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Dr. R. Manthey
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Die zehn Botschaften der Sterbenden: Was wir von Randy Pausch, Sam Berns, Steve Jobs und anderen lernen können
Die zehn Botschaften der Sterbenden: Was wir von Randy Pausch, Sam Berns, Steve Jobs und anderen lernen können
von Dagmar Larini
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Botschaften, die man gerne hört, aber selten umsetzt, 25. Februar 2015
Obwohl wir alle genau wissen, dass wir einmal sterben werden, denken wir daran nicht gerne. Warum sollten wir es auch tun? Damit wir besser vorbereitet sind? Oder vielleicht, weil wir danach möglicherweise bewusster leben, was immer das auch konkret heißen mag? Gedanken oder Gespräche über den Tod sind kein Tabu, wie immer wieder gerne behauptet wird. Sie machen nur einfach keinen Spaß und heben nicht gerade die Laune.

Wir leben in Ungewissheit über das genaue Datum unseres Todes. Sowie wir jedoch Bescheid bekommen, dass es bald so weit ist, ändert sich alles. Uns wird schmerzlich bewusst, dass es uns bald nicht mehr geben wird, die anderen aber schon. Es tritt das Gefühl ein, irgendwie nicht mehr dazuzugehören, obwohl man noch lebt. Nichts ist mehr wichtig. Man kann alles loslassen. Auch wenn es noch so weh tut, wird man es akzeptieren oder akzeptieren müssen. Manche Menschen senden in einer solchen Situation Botschaften aus ihrer Zwischenwelt. Darum geht es in diesem Buch.

Sterbende denken über ihr Leben nach, erkennen ihre Irrtümer und Fehler. Und sie wollen, dass andere es besser machen. Doch hätten sie selbst auf solche Ermahnungen und Botschaften früher gehört? Man kann das bezweifeln, denn gewöhlich werden Erfahrungen immer von Generation zu Generation weitererzählt. Nur hören die Jüngeren selten auf diese Ratschläge. Und wenn man genauer hinsieht, dann sind all diese Erfahrungen der Älteren auch selten neu. Die Menschheit müsste also über die vielen Generationen immer klüger geworden sein. Ist sie aber nicht. In jeder Generation immer dieselben Fehler zu machen, immer den gleichen Irrtümern nachzulaufen, gehört offenbar zum Kreislauf des Lebens.

Wenn man dieses Buch liest, dann bekommt man Botschaften vermittelt, wie, dass wir das Leben genießen oder hungrig und verrückt bleiben sollen. Unsere innere Wahrheit mögen wir erkennen, nicht gegen uns arbeiten, unser und nicht fremdes Leben leben. Das sagt sich alles so einfach, vor allen Dingen, wenn man es selbst nicht mehr umsetzen kann. Dagmar Larini befasst sich auch mit dem Problem, wie Lebende mit einer noch ungewissen Perspektive solche Ratschläge umsetzen können. Ihre Antworten fand ich zwar ganz interessant, aber nicht wirklich überzeugend. Leider zieht sie all die vermeintlichen Botschaften dieses Buches auch noch übermäßig in die Breite. Ich fand darüber hinaus ihren etwas belehrenden Unterton gelegentlich ein wenig störend, auch wenn sie dies vielleicht so nicht beabsichtigt haben mag.

Im Grunde geht es bei all den Mitteilungen aus diesem Buch immer nur um eine zentrale Botschaft, nämlich ums Loslassen. Wenn man stirbt, wird klar, dass man nichts mitnehmen kann. Man tat gut daran, das Leben, das immer nur im Jetzt stattfindet, richtig auszuleben und nicht zu verschwenden. Das gehört natürlich auch zu den Botschaften dieses Buches. Was einst wichtig war, zählt nun nicht mehr. Dass Anhaften und Klammern unglücklich macht, wusste schon Buddha, denn das ist seine zentrale Botschaft. Doch eine solche Aussage im Alltagsleben wirklich zu verstehen und umzusetzen, ist verdammt schwer, weil sie dem gesellschaftlichen Konsens von Karriere, Besitz und vor allem Anerkennung diametral entgegensteht.

