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Dr. R. Manthey
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Absolute New York
Absolute New York
von Freddy Langer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 98,00

5.0 von 5 Sternen "Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken." (Jesus, Inschrift an der Freiheitsstatue), 30. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Absolute New York (Gebundene Ausgabe)
Statt mit einem üblichen Vorwort beginnt dieser sehr umfangreiche und schwere Bildband mit einem lesenswerten Text des amerikanischen Schriftstellers E.B. White, den er 1948 an einem sehr heißen Tag in New York über diese Stadt niederschrieb. White, der 1985 verstarb, sollte diesen Text wohl später aktualisieren. Aber dazu hatte er keine Lust. "Um mit New York Schritt zu halten, müsste man die Texte schon mit Lichtgeschwindigkeit veröffentlichen ...", schrieb er dazu. Und so liest man heute Dinge über New York, die merkwürdigerweise recht aktuell und zeitlos klingen.

Wirklich überrascht wird man jedoch am Ende, wenn man folgende Sätze liest: "Die subtilste Veränderung in New York betrifft etwas, über das die Menschen nicht gerne sprechen, das aber in jedem Kopf steckt. Die Stadt ist, zum ersten Mal in ihrer langen Geschichte, zerstörbar. Ein einziges Flugzeug, ..., kann diesen Inseltraum blitzschnell zerstören, die Türme niederbrennen ...".

Vielleicht wurde dieser einleitende, 66 Jahre alte Text mit seiner verstörenden Prophetie an seinem Ende gerade wegen ihr ausgewählt. Die Türme des WTC sieht man jedenfalls sehr oft auf Hamanns Bildern. Der Fotograf erreichte mit seinem Klassiker "New York Vertical", der sich über 300000 mal verkaufte, Kultcharakter. Einige solcher Bilder, die Hamann mit einer vertikal gehaltenen Panorama-Kamera aufnahm, sind auch in diesem Band enthalten, wenngleich sie hier eher selten erscheinen.

Hamann folgt bei seinen New-York-Bildern in diesem Buch sehr oft den Linien und der Geometrie dieser Stadt. Höhenangst kann er jedenfalls nicht haben, denn sein Standpunkt muss gelegentlich recht abenteuerlich gewesen sein. Wenn er nicht den Gebäuden oder Brücken New Yorks seine Aufmerksamkeit schenkt, dann sieht man gelegentlich auch die Totale, was bei New York allein schon wegen der Kontraste immer reizvoll ist. Andere Bilder zeigen Stellen, an die sich Touristen eher selten verirren. Stille Plätze, wie Friedhöfe, aber auch zerschlissene Flecken. Besonders diese Fotos erschließen sich vielleicht nicht immer, weil man ihre Bedeutung oder eventuelle Botschaften nicht unbedingt ohne Hintergrundkenntnisse erkennen kann.

Ähnlich verhält es sich mit den Menschen, die Hamann aufnahm. Darunter sind auch einige prominente Zeitgenossen. Am Ende des Buches findet man Daten zu den einzelnen Fotografien. Sie enthalten Informationen über das Motiv, den Ort, das Jahr, in dem sie entstanden und die Kamera, die benutzt wurde. Das ganze Buch trägt fast schon monumentalen Charakter und besitzt wohl auch das Potential, ein Klassiker zu werden.


Das unheilige Buch
Das unheilige Buch
von Erich von Däniken
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sind religiöse Mythen ein Beweis für einen außerirdischen Besuch vor langer Zeit?, 28. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Das unheilige Buch (Gebundene Ausgabe)
Nach dem Lesen dieses Buches ist man möglicherweise geneigt dies zu glauben. Erich von Däniken wird nicht müde, seine Theorie mit immer neuen Auslegungen und Interpretationen alter Schriften zu untermauern. Es kann so gewesen sein, wie er vermutet, es muss es aber nicht. Allerdings gibt es in diesem Buch ein Kapitel, das mich verblüfft hat. Denn sollte es tatsächlich wahr sein, was von Däniken dort schreibt, dann kann man sich nur noch schwer, seiner generellen Argumentation entziehen.

