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Rezensionen verfasst von
Dr. Chrilly Donninger "vulgo Chrilly" (Altmelon, Waldviertel)

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Handbook of Brownian Motion - Facts and Formulae (Probability and Its Applications)
Handbook of Brownian Motion - Facts and Formulae (Probability and Its Applications)
von A. N. Borodin
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 181,89

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Perfektes Wissen perfekt verschlüsselt, 20. November 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Es hat mich unlängst ein befreundeter Hedge-Fond-Manager angerufen. Welche Verteilung hat der Maximale Drawdown einer Brownschen Bewegung? Ich würd sagen, der übliche Verdächtige ist die Gumbel-Verteilung, aber Genaueres weiss ich auch nicht. Ist aber sicher schon erforscht. Er weiss, wo es drinsteht. Im Handbook of Brownian-Motion. Das Buch steht am Institut f. Finanzmathematik in Wien. Er hat aber am Institut niemanden gefunden, der sich auskennt. Diese Herausforderung musste ich natürlich annehmen. Das kann ja nicht so schwer sein. Beim Anblick des Preises auf Amazon bin ich aber doch etwas verfallen. Ich habe das Buch daher relativ günstig antiquarisch erstanden. Laut Stempel stand es einmal in der Abteilung GME-OPL der Deutschen Bank, Alexanderstrasse 5, Berlin. Offensichtlich ist es den Quants der Deutschen Bank auch so wie den Wiener Finanzmathematikern ergangen und sie haben das Buch wieder zu Geld gemacht.
Ich bin nun der Dritte im Bunde. Normaler Weise find ich unter dem Mathematik-Klimbim relativ schnell was ich Suche. Aber dieses Buch konnte ich zumindest auf Anhieb nicht entschlüsseln. Es ist vom ersten bis letzten Satz vollgepackt mit hard-core Mathematik. Keine Zeile ist redundant. Tatsächlich ist viel Information ausgelagert. Man findet nur Hinweise auf weiterführende Literatur. Keine Ahnung, wo die Verteilung des maximalen Drawdowns steht. Ich bin aber sicher, dass es drinsteht. Es steht alles drin was man - zum Zeitpunkt der Publikation - über die Brownian wusste.
Einerseits bewundere ich die Autoren wegen ihrer Meisterschaft auf einem mathematisch und auch praktisch wichtigen Gebiet. Andererseits zeichnet sie eine absolute Unfähigkeit aus dieses Wissen in einer für Nicht-Spezialisten nachvollziehbaren Weise zu präsentieren. Dieses Buch ist nur für ein Dutzend von engsten Fachkollegen gemacht. Wahrscheinlich ist den Autoren auch nur die Anerkennung dieser Gruppe wichtig.
Obwohl sie im Vorwort zur 2. Auflage betonen: "It is our feeling that the first edition has been used, in some extend, for problems arising in financial mathematics. To meet better requirements from this field we have included in the theory part a new subsection on some recent results on geometric Brownian motion ...".
Es verkaufen auch sehr abgewandte Mathematiker unter dem Label Finanzmathematik ihre Leidenschaft. Man hat zumindest bis vor kurzem damit leichter Geld und Posten bekommen.
Ich würde aber ausschliessen, dass praktisch arbeitende Quants mit diesem Buch etwas anfangen können. Siehe die Geschichte meines Exemplars.
Die Beurteilung des Buches ist eine des Standpunktes. Aus rein mathematischer Perspektive verdient es auch 10 Sterne. Ein Handbuch sollte aber auch praktisch nutzbar sein. In dieser Hinsicht ist 1 Stern noch um 1 Stern zuviel. Ich habe mich für das Mittel aus diesen beiden Werten entschieden. Wer reinste Mathematik auf ihrem höchsten Niveau sucht sollte sich das Buch um jeden Preis zulegen. Wer ein praktisches Problem lösen will, für den ist die antiquarische Ausgabe noch immer zu teuer.
Im Gegensatz zu den DB-Quants werd ich das Buch aber nicht weiterverscherbeln. Ich habe den Traum, dass ich einmal der Dreizehnte bin, der es versteht.
Das Drawdown-Problem konnte ich aber lösen (siehe [1]). Für eine Brownian ohne Drift ist das Problem wegen des Reflexionsprinzips sogar relativ einfach. Mit Drift wird es ziemlich haarig.
Die Chrilly'sche Vermutung - es strebt gegen die Gumbel Verteilung - erwies sich auch als richtig. Das war aber relativ leicht, weil es nur 3 Kandidaten dafür gibt.
[1] Malik Madgon-Ismail, Amir F. Atiza et al.: On the Maximum Drawdown of a Brownian-Motion.