Das Buch ist trotz seiner gelegentlichen Längen und Breiten nicht schlecht. Wenn man sich mit diesem Thema jedoch schon einmal bewusst befasst hat oder die verwendete Literatur im Original kennt, dann erfährt man nicht viel Neues. "Nicht schlecht" bedeutet nach den Empfehlungen des Seitenbetreibers drei Sterne zu vergeben. Da das vielleicht einen falschen Eindruck vermittelt, gebe ich gerne einen Stern mehr.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 27, 2015 12:34 PM CET


Ein Fall für die Flusspiraten, Das Rätsel der Geistervilla
Ein Fall für die Flusspiraten, Das Rätsel der Geistervilla
von Ralf Leuther
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 8,99

4.0 von 5 Sternen Landgang ins Spukhaus, 24. Februar 2015
Während die kleinen Flusspiraten im ersten Teil dieser neuen Geschichten von Ralf Leuther noch mit ihrem Schlauchboot ins Geschehen eingriffen, ist nun im wesentlichen Landgang angesagt. Fionas ehemalige Lehrerin Frau Menzel hat sich ein Bein gebrochen und liegt nun im Krankenhaus, während ihr Papagei Captain Waterloo zu Hause ohne Futter bleibt, wenn nicht die drei Flusspiraten eingreifen.

Doch das ehemalige Haus des Barons von Wendelstätten, das nun Frau Menzel gehört, hatte noch nie einen besonders guten Ruf. Weil sich Fionas Lehrerin keine Renovierung mehr leisten kann, verfällt es zusehens. Und obendrein spukt es dort mal wieder. Doch dieser Spuk erweist sich als böse Tat von raffgierigen Verwandten, die die alte Lehrerin davon überzeugen wollen, in ein Altersheim zu ziehen, damit sie sich die Immobilie unter den Nagel reißen können. Aber da haben sie nicht mit den tapferen Flusspiraten gerechnet.

Bei diesen beiden Bänden handelt es sich um leicht erzählte und stimmige Geschichten. Allerdings scheint mir die Flusspiraten-Klammer ausbaufähig zu sein, wenngleich das etwas schwierig werden kann, denn eigentlich sollten Kinder unter zehn Jahren hierzulande nicht allein in motorisierten Schlauchbooten auf Flüssen herumkurven. Welche Rolle der kleine Bruder von Fiona, der noch nicht einmal zur Schule geht, in dieser Konstellation spielt, hat sich mir bisher nicht erschlossen, zumal mit ihm das Zielgruppenalter schwer abzuschätzen ist. Nach meiner Erfahrung ist es (8-10 Jahre) etwas zu hoch angesetzt.


Von Geist und Geistern: Autobiografie
Von Geist und Geistern: Autobiografie
von Hilary Mantel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen "Ich glaubte, solange man nicht gekreuzigt wurde, sollte man nicht wirklich klagen.", 22. Februar 2015
Für Klagen gab es ausreichend Gründe in Hilary Mantels Leben. Aber sie klagt auch in diesem Buch nicht, sie berichtet. Nicht immer geradlinig und auch nicht immer so, dass man es auf Anhieb versteht. So manches klingt zunächst seltsam verschwommen und zurückhaltend. Aber verwundern sollte das nicht, denn für die Autorin geht es weniger um die Darstellung ihres Lebens oder genauer gesagt ihrer Kindheit und gut der ersten Hälfte ihrer bisherigen Geschichte, als vielmehr um die Veränderungen ihres inneren Zustandes durch das, was um sie herum und mit ihr passierte. Vielleicht sollte man auch besser vorher eine Kurzfassung ihrer Biografie lesen. Dann wird vieles klarer.

Diese Autobiografie befasst sich auch weniger mit dem Werden der Schriftstellerin Mantel, sondern vielmehr mit der Geschichte eines Mädchens, das in schwierigen Familienverhältnissen aufwuchs und schon früh ständig unter ominösen Schmerzen litt. Wenn man sich auf dieses Buch einlässt, das vor Mantels großen literarischen Erfolgen erschien, dann kann man auch viel über die Zeiten lernen, in denen sich ihr Schicksal entfaltete. Mantels Mutter lebte als verheiratete Frau mit einem anderen Mann in wilder Ehe. Während man heute mit solchen Verhältnissen der oberste Repräsentant eines Staates werden kann, litt die kleine Hilary in der Schule darunter, dass andere Kinder sie die Ausgrenzung spüren ließen. Aber Hilary lernte, dass man gelegentlich auch einfach einmal Stärke demonstrieren muss, um anderen Grenzen aufzuzeigen. Sie schlug einfach zu.

