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Rezensionen verfasst von
Dr. Kai Ulrich Jürgens "kaijuergens" (Kiel)
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H. R. Giger, Polaroids
H. R. Giger, Polaroids
von H. R. Giger
  Taschenbuch

2.0 von 5 Sternen Verpaßte Chance, 9. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: H. R. Giger, Polaroids (Taschenbuch)
Schade: "Polaroids" ist eine schmale und eigentlich durchgehend unbefriedigende Publikation, die man gewiß nicht braucht. Sie enthält eine Auswahl von Fotos, die wild durcheinandergeschmissen wurden und denen die Vergrößerung keineswegs grundsätzlich gut getan hat. Tatsächlich wird das Medium immer wieder unpassend verwendet – Polaroids waren in der Prä-Digital-Ära stets dann interessant, wenn das Fortschreiten einer Arbeit „in Echtzeit“ dokumentiert werden sollte oder die spezifische Materialqualität zu Manipulationen herausforderte. Zur dauerhaften Erfassung von Resultaten ist diese Technik zu unscharf und farbungenau; trotzdem hat Giger sie genau in dem Sinne immer wieder verwendet. Die Höhepunkte sind die Bemalung eines Modells mit Mustern aus der N.Y. City-Serie (hier endlich farbig, aber keinesfalls komplett), nachbearbeitete Selbstporträts eines grimassierenden Giger (hübsch heftig) sowie eine Reihe von Bildern, in denen Mia Bonzanigo samt einer Freundin übers Doppelbett tobt und mit einem Alienschädel herumfuhrwerkt; eines der Resultate wurde dann die Vorlage zu "Erotomechanics VII". Doch schau an – trotz kesser Stöckelschuhe bleiben die Damen brav in Slip & BH. Zumindest in der Schweiz waren sie wohl doch nicht so wüst, die wilden Siebziger.


Applausordnung: 15 Auftritte
Applausordnung: 15 Auftritte
von Bernd Rauschenbach
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Schräge Geschichten, präzise geschrieben, 9. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Applausordnung: 15 Auftritte (Taschenbuch)
Bei einem Klavierkonzert sind drei Melodien gleichzeitig zu hören, obwohl der Pianist nur zwei Hände hat. Doch Ferdinand Holzkampf versteht sich darauf, zusätzlich mit der Nase zu spielen. – Ein Berlinbesucher wird von einem Unbekannten in eine seltsame Show eingeladen, wo er im Zuschauerraum als allererstes Bockwürste und Kartoffelsalat in einem Mikrowellengerät unter seinem Sitz zu verstauen hat. – Harry entdeckt zufällig sein Talent, für Herrenunterwäsche zu werben, indem er in Bars und Restaurants formvollendet die Hosen herunterlässt. Doch als ihm ein eigenes Geschäft gehört, kommt ihm ein Mann namens Uwe Suhrkamp dazwischen … Der Mensch ist das Tier, das auftritt, behauptet der 1952 geborene Schriftsteller, Rezitator und Herausgeber Bernd Rauschenbach. Die feinsinnig und pointiert geschriebenen Kurzgeschichten seines Bands "Applausordnung" handeln von skurrilen und traumhaften Situationen auf der Bühne des Daseins, auf der immer mal wieder Anspielungen aus dem wirklichen Leben einen Gastauftritt haben.


Alien Tagebücher / Alien Diaries
Alien Tagebücher / Alien Diaries
von Hansruedi Giger
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 100,00

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schwere Qualität, 30. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Sehr schön: Gigers "Alien Diaries". Zunächst mal ist das Erscheinen eine kleine Sensation und aus publizistischer Perspektive durchaus ein Quantensprung. Tagebücher lagen von dem Mann nämlich bislang nicht vor, auch wenn sein Alien-Bildband auf solchen beruht und in einer Publikation des Deutschen Filmmuseums Auszüge abgedruckt waren. Das schwere, aber trotzdem handliche Buch enthält zwei komplette Kladden in Faksimile, eine zeichengenaue Transkription und zusätzliche Fotoseiten.

