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Dr. R. Manthey
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Ein Klick: Der Aufstieg von Amazon und Jeff Bezos
Ein Klick: Der Aufstieg von Amazon und Jeff Bezos
von Richard L. Brandt
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

4.0 von 5 Sternen Gier nach Dominanz, 18. Mai 2013
Amerikanischen Geschäftsleuten scheint der Drang nach Größe und Dominanz besonders im Blut zu liegen. Die Geschichte des inzwischen größten Internet-Händlers bietet dafür einen einzigartigen Beleg. Den meisten Kunden dürfte das indes völlig egal sein, denn Amazon vermittelt sehr konsequent eine einfache Botschaft (S.110): "Ganz gleich, was irgendjemand kaufen (möchte), über Amazon (bekommt) er es wahrscheinlich am günstigsten. Und (wird) ein Artikel dort nicht am allerbilligsten angeboten, (lohnt) sich der Aufpreis, weil die Bestellung bei Amazon schlicht verlässlicher (ist)."

Dem kann man nur schwer etwas entgegensetzen. In diesem Buch findet man eine kurze Geschichte des Konzerns von der Idee über die Gründung bis hin zur gegenwärtigen Dominanz. Nebenbei erfährt man auch etwas über die Strategien und die Persönlichkeit des Gründers Jeff Bezos. Allerdings halten sich diese Informationen doch in engen Grenzen.

Als ebenso limitiert erweisen sich die Blicke hinter die Kulissen. Vielmehr erklärt der Autor seinen Lesern mehr oder weniger ausführlich die Geschichte des Konzerns entlang der Zeitlinie. Und die beginnt mit der Dotcom-Blase, in der sich Bezos fragte, womit man am einfachsten durch Verkaufen im Internet Geld verdienen könne. Als ausgebildeter Techniker geht Bezos bei seinen Überlegungen stets sehr planvoll und systematisch vor. Da er vor Gründung von Amazon in Wall-Street-Unternehmen Abwicklungsprogramme für den Handel schrieb und umsetzte, verfügte er bereits sowohl über Kontakte zum Finanzsystem als auch über Erfahrungen in der Erstellung und Implementierung großer Software-Programme. Beides erwies sich als überaus hilfreich.

Sparsamkeit und Konzentration aufs Wesentliche sind offenbar entscheidende Charakterzüge von Bezos. Und genau dies macht auch die Amazon-Website aus. Aber sie charakterisieren auch all seine geschäftlichen Schachzüge. Man erfährt in diesem Buch, dass Bezos Größe und Dominanz am Anfang stets vor Gewinn ging. Manchem wird das als eine sehr risikofreudige Strategie erscheinen. Aber sie war genial, und der Erfolg gibt Bezos schließlich recht. Es dauerte recht lange, bis der Konzern erstmals profitabel wurde. Dass Bezos das überhaupt bei der Geschwindigkeit seines Expansionskurses durchhalten konnte, verdankt er dem Börsengang in einer Blasen-Zeit, in der man für Hoffnung gigantische Ausgabekurse seiner Aktien bezahlte.

Wenn man sich über die Strategien von Bezos und die Geschichte des Konzerns informieren möchte, bietet dieses Buch eine gute Grundlage. Ich hätte mir manchmal eine etwas tiefere Analyse und mehr Details oder eine kritischere Darstellung gewünscht. Beispielsweise kommen Aussteiger aus der Firma nur sehr kurz zu Beginn des Buches zu Wort. Aber immerhin reichten diese Erklärungen bereits aus, um meinen Eindruck von der Vordergründigkeit vieler Floskeln des Unternehmens zu bestätigen.

Eine lesenswerte Geschichte, die gut geschrieben ist und durch die man wesentliche Strategien von Amazon viel besser zu verstehen lernt.

Messerlillis wilde Töchter: Auf Schatzsuche in der Karibik
Messerlillis wilde Töchter: Auf Schatzsuche in der Karibik
von Alexandra Fischer-Hunold
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 9,95

5.0 von 5 Sternen Piratinnen der Karibik, 17. Mai 2013
Pine, Elli und Wanda sind völlig verschiedene Mädchen und Messerlillis wilde Töchter. An ihrem zehnten Geburtstag bekommen sie ihr erstes eigenes Schiff geschenkt. Obwohl es sich dabei nur um einen ziemlich heruntergekommenen alten und recht kleinen Segler handelt, sind die drei überglücklich. Endlich sind auch sie wie Ihre Mutter Messerlillli und deren Mutter Säbeloma richtige Piratinnen.

Nun müssen sie auch noch gleich einen Auftrag erfüllen und einen Schatz für Messerlilli irgendwo auf einer einsamen Insel in der Karibik bergen und in den heimatlichen Piratenhafen bringen. Auf dieser Reise erleben sie jede Menge Abenteuer und kommen dabei ständig mit Piratenkapitän Antonio und seinen Jungs in Konflikte. Natürlich erweisen sich die wilden Mädchen dabei als ebenbürtig.