Im 1. Kapitel erwähnt er einen Artikel, der 1950 in einer französischen Zeitschrift der dortigen Afrikanischen Gesellschaft erschien. Es wird von einem Volk in Mali berichtet, das die Umlaufbahn und die Umlaufzeit von Sirius B, einem Weißen Zwerg, um Sirius A kennt. Sirius A oder einfach Sirius ist so hell, dass er Sirius B für das bloße Auge unsichtbar macht. Das Volk der Dogon besitzt darüber hinaus angeblich auch Kenntnisse über Sirius BC und D. Das ist noch bemerkenswerter, denn von diesen Himmelskörpern weiß man erst seit kurzem. Der Kult, den dieses Volk um den Sirius und seine Begleiter macht, ist angeblich jedoch uralt. Und es scheint unwahrscheinlich, dass ausgerechnet einem kleinen afrikanischen Volk kürzlich jemand von diesem Sternensystem berichtet hat, damit es dann einen Kult daraus entwickelt.

Neben diesem spannenden Kapitel findet man in diesem Buch wieder zahlreiche andere Hinweise, die der Autor als Stütze seiner Thesen betrachtet. Einiges davon kennt man schon aus früheren Büchern. Beispielsweise die Berichte über die wundersamen Reisen von König Salomon oder über die Bundeslade, bei deren Berührung Menschen Symptome einer radioaktiven Verstrahlung erlitten haben sollen. Ferner befasst sich von Däniken auch mit dem rätselhaften Phänomen, dass es von verschiedenen Propheten mehrere Grabstätten gibt. Diese und andere Rätsel kann er alle mit seiner Theorie außerirdischer Besuche erklären.

Selbst wenn man einen solchen Gedanken - warum auch immer - erst gar nicht zulassen will und das alles für Spinnerei hält, so ist es doch spannend zu lesen. Ein offener Geist kann sich jedoch weder der faszinierenden Vorstellung entziehen, dass von Däniken vielleicht doch recht haben könnte, noch wird er eine solche Hypothese einfach deshalb ablehnen, weil sie dem vorherrschenden Glauben widerspricht. Er wird sie einfach stehen lassen und abwarten, ob sich eines Tages ein handfester Beweis dafür findet. Das Gegenteil, also die Behauptung, dass es keine Besuche außerirdischer Lebensformen auf der Erde gegeben hat, ist jedenfalls nicht beweisbar. Immerhin ein unschlagbarer Vorteil für den Autor.


Gierig. Verliebt. Panisch.: Wie Anleger ihre Emotionen kontrollieren und Fehler vermeiden
Gierig. Verliebt. Panisch.: Wie Anleger ihre Emotionen kontrollieren und Fehler vermeiden
von Jessica Schwarzer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Börse ganz einfach: "Bleiben Sie einfach gelassen und Sie werden ein besserer Anleger!", 27. Oktober 2014
Mit dieser Anweisung wird man als Leser dieses Buches auf Seite 236 entlassen. Das ist also das endlich gelüftete Geheimnis, "wie Anleger ihre Emotionen kontrollieren und Fehler vermeiden". Man sagt sich einfach, nun sei mal schön gelassen, und dann klappt das schon mit den Börsengewinnen. Super, oder?

Natürlich steht noch mehr in diesem Buch. Wer gerne Börsenbücher liest, sich dadurch unterhalten fühlt und glaubt, dass er damit von Experten beraten wird, der wird mit diesem Buch sicher glücklich werden. Doch in Wirklichkeit hat dieser Text - wie übrigens die meisten solcher Bücher - keinen wirklichen praktischen Nutzen. Dazu ist es einfach im Ansatz und in der Ausführung zu flach angelegt. Und bei allem Respekt ist die Autorin auch keine Psychologin, noch kann sie mit tiefer gehenden Kenntnissen des Börsenhandels glänzen.

Was also findet man in diesem Buch? Zunächst ein Vorwort des Fernsehjournalisten Markus Koch. Danach beklagt die Autorin im 2. Abschnitt, dass die Deutschen keine Aktienkultur besitzen würden. Mit diesem komischen Wort meint man gewöhnlich, dass hierzulande der Aktienbesitz nicht besonders verbreitet ist und sichere Geldanlagen bevorzugt werden. Langfristig würden jedoch Aktienanlagen erfolgreich sein. Dazu darf man den Dax bewundern, der von unter 1000 Punkten (1987) kommend in diesem Jahr die 10.000 Punkte erreicht hat.

