Profil für Thomas Dunskus > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Thomas Dunskus
Top-Rezensenten Rang: 1.324.177
Hilfreiche Bewertungen: 704

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Thomas Dunskus (Faleyras Frankreich)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3
pixel
Das Himmler-Komplott: Wie der Reichsführer der SS den 2. Weltkrieg beenden wollte und warum er beseitigt wurde
Das Himmler-Komplott: Wie der Reichsführer der SS den 2. Weltkrieg beenden wollte und warum er beseitigt wurde
von Olaf Rose
  Gebundene Ausgabe

18 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Toten von 1945, 1. Juni 2006
Diese Besprechung bezieht sich auf die englische Ausgabe, ?Himmler?s Secret War? von Martin Allen.

Das Buch beschreibt in seiner ersten Hälfte einen Teil der diversen Friedensfühler, die von Deutschen während des 2. Weltkriegs in Richtung London ausgestreckt wurden, wobei es hier in der Hauptsache um Bemühungen Heinrich Himmlers geht, der in der Endphase des Krieges versuchte, die Kampfhandlungen irgendwie zu beenden. Wenn es sie tatsächlich gab, stießen diese Bemühungen auf taube Ohren, die Ereignisse bezeugen dies. Die Kämpfe gingen weiter, und forderten auf allen Seiten Hekatomben sinnloser Opfer - unter den deutschen und den alliierten Soldaten, unter der deutschen Zivilbevölkerung, aber auch unter den Insassen der Konzentrationslager.

Der Autor dieses Buches versucht nicht nur nachzuweisen, dass solche Bemühungen und Kontakte tatsächlich stattgefunden haben, er führt auch, in der zweiten Hälfte des Buches, Beweise dafür an, dass Himmler, nachdem er irgendwie in britische Hände gefallen war, kurzerhand erschlagen wurde und nicht, wie es seitdem immer hieß, Selbstmord beging. Einen ähnlichen Weg hat auch der amerikanische Autor Jospeh Bellinger eingeschlagen; in seinem Buch ?Himmlers Tod? stützt er sich teilweise auf die gleichen Dokumente wie Martin Allen

An und für sich ist dies eine Frage, die heute niemanden mehr aufregen sollte. Es ist doch eigentlich vollkommen ohne Belang für unseren Blick auf jene längst vergangene Zeit, ob der Mann sich nun das Leben genommen hat oder ob seine Feinde ihn sofort und nicht erst ein Jahr später, etwa in Nürnberg, vom Leben zum Tode beförderten. Warum sollte heutzutage jemand den Briten vorwerfen, ein wenig emotional und vorschnell reagiert zu haben, lange zu leben hatte das Scheusal ohnehin nicht mehr, also was soll das alles?

Die Wichtigkeit des Buches wird erst deutlich, wenn man sich mit den Ereignissen befasst, die nach seinem ersten Erscheinen (Mai 2005) eintraten: zwei Monate später behauptete der Daily Telegraph plötzlich, die wesentlichen Dokumente aus dem britischen Public Record Office (PRO) in Kew, auf die der Verfasser sich stützt, seien gefälscht, man habe sie einem Experten vorgelegt, der dies bestätigt habe.

Hier wird die Angelegenheit nun sehr merkwürdig, denn abgesehen von den sich aufdrängenden Fragen wer, wann, warum und wie die Dokumente in den Ordnern des PRO gefälscht haben könnte, muss ein weiterer, ganz wesentlicher Gesichtspunkt berücksichtigt werden, nämlich der, wie die Dokumente überhaupt aus dem Archiv des PRO zum Daily Telegraph und von dort zu dem Sachverständigen gelangen konnten und vor allem, warum der Vorwurf einer Fälschung nicht direkt vom PRO erhoben wurde.

Es ist doch platterdings nicht vorstellbar, dass ein hergelaufener Reporter die Erlaubnis seitens des PRO erhielt, die Dokumente mal kurz ausleihen zu dürfen, mit dem Argument, sie seien dubios und er wolle sich das von einem Experten bestätigen lassen; da hätten beim PRO sämtliche Alarmglocken rasseln müssen, ging es doch darum, als fragwürdig angesehene Originaldokumente aus dem Archivverbund zu lösen und an einen Dritten außer Haus zu geben! Da man dem PRO eine solche Schlampigkeit nun wirklich nicht zutrauen kann, ist es nur glaubhaft, dass die Zeitung Fotokopien der Dokumente für die Analyse verwendet hat, aber damit entfällt dann auch jede Verlässlichkeit der Untersuchung.

Doch auch hiermit sind wir noch nicht am Ende aller Fragen angelangt, denn wir wissen immer noch nicht, warum es selbst 60 Jahre nach den Ereignissen so wichtig ist, dass die offiziellen Angaben nicht in Zweifel gezogen werden. Ist es vielleicht so, dass es hier gar nicht um Tatsachen, sondern um politische Fragen geht, die immer noch von Belang sind? Der 2. Weltkrieg wurde für Großbritannien zu einem Desaster, aus dem als einziges positives Resultat die Zerstörung Deutschands und seine wirtschaftliche Neutralisierung auf 10 Jahre herausragt, während der Verlust des Empires, die Preisgabe Polens und der Tschechoslowakei, sowie das Vordringen des sowjetischen Machtbereiches bis an den Stadtrand von Hamburg unter die großen Katastrophen der Geschichte einzureihen sind, denn schließlich war man ja ursprünglich in den Krieg gezogen um genau dies zu verhindern.

All diese entsetzlichen Ergebnisse konnten politisch nur damit gerechtfertigt werden, dass man ihnen einen moralischen Mantel umhängte: dieser, wie Vansittart ihn nannte, ?fünfte Krieg gegen das Deutsche Reich? war nötig, um Freiheit und Demokratie in der Welt zum Durchbruch zu verhelfen, deswegen war man gezwungen, ungeachtet aller Opfer bis zum totalen Ende zu kämpfen und alle Friedensangebote ins Leere zu leiten. Offenbar kann auch heute noch nicht geduldet werden, dass Zweifel an diesen hehren Absichten laut werden und somit ist es besser, die Welt hält die Sicherheitsvorkehrungen im PRO für unzureichend, als dass sie die seinerzeitige Politik der Alliierten in Frage stellt. Himmler musste beseitigt werden, weil man sonst den Toten des letzten Kriegsjahres hätte erklären müssen, warum sie geopfert wurden.


Das Himmler-Komplott: Wie der Reichsführer der SS den 2. Weltkrieg beenden wollte und warum er beseitigt wurde
Das Himmler-Komplott: Wie der Reichsführer der SS den 2. Weltkrieg beenden wollte und warum er beseitigt wurde
von Olaf Rose
  Gebundene Ausgabe

7 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Himmler und kein Ende, 1. Juni 2006
Diese Besprechung bezieht sich auf die englische Ausgabe, ?Himmler?s Secret War? von Martin Allen.

