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Rezensionen verfasst von
Yogaservice Till Schröder (Berlin)
(REAL NAME)   

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Bhagavad Gita: Der Gesang des Erhabenen
Bhagavad Gita: Der Gesang des Erhabenen
von Michael von Brück
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 42,00

14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bhagavad Gita: Wie bewältigt man dieses Werk?, 12. November 2011
Wer hat diese Bemerkung nicht auch schon mal gehört: Patanjalis Yogasutra sei ja ganz nett, aber die Gita ' eine ganz andere Dimension! Dazu dieses gewisse Lächeln. Ob das stimmt, sollte man unbedingt für sich überprüfen. Allerdings geht nicht wenigen bei der Lektüre des religionsphilosophischen Lehrgedichts die Luft aus. Wir verraten, wie man sich den alten Stoff erschließt.

Es geht zwar nicht um Körperübungen (Asanas) in der Bhagavad Gita; für das tiefere Verständnis der Yogaphilosophie und der indischen Kultur aber gehört sie sicher zum Literaturkanon. Die 700 Verse enthalten das, was Hindus unter Yoga verstehen. Und sie genießen das Ansehen eines weltliterarischen Monuments. Mahatma Ghandi hat sie sich regelmäßig vorlesen lassen, als er das Bett hüten musste. Und der deutsche Gelehrte Wilhelm von Humbold bezeichnete den Text schon 1825 als 'das schönste, ja vielleicht das einzige wahrhaft philosophische Gedicht, das alle uns bekannten Literaturen aufzuweisen haben.' Die Bhagavad Gita ist widersprüchlich, umstritten, für die einen nicht mehr zeitgemäß, andere dagegen ehren sie bis heute als Offenbarung. Zum Beispiel die Gita Society, auf deren Website man sich die Verse gratis anhören kann. Es gibt viele Bhagavad Gita-Ausgaben von Yogameistern mit '-ananda' am Namensende, also Angehörigen eines religiösen Ordens oder Ashrams, die versuchen, der Bhagavad Gita eine eindeutige ' ihre ' Aussage zu verleihen. Doch der Wunsch nach Eindeutigkeit führt hier in die Irre. Es gehört nun mal zu ihrem Charakter, dass sie verschiedene philosophische Traditionen anklingen lässt. Daher rührt auch die Theorie, die Bhagavad Gita sei ähnlich wie die Bibel das Produkt mehrerer Autoren. Auch das Publikum ihrer Verehrer ist bunt: Das Spektrum reicht von Symbolfiguren für Gewaltfreiheit wie Mahatma Ghandi bis zu einem Nazi wie SS-Reichsführer Heinrich Himmler, der dieses Buch ständig bei sich trug. Er griff sogar in seinen Reden Gedanken daraus auf.

Die Bhagavad Gita erzählt eine Geschichte, die im Krieg stattfindet. Ihre Hauptfigur ist ein Krieger. Der Held Arjuna kommen vor der Schlacht Zweifel am Töten ' aber nach der Unterweisung in Yoga stürzt er sich mit unbezwingbarer Wucht in den Kampf. Das widerspricht der weitverbreiteten Vorstellung, Yoga habe grundsätzlich etwas mit Friedfertigkeit und Gewaltverzicht zu tun. Es bleibt dem Leser wie dem Yogi nicht erspart, Widersprüche auszuhalten. Die Bhagavad Gita bietet hierfür ein perfektes Denk-Asana.

Der Urtext ist Bestandteil des 100.000 Verse umfassenden Epos Mahabharata von Vyasa. Das erzählt den Kampf zwischen zwei verfeindeten Dynastien. Die Bhagavad Gita bildet Kapitel 25 bis 42 im sechsten Buch des Epos und schildert den Moment vor der großen Schlacht, als Arjuna auf das Feld zwischen den verfeindeten Kriegerreihen fährt und ins Grübeln gerät. Bei den Gegnern kämpfen viele Verwandte, Freunde und ehemalige Lehrer mit, die er im Kampf töten müsste. Ihn befallen Zweifel, die für seinen Wagenlenker auf einem Irrtum beruhen. Der entpuppt sich als Krishna, ein Avatar des Gottes Vishnu und führt den Helden in den Yoga ein.

Um sich mit dieser Situtation und den wesentlichen Grundaussagen Krishnas vertraut zu machen, eignet sich das rund 260 Seiten umfassende Taschenbuch, das auf der Lektüreliste vieler Yogalehrerausbildungen steht. Es ist die Bhagavad Gita (Gesang Gottes) für 8,90 Euro von Jack Hawley, einem amerikanischen Unternehmensberater, Indien- und Yogaliebhaber, der die Geschichte nicht in Versen, sondern in einer leicht verständlichen Prosa nacherzählt. Michi Kern, der Herausgeber des Yoga Journal, schrieb einmal über diese Ausgabe: 'Mein Sanskrit-Lehrer rümpft zwar die Nase, aber ich empfehle es gern, weil das Buch an einem Nachmittag gelesen werden kann.' Er habe es drei Mal gelesen, in der Versversion dagegen sei er jedes Mal stecken geblieben. An einem Nachmittag habe ich es zwar nicht geschafft, aber als Bettlektüre liest es sich tatsächlich leicht und bekömmlich.

Der zentrale Gedanke lautet: Handle nach deinem Dharma, aber bleibe innerlich unbeteiligt! Verankere dich in Gott! So verstrickst du dich nicht in weltliche Zwänge, sondern befreist dich vom Kreislauf aus Tod und Wiedergeburt. Das Dharma besteht bei Arjuna als Angehöriger der Kshatriya-Kaste (der Kaste der Krieger), in der Pflicht, für sein Volk zu kämpfen und den Feind zu töten. Dass Krishna an anderer Stelle die Gewaltlosigkeit empfiehlt, ist einer der bereits angedeuteten Widersprüche dieses Textes. Dass Jack Hawley aber im Vers 35, 'Kapitel' 6 (in den Versausgaben, heißen die 18 Kapitel eigentlich 'Gesänge') auch die 'vier Säulen der Meditation' einführt und dabei die Begriffe Abhyasa und Vairagya verwendet, ist ein Alleingang des Amerikaners. Die Notwendigkeit, regelmäßiges Üben (Abhayasa) und Loslassen (Vairagya) in der Waage zu halten, kenne ich als zentralen Gedanken aus dem Yogasutra von Patanjali. Im gleichen Vers betont Hawley auch die Bedeutung von Buddhi, dem Unterscheidungsvermögen und Shradda, dem hingebungsvolle Glauben an den Erfolg des Übens. Wo die Bhagavad Gita ohnehin schon zwischen Vedanta, Samkhya,
Buddhismus und Hinduismus - salopp gesagt - hin und her eiert, machen es solche nachträglichen Ergänzungen nicht leichter.