Ich fand diese Schilderungen ebenso beeindruckend wie die Eindrücke aus den katholischen Schulen. Allerdings muss ich dabei gestehen, dass ich mich oft gefragt habe, woher Hilary Mantel all diese Erinnerungen nimmt. Wer kann sich denn noch so detailliert seine Emotionen ins Bewusstsein rufen, wenn das Ganze über vierzig Jahre zurückliegt? Und wenn man Zweifel daran haben muss, die Dinge im Alter von fünf oder etwas mehr Jahren wirklich so verstanden zu haben, wie sie in diesem Buch klingen. Schließlich steckt in einem Kinderkopf nicht das Verständnis, das erst aus den Erfahungen eines Erwachsenlebens geboren wird. Deshalb erscheint mir dieses Buch auch weniger als eine Autobiografie, sondern mehr als eine Erzählung einer erlebten Geschichte aus der Sicht von heute. Nicht immer einfach zu lesen. Man muss sich wirklich auf sie einlassen oder einlassen wollen, ansonsten wird man an ihr abgleiten und das Buch vielleicht irritert oder gelangweilt zur Seite legen.

Wirklich tragisch ist Hilary Mantels Krankengeschichte, auch wenn sie sie nicht so erzählt. Katastrophale Fehleinschätzungen, irreversible Schädigungen und zynische Kommentare von Ärzten passen sicher nicht ganz in das Selbstbild der Medizin, gehören aber zur bitteren Lebensrealität dieser großartigen Schriftstellerin. Wie sie damit umgeht, ist bewundernswert.

Dieses Buch ist ganz anders als Mantels große historische Romane. Das sollte man wissen, wenn man es zur Hand nimmt.


Henry Hunter jagt den Urvampir
Henry Hunter jagt den Urvampir
von John Matthews
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

5.0 von 5 Sternen Henry Hunter wird vom Urvampir gebissen, 20. Februar 2015
Aber Draculas Tochter kann das glücklicherweise wieder reparieren. Sonst nämlich wäre der Held dieser neuen Serie für immer ein Vampir geblieben. Er hätte zurück in seinem Internat, der St. Grimbolds Schule für Außergewöhnliche Jungen, damit sicher einigen Eindruck hinterlassen.

Außergewöhnlich ist Henry Hunter tatsächlich in jeder Beziehung. Als Sohn stinkreicher Eltern, die sich irgendwo in der Welt herumtreiben, um ihren Reichtum durch gute Taten zu entschuldigen, verfügt er selbstverständlich über einen Privatjet und jede Menge Kleingeld. So kann er, wann immer er will, auf Abenteuerreise gehen. Dabei begleitet ihn Rudolphus Pringle, der Hunter einmal aus der Patsche half und fortan sein in Freundschaft verbundener Geselle wurde. Rudolphus, auch kurz Dolf genannt, erzählt uns dankenswerterweise die unglaublichen Abenteuer des Henry Hunter, die meistens mit einem Artikel aus einer seiner Abenteurer-Zeitschriften beginnen.

Für seine erste Reise zeichnet ein Artikel über den Urvampir verantwortlich, der irgendwo sein Unwesen in einer Transsilvanischen Höhle treiben soll und die Menschheit in Gefahr bringen kann. Selbst Graf Dracula hatte Angst vor diesem Urvieh. Also machen sich Hunter und Dolf auf den Weg in die rumänische Wildnis. Natürlich nicht ohne noch vorher die englischen Orte zu besuchen, die in Bram Stokers Dracula-Buch eine Rolle spielen. Schon dort kommen unsere beiden Helden in Kontakt mit geheimnisvollen Leuten, die ihnen nicht wohlgesonnen sind. Da helfen auch Hunters Kampfkünste nicht, die er ebenso selbstverständlich beherrscht wie zahlreiche Sprachen, darunter Rumänisch und sämtliche seiner bekannten Dialekte.

