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Rezensionen verfasst von
Kai Leuner (Thriller-Autor)

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The Damned Utd
The Damned Utd
von David Peace
  Taschenbuch
Preis: EUR 11,66

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Faszinierende Chronologie eines Scheiterns, 6. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: The Damned Utd (Taschenbuch)
Nein, man kann Brian Clough nicht vorwerfen, dass er sich bei seinem neuen Team einschmeicheln wollte, nachdem er 1974 völlig überraschend den Posten des Cheftrainers bei Leeds United übernommen hatte. Jenem Klub also, der unter Cloughs Vorgänger und Erzfeind Don Revie nahezu alles gewonnen hatte, was es damals im britischen Fußball zu gewinnen gab. Clough empfahl seinen Spielern nämlich als erstes, all ihre Medaillen und Pokale in den "größten Mülleimer, den Ihr finden könnt", zu werfen, denn: "Nichts von dem, was Ihr gewonnen habt, habt Ihr fair gewonnen. Alles, was Ihr erreicht habt, habt Ihr durch gottverdammten Betrug erreicht."

Hierzulande ist der Name Brian Clough nicht mehr allzu vielen Fans geläufig, aber man erinnere sich an Otto Rehhagels Wechsel zum FC Bayern München 1995 und multipliziere die damalige durchaus explosive Situation mit 100. Oder man stelle sich vor, Willi Lemke hätte bei Bayern München die Nachfolge von Uli Hoeneß angetreten. Clough verabscheute Don Revie, seit der ihn bei ihrem ersten Aufeinandertreffen als Trainer - Revie war mit Leeds United zu Gast bei Cloughs damaligem Klub Derby County - wie Luft behandelt hatte. Clough hasste Don Revie, weil Leeds United in seinen Augen unehrlichen Fußball spielte, mit Kickern, die die Schiedsrichter bedrängten, die theatralisch zu Boden gingen, ohne auch nur berührt worden zu sein, die protestierten, wenn es nichts zu protestieren gab und vehement Verwarnungen für ihre Gegenspieler forderten. Und aus diesem Hass hatte Clough, dem vom lieben Gott neben einer äußerst spitzen Zunge auch eine gehörige Portion Dummheit gegeben worden war (ja, auch eine dicke Scheibe Genialität, die sich aber eben nur entfaltete, wenn Clough seinen Intimus Peter Taylor an seiner Seite hatte - und das war in Leeds nicht der Fall, weil Taylor die Situation realistischer einschätzte und Clough dringend abrat), nie einen Hehl gemacht. Über Jahre hinweg war, geschürt durch immer neue verbale Aggressionen von beiden Seiten, so eine gepflegte Feindschaft entstanden. Umso sensationeller war es, dass Leeds United, nachdem Don Revie 1974 den Posten des englischen Nationaltrainers übernahm, nicht seinen Wunschnachfolger Johnny Giles verpflichtete, sondern ausgerechnet Brian Clough. Was folgte, war eine der turbulentesten, chaotischsten und kürzesten Trainer-Regentschaften in der Geschichte des englischen Fußballs: Ganze 44 Tage hielt sich Brian Clough bei einem Verein, bei dem ihm von nahezu allen Seiten - vom Nachwuchstrainer über die Spieler bis hin zu den Sekretärinnen - teilweise hasserfüllte Ablehnung entgegenschlug.

Der britische Autor David Peace, der mit seinen vier Yorkshire-Ripper-Thrillern "1974: Roman", "1977: Roman", "1980: Thriller" und "1983: Roman: Thriller" und zuletzt mit seiner Tokio-Serie ("Tokio im Jahr null: Thriller" und "Tokio, besetzte Stadt: Roman") Weltruhm erlangte, erzählt in seinem weitgehend auf Fakten basierenden Roman "The Damn Utd", minutiös jene 44 Tage, wobei er parallel - im Buch durch Kursivschrift abgehoben - Cloughs Werdegang bis zur Verpflichtung durch Leeds United und damit natürlich auch die Entstehung der Feindschaft zwischen ihm und Revie nachvollzieht. Die Idee selbst ist faszinierend - der Zeitraum ist eng begrenzt und aufgrund zahlreicher Biographien (die Peace herangezogen hat) gut beleuchtet. Peace macht aus diesem Faktenmaterial einen hochspannenden "Fußball-Roman", der die damaligen Beteiligten - und insbesondere Brian Clough - lebendig werden und erahnen lässt, weshalb diese "Ehe" niemals funktionieren konnte. Das Einzige, was mir an dem Buch missfällt, sind jene Passagen, in denen Peace durch völlig unnötige stakkatoartige Wiederholungen einzelner chorartiger Zeilen so etwas wie Atmosphäre schaffen will, was in einem Film vielleicht gehen mag, in einem Buch jedoch delatziert wirkt. So wird an einer Stelle auf etwa zwei Seiten allein dreizehnmal die Zeile "Derby. Derby. Derby. Derby. Derby. Derby." wiederholt. Solche Stellen lassen das Buch völlig unnötig aufgeplustert erscheinen. Und das hat Peace, der ein großartiger Erzähler ist, überhaupt nicht nötig.

