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Beiträge von Dr. R. Manthey
Top-Rezensenten Rang: 7
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Rezensionen verfasst von
Dr. R. Manthey
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)    (REAL NAME)   

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Feuer im Kopf: Meine Zeit des Wahnsinns
Feuer im Kopf: Meine Zeit des Wahnsinns
von Susannah Cahalan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Steckt hinter einigen Autismus- und Schizophrenie-Fällen in Wirklichkeit eine heilbare Autoimmunerkrankung?, 19. Januar 2014
Ungeachtet der persönlichen Dramatik, um die es in diesem sehr persönlichen Buch geht, ist das die eigentlich spannende Frage.

Susannah Cahalan geht drauf am Ende ihres Berichts auch ein, weil bereits ein längerer Artikel, der in der New York Post von ihr veröffentlicht wurde, bei vielen Betroffenen oder deren Angehörigen enorme Hoffnungen geweckt hat.

Cahalans Geschichte liest sich wie ein Fall aus ihrer Lieblings-Fernsehserie "Dr. House". Sie arbeitet als junge Journalistin bei der New York Post als sie plötzlich Verhaltensänderungen an sich bemerkt. Zunächst sieht sie Farben anders als früher, dann folgen Stimmungsschwankungen und Halluzinationen. Später wird sich herausstellen, dass dies die Folge von zunächst unbemerkten Krampfanfällen war.

Ihre Eltern bringen sie zu einem der bekanntesten US-Neurologen, der allerdings feststellen muss, dass ihr Gehirn keine anormalen Veränderungen zeigt. Doch die Anfälle, die als Schizophrenie oder bipolares Verhalten gedeutet werden, verschlimmern sich. Cahalan kommt von der Neurologie in die Psychiatrie, was nichts weiter ist als die medizinische Kapitulationserklärung. Siechtum zu einem frühen Tod wäre Cahalan Schicksal gewesen.

Doch einer von ihren Ärzten zieht den Syrer Dr. Souhel Najjar zu Rate. Eine Lumbalpunktion hatte im Gehirn eine signifikant erhöhte Zahl von weißen Blutkörperchen bewiesen. Das deutet auf eine Infektion hin und steht zu einer Einweisung in die Psychiatrie in krassem Widerspruch. Najjir stimmt den Theorien einer Geisteskrankheit nicht zu und fordert eine zweite Lumbalpunktion. Sie ergibt eine weitere dramatische Erhöhung der Leukozytenzahl in der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit, was mit der zunehmenden Verschlechterung von Cahalans Zustand korrespondiert. Erst eine Gehirn-Biopsie bringt Klarheit. Cahalan leidet unter der sogenannten "Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis", deren Krankheitsbild 2005 das erste Mal beschrieben und die 2007 präziser in Ursache und Wirkung definiert wurde. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung, d.h., der eigene Körper greift das Gehirn an.

"Bei 70 Prozent der Patienten beginnt die Erkrankung harmlos mit normalen grippeähnlichen Symptomen: Kopfschmerzen, Fieber Übelkeit und Erbrechen, wobei unklar ist", ob dafür eine ursprüngliche Viruserkrankung dafür verantwortlich ist oder ob dies bereits zur eigentlichen Krankheit gehört. Etwa zwei Wochen danach verschlimmert sich das Krankheitsbild: Es treten "typischerweise psychische Probleme auf wie innere Unruhe, Schlaflosigkeit, Angst, Größenwahn, Hyperreligiosität, Manie und Paranoia." Später kommen Krampfanfälle, Sprach- und Gedächtnisdefizite dazu, was "als glücklicher Umstand zu bezeichnen ist, weil sie die Patienten vom Psychologen weg in die Praxis eines Neurologen bringen."

Die Autorin beschreibt in ihrem Buch ihren gesamten Leidensweg, der mit ziemlicher Sicherheit zu ihrem Tod geführt hätte, wenn nicht Dr. Najjar eingegriffen hätte. Er schätzt (S. 248), dass noch 2009, als Cahalan behandelt wurde, 90 Prozent dieser Krankheitsfälle falsch diagnostiziert wurden, also unerkannt blieben. Wenn diese Krankheit jedoch früh genug erkannt wird, bestehen erhebliche Heilungschancen. Cahalans Behandlung kostete eine Million Dollar. Und das verdeutlicht die ganze Problematik, die damit verbunden ist. Nicht nur, dass die sogenannte Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis unter Neurologen kaum bekannt ist - auch ihre Diagnose ist extrem kompliziert und teuer, und die Heilung erweist sich als langwierig und im weiteren Verlauf schwer abschätzbar. Die Patienten leiden oft unter erheblichen Gedächtnisverlusten und Persönlichkeitsveränderungen.

So ist es nicht nur ein Wunder, dass man die Krankheit bei Cahalan überhaupt richtig erkannte, sondern auch, dass es dieses Buch gibt. Die (fast geheilte) Autorin hat sich ihr vergessenes Leben aus den Krankenakten, den Krankenhausvideos und den Berichten ihres Partners und ihrer Eltern irgendwie zurückgeholt. Ohne die Hartnäckigkeit und die finanzielle Stabilität der Eltern wäre ihr Schicksal vermutlich ganz anders verlaufen.

Wenn man von dieser Krankheit oder ihrer Ausprägungen als Schizophrenie, scheinbarem Autismus oder anderer psychischer Störungen weder direkt noch indirekt betroffen ist, dann liest sich dieser Bericht als enorm spannendes Abbild eines dramatischen menschlichen Schicksals. Für Betroffene jedoch muss dieser Text eine unglaubliche Hoffnung sein. Jedenfalls hatte der dem Buch vorangegangene Artikel Cahalans genau diese Wirkung.