Eigentlich gehören Piratengeschichten eher ins Reich der Abenteuer kleiner Jungs. Doch in diesem Mädchenbuch geht es auch anders. Bei allen wilden Abenteuern der drei wilden Mädchen kommt keine wirkliche Gewalt ins Spiel. Wenn mit Kanonen geschossen wird, dann nur um die Segel der Gegner zu treffen.

Ein eher sanftes Mädchen-Abenteuerbuch, das am Ende auch die Frage klärt, warum die so unterschiedlichen Piratentöchter der berüchtigten Messerlilli alle am selben Tag zehn Jahre alt werden, wo sie doch gewiss keine Drillinge sind. Die Altersbegrenzung für die Zielgruppe würde ich eher zwischen sieben und zehn Jahren ansetzen.

Der verschimmelte Reiter: Die blödesten Antworten auf Prüfungsfragen
Der verschimmelte Reiter: Die blödesten Antworten auf Prüfungsfragen
von Richard Benson
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zu schön, um wahr zu sein, 15. Mai 2013
In England soll dieses Büchlein ein Bestseller sein. Obwohl es viele witzige Antworten auf vermeintliche Prüfungsfragen enthält, merkt man doch sehr schnell, dass der gute Richard Benson seine Leser gehörig auf den Arm nimmt, denn die meisten Antworten sind einfach zu frech und zu intelligent, als dass sie besonders blöden Prüflingen eingefallen sein können.

Das Ganze ist nichts weiter als ein gut gemachter und recht lustiger Schwindel. Unter Prüfungsstress gibt kein Mensch ausgemacht freche Antworten, die garantiert falsch sind, oder bemüht sich besonders witzig zu sein. Immerhin hat Benson eine Marktlücke gefunden, denn egal ob nun wahr oder nicht: Das Buch verbindet die Schulzeit mit dem schönen Gefühl, sich über all das Zeug lustig machen zu können, an das man sich hinterher sowieso kaum noch erinnert.

Witzig, aber zur Nachahmung nicht empfohlen.

Gottes Krieger: Die Kreuzzüge in neuem Licht
Gottes Krieger: Die Kreuzzüge in neuem Licht
von Rodney Stark
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gegen den Zeitgeist: eine andere Sicht auf die Kreuzzüge, 13. Mai 2013
Vier Jahre nachdem Papst Urban II. im November 1095 zu den Kreuzzügen aufgerufen hatte, eroberte ein Heer von christlichen Rittern 1099 die Stadt Jerusalem. Spätestens seit der Aufklärung hat sich in Europa die Meinung durchgesetzt, dass diese Feldzüge barbarisch waren und nicht mit der Lehre von Jesus Christus zu vereinbaren sind.

Noch heute werden christliche Vertreter und manche Politiker nicht müde, sich für die Greueltaten der Kreuzritter zu entschuldigen, die viele Jahrhunderte zurückliegen. Dieses etwas irrationale Verhalten kennt man von der muslimischen Seite nicht, obwohl es auch hier ausreichend viele Gründe zur Entschuldigung gäbe, zum Beispiel in Richtung der Bewohner des indischen Subkontinents.

Rodney Stark versucht in seinem Buch nachvollziehbar zu begründen, warum die inzwischen gängige westliche Sichtweise über die Kreuzzüge falsch ist. Das ist insofern recht mutig, weil er sich damit nicht nur mit der muslimischen Auffassung, sondern vor allem auch mit den Vertretern der politischen Korrektheit anlegt.

Er schreibt (S. 17): "Nach vorherrschender Auffassung waren die Kreuzzüge ein Werkzeug des expansionistischen, imperialistischen Christentums, das Territorien eines toleranten und friedlichen Islam brutal unterwerfen, ausplündern und kolonisieren wollte."

Am Ende des Buches fasst er dann seine gut belegte Sichtweise folgendermaßen zusammen: "Die Kreuzzüge fanden nicht ohne vorhergehende Provokationen statt. Sie waren nicht die erste Runde des europäischen Kolonialismus. Sie wurden nicht wegen Land, Beute oder aus Bekehrungsabsichten geführt. Die Kreuzritter waren keine Barbaren, die die kultivierten Muslime schlecht behandelten. Sie glaubten ernsthaft, dass sie in Gottes Bataillonen dienten."

Der Text beginnt mit einer Beschreibung der Machtverhältnisse rund ums Mittelmeer um 600 nach Christus. In einem Küstenstreifen des nördlichen Afrika, in großen Teilen Europas und im Nahen Osten hatte sich das Christentum ausgedehnt. Das sah 200 Jahre später ganz anders aus. Mohammeds Erben hatten den Auftrag ihres Propheten angenommen und den Islam mit dem Schwert verbreitet.

Doch erst als die Muslime fast das ganze heutige Spanien beherrschten und Pilgerreisen ins "Heilige Land" nur noch unter Lebensgefahr möglich waren, reagierte der Papst. Der Autor erklärt im ersten Kapitel die Prinzipien der muslimischen Kriegsführung, ihre Eroberungsfeldzüge und danach ihr weiteres Vorgehen in den eroberten Gebieten. Mit religiöser Toleranz hatte es jedenfalls nicht sehr viel zu tun. Starks Ausführungen sind durch im Anhang aufgelistet umfangreiche Quellen belegt.

