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Rezensionen verfasst von
Dr. R. Manthey
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NORDISCHES LICHT 2015: Nordsee und Ostsee
NORDISCHES LICHT 2015: Nordsee und Ostsee
von Diverse
  Spiralbindung
Preis: EUR 39,80

5.0 von 5 Sternen Ruhe, Rhythmus, Erhabenheit, Erinnerungen und Vorfreude, 1. September 2014
Strandspaziergänge entspannen in jeder Jahreszeit. Wenn das Meer einigermaßen ruhig ist, übertragen die ankommenden Wellen ihren gleichmäßigen Rhythmus auf uns. Gleichzeitig werden wir im Angesicht von Kraft und Größe des Wassers demütig, möglicherweise sogar ohne dass wir es bewusst wahrnehmen.

Jedes Bild dieses wunderschönen Kalenders überträgt solche Gefühle oder wenigstens eine bestimmte Erinnerung an sie. Vielleicht entsteht auch schon Vorfreude auf den nächsten Urlaub. Immer wenn ich mir die Kalenderblätter ansehe, denke ich, dass ich das schon einmal in der Wirklichkeit gesehen habe. Kein anderer Kalender mit Wasser- oder Meeresmotiven hat das bisher besser geschafft als dieser.


Das Geheimnis der Intuition: Wie man spürt, was man nicht wissen kann
Das Geheimnis der Intuition: Wie man spürt, was man nicht wissen kann
von Jan Becker
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Intuition ist eine wahre Lebenshilfe, wenn man sie zulässt, 30. August 2014
Wenn man dieses Buch oder seine Vorgänger gelesen hat, dann glaubt man dem Unerklärlichen etwas näher gekommen zu sein. Vielleicht ist das ja auch so. Wer weiß das schon? Jan Becker ist ein Bühnenprofi, der gelernt hat, wie man mit seinem Publikum spielt, wie man Netze auswirft und Verbundenheit herstellt. Dasselbe Talent macht seine Bücher interessant und unterhaltsam. Doch steckt dahinter nicht auch das Erzeugen von Illusionen oder wenigstens des Gefühls, etwas zumindest verstanden zu haben, ohne dass man dies wirklich erklären kann? Wie soll das auch gehen, wenn wir nur "spüren, was wir nicht wissen können"? Ein wenig kann man es dann doch auch mit diesem Buch verständlich und vor allem nutzbar machen.

Intuition beruht auf Erfahrungen, die unbewusst im Gehirn verarbeitet und sortiert werden. Wenn wir mit etwas konfrontiert werden, was ein gutes oder ein schlechtes Bauchgefühl erzeugt, dann weiß eine von uns nicht kontrollierbare Intelligenz in uns mehr als wir rational erklären könnten. Becker plädiert in seinem Buch dafür, sich dem nicht zu widersetzen, sondern seiner Intuition zu vertrauen und ihr entgegenzugehen, selbst wenn sie uns manchmal in die Irre führt. Solchen Fallen und den Warnungen vor ihnen widmet Becker das letzte von 11 Kapiteln.

In den zehn Kapitel vorher versucht er dann etwas zu vermitteln, was man nicht wirklich erklären kann. Dennoch schafft er es, wenigstens das Gefühl entstehen zu lassen, dass man auf die eigene Intuition hören sollte. Denn "Intuition ist eine Lebenseinstellung", die einem das Leben ungemein erleichtern kann, wenn man ihr vertraut. Nachdem das im ersten Kapitel geklärt wurde, befasst sich Becker dann mit der Frage, wie Intuition eigentlich entsteht. Kapitel drei beschreibt, wie wir unsere eigene Intuition stärken können. Ohne es weiter zu erwähnen, greift er dabei auf ganz alte Techniken zurück, vor allem auf kurze Meditationen, die helfen sollen, sich aus dem ewigen Gedankenkreisel zu lösen. Meditationen schärfen die Wahrnehmung, und je schärfer die Wahrnehmung, umso mehr Erfahrungen dringen ins Unbewusste, um dann später zu Intuition zu werden.

