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Rezensionen verfasst von
Kai Leuner (Thriller-Autor)

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Reise Know-How CityGuide Tokyo mit Yokohama: Reiseführer für individuelles Entdecken
Reise Know-How CityGuide Tokyo mit Yokohama: Reiseführer für individuelles Entdecken
von Martin Lutterjohann
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,90

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Praktisch ein Musterbeispiel für einen Reiseführer, 11. September 2010
Martin Lutterjohann hat mit seinem inzwischen schon in der sechsten Auflage erschienenen Reiseführer Maßstäbe gesetzt, die meines Erachtens jedenfalls derzeit von keinem Konkurrenzwerk erreicht werden. Auf über 500 Seiten und für faire 19,90 EUR lässt er die japanische Hauptstadt auf sympathische und warmherzige Weise lebendig werden, widmet sich - natürlich - Geschichte und Geographie der Region, aber auch der Küche, Sprache und Mentalität ihrer Bewohner und gibt etliche praktische Reisetipps. Ausführlich beleuchtet er die für den Besucher interessantesten Stadtteile (wards), wobei man stets im Blick haben muss, dass es "das" Tokio eigentlich nicht gibt, sondern eben nur jene insgesamt 23 wards, jeder mit bestimmten Besonderheiten und einer eigenen Prägung (das Elektronikviertel, das Regierungsviertel, das Vergnügungsviertel, das Tempel-Viertel usw., wobei "Viertel" ein wenig untertrieben ist, wenn man berücksichtigt, dass in einem ward oft mehrere hundertausend Menschen wohnen). Die Angaben zur Einwohnerzahl Tokios schwanken, bei Wikipedia ist von etwa acht Millionen die Rede, tatsächlich dürften in den 23 wards rund zwölf Millionen Menschen (etwa 1/10 aller Japaner) leben. Durch die allmorgendlich in die Hauptstadt strömenden Pendler - allein 3,8 Millionen passieren täglich den Bahnhof Shinjuku - wächst diese Zahl tagsüber natürlich dramatisch an. Jedoch - und das ist das Faszierende an dieser Stadt - Tokio "erschlägt" den Besucher nicht. Im Gegenteil, gerade die strenge Gliederung in wards lässt den vermeintlichen Moloch überschaubar und l(i)ebenswert werden. Es ist keineswegs ungewöhnlich, selbst in der eigentlichen Zentralregion Abschnitte mit fast schon dörflichem Charakter und himmlischer Ruhe zu finden - und nur wenige Meter weiter Wolkenkratzer und sich wie Betongirlanden um die Häuser windende Hauptverkehrsstraßen. Lutterjohann widmet sich den interessantesten Vierteln (von Shinjuku über Shibuya, Ginza, Ikebukuro, Akihabara bis hin zu Roppongi und Odaiba), beschreibt Ausflugsziele, Landmarks und Restaurants und ermöglicht gerade dem Erstbesucher, innerhalb von zehn oder vierzehn Tagen einen etwas tieferen Eindruck von Tokio zu gewinnen.

Allerdings haben die Japaner ein etwas eigenwilliges Adressen-System. Zum einen haben kleinere Straßen in der Regel keine Namen, vielmehr enthalten die Adressen die Nummern von Bereich, Block und Haus, zum anderen werden die Nummern in der Reihenfolge der Erbauung der Gebäude vergeben, nicht etwa fortlaufend. Deshalb orientieren sich auch Japaner bei der Suche bestimmter Adressen oft an bekannten Landmarks, wobei Ausgangspunkt der Suche meist die nächstgelegene U-Bahn-Station ist (das Nahverkehrssystem in Tokio ist sensationell gut). Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist nicht so ganz einfach, sich in Tokio zurechtzufinden. Hierbei hilft ergänzend zu Lutterjohanns Buch der "Tokyo City Atlas: A Bilingual Guide". Dieses Buch ist, worauf in einigen Rezensionen bereits hingewiesen wird, für Menschen, die Monate oder gar Jahre in Tokio leben und auch für die weniger bekannten, abseits gelegenen wards Karten in der im Buch gebotenen Detailliertheit bräuchten, vielleicht nicht ausreichend, aber ein Urlauber wird nahezu alle für ihn relevanten Adressen auf einer der zahlreichen Karten finden und kann sich nach der von Lutterjohann beschrieben (S. 34 f.) Methode Chome (Bereich), Block und Haus-Nummer heraussuchen und so sein Ziel wirklich schnell und effizient erreichen. Hat man irgendwo einmal durch Zufall z.B. ein Lokal entdeckt, das man gern noch einmal besuchen möchte, kann man es sich im City Atlas markieren. Denn eines - dies sage ich aus leidvoller Erfahrung - funktioniert ganz bestimmt nicht: Davon auszugehen, dass man etwas aus dem Gedächtnis wiederfindet. Zu ähnlich sehen sich viele Straßen, zu viele Ausgänge haben die einzelnen U-Bahn-Stationen...

Wer der japanischen Sprache nicht mächtig ist, sollte schließlich als weitere Ergänzung zu Lutterjohanns Reiseführer pzum "Lonely planet Sprachführer - Box: Lonely Planet Sprachführer Japanisch: Mit Wörterbuch Deutsch - Japanisch / Japanisch - Deutsch" greifen, der zum einen durch seinen moderaten Preis (7,95 EUR) überzeugt und zum anderen dadurch, dass er zahlreiche tatsächlich alltagstaugliche Redewendungen enthält. Es hilft einfach ungemein, wenn man Begrüßung, Wünsche und Dank auf Japanisch ausdrücken kann - sei es im Restaurant oder beim Friseur oder beim Arzt. Für diese und zahlreiche weitere Situationen hält der Sprachführer verblüffend viele tatsächlich nützliche Redewendungen bereit. Natürlich schleicht sich auch bei Lonely Planet die eine oder andere überflüssige Sprachhilfe ein. Wie realistisch ist es wohl, dass ein Tourist im höflichen Japan dem Verkäufer oder dem Friseur entgegenschleudert: "Anata ni tanomanakereba yokata!" (Wäre ich bloß nicht hierhergekommen!) Aber gemessen an anderen Sprachführern, die die Sprache anhand alberner Beispiele (Verfolgungsjagden mit Yakuza-Mitgliedern) nahebringen wollen, überzeugt das Exmplar von Lonely Planet alles in allem wirklich durch hohe Alltagstauglichkeit. Und wer einmal Sushi auf Japanisch bestellt hat, wird feststellen, dass allein der Versuch sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen wird. Ich habe das Buch jedenfalls als unentbehrliche Hilfe empfunden, die den Aufenthalt in Japan spürbar erleichtert.

