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Rezensionen verfasst von
Yvonne S.

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Karl  -ausgeliefert
Karl -ausgeliefert
von Bernhard Giersche
  Taschenbuch
Preis: EUR 13,50

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein genialer und rasanter Thriller - lesenswert!, 12. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Karl -ausgeliefert (Taschenbuch)
Zum Inhalt (in eigenen Worten):
Alles beginnt mit einer spektakulären Entführung. Das Opfer: Karl Grothner - Multimillionär und Chef von "Grothner Solutions", einem Imperium mit mehr als zehntausend Angestellten. Ein Kleinkrimineller landet den vermeintlichen Coup seines Lebens doch dann kommt alles anders als geplant, die Karten werden neu gemischt und ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel beginnt ...

"Das Spiel ist zu Ende, wenn ich sage, dass es zu Ende ist!"

Gestaltung, Stil, Leseeindruck (eBook Kindle ISBN: 978-3-943795-97-4, Begedia-Verlag, 2014):
Im Rahmen einer Leserunde, die vom Autor selbst ins Leben gerufen wurde und die er sehr intensiv begleitet hat, entpuppte sich dieser Thriller als ein kleines Juwel. Zwar war mir der Autor Bernhard Giersche bereits aufgefallen ("Das letzte Sandkorn", 2013 erschienen, hatte mein Interesse geweckt), doch hatte ich weder sein Erstlingswerk noch irgend etwas sonst von ihm gelesen. Definitiv wird sich das nun ändern, denn Giersche konnte mich sowohl mit "Karl -ausgeliefert-" als auch mit seiner äußerst sympathischen Art überzeugen.

Was dem Cover meiner Meinung nach etwas an Würze fehlt, gleicht der Inhalt doppelt wieder aus. Von der ersten Seite an, versteht es der Autor den Leser zu fesseln. Die angenehme Länge der Kapitel, die aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt werden, die eingeschobenen mit "Keller" betitelten Abschnitte, die gleichermaßen neugierig machen wie auch Fragen aufwerfen, der flüssige Schreibstil, der wohl durchdachte, intelligente Plot und nicht zuletzt die besonderen Charaktere bilden in der Summe eine richtig gute Mischung. Giersche beherrscht sein Handwerk!

Doch was genau macht diesen Thriller denn jetzt zu einem Juwel?
Da ich nicht näher auf den Inhalt eingehen möchte (zu groß ist die Gefahr zu viel vorwegzunehmen) ist es schwer diese Frage zu beantworten. Doch eine Besonderheit sei hier erwähnt: Die Hauptprotagonisten sind ungewöhnlich, allen voran der Protagonist Karl Grothner. Er ist nicht nur das Entführungsopfer, sondern auch extrem manipulativ, berechnend und vor allem ein Psychopath. Giersche führt ihn gekonnt ein und dem Leser wird sehr schnell klar: Dieser Mann ist ein Scheusal, das seinesgleichen sucht. Damit entzieht Giersche dem Opfer von vornherein jeglichen Mitleidsbonus und verkehrt die "normale" Rollenverteilung ins Gegenteil. Karl stößt ab und doch auch wieder nicht, denn man kann nicht umhin, ihn für seine Intelligenz und sein Durchsetzungsvermögen zu bewundern. Er polarisiert extrem, was in unserer Leserunde sehr deutlich wurde. Aber auch einige andere Charaktere sind genial ausgearbeitet und entwickeln sich teilweise unvorhersehbar.

Was bringt den Thrill bei dieser Geschichte?
Selten habe ich beim Lesen so oft gedacht: "Wie jetzt?!" Immer wieder lockt Giersche den Leser auf eine falsche Fährte, spielt mit Hinweisen und Andeutungen, nur um dann das Ruder wieder herumzureißen. Wer ist das Opfer, wer der Täter und wer besteht den Kampf am Ende? Und auch wenn ich zwischenzeitlich hier und da eine vage Ahnung hatte, blieb der Schluss - zumindest für mein Empfinden - unvorhersehbar. Ein wichtiger Punkt für einen guten Thriller.

Was gibt es auszusetzen?
Ein winziger persönlicher Kritikpunkt bleibt: Die Besonderheit des Protagonisten - seine ausgeprägte dissoziale Persönlichkeitsstörung - hebt diesen Thriller einerseits von der breiten Masse ab, andererseits kann dieses Krankheitsbild (wenn man es so nennen darf) einen Laien auf diesem Gebiet auch ein wenig überfordern oder zumindest verwirren. Und Karl ist nicht die einzige gestörte Persönlichkeit in diesem Buch (mehr möchte ich aber nicht verraten). Giersche hat dieses Thema allerdings sehr gut recherchiert, was man deutlich merkt. Im Nachwort geht er explizit darauf ein. Um mit seinen Worten zu sprechen: "Es gibt nichts, was es nicht gibt, die Realität beweist das stets aufs Neue."

Was bleibt?
Ein Lesevergnügen, das auch nach dem letzten Kapitel noch Raum für Spekulationen bietet. Das Buch lässt einen so schnell nicht los. Den zartbesaiteten Gemütern sei eine kleine Warnung ausgesprochen. Neben Spannung und Nervenkitzel kommt der Ekelfaktor bei "Karl -ausgeliefert-" nicht zu kurz.

Fazit:
Insgesamt ein rundum gelungener Thriller mit durchweg hohem Spannungsfaktor und überraschenden Wendungen sowie einzigartigen Charakteren. Zu keiner Zeit gab es Längen.
Schon jetzt bin ich sehr gespannt auf die Fortsetzung und bin sehr froh darüber wieder einen neuen deutschen Autor für mich entdeckt zu haben. "Das letzte Sandkorn" ist bereits bei mir eingezogen.


