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Und morgen du: Kriminalroman
Und morgen du: Kriminalroman
von Stefan Ahnhem
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

5.0 von 5 Sternen Von der ersten bis zu letzten Seite Hochspannung!, 18. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Und morgen du: Kriminalroman (Broschiert)
Nach einer schwierigen Zeit bei der Kripo in Stockholm kehrt Kommissar Fabian Risk mit seiner Frau und den beiden Kindern in seine Heimatstadt Helsingborg zurück, um dort einen Neuanfang zu machen. Doch kaum angekommen und in Erwartung der Umzugskartons, steht seine zukünftige Chefin vor der Tür und bittet ihn, den Urlaub zu unterbrechen: Ein Mann wurde brutal ermordet. Bei der Leiche lag ein Klassenfoto von Risk's alter Schulklasse, auf dem das Gesicht des Toten durchgestrichen war.
Große Hoffnungen liegen nun auf dem neuen Kollegen: Kann er eventuell Hinweise auf den Täter geben? Wer könnte ein Mordmotiv gehabt haben?
Aufgrund der Art der Hinrichtung und der Situation am Tatort hat Fabian Risk bald einen Verdacht und befürchtet aus gutem Grund einen zweiten Mord. Er tut alles, um mit dem potenziellen Opfer in Kontakt zu treten, doch zu spät: Auch dieser ehemalige Mitschüler wurde bereits auf grausame Weise getötet.

Die Ermittlungen gestalten sich als Wettlauf mit der Zeit, denn es ist zu befürchten, dass der Täter es auf weitere Schulkameraden abgesehen hat – eine Ahnung, die sich als richtig erweist. Immer wieder stellt sich die Frage, wer jetzt – nach knapp 3 Jahrzehnten – ein Motiv für die Morde hat. Ist auch Fabian Risk in Gefahr?
Er hat bald einen Verdacht, ist allerdings kein Teamarbeiter, sondern Einzelkämpfer und verfolgt daher auf eigene Faust eine Spur. Damit bringt er nicht nur sich selbst in höchste Gefahr. Abgesehen davon, macht er sich bei den Kollegen nicht gerade beliebt, wenn er oft intuitiv, aus einem Bauchgefühl heraus, spontane Alleingänge unternimmt – auch, wenn er mit seinem Spürsinn oft richtig liegt.

Bald überschlagen sich die Ereignisse und die Ermittlungen hinken hinterher – die Kommissare sind verzweifelt, dass es ihnen nicht gelingt, weitere Tote zu verhindern. Und auch Fabian Risk scheint immer mehr in den Fokus des Täters zu gelangen.

Resümee:
Meist geht es mir ja umgekehrt, aber hier finde ich ausnahmsweise einmal, dass die Bezeichnung „Kriminalroman“ tiefgestapelt ist – bei diesem Buch handelt es sich meines Erachtens um einen veritablen Thriller! Er ist buchstäblich von der ersten bis zur letzten Seite so spannend, dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag. Dafür sorgen nicht nur Cliffhanger am Ende der relativ kurzen Kapitel und das hohe Tempo, sondern auch viele überraschende Wendungen, die einen den Atem anhalten lassen.
Wechselnde Erzählperspektiven beteiligter Person tun ein Übriges, ebenso wie kursiv gedruckte Tagebuch-Eintragungen eines in der Schule gnadenlos gemobbten Schülers.

Der Titel könnte treffender nicht sein: Ein hochintelligenter Mörder, der bis zum Schluss gesichtslos bleibt, plant die Hinrichtung jedes einzelnen seiner Opfer akribisch und wählt dafür eine individuell „passende“ Methode.

Sehr wohltuend fand ich persönlich, dass dem Krimi die düster-melancholische Stimmung fehlt, die skandinavischen Werken dieses Genres oft eigen ist.
Als recht leserfreundlich empfand ich es, dass für die Personen Vornamen gewählt wurden, die auch in Deutschland gebräuchlich sind.
Sehr sympathisch ist mir Fabian Risk: Ein engagierter Kommissar, der auf sein – meist richtiges - Bauchgefühl vertraut und oft eigene, unkonventionelle Wege geht. Aber: Nomen est omen – er geht dabei gelegentlich ein hohes Risiko ein und bringt sich und andere in Gefahr.

Fazit: Ich freue mich schon jetzt auf ein weiteres Buch des Autors.


Das fremde Mädchen: Roman
Das fremde Mädchen: Roman
von Katherine Webb
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Roman voller Spannung und Dramatik!, 13. Oktober 2014
Die 17-jährige Alice, ein Mündel des schon älteren Lord Faukes, lebt mit Bridget, ihrem „Mädchen für alles“, auf einem abgeschiedenen Gehöft. Als sie eines Tages Stare beobachtet, sieht sie, wie ein völlig verwahrlostes kleines Mädchen mit letzter Kraft auf das Grundstück wankt und dort zusammenbricht. Sofort kümmert sich Alice liebevoll um die Ohnmächtige, die in der Wärme des Hauses bald wieder zu Bewusstsein kommt. Doch das fremde Mädchen kann weder etwas über seine Herkunft sagen noch scheint es einen Namen zu haben. Daher nennt Alice es nach der Starenschar, die bei seiner Ankunft in den Bäumen saß, kurzerhand Starling. Mit Lord Faukes' Erlaubnis darf die Kleine fortan in dem Haushalt leben.

Im Laufe der Zeit wird sie zur besten Freundin und Vertrauten der rund 10 Jahre älteren Alice, die sie wie eine Schwester ins Herz geschlossen hat.
Als sie und Jonathan Alleyn, der Enkel des Lords, sich gegen alle gesellschaftlichen Konventionen ernsthaft ineinander verlieben, tut Starling alles, damit Bridget keinen Verdacht schöpft, wenn die Beiden sich heimlich treffen oder im Liebesbaum Botschaften austauschen.
Auch als der junge Mann in den Krieg ziehen muss, reißt der Kontakt der Liebenden nicht ab – sie schreiben sich regelmäßig und Alice wartet sehnsüchtig auf Jonathan's Rückkehr, um ihn dann so schnell wie möglich heiraten zu können.

Doch eines Tages kommt Alice nicht von einem Spaziergang zurück und bleibt verschwunden. Niemand weiß, was geschehen ist. Starling und Bridget haben diesbezüglich sehr unterschiedliche Theorien und besonders erstere leidet unter dem Verlust ebenso wie Jonathan, der schwer traumatisiert aus dem Krieg heimkehrt.

