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Rezensionen verfasst von
Sarlascht

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Klausmueller - Ein Esel sucht ein Pferd
Klausmueller - Ein Esel sucht ein Pferd
von Pebby Art
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hoffentlich gibt es noch viele Bücher von Klausmüller!, 26. Februar 2015
Inhalt:
Was für ein Schock: Klaras Eltern beschließen, dass die Familie die Ferien bei Großtante Agnes verbringen soll. Eigentlich war ein Mallorca-Urlaub geplant, aber der fällt ja jetzt wohl ins Wasser. Auf Langeweile eingestellt, ist es für Klara eine wunderbare Überraschung, dass ihre Großtante Pferde hat und dann lernt sie auch noch den Jungen Joey kennen, aber das Beste: Ihr Stoffesel Klasmüller wird lebendig. Nun scheint der Urlaub doch nicht so schrecklich, doch dann verschwindet das Pferd Favorit und für Klara ist selbstverständlich: dieser Fall muss gelöst werden!

Meine Meinung:
Stofftiere spielen für viele Kinder (und einige Erwachsene) eine große Rolle, was wünscht man sich da mehr, als das sie lebendig werden. Genau so geht es aber mit Klausmüller weiter und ich wusste, es wird entweder richtig gut und nachvollziehbar, oder allerdings eine große Katastrophe. Entwarnung: Es wurde wunderbar und einzigartig!

Klausmüller, er ist eigentlich unbeschreiblich, zumindest tu ich mir mit den Worten schwer, aber er ist einfach zum Verlieben, seine große Klappe und sein Humor machen einfach Spaß, auch mich Erwachsene hat das Buch mitgenommen, nicht unbedingt wegen dem Kriminalfall, der zwar eine nette Sache ist, aber ich war dann doch einfach mehr in den Esel verliebt, der sich sofort in mein Herz geschlichen hat.
Klara selbst, so muss ich leider sagen, bleibt für mich ein bisschen im Schatten, die Hauptperson ist nun einmal Klausmüller, was dem Buch aber keinen Abbruch tut, wie gesagt, der Esel eroberte mein Herz und somit hat mir jede Seite einfach wahnsinnig viel Freude gemacht.

Empfohlen ist das Buch ab 8 Jahren, was schon passend ist, wenn ein Kind es selbst lesen möchte, meiner Meinung nach eignet sich die Buch auch als Vorlesegeschichte – gut, mit ca. 200 Seiten liest man dann vielleicht am Abend immer nur ein Kapitel, aber diese sind angenehm kurz gehalten, dass es überhaupt kein Problem sein sollte. Ich bin mir bei einem sicher, sollte ich jemals ein Kind haben, wird es definitiv Klausmüller kennenlernen.

Im Nachwort wird erwähnt, dass noch weitere Abenteuer von dem Schlaumeier erscheinen sollen und wisst ihr was: Ich warte sehnsüchtig darauf. Nach dem Lesen war ich sehr traurig, dass ich Abschied nehmen musste, ich wollte es einfach nicht, ich wollte einfach weiterlesen und weiterlesen und weiterlesen. Ein Reihenleser bin ich nicht, viel zu mühselig finde ich es meistens, aber hier würde ich glatt eine Ausnahme machen. Liebe Peppy Art, bitte schreib unbedingt noch ganz viel mehr!

Fazit:
Ich liebe Klausmüller – es ist eine Geschichte für Kinder, aber auch Erwachsene, die nie vergessen haben, wie schön es ist, ein Stofftier an seiner Seite zu haben.


Lonesome zweisam
Lonesome zweisam
von Christian Hanewinkel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,90

4.0 von 5 Sternen Eine einzigartige Liebesgeschichte, 17. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Lonesome zweisam (Gebundene Ausgabe)
Inhalt:
Tom und Viola, der Zufall führt sie zusammen und doch, einsame Wölfe, sie finden schwer zueinander und wolle doch nur Geborgenheit. Ein Risiko, wenn man sich selbst irgendwie im Leben verloren hat und versucht, sie irgendwie zu finden, geht es leichter, wenn man jemanden an der Seite hat oder wird alles nur noch komplizierter?

Meine Meinung:
Skeptisch war ich bei diesem Buch, klingt es doch ein wenig so, als wäre es eine haltlose Liebesgeschichte, zumindest malten sich meine Gedanken dahingehend aus und es ist auch eine Liebesgeschichte, durchaus, aber eine ganz besondere.

Tom und Viola, sie treffen sich zufällig, so fangen Geschichten häufig an, aber es ist auch der Zufall, der sie immer wieder einander in die Arme treibt, doch besonders Viola, sie sträubt sich gegen diese Arme, glaube etwas wie Liebe nicht verdient zu haben, war sie doch ein Leben lang von ihrer Mutter dominiert worden, die auch jetzt noch versucht Macht über sie auszuüben.

Außenseiter, Tom und Viola sind welche, weil sie, wie es mir vorkam, weitab vom Leben standen, ein bisschen verloren in sich selbst und in der großen Welt, suchen sie etwas, wobei wissen was sie suchen, sie vermutlich nicht wissen und auch als Leser ist man ein wenig ratlos, aber doch, zumindest ich konnte mich gut in sie versetzen. Die Beiden stehen an der Schwelle zum Erwachsen werden und wer schon in der Situation war, der weiß, es ist eine schwierige Zeit voller Veränderungen und diese werden in der Geschichte richtig gut spürbar.