Heterogeneous Computing With Opencl
Heterogeneous Computing With Opencl
von Benedict R Gaster
  Taschenbuch

8 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gutes Buch, aber CUDA ist besser, 3. November 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe eine nichtlineare (und nicht konvexe) Portofolio-Optimierung mit Hilfe der Differential Evolution Heuristik geschrieben. Für ein typisches Problem benötigt ein Lauf 2 Stunden. Ich möchte die Laufzeit mit Hilfe der Parallelisierung in einer GPU auf unter 10 Minuten drücken. Es bietet sich dafür CUDA und OpenCL an. Zur Entscheidung dieser Frage habe ich mir für CUDA [1] (und [2]) zugelegt. Für OpenCL dieses Buch. Die Bücher sind ähnlich aufgebaut. Das erste Beispiel ist eine Vektor-Addition. Das ist quasi das GPU "Hello World". Der OpenCL-Kode ist ca. 10-Mal so lang. Das liegt nicht am Buch, sondern an OpenCL. Im Grunde ist meine Entscheidung damit schon gefallen.
Man muss auch den Open-CL Kernel Code Zeile für Zeile unter Anführungszeichen setzen. CUDA-Kode ist hingegen reines C mit ein paar zusätzlichen Keywords. Ich seh auch keine Notwendigkeit für die OpenCL Gänsefüsschen. Der Compiler kann auf Grund des Kontextes unterscheiden ob es sich um Host oder GPU Kode handelt. Wer sich das ausgedacht hat, dem fehlt jedes Empfinden für die Ästhetik eines Programmkodes. Ich finds jedenfalls abstossend.
Nach den Recherchen ist die CUDA in jeden für mich relevanten Aspekt besser. Die Entwicklungstools sind wesentlich ausgereifter und die Performance ist - bei nichttrivialen Anwendungen - um eine Grössenordnung besser. OpenCL wirbt mit der Platform-Unabhängigkeit. Es ist eine Art massiv-paralleles Java. Angeblich kann man damit seinen C-Kode auch auf FPGAs laufen lassen. Ich habe das massiv-parallele FPGA-Schachprogramm Hydra geschrieben und entwickle Computer-Tomographie FPGA Anwendungen. Diese Ankündigung ist eine reine Werbedurchsage. FPGA-Programme muss man immer noch in VHDL oder Verilog schreiben. Die Synthese von C-Kode funktioniert nur für triviale Probleme halbwegs. Es hilft einfach nichts: Man schreibt ein GPU (oder FPGA) Programm, weil es auf der CPU zu langsam läuft. Man will die speziellen Fähigkeiten der Hardware ausnützen. Das geht aber nur "down-the-metal" und nicht geräteunabhängig.
Im Grunde wird das offene und überall laufende OpenCL nur auf AMD Chipsätzen wirklich unterstützt. Es gibt auch eine NVIDIA Version. Die ist nach allen mir bekannten Benchmarks grottenschlecht. NVIDIA will wahrscheinlich nur den Fuss in der OpenCL Tür haben. Es gibt aber für NVIDIA keinen Grund OpenCL zum Durchbruch zu verhelfen.
Dementsprechend kommen die Autoren dieses Buches von AMD. Sie bringen ähnliche Beispiele wie im CUDA Buch. Sie kennen sich gut aus und haben auch eine gute didaktische Ader. Die Qualität der Darstellung ist in beiden Büchern gleich gut. Ich kann dieses Buch OpenCL-Interessierten nur empfehlen. Nur bin ich halt der Meinung, dass OpenCL zumindest im Moment keine reale Alternative zur CUDA ist. Es gibt aber auch andere Meinungen. Man sollte daher [1] und dieses Buch lesen und danach selbst seine Schlüsse ziehen.