Das Buch beschreibt in seiner ersten Hälfte einen Teil der diversen Friedensfühler, die von Deutschen während des 2. Weltkriegs in Richtung London ausgestreckt wurden, wobei es hier in der Hauptsache um Bemühungen Heinrich Himmlers geht, der in der Endphase des Krieges versuchte, die Kampfhandlungen irgendwie zu beenden. Wenn es sie tatsächlich gab, stießen diese Bemühungen auf taube Ohren, die Ereignisse bezeugen dies. Die Kämpfe gingen weiter, und forderten auf allen Seiten Hekatomben sinnloser Opfer - unter den deutschen und den alliierten Soldaten, unter der deutschen Zivilbevölkerung, aber auch unter den Insassen der Konzentrationslager.

Der Autor dieses Buches versucht nicht nur nachzuweisen, dass solche Bemühungen und Kontakte tatsächlich stattgefunden haben, er führt auch, in der zweiten Hälfte des Buches, Beweise dafür an, dass Himmler, nachdem er irgendwie in britische Hände gefallen war, kurzerhand erschlagen wurde und nicht, wie immer berichtet wurde, Selbstmord beging. Einen ähnlichen Weg hat auch der amerikanische Autor Jospeh Bellinger eingeschlagen; in seinem Buch ?Himmlers Tod? stützt er sich teilweise auf die gleichen Dokumente wie Martin Allen

An und für sich ist dies eine Frage, die heute niemanden mehr aufregen sollte. Es ist doch eigentlich vollkommen ohne Belang für unseren Blick auf jene längst vergangene Zeit, ob der Mann sich nun das Leben genommen hat oder ob seine Feinde ihn sofort und nicht erst ein Jahr später, etwa in Nürnberg, vom Leben zum Tode beförderten. Warum sollte heutzutage jemand den Briten vorwerfen, ein wenig emotional und vorschnell reagiert zu haben, lange zu leben hatte das Scheusal ohnehin nicht mehr, also was soll das alles?

Die Wichtigkeit des Buches wird erst deutlich, wenn man sich mit den Ereignissen befasst, die nach seinem ersten Erscheinen (Mai 2005) eintraten: zwei Monate später behauptete der Daily Telegraph plötzlich, die wesentlichen Dokumente aus dem britischen Public Record Office (PRO) in Kew, auf die der Verfasser sich stützt, seien gefälscht, man habe sie einem Experten vorgelegt, der dies bestätigt habe.

Hier wird die Angelegenheit nun sehr merkwürdig, denn abgesehen von den sich aufdrängenden Fragen wer, wann, warum und wie die Dokumente in den Ordnern des PRO gefälscht haben könnte, muss ein weiterer, ganz wesentlicher Gesichtspunkt berücksichtigt werden, nämlich der, wie die Dokumente überhaupt aus dem Archiv des PRO zum Daily Telegraph und von dort zu dem Sachverständigen gelangen konnten und vor allem, warum der Vorwurf einer Fälschung nicht direkt vom PRO erhoben wurde.

Es ist doch platterdings nicht vorstellbar, dass ein hergelaufener Reporter vom Archiv die Erlaubnis erhalten hat, die Dokumente mal kurz ausleihen zu dürfen, mit dem Argument, sie seien dubios und er wolle sich das von einem Experten bestätigen lassen; da hätten beim PRO sämtliche Alarmglocken rasseln müssen, ging es doch darum, als fragwürdig angesehene Originaldokumente aus dem Archivverbund zu lösen und an einen Dritten außer Haus zu geben! Da man dem PRO eine solche Schlampigkeit nun wirklich nicht zutrauen kann, ist es nur glaubhaft, dass die Zeitung Fotokopien der Dokumente für die Analyse verwendet hat, aber damit entfällt dann auch jede Verlässlichkeit der Untersuchung.

Doch auch hiermit sind wir noch nicht am Ende aller Fragen angelangt, denn wir wissen immer noch nicht, warum es selbst 60 Jahre nach den Ereignissen so wichtig ist, dass die offiziellen Angaben nicht in Zweifel gezogen werden. Ist es vielleicht so, dass es hier gar nicht um Tatsachen, sondern um politische Fragen geht, die immer noch von Belang sind? Der 2. Weltkrieg wurde für Großbritannien zu einem Desaster, aus dem als einziges positives Resultat die Zerstörung Deutschands und seine wirtschaftliche Neutralisierung auf 10 Jahre herausragt, während der Verlust des Empires, die Preisgabe Polens und der Tschechoslowakei, sowie das Vordringen des sowjetischen Machtbereiches bis an den Stadtrand von Hamburg unter die großen Katastrophen der Geschichte einzureihen sind, denn schließlich war man ja ursprünglich in den Krieg gezogen um genau dies zu verhindern.

All diese entsetzlichen Ergebnisse konnten politisch nur damit gerechtfertigt werden, dass man ihnen einen moralischen Mantel umhängte ? dieser, wie Vansittart ihn nannte, fünfte Krieg gegen das Deutsche Reich war nötig, um Freiheit und Demokratie in der Welt zum Durchbruch zu verhelfen, deswegen war man gezwungen, ungeachtet aller Opfer bis zum totalen Ende zu kämpfen und alle Friedensangebote ins Leere zu leiten. Offenbar kann auch heute noch nicht geduldet werden, dass Zweifel an diesen hehren Absichten laut werden und somit ist es besser, die Welt hält die Sicherheitsvorkehrungen im PRO für unzureichend, als dass sie die seinerzeitige Politik der Alliierten in Frage stellt. Himmler musste beseitigt werden, weil man sonst den Toten des letzten Kriegsjahres hätte erklären müssen, warum sie geopfert wurden.


Double Lives: Stalin, Willi Munzenberg and the Seduction of the Intellectuals
Double Lives: Stalin, Willi Munzenberg and the Seduction of the Intellectuals
von Stephen Koch
  Taschenbuch

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Lüge höret nimmer auf, 22. März 2006
Jeder, der sich mit der Geschichte der westlichen Welt im 20. Jahrhundert befassen will, sollte dieses Buch gelesen haben, denn es wirft ein so erfrischend klares, ja schmerzend grelles Licht auf die Lenkung der Ideen, die jene Zeit entscheidend geprägt haben und in ihren Nachwirkungen die Gegenwart noch immer beeinflussen.

In Deutschland besteht zwar ein diffuses Gefühl, der Bolschewismus habe, zu seiner Zeit, vor vielen Jahren, durch gezielt eingesetzte Desinformationen einen Einfluss auf die Intellektuellen in aller Welt gewinnen können, jedoch sind die Einzelheiten der Verführung dieser kulturellen Führungsschicht und die Intensität der geistigen Infizierung hierzulande nie so deutlich gemacht worden, wie dies Stephen Koch in den USA schon bald nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in der ersten Auflage des vorliegenden Buches getan hat. Inzwischen gibt es sogar eine zweite, überarbeitete Auflage, auf welche sich diese Besprechung bezieht..