Dieses Buch ist also insofern ein Sonderfall in der Medizingeschichte, denn es machte eine neurologische Erkrankung bei Betroffenen und ihren Angehörigen offenbar bekannter als bei Neurologen.


Das große GodmodeTrader-Handbuch: Die besten Strategien der Toptrader
Das große GodmodeTrader-Handbuch: Die besten Strategien der Toptrader
von Thomas May
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Das Trading ist ein stetiger Prozess, der ... vor allem sehr individuell ist.", 14. Januar 2014
Dieser Satz stammt aus dem Interview mit Marko Strehk in diesem Buch. Und man kann ihn nur dreimal unterstreichen. Doch wenn es so ist, wie Strehk behauptet, was nützt dann ein solches Buch, in dem sehr verschiedene Trader zu Wort kommen, die obendrein auch noch ihre Strategie (wenn überhaupt) allenfalls prinzipiell erklären?

Im Vorwort von Jochen Stanzl wird eine Parallele zu Jack Schwagers "Magiern der Märkte" gezogen. In gewissem Sinne scheint dies gerechtfertigt zu sein. Allerdings gibt es einen gewaltigen Unterschied. Alle Trader in Schwagers Büchern besitzen eine nachgewiesene außerordentliche Performance über Jahre, die sich weit über dem Durchschnitt bewegt. Über die Leistungen der in diesem Buch interviewten Godmode-Trader hüllen sich die Herausgeber in Schweigen. Einige der Interviewten gaben dann auch noch als ihre größte Leistung ihre erfolgreiche Arbeit bei GodmodeTrader an oder waren froh überhaupt noch als Trader dabei zu sein. Das ist dann doch schon ein wenig dünn.

Immerhin aber finden Neulinge oder schon etwas erfahrene Trader dennoch zahlreiche nützliche Hinweise in dieser Sammlung verschiedener Tradingansätze. Allen voran steht das Traden eines Trends, das in einigen der vorgestellten Methoden vernünftig und nachvollziehbar erklärt wird. Darüber hinaus kann man immer wieder sehr nützliche Hinweise auf ein konsequentes Risiko-Management finden.

Ob man aus diesem Buch noch weitere nützliche Dinge entnehmen kann, hängt, eben weil Trading eine sehr subjektiv gefärbte Angelegenheit ist, vom Kenntnis- und Befähigungszustand des jeweiligen Lesers ab. Manchmal findet man in Börsenbüchern nur einen ganz bestimmten Hinweis, der allein schon allemal das Geld wert ist, das das Buch kostet. Oder aber man zuckt einfach nur mit den Schultern, was wohl Profis hier tun werden, wenn sie denn dieses Buch lesen sollten. Für sie steht nichts oder nur wenig Neues in den Texten.

Im Gegensatz zu Schwagers Büchern folgen in diesem Werk nach den Interviews, die immer nach dem gleichen Schema und mit den gleichen Fragen ablaufen, Beiträge, die von den Interviewten stammen. Sie sind, wie nicht anders zu erwarten, von ganz unterschiedlicher Qualität. Am besten haben mir die einfachen Swing-Trading-Ansätze gefallen (Gabel und Hinterleitner, aber auch Strehk).

Auch den Beitrag von Norman Welz über die Trading-Psychologie ist sicher hilfreich, wenn man noch mit sich kämpft und noch nicht einen Zustand erreicht hat, in dem Trading eher langweilig und routiniert abläuft. An dieser Stelle merkt mancher vielleicht, dass dieses Buch natürlich auch noch einen anderen Effekt hat. Alle Interviewten mussten bekennen, dass sie zu Beginn ihrer Traderlaufbahn den Börsenhandel völlig unterschätzt haben, denn die meisten von ihnen sind Kinder der Boomjahre des Neuen Marktes, die mit dem Crash verwundert feststellen mussten, dass es nicht ständig nur in eine Richtung geht. Vielleicht motivieren solche Geständnisse viele Leser, denn die Erkenntnis, dass andere Menschen ähnlichen Blödsinn gemacht haben und ähnlich leiden mussten, hat doch etwas Beruhigendes.

Auf die einzelnen Abschnitte möchte ich nicht weiter eingehen, da man dazu bereits Informationen in einer anderen Rezension finden kann. Natürlich ist dieses Buch auch eine (fundierte) Werbung für die GodmodeTrader-Plattform. Das ist nicht nur legitim, sondern auch mehr als gerechtfertigt, weil man auf ihr zahlreiche ausgezeichnete Handwerkszeuge und permanente Informationen für Trader finden kann. Ob man dieses Werk nun unbedingt als Handbuch bezeichnen muss, sei einmal dahingestellt. Das ist nur dann richtig, wenn man es als Hinweis und Einführung in die zahlreichen Serviceangebote auffasst, die GodemodeTrader bietet. Allerdings kann ich das nicht einschätzen, weil ich einige dieser Angebote aus Gründen der besseren Konzentration auf den eigenen Ansatz schon lange nicht mehr wahrgenommen habe. Trading ist eben ein individueller Prozess, bei dem man den eigenen Weg finden und dann konsequent befolgen muss. Dies ist eine Lehre, die man aus den einzelnen Beiträgen immer wieder ziehen kann, wenn man sie noch nicht kennen sollte.

Alles in allem findet man in diesem "Handbuch" also eine Reihe von Texten, die durchaus Lehrreiches enthalten, wenngleich man am Ende nur selbst entscheiden kann, ob das so war oder eben nicht. Dies ist kein systematisches Buch, obwohl es einige systematische Handelsansätze für Anfänger und Fortgeschrittene in den Grundzügen beschreibt. Die im Buch verwendeten Charts sind leider nicht immer wirklich hilfreich, weil man schon über enorme Sehfähigkeiten verfügen muss, um auch ohne Lupe auf ihnen das zu erkennen, worum es gerade geht. Die meisten Screen-Shots hätte man besser weglassen sollen, weil man auf ihnen rein gar nichts sieht. Offenbar handelt es sich bei diesem Ärgernis um eine immer wiederkehrende und daher systematische Qualitätslücke. Mir ist das unbegreiflich.


