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Rezensionen verfasst von
"wolfchristoph"

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Is This It
Is This It
Preis: EUR 6,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Platte des Jahres, 18. Dezember 2002
Rezension bezieht sich auf: Is This It (Audio CD)
Elf wunderbare Songs, rockig, ungemein melodiös und so wunderschön hingeschrammelt wie einst die Songs auf den ersten Tocotronic-Platten. Höhepunkte der Platte lassen sich kaum ausmachen, da die Singles wie "Is this it" oder "Hard to explain" einfach nur etwas großartiger sind als die restlichen ebenfalls durchweg großartigen Songs.
Doch statt viele Worte zu verlieren, einfach nur der profane, aber wirklich angebrachte Tip: kaufen! Allerdings lieber das Album als die Mix-CD mit Album und Live-Aufnahmen. Nicht das die Live-Recordings schlechter wären, aber auch das Studioalbum wurde live eingespielt. Der Unterschied zwischen Studioplatte und Livesongs ist daher eher gering.


Glückliche Tage. Happy Days. Oh les beaux jours (suhrkamp taschenbuch)
Glückliche Tage. Happy Days. Oh les beaux jours (suhrkamp taschenbuch)
von Samuel Beckett
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,50

9 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bittersüß., 7. Dezember 2002
Winnie ist glücklich und im ersten Akt bis zur Hüfte in einen Sandhügel eingegraben. Und vielleicht ist es gerade dass, was sie glücklich macht. Als sie von jener Klingel geweckt wird, die die den im Stück immer währenden Tag in Schlaf- und Wachzeit teilt, beginnt Winnie zu monologisieren, über V(v)ergangenes(,) Glück. An Winnie Seite liegt Willy, dem Winnie den Kopf blutig schlägt, als er nicht mit ihr redet. Willy stört das wenig und im zweiten Akt ist Winnie bis zum Hals im Sandhügel versunken. Schlagen kann sie nun nicht mehr, aber sich glücklich reden. Beckett sei Dank.
Traurig-schön zu lesen, aber im Theater sehr anstrengend. Doch wer schön sein will, muss leiden. Wer Schönes sehen will, wohl auch. Ein wenig zumindest.


Hunde von Riga: Thriller
Hunde von Riga: Thriller
von Henning Mankell
  Taschenbuch