Rückwärts gesehen ist die Welt immer wunderbar einfach zu erklären, denn dann gibt es keine Unsicherheit mehr. Dass zwischendrin Verluste von mehr als 50% mitgenommen werden mussten, spielt angesichts der nun erreichten Höhen keine Rolle mehr. Man könnte neben den Dax ja auch mal den Chart der Deutschen Telekom präsentieren, um deutlich zu machen, dass es wohl ganz so einfach dann vielleicht doch nicht ist. Denn wenn es so wäre, warum empfiehlt die Autorin dann nicht einfach den Kauf eines Wertpapiers, das dem Dax 1:1 folgt? So etwas gibt es schließlich, und damit wäre ganz nebenbei auch ihr Buch völlig überflüssig.

Im dritten Abschnitt wird gleich in der Überschrift behauptet, dass "die Börse zu 90% aus Emotionen bestehen" würde. Wer hat das denn gemessen, und wie vor allem? Für wen gilt eine solche Behauptung? Wenn ich von einer Sache nämlich überhaupt keine Ahnung habe, nützt mir auch die größte Gelassenheit nichts. Unter diesen Umständen besteht die Börse für mich aus 100% Ahnungslosigkeit.

Dann kommt der "Homo oeconomicus" ins Spiel, der ideale, stets streng rational handelnde Anleger, denn es natürlich nicht gibt, der aber von Ökonomen erfunden wurde, um gewisse Theorien zu entwickeln, die deshalb natürlich nichts mit der Realität zu tun haben. Beispielsweise die "Theorie von den effizienten Märkten", die spätestens mit der letzten Finanzkrise ihren Offenbarungseid ablegen musste.

Wie zahlreiche Menschen in der Finanzwelt begreift auch die Autorin nicht, wie solche fragwürdigen, aber mit Preisen überhäuften Theorien überhaupt entstanden sind. Nicht die Wirklichkeitsnähe von Voraussetzungen war dabei das Kriterium, sondern allein die Möglichkeit, überhaupt etwas ausrechnen zu können. Und das klappt bisher eben nur bei Annahmen, die auf lineare Modelle führen. Solche Modelle schließen aber Rückkopplungen aus, die jedoch typisch für Märkte sind.

Nachdem sie dem Leser klar gemacht hat, dass es den stets rational handelnden Anleger nicht gibt, beschreibt die Autorin einige der typischen Fehler, die entstehen, wenn man an der Börse ohne eine erwiesenermaßen profitable Strategie und damit natürlich auch ohne Disziplin handelt. Man könnte nun auf die Idee kommen, dass man nur mental stark (oder eben gelassen) werden müsste, und schon klappt alles. Das ist natürlich Unsinn. Was aber eine erfolgreiche Anlagestrategie sein soll, findet man in diesem Buch nicht. Die Autorin vermag auch nicht die unterschiedlichen Risiken zu benennen, die bei einer Aktienanlage bestehen.

Für die meisten Anleger entsteht Risiko allein schon dadurch, dass sie in Wirklichkeit nicht wissen, was sie tun. Etwas völlig anderes ist das Risiko, das in der Anlage selbst steckt. Denn auch bei einer nachweislich profitablen Anlagestrategie existiert ein statistisch messbares Risiko, mit dem umzugehen man erst einmal lernen muss. Und erst hier stimmt möglicherweise der Kalenderspruch, dass fast alles an der Börse Psychologie ist. Aufschluss darüber liefert übrigens das berühmte Turtle-Experiment, bei dem einige ausgewählte Leute ein vollständiges (also von Computern handelbares) System traden durften. Die meisten dieser Auserwählten waren mental nicht in der Lage, diesem System zu folgen, während der Gewinner dieses Experiments sein Ausgangskapital mehr als verzehnfachte.

Im Hauptteil dieses Buches werden dann zehn Typen von Anlegern beschrieben (der Gierige, der Spieler, der Größenwahnsinnige, der Mitgerissene, der Hektische, der Verdränger, der Verliebte, der Leichtgläubige, der Ängstliche, der Panische). Das liest sich ganz unterhaltsam, trifft aber die Wirklichkeit nicht ganz, denn tatsächlich wird es diese Typen in Reinkultur nicht geben. Jeder, den das betrifft, ist wohl eher eine Mischform dieser Typen.