[1] J.Sanders, E.Kandrot: CUDA by Example
[2] D.B.Kirk, Wen-mei W. Hwu: Programming Massively Parallel Processors

P.S.: Ich habe das Problem nun (6.12.2011) parallelisiert. Eine direkte CUDA-Portierung brachte auf einer nicht sehr leistungsstarken Silent-NVIDIA-GPU nur Speedup 1.1. Man kämpft - wenig überraschend - gegen die Memory-Latenz. Durch Cachen und entsprechende Umorganisation der Berechnung ist der Speedup der GPU-Routine 25. Die Gesamtanwendung ist natürlich nicht 25x so schnell geworden. Da kämpft man auch gegen Amdahls Law. Aber es erfüllt meine Vorgaben.
Kommentar Kommentare (7) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 10, 2013 9:31 AM MEST


CUDA by Example: An Introduction to General-Purpose GPU Programming
CUDA by Example: An Introduction to General-Purpose GPU Programming
von Edward Kandrot
  Taschenbuch
Preis: EUR 26,95

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gute Kursunterlagen, 29. Oktober 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich spiel mich schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken ein CUDA Programm zu schreiben. Bisher fehlte mir das passende Problem dafür. Ich habe aber nun eine nichtlineare (und nicht konvexe) Portofolio-Optimierung mit Hilfe der Differential Evolution Heuristik geschrieben. Die könnte einen Speedup brauchen und sollte auch parallelisierbar sein.

Im Vorwort schreibt BLAS-Papst J.Dongarra "This book is required reading for anyone working with accelerator-based computing systems". Wahrscheinlich kann man CUDA-Programming auch mit der sehr guten SDK-Dokumentation lernen. Dieses Buch ist aber sicher nützlich. Die Autoren beginnen wie es sich gehört mit "Hello World" und enden mit einem für massiv-paralles Computing garstigen Problem: Einer Hashtabelle. Das war eines der Hauptprobleme beim massiv-parallelen Schachprogramm Hydra (siehe [1]).
Die Beispiele sind sehr gut aufgebaut, die Autoren haben eine didaktische Ader. Nachdem sie aus dem CUDA-Developer Team stammen kennen sie sich auch aus. Bei massiv-paralleler Programmierung kämpft man immer gegen die Kommunikations- und Memory-Latenz. Wie beschäftigt man die im Überfluss vorhandenen Recheneinheiten? Ohne auf die - sich ohnehin ändernden - Details der GPU-Hardware einzugehen behandeln die Autoren diesen zentralen Aspekt mit steigenden Schwierigkeitsgrad. Um dann im Anhang am Beispiel der Hashtabelle aufzuzeigen, dass sich manche Probleme einfach nicht effektiv parallelisieren lassen (es gibt allerdings gefinkelte Lösungen für das Problem. Das würde aber den Rahmen eines Lehrbuchs sprengen).
Besonders gefallen hat mir, dass der Kode vollständig abgedruckt ist. Ich will nicht zwischen Buch und dem Bildschirm hin- und herspringen. Die Autoren kommentieren ihn auch mit Akribie.
Der Inhalt des Buches dient auch als (Video-)Skriptum für universitäre CUDA-Kurse. Die etwas flapsige Sprache ist diesem Zielpublikum angepasst. Mir gefällt der etwas subtilere Humor von D.Knuth besser. Die Autoren werden aber nie peinlich.

Sehr viele Programmierbücher sind heutzutage zu Bildl-Anklick Anleitungen verkommmen. Als Bücher- und Programmiernarr erfreut es mein Herz, dass noch richtige Bücher für richtige Programmierer geschrieben werden. Möglicher Weise liegt es daran, dass CUDA auch nix für Bildl-Anklicker ist.
Nachdem ein Problem vorhanden ist gibt es nach dem Studium dieses Buches keine Ausrede mehr die Ärmel hochzukrempeln und mit richtiger CUDA-Programmierung loszulegen. Werma segn obs was wird.
Ein sehr gutes weiterführendes Buch ist [2].