12 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ein Stern, aber wahrlich keine Sternstunde, 7. Dezember 2002
Rezension bezieht sich auf: Hunde von Riga: Thriller (Taschenbuch)
Die Gründe, ein Buch zur Lektüre zu erwählen, können durchaus verschieden sein. Man kann durch Hörensagen Interesse entwickelt haben, durch eine Kritik aufmerksam geworden sein oder auch einfach den/die Autor(in) wenigstens vom Namen kennen, und somit Bücher von diesem(r) für sich selbst als lesenswert erachten. Ein solcher Autor ist für viele Henning Mankell. Ein Blick auf die Bestseller-Listen offenbart - der Schwede ist ein Star. Lange Zeit war er der Einzige, der den Zauberkünsten Harry Potter's zum Trotz in die oberen Regionen der deutschen Belletristik-Charts einbrechen konnte. Schon vor der Veröffentlichung des jeweils nächsten neuen Buches, war der Verkaufserfolg gewiss. Star der Romane ist dabei jeweils Kurt Wallander, ein schwedischer Kommissar mit zerbrochenem Familienglück und auch sonst allerlei Selbstzweifeln. Enttäuscht wäre wohl nicht die richtige Wortwahl, um meine Gefühle nach der Lektüre meines ersten, und wohl auch letzten Wallander-Krimis treffend zu beschreiben. Eigentlich war ich nur ernüchtert.
Beeindruckt von den Verkaufszahlen hatte ich mir Wallanders zweiten Fall vorgenommen, betitelt "Hunde von Riga". Der Plot der Story ist schnell erzählt.
In einem roten Schlauchboot treiben zwei Leichen an die schwedische Küste, Wallander beginnt zu ermitteln. Er kann jedoch nur feststellen lassen, dass die Leichen aus Lettland stammen. Als von dort ein Leutnant zur Unterstützung anreist, wird das Boot aus dem Polizeirevier gestohlen, der Leutnant muss zurückkehren und fällt in Riga umgehend einem Gewaltverbrechen zum Opfer. Nun reist Wallander nach Riga, zwischendurch immer wieder von seiner Midlife-Crisis geplagt, wo er zwei Oberste bei den Ermittlungen unterstützen soll. Von diesen wird er jedoch mit einem unschuldig als schuldig bezeichneten Täter abgespeist, sein Fall wird vor dessen Lösung, soviel erkennt Wallander noch, als beendet erklärt und er zum Flughafen gebracht. Zurück in Schweden nimmt er ein Bad in Selbstmitleid und Selbstzweifeln, vorgeblich des unaufgeklärten Falles, eigentlich jedoch der Witwe des Leutnants wegen, in die er sich verliebt hat. Also kehrt er letzten Ende inkognito nach Lettland zurück, ermittelt auf eigene Faust, erlebt ein Massaker mit und ist nicht einmal bemüht, irgendwelche Spannung zu erzeugen. Dass er den Fall letztlich löst und trotz aller von Mankell noch so künstlich erzeugten Todesangst, die partout nicht die Langeweile beim Leser vertreiben kann, niemals wirklich in Gefahr gerät, ist dem geneigten, mit denkenden Leser schon frühzeitig klar. Schließlich ist "Hunde von Riga" erst der zweite, und leider noch nicht der letzte Fall des den Leser mit seiner selbstmitleidigen Art - ein Polizist, der sich Gedanken über die schwedische Gesellschaft macht und sich deswegen ab und an betrinkt - bedrängenden Kommissars.
Besonders enttäuschend war bei der Lektüre des mehr als 300 Seiten umfassenden Buches die Art und Weise, wie Mankell seine Geschichte geradezu konstruiert statt spannend und eindringlich erzählt. Vieles erscheint lediglich als zweckmäßig eingebaut und dient bei Lesern, die noch nie zuvor einen Krimi gelesen haben, mit Sicherheit dazu, begeistert, mitgerissen und sogar gespannt auf das Ende zu sein. So zieht Mankell die Geschichte anhand eines Schlauchbootes auf, dass samt zweier Leichen, denen vor der Exekution noch die Jacken ausgezogen, danach aber wieder angezogen worden waren, an die schwedische Küste treibt. Warum man die Leichen aber nicht effektiver hat verschwinden lassen und was es mit der seltsamen Hinrichtungsmethode auf sich hat, wird nie wieder erwähnt geschweige denn geklärt. Dies ist nur eines von vielen Beispielen, die Mankell zwar Seiten bringen, die Qual des Lesers bei der Lektüre aber tatsächlich nur in die Länge ziehen.
Tatsächlich ist das Buch nichts als ein routiniert niedergeschriebenes Werk, dass den Autor scheinbar auch selbst nicht besonders gefallen hat. Mankell wollte einen Kriminalroman schreiben. Das hat er getan, wobei er alle von ihm wohl als spannend gedachten Momente sorgfältig kreiert hat. So erscheint "Hunde von Riga" zeitweilig wie eine Best-of-Sammlung spannender Kriminalgeschichten, nur dass dem Leser die Spannung diesmal schon von Beginn an verloren geht. In einer Hinsicht hebt sich das Buch dennoch von anderen Krimis ab - die Hauptperson kann nie das Herz des Lesers gewinnen. Immerhin.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 7, 2011 1:25 PM MEST


Rituale: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Rituale: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Cees Nooteboom
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,50