Fazit: Es gibt, rechnet man noch die englischsprachigen Reiseführer hinzu, ein gewaltiges Angebot an Reiseliteratur für Tokio, darunter ein sehr gutes Book-on-demand-Werk von Axel Schwab (Labyrinth Tokio - 38 Touren in und um Japans Hauptstadt: Ein Führer mit 91 Bildern und 45 Karten). Aber da der Tourist auch beim langen Flug nach Japan den üblichen Gepäckbeschränkungen unterliegt, lege ich in erster Linie die Mitnahme von Lutterjohanns informativem Buch, der Kartensammlung und des Sprachführers ans Herz.


Vis a Vis Reiseführer Las Vegas
Vis a Vis Reiseführer Las Vegas
von David Stratton
  Broschiert

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ist "Sin City" zu schnelllebig für einen Reiseführer?, 27. August 2010
Rezension bezieht sich auf: Vis a Vis Reiseführer Las Vegas (Broschiert)
Neben den Büchern vom Reise-Know-How-Verlag gehören die Bücher von DK zu meinen bevorzugten Reiseführern, weil neben den Informationen auch das Layout stimmt und Lust auf das jeweilige Reiseziel macht, wohingegen andere Travel Guides in einer Weise aufbereitet sind, als wöllten sie vom Reisen abhalten. Es war also nur folgerichtig, dass ich auch vor meinem ersten Las-Vegas-Besuch DK den Vorzug gegenüber der Konkurrenz gegeben habe. Leider wurde ich diesmal ein wenig enttäuscht, weil auch in der aktualierten Neuauflage doch etliche Informationen nicht mehr ganz auf dem neusten Stand sind. Vielleicht liegt das aber auch am Sujet: Üblicherweise wird New York City "the City that never sleeps" genannt. Nicht nur, dass dies nicht so ganz stimmt, wie ein neuerer Fotoband des "verschlafenen" New York beweist (New York Sleeps - Christopher Thomas. Collector's Edition Brooklyn Bridge), ich meine mittlerweile sogar, dass dieser Titel eigentlich Las Vegas gebührt. Entlang des Las Vegas Boulevard scheint das Leben wirklich nie stillzustehen. Und auch wer morgens um sechs eines der zahllosen Casinos betritt, wird immer einen Tisch mit Pokerspielern und Menschen an den Automaten und Roulettetischen finden. Möglicherweise geht mit diesem Rastlosen, diesem Immer-in-Bewegung-sein eine Schnelllebigkeit einher, die sich in einem Reiseführer nur bedingt einfangen lässt.

Dass sich Adressen ändern und z.B. die im Buch genannte Anschrift der Touristinformation der Chamber of Commerce nicht mehr stimmte oder ein genanntes Internetcafé nicht mehr aufzufinden ist - geschenkt, so etwas passiert. Schon etwas ärgerlicher ist, wenn Tendenzen und Entwicklungen in "Sin City" unerkannt bleiben. So wird zum Beispiel die "beliebte" Shopping Mall Neonopolis erwähnt. Der Besucher wird vor Ort schnell feststellen, dass es sich mehr oder weniger nur noch um eine leere Hülle handelt, in der praktisch überhaupt nichts mehr passiert. Anderen Malls werden "einige Buchhandlungen" zugeschrieben; tatsächlich gibt es dort keine einzige mehr. Fehlinformationen dieser Art sind es, die den Eindruck erwecken, dass der Autor sein Ohr nicht am Puls der Stadt hatte und das Buch deshalb jedenfalls als alleinige Infomationsquelle nicht geeignet ist. Ungeachtet dieser Schwächen vermögen die Systematik und die Aufmachung des Reiseführers zu überzeugen. Die Vorstellung einzelner Hotels und Attraktionen erfolgt in der für DK gewohnten, sehr ansprechenden Weise, weshalb das Buch auf dem deutschen Markt trotz allem zu den Top-Angeboten zählen dürfte.

Fazit: Als "Einstieg" lässt sich das Buch von DK durchaus heranziehen, Allerdings sollte ergänzend zu einem aktuellen englischsprachigen Buch, etwa von Frommers (Frommer's Las Vegas 2010), Fodors (Fodor's Las Vegas 2011 (Full-Color Gold Guides)) oder Lonely Planet (Las Vegas: City Guide (Lonely Planet Las Vegas)) gegriffen werden, das man sich allerdings vor Ort zulegen kann. Gute Buchläden finden sich auf dem Maryland Parkway 3860 (Barnes and Noble) sowie auf dem Las Vegas Blv. (im Town-Square-Areal, Borders).


Gute Freunde: Die wahre Geschichte des FC Bayern München
Gute Freunde: Die wahre Geschichte des FC Bayern München
von Thomas Hüetlin
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre nicht nur für Anhänger des FC Bayern München, 27. Juni 2010
Hüetlins wunderbares Buch über die Geschichte des FC Bayern München (1960 bis 2001) beweist zum einen, wie wichtig Buchhandlungen auch in der Zeit der Internet-Versandhändler sind. Denn obwohl "Gute Freunde" schon seit drei Jahren auf dem Markt ist, habe ich es erst vor wenigen Wochen durch Zufall beim Stöbern bei Dussmann entdeckt. Zum anderen zeigt Hüetlin höchst eindrucksvoll, wie spannend und kurzweilig die Geschichte eines Vereins erzählt werden kann, über den bereits so viel geschrieben wurde. Gestützt auf gründliche Recherchen und intime Einblicke in das Innenleben des Vereins und insbesondere seiner Führungsspitze beleuchtet der Autor die Entwicklung des FC Bayern anhand des komplizierten Beziehungsgeflechts seiner Hauptprotagonisten - von Neudecker und Willi O. Hoffmann über Beckenbauer und Schwan, Lattek, Hoeneß und Breitner bis hin zu Rummenigge, Matthäus, Hitzfeld und vielen anderen. Zum größten Plus des Buches gehört dabei Hüetlins Schreibstil. Auf lockerleichte Weise jongliert er mit Worten und Wortspielen, und mehr als einmal habe ich beim Lesen laut lachen müssen. Gleichzeitig birgt das 370-Seiten-Werk aber auch Informationen, die man beispielsweise in den kürzlich erschienen Hoeneß-Biographien Hier ist Hoeneß! und Das Prinzip Uli Hoeneß - Ein Leben für den FC Bayern - die ja letztlich auch Bücher über die Geschichte des FC Bayern sind - jedenfalls in dieser Deutlichkeit nicht findet. Beispielsweise die, dass Paul Breitner 1994, als kurzzeitig eine Kampfkandidatur um das Präsidentenamt zwischen Karl-Heinz Rummenigge und Fritz Scherer im Raum stand, gehofft hatte, bei einem Sieg Rummenigges Uli Hoeneß als Manager beerben zu können.

