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Rezensionen verfasst von
Dr. Christian Donninger "vulgo Chrilly" (Altmelon, Waldviertel)
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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PrimeFaces Cookbook
PrimeFaces Cookbook
von Mert Caliskan
  Taschenbuch
Preis: EUR 33,50

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Komplett sinnlos, 13. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: PrimeFaces Cookbook (Taschenbuch)
Das Hauptproblem von open-source Projekten ist die mangelnde Doku. Programmieren ist halt lustiger als Doku schreiben. Die Primefaces Doku ist für ein open-source Projekt relativ brauchbar. Sie hat dennoch Verbesserungspotential. Ein Buch mit zusätzlicher Information ist daher grundsätzlich eine gute Sache.
Dieses Buch ist aber komplett sinnlos. Ich habe noch nichts gefunden, was über die Doku hinausgeht. Im Gegenteil, die Doku ist viel detaillierter. Das Buch ist auch extrem redundant. Z.B. steht bei jedem Rezept ein identischer Absatz über die github Quelle. So etwas gehört ein Mal in die Einleitung. Dafür gibt es nirgends Javabeans-Kode. Das Zusammenspiel zwischen Client und Server ist aber gerade die interessante bzw. giftige Sache. In ein derartiges Buch gehören diese giftigen Sachen und frequently asked bugs. Das war den Autoren aber offensichtlich zuviel Mühe.
Entgegen der Werbeeinschaltung von amazon.com kann ich jedem nur raten: Geld sparen und die Doku direkt auf der primefaces homepage lesen.


The Myth of the Rational Market: A History of Risk, Reward, and Delusion on Wall Street
The Myth of the Rational Market: A History of Risk, Reward, and Delusion on Wall Street
von Justin Fox
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,31

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gut schriebene Geschichte der Mainstream-Ökonomie, 10. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Entgegen dem etwas reißerischen Titel ist das Buch nach dem von Tacitus formulierten Motto "sine ira et studio" geschrieben.
"When I set out to write this book, I didn't have a particular ideological axe to grind about efficient markets. Sure, I had my biases (cognitive and otherwise), but I was mainly interested in reporting and telling a story."
Justin Fox ist es besser als Tacitus in den Annalen gelungen diesem Motto tatsächlich treu zu bleiben.
Er schildert die Geschichte, die innere Logik der Mainstream Ökonomie und die Motife der handelnden Personen der letzten 100 Jahre. Der Autor ist - wie er selbst betont - gelernter Journalist und nicht Wissenschafter. Er kann schreiben. Er hat aber auch ausreichendes Fachwissen und kennt aus persönlicher Erfahrung die Branche. Journalisten neigen dazu einen Sachverhalt in Gschichtln aufzulösen und sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Fox erzählt auch Geschichten, aber sie werden nie zum reinen Selbstzweck. Er hält auch sein Ego angenehm im Hintergrund.
Die herrschende Ökonomie ist die Ökonomie der Herrschenden. Der Autor verlässt dieses Terrain nicht. Er hat auch nicht den Anspruch derartiges zu leisten. Er beschreibt aber dieses abgesteckte Terrain sehr gut. Es war ein Vergnügen dieses Buch zu lesen.


Trav'lin' Light
Trav'lin' Light
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Princess Latifah, 19. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Trav'lin' Light (Audio CD)
Dana Owens gehört im Moment zu den interessantesten Sängerinnen. Der Grossteil der Nummern auf dieser CD gefällt mir recht gut. Sie spielt jedoch nicht in der Königinnen-Liga der Jazzgeschichte. Das merkt man auf dieser CD vor allem an ihrer Version von Nina Simones "Sugar in my bowl". Vielleicht bin ich nur voreingenommen, weil ich Ninas Interpretation gleichzeitig im Ohr habe. Trotzdem habe ich bei dieser Nummer die Queen zur Princess Latifah "degradiert".
Auch bei "Quiet Nights of Quiet Stars" kann sie nicht mit Astrud Gilberto mithalten. Die Begleitband ist sehr gut. Man hat Studiomusiker vom Feinsten engagiert. Aber es gibt halt auch nur einen Stan Getz.
Im Vergleich zu den aktuellen chicen Pupperl ist Dana Owens aber schon eine Queen. Vielleicht sollte ich Billie, Ella und Simone zu Göttinnen erklären und der Queen Latifah ihren Titel lassen.


