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Rezensionen verfasst von
Dr. R. Manthey
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Voll aggro!: Warum Kinder immer aggressiver werden und was wir dagegen tun können
Voll aggro!: Warum Kinder immer aggressiver werden und was wir dagegen tun können
von Mona Oellers
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Ist es häufig wirklich gar nicht so schwer, die Kinder wieder in die richtige Spur zu bringen?, 23. April 2014
Glaubt man dem Klappentext, dann scheint das jedenfalls so. Man muss nur den Kindern mehr Aufmerksamkeit widmen und Grenzen setzen. Oder ein wenig Anti-Aggressionstraining mit ihnen durchführen. Angesichts der auch von der Autorin wenigstens teilweise aufgeführten Ursachen für die zunehmende verbale und körperliche Aggressivität von Kindern und Jugendlichen klingt das recht blauäugig. Im Einzelfall sei ein Erfolg solcher Maßnahmen gar nicht bestritten. Doch wenn die gesellschaftlichen Ursachen für diese Verhaltensänderungen sich nicht ändern, wie können dann die Folgen verschwinden?

Mona Oellers ist eine ausgebildete und offensichtlich sehr erfahrene "Anti-Aggressivitäts-Trainerin", jedoch keine Soziologin. Was sie in ihrem Buch als Ursachen für die von ihr vorgefundenen Aggressionschübe bei Kindern benennt, ist sicher nicht falsch, kommt aber den wirklichen Ursachen dieser unheilvollen Entwicklung nicht auf die Spur. Und genau das ist der Punkt, an dem dieses Buch seinen Leser mit einer diffusen Unzufriedenheit alleine lässt. Der Titel verspricht etwas, was man anschließend nicht vorfindet.

Frau Oellers nennt als Ursachen eigentlich nur fehlende Aufmerksamkeit und Zuneigung für Kinder und Jugendliche. Aber sind das nicht wieder nur die Folgen einer tiefer sitzenden Ursache? Immer, wenn Kinder Regeln des Zusammenlebens in Familie und Gesellschaft missachten und aggressiv werden, kann man dies auf fehlende Aufmerksamkeit und Zuneigung zurückführen. Das war schon immer so. Doch warum kommt es offenbar gerade jetzt zu solch massiven Verhaltensänderungen? Darauf gibt dieses Buch keine befriedigenden Antworten.

Man kann das der Autorin eigentlich nicht übel nehmen. Es gehört nicht zu ihren beruflichen Aufgaben, sich darüber Gedanken zu machen. Sie beschäftigt sich lediglich mit den schlimmsten Auswirkungen dieser Entwicklung. Das ist der wirkliche Inhalt ihres Buches, in dem sie zunächst die verschiedenen Formen der von Kindern und Jugendlichen ausgehenden körperlichen und seelischen Gewalt beschreibt. Dabei geht es um Gewalt im Kindergarten und in der Grundschule, Mobbing, Cybermobbing, Amokläufe und jugendliche Gewalt. In jedem Kapitel erzählt die Autorin zum Teil erschütternde Geschichten aus ihrer Praxis und macht dann anschließend daran Methoden fest, wie man mit solchen Formen von Aggressionen umgehen oder sich davor schützen kann.

Wenn man sich damit jedoch etwas intensiver beschäftigt, dann muss man wohl einsehen, dass es nicht gegen alles und jeden ein Gegenmittel gibt, denn nicht jeder ist körperlich oder mental in der Lage, sich der Situation angepasst zu wehren. Manchmal hilft nur die Flucht. Und selbst das wirkt nicht immer, wie die Autorin zugeben muss.

Am Ende ihres Buches geht die Autorin auch auf die Sanktionsmöglichkeiten des Staates ein und erklärt, dass sie die Lage nicht wirklich verbessern. Um effektive Veränderungen durchzusetzen, müsste man doch erst einmal versuchen, die tatsächliche Situation zu beschreiben und die komplexen Ursachen für den jetzigen Zustand zu erforschen. Doch an dieser Stelle wird in Deutschland leider jede Diskussion abgeblockt. Bewusst oder unbewusst beteiligt sich daran auch die Autorin bei einigen Teilaspekten des Problems.

Beispielsweise wären an der Stelle, an der von Jonny K. oder Dominik Brunner die Rede ist, vielleicht einige Worte zur Struktur der entsprechenden Kriminalitätsstatistik nötig gewesen. Es fällt auch auf, dass alle Namen von Kindern und Jugendlichen in diesem Buch immer deutschen Ursprungs sind. Das entspricht wohl nicht ganz der Lebenswirklichkeit an deutschen Schulen. Wenn man diese Wirklichkeit verändern möchte, sollte man auch den Mut besitzen, sie so wahrzunehmen wie sie ist.