Will man von seiner Intuition profitieren, dann muss man dem Unbewussten eine Aufgabe stellen und gelassen warten, bis die Antwort kommt. Erzwingen kann man diesen Zeitpunkt nicht, jedenfalls ist das auch meine Erfahrung. Allerdings sollte man dem Unbewussten durch präzise Formulierungen der Aufgaben auf die Sprünge helfen. Druck und Stress blockieren die Intuition gewöhnlich, es sei denn man steht so unter Zwang, dass das Unbewusste gezielt das rationale (langsame) Denken ausschaltet und auf Intuition schaltet, so wie eben auch nicht bewusst kontrollierbare körperliche Prozesse in Gang setzt, wenn wir in Gefahr sind oder es so empfinden. Mit solchen Fragen befasst sich Becker in den Kapiteln fünf bis sieben. Davor erklärt er etwas seine Fähigkeiten zum Gedankenlesen im vierten Kapitel ("Wie wir alle intuitiv in Verbindung stehen").

Die beiden folgenden Abschnitte verdeutlichen dann noch einmal die Vorteile intuitiver Entscheidungen. Im zehnten Kapitel schließlich erläutert Becker eine Methode zu bewusster Veränderung bestimmter Verhaltensweisen. Dieses sogenannte Metamodelling beruht auf der Tatsache, dass unser Gehirn nicht zwischen Vorstellung und Realität unterscheiden kann, weder im Positiven, noch im Negativen. Gedanken sind Taten, denn sie verändern unsere Realität.

In jedem Kapitel findet man Übungen, meistens kurze Meditationsanleitungen, die man auswendig lernen sollte, um sie dann einfach anzuwenden. Wenn man dies dann versucht, wird man feststellen, dass das nicht ganz so einfach ist, wie Becker es beschreibt. Zum einem aber muss man sich hier überhaupt erst einmal für solche Sachen öffnen und zum anderen ist unser Gehirn ein ziemlich hinterlistiger Bursche, der es nicht gerne hat, wenn man ihn austricksen will.

Natürlich wird der Autor das nicht problematisieren, denn das wäre nicht nur kontraproduktiv in der Sache, sondern auch nicht in seinem Verführungssinne. Meditationen klappen anfangs nur selten. Dann fängt man an, die Situation zu bewerten, und dann funktioniert es erst recht nicht. Meditationen setzen voraus, dass man nicht bewertet, was passiert und einfach von vorne anfängt, wenn einem der Verstand mit seinem Geplapper in die Parade fährt. Das ist nicht ganz einfach, weil es zu den Grundprozessen unseres Alltagslebens gehört, immerzu alles bewerten zu müssen. Davon schreibt Becker jedoch nicht viel.

Dieses Buch liest sich ein wenig wie eine zu Papier gebrachte Bühnenshow über die Intuition, auch wenn hier natürlich vielmehr Details zur Sprache kommen. Und natürlich werden dabei auch zahlreiche Illusionen vermittelt, etwa, dass alles ganz einfach sei. Das gehört dazu, schmälert aber den Wert des Ganzen nicht. Wer entspannt ist und die Dinge auf sich zukommen lässt, lebt leichter. Das ist eine der Kernbotschaften dieses Buches.


Taipeh: Roman
Taipeh: Roman
von Tao Lin
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen "Ich will nicht schlafen, aber ich weiß nicht, worauf ich warte", 28. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Taipeh: Roman (Gebundene Ausgabe)
Ob einem dieser Roman gefällt, hängt sicher von der persönlichen Sichtweise ab. Meine ist da vielleicht etwas naiv und uninformiert, weil ich glaube, dass Kunst, die sich nicht selbst erklärt, keine ist. Was manchmal als Kunst daherkommt, erweist sich in Wirklichkeit nur als ein Versuch einer verletzten oder leidenden Seele, auf sich aufmerksam zu machen. Das eigene Leid wird auf die Welt projiziert, die dann die Schuld daran zu tragen hat.

Leider habe ich mich von den Aussagen auf dem Klappentext zum Lesen dieses Romans verleiten lassen. Dort steht etwas von "Meisterwerk" und "literarischer Sensation". Das mag für einige Menschen vielleicht gelten oder für die Kunsterklärer dieser Welt. Für mich ist dieser Roman nichts weiter als eine schier endlose Beschreibung von depressiver Trostlosigkeit, durch die man sich quälend durchkämpft, weil man bis zuletzt noch die Hoffnung hat, dass irgendwann eine Idee oder eine Aussage auf einen wartet, mit der man etwas für sich anfangen kann. Dass dieses Buch keinen Unterhaltungswert besitzt, lässt sich schon nach wenigen Seiten nicht mehr leugnen.