Für den schnellen und kostengünstigen Gegencheck während der Hawley-Lektüre kann man sich für 3,60 Euro das Reclam-Bändchen Bhagavadgita griffparat halten. Darin lautet Vers 35: 'Wohl ist, o Held, zu zügeln schwer/Der 'Herzens' Vielbeweglichkeit/Doch bannet es, o Kunti's Sohn/Die Übung und Besonnenheit.' Das klingt sehr anders! Doch mag man über diesen Unterschied großzügig hinwegsehen. Irgendwie ist ja Ähnliches gemeint. Außerdem sind Sutra und Gita ungefähr zur gleichen Zeit entstanden, nämlich zwischen 200 vor und 200 nach Christi Geburt. Doch Hawley bringt dann auch die Kundalini ins Spiel (Kapitel 10, Vers 28): 'Von den Schlangen bin ich Vasuki, der Schlangengott, Symbol der Kundalini, des zusammengerollten kosmischen Energiespeichers in jedem Menschen.' Das verfälscht das Bild von Urtext und Yogageschichte ordentlich. Das Konzept der Kundalini übernahm Yoga erst rund tausend Jahre später aus dem Tantra. In der Reclamübersetzung heißt der Vers: '(Bin von den Kühen Surabhi/Als Zeugungskraft der Liebesgott) /Und von den Schlangen Vasuki.' Hawleys Nacherzählung erleichtert also den Einstieg. Um den Text dann aber richtig kennenzulernen, gibt es für Profis bessere Ausgaben.

Auf die Reclam-Ausgabe trifft das leider nicht zu, auch wenn es gut ist, sie da zu haben. Sie ist eben schön handlich, wurde von einem verdienten Indologen, Helmuth von Glasenapp (1891 - 1963) herausgegeben und kurz kommentiert. Aber die Übersetzung ist eher altmodisch, eine 1955 aktualisierte Fassung von 1870. An manchen Stellen erinnert die Sprache an die Art, wie die Starwars-Figur Yoda spricht. Von Glasenapp entschuldigt sich in der Einleitung auch ein bisschen: 'Ungeachtet mancher Schwächen wird die Wiedergabe dem Leser eine zureichende Vorstellung von dem Original vermitteln können, mag auch die Treffsicherheit des Ausdrucks und der Hauch des Weihevollen, die dem Urtext eigen sind, sich in unsere Sprache nicht voll herübertragen lassen.' Die Gefahr, bei der Lektüre dieser Ausgabe immer wieder steckenzubleiben, wie Michi Kern schreibt, ist nicht zu unterschätzen.

Stattdessen empfehle ich Profis eine Ausgabe, die auf zeitgemäße Art vom Sanskrit ins Deutsche übersetzt wurde: die Bhagavad Gita (Gesang des Erhabenen) vom Verlag der Weltreligionen (der wiederum zum Suhrkamp-Verlag gehört). Die Übersetzung und einen fast 300 Seiten langen, aber sehr aufschlussreichen Kommentar samt Glossar stammen von Michael von Brück, Jahrgang 1949, Religionswissenschaftler an der LMU München und Experte für Buddhismus, Hinduismus und interreligiösem Dialog. Diese Textversion ist zwar wie das Original in Versen aufgeschrieben, doch lesen diese sich deutlich flüssiger und schöner als die Reclam-Version. Da lohnt sich zumindest die Lektüre des elften Gesang, dem dramatischen Höhepunkt des Werks. Darin zeigt Krishna Arjuna sein wahres Antlitz und erscheint dabei so schaurig schön, so groß, erhaben, vielgestaltig, freundlich und furchterregend wie das Leben selbst, so dass Arjuna erst staunt, dann entsetzt bittet, der Wagenlenker möge sich in seine Menschengestalt zurückverwandeln.

Diese Ausgabe nimmt man auch wie ein Nachschlagewerk gern in die Hand; man muss die Versversion nicht in einem Ruck durchlesen. Die Erläuterungen bieten Wissen auf verlässlicher wissenschaftlicher Grundlage. Interessant zum Beispiel sind die Erläuterungen des Religionswissenschaftlers zum Begriff des Brahman. Im Unterschied zum Yogasutra ist die Bhagavad Gita eher ein religiöses Werk. Die Verankerung in Brahman (den viele grob mit 'Gott' gleichsetzen) ist eine eindeutige Aufforderung des göttlichen Avatars Krishna, um sich vom Weltlichen zu lösen. Von Brück bietet hier eine fast naturwissenschaftliche Lesart an: Brahman sei eine Art gegenseitige Anziehungskraft. 'Das brahman hält die Welt im Innersten zusammen." Und weiter unten: 'Diese Kraft, diese Urenergie ist nicht nur in jedem einzelnen Atom, sondern als innerer Kern der Wirklichkeit ist es auch der Kern, das innere Selbst, jedes einzelnen Menschen. Der Begriff dafür ist atman, ein Selbst, das den verschiedenen individuellen Ausformungen, den Menschen also, zugrunde liegt." Das erinnert an Quantenphysik als Lebensphilosophie. Brahman und Atman sind aber Begriffe aus dem Vedanta, der damals schon traditionellen, nondualistischen Philosophie des Vedanta. In die Bhagavad Gita flossen aber auch Konzepte der dualistischen Philosophie des Samkhya, auf der auch das Yogasutra aufbaut. Und von Brück zeigt sogar die Einflüsse des Buddhismus auf ' ein drittes Konzept im Kosmos der Gita. Was denn nun ' ist die Wirklichkeit dualistisch oder nondualistisch? Das muss ein moderner Yogi selbst entscheiden. Christen kennen das schon aus der Bibel, wo die Friedensbotschaft im selben Buch steht wie das alttestamentarische 'Auge-um-Auge'Prinzip' des Alten Testaments. Und wer eher auf die Wissenschaft hört, muss sich im Widerstreit vieler Theorien für diejenige entscheiden, die ihn intuitiv am meisten überzeugt.

Regeln wie Pflicht zum Töten und Pflicht zur Gewaltfreiheit könnten je nach Situation gelten, bietet von Brück als Umgang mit den Widersprüchen der Gita an. Hinter vordergründigen Widersprüchen stünde eventuell eine eigene Logik. 'Nicht, dass Indien nicht auch eine Logik entwickelt hätte, die den Satz vom Widerspruch kennt. Aber der Geltungsbereich dieser formal logischen Regel ist begrenzt, da alles Formulierte nur Ausdruck eines dahinterliegenden Gesetzes ist.' Die Praxis kann helfen, diese Gegensätze nebeneinander stehen zu lassen, von Anstrengung und Gelassenheit bei der perfekten Ausführung eines Asana etwa. Man spürt das Zusammen-Spiel der Gegensätze im Herzen. Und teilt es mit den anderen Spürenden durch ein Lächeln.


Kundalini Yoga - Teil 2: Wirbelsäule
Kundalini Yoga - Teil 2: Wirbelsäule
DVD ~ Satya Singh
Preis: EUR 5,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen DVD: Kundalini-Yoga mit Satya Singh, 12. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Kundalini Yoga - Teil 2: Wirbelsäule (DVD)
Kundalini-Yoga? Sind das nicht weiß gekleidete Menschen, die mit Turban oder Haardutt auf Schafsfellen üben? Richtig! Das Übungssystem funktioniert für viele Yogis im Westen hervorragend. Unter ihren Lehrern findet man einige weise, humorvolle Persönlichkeiten. Deutschlands bekanntester Kundalini-Lehrer Satya Singh hat eine neue DVD veröffentlicht.

Im Gegensatz zur modernen Aufmachung des Covers, erfüllen die Darstellungen der DVD ' zumindest optisch ' alle eingangs erwähnten Klischees. Nach den üblichen Copyright und Warnhinweisen tritt Satya Singh mit Turban, Rauschebart und auf einem Schaffell sitzend ins Bild und gibt mit seinem holländischem Akzent eine kurze Einführung. Satya Singh unterrichtet und studiert Kundalini-Yoga seit 1974 und wurde noch von Inder Yogi Bhajan ' der den Kundalini-Yoga Ende der 60er Jahre im Westen einführte - persönlich ausgebildet.

