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Dr. R. Manthey
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Burma: Neue Reisen in das Land aus Gold
Burma: Neue Reisen in das Land aus Gold
von Dirk Bleyer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 34,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine erste Annährung an ein unbekanntes Land, 17. April 2015
Lange Zeit konnte man nicht nach Burma reisen, weil die herrschende Militärdiktatur das Land abschottete. Wie so oft erzwang letztlich der wirtschaftliche Niedergang das Ende dieser korrupten Gewaltherrschaft. Nun kann man also wieder dorthin reisen. Und wenn man das tatsächlich vorhat, dann bietet dieser Bildband mit seinem ausführlichen Textteil eine recht gute erste Annäherung.

Natürlich begeistern westliche Besucher vor allem die vergoldeten Pagoden und die vielen buddhistischen Tempel. Im Text ist von Gotteshäusern die Rede. Aber im Buddhismus gibt es keinen Gott oder sonstige Heiligkeiten. Aber leider ist auch der Buddhismus im Laufe seiner Geschichte nicht vom Übel der Instutionalisierung verschont geblieben. In Burma scheint man hingegen besonderes Augenmerk auf die Verkitschung des "Erleuchteten" zu legen. Mit überdimensionalen Statuen macht man Buddha zum kultischen Heiligtum und führt damit einen wesentlichen Teil seiner Lehre ad absurdum. Wenigstens muss er nicht den Leidenden oder den Helden spielen, wie das anderswo bei solch zentralen Figuren üblich ist. Im Kleinen dient seine überall fabrizierte Statue dem Überleben armer Handwerker. Wenigstens darüber würde er sich wahrscheinlich freuen, wenn er noch dazu käme, weil er sich wahrscheinlich vorher über den Rummel um seine Person totgelacht hätte, würde er heute durch Burma wandeln.

Die Fotografien in diesem Buch sind von guter Qualität. Gelegentlich weiß man allerdings als Außenstehender nicht, ob die Realität tatsächlich so kitschig aussieht wie auf einigen Bildern. Vom Text kann man wegen seiner Informationsdichte zunächst überrascht sein. Von außen fällt es allerdings schwer, zu beurteilen, inwieweit damit die Wirklichkeit tatsächlich einigermaßen adäquat abgebildet wird. Bei einigen Formulierungen zum Buddhismus oder den ethnischen Minderheiten (insbesondere der muslimischen) kamen mir allerdings leichte Zweifel. Dennoch stellt dieses Buch in der Tat eine interessante erste Informationsquelle für alle diejenigen dar, die vielleicht in naher Zukunft dorthin reisen möchten.

Zunächst widmen sich die Autoren der jüngeren Geschichte des Landes. Später werden sie immer wieder einmal in ferne Zeiten abschweifen, wenn es das Thema erlaubt. Natürlich spielt die Hauptstadt Rangun, in die man wohl zu erst kommt, wenn man das Land besucht, eine herausragende Rolle. Weitere Themen sind der Hauptfluss Irrawaddy, die Tempelanlage Bagan sowie Mandaly, die letzte Hauptstadt des burmesischen Königreiches am Ufer des Irrawaddy. Noch heute stellt Mandalay das spirituelle Zentrum des Lansdes dar. Dann befassen sich die Autoren dann mit den komplizierten Problemen des heutigen burmesischen Vielvölkerstaates. Am Ende des Buches beschreiben sie die Mythen rund um den Inle-See.


Deutschland auf dem Weg in die Anstalt: Wie wir uns kaputtpsychologisieren. Mit einem Vorwort von Wolfgang Clement
Deutschland auf dem Weg in die Anstalt: Wie wir uns kaputtpsychologisieren. Mit einem Vorwort von Wolfgang Clement
von Burkhard Voß
  Broschiert
Preis: EUR 14,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Anstalt hat uns längst übernommen, 15. April 2015
Es ist schon eine Weile her, dass ich beim Lesen eines Sachbuchs ständig lachen musste. Eigentlich gibt es bei der Darstellung von Schwachsinn, der nicht ohne böse Folgen bleiben wird, nicht viel Komisches. Bis auf den Schwachsinn eben, wenn man einmal ausblendet, dass man von einer seltsamen Elite regiert wird, die frohgemut dem Abgrund zusteuert und sich dennoch sicher sein kann, dass sie stets wiedergewählt wird.