[1] Chrilly Donninger, Ulf Lorenz: The Chess Monster Hydra.
[2] D.Kirk, Wen-Mei Hwu: Programming Massively Parallel Processors.

P.S.: Ich habe das Problem nun (6.12.2011) parallelisiert. Eine direkte CUDA-Portierung brachte auf einer nicht sehr leistungsstarken Silent-NVIDIA-GPU nur Speedup 1.1. Man kämpft - wenig überraschend - gegen die Memory-Latenz. Durch Cachen und entsprechende Umorganisation der Berechnung ist der Speedup der GPU-Routine 25. Die Gesamtanwendung ist natürlich nicht 25x so schnell geworden. Da kämpft man auch gegen Amdahls Law. Aber es erfüllt meine Vorgaben.


London Days
London Days
Preis: EUR 20,88

4.0 von 5 Sternen Gefällt uns auch zu Hause, 28. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: London Days (Audio CD)
Ich bin durch Zufall auf die Blues Shacks gestossen. Es ist bei der Autobushaltestelle Zwettl ein Plakat "Kulturzentrum Hirschbach, 22.10.2011 Blues Shacks" gehangen. Nachdem meine Frau und ich alte Blues und Rock&Roll Fans sind, sind wir nach Hirschbach gefahren. Das Publikum war überwiegend in unserem leicht überwuzelten Alter. Es war auch der oldgirls Fanclub angereist. Es war ein sehr schöner Abend, wir haben uns wieder fast wie einst gefühlt und auch das Tanzbein geschwungen. In der Pause hat meine Frau diese CD besorgt.
Manchmal ist man dann zu Hause enttäuscht, weil die Konzertatmosphäre fehlt. Diese CD gefällt uns auch im Wohnzimmer. Sie ist auch momentan die Standard Auto-CD.
Die Blues Shacks spielen nicht nur "fetzig" (diese CD enthält aber meist relativ langsame Nummern), sie sind auch musikalisch auf hohen Niveau. Man merkt, dass die Gruppe seit Jahren eingespielt und mit Leidenschaft dabei ist. Es klingt alles sehr leicht und locker. Das ist das Kennzeichen von Können. Besonders der Pianist hat es uns angetan.
Mark Twain hat über die Musik von Wagner geschrieben: Solange sie nicht singen gefällt es ihm sehr gut. Mir gefallen die Blues Shacks auch am besten, wenn der Vocalist und Harmonica-Spieler Michael Arlt die Mundharmoniker bläst. Auf der Harmonica kommt er seinem Vorbild Sonny Boy Williamson nahe. Als Sänger überzeugt er mich nicht so (dasselbe könnte man auch von Sonny Boy sagen). Auf dieser CD singt Arlt meistens.
Meine Traumband wären die Shacks mit Michael Arlt Harmonica und noch einer guten Sängerin dazu. Wobei ich aber eine Vorliebe für weibliche Stimmen habe. Meiner Frau gefällt Arlt durchaus. Sie würde daher auch 5-Sterne vergeben. Es war auf alle Fälle ein schöner Zufall auf die Blues Shacks gestossen zu sein.


Ende des Gehorsams
Ende des Gehorsams
von Anneliese Rohrer
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