Leider muss man auch den Eindruck bekommen, dass Wertevermittlung in diesem Land inzwischen anrüchig und verdächtig ist. Beliebigkeit und irgendeine nicht fassbare, scheinbare Toleranz beherrschen das gesellschaftliche Klima. Obwohl Frau Oellers in diesem Buch in den Einzelfällen viel Wahres beschreibt, benutzt auch sie lieber solche glitschigen Formulierungen wie "Erlangung sozialer Kompetenz", bei denen kaum jemand definieren kann, was denn das eigentlich sein soll.

Die Autorin spricht immerhin aus, dass es insbesondere dem Staat sehr schwer fällt, ausreichende finanzielle und personelle Mittel bereitzustellen, um den offensichtlichen Problemen zu begegnen. Was also von diesem Buch bleibt, sind die Hinweise, wie man die Folgen einer seit Jahrzehnten völlig verfehlten Politik in Einzelfällen mildert, sie eventuell sogar beseitigt, oder wie man sich als Opfer wehren kann. Und allein dabei überzeugt die Autorin durchaus.


Shape Secrets Yoga, 1DVD
Shape Secrets Yoga, 1DVD
DVD ~ Nina Winkler
Wird angeboten von Verso29
Preis: EUR 16,00

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gymnastik und Dehnung am Pool mit Meerblick, 21. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Shape Secrets Yoga, 1DVD (DVD)
"Dauerhaft fit und schlank – und das sogar bei wenig Zeit!" So lautet der erste Satz auf der Rückseite der Hülle dieser Übungs-DVD. Vorne steht einfach "Yoga". Und beides zusammen ist ein Widerspruch in sich, denn Yoga bedeutet auch meditatives Üben.

Lässt man dies einmal unbeachtet und schaut sich die vier Teile der DVD in Ruhe an, dann stellt man Folgendes fest: Die Übungsserien enthalten einzelne Yoga-Stellungen, die in den ersten beiden Teilen zu einigen fließenden Abläufen zusammengestellt sind, die sich an den Sonnengruß anlehnen. Der dritte Teil findet im Sitzen statt und dient vor allem der Dehnung der Rücken- und Beinmuskulatur.

Während man vom ersten zum zweiten Übungsteil durchaus eine gewisse Steigerung erkennen kann, weil der eigentlich im Grunde immer gleiche Übungsablauf durch verschiedene Stellungen immer wieder erweitert wird, unterscheidet sich der dritte Teil grundsätzlich von den ersten beiden. Für Anfänger werden sich die hier gezeigten Dehnübungen als recht schwierig erweisen, obwohl sie einfach aussehen.

Leider erfährt man weder auf der DVD-Hülle, noch vor den Übungen für welche Zielgruppe diese Übungen eigentlich gedacht sind. Wer glaubt, er hätte es hier mit einer Einführung in Yoga-Übungen zu tun, liegt völlig falsch. Es gibt weder irgendwelche Erklärungen, noch tiefer gehende Hinweise, keine Bemerkungen zur Atmung oder die fälligen Warnhinweise, dass Yoga kein Wettbewerbscharakter besitzt und man vorsichtig an die einzelnen Übungen herangehen und sich nicht ärgern sollte, wenn sie nicht gleich funktionieren.

Irgendwie haben mich diese Übungen an Frühsportsendungen erinnert, die früher einmal im Fernsehen liefen. Scheinbar sollten die Käufer dieser DVD aber doch schon einmal etwas mit Yoga zu tun gehabt haben, denn die Autorin benutzt ständig Bezeichnungen wie "Herabblickender Hund", "Kobra" oder "Krieger-1-Position", unter der man sich ohne Yoga-Kenntnisse nicht sofort etwas vorstellen kann, sondern höchstens beim Zusehen ahnt, was gemeint ist. Hinzu kommen solche Sinnlos-Anweisungen wie "Kommen Sie ins Hier und Jetzt!" oder "Spüren Sie den Bewegungen nach!", die sich zwar irgendwie professionell anhören, mit denen aber kein Mensch wirklich etwas anfangen kann, weil er nicht erklärt bekommt, wie er das denn auf die Schnelle anstellen soll.

Auf der DVD-Hülle steht etwas von "Dual-Language-Version". Was man sich darunter vorzustellen hat, erfährt man plötzlich beim dritten Teil, der auf einmal in Englisch kommentiert wird. Eine Spracheinstellung habe ich im DVD-Menü nicht gefunden.