Hüetlin beginnt mit Tschik Cajkovski und dem mühsamen Beginn Anfang der 60er Jahre, wobei er schildert, wie Sepp Maier, Beckenbauer und Gerd Müller ihren Weg zum FC Bayern fanden, widmet sich dann den beiden "Kronprinzen" Hoeneß und Breitner und den Erfolgen in den 70er Jahren bis hin zum beginnenden Niedergang und dem 1979er Putsch der Mannschaft gegen Präsident Neudecker, der Max Merkel installieren wollte. Dann folgen die 80er Jahre mit Rummenigges Aufstieg, dem Bruch der Freundschaft zwischen Hoeneß und Breitner, Latteks Comeback, dem packenden Meisterschaftsduell mit Werder Bremen 1985/86, den verlorenen Europapokalendspielen gegen Aston Villa und den FC Porto und der Ablösung Latteks durch Jupp Heynckes. Im letzten Teil des Buches geht es, allerdings schon deutlich geraffter, um die 90er und 2000er Jahre mit den missglückten Trainer-Versuchen Lerby, Ribbeck und Rehhagel, der Rückkehr von Beckenbauer und Rummenigge und schließlich der Ära Hitzfeld, wobei hier insbesondere die in buchstäblich letzter Sekunde gewonnene Meisterschaft 2001 (welcher Bayern-Fan erinnert sich nicht mit größtem Vergnügen an das belämmerte Gesicht von Rudi Assauer, der sich schon als Meister feiern ließ), die 1999er Tragödie von Barcelona und der Gewinn der Champions League 2001 beleuchtet werden. An dem auch äußerlich ansprechend gestalteten Buch überzeugt neben den oben beschriebenen Pluspunkten auch der Preis: Packend beschriebene vierzig Jahre FC Bayern bekommt man für weniger als zehn Euro. Außerdem wird der Text um ein paar sehr schöne und durchaus seltene Fotos ergänzt.

Was sind die (wenigen) Minuspunkte? Da wäre zum einen der meines Erachtens missglückte Epilog zu nennen, der etwas uninspiriert wirkt und etliche Wiederholungen enthält. Ferner, dies wird auch in einer anderen Rezension deutlich, springt Hüetlin auf das eine oder andere Klischee oder sattsam bekannte und ausgewalzte Dinge (wie Beckenbauers einsamer Rasenspaziergang nach dem 1990er WM-Finale oder Mehmets Scholls "Witz" von den Grünen, die man hängen sollte, solange es noch Bäume gibt). Mitunter springt der Autor auch zeitlich ein wenig hin und her, ohne dass dafür Gründe ersichtlich sind (so wird im Kapitel über die 90er ohne Not noch einmal die Geschichte erzählt, wie Beckenbauer 1984 DFB-Teamchef wurde, oder im Kapitel über die 80er nach dem Abschnitt über Kutzops verschossenen Elfmeter im April 1986 und der kurzen Behandlung des Themas "Ablösesummen" noch einmal die Geschichte vom "Turban-Dieter" Hoeneß und dem Pokalfinale gegen Nürnberg 1982 aufgewärmt). Am meisten aber irritierte mich, dass etliche Spieler im Buch überhaupt nicht vorkommen. Der Autor bedankt sich unter "Danksagung" zwar ausdrücklich bei Manni Schwabl, im Text findet der ehemalige Mittelfeldspieler allerdings kein einziges Mal Erwähnung. Kann man die Geschichte der 80er/Anfang 90er Jahre des FC Bayern erzählen, ohne Hans Dorfner, Manni Schwabl, Michael Rummenigge oder Jürgen Wegmann (der fußballerisch viel mehr an Gerd Müller erinnerte als heute Thomas Müller) auch nur einmal anzusprechen? Muss nicht der Umstand, dass die Torwartlegende Toni Schumacher auf seine alten Tage noch einmal das Trikot des FC Bayern überstreifte, Erwähnung finden? Aber das sind letztlich kleine Nörgeleien (auch mir ist klar, dass bei 370 Seiten eine Auswahl erfolgen muss), die die Qualität des Buches nicht ernsthaft beeinträchtigen.

Fazit: Dieses Buch gehört ins Bücherregal eines jeden Bayern-Fans, ist aber auch für jene eine wunderbare Lektüre, die sich über die Bundesliga oder das Geschäft "Profifußball" informieren wollen.


THIS FAR FROM PARADISE
THIS FAR FROM PARADISE
von Philip Shelby
  Taschenbuch

4.0 von 5 Sternen Ein wunderbares Buch, eine empörend schlechte Verfilmung, 2. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: THIS FAR FROM PARADISE (Taschenbuch)
Im ZDF läuft heute im Rahmen einer Wiederholung der zweite Teil der deutschen Verfilmung (Erstausstrahlung: 2005) von Philip Shelby's Debütroman "Ums Paradies betrogen" (Originaltitel: "This Far From Paradise"). Da Shelby einer meiner Lieblingsschriftsteller ist (allerdings weniger wegen seines Debüts als seiner späteren Thriller "Gatekeeper" und "By Dawn's Early Light"), ärgert mich jede Sekunde dieser plumpen, sterilen, entsetzlich schlecht gespielten und unerträglich kitschigen Verfilmung - und lässt mich an dieser Stelle einige Worte zum Buch und zum als DVD zum Glück nicht erhältlichen Film verlieren.

Der Roman, 1988 erstmals erschienen und seither in zehn Sprachen übersetzt, ist ungeachtet seiner Aufmachung sowohl in den USA als auch in Deutschland nämlich keine Schmonzette a' la Rosamunde Pilcher, sondern galt damals als Paradebeispiel des Genres "Commercial Women's Fiction", in dem sich Shelby später noch mit "Dreamweavers" und "Oasis of Dreams" tummelte.