Stephen Koch schildert eingehend die Propagandatätigkeit des Komintern, die um 1920, sofort nach Etablierung des Bolschewismus einsetzte, doch zunächst nur allgemeiner Art war, obwohl sie schon damals alle wichtigen Länder der kapitalistischen Welt erfasste. Sie musste anfangs ihre Kampagnen lediglich auf gut eingefädelten Täuschungsmanövern hinsichtlich der Verhältnisse in der frühen Sowjetunion gründen und es gab nur einen Feind, gegen den man angehen konnte: die "kapitalistische Welt". Der Faschismus in Italien hatte zwar schon dem ideologischen Gegner einen Namen gegeben, blieb aber irgendwo doch nur ein Popanz, ein Störfaktor, keine echte Bedrohung. Es fehlt im Grunde genommen ein Feind, auf den man die Aufmerksamkeit ablenken konnte und so erkennt man deutlich, was für einen Glücksfall der plötzliche Aufstieg Hitlers ab 1930 für den Bolschewismus darstellte.

Jetzt gab es endlich ein Feindbild, das wegen seines autoritären Charakters nicht nur den "Kulturschaffenden" des Westens sehr zusagte, sondern dazu auch noch bestens in das politische Denkschema fast aller Staaten, die im 1. Weltkrieg gegen Deutschland gekämpft hatten, hineinpasste: von neuem wollte ein starker Staat in der Mitte Europas erstehen - keiner der damaligen Großmächte konnte eine solche Entwicklung gleichgültig bleiben.

So war fortan die Arbeit des sowjetischen Chefpropagandisten für das Ausland ganz klar umrissen. Als gebürtiger Deutscher, der er war, konnte Willi Münzenberg nun noch besser, als er dies schon seit 1920 getan hatte, in den intellektuellen Kreisen Europas und Amerikas sehr diskret aber effektiv für die Ideale des Bolschewismus und gegen den real existierenden Faschismus agitieren. Er tat es mit großen finanziellen Ressourcen, mit ungeheurer Energie und mit beeindruckendem Gespür für die jeweils besten Mittel - Geld, Frauen, Publizität - die im Einzelfall anzuwenden waren, bei Bertolt Brecht oder Dorothy Parker, bei Ernest Hemingway oder Picasso, bei André Malraux oder der Familie Mann. Selten wurde den Betroffenen klar, vor welchen Wagen man sie spannte. Von den etablierten Persönlichkeiten rebellierte nur André Gide, und in der noch ganz jungen Generation war es nur Eric Blair, alias George Orwell, der das Spiel durchschaute.

Seine Tätigkeit führte den Agitator und seine Helfer - allen voran Otto Katz, der eigentlich sein Aufpasser war und viel später, 1952, in Prag gehenkt wurde - von Paris aus in alle Welt, und überall fanden sich offene Ohren, da ja das Komintern schon in den 20er Jahren mit groß angelegten Aktionen im Stile von "Rettet Sacco und Vanzetti" (30 Jahre später hieß es dann "Rettet die Rosenbergs") eine gute Basis geschaffen hatte und allenthalben willige Helfer bereit standen. Alle negativen Aspekte, die man Hitler zuschreiben konnte, ließen sich verwerten. So entstand eine weltpolitische Konstellation eigentlich widersprüchlicher Kräfte; sie erzeugte schließlich eine Monsterwelle, welche innerhalb von wenigen Jahren ganz Mitteleuropa verschlang und den restlichen Kontinent auf Jahrzehnte hinaus ebenfalls an den Rand des Abgrunds trieb.

Das Schicksal fügte es, dass Münzenberg auf dem Höhepunkt seiner so verhängnisvollen Laufbahn unaufhaltsam in den Machtkampf hineingezogen wurde, den Stalin in Moskau gegen die international orientierten Kräfte seiner Partei eingeleitet hatte und der zur völligen Entmachtung des Komintern und zur physischen Liquidierung seiner Mitglieder führte. Dieser Kampf hatte mit der Exilierung und späteren Ermordung Trotzkis begonnen, Münzenbergs Führungsoffizier Radek fiel ihr mit Scharen anderer zum Opfer und man geht vielleicht nicht fehl, wenn man die Liquidierung der Mitarbeiter Erenburgs und Grossmanns am Ende des 2. Weltkriegs oder Stalins späte Kampagne gegen das "Arztekomplott" ebenfalls als Teil dieses Kampfes gegen den Internationalismus betrachtet.

So war es unausweichlich, dass Willi Münzenberg, als der Hitler-Stalin-Pakt den großen europäischen Krieg eingeläutet hatte, ebenfalls verschwinden musste. Stephen Koch meint zwar, es könnten nicht nur Stalins, sondern auch Hitlers Henker gewesen sein, die den vor der Wehrmacht flüchtenden Agitator im Sommer 1940 in einem französischen Wald erwürgten, man kann sich jedoch nicht vorstellen, dass die deutsche Seite darauf verzichtet hätte, eine so wichtige Nachrichtenquelle vor aller Rache zunächst einmal intensiv auszuschöpfen. Die Sowjetunion musste dagegen ein großes Interesse an seinem baldigen und völligen Schweigen haben.

Bei der Schilderung der Umgarnung der westlichen kulturellen Eliten durch die Sowjets führt Stephen Koch immer wieder das Argument ins Treffen, Hitler habe grundsätzlich einen Bund mit der Sowjetunion angestrebt und dies auch schon in "Mein Kampf" dargelegt. Aus den entsprechenden Passagen in Hitlers Buch geht jedoch genau das Gegenteil hervor. Hitler unterstreicht in seinem Buch immer wieder die Vorteile einer gegen Rußland gerichteten Anlehnung an England. Erst als er erkennen musste, dass ein solcher Plan sich nicht realisieren ließ, änderte er aus rein taktischen Gründen für kurze Zeit seine Politik.

Trotz solcher nicht immer überzeugenden Argumente ist "Double Lives" ein äußerst empfehlenswertes Buch, das ohne Einschränkungen neben Christopher Andrews "Mitrokhin Archive" oder Stéphane Courtois' "Schwarzbuch" gestellt werden kann.


The Breaking Point: Hemingway, Dos Passos, and the Murder of Jose Robles
The Breaking Point: Hemingway, Dos Passos, and the Murder of Jose Robles
von Stephen Koch
  Gebundene Ausgabe

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ... aber wer war denn Dos Passos?, 25. Februar 2006
"The Breaking Point" ist ein Buch mit doppeltem Boden. Es schildert die Freundschaft der beiden großen amerikanischen Schriftsteller, Ernest Hemingway und John Dos Passos und gibt uns tiefe Einblicke in die sehr verschiedenartigen Persönlichkeiten der beiden Autoren. Aus diesem Grunde bereits sollte das Buch für alle Leser interessant sein, die sich mit dem geistigen Zustand der USA in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bekanntmachen wollen, jener Zeit, in der die Vereinigten Staaten sich anschickten, die Führung der westlichen Welt an sich zu ziehen. Dieses Paar ungleicher und am Ende feindlicher Brüder bildet die eine Dimension des Werkes.

Die andere Dimension ist der historische Hintergrund, oder besser gesagt, die historische Szenerie, in der sich das Schicksal beider Schriftsteller vor unseren Augen entwickelt und schließlich in die Katastrophe mündet: der Spanische Bürgerkrieg.

