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Beiträge von Dr. R. Manthey
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Rezensionen verfasst von
Dr. R. Manthey
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Niki Lauda: von außen nach innen
Niki Lauda: von außen nach innen
von Hartmut Lehbrink
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lauda braucht keine Freunde. Er hat nur gute Bekannte., 26. Februar 2014
An diesen beiden Feststellungen, die so ähnlich von Lauda selbst stammen, reiben sich viele der in diesem Band vereinten Würdigungen aus Anlass seines gerade gewesenen 65. Geburtstag. Selbst Menschen, die sich in diesem Buch als seine Freunde bezeichnen, gehen in ihren Worten seltsam distanziert mit ihm um. Lauda sei oft schroff, aber geradlinig, sehr ehrlich und mit vertrauten Menschen warmherzig.

Wenn man sich ein Bild vom Menschen Nikki Lauda machen möchte, dann hat man mit diesem Band die seltene Gelegenheit, zu erleben, wie verschieden Leute aus seiner Umgebung auf ihn reagieren. Denn in diesem Buch kommen auch Menschen zu Wort, die offenbar keinen Draht zu ihm finden konnten. Bei den meisten von ihnen endet das in distanzierter Höflichkeit mit gelegentlichen Spitzen und freundlicher Anerkennung seiner Leistungen. Es gibt aber auch Ausnahmen, wie etwa Jochen Maas, der für Lauda wenig Sympathie empfindet und das auch deutlich macht. Einen der einfühlsamsten und verständnisvollsten Beiträge lieferte Hans Mahr ab.

Nach einer Einleitung folgen in diesem Buch 40 Beiträge anderer Autoren, wobei das in einigen Fällen nicht ganz klar ist, denn dort fasste wohl der Autor dieses Buches Beiträge oder Interviews des in der Überschrift genannten Verfasser zu einem Artikel zusammen. Dass es in den einzelnen Beiträgen immer wieder zu Wiederholungen kommt, muss man ebenso erwarten wie häufige recht oberflächliche Äußerungen, denn viele kannten Lauda einfach nicht gut genug, um sich über ihn ein tiefschürfendes Urteil bilden zu können. Dennoch erhält man mit diesem Buch einen sehr guten Eindruck dieses außergewöhnlichen Menschen. Autoren, die sich für seinen Freund halten, erzählen viel über den Kern von Laudas Persönlichkeit. Sie arbeiten sich gewissermaßen von außen nach innen vor, so wie es der Titel dieses Bandes verheißt. Andere dagegen vermitteln ihr Unverständnis eben dieses Kerns genau so deutlich.


Briefe bewegen die Welt Bd. 5 Kunst und Kultur
Briefe bewegen die Welt Bd. 5 Kunst und Kultur
von Hellmuth Karasek
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Interessante Zeitdokumente wie immer sehr gut erklärt, 26. Februar 2014
Nur gut, dass es sich bei diesem Buch nicht um die Doktorarbeit von Hellmuth Karasek handelt. Es steht zwar sein Name als Autor auf diesem Buch, doch das ist eine glatte Irreführung. Ganz am Ende versteckt auf der letzten Seite entdeckt man nämlich, dass die Idee und die Konzeption zu diesem Buch von den Herren Dopychai und Kühlhorn stammen und die sehr lehrreichen Texte zur Erklärung der zitierten Briefwechsel von Hans Pöllmann und Sonja Wild. Das sollte wenigstens an dieser Stelle einmal erwähnt werden.

Diese Autoren habe dann auch eine wirklich gelungene Arbeit abgeliefert. Sie beginnt mit einem Brief von Albrecht Dürer an den Rat der Stadt Nürnberg, in dem er diesen bittet sein Geld zinsgünstig anlegen zu können. Dann folgen 16 weitere Briefwechsel mit wirklich interessantem Inhalt. Beispielsweise lernt man Wilhelm Busch auf eine Weise kennen, die man nicht so ohne Weiteres aus seinen Werken schließen würde.

