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Rezensionen verfasst von
Barbara D. (Wien)

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Querelle [FR Import]
Querelle [FR Import]
DVD ~ Brad Davis
Wird angeboten von CULTURE EMPIRE
Preis: EUR 23,62

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Top!, 19. Januar 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Querelle [FR Import] (DVD)
Sehr schnelle Lieferung, einwandfrei! Der Film selbst wirkt sehr künstlerisch (im besten Sinne des Wortes). Kein Illusionskino, sondern die Kulissen sind als solche erkennbar, eine recht artifizielle Welt. Das kann mit der Entstehungszeit des Films zusammenhängen (ich bin kein Cineast und kenne mich damit nicht so aus), aber es wirkt auf mich intellektuell interessant. Man taucht nicht in die Geschichte ein, sondern sieht sie sich an, wie auf einer Bühne, dadurch bleibt der Film merkwürdig kühl, trotz des heißen Subtextes. Die sexuellen Handlungen sind zwar da, aber sehr dezent, bleiben zumindest visuell nur Anspielungen - da sind die meisten der heutigen Mainstream-Filme expliziter. Aufmerksam wurde ich auf den Film durch das Warhol-Plakat, jetzt reizt es mich, auch das Buch zu lesen.

If I Sing
If I Sing
Preis: EUR 17,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Borchert at his best, 25. September 2010
Rezension bezieht sich auf: If I Sing (Audio CD)
Das Warten hat sich wirklich gelohnt, Borcherts bislang beste Solo-CD!
Musical-Highlights auf sehr individuelle und neue Art gesungen, mit jazzigem Unterton, mit einer Stimme, die förmlich in den Körper fährt. Das ist kein Schöngesang, sondern Spiel und Interpretation mit der Stimme, jede Figur erwacht dabei zum Leben.

Bekannte Stücke wurden neu eingespielt, mit neuem Arrangement und neuem Ausdruck. So ist beispielsweise die "Unstillbare Gier" die dritte Version, die ich von ihm auf CD habe, ganz anders als beim Jubiläumskonzert, das für mich immer noch die Maßstäbe setzt. Diesmal aber die Originalfassung, und trotz des Lamentierens zu Beginn fährt er auch hier wieder zu seiner vollen Kraft auf, vielleicht eine Spur weniger zynisch, aber trotzdem nicht schlecht. Weniger auffällig ist für mich der Unterschied zu früheren Versionen bei "Bring him home" oder "Schließ dein Herz in Eisen ein". Sehr gefreut habe ich mich, Lieblingsstücke das erste Mal von Borchert gesungen zu hören: "The Rum Tum Tugger" und "High flying adored", beides mit Ohrwurm-Qualität. Aber allein wegen vier Songs möchte ich diese CD auf keinen Fall missen:

"Sweet Transvestite" rockt, hier kommt das Arrangement voll zur Geltung
"Kitsch" ist bitterböse, das entschädigt mich fast für den fehlenden "Letzten Tanz". Nach diesem Song schließt man endgültig mit dem Sisi-Kult ab ;-)
"The kiss of the spiderwoman" ist eine bombastische Mischung aus Musical, Jazz und James Bond, vom Sound her könnte das der Abspann zu einem Blockbuster-Film sein
"The Phantom of the opera" hat mich absolut überrascht, obwohl einer meiner Lieblingssongs habe ich ihn noch nie in einer dermaßen packenden, perfekten Variante gehört. Kräftig und subtil zugleich, verführerisch, elegant und trotzdem gefährlich, gewalttätig. Ob ich jetzt noch die anderen Einspielungen genießen kann?

Borcherts Stimme schreit nach Orchester, er gefällt mir gerade da am besten, wo er laut und rockig sein kann. Und diese CD belegt einmal mehr, dass er ein Charakterdarsteller ist, je ambivalenter eine Rolle, je zwiespältiger und problematischer die Figur, desto interessanter wird der Gesang.