Zur Story: Der ehrgeizige Aufsteiger Andrew Stoughton, rechte Hand des in der Karibik ansässigen Unternehmers Max McHenry, tötet seinen Boss und erschleicht sich die Liebe und das Vertrauen von dessen attraktiver Tochter Rebecca. Zum Schein heiratet er sie, um anschließend, ausgestattet mit weitreichenden Vollmachten, das Unternehmen McHenry Enterprises dem langjährigen Widersacher McHenrys, Silas Lambros, in die Hände zu spielen. Danach heiratet er dessen Enkelin Celeste. Die nun mittellose Rebecca wird aus ihrer karibischen Heimat, der fiktiven Inselkette The Angelines, vertrieben. Von New York und London aus startet sie einen präzise geplanten Rachefeldzug...

Auf über fünfhundert Seiten erzählt Shelby die weit verzweigte, facetten- und intrigenreiche und äußerst spannende Geschichte von Rebeccas Aufstieg zu einer erfolgreichen Unternehmerin, wobei er weder seine Heldin noch die sonstigen durchaus vielschichtigen und interessanten Figuren schont. Und nun die Verfilmung im ZDF: Kein einziger, wirklich nicht einer der Darsteller (vielleicht mit Ausnahme von Anja Knauer, die Rebeccas Freundin Bix spielt), schafft es auch nur annähernd, seine literarische Vorlage auszuloten. Suzan Anbeh als Rebecca und Erol Sander als Andrew agieren geradezu empörend glatt, konturenlos und weichgespült, die anderen Figuren so, wie sie sich einen amerikanischen Anwalt, einen karibischen Gouverneur, einen Millionär, die verwöhnte Enkelin eines Millionärs usw. vorstellen - aber sie sind es eben nicht. Selbst die farbigen Schauspieler an den karibischen Schauplätzen wirken wie aus Deutschland eingeflogen. Und die Kulissen, etwa die Bibliothek des amerikanischen Anwalts oder der Wohnsitz von Silas Lambros, erscheinen oft seltsam seelenlos, eben wie Kulissen, wie Pappmaché. Wo Shelbys Rebecca leidenschaftlich, erotisch, zielstrebig und rachsüchtig ist, bleibt Darstellerin Suzan Anbeh das nette Mädchen, das Sätze wie "Ich habe dein Kind unter meinem Herzen getragen." sagt (*gähn*). Wo Shelbys Celeste Lambros intrigant und durchtrieben ist, ist Darstellerin Sylvia Leifheit die Karikatur einer harmlosen, verwöhnten, steril-schönen Millionärsenkelin. Wo Shelbys Silas Lambros der erpresserische, skrupellose, lebenserfahrene Patriarch und Unternehmer ist, der im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht, ist Darsteller Craig Braun ein überfordert wirkender Mann, dem man nicht einmal die Leitung einer Würstchenbude zutraut.

Fazit: Wer den wahren Philip Shelby kennenlernen will, sollte unbedingt zum Buch greifen.


Ums Paradies betrogen
Ums Paradies betrogen
von Philip Shelby
  Broschiert

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein wunderbares Buch, eine empörend schlechte Verfilmung, 2. Juni 2010
Rezension bezieht sich auf: Ums Paradies betrogen (Broschiert)
Im ZDF läuft heute im Rahmen einer Wiederholung der zweite Teil der deutschen Verfilmung (Erstausstrahlung: 2005) von Philip Shelby's Debütroman "Ums Paradies betrogen" (Originaltitel: "This Far From Paradise"). Da Shelby einer meiner Lieblingsschriftsteller ist (allerdings weniger wegen seines Debüts als seiner späteren Thriller "Gatekeeper" und "By Dawn's Early Light"), ärgert mich jede Sekunde dieser plumpen, sterilen, entsetzlich schlecht gespielten und unerträglich kitschigen Verfilmung - und lässt mich an dieser Stelle einige Worte zum Buch und zum als DVD zum Glück nicht erhältlichen Film verlieren.

Der Roman, 1988 erstmals erschienen und seither in zehn Sprachen übersetzt, ist ungeachtet seiner Aufmachung sowohl in den USA als auch in Deutschland nämlich keine Schmonzette a' la Rosamunde Pilcher, sondern galt damals als Paradebeispiel des Genres "Commercial Women's Fiction", in dem sich Shelby später noch mit "Dreamweavers" und "Oasis of Dreams" tummelte.

Zur Story: Der ehrgeizige Aufsteiger Andrew Stoughton, rechte Hand des in der Karibik ansässigen Unternehmers Max McHenry, tötet seinen Boss und erschleicht sich die Liebe und das Vertrauen von dessen attraktiver Tochter Rebecca. Zum Schein heiratet er sie, um anschließend, ausgestattet mit weitreichenden Vollmachten, das Unternehmen McHenry Enterprises dem langjährigen Widersacher McHenrys, Silas Lambros, in die Hände zu spielen. Danach heiratet er dessen Enkelin Celeste. Die nun mittellose Rebecca wird aus ihrer karibischen Heimat, der fiktiven Inselkette The Angelines, vertrieben. Von New York und London aus startet sie einen präzise geplanten Rachefeldzug...

Auf über fünfhundert Seiten erzählt Shelby die weit verzweigte, facetten- und intrigenreiche und äußerst spannende Geschichte von Rebeccas Aufstieg zu einer erfolgreichen Unternehmerin, wobei er weder seine Heldin noch die sonstigen durchaus vielschichtigen und interessanten Figuren schont. Und nun die Verfilmung im ZDF: Kein einziger, wirklich nicht einer der Darsteller (vielleicht mit Ausnahme von Anja Knauer, die Rebeccas Freundin Bix spielt), schafft es auch nur annähernd, seine literarische Vorlage auszuloten. Suzan Anbeh als Rebecca und Erol Sander als Andrew agieren geradezu empörend glatt, konturenlos und weichgespült, die anderen Figuren so, wie sie sich einen amerikanischen Anwalt, einen karibischen Gouverneur, einen Millionär, die verwöhnte Enkelin eines Millionärs usw. vorstellen - aber sie sind es eben nicht. Selbst die farbigen Schauspieler an den karibischen Schauplätzen wirken wie aus Deutschland eingeflogen. Und die Kulissen, etwa die Bibliothek des amerikanischen Anwalts oder der Wohnsitz von Silas Lambros, erscheinen oft seltsam seelenlos, eben wie Kulissen, wie Pappmaché. Wo Shelbys Rebecca leidenschaftlich, erotisch, zielstrebig und rachsüchtig ist, bleibt Darstellerin Suzan Anbeh das nette Mädchen, das Sätze wie "Ich habe dein Kind unter meinem Herzen getragen." sagt (*gähn*). Wo Shelbys Celeste Lambros intrigant und durchtrieben ist, ist Darstellerin Sylvia Leifheit die Karikatur einer harmlosen, verwöhnten, steril-schönen Millionärsenkelin. Wo Shelbys Silas Lambros der erpresserische, skrupellose, lebenserfahrene Patriarch und Unternehmer ist, der im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht, ist Darsteller Craig Braun ein überfordert wirkender Mann, dem man nicht einmal die Leitung einer Würstchenbude zutraut.

