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Rezensionen verfasst von
Dr. R. Manthey
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Wüstenblut: Roman
Wüstenblut: Roman
von Zoë Ferraris
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen Serienmord in Saudi-Arabien, wo die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht zu den verbotenen Büchern gehören, 16. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Wüstenblut: Roman (Gebundene Ausgabe)
Sieht man sich das Bild auf dem Schutzumschlag an und liest man dazu den Titel, dann könnte man sich auch vorstellen, dass es sich bei diesem Buch um einen Liebesroman oder um romantische Geschichten aus dem Orient handelt. Doch in Wirklichkeit wird eine moderne Kriminalgeschichte erzählt, die den Leser tief in die Lebenswirklichkeit Saudi-Arabiens führt. Und genau das macht dieses Buch sehr außergewöhnlich.

Dabei werden keinesfalls "Spannung und Kulturgeschichte brillant kombiniert", wie es so schön und völlig irreführend auf dem Cover heißt, sondern Spannung und die aus dem Islam abgeleitete absurde Frauenunterdrückung in diesem Land. Das geschieht jedoch nicht in irgendeiner aufgesetzten Form, sondern ergibt sich aus der Geschichte selbst. Die Autorin weiß, wovon sie erzählt, denn sie lebte ein Jahr lang in einer strenggläubigen muslimischen Gemeinde in Dschidda, dort, wo die Handlung dieses Buches angesiedelt ist.

In der Wüste bei Dschidda findet man durch einen Zufall man 19 verstümmelte Frauenleichen. Den meisten fehlen die Hände. Keine dieser Frauen wurde vermisst. Das wundert nicht, denn sie waren Hausmädchen von asiatischer Herkunft. Die Obduktion der Leichen zieht sich hin, denn Frauen dürfen nur von Frauen obduziert werden. Für kriminaltechnische Untersuchungen zeichnet die Laborantin Katya Hijazi verantwortlich, die gerne selbst Polizistin werden würde, aber in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist, nicht Auto fahren darf und um Erlaubnis bei vormundschaftlichen auftretenden Männern fragen muss, wenn sie überhaupt einmal an einen Tatort mitgenommen werden will.

Der Serienmordfall wird dem erfahrenen Inspektor Ibrahim Zahrami übertragen, der erst seit kurzem die Mordkommission leitet und vorher in der inneren Abteilung der Polizei arbeitete. Doch Zahrami hat noch einen anderen Fall zu bearbeiten, den er tunlichst unter der Decke der Verschwiegenheit halten muss. Seine Geliebte, eine ehemalige Kollegin, ist verschwunden. Auf Ehebruch stehen in Saudi-Arabien unter gewissen Umständen schwere Strafen. Im schlimmsten Fall droht Zahrami die öffentliche Enthauptung.

Aber Zahrami sind nicht nur wegen seiner geheimen Beziehung die Hände gebunden - er kann auch nicht überall hingegen und nicht jeden fragen, weil er als Mann bestimmte Orte besser nicht betreten sollte. Da er weibliche Hilfe braucht und sich auch sonst nicht, wo immer es geht, an die geforderte Entrechtung von Frauen hält, weiht er Katya in sein Problem ein. Der Roman besitzt so vier miteinander verwobene Erzählstränge: den mysteriösen Serienmord, das Verschwinden von Zahramis Freundin, Zahramis Familienverhältnisse und die Sehnsüchte und Lebensumstände von Katya. An Zahrami und Katya macht die Autorin die Schilderung des absurden Lebensalltags relativ gewöhnlicher Menschen in Dschidda fest, die für den westlichen Leser mindestens genauso spannend ist, wie die beiden Fälle, an denen die beiden arbeiten.

Dieser Lebensalltag unterscheidet sich vom Prinzip nicht von dem in einer Diktatur. Nur die Vorzeichen sind ganz anders. Im Grunde aber zeigt sich auch hier, dass Menschen sich überall gleich verhalten und sich nur den diktatorischen Verhältnissen mehr oder weniger geschickt anpassen oder sie für die eigenen Zwecke benutzen.

In der zweiten Hälfte des Buches kippt der Schwerpunkt der Geschichte immer mehr in diese Richtung, was den eigentlichen Aufhänger der Geschichte etwas in den Hintergrund drängt, zumal dieser Fall eine letztendlich recht unspektakuläre Lösung besitzt. Umso interessanter entwickeln sich dagegen die beiden Hauptfiguren und ihr persönliches Schicksal.

Dies ist vor allem wegen der eingebetteten Schilderung der saudischen Lebenswirklichkeit ein außergewöhnlich interessantes und spannendes Buch.