In einer Parallelhandlung erfahren wir vom Leben der 29-jährigen Rachel, die in einem Haushalt als Gouvernante arbeitet. Dort sieht sie der Weinhändler Richard Weekes und verliebt sich sofort in sie. Seinen Heiratsantrag nimmt Rachel an, obwohl sie seine Gefühle nicht erwidert. Aber sie ist zuversichtlich, dass sich dies bei näherem Kennenlernen ändern wird.

Das Paar zieht in den gleichen Ort, in dem auch Jonathan Alleyn und seine Mutter wohnen; Lord Faukes, Jonathan's Großvater, ist inzwischen verstorben. Doch der ehemalige Soldat vegetiert nur noch dahin und lebt in seiner eigenen Welt: Grausame Kriegserinnerungen quälen ihn und er wird mit dem ungeklärten Verschwinden seiner geliebten Alice nicht fertig.

Als Starling, die nun im Haushalt der Alleyn's als Dienstmädchen angestellt ist, Rachel das erste Mal sieht, erstarrt sie. Die gleiche erschrockene Reaktion bemerkt die Frau, als sie Jonathan und seiner Mutter vorgestellt wird - sie sieht der verschwundenen Alice zum Verwechseln ähnlich. Das weckt ihr Interesse an Starling's großer „Schwester“; beide Frauen suchen den Kontakt zueinander und stellen Nachforschungen an. Dabei kommen sie ungeheuren Intrigen und menschlichen Abgründen auf die Spur.

Resümee:
Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen, die kapitelweise wechseln: Auf der einen werden in Rückblenden die Geschehnisse der Jahre 1803 bis 1808 erzählt, auf der anderen die aktuellen der Jahre 1821 bis 1822. Dabei ist sowohl die Handlung, die in der Vergangenheit angesiedelt ist, als auch die der Gegenwart spannend wie ein Krimi und voller Dramatik.

Dreh- und Angelpunkt ist nach Alice's rätselhaftem Verschwinden die Frage, was mit ihr geschehen sein mag. Dabei hat jeder, der die junge Frau kannte, seine eigene begründete Theorie.
Das Agieren verschiedener Personen wird immer wieder aus wechselnden Blickwinkeln betrachtet und interpretiert. Peu à peu fallen immer mehr Puzzle-Teile an ihren Platz, die langsam ein komplexes Bild von Intrigen, Verrat, Ansehen, Macht, aber auch Liebe und Verlust entstehen lassen.
Der Leser fiebert bis zum Ende mit und fragt sich immer wieder, ob das Schicksal der Verschwundenen und – eng damit zusammenhängend – ihre Herkunft je geklärt werden können. Denn nicht nur auf Starling, sondern auch auf Alice trifft der Titel „Das fremde Mädchen“ zu.

Fazit: 640 Seiten, die es in sich haben!


Versunken: Thriller
Versunken: Thriller
von Sabine Thiesler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mit ein paar Abstrichen ein ganz spannender Krimi. - Thriller? Nein!, 5. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Versunken: Thriller (Gebundene Ausgabe)
Der 44-jährige Deutsche Malte Andresen arbeitet als Bootsmann auf einem sogenannten „Seelenverkäufer“, der gerade mit Eisenschrott auf dem Weg von Brisbane nach Bremerhaven ist. Nicht zuletzt wegen der vielen Nationalitäten, aus denen sich die Mannschaft zusammensetzt, ist sein Job ohnehin schon hart, doch eine Gang von 7 Chinesen macht ihm das Leben zur Hölle. Als der Frachter Kurs auf Frankreich genommen hat, eskaliert die Situation und Malte bringt im Streit einen der Asiaten um. Es gelingt ihm, sich vor der auf Rache sinnenden Meute zu verstecken und im nächsten Hafen unbemerkt an Land zu kommen.
Nur mit dem, was er auf dem Leib trägt, d.h. ohne Papiere, Handy, Geld usw. befindet er sich auf der Flucht.

Zur gleichen Zeit machen die Berliner Werner und Vivian Faenzi wie schon so oft auf ihrer Yacht „Aurora“ Urlaub im Mittelmeer. Vivian jedoch muss die Reise in Nizza aus beruflichen Gründen für zwei Wochen unterbrechen, und ihr Mann möchte dann schon nach Korsika übersetzen. Da er gesundheitlich angeschlagen ist, haben beide Eheleute allerdings ein mulmiges Gefühl bei der Vorstellung, dass er alleine auf hoher See ist.

Da scheint es eine glückliche Fügung des Schicksals zu sein, dass Werner noch in Nizza zufällig Malte kennenlernt, der sich als erfahrener Seemann zu erkennen gibt und seine Begleitung anbietet – für fehlende Papiere liefert er eine glaubhafte Erklärung.
Da er dem Schiffseigner sympathisch ist, stechen beide Männer gemeinsam in See.

Malte ist begeistert von dem luxuriösen Schiff und malt sich (s)eine neue Existenz darauf aus – in diesem Traum stört nur Werner. Doch das Hindernis ist schnell aus dem Weg geräumt und Malte beginnt sein Leben als Werner Faenzi.
Als er sich halbwegs mit seiner neue Identität arrangiert hat, kommen ihm allerdings immer wieder Leute in die Quere, die das Ehepaar und die „Aurora“ kennen. Darunter sind zwei junge deutsche Frauen, die die Faenzi's unterwegs kennengelernt und auf ihrer Yacht bewirtet haben.
Auf Elba begegnet er der Marescialla Manuela Sentini, die Chefin der dortigen Polizei ist. Sie findet sofort Gefallen an dem gut aussehenden Seemann und kommt ihm mit der Sehnsucht auf ein sexuelles Abenteuer gefährlich nahe. Kann Kollege Donato Neri, der für eine knapp fünfmonatige Urlaubsvertretung auf der Insel stationiert ist, die rassige Italienerin noch aus Maltes Fängen befreien?
Und nicht zuletzt ist da auch noch Vivian Faenzi, die aus Nizza zurückerwartet wird.

Malte Andresen hat keine Hemmungen, rigoros alles aus dem Weg zu räumen, was ihm auf seinem Weg in ein neues, luxuriöses Leben im Wege ist. Dabei verstrickt er sich immer weiter in Probleme – bis seine Lage aussichtslos scheint.

Resümee:
Vor der malerischen Kulisse von Korsika und Elba passieren grausige Dinge! Dabei beginnt das Geschehen dort relativ gemütlich, nimmt aber immer mehr an Fahrt auf. Gleichzeitig wird kontinuierlich Spannung aufgebaut, und der Schluss lässt auf eine (teuflische) Fortsetzung hoffen.

