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Das Küstengrab: Kriminalroman
Das Küstengrab: Kriminalroman
von Eric Berg
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

5.0 von 5 Sternen Ein in vielerlei Hinsicht sehr spannendes Buch mit einer interessanten Thematik, 26. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Das Küstengrab: Kriminalroman (Broschiert)
Die grundverschiedenen Schwestern Lea und Sabina verbrachten ihre Kindheit und Jugend vor der Wende auf der Ostsee-Insel Poel. Lea gehörte einer Clique von Gleichaltrigen an, die sich regelmäßig in einer Ruine – von ihnen „Palast“ genannt – traf, und in Julian fand sie ihre erste große Liebe. Die 6 Jahre ältere Sabina dagegen war immer eine Außenseiterin. Unmittelbar nach dem Mauerfall – Lea war gerade 18 geworden – verunglückten ihre Eltern tödlich, Julian und sie trennten sich und kurz darauf verschwand er spurlos. Die junge Frau dagegen lernte den Argentinier Carlos kennen, dem sie in seine Heimat folgte. Der Kontakt zur Schwester und den Freunden brach damals ab.

Nun, 23 Jahre später, erhält Lea, inzwischen geschieden und eine erfolgreiche Fotografin, einen Anruf, der sie veranlasst, sofort nach Poel zu reisen.
Doch das Wiedersehen mit Sabina und den Jugendfreunden, die – bis auf Julian, dessen Schicksal unklar ist - alle noch im gleichen Ort leben, endet tragisch: Bei einem schweren Auto-Unfall kommt Sabina ums Leben, Lea wird lebensgefährlich verletzt. Nach etlichen Operationen und langem Krankenhausaufenthalt körperlich zwar wieder hergestellt, leidet sie jedoch an Amnesie. Das heißt, sie kann sich weder erinnern, wie es zu dem Unfall gekommen ist, noch warum sie nach fast einem Vierteljahrhundert in ihre alte Heimat zurückgekehrt und was während ihres kurzen Aufenthaltes dort geschehen ist.

4 Monate später sucht sie nach der Entlassung aus dem Krankenhaus die Insel erneut auf, um mit Hilfe der Freunde diese Lücken zu schließen. Doch deren Berichte und Verhalten werfen nur noch mehr Fragen auf. Zutiefst verunsichert, wem sie glauben soll und trauen kann, bekommt die Frau allmählich das Gefühl, dass den anderen ihre Amnesie gar nicht ungelegen kommt, da sie offenbar etwas vor ihr verbergen wollen. Aber Lea gibt nicht auf und nähert sich langsam der furchtbaren Wahrheit.

Resümee:
Die Handlung ist dramaturgisch hervorragend angelegt:
2 Handlungsstränge machen den Leser in Rückblenden nach und nach mit den Ereignissen vor 23 Jahren bzw. während Leas Besuch vor 4 Monaten vertraut. Eine dritte Ebene schildert die gegenwärtige Entwicklung aus Sicht der mittlerweile gut 40-jährigen Frau. Je weiter das Geschehen fortschreitet, um so mehr bewegen sich die Stränge aufeinander zu, um am Schluss endlich vollständig miteinander zu verschmelzen.

Die stets präsenten zentralen Fragen sind dabei zum einen, was mit dem einst spurlos verschwundenen Julian geschehen ist; wird sein Schicksal jemals geklärt werden? Andere betreffen die einstigen Zukunftsträume der mittlerweile erwachsenen Freunde: Konnten sie verwirklicht werden, unter welchen Bedingungen geschah oder misslang dies, wie haben die jeweiligen Entwicklungen das Leben jedes Einzelnen und ihre Beziehungen zueinander beeinflusst?

Dabei fand ich die zugrunde liegende Thematik an sich schon sehr interessant: Lea leidet an einer Gedächtnisstörung, kann sich nicht erinnern, warum sie vor 4 Monaten zum ersten Mal nach 23 Jahren wieder in ihre alte Heimat zurückgekehrt ist, was sich während der kurzen Zeit ihres Besuchs ereignet hat und wie es zu dem schweren Unfall gekommen ist.
Sie ist auf die Infos der so unterschiedlichen ehemaligen Freunde angewiesen, weiß aber nicht, wem sie glauben kann. In Kombination mit den oben genannten zentralen Frage ist dies eine psychologisch höchst brisante Konstellation.

Hinsichtlich der Spannung muss man differenzieren:
Der Handlungsverlauf wird umso spannender, je weiter das Geschehen fortschreitet und erreicht nach einigen überraschenden Wendungen seinen Höhepunkt gegen Schluss. Anfang und Mittelteil dagegen sind schwerpunktmäßig auf die Ausarbeitung und Entwicklung der ganz unterschiedlichen Charaktere der Protagonisten ausgerichtet. Dies ist unter menschlich-psychologischen Aspekten enorm spannend, da man einen „Knall“ angesichts der vielen zutage tretenden Reibungspunkte und Verstrickungen kommen sieht. Beides – Spannung durch den Geschehensverlauf und durch die psychologische Pointierung der Charaktere – kumuliert am Schluss.

Fazit: Ein in vielerlei Hinsicht spannendes Buch mit einer interessanten Thematik!