Das Vorwort zu diesem sehr amüsanten Text stammt von Wolfgang Clement, der mit dem Inhalt des Buches - wen überrascht das schon - nicht einverstanden ist. Burkhard Voss meint, wir würden uns kaputtpsychologisieren. Nun ist der Autor Mediziner mit einer Ausbildung zum Facharzt für Neurologie und Psychiatrie. Er muss es also wissen. Das ganze Elend, das uns letztlich in die nationale Irrenanstalt bringen wird, hat er in der sogenannten Reflexivkultur ausgemacht. Darunter versteht er "die Überhöhung und kultische Verehrung des reflexiven Denkens, welches die Aufmerksamkeit von der Umwelt auf das eigene Selbst lenkt". Grundsätzlich - so der Autor - wäre ein solches Denken gelegentlich nicht von Übel. Allerdings wird es zum Gift, wenn man es ständig und aus Prinzip tut. Und da wären wir inzwischen angelangt.

Voss hat drei Säulen dieser Reflexivkultur ausgemacht: Die Psychoanalyse, die keine wissenschaftliche Grundlage besitzen würde und mit der alles und jeder psychopathologisiert werden kann. Dann die postmoderne Philosophie, die sich von Fakten und Empirie verabschiedet hat und mit mathematischen und physikalischen Begriffen hantierend nur noch wirres Zeug von sich gibt. Und schließlich Gender-Mainstreaming, eine Pseudo-Theorie, die uns einreden will, dass es keine biologischen Geschlechter gäbe. Mit den ersten zwei Säulen kommt der normale Mensch kaum in Kontakt, die dritte jedoch ist offizielle Politik der EU, auch wenn das kaum einer merkt. Und wenn man es zufällig mitkriegt, wird man sich mehrheitlich an den Kopf fassen.

Doch Gender-Mainstreaming stellt genau den Punkt dar, an dem man mit dem Autor nicht mehr einer Meinung sein muss. Es ist doch nicht so, dass wir alle zu Hause herumsitzen und nachdenklich in uns hineinhören, ob wir vielleicht doch ein anderes Geschlecht haben als das, was wir nach unseren äußeren Merkmalen vermuten sollten. Immerhin hätten wir viel Stoff zum Nachdenken, denn schließlich gibt es nach dieser schwachsinnigen Theorie nicht nur zwei, sondern viele Geschlechter. Es mag ja sein, dass einige Menschen an dieser Stelle Probleme haben. Voss beziffert ihren Anteil bei einem Prozent der Bevölkerung. Kann man also deshalb sagen, wir würden uns kaputtpsychologisieren? Ist es nicht vielmehr so, dass gerade an dieser Stelle deutlich wird, dass diese Kreise überproportional dort vertreten sind, wo öffentliche Meinung erzeugt werden soll oder wo praktische Politik gemacht wird? Vielleicht wird ja erst so ein Schuh aus der Behauptung des Autors.

Wie auch immer man das sehen mag – das Buch liest sich nicht nur hervorragend, es ist auch sehr amüsant. Und man wird ständig mit Parolen konfrontiert, die man aus den täglichen medialen Verkündungen kennt und vielleicht schon nicht mehr hinterfragt, weil sie sich in der Dauerwiederholungsschleife inzwischen als "Wahrheit" etabliert haben.

Diese "Mythen der Reflexivkultur" entlarvt der Autor im zweiten Teil seines Buches, nachdem er vorher die Theorie und die Ahnen der Reflexivkultur vorgestellt hatte. Das erwies sich für mich als der amüsanteste Teil, auch wenn ich nicht immer mit dem Autor einer Meinung war. Beispielsweise kann man Sinn und Zweck des Achtsamkeitsbegriffs von Buddha nicht an seiner Auslegung durch Esoteriker oder andere Verwirrte messen. Wer hingegen glaubt, dass wir "wertschätzend miteinander umgehen müssen", dass "alle Gspräche auf Augenhöhe stattfinden sollten", dass "alle Entscheidungen transparent sein und unter Beteiligung aller getroffen werden müssten", dass wir "alle Menschen aus Afrika großzügig bei uns aufnehmen sollten", dass "alle Menschen gleich wären" und dass "psychische Erkrankungen zunehmen", der sollte besser Abstand von dieser Lektüre nehmen.

Das Buch enthält am Ende auch noch einige lustige Kapitel über die Deutschen in der Welt, den dauerreflexiven Hypersensitivismus und seiner Sprache sowie über das Schizophrene der Postmoderne. Alles in allem ein sehr unterhaltsames Buch, wenn man wieder einmal über die moderne Welt lachen möchte und es auch noch kann. Allen, die noch nicht dem "Betroffenheitskult" huldigen oder unter einer "generalisierten Heiterkeitsstörung" leiden, sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Es gibt viel Spaß.