Road Tested
Road Tested
Preis: EUR 10,98

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gereifte Bonnie ohne John Lee, 13. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Road Tested (Audio CD)
Ich bin auf youtube zufällig auf eine Aufnahme von Bonnie Raitt und John Lee Hooker gestossen. Ich habe vorher von Bonnie Raitt noch nie gehört, war aber von diesem Duo sehr angetan.
Ich habe mir sowohl die Album-Series als auch diese CD gekauft. Die Album-Series enhalten LPs die sie vor der durch den Drogenkonsum bedingten Karrierepause (1983) veröffentlicht hat. Diese CD ist aus dem Jahr 1995. Die Pause hat ihr sichtlich gut getan. Die alten Aufnahmen sind eher glatt und belanglos, auf der vorliegenden CD hat sie deutlich mehr Biss und eine eigene Handschrift.
Am besten finde ich Bonnie Raitt, wenn sie - wie beim Duo mit John Lee - mit der Slice-Gitarre loslegt. Auf dieser CD spricht mich daher vor allem die Nummer "Love me Like a Man" an. Es ist aber auch auf dieser CD noch relativ viel Konfektionsware dabei.
Bonnie Raitt ist gut, interessant, aber sie hat mich trotzdem nicht voll ins Herz getroffen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 29, 2013 7:51 AM CET


Original Album Series
Original Album Series
Preis: EUR 13,97

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Bonnie ohne John Lee, 13. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Original Album Series (Audio CD)
Ich bin auf youtube zufällig auf eine Aufnahme von Bonnie Raitt und John Lee Hooker gestossen. Ich habe vorher von Bonnie Raitt noch nie gehört, war aber von diesem Duo sehr angetan.
Nach dem Motto "Ist ja nicht viel verhaut" habe ich diese Album-Series gekauft. Sie enthalten LPs die Bonnie Raitt vor der durch den Drogenkonsum bedingten Karrierepause (1983) veröffentlicht hat. Ich fand diese Aufnahmen durch die Bank schwächer als das Blues-Duo. Es ist alles sehr nett gemacht. Aber es reisst einem auch nix vom Stockerl. Am Sonntagvormittag wasche ich immer die Böden auf. Für diese Arbeit ist es eine angenehme Begleitmusik. Aber so richtig zum Reinhören und vor allem zum Herzerwärmen ist es mir zu glatt.
Ich hab mir zusätzlich noch die CD "Road Tested" aus dem Jahr 1995 gekauft. Diese CD gefällt mir deutlich besser.