Ob diese Briefe von Künstlern an Künstler oder Politiker oder umgekehrt die Welt tatsächlich je bewegt haben, möchte ich zwar bezweifeln, aber interessant sind sie allemal. Besonders schätze ich an diesem Bänden neben den Originalbriefen immer die erklärenden Texte, ohne die man vieles überhaupt nicht verstehen würde. Der Inhalt dieser Briefwechsel ist hier an kein Thema gebunden, deshalb ziemlich verschieden und meistens sehr speziell. Wer also gerne in fremden und eigentlich nicht für ihn bestimmten Briefen liest oder kunstgeschichtlich interessiert ist, für den ist dieses Buch sicher eine Fundgrube und eine wirkliche Unterhaltung,


Das Reich der Tränen
Das Reich der Tränen
von Janine Wilk
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 12,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Einfühlsam und traurig, 24. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Reich der Tränen (Gebundene Ausgabe)
Die Buchstaben verschwimmen, wenn Mia in der Schule vorlesen soll. Ihre Aufmerksamkeit im Unterricht lässt zu wünschen übrig. Und nun bekommt sie auch noch einen Eintrag für die Eltern und soll zur Schulpsychologin. Mia hat Angst, diesen Brief ihrer Mutter vorzulegen, denn ihr kann sie nichts recht machen.

Zu Hause herrscht Unfrieden, weil Mias Vater mit seiner Firma in Schwierigkeiten steckt und nicht genug Geld für das große neue Haus und die vielfältigen Freizeitbeschäftigungen der offenbar nicht arbeitenden Mutter herbeischaffen kann. Die Mutter lässt ihre Wut an Mia und ihrem Mann aus, der wegen seiner ihm eingeredeten Schuldgefühle nicht mehr die Kraft findet, Mia gegen die Wutanfälle ihrer Mutter zu verteidigen. Selbst Mias Oma lehnt es ab, dem Kind wirklich zu helfen. Sie kann es nur trösten. Und so flüchtet sich Mia in das Reich ihrer Phantasie, in der sich Märchengestalten und die traurige Realität ihrer kleinen Kinderwelt vereinen. Dort findet sie Zuspruch, Trost, Hilfe und die Kraft, zu widerstehen.

Janine Wilk beschreibt in diesem Buch sehr eindrucksvoll das Phänomen der Kraftschöpfung von Kindern durch ihre Phantasie. Als ihr eine Freundin von ihrer Kindheit erzählte, entstand die Idee zu dieser traurigen und einfühlsamen Geschichte, die exemplarisch vorführt, wie sich Kinder gegen die Aggressionen Erwachsener, denen sie nicht entfliehen können, durch eine besondere innere Kraft zu wehren und den Schaden, der ihnen zugefügt wird, wenigstens etwas zu mindern verstehen.

So gut mir dieses Buch gefallen hat, so groß sind meine Problem mit ihm. Ist das wirklich ein Buch für Kinder mit elf Lebensjahren? Verschenken kann man es schlecht, denn Kinder, die solche Probleme nicht kennen, müssen sie auch nicht unbedingt kennenlernen. Und Kinder, die wie Mia leiden, brauchen kein Buch, sondern echte Hilfe. Vielleicht finden Mias Leidensgenossen in Bibliotheken zufällig dieses Buch. Aber werden sie dann die am Ende des Textes angegebenen Telefonnummern wählen und sich fremden Menschen anvertrauen? Mias Mutter verhinderte erfolgreich, dass ihre Tochter der Schulpsychologin die Wahrheit verriet.

Was dieses Buch tatsächlich zeigt, ist die Ausweglosigkeit von Mias Situation, in die gewöhnlich niemand von außen eingreifen kann und wird. Vielleicht ist dieses Buch für Erwachsene besser geeignet, denn Kinder kopieren als Erwachsene nicht selten die Verhaltensweisen ihrer Eltern ohne sich dessen und der Gefühlswelt ihrer eigenen Kinder wirklich bewusst zu sein.