Secret Service: Jahrbuch 2015
Secret Service: Jahrbuch 2015
von Syndikat: Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur AIEP/IACW
  Broschiert
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Ein unterhaltsamer, interessanter Mix für alle Krimi-Liebhaber, 18. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Secret Service: Jahrbuch 2015 (Broschiert)
Als neues Mitglied in der „Ehrenwerten Gesellschaft“ des SYNDIKATs – der Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur - habe ich zum ersten Mal das vorliegende Jahrbuch gelesen – und bin ganz begeistert:
Nicht nur, dass es 12 „Minimördchen“ und eine Kurzgeschichte enthält, sondern es gibt darüber hinaus viele Texte, die einen unterhaltsamen und interessanten Einblick in die Arbeit von Krimi-Autoren liefern. Verfasst wurden die Beiträge von eben diesen, wobei einige ein Doppelleben führen, u.a. als Journalist, Drehbuchautor, Kriminalbeamter, Historiker.

So wird zum Bespiel schildert, was ein Schriftsteller beim Schreiben von Kriminalromanen und -geschichten beachten muss und wie Ermittler im realen Leben mit einem Tatort umgehen.
Es geht um die Art richtig zu töten, bei Lesungen mit Lampenfieber und Schreibblockaden fertig zu werden und den „inneren Schweinehund“ zu überwinden.
Der Leser erfährt, was den Langzeit-Erfolg eines Schriftstellers und seiner Werke ausmacht, was man von Klassikern lernen kann, welche Wandlung Fahndungsplakate erfahren haben.
Außerdem sind Interviews mit den Friedrich-Glauser-Preisträgern und der Hans-Jörg-Martin-Preisträgerin 2014 abgedruckt sowie die Erfahrungen einer Facebook-Gruppe geschildert, die einen Krimi geschrieben hat.

Und, und, und.

Resümee:
Ein bunter, unterhaltsamer und interessanter Mix – nicht nur für SYNDIKATs-Mitglieder!


Schuljahr - Der ganz normale Wahnsinn: Erlebnisse eines Schulleiters
Schuljahr - Der ganz normale Wahnsinn: Erlebnisse eines Schulleiters
von Ulrich Knoll
  Broschiert
Preis: EUR 9,95

1.0 von 5 Sternen Ein Stern ist noch geschmeichelt!, 18. Januar 2015
Der Autor, ehemaliger Leiter einer bayerischen Realschule, erzählt Anekdoten aus dem Schulalltag und macht sich Gedanken über einige Aspekte des Schulsystems, wobei er jedoch vorab erklärt, dass „Alle […] Episoden frei erfunden [sind]“. Er bindet sie in die nach Phasen des Schuljahres gegliederten Kapitel ein, z.B. „Der erste Schultag“, „Die erste Schulwoche“, „September und Oktober“ usw.

Dabei schildert er wenige (uneingeschränkt) positive Erlebnisse, dafür jedoch viele von Ärgernissen, Unwägbarkeiten, zwischenmenschlichen und organisatorischen Unzulänglichkeiten oder Problemen sowie schlechten Rahmenbedingungen geprägte Ereignisse. Ein Grund für die unerfreulichen Situationen liegt darin, dass die den Schulalltag bestimmenden Personen – also v.a. Schulrat, Schulleitung, Lehrer, Eltern, Schüler und nicht zuletzt der Hausmeister - oft unterschiedliche Interessen haben, die sie durchsetzen möchten. Außerdem müssen auch noch formale Vorgaben realisiert werden, wie beispielsweise Lehrpläne, Schulgesetz, Budgetierung.

Bei den Ausführungen wird klar: Das System Schule funktioniert nicht optimal und schon gar nicht zur Zufriedenheit aller. Und vor allem: Ein Schulleiter hat ein hartes Leben, denn zwischen allen Stühlen sitzend, machen ihm die bereits oben genannten „Schulträger“ und Formalia das Dasein schwer.

Resümee:
Kann ich ein Buch, in dem ein Schulleiter seine Erlebnisse (Untertitel) schildert, ernst nehmen, wenn gleich vorab
klargestellt wird, dass diese frei erfunden sind? Das geschieht nicht etwa im Klappentext – dann wäre ich gewarnt gewesen! Nein, im Gegenteil, dort ist zu lesen:
„In absurden und doch realistischen Szenen illustriert Schulleiter Knorr authentisch das Innenleben einer Schule (...)“ - heißt: wahrheitsgetreu, „echt, den Tatsachen entsprechend und daher glaubwürdig“ (Duden).
Wobei auch die Person des Schulleiters Knorr angeblich frei erfunden ist – ein Schelm, der Böses bei dessen Namensähnlichkeit mit dem Autor denkt!

Und es geht weiter: „SCHULJAHR ist eine Satire über die Schule von heute“ verkündet der Klappentext. Nun ist „Satire“ bekanntermaßen eine Literaturgattung, in der Missstände übertrieben zugespitzt dargestellt werden, mit dem Ziel, diese verspottend anzuprangern und so der Lächerlichkeit preiszugeben. Ihre stilistischen Mittel sind Ironie, (beißender) Spott und scharfzüngiger Witz.
Diese Merkmale jedoch lässt das Buch komplett vermissen - Missstände werden zwar benannt, jedoch nicht pointiert in der genannten Form.
Ganz im Gegenteil: Handlung und gedankliche Diskurse plätschern sacht dahin. Es wird hier mal ein Anekdötchen erzählt, dort mal ein Problem thematisiert – im Mittelpunkt steht dabei immer die Person eines selbstgerechten Schulleiters, der unliebsamen Personen und Situationen auch mal gerne bewusst ausweicht oder den Weg des geringsten Widerstandes wählt.
Satire? Komplette Fehlanzeige!

