gesehenem war ich übersättigt und wollte es vorerst nicht mehr weitersehen, es war mir zu viel. Nach ein paar Monaten Pause wurden die letzten 8 Folgen geschaut, die dann größtenteils doch noch für Spannung gesorgt haben. Doch was war es, was mich so aus dem Konzept brachte, dass ich eine Unterbrechung einschieben musste? Da waren zum einen die völlig unverständlichen Nebenplots, die sich nach und nach in Luft auflösten und überhaupt keine Rolle mehr spielten beziehungsweise in keinerlei Verhältnis in den Hauptplot eingegriffen haben geschweige denn Spannung erzeugten, allen voran die Story um die Salazar- Brüder, die die gesamte erste Hälfte einnimmt, Jacks Drogensucht erklärt und dann überhaupt keine Rolle mehr spielt und eigentlich nur als Einleitung für den geplanten Virenanschlag und den Mastermind hinter diesem Plan fungiert. Hätte man straffer gestalten können, wenn nicht sogar müssen, denn das Handeln von manchen Personen war hanebüchen und fernab jeder Realität (zum Beispiel eben jener Salazar- Brüder). Ebenso wurde nochmal die Figur der Nina Myers ins Spiel gebracht, die unnötig wie ein Kropf nochmal auftauchte, nichts zur Handlung beitrug und eigentlich nur dazu da war, endlich beseitigt zu werden (was habe ich aufgeatmet, als diese Theater um diese Person endlich beendet war). Als die erste Hälfte der Staffel mit dem Tod der Salazar- Brüder beendet war, konnte man nun getrost zur eigentlichen Geschichte der Staffel vordringen und so langsam mal Spannung und Konzept einfließen lassen, doch auch hier ging erst einmal alles wieder drunter und drüber und ich hatte vorerst keine Lust mehr verspürt, mit diesen Quatsch, bei dem dann auch noch Cherry Palmer mitspielte anzutun.
Nach der langen Pause, die guttat, habe ich mir dann die letzten 8 Folgen angeschaut, die an Spannung dann kaum noch zu überbieten waren und die für vieles, was vorher verzapft wurde, entschädigt. Doch auch hier gab es zumindest den kontroversesten Punkt der Staffel, der mich verschreckte ob der Brutalität und der Sinnlosigkeit dieser Tat. Die Rede ist von der Exekution von Ryan Chappelle, die so nicht hätte sein müssen und für mich nur pure Effekthascherei darstellte, um einen fetzigen und schockierenden Cliffhanger zu erzeugen. Wie schon mehrmals von anderen angedeutet, ist das für mich die bisher moralisch fragwürdigste Handlung der Serie und eigentlich nicht zu vertreten, denn schon in der darauf folgenden Folge, wird dieser Tod ad absurdum geführt und seine Sinnlosigkeit vollkommen entblößt. Wenn das in den folgenden Staffeln so weitergeht, und das befürchte ich, dass das so kommt, dann zieht es diese Serie für mich persönlich ein stückweit runter. Ich meine damit nicht, dass es Opfer geben wird, aber nicht auf diese Art und Weise, denn es muss doch auch anders gehen, auch wenn man mit diesem Format versucht, nah an der Realität zu sein, gibt es trotzdem gewisse Grenzen, die man einhalten sollte.
Insgesamt war es diesmal solide Unterhaltung mit einer hanebüchenen ersten Hälfte und einer an Spannung kaum zu überbietenden zweiten. Es treten zum Teil nochmal Figuren auf, die man sich nicht nochmal auf dem Bildschirm wünschte und die wahrscheinlich nur nochmal zurück gebracht wurden, um sie endgültig zu beseitigen (was ich im Falle von Nina Myers und Cherry Palmer nur gutheißen kann, die waren einfach nur noch nervig). Manche Vorgehensweisen waren für mich haarsträubend und entbehrten jeden Realitätssinn und die angesprochene Exekution von Chappelle war durch nichts zu vertreten oder zu erklären - unterste Schublade. Alles in allem solide Unterhaltung, die nicht jedem zusagen wird und die ein zartes Nervenkostüm aufweisen sollten einen Riesenbogen darum machen.