Der Totschläger: Thriller (Ein Hunter-und-Garcia-Thriller, Band 5)
Der Totschläger: Thriller (Ein Hunter-und-Garcia-Thriller, Band 5)
von Chris Carter
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nervenkitzel pur – unbedingt lesen!, 21. Juni 2014
Zum Inhalt (in eigenen Worten):
"Ich brauche Ihre Hilfe. (...) Sie können entscheiden, wie er sterben soll." Mit diesem Telefonanruf bei Detective Robert Hunter beginnt ein grausames Katz-und-Maus-Spiel um Leben und Tod. Der Anrufer, ein vermeintlich verrückter Psychopath, überträgt seine Morde live im Internet und lässt die Zuschauer darüber abstimmen wie das Opfer sterben soll. Der Mörder ist clever, seine Spuren verwischt er gekonnt und die Opfer wählt er scheinbar ohne besonderes Muster. Mit Hilfe des FBI machen sich Hunter und sein Partner Garcia auf die Jagd nach dem Mörder, doch die Uhr tickt und das nächste Opfer ist bereits auserkoren ...

Gestaltung und Leseeindruck:
Die Covergestaltung ist absolut ansprechend und hat einen hohen Wiedererkennungswert, wenngleich ich den Titel "Der Totschläger" absolut unzutreffend finde. Hier gefällt mir die Originalversion "One by One" viel besser und bezogen auf den Inhalt ist sie auch treffender, denn im Buch (ich denke soviel kann ich verraten) wird niemand totgeschlagen. Der Klappentext ist ein wenig nichtssagend aber zumindest offenbart er nicht zu viel vom Inhalt. Lobenswert finde ich, dass nicht reißerisch beworben wird, was der Autor bereits verfasst hat. Lediglich ein kurzer bildlicher Vermerk des Vorgängers mit dem Hinweis auf den Spiegel-Bestseller zieren die Rückseite.

"Der Totschläger" ist bereits der fünfte Fall für Detective Robert Hunter von Morddezernat I. Gemeinsam mit seinem Partner Carlos Garcia ist er auch dieses Mal wieder auf der gnadenlosen Jagd nach einem Mörder in L.A.. Neben Hunter und Garcia sowie den bereits bekannten Personen aus den vorangegangenen Fällen tritt hier erstmals eine FBI-Ermittlerin in Erscheinung. Michelle Kelly ist Spezialistin zum Thema Cyberkriminalität, eine ehemalige Häckerin, die vom FBI verpflichtet wurde im Austausch zu einer Gefängnisstrafe. Mit Tattoos und Piercings, Röhrenjeans und Tanktop passt sie so gar nicht in das Bild des typischen FBI-Agenten und gerade das ist es, was fasziniert. Sie ist ein sehr interessanter neuer Charakter, der noch weiter ausgebaut werden kann und ich bin gespannt, ob wir sie in weiteren Büchern von Carter wieder treffen werden.

Die Charaktere Hunter und Garcia werden in diesem Buch nicht nennenswert weiterentwickelt, was mich persönlich aber nicht stört. Für Neueinsteiger wie auch für alte Hunter-Fans bleiben beide Männer interessant und ich persönlich bin - vor allem nach dem Ende dieses Buches - sehr neugierig auf die zukünftige Entwicklung der beiden.

Gewohnt rasant wird der Leser durch die Handlung geführt. Chris Carter hat einen optimalen Weg gefunden, die Spannung durchweg hoch zu halten. Es gab keine Stelle im Buch, die Längen aufwies. Die kurzen Kapitel und die Cliffhanger treiben den Leser regelrecht an, durch die Seiten zu jagen. Das Finale kann man nur an einem Stück lesen, anders geht es gar nicht, weil man sonst umkommt vor Spannung.
Die Brutalität der Morde ist nichts für schwache Gemüter. Detailliert und sehr bildlich werden die Morde beschrieben. Als Thriller- und Horrorfan bin ich schon Einiges gewöhnt und doch kann mich Carter immer wieder aufs Neue schocken. Nicht nur mit der Brutalität allein, sondern vielmehr mit der Idee der Morde an sich. Der Autor ist unheimlich kreativ, was wohl auch in seiner beruflichen Laufbahn mitbegründet sein mag. Als Kriminalpsychologe hat man möglicherweise schon so Einiges erlebt.

Die Handlung selbst ist schlüssig und kann mit vielen überraschenden Wendungen überzeugen. Für mich war bis zum Schluss nicht ab- oder vorhersehbar wer der Täter ist und warum er die Morde begeht. Neben dem Nervenkitzel als solches ist es genau das, was einen guten Thriller für mich ausmacht.

Auch mit dem fünften Band der Hunter-Reihe ist es Carter gelungen mich zu überzeugen und ich werde definitiv auch beim nächsten Fall wieder dabei sein. Ich freue mich schon jetzt darauf.

Fazit:
Für alle Fans des harten Thrillers ist der neue Fall des Ermittlerduos Hunter/Garcia ein Muss. Eine klare Kaufempfehlung für Spannung und Nervenkitzel von der ersten bis zur letzten Seite!


Die Besteigung des Rum Doodle
Die Besteigung des Rum Doodle
von William E. Bowman
  Audio CD
Preis: EUR 16,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Gletscherspalten und Warpeln - ein einzigartiger satirischer Hörgenuss!, 20. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Besteigung des Rum Doodle (Audio CD)
Zum Inhalt (in eigenen Worten):
Ein siebenköpfiges Team, bestehend aus dem Expeditionsleiter Binder, dem Streckenfinder Jungle, dem Wissenschaftler Wish, dem Fachmann für Sprachen Constant, dem Arzt Prone, dem Fotografen Shute und schließlich dem Verantwortlichen für die Versorgung Burley, macht sich auf den Weg den höchsten Gipfel der Erde zu besteigen - den Rum Doodle mit 40.000 1/2 Fuß Höhe. Die sehr britischen Expeditionsteilnehmer, allesamt Gentlemen, erleben eine Bergbesteigung der ganz besonderen (und anderen) Art. Ein Missgeschick folgt dem nächsten, die Künste des Kochs zwingen die Mannschaftsteilnehmer dazu, sich von Magentabletten zu ernähren und die ständig auftauchenden Gletscherspalten verhindern ein zügiges Vorankommen. Wie gut, dass genug Champagner im Reisegepäck ist ...

