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Rezensionen verfasst von
Michael Murauer "mmurauer" (Deggendorf; Niederbayern)
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A Manual for Creating Atheists
A Manual for Creating Atheists
von Peter Boghossian
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,28

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen An important issue – obscured by proselytizing fervour, 6. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: A Manual for Creating Atheists (Taschenbuch)
The arguments for atheism, naturalism and secular humanism are around for quite a long time. So why is faith so resistant against them and what can be done to address this problem?

You get some answers to this question when reading Peter Boghossians book.
Basically he advocates a Socratic strategy of making people doubt by simply asking questions pointing to possible inconsistencies of their views. That's not novel but always deserves a reminder. More important is the authors insisting claim that we shouldn't accept an intellectual and social preserve for religious faith, treating it as a no-touch private preference or matter of taste. Boghossian's attack on constructivism and epistemological and moral (multicultural) relativism as an academic and social aberration is justified and deserves support. So far the motivating aspects of the book.

But unfortunately there are severe flaws. The author has no empathy for religious people. You can't understand the comforting effects of faith by simply stating that there is no evidence for it. For example many people want to believe that there beloved ones still exist somehow and somewhere after having passed away. Wrong - but we should be able to feel some empathy for the emotionally comforting effect of such wishful thinking. Lack of that pushes Boghossian to demand that we should try to talk everybody out of his or her faith, people personally unknown to us, everybody, everywhere, in principle regardless of the personal situation (desperate life conditions, terminal illness, high age, psychological stability or instability?). And here things begin to turn unpleasant and even potentially dangerous.

When finally classifying religious faith as a mental disease which should be addressed by public health programs Boghossian risks to shift to sectarianism and make his whole principally laudable enterprise look ridiculous. Religions are out-dated ways of interpreting the world and finding orientation in life but they are no diseases (with violent fanaticism as a borderline case between crime and mental disorder). If not so a considerable part of arts and human civilization would just be the product of insane people. Sounds a bit ahistorical, doesn't it?
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 27, 2014 12:24 AM MEST


Gretchenfragen an den Naturalisten
Gretchenfragen an den Naturalisten
von Gerhard Vollmer
  Taschenbuch

11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gutes Update zum Naturalismus, 14. Oktober 2013
Schon der Einstieg in Gerhard Vollmers kleines Brevier für Naturalisten (“Was ist die Natur der Logik?“ „Was ist die Natur de Mathematik?“) zeigt, daß man es hier nicht mit einem Einführungstext auf einfachem Niveau zu tun bekommt.
Wer eine griffige, von allen Zweifeln unangekränkelte Zusammenfassung naturalistischer Standpunkte sucht, wird an dem Büchlein wahrscheinlich wenig Freude haben. Wem allerdings differenzierte naturalistische Fragestellungen schon vertraut sind, der sieht sich in einer großen thematischen Breite mit dem aktuellen Stand der Diskussion vertraut gemacht, sei es nun in der Erkenntnistheorie, der Kosmologie, beim Leib-Seele-Problem, der Willensfreiheit, der Religionskritik, der Moralbegründung oder der Kritik von Pseudo- und Parawissenschaften.
Vollmer verliert sich dabei nie im Hin und Her der widerstreitenden Argumente, sondern findet immer zu zumindest hypothetischen oder provisorischen Lösungen von vertretbarer Plausibilität, mit denen sich gut leben läßt.
So verteidigt er etwa jenes Minimum an Metaphysik, das wir für die Annahme eines (wenn auch nicht ungebrochenen) Realismus brauchen, unter Hinweis auf Schopenhauers Diktum, der Solipsist sei ein Irrer in einem uneinnehmbaren Blockhaus und folgt damit der Tradition eines pragmatischen Naturalismus, die schon Bertrand Russell den Idealisten entgegenhalten ließ, seine Katze werde ja schließlich auch hungrig, während er schlafe, also sei die Annahme, daß sie nur in seiner Vorstellung existiere, sicher nicht die naheliegendste.
Überhaupt sind wilde Spekulationen Vollmers Sache nicht. Sehr gut ist etwa auch, wie er in der Kosmologie den Konflikt zwischen den wissenschaftstheoretischen Tugenden der Sparsamkeit und des Erklärungswerts herausarbeitet, sich dabei am Ende auf die Seite der Sparsamkeit schlägt, unüberprüfbare Vielweltentheorien als Erklärung der Feinabstimmung des Universums bis auf weiteres ablehnt und lieber für eine Suspendierung des Urteils und die Hoffnung auf eine spätere überprüfbare Erklärung plädiert.
Mit Vollmer geht man durch eine Schule kritischen Denkens. Man kann ihm nur zustimmen, wenn er feststellt, daß das Mobiliar der Welt dabei vergleichsweise sparsam wird und doch äußerst vielfältig und faszinierend bleibt - vor allem aber geradlinig und enttäuschungsresistent. Wer die Selbstachtung und Würde des Menschen ganz wesentlich dadurch bestimmt sieht, daß er sich um bestmögliche Erkenntnis bemüht und sich keine Illusionen macht, wird Vollmer für seinen Beitrag zur Entrümpelung der Welt dankbar sein.