Absolute Kaufempfehlung!
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 5, 2011 11:12 AM CET


Tanz der Vampire - Das Musical - Gesamtaufnahme Live (inkl. Poster) - Doppel CD
Tanz der Vampire - Das Musical - Gesamtaufnahme Live (inkl. Poster) - Doppel CD
Preis: EUR 18,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Borchert TDV endlich komplett - und doch wieder nicht, 19. Juni 2010
Ich kaufte mir diese CD, weil ich unbedingt sämtliche Lieder des Grafen von Borchert gesungen haben wollte. Unter diesem Aspekt ist diese Fassung unbedingt empfehlenswert. Allerdings finde ich die Kürzung von "Wohl der Nacht" bedauerlich, in Hamburg war es nicht nur ironischer, sondern es waren wohl noch einige Zeilen mehr vorhanden (konnte ich leider nur auf Youtube finden). Auf der Jubiläums-CD Tanz der Vampire - 10 Jahre Das Jubiläumskonzert klingt der Graf wesentlich gefährlicher, allein die knurrende "Einladung zum Ball" finde ich dort um Klassen besser.
Borchert bleibt für mich DER Graf, seine Stimme ist unvergleichlich und er bringt ihn herrlich sarkastisch. Wenn man sich die CD aber so wie ich vor allem seinetwegen zulegen will, wäre die Jubiläums-CD die bessere Wahl, ergänzt um die beiden MP3-Downloads. Dann hätte man eine kraftvollere, erotischere, inspirierte und darum schönere Interpretation.

Liebespaarungen: Roman
Liebespaarungen: Roman
von Lionel Shriver
  Gebundene Ausgabe

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie zeigt man Charisma ohne Kitsch ? - Handwerklich toll!, 13. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Liebespaarungen: Roman (Gebundene Ausgabe)
In Bezug auf den Inhalt verweise ich auf die zahlreichen anderen Rezensionen. Was mich an dem Buch begeistert hat, ist die handwerkliche Umsetzung.
Zugegeben, der Roman liest sich nicht immer leicht, aber ich habe schon lange keine so gekonnte Figurenzeichnung erlebt. Vollkommen ohne Kitsch erschafft Shriver den charismatischen Ramsey, sie entwirft alle Figuren, bis hin zu den Nebenfiguren wie Irinas Mutter, ihre Schwester oder ihre beste Freundin mit guter Beobachtungsgabe. Mag sein, dass sie stellenweise in Klischees verfällt, aber nicht auf störende Art.
Im Mittelpunkt steht Irinas Beziehung zu zwei Männern, jeder auf seine Weise liebenswert und problematisch zugleich. Mir persönlich ging der perfekte Lawrence ja in beiden Handlungssträngen gehörig auf die Nerven. Aber Ramsey hat Nachwirkungen, sogar noch nach drei anderen Büchern ist er mir irgendwie gegenwärtig.
Ein Buch, das man nicht so leicht vergisst. Nicht wegen seiner Spannung, sondern wegen Figuren, die zum Leben erweckt werden, die den Leser bis über den Buchdeckel hinaus begleiten. Enttäuschend war für mich lediglich das Ende. Nicht der Inhalt an sich, der ist durchaus stimmig, aber dass die Autorin sich letztlich doch auf nüchterne Analyse beschränkt. Irina reflektiert ihre Wahl, ich hätte lieber mit ihr geweint.

Goldbrokat: Historischer Roman
Goldbrokat: Historischer Roman
von Andrea Schacht
  Gebundene Ausgabe

17 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Platte Figuren, und wo bitte ist die Spannung?, 18. Mai 2009
Gleich mal vorweg: Ich liebe historische Romane. Aber sie müssen auch gut geschrieben sein. Was hier geboten wird, ist allerdings Hausfrauenkitsch mit Schauplatz im 19. Jahrhundert. Dabei wäre der Plot sogar recht interessant, die Recherchen sind stimmig, und doch konnte ich nicht in den Roman abdriften.