Einspruch!: Warum unser Geld Privatsphäre verdient - Wie Staaten und Behörden uns und unsere Finanzen ausspähen
Einspruch!: Warum unser Geld Privatsphäre verdient - Wie Staaten und Behörden uns und unsere Finanzen ausspähen
von Andreas Lusser
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gehören Konto und Matratze für den Staat tatsächlich gleichermaßen zur Privatsphäre?, 15. April 2014
Der Staat dringt zunehmend in die vermeintliche finanzielle Privatsphäre seiner Bürger ein. Dagegen verwehrt sich der Autor dieses schmalen Buches. Nachdem in Deutschland Anfragen staatlicher Stellen über Konten und deren Inhaber (nicht aber über die Bewegungen auf den Konten) zulässig wurden, stieg die Zahl solcher Anfragen drastisch an. Was eigentlich nur für seltene Verdachtsfälle möglich sein sollte, scheint inzwischen zum Alltagsgeschäft von Behörden geworden zu sein. Einen öffentlichen Aufschrei dagegen hat man allerdings noch nicht gehört. Ebenso wenig interessiert wohl auch das Vorhaben der USA, die mit dem sogenannten Foreign Account Tax Compliance Act (Fatca) europäische Banken, Versicherer und Fondgesellschaften zwingen, automatisch alle wesentlichen Finanzinformationen über ihre Bürger sowie deren Firmen und Stiftungen preiszugeben.

Fatca soll der Standard des Datenaustausch zwischen den USA und der EU sowie in ähnlicher Form innerhalb der EU werden. Der Autor fragt sich in diesem Zusammenhang, ob wir "beim Datenschutz wirklich am richtigen Ort" kämpfen oder ob wir nur "das kleine Fenster schließen, während die große Tür ... offen steht". Er vergleicht dabei die fallbezogene Verbrechensbekämpfung mit dieser Art von Rasterfandung, bei der jeder Bürger grundsätzlich verdächtig ist. Lusser versteht darüber hinaus nicht, warum der Staat etwas tut, was nach seiner Einschätzung mehr kostet als es letztlich bringt.

Angesichts solcher Fragestellungen überlegt man sich schon, ob der Autor nicht etwas naiv an die Dinge herangeht, die er selbst offen ausbreitet, aber dann nicht richtig zusammensetzt. Für Lusser scheint der Staat nur etwas vom Wege abgekommen zu sein und einer Ermahnung zu bedürfen. Doch hinter dem Vorgehen des Staates steckt eine klare Systematik. Warum dies der Autor nicht zu verstehen scheint, blieb mir ein Rätsel.

Zwischen Konto und Matratze besteht für den Staat ein prinzipieller Unterschied. Was im häuslichen Bereich oder gar in den Betten der Bürger passiert, interessiert ihn nicht wirklich. Ebenso wenig wird der Staat grenzwertige Methoden anwenden, wenn einzelne Bürger Opfer eines Verbrechens geworden sind. Beim Geld allerdings sehen die Verhältnisse ganz anders aus. Hier geht es um das System als solches. Immer wenn der Staat als Staat betroffen ist, schiebt er seine Interessen vor die Interessen einzelner Bürger oder sogar der Bürger insgesamt.

Lusser schreibt, dass der automatische Austausch von Bankdaten nur dann einen steuerlichen Sinn ergibt, wenn

(i) die Maßnahmen international ohne große Lücken implementiert werden,
(ii) auch flächendeckend die Besitzverhältnisse von Firmen erfasst werden,
(iii) die Bargeldnutzung signifikant eingeschränkt wird - und vor allem,
(iv) wenn hierfür rechtliche Informationsaustauschverfahren angewendet werden, die sich von denen bei anderen Gesetzesverletzungen strukturell unterscheiden.

Aber vielleicht geht es gar nicht nur um den steuerlichen Aspekt? Kann man diese Maßnahmen nicht einfach auch als Vorbereitung auf einen ganz anderen Fall interpretieren. Merkwürdigerweise kommt Lusser auf diese naheliegende Idee nicht. Stattdessen ermahnt er den Staat auch unter Verweis auf Bürgerrechte immer wieder, die Privatsphäre seiner Bürger auch in finanziellen Dingen zu respektieren und nur bei Verdacht Nachforschungen anzustreben.

Lusser spekuliert auch über den seltsam geringen Widerstand gegen diese bereits weit fortgeschrittenen Pläne. Er beschreibt das geschickte schrittweise Vorgehen und vorgeschobene Neiddebatten, die unter einem Gerechtigkeitsaspekt geführt werden und das Gefühl vermitteln, dass normale Bürger gar nicht betroffen sein werden. Dass mit dem Argument, wer nichts zu verbergen hat, auch nichts befürchten muss, ein Grundprinzip des Rechtsstaats in sein Gegenteil verkehrt wird, bemerken die meisten Menschen nicht.