Tafiti und das Riesenbaby
Tafiti und das Riesenbaby
von Julia Boehme
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 7,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Trompetenunterricht für kleine Elefanten, 23. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Tafiti und das Riesenbaby (Gebundene Ausgabe)
Ein Erdbeben sucht die Behausung von Erdmännchen Tafiti und seiner Familie heim. Oder doch nicht? Jedenfalls wackeln die Wände. Doch die Alten wissen schnell, was wirklich los ist: Eine Elefantenherde trampelt fressend durch Omas Gemüsegarten. Da wird es wohl nichts werden mit dem leckeren Kuchen, den Oma heute backen wollte. Der Garten ist zerstört.

Als Tafiti und sein Freund Pinsel, das zum Ehrenerdmännchen ernannte Pinselohrschwein, nach der Verwüstung durch die Gegend stöbern, entdecken sie ein zurückgebliebenes Elefantenbaby, das nun dringend versorgt und zu seiner Familie zurückgebracht werden muss. Doch wie sollen die Winzlinge das anfangen? Aber Erdmännchen sind klug, und so finden sie einen cleveren Trick. Zwischendurch müssen sie auch noch einer kurzsichtigen Giraffe eine Brille besorgen.

Dieser dritte Tafiti-Band steht seinen Vorgängern in Nichts nach. Man kann diese Bücher auch schon kleineren Kindern vorlesen, die noch nicht zur Zielgruppe gehören (5-7 Jahre). Für Selbstleser der ersten oder zweiten Klasse sind sie noch etwas zu lang und dann auch nicht mehr interessant genug. Jedenfalls habe ich das so erlebt. Für die Kleineren jedoch, die sich noch nicht fragen, warum Erdmännchen Bücher lesen, malen und sich Brillen für Giraffen besorgen können, erweisen sie sich als fabelhafte Vorlesebücher, die darüber hinaus auch noch niedlich und reichhaltig illustriert sind.


Zweimal lebenslänglich: Von einer, die auszog, das Heiraten zu lernen
Zweimal lebenslänglich: Von einer, die auszog, das Heiraten zu lernen
von Rebecca Niazi-Shahabi
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Die romantische Traumhochzeit ist eines der irrationalsten Projekte der Gegenwart.", 21. Februar 2014
Glaubt man der Autorin dieses Buches, dann möchte jede Frau wenigstens einmal in ihrem Leben Prinzessin sein. Gewöhnlich bietet sich dazu nur eine wirkliche Chance, nämlich die eigene (erste) Hochzeit. Wenn man die Vorgänger-Bücher der Autorin gelesen hat, dann muss man einfach ahnen, dass sie mit solchen Sachen nichts am Hut hat. Doch als sie eines schönen Tages beim Bäcker ihren Frühstückskaffee schlürft, macht ihr ihr Freund nebenbei einen unerwarteten Heiratsantrag. Ob sie will oder nicht: nun ist sie gezwungen, ihm eine Antwort zu geben. Und die fällt nach einer gefühlten Ewigkeit zustimmend aus.

Vielleicht lag in dieser Zeit die Geburtsstunde für die Idee zu diesem Buch, vielleicht aber gab es diese Idee bereits und die Geschichte ist erfunden. Egal, nun jedenfalls berichtet Rebecca Niazi-Shahabi dem Leser auf zwei Ebenen. Zum einen über ihr weiteres Vorgehen und die Reaktionen und Diskussionen in ihrem Freundeskreis und zum anderen über all das, was da so auf Heiratswillige zukommt, worüber man sich Gedanken machen muss und welche sonderbaren Rituale, Spielchen, Gepflogenheiten und Unglücksfälle es bei Hochzeitsfeiern so gibt. Natürlich lernt man in jedem Fall ihre überaus rationale Haltung dazu kennen. Und genau das macht den Reiz dieses witzigen Buches aus.