Ohne Zweifel: Die Position eines Rektors ist mit Ärger, unerfreulichen Situationen, Problemen aller Art und oft misslichen Rahmenbedingungen verbunden. Aber das gilt für die meisten anderen Berufe ebenso, sogar für den Hausmeister.
Und: Die Arbeit an der Basis leisten genauso zweifelsfrei Tag für Tag die Lehrer/-innen. Sie müssen formale Vorgaben möglichst optimal für die Menschen, mit denen sie es zu tun haben, umsetzen, SIE sind im Allgemeinen die Ersten, die mit Problemen, Schüler und Eltern betreffend, konfrontiert werden und Lösungen finden müssen – nicht in erster Linie der Schulleiter.

Mit fortschreitender Lektüre fragte ich mich immer öfter, für wen der Autor dieses Werk wohl verfasst haben mag:
Etliche, einem gehobenen Sprachniveau zuzuordnende Ausdrücke können mit sehr viel Wohlwollen noch als mehr oder weniger bekannte Lehnwörter definiert werden (stellvertretend seien hier „Parameter“, „Kalamität“, „stringent“, „Mindmap“, „Storyline“ und vielleicht sogar noch „cum“ und „nolens volens“ genannt).
Jedoch bezweifle ich ganz stark, dass dies auf Begriffe wie z.B. „evoziert“, „timid“, „kompiliert“, „Instant Buzz“ oder „Sachaufwandsträger“ zutrifft.
Also ein elitäres Werk für Akademiker mit mindestens kleinem Latinum?
Nein, keineswegs! Denn so ist es im Klappentext zu lesen:
„Ein Buch für alle Lehrer, Eltern und Schüler.“
Dies ist an eitler Arroganz wohl kaum noch zu übertreffen!
Denn daran, dass der Durchschnittsbürger seine verbalen Ergüsse versteht, liegt dem Autor und ehemaligen Schulleiter Knoll offensichtlich wenig bis nichts – ihm geht es ganz offenbar vor allem um eine wichtigtuerische Selbstdarstellung, die auch in dem Buch mit der Figur des Schulleiters Knorr Ausdruck findet – die auffällige Namensähnlichkeit erwähnte ich ja bereits.

Fazit: Ein ärgerliches Werk, das nicht einmal unterhaltsam ist, eher wie ein mäßiger Aufsatz zum Thema „Mein letztes Schuljahr“ wirkt.
Um es mit Boethius zu sagen: „Si tacuisses, philosophus mansisses“ - „Wenn du geschwiegen hättest, wärest du Philosoph geblieben“ … so jedoch hat sich der Autor mit Bravour disqualifiziert.


Bluthatz: Kriminalroman
Bluthatz: Kriminalroman
von Richard Hagen
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Ein atemberaubender Thriller!, 6. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Bluthatz: Kriminalroman (Taschenbuch)
Melchior Gietz, ein hoher, einflussreicher Beamter der hessischen Stadt Eltville, ist auf kaltblütige Weise bestialisch ermordet worden. Seine übel zugerichtete Leiche wird an Halloween von 3 Jugendlichen in den verzweigten unterirdischen Gängen des Klosters Eberbach gefunden.

Kriminalhauptkommissar Kai Gebert und Staatsanwältin Inga Jäger nehmen die Ermittlungen auf und können schnell eine Liste mit nicht weniger als 7 Tatverdächtigen aus dem privaten und beruflichen Umfeld des Toten erstellen.
Doch die weiteren Nachforschungen gestalten sich äußerst schwierig. Denn zum einen scheint niemand so recht an der Aufklärung des Mordes interessiert zu sein, zum anderen werden die Untersuchungen von höchster Stelle massiv be- bzw. sogar verhindert.
Ziemlich rasch nimmt die Zahl der Verdächtigen immer mehr ab, es gibt weitere Tote und Mordversuche, aber die Hintergründe und Motive der Taten bleiben im Dunkeln.

Dann geht es Schlag auf Schlag: Je näher sie den völlig skrupellosenTätern und Drahtziehern kommen, werden die Ermittler immer mehr von Jägern zu Gejagten, und nicht nur Kai Gebert und Inga Jäger müssen schließlich ums blanke Überleben kämpfen.
Als die Staatsanwältin auch noch vom Dienst suspendiert wird, scheint die Aufklärung der Taten aussichtslos, doch sie und Gebert denken nicht daran, klein beizugeben.

Resümee:
Dieses Buch wird „nur“ als Kriminalroman vermarktet, obwohl es ein waschechter Thriller ist: Der Nervenkitzel, der Kick, ist von Anfang an vorhanden, die Handlung - beginnend mit dem Prolog - so spannend und temporeich, dass sie einen mitreißt und nicht mehr loslässt.

Es ist kein Psychothriller im strengen literaturwissenschaftlichen Sinne, wenngleich die psychisch-mentale Disposition der einzelnen Protagonisten – seien es Täter, Opfer oder Ermittler – jeweils hervorragend herausgearbeitet ist. Daher treibt nicht nur das Geschehen den Leser immer weiter, sondern auch der Drang, mehr über (potenzielle) Täter, Opfer und Hintermänner sowie deren Motive und Hintergründe zu erfahren. Und last but not least bietet auch die Beziehung zwischen Kriminalhauptkommissar Kai Gebert und Staatsanwältin Inga Jäger viel Spannungspotenzial.

In schneller Folge treten überraschende Ereignisse ein, gibt es neue Untersuchungsergebnisse und Informationen, die dem Geschehen eine Wendung geben oder / und ein anderes Licht auf das Geschehene werfen. So stehen Ermittler und Leser immer wieder vor neuen Rätseln.