Danach folgen Ratschläge, wie man "Emotionen kontrollieren und Fehler vermeiden" kann. Man soll sich nicht von Angst und Gier leiten lassen, liest man dort. Wer hätte das gedacht? Nur wie? Das steht da nämlich nicht.

Man muss wohl erst einmal das Risiko der Ahnungslosigkeit beseitigen. Dann nämlich verschwindet manches wie von selbst. Doch dazu findet man in diesem Buch nichts. Stattdessen wiederholt die Autorin die Behauptung, dass es kaum noch Trends gibt, und wenn doch, dann würde man sie zu spät sehen und ihr Ende verpassen. Alles ginge heutzutage so fürchterlich schnell. Das ist einfach nur Unsinn. Davon überzeugt allein schon ein Blick auf den Dax oder den MDax. Und natürlich findet man Trends immer und überall und auch auf allen Zeitebenen. Man muss eben nur lernen, sie zu sehen und ihnen zu folgen. Wenn man das nicht kann oder nicht will, sollte man wenigstens nicht auch noch andere mit der eigenen verzerrten Wahrnehmung verwirren.

Erfahrungsgemäß wird auch dieses Buch wieder zahlreiche begeisterte Leser finden. Es ist sicher auch ganz unterhaltsam geschrieben. Aber es vermittelt keinerlei wirklich praktisch nutzbare Erkenntnisse. Ernsthaft betriebener Börsenhandel dokumentiert wie selten eine andere Tätigkeit harte Wahrheiten über die eigene Mentalität. Das Konto lügt nicht, und man kann sich deshalb schlecht etwas vormachen. Entweder man stellt sich seinen Schwächen oder man wiederholt seine Fehler solange, bis alles verspielt ist.

Allgemeinplätze oder Kalendersprüche helfen bei der Problemlösung allerdings höchst selten, denn mentale Probleme haben eine Vergangenheit, die stets sehr individuell ist. Meine hier nötige Bewertung dieses Buches folgt allein dem Unterhaltungswert, den es für mich hatte.


24 Leselöwen-Weihnachtskrimis
24 Leselöwen-Weihnachtskrimis
Preis: EUR 9,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Nikolaus-Bande schlägt wieder zu, 26. Oktober 2014
Dieser Leselöwen-Band enthält zwei Dutzend kurze Kinderkrimis, die man aus anderen Leselöwen- oder Lesepiraten-Bänden des Verlages zusammengestellt hat. Weil der Verlag das Alter der Zielgruppe mit sieben bis neun Jahren definiert, muss man annehmen, dass es sich bei dieser Zusammenstellung um Geschichten handelt, die verschiedene Ansprüche stellen, denn zwischen der ersten und der dritten Klasse gibt es schließlich erhebliche Unterschiede bei der zu erwartenden Lesefähigkeit.

Und in der Tat findet man in diesem Buch einige wenige Geschichten, die schon gute Erstklässler selbst lesen können. Drittklässler dagegen werden die meisten Geschichten schon nicht mehr ganz so spannend finden. Mit der beigefügten roten Zauberlupe lassen sich die verdeckten Überschriften der Geschichten und die Lösungen von Rätseln lesen. Das macht die ganze Sache noch etwas interessanter. Wer seine Kinder zum Selbstlesen animieren möchte, findet hier viele Anregungen und auch einige praktische Hinweise, beispielsweise über die Tricks von Taschendieben oder für das eigene Verhalten, wenn man auf Bösewichte trifft.


Warum dick nicht doof macht und Genmais nicht tötet: Über Risiken und Nebenwirkungen der Unstatistik
Warum dick nicht doof macht und Genmais nicht tötet: Über Risiken und Nebenwirkungen der Unstatistik
von Thomas Bauer
  Broschiert
Preis: EUR 16,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Polen sind fleißiger als Deutsche" (Joachim Gauck), 23. Oktober 2014
Wenn "Studien" oder "Untersuchungen" etwas als "wissenschaftlich bewiesen" feiern, dann gilt das als eine Art göttliches Zertifikat. Vor allem dann, wenn in diesen Arbeiten auch noch reichlich Zahlenmaterial und Statistiken enthalten sind. Man wird von vielen Zeitgenossen milde belächelt, wenn man solche Behauptungen dennoch gelegentlich anzweifelt. Die drei Autoren dieses Buches kennen solche Situationen aus eigenem Erleben. Sie zeigen deshalb in ihrem Text, welche Möglichkeiten existieren, um aus vorhandenen Datensätzen zu völlig falschen Schlüssen zu kommen.