Verloren unter 100 Freunden: Wie wir in der digitalen Welt seelisch verkümmern
Verloren unter 100 Freunden: Wie wir in der digitalen Welt seelisch verkümmern
von Sherry Turkle
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ist es wirklich schon so spät?, 31. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Am Beginn meiner Berufslaufbahn am MIT stritt ich mit Joseph Weizenbaum darüber, ob ein Computer ein adäquater Gesprächspartner sein könne. Dreißig Jahre später diskutiere ich mit Leuten, die behaupten, meine Tochter könne einen Computer heiraten wollen".
Unter normalen Leuten würde eine Mutter das Gegenüber für so eine Behauptung abwatschen. Turkle lebt aber nicht unter normalen Menschen sondern in der nach ihren Worten sehr technoaffinen Welt des M.I.T. Nach meinen Erfahrungen ist "technoaffin" eine glatte Untertreibung. Das M.I.T. ist eine Kultstätte der technologischen Ersatzreligion. Die M.I.T.ler fühlen sich als ihre Hohe Priester. Ich habe dieses Thema im Gespräch mit einem befreundeten M.I.T. Mitarbeiter angeschnitten. Ich hatte erwartet, dass er mich gar nicht versteht. Er war im Gegenteil glücklich, mit jemanden darüber reden zu können. Er ist ein traditionell religiöser Mensch und empfand die M.I.T. Kultur als Götzendienst.
Dieses Buch könnte man auch als die intellektuellen Watschen einer empörten und besorgten Mutter interpretieren.
Im ersten Teil des Buches behandelt Turkle die Heilserwartung an soziale Roboter. Der zweite Teil dreht sich um Smartphones, SMS, Facebook und Twitter.
Turkle nimmt die technologische Seite der Ankündigungen der Roboterleute für bare Münze. Sie hat primär (aber nicht ausschließlich) mit Kindern zahlreiche Feldstudien über den Umgang mit sozialen Robotern gemacht. Vor allem vernachlässigte und verunsicherte Kinder fahren auf die Roboter nach ihren Schilderungen voll ab. Das sagt aber - in ihrer Interpretation - mehr über die Verwahrlosung der Kinder bzw. der Gesellschaft als die Fähigkeiten der Roboter aus. Es werden die unerfüllten Wünsche in diese Maschinen projeziert.
Nach meinen Erfahrungen kochen die M.I.T.ler auch nur mit Wasser. Turkle berichtet von ihrem schlechten Gewissen, wenn sie Kinder ans M.I.T. einlädt und der Testroboter wieder einmal nicht ordentlich funktioniert. Die Kinder glauben, dass sie Schuld daran sind. Es ist dies auch ein Zeichen von handwerklichem Stümpertum des Entwicklers. Aus diesem Grund hat auch mein auf einem PC laufendes Schachprogramm das Supercomputer-Programm des M.I.T. geschlagen. Mein Supercomputer-Programm Hydra war um 3 Klassen besser. Am M.I.T. zählt die Evangelisierung mehr als handwerkliches Können und Sorgfalt.
Meiner Meinung nach hätte Turkle daher auch auf die Frage "Sind sie wirklich so gut wie sie tun" eingehen sollen. Allerdings ist das nicht ihr Metier und auch nicht der Punkt auf den sie hinaus will. Sie geht davon aus, dass die technologischen Versprechungen eingelöst werden und stellt sich die Frage: Und was haben wir dann erreicht?

Trotzdem hätte sie m.E. auch auf den bescheidenen State of the Art eingehen können. Der von ihr in den höchsten Tönen gelobte Roboterhund AIBO von Sony war ein kommerzieller Flop. Er wurden von 1999 bis zur Einstellung der Produktion im Jahr 2006 150.000 Mal verkauft. Das ist eine vernachlässigbare Grösse im Verhältnis zur Anzahl der realen Hunde. Ich war selbst an einem Roboter-Projekt beteiligt. Der Roboter sollte - geführt von einem Menschen - in eine Turnierhalle gehen, sich an ein Schachbrett setzen, dem Gegner die Hand schütteln und anschließend eine Partie Schach spielen (mein Part war der einfache Teil: Ein unschlagbares Schachprogramm). Das Projekt wurde wegen hoffnungsloser Tolpatschigkeit des Roboters eingestellt. Wenn jemand behauptet, eine derartige Technologie könnte man in absehbarer Zeit zur Betreuung von dementen Menschen einsetzen dann ist das eine Mischung aus Dummheit und bodenlosem Zynismus.

Im zweiten Teil des Buches behandelt Turkle die sozialen Auswirkungen der always-on Kultur. Ich hatte auch in diesem Teil den Eindruck, dass ihre empirischen Schilderungen einen starken Bias in Richtung gestörte Facebook-Junkies haben. Die Möglichkeit, dass jemand überhaupt nicht auf Facebook ist bzw. damit sehr sparsam umgeht, wird nur am Ende kursorisch angedeutet. Es geht ihr offensichtlich wieder darum aufzuzeigen, dass der technologische Traum der Cyborgs schwere Nebenwirkungen hat.
In manchen ihrer pessimistischen Diagnosen hat Turkle zweifellos recht. So will sich momentan Instagram die Bilder der Benutzer unter den Nagel reissen. Die Milliarde für den Kaufpreis muss schließlich wieder herein kommen. Nach Protesten sind die Betreiber einmal etwas zurück gerudert. Das Ende ist aber absehbar: Instagram wird mit den Bilder machen was es will.
"So lange die jungen Leute Facebook und Google für unentbehrlich halten, werden sie den Unternehmen die Informationen liefen, die sie verlangen. Sie wissen einfach nicht, was sie sonst tun sollten".