Hat man das Buch zu Ende gelesen, sieht man die Menschen und die geschichtlichen Ereignisse mit anderen Augen. Hemingway hatte mit dem Teufel einen Pakt geschlossen, der ihm zwar nachhaltigen Ruhm für einige seiner Werke bescherte, ihn aber am Ende sein Leben und seine Seele kostete; seine Seele verlor sich in Whisky und sein Leben endete mit einem Kopfschuss aus eigener Hand.

Wie soviele andere Intellektuelle seiner Generation hatte er sich der spanisch-republikanischen Seite, ihren an der Oberfläche hehren gesellschaftlichen Zielen, ihren menschlichen Idealen und ihrer vermeintlichen historischen Berechtigung verschrieben; er war bereit, ihr sein Talent zur Verfügung zu stellen und sonst keine Fragen zu stellen. Den Teufel in Menschengestalt, der da an ihn herantrat, sah er nicht. Stephen Koch schreibt: "Hemingway ... was clearly in service to Stalin and his state-sponsored terror". Hemingway ging dabei so weit, dass er ein Agitprop-Stück schrieb, "The Fifth Column", das Koch "ein außergewöhnlich böses Stück Arbeit" nennt und als den moralischen Tiefpunkt in Hemingways ganzem Schaffen bezeichnet. Der berühmte Autor machte sich zum Komplizen bei einem "notwendigen Mord" (W.H. Auden), ja bei jedem notwendigen Mord, solange sich die Taten nur im antifaschistischen Kampf begründen ließen.

Ganz anders John Dos Passos. Auch dieser Autor, dessen breit angelegte Schilderung amerikanischen Lebens am Ende des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts ihn schnell berühmt gemacht hatte, sah anfangs im Überlebenskampf der spanischen Republik gegen die Franco-Rebellen auch nur den Kampf moralischer Lichtgestalten gegen die Kräfte der Finsternis. In seiner großen Amerika-Trilogie hatte es zwar natürlich auch Menschen gegeben, aber Einzelschicksale traten - anders als bei Hemingway - eher als breughelhafteVignetten in einem Gesamtbild auf, und so hätte man erwarten können, dass er die Ereignisse in Spanien ebenfalls eher in den groben Zügen eines weltgeschichtlichen Vorgangs wahrnehmen würde.

Er mag die Dinge ursprünglich auch in dieser Weise gesehen haben, doch wurde ihm gleich bei seiner Ankunft im Lande - es ging um seine Mitarbeit bei einem Propagandafilm für die republikanische Sache - vor Augen geführt, dass es eine moralische Entscheidung zu treffen galt. Sein Freund José Robles hatte ihn zwanzig Jahre zuvor mit Spanien bekanntgemacht und dann lange als Dozent an einer amerikanischen Universität auf den Tag gewartet, an dem er sich einer Erneuerung seines Heimatlandes zur Verfügung stellen konnte: Nun war er plötzlich verschwunden, wenige Wochen nachdem er im republikanischen Gebiet eingetroffen war und seine Arbeit aufgenommen hatte.

Stephen Koch schildert die Bemühungen von Dos Passos, den Vorfall aufzuklären und beschreibt die Rolle Hemingways bei dem Versuch, gerade diese Dinge vor seinem Freund zu verschleiern (es war eben ein notwendiger Mord an einem faschistischen Agenten). Der Mord an Robles und der politische Terror im republikanischen Gebiet veranlassten Dos Passos schleßlich, die Verlogenheit der Darstellung des Bürgerkriegs im Ausland und den verbrecherischen Charakter, den die republikanische Bewegung durch die bolschewistischen Machenschaften angenommen hatte, kritisch zu bewerten und öffentlich zu brandmarken.

In einem anderen, mehr geschichtlich-analytisch angelegten Werk ("Double Lives") befasst sich Stephen Koch mit der Unterwanderung der kulturellen Elite des Westens durch den Bolschewismus und stellt dar, wie lange diese Droge noch wirken sollte. So ist es nicht verwunderlich, dass Dos Passos' Abwendung vom kommunistischen Ideal damals das Ende seiner literarischen Karriere bedeutete - wie Hemingway ihm dies übrigens schon vorausgesagt hatte. Daher kennen wir heute den einen noch gut, die Werke des anderen verstauben in den Regalen.

Die letzten Kapitel des hier besprochenen Buches schildern die Verhältnisse in den republikanischen Restgebieten, die viehische Ermordung von Andrés Nin (der einst in Moskau Trotzkys Sekretär gewesen war und nun die POUM führte) - Hemingway schiebt sie in "Wem die Stunde schlägt" weisungsgemäß den Deutschen in die Schuhe - die Flucht des amerikanischen Kommunisten Liston Oak im Wagen von Dos Passos, aber auch die Liquidierung des bolschewistischen Generals Gorev, des Verteidigers von Madrid, der in Moskau zwei Tage nach einem für ihn gegebenen Bankett erschossen wurde. In diese Zeit fällt auch eine Begegnung Dos Passos' mit Eric Blair, der später unter dem Namen George Orwell seine berühmten Bücher verfassen sollte.

Stephen King sagt mehrfach, dass Stalin eigentlich schon bald nach Ausbruch des Bürgerkriegs aus diversen Gründen das Interesse an Spanien verloren hatte. Moskau hatte vielleicht erkannt, dass die italienisch-deutsche Unterstützung für Franco einen Umsturz in Spanien am Ende vereiteln würde. Man muss jedoch natürlich die Frage stellen, wie sich die Dinge entwickelt hätten, wenn diese Hilfe unzureichend gewesen wäre, und wie Europa heute aussähe, wenn Stalin seinen Zugriff auf die iberische Halbinsel hätte realisieren können.

Angesichts dessen, was man später über das Sowjet-Imperium erfahren musste, ist es verständlich, dass die intellektuellen Eliten des Westens einer entsprechenden Gewissensprüfung lange Zeit, wenn nicht sogar generell, aus dem Wege gegangen sind. Vielleicht war Hemingway der einzige Repräsentant dieser Elite, der die ihm gemäßen Konsequenzen aus seiner Verirrung zog.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 24, 2012 9:33 PM MEST


Der wiedergefundene Freund
Der wiedergefundene Freund
von Fred Uhlman
  Gebundene Ausgabe

4 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein freundliches Buch, 21. November 2005
Was für ein erfreuliches Buch! Und was für ein Unterschied etwa zu dem jüngst neu aufgelegten Schmarren, “Adressat unbekannt”! Die Kluft zwischen beiden tritt schon im Lokalkolorit klar hervor: Uhlmann weiß, wovon er schreibt, er hat in Deutschland gelebt, bis er emigrieren musste, während der Autor (oder die Autorin – man weiß das nicht so genau) Kressman Taylor ein Land, das er nie gesehen hat, aus dem fernen Amerika der 30er Jahre zu schildern versucht
Ich muss gestehen, dass ich das Buch zunächst etwas vorsichtig in die Hand genommen habe, es schien mir mehr ein wohlmeinendes Traktätchen zu sein; Norman Rockwells Bildchen auf dem Umschlag deutet so etwas an, aber man kann sich nicht vorstellen, dass Uhlmann diese Darstellung gutgeheißen hätte. Doch was soll’s, es ging dem Verlag wohl nur um eine passende Illustration.
Die Geschichte von zwei ungleichen Freunden, die da erzählt wird, überzeugt in ihrer Entwicklung, die Charaktere stimmen, wie auch die Details, alles strahlt eine lebendige Differenziertheit aus. Etwas gekünstelt wirkt eine Szene im Theater, in der die adlige Familie des einen Protagonisten, des (später) wiedergefundenen Freundes eben, leutselig grüßend ins Parkett einzieht, denn solche Leute setzen sich normalerweise diskret in eine Loge.
Sehr ans Herz gehend dagegen die Schilderung des “Wiederfindens” Jahre nach dem Krieg: die Hälfte der gemeinsamen Schulklasse in Rußland gefallen, auch die Rabauken, und der Freund… - doch hier soll nichts vorweggenmmen werden, es lohnt sich, selbst das Buch zu lesen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 7, 2011 6:00 PM MEST