Der vierte Teil soll wohl eine Warm-Up- und eine Streching-Sequenz darstellen, die man vor bzw. nach den Übungen durch führen soll. Jedenfalls steht eine solche Erklärung auf der DVD-Hülle. Wozu man das beim Yoga braucht, hat sich mir nicht erschlossen.

Lässt man also einfach einmal die Beziehung zum Yoga bei dieser DVD außer acht, dann enthält sie drei durchaus wirkungsvolle Übungsabläufe, die die Muskulatur kräftigen und dehnen und in den ersten beiden Teilen in verschiedenen Versionen und Schwierigkeitsgraden angeboten werden. Das ist nicht schlecht. Mehr aber auch nicht.


Das Rätsel der Geisterinsel
Das Rätsel der Geisterinsel
von Alexandra Fischer-Hunold
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,95

5.0 von 5 Sternen Findelkind oder echte Piratin?, 19. April 2014
Nachdem Wanda im zweiten Teil ihre wahren Eltern fand, musste Messerlilli zugeben, dass die drei Schwestern in Wirklichkeit Findelkinder und nicht ihre Töchter sind. Besonders Elli ist darüber wütend, weil angeblich kein Piratenblut in ihren Adern fließt.

Zufällig belauscht sie ein Gespräch zwischen Messerlilli und Kapitän Antonio, in der von einem großen Schatz des Piraten Black Crow die Rede ist, der auf einer geheimnisvollen Geisterinsel versteckt wurde. Black Crow war Antonios Großvater. Wie es heißt, können nur Familienmitglieder den Schatz heben. Doch das schert Elli nicht. Sie will beweisen, dass sie eine echte Piratin ist, die sich auf die Geisterinsel traut, vor der sogar Messerlilli zurückschreckt. Daraus entwickelt sich ein rasantes Abenteuer, an dessen Ende nicht nur eine Überraschung steht.

Der dritte Band steht seinen beiden Vorgängern in Nichts nach. Erstmals geht es sogar richtig zur Sache, und es kommt zu einer echten Seeschlacht. Da in diesem Teil die Protagonisten der ersten beiden Bände erneut auftreten, sollte man diese zuvor gelesen haben.


Edgar und der sprechende Totenschädel
Edgar und der sprechende Totenschädel
von Marliese Arold
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,99

5.0 von 5 Sternen Edgar und ein Mörder im Dienst der Wissenschaft, 18. April 2014
Auf ihren nächtlichen Streifzügen durch das alte London finden Edgar und seine drei Freunde eine kopflose Leiche. Die schöne und belesene Siamkatze Leyla befürchtet, dass auch ihr Herrchen Brian in Gefahr ist, den sie schon lange sucht. So gerne möchte sie wieder ein Zuhause haben.

Der ehemalige Arzt Mortimer Brown streift mit seinem jungen Gehilfen inzwischen auf den Londoner Friedhöfen herum und öffnet Gräber, um an die Gehirne der kürzlich Verstorbenen zu gelangen. Doch eigentlich braucht er frischere Gehirne für seine kranken Forschungen. Deshalb sucht er seine Opfer unter den Armen und Obdachlosen. Glücklicherweise sind Edgar und seine Freunde ihm jedoch dicht auf den Fersen ...

Mit dieser Fortsetzung, die man jedoch auch ohne den ersten Band lesen kann, ist der Autorin ein leicht gruseliger und spannender Katzenkrimi als Kinderbuch gelungen, der natürlich gut ausgeht. Mir hat die neue Geschichte noch besser gefallen als das erste Buch.


Wüstenblut: Roman
Wüstenblut: Roman
von Zoë Ferraris
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Serienmord in Saudi-Arabien, wo die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht zu den verbotenen Büchern gehören, 16. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Wüstenblut: Roman (Gebundene Ausgabe)
Sieht man sich das Bild auf dem Schutzumschlag an und liest man dazu den Titel, dann könnte man sich auch vorstellen, dass es sich bei diesem Buch um einen Liebesroman oder um romantische Geschichten aus dem Orient handelt. Doch in Wirklichkeit wird eine moderne Kriminalgeschichte erzählt, die den Leser tief in die Lebenswirklichkeit Saudi-Arabiens führt. Und genau das macht dieses Buch sehr außergewöhnlich.