Zwei Punkte muss ich der Autorin vorwerfen. Sie schafft es nicht, Spannung aufzubauen. Obwohl die Handlungsstränge geschickt verknüpft werden, ist die Handlung deutlich vorhersehbar. Warum soll ich mich durch 600 Seiten lesen, wenn ich bereits auf Seite 30 weiß, wie alle Figuren zueinander stehen, wie sich die Handlung auflöst, wenn keine Geheimnisse bleiben? Gelingt es Frau Schacht einmal, einen echten Spannungsbogen aufzumachen, hält sie das kaum zwei Seiten aus, ohne ihn sofort wieder zu schließen. Nett der Einfall mit Schiffsfahrten im Tornado, oder mit brennenden Häusern, Entführungen. Allein, man bleibt auf Distanz, zittert nicht mit. Nicht einmal schwere Schicksalsschläge konnten mir Tränen entlocken.

Nun gut, es gibt ja bekanntlich neben der Was-Spannung auch die Wie-Spannung. Aber dazu braucht es gute Figuren und innere Konflikte. Die Figuren sind aber das eigentliche Ärgernis. Platt, klischeehaft, undifferenziert. Die Heldin ist so unerträglich gut, klug, warmherzig, absolut ohne Makel. Und nebenbei unglaubwürdig, man denke an die Szene, als die Kinder einer großen Gefahr entkommen sind, und sie nicht einmal ansatzweise ausrastet. Oder wenn sie zwar mit der verlogenen Gesellschaft bricht, aber die Kinder durch Erbauungsliteratur auf den rechten Weg bringen will. Oder einem Mann, auf den sie durchaus nachvollziehbar wütend ist, nach einer einzigen Liebesnacht alles nachsieht und in eine gemeinsame Zukunft geht, als hätte es keine Verletzungen gegeben. Wen interessiert so jemand? Der männliche Held zeigt zwar Ansätze eines differenzierten Charakters, entpuppt sich aber schließlich als ebenso eindimensional. Der Bösewicht muss durch Wahnsinn entschuldigt werden, die Kinder sind mustergültig, ... Meine Sympathien konnten nur LouLou und Nona gewinnen, beiden ist es leider bestimmt, Nebenfiguren zu sein. Vor allem die Halbweltdame LouLou hätte das Potenzial zu einem spannenden Charakter gehabt. Aber vielleicht hätte ich mir vieles erspart, hätte ich gleich zu Beginn das Figurenverzeichnis am Ende des Buches gelesen. Was ist wohl zu erwarten, wenn ein Hauskater ohne weitere Fähigkeiten und Funktion als Hauptfigur geführt wird, und sogar Requisiten wie Raupen und Mäuse als Dramatis Personae bezeichnet werden? Wer das tut, hat das Wesen einer literarischen Figur gründlich missverstanden.

Von Unterhaltungsliteratur erwarte ich mir emotionale Beteiligung. Dieses Buch ließ mich jedoch völlig kalt. Den zweiten Stern gibt es nur für die Recherche.

Die Stimmen der Vergangenheit: Roman
Die Stimmen der Vergangenheit: Roman
von Elia Barceló
  Broschiert

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Langweilige Familiensaga, 10. Januar 2009
Der Klappentext weckt eindeutig falsche Erwartungen. Die Idee, eine Fantasy-Geschichte mit krimiähnlichen Zügen zu versehen, einen Geheimbund in den Teig zu mengen und ein paar historische Zutaten beizufügen, könnte ja an sich aufgehen. Allerdings fehlt es hier trotz der Genrebezüge deutlich an Spannung, es liest sich ziemlich langweilig.

Die potentiell spannende Handlung wird durch retardierende Momente (z.B. eine endlos erscheinende Tagebuchlektüre) sinnlos verschleppt. Figuren werden nicht richtig entwickelt und bleiben platte Klischees, die einzig einigermaßen interessant gestaltete lesbische Freundin der Heldin wird wie die meisten Figuren von der Autorin viel zu früh (und unschlüssig) fallengelassen. Die Männer sind reine Abziehbilder, Liebesbeziehungen wohl wichtig für den Roman, in der Umsetzung jedoch leere Klischees.

Von den Parallelwirklichkeiten werden drei betreten, lediglich in der ersten (Ritterwelt) gibt es so etwas wie Handlung, die zweite (Arkadien) ist für einen Nicht-Philologen ziemlich ermüdend, und die dritte (Karneval in Venedig) erwacht nicht einmal minimal zum Leben. Man könnte zwar mit gutem Willen einräumen, dass zumindest das literarische Genre (Ritterroman, Schäferdichtung) konsequent fortgeschrieben wird, aber die vielschichtigen Ebenen werden leider zu wenig für die Handlung genützt.