Nachdem im zweiten Kapitel die ersten militärischen Erfolge des Christentums bei der Rückeroberung verlorener Territorien zur Sprache kommen, befasst sich das sehr interessante dritte Kapitel mit der Legende, dass Technik und Wissenschaft des Abendlandes denen der Muslime unterlegen waren. Der Autor belegt, dass muslimische Errungenschaften in den meisten Fällen aus der sogenannten Dhimmi-Kultur der assimilierten Völker (insbesondere Juden, Perser Inder) stammten. Selbst wenn man das nicht glauben will, so zeigen doch die Siege der zahlenmäßig viel kleineren Ritterheere wenigstens ihre militärische und technische Überlegenheit.

Kapitel sechs und sieben befassen sich mit den Kreuzfahrten bis zur Eroberung Jerusalems. Dabei zeigt der Autor, dass sich hier vor allem Netzwerke von nur wenigen adligen Großfamilien engagierten. Keineswegs aber hätten sich daran nur Ritter beteiligt, die in der Erbfolge zu kurz gekommen waren oder sich schlagen wollten. Ein Kreuzzug musste schließlich auch finanziert werden. Spätere Kreuzzüge wurden dann sogar von Königen angeführt.

Die letzten vier Kapitel beschreiben die Gründung, Verteidigung und Vernichtung der Kreuzfahrerstaaten sowie die übrigen Kreuzzüge. In diesem Zusammenhang geht der Autor auf den Vorwurf der Kolonialisierung ein. Er argumentiert, dass die heute übliche Definition von Kolonien auf die Kreuzfahrerstaaten nicht passt, denn diese Länder wurden keineswegs ausgebeutet. Ganz im Gegenteil: Für ihren Bestand waren umfangreiche finanzielle, materielle und personelle Aufwendungen von außen nötig. Daran scheiterten sie letztlich.

Bleibt noch das Argument, dass die mittelalterliche Metzelei der Kreuzfahrer nicht mit der christlichen Lehre vereinbar ist. Das kann man so sehen, wenngleich diese Einschätzung dann aber auf alle Kriege zutrifft. Man sollte allerdings beachten, dass sich Jesus in seiner Lehre nicht mit dem Verhalten großer Gemeinschaften, sondern vor allem mit dem einzelnen Menschen befasste.

Geschichte wird leider fast immer aus dem Blickwinkel der Gegenwart gesehen. Man muss dem Autor zustimmen, wenn er es für lächerlich hält, die Genfer Konvention auf die Kriegsführung im Mittelalter anwenden zu wollen. Man muss das, was geschehen ist, immer aus der Sicht der damaligen Verhältnisse und Regeln werten. Und dann sieht es ganz anders aus.

Blutige Massaker gab es auf beiden Seiten. Etwas anderes zu behaupten, ist in sich schon deswegen unsinnig, weil es menschliches Verhalten ignorieren würde. Es widerspricht aber auch völlig den historischen Tatsachen.

Heutige Kriege erscheinen nur deswegen weniger blutig, weil sie nicht mehr im Nahkampf ausgetragen werden. In Wirklichkeit ist die Metzelei nicht weniger schlimm.

Rodney Starks Buch liest sich nicht nur gut, es ist auch für Laien verständlich. Starks Argumente erweisen sich wegen ihrer inneren Logik als leicht nachvollziehbar. Und schließlich beruft er sich auf zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen. Vielleicht hilft dieses Buch, die Geschehnisse etwas rationaler zu betrachten.

Allein mit dem Tod: Eine verschwiegene Tragödie vom Fastnet Race 1979
Allein mit dem Tod: Eine verschwiegene Tragödie vom Fastnet Race 1979
von Nick Ward
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom Traum zum Albtraum, 9. Mai 2013
Schon als Kind träumte Nick Ward davon, einmal an der Fastnet-Regatta teilnehmen zu können. Ward wuchs in Hamble an der englischen Südküste auf, wo Segeln für Kinder zum Leben gehört. Und in Hamble beginnt die berühmte Regatta. Sie führt durch den Ärmelkanal vorbei am Südzipfel Englands, durch die Irische See bis zur Südspitze Irlands, wo man den Fastnet-Felsen umrunden und dann zurück nach England segeln muss, bis man schließlich das Ziel in Plymouth erreicht.

Im August 1979 war es endlich so weit. Ward durfte auf der Grimalkin mitsegeln, zusammen mit dem Eigner, dessen Sohn und drei weiteren Seglern. Nachdem man im Ärmelkanal mit einer Flaute zu kämpfen hatte, änderte sich am Abend des 13. August das Wetter dramatisch. Als die Crew bereits in der Irischen See war, begann ein Orkan zu toben, von dem in den offiziellen Meldungen der Rennleitung zunächst nicht die Rede war.