Dabei werden keinesfalls "Spannung und Kulturgeschichte brillant kombiniert", wie es so schön und völlig irreführend auf dem Cover heißt, sondern Spannung und die aus dem Islam abgeleitete absurde Frauenunterdrückung in diesem Land. Das geschieht jedoch nicht in irgendeiner aufgesetzten Form, sondern ergibt sich aus der Geschichte selbst. Die Autorin weiß, wovon sie erzählt, denn sie lebte ein Jahr lang in einer strenggläubigen muslimischen Gemeinde in Dschidda, dort, wo die Handlung dieses Buches angesiedelt ist.

In der Wüste bei Dschidda findet man durch einen Zufall man 19 verstümmelte Frauenleichen. Den meisten fehlen die Hände. Keine dieser Frauen wurde vermisst. Das wundert nicht, denn sie waren Hausmädchen von asiatischer Herkunft. Die Obduktion der Leichen zieht sich hin, denn Frauen dürfen nur von Frauen obduziert werden. Für kriminaltechnische Untersuchungen zeichnet die Laborantin Katya Hijazi verantwortlich, die gerne selbst Polizistin werden würde, aber in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist, nicht Auto fahren darf und um Erlaubnis bei vormundschaftlichen auftretenden Männern fragen muss, wenn sie überhaupt einmal an einen Tatort mitgenommen werden will.

Der Serienmordfall wird dem erfahrenen Inspektor Ibrahim Zahrami übertragen, der erst seit kurzem die Mordkommission leitet und vorher in der inneren Abteilung der Polizei arbeitete. Doch Zahrami hat noch einen anderen Fall zu bearbeiten, den er tunlichst unter der Decke der Verschwiegenheit halten muss. Seine Geliebte, eine ehemalige Kollegin, ist verschwunden. Auf Ehebruch stehen in Saudi-Arabien unter gewissen Umständen schwere Strafen. Im schlimmsten Fall droht Zahrami die öffentliche Enthauptung.

Aber Zahrami sind nicht nur wegen seiner geheimen Beziehung die Hände gebunden - er kann auch nicht überall hingegen und nicht jeden fragen, weil er als Mann bestimmte Orte besser nicht betreten sollte. Da er weibliche Hilfe braucht und sich auch sonst nicht, wo immer es geht, an die geforderte Entrechtung von Frauen hält, weiht er Katya in sein Problem ein. Der Roman besitzt so vier miteinander verwobene Erzählstränge: den mysteriösen Serienmord, das Verschwinden von Zahramis Freundin, Zahramis Familienverhältnisse und die Sehnsüchte und Lebensumstände von Katya. An Zahrami und Katya macht die Autorin die Schilderung des absurden Lebensalltags relativ gewöhnlicher Menschen in Dschidda fest, die für den westlichen Leser mindestens genauso spannend ist, wie die beiden Fälle, an denen die beiden arbeiten.

Dieser Lebensalltag unterscheidet sich vom Prinzip nicht von dem in einer Diktatur. Nur die Vorzeichen sind ganz anders. Im Grunde aber zeigt sich auch hier, dass Menschen sich überall gleich verhalten und sich nur den diktatorischen Verhältnissen mehr oder weniger geschickt anpassen oder sie für die eigenen Zwecke benutzen.

In der zweiten Hälfte des Buches kippt der Schwerpunkt der Geschichte immer mehr in diese Richtung, was den eigentlichen Aufhänger etwas in den Hintergrund drängt, zumal dieser Fall eine letztendlich recht unspektakuläre Lösung besitzt. Umso interessanter entwickeln sich dagegen die beiden Hauptfiguren und ihr persönliches Schicksal.

Dies ist vor allem wegen der eingebetteten Schilderung der saudischen Lebenswirklichkeit ein außergewöhnlich interessantes und spannendes Buch.


Einspruch!: Warum unser Geld Privatsphäre verdient - Wie Staaten und Behörden uns und unsere Finanzen ausspähen
Einspruch!: Warum unser Geld Privatsphäre verdient - Wie Staaten und Behörden uns und unsere Finanzen ausspähen
von Andreas Lusser
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gehören Konto und Matratze für den Staat tatsächlich gleichermaßen zur Privatsphäre?, 15. April 2014
Der Staat dringt zunehmend in die vermeintliche finanzielle Privatsphäre seiner Bürger ein. Dagegen verwehrt sich der Autor dieses schmalen Buches. Nachdem in Deutschland Anfragen staatlicher Stellen über Konten und deren Inhaber (nicht aber über die Bewegungen auf den Konten) zulässig wurden, stieg die Zahl solcher Anfragen drastisch an. Was eigentlich nur für seltene Verdachtsfälle möglich sein sollte, scheint inzwischen zum Alltagsgeschäft von Behörden geworden zu sein. Einen öffentlichen Aufschrei dagegen hat man allerdings noch nicht gehört. Ebenso wenig interessiert wohl auch das Vorhaben der USA, die mit dem sogenannten Foreign Account Tax Compliance Act (Fatca) europäische Banken, Versicherer und Fondgesellschaften zwingen, automatisch alle wesentlichen Finanzinformationen über ihre Bürger sowie deren Firmen und Stiftungen preiszugeben.