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Wunderbar?" "In der Taad!", 7. Dezember 2002
Cees Nooteboom ist in den heutigen Tagen ein Kandidat für den Literaturnobelpreis, was jedoch nicht allzu viel heißen mag. 1980 jedenfalls gehörte er noch nicht zu diesem elitären Zirkel, und vielleicht veröffentlichte er gerade deshalb damals den Roman, der ihm Zugang zu dieser Welt seltsamer Mythen verschaffen sollte - "Rituale". In diesem, seinem dritten Werk, geht es jedoch überhaupt nicht um so etwas Idealisiertes wie den Nobelpreis, der Held Innigo Wintrop ist weder elitär noch ambitioniert, einen Preis zu erhalten. Und trotzdem haben beide, Nobelpreis und Inni in der Art und Weise, wie sie etwas Einzigartiges, scharf Abgegrenztes und schwer Durchschaubares darstellen, gewisse Gemeinsamkeiten Mehr jedoch auch nicht.
Inni lebt sein Leben im Amsterdam der 60er Jahre, und bisweilen drückt er seinen Kopf stundenlang in eine Rohrmatte, aus Kummer über die Welt. Das, woran er sich festhält, sind Frauen, in die er sich ebenso schnell verliebt, wie er sie dann vergißt. Auch die, mit denen er zusammenlebt. Eines Tages ist es wieder soweit. Zita, seine namibische Freundin, die ihn aufrichtig liebt und von ihm aufrichtig geliebt wird, verlässt ihn, eines Italieners wegen, und Inni, der auch Horoskope für Heets Parol schreibt, sagt an diesem Tag für sich selbst genau dies voraus, und darüber hinaus noch seinen Tod. Da sein Selbstmordversuch scheitert, lebt Inni weiter. Er hat Freunde, wenige, ist damit glücklich, und doch wird dieser Freundeskreis bald ungewollt erweitert. Denn ein Besuch seiner Tante stattet ihn nicht nur mit genügend Geld zum Leben aus, sondern macht ihn vor allem mit Arnold Taads bekannt. Dieser Mann hasst die Welt, die er als Fehlkonstruktion verabscheut, hasst alles, hat seinen Tag, die unüberschaubare gefährlich Fläche, strengstens eingeteilt, geregelt, ritualisiert und lässt Inni doch daran teilhaben. Dieser ist abgestoßen und fasziniert zugleich, von diesem Mann, der das Leben ablehnt, dessen Sinnlosigkeit zu durchschauen denkt, und letztlich wieder aus Innis Leben verschwindet. Für Inni ändert sich fortan nicht viel. "Er war einfach da", heißt es über ihn, "und es geschahen seltsame Dinge." Er trifft weiter Frauen, liebt und vergisst sie wie bisher, handelt mit Aktien, kauft Bilder, versucht sie gewinnbringend weiter zu verkaufen und wird vierzig. Als er einen japanischen Stich erwirbt, wird er an einen auf fernöstliche Kunst spezialisierten Händler weiter verwiesen. Arnold Taads ist inzwischen tot, durch einen Unfall, den er Inni genau vorhergesagt hatte, gestorben. Doch in jenem Geschäft trifft Inni dessen Sohn, Philip, von dem er nicht wusste, dass es ihn gibt, und den er nach einem ersten Gespräch nicht wiedersehen möchte. Er ist angewidert, von dessen Ekel vor der Welt, den er scheinbar von seinem Vater übernommen hat, obgleich sich Philip ansonsten deutlich von diesem unterscheidet. Während Arnold Taads der Welt Sinnlosigkeit vorwarf, richtet sich die Abscheu des jungen Taads gegen seine eigene, als sinnlos empfundene Existenz. Streng der japanischen Denktradition verpflichtet, geht er in einem anderen Ritual auf - der Teezeremonie. Inni ist abgestoßen und hält dennoch Kontakt. Das Philips Ende vorhersehbar ist, weiß nicht nur er, sondern auch Riezenbaum, jener Händler fernöstlicher Kunst, der eine Freundschaft zu Inni entwickelt und der dem jungen Taads letztlich zugleich seinen größten Wunsch erfüllt als diesen auch umbringt, indem er ihm eine Raku-Teeschale besorgt. Diese Schale ist teuer, doch Philip bezahlt gern, denn letztlich kostet sie ihn das Leben. Und Inni, der bisher an Weltschmerz litt und einfach nur da war, ist plötzlich wirklich einmal glücklich. Glücklich, kein Taads zu sein.


Warten auf Godot - En attendant Godot - Waiting for Godot
Warten auf Godot - En attendant Godot - Waiting for Godot
von Samuel Beckett
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,00

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartig, 29. November 2002
Es gibt Bücher, die liest man einfach gern. Und es gibt Bücher, die muss man einfach gern lesen. Becketts "Warten auf Godot" ist zweifellos zur letzten Kategorie zu rechnen. Wundervoll absurd wird das vergebliche Warten beschrieben, auf wundersame Weise wird der Leser trotz fehlender Handlung gefesselt. Absolutes Jahrhundertwerk und der richtige Einstieg in Becketts Gesamtwerk - denn das Warten macht süchtig, mag Godot bleiben wo er will!