Tel Aviv - Berlin: Geschichten von tausendundeiner Straße
Tel Aviv - Berlin: Geschichten von tausendundeiner Straße
von Fredy Gareis
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen "Ein sinnloses Spiel, wie meine Reise, und doch macht es glücklich.", 14. April 2015
Da steigt einer auf ein ziemlich gewöhnliches Fahrrad und versucht mit diesem Ding alleine mehr als 5000 Kilometer über zahlreiche Umwege von Tel Aviv nach Berlin zu fahren. Und er schafft das auch noch. Was um alles in der Welt hat diesen Kerl geritten, so eine irrwitzige Reise auf sich zu nehmen? Gut, er ist Journalist und wird aus seinen Erlebnissen dieses Buch machen und wahrscheinlich ganz gut verkaufen. Das kann es aber nicht sein, denn die Qualen einer solchen dreimonatigen Fahrt, bei der nie klar war, wo unser Held die nächste Nacht verbringen wird, sind so gewaltig wie die Risiken. Warum also? So richtig klar ist mir das bis zum Ende seines Berichtes nicht geworden, denn über seinen wahren Beweggründe im tiefen Seelengeheimnis schweigt Fredy Gareis mehr oder weniger.

Nur manchmal kommen einige seiner Gedanken bruchtstückhaft und völlig überraschend an die Oberfläche. So wie der Satz der diese Rezension überschreibt. Das sinnlose Spiel ist das Championsleague-Finale zwischen Borussia Dortmund und Bayern München, das er sich während seiner Reise irgendwo ansah. Natürlich ist eine solche Fahrradtour ein Weg zu sich selbst, vor allem, wenn man sie völlig alleine macht. Und darum geht es wohl eigentlich. Die vielen politisch oder kulturell beschwerten Orte, zu denen Gareis sich teils unter Inkaufnahme enormer Umwege bemühte, spielen selbstverständlich auch eine Rolle. Wenn er einfach die kürzeste Strecke gewählt hätte, wäre schließlich der Weg nicht das Ziel gewesen. Man muss nicht unbedingt in Srebrenica gewesen sein, aber wenn man es denn doch auf sich nimmt, dann kann man auch darüber schreiben. Aber wirklich erhellend und interesssant erscheint das dann wiederum nicht.

Viel interessanter sind die mit viel Ironie verfassten Selbstreflexionen des Fredy Gareis. Anfangs lasen sich seine Beschreibungen aus der Nahost-Welt auch wirklich gut. Je mehr er sich jedoch dem Ende der Reise näherte, umso mehr verflachten seine Schilderungen. Nach eigenem Bekunden stellte seine Alleinreise für Gareis die einmalige Gelegenheit dar, Menschen und Länder kennenzuleren, weil er einfach gezwungen war, sich helfen zu lassen. Und dazu musste er erst einmal Kontakt aufnehmen. Was dabei herausgekommen ist, mag wenigstens teilweise amüsant oder manchmal auch ganz lehrreich gewesen sein. Tatsächlich aber gelangt dabei nur die gefilterte Wirklichkeit eines zufällig getroffenen Menschen in die ebenso durch persönliche Filter geschwächte Wahrnehmung eines anderen Menschen. Ob man daraus wirklich belastbare Erkenntnisse gewinnen kann, erscheint eher zweifelhaft. Aber darum geht es eigentlich nicht. Für Gareis sind es Erlebnisse, die er sein ganzes Leben lang sicher nicht vergessen wird. Und der Leser dieses lakonisch und mit viel Selbstironie geschriebenen Buches kann daran teilhaben und sich fragen, ob er das alles selbst auf sich nehmen würde.

Meine uneingeschränkte Bewunderung hat Gareis jedenfalls. Diese Leistung kann ihm niemand mehr nehmen. Und mit Sicherheit hat es ihn glücklich gemacht und ganz nebenbei auch erheblich verändert. Und darum ging es ihm wohl eigentlich.

Nichts ist offenbar so verrückt, dass sich nicht einer findet, der es macht. Wer eine solche Gelegenheit sorglos und beschwerdefrei miterleben möchte, kann es mit diesem Buch tun.