Fatca soll der Standard des Datenaustausch zwischen den USA und der EU sowie in ähnlicher Form innerhalb der EU werden. Der Autor fragt sich in diesem Zusammenhang, ob wir "beim Datenschutz wirklich am richtigen Ort" kämpfen oder ob wir nur "das kleine Fenster schließen, während die große Tür ... offen steht". Er vergleicht dabei die fallbezogene Verbrechensbekämpfung mit dieser Art von Rasterfandung, bei der jeder Bürger grundsätzlich verdächtig ist. Lusser versteht darüber hinaus nicht, warum der Staat etwas tut, was nach seiner Einschätzung mehr kostet als es letztlich bringt.

Angesichts solcher Fragestellungen überlegt man sich schon, ob der Autor nicht etwas naiv an die Dinge herangeht, die er selbst offen ausbreitet, aber dann nicht richtig zusammensetzt. Für Lusser scheint der Staat nur etwas vom Wege abgekommen zu sein und einer Ermahnung zu bedürfen. Doch hinter dem Vorgehen des Staates steckt eine klare Systematik. Warum dies der Autor nicht zu verstehen scheint, blieb mir ein Rätsel.

Zwischen Konto und Matratze besteht für den Staat ein prinzipieller Unterschied. Was im häuslichen Bereich oder gar in den Betten der Bürger passiert, interessiert ihn nicht wirklich. Ebenso wenig wird der Staat grenzwertige Methoden anwenden, wenn einzelne Bürger Opfer eines Verbrechens geworden sind. Beim Geld allerdings sehen die Verhältnisse ganz anders aus. Hier geht es um das System als solches. Immer wenn der Staat als Staat betroffen ist, schiebt er seine Interessen vor die Interessen einzelner Bürger oder sogar der Bürger insgesamt.

Lusser schreibt, dass der automatische Austausch von Bankdaten nur dann einen steuerlichen Sinn ergibt, wenn

(i) die Maßnahmen international ohne große Lücken implementiert werden,
(ii) auch flächendeckend die Besitzverhältnisse von Firmen erfasst werden,
(iii) die Bargeldnutzung signifikant eingeschränkt wird - und vor allem,
(iv) wenn hierfür rechtliche Informationsaustauschverfahren angewendet werden, die sich von denen bei anderen Gesetzesverletzungen strukturell unterscheiden.

Aber vielleicht geht es gar nicht nur um den steuerlichen Aspekt? Kann man diese Maßnahmen nicht einfach auch als Vorbereitung auf einen ganz anderen Fall interpretieren. Merkwürdigerweise kommt Lusser auf diese naheliegende Idee nicht. Stattdessen ermahnt er den Staat auch unter Verweis auf Bürgerrechte immer wieder, die Privatsphäre seiner Bürger auch in finanziellen Dingen zu respektieren und nur bei Verdacht Nachforschungen anzustreben.

Lusser spekuliert auch über den seltsam geringen Widerstand gegen diese bereits weit fortgeschrittenen Pläne. Er beschreibt das geschickte schrittweise Vorgehen und vorgeschobene Neiddebatten, die unter einem Gerechtigkeitsaspekt geführt werden und das Gefühl vermitteln, dass normale Bürger gar nicht betroffen sein werden. Dass mit dem Argument, wer nichts zu verbergen hat, auch nichts befürchten muss, ein Grundprinzip des Rechtsstaats in sein Gegenteil verkehrt wird, bemerken die meisten Menschen nicht.

Obwohl Lusser bei all diesen Fragestellungen durchaus richtig liegt, spricht er entweder nicht die ganze Wahrheit aus oder er sieht sie einfach nicht. Und so verfestigt sich wieder der Eindruck einer seltsamen Naivität. So konsequent der Autor bei der Beschreibung der Fakten auch ist, so wenig scheint er die eigentlichen Gründe für das durchaus systematische Vorgehen der Staaten bei der angestrebten völligen Kontrolle der Geldflüsse zu begreifen.