Obwohl Lusser bei all diesen Fragestellungen durchaus richtig liegt, spricht er entweder nicht die ganze Wahrheit aus oder er sieht sie einfach nicht. Und so verfestigt sich wieder der Eindruck einer seltsamen Naivität. So konsequent der Autor bei der Beschreibung der Fakten auch ist, so wenig scheint er die eigentlichen Gründe für das durchaus systematische Vorgehen der Staaten bei der angestrebten völligen Kontrolle der Geldflüsse zu begreifen.

Ich fand den etwas schwierig geschriebenen Text alles in allem nicht schlecht, weil er relativ deutlich macht, was uns droht, wenn der finanzielle Kollaps ganzer Staaten eintritt. Das aber spricht Lusser (warum auch immer) nicht aus.


Abenteuer! Maja Nielsen erzählt. Tutanchamun - Das vergessene Königsgrab
Abenteuer! Maja Nielsen erzählt. Tutanchamun - Das vergessene Königsgrab
von Maja Nielsen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,95

5.0 von 5 Sternen "Bei archäologischen Arbeiten trifft für gewöhnlich das Gegenteil von dem ein, was man erwartet.", 13. April 2014
Diese Aussage stammt von Howard Carter, der das Grab des kindlichen Pharao Tutanchamun 1917 im Tal der Könige fand. Die Geschichte dieser Ausgrabung und ihre technische Ausführung wird in diesem Buch erzählt und mit den Methoden der modernen Archäologie verglichen. Das Grab des Tutanchamun spielt in den Ausgrabungen des vergangenen Jahrhunderts eine besondere Rolle. Es war von den Grabräubern der letzten dreitausend Jahre im wesentlichen verschont geblieben und enthielt neben der Mumie noch zahlreiche Gegenstände einer längst vergangenen Zeit. Darüber hinaus verbinden sich zahlreiche mysteriöse Todesfälle von Menschen mit ihm, die mehr oder weniger mit seiner Auffindung zu tun hatten.

Jede Zeit hat ihre Themen. Archäologische Ausgrabungen gehören in unserer Zeit nicht zum Mittelpunkt des Interesses von Kindern der anvisierten Altersgruppe. Deshalb wird es wohl ungeachtet dessen, dass dieses Buch sehr viele interessante Informationen enthält, schwierig werden, die Aufmerksamkeit für solche Texte zu wecken, wenn es nicht bereits irgendeine Art von Motivation wie einen Museumsbesuch oder einen anderen Anlass dafür gibt. Für Kinder, die sich bereits für Ausgrabungen oder die Zeit der Pharaonen interessieren, wird sich das Buch jedoch als Fundgrube erweisen. Neben der eigentlichen Ausgrabungsgeschichte findet man auch zahlreiche Erklärungen und Informationen zu Nebenthemen und der altägyptischen Geschichte.


Ein Esel in der Ponyshow
Ein Esel in der Ponyshow
von Julia Boehme
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 7,95

4.0 von 5 Sternen Ein Esel bleibt ein Esel, 12. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Ein Esel in der Ponyshow (Gebundene Ausgabe)
Im vierten Band der Leo & Lolli-Reihe soll Leo mit drei Ponys in der Reitshow der Schule auftreten. Die Mädchen kommen auf die Idee, eine Quadrille zu reiten, also eine bestimmte Figur mit vier Pferden, die diesem Tanz nachempfunden wird. Aber hat man schon jemals einen Esel Figuren nachtraben sehen?

Leo stellt sich störrisch an und wird von der Show ausgeschlossen. Das aber gefällt weder Lulu noch Leo. Da kommt Lulu auf eine geniale Idee …

Nach meiner Erfahrung erfreuen sich dieser Bücher einer großen Popularität beim Zielgruppenpublikum. Diese Fortsetzung ist vielleicht ein wenig schwächer als die ersten drei Bände, wird aber dennoch mit Sicherheit wieder gefallen. Das Buch eignet sich sehr gut zum selbständigen Lesen (für Mädchen) ab Klasse 2.


Der Krankenflüsterer: Ein Diagnostiker erzählt von seinen interessantesten Fällen
Der Krankenflüsterer: Ein Diagnostiker erzählt von seinen interessantesten Fällen
von Walter Möbius
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen Ein Arzt, wie man sich ihn wünscht, 11. April 2014
Auf der Rückseite des Schutzumschlages steht, dass Walter Möbius der "Dr. House des wahren Lebens" sei. Diesen Blödsinn kann sich nur jemand aus dem Marketingbereich des Verlages ausgedacht haben. Dahinter steht offenbar der durchschaubare Trick, auf der Bekanntheitswelle einer fiktiven Figur zu surfen, um den Verkauf dieses Buches anzukurbeln. Leider kann ein solcher Vergleich auch zu falschen Erwartungen führen, an dem das Buch dann vielleicht gemessen wird.