14 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Abendland-Untergangs Remix, 23. Oktober 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ende des Gehorsams (Broschiert)
Ich habe mir vor nicht allzu langer Zeit ein Probeabonnement der DiePresse zugelegt. Es stand zwar der eine oder andere interessante Artikel drinnen. Ich habe das Abonnement trotzdem nicht verlängert, weil es mir auf Dauer zu anstrengend ist jeden Tag zum Frühstück das Abendland vor dem Untergang zu retten. Die Dauererregung von DiePresse steht in einem eigenartigen Kontrast zum typischen hofrätlichen DiePresse Leser. Wahrscheinlich dient es dazu ein bisserl Adrenalin in ein sonst ereignisloses Leben zu bringen. Dieses Buch ist kondensierter DiePresse Alarmismus. Die Zivilgesellschaft steht am Scheideweg, es droht das Multiple Organversagen der Demokratie, es droht eine neue Diktatur (alles Originalausdrücke aus dem Buch). Belegt wird diese These durch aktuelle Umfragen und einer Fülle von Anschauungsmaterial zum schlampigen Umgang mit den Grundsätzen der Demokratie (es war aber auch der Austrofaschismus eine schlampige Diktatur).
Der erste politische Ausspruch den ich als kleiner Bub (Anfang der 1960er Jahre) bewusst wahrgenommen habe ist "A klana Adi gehörat wieda her". Der Spruch erregte mein Interesse. Ich durchkämmte vergeblich Tag für Tag die Zeitung meines Vaters auf der Suche nach dem "kleinen Adi". Ich lernte alle möglichen Politiker kennen, aber den "kleinen Adi" gabs trotz seiner Beliebtheit in meiner Umgebung nicht. Als ich verstand was gemeint war, verstand ich die Welt der Erwachsenen nicht mehr. Ich kann mich auch nicht errinnern, dass die Demokratie und die politischen Akteure damals besser gewesen wären. Ganz im Gegenteil. Die Missbrauchsfälle sind nur aus dem autoritären Geist dieser Zeit erklärbar. Ich bin im katholischen Kindergarten mit dem Rohrstaberl verprügelt worden, weil ich nicht beten konnte und wollte. Warum ist die Demokratie seither nicht schon x-Mal untergegangen, warum geht sie ausgerechnet jetzt unter? Es kreisen bei Rohrer die Abendland-Untergangs-Berge und gebieren am Ende eine Handlungsmaus: Der Citoyen soll die Polis retten, indem er Politikern die ihm über den Weg laufen seine Meinung sagt. Er soll ihm auch EMails schreiben. Er soll auf Facebook und Twitter seine Meinung kund tun. Es spricht nichts dagegen. Nur braucht man ein derartiges worst-case-Szenario als Motiviation um diese eher banalen Handlungen zu setzen? Verdient das wirklich den Ausdruck Mut oder ist es gar "Das Ende des Gehorsams"?
Anneliese Rohrer verwendet an meheren Stellen den Ausdruck "Blase" um die soziale Abkapselung z.B. von Politikern zu beschreiben. Bei ihr kann man eindeutig von einer DiePresse Blase sprechen. Wahrscheinlich sind im vorsichtl- und rücksichtl Milieu der DiePresse-Klientel derartig elementare Handlungen wirklich schon ein Akt von Heldentum. Wobei sich Madame Wehrhaft gleichzeitig in dieser Blase nicht sehr wohlfühlen dürfte. Ich nehme an sie hat einen protestantischen Hintergrund und es ist ihr die katholische Untertanen-Seele fremd. Sie betont im Buch mehrmals, dass sie den Hinweis auf den Katholizismus nicht mehr hören kann. Es ist in ihren Augen eine faule Ausrede.
Obwohl es die Autorin nie explizit ausspricht, hat der ganze Untergangs-Klimbim einen banalen Hintergrund. Die beiden traditionellen Volksparteien SPÖ und ÖVP zeigen unverkennbare Alterserscheinungen. Im Falle der SPÖ dürfte sich die Anteilnahme Rohrers in Grenzen halten. Bei der ÖVP tut es ihr aber weh. Noch dazu wo die Alternative H.C. Strache heisst. Rohrer ist hellsichtig genug, um dahinter keine Verschwörung zu sehen. Sondern ein Versagen der bürgerlichen Klientel. Die eigentliche Botschaft des Buches ist: Ihr Wappler wachts endlich auf und tuts was gegen den Aufstieg von H.C.
Man muss aber schon in der DiePresse Blase leben, wenn man einen eventuellen Wahlsieg der FPÖ und eine Regierungsbeteilung dieser Partei als das Ende der Demokratie sieht. Ich würde es als einen Prozess der demokratischen Normalisierung sehen. Ob was Besseres herauskommt ist eine andere Geschichte. Aber grundsätzlich ist ein Regierungswechsel noch kein Putsch.