Zuckerleben
Zuckerleben
von Pyotr Magnus Nedov
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gegen die Kopfschmerzen ein Stamperl Samagon, 24. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Zuckerleben (Gebundene Ausgabe)
Toylan Andreewitsch fährt mit seinem Ford Transit durch die Abruzzen, als er plötzlich 2 Teenagern, Christina und Angelo, ausweichen muss, die sich mit Selbstmordabsichten auf die Straße gelegt haben. Da Toylan geistesgegenwärtig handelte, ist dieses Unterfangen gründlich schiefgegangen und hätte Toylan fast selber das Leben gekostet. Nachdem sich alle von dem Schock erholt haben, stellen sich alle vor. Christina und Angelo haben vor kurzem ihren Job in einer Zuckerfabrik verloren, wegen der Krise wie sie behaupten, und wollten deshalb, aufgrund Perspektivlosigkeit, das Leben nehmen. Toylan hört den beiden aufmerksam zu und als sie eine Unterkunft erreichen, die Toylan Andreewitsch nicht ganz zufällig ansteuert, erzählt er den zweien eine Geschichte, was eine wirkliche Krise ist.

Diese Geschichte spielt sich im Jahr 1991 ab, als die Sowjetunion dem Verfall entgegenrast und Moldawien mittendrin. In diesem Land, im Städtchen Donduseni, geht gerade alles vor die Hunde und speziell die ortsansässige Zuckerfabrik, die einem gewissen Hlebnik gehört, muss schließen. Als das passiert, gehen alle Mitarbeiter auf die Barrikaden und pflücken die Fabrik auf der Suche nach 40t Zucker auseinander, die alle dort vermuten. Allen voran der gerade in die Rente entlassene Ilytsch, der von seinem hart erarbeiteten Rentenanspruch durch den Verfall der Sowjetunion ein besonderes Interesse an den 40t Zucker hat. Zusammen mit einem gewissen Pitirim Tutunaru findet er die 40t Zucker in einem Geheimgang, der von Zuckerfabrikdirektor Hlebnik angelegt wurde. Sie beschließen, diesen Zucker in Samagon zu verarbeiten und diesen zu verkaufen. Vom Erlös wollen sie sich die Ausreise nach Italien erkaufen und ein neues Leben starten. Mit diesem Plan machen sie sich nicht nur Freunde. Es entspinnt ein Kampf zwischen den lokalen Bandenchefs und den beiden mit, die mit ihren Freunden einfach nur ein ehrgeiziges Ziel verfolgen.

Als ein direkt Betroffener" der Wende, in dessen Folge auch die Sowjetunion zerbrach, interessierte ich mich für diese Geschichte, wie sich die Menschen in Zeiten der Krise ein gerüttelt Maß an Optimismus bewahren und so diese Krisen überstehen, die das Leben oder die Umwelt für sie bereit halten und einfach das Beste daraus machen. Ich bin ohne große Ansprüche an das Buch heran gegangen und erhoffte mir eine halbwegs fröhliche Geschichte und wurde teilweise nicht enttäuscht. Die Geschichte teilt sich in zwei Zeitebenen, wovon eine im Jahr 2011 und die andere im Jahr 1991 spielt. Dabei ist die Geschichte des Jahres 2011 eher eine Klammer für die Vergangenheit. Beide Zeitebenen haben einen Zusammenhang, der am Ende erklärt wird, woraus sich im Buch aber kein Spannungsbogen bezieht. Die Spannung erhält das Buch eigentlich nur dadurch, ob Tutunaru und Ilytsch ihren Plan, nach Italien auszureisen, umsetzen können oder nicht. Spannung baut sich aber auch dadurch nicht auf. Es kommt mehr auf das Panorama an, welches man von einem Land serviert bekommt, welches sich an einem Scheideweg befindet und von vorn anfangen muss und was es aus den Menschen macht, die darin leben. Dabei bekommt man allerlei skurrile Typen präsentiert, die auf ihre Art die Krise verarbeiten und für sich zu nutzen wissen oder eben nicht damit klar kommen und ihren Frust, das alles zerbricht, im Alkohol ersäufen.