Ob allerdings jeder diesen Text lustig finden wird, mag man bezweifeln, denn die Autorin hält jedwede Romantik beim Heiraten für aufgesetzt. Sie schreibt (S.97): "Zwei Menschen beschließen, sich von offizieller Seite absegnen zu lassen, dass sie - aus welchen Gründen auch immer - nur noch mit dem Partner sexuell verkehren und außerdem mit ihm zusammenleben wollen. (Eine durchaus fragwürdige Entscheidung, da das Zusammenleben nachweisbar die sexuelle Spannung zwischen den beteiligten beeinträchtigt.) ... Dies ist der Hintergrund jeder Hochzeit, und um diesen zu überdecken veranstalten selbst langjährige Paare gerne eine romantische Feier."

Man solle eben an diesem Tag keinen Gedanken an Sex aufkommen lassen. Hochzeitsgäste würde diese Stimmung jedoch gerne konterkarieren, indem sie anzügliche Spiele veranstalten würden, etwa solche, bei denen das Brautpaar den Ehepartner bei der "Wadenkontrolle" oder beim "Küsseraten" eindeutig identifizieren soll. Man sieht allein an diesem kleinen Textauszug, wie die Autorin denkt. Sie begreift das Schauspiel des Lebens, bei dem jeder glaubt, dem anderen etwas vormachen zu können, sehr wohl und beschreibt es mit kühl distanzierter Rationalität, Ironie und gelegentlichem Sarkasmus.

Wie macht man einen Antrag ("Wenn Menschen zu Idioten mutieren"), wo macht man ihn, wie und wo heiratet man, wen muss man einladen, oder soll man lieber heimlich heiraten? Und wenn ja, wozu heiratet man dann eigentlich? Wie heiraten die meisten Menschen und welche Abscheulichkeiten müssen Paare dabei über sich ergehen lassen? Das alles wird witzig kommentiert und macht das Lesen dieses Buches zu einer wirklichen Unterhaltung. Allerdings darf man nicht besonders romantisch veranlagt sein und muss eine gewissen Hang zur Rationalität besitzen.

Ist dieser Text über den Hochzeitsirrsinn also nur etwas für überzeugte Singles oder unromantische Frauen? Die ganze Zeit habe ich mich beim Lesen gefragt, wie die Autorin sich am Ende aus dieser Nummer herausschreiben wird. Denn dass sie nicht heiraten werden würde, war schon nach wenigen Seiten klar, obwohl sie dort noch das Gegenteil behauptete. Ihre Abneigung konnte man förmlich greifen.

Diesmal kamen immerhin die Produkte des Enddarms nicht im Titel ihres Buches vor, wenngleich sie sie mit dem Thema wohl doch verbindet. Aber das wäre dann wohl zu viel des Guten gewesen. Das traut sich nicht einmal Rebecca Niazi-Shahabi.

So witzig und erfrischend ihr jüngstes Buch in der Tat ist, am Ende kommt dann doch wieder ihr ganz eigener Nihilismus durch. Sie führt durch den ganzen Text eine Art statistischen Beweis dafür, dass Heiraten wie so vieles andere auch irgendwie Mist ist. Doch das werden nicht alle so sehen. Beispielsweise lässt die Autorin im Buch eine ihrer Bekannten auftreten und ihr vorwerfen: "Du äußerst dich immer so abfällig über die Beziehungen anderer Menschen, ist dir das eigentlich schon einmal aufgefallen?"