Die erste Folge der 3-teiligen DVD-Reihe ist unter dem Titel 'Entspannung' im April dieses Jahres erschienen. Folge 2 'Wirbelsäule' kommt Ende Mai 2011 auf den Markt und Folge 3 'Schwangerschaft' im Juni. Die erste Folge nimmt uns mit auf eine Reise durch die Chakren (die Energiefelder im Körper). Wie in einer klassischen Kundalini-Yogastunde folgt auf die Einstimmung eine Phase von dynamischen, statischen oder entspannenden Übungen, die in eine Tiefenentspannung übergeht und mit einer Meditation ausklingt.

Vom Becken (dem Sitz des Muladhara Chakras) bis zum Scheitel (Ort des Sahasrara-Chakra) führt Satya Singh in Kombination mit geführtem Atemübungen, Verwendung von Mantren (Meditationsworten), Mudras (Handhaltungen) und Visualisationen durch die DVD - und die Wirbelsäule. Die Übungen sind abwechslungsreich und werden von einfachen Instrumentalklängen begleitet. Der Fokus liegt abwechselnd auf Anspannung, Entspannung oder Konzentration. Alles ist einfach nach- und mitzumachen, die Übungen sind zwischen drei und fünf Minuten lang und können mit fortschreitender Praxis auch länger ausgeführt beziehungweise gehalten werden.

In Folge Zwei steht die Wirbelsäule im Zentrum der Praxis. Nach Satya Singh soll durch das Üben nicht nur die Muskulatur der Wirbelsäule gekräftigt und beweglich gehalten werden, sondern auch die nach yogischer Wissenschaft entlang der Wirbelsäule fließenden Energien der drei Hauptkanäle Ida, Pingala und Sushumna-Nadi ins Gleichgewicht gebracht werden.

Die DVD ist in die drei großen Abschnitte unterer, mittlerer und oberer Rücken gegliedert. Der untere Rücken stellt gemäß des Kundalini-Yoga die Wurzel des Lebensbaums dar. Hier werden die lebensspendenden Energien aufgenommen und nach oben gebracht. Der mittlere Rücken gilt als Stamm des Lebensbaumes, steht symbolisch für Stolz und Selbstbewusstsein und ist zuständig für eine gerade aufrechte Haltung. Der obere Rücken entspricht der Krone des Baumes und trägt Schultern, Kopf und Nacken. Die Übungen zu den drei Abschnitten des Rückens sind deutlich dynamischer als die Übungen der Enspannungs-DVD, werden aber ähnlich lang ausgeführt.

Nach der Praxis folgt eine geleitete Tiefenentspannung durch die Wirbelsäule zur Belebung und Kräftigung. Die DVD endet mit einer gesungenen Meditation, die in Kombination mit Mantren und Mudras ausgeführt wird. Insgesamt ist sie mit 58 Minuten Spiellänge ein wenig kürzer als Folge 1.

Lässt man die auf den ersten Blick alle Klischees erfüllenden Protagonisten und die technische und grafische nicht sehr elegant wirkende Aufmachung außen vor und lässt sich ganz auf das Üben ein, dann ist die wohltuende Wirkung schnell erfahrbar. Die DVD's eignen sich auch für Neueinsteiger und. weniger flexible oder sportliche Yogis. Obwohl die Übungen sehr einfach erscheinen, haben sie einen tief gehenden energetischen Effekt. Es wird empfohlen, die jeweiligen Abfolgen über einen Zeitraum von 40 Tagen täglich zu praktizieren, damit die Wirkungen sich ganz entfalten können.

Fazit: Im Gegensatz zu manchen ' fast schon poppig aufgemachten ' Kundalini DVD's, die auf dem Markt sind, bleibt es bei Satya Singh schlicht und somit entspannt. Die bereits erschienene Folge 1 ist 70 Minuten lang und enthält ein 10seitiges Booklet. Um es mit einem dem Kundalini-Yoga angelehnten Mudra auszudrücken: Daumen hoch für Folge 1 und 2!


Heilende Klänge des Veda: Mantras zur Entspannung und Meditation
Heilende Klänge des Veda: Mantras zur Entspannung und Meditation
von Anjali Sriram
  Broschiert
Preis: EUR 16,95

7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Auf die traditionelle Art: Yogasutra auf CD, 12. November 2011
Die Weisheit des Yoga wurde Jahrhunderte lang nur mündlich überliefert, auch die Sutren des Patanjali. Die prägen sich besser ein, wenn man sie in einer bestimmten Melodie rezitiert. Es gibt sie auf CD, seit kurzem auch von einem der besten Sutra-Kenner in Deutschland: Sriram.

In seinen Workshops spricht er nicht wie ein gewöhnlicher Akademiker über den Grundlagen-Text des klassisch-philosophischen Yoga. Er scheint all dessen 195 Sätze präsent zu haben. Er spricht am Flip-Chart über das komplizierte System der Bezüge zwischen den Sutren, mit Viereckchen, Punkten und Pfeilen. Dabei schließt er von Zeit zu Zeit kurz die Augen, ruft sich das passende Sutra mit diesem wunderbaren Sing-Sang in Erinnerung, als wären sie Zauberformeln. Für die Zuhörer übersetzt er sie dann und baut so in ihrem Herzen Stein für Stein das Lehrgebäude des Patanjali auf.

Es gehört auch zu den Ritualen eines solchen Yogasutra-Workshops, dass Sriram die Inhalte des Textes in Paketen von drei bis fünf Lehrsätzen vermittelt. Bevor er sie erkärt, bittet er die Teilnehmer, eine aufrechte Position einzunehmen, die Augen zu schließen und ruhig und tief zu atmen. Dann singt er diese Laute vor, die keiner der Anwesenden auch nur annähernd versteht. Es ist eine Art Meditation: aufmerksam hören, dann aufmerksam Lippen und Zunge bewegen, um diese Laute nachzuformen. Immer und immer wieder. Die Faszination an diesen Zauberformeln in dieser wohl ältesten aller Gelehrtensprache der Menschheit ist ansteckend. Und schließlich möchte man sie mit nach Hause nehmen.

Schön dass es diese CD seit August vergangenen Jahres gibt. Sriram spricht darauf die Anrufung des Patanjali und dann jedes Sutra der vier Kapitel. Seine Stimme hallt, im Hintergrund spielt ein Harmonium. Dadurch entsteht eine gewisse Feierlichkeit, der man sich auch hingeben kann, auch ohne dass der Intellekt Wort für Wort übersetzt.

Sriram gehört für viele Yogis hierzulande zu den besten Kennern des Yogasutra. Er wurde 1954 in eine Brahmanen-Famlie geboren und studierte viele Jahre bei T.K.V. Desikachar Yogapraxis und die klassischen Schriften studiert. Seit 1987 lebt er in Deutschland, reist aber immer wieder für Studien nach Indien. Seine Übersetzung des Yogasutra von Patanjali gehört zu den meistgekauften Sutra-Fassungen in Deutschland.


Hands on Yoga: Anleitung zu präzisen Hilfestellungen in der Yogaasana
Hands on Yoga: Anleitung zu präzisen Hilfestellungen in der Yogaasana
von Nadezhda Georgieva
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 34,95

24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Berühren erwünscht: Buch über Hands-on im Yoga, 12. November 2011
'Hands on' nennt man die Hilfestellungen, wenn der Yogalehrende am Schüler Hand anlegt. Dabei geht es nicht immer um Korrektur einer falschen Ausführung. Der Lehrer kann so auch das Erlebnis des Asanas intensiver machen. Yogalehrerin und Grafikdesignerin Nadezhda Georgieva hat dazu ein übersichtliches Buch im peppigen Design entwickelt.