Wie geschrieben, Viola windet sich und Tom ist betrübt, weil er sie nicht halten kann. Man lernt beide Seiten kennen, wobei man natürlich merkt, dass beide im Prinzip das Gleiche wollen: Geborgenheit. Sie windet sich und er streckt seine Arme aus, zwei unterschiedliche Versuche und gerade dieser Kontrast macht die Geschichte so spannend. Ich muss zugeben, Tom war mich um Längen lieber, er war traurig, sehnsuchtsvoll und verloren, in den Arm wollte ich ihn nehmen, trösten und sagen: Ja, das Leben ist schwer, aber gib bitte die Hoffnung nicht auf.
Viola, sie war ziemlich anstrengend. Sie war kalt gegenüber Tom, wobei ich glaube, sie selbst hatte keinen triftigen Grund dafür und vielleicht ist sie mir nur unsympathisch, weil sie sich selbst nicht leiden konnte und deswegen alles madig an ihr redet. Obwohl ich sie nicht mochte, passt sie für mich perfekt in die Geschichte.

Einen Kritikpunkt gibt es jedoch: das Buch, es würde gut noch mehr Seiten verdienen. Das Ende, es ist geschrieben, als wäre der Autor in Eile gewesen und wollte schnell Schluss machen. Es gibt einen Sprung, einen weiten in die Zukunft und als Leser wollte ich mehr Zwischensätze wissen, wie es geschah, wie sie diesen Punkt erreichten usw. Vielleicht möchte der Autor, dass man sich selbst Gedanken macht und die Fantasie spielen lässt, aber ehrlich gesagt, hätte ich es schöner gefunden, wenn ich Geschichte rundum erzählt bekommen hätte.

Fazit:
Eine etwas andere Liebesgeschichte, über einsame Wölfe, verloren im Leben und der Welt.


Atemnot
Atemnot
von Ilsa J. Bick
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Atemnot, 14. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Atemnot (Taschenbuch)
Inhalt:
Jenna Lords Leben ist nicht einfach, in der Schule neu, mit psychischen Problemen behaftet, mit Eltern gesegnet, die genug eigene Probleme haben und einen Leben, was vor ein paar Jahren beinahe geendet hättet. So sieht es in ihrer Welt als, ihr einziger Halt war ihr Bruder Matt, doch dieser ist im Irak stationiert und kann sie somit nicht beschützen, doch es gibt jemanden, der sich für sie interessiert, auf seine eigene Weise.

Meine Meinung:
Nach dem Cover zu urteilen, hat man es hier mit einem Thriller zu tun und eigentlich ist auch die Autorin dafür bekannt, eher horrorartige Geschichten zu schreiben (Die Ashes Reihe), aber in diese Kategorie passt dieses Buch nicht. Es ist ein ernstes Jugendbuch, was viele Themen anschneidet, worin auch das Problem besteht, es schneidet zu viel an. Es kam mir ein bisschen so vor, als hätte Frau Bick einfach zu viel gewollt. Gewiss, alle Themen sind wichtig, sehr sogar, aber dadurch, weil man eben alle versucht einzubringen, geht keines wirklich in die Tiefe und wird eher nur oberflächlich behandelt, was ein wenig schade ist, hätte man sich eingegrenzt, dann hätte alles ein bisschen eindringlicher sein können, aber schlecht ist die Geschichte trotzdem nicht.

Jenna kommt neu in die Schule und sich einleben, es ist immer eine schwierige Sache, wo sie doch das Gefühl hat, am äußeren Rand zu stehen, nicht in die Mitte zu finden, doch da ist ein Lehrer, Mr Anderson, er nimmt sich ihr an und möchte ihr helfen, kennt er doch auch selbst die grauen Seiten des Lebens. Aus diesem Strang entwickelt sich jetzt auch die Hauptgeschichte des Buches, die auch ehrlich gesagt für mich schon ziemlich schnell offensichtlich war, trotzdem ist es der wunderbare Schreibstil der Autorin, der mir trotzdem sehr viel Spaß gemacht hat, mich durch die Seiten zu arbeiten, weil man zwar vielleicht wissen mag, was passiert, aber es gibt doch so viele interessante Verzweigungen, auf die ich doch niemals gekommen wäre. Das Spannungslevel ist somit sehr gut gelungen.

Ein bisschen unglücklich bin ich mit dem Ende. Auf der einen Seite ist es natürlich ein gelungener Abschluss, schließt gut ab, auf der anderen Seite ist es ein etwas kitschig und so ganz anders wie erwartet. Ich zumindest hätte mir einen anderen Schluss gewünscht, wenn ich auch ehrlich sagen muss, so genau kann ich nicht sagen, was ich mir gewünscht hätte.

Dieses Buch habe ich in Zuge einer Leserunde gelesen, wo die Meinung aufkam, dass das Buch mit einer Altersempfehlung von 12 Jahren zu niedrig ist und dem gebe ich Recht. Ab 14 Jahren ist die Geschichte schwer verdaulich, aber doch empfehlenswert, es sind einfach eine Dinge sehr detailreich beschrieben und mit so einer Heftigkeit sollte man nicht unbedingt ein Kind konfrontieren, wobei, so extrem heftig, wie viele gesagt haben, fand ich es dann auch wieder nicht, aber da geht es wohl auch darum, wie weit und gefestigt man für sein Alter ist.