Walter Möbius hat mit Dr. House nicht sehr viel zu tun. Er stellt im Gegenteil eine Art realen Gegenentwurf zu dieser Serienfigur dar. Zwar werden in diesem Buch sehr viele Fallgeschichten aus dem Medizinerleben von Walter Möbius erzählt, doch während House nur selten den Kontakt zu seinen Patienten suchte, sieht Möbius in aller erster Linie den Menschen vor sich. Er kann zuhören, ist einfühlsam und fürsorglich. So stellt man sich den idealen Arzt vor, den es in der Wirklichkeit nicht mehr zu geben scheint.

Und das ist wohl auch der Grund, warum ich oft dachte, dass dieses Buch irgendwie aus der Zeit gefallen ist. Keine Gerätemedizin, kein wissenschaftliches Rätselraten wie bei House, keine Hektik. Die geschilderten Fälle wurden in der Regel einfach und schnell gelöst. Interessant bleiben immer die Geschichten hinter den Krankenakten und das geschilderte Verhalten des Autors, der nicht selten auch erhebliche Risiken für seine Karriere einging, um menschlich zu bleiben.

Das Buch liest sich sehr gut, weil es warmherzig und humorvoll geschrieben wurde, auf medizinische Details fast immer verzichtet und den Patienten als Menschen in einer komplizierten Situation begreift. Möbius kennt diese Situation aus eigenem Erleben. Nach einem schweren Autounfall wurde er selbst Patient in seiner Klinik.

Man sollte bei diesem Buch keine Sensationen erwarten. Walter Möbius schildert einige seiner Fälle auf seine ganz eigene Art und verrät dabei mehr über sich und seine Herangehensweise als über alles andere. Ein großartiger Mensch, der offenbar auch ein großartiger Arzt ist.


Flash Boys: Revolte an der Wall Street
Flash Boys: Revolte an der Wall Street
von Michael Lewis
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Von außen erkennt man gar nichts. Wir mussten am Spiel teilnehmen, um es zu verstehen.", 9. April 2014
Am 6. Mai 2010 kam es an der New Yorker Börse zum sogenannten Flash-Crash des Dow-Jones-Industrial-Index. Innerhalb von Minuten stürzte der Markt um mehr als 600 Punkte ab, um sich dann genau so schnell wieder zu erholen. Es gab genug Insider, die die so genannten Flash-Trader für diesen merkwürdigen Zusammenbruch verantwortlich machten. Im offiziellen Bericht steht davon jedoch nichts. Doch wen wundert dies, wenn es für die ultrakurzen Zeiträume, in denen diese Leute agieren, gar keine Daten gibt? Und warum sollten die US-Börsen Licht in das gut beschützte Geheimnis eines groß angelegten Betruges bringen, an dem sie mitverdienen?

Das neuste Buch von Michael Lewis erzählt die Geschichte von einigen wenigen Leuten, die zunächst Opfer dieses gut organisierten Betruges wurden, diesen dann nach und nach verstanden und sich anfingen zu wehren.

Einige Jahre vor dem Flash-Crash verstand Brad Katsuyama von der Royal Bank of Canada die Welt wieder einmal nicht mehr. Er wollte einige tausend Stück eines bestimmten Wertpapiers kaufen. Sein Bildschirm zeigte ein entsprechendes Angebot an. Er drückte die Kauf-Taste, und das Chaos brach los. Das Angebot verschwand wie von Geisterhand und der Kurs ging in die Höhe. Nachdem ihm das schon mehrere Mal vorher genau so passiert war und alle technischen Fehler ausgeschlossen waren, begann Katsuyama zu experimentieren. Bald wurde ihm klar, dass sich dieser Vorgang nicht einstellte, wenn er seine Kauforder nur an eine einzige Börse gab. Deshalb lag nun der Verdacht sehr nahe, dass sich jemand im System vor seine Order setzte, weil er schneller war als Katsuyama und dessen Order gesehen hatte. Dieser Unbekannte besorgte sich die Stücke vor ihm und konnte sie ihm nun teurer anbieten.

Flash-Trader können also die großen Käufe institutioneller Investoren vorhersehen und sich danach risikolos davorschieben. Die so um bessere Kurse Betrogenen merken im besten Fall, dass etwas nicht stimmt, aber sie haben kaum eine Chance, diesen Betrug zu begreifen oder gar nachzuvollziehen.

Hochgeschwindigkeitstrading ist also eine nette und harmlose Umschreibung für eine unglaubliche Gelddruckmaschine. Obwohl dieses sogenannte moderne Frontrunning eigentlich verboten ist, wird es wie selbstverständlich massiv betrieben. Ein sehr großer Teil des Handelsvolumens an US-Börsen wird inzwischen von den sogenannten Flash-Tradern abgewickelt. Ihnen kommen dabei die US-Gesetzgebung, die erhebliche Intransparenz der US-Finanzmärkte, ihr technischer Vorsprung und die mafiöse Geheimniskrämerei um das Flash-Trading zu Hilfe. Und natürlich lassen sich die US-Börsen auch noch für diesen schwer nachweisbaren Betrug fürstlich bezahlen.