Fazit: Wer den wahren Philip Shelby kennenlernen will, sollte unbedingt zum Buch greifen.


Tokio Total: Mein Leben als Langnase
Tokio Total: Mein Leben als Langnase
von Finn Mayer-Kuckuk
  Gebundene Ausgabe

14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein sympathischer Einblick in den japanischen Alltag, 24. Mai 2010
Der deutsche Journalist Finn Mayer-Kuckuk (Handelsblatt) hat Japanologie und Sinologie studiert und später einige Jahre in Japan gearbeitet. Seine Erlebnisse hat er nun in einem amüsanten Buch verarbeitet, das einen sympathischen, kurzweiligen und stellenweise auch durchaus nachdenklichen Einblick in den japanischen Alltag und das Selbstverständnis der Japaner bietet. Von ihrem Umgang mit Ausländern über den Besuch von Restaurants, öffentlichen Bädern und Sportveranstaltungen, von Kriminalität und Obdachlosigkeit bis hin zu Vergnügungsparks und der komplizierten Suche nach dem Partner fürs Leben beleuchtet Mayer-Kuckuk eine Vielzahl von Themen, wobei das eine oder andere naturgemäß nur knapp angerissen werden kann.

Nicht alle seiner Beobachtungen kann ich anhand meiner eigenen (deutlich kürzeren) Zeit in Tokio bestätigen, aber das ist kaum verwunderlich. Nicht nur, dass ohnehin jeder mit einem ganz eigenen Blick durch fremde Welten wandelt, speziell beim Reiseland Japan gehen die (sich oft in Verhaltensratgeber und Benimmbüchlein niederschlagenden) Beobachtungen über heimische Sitten und Regeln (und ihre aktuelle Bedeutung!) häufig recht weit auseinander. So liest man über die in Japan gebräuchlichen Gastgeschenke oft, dass es überaus unhöflich sei, selbige in Gegenwart des Schenkers auszupacken, weil dies als Zeichen von Gier gelte. Während meines beruflichen Aufenthaltes in Tokio und Yokohama habe ich bestimmt an die einhundert Geschenke verteilt, wobei sich der eine oder andere meiner Gesprächspartner herzlich wenig um diese vermeintlichen Benimmregeln kümmerte und das Geschenk sofort an Ort und Stelle öffnete. Lächeln musste ich bei Mayer-Kuckuks Ausführungen über das überschwängliche Lob, das ein Ausländer erntet, wenn er auch nur halbwegs mit Stäbchen essen kann. In der Tat war dies auch bei etlichen meiner dortigen Mahlzeiten ein äußerst beliebtes Gesprächsthema.

Nachdenklich stimmen nicht nur die Schilderungen des Autors seiner Begegnungen mit Obdachlosen oder der - auch in der japanischen Presse heftig diskutierten - Verurteilungen aufgrund falscher Geständnisse, sondern auch das von ihm beschriebene Muster einer näheren Beschäftigung mit Japan. Der Idealisierung, so der Autor, folge häufig die Desillusionierung und dann die Normalisierung. Eine Enttäuschung sei also nahezu unvermeidlich. In jedem Fall hatte ich bei meinem ersten längeren Aufenthalt in Japan vor einigen Jahren die Phase der Idealisierung erreicht, erschien mir der Alltag zwischen Sushi und Spa LaQua, Japan Times und Koishikawa Korakuen, Shibuya und Shinjuku, die Kombination aus traditioneller japanischer Lebensweise und amerikanischen Einflüssen derart reizvoll, dass ich voller Neid auf den britischen Autor David Peace blickte, der etliche Jahre in Tokio lebte. Nun wird abzuwarten bleiben, ob ich früher oder später auch die zweite Phase, die der Desillusionierung , erreiche. Bei der einen oder anderen Schilderung Mayer-Kuckuks habe ich mich übrigens bei der Frage ertappt, ob er seine Rolle als übereifriger Ausländer, der alles richtig machen will, nicht ein wenig übertreibt oder zumindest doch übertrieben darstellt (etwa, wenn er schildert, dass er Tetrapaks auswusch und zum Trocknen an die Wäscheleine hängte). Denn ich habe den Alltag in Tokio vielfach ungezwungener erlebt als hierzulande oft angenommen. Aber das sei dem Autor nachgesehen, weil sein Blick auf dieses wunderbare und reizvolle Land stets warm und nie überheblich ist. All jene, denen das Buch zu kurz war, seien auf seinen Blog "Tokio total" verwiesen, der als ergänzende Lektüre gut geeignet ist, obgleich Mayer-Kuckuk inzwischen in Peking arbeitet.

Fazit: Eine unterhaltsame und kurzweilige Lektüre für alle, die mehr über den Alltag in Japan erfahren möchten. Wer eine Reise nach Tokio plant, dem sei als Hauptvorbereitung der sehr gute Reiseführer Tokyo mit Kyoto und Yokohama von Martin Lutterjohann empfohlen.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 4, 2010 2:21 AM CET


Essen und Trinken im Mittelalter
Essen und Trinken im Mittelalter
von Ernst Schubert
  Gebundene Ausgabe

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Absolut fundiert und detailreich, hier und da ein wenig trocken, 2. Mai 2010
Vor ein paar Wochen wollte ich mich näher mit dem Thema "Ernährung im Mittelalter" beschäftigen, zu dem es bereits mehrere Darstellungen im Internet gibt. Nach einigem Stöbern bei Amazon entschied ich mich für für Fossiers vielgerühmte Darstellung des mittelalterlichen Lebens insgesamt (Das Leben im Mittelalter)und für Schuberts detaillierte Abhandlung über das Essen und Trinken dieser Epoche (Essen und Trinken im Mittelalter).