Himmler's Secret War: The Covert Peace Negotiations of Heinrich Himmler
Himmler's Secret War: The Covert Peace Negotiations of Heinrich Himmler

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Little H., 1. August 2005
This book describes the many "peaceable attempts" towards Britain made by the Germans during the Second World War. These approaches, Martin Allen tells us, took on various forms and came from very diverse groups of the German political spectrum; some came from Hitler himself and were aimed at keeping an initially limited conflict from degenerating into worldwide slaughter, others had their origins with opposition groups and culminated with the attempted assassination of the Führer in 1944, still others, surprisingly, were promoted by Himmler - the founder of the SS and the man in charge of Reich security, including the concentration camps,.
On the German side, all these initiatives, regardless of the political orientations of their promotors, had a common feature - the clear conviction of all the persons concerned that the Soviet Union and its international organisation, the Comintern, represented a unique threat to Western civilization. The intensity of this feeling can only be compared to our present fear of Islamic fundamental terrorism.
Unfortunately, while London was quite aware of the threat of Communism, all German peace moves came to nought. Initially, it would seem, the British governments did not respond because they felt that there was a chance to win the war. Later, the reasons for the rebuffs had to do with Churchill's desire to widen the war by bringing in the USA and by getting the Germans to attack the Soviet Union.
The details of the earlier rounds of the Great Game have been the subject of other books, including Martin Allen's own "The Hitler-Hess Deception", or "Double Standards" by Picknett et al.; the most prominent German players then were Rudolf Hess and the Haushofer family. The present work deals more extensively with the German initiatives in the latter phases of the war which were, surprisingly, more often than not the brainchild of Heinrich Himmler. Aside from commando-type operations such as the Venlo abductions organized by Himmler's right-hand man, Heydrich, in 1939, we learn about negotiations in Switzerland in the latter half of 1944 between representatives of the SS and the Allies and about long and complicated talks in Sweden involving the British ambassador as well as Swedish notables such as Count Folke Bernadotte or the banker Marcus Wallenberg. These negotiations continued right up to the last days of the war and were aimed at ending the hostilities while at the same time maintaining order in the regions not yet occupied by the Allies. In the end, nothing came of all this.
Martin Allen depicts Himmler as a cunning politician who had outmanoeuvred many party rivals and was the head of a vast and well-organized intelligence network. From his international sources, he must have learned that, after Hitler, he was at the top of the "most wanted" list of Nazi leaders. Unless he was absolutely convinced of having a solid ace up his sleeve it would have been sheer madness for him to imagine that he would be able to talk himself out of his desperate situation once he fell into the hands of the Allies.
For that reason, the circumstances of his death become quite mysterious. Himmler was captured by the British a fortnight after the end of the war. The official story is that two days after his capture he committed suicide by swallowing a dose of potassium cyanide he had somehow managed to hide. Martin Allen, however, claims to have identified British documents held in the Kew archives which strongly indicate that Himmler was assassinated by British agents in order to keep him from divulging to the rest of the world details about all the peace moves that had been thwarted by the Churchill government.
In the light of what is now known about those negotiations, the motivation for such a radical solution would certainly have existed on the British side. Himmler, well aware of the danger he was in, would either have tried to kill himself right away or not at all and the cyanide vial would hardly have escaped the eyes of his British captors who went so far as to supply him with a new set of clothing. Also, it cannot easily be argued that during his two days of captivity Himmler would have become disillusioned to the point that he would take his life; his warders were certainly under orders to say as little as possible and to protect him pending decisions from elsewhere. Hence, there are strong arguments in favour of Allen's thesis.
Himmler is not the only person involved at one point or another in negotiations with Britain to have died a violent death: Heydrich was gunned down in Prague in 1942 by a Czech commando trained in England, Hess died of strangulation in Spandau prison 40 years after the war, Professor Haushofer and his wife were found hanged in their garden in the spring of 1946, their son was shot by the Gestapo at the end of the war, Marcus Wallenberg's nephew was murdered by the Soviets in 1947, and Folke Bernadotte was assassinated in Palestine in 1948, to say nothing of the men who conspired against Hitler in 1944 - their names were broadcast on the German service of the BBC with disastrous consequences for the plotters.
Shortly after the publication of Allen's book a British newspaper announced that several key documents underpinning Allen's murder thesis were forgeries. As one can probably discard the idea that it was the author himself who forged the documents, one wonders how they came to be forged, for what purpose, and at what time in history. It is highly desirable that such questions be resolved quickly, if only to preserve the reputation of the archives at Kew.


Der entsiedelte Jude. Albert Speers Wohnungsmarktpolitik für den Berliner Hauptstadtbau
Der entsiedelte Jude. Albert Speers Wohnungsmarktpolitik für den Berliner Hauptstadtbau
von Gedenk- u. Bildungsstätte Haus d. Wannsee-Konferenz
  Taschenbuch