"Den" Schuldigen gibt es für das gigantische Scheitern Cloughs in Leeds nicht. Auf der einen Seite stand der neue Trainer, dem es offensichtlich nicht gelang, die Gemütslage des Vereins, in den er kam, auch nur annähernd nachzuvollziehen und sich darauf einzulassen, und der kaum einen Versuch unternahm, die bestehenden Gräben zu überwinden. Auf der anderen Seite standen in der Tat charakterlose Kicker, die mehr oder weniger unverhohlen "gegen" ihren neuen Trainer spielten, ohne dass die Klubführung einschritt und ein Exempel statuierte. Fairerweise muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass sich einige Spieler - teilweise erfolgreich vor Gericht - gegen die Darstellungen in Peaces Buch wehrten. Es ist schwer zu beurteilen, ob Clough in Leeds überhaupt eine Chance hatte. Aber nachdem alle Beteiligten von Anfang an praktisch alles falsch machten, war das Ende nur eine Frage der Zeit. Und das Ende kam schneller als erwartet, als Clough in den ersten sechs Spielen nur ein einziger Sieg gelang, was für Leeds den schlechtesten Start seit 15 Jahren bedeutete.

Peace reiht eine Fülle von lebendigen Szenen aneinander, die die faszinierende Chronologie eines Scheiterns ergeben: Es geht los mit Cloughs erstem Eintreffen bei Leeds, gemeinsam mit seinen beiden Söhnen. Er begegnet dem Nachwuchstrainer und Revie-Vertrauten Syd Qwen, der gerade das Amateurteam aufs Feld führen will. Natürlich "übersieht" Owen Cloughs zum Gruß ausgestreckte Hand. Und auf dessen Frage, ob einer der Kicker nicht kurz auf seine Söhne aufpassen könne, während er - Clough - sich im Verein bekannt macht, zischt Owen: "Sie sind bei uns schon allseits bekannt, Mr. Clough. Und diese Jungs sind hier, um zu trainieren. Nicht, um Ihre Söhne zu unterhalten." Cloughs kurzes Gastspiel bei Leeds endet mit einem Gespräch beim Vorstand, bei dem es um seine Abfindung geht. "25.000 Pfund [damals immerhin ca. 150.000 DM - KL] für 44 Tage Arbeit?", brüllte der Vorstandsvorsitzende Sam Bolton. "Das ist gottverdammter Wucher!" Sein Blutdruck stieg noch weiter, als Clough kühl außerdem die Übernahme seiner Einkommensteuer in den nächsten drei Jahren verlangte und außerdem den ihm zur Verfügung gestellten Mercedes behalten wollte. Bolton war fassungslos: "Wer zur Hölle glauben Sie eigentlich zu sein?" "Brian Clough", lautete die schlichte Antwort. "Brian Howard Clough."

Übrigens brachte der Trainerwechsel auch Cloughs Vorgänger Don Revie keine Vorteile. Er verbrachte drei erfolglose Jahre als Nationaltrainer, ehe er in die Vereinigten Arabischen Emirate und damit ins fußballerische Niemandsland abtauchte. Clough schaffte hingegen ein sensationelles Comeback. 1975 wechselte er zu Nottingham Forrest und gewann 1979 und 1980 zweimal hintereinander den Europa-Cup.

Fazit: Wer sich auch nur ein wenig für den britischen Fußball interessiert, findet hier ein hochspannendes Kapitel.


Der gefälschte König: Stories
Der gefälschte König: Stories
von Jeffrey Archer
  Taschenbuch

3.0 von 5 Sternen Schade: Sir Jeffrey war schon wesentlich besser!, 27. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Der gefälschte König: Stories (Taschenbuch)
Jeffrey Archer ist einer der ganz, ganz großen Erzähler und liefert seit Jahrzehnten immer wieder sensationell gute Thriller. Auch ein zwischenzeitlicher Gefängnisaufenthalt hat seiner Klasse nichts anhaben können, wie "A Prisoner of Birth" beweist - nach dem soliden, aber nicht sensationellen Buch "False Impression" war das ein Weltklasse-Archer, der sich nahtlos in die Reihe seiner großen Vorgänger (etwa "The Fourth Estate") einreihte.

Im Laufe der Jahre hat Jeffrey Archer auch immer einmal wieder Bände mit Kurzgeschichten veröffentlicht, vergnügliche, lockerleichte Tales, ganz in der Tradition seines Debütromans "Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Roman.". Mir war vor vielen Jahren das Buch "Der perfekte Dreh." in die Hände gefallen, das ich mit großer Freude gelesen habe. Nach dem nicht ganz so guten Band "Die chinesische Statue." war ich jetzt auf "Der gefälschte König" gepannt, Archers erste Kurzgeschichten-Sammlung nach seinem Gefängnisaufenthalt. Unter dem Strich hat mich das Buch leider enttäuscht. Das liegt zum einen am Stil. Stellenweise beschlich mich der Eindruck, Sir Jeffrey habe nicht geschrieben, sondern schreiben lassen - ich habe ihn einfach nicht wiedererkannt. Und das lag nicht an der Übersetzung, wie ich bei Durchsicht des Originals feststellen konnte. Die Geschichten sind einfach in einem völlig anderen Ton geschrieben. Und inhaltlich? Sicher, es gibt die eine oder andere überdurchschnittliche Story (etwa "Wohltätigkeit beginnt zu Hause"), aber davor und danach kommen eben auch viele unterdurchschnittliche ("Es kann unmöglich schon Oktober sein" oder "Eine griechische Tragödie") , und der ganz große Knüller fehlt leider ganz.