Über das Sterben: Was wir wissen. Was wir tun können. Wie wir uns darauf einstellen
Über das Sterben: Was wir wissen. Was wir tun können. Wie wir uns darauf einstellen
von Gian Domenico Borasio
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,95

7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Verdienstvoll - aber nicht so ganz in der säkularisierten Moderne angekommen, 21. November 2012
Die vielen Vorzüge, die Borasios Buch hat, kann man in den anderen Rezensionen nachlesen. Hier seien deshalb nur noch zwei ausdrücklich erwähnt: Er korrigiert weit verbreitete Fehleinschätzungen über sinnvolle medizinische Maßnahmen bei Sterbenden, etwa hinsichtlich Flüssigkeitszufuhr oder Sauerstoffgabe. Er gibt einen Einblick in die enormen Schwierigkeiten, die es bereitet, die palliativmedizinische Versorgung vor allem im ambulanten Bereich zu verbessern, wenn man sich, wie es in Deutschland der Fall ist, in einem zunehmend unfreiheitlichen Gesundheitssystem bewegt, das durch das Gezerre von Interessengruppen vor dem Hintergrund einer dirigistisch-sozialistischen Bevormundung durch Krankenkassen und Politik gekennzeichnet ist.
Nun aber zu den Kritikpunkten: Borasio preist die immer wieder beschriebenen Nahtoderfahrungen als Angstlinderer hinsichtlich des Sterbens, ohne auch nur ein Wort darüber zu verlieren, daß dies (wahrscheinlich durch Sauerstoffmangelzustände des Gehirns bedingte) psychische Erlebnisse sind, die aus wissenschaftlicher Sicht keinerlei Schlüsse auf ein Leben nach dem Tod zulassen (wie es etwa der amerikanische Neurochirurg Eben Alexander erst kürzlich wieder unter Mißbrauch seiner Autorität als Naturwissenschaftler mit großem Medienecho versucht hat).
Wenn Borasio dann zur spirituellen Betreuung Sterbender kommt, ist er trotz eines formalen Bemühens um eine neutrale Tonlage, leider ganz auf religiöse Ansätze fixiert. Daß es, sicherlich ganz wesentlich infolge Borasios Engagement, an der Universität München die europaweit erste Professur für „spiritual care“ im Rahmen des Lehrstuhls für Palliativmedizin gibt, ist eine sehr positive Errungenschaft. Weniger positiv dagegen ist, es „sehr passend“ zu finden, daß diese Professur ökumenisch mit einem katholischen und einem evangelischen Theologen besetzt wurde und nicht einen Gedanken darauf zu verschwenden, daß im 21. Jahrhundert bei einem Bevölkerungsanteil konfessionsloser Menschen von ca. einem Drittel bei einer solchen Professur selbstverständlich auch eine säkular humanistische Lebensberatung repräsentiert sein sollte.(Speziell in München liegt der Anteil von Katholiken und Prostestanten zusammen seit September 2011 unter 50%.)
Überhaupt scheut Borasio den offenen Konflikt mit moraltheologischen und kirchlich-propagandistischen Positionen und setzt hier ausschließlich auf eine Bewußtseinsänderung beim Leser durch Schilderung der Sachverhalte, etwa wenn es um die Langzeitbetreuung von Apallikern geht - personifiziert im italienischen Fall Englaro, wo sich der Vater der betroffenen jungen Frau von katholischer Seite als „Henker der eigenen Tochter“ bezeichnen lassen mußte. Hier dürfte man schon mal Farbe bekennen und eine solche Äußerung als das einstufen, was sie ist, nämlich eine moralisch völlig inakzeptable Beleidigung.
Also: Das Buch ist gut, aber es fehlt ein bißchen der Mut oder der Wille zum Konflikt und zu einer zeitgemäßen Distanzierung von den in der gesellschaftlich-politischen Auseinandersetzung immer noch deutlich überrepräsentierten und nach wie vor einen Bevormundungsanspruch für alle Bürger erhebenden theologisch-kirchlichen Positionen.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 23, 2012 1:47 AM CET