Gut in den Handlungsfluss integriert und wohltuend sind „Verschnaufpausen“, die z.B. die Zubereitung von Mahlzeiten oder medizinische Ausführungen zum Inhalt haben.

Der Titel „Bluthatz“ könnte treffender nicht sein: Es geht um eine blutige Hetzjagd, um die Verfolgung und das blutreiche Zur-Strecke-Bringen von Flüchtenden, wobei die Rollen von Jägern und Gejagten variieren. Die Überschriften der 6 Teile des Buches sind konsequenterweise zum Großteil der Jägersprache entnommen: Erstes Blut – Pirsch – Im Visier – Rauch – Frische Fährte – Auge in Auge.

Fazit: Hinter dem Pseudonym Richard Hagen verbirgt sich ein bekannter Drehbuchautor, der bewiesen hat, dass er auch als Autor sein Handwerk hervorragend versteht. Bleibt abzuwarten, ob die Handlung eine filmische Umsetzung erfahren wird.


Kein Mord ohne Tante Frieda: Ein Hohe-Tanne-Krimi
Kein Mord ohne Tante Frieda: Ein Hohe-Tanne-Krimi
von Heidi Gebhardt
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Ein amüsanter Krimi, der gute Unterhaltung bietet., 30. Dezember 2014
Frieda Engel, eine noch sehr vitale Dame um die 80, wohnt im schönen Hanauer Stadtteil Hohe Tanne. Gerade will sie beginnen, für ihren Neffen Sven und dessen Schwester Lena, die zu Besuch bei ihr sind, ein leckeres Essen zuzubereiten. Doch daraus wird erst einmal nichts.

Sie erfährt nämlich, dass auf dem nahe gelegenen Golfplatz soeben eine Leiche gefunden worden ist. Nun muss Tante Frieda erst einmal herausfinden, um wen es sich handelt und was genau passiert ist. Also setzt sie sich schnell einen Hut auf und marschiert mit ihrem Dackel Amsel zum Ort des Geschehens, wo sie zeitgleich mit den ermittelnden Kripobeamten eintrifft.

Schnell ist geklärt, dass es sich bei der Toten um Marlies Wintermeyer handelt, die nach einem Golfturnier an Loch 15 erschossen worden ist.

Friedas Spürsinn ist geweckt: Sie will mehr erfahren, holt ihre alte Golf-ausrüstung hervor und beginnt zum Entsetzen von Neffe und Nichte, in Miss-Marple-Manier auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen.

Dabei ist sie den professionellen Ermittlern zwar meist um eine Nasenlänge voraus, bringt sich jedoch immer wieder in brenzlige Situationen.

Erst gegen Schluss laufen die beiden Handlungsstränge um Frieda Engel und die Kommissare zusammen.

Resümee:
Mir hat der Krimi gut gefallen, was zum Großteil an der Figur der Frieda Engel liegt:
Die agile 80-Jährige kocht und backt nicht nur leidenschaftlich gerne, sondern erinnert in ihrer Unternehmungslust und Neugierde auch stark an Agatha Christie's Miss Marple. Wie diese ist auch Tante Frieda selbstbewusst davon überzeugt, dass sie den Fall lösen kann, schreckt dabei vor nichts zurück und kombiniert messerscharf.

Auch Neffe Sven und Nichte Lena sind sehr sympathisch gezeichnet: Sie lassen sich nicht nur gerne von ihrer Tante kulinarisch verwöhnen, sondern machen sich auch Sorgen um sie und schweben bei ihren kriminalistischen Alleingängen in tausend Ängsten. Das erfährt man vor allem in den Kapiteln, in denen Lena das Geschehen in der Ich-Form schildert.
Und auch der Leser zittert so manches Mal, ob die alte Dame ihre jeweiligen Abenteuer wohl unbeschadet übersteht.

Die Handlung selbst ist mäßig spannend – sie lebt in erster Linie von den bereits oben beschriebenen Charakteren und den Persönlichkeiten der ermittelnden Kommissare.

Zudem lernt der Leser die Wohngegend Hohe Tanne ein wenig kennen und wird in die Welt der Golfer entführt. Notwendige Fachbegriffe sind dabei wohl dosiert eingebracht und für den Laien verständlich erklärt. Im Anhang befindet sich zusätzlich noch ein entsprechendes Glossar, ebenso wie Tante Friedas Rezepte und ein paar hessische Ausdrücke, die ins Hochdeutsche übersetzt wurden.

Fazit: Ein amüsanter und spannender Krimi, der gute Unterhaltung bietet, die Nerven aber nicht allzu sehr strapaziert.


Krabbenbrot und Seemannstod: Ein Ostfriesen-Krimi
Krabbenbrot und Seemannstod: Ein Ostfriesen-Krimi
von Cornelia Kuhnert
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein herzerfrischender, spannender Ostfriesen-Krimi!, 28. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Postbote Henner lebt mit sich und der Welt zufrieden in Neuharlingersiel. Die Ruhe des Junggesellen wird jedoch empfindlich gestört, als Lehrerin Rosa in die Wohnung über ihm zieht. Eigentlich stammt die kontaktfreudige Dame aus Hannover, aber nach der Trennung von ihrem Lebensgefährten hat sie sich nach Esens versetzen lassen.
Gleich am ersten Morgen in ihrer neuen Bleibe läutet sie zu unchristlicher Zeit bei Henner Sturm: Ihr Beo ist entflogen und der Nachbar soll ihr bei der Suche helfen.