Was mich an dem Buch am meisten störte, ist, dass Jeffrey Archer aus der Perspektive eines Gefängnis-Chronologen schreibt, der die Geschichten seiner Mithäftlinge notiert. Ist es diesem Umstand, dieser Verbindung zur Realität und der damit verbundenen Bitterkeit an der einen oder anderen Stelle geschuldet, dass dem Buch ein wenig die Leichtigkeit fehlt? Leichtigkeit war immer die große Stärke Jeffrey Archers, und deshalb fällt es umso mehr ins Auge, wenn eines seiner Bücher ein wenig bemüht daherkommt.

Fazit: Archer-Fans werden auch "Der gefälschte König" lesen, aber Neueinsteiger sollten lieber zu einem der älteren Kurzgschichtenbände oder - besser noch - zu einem der großen Romane Archers greifen.


Larry Hagman: Bezaubernder Bösewicht , [Autobiographie].
Larry Hagman: Bezaubernder Bösewicht , [Autobiographie].
von Todd Gold
  Unbekannter Einband

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schade: Albernheiten statt Einblicke, 21. Dezember 2010
Der sensationelle Erfolg der Fernsehserie "Dallas" ist untrennbar mit der Figur des von Larry Hagman verkörperten Bösewichts J.R. Ewing verbunden. Wie kein anderer Darsteller prägte Hagman die Serie, zumal er auch die Drehbücher für etliche Folgen schrieb. Leider gibt es kaum Bücher, die mit Innenansichten über die Produktion von "Dallas" aufwarten: Nach welchen Kriterien wurden die Darsteller ausgewählt? Wie wurden sie bezahlt? Wie war das Verhältnis der Darsteller untereinander? Wer legte die Storylines fest? Wo genau wurde gedreht? Gerade für das von ernstzunehmenden einheimischen Serien nicht gerade verwöhnte deutsche Publikum wären solche Einblicke interessant, weil "Dallas" in vielerlei Hinsicht noch immer das Maß der Dinge ist. Die Macher der Serie schafften es zudem eindrucksvoll, das Lebensgefühl jener Zeit und auch jener Stadt zu vermitteln. J.R. "war" ein unabhängiger Öl-Produzent, Carter McKay "war" der Chef von Weststar Oil - und selbst Cliff Barnes nahm man den Unternehmer und zeitweiligen einflussreichen Leiter der Oil Regulatory Commission ab. Demgegenüber wirken deutsche Schauspieler, die Unternehmer spielen sollen, in der Regel einfach nur fehl am Platz.

Zwar gibt es Bücher über "Dallas", aber das sind entweder die Romane von Burt Hirschfeld, die mit der Serie nur wenig zu tun haben, oder typische Fan-Werke wie jenes von Laura van Wormer. Hinzu kommt, dass diese Bücher alle vergleichsweise alt sind und zu einer Zeit entstanden, als "Dallas" noch gar nicht die wunderbare Leichtigkeit der letzten Jahre hatte, sondern noch vergleichsweise ernst, düster und wenig unterhaltsam daherkam. Umso größer waren meine Erwartungen, als Larry Hagman seine Autobiographie auf den Markt brachte. Zwar war davon auszugehen, dass sie nicht nur "Dallas" gewidmet sein würde, hatte Hagman doch bereits zuvor unter anderem als Major Nelson in "Bezaubernde Jeannie" eine gewisse Berühtmheit erlangt. Dennoch ging ich angesichts der Bedeutung, die die Rolle des J.R. für Hagmans Karriere hatte, davon aus, dass seine Biographie mit einigen "Dallas"-Innenansichten aufwartet.

