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Rezensionen verfasst von
Martin Ruetze
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It's What I'm Thinking (Deluxe Edition)
It's What I'm Thinking (Deluxe Edition)
Preis: EUR 8,99

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Großes Potential!, 5. November 2010
Als Badly Drawn Boy-Fan der ersten Stunde tut es mir ein bisschen in der Seele weh, seinem neuen Album nicht die Höchstwertung zu geben, denn eigentlich möchte ich doch möglichst viele Leute auf diesen fantastischen Musiker aufmerksam machen. Allerdings habe ich an "It's what I'm thinking (Part One: Photographing Snowflakes)" doch zu viel Kritik, als dass 5/5 Sterne gerechtfertigt wären.
Am grundsätzlichen Songmaterial liegt das nicht; mit gerade einmal 10 Songs ist das Album zwar recht kompakt geraten, doch wenn davon 7 Songs großartig und 2 ("You lied" und "This electric") gelungen sind, dann kann man das wohl guten Gewissens als ordentliche Ausbeute bezeichnen. Lediglich mit dem Titelsong "It's what I'm thinking" habe ich so meine Schwierigkeiten, denn dieser schleppt sich über eine Länge von mehr als 6 Minuten musikalisch weitgehend eintönig und uninspiriert dahin. Was im Grunde sehr schade ist, denn ähnlich wie z.B. "One last dance" vom "Born in the UK"-Album handelt es sich um einen sehr persönlichen Song, der dem Songwriter selbst vermutlich sehr viel bedeutet - aber was nützt das, wenn das Ergebnis dröge ist und somit nicht überzeugen kann? Immerhin versammeln sich in diesem Song dann doch einige der schönsten Textfragmente des Albums ("I'm a failure at heart"; "Accept only one thing and that is that nothing will change anything"; "Yet I can't save myself - so good luck whoever else believes in me"), was mich ein wenig versöhnlich stimmt.
Mein eigentlicher Kritikpunkt am Album ist allerdings die Produktion, mit der ich überhaupt nicht einverstanden bin. Die meisten Songs ertrinken in ihrem eigenen Hall oder unter sphärischen Klangteppichen aus elektronischen Störgeräuschen, so dass es zunehmend schwer fällt, einzelne Instrumente wie Gitarre und Klavier herauszuhören. Dabei finde ich persönlich Badly Drawn Boy in seinen akustischen Momenten häufig am stärksten. Laut Vermerk im Booklet wurden die Streicherarrangements sogar von einem echten Orchester eingespielt, hören sich aber trotzdem über weite Strecken an wie aus dem Computer, meiner Meinung nach besonders eklatant im Song "Too many miracles". Auch nach knapp zwei Monaten "Einhörzeit" kann ich mich mit dieser merkwürdigen Diskrepanz zwischen symphonischem Pomp auf der einen Seite und Lo-Fi-Produktion auf der anderen Seite nicht wirklich anfreunden.
Trotzdem schön zu hören, dass dem Badly Drawn Boy nach längerer Pause und mittelschwerer Bedeutungskrise nicht die berührenden Melodien ausgegangen sind. Ich bin gespannt auf die nächsten Veröffentlichungen der angekündigten Alben-Trilogie.

(Die möglichen Bonus-CDs zu diesem Album sind übrigens weitgehend überflüssig. Es gibt eine Version mit einem rund 20-minütigen Albumremix von Andy Votel, der komplett unmusikalisch und nervtötend ist. Die andere CD-Veröffentlichung hält als Bonus-CD 14 Neu-Arrangements bzw. Remixe der Songs vom Album durch lokale Künstler aus Manchester bereit, die allerdings abgesehen von der "In safe hands"-Version von den Real Dolls allesamt extrem viel schlechter als die Originale sind. Im Zweifelsfall sollte also die 1-Disc-Edition vollkommen ausreichend sein.)


Is There Nothing We Could Do? Music Inspired by The Motion Picture The Fattest Man In Britain
Is There Nothing We Could Do? Music Inspired by The Motion Picture The Fattest Man In Britain
Wird angeboten von hostedde (Preise inkl. Mehrwertsteuer)
Preis: EUR 14,95

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Melancholisch und reif, 23. Januar 2010
Groß war für mich die Freude, als ich hörte, dass Badly Drawn Boy nach einer über dreijährigen Sendepause wieder ein neues Album veröffentlichen würde. Die Tatsache, dass es sich "nur" um einen Soundtrack handeln würde, machte mich aber ein wenig skeptisch. Könnte sich in diesem Format ein wirklich eigenständiges Werk entfalten?