Als Einstieg ist Fossiers Werk, das nicht zuletzt durch seinen bemerkenswerten Preis und sein wunderschönes Design besticht, bestens geeignet. Höchst anschaulich und ungeheuer atmosphärisch beleuchtet der Autor den Alltag der "einfachen" Leute, vom Familienleben über das Wohnen und Arbeiten, Tiere und Pflanzen bis eben - genau - hin zum Essen und Trinken. En passant räumt er mit dem einen oder anderen Vorurteil auf, etwa was die Stellung der Frau oder die Rolle der Kirche angeht. Der Leser erfährt, wie karg der mittelalterliche Mittagstisch in der Regel gedeckt war, weshalb der regelmäßige Genuss von Wein nicht unbedingt ein Zeichen von allzu großer Freude am Rausch war, sondern eine Frage der Gesundheit angesichts des häufig unreinen Wassers und dass die Frage, welches Wild gegessen wurde, nicht unbedingt vom jeweiligen Stand abhing. Fossier schreibt locker und durchaus launig und macht das Mittelalter lebendig. Leider - und das ist mein einziger Kritikpunkt (wenn auch nicht gerade ein kleiner) - gilt das nur für den ersten Teil des Buches. Im zweiten Teil begibt er sich auf eine etwas spirituelle Ebene und verlässt dadurch gerade sein eigentliches Thema, nämlich den Alltag der "ganz normalen" Menschen.

Für denjenigen, der anschließend näher in das Thema "Essen und Trinken im Mittelalter" einsteigen will, ist Schuberts Werk praktisch ein Muss. Dort, wo Fossier zwangsläufig an der Oberfläche bleiben musste, geht Schubert ins Detail: Brot und Salz, Rind und Schaf, Hering und Stockfisch, Gemüse und Kräuter, Wein und Bier, Mahlzeiten und Tischsitten - nichts, wirklich nichts bleibt unbetrachtet. Das Werk will und soll zweifellos wissenschaftlichen Ansprüchen genügen (und tut dies auch); ich hätte mir manchmal Schuberts Akribie bei der Recherche gemixt mit Fossiers Lockerheit bei der Darstellung gewünscht, denn stellenweise ist Schuberts 400-Seiten-Buch schon ein wenig zähflüssig. Dennoch hat man nach seiner Lektüre ein umfassendes Bild, wie unsere Vorfahren im Mittelalter gegessen und getrunken haben. Schubert kann sich mehrfache Seitenhiebe gegen die heutigen "Essen wie im Mittelalter"-Anpreisungen von Restaurants und Stadtfesten nicht verkneifen, und nach der Lektüre seines Buches wird man ihm aus ganzem Herzen zustimmen. Auch optisch ist das Buch übrigens gelungen, das Cover stimmt auf das Thema bestens ein. Leider ist das Buch im wörtlichen Sinne recht schwer und deshalb als Nachtlektüre im Bett nicht ganz so gut geeignet :-).

Fazit: Zwei weitgehend gelungene Bücher, die sich einführend und vertiefend dem hochspannenden Thema "Essen im Mittelalter" widmen.


Das Leben im Mittelalter
Das Leben im Mittelalter
von Robert Fossier
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein hervorragender erster Teil, gefolgt von einem schwächeren zweiten, 2. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Das Leben im Mittelalter (Taschenbuch)
Vor ein paar Wochen wollte ich mich näher mit dem Thema "Ernährung im Mittelalter" beschäftigen, zu dem es bereits mehrere Darstellungen im Internet gibt. Nach einigem Stöbern bei Amazon entschied ich mich für für Fossiers vielgerühmte Darstellung des mittelalterlichen Lebens insgesamt und für Schuberts detaillierte Abhandlung über das Essen und Trinken dieser Epoche (Essen und Trinken im Mittelalter).

Als Einstieg ist Fossiers Werk, das nicht zuletzt durch seinen bemerkenswerten Preis und sein wunderschönes Design besticht, bestens geeignet. Höchst anschaulich und ungeheuer atmosphärisch beleuchtet der Autor den Alltag der "einfachen" Leute, vom Familienleben über das Wohnen und Arbeiten, Tiere und Pflanzen bis eben - genau - hin zum Essen und Trinken. En passant räumt er mit dem einen oder anderen Vorurteil auf, etwa was die Stellung der Frau oder die Rolle der Kirche angeht. Der Leser erfährt, wie karg der mittelalterliche Mittagstisch in der Regel gedeckt war, weshalb der regelmäßige Genuss von Wein nicht unbedingt ein Zeichen von allzu großer Freude am Rausch war, sondern eine Frage der Gesundheit angesichts des häufig unreinen Wassers und dass die Frage, welches Wild gegessen wurde, nicht unbedingt vom jeweiligen Stand abhing. Fossier schreibt locker und durchaus launig und macht das Mittelalter lebendig. Leider - und das ist mein einziger Kritikpunkt (wenn auch nicht gerade ein kleiner) - gilt das nur für den ersten Teil des Buches. Im zweiten Teil begibt er sich auf eine etwas spirituelle Ebene und verlässt dadurch gerade sein eigentliches Thema, nämlich den Alltag der "ganz normalen" Menschen.

Für denjenigen, der anschließend näher in das Thema Essen und Trinken im Mittelalter einsteigen will, ist Schuberts Werk praktisch ein Muss. Dort, wo Fossier zwangsläufig an der Oberfläche bleiben musste, geht Schubert ins Detail: Brot und Salz, Rind und Schaf, Hering und Stockfisch, Gemüse und Kräuter, Wein und Bier, Mahlzeiten und Tischsitten - nichts, wirklich nichts bleibt unbetrachtet. Das Werk will und soll zweifellos wissenschaftlichen Ansprüchen genügen (und tut dies auch); ich hätte mir manchmal Schuberts Akribie bei der Recherche gemixt mit Fossiers Lockerheit bei der Darstellung gewünscht, denn stellenweise ist Schuberts 400-Seiten-Buch schon ein wenig zähflüssig. Dennoch hat man nach seiner Lektüre ein umfassendes Bild, wie unsere Vorfahren im Mittelalter gegessen und getrunken haben. Schubert kann sich mehrfache Seitenhiebe gegen die heutigen "Essen wie im Mittelalter"-Anpreisungen von Restaurants und Stadtfesten nicht verkneifen, und nach der Lektüre seines Buches wird man ihm aus ganzem Herzen zustimmen. Auch optisch ist das Buch übrigens gelungen, das Cover stimmt auf das Thema bestens ein. Leider ist das Buch im wörtlichen Sinne recht schwer und deshalb als Nachtlektüre im Bett nicht ganz so gut geeignet :-).