Die Kriminalstory versandet irgendwie, die Handlungsstränge werden nicht wirklich zu Ende geführt, sondern rasch hingeschludert. Ebenso spielt der Geheimbund keine nennenswerte Rolle.

Die Eindimensionalität der Figuren ist erschreckend, hier müsste doch gerade eine Philologin (Barceló ist Literaturwissenschaftlerin!) höhere Ansprüche stellen. Nichts wird konsequent weitergedacht, man erhält den Eindruck, dass der Autorin der Entwurf einer Idee reicht, sie aber nicht mehr an der Ausarbeitung interessiert ist.

Am ehesten lässt sich der Roman noch als Familiensaga lesen, man erwarte sich aber trotz der vorhandenen Ansätze keine Analyse der Probleme.
Insgesamt enthält der Text einige vielversprechende Ansätze, ist aber letzten Endes lau und enttäuschend.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 10, 2010 2:13 PM MEST


Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht - Roman
Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht - Roman
von Jakob Hein
  Gebundene Ausgabe

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geschichten in der Geschichte, 27. Dezember 2008
Auf den ersten Blick geht es um Boris, der eine Agentur für verworfene Ideen führt und eine zufällig hereingekommene schöne Frau unbedingt wiedersehen will. Bliebe es dabei, wäre es nur die Liebesbeziehung eines skurillen, ziemlich weltfremden Typen.
Aber Boris nimmt eine Form von Ideen nicht an, nämlich Romananfänge, da sie kaum verwertbar sind. Aus solch einem Romananfang entwickelt sich die zweite Geschichte, die wiederum nur der Rahmen für eine nächste ist ...
So richtig gut wird das Buch, wenn man zum innersten Kern vorstößt und eine Moderninisierung des "Faust" entdeckt. Ich fand es fast schade, dass dann alle einzelnen Rahmenhandlungen wieder geschlossen werden. Die äußere "Zwiebelschale" ist nach der Lektüre des Kerns nämlich ziemlich banal.

Semmlers Deal: Roman
Semmlers Deal: Roman
von Christian Mähr
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

4.0 von 5 Sternen Deal mit dem Universum, 27. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Semmlers Deal: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der schwerreiche Semmler lernt durch eine Zufallsbekanntschaft die Möglichkeit, mit dem Universum Deals abzuschließen kennen. Seine Wünsche werden immer größer, was auch seinen Einsatz entsprechend hoch treibt.

Mähr hält dabei stets die Balance zwischen Science fiction und Realismus, jeder Deal hält für den Uneingeweihten eine logische Erklärung bereit; einzig Semmlers Einstellung dazu lässt die Tauschgeschäfte als solche erkennbar werden. Dabei fließt auch eine realistische Beobachtung der zeitgenössischen Gesellschaft in den Text ein: um Beziehungen wirbt man nicht, sie sind Gegenstand eines Handels. Menschen werden ebenso gekauft, wie erfolgreiche Geschäftsabschlüsse. Der Faktor Zufall wird wie die soziale Interaktion durch ein Geschäft, einen Deal ersetzt.

Mähr verpackt das alles in einen Unterhaltungsroman, drängt dem Leser diese Gesellschaftskritik nicht auf, sondern jubelt sie ihm en passant unter. Sprachlich gekonnte Formulierungen machen das Lesen zum Vergnügen und das offene Ende fordert dem Leser eine eigene Position ab.

Insgesamt eine gute Unterhaltungslektüre mit interessantem Konzept.

Das römische Licht
Das römische Licht
von Evelyn Grill
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Recht auf das eigene Leben, 27. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Das römische Licht (Gebundene Ausgabe)
Eine Malerin befindet sich endlich als Stipendiatin in Rom, als sie ein Anruf ihrer Schwester nach Hause ruft: die Mutter liegt im Koma.
Ihre anfängliche Blockade wird durch die Männer und Frauen gleichermaßen faszinierende Fotografin Alma gelöst, während ein larmoyanter Schriftsteller, der die Künstler-WG komplettiert, vor allem die Problematik und Egozentrik des Künstlerdaseins veranschaulicht. Doch immer wieder drängt sich der Zwiespalt zwischen dem familiären Druck, die Mutter während der letzten Stunden zu begleiten (wobei die Dauer dieser Stunden keineswegs gewiss ist), und der einmaligen Chance für die Malerin, etwas für sich selbst zu tun, in den Vordergrund.

