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Rezensionen verfasst von
ArrowPen
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39 Stufen
39 Stufen
DVD ~ Robert Powell
Wird angeboten von malichl
Preis: EUR 6,87

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Herrlich altmodischer, typisch britischer Spionagethriller, 27. April 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: 39 Stufen (DVD)
Wer schon einmal von den 39 Stufen gehört hat, denkt vermutlich zunächst an Alfred Hitchcocks Film aus den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts. Tatsächlich basiert der vorliegende Film (wie auch Hitchcocks) auf einem Roman des schottischen Schriftstellers John Buchan, erschienen 1915 und ist wohl die bislang dritte Verfilmung der Romanvorlage.

Richard Hannay, seines Zeichens Bergwerksingenieur, aus Schottland stammend, aber überwiegend in Südafrika aufgewachsen, besucht nach langen Jahren einmal wieder die britische Heimat. Von Urlaub, jedoch, wird sein Aufenthalt weit entfernt sein, denn Scudder, ein Offizier des Geheimdienstes, der im gleichen Gebäude wohnt, bittet Hannay eines Tages um Hilfe - er wird von preußischen Schläfer-Agenten verfolgt. Wir schreiben das Jahr 1914 - Europa ist in Aufruhr und Franz Ferdinand noch nicht ermordet, dennoch riecht es nach Krieg.

Hannay gewährt ihm Asyl, und als er am kommenden Morgen am Bahnhof ein Ticket in seine Heimatstadt Strathallan/Schottland kaufen will, läuft ihm Scudder erneut in die Arme - er ist wieder auf der Flucht und will Hannay sein Notizbuch zustecken. Bevor er das jedoch tun kann, wird er niedergestochen und Hannay gerät unter Mordverdacht. Richard Hannay bleibt nichts anderes übrig, als zu flüchten - um seine Unschuld zu beweisen, muß er zunächst beweisen, daß Scudder ihn in Todesangst aufsuchte. Und er muß das besagte Notizbuch finden.

Seine Flucht führt ihn nach Schottland und wieder nach London, und allmählich wird die Zeit knapp - denn ein Anschlag soll verübt werden...

Der 1978 entstandene Film bewegt sich in einem wunderbar altmodischem Tempo und ist dennoch in keiner Minute langweilig. Wieder einmal brilliert Robert Powell mit seiner Nonchalance und seiner großartigen Stimme als in die Enge getriebener, grundanständiger Kerl, der zufällig in eine Intrige hineingezogen wird, was ihm mehr als einmal Heldenmut abverlangt.

Der Erfolg des Films zog eine kurzlebige Fernsehserie, "Hannay", nach sich (Ende der 80er Jahre), die allerdings vor dem ersten Weltkrieg spielt und ebenso charmant die "39 Stufen" daherkommt.
Die wenigen Makel, die ich in diesem Film entdecke, stellen einige kleinere Längen dar, die mir auffielen und die Spannung hier und da etwas reduzierten.
Ich denke jedoch, wer altmodische Krimis mag, eine Schwäche für britisches Understatement hat und Robert Powell gern zusieht, wird Spaß an diesem Film haben.
Im Übrigen wartet der Film mit großartigen Nebendarstellern auf, u.a. dem wunderbaren David Warner, Timothy West und Karen Dotrice.

Die Bildqualität der DVD ist in Ordnung, allerdings lassen die Sprachqualitäten zu wünschen übrig. Persönlich bevorzuge ich grundsätzlich den Originalton, dessen Lautstärke völlig von der deutschen Version abweicht. Und das Wendecover - ein nettes Gimmick - überläßt es dem geneigten Käufer, ob er ein nostalgisches Cover à la Mord im Orientexpress betrachten möchte oder das moderne, mit Powell im Vordergrund, bevorzugt.


Jesus von Nazareth [Blu-ray] [Special Edition]
Jesus von Nazareth [Blu-ray] [Special Edition]
DVD ~ Anthony Quinn
Preis: EUR 17,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Sine Qua Non - die Verfilmung des Lebens Jesu, an der sich immer noch alle messen müssen, 19. April 2015
Ich habe eine Weile überlegt, ob ich noch eine Rezension den bereits zahlreichen hier hinzufügen soll und mich dann doch dazu entschieden, schlichtweg, weil ich von diesem Film begeistert bin. Von der Blu-Ray - Umsetzung weniger, doch dazu später.