Malte Andresen ist dabei für mich der interessanteste Charakter, alle anderen bleiben vergleichsweise farblos, ranken sich quasi um seine Person. Er ist auch die Konstante, die als verbindendes Element sämtliche Handlungsstränge durchzieht, die sich auf die Ereignisse um

• Werner und Vivian Faenzi, sei es zusammen als Ehepaar oder getrennt,
• die Polizeistation auf Elba, mit der Marescialla Manuela Sentini und Donato Neri samt Familie im Mittelpunkt,
• die beiden jungen Urlauberinnen Leonie und Hannah

beziehen.

Ein langes Kapitel ist separat Malte Andresen's Kindheit und Jugend gewidmet, die ihn zu dem Psychopathen machte, der er als Erwachsener ist.
Die Passagen um Donato Neri und seine Familie, bestehend aus Ehefrau Gebriella, Sohn Gianni und der Oma, die bereits aus vorherigen Werken der Autorin bekannt sind, fand ich eher langweilig: Sie entwickeln sich von Buch zu Buch nicht oder nur minimal.

Fazit: Mit ein paar Abstrichen ein spannender Krimi – als Thriller, wie auf dem Cover deklariert, würde ich ihn allerdings nicht bezeichnen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 6, 2014 1:49 PM MEST


Mord zwischen Ebbe und Flut
Mord zwischen Ebbe und Flut
von Christiane Franke
  Broschiert
Preis: EUR 9,90

5.0 von 5 Sternen Auch der 6. Fall von Oda Wagner und Christine Cordes ist wieder ein Volltreffer!, 30. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Mord zwischen Ebbe und Flut (Broschiert)
Der ledige Mittfünfziger Andreas Schmidt wird in der Küche seiner Wohnung erschossen, der Täter flüchtet, die Tatwaffe ist nicht auffindbar.
Wie die Kommissarinnen Oda Wagner und Christine Cordes bald herausfinden, führte das Opfer ein absolut unauffälliges Leben:
Seine Arbeit in der Jever-Brauerei gab keinen Grund zur Beanstandung. Und auch wenn er keine privaten Kontakte zu seinen Kollegen pflegte und sich generell eher wortkarg gab, war er offenbar allen sympathisch.
Überhaupt schien der Verstorbene ein Einzelgänger zu sein:
In seiner Freizeit besuchte er regelmäßig die an Alzheimer erkrankte Mutter im Pflegeheim oder ging in seiner spartanisch eingerichteten Wohnung seinem einzigen Hobby nach – dem Lesen. Gelegentlich half er auch in der im Erdgeschoss seines Wohnhauses gelegenen Taxi-Zentrale aus, wo im Schichtdienst Tobias Kuhn und Sören Egermann arbeiten, zwei Freigänger der Wilhelmshavener JVA. Mit ihnen schien er sich ebenfalls gut zu verstehen.

Wer also hatte ein Motiv, Andreas Schmidt zu töten? Alle Indizien deuten darauf hin, dass er seinen Mörder selbst in die Wohnung gelassen, wahrscheinlich sogar mit ihm gegessen hatte. Oda Wagner und Christine Cordes stehen vor einem Rätsel. Zwar tauchen im Rahmen der Ermittlungen ein paar Ungereimtheiten und Verdachtsmomente auf, jedoch liefern diese nach gründlicher Überprüfung keine stichhaltigen Ansatzpunkte für ein Gewaltverbrechen.
Und als ob der Mordfall ihr nicht schon genug Kopfzerbrechen bereiten würde, findet Oda Wagner auch noch, dass sich Kollegin Christine äußerst merkwürdig verhält.

Erst ein Zufallsfund bringt die Kommissarinnen der Lösung des Falles ein Stück näher, aber da ereignet sich ein schrecklicher Unfall …

Resümee:
Dies ist bereits der 6. Fall der beiden so unterschiedlichen Kommissarinnen Oda Wagner und Christine Cordes, die aber mittlerweile prima miteinander auskommen – im Prinzip. Denn die private Beziehung Christines zu dem verheirateten Staatsanwalt Carsten Steegmann ist nach wie vor nicht geklärt - er kann sich einfach nicht entschließen, sich eindeutig zu ihr zu bekennen. Das belastet die junge Frau immer stärker und bleibt nicht ohne Auswirkungen auf ihre Arbeit.

Es gibt einen kontinuierlichen Spannungsanstieg, sowohl in Bezug auf die Ermittlungen im Mordfall als auch bezüglich der Entwicklungen in Christines und Carstens Privatleben. Beide Handlungsstränge stehen sich in puncto Dramatik in nichts nach und sind als durchaus gleichwertig zu betrachten. Mehr noch: Sie sind zum Teil sogar miteinander verwoben und der Leser fiebert hier wie dort mit.
Und wenn man auch nach und nach Motiv und Identität des Täters im Mordfall Andreas Schmidt sowie den Fortgang der Ereignisse um Christine und Carsten ahnt, so tut dies der Spannung keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: Das menschliche Verhalten ist unberechenbar und sorgt für immer neue Überraschungen.

Es ist bemerkenswert, wie Christiane Franke es immer wieder schafft, den Leser mit den Fällen um Oda Wagner und Christine Cordes zu fesseln, sodass es nie langweilig wird. Das liegt sicher auch daran, dass sie ihre Figuren so authentisch lebendig werden lässt, dass man das Gefühl hat, es mit real existierenden Personen zu tun zu haben, an deren Privat- und Berufsleben man interessiert ist – zumal in beiden Bereichen ständig etwas passiert und sie sich permanent weiterentwickeln.
Und so bin ich jetzt schon sehr gespannt auf „Folge“ 7.

Übrigens kann ich ohne jegliche Verständnis-Einbußen das Buch auch Neu-Interessierten empfehlen.


Vergessen
Vergessen
von Elke Pistor
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein ungemein spannender Krimi mit Tiefgang, 25. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Vergessen (Taschenbuch)
Die kleine Mia spielt auf dem Heimweg von der Schule mit ihrer Freundin Paula Verstecken. Paula ist mit Zählen dran, und gerade als Mia glaubt, sich bei einer Strauchgruppe unsichtbar gemacht zu haben, packt sie jemand von hinten, zieht sie ins Gebüsch, betäubt und entführt sie.
Ungefähr zeitgleich lässt sich der heruntergekommene, verschuldete Kneipenwirt Werner Hedelsberg wegen akuter Zahnprobleme von seinem Freund Dr. Martin Schlendahl in dessen Praxis untersuchen. Doch sehr harmonisch scheint ihr Verhältnis nicht zu sein.
Mitten in der Behandlung fängt der Zahnarzt plötzlich an wirr zu reden und mit dem Bohrer wild im Mund des Patienten herumzufuhrwerken. Er ist nicht zu beruhigen, im Gegenteil: Wie von Sinnen rennt er zum Fenster, reißt es auf und springt in den Tod.
Was ist zwischen den beiden Männern geschehen? Ist der Arzt aus irgendeinem Grund in Wut geraten? Wollte er sich selbst töten? Wurde er gestoßen?