Pflanzkasten Lärche achteckig / 61022 52 x 38 x 33 cm GK 13/765
Pflanzkasten Lärche achteckig / 61022 52 x 38 x 33 cm GK 13/765
Wird angeboten von Hansetools.
Preis: EUR 18,90

4.0 von 5 Sternen Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, 12. April 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Für diese Aussage muss man allerdings erwähnen, dass mich diese Kästen fünfzehn Euro das Stück gekostet haben. Obwohl man mit dem Foto genau erkennen sollte, was einem in der Realität erwartet, kamen mir die Kästen dann doch etwas kleiner vor als ich vermutet hatte. Sie sind aus relativ kleinteiligem und dünnen Holz gefertigt, sodass sich ihre Robustheit gegenüber Witterungseinflüssen noch beweisen muss. Auf jeden Fall benötigen sie einen Schutzanstrich. Vorteilhaft ist, dass sie bereits mit Folie ausgelegt sind.


Gebrauchsanweisung für Thüringen
Gebrauchsanweisung für Thüringen
von Ulf Annel
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

2.0 von 5 Sternen "Das Wort Gebrauchsanweisung will sich nicht eindeutig entkleiden.", 12. April 2015
Das meint der Autor im Vorwort und offenbart damit eine gewisse Hilflosigkeit, die bei ihm scheinbar einsetzte als er dieses Buch zu schreiben begann. Dem Endprodukt hat das nicht gut getan. Wenn man sich ein Buch aus dieser Reihe kauft, dann hat man doch wohl auch vor, dort hinzufahren. Warum, so fragt man sich, jammert dann der Autor bereits zu Beginn, dass kaum ein Westdeutscher dieses Bundesland kennen würde? Es scheint auch keine gute Idee des Verlages zu sein, sich Autoren für Gebrauchsanweisungen ostdeutscher Länder oder Städte unter Kabarettisten zu suchen, die den größten Teil ihres Lebens im Sozialismus verbracht haben. Da schimmert zu oft ein Gefühl des Zurückgesetztseins durch, das sich aus den Brüchen der Wende entwickelt hat. Man muss sich als Thüringer nicht verstecken, sondern kann über dieses wunderbare Land mit Selbstbewusstsein schreiben.

Denn zu sehen gibt es viel. Sicher wird jeder Deutsche Weimar kennen. Oder die Wartburg. Oder Carl Zeiss, der sein Unternehmen in Jena gründete. Wie an einer Perlenschnur reihen sich an der Bundestrasse 7 Jena, Weimar, Erfurt, Gotha und Eisenach auf. Fast parallel dazu verläuft in einiger Entfernung der Kamm des Thüringer Waldes. Jena liegt im herrlichen Saaletal. Fährt man nach Süden, so kann man sich entscheiden, ob man weiter ins Schwarzatal aufbricht und von dort die Hänge des Thüringer Waldes hinauf zum Rennsteig, dem berühmten Kammweg des Gebirges, wandert, oder ob man den Weg nach Osten nimmt und die Teichlandschaften oder die beiden Saaletalsperren besucht. Landschaftlich sind das alles wunderbare Gegenden. Nur leider kommen sie in dieser Gebrauchsanweisung nur marginal vor. Stattdessen bemüht der Autor die etwas weiter entfernte Geschichte, der er sich dann (seinem Spezialgebiet folgend) gelegentlich herumblödelnd widmet. Viel wird beim Leser von dieser diffusen Darstellung wahrscheinlich nicht hängenbleiben.

Ich habe auch ehrlich gesagt keine Ahnung, in welcher merkwürdigen Welt der Autor lebt, wenn er in einer Gebrauchsanweisung für Thüringen fragwürdige RTL-C-Prominenten wie einen gewissen Nico Schwanz mit einer dreiviertel Seite beehrt, sich aber kaum um die wirklich interessanten Geschichten und Befindlichkeiten Thüringens kümmert. Gewiss kommen viele bemerkenswerte Orte in Thüringen in diesem Buch vor, aber das geschieht eher beiläufig und fast immer im Rahmen irgendeiner für den Besucher bedeutungslosen oder völlig nebensächlichen Geschichte. Dabei gibt es doch so viele geschichtsträchtige und wunderschöne Orte in Thüringen, für die sich Besucher mit Sicherheit interessieren werden. Muss man nicht davon ausgehen, dass Leser dieser Gebrauchsanweisung sich vielleicht schon vorinformiert haben und nun eventuell auf tiefer gehende Einsichten oder Empfehlungen hoffen. Doch die werden sie hier nur gelegentlich finden.

Möglicherweise interessieren sich manche Zeitgenossen auch dafür, was vor der Wende in Thüringen so los war und was danach geschah. Davon erfährt man eher nichts. Und auch von den Befindlichkeiten der Thüringer liest man kaum etwas. Vielleicht mit der Ausnahme, dass sie oft wegen ihres Dialekts für Sachsen gehalten werden. Und wenn schon.