Es gibt immer mehrere Arten, zu helfen. Hier sprechen die Zahlen des Buches 'Hands on Yoga' eine eindeutige Sprache: Rund 500 Hilfestellungen für knapp 160 Yogahaltungen (Asanas) ' das sind im Schnitt mindestens drei verschiedene Arten, die Schüler händisch zu unterstützen oder die Asanas an ihre Körper anzupassen. 'Hands on', 'Assists' oder 'Adjustmets', diese englischen Begriffe meinen am Ende das Gleiche: die in den modernen Yogastilen üblich gewordene Handarbeit der Yogalehrenden, die sehr nützlich und wohltuend sein kann ' sofern sie sachkundig und achtsam ausgeführt wird.

Bilder erklären hier direkter und besser als viele Worte. Deshalb hat das Buch 527 Abbildungen ' die Druckkosten haben sicherlich zum nicht ganz günstigen Preis von knapp 35 Euro geführt hat. Aber die farbigen, anschaulichen Darstellungen jedes Asana und seiner Variationen zeichnen das Buch aus. Grafische Elemente erläutern in den Fotos die Aktionsbereiche und -aktivitäten, wie 'Druckpunkt' (doppelter Kreis), 'Rotation' (rotierender Pfeil), 'Auseinanderziehen' (Kreis mit Richtungspfeilen) oder 'Ausrichten' (zwei Kreise mit Ausrichtungspfeilen) am Körper des Schülers visualisieren. So sieht und lernt man zum Beispiel, wie man im Herabschauenden Hund (Adho Mukha Svanasana) die Oberarme des Schülers nach aussen rotiert, damit die Ellenbogen nach hinten zeigen oder wie man in der sitzenden Vorbeuge (Pashimottanasana) das Becken fixiert und mit den Händen die Oberschenkel des Schülers berührt, Druck nach unten ausübt und den Oberschenkel nach innen rotiert.

Die Autorin entschied sich für eine Einteilung in folgende Rubriken: Berghaltung, Grundhaltungen, Hund & Drehen, Vorbeugen & Drehungen, Drehungen, Stehende Asanas, Zentrum, Armbalancen, Umkehrhaltungen, Sonnengruß, Rückbeugen, Spagat und Entspannung. Zusätzlich werden verschiedene Atemtechniken vorgestellt und erklärt. Die gebürtige Bulgarin profitierte in ihrer Yogapraxis selbst stark von den Assists und war von den Fortschritten so begeistert, dass in ihr nicht nur der Wunsch entstand, selbst 'Hands On' in Yogastunden weiterzugeben, sondern ebenso das Wissen kompakt und strukturiert in Form eines Buches mit Anderen zu teilen.

Es macht Spaß, sich das Buch und die Fotos anzuschauen. Man erahnt durch die vielen Details, wie viel Herzblut und Leidenschaft für Yoga in dieses Buch floss. Das Layout ist für ein Yogabuch sehr modern. Davon sollte sich ein eher traditionell eingestellter Yogi aber nicht abschrecken lassen. Bei aller Modernität und Buntheit, der Fokus bleibt immer beim Thema und die Darstellungen sind wirklich gut, übersichtlich und variantenreich. Allerdings wäre es schön gewesen, wenn sich die Lesbarkeit der Kapiteltexte gegen das Layout etwas mehr hätte durchsetzen können. Die Texte sind konstant in Groß- bzw. Kapitälchenschrift gehalten und verlieren mit zunehmender Textlänge an Kraft.

Fazit: Eine sehr umfassende und bildhafte Aufbereitung von Hilfestellungen, die die Yogapraxis präzisieren und erfahrbarer werden lassen können. Nicht nur für Yogalehrende in Praxis und Ausbildung geeignet, sondern auch für jeden interessierten Yogi und Yogini, um die eigene Asanapraxis zu verfeinern. Anregung für die zweite Auflage: Um die einzelnen Asanas schneller auzufinden, wäre eine alphabetische Asana-Inhaltsübersicht am Ende des Buches sehr praktisch.


Männeryoga: Das Powerprogramm für Körper, Geist und Seele
Männeryoga: Das Powerprogramm für Körper, Geist und Seele
von Dirk Bennewitz
  Taschenbuch
Preis: EUR 17,99

30 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Männer Yoga': Workout, und keinen Streit anfangen!, 10. März 2011
Für alle, die noch nicht wissen, wer Dirk Bennewitz ist: Das ist der, der sich gern in schwarzer Bodyguard-Montur in Yogahaltungen vor vollgesprayten Wänden und mit Taschenlampe und Funkgerät in Reichweite fotografieren lässt. Da ich weniger der Personenschützer-, sondern eher der Artikelschreiber-Typ bin, machten mich diese Medieninszenierungen immer etwas ratlos. Man stelle sich das Buch 'Männer-Yoga' nur so zum Spaß einmal in den Händen eines yogischen Feingeists wie Sriram vor! Allerdings versucht Dirk Bennewitz einen bestimmten männlichen Typ von Mann eben dort abzuholen, wo der sich halt befindet. Er geht dabei mit gewissem Augenzwinkern vor und schon nach dem ersten Reinblättern verstand ich: Einer muss den Job ja machen ' wer, wenn nicht Dirk Bennewitz? 'Yoga ist das beste Workout und Gesundheitstraining, das ich kenne, und zwar für alle Menschen', schreibt er, unter einem Zitat von Goethe, das da lautet: 'Man kann nicht immer ein Held sein, aber man kann immer ein Mann sein.' Das sind eigentlich die Hauptbotschaften dieses Buches ' neben den vielen bunt bebilderten, klar und knapp erläuterten Übungen natürlich.

Um den Ansatz des Autors zu versehen, liest man das Buch am besten von hinten her. Denn erst im letzten Kapitel stellt er sich kurz vor. Artikelschreiber-Typ hin, Personenschützer-Typ her: Der Mann weiß ganz klar, woher er kommt, wofür er steht, und wofür nicht. Sein Vater übte schon mit klein Dirk Aikido. Und er wirft heute noch mit seinem silbernen Haar und Brille den großen Dirk auf die Matten des Privatdojo der Familie, wie man auf einem Foto sieht. Bennewitz ist die Kampfkunst also in die Wiege gelegt worden, er hat sogar eine eigene Selbstverteidigungstechnik entwickelt: Instinctive Survival, eine Mischung aus Aikido und der israelischen Nahkampfmethode Krav Maga. Er ist Inhaber einer Personenschützer-Firma und öfter mit Promis auf Tour, darunter Roger Cicero, der ihm ein Vorwort schrieb. Dirk Bennewitz eröffnete außerdem mit seiner Freundin Qbi diese beiden Yogastudios, in denen der Stil Power-Yoga von Bryan Kest unterrichtet wird, der ihm das zweite Vorwort schrieb.