Gestaltung und Höreindruck:
Die Aufmachung des Covers ist sehr ansprechend. Die liebevolle Gestaltung insgesamt, die passenden Illustrationen und nicht zuletzt das Booklet mit einem Vorwort von Bill Bryson machen eindeutig Lust auf das Hörbuch. Mit einer Gesamtlaufzeit von knapp fünf Stunden ist diese ungekürzte Lesung, von Jürgen von der Lippe vorgetragen, ein kurzweiliger aber intensiver Hörgenuss, bei dem die Bauchmuskeln außerordentlich strapaziert werden. Schon die Lektüre des Booklet-Textes verhieß einen großen Spaßfaktor.

Bevor ich durch einen glücklichen Zufall (an dieser Stelle nochmals Danke an den Betreffenden) an dieses Hörbuch geriet, hatte ich noch nie zuvor vom Autor oder dem Buch selbst etwas gehört. Ich war überrascht als ich im Booklet las, dass das Buch erstmals im Jahr 1956 erschienen ist, allerdings erst beinahe 30 Jahre später (1983) neu aufgelegt wurde. William E. Bowman verstarb 1985. "Die Besteigung des Rum Doodle" war zu diesem Zeitpunkt in Bergsteigerkreisen ein
Geheimtipp, dem breiten Publikum jedoch eher unbekannt. Dennoch ist es Bowman gelungen einen Klassiker der komischen Literatur zu schreiben, der sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft begeisterte Leser (und Hörer) gefunden hat und hoffentlich noch finden wird. Ich gehöre auf jeden Fall dazu.

"Die Besteigung des Rum Doodle" ist eine Parodie auf die geschriebenen Berichte zu den Erstbesteigungen der Berge Nanda Devi (von Bill Tilman) und Annapurna (Maurice Herzog). Sämtliche Namen sind fiktiv und so entführt uns Bowman ins weit entfernte Yogistan, stellt uns sieben sehr charmante aber auch durchweg tölpelhafte ältere Herren, 30.000 yogistanische Träger sowie einen wegen seiner Kochkünste gefürchteten Koch namens Pong an die Seite und schickt uns auf ein Abenteuer, das so schnell nicht in Vergessenheit gerät. Sämtliche Charaktere sind so scharf und liebevoll detailliert gezeichnet, dass man einfach jeden Einzelnen von ihnen ins Herz schließen muss. Da haben wir Binder, einen herzensguten aber auch naiven Mann, dem leider allzu oft so manches entgeht. Navigator Humphrey Jungle, dessen Kompass stets nach Norden weist und der sich selbst immer wieder verirrt, es deshalb schon nicht pünktlich zur Vorbesprechung schafft. Christopher Wish, der Wissenschaftler, dem die Siedegrade von Eis sehr am Herzen liegen. Linguist Lancelot Constant hat so seine Sprachprobleme und ordert deshalb ein "paar" Träger zuviel und zieht regelmäßig den Zorn der Yogistaner auf sich. Der Mannschaftsarzt Ridley Prone erkrankt ständig selbst und verordnet gern ein Allheilmittel, das in Form von Champagner reichlich verteilt wird. Der Fotograf Donald Shute setzt seine
Filme mehr als einmal dem Licht aus und kann deshalb mit keinem einzigen Foto glänzen. Tom Burley, der "starke Mann", verantwortlich für die Versorgung der Expeditionsteilnehmer, leidet ständig an diversen Formen von Trägheit und kann seinem Ruf leider so gar nicht gerecht werden. Der Koch Pong treibt die Herren dazu, Pläne zu schmieden wie man die Vorräte verschwinden lassen kann, damit er sie nicht zur Zubereitung der Mahlzeiten benutzen kann. Und zu guter Letzt die Träger, die zum größten Teil versehentlich angeheuert wurden und doch entscheidend zum Fortschritt der Expedition beitragen, indem sie die Gentlemen des Öfteren aus diversen Gletscherspalten befreien oder sie gelegentlich sogar tragen. Ob das Vorhaben den Gipfel des Rum Doodle zu besteigen letztendlich gelingt oder nicht und was genau Warpel sind, das sollte der Leser/Hörer selbst herausfinden.

Soweit ich das beurteilen kann haben die Übersetzer von "The Ascent Of Rum Doodle" (Originaltitel) einen hervorragenden Job gemacht, denn es ist sicher nicht einfach diesen zuweilen sehr schwarzen britischen Humor bei der Übersetzung einzufangen und wiederzugeben. Respekt.

Einige abschließende Worte zum Sprecher des Hörbuchs:
Was Jürgen von der Lippe hier geleistet hat ist einsame Spitzenklasse. Ich denke, dass seine Art diese sehr britische Satire überspitzt vorzutragen und den Charakteren individuelle Stimmen und damit Gesichter zu geben, das Buch als solches immens aufwertet. Es ist ein wahrer Hörgenuss und ich kann diese Leistung nicht hoch genug loben.

Fazit:
Für Liebhaber des britischen Humors; für Fans von schrulligen und liebenswerten Protagonisten; für alle, die eine außergewöhnlich lustige aber auch warmherzige Geschichte mögen ist die "Besteigung des Rum Doodle" eine absolute
Hörbuchempfehlung. Ich habe jede einzelne der 295 Minuten genossen und bin froh darüber über dieses Hörbuch "gestolpert" zu sein.


The Lost: Roman
The Lost: Roman
von Jack Ketchum
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Schockierend, bewegend ... unvergleichlich!, 16. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: The Lost: Roman (Gebundene Ausgabe)
Zum Inhalt:
New Jersey, 1995: An einem heißen Sommertag beobachtet Ray Pye zwei junge Frauen beim Camping. Aus völlig nichtigen Gründen und purer Mordlust heraus beschließt er die beiden Frauen zu töten. Seine beiden Freunde Tim und Jennifer werden gezwungenermaßen Zeugen dieses Blutbads und geraten so in eine verzweifelte Abhängigkeit zu Ray. Auch fünf Jahre später konnte die hiesige Polizei den Doppelmord nicht aufklären und trotz schwerem Verdacht ist Ray weiterhin auf freiem Fuß. Doch zwei Polizisten glauben nicht an seine Unschuld und beschließen, den Fall erneut aufzurollen.