Doch leider werden diese Erwartungen enttäuscht. "Dallas" findet zwar durchaus Erwähnung. Aber von einem ernsthaften Blick hinter die Kulissen einer der erfolgreichsten Serien der Fernsehgeschichte - die Folge "Wer schoß auf J.R.?" hatte 83 Millionen Zuschauer - kann leider kaum die Rede sein. Teilweise beschränkt sich Hagman auf alberne Plattheiten ("Charlene Tilton [...] hatte alle Qualitäten einer reifen Texas-Tomate."). An anderer Stelle erzählt er schlicht Unsinn. So umreisst er die Hauptfiguren der Serie u.a. mit den Worten "Mama war eine alte Hure. Daddy war ein Alkoholiker... Mein kleiner Bruder war ein Weiberheld." Kann jemand, der ernst genommen werden will, "Miss Ellie" Ewing wirklich als "alte Hure" bezeichnen? Mitunter widerspricht sich Hagman selbst. So schreibt er über die kurzzeitige Miss-Ellie-Darstellerin Donna Reed zunächst: "Für die Rolle von Mama war sie eine exzellente Wahl." Keine drei Zeilen später heißt es: "Sie hatte nie die Stärke und Schärfe, die Babara [Bel Geddes] der Rolle verliehen hatte." Dass er den Darsteller des großen J.R.-Gegenspielers Cliff Barnes, Ken Kercheval, für die "perfekte Besetzung" hielt, begründet Hagman so: "Er war unberechenbar und dadurch war seine Arbeit so gut und so spannungsreich." Ist das wirklich alles, was ihm zu Cliff einfällt? Oberflächlichkeiten dieser Art prägen seine Ausführungen zu den anderen Darstellern und der Arbeit am Set. Ansonsten ergeht er sich in ausschweifenden Geschichten über Alkoholexzesse, etwa mit Dialogen dieser Art: "Er hat Champagner aus dem Schuh meiner Frau getrunken." - "Yeah, und er hat eine gute Flasche Champagner verschwendet. Die Schuhe Deiner Frau waren vorne offen." Übrigens ist auch das Cover des Buches diesem dürftigen Niveau angepasst. Alle Welt kennt Hagman alias J.R. im grauen Anzug und mit Stetson auf dem Kopf. Doch das Cover zeigt Larry Hagman in einer absurden, indianerkostümartigen Lederjacke mit Trödeln, die nun wirklich nichts mit J.R. zu tun hat.

Fazit: Eine Enttäuschung!


Kein Titel verfügbar

0 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schade: Albernheiten statt Einblicke, 21. Dezember 2010
Der sensationelle Erfolg der Fernsehserie "Dallas" ist untrennbar mit der Figur des von Larry Hagman verkörperten Bösewichts J.R. Ewing verbunden. Wie kein anderer Darsteller prägte Hagman die Serie, zumal er auch die Drehbücher für etliche Folgen schrieb. Leider gibt es kaum Bücher, die mit Innenansichten über die Produktion von "Dallas" aufwarten: Nach welchen Kriterien wurden die Darsteller ausgewählt? Wie wurden sie bezahlt? Wie war das Verhältnis der Darsteller untereinander? Wer legte die Storylines fest? Wo genau wurde gedreht? Gerade für das von ernstzunehmenden einheimischen Serien nicht gerade verwöhnte deutsche Publikum wären solche Einblicke interessant, weil "Dallas" in vielerlei Hinsicht noch immer das Maß der Dinge ist. Die Macher der Serie schafften es zudem eindrucksvoll, das Lebensgefühl jener Zeit und auch jener Stadt zu vermitteln. J.R. "war" ein unabhängiger Öl-Produzent, Carter McKay "war" der Chef von Weststar Oil - und selbst Cliff Barnes nahm man den Unternehmer und zeitweiligen einflussreichen Leiter der Oil Regulatory Commission ab. Demgegenüber wirken deutsche Schauspieler, die Unternehmer spielen sollen, in der Regel einfach nur fehl am Platz.

Zwar gibt es Bücher über "Dallas", aber das sind entweder die Romane von Burt Hirschfeld, die mit der Serie nur wenig zu tun haben, oder typische Fan-Werke wie jenes von Laura van Wormer. Hinzu kommt, dass diese Bücher alle vergleichsweise alt sind und zu einer Zeit entstanden, als "Dallas" noch gar nicht die wunderbare Leichtigkeit der letzten Jahre hatte, sondern noch vergleichsweise ernst, düster und wenig unterhaltsam daherkam. Umso größer waren meine Erwartungen, als Larry Hagman seine Autobiographie auf den Markt brachte. Zwar war davon auszugehen, dass sie nicht nur "Dallas" gewidmet sein würde, hatte Hagman doch bereits zuvor unter anderem als Major Nelson in "Bezaubernde Jeannie" eine gewisse Berühtmheit erlangt. Dennoch ging ich angesichts der Bedeutung, die die Rolle des J.R. für Hagmans Karriere hatte, davon aus, dass seine Biographie mit einigen "Dallas"-Innenansichten aufwartet.