Ich fand den etwas schwierig geschriebenen Text alles in allem nicht schlecht, weil er relativ deutlich macht, was uns droht, wenn der finanzielle Kollaps ganzer Staaten eintritt. Das aber spricht Lusser (warum auch immer) nicht aus.


Abenteuer! Maja Nielsen erzählt. Tutanchamun - Das vergessene Königsgrab
Abenteuer! Maja Nielsen erzählt. Tutanchamun - Das vergessene Königsgrab
von Maja Nielsen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,95

5.0 von 5 Sternen "Bei archäologischen Arbeiten trifft für gewöhnlich das Gegenteil von dem ein, was man erwartet.", 13. April 2014
Diese Aussage stammt von Howard Carter, der das Grab des kindlichen Pharao Tutanchamun 1917 im Tal der Könige fand. Die Geschichte dieser Ausgrabung und ihre technische Ausführung wird in diesem Buch erzählt und mit den Methoden der modernen Archäologie verglichen. Das Grab des Tutanchamun spielt in den Ausgrabungen des vergangenen Jahrhunderts eine besondere Rolle. Es war von den Grabräubern der letzten dreitausend Jahre im wesentlichen verschont geblieben und enthielt neben der Mumie noch zahlreiche Gegenstände einer längst vergangenen Zeit. Darüber hinaus verbinden sich zahlreiche mysteriöse Todesfälle von Menschen mit ihm, die mehr oder weniger mit seiner Auffindung zu tun hatten.

Jede Zeit hat ihre Themen. Archäologische Ausgrabungen gehören in unserer Zeit nicht zum Mittelpunkt des Interesses von Kindern der anvisierten Altersgruppe. Deshalb wird es wohl ungeachtet dessen, dass dieses Buch sehr viele interessante Informationen enthält, schwierig werden, die Aufmerksamkeit für solche Texte zu wecken, wenn es nicht bereits irgendeine Art von Motivation wie einen Museumsbesuch oder einen anderen Anlass dafür gibt. Für Kinder, die sich bereits für Ausgrabungen oder die Zeit der Pharaonen interessieren, wird sich das Buch jedoch als Fundgrube erweisen. Neben der eigentlichen Ausgrabungsgeschichte findet man auch zahlreiche Erklärungen und Informationen zu Nebenthemen und der altägyptischen Geschichte.


Ein Esel in der Ponyshow
Ein Esel in der Ponyshow
von Julia Boehme
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 7,95

4.0 von 5 Sternen Ein Esel bleibt ein Esel, 12. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Ein Esel in der Ponyshow (Gebundene Ausgabe)
Im vierten Band der Leo & Lolli-Reihe soll Leo mit drei Ponys in der Reitshow der Schule auftreten. Die Mädchen kommen auf die Idee, eine Quadrille zu reiten, also eine bestimmte Figur mit vier Pferden, die diesem Tanz nachempfunden wird. Aber hat man schon jemals einen Esel Figuren nachtraben sehen?

Leo stellt sich störrisch an und wird von der Show ausgeschlossen. Das aber gefällt weder Lulu noch Leo. Da kommt Lulu auf eine geniale Idee …

Nach meiner Erfahrung erfreuen sich dieser Bücher einer großen Popularität beim Zielgruppenpublikum. Diese Fortsetzung ist vielleicht ein wenig schwächer als die ersten drei Bände, wird aber dennoch mit Sicherheit wieder gefallen. Das Buch eignet sich sehr gut zum selbständigen Lesen (für Mädchen) ab Klasse 2.


Der Krankenflüsterer: Ein Diagnostiker erzählt von seinen interessantesten Fällen
Der Krankenflüsterer: Ein Diagnostiker erzählt von seinen interessantesten Fällen
von Walter Möbius
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Arzt, wie man sich ihn wünscht, 11. April 2014
Auf der Rückseite des Schutzumschlages steht, dass Walter Möbius der "Dr. House des wahren Lebens" sei. Diesen Blödsinn kann sich nur jemand aus dem Marketingbereich des Verlages ausgedacht haben. Dahinter steht offenbar der durchschaubare Trick, auf der Bekanntheitswelle einer fiktiven Figur zu surfen, um den Verkauf dieses Buches anzukurbeln. Leider kann ein solcher Vergleich auch zu falschen Erwartungen führen, an dem das Buch dann vielleicht gemessen wird.