6 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen DEr Übermut der Ämter, 15. April 2005
In diesem Buch geht es um die Wohnungspolitik im Zusammenhang mit der im 3. Reich begonnen und glücklicherweise nicht zu Ende geführten Neugestaltung der Reichshauptstadt Berlin. Viele der von Hitler und Speer entworfenen gigantischen Bauten sind uns erspart geblieben, leider sind durch die alliierten Bombenangriffe, durch kommunistischen Hass und durch provinzielle Engstirnigkeit dem Stadtbild Berlins in den folgenden Jahren noch weit mehr irreparable Schäden zugefügt worden als etwa durch den begonnenen Bau des „Runden Platzes" an der Potsdamer Straße .
Das Thema des Buches ist jedoch nicht keine Architekturkritik, sondern die kritische Betrachtung der Rolle, die Speers Bauamt bei der Durchführung seiner Aufgaben gespielt hat, und zwar insbesondere hinsichtlich der Behandlung jüdischer Bewohner Berlins. Die Autorin liegt mit viel Akribie die Übergriffe dieses Amtes und seiner Mitarbeiter dar und die - leider allzu menschliche - Bereitschaft vieler Menschen, von diesen Übergriffen zu profitieren.
Andererseits geht aus der Arbeit von Susanne Willems hervor, wie schwer die deutschen Behörden es sich doch in dieser Sache gemacht haben. Bei aller Willkür gab es immer noch Gesetze, Rechtsmittel, Anwälte, Einsprüche, die irgendwie aus dem Wege geräumt werden mussten, jüdische Bankkonten wurden nicht einfach gesperrt, die Gestapo versuchte, Leuten etwas am Zeuge zu flicken, flog aber bei Gericht raus und musste klein beigeben - für solche Fälle werden hier immer wieder Beispiele angeführt.
Wie solche Handlungen zu interpretieren sind, ist nicht leicht zu sagen. Die Trägheit eines gewachsenen Staatswesens machte sich zugunsten der Betroffenen bemerkbar und sicher haben Beamte versucht, eine Art passiven Widerstand gegen Übergriffe zu leisten. Dass ihnen dies mit dem fortschreitenden Krieg, den steigenden Zerstörungen und der damit einhergehenden Zunahme staatlicher Eingriffe immer schwerer fiel, liegt auf der Hand.
Formal irgendwie unschön in diesem Buch sind Zitate aus Original-Texten, in denen anstößige Wörter wie etwa gelöst, Judenfrage, Endlösung usw. noch zusätzlich hervorgehoben werden; so stand es nicht im Original und der Leser hat das Gefühl, bevormundet zu werden. Ähnliches gilt für Halbzitate, wenn etwa eine Industriefirma Sklavenarbeiter anfordert; auch das stand sicherlich so nicht in dem zu Grunde liegenden Schreiben, und es wird auch nicht kenntlich gemacht, dass dieses Wort von der Vfn. eingesetzt wurde.


Der verfehlte Frieden
Der verfehlte Frieden
von Richard Lamb
  Gebundene Ausgabe

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wenn du über den Halis gehst�, 8. September 2004
Rezension bezieht sich auf: Der verfehlte Frieden (Gebundene Ausgabe)
Diese Besprechung beruht auf der englischen Ausgabe, „The Ghosts of Peace".
Bei der Lektüre dieses Buches wird man sehr nachdenklich. Es behandelt zwar nicht, wie der deutsche Untertitel verspricht, die gesamte englische Außenpolitik von 1935 bis 1945, wohl aber u.a. die vielen auf alliierter Seite verpassten, ja eigentlich immer verworfenen Möglichkeiten, den Krieg mit Deutschland zunächst zu vermeiden und dann zu beenden. Es schildert mit vielen Einzelheiten, wie die verschiedenen deutschen Widerstandsgruppen immer wieder erfolglos versuchten, mit den Alliierten und hier speziell mit London ins Gespräch zu kommen, und die zwiespältige britische Reaktion auf diese Kontakte.
Auf den unterschiedlichsten Wegen versuchte die deutsche Seite solche Gespräche voranzutreiben, insbesondere natürlich über Schweden und die Schweiz; sie stellte hierbei aber auch Kontakte zu anderen alliierten Stellen her, etwa zu Alan Dulles, es kam sogar zu Gesprächen zwischen Adam von Trott zu Solz und Willi Brandt in Stockholm, jedoch wurde die britische Ablehnung im Laufe der Jahre immer stärker.
Man kann natürlich diese sich verhärtende Haltung auf mehrere, klar zu Tage liegende Gründe zurückführen: London hatte 1939 durch seine, wie Lamb betont, sehr unüberlegte Garantie für Polen dieses Land in eine Lage gebracht, wo es zwischen Krieg und Frieden wählen konnte und sich für den Krieg entschied, und die britische Regierung wäre nun in eine Schieflage gekommen, wenn sie eine Kursänderung vorgenommen hätte. Auch begann das Kriegsglück sich langsam zu Gunsten Englands zu wenden und die deutsche bedrohung nahm ab. Schließlich verlor Großbritannien durch den Kriegseintritt der Sowjetunion und der USA seine Unabhängigkeit und konnte sich keine Husarenritte mehr erlauben.
Unter dieser von Realitäten geprägten Oberfläche schimmert jedoch eine politische Grundeinstellung durch, die von Lamb und anderen englischen Autoren immer wieder beleuchtet wird: es ging der britischen Regierung nicht in erster Linie um eine Niederwerfung Hitlers, sondern um die Auschaltung Deutschlands, ja um dessen Auslöschung in staatlicher, materieller, historischer und geographischer Hinsicht.
Daher waren die Männer des deutschen Widerstands für London Feinde, in gleicher Weise wie Hitler, ja vielleicht in noch stärkerem Maße, denn sie stellten eine geschichtliche Kontinuität dar, die man seit einem Jahrhundert bekämpft hatte und auf die eine deutsche Politik nach Hitler sich hätte stützen können.
Das Attentat vom 20. Juli 1944 kam für London fast völlig überraschend, denn man hatte sich dort jahrelang über die Fähigkeit der deutschen Opposition zu echten Handlungen hinweggetäuscht, vielleicht aber auch versucht, sich mit einer solchen Einstellung vor ernsthaften Gesprächen zu drücken.
An diesem kritischen Punkt der europäischen Geschichte wurde die britische Politik von einer Einstellung geprägt, die in dem bei Lamb zitierten Memorandum zum Ausdruck gebracht wird, das Sir John Wheeler-Bennett, der stellv. Leiter der Political Warfare Executive (PWE) am 25. Juli 1944 an Churchill und Eden sandte und in dem es u.a. heißt:
„... wir sind heute in einer besseren Lage ... als wenn Hitler ermordet worden wäre. ... Die jetzige Säuberung dürfte zahlreiche Personen beseitigen, die uns bei einem Gelingen des Plans Schwierigkeiten bereitet hätten. ... Es ist für uns von Vorteil, dass diese Säuberung weitergeht ...".
Andere englische Quellen sprechen sogar davon, dass die BBC am 22. Juli 1944, auf einer Vorlage der PWE fußend, eine ganze Liste von Namen deutscher Widerständler bekanntgegeben und diese Männer und Frauen so der Gestapo ausgeliefert habe.
Im Sinne dieser Politik wurde den Deutschen durch die alliierte Propaganda klargemacht, dass für sie nur die Wahl zwischen baldiger oder späterer Kapitulation bestand, und zwar unabhängig von der Art einer deutschen Regierung. Richard Lamb diskutiert ausgiebig die fatalen Konsequenzen dieser Politik, speziell auch unter dem Gesichtspunkt des sog. Morgenthau-Planes, der im Herbst 1944 bekannt wurde und vorsah, Deutschland in einen reinen Agrarstaat zu verwandeln.
Es kam zwar de facto nicht zu einer offiziellen Übernahme dieses Planes durch die Alliierten, jedoch wurde er auch nicht widerrufen, sodass Deutchland ihn für den Fall einer Kapitulation weiterhin fürchten musste. Für Richard Lamb ist diese Kombination von geforderter bedingungsloser Kapitulation und angedrohter wirtschaftlicher Entmannung Deutschlands eine katastrophale Verbindung, denn sie verstärkte im deutschen Volk den Willen zu Weiterführung des Kampfes, verlängerte so den Krieg um fast ein Jahr und brachte in dieser Zeit nicht nur auf der deutschen Seite, sondern vor allem auch bei den Alliierten große militärische Verluste mit sich, die bei klügerer Politik hatten vermieden werden können.
Ein weiterer Gesichtspunkt, den Lamb völlig unerwähnt lässt und der in London somit offenbar keine Rolle gespielt hat, ist die Frage, in welchem Maße dieses Hinauszögern des Kriegsendes nicht auch zum Tode vieler Menschen in den deutschen Konzentrationslagern geführt hat. Die in London ansässige polnische Exilregierung hatte schon seit geraumer Zeit Berichte über schreckliche Ereignisse in den großen Lagern geliefert, im Frühjahr 1944 war durch die Flucht von Häftlingen aus Auschwitz noch mehr darüber bekanntgeworden, es gab in den USA für diese Fragen schon das War Refugee Board, der Sommer 1944 ist späterhin als die Zeit der größten Massentötungen geschildert worden, aber dennoch war dieses Problem anscheinend nicht wichtig genug, die alliierte Politik zu beeinflussen.
Unter Berücksichtigung all dieser Gesichtpunkte kann man die Konsequenzen des Kriegsziels einer Auslöschung Deutschlands nur als entsetzlich für Europa und extrem bedrohlich für die westliche Welt bezeichnen: wegen der Furcht vor einem starken Staat in der Mitte Europas sollte es nach 1945 dort 50 Jahre lang eine gefährliche Konfrontation mit der militärisch viel stärkeren, ideologisch viel aggressiveren und in ihren Methoden viel skrupelloseren Sowjetunion geben, die polnische Unabhängigkeit, um derentwillen man ja 1939 Deutschland den Krieg erklärt hatte, wurde in aller Stille begraben, und die britischen und französischen Kolonien erkämpften sich, gestützt auf die Sowjetunion, ihre Unabhängigkeit. London hatte zwar den Krieg überlebt und auch sein Ziel, Deutschland zu eliminieren, für eine kurze Zeit erreicht, aber sonst nichts; dafür verlor es sein Weltreich und die USA traten seine Nachfolge als Weltmacht an.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 15, 2012 12:07 PM MEST