Eigentlich sollte man (wenigstens theoretisch) davon ausgehen, dass alle Marktteilnehmer jederzeit über dieselben Informationen verfügen. Wenn es jedoch eine Börse ermöglicht, dass eine ausgewählte Gruppe ihre Systeme näher an die Börsenserver bringen kann als andere Marktteilnehmer, sodass sich daraus ein schwerwiegender Geschwindigkeitsvorteil ergibt, dann ist diese grundsätzliche Chancengleichheit ausgehebelt. Der Markt hört auf fair zu sein.

Mit der Geschichte, wie Brad Katsuyama gemeinsam mit anderen das Puzzle zusammensetzte und hinter die Geheimnisse der Flash-Trader kam, erklärt Lewis in diesem Buch auch die grundsätzliche Methode dieser Betrüger und die Umstände, die ihnen ihr Vorgehen erst überhaupt ermöglichen. Neben dem oben geschilderten Frontrunning machen Flash-Trader Jagd auf Gutschriften der Börsen. Das ist ein Punkt, den man als normaler Mensch nur schwer begreifen kann, der aber im Buch gut erklärt wird. Den meisten Profit erzielen Flash-Trader jedoch mit reinem Arbitrage-Handel, indem sie die Langsamkeit der Börsen ausnutzen und Kursdifferenzen zu ihrem Vorteil umsetzen. Dass die US-Börsen Flash-Trader bevorzugen, sieht man übrigens nicht nur daran, dass sie ihnen den schnelleren Zugang zu ihren Servern anbieten, sondern auch an sehr merkwürdigen Order-Typen, die speziell auf den Vorteil dieser Trader ausgelegt sind. Auch das wird im Text sehr gut erklärt.

Katsuyama und seine Mitstreiter beschlossen irgendwann, eine eigene Börse zu schaffen, um Investoren einen fairen Handel zu ermöglichen. Die IEX wurde zunächst nach Kräften boykottiert und später mit absurden Methoden sabotiert. Wie das im Einzelnen geschah, wird im Buch hervorragend beschrieben. Doch mit der IEX und ihren transparenten Regeln wurde das US-Finanzsystem in seinem Kern angegriffen, nämlich "bei der Möglichkeit die Undurchschaubarkeit zu Geld zu machen." Interessanterweise handelt jetzt auch ausgerechnet Goldman Sachs an der IEX. Der Grund ist sogar plausibel. Wenn man mit etwas weiterem Horizont denkt, dann wird man die Gefahr eines riesigen Crash, der durch ein undurchsichtiges komplexes System erzeugt wird, nicht ausschließen können. Das scheint nicht im Interesse von wenigstens Teilen des Bankensystems zu liegen.

Es bleibt abzuwarten, ob sich die transparente IEX mit ihrem Grundgedanken durchsetzt und andere Börsen nachziehen oder ob sich das korrupte US-Finanzsystem irgendwann selbst zerstört.

Mit diesem hervorragend, spannend und sehr kenntnisreich geschriebenen Buch erhält man einen einmaligen Einblick in die Machenschaften der Flash-Trader. Danach begreift man viele Ereignisse rund um die Finanzmärkte und auch das gelegentlich extrem merkwürdige Kursverhalten an den US-Börsen ganz anders.

Auf Seite 228 dieses Buches stehen folgende bemerkenswerte Sätze:

"Es gibt heute 45 private Handelsplätze (in den USA, R.M.). Und in 44 hat niemand einen Einblick. Hat den niemand daran gedacht, dass es vielleicht ein Vorteil sein könnte, wenn man Leuten sagt, wie ihr Markt funktioniert? Wir schauen zurück auf die Hypothekenkrise und fragen, wie kann es sein, dass jemand eine Hypothek vergibt, ohne Dokumente zu verlangen? Das ist absurd! Aber die Banken haben es trotzdem getan. Und heute werden Billionen Dollar auf Märkten gehandelt, in die niemand einen Einblick hat, weil sie keine Dokumente zur Verfügung stellen. Kommt uns das irgendwie bekannt vor?"


Yin Yoga des Herzens: Geschmeidiger Körper. Offener Geist
Yin Yoga des Herzens: Geschmeidiger Körper. Offener Geist
von Tanja Seehofer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Yoga zum Entspannen, 7. April 2014
Yoga entspannt zwar immer, aber nicht immer auf die gleiche Weise. Wenn man müde und abgespannt ist und überhaupt keine Lust mehr auf irgendeine auch nur halbwegs anstrengende Körperübung verspürt, dann kann man beim sogenannten Yin-Yoga Ruhe und Ausgeglichenheit zurückfinden.