Es geht dabei nicht vordergründig um Fälschungen, sondern um gravierende Missverständnisse oder absichtsvolle Umdeutungen bei der statistischen Auswertung solcher Daten. Vor allem Mediziner, Sozial- und Geisteswissenschaftler, Juristen, aber selbst Naturwissenschaftler sind oft mangels einer entsprechenden Ausbildung oder fehlender Fähigkeiten im logischen Denken nicht vor ihnen offenbar überhaupt nicht bewussten Fallen bei statistischen Auswertungen eines vorliegenden Datenmaterials sicher. Abgesehen davon existieren aber häufig genug auch suggestive Fehldeutungen solcher Auswertungen, die Anwender oder Kunden zu falschen Schlüssen verleiten sollen.

Besonders beliebt sind dabei das Hervorheben großer relativer Zuwächse und das gleichzeitige Verschweigen der unbedeutend kleinen absoluten Zahlen in solchen Zusammenhängen oder auch das bewusste Identifizieren von Korrelation und Kausalität. Die Autoren bringen in ihrem Buch dafür zahlreiche Beispiele.

Geradezu ein Klassiker beim Aufbauschen relativer Veränderungen, die absolut gesehen nahezu oder völlig bedeutungslos sind, ist die Werbung für die Mammografie, die darüber hinaus auch noch als Krebsvorbeugung dargestellt wird. Diese Art der Brustkrebsfrüherkennung verfügt wegen der hohen Zahl untersuchter Frauen über ein ausgezeichnetes Datenmaterial, aus dem eindeutig hervorgeht, dass die Mammografie keine Auswirkungen auf die Sterberate hat, jedoch zu zahlreichen Fehldiagnosen führt, die für die Betroffenen zu einem enormen Leidensdruck führen. Dennoch wird die Lage - wie im Buch detailliert beschrieben - völlig anders dargestellt.

Neben einer inkompetenten statistischen Auswertung vorhandener Daten zeigen die Autoren noch einen zweiten grundsätzlichen Fehler, den sie immer wieder an Beispielen festmachen, nämlich die völlige oder teilweise Ausblendung von Einflussgrößen auf den Datensatz. Der Klassiker dort ist das medial gut ausschlachtbare scheinbar vermehrte Auftreten gewisser Krankheiten oder Defizite in der Nähe von Kernkraftwerken. Die Autoren machen das Weglassen von anderen Einflussgrößen zum Beispiel an vordergründig alarmierenden Untersuchungen über die Leukämie-Rate in der Nähe von KKWs deutlich.

Besonders beliebt sind Statistiken offenbar bei Politikern. Wie man Zahlen zu Propagandazwecken umdeuten kann, machen die Autoren an verschiedenen Quoten deutlich, die jedes Jahr einen gespielten Aufschrei der Empörung in den Medien oder bei Politikern hervorrufen. Durch unsinnige und wissenschaftlich nicht haltbare Definitionen oder unsachgemäße Vergleiche glänzen beispielsweise stets der "Armutsbericht" oder der "Equal-pay-day". In beiden Fällen geben die entsprechenden Datensätze - wie die Autoren erklären - keineswegs das her, was aus ihnen gemacht wird. Man kann aber auch ganz billig zu gewünschten statistischen Aussagen gelangen, beispielsweise indem man einfach Teile der Grundgesamtheit bewusst nicht beachtet. So kam zum Beispiel die falsche Aussage aus der Überschrift zustande.

Wenn man nicht über eine notorische Abneigung gegen Mathematik oder Zahlen verfügt, liest sich das Buch sehr gut. Allerdings enthält es auch Stellen, die bei allen großartigen didaktischen Fähigkeiten der Autoren dennoch etwas schwierig für Laien bleiben, etwa die Ausführungen zu Signifikanztests oder bedingten Wahrscheinlichkeiten.

Dessen ungeachtet ist dieses Buch für alle, die bisher dem Prädikat "statistisch bewiesen" bedingungslos geglaubt haben, ein wahrer Augenöffner. Leider ist die Ausbildung zum statistischen Denken kein Ruhmesblatt in Deutschland. Es bleibt zu hoffen, dass dieses populärwissenschaftliche Sachbuch wenigstens einen gewissen Beitrag zur Sensibilisierung für dieses Thema leistet.