Brasilien
Brasilien
von Regis St. Louis
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 39,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hat Brasiliens verheißungsvolle Zukunft bereits begonnen?, 13. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Brasilien (Gebundene Ausgabe)
Glaubt man dem einleitenden Text dieses Bildbandes, dann ist das so. Allerdings fällt beim Lesen dieser Zeilen auch auf, dass der Autor die enormen Probleme Brasiliens konsequent ausblendet oder mit einer optimistischen Aura umgibt. Das mag man ihm nachsehen, denn er es fällt schwer, dieses Land nicht zu mögen.

Brasilien ist ein riesiges, von der Natur gesegnetes Land, in dem praktisch alles wächst und gedeiht, ein Land, das über enorme Bodenschätze verfügt und in dem eine dynamische Bevölkerung lebt, die wiederum von einer breiten ethnischen und kulturellen Vielfalt geprägt wurde und noch immer wird. Neben den fast verdrängten Ursprüngen wirken vor allem europäische und afrikanische, aber inzwischen auch gewisse asiatische Einflüsse.

Dieser Bildband versucht all dem irgendwie gerecht zu werden und spart dabei kritische Punkte wie den katastrophalen Zustand der Infrastruktur und die enorme soziale Polarisierung weitestgehend aus. Stattdessen legt der Autor den Schwerpunkt auf Brasiliens Geschichte und die Vielfalt, die man in diesem Land in jeder Beziehung findet. Die Fotos stammen von zahlreichen Agenturen.

Nach der Einleitung folgen längere Kapitel zur Geschichte Brasiliens, seiner ethnischen Vielfalt und deren Entwicklung sowie zur Kultur des Landes, die weit über Samba, Karneval und Fußball hinausgeht. Diesem Umstand und der besonderen Bedeutung folgend widmet der Autor der Architekturgeschichte und der modernen Architektur ein besonderes Kapitel, das einem Abschnitt über das Naturparadies Brasilien folgt. Wahrscheinlich müsste man sich auf die Spuren des Autors begeben und wie er zehn Jahre durch dieses Lande reisen, um all die Schätze, die Brasilien in jeder Hinsicht bietet, wenigstens im Ansatz betrachten zu können.

Das Buch schließt mit einem Kapitel über Brasiliens Bodenschätze und seinen Aufstieg zu einer ökonomischen Mittelmacht. Brasiliens Zukunft wird vor allem davon abhängen, wie intelligent man in diesem Land mit den enormen Ressourcen umgeht, die nicht nur in den Bodenschätzen und den klimatischen Verhältnissen zu finden sind. Brasilien braucht dringend eine dem Wachstum entsprechende Infrastruktur, sozialen Frieden und eine moderne Wirtschaftsstruktur, in der Korruption keine bedeutende Rolle mehr spielt. Ob die beiden kommenden Großereignisse (Fußball-Weltmeisterschaft und Olympische Sommerspiele) dazu wirklich beitragen, wird die Zukunft zeigen. Gewisse Zweifel sind angebracht, denn die enormen Mittel, die solche Ereignisse verschlingen, könnte man sinnvoller und eben nicht nur punktuell einsetzen.

Mit diesem Bildband kann man sich relativ gut über Brasilien informieren, wenngleich der Text eine gewisse schönfärbende Tendenz besitzt.


Ölmühle Solling Bio Kokosöl im Bügel-Glas 1000ml
Ölmühle Solling Bio Kokosöl im Bügel-Glas 1000ml
Wird angeboten von safran-tuebingen
Preis: EUR 19,67

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein hervorragendes Produkt, 11. Januar 2014
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Nachdem wir dieses Öl zum ersten Mal benutzten, trat ein unerwarteter Aha-Effekt ein. Nicht nur, dass man es auch einfach so essen kann, weil es angenehm schmeckt, sondern vor allem, weil zunächst die Bratergebnisse viel besser waren. Die Befürchtung, Fisch oder Fleisch könnten ungewollt nach Kokos schmecken verflog bald. Im Gegenteil, selbst ein kaum merklicher Kokosgeschmack wurde als sehr angenehm empfunden. Bei Süßspeisen, insbesondere bei Eierkuchen, sind die Ergebnisse dagegen einfach phänomenal.

Egal, bei welchem Anbieter man auf dieser Plattform bestellt: die Sendungen sind bisher immer hervorragend verpackt und schnell eingetroffen. Gute Dinge haben natürlich auch ihren Preis. Das ist hier nicht anders, aber wegen der vielen gesunden Wirkungen dieses einmaligen Naturstoffes ist dieser Preis leicht bezahlt.


Der gesunde Genuss: Köstliche Rezepte mit Kokosöl
Der gesunde Genuss: Köstliche Rezepte mit Kokosöl
von Constanze von Eschbach
  Broschiert
Preis: EUR 9,95

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gesund, lecker und einfach, 11. Januar 2014
Nachdem ich mich immer fragte, wieso auch ausgewiesen gute Köche mit kaltgepresstem Öl braten (was schließlich den Effekt des Kaltpressens zunichte macht), fiel mir kürzlich das Buch Kokosöl: Das Geheimnis gesunder Zellen von Bruce Fife in die Hände. Fife erklärt dort, dass Kokosöl zwar gesättigt, aber mittelkettig ist und völlig anders verdaut wird als gesättigte langkettige Öle. Kokosöl ist sehr gesund, weil es schnell verdaut und nicht im Körper abgelagert wird und zudem viele Krankheiten verhindernde Wirkungen besitzt.