Diese Gebrauchsanweisung enthält kaum belastbare Erkenntnisse aus der jüngeren Vergangenheit. Vielmehr befasst sie sich sehr häufig mit Geschichten und Anekdoten aus längst vergangener Zeit, die sich überall im Text finden. Moderne Ereignisse kommen kaum vor. Einige Thüringer Besonderheiten, wie die berühmte Bratwurst oder der weniger bekannte Mutzbraten werden zwar gestreift, aber irgendwie erscheint das alles, wenn man das Land kennt, wie zufällig dahingeworfen und nicht wie eine brauchbare Hilfe, wenn man dieses Bundesland kennenlernen möchte. Thüringen hätte eine wirkliche Gebrauchsanweisung für moderne Reisende mehr verdient als diese geschichtslastige Anekdotensammlung.


Stop Cheap Speak: Wie wir wertvoller kommunizieren
Stop Cheap Speak: Wie wir wertvoller kommunizieren
von Gabriele Zienterra
  Broschiert
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Der moderne Mensch hat seinen Fokus und damit seinen Halt und die Klarheit über sich selbst verloren.", 9. April 2015
Eine verblüffende Aussage, die man in diesem Ratgeber für eine "wertvollere Kommunikation" findet. Wenn man sich etwas mit Logik beschäftigt hat, dann weiß man, dass es viel Freude erzeugen kann, wenn man Aussagen auf den anwendet, der sie trifft. Wenn die Autorin also ein moderner Mensch sein will, dann muss es bei ihr auch Schwierigkeiten mit dem Halt und dem Fokus geben.

Leider gibt es neben dieser und anderen wegen ihrer übertriebenen Allgemeinheit zumindest fragwürdigen Behauptungen auch sonst noch jede Menge unfreiwillige Komik in diesem Buch. Das beginnt bereits mit dem Titel. Sicher wird der moderne Mensch keine Probleme haben ihn zu verstehen. Auf der Buchrückseite liest man dann allerdings unter der Überschrift "Gib dem Blabla keine Chance!", dass es beim Cheap Speak hauptsächlich darum ginge, Aufmerksamkeit zu erregen. Was aber macht denn dieser seltsame Buchtitel, den man genauso kurz auch in der eigenen Muttersprache formulieren könnte, anderes?

Wir sollen also mit diesem Ratgeber lernen, wertvoller zu kommunizieren. Bisher kam mir das Wort "wertvoll" in Verbindung mit "Kommunikation" noch nicht in den Sinn. Sollte es nicht bei einer wie auch immer gearteten Kommunikation zunächst einmal vor allem darum gehen, sich verständlich auszudrücken und den Gesprächspartner zu überzeugen oder wenigstens das eigene Anliegen möglichst verlustfrei anzubringen? Die Wortwahl der Autorin im Untertitel erweist sich leider nicht als Ausrutscher. Statt ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht zu führen, empfiehlt sie ihren Lesern die Face-to-Face-Kommunikation. In einem Buch über eine bessere Kommunikation sollte man schließlich auch sinnfreie Sätze wie: "Achten Sie auf Ihre Body Signals. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff? Body Signals sind Signale des Körpers, die Sie im Grunde jeden Tag empfangen können ..." (S. 196), besser vermeiden.

Worum geht es in diesem Buch? So richtig klar ist mir das erst nach der Hälfte des Textes geworden. Die Autorin beklagt zunächst sehr ausführlich das tägliche dumme Geschwätz, mit dem man fast überall überzogen wird. Wenn man ihr glaubt, dann wäre dies etwas völlig Neues und hätte etwas mit dem Zeitgeist zu tun. Leider ist billiges Gerede so alt wie die menschliche Zivilisation, weil es mit dem menschlichen Drang nach Selbstdarstellung eng verbunden ist. Das einzig wirklich Neue an unserer Zeit ist wohl, dass man damit viel offener konfrontiert wird, weil moderne Kommunikationsmittel und die sogenannten sozialen Medien erst die Plattform für die massenhafte Offenbarung von Dummheit und Selbstdarstellung bieten.

Der Autorin liegt am Herzen, dass ihre Leser lernen, in Gesprächen, Vorträgen oder Präsentationen besser auf ihre Gegenüber einzugehen. Dass sie lernen, erst zu verstehen oder zu erforschen, um was es anderen geht. Das muss man wohl unter "wertvoller" Kommunikation verstehen. Alle sollen sich beim Kommunizieren wohlfühlen, dann klappt es auch mit dem Verständnis. Wir sollen den anderen entdecken, "in die Welt des anderen eintauchen", wie die Autorin schreibt. Sie gibt dazu im Text zahlreiche Ratschläge. Aber dann kommen sie wieder, diese Widersprüche. Gegen Ende des Buches erzählt sie von einem Juristen, der Zweifel an ihrem Konzept äußerte. Plötzlich ist Schluss mit dem Entdecken. Dann heißt es: "Der Mann kostet uns Kraft". Dabei hätte sie vielleicht viel über ihr Konzept herausfinden können, eben weil dieser Mensch "überkritisch" und "überskeptisch" war.