Da die Schwierigkeiten bei der Filmproduktion nicht zuletzt dank Gigers eigenem Bildband kein Geheimnis sind, erwarten einen kaum wirkliche Überraschungen, trotzdem ist es ausgesprochen spannend, die größtenteils ungefilterten Beobachtungen des Künstlers und seine zum Teil wütenden Kommentare über unfähige Mitarbeiter und geldfixierte Geschäftsleute zu lesen. Hie & da mußten Namen oder Bemerkungen unkenntlich gemacht werden; es läßt sich aber zumeist entschlüsseln, um was bzw. wen es geht. Der Clou sind natürlich zahlreiche Polaroidfotographien und Skizzen, die Giger immer wieder angefertigt hat. Während die ersten Zeichnungen primär dem Filmprojekt zuarbeiten, entwickeln sich spätere Einträge zunehmend davon weg; manche Improvisation ist in erster Linie einem mentalen Entspannungsbedürfnis geschuldet, andere haben durchaus eigenständiges Format.

Die Ausstattung des Buchs ist nichts weniger als superb: Halbleinen, Fadenheftung, zwei Lesebändchen (sehr praktisch) und drei Papiersorten – da kann niemand maulen, daß der Preis des Buchs zu hoch wäre. Übrigens scheint es sich gut zu verkaufen, denn mir liegt wenige Monate nach dem Erscheinen bereits die 2. Auflage vor. Nun bleibt zu hoffen, daß sich der Verlag recht bald ähnlicher Projekte annimmt; der mittlerweile komplett unauffindbare Band "Skizzen 1985" (Museum Baviera, Zürich 1992) würde sich zum Beispiel mehr als anbieten.


Die Vorzüge der Dunkelheit: Neunundzwanzig Versuche die Welt zu verschlingen. Horrorroman
Die Vorzüge der Dunkelheit: Neunundzwanzig Versuche die Welt zu verschlingen. Horrorroman
von Ror Wolf
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fünf Sterne vs. ein Stern, 17. April 2013
Schaut man sich die bisherigen Rezensionen zu "Die Vorzüge der Dunkelheit" an, scheint das Buch zu polarisieren - fünf Sterne oder ein Stern; dazwischen gähnt Leere. Woran mag das liegen? Die Literatur von Ror Wolf hat nichts mit planem Realismus zu tun, sondern setzt auf Subjektivität und Sprache; es geht um das Vergnügen, einem Autoren zu folgen, der freihändig mit Genreversatzstücken jongliert und daraus einen artistischen Erzählkosmos erschafft. Ein solches Buch hat keine wiedergebbare Handlung - als Ausgleich muß man es aber auch nicht in einem Rutsch und schon gar nicht von vorn bis hinten lesen. Ein freundliches Blättern hier, ein amüsiertes Hineinlesen dort sind viel eher geeignet, dem aufwendig hergestellten Band einen Dauerplatz neben anderen Lieblingsbüchern zu verschaffen. Und natürlich laden auch die exzellenten Collagen zum wiederholten In-die-Hand-nehmen ein. Wer das ausprobieren mag: Die "Blick ins Buch"-Funktion gewährt einen prima Einblick.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 18, 2014 10:49 AM CET


Locus Solus
Locus Solus
von Raymond Roussel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 36,00

13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die bizarren Erfindungen des Meisters Canterel, 13. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Locus Solus (Gebundene Ausgabe)
Ein Park voller rätselhafter Ereignisse und seltsamer Maschinen, der von einer Besuchergruppe erkundet wird – das ist die Rahmenhandlung von "Locus Solus", einem dunkel funkelnden Höhepunkt der literarischen Moderne. Vor fast hundert Jahren erstveröffentlicht, hat sich der ebenso extravagante wie elegante Roman, der von den Surrealisten vergöttert wurde, seine eindringliche Bildkraft bis heute bewahrt. Nun legt die „Andere Bibliothek“ eine sorgfältig edierte Neuausgabe mit bislang unübersetzten Passagen vor.