Fazit:
Ein spannungsgelandenes Buch, was einen auf eine besondere Reise mitnimmt und besonders durch einen einnehmenden Schreibstil besticht. Ein paar kleine Fehler gibt es, aber ansonsten ein gelungenes und eindringliches Jugendbuch!


Ein Mann namens Ove: Roman
Ein Mann namens Ove: Roman
von Fredrik Backman
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Man weint und lacht, 27. August 2014
Inhalt:
Der 59-jährige Ove ist ein Nachbar, wie man ihn sich nicht wünscht. Jeden Morgen startet er seine Kontrollrunde und schaut, ob die Mülltrennung stimmt, die Fahrräder auch ordentlich verräumt sind und notiert sich die Falschparker. Man könnte sagen, ein Mann der wirklich nicht liebenswert ist, doch so ist Ove eigentlich nicht, es ist die Trauer, die diesen Mann so verbittern ließ. Seit seine Frau Sonja gestorben ist, hat er jeden Halt im Leben verloren, als man ihn auch noch in Rente schickt, hat er, so ist er der Meinung, überhaupt keinen Sinn mehr. Dann zieht eine neue Familie in sein Nachbarhaus und plötzlich ist nichts mehr, wie es einmal war.
Meine Meinung:
Es ist wirklich so, nach wenigen Seiten, da mag man Ove nicht besonders. Er ist dieser Bilderbuch Horrornachbar, die man lieber aus der Ferne genießt und auch, als die Familie neben ihn einzieht, wird es nicht unbedingt besser, es ist nur so, durch seine direkte Art ist er unerwartet witzig, besonders mit der neuen Nachbarin harmoniert dieser Humor perfekt.
Und ich dachte mir – kann man ein Buch mögen, wenn man für den Hauptcharakter nur Ablehnung übrig hat und letztlich weiß ich jetzt, man kann und die Dinge sind nicht immer so, wie man auf den ersten Blick denken mag. Ove ist vielleicht penibel und auch nervig, aber es ist die Trauer, die ihn so werden hat lassen. Sonja, seine Frau, er hat sie vergöttert, ja es vielleicht nicht überdeutlich gezeigt, aber die beiden, sie haben sich einfach ergänzt. Jetzt ist seine zweite Hälfte weggebrochen und wie kann man da diese Bitterkeit nicht verstehen, die er ausstrahlt. Diese Bitterkeit sieht man auf jeder Seite, aber man sieht auch eines, dieser Mann, so nervig er auch sein mag, ist eine wundervolle Person. Alles scheint man von ihn haben so können, fragt man nach einen Gefallen, dann tut er ihn auch, natürlich murrt er und meckert, aber letztlich, da würde er für seine Mitmenschen vermutlich alles tun.

Auf den Cover ist neben Ove eine Katze abgebildet – mhh…ich als Leser mach mir vor Beginn eines Buches gerne darüber Gedanken, was es wohl mit der Geschichte zu tun hat, weil es meistens doch irgendwie immer zusammenpasst, aber was sich hier entwickelt, ist vermutlich eine Herzensangelegenheit sondergleichen. Zu viel mag ich nicht verraten, aber dieser kleine Handlungsstrang geht einen so nahe, dass man dieser Geschichte irgendwann komplett verfällt, weil so viele kleine Dinge zusammenkommen, die einen zutiefst berühren und lange nicht mehr loslassen.

Man lernt aber Ove nicht nur heute kennen, oft blickt er auf sein Leben zurück und man darf ihn in die Vergangenheit begleiten, lernt ihn als Kind und Jugendlichen kennen, letztlich auch den Moment, wo er Sonja trifft und wie sie zueinander finden, was auch wieder so eine herzergreifende Geschichte ist, dass ich mich während der Lektüre des Buches wie in einen Gefühlskarussell fühlte, man lacht und weint, aber eines ist ganz wichtig – mag lernt Ove lieben und abschließend lässt sich nur sagen, dieser Mann ist auch mit all seinen Ecken und Kanten liebenswert.

Fazit:
Ein Buch, was die ganze Gefühlspalette für den Leser bereithält. Zwischen einen Lachen auf den Lippen und Tränen der Trauer in den Augen, ist alles dabei und macht diese Geschichte zu etwas sehr besonderen, was ich niemals missen möchte und sicherlich wieder lesen werde. Absolut empfehlenswert.


Ein ganz besonderes Jahr
Ein ganz besonderes Jahr
von Thomas Montasser
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein ganz besonderes Buch, 24. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Ein ganz besonderes Jahr (Gebundene Ausgabe)
Inhalt:
Valeries Tante verschwindet und alles was bleibt, ist ein Zettel, in dem sie darum bitte, dass sich ihre Nichte um alles kümmert, alles schließt auch ihre Buchhandlung ein, die schon bessere Zeiten gesehen hat. Es ist nicht das Sortiment, was Mängel aufweist, die Kunden fehlen und mit etwas Widerwillen macht sich Valerie an, diese Tatsache zu ändern.
Eines Tages stößt sie auf ein merkwürdiges Buch, es wurde nicht zu Ende geschrieben, sie hält es für ein Mängelexemplar und wirft es zum Altpapier, doch dann betritt ein Kunde ihren Lade, der genau dieses Buch sucht. Ein Jahr voller Wunder beginnt!

Meine Meinung:
Ich hatte ja ein bisschen Angst, dass mir die Geschichte zu romantisch sein könnte, weil Frau findet Buch, welches Mann sucht, man könnte sich zusammenreimen wie es weitergeht, aber hier ist nicht die Beziehung untereinander im Vordergrund, hier geht es um dieses Buch, um Bücher an sich und einen ganz besonderen Buchladen.