Eigentlich ist Windstärke 8 schon viel zu viel zum Segeln, doch bei 12 wird es unmöglich und lebensgefährlich. Der Orkan dauerte die ganze Nacht und war für die Besatzung die Hölle. Das Boot kenterte mehrfach und wurde von der See immer wieder zurückgegeben. Zwar hielten die Sicherheitsleinen der Segler, doch die körperlichen Belastungen durch das permanente Hinundher-Schleudern mit Wasserungen und Aufschlägen aufs Deck brachten die Besatzung bald ans Ende ihrer Kräfte und an den Rand der Verzweiflung.

Ward, der nach seinen Angaben erst von der Mitautorin dazu gebracht wurde, sich nach so vielen Jahren zu Wort zu melden, beschreibt diese schreckliche Nacht sehr detailliert und extrem spannend. Für Segler ist dies sicher eine unglaublich interessante Lektüre. Aber auch wenn man sich mit dem Hochseesegeln nicht besonders auskennt, kann man diesen Thriller sehr gut verstehen. Zwar wird man bei einigen Begriffen nicht wissen, was sie bedeuten, doch da die Dramaturgie der Ereignisse so fesselt, spielt das kaum eine Rolle.

Die Grimalkin war ein relativ kleines Boot. Sieht man sich die Statistiken über die Fastnet-Regatta von 1979 an, die am Ende des Buches abgedruckt ist, dann bemerkt man schnell, dass in den kleineren Bootsklassen fast alle Teilnehmer ausschieden, während die größeren Segler fast alle das Ziel erreichten. Die 15 Todesfälle geschahen auf Seglern der unteren drei Klassen.

Wards sehr plastische und glaubwürdige Schilderung dieses Desasters ist natürlich seine Sicht der Dinge. Die anderen drei Überlebenden der Grimalkin, die die in einer Augenblicksentscheidung und unter enormen Stress und körperlichen Grenzbelastungen für tot Gehaltenen zurückließen, kommen mit ihrer Sicht in diesem Buch kaum zu Wort.

Der Richter und sein Opfer: Wenn die Justiz sich irrt
Der Richter und sein Opfer: Wenn die Justiz sich irrt
von Thomas Darnstädt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im Zweifel für den Beschuldigten?, 6. Mai 2013
Horst Arnold, Studienrat und Lehrer für Biologie und Sport, soll 2001 an einer Schule im Odenwald eine Kollegin während der Pause im Bio-Raum brutal vergewaltigt haben. Als einzigen Beweis für diese angebliche Tat präsentiert die Staatsanwaltschaft die Aussage der Frau. Das reicht auch dem Richter, und er verurteilt Arnold zu fünf Jahren Haft. Weil Arnold uneinsichtig ist und die Beschuldigung bis zuletzt vehement abstreitet, kommt er gleich in die geschlossene Psychiatrie.

Nach 700 Tagen im Psycho-Knast überstellt man den Uneinsichtigen ins Gefängnis. 2006 wird er entlassen und lebt fortan von Hartz 4. Erst durch einen Zufall wird ein Berliner Anwalt auf den Fall aufmerksam. Er erreicht durch Hartnäckigkeit ein Wiederaufnahmeverfahren, in dem Arnold 2011 freigesprochen wird. Man könnte meinen, die Gerechtigkeit hätte gesiegt. Doch das ist nicht der Fall. Das Leben eines völlig Unschuldigen wurde von der Strafjustiz zerstört. Arnold stirbt 2012 an Herzversagen. Inzwischen muß sich das angebliche Vergewaltigungsopfer wegen Falschaussagen in diesem und anderen Fällen vor Gericht verantworten.

Der Fall Arnold steht symptomatisch für zahlreiche krasse Fehlurteile der letzten Jahre, die in diesem Buch ausführlich behandelt werden. Sind sie seltene Kollateralschäden der Justiz, wie eine Insiderin meint, oder sind sie häufig und weisen auf wesentliche Fehler in der Konstruktion des deutschen Rechtssystems hin? Ralf Eschelbach, Richter am Bundesgerichtshof, schätzt die Fehlerquote auf ein Viertel. Und wie der Fall Arnold zeigt, kann es jeden treffen.

Es existieren keinerlei Untersuchungen aus den letzten Jahren über solche Fehler. Ein Qualitätsmanagement wie in anderen Bereichen der Gesellschaft kennt man in der deutschen Justiz nicht. Warum auch? Deutsche Richter machen sich über ihre Fehler wenig Gedanken, liest man in diesem Buch. Schließlich sind sie unangreifbar. Selbst bei krassen Fehlurteilen haben die Opfer keine große Chance auf die Feststellung der Wahrheit, denn ein Berufungsgericht prüft Urteile unterer Instanzen nur nach formalen Fehlern. Und selbst neue Beweise eröffnen nicht immer die Möglichkeit eines Wiederaufnahmeverfahrens.

Der Autor zeigt an den in diesem Buch diskutierten Fällen, wie die deutsche Strafjustiz in der Regel agiert und warum es deshalb zu Fehlurteilen einfach kommen muss. Bereits die Ermittlungsbehörden gehen in vielen Fällen völlig unwissenschaftlich vor. Sie stellen eine Hypothese des Tathergangs auf und neigen dann leider nicht selten dazu, gegenteilige Fakten zu unterdrücken. Die Beispiele in diesem Buch sind zum Teil erschütternd.