Es ist ein Donnerstag „in der ersten Blüte des April“, als der stets als „Meister“ bezeichnete Martial Canterel eine Besuchergruppe durch seinen ausladenden Garten führt. Canterel, ein Junggeselle ohne Verpflichtungen, hat sein Leben der Wissenschaft gewidmet; einer Passion, der er dank eines imposanten Vermögens ungehindert nachgehen kann. Unaufgeregt, fast sachlich präsentiert der Forscher eine Reihe von Erfindungen, von denen jede einzelne nichts weniger als spektakulär ist. So treffen in einem Bassin, das mit einer atembaren Flüssigkeit gefüllt ist, das Gehirn von Danton und eine junge Tänzerin aufeinander, deren lange Haare eine wundersame Musik erzeugen. An einem anderen Ort sind Menschen in theaterhafter Kulisse zu sehen – es handelt sich um chemisch wiedererweckte Leichen, die zentrale Szenen ihres Lebens nachspielen. Am wundersamsten aber ist die "Demoiselle", eine kleine fliegende Maschine, die ihre Energie aus dem Wind und dem Sonnenlicht bezieht. Sie ordnet ganz von allein eine Vielzahl von menschlichen Zähnen zu einem großen Mosaik an …

Raymond Roussel führte ein Leben, das diesem exzentrischen Plot in nichts nachsteht. Geboren 1877 als Kind schwerreicher Eltern, schwul und opiatabhängig, pflegte er alle Mahlzeiten des Tages auf einmal einzunehmen, um beim Schreiben nicht gestört zu werden. Um komfortabel reisen zu können, ließ er einen Lastwagen zu einem rollenden Haus umbauen, dessen Vorhänge jedoch zumeist zugezogen blieben – seine Bücher hätten mit der Welt nichts zu tun, befand er. 1933 starb er unter ungeklärten Umständen an einer Überdosis Schlafmittel.

"Locus Solus", 1913/14 zunächst als Zeitschriftenabdruck erschienen, ist ein außergewöhnliches Buch. Angesiedelt im Kraftfeld zwischen Fin de siècle, Avantgarde und früher Science Fiction, schöpft Roussel aus dem Reichtum der Spannungs- und Schauerliteratur seiner Zeit, deren Extrakte er als lockere Folge von Episoden arrangiert. Surrealistisch sind dabei nicht allein Details wie Instrumente aus getrocknetem Brot oder ein Lineal aus gebratenem Speck, sondern auch die zugrundeliegenden kreativen Verfahren. Roussel brachte gern Wörter mit ähnlicher Schreibweise, aber höchst unterschiedlichem Inhalt miteinander in Beziehung, was dem assoziativen Ansatz von André Breton und seinen Freunden sehr nahe kam.

Die Neuausgabe des hierzulande hoffnungslos vergriffenen Romans profitiert von der exzellenten Arbeit des Herausgebers. De-Sade-Übersetzer Stefan Zweifel (Jg. 1967) hat den Text nicht nur durchgesehen, sondern um Anmerkungen, Fotos und eine umfangreiche Chronologie ergänzt; zudem berücksichtigt er die Urfassung, die in Frankreich bis heute nicht ediert wurde. In dieser geht es um Shakespears Rippe, eine Übersetzungsmaschine mit Gasantrieb und von Pflanzenpollen befruchtete Frauen, was zeigt, dass der Kontinent Roussel bis heute nicht erobert ist. So bleibt zu hoffen, dass sich die „Andere Bibliothek“ recht bald Roussels zweitem Klassiker "Eindrücke aus Afrika" (1909, dt. 1980) annimmt, dessen sich authentisch gebende Beschreibungen natürlich zur Gänze fiktiv sind.