Valerie weiß nicht, ist ihre Tante tot oder hat sie sich einfach eine Auszeit genommen, sicher ist nur, sie muss sich um ihren Laden kümmern. Ihre Tante war eine Buchliebhaberin, Valerie selbst mag zwar Geschichten, aber verliebt in sie, nein, dass ist sie nicht, noch nicht. Diese Entwicklung, die sie nimmt, ist wunderschön und eine Hommage an die Literatur. Als Buchhändlerin muss sie sich natürlich auch mit ihr Sortiment auseinandersetzen und da es sowieso an Kunden mangelt, liest sie sich quer durch den Laden. Als Leser darf man ihrer Lektürenliste lauschen, Titel werden genannt, die ich zumindest sofort recherchieren musste, damit ich mir auch wirklich ein vollkommenes Bild von Valeries Alltag machen konnte.

Jetzt könnte man denken, ein Buch über Bücher, wie nett, aber es ist viel mehr, weil als Buchhandlung hat man auch Kunden, vielleicht in Valeries Fall nicht viele, aber die die kommen, sind dafür umso ausdrucksstärker, wobei zwei besonders hervorgehoben werden und dieser Wechsel, zwischen verloren gehen zwischen Seiten und diese mit anderen zu teilen, der macht die Geschichte zu etwas ganz besonderen. Ich würde sagen, für einen Buchliebhaber ist es ein richtiges Wohlfühlerlebnis, wenn man die Zeit mit Valerie teilen darf.

Aber da war es ja noch, dass nicht fertiggeschriebene Buch, natürlich erfährt man auch seine Geschichte, die aber wieder so punktgenau ist, dass ich mich frage, wo sich der Autor versteckt hat. Sprachlich eine wahre Perle, kann das Buch allerdings auch inhaltlich auf ganzer Linie überzeugen. Es geht einfach alles Hand in Hand und hätte vermutlich perfekter nicht sein können.

Ich bin ja kein großer Fan von offenen Enden und ich dachte mir, ach herrje, genau damit werde ich hier abgespeist, aber auch hier macht der Autor eine Drehung, damit jeder zufrieden ist, der, der sich lieber selbst noch Gedanken über die Geschichte machen mag, aber auch der, der gerne zu einen vollkommen Abschluss finden möchte.

Fazit:
Wer diese Geschichte nicht liebt, der mag vermutlich Bücher nicht besonders gerne. Rundum gelungen, erzählt der Autor über eine Buchhandlung, die nach wenigen Seiten gedanklich im Kopf erscheint und von der man weiß, sie niemals wieder verlassen zu wollen.


Das Reich der Tränen
Das Reich der Tränen
von Janine Wilk
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,99

5.0 von 5 Sternen Wunderbar, bis auf das Ende, 8. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Reich der Tränen (Gebundene Ausgabe)
Inhalt:
Mia wohnt mir ihren Eltern und dem Hund Goldi in einer großen Villa, was nach außen hin ein schönes Bild abgeben mag, schaut hinter den Mauern jedoch anders aus. Ihre Mutter hat ihre Gefühle nicht unter Kontrolle, lässt ihre Wut oft an dem kleinen Mädchen aus und ihr Vater, er schweigt darüber. Zuflucht findet sie in ihrer Fantasiewelt, welche von Königin Zenoide regiert wird, diese jedoch trachtet ihr nach dem Leben, als sie ihren besten Freund Goldiur gefangen nimmt, unternimmt Mia alles, um ihn wieder zu befreien.

Meine Meinung:
Das Buch hat mich sofort an „Die Goldatmerin“ von Susanne Markgraf erinnert, zumindest der Inhalt verspricht eine ähnliche Darstellung der Dinge und so war es letztlich auch, zu sagen, welches Format besser war, kann ich nicht, es sind jedenfalls beides sehr wichtige Geschichten, die erzählt werden sollten, die Kinder Mut machen, ihre Gefühlen zu vertrauen und eine Stimme zu finden, wenn ihnen Unrecht angetan wird.

Mia ist sehr verschwiegen, nur dem Leser lässt sie an ihren Gedanken teilhaben und die sind so schmerzhaft, dass der Wunsch wächst, sie einfach irgendwie zu beschützen, doch das Mädchen, so zerbrechlich es wirken mag, finde Schutz in ihrer Fantasie, man könnte auch sagen, sie flüchtet vor der Realität, aber manchmal, da braucht es einfach die Illusion, um das Leben zu überstehen. Das Reich der Tränen ist spannend aufgebaut, natürlich muss man sich erst einmal einlesen und auch dazu bereit sein, seiner Fantasie Flügel zu verleihen. Man stolpert vielleicht zuerst ein wenig über die Namen der einzelnen Personen, doch langsam werden sie zu Vertrauten und man hat das Gefühl, tief in der Geschichte zu sein, viel mehr verwoben mit dem Ganzen, wie man zu Anfang annahm.

Die Altersempfehlung für dieses Buch ist 11 Jahre, an und für sich klasse, es ist wichtig, das Kinder auch mit solchen schweren Themen in Berührung kommen, wenn sie selbst betroffen sind, vielleicht einfach merken, dass es Hilfe gibt, hier jedoch gibt es meinen großen Kritikpunkt – das Ende. Diese Geschichte macht keinen Mut, es gibt viel mehr den Hinweis: schweige und lüge, damit niemand dein Geheimnis erfährt. Ich mag Bücher, die ein trauriger Ende haben, aber manche Geschichte, besonders bei diesem Thema und für diese Altersempfehlung brauchen ein gutes Ende, damit sie Mut machen und nicht noch mehr zum Schweigen verleiten.