Tocotronic
Tocotronic
Wird angeboten von CD-Blitzversand
Preis: EUR 17,95

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Entdeckung der Langsamkeit, 28. September 2002
Rezension bezieht sich auf: Tocotronic (Audio CD)
"Ich bin neu in der Hamburger Schule" sang Dirk von Lotzow auf dem zweiten Tocotronic-Album "Nach der verlorenen Zeit" noch seltsam melancholisch. Das ist nun sieben Jahre her, der Begriff "Hamburger Schule" nicht einmal mehr Geschichte und auch sonst ist eine Menge passiert in all den Jahren. Und, ganz wichtig an dieser Stelle - "Tocotronic" haben nicht aufgehört, Musik zu machen. Mittlerweile gibt es sechs Alben, das letzte Werk erschien am 10. Juni und ist schlicht "Tocotronic" betitelt. Schwarze Schrift auf weißem Grund - rein optisch schon einmal interessant. Wer möchte, kann auch gern mehr in die Aufmachung des Albums hinein interpretieren, die Variationen reichen dabei von fehlender Kreativität bis höchster Form der Vollendung ähnlich dem schwarzen Quadrat auf weißem Grund in der Kunst.
Wie es auch sei, beim ersten Hören klingt die Platte mit Titeln wie "Alles wird in Flammen stehen", "Näher zu dir" oder "Schatten werfen keine Schatten" seltsam ungewohnt. Was sich im vierten Studioalbum mit dem Einsatz von Streichern und der Verschleppung des Tempos zugunsten stark melodiöser Elemente bereits angedeutet, sich dann auf K.O.O.K. mit größtenteils ruhigen Titeln und völligem Verzicht auf die sloganhaften Titel fortsetzte, hat nun auf "Tocotronic" seine vorläufige Perfektion erreicht. Man vermisst eingängige sloganhafte Textzeilen wie auf den ersten Alben, deren Weltschmerz sowieso und auch jene Lieder, die manchmal nur banal kurz und schnell daherkamen und dennoch auf Anhieb gefielen.
Insgesamt dreizehn Titel fanden auf dem neuen Werk Platz, nach 65:48 Minuten hat man sie einmal komplett gehört. Hängen bleibt zunächst nur, dass man die Titel beim erstmaligen Hören nur schwer unterscheiden kann. Allen gemeinsam ist eine Passivität, eine Ruhe, denn Tocotronic scheinen die Langsamkeit entdeckt zu haben. Auch wenn Dirk von Lotzow unlängst meinte, auf den Vorgängeralben hätten die Texte nicht immer unbedingt seinem Seelenleben entsprochen, sondern seien manchmal nur der Form halber gewählt worden, hätte man sich eingängige Textzeilen wie "Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein" auch auf Tocotronic von Tocotronic gewünscht. Stattdessen erklingen Sätze wie "Führe mich sanft, gib mir einen Trunk-Trank" und man schaut noch einmal auf die CD, ob auch wirklich das richtige Album im CD-Spieler ist.
Der Zauber der Platte entfaltet sich erst nach mehrmaligem Hören, wenn man die Stücke bereits kennt, unterscheiden und sich auf sie konzentrieren kann. Dann fallen plötzlich die gewohnt starken Texte ins Gewicht, dann beginnt man die Melodien mitzusummen und dann beginnt man die Aufmachung des Albums auch als bewusst gewählt zu verstehen. Auch wenn es vornehmlich ruhig klingt, die Texte so symbolhaft sind das eine Deutung oder ein Verstehen schlichtweg unmöglich wird, zieht es den Hörer bald in seinen Bann. Und dennoch, es wird Leute geben, denen nicht folgender Satz zu dem neuen Album einfällt: "Ich hab mich lange schon nach nichts so sehr gesehnt wie dieser Toco-Platte als ich aus dem Laden kam, war ich froh dass ich sie hatte." Sie werden denken: "Die Idee ist gut doch die Welt noch nicht bereit". Und vielleicht haben sie auch recht.