Doch leider werden diese Erwartungen enttäuscht. "Dallas" findet zwar durchaus Erwähnung. Aber von einem ernsthaften Blick hinter die Kulissen einer der erfolgreichsten Serien der Fernsehgeschichte - die Folge "Wer schoß auf J.R.?" hatte 83 Millionen Zuschauer - kann leider kaum die Rede sein. Teilweise beschränkt sich Hagman auf alberne Plattheiten ("Charlene Tilton [...] hatte alle Qualitäten einer reifen Texas-Tomate."). An anderer Stelle erzählt er schlicht Unsinn. So umreisst er die Hauptfiguren der Serie u.a. mit den Worten "Mama war eine alte Hure. Daddy war ein Alkoholiker... Mein kleiner Bruder war ein Weiberheld." Kann jemand, der ernst genommen werden will, "Miss Ellie" Ewing wirklich als "alte Hure" bezeichnen? Mitunter widerspricht sich Hagman selbst. So schreibt er über die kurzzeitige Miss-Ellie-Darstellerin Donna Reed zunächst: "Für die Rolle von Mama war sie eine exzellente Wahl." Keine drei Zeilen später heißt es: "Sie hatte nie die Stärke und Schärfe, die Babara [Bel Geddes] der Rolle verliehen hatte." Dass er den Darsteller des großen J.R.-Gegenspielers Cliff Barnes, Ken Kercheval, für die "perfekte Besetzung" hielt, begründet Hagman so: "Er war unberechenbar und dadurch war seine Arbeit so gut und so spannungsreich." Ist das wirklich alles, was ihm zu Cliff einfällt? Oberflächlichkeiten dieser Art prägen seine Ausführungen zu den anderen Darstellern und der Arbeit am Set. Ansonsten ergeht er sich in ausschweifenden Geschichten über Alkoholexzesse, etwa mit Dialogen dieser Art: "Er hat Champagner aus dem Schuh meiner Frau getrunken." - "Yeah, und er hat eine gute Flasche Champagner verschwendet. Die Schuhe Deiner Frau waren vorne offen." Übrigens ist auch das Cover des Buches diesem dürftigen Niveau angepasst. Alle Welt kennt Hagman alias J.R. im grauen Anzug und mit Stetson auf dem Kopf. Doch das Cover zeigt Larry Hagman in einer absurden, indianerkostümartigen Lederjacke mit Trödeln, die nun wirklich nichts mit J.R. zu tun hat.

Fazit: Eine Enttäuschung!


Bezaubernder Bösewicht
Bezaubernder Bösewicht
von Larry Hagman
  Taschenbuch

1 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Schade: Albernheiten statt Einblicke, 21. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Bezaubernder Bösewicht (Taschenbuch)
Der sensationelle Erfolg der Fernsehserie "Dallas" ist untrennbar mit der Figur des von Larry Hagman verkörperten Bösewichts J.R. Ewing verbunden. Wie kein anderer Darsteller prägte Hagman die Serie, zumal er auch die Drehbücher für etliche Folgen schrieb. Leider gibt es kaum Bücher, die mit Innenansichten über die Produktion von "Dallas" aufwarten: Nach welchen Kriterien wurden die Darsteller ausgewählt? Wie wurden sie bezahlt? Wie war das Verhältnis der Darsteller untereinander? Wer legte die Storylines fest? Wo genau wurde gedreht? Gerade für das von ernstzunehmenden einheimischen Serien nicht gerade verwöhnte deutsche Publikum wären solche Einblicke interessant, weil "Dallas" in vielerlei Hinsicht noch immer das Maß der Dinge ist. Die Macher der Serie schafften es zudem eindrucksvoll, das Lebensgefühl jener Zeit und auch jener Stadt zu vermitteln. J.R. "war" ein unabhängiger Öl-Produzent, Carter McKay "war" der Chef von Weststar Oil - und selbst Cliff Barnes nahm man den Unternehmer und zeitweiligen einflussreichen Leiter der Oil Regulatory Commission ab. Demgegenüber wirken deutsche Schauspieler, die Unternehmer spielen sollen, in der Regel einfach nur fehl am Platz.

Zwar gibt es Bücher über "Dallas", aber das sind entweder die Romane von Burt Hirschfeld, die mit der Serie nur wenig zu tun haben, oder typische Fan-Werke wie jenes von Laura van Wormer. Hinzu kommt, dass diese Bücher alle vergleichsweise alt sind und zu einer Zeit entstanden, als "Dallas" noch gar nicht die wunderbare Leichtigkeit der letzten Jahre hatte, sondern noch vergleichsweise ernst, düster und wenig unterhaltsam daherkam. Umso größer waren meine Erwartungen, als Larry Hagman seine Autobiographie auf den Markt brachte. Zwar war davon auszugehen, dass sie nicht nur "Dallas" gewidmet sein würde, hatte Hagman doch bereits zuvor unter anderem als Major Nelson in "Bezaubernde Jeannie" eine gewisse Berühtmheit erlangt. Dennoch ging ich angesichts der Bedeutung, die die Rolle des J.R. für Hagmans Karriere hatte, davon aus, dass seine Biographie mit einigen "Dallas"-Innenansichten aufwartet.