Grund zu Zweifeln gibt es in der Tat. Nach meiner jahrelangen Erfahrung mit Vorträgen und Vortragenden scheint es bei der Veränderbarkeit kommunikativer Grundfertigkeiten enge Grenzen zu geben. Da muss man sich nur einmal prominente Beispiele ansehen. Bei der gegenwärtigen Bundeskanzlerin hat sich frisurtechnisch mehr geändert als an ihren Fähigkeiten, Reden zu halten. Und das, obwohl sie sicher keine schlechten Lehrer hatte. Und aus einem Buch wie diesem kann man Veränderungen an den eigenen kommunikativen Fähigkeiten wohl nur in noch engeren Grenzen herbeiführen. Schließlich sind dies nicht nur praktische Dinge, die man verbessern muss, sondern vor allem solche, die tief in die Persönlichkeitsstruktur eingehen. Man kann einem leidenschaftsarmen Redner zwar erklären, dass er mit mehr Leidenschaft vortragen soll, helfen wird man ihm damit aber eher nicht. Und einen unsensiblen Typen, der während eines Gespräches dauernd auf seine Lebenshilfe starrt oder gar Telefonate abnimmt, auf sein merkwürdiges Verhalten hinzuweisen, wird wohl auch ein hoffnungsloses Unterfangen bleiben.

Vermutlich werden diejenigen, die ein solches Buch gebrauchen könnten, weil sie anderen mit ihrem "Cheap Speak" auf die Nerven gehen, sich dieses Werk weder kaufen, noch es lesen. Für andere enthält es einige gut gemeinte Ratschläge, die allerdings reichlich unsystematisch im Text versteckt wurden. Ob sie tatsächlich von praktischem Nutzen sind, sei einmal dahingestellt. Mir hat dieses Buch nicht besonders gefallen. Für das durchaus verständliche und sympathische Anliegen der Autorin gibt es allerdings einen Zusatzstern.


Plötzlich Glückspilz
Plötzlich Glückspilz
von Bobbie Pyron
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,99

5.0 von 5 Sternen "Irre und Loser halten zusammen. Durch dick und dünn." Tatsächlich?, 7. April 2015
Rezension bezieht sich auf: Plötzlich Glückspilz (Gebundene Ausgabe)
Mit dem Glück ist das so eine Sache. Hat man zu wenig davon, wird man gehänselt. Immerhin dient man dann wenigstens als Projektionsfläche für manche Mitmenschen, die auch nicht viel besser dran sind, sich aber überlegen fühlen können. Hat man dagegen zu viel Glück, so macht das andere nicht selten neidisch. Sie halten das für unglaublich ungerecht und schreiten dann auch gelegentlich zur Tat, um der Gerechtigkeit wieder auf den ihnen passenden Weg zu verhelfen.

Von diesen Eigenheiten menschlichen Verhaltens erzählt Bobbie Pyron in seinem Buch, das für zehn- bis zwölfjährige Kinder gedacht ist. Nathaniel Harlow ist der typische Loser. Er hat früh seine Eltern verloren und wohnt jetzt im Wohnwagen seines Großvaters. Aber auch unabhängig davon kriegt er wenig auf die Reihe. Jeder Schultag ist für ihn eine einzige Demütigung. Nur mit Genesis Beam, die alle mit ihrer Intelligenz überstrahlt und bereits in Nates Alter Bücher über Theoretische Physik liest, versteht er sich gut. Gen gilt allerdings als irre, was nur zeigt, das übermäßige Intelligenz auch nicht immer eine Segnung sein muss.

Alles ändert sich, als Nate plötzlich und tatsächlich aus heiterem Himmel an seinem 11. Geburtstag beim Minigolf vom Blitz getroffen wird. Danach geling ihm auf einmal alles. Doch nicht nur das: Alle, mit denen er auf irgendeine sonderbare Weise in Kontakt kommt, haben plötzlich und völlig unerwartet einen Riesenerfolg. Glückspilz Nate macht sich und andere glücklich, aber seine Taten treffen nicht alle gleichmäßig, was die oben erwähnten Prozesse in Gang setzt. Auch er selbst ändert sich, denn seine Rolle als überall gerne gesehener Gast bleibt für seine Selbstwahrnehmung nicht ohne Folgen.