Ebenso wie bei den Indianer-Jones-Geschichten weiß man sehr schnell, dass das Ganze wenig mit der Realität zu tun hat. Allerdings stimmen die meisten Aussagen über Stokers Buch und die tatsächlichen Hintergründe. Zudem erzählt Dolfi die Handlung mit feiner britischer Selbstironie, was die Geschichte perfekt abrundet und sehr unterhaltsam macht. Nach meinem Gefühl hat John Matthews mit diesem ersten Band seiner Henry-Hunter-Serie ein sehr schönes Kinderbuch geschaffen, das gerade davon lebt, dass man es offensichtlich nicht bierernst nehmen soll. Wie bei Comics macht das Lesen deshalb vielleicht erst recht Spaß.


Geheimnisvolle Frauen: Rebellinnen, Mätressen, Hochstaplerinnen
Geheimnisvolle Frauen: Rebellinnen, Mätressen, Hochstaplerinnen
von Armin Strohmeyr
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen 12 interessante Leben kurzgefasst, 18. Februar 2015
Wieder einmal hat Armin Strohmeyr einen Band mit Frauenpoträts veröffentlicht. Diesmal sind es "geheimnisvolle Frauen". Stromeyrs Vorgehensweise ist dabei immer ähnlich. Offenbar liest er fleißig umfangreiche Frauen-Biografien und fasst sie dann auf zwanzig bis dreißig Seiten zusammen. Damit erspart er seinen Lesern einerseits viel Mühe und Zeit und verschafft ihnen andererseits einen recht guten Überblick über zum Teil sehr interssante Lebensläufe. Außer dass die in diesem Buch mit Kurzbiografien geehrten Frauen geheimnisvoll sein sollen, gibt es keine offensichtliche Klammer zwischen ihnen. Von Strohmeyer natürlich abgesehen.

Warum sollte es sich dann lohnen, ein solches Buch zu lesen? Wahrscheinlich würde man nie eine ausführliche Biografie der meisten in diesem Buch auftretenden Frauen in die Hand nehmen, weil die Damen einfach schon zu lange tot oder kaum bekannt sind. Vom Leben der jüngeren Agrippina, die in einem römischen Feldlager am Rhein geboren, später Mutter des Kaisers Nero und Gründerin von Köln wurde, bis zur fast unbekannten britischen Geheimagentin Nancy Wake liegen fast zweitausend Jahre. Und wenn man alle 12 Kurzbiografien gelesen hat, dann stellt man sich vielleicht die Frage, was sich am menschlichen Verhalten in diesem langen Zeitraum eigentlich geändert hat. Und man muss wohl einsehen, dass man nichts finden wird. Vielleicht besteht gerade darin eine unsichtbare Klammer zwischen all diesen Lebensbeschreibungen.

Neben den beiden erwähnten Damen fanden noch Aufnahme in diesen Band: Christina von Schweden, Maria Mancini Colonna (Geliebte des Sonnenkönigs), Emilie du Chatelet (Geliebte Voltaires), Mary Shelley (Frankenstein), Adele, Spitzeder, Elisabeth von Österreich, Therese Humbert, Edith Cavell, Greta Garbo und Bonnie Parker (Bonnie and Clyde). Man findet viel Faszinierendes beim Lesen. Beispielsweise die unglaubliche Vorgehensweise der Therese Humbert, einer Hochstaplerin, der die höhere Gesellschaft von ganz Paris ihrer Zeit zu Füßen lag, obwohl sie nichts besaß, aber so tat, als wäre sie extrem vermögend. Gier und Geltungssucht auf beiden Seiten dieses Schauspiels verblüffen ungemein und zeigen, wie leicht Menschen zu manipulieren sind, wenn sie auf Leute treffen, die kaltblütig und selbstbewusst genug sind, um so etwas gnadenlos durchzuziehen.

Natürlich besitzt die von Strohmeyr gewählte Darstellungsweise auch ihre Schattenseiten. Die hier beschriebenen Leben waren sehr ereignisreich. Es ist daher für einen Leser, dem diese Damen bisher noch nicht aufgefallen sind, mitunter nicht einfach dem Schweinsgalopp, in dem die handelnden Figuren an ihm vorbeirasen, zu folgen. Das wird er sehr schnell merken, wenn er sich durch das blutige Dasein von Agrippina liest. Nimmt man das in Kauf, dann wird man viel Neues und Interessantes erfahren.