Gestaltung, Stil, Leseeindruck (Hardcover, ISBN-13: 978-3453675513):
Das schockierende, düstere Cover, auf dem ein Mord dargestellt ist, und der Titel "The Lost" weckten meine Neugierde und nachdem ich sowohl von "Evil" als auch von "Beutezeit" begeistert war, musste ich nun auch zu diesem Werk von Ketchum greifen.
Bereits der Prolog hat mich einerseits schockiert, andererseits aber auch gefesselt. Ketchum hat mich mit der Geschichte, der Brutalität und gestörten Persönlichkeit seines Protagonisten Ray sofort eingenommen. Der Schreibstil des Autors ist oft brutal und absolut unverblümt und dennoch auf eine erstaunliche Art auch sensibel. Ketchum beschönigt nichts und ist absolut präzise in seinen Schilderungen und genau das ist es, was einen sofort an die Geschichte bindet. Die Charaktere sind sehr fein und detailliert gezeichnet und auch die Umwälzungen, die Amerika zu jener Zeit erfährt, kommen gut zum Tragen. Es ist eine fesselnde Mischung, die der Autor für Rays Geschichte kreiert hat, eine Mischung, die einen bitteren Nachgeschmack zurücklässt und wahrscheinlich deshalb so sehr anrührt.

Der Leser wird mit Hilfe mehrerer Charaktere durch die Geschichte getragen. Vor jedem Kapitel werden die Person(en), aus deren Sicht heraus die aktuelle Handlung geschildert wird, genannt. Das erleichtert dem Leser die Orientierung, hebt die Beziehungen der Charaktere untereinander hervor und hält außerdem den Spannungsbogen aufrecht, da wir so von mehreren Seiten ausgehend das stete Zuspitzen der Lage miterleben können und müssen.

Es ist ein eigenartiges, schwer zu beschreibendes Gefühl, das mich bei der Lektüre von "The Lost" stets begleitet hat. Schon die ersten Seiten hinterließen bei mir einen Kloß im Hals, den ich bis zum Ende des Buches und auch darüber hinaus nicht wieder los wurde. Schnell wird klar, dass Rays Entwicklung nur in eine gefährliche und auch unausweichliche Tragödie münden kann. Mit jedem Charakter, den Ketchum im Verlauf der Geschichte einführt, fragt man sich wie tief dieser in den Strudel der unvermeidlichen Geschehnisse eingesogen werden wird. Es ist ein ständiges Mitfiebern, Hoffen und Bangen, dass die Gefahr, die von dem psychopathischen Ray ausgeht, rechtzeitig erkannt und gebannt werden kann. Auf die Rolle, die Tim und Jennifer und auch die beiden Cops Schilling und Anderson im Verlauf der Geschichte einnehmen, möchte ich an dieser Stelle nicht näher eingehen, nur soviel: sie ist unvermeidbar.

"Unversehrte Menschen gibt es nicht." (Seite 253, Teil Zwei)

Fazit:
"The Lost" ist eine unglaublich intensive Geschichte, die mich zutiefst schockiert aber auch berührt hat. Das Wissen, dass ihr eine wahre Begebenheit zugrunde liegt hat diese Emotionen noch zusätzlich verstärkt. Für mich eine klare Leseempfehlung für alle, die mit dem Thema umgehen können.


Die Kälte in dir
Die Kälte in dir
von Oliver Kern
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein solider Thriller-/Krimi-Auftakt mit Potenzial, 11. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Kälte in dir (Taschenbuch)
Zum Inhalt:
Eine Hitzewelle lähmt ganz Deutschland und eine brutal zugerichtete Leiche im Garten einer abgelegenen Villa in der Nähe Stuttgarts wirft viele Fragen bei den zuständigen Ermittlern auf. Der Fall wird Kristina Reitmeier, Kriminaloberkommissarin beim Dezernat für Gewaltverbrechen, und ihrem Ermittlerteam übertragen. Ausgerechnet jetzt muss Kristina allerdings ihren Führerschein abgeben. Kurzerhand wird ihr Daniel Wolf, suspendierter Kommissaranwärter, als Fahrer zugeteilt. Als weitere Leichen gefunden werden, wird schnell klar, dass es sich um einen Serienmörder handeln muss und dieser eine ungewöhnliche Vorliebe für übergewichtige Opfer hegt.

Gestaltung, Stil, Leseeindruck:
Sowohl Cover als auch Titel suggerieren dem geneigten Thriller-Fan eine spannende Lektüre und ich persönlich bin nicht enttäuscht worden. Die ungewöhnlichen und brutalen Morde gepaart mit einem äußerst eigenwilligem Ermittlerduo sind ein Garant für Spannung und Unterhaltung auf gutem Niveau. Der Leser durchlebt - bezogen auf die Ermittlungen - eine rasante (manchmal aber auch etwas holprige) Achterbahnfahrt und lange ist völlig unklar wie diese Fahrt enden wird. Wie ich finde, ein wichtiges Kriterium für einen guten Thriller oder Krimi.

Die Charaktere sind sehr unterschiedlich aber alle durchweg interessant. Es hat allerdings ein wenig gedauert bis ich mit Kristina warm geworden bin. Mit ihr hat der Autor eine schwierige Protagonistin geschaffen und ich bin gespannt wie sie sich noch entwickeln wird (ein weiterer Fall ist laut Danksagung im Buch bereits in Arbeit). Ihr jüngerer Kollege Daniel hingegen ist durchaus ein Sympathieträger, wenngleich er für meinen Geschmack die Dinge ein wenig zu impulsiv und hastig angeht. Ein sehr interessanter Charakter ist der Chef der Kriminaltechnik - Sampo Hietaniemi. In seiner Rolle steckt noch viel Potenzial, welches sich Oliver Kern in Zukunft hoffentlich noch intensiver zunutze machen wird.