Den Analysen fehlt auch eine politische Dimension. Sie belegt empirisch sehr gut das Konzept des flexiblen Menschen von R. Sennet. Für Turkey ist der flexible Mensch eine reine Folge der Technologie. Sennet analysiert hingegen auch den Zusammenhang mit der neoliberalen (Konter-)Revolution. Turkle ist trotz aller Kritik am M.I.T. Technofetischismus auch wieder ein Kind dieser Institution. Politische Begriffe kommen in dieser Welt nicht vor.
Die revolutionäre Tat der Autorin besteht am Ende, dass sie ihrer Tochter einen handgeschriebenen Brief schreibt. Es ist eine etwas hilflose Geste. Ich war aber trotzdem davon beeindruckt und habe mir auch vorgenommen auch selbst wieder wie früher Briefe zu schreiben (werma segn ob das ein reiner Sylvestervorsatz bleibt).

Trotz dieser Kritik habe ich die gut 500 Seiten des Buches mit großem Interesse in einem Sitz ausgelesen. Es hat sich jemand die Mühe gemacht die konkreten Auswirkungen von Technologie zu untersuchen. Der Roboterteil hätte für meinen Geschmack etwas kürzer ausfallen können. Es wiederholen sich die Ergebnisse von Robotertyp zu Robotertyp. Das Buch regt auf alle Fälle zum Nachdenken an. In meinem Fall nicht über Facebook, da ich es nicht verwende.
Aber sind Buchbesprechungen auf Amazon nicht etwas Ähnliches? Warum habe ich unlängst ein Bild von mir darauf eingestellt? Ich bin weit von always-on entfernt. Aber verscheisse ich trotzdem nicht zuviel Zeit am Netz? Wem schreibe ich eigentlich in Hinkunft Briefe? Kann meine ohnehin nie besonders schöne und nun mangels Übung vollends degenerierte Klaue überhaupt noch jemand lesen?


Networks Without a Cause: A Critique of Social Media
Networks Without a Cause: A Critique of Social Media
von Geert Lovink
  Taschenbuch
Preis: EUR 18,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Tim ohne Struppi, 27. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Am Buchrücken beschreibt ein befreundeter Kollege Lovink so:
"Geert Lovink is our Tin Tin. ... In place of Tin Tin's trusty dog Snowy, he takes with him a quick wit and independent mind".
Vom Stil ist das Buch eine bizarre Mischung aus deutscher Nietzsche Imitation a la Sloterdijk, den Französischen Denkern Virilio und Bourdieu und dem blogger-slang. Oder anders ausgedrückt: Es ist die neueste Ausgabe des postmodernen Geschwätzes. Z.B. wirft der Autor mit Sätzen wie den folgenden um sich:
"The post-enlightened position is not exactly in fashion. We cannot live the Nietzschean lifestyle and expect wide endorsement."
Was ist ein "Nietzschean lifestyle"? Wie hängt der wieder mit "post-enlightened" zusammen? Leben wir wirklich in so aufgeklärten Zeiten? Ist es wirklich so unchic nicht aufgeklärt zu sein?
Lovink nimmt bei jeden zweiten Satz das Wort "kritisch" in den Mund. Geschwätz war aber noch nie eine Kritik der herrschenden Verhältnissen. Es hat natürlich auch nichts mit einer Theorie zu tun. Eine Theorie macht verifizierbare Aussagen was der Fall sein kann und was nicht. Derartiges kommt in diesem Buch an keiner Stelle vor. Er entwirft auch keinerlei Utopie wie ein sinnvolles Social-Network jenseits von Facebook aussehen könnte.
Manche Aussagen sind einfach blanker Unsinn: "With the rise of search engines, it is no longer possible to distinguish between patrician insights and plebeian gossip".
Wenn ich zu meinem Fachgebiet der Mathematik und Statistik etwas wissen will, dann suche ich auf google-scholar und nicht auf youtube. Und wenn ich mir ein Video über die bescheidenen Mathematik-Kenntnisse der einstigen Österr. Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer anschauen will, dann suche ich auf youtube und nicht unter scholar. Wenn man die führenden Autoren eines Gebietes kennt, kann man direkt auf der homepage nach den Publikationen suchen. Da ist der Spreu vom Weizen bereits sehr gut getrennt. Wenn man auf youtube "Muddy Waters" eingibt, bekommt man auch kein amateuristisches Gitarrengeklimper. Man muss nur wissen, wer der Muddy Waters war.