Kurz darauf stirbt die krebskranke Tierpräparatorin Gisela Arend auf ganz ähnliche Weise: Sie ist vom Flachdach ihres Hauses gesprungen. War sie verzweifelt und hat sich das Leben genommen? Nachfragen bei ihrem behandelnden Arzt ergeben, dass die Therapie sehr gut angeschlagen hatte, es ihr den Umständen entsprechend physisch und psychisch sogar recht gut ging.

Das Bindeglied zwischen beiden Todesfällen ist ein mehr als 40 Jahre altes Gruppen-Foto, auf dem die Verstorbenen markiert sind. Befinden sich auch die anderen abgebildeten Personen in Gefahr? Um wen handelt es sich dabei?

Da ihre Kollegin und Freundin Leonie Ritte auf dem Weg zum Einsatz in der Zahnarztpraxis schwer verunglückt ist, ist Kommissarin Verena Irlenbusch gezwungen, mit dem machohaft-unkollegialen Christoph Todt zusammenzuarbeiten.
Sie finden heraus, dass es sich bei einer der auf dem Foto abgelichteten Frauen um Rose Hoss handelt – sie ist nicht nur die beste Freundin der verstorbenen Gisela Arend, sondern auch die Großmutter der verschwundenen kleinen Mia.
Hängen die beiden Todesfälle und die Kindesentführung etwa miteinander zusammen? Um dies herauszufinden, wird den beiden Kommissaren auch der „Fall Mia“ übertragen.
Und dann ist auch noch Wirt und Schmerzpatient Werner Hedelsberg spurlos verschwunden.

Aber nicht nur beruflich wird Verena Irlenbusch wegen der Ermittlungen und der schwierigen Zusammenarbeit mit dem neuen Kollegen stark gefordert:
Ihre Großmutter Ruth, bei der sie aufgewachsen ist, ist an Alzheimer erkrankt. Obwohl sie auch gute Tage hat, verschlechtert sich ihr Zustand stetig, sodass sie kaum noch alleine gelassen werden kann. Daher schaut nicht nur eine Nachbarin gelegentlich nach ihr, sondern Verena nimmt während ihres Dienstes immer wieder kleine Auszeiten, um nach dem Rechten zu sehen. Gedeckt wurde sie bislang immer von ihrer verunglückten Kollegin Leonie.
Der Zustand wird immer unhaltbarer. Da scheint es eine glückliche Fügung des Schicksals zu sein, dass die Kommissarin im Rahmen ihrer Ermittlungen zufällig dem Neurologen Harald Enzinger begegnet. Der ältere Herr findet sie offenbar auf Anhieb sympathisch und möchte ihr näherkommen. Als er sie zu Hause besucht, lernt er auch Großmutter Ruth kennen, erkennt die schwierige Situation und organisiert eine Pflegekraft.

Dass sie sich zumindest eine große Mitschuld an dem schweren Unfall Leonie's gibt, belastet Verena ebenso wie die schwierige Arbeitssituation mit dem Kollegen Christoph Todt – es stellt sich heraus, dass auch er ein „Päckchen“ zu tragen hat.

Resümee:
Was für ein spannender Krimi, den ich nur widerwillig – äußeren Notwendigkeiten gehorchend – aus der Hand gelegt habe. Die Krimi-Handlung ist sehr geradlinig angelegt, ohne lästige Schnörkel und Seitenfüller, und steuert temporeich auf die Lösung der Fälle zu.
Möglicherweise fällt es dem Leser relativ früh wie Schuppen von den Augen und er ahnt, wer hinter den schrecklichen Taten steckt. Aber es bleibt bis zum Schluss nur eine vage Vermutung, die sich zwischendurch auch immer wieder verflüchtigt und daher nichts von der Spannung nimmt. Ganz im Gegenteil, sie wird dadurch sogar noch gesteigert, zumal auch andere „Kandidaten“ in den Fokus gerückt werden.

Elke Pistor hat eine spannende Krimi-Handlung geschaffen, die sie sehr geschickt mit dem Thema „Demenz“ und den Problemen für Betroffene und Angehörige verwoben hat – oder ist es umgekehrt? Dies geschieht so fundiert, dass mit Sicherheit eine gründliche Recherche-Arbeit stattgefunden hat.

Der Titel des Buches ist Programm: Es geht ums „Vergessen“ - bedingt durch schwere Krankheit oder weil man traumatische Ereignisse aus der Vergangenheit oder nahen Gegenwart nicht vergessen kann, sie einen täglich aufs Neue belasten und in der Gesamt-Befindlichkeit stark beeinträchtigen.

Noch ein Wort zum Ermittlerduo Verena Irlenbusch, Christoph Todt: Trotz oder gerade wegen ihrer menschlichen Schwächen und Probleme sind sie einem sympathisch, denn sie bieten dem Leser hohes Identifikationspotenzial.

Fazit: ein ungemein spannender Krimi mit Tiefgang!


An einem Tag im November: Roman
An einem Tag im November: Roman
von Petra Hammesfahr
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen nicht uneingeschränkt zufrieden, 22. September 2014
Die 5-jährige Emilie ist die Tochter von Anne und Lukas Brenner. Da beide Elternteile beruflich sehr engagiert sind – die Mutter als Kosmetikerin, der Vater als Inhaber eines florierenden Fitness-Studios -, ist der Alltag der Familie meist sehr hektisch und muss gut durchorganisiert werden. Emilie wird häufig von den Großeltern oder Mitarbeitern des Fitness-Centers betreut und verbringt auch einige Zeit bei den Nachbarskindern.
Sie ist für ihr Alter sehr selbstständig und aufgeweckt, aber auch altklug und vorlaut. Vor allem weiß sie ihre Interessen durchzusetzen.

Dass die Großeltern ihr Mitte November, so kurz vor Weihnachten, noch das heiß begehrte pinkfarbene Fahrrad gekauft haben, sehen Anne und Lukas gar nicht gerne – auch in Anbetracht des schlechten Wetters. Denn selbstverständlich will Emilie unbedingt mit ihrer neuen Errungenschaft draußen herumfahren, der Regen ist für sie kein Hinderungsgrund. Und so nutzt sie die Abwesenheit des Vaters und den Mittagsschlaf der Mutter aus, um sich heimlich aus dem Haus zu schleichen. Nachbarn sehen sie noch mit ihrem neuen Fahrrad.