Im Hafen werden beide in doppelter Hinsicht fündig: Der Vogel sitzt auf der Spitze eines Schiffsmastes und auf einer Eisscholle im Hafenbecken liegt die Leiche des ermordeten Klaas van Kerpen – Chef der Krabbenschälfabrik.
Für die zuständigen Kommissare aus Wittmund steht schnell fest, dass Hauke Matthiesen den Mann aus Eifersucht umgebracht hat: Seine hochschwangere, aus Marokko stammende Frau soll angeblich ein Verhältnis mit ihm gehabt haben. Hauke wird verhaftet.

Doch Henner, Dorfpolizist Rudi und auch die ambitionierte Krimiautorin Rosa können nicht so recht glauben, dass Hauke ein Mörder sein soll und nehmen die Ermittlungen selbst in die Hand – mit zum Teil ziemlich eigenwilligen Methoden!
Sie können allerdings nicht verhindern, dass es eine zweite Leiche gibt und die Lage auch für sie selbst brenzlig wird.

Resümee:
Ein herzerfrischender und spannender Ostfriesen-Krimi!
Die Charaktere des Ermittler-Trios sind hervorragend und sehr plastisch herausgearbeitet: auf der einen Seite die kontaktfreudige, aus Hannover ins vergleichsweise beschauliche ostfriesische Neuharlingersiel zugereiste Rosa, deren kriminalistisches Vorbild Miss Marple ist, auf der anderen Seite der unter ihr wohnende Postbote Henner, der mit 8 Schwestern „gesegnet“ ist und seine geregelten Abläufe und seine Ruhe liebt. Der Dritte im Bunde ist Henners Freund, der Ortspolizist Rudi, geschieden und mit dem Ehrgeiz, „es“ den Kollegen aus Wittmund zu zeigen.
Die Gegensätzlichkeit dieser Individuen sorgt für manchen erheiternden verbalen Schlagabtausch – oft gewürzt mit ostfriesischer Mundart - und einige Situationskomik.

Dabei ist es in Anbetracht des Umstandes, dass 2 Autorinnen das Werk geschrieben haben, bemerkenswert, dass es zu keinerlei stilistischen und inhaltlichen Brüchen kommt – Respekt vor dieser hervorragenden Zusammenarbeit. Man merkt auch, dass die „Chemie“ der beiden Damen einfach stimmt.

Angemerkt sei noch, dass dem Werk inhaltlich ein wahrer Fall, das Cuxhavener Krabbenschälzentrum betreffend, zugrunde liegt. Christiane Franke und Cornelia Kuhnert haben den Schauplatz dramaturgisch effektiv in die 1000-Seelen-Gemeinde Neuharlingersiel verlegt, wo „jeder jeden“ kennt, der Klatsch blüht und Neuigkeiten schnell die Runde machen.


Hotline: Psychothriller
Hotline: Psychothriller
von Jutta Maria Herrmann
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Als Debütwerk nicht schlecht, blieb aber hinter den Erwartungen zurück, 22. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Hotline: Psychothriller (Taschenbuch)
Chris hat eine Beicht-Hotline ins Leben gerufen, die er unter anderem mit seinen Freunden Rick, Konrad und Paula betreibt. Einer ihrer ehernen Grundsätze lautete bislang: Egal, was ein Anrufer bekennt – die Polizei wird nicht eingeschaltet!

Doch eines Tages hat Rick eine Frau am Telefon, die ankündigt, einen Säugling lebendig zu begraben. Rick ist geschockt
und kann nicht anders: Er informiert die Polizei. Die jedoch unternimmt nichts, da noch keine Straftat vorliegt. Kurz entschlossen gehen Rick und die hochschwangere Paula selbst der Sache nach und graben auf dem Friedhof zwar keine Kinderleiche, aber eine lebensgroße Puppe aus.

Nachdem sich die Anruferin ein zweites Mal mit dem Hinweis gemeldet hat, dass dies erst der Anfang gewesen sei, werden alle 4 Freunde nach und nach immer tiefer in die Angelegenheit hineingezogen. Die Lage spitzt sich schließlich zu und eskaliert.

Parallel dazu hat jeder der 4 Protagonisten ein privates „Päckchen“ zu tragen, das ihr Engagement erfordert.

Resümee:
Ein Psychothriller? „Psycho-“ eindeutig ja: Eine labile Täterin befindet sich in einer emotionalen Ausnahmesituation und verstrickt andere Personen in eine für diese immer bedrohlicher werdende Intrige.
„- thriller“ ebenso eindeutig nein: Eine kontinuierliche Spannung, die beim Leser einen Thrill, einen Nervenkitzel, erzeugt, bleibt aus. Das Buch ist zwar ganz unterhaltsam, aber nur mäßig spannend – weit entfernt von einem Pageturner.

Dabei kann man der Autorin ein Nach-Kräften-Bemüht nicht absprechen, jedoch killen die für das Erzeugen von Dramatik einschlägig bekannten Stilmittel in ihrer übermäßigen Anwendung hier eher die Spannung als dass sie diese fördern:
Unendlich viele aufeinanderfolgende Hauptsatzreihungen nerven auf Dauer ebenso wie detaillierteste Beschreibung von Vorgängen, vor allem, wenn sie mit der Haupthandlung nichts zu tun haben. Highlight war diesbezüglich für mich die 1-seitige Schilderung von Rick's Verrichtungen im Bad (E-Book Position 1009 – 1021).