Sein Inhalt, so weit man davon überhaupt reden kann, besteht allein in der öden Beschreibung von irgendwelchen Partys, Kino- oder Kneipenbesuchen oder Dialogen zu Hause in der WG oder auf den Reisen des Haupthelden, bei denen er Lesungen seiner Werke abhält, über die man allerdings wenig erfährt. Immerzu werfen sich die Beteiligten dabei irgendwelche Drogen oder stimulierende Pillen ein und reden danach wirres Zeug.

"Wie zufällig entstehen dabei Einsichten von existentieller Wucht und ergreifender Tiefe. Eine Meditation über Erinnerung, Familie und die Möglichkeit und Unmöglichkeit von Liebe in Zeiten des Internets, hoch persönlich, kraftvoll und bewegend." Das steht im Klappentext. Und das habe ich bis zur letzten Seite gesucht, aber nicht gefunden. Bei solchen Formulierungen wie "existentielle Wucht und ergreifende Tiefe" rebellierte bereits mein Verstand. Aber etwas raffiniert Anziehendes haben solche Wortzusammenstellungen dann doch. Es könnte schließlich wahr sein.

Vielleicht beschreibt dieser Roman tatsächlich den geistigen und mentalen Zustand gewisser Kreise im großstädtischen Milieu Nordamerikas, denn dass er autobiografische Züge trägt, liegt schließlich auf der Hand. Eine darüber hinaus gehende Erkenntnis vermittelt das allerdings nicht, es sei denn man findet die Selbstbespiegelung einer auf sich fixierten Personengruppe interessant, die für ihr Schicksal immer Gründe außerhalb von sich findet.

Fast schon am Ende des Buches lässt der Autor seinen Helden Paul „rundheraus“ sagen, "er wolle sich gezwungen fühlen, ein depressiver Schriftsteller und zugleich ein Fashion-Model zu sein". Das trifft die Stimmung dieses Buches ziemlich gut und verrät auch gleichzeitig, worum es Tao Lin eigentlich geht.


Drei-Speichen-Regel: Das 1600 Jahre alte Geheimnis der ertragreichen und sicheren Geldanlage
Drei-Speichen-Regel: Das 1600 Jahre alte Geheimnis der ertragreichen und sicheren Geldanlage
von Jürgen Müller
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein altes Konzept modern aufgelegt, 27. August 2014
In Zeiten permanenter Krisen und eines fast schon apokalyptisch anmutenden Geldmengenwachstums suchen immer mehr Menschen nach einem Rettungsanker für ihr Vermögen. Nicht nur der Autor dieses Buches, sondern auch einige Verwalter großer Stiftungsvermögen haben in diesem Zusammenhang ein altes Konzept neu belebt. Sie schlagen vor, vorhandenes Kapital in verschiedenen wenig korrelierten Wirtschaftssegmenten anzulegen. Bei solchen Anlagen spielen langfristige Entwicklungstrends in der menschlichen Gesellschaft eine entscheidende Rolle.

Der Autor folgt bei seinen Vorschlägen einer Dreiteilung und orientiert sich dabei auf Holz (anstelle von beispielsweise Immobilien) auf Edel- und seltene Metalle und auf ETFs von MSCI-Aktien-Indizes. Auf Holz kommt er, weil sehr wahrscheinlich dessen Wert infolge der wachsenden Weltbevölkerung steigen wird. Metalle sind ein immer knapper werdendes Gut, wobei jede Investition in Gold, Silber oder andere Edelmetalle eine gewisse Sicherheit bei einem kollabierendem Finanzsystem verspricht. An Aktien kommt man nicht vorbei, weil sie heute einen Teil der historischen Dreiteilung entsprechen, der der Autor folgt. Einen gewissen Widerwillen gegen diese Anlage versteckt er dabei allerdings kaum. Insbesondere schlägt er auch vor, notfalls gegen die Dreiteilung der Anlage zu verstoßen und bei einem gewissen Verhältnis des Dow Jones zum Goldpreis die Aktienanlage zugunsten des Goldes zu verringern.

Besonders intensiv hat sich Jürgen Müller mit Investitionen in Holz beschäftigt. Wahrscheinlich findet man kaum irgendwo anders mehr Informationen dazu. Er offeriert mehrere Möglichkeiten für ein solches Investment. Darunter ist auch ein Programm für kleine Summen (unter 1000 Euro) , das dennoch 9 % Jahresrendite erbringen soll.