Nobelpreis
Nobelpreis
von Hubert Filser
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Seltsamer Mythos, 26. Januar 2002
Rezension bezieht sich auf: Nobelpreis (Gebundene Ausgabe)
"Nobelpreis. Der Mythos, die Fakten, die Hintergründe". So lautet der Titel von Hubert Filsers unlängst erschienenen Buch über die glorreicheste Preisverleihung unserer Zeit. Auf 223 Seiten verfolgt Filser dabei die Spuren Alfred Nobels und gibt einen Überblick über Kuriositäten, verschrobene Eigenarten und die mitunter abschreckend intrigante Bestimmung der jeweiligen Preisträger durch die zuständigen Komitees.
"Ich würde einem Mann der Tat nichts hinterlassen. Er würde dadurch in Versuchung geraten, mit Arbeiten aufzuhören. Dagegen möchte ich Träumern helfen, die es schwer haben, sich im Leben durchzusetzen." Dieses hehre Ziel verfolgte Alfred Nobel mit seinem Preis. Was er genau bezweckte, hielt der durch Sprengstoffe zu einem Großteil seines enormen Vermögens gekommene Schwede in seinem Testament fest: "Das Kapital, [...], soll einen Fonds bilden, dessen jährliche Zinsen als Preise denen zuerteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit größten Nutzen gebracht haben." Die Kategorien, in denen die Preise anfangs vergeben werden sollten, waren Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und Einsatz für den Frieden. Am 10. Dezember 1901, dem 5. Todestags Nobels, konnten die ersten Preisträger ausgezeichnet werden. Bis zum Jahr 2000 wurden insgesamt 719 Preise verliehen, seit 1969 auch in der Kategorie Wirtschaftswissenschaften.
Mit teils humoristischem, teils ernstem und teils ironischem Blick entlarvt Hubert Filser in seinem Buch ein System, das seinesgleichen weltweit sucht und trotz allen Glamours bei weitem nicht frei von Fehlern ist. So erzählt er von einem Stifter Nobel, der, durchaus misanthropisch veranlagt, einmal bedauerte, bei seiner Geburt nicht von einem Arzt erstickt worden zu sein und gleichsam von einem Idealisten, der ernsthaft glaubte, mit seinen Sprengstoffen zu einer friedlicheren Welt ohne Kriege beitragen zu können.
Filser zeichnet das Bild eines vom Leben enttäuschten einsamen Intellektuellen, dessen Rache an der Welt letztlich darin besteht, seinen Neffen und Nichten gut 90 Prozent seines Vermögens, auf heutige Verhältnisse umgerechnet fast 500 Millionen DM, vorzuenthalten und stattdessen einen Preis zu stiften, dessen idealistische Voraussetzungen niemals eingehalten werden konnten. Allein die im Buch enthaltene Statistik zu den Nobelpreisträgern offenbart, wie wenig das idealistische Vorhaben Nobels eingehalten wurde. Statt die Preise unabhängig von der Herkunft zu verteilen, wie es Nobel ausdrücklich wünschte und festlegte, zeichnet sich deutlich ein Ungleichgewicht zugunsten Europas und der USA ab. So gingen seit der Stiftung 83 von 97 Preisen an europäische und US-amerikanische Autoren und Autorinnen. Auch in einem anderen Punkt wird man Nobels Vorgaben nicht gerecht, entsprechen die Preisträger mit einem Durchschnittsalter von 60 Jahren doch nicht gerade dem Forschertyp, den Nobel eigentlich fördern lassen wollte - den jungen, idealistischen Intellektuellen und Wissenschaftlern.
Doch Filser setzt mit diesem Buch auch Glanzlicher, gewährt Einblick in einen Mechanismus, dessen Umfang man sonst nur sehr schwer erahnen kann. Er erzählt von den Zeremonien, hat dazu Preisträger und Beteiligte befragt, und setzt alle Teile geschickt zusammengefügt, wenngleich ohne ein Gesamtkunstwerk zu schaffen. Das System Nobel hat einmal im Jahr Tag der offenen Tür, am 10. Dezember in Stockholm, schreibt Hubert Filser in seinem Buch, wahrscheinlich wohl wissend, das sein Werk darüber hinaus viele Geheimnisse preisgibt, die sonst auch am 10. Dezember Geheimnisse bleiben würden.