Als der Film 1977/78 weltweit im Fernsehen lief, war er ein Straßenfeger - ein Begriff, den man heute kaum noch verwendet, da wir in einer Zeit leben, in der man quasi alles aufzeichnen könnte und evtl. nur für die Fußball-WM am Fernseher bleibt. Damals jedoch blieb man zu Hause und schaute Jesus von Nazareth (in Deutschland allein ca. 40% der Zuschauer).

Ich selbst war zu jung, um die Geschichte im Detail zu begreifen (und vielleicht auch zu jung für die emotionale Wucht, die der Film mit sich bringt, und für die durchaus erschütternd zu nennende Kreuzigungsszene), doch ich erinnere mich noch, daß Robert Powell in der Titelrolle einen bleibenden Eindruck auf mich machte und ich später ein großer Fan seines Talents und seiner Arbeit wurde, was ich bis heute bin.
Auch wenn Technik und Art des Filmemachens sich sehr von den Siebziger Jahren unterscheiden, so bin ich der Meinung, daß Zeffirellis Jesus von Nazareth die eine Verfilmung ist, an der sich andere, spätere, immer noch messen müssen, denn sie besticht nach wie vor durch ihre intensive Charakterisierung der Titelfigur und der Menschen, mit denen Jesus in Verbindung kommt.

Robert Powell, damals außerhalb Großbritanniens weitgehend unbekannt, erzählte in einem Interview, daß er (bei seinen Vorbereitungen auf die Rolle, wie Schauspieler dies zu tun pflegen) vergeblich in den Evangelien nach Hinweisen gesucht habe, wer dieser Jesus eigentlich sei. Und es stimmt schon - wir erfahren in der Bibel von seinem Wirken, seinen Worten, seinem Leben, doch finden kaum Hinweise auf seine Gefühlswelt, was für einen Schauspieler maßgeblich ist. Wovor fürchtete er sich? Was machte ihn wütend? Schlief er gut oder litt er an Alpträumen ob seiner großen Aufgabe? Natürlich hören wir von den Evangelisten von Jesu Zorn im Tempel und seiner Angst vor seinem Schicksal, doch die alltäglichen, kleineren emotionalen Spitzen, die jeder von uns erlebt, bleiben unkommentiert, zumal sich die Chronisten auf das damals als Wesentlich empfundene beschränkten.

Umso mehr begeistert mich die überaus differenzierte Darstellung Powells, der sich in einen solchen Menschen (als Sohn Gottes auf die Erde gesandt, um sich letztlich wie ein Lamm zur Schlachtbank führen zu lassen) mit großer Sensibilität hineinversetzt und Nuancen erreicht, die ich nur selten so erlebt habe. In seinem Gesicht spielen sich Welten ab, und Zeffirelli arbeitet häufig mit Großaufnahmen, die Powells ungemein ausdrucksstarke Augen betonen, die gleichfalls in jeder Szene zeigen, daß sich viele Gedanken dahinter abspielen.

Wer des Englischen ausreichend mächtig ist, sollte sich die Originalfassung gönnen, denn sie ist ein Genuß, allein schon wegen Robert Powells Stimme. Er hat diese vollendet im Griff und setzt sie intensiv ein, was ich in der deutschen Synchronisation so nicht finde. Ich denke, es ist nicht eben einfach, in einem Studio die Emotion aufzuwenden, die z.B für die Kreuzigung erforderlich wäre. Als Schauspieler, der tatsächlich am Kreuz 'hängt', ist dies leichter zu bewerkstelligen. Ich will damit die Synchro-Arbeit der deutschen Truppe hier nicht entwerten, doch die Nuancen, die ich bei Powell finde, fehlen mir. Abgesehen davon empfinde ich seine Stimmfarbe als sehr angenehm und ausdruckstark, und sie geht einher mit der Beredsamkeit seiner Augen.

Daß diese Verfilmung damals ein Prestigeprojekt war, zeigt sich auch in der imposanten Besetzung - Michael York (Johannes der Täufer), Laurence Olivier (Nicodemus), James Earl Jones (Balthazar), der von mir sehr verehrte Peter Ustinov (Herodes der Große), Christopher Plummer (Herodes Antipas), Claudia Cardinale (Ehebrecherin), Anne Bancroft (Maria Magdalena), James Mason (Joseph von Arimathea) etc.. Ein Who is Who der internationalen Schaupielsszene. Teils sind es nur wenige Minuten, in welchen die Akteure zu sehen sind (z.B. die Cardinale), und doch zeigen allesamt eine Leidenschaft für ihre Rolle.