Rückwärts
Rückwärts
von István Kerékgyártó
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,80

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Rückwärts wird die Hoffnung größer, 20. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Rückwärts (Gebundene Ausgabe)
Wenn man eine Geschichte rückwärts erzählt, dann sieht man wie Schritt für Schritt Hoffnungen und Erwartungen der Helden dieser Geschichte an die noch ungewisse Zukunft steigen. Kennt man jedoch ihre düstere Zukunft als Leser bereits, dann entfaltet sich die ganze Tragik dieser Menschen umso deutlicher. Vielleicht reizte das den Autor, seine freudlose Geschichte auf diese Weise zu erzählen.

Als Herr Vidra geboren wurde, wollte seine Mutter ihm ein besseres Leben bieten als sie es selbst hatte. Doch die Voraussetzungen waren denkbar schlecht. Mit einem pathologischen Dieb als Vater, einer hilflosen Mutter und wenig eigenen Fähigkeiten blieb Vidra nicht viel Spielraum zur Selbstbefreiung aus diesem Milieu. Während er es im sozialistischen Ungarn schon nicht weit brachte, aber dort wenigstens halbwegs aufgefangen wurde, verlor nach dem Systemwechsel immer schneller seinen Halt. Das Ende kam auf einer Parkbank, wahrscheinlich nicht ganz zufällig, aber wen interessiert schon der Tod eines Penners?

Entlang der Zeitlinie erzählt, wäre diese episodenhafte Geschichte sicher noch weniger interessant gewesen als sie es so schon ist. Denn der Autor vermag es nicht, seiner Figur wirklich Gestalt zu geben. Stattdessen richtet er sein Augenmerk mehr auf Vidras meistens tragik-komische Erlebnisse oder auf sein mehr als verunglücktes Liebesleben. Die Stärken dieser Erzählung bestehen zweifellos darin, dass der Autor es sehr gut vermag, das Milieu an den Rändern der ungarischen Gesellschaft darzustellen. Allerdings ist das nicht ganz unerwartet wenig unterhaltsam und ziemlich trostlos.


Brigitte Bardot: Eine Hommage
Brigitte Bardot: Eine Hommage
von Christian Brincourt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 49,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Ich hasse … jegliche Art der Freiheitsbeschränkung...", 19. Oktober 2014
Zu Beginn und am Ende dieses Brigitte Bardot aus ganzem Herzen und in Freundschaft von Christian Brincourt und seinem Sohn Marc gewidmeten Bildband findet man zwei kurze Interviews mit ihr. Dort steht auch die obige Aussage, die in ganzer Länge so lautet: "Ich hasse Dekadenz, moralische Verkommenheit, und vor allem den Verlust grundlegender Werte, und ganz besonders hasse ich die Pornografie, die sich in alle Bereiche auf heimtückische, ekelerregende Weise einschleicht. Ich hasse political correctness, jegliche Art der Freiheitsbeschränkung, sowie sämtliche Zwänge, denen wir uns unterwerfen müssen."

Die Jüngeren unter uns werden mit dem Namen Brigitte Bardot vielleicht schon überhaupt nichts mehr anfangen können. Jede Zeit hat ihre Ikonen und jede Generation seine Filmstars. Doch Brigitte Bardot war von den frühen fünfziger bis in die frühen siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts viel mehr als ein Filmstar oder die am meisten fotografierte Frau dieser Zeit. Die Hauptrolle im Kultfilm „Und immer lockt das Weib“ machte sie zum Symbol für das Aufsprengen alter Konventionen, die noch aus der Vorkriegszeit stammten. Insbesondere ihre freizügige Natürlichkeit stand in krassem Widerspruch zu den verknöcherten Vorstellungen einer zu Ende gehenden Periode.

Auf dem Höhepunkt ihrer Filmkarriere kehrte sie 1973 dieser Welt den Rücken zu und begann sich verstärkt dem Tierschutz zu widmen. Die Bardot ist bis heute ein starker, durchsetzungsfähiger und freiheitsliebender Charakter geblieben. Wenn man das nicht schon vorher wusste, dann kann man dies aus diesem Buch mitnehmen. Auf unvergleichliche Weise war Brigitte Bardot auch immer eine Ikone der Weiblichkeit. Das bringen Christian und Marc Brincourt immer wieder deutlich in ihren Bildern und Kommentaren zum Ausdruck.