Der Stil des Autors ist sehr flüssig und hat mir gut gefallen. "Die Kälte in dir" ist mein erstes Buch von Oliver Kern und wird wohl sicher nicht mein letztes sein. Der Autor hat sich Zeit für die Entwicklung der Charaktere und auch der Geschichte gelassen, dennoch hat er den Spannungsbogen aufrecht halten können und den Leser dabei lange im Dunkeln gelassen. Die Ermittlerarbeit selbst kam mir zuweilen ein wenig konfus und unkoordiniert vor, hier hat die Geschichte für meinen Geschmack leider etwas an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Sehr gut gefallen hat mir wiederum die Art und Weise wie der Autor konstant kleine Puzzleteilchen, Querverbindungen und damit Aha-Effekte eingestreut hat. Die Idee des Mordmotivs (welches ich natürlich nicht verrate) finde ich durchaus gelungen und einzigartig.

Fazit:
Für mich ist "Die Kälte in dir" ein spannender und flüssig zu lesender Thriller (mit starker Tendenz zum Krimi), der mich durchweg gut unterhalten hat. Eigenwillige aber noch nicht ganz ausgereifte Charaktere mit viel Potenzial bilden eine solide Basis für weitere Fälle rund um Kristina Reitmeier. Ich freue mich auf weitere Bücher von Oliver Kern und gebe für den Serienauftakt fundierte 4 Sterne.


Bienensterben
Bienensterben
von Lisa O'Donnell
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Hoffentlich wird mich dieses Lachen immer begleiten.", 29. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Bienensterben (Broschiert)
Zum Inhalt:
Heiligabend in Glasgow: Die 15-jährige Marnie hat Geburtstag und gemeinsam mit ihrer drei Jahre jüngeren Schwester Nelly begräbt sie ihren toten Vater im Garten, die tote Mutter im Kohlekasten im Schuppen. Aus Angst vor den Konsequenzen verheimlichen die beiden Mädchen den Tod der Eltern und behaupten diese seien verreist. Zunächst schlagen sich die Schwestern ganz gut - waren sie doch ohnehin oft genug auf sich allein gestellt - doch nach und nach bröckelt die Fassade und als dann auch noch der Hund des alten und vermeintlich perversen Nachbarn Lennie interessiert im Garten gräbt und Lennie beginnt Fragen zu stellen, spitzt sich die Lage zu ...

Gestaltung, Stil, Leseeindruck (Broschiert, ISBN: 978-3832197285):
Das Cover ist ein wahrer Hingucker: Ein Scherenschnittmotiv, das Details des Buchinhalts widerspiegelt, darin der Titel "Bienensterben", der für sich genommen schon neugierig macht. Die gelackte Schrift, plakativ und schlicht zugleich, ist sehr ansprechend. Der DuMont Buchverlag hat eine Klappenbroschur mit einer tollen Haptik gewählt. Alles in allem gefallen mir das Format und die Gestaltung ausgenommen gut. Wer kein Coverkäufer ist, dürfte jedoch spätestens nach der Lektüre des Klappentextes und des Prologs neugierig geworden sein. Schon lange nicht mehr habe ich einen solch originellen und schockierenden Prolog gelesen. Für mich war nach diesen sieben Zeilen bereits klar, dass mich das Buch begeistern wird - auf die eine oder andere Art.

"Bienensterben" ist ein außergewöhnlicher und sehr packender Roman, der beim Lesen die verschiedensten Gefühle hervorruft. Lisa O'Donnell schafft drei wechselnde Erzählperspektiven (Marnie-Nelly-Lennie), durch die der Leser jeweils Ein- und Rückblick in die Geschehnisse und Gefühle der drei Charaktere erhält. Jede Perspektive ist speziell und hebt die Eigenarten und Besonderheiten der jeweiligen Person hervor. Durch dieses Stilmittel schafft die Autorin eine intensive Nähe zu den Handlungsträgern und erlaubt eine differenzierte und detaillierte Sichtweise auf die Ereignisse. Die Spannung bleibt so konstant erhalten und wird im Handlungsverlauf stetig gesteigert. Wir begleiten Marnie und Nelly ein Jahr lang (Winter-Frühjahr-Sommer-Herbst-Winter), erleben mit ihnen und durch sie ein Wechselbad der Gefühle aus Angst, Wut, Verzweiflung, Hass aber auch Liebe, Dankbarkeit und Zusammenhalt. Es ist eine ungewöhnliche Familiengeschichte, die O'Donnell mit sehr viel Feingefühl, Humor und schonungsloser Offenheit erzählt.

Die Charaktere sind scharf und detailliert gezeichnet: Marnie mit ihrer schroffen Abgeklärtheit; Nelly, das zartbesaitete, violinspielende, anmutige Mädchen und nicht zuletzt Lennie, der Einsiedler, der so viel Liebe und Feingefühl in sich trägt. Drei Menschen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein können und doch eines gemeinsam haben - den Wunsch nach Geborgenheit, Stetigkeit und Familie.

Zitat, Seite 142 (Marnie):
"Ich weiß, dass ich dankbar sein sollte für Leute wie Lennie, es ist der Wahnsinn, was er alles für uns macht und wie er sich um uns kümmert, aber es macht mir Angst. Keinen Schimmer, warum. Ist einfach so."

Auf den Inhalt und die Personen möchte ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen, denn dieses Buch sollte jeder für sich selbst entdecken.

Die Sprache ist direkt, zuweilen schnodderig und das Beschriebene geht sehr nah. Wer sich nicht sicher ist, ob diese Erzählart einen mitnehmen kann, der sollte das Buch anlesen und dann entscheiden. Ich für meinen Teil hatte bereits beim Prolog eine Gänsehaut und war gefesselt vom Stil der Autorin. Es fiel mir sehr schwer das Buch aus der Hand zu legen (was nicht zuletzt den kurzen Kapiteln geschuldet ist) und hätte es meine Lesezeit zugelassen, so hätte ich es in einem Zug lesen können und wollen.