Hinzukommt, dass der geübte Krimi-Leser etwa ab der Hälfte des Buches mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bereits weiß, um wen es sich bei der Anruferin und Täterin handelt. Und schon ca. 40 Seiten vor Schluss bekommt man letzte Gewissheit. Das durchaus vorhandene Bemühen, den Leser auf falsche Fährten zu locken, konnte daher nur im Sande verlaufen, diente eher der Bestätigung des eigenen Verdachts und ließ Spannung nicht entstehen.

Das Geschehen um die 4 Protagonisten, das sich um ihre persönlichen Familien- oder Beziehungsprobleme rankt – zum Teil Erblasten aus der Vergangenheit – dominiert stark. Zwar hat es jeweils einen mehr oder minder starken Bezug zur Thematik und Geschichte der Täterin, überlagert diese jedoch sehr stark.
Möglicherweise liegt es daran, dass die Erzählsequenzen, in denen die Frau einzelne Situationen in der Du-Form schildert, sehr kurz und nur sporadisch in die Haupthandlung eingeschoben sind. So erfährt man über sie vergleichsweise wenig – obwohl sie in einem Psychothriller nicht nur überwiegend indirekt die Hauptrolle spielen sollte.

Fazit: Als Debütwerk – und nur als solches! - nicht schlecht, recht unterhaltsam, aber längst nicht so interessant und spannend, wie Thema, Klappentext und Titulierung als „Psychothriller“ erhoffen lassen.


Mörderkind: Kriminalroman
Mörderkind: Kriminalroman
von Inge Löhnig
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

5.0 von 5 Sternen Ein spannender und erfrischender Krimi, 17. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Mörderkind: Kriminalroman (Taschenbuch)
Fiona Jakoby ist 7 Jahre alt, als ihr Vater Ben wegen des Mordes an seiner schwangeren Geliebten verurteilt wird, obwohl man ihre Leiche nie findet und er immer wieder beteuert, unschuldig zu sein. Der Schuldspruch hat gravierende Auswirkungen auf die gesamte Familie:
Die manisch-depressive Ehefrau und Mutter begeht Selbstmord, Fiona wächst bei Onkel und Tante auf, die eigentlich gar kein Kind haben wollten, und in der Schule ruft man ihr „Mörderkind“ hinterher.

Tief von ihm enttäuscht, lehnt sie jeden weiteren Kontakt zu ihrem Vater ab. Auch als er die mittlerweile erwachsene Tochter 18 Jahre später nach der Haftentlassung aufsucht, schließt sie die Tür vor ihm. Im Jahr darauf stirbt Ben an den Folgen einer Kopfwunde, die er während eines Feuers in seiner Unterkunft erlitten hat. Seine letzten Worte gelten dem ihn vor Ort betreuenden Rettungssanitäter Matthias: Er möge bitte Fiona ausrichten, dass er sie immer geliebt habe und unschuldig sei.

Fiona glaubt diesem Bekenntnis zunächst nicht – zu tief sitzen die Wunden der Vergangenheit, zu viele Indizien sprechen gegen den Vater, der sie so enttäuscht hatte.
Doch Matthias, den Fiona nach einer Figur in Jane Austen's „Pride and Prejudice“ spontan „Darcy“ tauft, gelingt es schließlich, sie davon zu überzeugen, dass niemand bei seinen letzten Atemzügen lüge. Fiona beginnt – wenn auch zunächst widerstrebend – Nachforschungen anzustellen, um sich auf die Suche nach der Wahrheit zu machen. Unterstützt wird sie dabei von Darcy. Parallel dazu stellt sich auch immer wieder die Frage, ob Ben's Tod wirklich ein Unfall oder nicht doch vielleicht Selbstmord oder Mord war.

Die beiden jungen Leute kommen unglaublichen Intrigen auf die Spur, geraten selbst zunehmend in Schwierigkeiten und Gefahr.
Und es gibt 2 weitere Leichen.

Resümee:
Das Geschehen verläuft in 3 Handlungssträngen auf 2 Zeitebenen:
Das Jahr 1995 umfasst die Ereignisse der Vergangenheit, die zur Verhaftung von Fiona's Vater führten, das Jahr 2014 schildert das aktuelle Geschehen in Deutschland. Beide Stränge laufen aufeinander zu und münden schließlich in einen weiteren, der in Frankreich angesiedelt ist.

Spannung entsteht zum einen dadurch, dass auch der Leser bald ahnt, dass in Bezug auf die Tat und Ben's Verhaftung 1995 nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist.. Wird es Fiona und Darcy gelingen, die Wahrheit ans Licht zu bringen?

Man kann miträtseln und -fiebern, obwohl oder gerade weil man im Gegensatz zu den beiden Hobby-Ermittlern schon Stück für Stück in Rückblenden erfährt, was damals geschehen ist. Bis der Leser aber die ganze Geschichte kennt, kommen durch Fiona's und Darcy's Erkenntnisse immer wieder neue Details und Fein-Korrekturen hinzu, die auf vieles ein etwas anderes Licht werfen und Gedankenkonstrukte modifizieren. Dies geschieht nicht mit dem Holzhammer, sondern schleichend.

Zum anderen fragt man sich, wie sich wohl die nicht unproblematische Beziehung zwischen der spontanen, mutigen Fiona, die nur schwer Vertrauen zu jemandem fassen kann, und Darcy, an dem ein Psychologe verloren gegangen ist, entwickeln wird. So unterschiedlich beide sind, so sympathisch kommen sie rüber, und man wünscht ihnen nur das Beste.

