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Rezensionen verfasst von
Ejercito

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In the Mood for Love [2 DVDs]
In the Mood for Love [2 DVDs]
DVD ~ Maggie Cheung
Wird angeboten von Coconut99
Preis: EUR 29,98

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Klang der Liebe, 13. April 2009
Rezension bezieht sich auf: In the Mood for Love [2 DVDs] (DVD)
Chow Mo-Wan (Tony Leung Chiu Wai), ein freischaffener Schriftsteller und Su Li-zhen (Maggie Cheung), Sekretärin, zwei Nachbarn kommen sich, aufgrund der Abwesenheit ihrer Partner, langsam näher. Sie müssen aber diese romantische Beziehung vor ihren Partnern und verheimlichen. Das Schicksal nimmt seinen Lauf...

Kritik:
"In The Mood For Love" zeigt auf geheimnisvolle Art und Weise nicht greifbare Empfindungen der Darsteller: Chow Mo-Wan und Su Li-zhen spielen ihre Rollen feinfühlig, mit subtiler Mimik und Gestik. Das nicht zu befriedigende Verlangen nach dem Anderen - durch das eigene Gewissen, lässt soetwas wie Spannung entstehen. Der Zwiespalt und die Unentschlossenheit zwischen Anhalten an eigenen Prinzipien oder Hingabe der Gefühle. In einigen Szenen steht das Szenenbild im Kontrast zum Inhalt, und betont diesen geschickt dadurch. Der "Tratsch" und das gut gemeinte sich gegenseitige "Bewachen", der Nachbarn, belastet die Verliebten. Denn das Misstrauen der Mitmenschen ist es, das sie nicht brauchen. Hier wird deutlich, dass die Ehrlichkeit vor sich selbst nicht reicht für das Vertrauen der Anderen. Die Korrektheit sich selbst gegenüber ist nicht genug, wenn von außen die Eindrücke anders sind.

Die optische Aufmachung ist sehr ansehnlich. Die Wichtigkeit des ästhetisch-visuellen Aspekts spielt für die Wirkung dieses Films eine große Rolle. Die Kameraarbeit ist ausgezeichnet, die Bildaufteilung und Szenenbild sind
bedächtig gewählt. Bildausschnitte sind ungewöhnlich und doch überzeugend. Das Spiel mit der Schärfe und Unschärfe ist auch erwähnenswert, hier beziehe ich mich auf den Umgang mit Unschärfe im Vordergrund befindlicher Gegenstände. Man bedient sich also auch in Hong Kong des Splitscreens.

Die Drehorte, Szenarien und Requisiten sind einheitlich und klassisch. Die Kostüme und besonders die Kleider Su Li-zhens sind maßgeschneidert und unheimlich ansprechend. Alle sind in Handarbeit zu diesem Film entstanden. Aus dieser Aufmachung resultiert auch die nostalgische, etwas surrealistische Atmosphäre. Diese verträumte Stimmung versetzt den Zuschauer erfolgreich ins Jahr 1964 zurück. Hinzu kommt das, selten so ästhetisch gesehene, Rauchen von Zigaretten.

Die Musik von "Shigeru Umebayashi" untermalt die Melancholie des Films und betont die Leidenschaft der unterdrückten Liebe. Ein an den passenden Stellen immer wiederkehrendes Thema mit tragender Violinen-Melodie ist zum dahinschmelzen und mit schon fast schmerzender Intensität.

Etwas störend sind die Dialoge (zumindest im Deutschen). An einigen Stellen wird der (in jeder Hinsicht) latente Umgang dieser Liebhaber miteinander durch ungeschickt-direkte Sprache unterbrochen. Auch die Handlung lässt, wie auch deren Inszenierung zu wünschen übrig. Das künstlerische Ende und die visuelle Wirkung machen diese Schwächen fast wett.

In diesem Werk steckt noch wesentlich mehr Wong Kar-Wai drin als in dem nahtlos anschließenden zweiten Teil "2046" oder "My Blueberry Nights". "Der Klang der Liebe" als Untertitel täuscht als Zeichen für Kitsch. Darauf wartet man zum Glück vergebens.