Constanze von Eschenbach geht darauf in ihrem kleinen, aber feinen Kochbuch auch ein und erklärt dies alles kurz und prägnant. Danach folgen zahlreiche Rezepte für leckere und leichte Speisen. Sie unterteilt ihre Rezepte in "Kleinigkeiten" (Suppen und Salate, Vorspeisen, Snacks und Beilagen, 18 Rezepte), "Hauptsachen" (Lauter Gerichte zum Sattessen: aus der vegetarischen Küche oder mit Fisch, Fleisch und Geflügel, 18 Rezepte) und "Süßes" (Feine Desserts, Leichtes zum Frühstück und viele gute Sachen aus dem Backofen, 19 Rezepte).

Kokosöl ist bei Zimmertemperatur nicht flüssig, sondern eher cremig. Es eignet sich hervorragend zum Braten, weil es auch bei großer Hitze kaum spritzt und auch bei Kochlaien zu guten Ergebnissen führt. Alle langkettigen Öle mit ähnlichen Eigenschaften können im Körper Schaden anrichten. Über die Benutzung industriell hergestellter Transfette (Margarine) sollte man besser erst gar nicht nachdenken. Die Autorin geht aber über das einfache Ersetzen dieser Stoffe durch Kokosöl hinaus und benutzt auch andere Kokosprodukte, wie Kokosmilch und Kokosmehl. Dadurch wird auch ein Geschmack nach Kokos ins Spiel gebracht, den man beim bloßen Einsatz von Kokosöl anstelle anderer Öl oder Fette kaum spürt.

Über die einzelnen Rezepte wurde in einer anderen Rezension bereits berichtet. Aus der Erfahrung in meiner Familie kann ich nur Gutes berichten. Insbesondere Süßspeisen geraten besonders lecker mit Kokosöl oder anderen Kokosprodukten. Alles in allem findet man mit diesem Kochbuch einen hervorragenden Zugang zur Verwendung von Kokosöl, der über das reine Ersetzen anderer Fette weit hinausgeht. Im Gegensatz zu diesem preiswerten kleinen Büchlein ist Kokosöl allerdings um ein Vielfaches teurer als andere Öle, aber eben auch um ein Vielfaches gesünder, insbesondere wenn man es heiß benutzt.


Stiller Zorn
Stiller Zorn
von James Sallis
  Broschiert
Preis: EUR 8,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die langbeinige Fliege im stillen Zorn, 9. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Stiller Zorn (Broschiert)
Im letzten Teil dieses merkwürdigen Buches verfällt der Autor unerwartet in eine Art Selbstironie. Er schreibt: "Als ich mit einer Gehirnerschütterung und etlichen gebrochenen Rippen im Bett lag, schrieb ich mehr oder weniger aus purer Langeweile ein Buch ..., das von einem Cajun-Detektiv in New Orleans handelte. Lag da und leierte es raus, reimte mir einfach irgendwas zusammen, improvisierte wie wild und packte alles rein, was mir einfiel. ... Einige Kritiker erwähnten mich in einem Satz mit Chandler, Hammett, Macdonald und Himes; hätten sie nicht tun sollen, weil die Jungs ein paar Kragenweiten zu groß für mich waren, aber sie machten es trotzdem."

Damit wäre eigentlich auch alles zu diesem Buch gesagt, wohl ebenso zu Sprache und Stil des Autors. Der Roman erschien erstmals 1992 im Original und 1999 als deutsche Übersetzung mit dem eigenwilligen Originaltitel "Die langbeinige Fliege", der sich mir nach dem Lesen genau so wenig erschlossen hat wie der neue Titel. Detektiv Griffin wurschtelt sich in New Orleans durchs tägliche Dasein. Seine Spezialität ist offenbar die Suche nach vermissten Personen. Davon handeln die vier Episoden des Romans, die mit den Jahren (1964, 1970, 1984, 1990) überschrieben wurden, in denen sie sich abspielen.

Griffin ist typischerweise ein notorischer Einzelgänger mit einem Alkoholproblem, welcher bei Frauen einen Fürsorglichkeitsreflex auslöst. Der allerdings verfliegt bald, wenn sie mit ihm zusammenleben. Die vier Episoden lesen sich nicht schlecht, auch wenn Spannung kaum aufkommt. Vielleicht liegt dies allein an Sallis Sprache, die kurz, geradeaus und gelegentlich ruppig daherkommt, eben so, wie man es von einem ganzen Kerl erwartet, der im Milieu verkehrt und dort überleben muss.

In der ersten Episode kann Griffin keine Zeit aufbringen, um seinen todkranken Vater ein letztes Mal und auf dessen Wunsch zu besuchen, und im letzten Teil geht er auf die Suche nach seinem Sohn, der natürlich nicht bei ihm lebt und auch vorher nie erwähnt wurde. Griffin besitzt also weder Wurzeln noch Fortfahren, mit denen er etwas verbindet. Nach außen wirkt er cool, innen ist er leer und verlassen. Und damit erreicht er den Status einer literarischen Figur, aus der mancher gerne den Verfall der Gesellschaft herausliest. In Wirklichkeit ist Griffin nichts weiter als ein Phantasieprodukt eines Schriftstellers, dessen Stil an bekannte Autoren aus der Vergangenheit erinnert, die allerdings bessere Geschichten schrieben.

Drei Sterne bedeuten laut Seitenbetreiber "nicht schlecht". Und das war genau mein Eindruck.