Container
Container
von Max Andersson
  Broschiert
Preis: EUR 29,00

5.0 von 5 Sternen Autofleisch ist billig, 13. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Container (Broschiert)
Dass skandinavische Autoren einen besonderen Blick für die Abgründe des Daseins haben, ist bekannt. Einen deutlichen Schritt weiter geht der schwedische Comiczeichner und Filmemacher Max Andersson, der der Bösartigkeit der Welt ein nicht minder finsteres Universum zwischen schwarzem Humor und Surrealismus entgegensetzt. Da phantasieren alkoholkranke Waschbecken von der Zeit, als das Sanitärporzellan die Welt beherrschte, es verlassen vereinsamte Wohnungen den Häuserblock und das Personal der Fleischtheke im Supermarkt ist bereit, eigene Körperteile zu verkaufen; schließlich könne man in Zeiten wie diesen dankbar sein, überhaupt einen Job zu haben. Während der Tod wegen Einsparungen im öffentlichen Dienst entlassen wird, befreit der kleine Car-Boy eingekerkerte Autos, die zum Schlachten vorgesehen sind; Autofleisch ist nämlich billig. – Der umfängliche Sammelband "Container" fasst Anderssons bisherige Comics in revidierter Übersetzung zusammen und ergänzt diese um bislang unveröffentlichte oder entlegen publizierte Arbeiten. Der spätexpressionistische Strich, die scharfkantige Post-Punk-Ästhetik sowie der meisterhaft abwegige Humor machen Andersson in jeder Hinsicht zu einer Ausnahmeerscheinung unter den Chronisten urbaner Alpträume: „Langsam hab ich die Angstschreie der Nachbarn satt – ich ruf den Störungsdienst!“


Crumb
Crumb
von Robert Crumb
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 28,59

5.0 von 5 Sternen Ein exzellenter Katalog, 9. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Crumb (Gebundene Ausgabe)
Das edel aufgemachte Prachtstück (Leinen, Fadenheftung, Posterschutzumschlag) bringt zwar "nur" eine weitere Auswahl aus dem Werk, bildet die Exponate aber vollständig und im jetzigen Zustand ab – gegebenenfalls auch mit Retuschen, Randbemerkungen und Druckmarkierungen. Es ist beinahe so, als wenn man die Originale vor sich auf dem Tisch liegen hätte. Dies eröffnet einem bei bekannten Motiven einen neuen Blick, der den handwerklichen Respekt noch mehr vergrößert; Crumbs Perfektion ist einfach sagenhaft. Inhaltlich kannte ich etwa ein Viertel der Blätter noch nicht, wobei sich gerade bei Covermotiven wie z.B. für Weirdo absolute Meisterwerke finden lassen. Einziger Nachteil: Einige Comics sind nur teilweise enthalten; als Entschädigung gibt es aber einen sechzehnseitigen Auszug aus einem noch unbekannten Skizzenbuch, und die knapp gehaltenen französischen Aufsätze wurden im Anhang ins Englische übersetzt. Den Preis finde ich zudem ausgesprochen günstig.


Dark Side Of The Moon Immersion Box (3 CDs, 2 DVDs, 1 Blu-ray)
Dark Side Of The Moon Immersion Box (3 CDs, 2 DVDs, 1 Blu-ray)
Wird angeboten von BestSellerRecordshop
Preis: EUR 89,97

203 von 217 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Dark Side of the Tinnef, 26. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nun ist sie also da, die lang angekündigte "Immersion"-Box. Sie enthält alles, was angekündigt war - und trotzdem bleibt bei mir ein schaler Geschmack zurück. Warum eigentlich?

Man stelle sich vor, eine Beethoven-Einspielung erschiene (meinethalben der "Neunten") und dem Käufer würden Murmeln, Bierdeckel und ein alberner Schal als Beiwerk zugemutet. Undenkbar? Yep. Die Floydianer sollen derlei aber toll finden. Die beiden vielgelobten Booklets bringen Fotos, die man sich mal durchblättern kann, geizen aber mit weiteren Informationen - man erfährt bei den Gruppenporträts nicht einmal, wo & wann die Aufnahmen gemacht wurden bzw. welche Namen sich hinter den Gesichtern der Gastmusiker verbergen. Keine Entstehungsgeschichte des Albums, keine Transkription der gesprochenen Passagen. Kurz und schlecht: Was ich bei diesem Set vermisse, ist Substanz.