Und last but not least ist das 1. Kapitel stets präsent und gibt bis zum Schluss Anlass zum Rätseln: Wie ist es in den Gesamtkontext einzuordnen? Diese Frage wird erst gegen Schluss beantwortet.

Gefallen hat mir auch der junge, frische, mit viel Wortwitz gewürzte Stil, der sich besonders in Fionas Gedanken und in den Dialogen mit Darcy niederschlägt.

Fazit: Ein sehr spannender und erfrischender Krimi!


Kalter Kuss: Thriller
Kalter Kuss: Thriller
von Sandra Brown
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lässt sich etwas holperig an, wird dann aber absolut spannend bis zum Schluss, 11. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Kalter Kuss: Thriller (Gebundene Ausgabe)
Während der großen Firmenfeier, die die Lyston's alljährlich am Memorial Day veranstalten, zieht ein schweres Unwetter auf; ein Tornado hinterlässt eine Schneise der Verwüstung und fordert viele Menschenleben. Bei den Aufräumarbeiten wird auch die 16-jährige Tochter Susan Lyston tot unter einem umgestürzten Baum geborgen. Allerdings stellt sich heraus, dass sie bereits vor dem Unwetter erwürgt wurde.

Als Susan's fester Freund gehört Denton Carter, mit dem sie sich zuvor heftig gestritten hatte, zu den Hauptverdächtigen. Er kann jedoch mit Hilfe seines väterlichen Freundes Gall ein wasserfestes Alibi vorweisen.

Daher konzentrieren sich Polizei und Staatsanwaltschaft nun auf Allen Strickland, Susan's letzten Tanzpartner an dem Abend. Er wird schließlich verhaftet und verurteilt, obwohl seine Schuld in einem reinen Indizienprozess nicht zweifelsfrei bewiesen werden kann. Bei einem Hofgang im Gefängnis wird er später erstochen.

18 Jahre später schreibt die zur Tatzeit 12-jährige Schwester der ermordeten Susan unter einem Pseudonym den Roman „Kalter Kuss“, in dem sie die damaligen Geschehnisse aus ihrer Sicht verarbeitet. Zwar gibt sie den Akteuren andere Namen, da sie jedoch eindeutig zu erkennen sind, verbreitet das Buch viel Unruhe und wirbelt etlichen Staub auf.

Die Lage eskaliert, als der Journalist Rocky Van Durbin Bellamy Lyston Price als Autorin identifiziert und mit seinem Wissen an die Öffentlichkeit geht. Sie ist fortan nicht mehr sicher: Ihr wird nachgestellt und sie erhält anonyme Drohungen. Und auch auf Denton Carter, den sie wiedertrifft und der sie von nun an begleitet, werden Übergriffe verübt.
Heißt das, dass der wahre Mörder wirklich noch frei herumläuft? Welche Rolle spielen die damaligen Ermittler und der Staatsanwalt sowie Ray Strickland, der Bruder des verhafteten Allen? Und hat Denton Carter wirklich lautere Absichten, wenn er sich an Bellamy heftet?

Resümee:
Die Handlung gestaltete sich für mich zunächst reichlich diffus: Möglicherweise in dem Bestreben, gleich von Anfang an Spannung aufzubauen, blieben die Rollen der Akteure nebulös, ihre Beziehung zueinander schleierhaft. Bei mir wirkte sich das allerdings eher demotivierend aus – mein Antrieb weiterzulesen, hielt sich in Grenzen.
Erst mit Kapitel 6 (16 % auf dem Reader, ca. Seite 87 der Printausgabe) änderte sich dies schlagartig: Hier berichtet Bellamy Denton Carter – und damit dem Leser -, was vor 18 Jahren in der Tornado-Nacht aus ihrer Sicht passiert war.
Auf diese Weise bekommen die Protagonisten endlich Konturen, ihre Rollen werden definiert.
Die nun aufgebaute Spannung bleibt bis zum Schluss konstant erhalten – phasenweise wird das Buch sogar der Bezeichnung „Thriller“ gerecht.

Die Handlung wird permanent vorangetrieben. Sie ist wohltuend nicht mit Akteuren überfrachtet und auch Nebenhandlungen halten sich in den zum Verständnis notwendigen Grenzen. So kann das Geschehen temporeich und gradlinig auf sein Ziel zusteuern: Wer ist der wahre Mörder von Susan Lyston?
Dies bleibt bis zum Schluss unklar, obwohl unterschwellig immer mal wieder der eine, mal der andere Darsteller ins Visier gerückt wird.
Und auch die Frage, warum Ermittler und Staatsanwalt damals nicht immer gesetzestreu agierten, ob es wirklich „nur“ daran lag, dass sie möglichst schnell einen Täter präsentieren wollten, damit wieder Ruhe einkehrt, stellt sich bis zum Schluss.

Es gibt zwar wenig überraschende Wendungen bzgl. der aktuellen Handlung, aber immer neue Aspekte und Erkenntnisse, die Ereignisse vor 18 Jahren betreffend. Diese werfen immer wieder ein anderes Licht auf die Tatnacht und machen das Buch ab Kapitel 6 zu einem Pageturner.
Hinzukommt, dass die einzelnen Szenen so anschaulich beschrieben sind, dass ein wahres Kopfkino abgespult wird.
Die einzelnen Charaktere sind dabei stimmig ausgestaltet, und die Personen sowie ihre Beziehungen zueinander entwickeln sich im positiven wie im negativen Sinne ständig.
Erwähnt sei noch, dass ich den deutschen Titel des Buches nicht so treffend finde wie den englischen Originaltitel „Low Pressure“.