Bei Bryan Kest geht wie bei Dirk Bennewitz Streetcredibility und gesunder Menschenverstand vor Schriftgelehrtentum. Beide weigern sich, die ordentlichen Sanskritbezeichnungen zu verwenden. In den Übungsanleitungen wird Ardha Matsyendrasana zum 'Korkenzieher', Utkatasana zum 'Blitz' und Savasana ist für Dirk Bennewitz die 'K.o.-Haltung" ' daran darf man sich nicht stören. Es zählt, was funktioniert. Auch Vergleiche mit Autos und Automatikgetrieben oder Architektur werden bemüht: 'Tensegrity' zum Beispiel, ein Kunstwort aus Tension (Spannung) und Integrity (Ganzheit) steht in der Baukunst für Strukturen, die durch Belastung stärker werden und doch flexibel bleiben ' so arbeitet auch der Körper des Yogi. Und falls ein Mann nicht wisse, wo sein Beckenboden ist: Wenn er gegen einen Zaun pinkle und plötzlich merke, dass der elektrisch geladen sei, dann sei der Muskel, der dann ganz schnell aktiv werde, der Beckenboden. Noch Fragen?

In den Erklärungen zu den Übungen geht es dem Autoren nicht nur um Kraft. Yoga, und besonders die Atemübungen, machen einen auch ruhig. Damit man ihm das glaubt, greift er in sein Nähkästchen: 'Wenn wir irgendwo eine Schlägerei beendet haben, meistens mit viel Körpereinsatz, fuhr der Adrenalinspiegel hoch. Man spürt dann kaum Schmerzen und ist hyperaufmerksam. nach ein paar Minuten ebbt das Adrenalin wieder ab, die Knie fangen an zu zittern und die Stimme wird ganz hoch. Es ist so ähnlich, wie wenn Schocksymptome abklingen. Ich habe mir dann immer zwei Minuten Auszeit genommen und extrem langsam und tief geatmet. Das hat das vegetative Nervensystem beruhigt und ich konnte weitermachen. Das tue ich auch heute noch, um Aufregung zu verhindern, zum Beispiel wenn ich mit Klienten in Moskau in einem Club stehe, alles kompliziert ist, man die Sprache nicht richtig versteht und sich nicht erinnern kann, hinter welchem Notausgang die Limousine denn nun geparkt ist." Feierabend heißt für den Personenschützer konsequenterweise auch: Frieden. Kein Stress, weder mit sich selbst noch mit Mitmenschen. Deshalb rät er in seiner sympathisch schnörkellosen und anwendungsorientierten Tonlage auch: 'Der Schlüssel zu einem gesunden Leben liegt in der Ausgewogenheit. Kraft und Flexibilität, natürliches Essen und möglichst wenig Alltagsgifte, nett sein im Straßenverkehr und keinen Streit mit den Nachbarn anfangen.'

In dieser unprätentiösen Art führt der Autor in die Grundlagen des Yoga als Workout und Charakterschule ein. Der richtige Stand, Atem und Ernährung erhalten eigene Kapitel. Den größten Teil jedoch nehmen bebilderte Übungsfolgen ein, die auch Anfänger meistern können. Etwas unvermittelt schließt sich daran auch ein Kata, also eine festgelegte Bewegungsfolge aus einer Kampfkunst, an. Dadurch wird allerdings klar, dass es in diesem Land auch einen großen Erfahrungsschatz in dieser Hinsicht gibt. Er bereichert Yoga durchaus. Lesern mit diesen Interessen kann das Buch Yoga schmackhaft machen ' genauso wie es mich als Yogi ermutigt, Wissen aus der Kampfkunst ins Yoga zu integrieren.

Till Schröder, verantwortlicher Redakteur yogaservice.de
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 29, 2015 11:07 AM CET


Die Kunst stillzusitzen: Ein Skeptiker auf der Suche nach Gesundheit und Heilung
Die Kunst stillzusitzen: Ein Skeptiker auf der Suche nach Gesundheit und Heilung
von Tim Parks
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Buchtipp: Die Kunst stillzusitzen, 21. Februar 2011
Der britische Autor Tim Parks hätte früher nicht im Traum daran gedacht, dass er einmal ein Buch über sich selbst und dann auch noch über seine Krankheit schreiben würde. Aber genau so kam es. 'Die Kunst stillzusitzen. Ein Skeptiker auf der Suche nach Gesundheit und Heilung' ist eine wunderbare und kitschfreie Reise zu einem entspannteren Sein.

Tim Parks ist um die 50 und lebt mit seiner Familie in Italien. Den Harvard-Absolventen kennt man eigentlich als erfolgreichen Sachbuchautor und Romancier, er ist der Autor von beispielsweise 'Italienische Verhältnisse' (1990) und 'Mimis Vermächtnis' (1995). 'Die Kunst stillzusitzen' allerdings ist eine wahre Geschichte, seine eigene. Er litt seit längerer Zeit unter undefinierbaren Schmerzen, vor allem im unteren Bauch. Das ist die Ausgangssituation seines Erfahrungsberichts. Parks unterzieht sich einer Reihe von Untersuchungen und setzt sich mit Ängsten vor chronischen Krankheiten und Krebs auseinander. Doch die Ärzte können nichts finden.

'Woher kommen diese Schmerzen?', fragt sich Parks und verbringt die wegen seiner Schlafstörungen durchwachten Nächte mit Internet-Recherchen. Irgendwann trifft er auf alternative Methoden und Ansätze. Das zuzugeben, fällt ihm ' dem Skeptiker gegenüber diesem Genre ' zunächst nicht leicht. Aber seine Bereitschaft verändert sich in den Monaten des Unwohlseins. Eines Tages sitzt er dann doch während eines Kongresses in Indien vor einem ayurvedischen Arzt, beginnt New-Age-Bücher zu lesen, versucht sich in QiGong und nimmt an einem Vipassana-Meditations-Retreat teil. Mosaikstein für Mosaikstein setzt sich das Bild für Gesundheit und Heilung zusammen.

Erste Linderung findet er mit Hilfe eines Buches. Stillsitzen lautet die Empfehlung, und atmen. Der Weg zur Stille ist mühsam für Parks, denn als Autor und Übersetzer lebt er von der Bewegung der Wörter. Diese muss er lernen, loszulassen, um ganz still zu werden. Rückblickend stellt er fest, das er sich über Jahre kontinuierlich in unbewusster Anspannung befand: Sei es im Schreibtischstuhl für seine Projekte oder bei den vermeintlich ausgleichenden Freizeitaktivitäten wie Joggen oder Wildwasserrafting, die er stets mit Wettbewerbscharakter erfüllte.

Parks beschreibt seine Erfahrungen: 'Ich saß still. Ich atmete. Am Anfang war das ermüdend, ziemlich schmerzhaft und ohne unmittelbare Wirkung. Aber mit der Zeit wurde es so aufregend und bescherte mir so enorme körperliche und geistige Veränderungen, dass ich anfing, meine Krankheit als Glücksfall zu betrachten.'

Er lernt immer mehr, im Einklang mit seinem Körper zu leben und diesen nicht wie ein Projekt zu "managen".

Fazit: Der Autor liebt den Umgang mit Worten und kann geschliffen formulieren, dazu ist er ein kluger Skeptiker. Gerade das macht seine Erfahrung bei der Grenzüberschreitung ins Reich der wortlosen Stille so spannend. Das Buch zeigt einmal mehr, dass Meditieren längst nicht mehr 'eso' ist. Absolut empfehlenswert!


Yoga als Medizin: Nie wieder Zähneknirschen
Yoga als Medizin: Nie wieder Zähneknirschen
von Christiane Keller-Krische
  Taschenbuch
Preis: EUR 22,95

33 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Buch: Yoga gegen Zähneknirschen, 21. Februar 2011
Jeder zehnte Deutsche knirscht oder mahlt nachts mit den Zähnen. Die Zahnärzte verschreiben hier Beißschienen. Diese, so hört und liest man oft, stören aber beim Schlafen ' und verbringen deshalb meistens die Nacht auf dem Nachtisch. Da verspricht Yoga schon mehr, vor allem wenn der Titel eines Yogabuches 'Nie wieder Zähneknirschen' lautet.