Bei den Metallen geht es immer um den physischen Kauf. Während solche Anlagen in Gold und Silber noch relativ einfach abzuwickeln sind, erscheinen mir Investments in Industriemetallen dann doch für den Kleinanleger etwas zu exotisch zu sein, zumal man dabei eine Menge Erfahrungen braucht. Immerhin erzählt der offensichtlich erfahrene Autor, wie er mit einer solchen Anlage Verluste einfuhr. Zu den Aktienanlagen muss man nicht viel sagen: Man soll ETFs von Aktienindizes kaufen, also Papiere, die den entsprechenden Index nachbilden.

Neben dem Kapitel über Holz haben mir Müllers Ausführungen über die Markowitz-Theorie der Portfolio-Optimierung besonders gefallen. Mit seltener Klarheit wird diese merkwürdige Theorie hier zerfetzt. Müller benötigt diese Klarstellungen, weil er nachweisen wollte, dass eine feste 1/N (hier N=3) Aufteilung eines Kapitals in wenig korrelierte Segmente der Markowitz-Optimierung weit überlegen ist. Immerhin bekam Markowitz für seine Theorie einen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften, den er sich bei Niederschreiben seiner Doktorarbeit wahrscheinlich kaum zu erträumen gewagt hätte.

Während man bei der 1/N-Aufteilung nichts mehr zu optimieren hat, muss man bei einer Portfolio-Optimierung nach Markowitz ständig sein Depot überprüfen und umschichten. Das treibt die Transaktions-Kosten in die Höhe, führt aber letztlich zu nichts, weil, wie man bei Müller sehr schön nachlesen kann, dabei Schätzungen über zukünftige Entwicklungen einfließen, die so angelegt sind, dass es geradezu zu erheblichen Fehlern kommen muss. Der ganze Markowitz-Hype der vergangenen Jahre, den man bei einigen Kenntnissen der Mathematischen Statistik und der Finanzmärkte leicht durchschauen konnte, diente lediglich der Verwirrung des Publikums, damit dieses möglichst hohe Depotkosten abführt, ohne dafür eine tatsächliche Leistung zu erhalten.

Wer sich für eine renditestarke längerfristige Anlage interessiert, die zudem eine gewisse Sicherheit verspricht, kann sicher mit Müllers Vorschlägen etwas anfangen. In diesem Sinne handelt es sich bei diesem Buch um eine sehr gute Entscheidungshilfe, selbst wenn man einige seiner Aussagen auch etwas anders sehen kann.


Alles, was Sie über "Das Kapital im 21. Jahrhundert" von Thomas Piketty wissen müssen
Alles, was Sie über "Das Kapital im 21. Jahrhundert" von Thomas Piketty wissen müssen
von Ulrich Horstmann
  Taschenbuch
Preis: EUR 6,99

9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Umverteilung ist eine politische Droge, die das wirkliche Problem nicht löst, 24. August 2014
Ungleichheit ist eine kardinale Voraussetzung für jedwede Entwicklung. Das ist eine unbestrittene Tatsache. Doch sie zählt bei den meisten Menschen nicht mehr, wenn es um Reichtum und Armut geht. Vergessen sind dann offenbar auch die sozialistischen Wirtschaftsexperimente, die alle in totalitären Regimen endeten, in denen Stillstand, Verarmung und wirtschaftlicher Niedergang letztlich zum Zusammenbruch führten. Merkwürdigerweise reichen diese hinreichenden praktischen Erfahrungen nicht aus, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass Sozialismus in welcher Spielart auch immer zwar theoretisch zunächst für viele Menschen sympathisch klingt, aber dann in der Realität keines der Probleme löst, das ihn in Gedankenspielen so attraktiv macht.

Nun hat der französische Ökonom Thomas Piketty ein umfangreiches Buch veröffentlicht, das sich bereits im Titel ("Das Kapital im 21. Jahrhundert") auf einen marxistischen Vordenker beruft. Piketty versucht mithilfe eines enormen Datenmaterials, das angeblich bis zu Christi Geburt zurückreicht (und zum Teil recht zweifelhaft ist), seine Grundthese zu beweisen. Die lautet: Kapital wächst schneller als die Wirtschaft. Und das würde zunehmend zu Ungleichheit im Besitz führen, was wiederum sozialer Sprengstoff wäre.