Die Kleine kehrt jedoch nicht nach Hause zurück und Nachforschungen der Eltern ergeben keinen Hinweis auf ihren Verbleib: Emilie ist spurlos verschwunden! Aber Anne und Lukas Brenner lassen viel zu viel wertvolle Zeit verstreichen, bis sie erst etliche Stunden später die Polizei informieren. Mit Hochdruck arbeitet ein großes Polizei-Aufgebot daran, das Verschwinden des Mädchens aufzuklären, es möglichst schnell zu finden.

In zahlreichen Rückblenden erfährt der Leser, wie sich das Leben der Familie Brenner und etlicher anderer Personen in ihrer näheren und weiteren Umgebung entwickelt hat. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den letzten 10 Monaten. Immer wieder eingeschoben sind Kapitel, die sich mit der aktuellen Ermittlungsarbeit beschäftigen.

Resümee:
Ausnahmsweise verstoße ich diesmal gegen den Grundsatz, zuerst das Positive zu nennen, weil ich meine, dies bekommt mehr Gewicht, wenn ich meine Negativ-Kritik voranstelle:

Das Buch ist sehr, sehr schwer verdaulich – es hat einfach von allem zu viel, nämlich

• zu viele Personen, die eine wichtige Rolle spielen - insgesamt 49, davon alleine 12 Polizisten, die in den Fall involviert sind. Die Autorin hat zwar vorab alle aufgelistet, dennoch ist es mühsam, sie ihren Beziehungen und Rollen entsprechend immer wieder richtig zuzuordnen.

• zu viele verdächtige Personen bzw. Gruppen, die abwechselnd in den Fokus gerückt werden – ich hatte 8 Favoriten (einer davon war es dann erfreulicherweise auch!).

• zu viele Schauplätze (6), die alternierend im Mittelpunkt der Handlung stehen.

• zu viele Themenschwerpunkte, alle bezogen auf akute Probleme unserer Zeit.

• zu ausführliche Beschreibung der verwandtschaftlichen Beziehungen und der Stellung jedes Einzelnen innerhalb der Familie Brenner. Dies habe ich als Seitenfüller gesehen, da es im weiteren Verlauf des Buches später nicht mehr aufgegriffen wird, also für den Fall so gut wie keine Relevanz hat.

Diese enorme Komplexität, mit der der Leser von Anfang an konfrontiert wird, ist kaum zu durchdringen und macht es ihm daher sehr schwer, überhaupt erst einmal in die Handlung reinzukommen. Hinzukommt, dass die einzelnen Kapitel relativ kurz sind und meist zwischen den Protagonisten, Schauplätzen und Themen hin und her wechseln. Ganz schlecht wirkt sich – besonders anfangs – z. B. eine Leseunterbrechung von einem Tag aus.

Aus dem gleichen Grund gelingt es dem Leser nicht, sich zu identifizieren. Er bleibt quasi als Beobachter, der im raschen Wechsel immer wieder an einen anderen Schauplatz mit wechselnden Darstellern und Problemen geführt wird, außen vor - stets bemüht, der Autorin zu folgen.

Je weiter es dem Schluss, sprich der Aufklärung des Falles, zugeht, umso überschaubarer wird die Vielschichtigkeit allerdings naturgemäß und reduziert sich schließlich auf die Lösungsebene.

Bei all dem ist es wirklich bewundernswert, wie es Petra Hammesfahr gelungen ist, selbst alle Fäden in der Hand zu behalten und eine in sich schlüssige Aufklärung des Falles herbeizuführen.Für ein gewisses Maß an Spannung ist durch die vielen Wendungen – ausgelöst durch immer neue Informationshäppchen und wechselnden Blickwinkel - meist gesorgt. Wie schon erwähnt, gibt es zahlreiche Verdächtige, die abwechselnd im „Rampenlicht“ stehen.

Und erwähnt werden muss auch die hervorragende Recherche-Arbeit in Bezug auf alle für das Buch relevanten Themen.

Kurz: Weniger von allem wäre mit Sicherheit mehr und dem Lesevergnügen incl. der Spannung dienlich gewesen.


Apfelkuchen für die Seele
Apfelkuchen für die Seele
von Gabriela Zander-Schneider
  Broschiert
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Spiegelbild unserer Gesellschaft mit Tipps, sich vor dem Burnout zu schützen, 13. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Apfelkuchen für die Seele (Broschiert)
Sonja (37) lebt in Köln, wo sie als Anwaltsgehilfin arbeitet.
Ihre berufliche Situation raubt der jungen Frau viel Kraft: Insbesondere einer ihrer Chefs und eine Kollegin nutzen sie permanent aus. Oft werden ihr zusätzlich zu ihrem ohnehin schon großen Arbeitspensum noch lästige und zeitraubende Aufgaben aufs Auge gedrückt, und sie muss häufig – auch am Wochenende – Überstunden machen, die sie nicht abbummeln kann. Der „Dank“ sind ständige Schikane und Demütigungen.
Doch Sonja mag sich nicht wehren, denn sie ist auf den Arbeitsplatz, respektive das Gehalt, angewiesen:
Aus einer früheren Beziehung drücken sie hohe Schulden, da sie für ihren damaligen Partner eine Bürgschaft übernommen hatte, der sich danach jedoch aus dem Staub machte. Ihre beste Freundin, mit der sie ein vertrauensvolles Verhältnis verband, ist gestorben und wegen ihrer knappen Freizeit haben sich nach und nach immer mehr Bekannte von ihr abgewandt. So lebt Sonja zurückgezogen in einer kleinen Wohnung, in der die Geräuschbelastung durch Verkehrslärm und Nachbarn sehr groß ist.

Ihre berufliche und private Situation, verbunden mit der Hektik des Alltags, der Rücksichtslosigkeit und Oberflächlichkeit ihrer Mitmenschen, der fehlenden Zeit, einmal etwas für sich zu tun und der mangelnden Energie, etwas an ihrer Situation zu ändern, lassen die junge Frau immer mehr in einen Burnout rutschen – und eines Tages klappt sie zusammen.
Mit Hilfe einer hilfsbereiten Apothekerin und verständnisvollen Ärztin schafft Sonja es schließlich, beruflich Grenzen zu ziehen und auch privat etwas zu verändern.

Und ein Brief leitet schließlich die ganz große Wende ein.

Eine Parallelhandlung spielt am idyllischen bayerischen Chiemsee, wo der schon seit langem verwitwete Anton lebt, um den sich eine Nachbarin und ein Freund liebevoll kümmern.

Die beiden Handlungsstränge laufen immer mehr aufeinander zu, um am Schluss ganz miteinander zu verschmelzen.