Als besonders bedrückend empfand ich die ausführliche Darstellung der Wormser Kinderschänder-Prozesse, in denen sämtliche Angeklagte freigesprochen wurden. Eine wild gewordene Meute selbsternannter Kinderschützer hatte allerdings vorher dafür gesorgt, dass Existenzen und Familien zerstört wurden.

Hält der juristische Grundsatz "Im Zweifel für den Beschuldigten" nicht mehr? Vermutlich galt er in dieser Allgemeinheit noch nie. Öffentlicher Druck, politischer Wille oder die Sehnsucht nach Vergeltung führten nicht erst in der jüngsten Zeit zum richterlichen Bestreben, ein entsprechendes Urteil zu erlassen. Denn würde der obige Grundsatz wirklich in reiner Form gelten, dann müsste es viel mehr Freisprüche geben. Ob man das aber auf Dauer durchhalten kann, erscheint sehr zweifelhaft. Das System ist beginnend mit den polizeilichen Ermittlungen auf Verurteilungen ausgelegt und nicht auf Freisprüche. Und genau das versucht der Autor auf allen prozessualen Ebenen dem Leser zu verdeutlichen.

Am Ende und natürlich auch während der Schilderungen der in diesem Buch diskutierten Prozesse mahnt Thomas Darnstädt immer wieder grundsätzliche Korrekturmaßnahmen an. Insbesondere verlangt er, dass Richter nicht nur die Gesetze kennen sollten, sondern auch Fähigkeiten zur Wahrheitsfindung erwerben müssten. Das jedoch würde eine grundlegende Veränderung ihrer Ausbildung erfordern.

Leider offenbart aber auch Darnstädt unwissentlich einen merkwürdigen Hang, Beweise zu erfinden, wo es vielleicht gar keine gibt. Am Ende und bei seinen Auslassungen zum Kachelmann-Prozess fordert er den Einsatz wahrscheinlichkeitstheoretischer Methoden bei der Wahrheitsfindung. Das aber geht völlig daneben. Ohne hier ins Detail gehen zu können, sei dem Autor nur folgender Hinweis gegeben:

Die Wahrscheinlichkeit, den Tod durch einen Flugzeugabsturz zu finden, ist in Deutschland extrem gering. Das wird aber diejenigen, die ihn erleiden müssen, in den letzten Sekunden ihres Lebens nicht trösten. Oder mit anderen Worten: Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses im Prinzip Null ist (wie zum Beispiel bei einem Sechser im Lotto), kann es dennoch eintreten.

Darüber hinaus ergeben sich bei einer solchen Herangehensweise bereits grundsätzliche Probleme, die die Ermittlung solcher Wahrscheinlichkeiten über Statistiken betreffen. Hier kann es bereits zu gravierenden Fehlern kommen, die die Vertrauenswürdigkeit späterer Anwendungen erheblich untergraben würden. Wie auch immer - Wahrscheinlichkeiten geben keinerlei sichere Auskunft über Einzelereignisse. So vorzugehen, würde mit Sicherheit weitere Fehlurteile erzwingen. Allerdings wären diese dann scheinbar wissenschaftlich begründet.

Thomas Darnstädts Buch ist bestens geeignet, Zweifel an der deutschen Strafjustiz zu erzeugen. Was er an Ungeheuerlichkeiten schildert, macht Angst, denn viele der in diesem Buch auftretenden Justizopfer traf es völlig unerwartet. Sie hatten keine Chance den Mühlen der Strafjustiz zu entgehen, die anschließend ihr Leben zerstörte. Einen echten Ausweg aus diesen Zuständen konnte ich trotz aller Vorschläge des Autors nicht wirklich entdecken.

Die meisten im Buch behandelten Prozesse sind durch die Medien gegangen. Sie stellen, glaubt man Richter Eschelbach, nur die Spitze des ganzen Dramas dar.
Kommentar Kommentare (8) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 12, 2013 9:45 PM MEST


Insel der Nyx
Insel der Nyx
von Daniela Ohms
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Göttinnen sind unter uns, 4. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Insel der Nyx (Gebundene Ausgabe)
Dass scheinbar ganz normale Mädchen mit denen man gemeinsam in die Schule geht, plötzlich ungeahnte Kräfte entfalten können, ist eine faszinierende Vorstellung. Kleine Hexen, Gespenstermädchen, Zauberinnen oder, wie in diesem Buch, halbgöttlicher Nachwuchs stimulieren mit ziemlicher Sicherheit immer die Phantasie jugendlicher Leserinnen.

Dies macht sich Daniela Ohms zu Nutze und lässt Eleni, Leandra und ihre Mutter Arjana nach Griechenland reisen, wo Arjana eine Ausgrabung auf Kreta leiten wird. Die Mädchen haben sich schon daran gewöhnt, sowohl in Deutschland als auch in Griechenland zu wohnen und zur Schule zu gehen. Über ihre Väter wissen sie wenig oder nichts.