Der Witz kommt dabei nicht zu kurz, der auch manchmal schwarz ist, aber, und das muss man groß hinten anstellen, ist das Buch sprachlich ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite macht es Spaß und man muss manchmal ein Lachen unterdrücken, auf der anderen ist es so umständlich und langatmig geschrieben, dass man in die Seiten springen will, um den Leuten darin zu sagen, dass sie mal zu Potte kommen sollen. Manche Stellen, gerade die, die in der Gegenwart spielen, passten für mich gar nicht in das Gesamtkonzept. Die Figuren um Christina und Angelo sind für mich das passende Beispiel, da sie nur eingeführt werden, um die Vergangenheitsgeschichte erzählt zu bekommen. Alles andere, was die beiden Figuren bewegt und zu ihren Taten veranlasst, ist mir zu holzschnittartig und klischeebelastet angelegt und berührte mich überhaupt nicht. Zusätzlich, wie eben angesprochen, störte mich der sprachliche Ballast, denn es ist es schon seltsam, auf einmal einen Dialekt zu lesen, der so gar nicht in die Region passen will, die in dem Buch beschrieben wird. Das fiel mir beim Lesen negativ ins Gewicht.

Wie man entnehmen kann, bin ich bei dem Buch hin- und hergerissen, wie ich es bewerten soll. Es hatte seine guten, wie auch schlechte Stellen. Es hat mich erheitert, aber auch teilweise geärgert. Insgesamt kann ich keine klare Leseempfehlung aussprechen. Diejenigen, die sich gerne mit Ostblockgeschichten oder solchen Geschichten mit leichtem Einschlag von Schelmentum interessieren, sind bei diesem Buch gut aufgehoben. Alle anderen sollten sich vielleicht erst einmal einlesen, gerne auch mal mittendrin, um sich für das Buch zu entscheiden.


1977
1977
Preis: EUR 17,14

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Album, welches ich von P.Kalkbrenner nach Berlin Calling erwartet hätte, 11. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: 1977 (Audio CD)
Unerwartet und ohne zu wissen, auf was ich mich da einlasse, nur einer Rezension in der Groove wegen, habe ich mich auf dieses Werk eingelassen ohne vorher eine Hörprobe genommen zu haben. Alleine wie die Rezension verfasst ist, habe ich mich auf eine Happy- Techno Nummer gefreut und sogar noch mehr als das bekommen. Vorweg muss ich erwähnen, dass ich mir das Album als mp3- Version bei einem einschlägigen Internetshop für elektronische Tanzmusik besorgt habe und da habe ich entgegen dem, was bei Amazon angeboten wird, die 13 Nummern in extended oder was auch immer Version bekommen, so dass sich das Album auf eine Gesamtspielzeit von über 100min bringt. Das muss ich an dieser Stelle mal anbringen, da es mich schon wundert, dass die mp3- Albumversion, die Amazon anbietet, anscheinend kürzer ist als die Versionen, die ich habe und wahrscheinlich nur" die gerippte CD widerspiegelt.
Zur Musik selber. Der erste Gedanke, der mich umwehte, als sich die ersten Töne in meine Gehörgänge windeten, war der, dass diese Musik glatt von Paul Kalkbrenner aus seinen besten Zeiten stammen könnte (hoffentlich steinigt mich keiner für diese Aussage) und freute mich auf vergnügliche und unterhaltsame anderthalb Stunden. Doch es wurde sogar besser und meine Erwartungen wurden weit übertroffen, weshalb ich mich mit meiner Überschrift ein bisschen aus dem Fenster lehne(n will). Die Musik ist irgendwie beides, partytauglich und für den heimischen bzw. Autohörgebrauch gängig. Sie macht flinke Beine, geht ins Ohr und bleibt dort auf eine bezaubernde Art und Weise im Kopf hängen. Kölsch schafft es, verzaubernde Melodielinien mit knarzenden Elementen so zu verbinden, dass einem das Ganze nicht auf den Zeiger geht und man möchte dieser Musik am liebsten stundenlang lauschen. Einen Favoriten habe ich für mich bisher noch nicht gefunden und das wird wohl schwierig, da alle 13 Titel etwas besonders an sich haben, was man nicht so richtig beschreiben kann und was einen nur berauscht zurück lässt. Nach dem Genuss von 1977 sollte man sich erst einmal ein paar Pils (bitte kein dünnes Kölsch :D - der Wortwitz muss sein) genehmigen, um sich von dieser rasanten Fahrt zu erholen und dabei ein paar chilligere Töne in die Anlage schmeißen.