Resümee:
Dieses Buch liefert zunächst in kompakter Form ein Spiegelbild unserer Gesellschaft: Eine unhaltbare Arbeitssituation, kein Ausgleich im Privatleben, unzumutbare Umweltbedingungen, eine Ellenbogen-Gesellschaft machen vor allem sensible Menschen krank - oft irreparabel, wenn man nicht die Kraft hat, sich alleine oder mit Hilfe aus dem Hamsterrad zu befreien.

Doch wie kann das gelingen?
Die Autorin gibt Hinweise, wie man sich im Alltag kleine Inseln, die die „Akkus“ wieder ein wenig aufladen, schaffen kann. Das können schon kurze Auszeiten sein, in denen man einmal gar nichts tut, außer sich auf sich selbst zu besinnen. Auch ein Tapetenwechsel kann dafür sorgen, dass man im wahrsten Sinne des Wortes ein wenig Abstand gewinnt. Ganz wichtig ist es, nicht nur zu funktionieren, sondern sich ab und zu etwas Gutes zu gönnen. Und last but not least: Grenzen setzen, Kollegen und Mitmenschen nicht zu nah an sich rankommen und sich schon gar nicht von ihnen vereinnahmen lassen.
Und manchmal stellt – wie bei Sonja – auch das Schicksal die richtigen Weichen und sorgt für eine komplette Änderung der Lebenssituation.

Der Titel des Buches bezieht sich übrigens auf einen Ausspruch von Sonjas Großmutter und als „Starthilfe“ für die Leser hat die Autorin „Emmas Original-Apfelkuchen-Rezept“ zum Nachbacken angefügt.


Das Erbe der Füchsin: Historischer Roman
Das Erbe der Füchsin: Historischer Roman
von Eva Finkenstädt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 23,00

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Eigentlich null Sterne - ich konnte das Buch nicht zu Ende lesen!, 11. September 2014
Man schreibt das Jahr 1835: Die junge Müllerstochter Martha führt nach dem Tod der Mutter den Haushalt des Vaters. Als eines Tages der jüdische Hausierer und Kesselflicker Jakob dort Rast macht, mangelt es nicht an Arbeit für ihn und er bleibt länger auf dem Hof als ursprünglich geplant. Das ist den beiden jungen Leuten nur recht, denn sie haben sich ineinander verliebt.
Als Martha schwanger wird, tritt er zum christlichen Glauben über, damit sie heiraten können. Gemeinsam zieht das Paar mit dem kleinen Hausiererwagen, in dem es auch lebt, durch die Gegend. Mit 17 gebärt Martha den kleinen Alfred und wird bald darauf Witwe, denn Jakob stirbt im Winter an einer Lungenentzündung.

Das Leben ist hart für Mutter und Kind, entbehrungsreich und voller Mühsal. Die junge Frau muss von frühmorgens bis spätabends schwer arbeiten, um sich und Alfred durchzubringen.
Als stets ärmlich gekleidetes Kind einer alleinerziehenden Mutter wird der Junge während seiner gesamten Kindheit und Jugend nie richtig akzeptiert; stets steht er auf der untersten Stufe der Rangleiter.

Doch er will geachtet werden und unternimmt viele Anstrengungen für seinen sozialen Aufstieg:
Nach dem Schulabschluss erlernt Alfred den Beruf des Schlossers und geht nach Ende der Lehrzeit auf eine 3-jährige Wanderschaft. Wann immer er die Möglichkeit hat, schaut er sich gutes Benehmen ab, statt mit anderen zu trinken, spart er eisern sein verdientes Geld und bildet sich fort. Er beschäftigt sich u.a. auch mit der Entwicklung der Dampfmaschine, arbeitet in einer Fabrik und gründet schließlich selbst eine. Sein Ansehen steigt kontinuierlich.

An dieser Stelle, bei 64 % des E-Readers (oder nach 146 von 228 Print-seiten), habe ich aufgehört zu lesen.

Resümee:
Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal ein Buch nicht zu Ende gelesen habe, weil meine Geduld – hier nach gut der Hälfte - restlos erschöpft war und mir das Lesen überhaupt keinen Spaß mehr machte:

• Es gibt Grammatik-, vor allem aber Rechtschreibfehler in Hülle und Fülle.

• Ein ständiger Wechsel der Erzählzeit vom Präteritum zum Präsens erfolgt für mich ohne ersichtlichen Grund und stört den Lesefluss.

• Die gewählte Stilform könnte originell sein, nervt aber, wenn sie als durchgängiges Prinzip angewendet wird:
Eine schlichte Sprache soll wohl der Zeit und dem Niveau bzw. der Gedankenwelt der Personen angepasst sein. Da der Ausdruck vielfach einem inneren Monolog nachempfunden ist, beinhaltet dies viele Wiederholungen und kurze, einfache Sätze.

• Spannung kann nicht entstehen, da die Handlung überwiegend aus einer chronologischen Beschreibung dessen, was geschieht, besteht.
Wenn man bedenkt, dass sofort bei der ersten Begegnung Martha's und Jakob's klar ist, dass sie sich ineinander verlieben werden, kann man wohl davon ausgehen, dass ein Spannungsaufbau offenbar auch nicht das Anliegen der Autorin war.
Eine Parallelhandlung fehlt – sieht man einmal davon ab, dass während Alfred's Wanderschaft gelegentlich zu Martha nach Hause „geschwenkt“ wird, um den Leser über die dortige Entwicklung auf den neuesten Stand zu bringen.

• Bedenklich finde ich es auch, dass die Autorin offenbar selbst nicht so genau die Namen ihrer „Kinder“ kennt:
Im Klappentext ist von Sohn Albert die Rede, im Buch heißt der Knabe jedoch Alfred.

Das einzig Gute bestand für mich darin, dass der Leser in dem Part, in dem von Alfred's Lehre die Rede ist, Herkunft und Bedeutung vieler heute noch gebräuchlicher Ausdrücke erfährt, wie z. B. „zünftig“, in Bezug auf das Handwerk „freisprechen“, „Junggeselle“.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 20, 2014 11:37 AM MEST


Honigtot
Honigtot
von Hanni Münzer
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,50

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Toll, einfach nur toll: Unterhaltsam, spannend und eine "Geschichtsstunde", 3. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Honigtot (Taschenbuch)
Das Buch beginnt kurz nach dem Tod von Felicity's Großmutter Maria, die zuletzt in einer Pflege-Einrichtung in Seattle gelebt hat. Deren Tochter Martha verlässt eines Tages ihr Haus, um das Zimmer im Heim zu räumen, kehrt aber nicht wieder zurück. Im Pflegeheim erfährt die besorgte Felicity, dass ihre Mutter es nach nur kurzem Aufenthalt fluchtartig wieder verlassen habe. Nachforschungen ergeben, dass sie offensichtlich überstürzt in den nächsten Flieger nach Rom gestiegen ist.
Felicity folgt ihr sofort dorthin und macht Martha in einem Hotel ausfindig, wo sie völlig verstört inmitten von Papierfetzen auf dem Bett hockt. Auch das ganze übrige Zimmer ist übersät mit Zeitungsartikeln und Papierschnipseln, die zum Teil in hebräischer Schrift verfasst sind. Ein Pater kann die wiederhergestellen Dokumente übersetzen: Es sind in Romanform verfasste Lebenserinnerungen Marias, die nach dem Krieg einige Zeit in Rom gelebt hatte.