Irgendetwas stimmt jedoch mit Eleni nicht. Und das muss auf ihren Vater zurückgehen. Sie schlafwandelt und empfängt dabei Prophezeiungen, die sich immer als richtig erweisen. Mehr noch: Sie entwickelt bei ihren nächtlichen Ausflügen ungeahnte Kräfte.

Auf Kreta lernt sie Philine kennen, die ihr ähnlich zu sein scheint. Nach und nach entdecken die beiden Mädchen den Ursprung ihrer Kräfte. Und sie werden immer schneller in eine geheimnisvolle Entwicklung hineingezogen, die mit einer Insel beginnt, die sich eines Nachts plötzlich aus dem Meer erhebt und die nur für die beiden Mädchen sichtbar ist. Ebenso wie die Schattengestalten, die von dort manchmal in der Nacht in das Dorf kommen, in dem die beiden Mädchen wohnen.

Die Autorin erzählt die Geschichte sehr spannend. Doch mit dieser Spannung ist auch ein sich immer mehr verzweigender Pfad in die griechischen Mythologie verbunden, bei dem sich der rote Erzählfaden etwas verhedert. Um was es eigentlich wirklich geht, hat sich mir bei aller zunehmenden Dramatik der Ereignisse und immer neuer Figuren nicht so recht erschlossen, zumal das Ende nach einer fortsetzenden Erklärung dieser Geschichte förmlich schreit. Denn es geht zwar alles gut aus, doch da nichts wirklich gelöst erscheint, bleibt man etwas ratlos und unbefriedigt zurück.

Die Lücke im Gesetz: Wie man ungestraft davonkommt
Die Lücke im Gesetz: Wie man ungestraft davonkommt
von Ingo Lenßen
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessante Lektüre mit einem irreführenden Titel, 1. Mai 2013
Man kann etwas rätseln, wen Ingo Lenßen mit diesem reißerischen Titel ansprechen wollte. Schließlich sollte man schnell darauf kommen, dass ein Rechtsanwalt kein Buch veröffentlichen wird, das Lücken im Gesetz offenbart und auch noch verheißt, ungestraft davonkommen zu können. Erstens wird Lenßen nicht indirekt zu Straftaten auffordern, zweitens kann er Straffreiheit nicht versprechen, denn die Auslegung der Gesetze wird von Fall zu Fall immer unterschiedlich sein und drittens entscheidet nicht er so etwas, sondern im Ernstfall ein Gericht.

Tatsächlich findet der Leser in diesem Buch aber dennoch einige spärliche und grenzwertige Hinweise, wie er sich bei Gesetzesverstößen eventuell aus der Affäre ziehen kann. Lenßen verpackt das in Geschichten oder angebliche Fälle. Wenn man also beispielsweise den Einbau einer Freisprechanlage in sein Auto nicht bezahlen kann oder will und trotzdem während der Fahrt telefonieren möchte, sollte man nach Lenßen immer ein Zweithandy bei sich haben, das man dann bei Kontrollen vorzeigen kann. Ob das unter wirtschaftlichen und praktischen Gesichtspunkten unbedingt der Bringer ist, wage ich dann doch etwas zu bezweifeln. Und im Falle eines Unfalls und der Entdeckung des benutzten Handys dürfte der Schaden darüber hinaus beträchtlich sein.

Tatsächlich aber behandelt Lenßen nur wenige Fälle oder Situationen, die dem Leser helfen könnten, bei Rechtsverstößen doch noch ohne Strafe zu bleiben. Und die findet man fast ausschließlich im ersten Kapitel zum Thema Verkehrsrecht. Der Titel ist insofern reines Marketing und taugt nicht wirklich zur Inhaltsbeschreibung.

Im Grunde handelt es sich bei diesem Buch lediglich um einen gut geschriebenen Text, der sehr viele Rechtsfälle beratend erklärt und bewertet. Behandelt werden folgende Gebiete: Verkehrsrecht, Erbrecht, Strafrecht, Zivilrecht, Mietrecht, Steuerrecht, Reiserecht, Familienrecht, Arbeitsrecht und Versicherungsrecht. Natürlich ist es eine Illusion, zu glauben, dieses Buch würde einem im Ernstfall wirklich helfen. Wozu bräuchte man dann noch Anwälte, die sich durch ein schweres Studium quälen müssen?

Was man wirklich aus diesem Buch mitnehmen kann, sind Prinzipien und vielleicht ein gewisses Gefühl für ähnlich gelagerte Fälle, wenn man selbst in Schwierigkeiten kommen sollte. Mehr aber nicht. Ansonsten fühlt man sich gut unterhalten. Mir ging es jedenfalls so.

Weniger Verbote! Mehr Genuss!: Ein Aufruf gegen die Entmündigung
Weniger Verbote! Mehr Genuss!: Ein Aufruf gegen die Entmündigung
von David Signer
  Broschiert
Preis: EUR 4,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Über Tugendwahn im fürsorglichen Staat oder: I love you, don't touch me!, 29. April 2013
Einen Aufruf gegen die Entmündigung nennt der Autor sein "polemisches Pamphlet". Ich habe es mit Genuss gelesen, obwohl ich nicht immer mit Signer einer Meinung war.