Die in diesem Buch vorgestellte Übungsserie beinhaltet nur leichte Dehnübungen, die dafür umso länger gehalten werden. Auf diese Weise kommt nicht nur die innere Ruhe zurück, sondern man erreicht auch die Dehnung tiefliegender Gewebeschichten, die der Körperstruktur Spannung geben und die Kommunikation zwischen den einzelnen Muskelgruppen ermöglichen.

Zunächst beginnen die Autorinnen mit der Vermittlung von Hintergrundwissen. Sie bedienen dabei das scheinbar unstillbare westliche Bedürfnis, alles erst mit dem Kopf verstehen zu wollen, bevor man überhaupt mit der ersten Übung beginnt. Das Witzige an solchen Erklärungen ist, dass sie zwar vielleicht schön klingen, aber völlig nutzlos sind und sich einer Überprüfung sowieso entziehen. Sie vermitteln lediglich das Gefühl, dass man wahrscheinlich etwas Sinnvolles machen wird. Das spürt man aber nicht vorher mit dem Kopf, sondern nur nach dem Üben mit seinem Körper, um den es nämlich dabei allein geht. Der Körper wird entspannt, und damit auch der Geist.

Wenn man also die recht ausführlichen Ausführungen über Yin und Yang, das Chi und die Meridiane in diesem Buch hinter sich gebracht hat, dann kommt man kurz zu den Faszien. Die dortigen Erklärungen vermitteln, warum lang gehaltene Dehnungen für die Körperstruktur, die Standfestigkeit und die Kraftübertragung enorm wichtig sind. Jeder, der einmal einen asiatischen Kampfsport betrieben hat, wird das bestätigen können.

Die Vorstellung der Übungsserie beginnt mit einführenden Bemerkungen und Ermahnungen. Dann werden in Wort und Bild folgende Stellungen beschrieben:

Butterfly im Sitzen
Scheibenwischer (Ausgleich)
Halber Butterfly im Sitzen
Sitzende Vorwärtsbeuge
Tisch (Ausgleich)
Sphinx
Bauchlage (Ausgleich)
Stellung des Kindes
Bananenstellung
Totenstellung (Ausgleich)
Korkenzieher
Knie zum Brustkorb (Ausgleich)
Happy Baby und Endentspannung.

Es folgt ein Kapitel über verschiedene Yoga-Atmungen. Zwar besitzt die oben vorgestellte Übungsserie bereits einen recht meditativen Charakter, doch das hält die Autorinnen nicht davon ab, anschließend auf den geistigen Yogaweg ausführlicher einzugehen. Sie klären unter anderem über den "achtstufigen Pfad" auf und stellen insbesondere die grundlegende Vipassana-Meditation vor.

Danach lernt man drei Kurzprogramme, die sich aus einigen der vorher beschriebenen Stellungen, Atemübungen und Meditationen zusammensetzen. Der Text endet mit einem Kapitel über Alltagsübungen bei verschiedenen Beschwerden.

Alles in allem hat man mit diesem Buch ein sehr gutes Werkzeug in der Hand, um sich einfach zu entspannen und sich dabei noch tiefergehend gut zu tun. Die vorgestellten Übungen sind kinderleicht, auch wenn man natürlich nicht immer sofort die auf den Bildern zu sehende Dehnung erreichen wird. Doch wie die Autorinnen zu recht betonen, geht es hier um Entspannung und Tiefenwirkung und nicht um Perfektion.

Wenn man einfach anfängt zu üben und dies konsequent durchhält, wird man den Effekt mit Sicherheit bald zu spüren bekommen.


Digger Hamburg: Kleiner segeln, größer leben.
Digger Hamburg: Kleiner segeln, größer leben.
von Stephan Boden
  Broschiert
Preis: EUR 22,90

4.0 von 5 Sternen Kleiner segeln, größer leben? Größer segeln, kleiner leben?, 4. April 2014
Solche Sprüche wie der erste (ohne Fragezeichen) verraten gelegentlich mehr über ihre Erfinder als über das, was sie eigentlich aussagen sollen. Menschen, die wirklich groß leben, schreiben höchst selten darüber Bücher. Sie gehen damit nicht auf den Markt der Eitelkeiten, weil das eben nicht zu ihnen und ihrem Leben passt.

Stephan Boden arbeitet in der Werbebranche. Nach einer gescheiterten Beziehung war er gezwungen, sich ziemlich radikal von seinem bisherigen Leben und vielem angesammelten Besitz zu trennen. Das wirkte befreiend und vereinfachte viel. Wenn man sich mit den Annehmlichkeiten und Besitztümern des modernen Lebens umgibt, dann stellt man zwischen sich und dem einfachen, ursprünglichen Leben eine Menge Zeug, das Lasten und Verpflichtungen mit sich bringt.