Fazit:
Eine ungewöhnliche und fesselnde Geschichte zweier Schwestern, die im Leben nichts geschenkt bekommen haben und sich und ihre Träume dennoch nie aufgegeben haben - eine Geschichte von Freundschaft und Zusammenhalt, die uns auf das Gute im Menschen und in der Welt hoffen lässt. Absolut lesenswert!


Ein feiner dunkler Riss: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Ein feiner dunkler Riss: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Joe R. Lansdale
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine spannende Abenteuergeschichte um ein dunkles Geheimnis, 23. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Zum Inhalt:
Dewmont, eine kleine Stadt in East Texas ist Schauplatz von Stanley Mitchel junior's Geschichte, die an einem heißen Sommertag im Jahr 1958 ihren Anfang nimmt. Stan, dessen Vater das Dew Drop Drive-In Autokino betreibt, genießt das unbeschwerte Leben eines Dreizehnjährigen, der bis vor kurzem noch an den Weihnachtsmann geglaubt hat. Gemeinsam mit seinem treuen Hund Nub findet er eines Tages bei einem seiner Streifzüge ein vergrabenes Kästchen, in dem sich Briefe und Tagebuchseiten befinden, die von einem ermordeten Mädchen verfasst wurden. Mit Hilfe seiner Schwester Callie und dem alten Buster, ein Farbiger, der für seinen Vater im Autokino arbeitet und früher eine Art Polizist war, versucht Stan dem Geheimnis des Mädchens und dem lang zurückliegenden Mord selbst auf die Spur zu kommen. Schnell wird klar, dass das zunächst harmlos begonnene Detektivspiel ungeahnte Ausmaße annimmt und Stan sich im Mittelpunkt eines ausgewachsenen Kriminalfalls wiederfindet.

Gestaltung, Stil, Leseeindruck (suhrkamp Taschenbuch 2014):
Titel und Cover haben meine Neugierde direkt geweckt. Ich mag die Gestaltung, Schrift- und Motivwahl sehr. Vom Autor Joe R. Lansdale hatte ich bisher noch nichts gelesen, doch bereits der Klappentext versprach eine interessante Lektüre und so ließ ich mich spontan in die Geschichte fallen.

Schon die ersten Seiten bestätigten meine Erwartungen voll und ganz. Lansdale's Schreibstil ist unglaublich gut, sehr atmosphärisch dicht. Die Orte, Gerüche und Personen, die Lansdale beschreibt, erscheinen beim Lesen direkt und unmittelbar vor dem geistigen Auge. Es gelingt dem Autor scheinbar mühelos den Leser direkt nach Dewmont zu versetzen.
Er spricht die Rassenproblematik der damaligen Zeit an, indem er sie wie nebenbei in die Geschichte einbettet. So spielt Rosy Mae, die schwarze Haushälterin der Familie, eine wichtige Rolle für Stan und später dann auch für die ganze Familie. Auch Buster, der Farbige, der den Projektor des Kinos betätigt und Hausmeisterarbeiten erledigt, ist eine zentrale Figur in Lansdale's Geschichte.
Das Thema Gewalt spart der Autor ebenfalls nicht aus. So wird Stans bester Freund Richard täglich mit häuslicher Gewalt konfrontiert und Rosy Mae wird von ihrem Partner verprügelt. Die Mitchels hingegen haben das Herz am rechten Fleck. Das Familienoberhaupt Stanley senior ist zwar zuweilen etwas aufbrausend, doch unter dieser rauen Schale verbirgt sich ein warmherziger und ehrlicher Mann, der seine Familie und alle die, die er zu dieser zählt, wie ein Löwe verteidigt.
Alle Charaktere haben Ecken und Kanten, ihre Fehler und Vorzüge, was sie unglaublich echt und glaubhaft wirken lässt.

Die zunächst harmlos anmutende Detektivgeschichte, in die sich Stan junior verstrickt, wird mehr und mehr zu einer ernstzunehmenden und gefährlichen Ermittlung, bei der Stan sehr schnell lernen muss, dass das Leben und die Wahrheit oft mit harten Bandagen erkämpft werden muss. Manchmal wurde ich bei der Lektüre an die 1982 erschienene Novelle "Die Leiche" von Stephen King erinnert, was aber keinesfalls störend war.

"Ein feiner dunkler Riss" ist ein Roman mit vielen Nuancen, der den Leser ebenso facettenreich berühren wird. Lansdale kombiniert sehr gekonnt verschiedene Roman-Elemente miteinander, schafft sympathische Charaktere und bösartige Gegenspieler, streut eine Prise Humor und Wehmut mit hinein und setzt das Ganze perfekt und spannungsreich zusammen. Chapeau!

Fazit:
Eine wunderbare Geschichte über das Erwachsenwerden und wahre Freundschaft aber gleichzeitig auch ein spannender Krimi mit überraschenden Entwicklungen. Ein Roman und Krimi, verfasst in einer dichten und bildgewaltigen Sprache, die einige Stunden Lesegenuss beschert. Definitiv ein Lesehighlight und nicht mein letzter Roman von Lansdale.


Böser kleiner Junge (Kindle Single)
Böser kleiner Junge (Kindle Single)
Preis: EUR 1,99

5.0 von 5 Sternen Ein lesenswertes "Dankeschön", 16. März 2014
Zum Inhalt:
Leonard Bradley, Pflichtverteidiger des zum Tode durch die Giftspritze verurteilten George Hallas, trifft sich mit seinem Klienten zu einer letzten Unterredung im Gefängnis. George hat keinerlei Interesse das Urteil anzufechten oder die Vollstreckung zu verhindern, er möchte nur eines: Die unglaubliche und schockierende Geschichte erzählen, die dazu führte, dass er zum Mörder wurde.