Kalifat des Schreckens: IS und die Bedrohung durch den islamistischen Terror
Kalifat des Schreckens: IS und die Bedrohung durch den islamistischen Terror
Preis: EUR 10,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zurück zum Propheten, 16. Februar 2015
Unter der Überschrift "Tugendterror im Innern" findet der Leser erst in der Mitte dieses Buches endlich eine Beschreibung dessen, was das vom Autor sogenannte Kalifat des Schreckens eigentlich ausmacht. Nach Ansicht des Autors geht es "... um einen grundlegenden Wandel des sozialen, kulturellen und ökonomischen Lebens nach dem Vorbild (beziehungsweise nach der salafistischen Sicht) der Gesellschaft zur Zeit des Propheten Mohammed." Und weiter: "Ihre Informationen zum Frühislam entnehmen sie einem eng umgrenzten Korpus an Texten: erstens dem Koran und zweitens der Sunna, das heißt der Sammlung der Überlieferungen über Aussagen und Taten des Propheten Mohammed (die sogenannten hadithe)." Was der Autor mit "einem eng umgrenzten Korpus an Texten" umschreibt, sind in Wirklichkeit die Grundlagen des Islam. Falls jemand also auf die inzwischen sehr beliebte Idee kommen sollte, dieses Kalifat und alles, was dort geschieht, hätten nichts mit dem Islam zu tun, dann sagt er uns also, dass der Islam nichts mit dem Koran und der Sunna zu tun haben würde. Der Koran ist aus der Sicht des Islam das Wort Gottes und kann von Menschen weder verändert noch interpretiert werden.

Leider beschreibt der Autor das, was im Islamischen Staat gerade passiert nur auf wenigen Seiten. Und er tut das auch seltsam wertfrei und wenig detailliert. Die furchtbaren Zustände, die dort herrschen, kann man so kaum begreifen. Insofern führt der Titel dieses Buches etwas in die Irre, denn dem Autor geht es kaum darum, den wahren Schrecken des IS-Systems auszumalen. Vielmehr erklärt er recht langatmig und sehr detailliert den Weg dieser Gruppierung von den Anfängen einer sehr kleinen Gruppe, die zunächst in Afghanistan trainierte und dann über den Bürgerkrieg im Irak und Syrien sehr geschickt immer mehr Anhänger fand und schließlich die Macht in einem riesigen Gebiet übernahm. Noch nie hat es eine Terrororganisation mit einer solchen militärischen und finanziellen Ausstattung gegeben.

Das Ergebnis des letzten amerikanischen Irak-Krieges und anderer Destabilisierungsbemühungen in der Region ist bei Lichte betrachtet also eine einzige Katastrophe. Merkwürdigerweise ist das gigantische Scheitern einer selbsternannten Weltmacht überhaupt kein Thema in diesem Buch und auch nicht in der aktuellen Diskussion.

Wer sich für die komplizierte Geschichte des Islamischen Staates interessiert, findet in Steinbergs Text eine sonst seltene Informationsdichte. Steinberg zweifelt am Ende seines Buches an der Überlebensfähigkeit dieses Organisationsgebildes. Diesen Leuten würden sowohl die Mittel als auch die Fähigkeiten fehlen, ein Kalifat solchen Ausmaßes dauerhaft am Leben zu erhalten. Ob er damit recht hat, wird die Zukunft zeigen. Sehr seltsam sind allerdings Steinbergs Aussagen, durch diese Organisation würden dem Westen weniger Gefahren drohen als durch Al Qaida. Wenn man seinen Text aufmerksam liest, kann man auch zu genau der gegenteiligen Meinung kommen.

Dort beschreibt er nämlich auch, wie es Leuten, deren Asylanträge in Deutschland und Österreich abgelehnt wurden, gelang, in Europa Mittel und Personal für den IS zu requirieren. Und das ziemlich unbehelligt. Wenn man die bei Steinberg nachlesbaren Methoden des IS kennt, muss man dann nicht befürchten, dass mit der gegenwärtigen unkontrollierten Einwanderungswelle auch noch mehr Leute eingeschleust werden, die in Europa für den IS arbeiten sollen? Im vierten Kapitel berichtet Steinberg nämlich, wie der IS im Irak systematisch und mit langem Atem zunächst kleine Zellen schuf, diese dann mit erfahrenen Kämpfern verstärkte, die nach genauen Plänen vorgingen und mit den entsprechenden Mitteln ausgestattet waren. Und erst als die Situation günstig war, enttarnten sie sich zu einer mächtigen Fraktion im irakischen Bürgerkrieg. Für den Westen kam diese Entwicklung völlig überraschend, wie man von Steinberg erfährt. Das zeigt doch nur, wie blind die westlichen Geheimdienste in Wirklichkeit sind.