Beliebte Redewendungen sprechen schon Bände: 'Man muss sich halt durchbeißen; Zähne zusammen und durch; da musst du Biss zeigen und manchmal eben auch zähneknirschend den Ärger runterschlucken." Das Problem ist nicht neu, jeder weiß oder ahnt zumindest, wo die wahren Ursachen für das Zähneknirschen liegen: Stress, Sorgen oder der Druck, den wir uns aus irgendwelchen Gründen selbst machen. Der Auslöser ist die Seele, die Leidtragenden dagegen sind die Kiefergelenke und die unwiederbringlich abgeschliffenen, schönen Zähne. Die Seele zur Ruhe kommen zu lassen ist, bringt auch das Zähneknirschen zum Stillstand, und das ist ja sozusagen die Kernkompetenz von Yoga. Der Ansatz hier ist bewährt: Nicht nur die Psyche hat Einfluss auf Haltung und Verhalten des Körpers; sondern umgekehrt kann auch der Körper mit den richtigen Bewegungen die Psyche wieder einrenken.

Gestresse 'gehen auf dem Zahnfleisch', Gesunde dagegen auf ihren Füßen. Ausgehend davon beginnt die erste Übung in dem Buch 'Yoga als Medizin ' Nie wieder Zähneknirschen' auch nicht beim Kiefergelenk, sondern bei den Fußsohlen. Denn die Autorin, die Yogalehrerin und Heilpraktikerin Christiane Keller-Krische, geht davon aus, dass 'im Körper alles mit allem verbunden' ist und lehnt dagegen das 'Dawos-Prinzip' ab: Heilung nur 'da wo's' wehtut.

So liegt der Übende also in der ersten Übung im Savasana auf dem Rücken und spürt seinen Körper. Seine Aufmerksamkeit wandert von den Sohlen und Zehen langsam hoch bis zu den Stellen, die rund um die malmenden Bewegungen liegen: Nacken, Schultern, Kiefermuskeln. Dort wird die Zunge zum Hauptakteur für die folgenden Übungen. Sie macht Rückbeugen und Vorbeugen, ihre Spitze tastet die Zähne auch an Stellen ab, die sie gar nicht so leicht erreicht. Spürt man nach diesen Bemühungen nach, stellt man tatsächlich eine schöne Lockerung in der Mundhöhle fest. Es entsteht heilsames Bewusstsein für den Kieferbereich.

Anspannungen schlagen sich meist in den Schultern nieder; wir wollen alles mit den Schultern halten. Deshalb lockert die Autorin in anderen, teils nur wenige Minuten kurzen Übungen die Schulter- und Nackenmuskulatur im Stehen und lenkt die Aufmerksamkeit dann auf den Stand. So erdet sie buchstäblich den Körper, auch das lockert den Kiefer. Eine Übung dagegen setzt tatsächlich direkt am Ort des Geschehens ein: Der Übende führt seinen Unterkiefer gaaanz langsam nach vorne, bis die unteren Zähne auf Höhe der Schneidezähne schweben. Dabei beginnt ' laut Anleitung ' bei den meisten Übenden der Unterkiefer zu zittern, wodurch die Kiefermuskeln sanft ausgeschüttelt werden. Bei mir hat sich dieses Zittern leider nicht eingestellt. Aber ich bleibe dran, vielleicht kommt es ja noch.

Das Buch erläutert auf seinen 120 Seiten nur relativ kurz die Ursachen für Zähneknirschen. Das macht es attraktiv für diejenigen, die sich nicht lange mit Theorie aufhalten, sondern nur ungefähr wissen wollen, warum dieses Übungssystem ein gangbarer Weg gegen ihr Zähneknirschen sein könnte. Dann folgt die Beschreibung von rund 50 Übungen, zwölf davon hat ein Mann mit angenehmer Stimme auf eine entspannende, beiiegende CD gesprochen. Das Übungssystem beschränkt sich dabei nicht auf einen reinen Kiefer-Yoga, sondern vermittelt auch gängige Haltungen wie den Herabschauenden Hund und eine Art Sonnengruß.

Entspannung durch normalen Hatha-Yoga ist schon ein guter Schritt in die richtige Richtung, auch in Sachen Zähneknirschen. Trotzdem ist es keine Schande ' dies sei hier ehrlich gesagt ' wenn man nach fünf Jahren regelmäßiger, normaler Praxis bei Stress immer noch mit dem Kiefer malmt. Etwas mehr Erfolg verspricht es also, die ein oder andere Übung aus diesem Buch in seine Übungssequenzen einzubauen. Wenn der Zahnarzt dann trotzdem noch nicht Entwarnung gibt, ist vielleicht nicht Yoga schuld, sondern unter Umständen auch das Leben selbst. Gegen die Auswirkungen eines stressigen Lebenswandels können auch zwei, drei Yogaklassen pro Woche nicht zuverlässig schützen; selbstverständlich muss jeder immer wieder seine Einstellung zum Leben überprüfen. Christiane Keller-Krische hätte zu diesem Thema sicher auch längere Belehrungen hingekriegt, überließ das aber klugerweise Meistern, die dafür bekannt sind, dass sie das Wesentliche in ein oder zwei tiefe Sätze packen können, zum Beispiel Patanjali, Buddha oder die chinesische Volksweisheit. Keller-Krische zitiert aber auch westliche Dichter und Denker wie Mark Aurel, Henry Fielding oder Kurt Tucholsky; letzteren etwa mit dem schönen Hinweis: 'Das ärgerliche am Ärger ist, dass man sich schadet, ohne anderen zu nützen.' ' in diesem Fall vor allem seinen Kiefergelenken und Zähnen.
© Till Schröder


Yoga in der Schwangerschaft  (+ DVD) (GU Multimedia - P & F)
Yoga in der Schwangerschaft (+ DVD) (GU Multimedia - P & F)
von Patricia Thielemann-Kapell
  Taschenbuch
Preis: EUR 19,99

19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Buch mit DVD: Yoga in der Schwangerschaft, 21. Februar 2011
Für jede Frau beginnt mit einer Schwangerschaft ein neuer Lebensabschnitt. Unabhängig davon, wie viel Erfahrung man in seinem Leben bereits mit Yoga hatte, während der Schwangerschaft ist es wichtig, die Yogapraxis auf die Veränderungen von Körper und Hormonen anzupassen. Yogalehrerin Patricia Thielemann entwickelte gemeinsam mit dem GU Verlag ein Multi-Media-Paket für Schwangere, das seit Anfang Februar im Handel erhältlich ist.

Die Gründerin der Spirit Yoga Studios in Berlin, Patricia Thielemann-Kapell, setzt sich seit ihren eigenen Schwangerschaften intensiv mit Yoga während und nach der Schwangerschaft auseinander und gilt als eine der führenden Expertinnen und Ausbilderinnen in Deutschland.