Fazit:
Ein künstlerisch-melancholisches Liebesdrama. Visuell ausgereift, der Handlung fehlt es aber an Pepp. Subtile Erotik, latent aber dennoch ins Auge fallend. Arthaus-Kino made in Hong Kong.


Ploy - Arthaus Collection Asiatisches Kino
Ploy - Arthaus Collection Asiatisches Kino
DVD ~ Apinya Sakuljaroensuk
Preis: EUR 11,99

24 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Thailand-Kino im Vormarsch!, 22. Februar 2009
Restaurantbesitzer Wit (Pornwut Sarasin) und seine Frau Daeng (Lalita Panyopas) kehren zurück nach Bangkok, Thailand um zu einer Trauerfeier zu kommen. Vom Jetlag gequält, versuchen sie vor dem Morgen noch etwas Schlaf zu finden. An der Hotelbar lernt Wit die 19-Jährige Ploy (Apinya Sakuljaroensuk) kennen. Sie müsste in der Empfangshalle des Hotels noch einige Stunden auf ihre Mutter warten. Also schlägt Wit ihr vor, sich in seinem Hotelzimmer frisch zu machen und etwas zu schlafen, ohne seine Frau jedoch davon in Kenntnis zu setzten. Sie ist von Wits Bekanntschaft sichtlich nicht begeistert und so ist Ploy Auslöser für den Beginn einer Ehekrise.

Trotz der Spannung wird der Film langsam erzählt und es wird darauf verzichtet den Film mit unzähligen Ereignissen zu füllen. So entsteht ein ganz neues Gefühl für den Zuschauer, denn er erlebt Geschichte wie in Echtzeit mit, etwa fünf schlaflose Stunden mit Jetlag auf dem Hotelzimmer.
Parallel zur Handlung verläuft noch ein weiterer Handlungsstrang in dem das Zimmermädchen Tum (Porntip Papanai) und der Barkeeper des Hotels (Ananda Everingham) sich zu erotischen Spielen in einem der leeren Hotelzimmer treffen. Diese Nebenhandlung ist wie ein Kontrast zu der emotionslosen Ehe der sieben Jahre Verheirateten.

Auch wenn der Film zu Anfang etwas unzugänglich scheint, trügt dieser Schein. Wenn man sich auf die meditativen Bilder, den Erzählstil, die ruhige Art und vor allem auf die Umgebungsgeräusche und das Grundrauschen einlässt, dann stellt man fest, dass dieses Unperfekte "Ploy" erst das gewisse Reale verleiht, das bei der aufpolierten Hollywoodwelt nur noch selten zu finden ist.

Die Charaktere sind wunderbar gezeichnet, ohne sie viel sprechen zu lassen, entsteht für den Zuschauer ein klares Bild jeder einzelnen Figur. Das ist in erster Linie Verdienst der Schauspieler. Insbesondere Ploy, als lebhaftes, aber müdes junges Mädchen scheint wie für diese Rolle geschaffen. Ihre eigenwillige, dann wieder einfühlsame Art zeichnet ihren Charakter aus. Auch das Paar spielt ausgezeichnet und das brillante Zusammenspiel der beiden unterstreicht noch einmal die Glaubwürdigkeit der gebrochenen Beziehung.

Ein weiterer Punkt, der diesen Film auszeichnet ist die Feinfühligkeit von Regisseur "Pen-Ek Ratanaruang" und seine minutiösen Beobachtungen aus dem Leben:
(In der Bar in der Wit sich mit Ploy bekannt macht, hören die beiden Musik über Kopfhörer. Man sieht die beiden, wie sie pantomimisch sich zur Musik bewegen, mitsingen, und hört, was sie hören. Dann wechselt das Bild zum Barkeeper, die Musik noch für hörbar. Der Barkeeper fängt an - ohne für uns ersichtlichen Grund - in sich hinein zu lächeln. Das Szenenbild wechselt wieder zu Ploy und Wit, nun aber aus Sicht des Barkeepers. Die Musik vergeht im Moment des Szenenbild-Wechsels. Jetzt verstehen wir erst warum der Barkeeper lachte.)
Pen-Ek Ratanaruang zeigt uns so auf eindrucksvolle Weise wie einfach falsche Auffassungen oder Missverständnisse entstehen können und wo sie entstehen.