Es geht hier keineswegs nur um Selbstverwirklichung, sondern vielmehr um die Verantwortung für sich selbst. Erst vor diesem Konflikt kann die enttäuschende Mutter-Tochter-Beziehung aufgearbeitet werden. Grill zeigt sehr einfühlsam den Konflikt zweier Lebensentwürfe: die Schwester, die ihr Leben in den Dienst der Familie stellt, und die Malerin, die das Recht auf ihr eigenes Leben durchsetzt, leiden gleichermaßen. Trotz des Bemühens, das jeweils andere Konzept zu tolerieren, bleibt jeder irgendwie im Leid allein und muss seinen eigenen, individuellen Ausgang daraus finden.

Ein hervorragendes Buch mit brisanter Thematik und ohne vorgefertigte Lösungen!

Die Winterrose: Roman (Rosen-Trilogie)
Die Winterrose: Roman (Rosen-Trilogie)
von Jennifer Donnelly
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,99

11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Historienroman mit winzigen Mängeln, 27. Dezember 2008
Obwohl es sich bei "Die Winterrose" um die Fortsetzung von "Die Teerose" handelt, lässt sich dieses Buch auch problemlos als Einstieg lesen. Im Mittelpunkt steht die Liebesbeziehung des ungleichen Paares Sid Malone (Gangsterboss) und India Selwyn-Jones (idealistische, adelige Armenärztin), wobei es Donnelly gelingt, diese Beziehung nicht nur zu romantisieren. Ausgezeichnet dargestellt ist das Milieu in Whitechapel, dem Londoner Elendsviertel und der korrupten Politik, die mit Phrasendrescherei und Scheinlösungen unter den Arbeitern auf Stimmenfang geht. Überhaupt sehe ich in der Darstellung des Elendsviertels (realistisch aber nicht eklig) und in den politischen Anspielungen die Stärken des Buches. Die üblichen Topoi (starke Frauen, Liebeshandlung, Happy End nach zig Verwicklungen und Hindernissen) entsprechen dem Genre.

Erfreulich ist der Versuch, die Figuren einigermaßen differenziert zu gestalten, die Guten haben ihre Probleme mit der persönlichen Schuld und die Bösen sind durch ihre schreckliche Kindheit zumindest ansatzweise ambivalent dargestellt. Leider bleibt Donnelly dabei in den Ansätzen stecken, die Aufteilung gut-böse wird sehr schnell klar und auch nicht mehr in Frage gestellt. Wenn auch sympathisch aber nicht sehr überzeugend ist die Figur der kleinen Charlotte, die als Sechsjährige eine Einsicht und Abgeklärtheit beweist, die nicht einmal Erwachsene besitzen. Die gekonnte Erzähltechnik mit ihren geschickten Rückblenden und oftmaligen Perspektivwechseln geht dafür eindeutig über den Durchschnittshistorienroman hinaus.

Überflüssig ist die Afrika-Episode, die sich auch nicht so recht in den Gesamtzusammenhang fügen will. Sie bläst das Buch nicht nur unnötig auf, sondern stellt einen regelrechten Bruch dar. Auch den im zweiten Teil eingeführten Handlungsstrang mit Seamie und Willa finde ich äußerst entbehrlich.

Unnötig sind kleine Anachronismen, die bei einem Historienroman nicht vorkommen sollten. So wurde etwa der Pagenkopf von Coco Chanel erst 1916/17 kreiert und die Damen schnitten bekanntlich ihr Haar erst in den 20er-Jahren ab. Ebenso scheint die Autorin auch beim Alter des Bergsteigers George Mallory zumindest implizit etwas geschummelt zu haben.
Solche Mängel sind zwar ärgerlich, tun jedoch dem Lesevergnügen keinen Abbruch.

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