Fazit: Nachdem der Leser bis Kapitel 6 durchgehalten hat, wird er mit einem sehr spannenden Krimi / Thriller belohnt.


Brombeerwinter: Roman
Brombeerwinter: Roman
von Sarah Jio
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

5.0 von 5 Sternen Schön zum Entspannen!, 4. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Brombeerwinter: Roman (Taschenbuch)
Der Roman um diese Familiengeschichte spielt in den Jahren 1933 und 2010 in Seattle, wobei die Ereignisse beider Zeitebenen am Schluss zusammengeführt werden.

1933:
Vera Ray (23) ist alleinerziehende Mutter des 3-jährigen Daniel, den sie abgöttisch liebt. Um in der wirtschaftlich generell schwierigen Zeit den Lebensunterhalt für sich und ihren Sohn wenigstens notdürftig sichern und sich tagsüber um ihr Kind kümmern zu können, arbeitet Vera nachts als Zimmermädchen in einem Hotel. Der Kleine verbringt die Zeit derweil zu Hause in seinem Bettchen.

Als die junge Frau am Morgen des 2. Mai den Heimweg antreten will, staunt sie: Die Stadt ist tief verschneit.
Die Amerikaner nennen dieses Phänomen eines plötzlichen Kälteeinbruchs im späten Frühjahr, wenn die Brombeersträucher schon blühen, blackberry winter – Brombeerwinter.

Beim Betreten ihrer kleinen Wohnung ahnt die Mutter sofort nichts Gutes und muss kurz darauf feststellen, dass Daniel verschwunden ist! Sofort beginnt sie, ihn in der gesamten Umgebung zu suchen, findet jedoch nur seinen Stoffteddy. Die Polizei bearbeitet die Vermisstenanzeige nicht weiter – sie geht davon aus, dass der Dreijährige, durch den vielen Schnee neugierig geworden, rausgegangen ist und schon wieder auftauchen wird. Doch dies geschieht nicht und Vera ist zutiefst verzweifelt.
In Rückblenden erfahren wir Einzelheiten aus ihrem Leben, insbesondere über das Verhältnis zu Daniels Vater.

2010:
Die Journalistin Claire Aldridge hat in die Kensington-Dynastie, der die Zeitung „Seattle Herold“ gehört, eingeheiratet. Als es zum ersten Mal seit 77 Jahren Anfang Mai wieder einen Schneesturm gibt, wird sie mit einer Story darüber beauftragt.
Ihre Assistentin sucht ihr Unterlagen zu dem Brombeerwinter von 1933 heraus und Claire stößt dabei auf die Vermisstenmeldung zum Verschwinden des kleinen Daniel Ray. Sie selbst hat vor einem Jahr durch einen Unfall ihr ungeborenes Kind verloren und kommt über den Verlust ebenso wenig hinweg wie ihr Mann; ihre Ehe droht daran zu zerbrechen. Da sie sich nur allzu gut vorstellen kann, wie es Vera Ray damals ergangen sein muss, will Claire unbedingt erfahren, was 1933 passiert ist und fängt an, in dem Fall zu recherchieren. Sie taucht immer tiefer in die Vergangenheit ein, nicht ahnend, wie sehr die Erkenntnisse ihr eigenes Leben beeinflussen werden.

Die Kapitel um Vera und Claire wechseln sich kontinuierlich ab. Die beiden Frauen, die in so verschiedenen Epochen lebten, sind sich sehr ähnlich und es verbindet sie viel mehr als die Trauer um ein verlorenes Kind.

Resümee:
Dieser Roman bietet leichte Kost und ist daher hervorragend geeignet zum entspannten Abtauchen in das Schicksal zweier Frauen. Etliche – zum Teil schier unglaubliche - Zufälle treiben das Geschehen auf beiden Zeitebenen voran. Und obwohl ich ja sonst immer schimpfe, wenn etwas konstruiert wirkt, hat es mich eigenartigerweise bei diesem Buch gar nicht so gestört. Vielleicht liegt es daran, dass beide Frauen sehr sympathisch rüberkommen, man mit ihnen fühlt und ihnen nur das Beste wünscht, was oft eben durch diese „zufälligen“ Ereignisse herbeigeführt wird.

Obwohl kein Krimi, ist diese Familiengeschichte dennoch spannend, was auch dadurch bedingt ist, dass die Kapitel um Vera und Claire regelmäßig alternieren und man immer wissen möchte, wie es im Leben der jeweiligen Protagonistin weitergeht.

Beide Schicksale nehmen den Leser gleichermaßen gefangen, etwas mehr hat mich allerdings Veras berührt.

Sehr bemerkenswert finde ich, dass die Autorin gegen Ende viele Einzelheiten vom Beginn der Handlung wieder aufgreift und sie in Claires Recherchen einfügt – so passen letztlich alle Puzzleteile 1A zusammen und ergeben eine in sich schlüssige Geschichte.

Eine Kleinigkeit, die mir aber dennoch gleich am Anfang unangenehm aufgestoßen ist: Der Klappentext sagt, dass Veras Geschichte 1932 beginnt, richtig ist jedoch das Jahr 1933.

Fazit: Leichte Kost zum Entspannen – vielleicht auf dem Sofa in eine Decke gekuschelt und / oder mit Glühwein vor dem Kamin.


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