P.S.: Bei dem Anbieter, bei dem ich mir das Album geholt habe, sind anscheinend die (originalen) langen Versionen der Titel in die Zusammenstellung gekommen. Vergleicht man die mp3- Tracks, die es bei Amazon einmal für das Album und andererseits als Einzelreleases bzw. für Compilations gibt, stellt man fest, dass es teils erhebliche Laufzeitunterschiede gibt. Finde ich in diesem Sinne Schade, dass man nicht die Möglichkeiten nutzt, um bei der mp3- Version (die ja der CD neuerdings sowieso mitgeliefert wird) gleich die langen Versionen drauf zu packen. Würde mich schon interessieren, warum es da zwischen Amazon und Anbietern, die die Musik im rein elektronischen Format anbieten, solche Unterschiede gibt.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 17, 2014 2:09 PM CET


II (Deluxe Version)
II (Deluxe Version)
Preis: EUR 22,98

4.0 von 5 Sternen Kleiner Bruder, reifere Produktion, 10. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: II (Deluxe Version) (Audio CD)
Da ist es nun, dass zweite Album der Kollaboration von Modeselektor und Apparat, dass unter dem Namen II erschienen ist. Auf den ersten Blick ist es der kleine Bruder des ersten Albums und ließ mich leicht enttäuscht zurück, doch bei den nachfolgenden Durchgängen wurde es etwas besser, aber an das Hörerlebnis des ersten Albums kam es leider nicht ganz heran. Zum einen fehlte mir ein wenig die Abwechslung und der Spannungsaufbau über das gesamte Album hinweg, welche das erste Album geprägt haben. Dann sind auch weniger Titel dabei, die mir persönlich gefallen haben. Doch ist das alles Jammern auf hohem Niveau, denn, und das muss man den 3en lassen, die einzelnen Tracks sind reifer in ihrer Anlage, im Arrangement, im Spannungsaufbau und es schälen sich die besseren Einzelmomente heraus, die einfach nur Gänsehaut erzeugen. Gerade Bad Kingdom ist so ein Monstertrack, der für mich schon jetzt einer der besten des Jahres ist, weil hier alles stimmig ist. Alleine diesen Titel kann man zusammen mit dem Intro stundenlang in Dauerschleife dudeln lassen, ohne das es langweilig wird. Leider ist Bad Kingdom gleich am Anfang auf dem Album, so dass man eine immense Erwartung an den Rest hat, der nur teilweise erfüllt wird. Gerade Versions ist so ein Kandidat, der auch anständig in die Gehörgänge geht, aber gegen Bad Kingdom im direkten Vergleich nur verlieren kann, doch auch eine immense Qualität hat. Begeistern konnten mich noch die Tracks Milk, der trotz seiner Länge einen genialen Aufbau hat, der den Titel immer weiter voran treibt und Damage Done, dessen Melancholie 1:1 von einem Apparat- Album kommen könnte. Der Rest ordnet sich dem irgendwie unter und prägt sich auch nicht so ein, wie die genannten, obwohl auch diese ihre Qualitäten haben.
Insgesamt ist es ein anspruchsvoll produziertes elektronisches Album, dass sicher seine Zeit braucht, bis man sich daran gewöhnt hat. Es hat wenig tanzbare Elemente (abgesehen von Milk eigentlich so gut wie gar keine) und ist eher für eine gemütliche Hörsession auf dem heimischen Sofa oder für die Autofahrt geeignet. War für mich nicht das beste Album im Jahr 2013, aber eines, dass man sich noch öfter anhören und nicht in Vergessenheit geraten wird.


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