Daraus zieht Piketty den simplen Schluss, dass man Kapital extrem besteuern muss, damit sich zwischen den beiden Wachstumsraten ein Gleichgewicht einstellt. Er ist damit der geistige Vater einer Einkommenssteuer von 75% für besonders reiche Menschen, die in Frankreich eigentlich eingeführt werden sollte. Offenbar lässt sich aber aus dem Elfenbeinturm der Ökonomie oder in Parteiprogrammen über eine solche Enteignungspolitik gut reden. Wenn man diese Forderungen dann aber praktisch umsetzen muss, entstehen plötzlich Fragen, die man bei einer theoretisch-naiven Betrachtung irgendwie vergessen hatte zu stellen.

Piketty selbst steht aufgrund eigener Erlebnisse in Rumänien angeblich dem damals real existierendem Sozialismus kritisch gegenüber. Das hindert ihn aber merkwürdigerweise nicht daran, sich zunächst theoretisch auf den Weg in eine solche Wirtschaftsstruktur zu begeben.

Ulrich Horstmann ist es gelungen, Pikettys Buch, das im Original über tausend Seiten umfasst, auf wenigen Seiten zusammenzufassen. Darüber hinaus enthält Horstmanns Büchlein auch noch einige der wesentlichen Kritikpunkte an Pikettys Gedankenspielen.

Kritiker von Piketty beginnen bereits seine Datenbasis und deren Benutzung anzuzweifeln. Der entscheidende Kritikpunkt liegt aber in der tatsächlich unbewiesenen Behauptung über die Divergenz der beiden Wachstumsraten. Schließlich verweisen Pikettys Kritiker auch noch auf die Undurchführbarkeit seiner Lösungsvorschläge, was übrigens Piketty selbst auch glaubt.

Nun kann man nicht bestreiten, dass besonders in den USA der kleine Anteil superreicher Menschen immer reicher wird, während die Einkommen des durchschnittlichen US-Bürgers seit Jahren stagnieren. Eine Besteuerung dieser Superreichen würde daran nichts ändern, außer vielleicht, dass einige Menschen glauben würden, Gerechtigkeit wäre hergestellt. Übrigens haben wenigstens zwei dieser Superreichen ihr Vermögen nicht dadurch erzielt, dass sie Kapital hatten, was sich durch Zinsen vermehrte. Warren Buffett und Bill Gates erzielten dies durch Wirtschaftswachstum. Beide hatten anfangs kaum Kapital. Schon bei einer solchen beispielhaften Betrachtung kommen Zweifel an der Sinnhaftigkeit von Pikettys Gedankengängen, selbst wenn sie stimmen würden.

Besonders der Fall Microsoft mit Bill Gates zeigt ganz nebenbei ein wesentliches Problem, das zu einer solchen Entwicklung führte. Microsoft ist ein klassischer Monopolist. Auf dem Wirtschaftssegment, auf dem Microsoft agiert, gibt es keinen fairen Wettbewerb mehr. Die Politik, die gerne die Ungerechtigkeit auf dieser Welt beklagt, um daraus für sich eine Aufgabe abzuleiten, hat ihre ordnungspolitischen Hausaufgaben nicht gemacht. Statt den Märkten Rahmenbedingungen zu schaffen, die zu fairem Wettbewerb und einer sozialen Marktwirtschaft führen, werden solche Maßnahmen entweder erst gar nicht ergriffen oder schrittweise seit Jahren wieder abgebaut.

Dies ist ein unter anderem auch ein wesentlicher Kritikpunkt an Pikettys Buch, denn solche Überlegungen spielen bei ihm überhaupt keine Rolle, genau so wie er andere Einflussgrößen einfach ausblendet. Das alles kann man kurz und prägnant bei Horstmann nachlesen.

Auf die Idee, dass die zunehmende Kluft zwischen normalen und exorbitanten Einkommen etwas mit der Konstruktion des Geldsystems zu tun haben könnte, kommt Piketty ebenso nicht. Bei Horstmann findet man dazu leider auch nur einen kurzen Abschnitt, der mehr eine Frage als eine Erklärung beinhaltet. Dass sich die Divergenzen in den Einkommen erst auffallend extrem nach der Abschaffung des Goldstandards des US-Dollars einstellten, ist keineswegs ein historischer Zufall.

Wenn man sich also über Pikettys dickes Buch in aller Kürze informieren möchte, dann geht es wohl nicht besser als mit Horstmanns hervorragender Zusammenfassung. Anschließend findet man einige der wesentlichsten Kritikpunkte an Pikettys Thesen in ebensolcher Kürze und Klarheit.