Es ist jetzt nicht so, dass das Ende vollkommen unbefriedigend ist, viel mehr, es ist einfach nicht vorhanden, die Fantasiegeschichte mag abgeschlossen sein, doch Mias Leben, aus dem wird man ausgeschlossen und trifft sie nur kurz als Erwachsene wieder, wie sie aber die Zeit überstanden hat, dass erfährt der Leser nicht. So fantasievoll und toll der vordere Teil ist, so kaputt wird es durch das Ende, so sollte man in meinen Augen die Geschichte nicht stehen lassen. Ein Erwachsener kann damit vielleicht umgehen, sieht diesen Sprung als großes Stilmittel, sich selbst Gedanken zu machen, von einen Kind kann ich mir aber dies nicht erwarten, dafür sind sie noch zu unsicher.

Fazit:
Fantasievoll reist man durch eine Welt, die so wunderschön und furchtbar zugleich ist. Mia schließt man ins Herz, möchte sie nie wieder gehen lassen, einfach nur an ihrer Seite sein. Leider ist das Ende, meines Erachtens, sehr schlecht gewählt. Für Erwachsene/Jugendliche mag es geeignet sein, Kinder werden dadurch vermutlich doch eher mutlos und so etwas sollte bei diesem wichtigen Thema nicht passieren.


Schattengewächs - Mein Weg der Verarbeitung des sexuellen Missbrauchs
Schattengewächs - Mein Weg der Verarbeitung des sexuellen Missbrauchs
von Helena W. Ranken
  Broschiert
Preis: EUR 9,95

2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schattengewächs, 4. August 2014
Inhalt:
Mit fünf Jahren beginnt für Helena ein wahrer Alptraum, ihr Vater missbraucht sie zum ersten Mal, es soll nicht zum letzten Mal sein. Immer wieder missbraucht er das kleine Mädchen, als wäre es noch nicht schlimm genug, fängt auch die Mutter damit an und letztlich sind es beide Elternteile, die sich gemeinsam an ihr vergreifen.
Als sie 13 Jahre ist, hören die Übergriffe auf, doch in ihren Kopf geht die Tortur weiter, sie wird depressiv und obwohl sie es schafft, mit 16 Jahren Distanz zu ihren Eltern aufzubauen, in eine eigene Wohnung zieht, scheint der Alptraum endlos. Als die Erinnerungen langsam zurückkehren, fasst sie den mutigen Entschluss ihre Eltern anzuzeigen, was folgt ist jedoch ein langer und steiniger Weg.
Meine Meinung:
Da ist es wieder, ein Buch, zu dem man unbedingt was schreiben sollte, aber auch nicht so genau weiß, wie man seine Gedanken in Worte verpackt, weil die Worte wie surrende Fliegen im Kopf herumschwirren und sich nicht wirklich fassen lassen.
Wirre Worte sind jedoch immer noch besser, wie über das Thema zu schweigen.

Aufgebaut ist das Buch so, dass die Autorin mit den ersten Übergriffen beginnt, sie erzählt, wie sie die Situation damals erlebt hat, ohne jedoch groß ins Detail zu gehen, sprich, wer sich Horrorszenarien erwartet, wird sie hier nicht finden, oder zumindest auf so eine unterschwellige Art, dass sie einen doch mehr unter die Haut gehen, wie es Direktheit je könnte. Man lernt ein wenig die Strukturen in der Familie kennen, wer die einzelnen Personen sind und wie sie sich verhalten. Gut und schnell kann man sich ein Bild erstellen, was jedoch die Geschichte umso intensiver macht, weil man diesen rundum Einblick erhält. Die Familie, die nach Außen perfekt erscheint, aber von innen her zu verfaulen beginnt. Diesen schleichenden Prozess hat die Autorin grandios beschrieben, wobei in diesen Zusammenhang grandios so ein missglücktes Wort ist.

Nachdem der Missbrauch durch den Vater thematisiert wurde, liegt schon eine bleierne Schwere auf den Worten, die durch die Übergriffe und letztlich den gemeinsamen Missbrauch der Eltern unaushaltsam erscheint.

Mit 13 Jahren hören die Übergriffe auf und man könnte sich jetzt einen schönen Abschluss wünschen, aber das Leben ist kein Wunschkonzert und so erfährt man die direkten Auswirkungen solcher Taten. Helena wird depressiv, versucht sich mit 17 Jahren das Leben zu nehmen und bis dahin hatte sie eigentlich die Erinnerungen ganz gut verdrängt, doch sie suchen sich ihren Weg und dieser bringt sie dazu, Anzeige zu erstatten und jetzt Happy End? Gerechtigkeit für das Opfer? Nein, weil es in so einen Fall vermutlich so was wie Gerechtigkeit überhaupt nicht gibt, weil man nicht immer Recht bekommt, wenn man es verdient. Ihre Eltern streiten die Taten ab und man spricht sie im Zweifel frei. Weshalb ich jemanden, der selbst betroffen ist, diese Buch ans Herzen legen würde, wenn auch in kleinen Dosen, es ist nämlich ein wichtiger und mutiger Schritt, solche Taten anzuzeigen, aber ist es auch ein extrem harter Weg, der nicht unbedingt mit Erfolg gekrönt ist, aber doch macht das Buch Mut, weil vor Gericht mag Helena nicht Gehör bekommen haben, aber für sie ändert der Schritt trotzdem viel. Sie lernt sich zu befreien, kann ihre Geschichte nicht umschreiben, aber versuchen anzunehmen und diesen Prozess begleitet man.