Auch wenn Rebecca Niazi-Shahabi mit fast allem in diesem Buch recht hat, so sollte sie doch anderen Menschen die Freiheit zum Träumen nicht nehmen. Und überhaupt: Ein statistischer Beweis sagt rein gar nichts über Einzelfälle aus. Schließlich soll es ja auch glückliche Ehen geben. Oder Menschen, die nicht ständig neue Reize brauchen, weil sie in ihrer Beziehung eine Befriedigung auf einer Ebene erreichen, die Vertrauen voraussetzt, das nur über eine lange Zeit wachsen kann. Ausnahmen bestätigen eben die Regel, würde wohl der Volksmund sagen. Und warum sollte man Menschen die Hoffnung nehmen, gerade diese Ausnahme zu erwischen?


Das Attentat: Thriller (Gabriel-Allon-Reihe)
Das Attentat: Thriller (Gabriel-Allon-Reihe)
von Daniel Silva
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen " ... tötet die Ungläubigen, wo immer ihr sie findet, ergreift sie, umzingelt sie und lauert ihnen überall auf." (Koran, Sure 9), 19. Februar 2014
Claudia Andreatti, Kuratorin der Antikensammlung des Vatikan, war von der Empore des Petersdoms gestürzt. Nicht freiwillig, wie man später feststellen wird. Und eine Leiche im Herzen der von Skandalen erschütterten Katholischen Kirche konnte der Heilige Vater gerade nicht gebrauchen. Dr. Andreatti sollte in geheimer Recherche herausfinden, welche Kunstschätze des Vatikan Beutestücke aus vergangenen Zeiten waren. War sie dabei auf Zusammenhänge gestoßen, die selbst vor geheimen Ermittlungen geheim bleiben sollten?

Da scheint es wie eine göttliche Fügung zu sein, dass Gabriel Allon, berühmter Restaurator von Altmeistergemälden, israelischer Spion und Auftragskiller im Ruhestand sowie Lebensretter des Heiligen Vaters, gerade im Vatikan zu tun hat. Vom Privatsekretär des Papstes erhält er den Auftrag, den Mord an Claudia Andreatti im Verborgenen aufzuklären.

Was wie eine einfache Geschichte beginnt, entwickelt sich schnell zu einem rasanten Thriller, der Gabriel Allon erst durch halb Europa treibt und ihn dann schließlich auf und unter den Tempelberg führt, wo es zu dramatischen Ereignissen von enormer Bedeutung für den Nahen Osten und die Welt kommt.

Diesen inzwischen 12. Band aus der Gabriel-Allon-Reihe kann man auch ohne Kenntnisse der vorangegangenen Allon-Bücher lesen. Er ist packend geschrieben und voller unerwarteter Wendungen, die im dramatischen Ende kulminieren. Obwohl die Handlung natürlich zum größten Teil der Phantasie des Autors entsprungen ist, enthält sie viele Bezüge zu Ereignissen der jüngsten Zeit und zum Wesen des Nahostkonflikts.


Als Deutschland Großmacht war: Ein Bericht über das Kaiserreich, seine Feinde und die Entfesselung des Ersten Weltkrieges
Als Deutschland Großmacht war: Ein Bericht über das Kaiserreich, seine Feinde und die Entfesselung des Ersten Weltkrieges
von Bruno Bandulet
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

16 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Geschichte kann man immer aus verschiedenen Perspektiven erzählen.", 17. Februar 2014
Die historische Sicht auf den 1. Weltkrieg wurde in der Bundesrepublik lange sehr stark von den ideologisch geprägten Thesen des Hamburger Historikers Fritz Fischer und dessen Werk "Griff nach der Weltmacht" aus dem Jahre 1961 beeinflusst. Obwohl es auch schon früher massiven Widerspruch zu Fischers Thesen gab, brauchte es erst der Unterstützung namhafter ausländischer Historiker, um dem Streben nach einer den historischen Tatsachen besser entsprechenden Betrachtungsweise auch in Deutschland einen deutlichen Schub zu geben. Insbesondere Christopher Clarks Buch "Die Schlafwandler" spielte in jüngster Zeit dabei eine herausragende Rolle.