Kalte Enteignung: Wie die Euro-Rettung uns um  Wohlstand und Renten bringt
Kalte Enteignung: Wie die Euro-Rettung uns um Wohlstand und Renten bringt
von Walter Krämer
  Broschiert
Preis: EUR 19,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer sich erpressbar macht, wird auch erpresst werden, 7. Januar 2014
Am 4. Juli 2012 erschien in der FAZ ein gemeinsamer Aufruf von 277 deutschsprachigen Wirtschaftsprofessoren, der sich in klaren und eindeutigen Worten gegen den ökonomischen Irrsinn der sogenannten Eurorettungspolitik der Bundesregierung richtete. Walter Krämer zählte zu den Initiatoren dieses Aufrufs.

Wenige Tage vorher fand ein Eurogipfel in Brüssel statt, auf dem für Deutschland äußerst verhängnisvolle Beschlüsse gefasst wurden. Der deutsche Steuerzahler haftet nun inzwischen nicht nur für deutsche Banken, sondern auch für alle maroden Banken im Eurosystem. In seinem Buch erklärt Walter Krämer den Umfang der Risiken, die Deutschland von seiner eigenen Regierung aufgebürdet wurden. Er stellt die wahrscheinlich verheerenden Auswirkungen verständlich dar und erläutert verpasste Alternativen zu dieser angeblich alternativlosen Politik.

Dass die gemeinsame europäische Währung nicht funktionieren wird und sich zu einem enormen Spaltpilz entwickeln kann, sahen viele Ökonomen bereits vor ihrer Einführung. Doch auch solche Aufrufe blieben ungehört, weil es bei dieser Währung von Anfang an nicht um eine ökonomische Notwendigkeit, sondern um einen politischen Akt ging, bei dem völlig verschiedene Interessenlagen der europäischen Mächte zusammengebracht wurden, wobei jeder der Akteure hoffte, seine Ansprüche durchsetzen zu können. Der Einfluss Deutschlands in dieser Gemeinschaft entspricht jedoch überhaupt nicht seinem finanziellen Beitrag. Wer so etwas akzeptiert, muss sich nicht wundern, dass die Dinge hinterher nicht in seinem Interesse verlaufen. Außer in der EU gibt es eine solch unsinnige Konstruktion nirgendwo in der Welt.

Für Deutschland und seine Bürger stehen inzwischen riesige Summen im Feuer. Krämer erläutert in seinem Text, wie es dazu kam und wie sich diese Beträge zusammensetzen. Darüber hinaus beschreibt er das Prinzip der sogenannten Rettungspolitik. Wenn man nämlich erst einmal angefangen hat, zu bürgen und zu haften, dann kann man leicht zu immer größeren Beiträgen erpresst werden, weil man den vorherigen Einsatz nicht verlieren möchte. Wer sich in eine solche Situation manövrieren lässt, muss sich nicht wundern, wenn er aus dieser Falle nicht mehr entfliehen kann.

Nachdem Krämer diese Situation ausführlich beschrieben hat, kommt er zu den sich daraus ergebenen Angriffen auf den Wohlstand Deutschlands, den sich die Bürger dieses Landes schließlich nicht erarbeitet hätten, um ihn zu "notorischen Kreditbetrügern", wie Krämer die südeuropäischen Staaten nennt, unter dem Deckmantel einer angeblichen Solidarität zu transferieren. Dass die Empfänger dabei nicht die Bürger der jeweiligen Ländern, sondern Banken sind, macht keinen Unterschied. Allerdings zeigt dies, so Krämer, dass es nicht um Europa oder den europäischen Gedanken geht, sondern nur um eine Umverteilung von Vermögen zu den finanziellen Eliten, die letztlich gemeinsam mit verantwortungslosen Politikern das ganze Desaster erst verursacht haben.

Das Finanzvermögen der Deutschen (dazu zählen auch zukünftige Rentenansprüche) wird nach Krämer auf mindesten dreifache Weise bedroht. Zunächst frisst die von der EZB erzeugte Inflation (das enorme Geldmengenwachstum der letzten Jahre) auf kaltem Wege den Wert des Geldes. Der deutsche Bundestag hat diesem Treiben am 29. Juni 2012 ein Mandat erteilt. Wer weiß eigentlich noch, dass die Reichsbank die Preisinflation von 1923 auf ganz ähnliche Weise verursachte?

Der zweite Angriff auf deutsches Vermögen verläuft ebenfalls fast unbemerkt und ergibt sich aus dem wahrscheinlichen Wertverfall desjenigen Teils des deutschen Auslandsvermögens, der direkt oder indirekt aus nicht einklagbaren Forderungen der Bundesbank besteht, die beispielsweise durch deutsche Exporte entstanden. Und drittens droht eine heiße Enteignung, wenn nämlich die von der deutschen Bundesregierung eingegangenen Bürgschaften eingefordert werden.

Krämer erläutert all dies in einer klaren und einfachen Sprache. Darüber hinaus räumt er mit dem Mythos auf, dass Deutschland ein Euro-Profiteur wäre, wie immer wieder gerne entweder ahnungslos oder wissentlich falsch von der Politik behauptet wird. Und Krämer zeigt auch Alternativen auf. Beispielsweise erklärt er, dass man das Vertrauen der Finanzmärkte auch ganz anders hätte gewinnen können. Die Schuldnerstaaten hätten einfach Sicherheiten für ihre neuen Kredite bieten können, so wie das eigentlich im Geschäftsleben üblich ist. Aus der Weigerung, so zu handeln, schließt Krämer, dass die Schuldner nicht vorhaben, ihre Schulden jemals zurückzuzahlen. Finnland, so erläutert der Autor, befreite sich durch die Bereitstellung von Sicherheiten für neue Kredite einst aus einer ähnlich prekären Situation.