Badly Drawn Boy hat mit seinem Soundtrack zum Film "About a boy" aus dem Jahre 2002 schon einmal bewiesen, dass er durchaus im Stande ist, Filmmusik zu schreiben, die unabhängig und losgelöst vom Film bestehen kann. "Is there nothing we could do?" - die Musik zum britischen TV-Film "The fattest man in Britain" - ist hingegen weit weniger eigenständig. Allerdings gereicht ihr das nicht wirklich zum Nachteil. Bei den ersten Hördurchgängen fand ich es zwar schade, dass nur 5 vollständige Songs auf dem Album sind, während es sich bei den anderen Stücken um Variationen dieser Songs oder kurze Instrumentals handelt. Kompositorisch ist dieses Album aber sicherlich das reifste, was BDB bisher veröffentlicht hat. Einige Leitmotive ziehen sich als roter Faden durch das Werk und geben dadurch Musik und Film Struktur.

Die Instrumentierung ist größtenteils sehr zurückhaltend, was die Melancholie der Stücke noch betont. In der Verspieltheit seines "Bewilderbeast"-Albums oder des Pomps von "Have you fed the fish?" wurde gar nicht so sehr deutlich, wie traurig seine Musik sein kann. Definitiv kein Album, dass die Stimmung hebt. Aber dafür Musik, die man mit Genuss hören kann.

Ich habe den Film "The fattest man in Britain" mittlerweile gesehen (sehr gelungen übrigens!) und muss sagen, dass die musikalische Untermalung extrem gelungen ist. Während "About a boy" also besser als Album funktionierte, als Filmuntermalung aber nicht immer ganz passend war, ist es mit "Is there nothing we could do?" nun umgekehrt. Es ist eine hervorragende Filmmusik, als eigenständiges Album funktioniert es aber nicht vollständig.

Aber alleine der wunderschöne Titelsong "Is there nothing we could do?" entschädigt schon vollständig dafür, dass es sich "nur" um Filmmusik handelt. Auf jedem Fall hilft dieses Album dem leidenschaftlichen Badly Drawn Boy - Fan, die Wartezeit auf das nächste komplette Album zu überbrücken. In der Tat die bestmögliche Überbrückung, die man sich hätte vorstellen können.

Vielen Dank für 10 Jahre großartiger Musik in meinen Ohren!


Misogynie: Die Geschichte des Frauenhasses
Misogynie: Die Geschichte des Frauenhasses
von Jack Holland
  Gebundene Ausgabe

19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bewusstseinsschärfend, 8. Januar 2010
Ich habe mich im Zusammenhang mit Lars von Triers Film "Antichrist", der sich ja relativ offen mit dem Thema des Frauenhasses auseinandersetzt (wenngleich mir auch letztlich nicht ganz klar geworden ist, was er genau dazu sagen wollte), angefangen für das Thema "Misogynie" zu interessieren. Kurze Zeit später fiel mir im Buchhandel dieser Titel in die Hände und somit beschloss ich, etwas tiefer in die Thematik einzutauchen.

Jack Holland setzt sich in seiner Darstellung der Geschichte des Frauenhasses fundiert und ausführlich mit der Frage auseinander, wie es sein kann, dass eine Hälfte der Menschheit durch die Geschichte hindurch bis in die Gegenwart systematisch unterdrückt, benachteiligt, kleingehalten und gedemütigt wird. Die Ursprünge für diese "älteste Form der Diskriminierung" findet er nicht nur in den Gedankengebäuden der großen monotheistischen Weltreligionen, sondern interessanterweise auch in den Mythen und philosophischen Konstrukten der Antike. Letzteres fand ich besonders interessant, da ich nie geahnt hätte, dass ausgerechnet im alten Griechenland, dem Ursprung von Demokratie und zahlreicher Werte, auf die wir uns auch heute noch gerne berufen, der Grundstein gelegt wurde für eine Jahrtausende währende Benachteiligung der Frauen. Holland beschreibt desweiteren ausführlich und mit sprachlicher Brillanz (was das Lesen dieses Buches neben all dem Unbehagen, das es bereitet, durchaus auch unterhaltsam macht), in welch unterschiedlichen Ausprägungen Misogynie in sämtlichen Epochen immer wieder aufgetreten ist und immer noch auftritt. Dabei belässt er es aber nicht einfach bei einer Aufzählung, sein Buch ist Informations- und Kampfschrift zugleich und liest sich stellenweise wie ein Pamphlet. Allerdings kann man den geballten Zorn des Autors durchaus auch nachvollziehen.