Bruno Bandulet vertritt nicht ganz die Haltung Clarks. Vielmehr behauptet er, dass Deutschland diesen Krieg nicht wollte, sondern England, Frankreich und Russland, die jeweils bilaterale Beistandsverpflichtungen eingegangen waren, aus verschiedenen Beweggründen den Konflikt provozierten. Ob bei einem so komplexen Ereignis tatsächlich Schuldfragen überhaupt endgültig zu entscheiden sind, erscheint mehr als fraglich. Und was hat es eigentlich für einen Sinn, eine solche Frage überhaupt beantworten zu wollen? Als viel sinnvoller erweist sich doch die Untersuchung, wie es überhaupt zu einem derart verheerenden Ereignis kommen konnte und ab wann sich die Entwicklungen nicht mehr aufhalten ließen und warum das so war.

Auf diese Fragen gibt Bandulets Buch interessante Antworten. Bei seinem Text handelt es sich nicht um eine mit unzähligen Quellen und Forschungsarbeiten unterlegte wissenschaftliche Arbeit, sondern eher um eine gut untermauerte Meinung, bei der man am Ende allerdings nicht ganz weiß, wie selektiv der Autor mit den Quellen umgegangen ist, um seine Haltung darzustellen. Sicher ist jedoch, dass man die innere Logik seiner Betrachtungsweise durchaus verstehen kann. Und die geht so:

Deutschland war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine ökonomische Großmacht in Europa, die zunehmend Unbehagen und Widerwillen insbesondere in England und Frankreich hervorrief. Interessanterweise hat sich daran bis heute wenig geändert. Russland wiederum besaß eigene Interessen auf dem Balkan und befand sich in Konfrontation mit Österreich-Ungarn, das seinerseits mit dem Deutschen Reich verbunden war. England, so Bandulet, hatte sich in seiner Geschichte stets mit der jeweils ökonomisch mächtigsten europäischen Kontinentalmacht angelegt. Der phänomenale Aufstieg Deutschlands am Ende des 19. Jahrhunderts war der britischen Weltmacht ein gehöriger Dorn im Auge. Liest man den zahlreichen Aussagen englischer Politiker dieser Zeit, die Bandulet zitiert, dann erschien ein Krieg mit Deutschland ein unausweichliches Ereignis zu sein.

Warum der Autor seinem Buch diesen aus meiner Sicht etwas irreführenden Titel gab, blieb mir auch nach dem Lesen ein Rätsel, denn darum geht es in diesem Text überhaupt nicht. Der Untertitel ("Ein Bericht über das Kaiserreich, seine Feinde und die Entfesselung des Ersten Weltkrieges") spiegelt den Inhalt dagegen sehr treffend wider. Zunächst beschreibt der Autor das damalige Europa und die herrschende Stimmung. In einem zweiten Kapitel widmet sich Bandulet der Bismarkschen Außenpolitik und dem Platz Russlands in der Sichtweise des Reichskanzlers.

Nach Bismarcks Abgang betraten Männer die politische Bühne Deutschlands, die ihren Aufgaben und der komplizierten geopolitischen Lage Deutschlands nicht gewachsen waren. Bandulet kommentiert diese unglückseligen Entwicklungen immer wieder in den folgenden Kapiteln. In ihnen geht es zunächst um die damaligen Beziehungen zwischen Deutschland und England, um die Kolonialfrage und die weltpolitischen Ambitionen der beiden Mächte. Danach befasst sich der Autor mit der deutschen Flotte und der Rolle des Alfred von Tirpitz. Interessant sind die Zahlen über tatsächlichen Flottenstärken der Weltmächte, die Bandulet in diesem Abschnitt anführt.

Das folgende Kapitel ("Österreichs Feinde und das Vorspiel zum Krieg") schildert die damalige explosive Lage auf dem Balkan und Russlands Ambitionen in diesem Teil Europas. Die letzten beiden Kapitel erzählen vom Weg in die Kriegskatastrophe, dem Kriegsverlauf und betrachten die für alle europäischen Staaten tragischen Folgen dieser die nächsten Jahrzehnte beeinflussenden Auseinandersetzungen.