Sie beginnen 1923 in München, kurz nach der Heirat der jungen, sehr erfolgreichen, aber recht lebensfremden Sängerin Elisabeth Malpran mit dem jüdischen Arzt Gustav Berchinger.
Ein Jahr später wird Tochter Deborah geboren, ihr folgt Sohn Wolfgang.
Je mehr die Nationalsozialisten unter Hitler an Einfluss und Macht gewinnen, um so gefährlicher wird das Leben für die Familie, insbesondere für den jüdischen Vater und die Kinder, die als Halbjuden gelten. Daher plant man schließlich schweren Herzens die Flucht ins Ausland – aus Sicherheitsgründen getrennt. D.h. Elisabeth soll mit den Kindern direkt nach London reisen, Gustav den Weg über Zürich nehmen. Doch er kommt dort nie an, niemand weiß angeblich etwas über seinen Verbleib.

In ihrer Verzweiflung reist Elisabeth direkt nach Berlin, wo sie sich die Bewunderung der Nazi-Größen für sie, die gefeierte Künstlerin, zunutze macht und um ihren Mann kämpft. Doch dieser bleibt verschollen, mehr noch: Während ihrer Abwesenheit geraten zuhause in München ihre Kinder in die Hände der SS-Schergen und die Wohnung wird verwüstet.
Elisabeth entwickelt sich immer mehr vom naiven Frauchen zu einer kämpferischen Frau. Unterstützung erhält sie – scheinbar – von Obersturmbannführer Albrecht Brunnmann, den sie 2 Jahre nach Gustav's Verschwinden heiratet. Ihrerseits handelt es sich um eine Vernunftehe, denn sie betrachtet ihn als Lebensversicherung für Deborah und Wolfgang, die er ihr zuliebe schon ein paarmal aus den Fängen der Nazis gerettet hat.

Mit 41 Jahren stirbt die geschwächte und des Kampfes müde Elisabeth und die 17-jährige Deborah übernimmt fortan die Verantwortung für ihren kleinen Bruder. Doch Stiefvater und Obersturmbannführer Albrecht Brunnmann hat eigene Pläne mit ihr:
Er nimmt sie mit auf Dienstreisen, wickelt sie mit Charme und Luxus ein und macht sie zu seiner leidenschaftlichen Geliebten.
Aber der jungen, intelligenten und scharf beobachtenden jungen Frau bleiben bei allem Glanz, der sie umgibt, nicht das Elend der Juden und die Ideologie der Nazis verborgen. Sie erkennt, dass ihr Geliebter großen Anteil an der Judenverfolgung und Einfluss an höchster Stelle haben muss.

Während eines Aufenthalts in Krakau freundet sie sich mit der anscheinend kapriziösen und immer fröhlichen Marlene an, der Geliebten eines Nazi-Offiziers.
Als diese sich als Widerstandskämpferin zu erkennen gibt, schließt Deborah sich ihr an. Innerlich distanziert sie sich immer mehr von Albrecht Brunnmann, beginnt sogar, ihn zu hassen. Doch aus taktischen Gründen muss sie weiterhin die hingebungsvolle Geliebte spielen, denn er ist für die Arbeit der Widerstandsgruppe unentbehrlich: Deborah und Marlene müssen an wichtige Papiere und Dokumente gelangen, in deren Besitz er ist - ein lebensgefährliches Unternehmen, das nicht ohne Leid, schwere Folter und Tote abgeht.

Als Deborah um des eigenen Überlebens willen schließlich nichts anderes übrig bleibt als zu fliehen, ist sie schwanger.

Der Schluss des Buches knüpft im Sinne einer Rahmenhandlung wieder an den Anfang an und spielt erneut in der Gegenwart in Rom.

Resümee:
Dieses Buch ist mir von einer Bekannten wärmstens empfohlen worden, die sehr wohl weiß, dass meine liebsten Genres Krimis und Thriller sind. Darum handelt es sich hier nicht – wenngleich es aber nahezu durchgehend so spannend war, dass ich es nicht aus der Hand legen mochte.

Eine über 2 Generationen gehende Familiengeschichte ist in eine historisch exakt wiedergegebene Rahmenhandlung eingebettet, sodass der Leser die Zeit der Nationalsozialisten unter Hitler von 1923 bis zum Ende der zweiten Weltkrieges erst primär aus Elisabeth's und dann aus Sicht ihrer Tochter Deborah erlebt.
Das bedeutet, dass der Roman nicht nur ausgesprochen unterhaltsam und spannend, sondern auch eine „Geschichtsstunde“ ist. Es kann dabei natürlich nicht ausbleiben, dass vieles, den fürchterlichen Umständen entsprechend, auch sehr bedrückend wirkt und emotional aufrüttelt.
Aber der Autorin ist hier ein meisterliches „Mischungsverhältnis“ gelungen, das der jeweiligen Situation immer angemessen ist, und den Leser in den Bann zieht. Er erlebt ein Wechselbad der Gefühle, das ihn am Schluss einerseits bestens unterhalten, andererseits sehr nachdenklich zurücklässt.

Die Charaktere sind allesamt scharf gezeichnet. Besonders sowohl Elisabeth als auch Deborah und später Marlene, sind in nahezu jeder Lebenslage Sympathie-Trägerinnen mit hohem Identifikationspotenzial.
Dabei sind die politischen Figuren zwar fiktiv, zum Teil jedoch real existierenden gemäß der herrschenden Ideologie nachempfunden.

In ihren Nachbemerkungen erläutert Hanni Münzer den Buchtitel „Honigtot“:
Honig, der Trank der Götter, wird auch „Met“ genannt.
Hebräisch bedeutet „Met(h)“ „tot“.