Double Standards: The Rudolf Hess Cover-Up
Double Standards: The Rudolf Hess Cover-Up
von Lynn Picknett
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,14

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aber wenn die Sache nicht gut ist�, 13. August 2004
Es gibt nicht viele deutsche Bücher über Rudolf Heß, dagegen führt die Buchliste in „Double Standards" ein rundes Dutzend Titel in englischer Sprache auf, die sich mit dem Menschen Heß befassen und viele weitere, in denen Heß eine Rolle spielt. Liegt dies nur an der bekannten englischen Vorliebe für Kriminalromane, oder gibt es noch andere Gründe für diese andauernde, ja zunehmende Beschäftigung mit dem Thema Heß im englischen Sprachraum?
Man muss vielleicht etwas in der Zeit zurückgehen und die Welt betrachten, wie sie sich 1939 darbot: England und Frankreich waren Imperien, die Vereinigten Staaten hatten unter Roosevelt gerade begonnen, sich aus einer selbstverschuldeten Depression herauszuarbeiten, das Deutsche Reich unter Hitler versuchte, durch Annexionen seine Sicherheit zu festigen, und die Sowjet-Union hatte mit den Schauprozessen eine große politische Mordaktion hinter sich gebracht und ordnete ihre Ziele neu.
Keine sechs Jahre darauf hatten die einstigen Imperien praktisch zu bestehen aufgehört, Deutschland war materiell, politisch und moralisch zerstört, die Sowjet-Union hatte ihre Landesgrenze um 200 km und die ihres Einflussbereichs um 500 km nach Westen vorgeschoben und die Vereinigten Staaten beherrschten Westeuropa.
Dies war in keiner Weise die Situation, die man sich in London vorgestellt hatte, als man 1939 Hitler wegen des Einmarschs in Polen den Krieg erklärt hatte. Wenn wir jedoch den Autoren des vorliegenden Buches Glauben schenken, war dies ein Bild, das Rudolf Heß nach seinem mutigen und so tragisch ausgehenden Flug nach Schottland seinen englischen Gesprächspartnern mehrmals als Möglichkeit geschildert hatte, als ein Szenario, das man mit allen Mitteln vermeiden sollte. Auch wenn die Unterlagen, die Heß mitbrachte (oder die ihm vielleicht nach Meinung der Autoren sogar nachgebracht wurden und die durchaus mit Hitler abgestimmt waren), verschwunden oder in Geheimarchiven verschlossen sind, entspricht diese Darstellung durchaus der deutschen Auffassung jener Zeit. Die Autoren lassen anklingen, dass Hitler, wegen des englischen Widerstandes gegen seine Person, sogar bereit war, sich auf den Posten eines Reichspräsidenten zurückzuziehen und Heß die Kanzlerschaft zu überlassen. Churchills Reaktion war jedoch, solche Vorschläge selbstherrlich und unter Umgehung seines Kabinetts vom Tisch zu wischen.
Hat man die 500 Seiten dieses gut dokumentierten Buches durchgearbeitet, drängen sich Fragen auf - etwa warum Churchill so beharrlich bei seiner negativen Einstellung blieb, ob ihm die Konsequenzen klar waren, und ob er vielleicht gar eine solche Entwicklung gut hieß. Dies sind bislang unbeantwortete Fragen politischer Moral und irgendwie scheint es, als reflektiere die unablässige Beschäftigung einer britischen Leserschaft mit diesem Thema ein ungutes Gefühl hinsichtlich großer und am Ende katastrophaler Entscheidungen, die in ihrem Namen, aber über ihre Köpfe hinweg, von einigen wenigen Politikern in Whitehall getroffen wurden.
Das Buch ist eine sehr eingehende Schilderung der Person und des Fluges von Rudolf Heß, der allgemeinen und militärischen Lage in Europa um die Jahreswende 1940/41, vor allem aber auch der politischen Situation in Groß-Britannien. Rudolf Heß erscheint hier, im Gegensatz zur herkömmlichen Anschauung, als ein klar und nüchtern denkender Politiker, der mit den Ereignissen in Deutschland und der Welt bestens vertraut war und im Dritten Reich eine unangefochtene - und vor allem mäßigende - Machtstellung besaß. Wie inzwischen auch aus anderen Büchern (siehe z.B. Peter Allen, Martin Allen oder Hugh Thomas) bekannt ist, war sein Flug der gut vorbereitete Kulminationspunkt einer ganzen Reihe von Kontakten mit der britischen Seite und keineswegs der plötzliche Geistesblitz eines Narren.
Es gab auf der anderen Seite des Ärmelkanals durchaus eine Friedenspartei, für welche eine Stärkung des mittel- und westeuropäischen Lagers gegenüber der immer bedrohlicher werdenden Sowjet-Union die weitaus bessere Politik als die abenteuerlichen Ziele Churchills zu sein schien. Dieser Friedenspartei gehörten, den Autoren zufolge, auch hohe und höchste Persönlichkeiten des Landes an.
In einer erstaunlichen ex-post Analyse der heutigen Situation in Europa kommen die Autoren zu dem Schluss, dass diese im großen und ganzen den Visionen von Professor Haushofer aus der Frühzeit des 20. Jahrhunderts entpricht, und zwar nicht, weil dies das Resultat einer finsteren deutschen Politik darstellt, sondern weil diese Ideen inzwischen als vernünftig anerkannt worden sind, nachdem sich die auf Extremen basierenden Blöcke und die diesen vorangegangenen Dynastien aufgelöst haben.
Man muss sich vor Augen halten, dass in den ersten Kriegsjahren die Regierung Hitlers den größten Teil der Verbrechen, die ihr später zur Last gelegt worden sind, noch nicht begangen hatte, und etwa ihre Intervention im Spanischen Bürgerkrieg in konservativen Kreisen Englands und Frankreichs durchaus geschätzt wurde, sodass man sich ein Abkommen mit Hitler bei gleichzeitiger Zügelung seiner hochfliegenden Pläne vorstellen kann, zumal zu diesem Zeitpunkt - es war inzwischen Krieg - auch das Auftreten Englands ein anderes war als beim Münchner Abkommen.
Leider kam es nicht zu einem solchen Interessenausgleich, der möglicherweise Europa und wohl auch dem Rest der Welt, unsägliches Leid erspart hätte. Rudolf Heß sollte den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen und auch das englische Königshaus musste, wie Autoren andeuten, einen herben persönlichen Verlust erleiden.
Die Autoren schildern eine Tragödie. Der Flug von Rudolf Heß ist für sie im wahrsten Sinne des Wortes eine Katastrophe, eine schicksalhafte Wendung im Drama der Welt. In einem letzten Akt tragen sie den Toten, wie Hamlet, gleich einem Krieger auf die Bühne und rufen ihm nach, er hätte, wär er hinaufgelangt, unfehlbar sich höchst königlich bewährt.