Nobelpreis
Nobelpreis
von Hubert Filser
  Gebundene Ausgabe

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Seltsamer Mythos, 12. Januar 2002
Rezension bezieht sich auf: Nobelpreis (Gebundene Ausgabe)
"Nobelpreis. Der Mythos, die Fakten, die Hintergründe". So lautet der Titel von Hubert Filsers unlängst erschienenen Buch über die glorreicheste Preisverleihung unserer Zeit. Auf 223 Seiten verfolgt Filser dabei die Spuren Alfred Nobels und gibt einen Überblick über Kuriositäten, verschrobene Eigenarten und die mitunter abschreckend intrigante Bestimmung der jeweiligen Preisträger durch die zuständigen Komitees.
"Ich würde einem Mann der Tat nichts hinterlassen. Er würde dadurch in Versuchung geraten, mit Arbeiten aufzuhören. Dagegen möchte ich Träumern helfen, die es schwer haben, sich im Leben durchzusetzen." Dieses hehre Ziel verfolgte Alfred Nobel mit seinem Preis. Was er genau bezweckte, hielt der durch Sprengstoffe zu einem Großteil seines enormen Vermögens gekommene Schwede in seinem Testament fest: "Das Kapital, [...], soll einen Fonds bilden, dessen jährliche Zinsen als Preise denen zuerteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit größten Nutzen gebracht haben." Die Kategorien, in denen die Preise anfangs vergeben werden sollten, waren Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und Einsatz für den Frieden. Am 10. Dezember 1901, dem 5. Todestags Nobels, konnten die ersten Preisträger ausgezeichnet werden. Bis zum Jahr 2000 wurden insgesamt 719 Preise verliehen, seit 1969 auch in der Kategorie Wirtschaftswissenschaften.
Mit teils humoristischem, teils ernstem und teils ironischem Blick entlarvt Hubert Filser in seinem Buch ein System, das seinesgleichen weltweit sucht und trotz allen Glamours bei weitem nicht frei von Fehlern ist. So erzählt er von einem Stifter Nobel, der, durchaus misanthropisch veranlagt, einmal bedauerte, bei seiner Geburt nicht von einem Arzt erstickt worden zu sein und gleichsam von einem Idealisten, der ernsthaft glaubte, mit seinen Sprengstoffen zu einer friedlicheren Welt ohne Kriege beitragen zu können.
Filser zeichnet das Bild eines vom Leben enttäuschten einsamen Intellektuellen, dessen Rache an der Welt letztlich darin besteht, seinen Neffen und Nichten gut 90 Prozent seines Vermögens, auf heutige Verhältnisse umgerechnet fast 500 Millionen DM, vorzuenthalten und stattdessen einen Preis zu stiften, dessen idealistische Voraussetzungen niemals eingehalten werden konnten. Allein die im Buch enthaltene Statistik zu den Nobelpreisträgern offenbart, wie wenig das idealistische Vorhaben Nobels eingehalten wurde. Statt die Preise unabhängig von der Herkunft zu verteilen, wie es Nobel ausdrücklich wünschte und festlegte, zeichnet sich deutlich ein Ungleichgewicht zugunsten Europas und der USA ab. So gingen seit der Stiftung 83 von 97 Preisen an europäische und US-amerikanische Autoren und Autorinnen. Auch in einem anderen Punkt wird man Nobels Vorgaben nicht gerecht, entsprechen die Preisträger mit einem Durchschnittsalter von 60 Jahren doch nicht gerade dem Forschertyp, den Nobel eigentlich fördern lassen wollte - den jungen, idealistischen Intellektuellen und Wissenschaftlern.
Doch Filser setzt mit diesem Buch auch Glanzlicher, gewährt Einblick in einen Mechanismus, dessen Umfang man sonst nur sehr schwer erahnen kann. Er erzählt von den Zeremonien, hat dazu Preisträger und Beteiligte befragt, und setzt alle Teile geschickt zusammengefügt, wenngleich ohne ein Gesamtkunstwerk zu schaffen. Das System Nobel hat einmal im Jahr Tag der offenen Tür, am 10. Dezember in Stockholm, schreibt Hubert Filser in seinem Buch, wahrscheinlich wohl wissend, das sein Werk darüber hinaus viele Geheimnisse preisgibt, die sonst auch am 10. Dezember Geheimnisse bleiben würden.
Alles in allem ein durchaus interessantes Buch, das in seinem frischen Stil viel Wissenswertes vermittelt, gleichzeitig aber auch Kratzer in den Lack der Preisverleihung macht. Zu recht.