Die Vermischung von Erhabenen und Trivialen ist auch keineswegs eine Erfindung des Internet-Zeitalters. Sie findet sich auch in mittelalterlichen Kompilationen. Die mittelalterlichen Autoren haben alles kopiert, was ihnen an echten und falschen antiken Quellen gerade unter die Finger kam. Von diesen Zusammenstellungen wurden wieder neue angefertigt. Es war eine von keinerlei Copyright Überlegungen eingeschränkte Copy&Paste Kultur. Es war allerdings der Reproduktionsvorgang technisch ziemlich mühsam und auf eine kleine soziale Gruppe beschränkt.

Lovink klopft sich heftig auf die Schultern, weil er 2011 seinen Facebook Account geschlossen hat. Ein kritischer, scharfsinniger Mensch hätte - für sich als Person - nie einen eröffnet. Wenn er Facebook als sein Feld für ethnologische Studien betrachtet hat, dann war die Schließung gegen alle Regeln der Ethnologie-Zunft. Es haben Forscher schon unter wesentlich unwirtlicheren Umständen ihre Studien betrieben. Die Ethnologische Perspektive kann man aber auf Grund des Buches ausschließen. Es kommen keine empirischen Studien vor. Es sind die beiläufigen Aufzeichnungen eines durch die Welt Eilenden. Für genaue theoretische oder empirische Arbeit fehlt Tim ohne Struppi die dafür notwendige Muse.
Mit Verlauf des Buches habe ich mir die auch nicht mehr genommen und immer größere Teile überblättert. Das Signal-Rausch-Verhältnis ist zu gering. Man frägt sich, ob überhaupt jemals ein Signal vorhanden war oder ob der Autor nur durch blaues Rauschen auffallen will.

P.S.: Man könnte sich auch die Frage stellen, ob es einen Tim ohne Struppi überhaupt geben kann.


Das Medium ist die Massage
Das Medium ist die Massage
von Quentin Fiore
  Broschiert
Preis: EUR 12,00

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Durchwachsene Ansammlung von Gedankensplittern, 25. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Medium ist die Massage (Broschiert)
Dieses Buch ist kein durchgehender Text, sondern eine Ansammlung von Aphorismen und Gedankensplittern. Diese Form entspricht der Anschauung des Autors vom Ende des linearen Gutenbergschen Zeitalters. Allerdings ist es doch ein Buch und als solches sollte es gemäß seinem berühmtesten und titelgebenden Ausspruch auch in dieser linearen Form sein. Manche Gedanken sind brilliant weit- und hellsichtig, manche sind aber auch weit daneben bzw. überhaupt kraus und unverständlich. Die umfangreiche graphische Gestaltung soll dem Text noch eine zusätzliche Dimension verleihen. Ich würde es hingegen als verzichtbaren Gag bezeichnen.
Das Buch ist ein gut und schnell lesbares interessantes historisches Dokument. Ich hätte aber erwartet, dass McLuhan z.B. seine These vom "Das Medium ist die Message" näher erläutert. Das war nicht seine Intention. Man liest daher "nur" viele Sprüche die man eh schon kennt im Original.
Es ist immer ein Risiko ein englischsprachiges Buch in der Deutschen Übersetzung zu kaufen. Viele Übersetzungen klingen nach Bablefish. Soweit ich das beurteilen kann ist die Übersetzung dieses Buches hingegen sehr sorgfältig gemacht worden. Dem Übersetzer Duo gebühren 5-Sterne. Das Original hat mich hingegen nicht restlos überzeugt.


The Rat: A Study in Behavior
The Rat: A Study in Behavior
von S. A. Barnett
  Taschenbuch
Preis: EUR 25,30