Insbesondere Michael York ist hier hervorzuheben, finde ich. Er berichtete in einem Interview, wie eingeschüchtert er zunächst von dem Gedanken, den Täufer zu spielen, gewesen sei. Seine Verantwortung sei nicht so immens gewesen, wie jene Robert Powells, da vom Täufer eher vage Vorstellungen existierten, wohingegen im Grunde ein jeder ein persönliches Konzept von Jesus im Kopf habe.

In seiner Autobiographie ("Accidentally on Purpose", jedem Filmliebhaber sehr zu empfehlen) beschreibt er mit feinem Humor Folgendes: 'Wir trafen uns am Ufer des Jordan, also an einem Strom nahe der Oase von Gabes (der Film wurde in Marokko und Tunesien gedreht), wo ich ihn im typisch Nord-Afrikanischen Wetter taufte, sonnig aber kalt. Ich zitterte in meinen Designer-Lumpen, glücklich, daß ich nur das Taufen zu übernehmen hatte und daß unsere Crew überwiegend aus Italienern bestand, so daß es ein Übermaß an heißer Pasta gab, eine klare Verbesserung gegenüber Heuschrecken.'

York liefert eine intensive, charismatische Darstellung ab, die sich neben Powells Jesus nicht verstecken muß. Das gleiche gilt für andere Schauspieler, wie Anne Bancroft, die gleichfalls eine sehr differenzierte Maria Magdalena gibt.

Gewiß weicht der Film an mancher Stelle von den Evangelien ab - z.B. in der von Ian Holm gespielten Figur des Zerah, die fiktiv ist, in der Geschichte des Judas (was meinem eigenen Verständnis jedoch recht nahe kommt, da ich Judas immer schon als sehr tragische Figur empfand), oder in der Vereinigung von Maria Magdalena und Maria von Bethanien zu einer Figur (Anne Bancrofts Rolle). Persönlich stört mich das überhaupt nicht. Nachdem die Forschung die Entstehung der Evangelien auf einen Zeitraum von ca 30 - 100 n.Chr. datiert, liegt es durchaus im Bereich des Möglichen, daß im Zuge von Traumabewältigung der Evangelisten, Verklärung, Stille-Post-Phänomen, Übersetzungsfehlern, etc. Manches anders dargestellt wurde, als es tatsächlich war, und Manches tatsächlich so gewesen sein könnte, wie Zeffirelli es beschreibt. In jedem Fall jedoch, so empfinde ich es, liegen die Abweichungen im Rahmen der psychologischen Entwicklungsgeschichte der Protagonisten und sind glaubhaft.

Was mich ferner begeistert, ist die Fähigkeit Zeffirellis, die Hitze und sandgetränkte Luft des frühen Israel spürbar werden zu lassen. Häufig ist das Bild diesig, Sand wirbelt durch die Luft, was die Szenen mitunter deutlich verändert (z.B. die Szene, in der die Jünger von ihren Erlebnissen berichten, nachdem Jesus sie ausgesandt hatte). Des Weiteren arbeitet Zeffirelli mit ikonenhaften Einstellungen, was Erinnerungen an die christliche Ikonographie früherer Jahrhunderte weckt. Man darf nicht vergessen, daß Zeffirelli vom Opernfach kommt und Bildsprache deswegen vielleicht intensiver einsetzt.

Um ein Langes endlich kurz zu machen - diese Verfilmung ist für mich die beste Darstellung des Lebens Jesu, die bisher entstanden ist.

Die Qualität der Blu-ray allerdings läßt zu wünschen übrig. Nicht nur, daß manche Szenen fehlen (wie bereits von Vorrednern ausgeführt), auch die Bildqualität ist dürftig. Ich bin mir im Klaren, daß Filmmaterial, das fast 40 Jahre alt ist, Spuren aufweist (andererseits - wie man z.B. bei Hitchcocks Die Vögel sieht - geht Restauration auch besser).

Wer den Film im Englischen Original ansehen möchte, dazu aber deutsche Untertitel benötigt, geht leider leer aus - es gibt keine. Allein in den Szenen, die dieser Fassung hinzugefügt, aber nicht synchronisiert wurden, sind Untertitel zu finden. Wer wenigstens ein wenig Englisch spricht, dem sei die Originalfassung empfohlen. Die Erstklassigkeit der Darsteller schlägt sich auch in ihrer Aussprache nieder - wo kein Genuschel, da besseres Verständnis, so daß jemand, der Englisch nicht perfekt beherrscht, durchaus viel verstehen wird.