DeLuxe-Editionen sind zur Zeit schwer im Kommen, was ich ausdrücklich begrüße; mit "Download now" habe ich nichts zu tun. Es geht aber nicht darum, dem geneigten Fan einen weiteren Schwung Memorabilia in die Wohnung zu spülen, sondern um die gebührende Ausleuchtung eines bedeutenden Kunstwerks. Beispiel "Quadrophenia" - zu der in Kürze erscheinenden Box lese ich: "Deluxe 100-page, hard-back book featuring a brand new 13,000 word essay by Pete Townshend. Also features Pete's in depth, track-by-track guide to the demos and revealing studio diary. The book also includes many previously unseen personal notes, photographs, handwritten lyrics and memorabilia from the period, all recently uncovered in Pete's archive." Na also. Geht doch. Und genau das hätte ich mir für dieses Set auch gewünscht. Natürlich ist es nett, das Bild eines lachenden Roger Waters zu sehen, der noch nicht mit "The Wall" verheiratet war - aber ein Blick in sein "little black book full of poems in" hätte mir mehr zugesagt. Wie ich überhaupt Statements, Kommentare, Erinnerungen jedweder Art vermisse, ganz zu schweigen von einem ausführlichen Aufsatz, der das Album in den Werkkontext und in die Musik der Zeit gleichermaßen einrückt und ausführlich die Entstehungsgeschichte darstellt. (Die schöne Video-Doku kann dies nicht leisten.) Bei anderen Bands scheint das zu gehen, nur bei den Floyds herrscht hier Fehlanzeige. Ganz offenbar mussten die Macher der Box mit dem auskommen, was ohnehin bei der EMI im Keller herumlag, und für den Rest hat der gute Storm T. mal flott was zurechtgehuddelt. Dass die Box zudem schlecht entworfen wurde (vier CDs umständlich erreichbar am Boden, zwei in lappigen Papphüllen frei herumflatternd), ist schon anderen aufgefallen.

Fazit: Natürlich ist es großartig, dass die Archive geöffnet werden. Auch ich bin von der "Live"-Fassung in diesem Set begeistert - wirklich, die ist mir das Geld beinahe schon allein wert. Aber wäre nicht eine Komplettversion stimmiger gewesen? Und warum wurde nicht Alan Parsons mit dem Remastering beauftragt, der einzige, der für den Job wirklich prädestiniert ist? Money, hm? "Grab that cash with both hands and make a stash."

Schon recht: Die Box enthält faszinierende Dinge, sie wurde korrekt angekündigt, und es gibt keinen Grund, sich übers Ohr gehauen zu fühlen. Ich beklage lediglich die nur bedingt genutzte Chance, das fragmentarische Resultat und die Tatsache, dass das Set der Band Pink Floyd nicht gerecht wird. Denn deren Alben haben stets den Standard der Zeit gesetzt - und mussten ihm nicht hinterherhinken.
Kommentar Kommentare (13) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 7, 2014 2:30 AM MEST


Inside Moebius T6
Inside Moebius T6
von Giraud Moebius/Jean
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großartig, 13. Oktober 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Inside Moebius T6 (Gebundene Ausgabe)
Moebius hat vieles geleistet, aber die jüngste Entwicklung verschlägt selbst altgedienten Lesern die Sprache. Ich gehöre nicht zu denen, die "John DiFool" für das absolute Meisterwerk halten, und ich konnte mit der albernen Kristallphase Mitte der 1980er Jahre wenig anfangen. Doch nun knüpft Old Moeb an seine innovativsten und visionärsten Arbeiten an. "Inside Moebius" ist ein sturzkomischer Dialog mit sich und den von ihm geschaffenen Figuren, der sich von Band zu Band zeichnerisch steigert - ursprünglich als flüchtige Kritzelei begonnen, sind die jüngsten Bände nun professionell ausgeführt. Die zweite Hälfte des sechsten und abschließenden Bandes gehört zum besten, was der Mann je gemacht hat; vergleichbar nur mit seinen Arbeiten aus den späten 1970er Jahren: Surreal, detailfreudig und vollkommen durchgeknallt. Das gilt auch dann, wenn man des Französischen - wie ich - nur bedingt mächtig ist. Wer hier weitermachen will, dem empfehle ich noch "40 days dans le Désert B" (das völlig ohne Worte auskommt) und "Chasseur déprime", die jüngste Fortsetzung der "Luftdichten Garage", die Amazon.fr für ein paar Euros mehr umstandslos ins Haus bringt. - Nebenbei: Daß diese erstklassigen Werke weder übersetzt noch verlegt werden, zeigt leider das Niveau auf, das sich die hiesige Comiclandschaft trotz "Strapazin" etc. zueigen gemacht hat.