Wenn man Bandulets Buch liest, dann wird klar, wie schnell es in einer aufgeheizten politischen Situation zu einer nicht mehr zu stoppenden Kettenreaktion kommen kann, die (wie in diesem Fall) damals unvorstellbar katastrophale Folgen für die kommenden Jahrzehnte implizierte, denn der 1. Weltkrieg war das Schlüsselereignis für ein ganzes folgendes Jahrhundert.

Ohne den von der amerikanischen Hochfinanz unter Führung von J.P. Morgan provozierten Kriegsteileintritt der USA wäre es, so Bandulet, zu anderen Kriegsergebnissen gekommen. So richtig dies wohl ist, so nutzlos scheint es, über die eventuellen Folgen zu spekulieren. Im Übrigen entdeckt man an dieser Stelle in Bandulets Text Teile der deutschen Friedensbedingungen, die im Januar 1917 der US-Regierung übermittelt wurden. Deutschland fordert dort "Koloniale Restitution in Form einer Verständigung, die Deutschland einen seiner Bevölkerungszahl und seiner wirtschaftlichen Interessen entsprechenden Kolonialbesitz sichert."

Diese ambitionierte Forderung passt nicht ganz zu Ausführungen des Autors an früherer Stelle, sondern zeigt, dass das Deutsche Reich sehr wohl koloniale Interessen besaß und diese auch durchsetzen wollte. Hier könnte man auf die Vermutung kommen, dass der Autor die historischen Tatsachen möglicherweise nicht ganz adäquat beleuchtet. Das ändert aber nichts daran, dass sein Buch eine interessante Lektüre ist, die sich einer einseitigen und von den Siegern bestimmten Betrachtungsweise der Rolle Deutschlands in dieser Zeit entgegenstellt.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 25, 2014 11:32 AM CET


Yoga Nidra (Die Perle der Tiefenentspannung - In 30 Minuten völlig erfrischt) plus CD mit 2 Anleitungen
Yoga Nidra (Die Perle der Tiefenentspannung - In 30 Minuten völlig erfrischt) plus CD mit 2 Anleitungen
von Barbara Kündig
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr hilfreich. Besonders, wenn man nachhaltig übt., 15. Februar 2014
Wenn man sich geführt körperlich entspannen möchte, dann stehen mit dem autogenen Training oder der progressiven Muskelentspannung wirkungsvolle Methoden zur Verfügung. Yoga Nidra weist viele Ähnlichkeiten zu diesen Techniken auf und geht dann jedoch weiter. Übt man wenigstens einmal am Tag, was lediglich eine Viertelstunde beansprucht, dann stellen sich in kurzer Zeit auch Veränderungen in der mentalen Grundhaltung ein. Man sieht viele Ereignisse, mit denen man konfrontiert wird, viel entspannter. Und man fühlt sich insgesamt ausgeglichen und ruhig.

Dieses Buch enthält eine CD mit zwei sehr angenehm geführten Yoga-Nidra-Übungen, die über die Grundtechnik noch hinausgehen. In der Grundtechnik wird die Aufmerksamkeit des Geistes durch verschiedene Körperteile geführt. Dadurch tritt sehr schnell eine körperliche Entspannung ein, die am Anfang gelegentlich auch zum unerwünschten Einschlafen führen kann. Durch die gezielte Lenkung der geistigen Aufmerksamkeit auf spezielle Körperstellen kann der ruhelose Geist nicht mehr sein übliches Spiel treiben und uns von einem Gedanken zum nächsten hetzen. Erst dadurch tritt eine ungewohnte Ruhe in Körper und Geist ein.