Walter Möbius hat mit Dr. House nicht sehr viel zu tun. Er stellt im Gegenteil eine Art realen Gegenentwurf zu dieser Serienfigur dar. Zwar werden in diesem Buch sehr viele Fallgeschichten aus dem Medizinerleben von Walter Möbius erzählt, doch während House nur selten den Kontakt zu seinen Patienten suchte, sieht Möbius in aller erster Linie den Menschen vor sich. Er kann zuhören, ist einfühlsam und fürsorglich. So stellt man sich den idealen Arzt vor, den es in der Wirklichkeit nicht mehr zu geben scheint.

Und das ist wohl auch der Grund, warum ich oft dachte, dass dieses Buch irgendwie aus der Zeit gefallen ist. Keine Gerätemedizin, kein wissenschaftliches Rätselraten wie bei House, keine Hektik. Die geschilderten Fälle wurden in der Regel einfach und schnell gelöst. Interessant bleiben immer die Geschichten hinter den Krankenakten und das geschilderte Verhalten des Autors, der nicht selten auch erhebliche Risiken für seine Karriere einging, um menschlich zu bleiben.

Das Buch liest sich sehr gut, weil es warmherzig und humorvoll geschrieben wurde, auf medizinische Details fast immer verzichtet und den Patienten als Menschen in einer komplizierten Situation begreift. Möbius kennt diese Situation aus eigenem Erleben. Nach einem schweren Autounfall wurde er selbst Patient in seiner Klinik.

Man sollte bei diesem Buch keine Sensationen erwarten. Walter Möbius schildert einige seiner Fälle auf seine ganz eigene Art und verrät dabei mehr über sich und seine Herangehensweise als über alles andere. Ein großartiger Mensch, der offenbar auch ein großartiger Arzt ist.


Flash Boys: Revolte an der Wall Street
Flash Boys: Revolte an der Wall Street
von Michael Lewis
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Von außen erkennt man gar nichts. Wir mussten am Spiel teilnehmen, um es zu verstehen.", 9. April 2014
Am 6. Mai 2010 kam es an der New Yorker Börse zum sogenannten Flash-Crash des Dow-Jones-Industrial-Index. Innerhalb von Minuten stürzte der Markt um mehr als 600 Punkte ab, um sich dann genau so schnell wieder zu erholen. Es gab genug Insider, die die so genannten Flash-Trader für diesen merkwürdigen Zusammenbruch verantwortlich machten. Im offiziellen Bericht steht davon jedoch nichts. Doch wen wundert dies, wenn es für die ultrakurzen Zeiträume, in denen diese Leute agieren, gar keine Daten gibt? Und warum sollten die US-Börsen Licht in das gut beschützte Geheimnis eines groß angelegten Betruges bringen, an dem sie mitverdienen?

Das neuste Buch von Michael Lewis erzählt die Geschichte von einigen wenigen Leuten, die zunächst Opfer dieses gut organisierten Betruges wurden, diesen dann nach und nach verstanden und sich anfingen zu wehren.

Einige Jahre vor dem Flash-Crash verstand Brad Katsuyama von der Royal Bank of Canada die Welt wieder einmal nicht mehr. Er wollte einige tausend Stück eines bestimmten Wertpapiers kaufen. Sein Bildschirm zeigte ein entsprechendes Angebot an. Er drückte die Kauf-Taste, und das Chaos brach los. Das Angebot verschwand wie von Geisterhand und der Kurs ging in die Höhe. Nachdem ihm das schon mehrere Mal vorher genau so passiert war und alle technischen Fehler ausgeschlossen waren, begann Katsuyama zu experimentieren. Bald wurde ihm klar, dass sich dieser Vorgang nicht einstellte, wenn er seine Kauforder nur an eine einzige Börse gab. Deshalb lag nun der Verdacht sehr nahe, dass sich jemand im System vor seine Order setzte, weil er schneller war als Katsuyama und dessen Order gesehen hatte. Dieser Unbekannte besorgte sich die Stücke vor ihm und konnte sie ihm nun teurer anbieten.

Flash-Trader können also die großen Käufe institutioneller Investoren vorhersehen und sich danach risikolos davorschieben. Die so um bessere Kurse Betrogenen merken im besten Fall, dass etwas nicht stimmt, aber sie haben kaum eine Chance, diesen Betrug zu begreifen oder gar nachzuvollziehen.