Doch leider werden diese Erwartungen enttäuscht. "Dallas" findet zwar durchaus Erwähnung. Aber von einem ernsthaften Blick hinter die Kulissen einer der erfolgreichsten Serien der Fernsehgeschichte - die Folge "Wer schoß auf J.R.?" hatte 83 Millionen Zuschauer - kann leider kaum die Rede sein. Teilweise beschränkt sich Hagman auf alberne Plattheiten ("Charlene Tilton [...] hatte alle Qualitäten einer reifen Texas-Tomate."). An anderer Stelle erzählt er schlicht Unsinn. So umreisst er die Hauptfiguren der Serie u.a. mit den Worten "Mama war eine alte Hure. Daddy war ein Alkoholiker... Mein kleiner Bruder war ein Weiberheld." Kann jemand, der ernst genommen werden will, "Miss Ellie" Ewing wirklich als "alte Hure" bezeichnen? Mitunter widerspricht sich Hagman selbst. So schreibt er über die kurzzeitige Miss-Ellie-Darstellerin Donna Reed zunächst: "Für die Rolle von Mama war sie eine exzellente Wahl." Keine drei Zeilen später heißt es: "Sie hatte nie die Stärke und Schärfe, die Babara [Bel Geddes] der Rolle verliehen hatte." Dass er den Darsteller des großen J.R.-Gegenspielers Cliff Barnes, Ken Kercheval, für die "perfekte Besetzung" hielt, begründet Hagman so: "Er war unberechenbar und dadurch war seine Arbeit so gut und so spannungsreich." Ist das wirklich alles, was ihm zu Cliff einfällt? Oberflächlichkeiten dieser Art prägen seine Ausführungen zu den anderen Darstellern und der Arbeit am Set. Ansonsten ergeht er sich in ausschweifenden Geschichten über Alkoholexzesse, etwa mit Dialogen dieser Art: "Er hat Champagner aus dem Schuh meiner Frau getrunken." - "Yeah, und er hat eine gute Flasche Champagner verschwendet. Die Schuhe Deiner Frau waren vorne offen." Übrigens ist auch das Cover des Buches diesem dürftigen Niveau angepasst. Alle Welt kennt Hagman alias J.R. im grauen Anzug und mit Stetson auf dem Kopf. Doch das Cover zeigt Larry Hagman in einer absurden, indianerkostümartigen Lederjacke mit Trödeln, die nun wirklich nichts mit J.R. zu tun hat.

Fazit: Eine Enttäuschung!


Fußball-Land DDR. Anstoß, Abpfiff, Aus
Fußball-Land DDR. Anstoß, Abpfiff, Aus
von Frank Willmann
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ungeheuer atmosphärisch: Ein Blick auf die DDR-Oberliga, 29. November 2010
Bücher zum Fußball-Land DDR gibt es mittlerweile einige, von Hans Leskes Enzyklopädie des DDR-Fußballs über das von einigen als "Meisterschuss" gerühmte Werk Die Geschichte der DDR-Oberliga. Mit Spielerlexikon von Andreas Baingo und Michael Horn bis hin zu Biographien, die sich indirekt ebenfalls mit der Materie beschäftigen, etwa Trainer zwischen den Welten: Bernd Stange und natürlich insbesondere Jörg Bergers wunderbares Buch Meine zwei Halbzeiten: Ein Leben in Ost und West.

Mehr durch Zufall bin ich auf Willmanns bereits vor einigen Jahren erschienene Collage (über zwanzig Autoren trugen zu dem Werk bei) gestoßen, die sich mit Statistiken und Tabellen angenehm zurückhält und stattdessen auf knapp 200 Seiten einen hervorragend recherchierten und ungeheuer atmosphärischen Einblick in den Alltag der DDR-Oberligakicker gewährt. Vom speziellen Transfersystem ("Delegierungen") über Gehälter und Handgelder der "Nicht-Amateure" (wenige Monate vor dem Ende der DDR meldete der DFV diesen Status seiner Spieler gegenüber der FIFA an), Lokalderbys und Auslandsspiele bis hin zu Spielerrevolten wie jener in Dresden, als die Kicker Trainer Walter Fritzsch loswerden wollten, greifen die Autoren eine Vielzahl von Themen auf, die in ihrer Gesamtheit ein faszinierendes Mosaik ergeben. Dazu gibt es eine Vielzahl von Fotos und Zeitungsausrissen sowie - in meinen Augen verzichtbar - Vereinslogos und Karikaturen, die das Bild vervollständigen. So erfährt man, dass in der DDR-Oberliga bereits Ende der sechziger Jahre Handgelder von bis zu 20.000 Mark flossen, dass beim Fußballzwerg Stahl Brandenburg fürstliche Gehälter von bis zu 5.300 Mark gezahlt wurden, dass der Magdeburger Erfolgstrainer Heinz Krügel (Europapokalsieger 1974) wegen "ungenügender Entwicklung der Olympiakader" zum Hallenwart degradiert wurde und der aus Thüringen stammende Mittelfeldstar Reinhard Häfner eigentlich schon vor einem Wechsel zum FC Carl Zeiss Jena stand, als ihm der DFV die Pistole auf die Brust setzte: "Nach Dresden oder nach Eggesin!" Eggesin war damals ein berüchtigter Militärstützpunkt in Mecklenburg-Vorpommern.

Der Umstand, dass derart viele Journalisten und Schriftsteller beteiligt waren (darunter Horst Friedemann, Edgar Külow, Annett Gröschner und Wladimir Kaminer), mag die Themenwechsel und die Reihenfolge der Beiträge mitunter als etwas holprig und sprunghaft erscheinen lassen, aber das schmälert den Gesamteindruck nur unwesentlich.