Fazit:
Das Buch thematisiert ein sehr schweres Thema, ein zerstörendes und trotzdem ist die Geschichte nicht vollkommen trostlos, weil es der Autorin gelingt, auch aufbauende Momente einzubauen, die zwar rar sein mögen, aber doch vorhanden.


Das Schweigen in meinem Kopf
Das Schweigen in meinem Kopf
von Kim Hood
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,99

5.0 von 5 Sternen Highlight, 30. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Schweigen in meinem Kopf (Taschenbuch)
Inhalt:
Jo wohnt mit ihrer psychisch kranken Mutter alleine in einer kleinen Vorstadt, wäre es nicht schon schwierig genug, ist sie auch in der Schule eine Außenseiterin, findet einfach keine Freunde, vordergründig, weil alle Vorurteile gegenüber ihrer Mutter haben.
Die Schulpsychologin schlägt ihr vor, an einem Sozialprojekt teilzunehmen: Freiwillig verbringt sie nun die Mittagspausen mit dem schwerbehinderten 15-jährigen Chris. Sie hilft ihm beim Essen, leistet ihm Gesellschaft und erzählt zum ersten Mal jemanden, was ihr auf dem Herzen liegt. Langsam entwickelt sich eine innige Freundschaft, besonders weil Jo etwas bemerkt, was niemanden vorher aufgefallen ist.

Meine Meinung:
Bücher über psychische erkrankte Menschen, die gibt es wie Sand am Meer, aber eine Geschichte über eine Tochter einer manisch-depressiven Mutter, es kam mir noch nie unter, lässt man Biografien mal außer Acht. Um so interessierter war ich natürlich und es lässt sich sagen, was ich mir erwartet habe, wurde bei weitem übertroffen.

Man lernt die 13-jährige Jo kennen, ihre Probleme zu Hause, mit ihrer Mutter, aber auch die in der Schule, mit ihren Klassenkameraden. Ihre Mutter, mir ist bewusst, ihr Handeln lässt sich auf die Krankheit zurückführen, doch hat sie mich einfach so wütend gemacht, weil sie vor Selbstsucht nur so übergeht. Keine Frage: „Jo, wie geht’s es dir?“ immer nur: ich ich ich. Hier finde ich es wichtig zu sagen, dass es sich hier wohl um ein Extrembeispiel handelt, es gibt durchaus psychisch erkrankte Elternteile, die sich großartige um ihre Kinder kümmern können. Jos Mutter, sie gibt ihrer Tochter Essen, Trinke und alles was man zum Überleben braucht, nur eben die Liebe, die bleibt hier auf der Strecke. Es scheint auch fast so, als hätten sich die Rollen verschoben, die Tochter übernimmt die Mutterpflichten, damit die Mutter pubertieren kann.

In der Schule wird Jo von ihren Mitschülern geschnitten, weil alle ihre Mutter so seltsam finden, weil sie sich die ein oder andere Peinlichkeit durchaus geleistet hat und ich meinte jetzt nicht, sie war peinlich, wie das Eltern Kinder manchmal sind, es ist wie alles an ihr gewesen – extrem. Sogar die Eltern der Mitschüler „verbieten“ ihren Kindern den Umgang mit Jo. Sie igelt sich ein, lässt niemanden nah an sich ran, auch wenn es mal jemanden gibt, der es versucht, viel zu verängstigt ist sie, wieder enttäuscht zu werden, eine vermeintliche Freundin zu verlieren, weil diese von ihrer Mutter erfährt und mit dieser Angst, hat sie auch vorab ziemlich Recht.

Damit wäre das Rahmengerüst der Geschichte erzählt, Kern ist aber die Freundschaft, die Jo zu dem schwerbehinderten Chris entwickelt. Dieser leidet an Zerebralparese, einer frühkindlichen Hirnschädigung, die zu Spastiken, Lähmungen, unkontrollierten Bewegungen und auch dazu führt, dass der Junge nicht sprechen, wie die meisten auch annehmen, nicht kommunizieren, sich mitteilen, kann. In ihm findet Jo endlich jemanden, den sie vertrauen kann, weil so anders wie ihr Leben ist, ist auch dass von Chris. Ihre erbaute Mauer bröckelt bei ihm und schon bald verbringen sie auch Zeit außerhalb der Schule. Diese Freundschaft wird mit der Zeit so intensiv und ist keinesfalls einseitig, weil Chris freut sich jedes Mal, wenn er Momente mit Jo teilen darf und ihr tut es gut, jemanden zum sprechen gefunden zu haben. Ein bisschen, so hatte ich das Gefühl, verrennt sie sich auch, flüchtet vor ihrer Mutter und ihren Gefühlen, geht voll und ganz für den Jungen auf. Was letztlich einen tragischen und dann doch wieder schönen Ausgang nimmt, aber davon, davon solltet ihr euch eindeutig selbst überzeugen.

Fazit:
Eine Geschichte, welche mir in dieser Form noch nie untergekommen ist. Über die Schwierigkeiten, eine psychisch erkrankte Mutter zu haben, aber auch über die Schönheit einer ganz besonderen Freundschaft.