Dieses Buch erzählt parabelartig die Folgen von plötzlichem übermäßigen Glück, das einen totalen Loser sehr schnell zu einem Star der kleinen Dorfgemeinschaft werden lässt. Für Kinder im Zielgruppenalter ist diese Geschichte sicher sehr lehrreich. Wenn man den kleinen und nicht glaubwürdigen Blitz-Trick des Autors hinnimmt und sich darauf konzentriert, wie schnell sich Haltungen von Menschen ändern können, wenn jemand vom Glück bevorzugt wird, dann entsteht mit Sicherheit genug Stoff zum Nachdenken. Schließlich schildert der Autor in seinem auch sprachlich überzeugenden Buch das Verhalten der Menschen in Nates Dorf witzig, lakonisch und vor allem hinreichend realistisch. Eine übermäßig spannende Handlung sollte man hingegen nicht erwarten.


Porsche: Ursprung einer Marke
Porsche: Ursprung einer Marke
von Karl Ludvigsen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 68,00

5.0 von 5 Sternen Die Anfänge einer ganz besonderen Erfolgsgeschichte, 5. April 2015
Für jedem Autoliebhaber auf der Welt ist die Marke Porsche ein Begriff, wenn nicht etwas ganz Besonderes. In diesem Buch untersuchen Karl Ludvigsen und einige Gastautoren den Ursprung dieses Phänomens, der bereits einige Zeit vor dem letzten Weltkrieg begann, aber erst danach gefördert durch eine kluge und weitsichtige Firmenpolitik seinen Ausdruck im 356er Porsche fand. Mit diesem Modell, in dem bereits die typische Porsche-DNA steckt, endet dieser oftmals tief ins Detail gehende Text-Bild-Band.

Zwar kann man die Texte und Dokumente auch einigermaßen verstehen, wenn man nicht Maschinenbau mit der Spezialrichtung Automotive studiert hat, bei einigen technischen Ausführungen wird man dann aber die Grenzen des eigenen Verständnisses recht bald erreicht sehen. Dessen ungeachtet gehen die verschiedenen Autoren selbstverständlich auch auf die generelle Unternehmensgeschichte und die Verbindung von Porsche und Volkswagen ein. Darüber hinaus findet man bisher nicht veröffentliche Dokumente, die einen gewissen Einblick in das Wirken der Familien Porsche und Piech geben.

Nach meiner Einschätzung bietet dieses hervorragend gemachte Buch besonders Lesern mit einer entsprechenden Vorbildung viel neues Material zur Geschichte von Porsche bis zum 356er Modell, das sehr detailliert und systematisch vorgetragenen wird.


Vier Fälle für Sherlock Holmes (Der adlige Junggeselle, Die einsame Radfahrerin, Die Internatsschule, Der schwarze Peter) - 4 Audio-CDs mit 208 Min.
Vier Fälle für Sherlock Holmes (Der adlige Junggeselle, Die einsame Radfahrerin, Die Internatsschule, Der schwarze Peter) - 4 Audio-CDs mit 208 Min.
von Sir Arthur Conan Doyle (Autor)
  Audio CD
Preis: EUR 16,99

4.0 von 5 Sternen Geschichten aus einer anderen Zeit, 4. April 2015
Eigentlich hatte ich die Geschichten in guter Erinnerung. Aber es ist sehr lange her, seit ich sie das letzte Mal gelesen hatte. Heute wirken sie wie seltsam verstaubt und besitzen den Charme und die Spannung von Kreuzworträtseln. Sherlock Holmes, der Meister der genauen Beobachtung und des messerscharfen logischen Schlusses, lebte in einer Zeit als das Leben noch etwas langsamer ablief. Man fuhr in Droschken durch das nächtliche und schwach beleuchtete London und sprach nach heutigem Empfinden reichlich geschwollen.

Diese vier Kriminalhörspiele sind zu meiner Überraschung für Kinder ab zehn Jahren gedacht. Gesprochen und gespielt wird sehr gut. Die Handlungen allerdings mögen den heutigen Kindern reichlich seltsam vorkommen, weil sie - wie zum Beispiel die erste Geschichte - gewisse historische Kenntnisse und Vorstellungen voraussetzen, die in der Regel nicht vorhanden sein werden.