No Line on the Horizon (Ltd.Box Edt.)
No Line on the Horizon (Ltd.Box Edt.)
Wird angeboten von HitsvilleUK & more
Preis: EUR 34,60

15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Geprüfte Embryonentauglichkeit, 27. Februar 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
...also, hier ein paar Worte zum Set (und noch nicht zur Musik). Ist schon toll: Ein sehr aufwendiges Objekt, das zumindest denjenigen viel Spaß machen wird, die nicht zur Download-Fraktion gehören. Immerhin haben U2 mit der geschachtelten Edition von THE JOSHUA TREE ganz eindeutig eine der besten "boxed editions" überhaupt geschaffen. Dort stimmte nicht nur der Aufwand, sondern auch das gestalterische Konzept - diese Jubiläumsausgabe war durchdacht. Da konnte man dann auch darüber hinwegsehen, daß die Silberlinge in schäbigen Papphüllen daherkamen, die auf Dauer der Beschichtung schaden können.

HORIZON hingegen macht eher den Eindruck, daß die verschiedenen Formate der anderen Albumausgaben irgendwie unter einen Hut gebracht werden müssen. Es fehlt ein bißchen an Stimmigkeit - und auch an Sinn. Werfen wir also mal einen Blick:
- das POSTER: Na, dem Kinderzimmeralter bin ich entwachsen. Gefaltete Drucke sind eh überflüssig, oder? Stört aber immerhin nicht.
- das BUCH: Es handelt sich offenbar um die Magazine Edition, allerdings im festen Einband und dankenswerterweise fadengeheftet. Viele Fotos und ein langes Interview. Ganz nett, aber auch etwas kühl und antiseptisch aufbereitet.
- die DVD: Eindeutig der Hauptgrund, sich das Set zuzulegen. Doch warum kommt der empfindliche Datenträger in einer kratzharten Papphülle? Hier wäre jede andere Lösung besser gewesen.
- die CD: Die Digipak-Edition. Ein Geständnis: Ich kann die Dinger nicht ausstehen. Was an den selbst bei sorgfältigster Behandlung schnell welkenden Lapprigkeiten so toll sein soll, hat sich mir bislang nicht erschlossen; ich weiß aber, daß der Rest der Welt dies offenbar anders sieht. Pluspunkt: Das 32seitige Booklet hat anderes Bildmaterial als die reguläre Ausgabe (mit 24 Seiten). Allerdings ist das schmucke Stück (wieder fadengeheftet - danke!) in der Hülle festgeklebt, was sich im Umgang als unpraktisch erweist. Und: Das zusätzliche Poster braucht auch niemand. Hier zeigt sich die Edition derjenigen von THE JOSHUA TREE als unterlegen.
Schließlich: Die SCHACHTEL. Ja, da haben sehr kluge und weitsichtige Menschen einen Aufkleber draufgepappt. Ich hatte immer gehofft, dies würde auf der Versiegelung geschehen, aber weit gefehlt: Das Ding prangt auf dem Karton und läßt sich zwar leicht, aber eben nicht rückstandslos ablösen: es bleibt ein durchsichtig glänzender Film zurück. Glückwunsch an den Vollhonk, der sich das ausgedacht hat. Und was steht denn auf dem Aufkleber? "FSK ab 0 freigegeben". Da bin ich aber beruhigt, daß U2 embryonentauglich sind.

Also Fazit: Wer auf aufwendige Editionen steht, wird gut, aber nicht exzellent bedient; die Klasse von THE JOSHUA TREE bleibt unerreicht. Wichtig ist vor allem die DVD. Für den Aufkleber kann weder die Band noch die Plattenfirma etwas; hier sind wir alle gehalten, uns in Gelassenheit zu üben - oder im Ausland zu bestellen. Aber man muß den Kult ja vielleicht nicht gänzlich übertreiben.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 12, 2009 12:55 PM CET


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