4.0 von 5 Sternen Wissenschaftlicher Klassiker mit bedingter Laientauglichkeit, 25. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Rat: A Study in Behavior (Taschenbuch)
Ratten sind das mit Abstand am besten untersuchte Tier. Die Suche nach einem guten populärwissenschaftlichen Werk sollte kein Problem ist. Werch ein Illtum. Sieht man von [1] ab, ist mir bisher nur dieses Buch untergekommen.
Das Buch ist wie die Dover-Series die photomechanische Reproduktion des Originals aus dem Jahr 1963. Es ist nur der Umschlag aus dem Jahr 2009. Wahrscheinlich ist das auch besser so. Der Verlag hat auf der Rückseite einen blamablen Fehler eingebaut: Aus der "Study" im Titel wurde eine "Sudy".
Barnett ist einer der führenden Rattenforscher. Er will mit diesem Buch the state of the art (im Jahr 1963) zusammenfassen. Das ist ihm, soweit ich das beurteilen kann, auch sehr gut geglückt. Das Buch wird in Publikationen und Internet-Beiträgen regelmässig als Standardwerk zitiert. Für einen interessierten Laien wie mich ist es trotzdem nur bedingt geeignet. Barnett diskutiert auch ausführlich methodische Fragen: Z.B. was versteht man unter "Hunger". Es werden auch alle möglichen Labyrinth-Anordnungen bis ins letzte Detail beschrieben. Als Laie erwarte ich eher, dass er den Disput der Fachkollegen auf die wesentlichen Aspekte zusammenfasst. Aber das Buch wurde auch nicht für einen interessierten Laien sondern für die Kollegenschaft geschrieben.
Das Werk beantwortet aber auch viele unter Laien diskutierte Fragen. Z.B. wird in der Rattenliebhaber-Literatur vielfach behauptet, dass Ratten die Information über Giftköder direkt in der nächsten Generation vererben. Barnett stellt ganz klar allgemein fest: "In any case, we are left with no grounds for believing in any Lamarckian effect on behavior".
Nachgewiesen ist hingegen, dass Ratten Geschmacksrichtungen bereits mit der Muttermilch mitbekommen. Auf diese Weise frühkindlich geprägt bevorzugen sie Mama's Speiseplan. Außerdem gehen junge Ratten mit erfahrenen auf Futtersuche. Sie wissen auf Grund des Geruchs genau was eine andere Ratte soeben verspeist hat (beim Menschen funktioniert dies nur bei Knoblauch einwandfrei). Zusätzlich nimmt eine Ratte von einem neuen Futter nur eine geringe Dosis zu sich. Sollte ihr dies nicht bekommen, meidet sie in Hinkunft diese Futterquelle. Man braucht keine Lamarkschen Wunder um die List der Ratten bei der Vermeidung von Gift zu erklären.

Aus wissenschaftlicher Sicht verdient das Buch mit ziemlicher Sicherheit 5 Sterne. Es ist aber für einen Laien eine relativ harte Kost. Wahrscheinlich ist es ungerecht, einem wissenschaftlichen Autor dafür einen Stern abzuziehen. Aber es ist halt doch nicht ganz mein Ratten-Traumbuch.

Empfehlen kann ich:
[1] R. Sullivan: RATS, A Year with New York's Most Unwanted Inhabitants.
Dieses Buch ist kein reines Rattenbuch. Ratten sind eher der Spiegel in dem der Autor seine Heimatstadt New York betrachtet und beschreibt.

P.S: Für zweckdienliche Hinweise auf ein aktuelles populärwissenschaftliches Werk wäre ich dankbar.


Analysis of Vertebrate Pest Control (Cambridge Studies in Applied Ecology and Resource Management)
Analysis of Vertebrate Pest Control (Cambridge Studies in Applied Ecology and Resource Management)
von Jim Hone
  Taschenbuch
Preis: EUR 43,06

4.0 von 5 Sternen Interessant, aber weniger wäre mehr gewesen, 9. Dezember 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe bei Prof. K. Sigmund Mathematik studiert. Sigmund ist einer der Pioniere der Theoretischen/Mathematischen Ökologie. Es hat mich interessiert wie diese Modelle auf die Schädlingsbekämpfung angewandt werden. Außerdem habe ich mich in letzter Zeit ein bisserl mit Ratten beschäftigt.
Es kommt in diesem Buch zwar eine niedrige Dosis Mathematik vor, dem Autor geht es aber um etwas anderes. Er ist Ökologe und kein Mathematiker. Sein Schwerpunkt ist die Bekämpfung von Wildschweinen in Australien. Er will seinen Ökologie-Kollegen wissenschaftlichere Manieren beibringen.
The aim of this book was to review critically the literature on the range of analysis used in vertebrate pest research ... Too many studies have reported data, done no statistical analysis and made important, but unjustified, management conclusions. My concern is that unanalysed results can evolve to become 'conventional wisdom'.