Hamburg MM-City: Reiseführer mit vielen praktischen Tipps und kostenloser App.
Hamburg MM-City: Reiseführer mit vielen praktischen Tipps und kostenloser App.
von Matthias Kröner
  Broschiert
Preis: EUR 17,90

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5.0 von 5 Sternen Dieser Reiseführer unterscheidet sich sehr wohltuend von anderen: informativ, unterhaltsam und manchmal sogar spannend!!, 27. August 2014
Noch ein Reiseführer über Hamburg? Ja! Und was für einer!
Dem Autor ist mit diesem Werk ein so hervorragender - nämlich informativer und vor allem auch unterhaltsamer Hamburg-Begleiter gelungen -, dass ich ihn einfach vorstellen muss.
Auf 264 Seiten liefert er zudem nicht nur Infos und praktische Tipps für einen gelungenen Aufenthalt in der Stadt, sondern bietet auch an, ohne weitere Kosten eine App herunterzuladen, über die man aktualisierte Daten - z.B. über Eintrittspreise und Öffnungszeiten - sowie Ergänzungen erhält.

Konkret zum Inhalt:
Zunächst werden dem Leser auf unterhaltsame Weise interessantes Hintergrund-Wissen und allgemeine Informationen zu Hamburg angeboten.
Dies sind
• einzelne Aspekte zur Stadtgeschichte, u.a. zu „Hanse, Pest und Piraten“, „Auswanderungswellen und Speicherstadt“, „Sturmflut und Spiegel-Affäre“, „Hafenstraße und Koalitionen“,

• Auskünfte zu einzelnen Stichworten wie „Barrierefreiheit“, „Bootsverleih“, „Fußball“, „Grillen“, „Kinder“, „schwul-lesbische Szene“, um nur ein paar zu nennen,

• Fortbewegungs-Möglichkeiten in der Stadt incl. detaillierter Angaben z.B. über Kosten, (Ab-) Fahrtzeiten, Fahrkartenkauf, Alternativen und Informationsmöglichkeiten (Telefonnummern und Internet-Links),

• Übernachtungs-Tipps von günstig bis nobel für jede Vorliebe und jeden Geldbeutel. Das Gleiche gilt für

• Restaurant-Empfehlungen, die die unterschiedlichsten Geschmäcker berücksichtigen: exklusiv und teuer, gut bürgerlich, exotisch, vegetarisch und vegan, typisch hamburgisch u.v.a.m.

• Hinweise zum kulturellen Leben und

• eine Monatsübersicht zu Veranstaltungen.

In einem weiteren Kapitel stellt der Autor 7 größere Stadttouren und einzelne kleine Ausflüge vor.
Diese sind allesamt übersichtlich strukturiert:
• Vorangestellt sind zunächst ein typisches Foto und ein kleiner Kartenausschnitt, der den betreffenden Tour-Bereich hervorhebt.

• Es folgt eine gleichermaßen informative und unterhaltsame Beschreibung der einzelnen Etappen und Sehenswürdigkeiten, unterstrichen durch kleinere Fotos.

• Auf einer größeren Tour-Karte werden übersichtlich und mehrfarbig nicht nur der Streckenverlauf mit seinem Start und Ende, sondern auch Möglichkeiten für Essen und Trinken, Übernachtungen, Einkaufen und Nachtleben dargestellt.

• Zu allem gibt der Autor anschließend unter der Überschrift „Praktische Infos“ persönliche Tipps und Empfehlungen und weist auch klar auf negative Aspekte hin, wie z. B. ein schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis, Benachteiligung Einzelreisender, schlechte Präsentation. Umgekehrt lobt er aber auch ausdrücklich, wo es ihm angebracht erscheint.

• Jede Tour-Beschreibung enthält auch, hervorgehoben durch einen gelben Kasten, Geschichten zu Persönlichkeiten / Gruppen, die in diesem Viertel gelebt und / oder gearbeitet haben.
Diese sind im Inhaltsverzeichnis unter der Überschrift Alles im Kasten gesondert aufgeführt.

Das Inhaltsverzeichnis weist das in den einzelnen Tour-Kapiteln verwendete Kartenmaterial extra aus.
Außerdem befindet sich in der vorderen Umschlagklappe ein Übersichtsplan mit dem Schwerpunkt Verkehrsanbindung.
In der hinteren Klappe liegt ein herausnehmbarer größerer Faltplan.
Natürlich fehlen nicht Karten zu den Metrobussen und zum Schnellbahn- und Regionalverkehr.

Leser- und nutzerorientiert sind auch die 6 Blankoseiten am Schluss für eigene Notizen.

Resümee:
Der mit 264 Seiten, 158 Farbfotos, 12 Übersichtskarten und -plänen sehr aufwendig gestaltete Reiseführer ist mit 17,90 € allemal sein Geld wert!

Ich möchte die vielen positiven Aspekte wie folgt zusammenfassen:
• übersichtliche Präsentation,
• fachkundige, hervorragend recherchierte Informationen,
• objektive Tipps und Empfehlungen,
• Vorstellung sowohl der gängigen Must-See-Attraktionen als auch weniger bekannter Sehenswürdigkeiten bis hin zu Geheimtipps,
• Angebote für alle Interessen-Gruppen, sei es in Bezug auf Übernachtungs-Möglichkeiten, Restauration, Fortbewegungsmittel usw.

Dabei weicht dieser Reiseführer wohltuend von dem üblichen, d.h. meist trocken-sachlich gehaltenen Angebot ab:
Er ist nicht nur ausgesprochen informativ, sondern auch sehr unterhaltsam – manchmal sogar richtig spannend – und enthält zahlreiche persönliche Ratschläge: z. B. im Sinne eines „Lieber-Nicht“, „Vorsicht Abzocke“, zu Umgangston und -form von Angestellten, Behandlung Einzelreisender, Bekleidungstipps.

Trotz der genauen Tour-Beschreibungen stimmt die im Untertitel genannte Angabe „individuell reisen“ absolut: Man kann problemlos einzelne Stationen weglassen. Matthias Kröner nennt zum Teil Alternativen und auch aus dem reichen Angebot an Restaurants und Hotels kann man das individuell Passende auswählen.

Noch ein Wort, warum ich glaube, einen Hamburg-Reiseführer recht gut beurteilen zu können:
Da ich in Norddeutschland aufgewachsen bin, studiert und lange gewohnt habe, war die räumliche Nähe zur Metropole immer gegeben – und wurde eifrigst genutzt.
Später dann habe ich über 20 Jahre in bzw. in unmittelbarer Nähe Hamburgs gelebt, sodass sich ein recht intensiver Bezug zur Stadt entwickelte. Aber wenn ich wieder einmal in die alte Heimat fliege, dann nicht ohne meinen neuen Hamburg-Reiseführer.


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