Walter Krämer hat mit diesem Buch sicher einen nicht unwesentlichen Beitrag dafür geleistet, dass jeder, der die verhängnisvolle deutsche Eurorettungspolitik der letzten Jahre durchschauen möchte, dazu nun in der Lage ist.
Kommentar Kommentare (9) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 20, 2014 10:17 AM MEST


Meyers Money-Fest: Über den täglichen Wahn und Sinn an den Kapitalmärkten
Meyers Money-Fest: Über den täglichen Wahn und Sinn an den Kapitalmärkten
von Frank Meyer
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Denk für Dich selbst!", 4. Januar 2014
So lautet die Überschrift des letzten Kapitels dieses Buches. Und sie scheint Meyers Credo zu sein, denn sein Buch erzählt dem Leser nicht nur, wie es um unser gegenwärtiges Geld bestellt ist, sondern es fordert ihn geradezu dazu auf, sich daraus abgeleitet eigene Gedanken zu machen.

Wer Meyer schon einmal auf n-tv gesehen hat, der wird wissen, dass er mit seiner Börsenberichterstattung auffallend aus dem üblichen Rahmen fällt. Man ahnt dabei fast, dass er zu den wenigen noch verbliebenen nicht politisch korrekten Fernsehjournalisten zählt.

In Meyers Buch geht es um die schleichende Entwertung unseres Geldes. Meyer macht nicht den Fehler, auf eine irgendwann möglicherweise kommende Inflation hinzuweisen, sondern erklärt, dass wir sie bereits haben. Sie ist jedoch nicht zu verwechseln mit einer Teuerung. Inflation wird in geradezu absurdem Ausmaß von den Zentralbanken erzeugt. Sie erschaffen Geld aus dem Nichts und kaufen damit Staatsanleihen. Dieses gigantische Aufblähen der Geldmenge und der Ankauf von maroden Staatsanleihen sollen den Kursverlust dieser Anleihen künstlich verhindern. Denn fallende Anleihenkurse bedeuten steigende Marktzinsen. Und das können die selbsternannten Retter einer todgeweihten Kunstwährung überhaupt nicht gebrauchen.

Doch auf Dauer wird sich dieser gigantische Eingriff in einen Markt bitter rächen. Vorerst jedoch führt er zur faktischen Enteignung der Bevölkerung. Zinsen weit unter der wirklichen (und nicht künstlich gesenkten) Inflationsrate führen zum Abschmelzen der Altersvorsorge, was zusammen mit der Geldentwertung sehr unangenehme Folgen für zukünftige Rentner haben wird.

Meyer erklärt das alles mit der für ihn typischen Art von Galgenhumor. Anders kann man es wohl auch kaum noch ertragen, dass über alles Mögliche in Deutschland diskutiert wird, nur nicht über dieses für sehr viele Menschen irgendwann sehr schmerzhaft werdende Thema. Man kommt, wenn man über diesen ganzen Irrsinn nachdenkt, zwangsläufig auf die Frage, was denn Geld eigentlich sei. Darauf geht Meyer zwar nur am Rande ein, dafür aber gelangt er schnell zu der von den meisten Menschen nie gekannten oder vergessenen Wahrheit, dass Gold schon immer Geld war und es auch immer bleiben wird.

Das ist eine der zentralen Aussagen von Meyer. Wenn man sie immer wieder als Maßstab benutzt, dann ändern sich die Dinge vor dem Auge des Betrachters plötzlich dramatisch. Es reicht schon, wenn man die Entwicklung der großen Aktienindizes nicht in den Landeswährungen, sondern in Gold misst. Das macht zwar einige Mühe, aber die Erleuchtung tritt danach sofort ein. Denn nun sieht die Kursentwicklung ganz anders aus. Da alle wichtigen Währungen unter derselben Krankheit leiden, führt ein Vergleich unter ihnen, wie er gerne von offizieller Seite vorgenommen wird, kaum zu Erkenntnissen. Die Krankheit wird erst offensichtlich, wenn man Währungen zum Gold in Beziehung setzt und weiß, dass sich die Preise für qualitativ hochwertige Waren (wie etwa gute Kleidung) in Gold über die Jahrhunderte kaum verändert haben.

Meyers Buch stellt keinen wissenschaftlichen oder andersartig systematischen Erklärungsversuch für die Krankheiten der großen Währungen dar. Vielmehr geht es eher um eine Zustandsbeschreibung aus der Sicht des persönlichen Erlebens und des Nachdenkens darüber, das bei Meyer selten der offiziellen Sicht entspricht.

Auch Meyer wundert sich, dass man offenbar einer Mehrheit in Deutschland alles widerstandslos schmackhaft machen kann, wenn man für die wirklichen Zusammenhänge verschleiernde Erklärungen parat hält. Beispielsweise lässt sich die wahrscheinlich kommende Abschaffung von Bargeld mit Einfachheitsgründen erklären. Dass dann allerdings alle Geldströme genau verfolgbar sind und der Zugang zu Geld auch jederzeit von staatlicher Seite verhindert werden kann, erwähnt Meyer nicht ohne weitere Hintergedanken. Freiheit in einer Zivilgesellschaft sieht anders aus.

Ob man aus diesem Buch neue Erkenntnisse gewinnen kann, hängt sicher vom eigenen Wissenstand ab. Meyer legt mit seinem Text kein Sachbuch im eigentlichen Sinne vor, sondern er präsentiert vielmehr seine eigene Sichtweise auf das sich abzeichnende Debakel und zieht daraus Schlussfolgerungen. Gelegentlich habe ich den roten Faden etwas verloren, denn Meyer schreibt gerne so, wie er spricht: mit vielen Abschweifungen, Wortspielen, Sarkasmus und unerwarteten Wendungen im Kleinen.

Meyer ist im Osten Deutschlands aufgewachsen. Da hat man andere Erfahrungen als im Westen gemacht. Vieles aus der bundesdeutschen Gegenwart kommt ihm dabei merkwürdig bekannt vor. Auch das lässt er bei entsprechenden Gelegenheiten nicht unerwähnt.