Fazit: Zwei weitgehend gelungene Bücher, die sich einführend und vertiefend dem hochspannenden Thema "Essen im Mittelalter" widmen.


Das Prinzip Uli Hoeneß - Ein Leben für den FC Bayern
Das Prinzip Uli Hoeneß - Ein Leben für den FC Bayern
von Christoph Bausenwein
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 7,99

34 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eindeutig die bessere Hoeneß-Biographie!, 21. Februar 2010
Vor einigen Wochen habe ich das Buch "Hier ist Hoeneß!" besprochen, die zweite im Vorjahr erschiene Uli-Hoeneß-Biographie. Das Buch hatte mich ein wenig enttäuscht, weil es nach meiner Einschätzung zu sehr an der Oberfläche blieb und weder auf dem Cover noch im Text den "wahren" Uli Hoeneß zeigte. Nachdem ich nun Christoph Bausenweins Werk "Das Prinzip Uli Hoeneß" gelesen habe, kann ich mein Urteil über das Konkurrenzwerk nur noch einmal unterstreichen und sage ohne jede Einschränkung: Wer die bessere Hoeneß-Biographie lesen will, sollte die zehn Euro mehr ausgeben und sich Bausenweins Buch kaufen. Denn es bringt all das, was ich in "Hier ist Hoeneß" vermisst habe. Auf über 400 Seiten werden die vielen Facetten und gar nicht so wenigen Widersprüche des großartigen Mannes, der den FC Bayern zu dem gemacht hat, was er heute ist, beleuchtet. Wie der "Spiegel" zu dem Urteil kam, dass es Bausenwein an Insiderwissen fehle und das Buch vor allem "Klischees und steife Nörgeleien" enthalte, während Patrick Strasser sein Werk "Hier ist Hoeneß" launig und aus "gut informierter Position" geschrieben habe, erschließt sich mir nicht. Der Unterschied zwischen Bausenweins Biographie und Strassers Buch ist ungefähr so groß wie der zwischen dem FC Bayern und dem TSV 1860 München - es sei denn, man betrachtet "Hier ist Hoeneß" von vornherein nur als Einsteigerlektüre.

Aber nun zu den Details: So wie mich bei "Hier ist Hoeneß" schon das Cover geärgert hat, weil es einen käsigen und damit ganz untypischen Uli Hoeneß zeigt, so ist den Machern des Verlages Die Werkstatt ein Kompliment zu zollen für die Auswahl ihres Coverfotos. Hier sehen wir Uli Hoeneß, wie er leibt und lebt, mit gut durchbluteten Wangen, emotional, in der seit Jahren bekannten Kombination aus Hemd, Pullover und roter Stadionjacke. Das ist der "Macher", wie ihn Fußball-Deutschland kennt, nicht der bleiche, fast schon kränklich und selbstzweiflerisch wirkende Mann, der uns vom "Hier ist Hoeneß"-Cover entgegenblickt. Das Buch selbst ist in Themenkomplexe aufgeteilt, vom Aufstieg des Uli H. über seine Geschäfte, sein Leben (und Leiden) auf der Bayern-Bank, seine Transferpolitik, seine Vermarktungsstrategien bis hin zu Hoeneß' Rolle als Patriarch der Bayern-Familie. Bausenwein hat eine unglaubliche Menge an Fakten zusammengetragen, beschränkt sich aber nicht darauf, diese aneinanderzureihen und abzuspulen, vielmehr liefert er Erklärungen oder zumindest doch Erklärungsansätze und scheut sich auch nicht, das Objekt seiner Betrachtungen durchaus kritisch zu hinterfragen. Nun ist klar: Wer Unmengen an Zahlen liefert, liefert auch mal falsche Zahlen (Jürgen Wegmann z.B. hat für den FC Bayern nicht 38, sondern 58 Bundesligaspiele absolviert), und wer viel und oft wertet, liegt hier und da auch einmal daneben. Aber obwohl Bausenwein Hoeneß mitunter ein wenig zu kritisch anpackt, verläßt er nie den Bereich des Vertretbaren und wird auch nie wirklich unfair. Neben einem faszinierenden Einblick in den Alltag des früheren Bayern-Managers gewährt Bausenwein auch Einblick in das komplizierte Beziehungsgeflecht Hoeneß - Rummenigge - Beckenbauer, er beleuchtet Hoeneß' Verhältnis zu seinen Feinden (Lemke, Daum), zu den einzelnen Bayern-Trainern, zu Weggefährten wie Breitner und zu den Medien. Er spürt der warmherzigen Seite des Uli Hoeneß ebenso nach wie seiner berechnenden, nüchtern kalkulierenden (bis zu dem Punkt, an dem sich beide Seiten treffen) und würdigt Hoeneß' Vorreiter-Rolle in der Bundesliga in zahlreichen Bereichen (Stichwort TV-Vermarktung). Vor allem aber schafft er es, durch die (nie boshafte) Benennung etlicher Widersprüche, Fehler, Fehlgriffe und Irrtümer des Uli H. ein klein wenig deutlicher zu machen, wie weit und durchaus steinig der Weg war, den der wieselflinke Ulmer Nachwuchskicker und Möchtegern-Geschäftsmann (man lese den Absatz über die kläglich gescheiterte Vermarktung seiner eigenen Hochzeit) gehen musste, um der übermächtige und zu Recht bewunderte, schier unangreifbare "Mr. FC Bayern" zu werden.

Fazit: Wer sich für diesen ganz, ganz Großen des deutschen Fußballs näher interessiert, kommt an Bausenweins Buch nicht vorbei.
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The Beckham Experiment: How the World's Most Famous Athlete Tried to Conquer America
The Beckham Experiment: How the World's Most Famous Athlete Tried to Conquer America
von Grant Wahl
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,50