Fazit: Wer sich weniger für exakte Statistiken und mehr für den Alltag der DDR-Oberligafußballer interessiert, wird mit Willmanns Buch bestens bedient.


Ronald Reagan und seine Filme
Ronald Reagan und seine Filme
von Joe Hembus
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wohlwollend, aber nicht unkritisch, 13. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Ronald Reagan und seine Filme (Broschiert)
Entgegen einem gängigen und hierzulande weit verbreiteten Vorurteil war Ronald Reagan als Schauspieler keineswegs eine Lachnummer, sondern ein überaus erfolgreicher Vertragsschauspieler (so etwas gab es damals in Hollywood noch) der 30er bis 50er Jahre. Er gehörte nie, auch daran besteht sicherlich kein Zweifel, zu den ganz großen Stars jener Tage. Ronald Reagan war kein Erol Flynn und kein James Stewart. Aber er war eben trotzdem der erste Schauspieler in der Geschichte Hollywoods, der einen Vertrag über eine Million Dollar unterschrieb. Und - leider - erreichte er mit den Filmen "Knut Rockne, All American" und "Kings Row" den Höhepunkt seiner Karriere genau zu einem Zeitpunkt, als diese Karriere durch die Einberufung zum Militärdienst während des Zweiten Weltkrieges unterbrochen wurde. Es kann nur spekuliert werden, was aus Reagan hätte werden können, wenn er insbesondere den aus seiner formidablen Leistung in "Kings Row" resultierenden Ruhm unmittelbar in weitere große Rollen hätte ummünzen können. Aber selbst wenn wir nur die Rollen betrachten, die er tatsächlich übernommen hat, bleibt Reagan ein Mann, der geschafft hat, wovon Millionen Menschen träumen, nämlich eine Karriere in Hollywood. Leider wurde seine spätere Präsidentschaft zum Anlass genommen, um Hohn und Spott über seine Filmkarriere auszuschütten, etwa für seine Rolle an der Seite eines Schimpansen in "Bedtime for Bonzo". Dabei gibt es auch andere Hollywood-Schauspieler, die eine der goldenen Regeln der Branche gebrochen und sich die Hauptrolle mit einem Tier geteilt haben. Aber nur Reagan wird vielerorts bis heute auf diese eine Rolle reduziert.

Wer sich näher über Reagans 53 Filme informieren will, findet in dem A4-großen Buch "Ronald Reagan und seine Filme" eine erstaunlich differenzierte und detailreiche Übersicht. Ich war mir bei der Bestellung nicht sicher, was mich erwartet - eine plumpe Jubelarie oder eine der Anfang der 80er Jahre vor allem im linken Lager so beliebten Generalabrechnungen mit dem vom Schauspieler zum Präsidenten aufgestiegenen ehemaligen Radiosprecher Ronald Reagan. Zu meiner Freude erwies sich das Werk als keines von beidem, sondern als eine sachliche, faire, keineswegs unkritische Darstellung des filmischen Schaffens Reagans. Jeder einzelne Streifen wird, begleitet von Fotos, mit Entstehungsjahr und Darstellern genannt und kurz beleuchtet. Worum geht es? Welche Rolle spielt Reagan? In welchem zeitlichen Kontext spielte er die Rolle? Wie wurden seine Leistung und der Film insgesamt bewertet? Für mich war das Buch eine wunderbare Ergänzung zu Marc Eliots hervorragender Darstellung "Reagan: The Hollywood Years".


Kein Titel verfügbar

4.0 von 5 Sternen Wohlwollend, aber nicht unkritisch, 13. November 2010
Entgegen einem gängigen und hierzulande weit verbreiteten Vorurteil war Ronald Reagan als Schauspieler keineswegs eine Lachnummer, sondern ein überaus erfolgreicher Vertragsschauspieler (so etwas gab es damals in Hollywood noch) der 30er bis 50er Jahre. Er gehörte nie, auch daran besteht sicherlich kein Zweifel, zu den ganz großen Stars jener Tage. Ronald Reagan war kein Erol Flynn und kein James Stewart. Aber er war eben trotzdem der erste Schauspieler in der Geschichte Hollywoods, der einen Vertrag über eine Million Dollar unterschrieb. Und - leider - erreichte er mit den Filmen "Knut Rockne, All American" und "Kings Row" den Höhepunkt seiner Karriere genau zu einem Zeitpunkt, als diese Karriere durch die Einberufung zum Militärdienst während des Zweiten Weltkrieges unterbrochen wurde. Es kann nur spekuliert werden, was aus Reagan hätte werden können, wenn er insbesondere den aus seiner formidablen Leistung in "Kings Row" resultierenden Ruhm unmittelbar in weitere große Rollen hätte ummünzen können. Aber selbst wenn wir nur die Rollen betrachten, die er tatsächlich übernommen hat, bleibt Reagan ein Mann, der geschafft hat, wovon Millionen Menschen träumen, nämlich eine Karriere in Hollywood. Leider wurde seine spätere Präsidentschaft zum Anlass genommen, um Hohn und Spott über seine Filmkarriere auszuschütten, etwa für seine Rolle an der Seite eines Schimpansen in "Bedtime for Bonzo". Dabei gibt es auch andere Hollywood-Schauspieler, die eine der goldenen Regeln der Branche gebrochen und sich die Hauptrolle mit einem Tier geteilt haben. Aber nur Reagan wird vielerorts bis heute auf diese eine Rolle reduziert.