Splittermädchen
Splittermädchen
von Rebekka Knoll
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Splittermädchen, 7. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Splittermädchen (Broschiert)
Meine Meinung:
Kritisch stand ich dem Buch gegenüber, so ein leichtes Cover, passt es zu diesem schwerwiegenden Inhalt? Ich schlich um die Geschichte, Geld sparen oder doch ins kalte Wasser springen? Letztlich bin ich froh, über den Absprung, den ich gewagt habe.

Ela mag ihren besten Freund Stefan über alles, seit einem Unfall sind sie beinahe unzertrennlich, bröckeln beginnt die Fassade, als sie auf die junge Betty trifft. Sie ist sehr introvertiert und scheint ein Geheimnis zu bewahren. Nach anfänglichen Misstrauen gegenüber Ela, offenbart sie sich ihr doch: sie wurde von Stefan sexuell missbraucht. Für das junge Mädchen zerbricht daraufhin alles, hat sie sich so sehr in ihrem besten Freunde getäuscht? Mit ihr geht man auf Spurensuche, zweifelt an Situationen, über allem steht die Frage: Wen soll man glauben?

Gut umgesetzt fand ich die Tätergedanken, es kommt immer wieder zu einzelnen Kapiteln über Stefan, der gegen eine innerliche Stimme kämpft, eigentlich Kinder so gut wie meidet, eben weil er weiß, welche Gefahr von ihm ausgeht. Hier liegt die Kraft des Buches: es bringt einem zum Nachdenken. Opferhilfe und -schutz ist wichtig, doch genauso haben Vereine wie kein-täter-werden hohe Dringlichkeit. Auf der Seite dort heißt es: “Niemand ist schuld an seiner sexuellen Neigung, aber jeder verantwortlich für sein Verhalten.” Hier ist der Punkt, vermutlich kann wirklich niemand etwas für seine Neigungen, doch jeder hat einen freien Willen, kann Entscheidungen treffen. In Deutschland gibt es momentan 11 Anlaufstellen, viel zu wenig, was mich bei solchen Sachen immer stört – in Hauptstädten gibt es Angebote, doch was ist mit der ländlichen Seite, was ist mit Österreich, wir haben keinerlei solchen Vereine. Glaubt mir, so wichtig ich es finde, dass sich potenzielle Täter helfen lassen, so wichtig finde ich es auch, dass es mehr Anlaufstellen für Opfer gibt. In Kärnten, wo ich wohne, gibt es keinerlei Selbsthilfegruppen oder ähnliches. Es ist einfach erschreckend, wie präsent dieses Thema in unserer Gesellschaft ist und doch zumeist verschwiegen, ignoriert wird. Dieses Buch trägt dazu bei, dass man sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzt, beide Seiten betrachtet. Man beginnt Pädophile zu trennen, in die abartigen Wesen und die, die eigentlich mit Hilfe aus diesem Kreislauf aussteigen könnten. Es müsste nur mehr davon geben: Hilfe.

Ela sucht die Wahrheit, zersplittert an der Situation, weshalb der Titel so treffend ist und unwillkürlich fragt man sich selbst: ja, wie würde ich reagieren? Schweigen und ignorieren oder es ansprechen? Pädophile sind in der Gesellschaft widerliche Gestalten und es gibt sie natürlich, die Männer und Frauen, die ihre Neigung mit Genuss zelebrieren, doch wie schrecklich muss es für einen Menschen sein, diesen bes********** Drang zu haben und ihn eigentlich nicht zu wollen, weil sie wissen, es ist falsch. Öffentlich kann man sich nicht Hilfe suchen, blitzschnell wäre man verurteilt, was jetzt sicherlich nicht komplett falsch ist, aber man muss differenzieren: möchte jemand etwas gegen seine Neigung unternehmen oder nicht. Stefan ist ein lieber Mensch, ich glaube, würde man ihn treffen, man fände ihn gleich sympathisch und jetzt hat er eben diese Neigung, kämpft mich sich selbst und als Leser beginnt man ebenso einen Kampf. Man kann nicht mehr absolut verurteilen, sondern beginnt seine Gedanken zu hinterfragen. Wie wichtig ist neben Opferhilfe, selbige für Täter? Man kann nach der Lektüre des Buches nicht mehr vollkommen verurteilen. Sicherlich, es ist schrecklich, wenn man über sexuellen Missbrauch liest, doch wie viele Taten hätten verhindert werden können, gebe es mehr Anlaufstellen. Man hadert mit sich selbst, sieht Täter nicht nur als Monster, sie bekommen eine menschliche Seite und ich glaube, es bringt dem Leser auch ein wenig zum Splittern.

So gut ich das Buch finde, so hätte ich mir doch ein paar mehr Einblicke aus der Opfersicht gewünscht. Betty kommt zu Wort, sicherlich, aber die Ausgewogenheit stimmt nicht so ganz. Ich hätte mir ein paar mehr Details aus ihrer Welt gewünscht, die angesprochen werden, aber doch eher etwas im Hintergrund bleiben. Hätte es diese Mischung gegeben, dann wäre das Buch perfekt, so bleibt es jedoch eine sehr sehr wichtige Geschichte, die niemanden gedankenlos zurücklässt.