Kreativ-Kratzelbuch: Feenzauber
Kreativ-Kratzelbuch: Feenzauber
von Kristin Labuch
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zauberhaft, 23. August 2014
Diese Bücher sind bei kleinen Mädchen ein Renner. Bei dieser Ausgabe geht es um Feen und um Glitzerfolien, die unter den schwarzen Seiten verborgen sind. Eine bessere Kombination beider Themen kann man sich eigentlich nicht vorstellen. Wer seinen Kindern eine Freude machen möchte, sollte es hiermit unbedingt ausprobieren. Meine Erfahrungen sind hervorragend, denn falsch machen kann man bei diesen Büchern einfach nichts.


Millie Millberry & Das Teestübchen-Komplott
Millie Millberry & Das Teestübchen-Komplott
von Anja Wagner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Verschwörung gegen Potts Teapot in Applebee, in Englands verregnetem Moorland, 21. August 2014
Wenn der englische Nieselregen nicht wäre, könnte man die verlassene Gegend doch glatt schön finden. Millie muss wieder einmal umziehen. Ihre Eltern werden selten irgendwo lange geduldet. Millies Mutter ist Theaterschauspieler und probt zu Hause immer mit großer Leidenschaft und Lautstärke. Wenn dann auch noch Mr Millberry für seine Auftritte in einer Country-Band übt, ist für die meisten Nachbarn die Grenze des Erträglichen überschritten.

Nun also Applebee. Dort ist bei Graf Kermith ein Plätzchen im Pförtnerhaus seines Anwesens frei geworden. Millies Eltern bekommen nach einer kleinen Bewährungsprobe für Millie den ersehnten Mietvertrag. Und damit beginnt für Millie ein aufregendes Erlebnis. Denn im kleinen Cafe des Ortes geht es nicht mit rechten Dingen zu. Erst wird das berühmte Teegebäck von Mrs Pott durch Sabotage ungenießbar und dann bricht gar am Ende noch ein Brand in der Backstube aus. Mrs Pott ist am Boden zerstört und von Selbstzweifeln geplagt, denn zunächst sieht alles nach ihren Fehlern aus.

Millie entdeckt inzwischen, dass Graf Kermith Geheimnisse in seinem Anwesen verbirgt. Und dann lernt sie auch noch seine reizende Enkelin kennen, mit der sie zum ersten Mal in ihrem Leben eine beste Freundin findet. Zusammen lösen sie den Fall und entdecken dabei auch noch die Geheimnisse des gräflichen Gemäuers.

Dieses Kinderbuch bietet den kleinen Leserinnen eine fröhliche und problemfreie Mädchengeschichte, die sehr gut erzählt wird und sich hervorragend zum Selbstlesen eignet.


Briefe bewegen die Welt, Bd. 6 Feldpost
Briefe bewegen die Welt, Bd. 6 Feldpost
von Hellmuth Karasek
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kriege verändern Menschen, 20. August 2014
Natürlich kann man die knapp 30 Briefe in diesem Sammelband als Zeitdokumente betrachten. Aber was heißt das schon? Und die Welt haben sicher nur die wenigsten von ihnen wirklich bewegt. Interessanter ist aus meiner Sicht vielmehr, dass diese Dokumente sehr oft - wenn auch nur versteckt - zeigen, wie das erlebte Grauen die Menschen für immer verändert. Man spricht hinterher nicht gerne darüber, weil es nicht in eine friedliche Zeit passt oder weil man sich einfach daran nicht mehr erinnern möchte.

Doch niemand kann seine persönlichen Einblicke in die Hölle einfach so wegstecken. In Kriegen zeigt sich etwas an Menschen, dass man so gewöhnlich in zivilisierten Gesellschaften nicht offen vorfindet. Auch darüber redet man nicht gerne. Das ist ein schwieriges und gerne verdrängtes Thema, weil es nicht in die oft geschönten Darstellungen menschlichen Verhaltens passt. Im Krieg jedoch sind die Regeln des zivilisierten Zusammenlebens gewöhnlich außer Kraft gesetzt. Das mitansehen zu müssen oder gar mitzumachen, verändert Menschen.