Alles in allem ist dieser Text ein gut lesbares, recht persönliches und nicht übermäßig systematisches Buch über unser krankes Geld und seine wahrscheinliche Zukunft. Meyers Prognose bietet keinen Grund zum Optimismus. Aber dafür kann er schließlich herzlich wenig.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 10, 2014 12:03 AM CET


Magier der Märkte: Next Generation 02: Die Multi-Strategen
Magier der Märkte: Next Generation 02: Die Multi-Strategen
von Jack D. Schwager
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die Finanzmärkte sind nicht effizient, 31. Dezember 2013
Die sogenannte Theorie der Markteffizienz erweist sich nicht nur in den theoretischen Kaderschmieden der Finanzelite, sondern auch bei Großbanken und ähnlichen Unternehmen als überaus beliebt. Das liegt vor allem daran, dass man mit dieser Theorie etwas ausrechnen kann. Und das geht nur deshalb, weil sie auf einfachen (und wirklichkeitsfremden) Voraussetzungen beruht.

Wenn sie richtig wäre, hätten die Ergebnisse der drei in diesem Buch interviewten Trader nie zustande kommen dürfen. Jack Schwager rechnet das am Beispiel von Edward Thorp vor. Thorps erster Fond, Princeton Newport Partners, existierte 19 Jahre lang, erzielte eine durchschnittliche kumulierte Jahresrendite von 19,1 Prozent und lag dabei 227 Monate im Gewinn und drei Monate im Verlust. Wäre die Theorie der Markteffizienz richtig und würde man annehmen, dass der der durchschnittliche Gewinn und Verlust pro Monat ungefähr gleich sei, dann entspräche das der Tatsache, dass man bei einem Münzwurf bei 230 Würfen 227 Mal Zahl und drei Mal Wappen würft. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses ist nach Schwager ungefähr eine Billion Mal kleiner als auf der Erde ein bestimmtes Atom zufällig auszuwählen, also praktisch Null.

Die drei Trader Edward Thorp, Jamie Mai und Michael Platt sind wie zahlreiche andere ihrer Kollegen folglich lebende Beweise, dass man gerade deshalb Geld aus den Märkten ziehen kann, weil sie nicht effizient sind. Thorp ist aber auch aus anderen Gründen eine Legende. Er entwickelte zusammen mit dem Claude Elwood Shannon, dem Vater der Informationstheorie, einen kleinen Computer, mit dem sie sich in einem Kasino erhebliche Vorteile beim Roulette verschafften. Thorps Artikel und Bücher über Blackjack-Gewinnstrategien veränderten darüber hinaus die Kasino-Welt erheblich.

Wer sich dafür interessiert, findet im Interview mit Thorp sicher einige Anregungen und die entsprechende weiterführende Literatur, die allerdings schon ein paar Jahrzehnte alt ist. Zusätzlich erklärt Thorp mehr oder weniger deutlich, wie er bei seinen Trades vorging. Thorp gehörte zu den Tradern, die schon vor der Veröffentlichung der Black-Scholes-Formel für den fairen Preis von Optionen mit einer ähnlichen Formel falsch gepreiste Optionen zu seinem Vorteil handelte.

Eine gewisse Rolle spielt in diesem Interview auch die Kelly-Formel, die den optimalen Kapitaleinsatz (bzw. die Positionsgröße) anzeigt, wenn man ein größtmögliches kumuliertes Kapitalwachstum anstrebt. Wie alle Interviews, die Schwager in seinen Büchern bisher geführt hat, setzen auch diese drei neuen gewisse Kenntnisse voraus. Und natürlich verraten die Interviewten keine Betriebsgeheimnisse, sondern geben eher allgemeine Ratschläge oder formulieren allgemeine Handelsansätze. Außerdem offenbaren sie gewisse erforderliche oder nützliche Denkweisen beim Börsenhandel.

Auf Jamie Mai wurde Schwager durch das Buch The big short von Michael Lewis aufmerksam. Mai gehörte zu den wenigen, aber dafür umso erfolgreicheren Trader, die massiv gegen die Kreditvergabe-Politik der US-Banken vor der Finanzkrise gesetzt hatten. Wie eigentlich alle erfolgreichen Trader sucht Mai nach Asymmetrien in den Märkten, also nach Handelsgelegenheiten, bei denen das Verlustrisiko bedeutend geringer erscheint als die Gewinnmöglichkeiten. Im Interview deutet Mai an, wie sein Familienunternehmen dabei vorgeht und welche Ansätze insbesondere vor der Finanzkrise bevorzugt wurden.

Thorp und Mai wären ohne eine extreme Risikokontrolle niemals so erfolgreich geworden. Doch Michael Platt setzt dieser Risikoscheu noch die Krone auf. Er verwaltet in seinen Fonds 29 Milliarden Dollar (Anfang 2012) und verfolgt dabei eigentlich nur zwei grundlegende Strategien, die im Interview etwas erklärt werden. Seine Trader können sich einmal einen Verlust von drei Prozent leisten, nach dem zweiten Mal verlieren sie ihren Job.

Platt erläutert, welchen Typ von Tradern er bevorzugt und wie das Risiko der Fonds kontrolliert wird. Extreme Geschäfte, bei denen in Großbanken Milliarden verzockt werden, sind bei Platt undenkbar, weil sie sehr früh bemerkt werden würden. Auch an diesem Beispiel sieht man, dass Hedgefonds ganz im Gegensatz zur Medienmeinung nicht das eigentliche Risiko der Finanzwelt darstellen, sondern in der Regel sehr kontrolliert geführt werden.