Ein weltweites Kalifat ist das Endziel aller Bemühungen, die den Muslimen von ihrem Propheten aufgetragen wurden. Wieso glaubt der Autor eigentlich, dass der IS, der offensichtlich in Europa genug Unterstützer besitzt, hier nicht genauso vorgehen wird wie im Irak, zumal er in seinem Kalifat nun auch noch für militärische Erfahrungen und eine scharfe ideologische Ausrichtung seiner Kämpfer sorgen kann, die anschließend nach Europa zurückkehren? Man muss schon ziemlich naiv sein, um zu glauben, dass ein einmal erfolgreiches Muster nicht wiederholt werden wird.

Zusammengenommen ist dieses Buch eine sehr gute Informationsquelle über die Strukturen des IS, seine Vorgehensweise und seine Ziele. Unverständlich geblieben sind mir dagegen einige Schlussfolgerungen des Autors über die Strategie des Westens und die tatsächliche Gefahrenlage.


Ein Fall für die Flusspiraten, Jagd auf den Alligator
Ein Fall für die Flusspiraten, Jagd auf den Alligator
von Ralf Leuther
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 8,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mit dem Schlauchboot auf Alligatorsuche, 15. Februar 2015
Manuel hat seine Eltern verloren und lebt nun auf dem Hausboot seines Onkels, der gerade wieder einmal auf irgendeiner Expedition in der Welt unterwegs ist. Schon lange befindet sich Manuel im Visier der selbst ernannten Detektivin Fiona Leybold, die er aus seiner Schule kennt, obwohl sie in einer Klassenstufe unter seiner lernt. Eines schönen Tages schleicht sich Fiona mit ihrem kleinen Bruder auf das Holzboot und überredet den wenig begeisterten Manuel, bei ihrem Detektivspielen mitzumachen.

Und wie es der Zufall so will, kommt es sogleich auch zu einem Abenteuer, denn beim Versuch, einen etwas verwirrten Hund aus dem Wasser zu retten, entdecken die drei Ermittler einen Alligator, der ganz offensichtlich nicht so richtig in die hiesigen Flusslandschaften passen will. Daraus entwickelt Ralf Leuther eine Geschichte, die sich ein wenig an den Sommerlochgeschichten über Krokodile im Rhein orientiert. Allerdings haben es die kleinen Leser im Buch mit einem richtigen Verbrechen zu tun, das schließlich mit ihrer Hilfe aufgeklärt wird.

Vielleicht ist es nicht ganz fair, wenn man einen Autor an seinen Erfolgsbüchern misst. Aber Leuther hat nun einmal mit seinem grünen Gespenstermädchen Cara eine Geschichte in die Welt gesetzt, die über ein Alleinstellungsmerkmal verfügte. Auch wenn er das mit den Flusspiraten nicht ganz wiederholen kann und hier die Phantasie von Kindern etwas weniger angesprochen wird, so handelt es sich doch um eine kindgerecht spannende Geschichte, die sicher zahlreiche Leser finden wird.


Entlarvt!: Wie Sie in jedem Gespräch an die ganze Wahrheit kommen Mit den besten Tricks + Techniken der Geheimdienste
Entlarvt!: Wie Sie in jedem Gespräch an die ganze Wahrheit kommen Mit den besten Tricks + Techniken der Geheimdienste
von Jack Nasher
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Fragen wie ein Profi", 13. Februar 2015
Mal angenommen, wir hätten den Verdacht, jemand aus unserem privaten oder geschäftlichen Umfeld würde uns betrügen. Weiter setzen wir der Einfachheit halber voraus, wir wären in der Lage, aus gewissen körperlichen Reaktionen darauf schließen zu können, dass der Betreffende tatsächlich lügt. Das wäre immerhin schon einmal etwas, was ein gewisses professionelles Können unterstellt. Nach diesen beiden Annahmen kommt Jack Nashers neustes Buch ins Spiel.