Hochgeschwindigkeitstrading ist also eine nette und harmlose Umschreibung für eine unglaubliche Gelddruckmaschine. Obwohl dieses sogenannte moderne Frontrunning eigentlich verboten ist, wird es wie selbstverständlich massiv betrieben. Ein sehr großer Teil des Handelsvolumens an US-Börsen wird inzwischen von den sogenannten Flash-Tradern abgewickelt. Ihnen kommen dabei die US-Gesetzgebung, die erhebliche Intransparenz der US-Finanzmärkte, ihr technischer Vorsprung und die mafiöse Geheimniskrämerei um das Flash-Trading zu Hilfe. Und natürlich lassen sich die US-Börsen auch noch für diesen schwer nachweisbaren Betrug fürstlich bezahlen.

Eigentlich sollte man (wenigstens theoretisch) davon ausgehen, dass alle Marktteilnehmer jederzeit über dieselben Informationen verfügen. Wenn es jedoch eine Börse ermöglicht, dass eine ausgewählte Gruppe ihre Systeme näher an die Börsenserver bringen kann als andere Marktteilnehmer, sodass sich daraus ein schwerwiegender Geschwindigkeitsvorteil ergibt, dann ist diese grundsätzliche Chancengleichheit ausgehebelt. Der Markt hört auf fair zu sein.

Mit der Geschichte, wie Brad Katsuyama gemeinsam mit anderen das Puzzle zusammensetzte und hinter die Geheimnisse der Flash-Trader kam, erklärt Lewis in diesem Buch auch die grundsätzliche Methode dieser Betrüger und die Umstände, die ihnen ihr Vorgehen erst überhaupt ermöglichen. Neben dem oben geschilderten Frontrunning machen Flash-Trader Jagd auf Gutschriften der Börsen. Das ist ein Punkt, den man als normaler Mensch nur schwer begreifen kann, der aber im Buch gut erklärt wird. Den meisten Profit erzielen Flash-Trader jedoch mit reinem Arbitrage-Handel, indem sie die Langsamkeit der Börsen ausnutzen und Kursdifferenzen zu ihrem Vorteil umsetzen. Dass die US-Börsen Flash-Trader bevorzugen, sieht man übrigens nicht nur daran, dass sie ihnen den schnelleren Zugang zu ihren Servern anbieten, sondern auch an sehr merkwürdigen Order-Typen, die speziell auf den Vorteil dieser Trader ausgelegt sind. Auch das wird im Text sehr gut erklärt.

Katsuyama und seine Mitstreiter beschlossen irgendwann, eine eigene Börse zu schaffen, um Investoren einen fairen Handel zu ermöglichen. Die IEX wurde zunächst nach Kräften boykottiert und später mit absurden Methoden sabotiert. Wie das im Einzelnen geschah, wird im Buch hervorragend beschrieben. Doch mit der IEX und ihren transparenten Regeln wurde das US-Finanzsystem in seinem Kern angegriffen, nämlich "bei der Möglichkeit die Undurchschaubarkeit zu Geld zu machen." Interessanterweise handelt jetzt auch ausgerechnet Goldman Sachs an der IEX. Der Grund ist sogar plausibel. Wenn man mit etwas weiterem Horizont denkt, dann wird man die Gefahr eines riesigen Crash, der durch ein undurchsichtiges komplexes System erzeugt wird, nicht ausschließen können. Das scheint nicht im Interesse von wenigstens Teilen des Bankensystems zu liegen.

Es bleibt abzuwarten, ob sich die transparente IEX mit ihrem Grundgedanken durchsetzt und andere Börsen nachziehen oder ob sich das korrupte US-Finanzsystem irgendwann selbst zerstört.

Mit diesem hervorragend, spannend und sehr kenntnisreich geschriebenen Buch erhält man einen einmaligen Einblick in die Machenschaften der Flash-Trader. Danach begreift man viele Ereignisse rund um die Finanzmärkte und auch das gelegentlich extrem merkwürdige Kursverhalten an den US-Börsen ganz anders.

Auf Seite 228 dieses Buches stehen folgende bemerkenswerte Sätze:

"Es gibt heute 45 private Handelsplätze (in den USA, R.M.). Und in 44 hat niemand einen Einblick. Hat den niemand daran gedacht, dass es vielleicht ein Vorteil sein könnte, wenn man Leuten sagt, wie ihr Markt funktioniert? Wir schauen zurück auf die Hypothekenkrise und fragen, wie kann es sein, dass jemand eine Hypothek vergibt, ohne Dokumente zu verlangen? Das ist absurd! Aber die Banken haben es trotzdem getan. Und heute werden Billionen Dollar auf Märkten gehandelt, in die niemand einen Einblick hat, weil sie keine Dokumente zur Verfügung stellen. Kommt uns das irgendwie bekannt vor?"


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