Ich hoffe, wie wohl zahlreiche Vorredner auch, daß irgendwann einmal eine tatsächlich restaurierte Version dieses unvergleichlich beeindruckenden Films auf Blu-ray erscheint, bei der keine Szenen fehlen und die sowohl optisch als auch im Ton so qualitativ hochwertig ist, wie der Film selbst.


Harlekin
Harlekin
DVD ~ Robert Powell
Wird angeboten von Der Baum (AGB-Widerrufsbelehrung)
Preis: EUR 5,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Retro-Thriller, allein durch Robert Powell sehenswert, 11. April 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Harlekin (DVD)
Der australische Mystery- und Polit-Thriller Harlekin von 1980 spielt mit Motiven der Rasputin-Legende - ein geheimnisvoller Mann, Gregory Wolfe (Robert Powell) taucht im Hause eines australischen Politikers auf und heilt dessen an Leukämie erkrankten Sohn. Oder etwa nicht? Binnen kürzester Zeit gehört er zum Leben der Familie, nicht zuletzt, weil er das Vertrauen des Kindes gewinnt, dem er Zaubertricks beibringt. Mit seinem, sagen wir, ungewöhnlichen Auftreten gewinnt er jedoch nicht nur Freunde, und der geneigte Zuschauer rätselt, was es mit Wolfe auf sich hat.

Aber - sind es Zaubertricks? Oder sind gar höhere Mächte hier am Werk?

Der Film lebt zum Teil von seinem Retro-Charme, primär aber vom intensiven Spiel Robert Powells. Die übrigen Darsteller, darunter David Hemmings, wirken auf mich eher unbeteiligt, fast uninteressiert, und es fällt mir schwer, ihnen die erforderlichen Emotionen in einer Szene abzunehmen.
Powell wird zu Recht vor allem in Großbritannien für seine Darstellungskunst und ausdrucksstarke Stimme geschätzt, und ich denke, hierzulande ist er dem Publikum insbesondere durch seine unvergleichliche Jesus-Darstellung in Zeffirellis Verfilmung von 1977 in Erinnerung geblieben.
Mit seinem Gesicht und seinen Augen, die stets in Bewegung scheinen, beherrscht er den Film und rettet ihn. Drehbuch und Regie bleiben bestenfalls durchschnittlich. Ohne Robert Powell wäre der Film in meinen Augen leider sterbenslangweilig. In manchen Szenen fühlte ich mich an Das Omen erinnert, doch leider erreicht Harlekin nicht im Mindesten dessen Qualität.

Die DVD Umsetzung ist gleichfalls mittelmäßig. Ich bevorzuge prinzipiell den Originalton (nicht zuletzt wegen Powells Stimme), der hier sehr leise ausgefallen ist, wohingegen die deutsche Tonspur sehr laut und rauschend daherkommt. Man hat wohl vermutlich die Video-Qualität ohne Restauration gleich welcher Art auf DVD gebannt.
Dennoch habe ich, als langjähriger Fan von Robert Powell, Freude an diesem Film. Es ist ein Fest, ihm bei seinen Tricks zuzusehen, und er trägt selbst die lächerlichsten Kostüme mit großer Souveränität.


Vendetta Rider - Weg der Rache
Vendetta Rider - Weg der Rache
DVD ~ Tye Alexander
Preis: EUR 9,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bewegendes Roadmovie mit unterirdischem deutschen Titel, 7. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vendetta Rider - Weg der Rache (DVD)
Einmal mehr hat der deutsche Verleih gründlich mit dem Titel eines Films daneben gegriffen. Vendetta Rider läßt den unwissenden Konsumenten möglicherweise an einen dreckigen Rache-Thriller denken, und genau das ist dieser Film nicht, auch wenn er nicht ohne Gewalt auskommt.

Im Hintergrund steht durchaus die Tat des jungen Mohave-Indianers Robert Wolf, der, nachdem seine Mutter brutalst vergewaltigt wurde (und später ihren Verletzungen erlag), den weißen Täter vor etwa sechs Monaten zur Strecke brachte. Weil er es wagte, seine Mutter zu rächen und die Justiz in die eigenen Hände zu nehmen, ist er nun auf der Flucht. Und das war's dann auch mit der "Vendetta".

Der Film portraitiert einen jungen Mann, der einen starken Bezug zu seinen indianischen Wurzeln besitzt, der feinfühlig, humorvoll, aufrecht, liebevoll und mutig ist und sich ohne Aussicht auf eine faire Verhandlung durchzuschlagen versucht. Er hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und ist zu ehrlich, um einfach die Zeche zu prellen (was angesichts seines Motorrads und der riesigen Wüste, in der man problemlos verschwinden könnte, wohl keine große Sache wäre). Statt dessen macht er im Diner so lange den Abwasch, bis die Rechnung abgearbeitet ist (in dem Fall nicht einmal seine eigene).