K.O.O.K
K.O.O.K
Wird angeboten von Multi-Media-Trade GmbH - Alle Preisangaben inkl. MwSt.
Preis: EUR 24,99

10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Traurige Kritiken, 22. Oktober 2001
Rezension bezieht sich auf: K.O.O.K (Audio CD)
Im Grunde soll man bei Rezensionen nicht von den Meinungen anderer ausgehen, sondern sich am zu besprechenden Werk selbst orientieren. Um dem wenigstens halbwegs treuzubleiben, zunächst die Kritik der Platte, die durchweg positiv ausfällt. Mit K.O.O.K. ist Tocotronic ein neuerliches Meisterwerk gelungen, nicht nur wegen der durchweg sehr guten Songs und Texte (man bedenke allein die Textlänge von "Die neue Seltsamkeit" - ein Plädoyer für den Konjunktiv!!), sondern auch, weil sich das Album wohltuend von den schon allseits gelobten Vorgängeralben abhebt und dennoch typisch Tocotronic bleibt. Soviel dazu.
Nun zu einigen Meinungen und Grabgesängen, die auch in hier veröffentlichten Rezensionen zum Ausdruck gebracht wurden. Das Traurige an diesen ist meinen Augen, dass, trotz aufwendiger Umschreibungen und schöner Wortspiele, letztlich nur die Enttäuschung zum Ausdruck gebracht wird, dass das fünfte Tocotronic Album, und in Ansätzen auch das vierte, eben nicht klingt wie die drei Alben davor, mit denen sich Tocotronic in die Plattensammlungen zahlloser Fans gespielt haben. Nie aber kommt etwas differenzierte Kritik, etwa an der Musik selbst. Schade eigentlich, denn verdient hätte es die Tocs. Sie machen sich schließlich auch die Mühe.


Soloalbum
Soloalbum
von Benjamin von Stuckrad-Barre
  Taschenbuch

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartig, 31. Mai 2001
Rezension bezieht sich auf: Soloalbum (Taschenbuch)
Wenn man sich ein Bild von einem Buch machen möchte, sollte man es wahrscheinlich nicht nur selber gelesen, sondern auch über es gelesen haben. Sonst kann bei seiner eigenen Einschätzung in anderen Rezensionen angekreidete Schwachpunkte nur schwerlich zu Stärken ummodeln, oder auch ummogeln. Egal, wie man den Autor, den Namen, den Buchtitel oder auch das Wetter finden mag, mit "Soloalbum" hat Benjamin v. Stuckrad-Barre ein Buch vorgelegt, dass wohl jedem 18-jährigen oasis-Fan aus der Seele spricht. Der Protagonist von Barres Erstling sollte daher nicht mit dem Autor gleichgesetzt werden, sondern muss es. Doch anstatt Parallelen zu ziehen, krampfhaft zu überlegen, ob denn der Stuchrad-Barre das wirklich gemacht hat, ob er die Meinungen, die ja nur er seinem Protagonisten in den Mund gelegt haben kann, wirklich teilt, ist einfach nur nervig. Stattdessen sollte man den Stil genießen, der das Buch einmalig, jedoch nicht unübertroffen macht. Jugendliche Ehrlichkeit, Humor, der oft zu Satire wird, die man mitfühlen kann, und Selbstironie - das ist es, was dieses Buch ausmacht. Wer Stuckrad-Barre ernster nimmt als dieser sich selbst, sollte das Buch meiden - mögliche Folgen bei sieht man am Ende des Werkes (siehe Leserbrief). Dabei lässt sich gleichzeitig feststellen, dass sich die Welt des Helden durchaus nicht nur um oasis dreht. Der offenbarte Musikgeschmack ist vielmehr ein heutzutage selten anzutreffender Ausdruck von Individualität. Ein Musikgeschmack abseits vom Mainstream, den die deutschen Chart mittlerweile zum Painstream gemacht haben, verdient Respekt. Des weiteren lässt sich feststellen, dass man den jungen Autor unbedingt einmal live sehen sollte, denn er schreibt nicht nur intelligent, sondern ist es.


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