Der 80-seitige Ratgeber beginnt mit einer Einführung in Yoga, der Übungspraxis, dem Schwangerschaftsverlauf und einem Appell an Frauen, mehr ihre Weiblichkeit zu leben. In der modernen Welt und vor allem im Job agieren Frauen aus dem Intellekt heraus. Einer Fähigkeit, die keine Erleichterung für die Schwangerschaft und Geburt bringt, sondern sogar sehr hinderlich sein kann. Während der Schwangerschaft und Geburt sei es wichtig, instinktiv und intuitiv zu sein, und das könne man über die Yogapraxis in der Schwangerschaft wieder stärker zu entfalten lernen, so Patricia Thielemann's Erfahrungen.

Die kommenden Kapitel sind in die sogenannten drei Schwangerschafts-Trimester gegliedert und bieten speziell auf das jeweilige Stadium zugeschnittene Übungsprogramme. Zusätzlich gibt Patricia Thielemann Hintergrundinformationen und Tipps für jeden Schwangerschaftsabschnitt und geht gezielt auf Beschwerden und deren Linderung ein.

Das erste Trimester bezieht sich auf die ersten 13 Wochen der Schwangerschaft. Die ausgewählten Atem- und Bewegungsübungen sollen dabei helfen, Energien zu sammeln, den Rücken zu entlasten und Verspannungen zu lösen. Gerade in dieser Phase sei es aber wichtig, eher weniger als mehr zu tun, behutsam mit sich umzugehen und einen liebevollen Umgang mit sich und dem heranwachsenden Kind zu kultivieren.

Mit den Übungen im zweiten Schwangerschaftsdrittel (14.-27. Woche) können Schwangere Kraft aufbauen. So werden verschiedene Standpositionen gezielt mit dem Atem kombiniert, um zu lernen, mit herausfordernden Momenten ' wie auch während der Wehen ' gelassen und hingebungsvoll umzugehen.

Ruhiger und entspannter werden die Übungen wieder im letzten Trimester (28.-40. Woche). Beckenkreisen, Katze / Kuh oder die Hocke sollen dabei helfen, den Rücken zu entlasten, aber auch mehr Raum zu schaffen.

Für das vorletzte Kapitel hat die Autorin Yoga- und Atemübungen ausgewählt, die man gemeinsam mit dem Partner praktizieren kann. Den Abschluss bilden eine kleine Auswahl an Übungen für die Zeit nach der Geburt sowie eine Auswahl an Büchern und Adressen für Schwangere.

Der Ratgeber ist ein kompakter und praktischer Begleiter für Schwangere, die gerne etwas für sich, ihren Körper und das in sich heranwachsende Kind tun möchten. Die Übungen sind detailliert beschrieben, mit farbigen Fotos und bewegten Bildern (DVD) dargestellt, können einfach gefolgt und praktiziert werden und eignen sich sowohl für Yogaanfänger und -fortgeschrittene. Es ist entweder möglich, die Übungen mit dem Buch aufzubauen oder sich ein Übungsprogramm aus der DVD auszuwählen. Die DVD beinhaltet zehn Mini- und drei Kombiprogramme, die von zwei Yogaschülerinnen demonstriert werden. Ein Model zeigt die 'reguläre' Übung, das andere eine Variation, zum Beispiel mit einem Stuhl als Unterstützung. So bietet sich bei Rückenbeschwerden die Auswahl zwischen einzelnen Übungen zwischen drei und sieben Minuten oder das komplette Programm mit 55minütiger Laufzeit an zu praktizieren.

Das Mediapaket kann auch eine Bereicherung für Yogalehrende sein, die über keine Fortbildung in diesem Bereich verfügen, im Unterricht aber immer wieder mit Schwangeren zu tun haben, als auch für Hebammen, die auf der Suche nach ausgewählten praktischen Übungen in ihrer Arbeit mit Schwangeren sind.


Besser leben mit Yoga: Das ganzheitliche Programm für zu Hause
Besser leben mit Yoga: Das ganzheitliche Programm für zu Hause
von Sivananda Yoga Vedanta Zentrum
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

45 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sivananda-Yoga: Handbuch für das Üben zuhause, 18. November 2010
Die Yogapraxis in einer Schule oder mit einem Lehrer empfiehlt sich, sie ist meist intensiver als der Solotanz in den eigenen vier Wänden. Doch leider fehlt manchmal der schnell erreichbare Yogaort des Vertrauens. Hier helfen Handbücher für die heimische Praxis. Auf dem Markt gibt es bessere und schlechtere ' das, was die deutschen Sivananda Vedanta Zentren Ende August herausgegeben haben, gehört zu den besseren.

Das Buch 'Besser leben mit Yoga' versteht sich als ganzheitliches Programm und bietet nach einer umfangreichen Einleitung eigene Kapital zu den fünf tragenden Säulen des Sivananda-Yogas: 'Richtiges Üben', 'Die richtige Atmung', 'Die richtige Entspannung', 'Positives Denken und Meditation' und 'Die richtige Ernährung'. Das 256-seitige Buch bleibt nicht an der Oberfläche, sondern entschlüsselt dem Leser ganz behutsam die gesundheitlichen Geheimnisse des Yogas. Dabei helfen vor allem die über 350 Farbfotografien und Abbildungen des neuen Titels aus dem Dorling Kindersley Verlag.

Wie bei einem guten Konzert der Soundcheck, ist beim praktischen Üben von Yogahaltungen (Asanas) das Wissen über die physiologischen Hintergründe im Körper unerlässlich. In der Rubrik 'Nutzen von Yoga' erfährt der Leser in anatomischen Zeichnungen, die in den Fotostrecken integriert sind, die Funktion des Herzkreislaufes, die Bewegungsabläufe der Muskeln, die korrekte Ausrichtung der Anatomie, die Atemabläufe, die Funktion des Verdauungssystems und des Nervensystems. Die Beschreibungen setzen sich sogar mit den hormonellen, sprich endokrinen Abläufen im Körper auseinander. Detailinfos und Schaubilder zur Arbeit der jeweiligen Muskelgruppen, Faszien, Wirbel oder Organe und kleine Infokästen erweitern den Horizont über die wichtigen Prozesse im Körper beim Üben und erinnern an das anerkannte Yoga Anatomie Buch von Leslie Kaminoff.

Auf über 120 Seiten werden die Grundpositionen der 'Rishikesh-Reihe', wie die Asana-Sequenzen in der Sivananda Tradition heißen, vorgestellt. Es gibt Variationsvorschläge für Anfänger, Mittelstufe und Fortgeschrittene. Zu dem jeweiligen körperlichen und mentalen Nutzen einer Asanas machen kleine Boxen auf gängige Fehlhaltungen aufmerksam. Geistig unterstützend wirken die Zitate von Swami Sivananda. Sie helfen bei einer klaren, fokussierten Ausrichtung in den eigenen vier Wänden.

Wer schon mal die Gelegenheit hatte, an einer offenen Sivananda Yogastunde teilzunehmen, erinnert sich sicherlich an die relativ starre Abfolge der zwölf Grundpositionen. Das Buch bietet mehr: Seite für Seite kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus. Die Rishikesh-Reihe ist gar nicht so starr wie gedacht. Zusätzlich gibt es auf drei Doppelseiten Übungsvorschläge für Anfänger, Mittelstufe und Fortgeschrittene. Man kann zwischen einem 20-, 40- oder 60 minütigen Programm wählen.

In alten yogischen Schriften wird gesagt, dass die Körperübungen nur eine Vorübung zur Erleuchtung sind, die Königsdisziplin sei die Meditation. Grundlegendes über dieses Thema erfahren wir in der Rubrik 'Positives Denken und Meditation'. Hilfreiche Tipps zur richtigen Sitzhaltung und verbesserten Konzentration führen den Leser stückweit näher zu der Stille im Inneren. Sehr nützlich für den modernen, oft hektischen, Lebensstil ist die Seite über Stressmanagement. Zusätzlich gibt es einen Jahreskalender mit positiven Monatsaffirmationen, die die Meditation als auch die Integration in den Alltag unterstützen können.