Es ist ein einsames Leben. Nur gelegentlich kann er es wagen, bei seinem Vater, einem Stammespolizisten (eindrucksvoll wie immer: Wes Studi), oder bei seiner Großmutter, die er liebt und ehrt (eine ganz wundervolle Szene), aufzutauchen. Mehr durch Zufall freundet er sich mit dem gegensätzlichen Musiker Cash (Robert Homer Mollohan) an, und gemeinsam ziehen sie durch den mittleren Westen. Unterwegs verliebt Wolf sich in Magdalena (gespielt von Lisa Bonet, Momoas Ehefrau) und findet mit ihr für einen Moment Frieden. Wolfs Ziel ist es aber, die Asche seiner Mutter an einem heiligen Ort (einem See hoch in den Teton Range Bergen, an der Ostflanke der Rocky Mountains) zu verstreuen, um sie, entsprechend der Tradition, zu ehren.

Das FBI ist dem Flüchtigen auf der Spur und nicht bereit locker zu lassen. Es entsteht der Eindruck, daß hier ein Exempel statuiert werden soll. Ein Weißer (der Mörder der Mutter) kommt de jure davon, während der Eingeborene büßen soll.

Mit großer Sensibilität schildert Jason Momoa, der für Drehbuch, Produktion und Regie verantwortlich zeichnet, die Zustände in Indianerreservaten und beleuchtet die Mißstände und die Ungerechtigkeiten, die jenen, die vor dem Weißen Mann in Amerika lebten, immer noch widerfahren. Er ist dabei nie plakativ, sondern fordert den geneigten Zuschauer auf, zwischen den Zeilen zu lesen. Und in jeder Einstellung wird deutlich, so finde ich, wie sehr dieses Projekt Momoa am Herzen lag.

Mit einem Budget zwischen 500- und 600 000 $ (ein Betrag, der bei großen Blockbustern wohl die Portokasse darstellt) liefert Momoa einen in sich stimmigen, authentischen und bewegenden Film ab. In einem Artikel der New York Post wird berichtet, daß Momoa selbst Kameras und Ton-Equipment gekauft, einen Kredit aufgenommen und Freunde vom Fach gebeten habe, ihm beim Schnitt zu helfen. Unter anderen habe er Musiker belagert, um sie dazu zu bringen, Songs zum Soundtrack beizusteuern (und der ist in der Tat Sahne, passend eingesetzt und voller anrührender Texte). Es ist schon erstaunlich, daß ein Schauspieler, der in Hollywood, sagen wir, nicht ganz unbekannt ist, Schwierigkeiten hatte, einen Kostenträger für diesen Film zu bekommen.

Mit gutem Recht ist der Film erst am 16 Jahren freigegeben, zumal Gewalt, durchaus handfest, eine Rolle spielt, andererseits findet sich expliziteres Material in früheren Projekten mit Momoa, wie Game of Thrones oder Conan. Im Bonusmaterial findet sich eine Schlüsselszene des Films (die ich aus Spoiler-Gründen nicht näher beschreiben möchte), von der ich erwartet hatte, daß sie enorm brutal daherkommen würde. Statt dessen wird nur angedeutet, was geschehen wird (die Erklärung findet sich im Film selbst). Auch hier geht Momoa sensibel vor.

Ich bin von Jason Momoas Regiedebüt - Road to Paloma (so der Originaltitel) - überaus angetan und berührt. Schon lange verfolge ich die Laufbahn dieses Darstellers und war immer schon überzeugt, daß sich unter seiner hünenhaften Erscheinung ein sensibler Künstler mit starken Wurzeln verbirgt, und mit diesem Film stellt er das unter Beweis. Ich hoffe, daß er wieder Gelegenheit haben wird, einen Film zu gestalten, denn daß da ein großes Talent am Werke ist, zeigt der vorliegende Film in wunderbarer Weise.


Reign Stagione 01 [5 DVDs] [IT Import]
Reign Stagione 01 [5 DVDs] [IT Import]
DVD ~ Adelaide Kane
Wird angeboten von Topbilliger
Preis: EUR 38,59

10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Teen-Soap im Frankreich der Renaissance, 5. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Selten hat mich eine Serie so sehr enttäuscht wie Reign. Mein Eindruck ist, daß sie sich an junge Zuschauer richtet, die schon One Tree Hill oder Gossip Girl mochten, und vielleicht hätte ich die Finger davon lassen sollen... Nun ja, curiosity killed the cat....