Ich sehe den Mann deiner Träume
Ich sehe den Mann deiner Träume
DVD ~ Antonio Banderas
Preis: EUR 6,97

3 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Entbehrlich, 8. September 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ich sehe den Mann deiner Träume (DVD)
Einer der schwächeren Woody Allen-Filme. Man kann seinen Abend lohnender verbringen. Daß Beziehungen oft nicht funktionieren, reicht nicht als Idee für einen Plot. Und auch im Detail vermißt man den Einfallsreichtum seiner wirklich guten Werke.


The Moral Landscape: How Science Can Determine Human Values
The Moral Landscape: How Science Can Determine Human Values
von Sam Harris
  Taschenbuch

11 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Good intention, flawed realization, 28. Oktober 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
This time the focus of Sam Harris' attacks is less on religious prejudice than on an indifferentistic moral relativism which may impede modern pluralistic and secular society in defending its values. He cites some striking examples of this attitude delivered by anthropologists and psychologists. Though we shouldn't overestimate the influence of this attitude an attack on it is commendable. But what's about the remedy Harris proposes? He wants to convince us that science is able to provide objective values directly. Well, there is no doubt that knowledge and science are a very important precondition for an individual and a society to develop and adopt reasonable and adequate values. But that doesn't mean that science discovers or develops these values directly. Harris erroneously attacks what he misunderstands as 'the naturalistic fallacy' ' and what we should better name the 'Is-Ought-Fallacy' in order to prevent this kind of misunderstanding. Sure, values are facts as well but these value-facts don't tell us which of them to choose ' that's what Hume meant and what is still valid. Progress in individual and social value systems is a historical process which procedes as a cultural development on the basis (but not under the spell) of our evolutionary heritage (to which cruelty belongs as much as altruism). Knowledge and science make a very important contribution to better value systems, but they can't produce and justify them directly. A tradition of 2500 years of critical thinking is more likely to come up with adequate values than a tradition of 2000 or 1400 years of repeating the same religious dogma. To accept the long cultural tradition of enlightenment and secular humanism as somehow 'arbitrary' and not enough to justify decisions for certain values and morals is falling into the trap of religious thinking with its illusionary ideas of privileged justification by revelation or whatever kind of unarguable authority.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 1, 2012 3:15 PM MEST


Malmsten swedish Soft Goggles
Malmsten swedish Soft Goggles

4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Deutlich schlechter als die klassische Schwedenbrille, 3. Mai 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Malmsten swedish Soft Goggles (Misc.)
Ich brauchte ein neues Gummiband für meine Standard-Schwedenbrille und ließ mich in der Hoffnung zum Kauf verleiten, die Soft-Version könnte bequemer und sonst genauso gut sein. Irrtum. Sie saugt sich wesentlich schlechter an, beim Startsprung läuft sie viel leichter voll und der zwar etwas weichere, aber gleichzeitig wulstigere Rand drückt sogar mehr als bei der Standardversion. Ich kann also nur raten bei der klassischen Schwedenbrille zu bleiben, dürfte für die meisten Köpfe immer noch die beste sportliche Schwimmbrille sein, die es gibt.