Durch einen Zufall sah der Autor auf der Suche nach etwas ganz anderem eine Varianta 18 mit Kurzkiel, in die er sich sofort verliebte. Dieses recht kleine Segelboot mit einer Länge knapp unter sechs Metern und einer Verdrängung von fast 800 Kilogramm ist zwar seetauglich, aber eigentlich nur für nahe Küstengewässer und schönes Wetter. Doch Stephan Boden wollte mit neuer Freundin und Hund von Schleswig bis nach Schweden und eigentlich auch noch nach Oslo segeln. Kleines Boot, große Pläne und ein Sommer, in dem es fast nur stürmte und regnete. Aus der großen Tour wurde eine Reise entlang der dänischen Küste fast bis Skagen und zurück.

Der Autor erzählt die Geschichte der Tour in diesem Buch. Viel Aufregendes passierte nicht, denn wegen des andauernden schlechten Wetters lagen die beiden Segler mehr in den Häfen, als dass sie ihr neues Boot ausprobieren konnten. Man kann es Optimismus nennen oder Mut oder eine andere Vokabel dafür benutzen - jedenfalls segelte Boden mit seiner völlig unerfahrenen Freundin auf einem kleinen Boot, das er noch nie vorher wirklich ernsthaft testen konnte, zunächst auf der Schlei von Schleswig bis Schleimünde, um dann bei heftigem Gegenwind und für dieses Boot recht hohen Wellen in die launische Ostsee zu driften.

Sympathisch an Boden ist, dass er offen seine Panik beschreibt, die ihn dabei erfasste. Auch später folgen viele ehrliche Kommentare, die zeigen, dass auch relativ erfahrene Segler nicht vor merkwürdigen Entschlüssen und Manövern sicher sind. Auf diesem kleinen Boot spürt man die Kräfte, denen man sich bei schlechterem Wetter aussetzt, sehr direkt. Natürlich segelt man mit einem solchen Boot unter solchen Bedingungen unmittelbarer als auf einer großen Jacht. Man fühlt wieder das Wesentliche am Segeln. Und man muss sich nicht um alles Mögliche auf dem Schiff kümmern, weil es nicht alles Mögliche gibt. Alles ist auf ein Minimum reduziert. Und das wiederum führt dazu, dass man sich selbst wieder neu einstellen kann. Und genau das wollte Boden erreichen.

Allerdings besitzt wohl auch diese Ursprünglichkeit einen Preis, zum Beispiel einen kaputten Rücken, weil sich die Kräfte der Natur eben doch etwas unmittelbarer auf den Skipper übertragen. Oder eine Knochenhautentzündung am Ellenbogen vom Halten der Pinne in stürmischer See.

Das Buch liest sich gut, obwohl nicht wirklich viel passiert. Aber das immer wieder vorgetragene Mantra der Einfachheit und des Herunterkommens ist eine nützliche Botschaft. Nicht jeder muss und wird ihr folgen. Manchem helfen vielleicht erst einfache Umstände, um wieder zur Ursprünglichkeit zurückzufinden. Andere finden auch mit Annehmlichkeiten dahin, weil sie denen nicht so viel Wert beimessen, dafür aber hinterher nicht zum Arzt müssen.

So ganz nehme ich dem Autor sein Mantra dann auch nicht ab, obwohl seine persönliche Erfahrung natürlich sympathisch und völlig authentisch ist. Aber er hadert mir zu oft mit den größeren Yachten, deren Eigner alle irgendwie daneben sind. Wozu diese Vergleiche? Weil er doch nicht den Längsten hat und sich dafür ständig rechtfertigen muss? Vielleicht wird das Leben erst so richtig einfach, wenn einem auch der Besitz und die Urteile der anderen völlig egal sind.

Für Segler ist dies ein ganz interessantes Buch, auch wenn sie nicht viel wirklich Neues in ihm erfahren. Die anderen Leser werden gelegentlich mit ein paar Begriffen konfrontiert werden, die sie nicht verstehen, aber das stört nicht wesentlich.


Making Aston Martin
Making Aston Martin
von Dr. Ulrich Bez
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 79,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Kenne deine Optionen" (Ulrich Bez, Maxime), 3. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Making Aston Martin (Gebundene Ausgabe)
Als Ulrich Bez im Jahre 2000 zu Aston Martin kam, hatte er schon Führungspositionen bei Porsche, BMW, Daewoo und anderen Unternehmen hinter sich. Aston Martin war in den Ford-Konzern eingegliedert und dadurch wieder einmal vor der Insolvenz gerettet worden.