Leseeindruck:
Schon die ersten Seiten lassen keinen Zweifel daran, wer diese Geschichte geschrieben hat. Sofort ist man selbst im Besuchsraum, sitzt neben Leonard und George und wird gefangen genommen von der unglaublichen Geschichte, die George zu erzählen hat.
Ja, als treuer King-Leser erkennt man viele Verweise auf andere Werke und ja, auch ein wenig vorhersehbar ist der Handlungsverlauf und dennoch ist man gefesselt.
Ich mochte die Geschichte und ich mochte auch George. Obwohl er einen Mord begangen hat, ist er ein sympathischer und sehr menschlicher Protagonist, der seine Tat zwar nicht bereut, wohl aber Angst vor den Konsequenzen - dem Tod durch Hinrichtung - hat und dennoch gewillt ist, seine Schuld zu begleichen.

Fazit:
Eine Kurzgeschichte, die fesseln und unterhalten kann. Eine gelungene Mischung aus Horror und Erzählung und ein wunderbares Dankeschön an die deutschen und französischen King-Fans. Vielen Dank Stephen King!


Die unterirdische Sonne
Die unterirdische Sonne
von Friedrich Ani
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Geschichte, die bewegt, schockiert und noch lange nachhallt, 8. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Die unterirdische Sonne (Gebundene Ausgabe)
Zum Inhalt:
Ein Keller ohne Fenster in einem Haus auf einer Insel - dort eingesperrt fünf Kinder und Jugendliche im Alter von elf bis sechzehn Jahren, beobachtet durch Kameras und belauscht durch Mikrofone. Immer wieder werden sie einzeln oder zu mehreren nach "oben" geholt. Wer flüstert, schreit oder über das spricht, was "oben" passiert, wird bestraft oder gar getötet. Angst, Wut und Verzweiflung beherrschen das Denken und Fühlen von Eike, Sophia, Maren, Conrad und Leon. Sie alle gehen täglich durch die Hölle ohne Aussicht auf Rettung - bis Noah zu ihnen gebracht wird. Noah ist anders als sie alle, er kennt die Hölle bereits. Kann er dem Grauen die Stirn bieten und neue Hoffnung bringen?

Gestaltung, Stil, Leseeindruck (Gebundene Ausgabe, ISBN-13: 978-3570162613, 2014 cbt Verlag):
Das Cover des Buches vermittelt auf den ersten Blick einen harmlosen Eindruck, ein Schmetterling lässt zunächst nichts Schreckliches vermuten und doch wird schnell klar, dass es sich hier um ein Symbol handeln muss. Gepaart mit dem Titel "Die unterirdische Sonne" und dem Spritzfleck in Rot/Schwarz, der sehr an Blut erinnert, kommt man dem zutiefst schockierenden Inhalt langsam näher. Der Klappentext und auch der Hinweis auf das empfohlene Lesealter ab 16 Jahren räumen dann schließlich jeden weiteren Zweifel aus.

Dieses Buch zu rezensieren fällt mir sehr schwer, was vor allem an der beklemmenden und verzweifelten Atmosphäre, die Friedrich Ani durchgehend geschaffen hat, liegt. Der Schreibstil ist ungewöhnlich aber flüssig und bereits die Abschnittsbezeichnung lässt mich an ein Drama denken. Ani teilt seine Handlung wie beim klassischen Drama in drei Akte auf, nummeriert die Szenen aber stetig durch. Der zweite Akt trägt die Kernhandlung und ist auch am längsten.

Ich denke, es ist schwer seine Meinung zu diesem Buch zu begründen, zu viel würde man dann vom Inhalt preisgeben müssen. Deshalb belasse ich es bei meiner Rezension bei der Wiedergabe meines Eindrucks. Die Geschichte beginnt unmittelbar ohne Einleitung oder Vorwort, der Leser ist sofort bei den Kindern und liest die Gedanken und spärlichen Gespräche. Erst nach und nach erfährt man einige Details, wie zum Beispiel wie die Kinder entführt wurden oder wie ihr Leben vorher ausgesehen hat. Eine Beziehung zu den Kindern aufzubauen fällt schwer, da sie sich bereits zu sehr abschotten und in sich gekehrt zu überleben versuchen. Erst im zweiten Akt kommt man ihnen als Leser etwas näher - wodurch möchte ich an dieser Stelle nicht vorwegnehmen.

Generell denke ich, dass man dieses Buch nur erleben kann und ob man es nun mag oder nicht, es wird einen beschäftigen und so schnell nicht wieder loslassen. Wer sich nicht sicher ist, ob er die Thematik des Buches "aushält", sollte sich auf jeden Fall zunächst an die Leseprobe wagen, denn die Beklemmung, die die Lektüre des Buches mit sich bringt, ist von Anfang an vorhanden. Ob das empfohlene Lesealter gerechtfertigt ist? Nun ja, ich denke, das kommt auf die jeweilige Reife an. Für zartbesaitete mag die Lektüre jedoch nicht geeignet sein.

Es gibt einige Fragen, die für mich bei der Lektüre nur unzureichend beantwortet wurden. Der Spannungsbogen ist ein wenig unrund für meinen Geschmack, obwohl ich zügig und flüssig lesen konnte, wurde mir das Ende zu hastig herbeigeführt. Auch fehlte mir die Nähe zu den Charakteren, was aber möglicherweise vom Autor so gewollt sein mag. Man kann nicht immer die Handlungen der Kinder nachvollziehen, weil es unmöglich ist, sich in deren Lage zu versetzen. Automatisch rückt man als Leser vom Geschehen ein wenig ab, zu grausam ist das indirekt Miterlebte.

Zitat: S. 195: "Sie taugte nichts mehr als Freundin, dachte sie, sie war zu nichts mehr nutze außer zum Benutztwerden. Sie war bloß noch ein Lumpen in der Dunkelheit."