Pool-Mate Automatischer Schwimmcomputer Schwimmuhr
Pool-Mate Automatischer Schwimmcomputer Schwimmuhr
Wird angeboten von Sweatband
Preis: EUR 69,10

8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Zumindest bei mir auf kurzen Bahnen enttäuschend, 17. März 2010
Ich habe den Pool-mate Schwimmcomputer ausführlich in einem 12.5 m Becken (Einstellung dann 13 m, da nur m-Schritte möglich) bei allen 4 Schwimmstilen getestet und leider zählt er nur selten die Bahnen richtig (am ehesten noch bei Rückenschwimmen und Delphin). Habe das Gerät einmal ausgetauscht, da ich anfangs dachte der Bewegungssensor müsse defekt sein (problemlose Kulanz vom Lieferanten outdoorfriends), aber auch mit dem zweiten Exemplar gibt's kaum bessere Ergebnisse. Alle Vorschläge in der Gebrauchsanweisung (möglichst fest an's Handgelenk schnallen, Handgelenk wechseln, lange Abstoßphase nach der Wende) habe ich ausprobiert, ohne daß die Ergebnisse besser geworden wären oder wenigstens irgendein konstanter Fehler aufträte, den man umrechnen kann. Fazit: Für mich nur als nette wasserfeste Armbandstoppuhr zu verwenden, dafür preislich gerade noch akzeptabel, aber in Anbetracht der Herstellerbehauptungen einer Genauigkeit von 99.75 % für die Bahnenmesssungen bei "zahlreichen Schwimmern" doch enttäuschend. Vielleicht macht jemand in längeren Becken bessere Erfahrungen, der Hersteller gibt aber ausdrücklich die Eignung des Geräts ab 10m Beckenlänge an.


Experiments in Ethics (Mary Flexner Lecture Series of Bryn Mawr College)
Experiments in Ethics (Mary Flexner Lecture Series of Bryn Mawr College)
von Kwame Anthony Appiah
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,38

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ethics revisited - far more than moral psychology, 3. Februar 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Yes, you get what you may expect and the title sounds like in the first moment: an overview describing experiments in moral psychology from the influences of minor situative modifications having decisive influences on our moral behaviour to all the well-known "trolleology". And Appiah rightly defends experiments in general as a traditional and valuable part of philosophical work. But that's not all about the book. The title is full of ambiguity. The whole book itself is a big experiment in ethics looking for an eclectic way which preserves the best insights of virtue ethics, value ethics, utilitarianism, moral universalism - more or less any important ethical concept presented during the history of philosophy. And it succeeds pretty well in proposing to us an ethics of difficult trade-offs between different values and obligations which takes into account timeless truths of all the mentioned concepts. Looking for the good life in the tradition of greek "eudaimonia" - not just an ethics of social engineering. You don't waste your time reading this book.


Die Verantwortlichkeit der Intellektuellen: Zentrale Schriften zur Politik
Die Verantwortlichkeit der Intellektuellen: Zentrale Schriften zur Politik
von Noam Chomsky
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