Wer sich näher über Reagans 53 Filme informieren will, findet in dem A4-großen Buch "Ronald Reagan und seine Filme" eine erstaunlich differenzierte und detailreiche Übersicht. Ich war mir bei der Bestellung nicht sicher, was mich erwartet - eine plumpe Jubelarie oder eine der Anfang der 80er Jahre vor allem im linken Lager so beliebten Generalabrechnungen mit dem vom Schauspieler zum Präsidenten aufgestiegenen ehemaligen Radiosprecher Ronald Reagan. Zu meiner Freude erwies sich das Werk als keines von beidem, sondern als eine sachliche, faire, keineswegs unkritische Darstellung des filmischen Schaffens Reagans. Jeder einzelne Streifen wird, begleitet von Fotos, mit Entstehungsjahr und Darstellern genannt und kurz beleuchtet. Worum geht es? Welche Rolle spielt Reagan? In welchem zeitlichen Kontext spielte er die Rolle? Wie wurden seine Leistung und der Film insgesamt bewertet? Für mich war das Buch eine wunderbare Ergänzung zu Marc Eliots hervorragender Darstellung "Reagan: The Hollywood Years".


Lonely Planet Sprachführer: Japanisch
Lonely Planet Sprachführer: Japanisch
von Lonely Planet
  Broschiert

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gelungen: Ein wirklich alltagstauglicher Sprachführer, 11. September 2010
Wer der japanischen Sprache nicht mächtig ist, sollte die Reise nach Japan nicht ohne eine Sprachführer antreten, weil es vor Ort ungemein hilft, wenn man zumindest Begrüßung, Wünsche und Dank auf Japanisch ausdrücken kann. Der Sprachführer von Lonely Planet überzeugt zum einen durch seinen moderaten Preis (7,95 EUR) und zum anderen dadurch, dass er zahlreiche tatsächlich alltagstaugliche Redewendungen enthält. Für den Urlauber hält der Sprachführer verblüffend viele nützliche Redewendungen bereit. Natürlich schleicht sich auch bei Lonely Planet die eine oder andere überflüssige Sprachhilfe ein. Wie realistisch ist es wohl, dass ein Tourist im höflichen Japan dem Verkäufer oder dem Friseur entgegenschleudert: "Anata ni tanomanakereba yokata!" (Wäre ich bloß nicht hierhergekommen!) Aber gemessen an anderen Sprachführern, die die Sprache anhand alberner Beispiele (Verfolgungsjagden mit Yakuza-Mitgliedern) nahebringen wollen, überzeugt das Exmplar von Lonely Planet alles in allem wirklich durch hohe Alltagstauglichkeit. Und wer einmal Sushi auf Japanisch bestellt hat, wird feststellen, dass allein der Versuch sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen wird. Ich habe das Buch jedenfalls als unentbehrliche Hilfe empfunden, die den Aufenthalt in Japan spürbar erleichtert.


Tokyo City Atlas: A Bilingual Guide
Tokyo City Atlas: A Bilingual Guide
von Atsushi Umeda
  Taschenbuch

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unentbehrlicher Begleiter eines Tokio-Urlaubes, 11. September 2010
Wer einmal in Japan war, weiß, dass die Japaner ein etwas eigenwilliges Adressen-System haben. Zum einen haben kleinere Straßen in der Regel keine Namen, vielmehr enthalten die Adressen die Nummern von Bereich, Block und Haus, zum anderen werden die Nummern in der Reihenfolge der Erbauung der Gebäude vergeben, nicht etwa fortlaufend. Deshalb orientieren sich auch Japaner bei der Suche bestimmter Adressen oft an bekannten Landmarks, wobei Ausgangspunkt der Suche meist die nächstgelegene U-Bahn-Station ist (das Nahverkehrssystem in Tokio ist sensationell gut). Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist nicht so ganz einfach, sich in Tokio zurechtzufinden. Hierbei hilft der "Tokyo City Atlas: A Bilingual Guide". Ein Urlauber wird nahezu alle für ihn relevanten Adressen auf einer der zahlreichen Karten finden und kann sich Chome (Bereich), Block und Haus-Nummer heraussuchen und so sein Ziel wirklich schnell und effizient erreichen. Hat man irgendwo einmal durch Zufall z.B. ein Lokal entdeckt, das man gern noch einmal besuchen möchte, kann man es sich im City Atlas markieren. Denn eines - dies sage ich aus leidvoller Erfahrung - funktioniert ganz bestimmt nicht: Davon auszugehen, dass man etwas aus dem Gedächtnis wiederfindet. Zu ähnlich sehen sich viele Straßen, zu viele Ausgänge haben die einzelnen U-Bahn-Stationen...


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