"Ploy" bedient sich auch des Stilmittels der Verwirrung, indem zwischen Traum und Realität nicht immer gleich unterscheiden werden kann. So bleibt es durchgehend spannend bis zur letzten Minute. Unkonventionelle Kameraführung und Schnitt sind weitere Eigenschaften des Films. Durch besagte Kameraführung scheint es zwar wie eine Low-Budget Produktion. Gleichzeitig wird so aber der Fokus auf bestimmte Details gerichtet und man hat mehr dieses Mittendrin-Gefühl. Das führt so weit, dass dies einer dieser Filme ist, denen man mit starrem Blick ohne Augenzwinkern folgt, um nicht das kleinste Detail zu verpassen. Durch die Eigenwilligkeit ist "Ploy" als gelungenes filmisch-künstlerisches Experiment zu sehen. Arthaus-Kino eben.
Als kleiner Kritikpunkt ist zu erwähnen, dass der Film technisch etwas unausgereift wirkt.

Fazit: Ein ruhiges Drama (das etwas Eingewöhnung bedarf) mit überzeugenden, passend besetzten Darstellern. Eine spannende, wie aus dem Leben gegriffene Geschichte. Ernst, dann traurig, aber niemals verbittert, die Hoffnung schimmert immer ein wenig durch.


Die Hochstapler
Die Hochstapler
DVD ~ Silvia Koller

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Hochstapler, 25. Januar 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Hochstapler (DVD)
"Die Hochstapler" ist eine Dokumentation. Wohl der Film schlechthin über echte Betrüger mit echten Betrügern, welche aus ihrem Leben erzählen. Trickbetrüger aus dem wahren Leben und nicht der künstlich geschaffenen Hollywoodwelt.
Alexander Adolph porträtiert vier Trickbetrüger. Das erstaunliche ist, wie viel er diesen Protagonisten aus ihrem Leben zu entlocken vermochte. Immer im Wechsel sprechen die Betrüger über ihr Leben, die Ursachen für ein solches Verhalten, den Folgen des Lügens und den aus ihren Erfahrungen resultierenden Konsequenzen.

Die dokumentarische Nüchternheit die dieser Film an den Tag legt, ist sicher ein weiteres wichtiges filmprägendes Stilmittel nach den aufschlussreichen tiefgründigen Monologen der Interviewten. Alexanders ausgereiftes Drehbuch analysiert das Verhalten eines Hochstaplers bis ins Detail. Es wird über Fähigkeiten gesprochen die so ein Mensch haben muss: Überzeugungskraft, psychoanalytisches Wissen, innerliche Verschlossenheit, Skrupellosigkeit so auch schauspielerisches Talent und Ideenreichtum.
Wir lernen, dass unsere Protagonisten im Grunde keine glücklichen Menschen sind und dass sie andere moralische Ansichten vertreten. Es wird uns mehr über Menschen verraten als wir eigentlich wissen möchten.
Gerade dass die Betrüger nicht zum Sympathisanten gemacht werden, wozu sie wenn man sie nicht nur oberflächlich darstellt auch nicht gemacht werden können, ist gut. Kein anderer mir bekannter Film geht so eindringlich auf die Mechanismen des Lügens ein.

Filmoptisch betrachtet ist hier nichts ausgereift. Es gibt, zum Glück, zwar keine Wackelkamera, aber in Zeiten hochentwickelter technischer Standards, fällt das deutlich auf. Das lässt den 2007 erschienenen Film leicht betagt aussehen. Bei einer Dokumentation wie dieser ist das freilich zweitrangig zu sehen.

Fazit: Nüchtern erzählte, vertrackt-heftige Betrüger-Geschichten. Fesselnd bis zur letzten Minute, informativ, unterhaltsam, aber gewiss keine leichte Kost.


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