Wie kann man sich als Citoyen tatsächlich in den demokratischen Prozess einbringen? In einer parlamentarischen Demokratie ist die Frage einfach zu beantworten. Indem man im Rahmen des Parteiensystems für eine Funktion in diesem System kandidiert und diese Funktion gemäss der Vereidungsformel "Nach besten Wissen und Gewissen" ausübt. Persönlich bin ich oppositioneller Gemeinderat in einer tiefschwarzen Waldviertler Gemeinde. Ohne meine Tätigkeit könnte die ÖVP machen was sie will. Stattdessen kann sie im Rahmen der Gesetze machen was sie will. Das ist ein Unterschied. So wurde die letzte Gemeinderatswahl auf Grund von Unregelmässigkeiten bei der Briefwahl vom Verfassungsgerichtshof annuliert. Die Wahlwiederholung brachte dasselbe Ergebnis. Aber die Niederösterreichische Wahlordnung wurde auf Grund dieses Spruches entsprechend reformiert. Ohne einen Sitz im Gemeinderat hätten mein Kollege und ich gar nicht die Möglichkeit (und auch nicht die Motiviation) gehabt das Vergehen beim VfGH einzuklagen. Im Waldviertel gegen die Schwarzen zu kandidieren dürfte aber doch etwas jenseits des Horizontes der DiePresse Leser sein. Die resolute Autorin kennt ihre Pappenheimer aus leidvoller Erfahrung und so kommt es im Einsatzplan zur Rettung der Demokratie auch nicht vor.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Dec 13, 2011 12:17 PM CET


FPGA Prototyping by VHDL Examples: Xilinx Spartan-3 Version
FPGA Prototyping by VHDL Examples: Xilinx Spartan-3 Version
von Pong P. Chu
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 87,40

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gutes zweites VHDL-Buch, 10. Oktober 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch setzt Grundkenntnisse in VHDL vorraus. Es ist keine systematische Einführung in VHDL (siehe Anmerkung 2). Das grosse Plus sind ausführliche und relativ komplexe Beispiele die man auf dem Spartan-Starter-Kit auch laufen lassen kann (ich hab das nicht ausprobiert). Ich kenne kein anderes Verilog oder VHDL Buch in dem der Praxisbezug so hoch ist. Das Buch ist damit - notwendiger Weise - nicht Platform unabhängig. Es geht von einem XiLinx Spartan Chip aus. Aber das ist halt so in der FPGA-Programmierung. Am besten haben mir die abschliessenden Kapitel über den PicoBlaze gefallen. Es gibt eine relativ gute Dokumentation von XiLinx zum PicoBlaze. Aber man erfährt im Buch doch einige zusätzliche Aspekte. Vor allem wie man den PicoBlaze im Rahmen eines Projektes einsetzt.
Diese Kapitel haben mir Lust darauf gemacht einen 16-Bit ChrillyBlaze zu entwerfen. Eigentlich war es umgekehrt: Ich träum schon länger von einem ChrillyBlaze und habe mir auch deswegen das Buch gekauft. Der ChrillyBlaze steht im Kopf schon. Ich müsst nur einmal ein bisserl Zeit für diesen Spass haben.

Wer die Anfangshürden von VHDL bereits hinter sich hat, den kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen.

Anmerkung 1:
Der Term "Prototyping" im Titel ist ein bisserl überholt. Einst hat man Sachen auf einer FPGA ausprobiert und dann in "richtiger" Hardware vulgo ASIC umgesetzt. Heute laufen auch sehr komplexe Anwendungen in FPGAs. Z.B. arbeite ich an FPGA-Anwendungen in der Computer-Tomographie. Der Spartan ist eine kostengünstige Alternative zu ASICs. Nur bei sehr hohen Stückzahlen oder sehr hohen Anforderungen an den Chip lohnt sich ein ASIC noch.