Noch eines zum Abschluss: Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde gelesen und die Meinungen zu diesem Buch gingen weit auseinander. Auffällig war jedoch, dass es keine Grauzone zu geben schien - entweder war man schlichtweg gefesselt, schockiert und angerührt oder aber man kam mit Schreibstil und der Art und Weise wie der Autor die Thematik verpackt hat, nicht zurecht.

Fazit:
Ein ernstes und leider auch immer wieder präsentes Thema, gekonnt und einzigartig durch Friedrich Ani verarbeitet - ein Buch, das schockiert, bewegt und fassungslos macht und damit seine Wirkung gezielt entfaltet. Dieses Buch gefällt oder gefällt nicht, doch eines bewirkt es ganz sicher - es hinterlässt eine deutliche Spur.


Die unglaubliche Reise des Smithy Ide
Die unglaubliche Reise des Smithy Ide
von Ron McLarty
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

5.0 von 5 Sternen "Es ist, als müsste man ein ganz anderer Mensch werden, um wirklich genau hinsehen zu können.", 1. März 2014
Zum Inhalt:
Smithson Ide, kurz Smithy genannt, führt ein unspektakuläres und trostloses Leben. Er ist 43 Jahre alt, trinkt zu viel Alkohol, ist stark übergewichtig, hat keine Freunde und arbeitet in einer Fabrik am Fließband. Außer seinen Eltern und seiner geliebten Schwester Bethany, die seit Jahren vermisst wird, gibt es für ihn keinen Ankerpunkt im Leben. Und dann schlägt das Schicksal erbarmungslos zu: ein Autounfall seiner Eltern zieht Smithy den Boden unter den Füßen weg. Als er dann auch noch die Nachricht erhält, dass seine verschollene Schwester tot aufgefunden wurde und die Leiche in L.A. auf die Überführung wartet, verliert Smithy jeglichen Halt. Ohne über Ziel und Sinn nachzudenken, setzt er sich betrunken auf sein altes Kinderfahrrad und tritt seine ungewöhnliche Reise quer durch die USA an ...

Gestaltung, Stil, Leseeindruck:
Ein schlichtes und doch ansprechendes Cover mit einer Illustration, die ein Fahrrad, einen Wegweiser, eine Straße und einen Sternenhimmel zeigt, machte mich neugierig und als ich den Klappentext las, dachte ich unwillkürlich an Rachel Joyce und ihr später erschienenes Buch "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry". Und doch ist dieses Buch irgendwie anders.

Zwei Handlungsstränge, die sich stetig abwechseln, führen den Leser durch die Geschichte. Zum Einen wird Smithys Reise in der Gegenwart geschildert und parallel dazu erfahren wir im zweiten Erzählstrang seine Erlebnisse aus der Kindheit. Es ist schwer über das Buch zu schreiben ohne zu viel zu verraten und deshalb beschränke ich mich auf meinen Eindruck und die Gefühle, die das Lesen dieser Geschichte bei mir ausgelöst haben.
Smithy ist ein schwieriger Protagonist, er ist alles andere als beispielhaft und doch ist er liebenswert. Schnell wird klar, dass er ein Mann ist, der viel im Leben durchgemacht hat, nicht zuletzt seine Kriegserlebnisse in Vietnam und die psychische Erkrankung seiner Schwester. Was mich von Anfang an beeindruckt hat, ist der Familienzusammenhalt der Ides, diese Wärme und Herzlichkeit; der Versuch - trotz aller Widrigkeiten - immer an Hoffnung und Besserung zu glauben und weiter nach vorn zu schauen. Ein weiterer liebenswerter Charakter ist Norma, die seit ihrem sechsten Lebensjahr mit Bethany und Smithy befreundet ist. Ein quirliges, aufgewecktes Mädchen, das ein schweres Schicksal erleidet und dennoch stark bleibt und letztlich ein wichtiger Anker für Smithy wird. Die Reise Smithys erzählt von einer Suche aber auch vom Finden und Loslassen. Auf seinem Weg lernt er viele interessante, aber auch gebrochene Menschen kennen und mit jedem Kilometer auf dem Rad, verliert Smithy nicht nur an Gewicht, sondern gewinnt auch an Leben.

Ron McLarty hat einen einzigartigen Schreibstil, an den ich mich anfangs gewöhnen musste, der aber im Verlauf der Geschichte unglaublich passend daherkommt. Er vermeidet es, unnötig auf die Tränendrüse zu drücken, bisweilen muss man sogar Schmunzeln und dann wieder hat man beim Lesen einen Kloß im Hals. All diese Emotionen kommen plötzlich und unerwartet, sie schleichen sich von hinten an und man sieht sie oftmals gar nicht kommen. Ob die Geschichte vorhersehbar ist? Möglich - und doch lässt sie einen nicht mehr los. Wie schreibt Stephen King über dieses Buch so treffend: „Nein, es ist keine Literatur (bitte vergessen Sie nicht, dass ich das gesagt habe), aber es ist großherzig und so sättigend wie ein Sonntagsbraten zu Hause bei Ihrer Mom.“ Besser kann man es nicht ausdrücken.

Noch eine kleine Hintergrundinformation (Quelle: Amazon): Stephen King war hellauf begeistert. Ron McLartys Die unglaubliche Reise des Smithy Ide sei „der beste Roman, den Sie dieses Jahr nicht lesen können“, lobte der „King of Horror“ vollmundig. Nicht lesen können? fragten sich viele Leser. Ja, sagte King. Denn das Buch war von vielen Verlagen abgelehnt worden. Glücklicherweise arbeitete McLarty als Sprecher bei Recorded Books. Und deren Boss erlaubte ihm, sein Manuskript selbst vorzulesen und zum Download bereitzustellen. So wurde Die unglaubliche Reise des Smithy Ide ein Hit für Jogger und Zugreisende, bevor es seinen Siegeszug durch die Buchhandlungen antreten konnte.

Fazit:
Ein ungewöhnliches und sehr berührendes Buch, eine Geschichte über das Suchen und Finden, über das Erinnern und Vergeben. Absolut lesenswert.


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