Die Ausstattung und die Kostüme sind sehr schön (obwohl die Kostümbildner keine Vorstellung von der Mode jener Zeit zu haben scheinen, vielmehr kleiden sie ihre jungen Hauptdarsteller in einer Weise ein, die mir suggeriert, daß sie eine Renaissancemode zeigen möchten, wie eine Sechszehnjährige sich das vorstellen mag). Und auch die Aussage der Caterina de Medici-Darstellerin Megan Follows, Reign sei wie "24 für die prä-Renaissance" zeigt mir, daß hier kein Wert auf Nähe zur Geschichte gelegt wurde (daß die Darstellerin der Medici nicht einmal weiß, wann die Renaissance zeitlich eingeordnet wird, empfinde ich als peinlich. Wie sieht es da um die eigene Vorbereitung auf eine Rolle aus?).

Die Darstellerin der Mary, Adelaide Kane, bleibt blaß und vermag weder durch Körpersprache, noch durch Stimme, noch durch Schauspielkunst zu überzeugen. Auch Megan Follows, als Caterina, bleibt leider eindimensional, obschon sie sich mit großen Gesten und dramatischem Gesichtsausdruck große Mühe gibt, königlich zu wirken.
Allein Torrance Coombs und Toby Regno gelingt es, so etwas wie Charisma zu entwickeln. Coombs ist manchen vielleicht noch aus den Tudors in Erinnerung (eine Serie, die zwar auch häufig Soap-Charakter hatte, aber wenigstens durch eine Vielzahl hervorragender Darsteller punkten konnte!) und Regno besitzt in Darstellung und Gebaren etwas sehr Interessantes, was jedoch weiterer Entwicklung und Erfahrung bedarf.

Ich kann kaum glauben, daß man die Serie um eine dritte Staffel verlängern wird. Andererseits bestätigt es meinen Eindruck, daß wohl primär Teen-Soapfans, die z.B. Gossip Girl verschlungen haben, sich hier wiederfinden. Und bekanntermaßen machen Einschaltquoten das Programm. Bedauerlich, zumal andere Serien, die deutlich mehr darstellerische und historische Qualität besitzen (wie z.B. The Borgias) dann aus dem Programm genommen werden.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 19, 2015 7:44 PM MEST


Wolves
Wolves
DVD ~ Lucas Till
Preis: EUR 9,97

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Besser als man meinen möchte..., 5. März 2015
Rezension bezieht sich auf: Wolves (DVD)
Unter anderem interessieren mich Filme, die sich mit Übersinnlichem beschäftigen, auch mit übernatürlichen Kreaturen. Vampire, Werwölfe, Geister, die, wenn sie gut gemacht sind, gute Unterhaltung bieten. Da ich im Beruf mit einer Menge unerfreulicher Realität konfrontiert bin, freut es mich, wenn ich gelegentlich auf eine Genre-Perle stoße.

Wolves ist nicht wirklich eine solche Perle, aber er ist besser, als ich erwartet habe, was ich in erster Linie der Leistung der Darsteller zuschreiben möchte. (Zur Handlung muß an dieser Stelle wohl nichts mehr gesagt werden, da meine Vorredner dies bereits ausführten.)
Unter anderem sind Film-/TV-Urgesteine wie Stephen McHattie und John Piper-Ferguson mit von der Partie, deren ausdrucksstarke Gesichter der geneigte Zuseher bereits in unzähligen Filmen/Serien bemerken konnte, und sie bringen eine große Portion Klasse in dieses nicht-unbrutale Wolfsmärchen.

Der junge Hauptdarsteller Lucas Till entpuppt sich als mehr als nur ein blasser Twen - er bringt Authentizität und Spielfreude mit und spielt die Rolle des jungen Mannes, der plötzlich erkennen muß, daß er kein Mensch ist, für einen Darsteller seiner Jugend recht gut.