Dessen ungeachtet handelt es sich natürlich um Klassiker der Kriminalliteratur, denen man als Erwachsener einen gewissen Respekt entgegenbringt, der jedoch bei Kindern nicht erwarten werden kann. In diesem Sinne handelt es sich bei diesem Produkt um eine interessante Zusammenstellung. Ob man damit allerdings Kinder im Zielgruppenalter eine Freude macht, ist mir nicht ganz klar, weil sie inzwischen ganz andere Sachen gewöhnt sind und erwarten.


Die kleine Kommunistin, die niemals lächelte: Roman
Die kleine Kommunistin, die niemals lächelte: Roman
von Lola Lafon
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine Anmaßung, 2. April 2015
Nadia Comaneci war einst die beste Turnerin der Welt. Ein Platz im Olymp der Turnerinnen wird ihr auf ewig sicher sein. Zunächst dachte ich, dieses Buch wäre eine Art biografischer Roman, der vorsichtig versuchen würde, dieser außergewöhnlichen Sportlerin und den Geheimnissen ihrer Erfolge auf die Spur zu kommen. Doch schon der Titel verwirrt. Comaneci war nie wirklich eine überzeugte Kommunistin. Wenn es so gewesen wäre, hätte man schließlich selbst in diesem Text etwas davon erfahren können. Aber man findet kein Wort dazu. Und gelächelt hat sie sehr wohl, wenn auch nicht gerade häufig. Ihre grandiosen Balken- oder Stufenbarrenküren bei den Olympischen Spielen von 1976 kann leicht im Internet finden. Dort sieht man sie hinterher nicht nur lächeln, sondern man kann sich auch davon überzeugen, dass sie sehr wohl sofort verstanden hatte, dass sie die Supernote 10.0 erhielt, obwohl 1.0 auf der Anzeigentafel stand. Liest man dann, was die Autorin dazu in ihrem Buch erfindet, dann kann man schon Zweifel an ihrem Sachverstand bekommen.

Die "Handlung" dieses Romans basiert auf ein paar Büchern und Zeitschriftenartikeln über die Comaneci und vielleicht auch auf Berichten des berüchtigten rumänischen Geheimdienstes. Aber da kann man sich, wie bei vielem in diesem Buch, schon nicht mehr wirklich sicher sein. Dass es nicht mehr ist, merkt man schnell, wenn man das Buch aufmerksam genug liest. Da das Material für eine differenzierte Betrachtung viel zu dünn ist, bemüht sich die Autorin nach Kräften mit zahlreichen sprachlichen Verrenkungen und anderen Tricks den Eindruck tiefer gehender Einsichten zu erzeugen. Wenn ich es richtig verstanden habe, besaß die Autorin nie einen Kontakt zu Comaneci. Dennoch findet man in ihrem Buch fiktive Dialoge mit ihr, die genau den gegenteiligen Eindruck erzeugen sollen.

Obwohl man zu Beginn kleinlaut darauf hingewiesen wird, dass es sich dabei um die Ausgeburt angeblicher schriftstellerischer Freiheit handelt, muss man diesen Kniff als grenzwertige Anmaßung auffassen, die nicht nur die Füllmasse des Textes vergrößert, sondern auch einen völlig falschen Eindruck vermittelt. So mit einer lebenden Person umzugehen, offenbart mangelnden Respekt. Die Autorin kritisiert zu recht, wie die geisteskranken rumänischen Machthaber damals Nadia Comaneci für ihre Zwecke benutzt und instrumentalisiert haben. Im Grunde macht die Autorin aber auch nichts anderes, wenngleich die Dimensionen natürlich erheblich kleiner sind.

Wenn man erwartet, dass man mit diesem Buch mehr über das sicher nicht einfache Innenleben und die Gefühlswelt der Comaneci erfahren würde, dann sieht man sich getäuscht. Wie soll eine Autorin das auch wissen, wenn sie nie mit der Heldin ihres Buches geredet hat? Dieses Buch ist nichts weiter als der Versuch, eine bekannte und dünne Faktenlage sprachlich so aufzublasen, dass man den Eindruck gewichtiger Literatur bekommt. Dem Menschen, um den es hier geht, wird die Autorin dabei noch nicht einmal in einer ersten Annäherung gerecht. Zu einseitig und zu oberflächlich ist ihre Herangehensweise.

Vielleicht mag es dem einen oder anderen Leser dennoch gefallen, weil es wenigstens die wenigen Fakten einigermaßen deutlich macht und dabei das Leben in der Endzeit des sozialistischen Rumänien leidlich akzeptabel schildert. Wer davon bisher wenig wusste, dem bietet dieser Roman viel Anschauungsunterricht über das, was man damals als lichte Zukunft der Menschheit preisen ließ.


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