Wenn man es gelesen hat und hoffen kann, die darin vorgestellten Methoden irgendwie verinnerlicht zu haben, führt man mit dem Verdächtigen ein "Gespräch". Glaubt man dem Untertitel von Nashers Werk, dann wäre man nun in der Lage, "an die ganze Wahrheit zu kommen", denn schließlich benutzt man doch "die besten Tricks und Techniken der Geheimdienste".

Vermutlich werden die meisten Menschen dies bezweifeln. Und das ist nicht verwunderlich, denn es fehlen bei all den vollmundigen Versprechen nämlich zwei grundlegende Voraussetzungen für die Anwendung der in diesem Buch vorgestellten Methoden. Erstens sind wir in den meisten Fällen emotional betroffen. Wir können uns daher nicht so einfach bei unserem Verdächtigen einschmeicheln, Brücken bauen oder andere Tricks anwenden, weil wir wohl wütend sein werden. Und zweitens haben wir natürlich keine langen praktischen Erfahrung mit Verhören von Gefangenen, denn darum geht es in diesem Buch in erster Linie.

Nash folgt dabei "dem Vater der modernen Verhörmethodik" John E. Reid und dem Verhörhandbuch "KUBARK" der CIA. Darüber hinaus kennt er offenbar ein Verhörbuch des FBI, das wegen einer Panne monatelang in der Library of Congress in Washington D.C. für jedermann offenlag. Es ist allerdings auch nur eine Mischung aus den Reid-Techniken und dem CIA-Handbuch. Eingestreut im Text werden dann außerdem noch Methoden berühmter Verhörspezialisten vorgestellt, unter anderem die des Eichmann-Vernehmers Avner Less. Sie nutzen bereits Techniken, die später von der CIA niedergeschrieben und systematisiert wurden. Am Ende des Textes findet man noch eine interessante CIA-Klassifikation von Persönlichkeitstypen und Vorschläge, wie man mit ihnen bei Verhören verfahren sollte.

Nun sind die in diesem Buch vorgestellten Verhörmethoden alles andere als eine Sensation. Einige davon kennt man bruchstückhaft aus Filmen. Allerdings sieht man dort nur, was geschieht. In diesem Buch werden solche Methoden und die Gründe, warum sie funktionieren, systematisch und ausführlich erklärt. Darin besteht zweifellos die Stärke des Buches. Es ist darüber hinaus kurzweilig und interessant geschrieben und trotz einiger Wiederholungen entsprechend gut lesbar. Ob der Text Hobby-Verhörern oder semiprofessionellen Ermittlern etwas nützt, kann ich nicht wirklich beurteilen. Auf alle Fälle ist er so aufgemacht, dass man systematisch aus ihm lernen kann, ohne jedoch wie ein Lehrbuch daherzukommen.

Ob man mit diesen Techniken tatsächlich herausfindet, ob der Nachbar heimlich Autos zerkratzt, der eigene Partner fremdgeht oder wieviel ein Chef seinem Mitarbeiter zu zahlen bereit ist, wie es im Klappentext so schön heißt, wage ich aus den oben genannten Gründen dann doch zu bezweifeln. Dazu gehört etwas mehr als nur ein Buch zu lesen. Und außerdem fehlt in der Regel in solchen Fällen die Möglichkeiten eines Verhörs.


Hillary Clinton - Was sie wirklich denkt
Hillary Clinton - Was sie wirklich denkt
von Lisa Rogak
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Ich bin lange genug in der Politik, um zu wissen, dass es oft ein bestimmtes Niveau von Desinformation gibt ...", 10. Februar 2015
In diesem Buch sollen wir also erfahren, was Hillary Clinton wirklich denkt. Und das ausschließlich aus öffentlichen Reden, Interviews, Büchern und Artikeln. Als ich die Vorankündigung zu diesem Buch las, habe ich leider übersehen, dass es nur aus solchen Zitaten bestehen würde. Nach Themen alphabetisch geordnet, etwa von Abtreibung bis Zukunft, geht es durch alles und nichts. Früher dachte ich immer, dass zu solchen Büchern eine andere Staatsform besser passen würde. Aber immerhin ist Hillary Clinton schon eine gefühlte Ewigkeit die beliebteste Frau des Jahres in den USA. Und sie ist mit dem beliebtesten Demokraten der USA verheiratet. Der wiederum, so erfährt man von ihr, hat ein orales Problem. Er isst nämlich keine Schokolade.