Zumindest im Deutschen leitet sich das Wort Schädling direkt vom (ökonomischen) Schaden ab. Laut Hone interessiert dieser Punkt die Forschergemeinschaft mit Abstand am wenigsten. Die Mentalität ist vereinfacht gesagt "Das Viech muss weg, koste es was es wolle".
Money may make the world go around but it has not been the driving force behind analysis of vertrebate pest control. Surprisingly few efforts at vertebrate pest constrol have involved even a cursory economic analysis ... The economic analyses that could be applied far exceed their application to vertrebrate pest control. It is my opinion that this situation has developed because of lack of effort rather than lack of relevance of analyses or the analyses being difficult to apply. The case studies described are not always supportive of pest control.

Wie viele Monografien leidet dieses Buch an einem schweren "For further details see XY" Syndrom. Teilweise liegt das bereits am Titel Vertebrate. Es gibt zu viele unterschiedliche Wirbeltier Schädlinge. Es ist unmöglich in einem Buch auf alle wichtigen Themen genauer einzugehen. Ohne es explizit zu erwähnen gewichtet der Autor stark in Richtung seines Spezialgebietes, den Australischen Wildschweinen. Z.B. findet sich nur ein kurzer Paragraph zum wichtigen Thema Resistenz gegenüber Giften:
The time for resistance to develop appears to be related more to the generation length of a pest than to the frequency of resistent genes and the the strength of selection (Dobson&May 1986). That is, resistance develops faster in species with shorter generation intervals.
Er beschreibt damit zwar allgemein das Problem bei der Bekämpfung von Ratten, geht aber nicht weiter darauf ein. Ratten haben eine Generationsabfolge von ca. 3 Monaten. Es braucht nur eine Base "umfallen" um gegen Antikoagulantien resistent zu werden. Ratten werden auch sehr heftig bekämpft. Eine resistente Ratte hat daher einen grossen Selektionsvorteil (Siehe Literaturhinweis unten). Bei Wildschweinen ist das Problem nicht so virulent. Man kann Wildschweine auch auf andere Arten bekämpfen. Im Gegensatz dazu sind Antikoagulantien die im Moment einzig effektive Methode zur Rattenbekämpfung.
Tatsächlich ist keinen Müll herumliegen zu lassen noch effizienter. Das fällt jedoch nicht mehr unmittelbar unter Schädlingsbekämpfung.
Wenn man Ratten vergiftet sammelt sich das Gift auch in Eulen an (Eulen sind ein wichtiger natürlicher Feind von Ratten). Laut dem Autor gibt es für derartige Effekte aber bisher keine brauchbaren Modelle.
There are many interesting areas for further research on the topic of modelling non-target effects on control. The
dynamics model of poisoning can include non-target effects but has not been used for that to date.

Der Autor ist kein kritischer Wissenschafter. Er stellt die Prämissen der Schädlingsbekämpfung nie in Frage. Ihm geht es rein um die Verbesserung der wissenschaftlichen Effizienz. Es stört ihn, wenn Kollegen unsystematisch arbeiten.
Tierschützer könnten das Buch aber auch quer lesen. Hone zeigt sehr präzise auf, wie wenig die Profession eigentlich weiss und auf welch wackeligen Fundamenten ihre Empfehlungen zur Schädlingsbekämpfung stehen.

Ich kann nicht beurteilen wie nützlich das Buch für einen Ökologen ist. Für einen interessierten Laien ist es zu fachspezifisch. Als Laie will ich vor allem nicht die Büchse der Pandora öffnen und hunderte Fachartikel nachlesen. Ich erwarte von einem Autor, dass er bereits den Spreu vom Weizen trennt. Das war nicht die Intention von Hone. Teilweise ging es ihm sogar darum die Finger in die Wunden von schlecht gemachten Arbeiten zu legen. Nach diesem Kriterium verdient das Buch eindeutig 5-Sterne. Es kann der Autor auch nichts dafür, dass das Buch in die falschen Hände geraten ist. Auf der anderen Seite will ich einem Werk das mich nicht wirklich überzeugt hat 5-Sterne geben und so habe ich mich nach längerem hin- und her auf 4-Sterne eingependelt.

Literaturhinweis:
Ein interessanter Artikel über die Resistenz bei Ratten ist
Pelz, H-J, Freise, J: Antikoagulantien-Resistenz bei kommensalen Nagern.


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