Je mehr man sich mit verschiedenen kontemplativen Wegen beschäftigt und mit Yoga auseinandersetzt, so landet man auch bei dem Thema Ernährung. Sivananda-Yoga empfiehlt eine vegetarischen Ernährung. Dem liegt zu Grunde, das Lebensmittel mehr Nährstoffe enthalten, die ihre Energie direkt vom Sonnenlicht erhalten. Ohne erhobenen Zeigefinger stellt das Buch eine lakto-vegetarische Pyramide vor und Tabellen, die die verschiedenen Nährstoffe und Lebensmittel in die drei Gunas einteilen, die aus dem Ayurveda bekannt sind (sattvisch, rajaisch, tamasisch). Zahlreiche Anregungen finden sich in den über 40 schmackhaften Rezepten. Wem diese Ernährungsweise zusagt, kann seine Ernährung, anhand eines gut gegliederten Sechs-Wochen-Plans, komplett auf eine yogische Ernährung umstellen.

Durch den logischen Aufbau des Buches eignet sich dieses sowohl für Anfänger als auch fortgeschrittene Praktizierende und kann ebenso eine Bereicherung für Schüler und Lehrende aus anderen Yoga-Traditionen sein.


Das Yogasutra: Von der Erkenntnis zur Befreiung
Das Yogasutra: Von der Erkenntnis zur Befreiung
von Patanjali
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

51 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Standardwerk: Yogasutra ' übertragen von Sriram, 18. November 2010
Das Yogasutra inspiriert uns, 'das meinende, denkende Selbst zu erforschen', ihm 'auf die Schliche zu kommen, um einen klaren Weg aus Schwierigkeiten zu finden', schreibt Sriram im Vorwort seiner Übertragung. Er ist einer der besten Kenner dieses Textes, nächstes Wochenende hält er darüber einen Workshop in Berlin ab.

Den Beginn der Traditionslinie des philosophischen Yoga setzt man gemeinhin mit den 195 Leitsätzen ('Sutren"') gleich, die Patanjali vor rund 2000 Jahren im Yogasutra niederschrieb. Eng geschrieben, passt das Destillat des Yogawissens jener Zeit auf eine Seite. Das Schöne an diesem Text ist: Ob der Leser und Anwender dabei an Gott glaubt oder nicht, spielt keine Rolle. Auch als Dogmen sind die Sutren schwer zu missbrauchen ' dafür lassen sie einen viel zu großen Interpretationsspielraum. Mehr noch: Ohne eigene, tiefe Erfahrung ist keiner der 195 Sätze wirklich zu verstehen. Salopp ausgedrückt ist das Yogasutra ein Lebensratgeber auf sehr, sehr hohem Niveau; eine auf Anwendung aufgebaute Philosophie.

Pantanjali stellt sachlich fest, dass es in der Natur des Menschen liegt zu leiden. Die Ursache liegt in den natürlichen Bewegungen des Citta, des Geistes oder in der Übersetzung von Sriram: 'meinenden Selbsts'. Patanjali erklärt, wie Bewegung und Leiden entstehen ' und liefert im folgenden das System, durch das der Mensch sein Inneres befrieden kann. Das zweite Sutra 'Yogah cittavritti-nirodhah" ist zugleich das berühmteste, es definiert Yoga. Anhand dieses Sutras lassen sich Übersetzungen auch gut vergleichen. Srirams Variante: 'Yoga ist der Zustand, in dem die Bewegungen des meinenden Selbst in eine dynamische Stille übergehen.' In diesem Zustand, so heißt es im darauf folgenden Sutra, ruht 'Drasta', das 'sehende Selbst', in der 'eigenen Form (und kann folglich erkannt werden).' Im Yoga geht es also um die Vermittlung des meinenden Selbst und dessen 'tiefsten sehenden Kern' (eben Drasta).

Dem Yogasutra liegt damit, weit vor dem offiziellen Beginn der philosophischen Moderne, eine zutiefst moderne Haltung zugrunde: Das Individuum kann sich selbst aus seiner geistigen Unmündigkeit befreien ' und damit auch selbst glücklich machen. Diese Grundhaltung entwickelte im Abendland erst ab der Aufklärung vor gut 200 Jahren Breitenwirkung. Heutzutage genießt das Yoga Sutra ein hohes Vertrauen. Und die Übertragung durch Sriram gehört zu den Beststellern unter den vielen deutschen Sutra-Kommentaren, die wir in lockerer Folge auf yogaservice.de vorstellen.

'Ich kenne niemanden in Deutschland, der mehr über die Yoga Sutren weiß als Sriram", sagt Patrick Broome, der selbst als ausgewiesener Kenner der Sutren gelten darf. R. Sriram stammt aus Chennai, Indien, wo er seit den 70er Jahren bei T.K.V. Desikachar lernte. Der ist wiederum der Sohn und langjährige Schüler von T. Krishnamacharya, auf den viele der heute prominenten Yogastile zurückgehen. Auch Sriram nahm am Philosophieunterricht von Krishnamacharya teil. Später lehrte er selbst an Desikachars Yogazentrum, dem Krishnamacharya Yoga Mandiram. In den späten Achzigerjahren zog Sriram mit seiner Frau und seinem Sohn nach Deutschland, wo er sein Wissen in Einzelstunden und Workshops weitergibt.

Nachdem Sriram das Yogasutra vom Sanskrit ins Deutsche übersetzt hatte, bat er Desikachar darum, eine Einführung zu schreiben. Der hatte eine bessere Idee: eine Art mündliche Prüfung mit dem Autor, das Protokoll davon steht anstelle einer Einführung. Erste Frage: 'Was ist der Unterschied zwischen Sraddha und Ishvarapranidhana?" Hättest du es gewusst? Sriram antwortet in kurzen, kristallklaren Sätzen. Das bleibt auch der Stil des Buches: Ist jedes Wort wohl überlegt, dann braucht es nicht viele davon.

Die erste Ausgabe kam schon 2003 heraus, vergangenes Jahr erschien dann eine vollständig überarbeitete, zweite Auflage. Sriram tritt in seiner Übertragung des klassischen Textes bescheiden hinter die Worte Patanjalis zurück. Zu Beginn jedes der vier Kapitel fast er deren Hauptaussagen auf vier bis fünf Seiten verständlich und ohne ausschweifende Reflektionen zusammen. Jedes Sutra steht auf einer eigenen Seite. Darauf steht es in Sanskrit und in der deutschen Übersetzung. Dazu stellte Sriram für jedes vorkommende Sanskritwort zusätzliche Wortbedeutungen, so dass der Leser ein eigenes Gefühl für die Bedeutungsnuancen des Originals entwickeln kann. Wo nötig, wird die Übersetzung mit ein, zwei Sätzen erläutert. Das Buch kann man von vorn bis hinten wie ein Lehrbuch durchlesen ' muss man aber nicht. Als Nachschlagewerk ist diese Ausgabe des Yogasutra neben jener von Desikachar das bestgeeignete Werkzeug, um sich regelmäßig mit dem klassischen Text zu beschäftigen. Kein Wunder also, dass es wohl jeder Yogalehrende in seinem Bücherschrank stehen hat.
© Till Schröder


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