Zu Bill gibt es das Stichwort "Ehemann". Und da findet man eine Reihe von Huldigungen und Liebeserklärungen, die man ihr natürlich gerne abnimmt. Immerhin gibt sie wenigstens zu Protokoll, dass es ihr einstmals sehr schwer fiel, zu entscheiden, ob sie mit ihm weiter verheiratet bleiben soll. Wer sich durch dieses Buch liest, der findet dort sicher nicht, wie die einstige Außenministerin, zurückgetretene Präsidentschaftskandidatin und Präsidentengattin tatsächlich denkt, sondern vielmehr, was sie möchte, dass andere über sie denken.

Man kann sich natürlich auch Fragen stellen. Zum Beispiel, ob Hillary Clinton oder andere Menschen in vergleichbaren Positionen tatsächlich das glauben, was sie sagen. Oder wie es sich anfühlt, wenn man andere über Menschenrechte belehrt und gleichzeitig ein Gefangenlager unterhält, das nur schwer mit solchen Rechten in Übereinstimmung zu bringen ist. Man liest auch, dass sich die USA als die führende Macht der Welt fühlen und man spürt das Sendungsbewusstsein, mit dem amerikanische Politiker offenbar gesegnet sind. Die Vorstellung, dass eine deutsche Bundeskanzlerin solche Sätze wie Hillary Clinton formuliert, würde in Europa ein Sturm der Entrüstung hervorrufen. Bei ihr gehen Allmachtsansprüche dagegen wie selbstverständlich durch.

Um dieses Buch als das anzusehen, was es sein will, muss man vielleicht etwas naiv sein, denn es gehört wohl eher in die Abteilung Imagepflege und Propaganda. Und wenn man es so liest, wird es zwar auch nicht spannender, aber wenigstens interessanter. Sollte Hillary Clinton tatsächlich die nächste Präsidentschaftskandidatin der Demokraten werden, dann weiß man als Leser aus den in diesem Buch veröffentlichten Aussagen immerhin, dass es formal gesehen kaum politische Unterschiede zum jetzigen Präsidenten geben würde.


Wildhexe - Blutsschwester
Wildhexe - Blutsschwester
von Lene Kaaberbøl
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,90

5.0 von 5 Sternen "Blut könnte ihr Gefängnis öffnen. Blut könnte ihr den Sieg sichern.", 9. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Wildhexe - Blutsschwester (Gebundene Ausgabe)
Wieder einma hat Clara einen Albtraum. Und das ausgerechnet einen Tag vor ihrem 13. Geburtstag. In der folgenden Nacht wird sie sich erneut einer Prüfung unterziehen müssen, bei der sie sich entscheiden soll, welche Art von Wildhexe sie sein möchte. Geschickt hat Clara erreicht, dass sie ihren Geburtstag bei Tante Isa im Beisein ihrer Freunde und ihrer getrennt von einander lebenden Eltern verbringen darf.

Aber Claras von der ganzen Wildhexerei genervten Mutter macht das keine Freude. Sie möchte so schnell wie möglich zurück in die Zivilisation. Als ein umstürzender Baum die Rückfahrt verhindert, gerät sie in Panik und verrät dabei ungewollt ihr vor Clara bislang wohlgehütetes Geheimnis.

Als dann auch noch Claras völlig ahnungsloser Vater verschwindet, gerät endgültig alles aus den Fugen. Nur Clara behält einen kühlen Kopf und lässt sich von ihrer Bestimmung in die Dreizehnjahresnacht führen. Alles, was sie dort erlebt, scheint zunächst gleichzeitig einfach und unverständlich zu sein, bis sie sich bald darauf in ihrem Albtraum wiederfindet.

Es geht um ihr Blut, das ein lange gefangenes, Unheil bringendes Wesen befreien kann ...

Auch der vierte Band bietet wieder ein spannendes und sehr gut erzähltes Abenteuer der Wildhexe Clara. Diesmal geht es nicht ganz so gruselig zu wie im dritten Band. Kinder im Zielgruppenalter (11-13 Jahre) stecken solche Gruseleffekte wie im dritten Band nach meiner Erfahrung sowieso viel lockerer weg als manche Eltern.


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