Und Jason Momoa wirft erneut sein gewaltiges Charisma in die Waagschale dieses Films. Es ist nahezu unmöglich, ihn nicht anzusehen, wenn er in einer Szene auftaucht, zumal er allein seiner Statur wegen schon unübersehbar ist. Leider wird Momoa, vielleicht aufgrund seiner bisherigen Filmauswahl, schauspielerisch immer noch unterschätzt. Nun, er ist kein Charles Dance, aber er zeigt in manchen Szenen (u.a. gegen Ende) eine Sensibilität, die seine darstellerische Leistung deutlich hebt. In Körpersprache und Stimme nimmt man ihm den Wolf jederzeit ab, er wechselt wie ein nervöser Wolf von einem Bein aufs andere, von einem Ellenbogen auf den anderen, nimmt mit der Intensität eines Wolfes Blickkontakt auf (Wölfe neigen dazu, einen Gegner zunächst in Grund und Boden zu starren).

Der Film bewegt sich irgendwo zwischen Drama, Soap und Gruselmärchen und will gar kein Shakespeare Drama sein. Wolves ist gewiß kein Film, den man gesehen haben muß, aber er macht durchaus Laune, obschon er mich am Ende unzufrieden zurückgelassen hat. Was wiederum an mir liegt, da ich mir ein anderes Ende erhofft hatte.

Kurzum - Wolves ist kein wirklich guter Film, dem man leider ansieht, daß es sich um ein Regie-Debüt handelt. Bisher trat Regisseur David Hayter eher als Schauspieler und Drehbuchautor auf, und es fehlt ihm an der notwendigen Erfahrung im Regiefach, die dem Film gut getan hätte. Aber, Wolves macht durchaus Spaß. Wer ohne großen Anspruch an diesen Film herangeht, wird vermutlich eine Filmlänge lang gut unterhalten sein.


Les Borgia et leur temps : De Léonard de Vinci à Michel-Ange
Les Borgia et leur temps : De Léonard de Vinci à Michel-Ange
von Claudio Crescentini
  Taschenbuch
Preis: EUR 28,79

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Katalog zur aktuellen Pariser Ausstellung, 2. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wer es, wie ich, nicht schafft, nach Paris zu fahren, um sich die Ausstellung über die Borgia und ihre Zeit anzusehen, findet in diesem, sehr schön gestalteten, Katalog zur Ausstellung ein wenig Trost.
Der großformatige Band fasst interessante Beiträge zu Hochglanzfotos der Exponate zusammen, wenn ich mir auch gewünscht hätte, mehr Alltagsgegenstände aus der italienischen Renaissance, bevorzugt aus dem Nachlaß der Borgia-Familie, zu sehen. Daß (so vermute ich) keine gezeigt werden, mag daran liegen, daß kaum ein Nachlaß, den man berühren könnte, geblieben ist, zumal nach dem Fall der Familie vieles durch die Hände ihrer Feinde ging und verschwand.
Der Ausstellungskatalog ist ein Schmuckstück. Und wenigstens ein kleiner Trost, wenn man nicht rechtzeitig nach Paris reisen konnte...


The Making of Gone with the Wind
The Making of Gone with the Wind
von Steve Wilson
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 50,46

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Liebevolle Hommage an einen Film der Filme, 2. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Vom Winde Verweht ist nach wie vor, auch nach Jahrzehnten, immer noch ein Meilenstein der Filmgeschichte. In diesem Bildband, der zahlreiche, bisher unveröffentlichte Fotographien enthält, kann der geneigte Cineast in der Entstehungsgeschichte des Films schwelgen. Den meisten Fans des Films wird diese bekannt sein, aber so schön und hochwertig sah man das Material bisher kaum verpackt.
Es ist ein Buch, das jeden Cent wert ist, und mit seinem großen Format und der hervorragenden Bildqualität ist es ein Schmuckstück für jedes Bücherregal. Bei mir liegt es allerdings auf einem Beistell-Tisch, wo es auch geschlossen einen eigenen Zauber entfaltet ;-).


Midnight [DVD] [UK Import]
Midnight [DVD] [UK Import]
DVD ~ Claudette Colbert
Wird angeboten von ZOverstocksDE
Preis: EUR 17,96

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Sternstunde der Screwball Komödie!, 2. März 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Midnight [DVD] [UK Import] (DVD)
Midnight ist eine echte Perle aus der goldenen Zeit der intelligenten Komödien des alten Hollywood.

Eve Peabody (die wunderbare Claudette Colbert), ein amerikanisches Tanzgirl, landet in Paris, nachdem sich in Monte Carlo "ein großes Unglück" ereignete: ihr Roulettesystem brach nämlich unter ihr zusammen, und sie sitzt nun am Pariser Bahnhof mit nichts als einigen Sous, einer Fahrkarte dritter Klasse und einem Abendkleid.