In einem wesentlichen Punkt aber sind wir gleicher Ansicht: Es findet ein schleichender Prozess der Entmündigung der Bürger statt. Und dies ist immer der gerade Weg in einen totalitären Staat, in dem alles klar geregelt ist und Verstöße massiv geahndet werden. Über Sachprobleme wird hier nicht mehr mit Sachargumenten diskutiert, sondern mit einem moralischen Imperativ oder auf der Basis einer weltfremden Ideologie.

Kürzlich geriet der amerikanische Präsident in Schwierigkeiten, weil er einer Anwältin öffentlich gesagt hatte, dass sie schön ist. Welch eine Ungeheuerlichkeit! Sexismus! Natürlich musste der angeblich mächtigste Mann der Welt anschließend zu Kreuze kriechen und sich wortreich entschuldigen. Wir scheinen bereits in argen Nöten zu sein, wenn man für ein Kompliment Reue zeigen muss, das alles andere als böse gemeint war.

Aber die Scheinmoralisten und all die anderen Gutmenschen aus einer sehr agilen Minderheit, die immer genau wissen, wo es lang geht, haben inzwischen sogar erreicht, dass sich Menschen, die sich ihrer Natur gemäß verhalten, besser vorher einen Vertrag schließen, in dem klar geregelt ist, welche körperlichen Berührungen einander gestattet sind. Diesen Blödsinn hat sich noch nicht einmal George Orwell vorstellen können. Aber er ist leider in den USA Realität und schützt Menschen vor späteren Klagen wegen sexueller Belästigung.

Nicht dieses Verhalten ist irre, sondern die Tatsache, dass man sich besser so absichern sollte, weil die gültigen Gesetze diesen Schwachsinn erfordern. Es ginge aber, so Signer, "nicht so sehr um die einzelnen Regelungen, als vielmehr um den allgemeinen Trend und um die erstaunliche Tatsache, wie rasch wir uns an all diese Zumutungen gewöhnen, ohne zu murren."

Der Trick dabei ist ganz einfach. Irgendein Schwachsinn wird öffentlich zur moralischen Norm erhoben. Man traut sich dann nicht mehr, dagegen aufzumucken. Ein Blick in die Geschichte lehrt, dass dieser Trick schon immer gut funktioniert hat.

Wenn jedoch alles geregelt ist, bleiben der Aufbruch ins Unbekannte, der Fortschritt, der immer mit Regelverstößen verbunden war, das Abenteuer und die Lust nach Neuem aus. Totalitäre Gebilde führten in der Geschichte genau aus diesem Grunde immer zu Rückschritt, fürchterlicher Armut und Aggressionen nach außen.

Übrigens geht Signer in seinem kurzen Text auch auf den Fall des Julian Assange ein, dem zwei Schwedinnen sexuelle Belästigung und Vergewaltigung vorwerfen. Die Einzelheiten, die uns von den Medien dazu verschwiegen wurden, sind von einer gewissen Komik, über die man allerdings nicht mehr richtig lachen kann. Die mit dem Fall befasste schwedische Staatsanwältin teilte nämlich mit, dass nach ihrer Ansicht eine Vergewaltigung bereits vorläge, wenn sich eine Frau nach dem Sex unwohl oder ausgenutzt fühle. Dass niemand sich gegen einen solchen Vorwurf wehren kann, liegt auf der Hand.

Der Autor beschreibt noch viele andere Vorgänge aus unserem inzwischen überregulierten Leben, an die wir uns leider folgsam gewöhnt haben. Wer sich also aufregen möchte, sollte diese kleine Heftchen unbedingt lesen. Wer sich jedoch noch nicht aufgeregt hat, dem kann ich nur empfehlen, Signers Text zu lesen. Es lohnt sich, denn man begreift dann vielleicht das System hinter dem Tugendwahn und lernt, dass wir keineswegs in einer Gesellschaft leben, die solche Regelungen braucht, weil alles immer schlimmer wird. Das Gegenteil ist wahr.

Showdown: Der Kampf um Europa und unser Geld
Showdown: Der Kampf um Europa und unser Geld
von Dirk Müller
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

41 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endlich einmal ein kluger Plan zur Lösung der Schuldenkrise, 26. April 2013
Beim Titel dieses Buches denkt man irgendwie an die ultimative Katastrophe, auf die wir zurasen, falls die dilettantischen Euro-Retter nicht irgendwann demnächst zur Besinnung kommen.

Aber darum geht es in diesem Buch überhaupt nicht. Vielmehr unterbreitet Dirk Müller ganz am Ende seines Textes einen sehr intelligenten Plan, um diese drohende Kapitalvernichtungsorgie doch noch zu verhindern. Dazu müssten allerdings visionäre Ideen in Europa umgesetzt werden. Ob das gegenwärtig regierende Personal dazu noch in der Lage ist, mag man angesichts der Vorgänge in Griechenland, Zypern, Italien oder anderswo dann doch etwas bezweifeln.