Obwohl das DB5-Modell von Aston Martin durch seine Auftritte in James-Bond-Filmen so etwas wie Kultstatus und mit dem Filmhelden einen unvergleichlichen Imageträger besaß, verkauften sich die Automobile von Aston Martin schlecht. Das Unternehmen war aus verschiedenen Gründen keine wirkliche Konkurrenz für die großen Sportwagenhersteller der Welt. Unter Bez sollte sich das in unglaublicher Geschwindigkeit ändern. Bereits nach vier Jahren seiner Tätigkeit schaffte es Aston Martin erstmals in seiner Geschichte profitabel zu arbeiten.

Bez beschreibt in diesem schwergewichtigen Buch seinen Werdegang, seine Herangehensweise bei Aston Martin und seine Philosophie als Ingenieur und Unternehmer. Auch wenn natürlich nicht die ganze Wahrheit auf den Tisch kommt, so bietet dieser Band einzigartige Einblicke in unternehmerische und ingenieurtechnische Entscheidungen.

Beispielsweise erfährt man, warum und wie Aston Martin wieder aus dem Ford-Konzern herausgekauft wurde. Das liest sich nicht nur spannend, sondern zeigt auch exemplarisch, warum Firmenzusammenführungen nicht immer funktionieren. So lange nämlich Aston Martin eine untergeordnete Rolle am Rande der Insolvenz spielte, hatte Bez genügend Freiräume. Mit dem Erfolg seiner Arbeit wurde Aston Martin aber zunehmend in die Prozesse bei Ford eingegliedert, was der kleinen Manufaktur die Luft zum Atmen nahm.

Der Text dieses Buches ist in deutscher und englischer Sprache verfasst und wird durch zahlreiche Fotografien unterbrochen. Am Ende des Textes findet man die unter Bez entwickelten Aston-Martin-Modelle und Statistiken zu Auszeichnungen und Platzierungen in sportlichen Wettbewerben.

Bez beschreibt in diesem Buch nicht nur seine Zeit bei Aston Martin, sondern eigentlich sein ganzes Arbeitsleben mit all seinen Erfolgen und Niederlagen. Auch wenn Aston Martin natürlich als Krönung im Mittelpunkt steht, so hat man hier ein einzigartiges Buch eines deutschen Ingenieursleben vor sich.


Abgründig
Abgründig
von Arno Strobel
  Broschiert
Preis: EUR 9,95

4.0 von 5 Sternen Charaktertest im Stress, 2. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Abgründig (Broschiert)
Zeigt sich unter Belastung der wahre Charakter eines Menschen, oder sollte man eventuelle Entgleisungen in solchen Situationen nicht auf die Goldwaage legen, weil mancher einem zu großen Druck nicht gewachsen ist? Das mag jeder für sich entscheiden. Arnold Strobel führt seine jungen Leser in eine Geschichte, die bis auf eine entscheidende Kleinigkeit nicht unrealistisch ist.

Eine Gruppe Jugendlicher begibt sich unter der Führung eines sich grandios überschätzenden Angebers auf eine Abenteuer-Bergtour in die Alpen. Natürlich sehr optimistisch ausgerüstet, denn was soll ihnen schon passieren? Doch das Wetter schlägt heftig um und führt in der Folge zu dramatischen Ereignissen und heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Herumirrenden, die eigentlich zusammenarbeiten sollten, um zu überleben.

Strobel führt seinen Lesern vor, wie sich die einzelnen Charaktere in dieser Lage aufführen. Neben dem Angeber gehören zu dieser Gruppe noch andere Ausprägungen verschiedener Charaktertypen wie der scheinbare ewige Verlierer, der Freak, der Möchtegern-Diktator, der Streber und ganz unterschiedliche Mädchen, die die Situation je nach Charakter entweder verschärfen oder entspannen. Sie alle kennen sich erst seit Stunden, da sie Teilnehmer eines Bergcamps sind, denen die Ausbildung des ersten Tages zu langweilig erschien.

Dem Autor einen Vorwurf zu machen, er hätte diese Charaktere nicht tief genug zur Geltung kommen lassen, erscheint mir nicht gerechtfertigt, denn warum sollte der Leser mehr wissen als die Teilnehmer dieser Klettertour? Mit der Unkenntnis über die anderen kommt ja gerade erst die zusätzliche Spannung in dieser Stresssituation auf.

Bis auf den seltsamen psychologischen Hintergrund des Haupthelden Tim stellt die Geschichte eine Entwicklung nach, die sehr realistisch ist und bei einer solchen Ausgangssituation durchaus passieren kann. Mit Tims ungewöhnlichem Geheimnis entsteht dann der eigentliche Thrill in diesem Geschehen. Vielleicht braucht eine solche Handlung, die eigentlich bis dahin sehr lebensnah war, einen solchen Kick, um sich eben vom Gewöhnlichen zu unterscheiden. Mir hätte sie ohne diesen aus dem Normalen wegführenden Zusatzeffekt noch besser gefallen. Aber das ist sicher Ansichtssache.


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