Das Buch stellt nicht nur diese Techniken vor, sondern erklärt auch, wie man die Übungen durchführen soll und erwähnt einige Hintergründe. Am Ende findet man den Text, der während der beiden Übungen von einer angenehmen Frauenstimme gesprochen wird. Yoga Nidra entspannt nicht nur, sondern führt bei nachhaltigem Üben auch zu einem tieferen Körperbewusstsein und verbessert die Wahrnehmung insgesamt. Die CD in diesem Buch enthält zwei der besten geführten Yoga-Nidra-Übungen, die ich kenne.


Frei wie der Wind, Kayas Pferdesommer
Frei wie der Wind, Kayas Pferdesommer
von Gaby Hauptmann
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Pferde, Freundschaft, falsche Promis und echte Tierrettung, 12. Februar 2014
Bei diesem Titel denkt man vielleicht ans Segeln und nicht an den zehnten Band einer Serie, in dem es um Mädchen, Pferde, Freundschaft und Liebe geht. So frei ist Kaya auch nicht wirklich, denn sie arbeitet in dieser Geschichte als Sommeraushilfe im Promi-Hotel "Stangelwirt" in Going bei Kitzbühel. Natürlich besitzt dieses Familienhotel auch einen großen Pferdestall mit edlen Lipizzanern, die Kaya bald kennenlernen wird.

Gaby Hauptmann erzählt diese Geschichte, die wieder viel Spannung, allerlei Verwicklungen und selbstverständlich auch reichlich Emotionen enthält, mit den Mitteln einer Erfolgsautorin. Man kann dieses Buch auch völlig unabhängig von den neun Vorgängern lesen. Für Mädchen und dabei insbesondere für Pferdeliebhaberinnen im vom Verlag angegebenen Alter bietet das Buch beste Unterhaltung.


SWIM: Über unsere Liebe zum Wasser
SWIM: Über unsere Liebe zum Wasser
von Lynn Sherr
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Ein informatives, unterhaltsames und humorvolles Buch für alle, die schwimmen und das Wasser lieben", 10. Februar 2014
So steht es in der Produktbeschreibung. Und das stimmt. Für den anderen Teil der Menschheit liest es sich vielleicht von einem kulturgeschichtlichen Ansatz aus ganz gut. Man kann auch die ungeheure Fleißarbeit, die hinter diesem Buch steckt, bewundern. Wer allerdings nicht voller Begeisterung schwimmen geht oder gar fassungslos auf Leute schaut, die noch in hohem Alter (wie die Autorin) zum Langstreckenschwimmen in einer gefährlichen Region antreten, greift bestimmt auch nicht zu diesem Buch.

Warum gefällt begeisterten Schwimmern ein solches Buch, während es andere eher langweilig finden werden? Wer gerne im Wasser ist, erinnert sich beim Lesen sicher daran, wie schön es war, zu schwimmen und wie herrlich es sein wird, es wieder zu tun. Alles, was sich um diese Leidenschaft dreht, weckt also genau die Gefühle, die man beim Schwimmen empfindet. Und darüber hinaus gibt es in diesem Buch viel Wissenswertes und Interessantes für solche Leser.

Der Text ist zwar in verschiedene Kapitel unterteilt, doch die Autorin schreibt eher in einem intellektuellen Plauderton und verfolgt ihr jeweiliges Thema selten geradlinig wie in einem Sachbuch. Schließlich geht es hier um ihre Leidenschaft. Und das spürt man deutlich. Kulturgeschichtliche Ereignisse, Bewegungen und Moden handelt die Autorin ebenso eloquent ab, wie sie über ihre eigenen Motive und Erfahrungen schreibt.

Eine Bewertung erweist sich in diesem Fall als sehr schwierig. Leidenschaftlichen Schwimmern, die in dieser Bewegungsform mehr als nur einen Sport, sondern auch ein Vergnügen sehen, wird dieses Buch mit Sicherheit gefallen. Andere werden sich nicht vorstellen können, was man so alles darüber zusammentragen und erzählen kann, und es ermüdend finden.


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