Aber das ist schließlich kein Hinderungsgrund dennoch einen Plan zu entwerfen. Und dieser Plan geht grob so: Versicherungen suchen händeringend nach Anlagemöglichkeiten, um die den Kunden einstmals versprochenen Renditen zu erwirtschaften. Bislang müssen sie Kundengeld vorrangig in angeblich sichere Staatsanleihen investieren, um es dann möglicherweise bei anstehenden Schuldenschnitten wie in Griechenland zu verlieren. Stattdessen sollten sie nach Müllers Plan diese Kundengelder in noch zu gründende Infrastrukturfonds stecken, für die die Staaten ähnlich wie bei ihren Anleihen garantieren.

Der Unterschied ist gewaltig. Kauft man Staatsanleihen, dann gibt man Politikern Geld in die Hand, das meistens in unproduktiven Ausgaben versandet. Ein Infrastrukturfond würde in Sachanlagen investieren, die danach noch Rendite erwirtschaften. So könnte man beispielsweise der von der Politik in Deutschland denkbar schlecht gemanagten Energiewende endlich einen Schub verleihen. Es würden Arbeitsplätze entstehen und Steuereinnahmen generiert, die dann wieder zum Schuldenabbau genutzt werden sollten, wenn dazu die Regierenden dann endlich einmal fähig wären.

Auch Griechenland und Zypern könnte so in geradezu gigantischem Ausmaß geholfen werden, was den deutschen Steuerzahler von seinen bisher abgegebenen Garantien befreien würde. Denn, so Müller, im Mittelmeer lagern gewaltige Gasvorkommen, die Griechenland und Zypern gehören, aber nicht gefördert werden. An diesen Vorkommen sind auch US-Firmen brennend interessiert. Und aus diesem Grund betreiben sie, so Müller, im Hintergrund den Weg Griechenlands in die Staatspleite mit anschließendem Euro-Austritt. Es ist darüber hinaus kein Geheimniss, dass die USA nicht an einem starken Euro interessiert sind. Ihr Dollar-Privileg steht auf dem Spiel und damit viele ökonomische Vorteile, unter anderem der, dass sie alle Rohstoffe in ihrer Währung bezahlen, die sie beliebig drucken können.

Wenn man diesem Buch etwas vorwerfen kann, dann, dass man beim Lesen nicht so recht weiß, worauf Müller eigentlich am Ende hinaus will. Er schreibt erfrischend und für ein Wirtschaftsbuch fast spannend. Und er besitzt die Fähigkeit scheinbar komplizierte Zusammenhänge für den Normalbürger verständlich zu machen.

Etwa, wenn er erklärt, warum der Euro zu extremen wirtschaftlichen Spannungen innerhalb des Währungsgebietes führen musste. Die künstlich den Euroländern aufgezwungene gemeinsame Währung passt nicht zu den völlig unterschiedlichen Wirtschaftsleistungen der verschiedenen Staaten. Deshalb erzeugt sie Waren- und Geldströme, die nicht zur realen ökonomischen Lage der jeweiligen Länder passen. Müller erklärt das unter anderem an einem allgemein verständlichen Beispiel aus dem Alltagsleben.

In Deutschland, so Müller, bevorteilt der Euro beispielsweise die Exportwirtschaft, weil er für unsere Wirtschaftsleistung zu billig ist. Das genaue Gegenteil passiert mit den südeuropäischen Ländern. Er nimmt andererseits dem deutschen Verbraucher wegen seiner Schwäche die inländische Kaufkraft und macht Aufenthalte in den Südländern für uns viel zu teuer. Obendrein wird den südeuropäischen Superschuldnern nun auch noch ein Wirtschaftsvernichtungsprogramm aufgedrückt, das die Probleme erst richtig zum Kochen bringen wird.

Müller widmet sich darüber hinaus noch all den anderen Mythen, die die offizielle Propaganda um den Euro rankt. Er erklärt auch, warum die Rettungsschirme im Ernstfall nicht funktionieren werden und warum der gepriesene Fiskalpakt das Papier nicht wert ist, auf dem er steht.

Und natürlich befasst sich der Autor auch mit dem EU-Monster und dem Lobbyismus, der uns nicht nur giftige Leuchtmittel und E10 beschert hat, sondern auch drauf und dran ist, die kommunale Wasserversorgung in private Hände zu verscherbeln.

Alles in allem ist Müllers Buch sehr lesenswert, insbesondere, weil es nicht nur bei der Beschreibung des angerichteten Desasters stehenbleibt, sondern vor allem, weil es einen realistischen Ausweg zeigt. Allerdings wird man davon erst am Ende überrascht.

Ob vieles aus diesem Buch bereits in seinen früheren Werken steht, kann ich nicht beurteilen, da ich diese Bücher nicht kenne. Allerdings muss man jedem Buch seine eigene innere Logik zubilligen. Ich hätte es begrüßt, wenn der Autor etwas direkter auf sein eigentliches Anliegen hingearbeitet hätte. Gestört hat es mich jedoch kaum.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 9, 2013 2:52 PM MEST


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