Auch wenn man nicht wirklich erfährt, was die drei Interviewten tatsächlich machen, so kann man doch an einigen Ansätzen bestimmte Denkweisen herausfiltern und für das eigene Geschäft nutzen. In diesem Sinne ist auch dieses Schwager-Buch bestimmt lesenswert.


Staatsversagen auf höchster Ebene: Was sich nach dem Fall Mollath ändern muss
Staatsversagen auf höchster Ebene: Was sich nach dem Fall Mollath ändern muss
von Sascha Pommrenke
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es kann jeden treffen, 28. Dezember 2013
"Wer stört, wird zerstört", schreibt Sascha Pommrenke, einer der Herausgeber dieser gesammelten Aufsätze. Mit dem Störenfried ist Gustl Mollath gemeint, der illegalen Geschäften seiner Frau bei der Hypovereinsbank auf die Spur kam und dies anzeigte. Daraufhin überzog ihn seine Frau mit einem Gerichtsverfahren, das mit seiner Einweisung in die Psychiatrie endete. Erst nach Jahren und nur unter zunehmenden Druck der Zivilgesellschaft kam er in die Freiheit und wartet nun auf die Wiederaufnahme des ursprünglichen Prozesses gegen ihn. Alles andere als ein Freispruch würde diesem Justizskandal die Krone aufsetzen.

Pommrenkes Aussage mag in diesem Fall durchaus richtig sein, doch sie greift viel zu kurz. Die meisten der 16 Aufsätze von unterschiedlichen Spezialisten, die sich mit Mollaths Fall befasst haben, bieten ein Bild des deutschen Strafrechts, das geradezu erschreckend ist. Es bleibt zu hoffen, dass die politische Dimension dieses Falles wesentliche Reformen im deutschen Strafrecht erzwingt, denn Mollaths Schicksal kann jeden treffen. Er zeigt eine fatale Ähnlichkeit zum Fall des Lehrers Arnold in Hessen, der einer Vergewaltigung beschuldigt wurde, die es nie gegeben hatte und für die folglich auch kein Beweis existieren konnte. Dennoch kam er dafür jahrelang in den Knast, davon zuerst fast zwei Jahre in die Psychiatrie, weil er seine Schuld genau wie Mollath nicht einsehen konnte und wollte.

Diesen und ähnlich gelagerte Fälle kann man in einem Buch von Thomas Darnstädt Der Richter und sein Opfer: Wenn die Justiz sich irrt nachlesen. Obwohl es keine ernsthafte Begründung dafür gibt, werden in Deutschland Gerichtsverfahren nicht aufgezeichnet. Der Richter kann deshalb in seiner Urteilsbegründung seine Würdigung der erbrachten Beweise so vortragen, dass nahezu jedes Urteil revisionssicher wird. Auch Mollaths Fall landete im Berufungsverfahren vor dem höchsten deutschen Gericht. Die Revision wurde jedoch abgeschmettert. Aus den Texten in diesem Buch kann man entnehmen, dass für die Anschuldigungen gegen Mollath kein Beweis erbracht wurde. Doch den Bundesrichtern blieb das offensichtlich verborgen. Sie entdeckten noch nicht einmal den formalen Fehler, der letztlich zum Wiederaufnahmeverfahren führte, nachdem der politische Druck zu groß geworden war.

In den in diesem Buch gesammelten Aufsätzen geht es zunächst um die Geschichte des Falles und dabei insbesondere um die Rolle selten gewordener Journalisten, die sich trauen gegen staatliche Willkür vorzugehen. Erst durch die immer größer werdende öffentliche Aufmerksamkeit kam Bewegung in einen Fall, der bereits ein rechtskräftiges Urteil besaß. In mehreren folgenden Aufsätzen befassen sich renommierte Autoren mit den unfassbaren Zuständen im deutschen Strafrecht, in dem leider oft genug Qualitätskontrolle durch richterliche Selbstherrlichkeit ersetzt wird.

Noch schlimmer steht es um das Gutachterwesen von Psychologen und Psychiatern. Der Fall Mollath zeigt, dass man offenbar völlig grundlos und ohne eine Untersuchung für verrückt erklärt werden kann. Wenn die Gutachter in diesem Fall ihre merkwürdigen Schlüsse nicht begründen mussten und wenn es keinerlei Forderung nach einer Nachvollziehbarkeit solcher Schlüsse gibt, dann kann das auch in jedem anderen Fall so sein. Und damit steht die Tür für jede Art von Willkür weit offen.

Auch zu den von Mollath angezeigten illegalen Geschäften der HVB findet man in diesem Buch drei Aufsätze. Allerdings gehören sie nur am Rande zum eigentlichen Thema, und zwei von ihnen fallen darüber hinaus auch dramatisch aus dem Rahmen. Der Wirtschaftskriminalist Hans See fordert in seinem Text gleich einmal die Einführung eines sozialistischen Wirtschaftssystems, und sein Kollege Uwe Dolata möchte gerne "sinnvolle Verdachtsschöpfung" betreiben. Irgendwie passt das zusammen, denn sozialistische Systeme sind bislang nicht durch eine besonders hohe Rechtsstaatlichkeit aufgefallen, verdächtig ist dort sowieso jeder, und Querulanten landen in solchen Systemen besonders schnell in der Versenkung. Wieso diese Absurdität im Zusammenhang mit dem Fall Mollath den Herausgebern nicht böse aufgestoßen ist, bleibt mir ein Rätsel.

Lässt man diese beiden Texte außerhalb der Betrachtung, dann kann man sich mit diesem Buch sehr gut über den Fall des Gustl Mollath informieren und stößt dabei gleichzeitig auf systematische Mängel und Konstruktionsfehler im deutschen Strafrecht. Gustl Mollath bleibt in diesem Buch das Schlusswort vorbehalten.
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