3 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Klarsichtig und doch ein wenig blind auf dem linken Auge, 1. Februar 2009
Chomsky kritisiert faktenreich und mit oft unbesteitbarer Berechtigung die auf Hegemonialstreben und wirtschaftlichem Egoismus beruhende amerikanische Unterstützung für Diktaturen und menschenrechtsverachtende Regime, die eine Vielzahl von Menschenleben gefordert hat und fordert. Andererseits stellt er einseitig positive Aspekte sozialistischer Systeme heraus. Da werden etwa die kubanischen Ärzte gepriesen, die in Pakistan Erdbebenhilfe leisten, aber über die einstürzenden Hausfassaden in Havanna schweigt er lieber. Vor lauter Fixierung auf die negativen Konsequenzen eines übersteigerten Neoliberalismus und der Macht von Großkonzernen übersieht er die Bedeutung, die Eigeninitiative und Eigeninteresse insbesondere in Kleingewerbe, Handwerk und mittelständischen Betrieben für die Gesellschaft haben. Noch mehr als an der amerikanischen Subversion ist etwa ein Allende an der Mißachtung dieser Tatsache gescheitert, weil es ihm dadurch an wirtschaftlichem und politischem Rückhalt im eigenen Land mangelte. Dem verdienstvollen Aufklärer Chomsky fehlt leider der Sinn für den Wert eines freiheitlichen Wirtschaftssystems, sei es, weil ihm etwas die gesellschaftliche Bodenhaftung außerhalb des akademischen Bereichs abgeht oder weil sein Blickwinkel zu sehr durch die Konfrontation mir den sozialdarwinistischen Seiten der US-amerikanischen Gesellschaft geprägt ist. Lesenswert sind seine Texte trotzdem: sie steigern zweifellos die Propagandaresistenz.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 25, 2014 9:52 AM MEST


"Komm süßer Tod" - Europa auf dem Weg zur Euthanasie?: Zur theologischen Akzeptanz von assistiertem Suizid und aktiver Sterbehilfe
"Komm süßer Tod" - Europa auf dem Weg zur Euthanasie?: Zur theologischen Akzeptanz von assistiertem Suizid und aktiver Sterbehilfe
von Michael Frieß
  Broschiert

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Brückenschlag zwischen moderner evangelischer Theologie und säkularem Humanismus, 23. Dezember 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
"Der allbarmherzige Gott, der dem Menschen Freiheit geschenkt und Verantwortung für sein Leben zugemutet hat, hat gerade auch dem sterbenden Menschen die Verantwortung und Gewissensentscheidung für Art und Zeitpunkt seines Todes überlassen." schrieb Hans Küng 1995 in "Menschenwürdig sterben. Ein Plädoyer für Selbstverantwortung". Und er konnte dabei bereits auf ähnliche Positionen verschiedener anderer Theologen verweisen. Nun nimmt Michael Frieß in seiner sehr gründlichen und gut informierten Studie diese Argumentationslinie wieder auf. Er kennt dabei keine Berührungsängste und setzt sich unter anderem sachlich (wenn auch mit angreifbarer Argumentation) mit Peter Singers Kollegin und Co-Autorin Helga Kuhse auseinander, die sonst in Deutschland eher als rotes Tuch gilt. Wie manche protestantische Theologen macht sich Frieß eine naturalistisch-humanistische Argumentation in solchem Umfang zu eigen, daß man die Frage kaum unterdrücken kann, ob er die darüber hinausgehenden theologischen Weiterungen eigentlich selbst noch für wirklich überzeugend und erforderlich hält. Aber am Ende kommt es dann - in einer evangelischen Dissertation auch unvermeidlich - doch zu Bekundungen unter Verwendung theologischer Begriffe: "Weder der Staat noch Gott begrenzen einen zurechnungsfähigen Menschen bei Entscheidungen, die den Zeitpunkt des eigenen Todes betreffen. Die von Gott gegebene Freiheit der Kreatur wird auf alle Bereiche des irdischen Lebens ausgedehnt." (S.231) "Suizid und aktive Sterbehilfe können ein glaubendes Sich-Fallen-Lassen in Gottes Verheißung des ewigen Lebens sein." (S. 225) Trotz des theologischen Duktus hört man die Konvergenz zu Positionen eines säkularen Humanismus. Und bis dahin hat man viel erfahren über die Geschichte der Sterbehilfe-Diskussion, die begriffliche Differenzierung ihrer verschiedenen Varianten, medizinische Fakten und Fallbeispiele, die Usancen in den europäischen Nachbarländern (so äußert er etwa zur Praxis in den Niederlanden vertretbare Anfragen, aber schwingt nicht die hierzulande vielfach übliche grobe Keule dagegen) und vor allem den schlingernden oder (im katholischen Falle) immer volksferneren Kurs der Kirchen in dieser Frage.


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