In den in diesem Band zusammengestellten Briefen findet man solche Erlebnisse nur indirekt. Wenn man genauer liest, dann steht schon zwischen den Zeilen, was in der Seele passiert. Der Herausgeber ist ein literarischer Feingeist, weshalb man direkte Beschreibungen solcher Seelenqualen nicht finden wird. Mich würde schon interessieren, nach welchen Kriterien diese Briefe ausgesucht wurden. Und wie findet man sie überhaupt? Im hinteren Teil kann man nachlesen, wie sich deutsche Soldaten oder Polizisten fühlen, die im Kosovo oder in Afghanistan dienen.

Ob dabei der wirkliche Geist und die Befindlichkeiten der Soldaten zum Ausdruck kommen, sei einmal etwas zweifelnd dahingestellt. Wie muss man sich vorkommen, wenn man weiß, dass diese Truppen demnächst abziehen ohne wirklich etwas bewirkt zu haben? Wozu die Opfer? Und wen interessieren diese Soldaten eigentlich in Deutschland? Den Autoren und dem Herausgeber fehlte offensichtlich der Mut, die wirklichen Gemütszustände dieser Menschen offenzulegen.

Immerhin aber bringen sie den Brief des Vorsitzenden des Bundeswehr-Verbandes, Ulrich Kirsch, an die Mitglieder. Da stehen dann wenigstens einige klare Sätze. Zum Beispiel, dass das Parlament die Truppe im Namen des Volkes nach Afghanistan geschickt hätte, das Volk aber in Wirklichkeit ganz anderer Meinung sei.

Alles in allem liefert dieser Band eine ganze Reihe interessanter Briefe. Und wie immer werden die historischen und persönlichen Hintergründe sehr gut erläutert. Was mir hingegen fehlte, war (wie oben geschildert) ein genereller Ansatz, eine Klammer, die zeigt, wie eigentlich - egal in welchem Jahrhundert und egal in welchem Krieg - das Erlebte die Menschen veränderte. Und mit Sicherheit niemals zum Guten.


STERNZEIT 2015: Startime - Die Zeitreise der modernen Astronomie.
STERNZEIT 2015: Startime - Die Zeitreise der modernen Astronomie.
von Diverse
  Spiralbindung
Preis: EUR 44,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierende Bilder des Unvorstellbaren, 18. August 2014
Menschen haben bisher die nähere Umgebung der Erde, zu der auch der Mond zählt, nicht verlassen können. Unsere Vorstellungskraft reicht gewöhnlich nicht aus, um uns die Kräfte vorstellen zu können, die in den Weiten des Universums herrschen. Selbst wenn wir auf die faszinierenden Bilder dieses Kalenders schauen, haben wir vielleicht auch nur den Eindruck von Fiktionen aus Filmen oder staunen über die Formen und Farben auf diesen Bildern. Allein die räumlichen Dimensionen, die hier abgelichtet sind, sprengen unser Vorstellungsvermögen, ganz abgesehen davon, dass wir hier immer in eine weit zurückliegende Vergangenheit schauen.

Selbst das Cover-Bild (November 2015) erscheint unwirklich. Aber es zeigt den Saturn, wie er die Sonne verdeckt. Aufgenommen wurde dieses Bild von der Raumsonde Cassini. Irgendwo soll man die sieben Monde des Saturn sehen. Aber sie sind nur kleine Pünktchen auf diesem Bild ebenso wie die inneren Planeten, die man auch entdecken kann, wenn man denn weiß, wo sie sind. Wir glauben immer gern an unsere Kraft und Größe. Aber angesichts solcher Dimensionen allein in unserem Planetensystem erscheint das geradezu als lächerlich. Die meisten anderen Bilder in diesem Kalender zeigen entweder riesige Gaswolken, aus denen Sterne entstehen oder das Ende einstmals energiegeladener Sonnen. Das alles sind Schauspiele, die sich in Zeitabläufen darstellen, die ebenso unvorstellbar sind, wie die Kräfte, die dabei wirken.

Das ist ein Kalender, der wunderschöne Bilder enthält, die sonst nur Astronomen zu sehen bekommen und die Teile des Universums zeigen, in die wohl nie ein Mensch gelangen wird. Und wenn doch, wird es dort ganz anders aussehen. Ein toller Kalender für Menschen, die sich für die Weiten des Kosmos interessieren.