5.0 von 5 Sternen Ein hochinformativer Einblick in den Alltag einer MLS-Franchise, 24. Januar 2010
In "Any Given Sunday", Oliver Stones großartigem Football-Drama, sagt die von Superstar Cameron Diaz dargestellte Miami-Sharks-Eigentümerin Christina Pagniacci an einer Stelle, als es um einen eventuellen Umzug ("Relocation") des Teams von Florida an die Westküste geht: "My god, L.A. is a dream!". So ähnlich mag David Beckham gedacht haben, seines Zeichens einer der prominentesten und besten Fußballer der Welt, als er 2007 von Real Madrid in die amerikanische Major League Soccer (MLS) wechselte, zu Los Angeles Galaxy. Und spätestens, als auf Betreiben des Beckham-Managements 2008 als neuer Trainer der frühere Superstar Ruud Gullit installiert wurde, schienen alle Weichen gestellt, um die amerikanische Profiliga weltweit populärer und aus L.A. Galaxy das mit Abstand stärkste Team zu machen. Bekanntlich kam alles anders, und ungeachtet wirtschaftlicher Erfolge (Zuschauerrekorde, 350.000 verkaufte Beckham-T-Shirts, lukrative Gastspiele in Australien und Asien) geriet das "Beckham-Experiment" mehr oder weniger zum Fiasko. Erst war der Superstar über Monate hinweg verletzt, im zweiten Jahr bot das Gullit-Team mit einem zum großen Teil schwachen Beckham katastrophale sportliche Leistungen, und spätestens als Beckham nach seiner Ausleihe zum AC Mailand seinen Wunsch, dauerhaft in Mailand zu bleiben, öffentlich machte, war er bei den Fans unten durch. Unter dem neuen Trainer Bruce Arena hat sich L.A. Galaxy zuletzt zwar wieder aufgerappelt, aber die Euphorie, die Pele einst bei Cosmos New York entfachte, wird Beckham in Kalifornien wohl nie erzeugen.

Grant Wahl, ein Journalist von "Sports Illustrated", arbeitet in seinem Bestseller "The Beckham Experiment"detailliert Ablauf und Hintergründe des Beckham-Transfers und der ersten beiden Amerika-Jahre des Superstars auf. Das Buch ist auch und gerade für jene, die - wie ich - mit dem Fußballer David Beckham wenig bis nichts anfangen können, eine faszinierende Lektüre, weil es einen intimen Einblick in den Alltag einer amerikanischen Profifußball-Franchise bietet. Wahl beschreibt, wie geschickt das Galaxy-Management und die Beckham-Vertrauten den Transfer als "250-Millionen-Dollar-Deal" verkauften, obwohl David Beckhams Fünf-Jahres-Vertrag bei L.A. Galaxy nicht annähernd ein jährliches Salär von 50 Millionen Dollar vorsieht. Tatsächlich verdient Beckham pro Jahr 6,5 Millionen Dollar, womit man sicher aus dem Gröbsten raus ist, was aber eben keine 50 Millionen sind. Die 250 Millionen sind vielmehr jener Betrag, den Beckham inklusive Werbeeinnahmen im günstigsten Fall erzielen könnte. Niemand würde im American Football oder im Basketball Vertragssummen inklusive potentieller Werbeeinnahmen angeben. Aber der Betrag war so atemberaubend, dass er geeignet war, weltweit Aufmerksamkeit zu erregen und der MLS - die gerade in Europa wie ihre Vorgängerin NASL tendenziell den Ruf einer Micky-Maus-Liga hat - eine gewisse Ernsthaftigkeit zu verleihen. Wahl beschreibt ferner, wie Beckham mit seinem 6,5-Millionen-Salär auf Spieler traf, die 12.900 Dollar pro Jahr verdienten. Wie (vergeblich) darauf gewartet wurde, ob Beckham beim ersten gemeinsamen Mannschaftsdinner nach der Rechnung greifen würde, einer in US-Sportteams offenbar üblichen Praxis folgend, dass die Topverdiener sich gegenüber den "Wasserträgern" großzügig zeigen. Wie der bisherige Galaxy-Superstar Landon Donovan gefragt wurde, ob er seine Kapitänsbinde nicht zugunsten Beckhams abgeben könnte, er dies zähneknirschend tat, sich Beckham aber als unfähiger Kapitän erwies, weil er keiner war, der das Wort an sich riß und zumeist auch nicht mit Leistung überzeugen konnte. Wie die Beckham-Vertrauten Klub-Miteigentümer Tim Leiweke überredeten, mit Ruud Gullit einen europäischen Trainer zu verpflichteten, dieser aber aufgrund seiner Unlust, sich mit typisch amerikanischen Problemen wie Draft und Salary Cup zu beschäftigen, und wohl auch aufgrund fachlicher Unzulänglichkeiten katastrophal scheiterte. Quasi nebenbei gewährt Wahl einen Einblick in den Alltag jener Spieler, die lediglich 12.900 Dollar pro Jahr verdienen, jederzeit entlassen werden können, sich zu dritt ein Apartment teilen müssen und sich mit Zweitjobs über Wasser halten. Das Buch ist trotz gelegentlicher Wiederholungen hochspannend, und Wahl bemüht sich sowohl gegenüber Beckham als auch Gullit sichtlich um Fairness. Interessant ist seine Darstellung, wie sich Galaxy-Generalmanager Alexi Lalas reichlich kaltschäuzig über die Befindlichkeiten seines Topstürmers und Kapitäns Landon Donovan hinwegsetzte (und ihn sogar um seine Prämie für den Most Valuable Player-Titel prellen wollte) und wenige Monate später selbst kaltgestellt wurde, als ihm Leiweke Ruud Gullit vor die Nase setzte, ehe er nach katastrophalen Leistungen des Teams beide feuerte. Wenn es einen Aspekt gibt, der in meinen Augen zu kurz kommt, ist es die Thematik "MLS-Franchise für Beckham". In den Medien wurde nach dem Wechsel verbreitet, dass Beckhams Vertrag mit der MLS vorsieht, dass er nach dem Ende seiner aktiven Karriere günstig (oder gar umsonst?) eine MLS-Franchise (z.B. in Miami) erwerben kann. Angesichts der Tatsache, dass MLS-Franchises zuletzt einen Marktwert um 30 bis 40 Millionen Dollar hatten, keine ganz uninteressante Frage, zumal der Standort Miami immer wieder in der Diskussion ist. Zuletzt hieß es bekanntlich, dass sich der FC Barcelona dort ein Farmteam leisten wolle.

Nur bedingt gelungen ist das Cover des Buches. Zwar hat der Verlag ein ganz gutes Foto von Beckham gewählt, aber die für Titel, Untertitel und Autorenzeile gewählten Farben Weinrot und Weiß sind alles andere als optimal, da teilweise schwer zu lesen. Hier wäre etwas mehr Sorgfalt wünschenswert gelesen.

Fazit: Eine wunderbare Idee für ein Sport-Buch, ebenso wunderbar umgesetzt. Wer sich für die MLS interessiert, sollte sich dieses Buch gönnen, denn einen besseren Einblick in die amerikanische Profiliga gibt es auf dem Buchmarkt meines Wissens derzeit nicht.


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