Anmerkung 2:
Die beste systematische Einführung in den Sprachstandard ist wohl:
P.J.Ashenden: The Designers Guide to VHDL.
VHDL ist eine Kombination aus einer High-Level Modellierungs-Sprache und einer synthetisierbaren Hardware-Description-Language.
Für meinen Geschmack trennt Ashenden nicht zwischen diesen beiden Ebenen. Es wird im Buch nie klar, was eigentlich in einer FPGA oder ASIC läuft.
Die Grenze ist allerdings auch nicht Teil des Standards und somit in jeder VHDL-Implementierung verschieden. Z.B. konnte in alten FPGAs eine Multiplikation nicht synthetisiert werden. In modernen FPGAs funktioniert dies - für bestimmte Bitbreiten der Operanden - schon.
Chu verwendet hingegen nur Konstrukte die in einer Spartan wirklich laufen.


Trading VIX Derivatives: Trading and Hedging Strategies Using VIX Futures, Options, and Exchange Traded Notes (Wiley Trading)
Trading VIX Derivatives: Trading and Hedging Strategies Using VIX Futures, Options, and Exchange Traded Notes (Wiley Trading)
von Russell Rhoads
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 52,44

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Solide Einführung, 5. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rhoads ist Lehrbeauftragter am Options-Institute der CBOE. Man merkt dem Buch diese didaktische Erfahrung an. Er kann sehr gut erklären. Manchmal überzieht er seine Didaktik-Bemühungen. Auch wenn es ein VIX-Einführungsbuch ist: Muss man dem Leser wirklich erklären, was der Dow ist?
Das Buch kommt ohne Mathematik und insbesondere ohne Black-Scholes aus. Der Autor hat aber relativ viel Material über und rund um den VIX gesammelt. Z.B. werden auch ETFs wie VXX und TVIX genauer beschrieben. Er geht auch relativ detailliert auf VIX-Futures und Optionen Trading Strategien ein. Der Intention des Buches entsprechend eher qualitativ und nicht wirklich analytisch. Aber er bietet zumindest interessante Anknüpfungspunkte für eine weiterführende Analyse. Es hätte ein bisserl mehr, ein bisserl genauer, sein können. Aber angesichts des vielen Mistes auf diesem Gebiet ist man schon über eine solid gemachte Einführung froh.


Enhanced Indexing Strategies: Utilizing Futures and Options to Achieve Higher Performance (Wiley Trading)
Enhanced Indexing Strategies: Utilizing Futures and Options to Achieve Higher Performance (Wiley Trading)
von Tristan Yates
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 50,26

1.0 von 5 Sternen Veralteter Blog, 5. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Autor ist ein relativ bekannter Finance-Blogger. Ich habe seine Ausführungen zu Leveraged-ETFs gelesen. Das war nicht so übel. Darum habe ich mir auch das Buch gekauft.
Was soll man zu einem Buch sagen, dass 2009 erschienen ist, dessen Zeitreihen aber alle im Dez. 2006 enden. Der Crash von 2008 kommt mit keinem Sterbenswort vor. Das hat seinen guten Grund. All die grossartigen Strategien mit märchenhaften Gewinnen wären 2008 mausetot gewesen. Man kann argumentieren: Das war halt ein Jahrhundert Tsunami. Da sind so gut wie alle Strategien abgesoffen. Die präsentierten Strategien wären aber im Juli/August 2011 schon wieder gekentert. Das war eher ein Gewitter wie es öfters vorkommt. So etwas muss eine spielbare Strategie schon aushalten.
Der Autor streut in seine Darstellung viele Gschichtln ein. Mit den Details nimmt er es dafür nicht so genau. Bei einem Blog ist das okay. Bei einem Buch nicht.
Besonders enttäuscht hat mich die Darstellung über Leveraged ETFs. Zu diesem Thema ist der Blog sogar ausführlicher und detaillierter als das Buch. Yates bezeichnet LETFs als money-trap. Das sind sie auf Dauer auch. Nur verschwindet Geld nicht. Wenn der naive Investor das Geld mit dem LETF versenkt, dann muss es eine Möglichkeit geben, dies auszunützen. Die Senke wird vom gefinkelten Investor zur Quelle umfunktioniert. Das ist der eigentlich interessante Aspekt von LETFs. Dazu findet sich aber im Buch keine Zeile. Entweder sind diese Strategien dem Autor nicht bekannt (eher ein Armutszeugnis), oder er will sie nicht bekannt machen. Dann soll er aber auch kein Buch schreiben und seine Geheimnisse zum eigenen Vorteil verwenden. Chrilly's Vermutung: Er ist ahnungslos.