Das Buch folgt selbstverständlich dem Lebensweg der Bardot, aber es ist keine Bildbiografie, sondern eher eine Würdigung dieser wunderbaren Frau, deren bisheriges langes Leben dabei in vielen Bildern punktuell an den vermeintlichen Höhepunkten nachvollzogen wird. Ein sehr schönes und vor allem persönliches Buch, dass von Brigitte Bardot autorisiert wurde.


New York Snapshots
New York Snapshots
von Carter Berg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,90

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen New York mit den Augen eines New Yorkers, 16. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: New York Snapshots (Gebundene Ausgabe)
Fotografen, die in einer bestimmten Stadt geboren wurden und dort aufwuchsen, sehen in ihr mehr als ein Besucher. Sie betrachten ihre Umgebung anders. Das scheint auf den ersten Blick keine weltbewegende Erkenntnis zu sein, doch ganz so einfach ist es eben auch nicht. Das Bekannte übersieht man schließlich auch oft, weil es eben immer da ist und man sich daran gewöhnt hat. Bei Carter Berg ist das nicht so. Wenn er durch seine Heimatstadt läuft, hat er seine Kamera stets dabei. Anders als die meisten seiner Mitmenschen befindet er sich immer auf Motivjagd.

Was dabei herausgekommen ist, kann man in diesem Bildband betrachten. Interessiert man sich nicht für das Standardbesuchsprogramm in dieser Stadt, sondern schlendert einfach auch einmal durch andere Gegenden, nimmt ihre Bilder auf, riecht ihre Gerüche, ergründet Stimmungen oder versucht den Rhythmus dieser Stadt außerhalb der zentralen Magistralen zu erspüren, dann kommt man vielleicht nach einiger Zeit zu ähnlichen Bildern. Sie berichten vom Leben dort und weniger von den Illusionen, die sonst gerne im Vordergrund stehen.

Während Carter oft Details zeigt, die man sonst gerne übersieht, etwa in der unglaublich reichhaltigen Gestaltung von Häuserfassaden, ist er dann gelegentlich vielleicht etwas zu verliebt in seine Entdeckungen. Man weiß manchmal nicht genau, in welcher Stimmung er gerade war oder was er in diesem oder jenem Bild tatsächlich sah. Der Betrachter begreift solche Botschaften vielleicht nicht immer. Eben weil er die Orte nicht kennt und viel weniger sinnliche Informationen als Carter besitzt.

Am meisten hat mich das Bild gefesselt, das den Central Park in der Mitte und an seinem Rändern die plötzlich auftauchenden Häuserschluchten zeigt. Wahrscheinlich ging das nicht nur mir so, denn dieses Bild erscheint sofort, wenn man das Buch aufschlägt und auch wenn man es wieder verlässt. Man weiß nicht, ob die Natur die Stadt erobert, ob es umgekehrt ist oder ob man sich wohl im Status quo befindet. Nirgendwo anders scheint es jedenfalls einen solch abrupten Übergang zu geben.

Leider wird man bei den meisten Bildern nicht nachvollziehen können, wo sie aufgenommen wurden, denn diese Angaben fehlen ebenso wie technische Details. Carter wollte wohl Stimmungen und besondere Sichtweisen zeigen, was ihm gut gelungen ist. Deshalb kam es ihm scheinbar mehr auf den Augenblick und ein vor seinem Auge auftauchendes Motiv als vordergründig auf den künstlerischen Gesichtspunkt an.


Lilith Parker, Band 4: Lilith Parker, und die Rache der Dämonen
Lilith Parker, Band 4: Lilith Parker, und die Rache der Dämonen
von Janine Wilk
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,99

5.0 von 5 Sternen Die dämonische Seite der Lilith Parker, 16. Oktober 2014
Unter den Bewohnern von Bonesdale herrschen Angst, Nervosität und Uneinigkeit. Durch das Schattenportal auf der Insel können die Dämonen nach einem alten Pakt aus ihrer Welt in die der Menschen und damit auch in die der Nocturi gelangen. Sie sind auf Rache aus und verursachen Unruhe und verschiedene Katastrophen. Bei den Nocturi mehren sich die Stimmen, die in einer Sprengung des Portals den einzigen Ausweg sehen. Doch damit würden die Hexen und Zauberer unter den Bewohnern von Bonesdale ihre magische Energie verlieren.