Fazit:
Pädophile sehen viele als Monster, mag stimmen, doch was ist mit Männern und Frauen, die ihren eigenen Drang selbst hassen, gegen ihn kämpfen. Kann man verurteilen? Sollte man nicht mehr Anlaufstellen auch für sie schaffen, damit es niemals zum Äußersten kommt? Man lernt: Täterhilfe ist genauso wichtig wie Opferhilfe und letztlich bleibt leider nur die traurige Feststellung: für beides gibt es viel zu wenig Unterstützung.


Heute ist mein letzter Tag lebendig (hoffentlich)
Heute ist mein letzter Tag lebendig (hoffentlich)
von Félix Francisco Casanova
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,40

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Verwirrspiel auf hohen Niveau, 26. Juni 2014
Inhalt:
Voller Sehnsucht wartet Bernardo auf den Tod, sein Leben erscheint ihn kläglich. In seiner Schläfe hat er ein Loch, notdürftig mit einem Pflaster überklebt, es zeigt, dass es ihm einfach nicht gelingen mag, seiner Existenz ein Ende zu setzen. Allerdings ist es nicht so, dass seine Versuche so ungeschickt sind, nein, mehr hat er eine Gabe, die zu seinem Fluch wird: Bernardo kann nicht sterben. Was er auch versucht, wie brutal die Methode auch sein mag, jedes Mal erwacht er aufs Neue. Marta pflegt ihn nach jedem Versuch hingebungsvoll, die junge Frau ist Freundin und Liebhaberin zugleich, kehrt jedoch immer wieder zu David zurück, einen alternden Dichter, den Bernardo beneidet, nicht wegen Marta, sondern deswegen, weil dessen Tod nur noch eine Frage der Zeit ist. In diesen Irrungen und Wirrungen, entsteht eine Geschichte üben den Tod, aber vor allem über das Leben.

Meine Meinung:
Kennt ihr diese Bücher, welche man gelesen hat und letztlich mit der großen Frage zurückbleibt: Menschenkind, was war dass jetzt gerade? So geht es mir mit „Heute ist mein letzter Tag lebendig (hoffentlich)“. Bernardo sehnt sich den Tod, schon in den ersten Zeilen ist es deutlich spürbar, springt sofort auf den Leser über, wie ein Parasit, der sich in die Haut krallt. Man schüttelt und schüttelt, doch los wird man ihn nicht, die ungestillte Sehnsucht, sie begleitet einen die ganze Geschichte über, hält einen gefangen und lässt den Atem stocken. Wer jetzt allerdings glaubt, hier wäre alles zutiefst melancholisch, der liegt richtig. Die bleierne Schwere überspannt die ganzen Seite, wenn sie auch manchmal von Gedankengängen unterbrochen wird, die man erst einmal verarbeiten muss, um sie zu fühlen.

Bernardo hat seltsame Träume und wenn ich seltsam meine, dann meine ich es genau so. Träume sind Interpretationssache und hier muss man richtig viel ackern, nichts wird einem auf dem Silbertablett gereicht, es scheint fast so, als möchte der Autor, dass man sich komplett in seinem Werk verliert und verdammt nochmal auch selbst Zusammenhänge sucht, findet und dann wieder als Unsinnigkeit verwirft. Hier liegt die Kraft des Buches, man ist direkt einbezogen, kann nicht einfach mal so drüberlesen, sondern muss sich den Worten widmen und ihnen alle Aufmerksamkeit schenken, die man nur finden kann.

Mein Verstand ist die ersoffene Kakerlake im Schleim meines Wahns. (Seite 73)

Die Dreiecksbeziehung von Bernardo, Marta und David ist verworren, aber was ist in diesem Buch nicht so? Trotzdem fällt es mir hier wohl am Schwersten, eine klare Sicht zu erlangen. Marta ist eine Gespielin, so zumindest scheint mir. Sie pendelt zwischen den Männern hin und her, um von jedem das Beste abzuholen, letztlich bleiben mir aber ein paar zu viele Fragen. Wie kam es zu der Beziehung? Wieso hat David so einen großen Stellenwert?

Gegen Ende hin, da dachte ich mir, nun gut, welchen Schluss wird die Geschichte schon nehmen? Bernardo findet sich mit seiner Unsterblichkeit ab, erkennt den Wert des Lebens und springt beschwingt über Weizenfelder. Gesagt sei, der Leser hat ja so was von keine Ahnung, wie man nur ein Nichtwissender sein kann. Das Ende, ich verspreche euch, hat alles was ein Herzschlagfinale braucht. Bernardos Plan ist so voller Kalkül, dass es einem einen eisigen Schauer über den Rücken jagt und die Umsetzung erst. Diese Wendung, diese Idee der er verfällt, sie war nicht zu erwarten, aber ist deswegen umso gelungener.

Jetzt könnte man meinen, der Autor wäre ein Großmeister im Literaturbetrieb gewesen, Tatsache ist aber: geschrieben wurde das Buch von dem damals 17-jährigen Félix Francisco Casanova in nur 44 Tagen. Eines steht fest, dieser Junge war ein Genie, leider ist er allerdings im Alter von 19 Jahren unter nie ganz geklärten Umständen gestorben. Dieser Aspekt gibt den Buch zusätzlich eine besondere Note, dass ich letztlich nur sagen kann: Hut ab.

Fazit:
Definitiv kein Buch für Zwischendurch, hier ist der Leser gefordert, seine eigenen Überlegungen anzustellen, Verwirrungen zu entwirren und manchmal auch Gedanken zu lesen. Die Lektüre mag manchmal nicht die leichteste sein, jedoch eine absolut lohnenswerte.


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