ActiveBeta Indexes: Capturing Systematic Sources of Active Equity Returns (Wiley Finance)
ActiveBeta Indexes: Capturing Systematic Sources of Active Equity Returns (Wiley Finance)
von Khalid Ghayur
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 37,97

1.0 von 5 Sternen Produkt-Prospekt zu einem Buch aufgeblasen, 5. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der Inhalt des Buches ist normaler Weise ein 4-seitiger Produkt-Prospekt. Die Autoren haben den Prospekt durch gebetsmühlenartige Wiederholungen und durch grosszügiges Layout auf Buchformat aufgeblasen.
Die Idee ist simpel. Man sollte Firmen und somit Indexes nicht in Value- und Growth, sondern in Value- und Momentum einteilen. Wobei laut den Autoren herkömmlicher Weise Growth nur die Komplementarmenge von Value ist.
In the long run schlägt die Value die Growth Gruppe. So weit, so bekannt. In ihrer Klassifikation gibt es Value- und Momentum. Es kann ein bestimmtes Asset beiden Gruppen angehören. Sie nennen diesen Index ActiveBeta. ActiveBeta schlägt nach ihren Darstellungen praktisch immer das traditionelle Growth-Portfolio, in gewissen Zeiten aber auch Value.
Beim S&P-500 Growth ETF IVW ist dies auch tatsächlich der Fall. Die Autoren betonen im vorderen Teil des Buches, dass für das ActiveBeta Konzept der Russel-2000 besonders interessant ist. Ausgerechnet der IWO (Russel-2000 Growth ETF) fehlt aber bei der Gegenüberstellung von Active-Beta mit den herkömmlichen Growth-Indexes.
Die Erklärung für diese Unterlassung ist einfach. Beim IWO bricht das Konzept des gesamten Buches zusammen. Der Russel-2000 Growth Index ist nicht einfach das Komplement zum Value. Es ist ein Momentum-Index. Es gibt auch eine Reihe von Firmen, die sowohl im Value als auch im Growth vertretten sind. Die Autoren haben das Russel-Growth Rad neu erfunden und posaunen es als grosse eigene Leistung aus.
Es gibt ja viele schlechte Trader Bücher. Was mich an diesem Buch erschüttert hat: Der sehr renommierte Andrew W. Lo lobt es in einem eigenen Vorwort über den grünen Klee. Er ist mit den Autoren geschäftlich verbandelt. Hat man eine derartige Lobhudelei als renommierter Wissenschafter wirklich notwendig?


Efficient Asset Management: A Practical Guide to Stock Portfolio Optimization and Asset Allocation [With CDROM] (Financial Management Association Survey and Synthesis Series)
Efficient Asset Management: A Practical Guide to Stock Portfolio Optimization and Asset Allocation [With CDROM] (Financial Management Association Survey and Synthesis Series)
von Richard O. Michaud
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 44,62

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Geldsparender Hinweis, 5. September 2011
Es gibt einen guten Artikel der die im Buch propagierte Methode kritisch analysiert.
Bernd Scherer: Resampled Efficiency and Portfolio Choice.

Die Michauds haben sich bitter darüber beschwert, dass Scherer damit ihre Patentrechte! verletzt. Die Methode ist zwar ziemlich trivial und wurde auch nicht von den Michaud-Brüdern erfunden. Aber die beiden hatten die Chuzpe es als Patent anzumelden.
Nachdem ich das Buch nicht gelesen habe, habe ich für die Bewertung den Mittelwert auf Amazon.com genommen. Nach diesen Reviews und dem Scherer Paper zu schliessen, würde es aber keine 3 Originalsterne geben.
Chrilly's Tipp: Schont's eure Geldbörse und den Wald. Das Scherer Paper gibt es gratis am Netz. Es ist sicher besser als das Original.


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