Adressat unbekannt
Adressat unbekannt
von Kressmann Taylor
  Gebundene Ausgabe

29 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Polit-Kitsch, 31. Mai 2004
Rezension bezieht sich auf: Adressat unbekannt (Gebundene Ausgabe)
Polit-Kitsch
(Diese Besprechung basiert auf der französischen Ausgabe, „Inconnu à cette adresse") An diesem Buch ist einiges merkwürdig: der Autor ist eigentlich eine Frau, Kathrine Kressmann Taylor, doch wird in europäischen Ausgaben der Vorname weggelassen, man fragt sich, warum. Der Text soll ursprünglich Ende der 30er Jahre in einem amerikanischen Literatur-Magazin („Story Magazine") erschienen sein, doch gibt meine französische Ausgabe des Buches für das Original an, ein Verlag Story Press Books USA habe seit 1995 ein Copyright für den Titel „Address Unknown" und man fragt sich, wie das rechtlich zu Stande kommt. Schließlich fragt man sich, warum dieser Text 60 Jahre nach seinem ersten Erscheinen nochmals herausgebracht werden musste, denn er ist es eigentlich nicht wert.
Die Charaktere, ob es sich nun um den amerikanischen Juden Max Eisenstein handelt, um seine Schwester Griselle, um den Deutschen und späteren Nazi Martin Schulse, oder um dessen Frau Elsa, sind in einer primitiven Schwarz-Weiß-Manier dargestellt, die einem Agitprop-Stück der damaligen Zeit voll entspricht - Eisenstein, der amerikanische Kunsthändler, intelligent, kultiviert, großzügig, seine Schwester, Schauspielerin in Deutschland, begabt, mutig und leidenschaftlich, Schulse selbst dumm, feige und ein Ehebrecher, Elsa das typische Heimchen am Herd, froh, nun endlich in einem Schloss wohnen zu können und noch mehr Kinder zu bekommen.
Dann geht es in die Vollen: schon im Mai 1933 weiß Max von Pogromen, die in Deutschland stattfinden, zur gleichen Zeit teilt ihm Schulse (in Amerika noch Kunsthändler, aber mittlerweile Direktor der Deutsch-Völkischen Bank) auf einem Kopfbogen der Bank mit, er solle ihm(wegen Zensur) um Gottes willen nicht mehr nach Hause schreiben, Nachrichten nur noch auf der Rückseite von Tratten verstecken (bei der Bank merkt das offenbar niemand).
Zur gleichen Zeit wird Max rassistisch: seine Schwester habe zwar einen Künstlernamen (mit Eisenstein wäre sie in Deutschland unmöglich), aber jeder könne an ihrem Aussehen, ihrer Gestik und ihrer Leidenschaft die Jüdin erkennen. Er teilt seinem ehemaligen Kompagnon auch mit, dass er diesen nicht mehr als Teilhaber nennen könne, weil die (vermutlich jüdischen) amerikanischen Kunden einemHändler mit dem typisch deutschen Namen Schulse nichts mehr abkaufen würden; der Name Eisenstein stellt dagegen anscheinend kein Problem dar.
Mittlerweile, wir sind ja schon im Herbst 1933, hat Griselle in Berlin auf offener Bühne erklärt, ja, sie sei Jüdin und auch noch stolz darauf, woraufhin das Publikum sie vom Theater verjagt. Sie muss sich mit einer anderen jüdischen Familie in einem Keller verstecken, und beschließt dann, ins liberale Wien zurückzukehren, und zwar nicht mit dem Zug, das wäre zu gefährlich, sondern zu Fuß, weil das nicht auffällt - von Berlin sind es ja auch nur so um die 1000 km(sie muss die Tschechoslowakei umrunden). Merkwürdigerweise kommt sie nicht auf die Idee, sich ans amerikanische Konsulat zu wenden, vielleicht hat sie vergessen, dass sie einen amerikanischen Pass hat.
Auf dem Wege nach Wien kommt sie auch bei Martin, ihrem früheren Liebhaber, vorbei, natürlich ist ihr die SA schon auf den Fersen, er lässt sie nicht ins Haus, die SA-Leute schlagen sie tot, wie das damals so üblich war. Er lässt sie verscharren, schreibt an Eisenstein, sie sei nun leider tot, hat aber selbst dadurch keine politischen Schwierigkeiten. Ende des ersten Teils, Griselles Tod.
Max' Rache folgt auf dem Fuß. Er fädelt eine Korrespondenz mit seinem ehemaligen Partner ein, die diesen so bei der Gestapo kompromittiert, dass er schließlich von der Bildfläche verschwindet - Adressat unbekannt. So einfach war das also in jener Zeit.
Was nicht in der Geschichte erzählt wird, ist das Los der Familie Schulse; man muss annehmen, auch diese wurde - Sippenhaft war ja längst eingeführt - ins KZ gebracht, denn sonst hätte der Brief ja ausgeliefert werden können. Max konnte also zufrieden sein, seine Rache hatte biblische Ausmaße angenommen, die Unschuldigen erlitten das gleiche Schicksal wie die Schuldigen, Gott würde die Seinen schon erkennen. Der Leser fragt sich dabei, ob dieses Bändchen nicht vielleicht im Grunde genommen eher ein antisemitisches Buch ist - ein primitives Machwerk ist es auf jeden Fall.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 26, 2014 10:51 PM MEST


Seite: 1 | 2 | 3