Aber Eve wäre keine Screwball-Heroine, wenn sie daraus nicht eine Menge machen könnte - sie schlägt dem Taxifahrer Tibor Czerny (der nicht minder großartige Don Ameche) ein Geschäft vor: für einen hervorragenden Fahrpreis soll er ihr helfen, in einem der zahlreichen Pariser Nachtlokale ein Engagement als Sängerin zu bekommen. Gemeinsam kutschieren sie also durch die Pariser Nacht, leider ohne Erfolg.

Dann mischt sich Eve unter die glanzvollen Gäste einer Soiree, wo sie dem etwas schrulligen Millionär Flammarion (Hollywood-Adel John Barrymore) ins Auge fällt, der ihr prompt eine große Chance anbietet: wenn sie den Liebhaber seiner Frau, den Gigolo Jacques Picot, für sich gewinnen könnte, werde Eve eine stattliche Summe erhalten. Natürlich willigt Eve ein, ist sie doch nach Europa gekommen, um sich einen reichen Mann zu angeln. Oder?

Eine Vielzahl von Verwicklungen, Überraschungen und Momenten großartiger Komik bescheren dem geneigten Zuschauer einen Mordsspaß! Der Wortwitz ist unvergleichlich, und es ist in der Tat ein Jammer, daß man heute nur noch selten ähnliche Komödien dreht.

Wer Freude am alten Hollywood, an intelligentem Witz und geschliffenen Dialogen hat und überaus sympathischen Schauspielern hat, sollte hier unbedingt zugreifen. Dieser Film ist sehr selten zu bekommen, und schon gar nicht für den günstigen Preis. Im deutschen Fernsehen lief er schon lange nicht mehr, und es ist schade, daß, meines Wissens, keine deutsche DVD vorliegt, denn bei diesem Film war die Synchronisation wirklich gelungen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 27, 2015 7:50 PM MEST


The Lost Sisterhood: A Novel
The Lost Sisterhood: A Novel
von Anne Fortier
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 26,57

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Alter Mythos im zeitgenössischen Gewand, 28. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nachdem ich bereits Anne Fortiers Erstling, Juliet, genossen hatte, freute ich mich auf ihr neues Buch und wurde nicht enttäuscht. Erneut hervorragend recherchiert und mit atemberaubenden Tempo entführt die Autorin den geneigten Leser in die Welt der Amazonen.

Zur Handlung, Vorsicht Spoiler:
Die Oxford-Akademikerin Diana Morgan, die in akademischen Zirkeln ihrer Amazonen-Leidenschaft wegen einen zweifelhaften Ruf genießt, hört von einer Grabung, die angeblich unwiderlegbare Beweise für ihre Thesen bringen soll. Fortan befindet Diana sich auf einer Schnitzeljagd, die sie nach Afrika, Kleinasien und Nord-Europa führt.
Auf einer zweiten Ebene bewegt sich die Geschichte einer Amazonen-Kriegerin und ihrer Schwestern, die in engem Zusammenhang mit Dianas Expedition steht.

Es gelingt der Autorin, den Amazonen-Mythos (und den Trojas) neu zu erzählen und interessante Fragen über Sinn und Unsinn unserer technisierten Zeit aufzuwerfen.
An mancher Stelle jedoch, und deswegen vier von fünf Sternen, erschien es mir, als wollte die Autorin mehr in die Geschichte hineinpacken, als es für diese verträglich war, weswegen die Zusammenführung der Erzählstränge mir eine Prise zu gewollt und nicht in Gänze organisch erschien. Vielleicht ist dies dem akademischen Hintergrund der Autorin zu schulden. Ferner bleibt die Sprache, welche die Protagonisten der Vergangenheits-Erzählung verwenden, überaus modern. Ich hätte mir gewünscht, daß Fortier das Vokabular ein wenig an das Altertum anpaßt.

Andererseits - konnte ich nicht aufhören zu lesen und habe den Roman an einem kalten Samstag verschlungen. Hier liegt die Kunst der Autorin - sie zieht den geneigten Leser in ihren Bann und beendet die meisten Kapitel mit einem "cliffhanger", der ein Weiterlesen erfordert. Ich hatte großes Vergnügen beim Lesen. Gerade ist die deutsche Ausgabe erschienen. Es bleibt zu hoffen, daß der Verlag sich bei der Übersetzung Mühe gegeben hat - allzu oft sinkt die Qualität eines Romans mit der Übersetzung.

Anne Fortiers nächster Roman (so erzählte sie in einem Interview) soll u.a. im Paris der Renaissance spielen. Man darf gespannt sein.


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