Im großen Krieg: Leben und Sterben des Leutnants Fritz Rümmelein
Im großen Krieg: Leben und Sterben des Leutnants Fritz Rümmelein
von Ralf Georg Reuth
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Ein Leutnant steht für eine ganze Generation", 17. August 2014
Ob das tatsächlich stimmt, mag ich nicht beurteilen. Wir können uns heute kaum noch in die Lage der damaligen Jugend versetzen. Aber an Hand dieses Buches kann man immerhin die ganze tragische Entwicklung an einem Einzelfall verfolgen. Dieses Buch schildert die Erlebnis des Holzhändlersohnes Fritz Rümmelein aus Zwiesel, der sich freiwillig und siegessicher bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges zur Truppe meldet. Da er ein Elite-Gymnasium besucht hatte, auf dem er allerdings nicht glücklich wurde, wird er schnell zum Leutnant der Reserve ernannt.

Rümmelein fotografierte neben seinem Dienst im Feld extrem viel, was für die damaligen Verhältnisse sicher ziemlich selten war. Neben diesen Fotografien sind seine Feldpostbriefe erhalten geblieben. Und diese Dokumente machen das Buch einzigartig, wenngleich ich mir vor dem Lesen eine noch stärkere persönliche Note erhofft hatte. Rümmeleins Schicksal endet tragisch. Nur wenige Tage vor Kriegsende erwischt ihn eine Granate bei einer Erkundung. Fritz Rümmelein stirbt als "Ritter des Ordens Pour le merite" hochdekoriert.

Das Buch lebt von den verwendeten persönlichen Dokumenten, aus denen der Autor Rümmeleins Weg in diesem Krieg in Wort und Bild nacherzählt. Dabei zitiert er aus der Feldpost des Leutnants und zeichnet die Frontverläufe und das von Rümmelein erlebte Kriegsgeschehen nach. Dieser Text wird allerdings sehr oft von allgemeinen Ausführungen zu bestimmten Themen unterbrochen, die den Krieg und die historischen Abläufe betreffen.

Natürlich durchlebte Rümmelein als Offizier den Krieg ganz anders als ein einfacher Soldat. Das wird zwar im Text nicht besonders thematisiert, man sieht es jedoch allein schon an den Bildern und merkt es erst recht an seinen Schilderungen. Vielleicht überrascht es auch manchen Leser, dass Krieg nicht immer bedeutet, dass man ständig im Graben hockt. Leider muss man schon etwas genauer hinsehen, um solche Dinge zu bemerken, weil doch immer wieder das große Geschehen und die politisch-militärischen Entwicklungen im Mittelpunkt des Buches stehen.

Immerhin aber kann man nachvollziehen, wie sich Rümmeleins Stimmungslage veränderte. Anfangs hatte er noch 1871 und den großen Sieg vor Augen. Doch ohne dass diese Generation das in ihren Auswirkungen anfangs wirklich verstand, hatte sich inzwischen die Technik der Kriegsführung dramatisch geändert. Zwar war noch das Pferd die Haupthilfe beim Transport von Menschen und Material, aber besonders in den beiden letzten Jahren wurde die neue Waffentechnik kriegsentscheidend. Flugzeuge und gepanzerte Fahrzeuge griffen in die Kriegshandlungen ein. Giftgas kam zum Einsatz. Dieser Krieg sprengte jede vorher gekannte Dimension. Und am Ende war Rümmeleins anfängliche Euphorie einem Fatalismus gewichen, der in der jahrelangen Dauerzermürbung geboren wurde.

Dieses Buch zeichnet sich dadurch aus, dass es den Weg eines Menschen in diesem für Deutschland und Europa katastrophalen Krieg nachvollzieht. Das macht es sehr ungewöhnlich. Schließlich zeigt es nämlich auch, dass man zwar hinterher immer sehr schlau über solche Ereignisse reden kann, dass man als Zeitgenosse kaum eine wirkliche Chance hat, dem Drama zu entgehen, selbst wenn man es, anders als Rümmelein, richtig begreifen würde.

Man darf allerdings auch von den Dokumenten Rümmeleins nicht übermäßig viel wirklichkeitsnahe Schilderungen erwarten. Es war nicht die Sache eines Offiziers, solche Beschreibungen in Feldpostbriefen abzuliefern. Und schon gar nicht wollte er seine Zurückgebliebenen verängstigen. Der Krieg und sein Verlauf im Westen erhält jedoch mit Rümmelein ein Gesicht. Und dadurch kann vieles vielleicht besser verstehen als durch einen das große Ganze beschreibenden Bericht.


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