Lilith Parker kann sich als Führerin ihres Volkes nicht entscheiden, ob sie einer nicht rückgängig zu machenden Sprengung tatsächlich zustimmen soll. Fast niemand weiß, dass sie in Wirklichkeit eine Halbdämonin ist. Sie fühlt wie die meisten Bewohner von Bonesdale, aber etwas in ihr rebelliert gegen einen endgültigen Bruch mit den Dämonen. In dieser brenzligen Situation übernehmen andere die Initiative, und Entwicklungen kommen in Gang, die letztlich Lilith ihre wahre Herkunft und Bestimmung offenbaren.

Dieser vierte Band überzeugt erneut durch Spannung, Witz und Überraschungen. Selbst für Leser, die nicht mehr zur unmittelbaren Zielgruppe gehören, vermitteln diese Geschichten noch ein unterhaltsames Lesevergnügen, immer vorausgesetzt, man interessiert sich überhaupt für das Genre. Nach einem unbedeutenden kleinen Hänger mit dem dritten Band, kommt die Haupthandlung hier wieder richtig in Bewegung. Allerdings muss man dazu die komplexe Vorgeschichte gut kennen.

Die Abenteuer des vierten und keineswegs letzten Teils werden sehr geradlinig erzählt. Es treten keine neuen Figuren auf, und die zentralen Helden erscheinen durch ein erleuchtendes Gespräch zwischen Lilith und dem Erzdämon Belial in einem neuen Licht. Man darf sich schon auf die Fortsetzung freuen.


Die Wahrscheinlichkeit des Glücks: Roman
Die Wahrscheinlichkeit des Glücks: Roman
von Gisa Klönne
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Warum lagen Glück und tiefste Erschütterungen so dicht beieinander?", 14. Oktober 2014
Aline liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Eben war sie noch glücklich, tanzte im Friedrichstadt-Palast ihren Traum als Solistin. Doch dann erhielt sie ein Geschenk ihrer dementen Großmutter Henny, stürzt erschrocken ihrer Mutter Frieda nach und wird dabei von einem Auto angefahren. Der Gegenstand des Schreckens ist ein altes, aber zerschnittenes Tuch der Großmutter.

Frieda versucht das Rätsel dieses Schreckens zu ergründen und löst dabei Schritt für Schritt Veränderungen in ihrem eigenen Leben aus, die sie sich vorher niemals ausgemalt hätte. Vielleicht wird es die Autorin nicht gerne hören, aber die Grundstruktur ihres neuen Romans erinnert etwas an seinen Vorgänger: Wieder ein Unfall, der eine ganze Familiengeschichte von hinten aufrollt. Und wieder merkt man, das Gisa Klönne auch Kriminalromane schreibt. Die Rolle des Verbrechens übernimmt hier der Unfall. Frieda ermittelt und stößt auf immer neue Rätsel, die sich erst am Ende zu einem Bild auflösen, das dann auch noch sehr überraschend erscheint.

Das Buch liest sich recht spannend, auch wenn gelegentlich Stellen vorkommen, mit denen man zunächst wenig anfangen kann. Parallel zu Friedas Familie entwickelt die Autorin nämlich mit dem Erotikschriftsteller Arno eine andere Figur, einen Gegenpol, der irgendwie überhaupt nicht in die Welt der Astrophysikerin Frieda passen will. Auch das macht sie geschickt, weil dadurch ein weiteres Stück Unklarheit erscheint, von dem man zu gerne wissen möchte, wie es mit Frieda und ihrem Familienrätsel zusammenhängt.

Ganz nebenbei fokussiert sich Gisa Klönne auch auf ein Kapitel ostdeutscher und osteuropäischer Nachkriegsgeschichte, das nicht gerne erzählt wird, aber zur Wahrheit über diese Zeit gehört. Das macht sie jedoch völlig unaufdringlich.

Klönnes Buch ist wie schon Das Lied der Stare nach dem Frost: Roman eine spannenden Familiengeschichte, die eng mit der Geschichte der Zeit verbunden ist, in der sich die Ereignisse abgespielt haben, die für die nachkommende Generation erst einmal rätselhaft erscheinen.


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