Während des Lesens des Buches habe ich ein ganz interessantes Phänomen festgestellt, das auch Holland in seinem Buch selbst beschreibt. Wenn er nämlich Freunden und Bekannten erzählte, dass er an einer Chronik des Frauenhasses schreibe, wurde ihm (insbesondere von männlichen Zeitgenossen) teils mit latenter Empörung, teils mit schlecht kaschierter Genugtuung unterstellt, es ginge ihm um eine Rechtfertigung des Phänomens. Auch mich haben Bekannte (Frauen wie Männer) während des Lesens darauf angesprochen, warum ich mich für ein solches Thema interessiere, und mir dabei mal mehr, mal weniger offen unterstellt, insgeheim selbst ein Frauenhasser zu sein.
Dies erscheint mir auf eine ganz und gar bittere Weise absurd. Niemand käme auf die Idee, zu fragen, warum man sich gegen Rassismus engagiert, warum man sich gegen Walfang oder für freilaufende Hühner einsetzen möchte, warum man gegen Korruption oder Armut ist. Geht es aber um die Rechte der Frauen - immerhin die Hälfte der Menschheit - so ist es scheinbar auch nur für "jene eine Hälfte" der Menschheit gerechtfertigt, sich dafür interessieren und einzusetzen (während die andere Hälfte es derweil belächeln kann). Ich sage: Frauenrechte sind Menschenrechte und es muss im Interesse einer jeden Person mit einem Mindesmaß an Verstand und Anstand liegen, ganz egal welcher Herkunft oder politischen Gesinnung, dass Frauen und Männer gleiche Rechte haben. Dabei geht es gar nicht darum, die Unterschiede zwischen Männern und Frauen zu negieren - die gibt es, keine Frage - sondern vielmehr darum, diese Unterschiede zu akzeptieren und beiden Geschlechtern die gleiche Chance zum "Glücklichsein" einzuräumen.

Jack Hollands Buch sensibilisiert für die misogynen Strukturen, die uns tagtäglich umgeben, sei es in der ungleichen Bezahlung für gleiche Arbeit, restriktiven religiösen Moralvorstellungen, den internationalen Netzwerken sexueller Ausbeutung, der scheinheilig geführten Abtreibungsdebatte oder einfach nur im Sprachvokabular von Schulhofbeleidigungen und Sprüchen an Toilettenwänden. Und es zeigt auf eine gleichermaßen schlüssige wie verständliche Weise, auf welche Tradition diese tief verwurzelten Strukturen zurückgehen. Dies kann sicherlich dabei helfen, frauenverachtende Umstände in der Gegenwart zu erkennen und sich gegen diese zur Wehr zu setzen.

Vielleicht noch eine kleine kritische Anmerkung zum Schluss: Im Kapitel über den Nationalsozialismus erschien mir die (dem Thema immanente) Betonung des Frauenhasses seitens der Nazis als etwa übertrieben in Anbetracht einer Bewegung, die ganz generell durch "Hass" (in die unterschiedlichsten Richtungen) geprägt war und sich in weit schlimmeren Auswüchsen manifestiert hat als der Geringschätzung von Frauen. Nichtsdestotrotz hat Holland sicherlich nicht Unrecht, wenn er dem Nationalsozialismus eine starke misogyne Komponente zuschreibt.


Yella
Yella
DVD ~ Nina Hoss
Preis: EUR 10,99

10 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterhaft!, 24. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Yella (DVD)
"Yella" ist einer der stärksten deutschen Filme der letzten Jahre. Christian Petzold gelingt mit diesem Film eine formal wie inhaltlich überragend gestaltete Geschichte, deren Spannweite von der Provinzerzählung über eine Wirtschaftskritik bishin zum surrealen Märchen reicht.

Der Film läuft auf einen großen Clou im Plot hinaus, einen Wendepunkt, der alles Gesehene in einen anderen Kontext stellt. Was mich dabei fasziniert, ist dass sich "Yella" aber nicht einzig und allein auf diesen Wendepunkt verlässt. In vielen Filmen läuft alles nur auf den einen "Twist" hinaus: Beim ersten Sehen große Verwirrung, Schmunzeln bei der Auflösung und schließlich beim zweiten Sehen Freude an den eigentlich doch recht plakativ eingestreuten Hinweisen. "Yella" hingegen ist auch beim zweiten Hinsehen nicht plakativ, sondern unheimlich zurückhaltend und dabei sorgfältig inszeniert. Der Film bleibt auf magische Weise stets in der Schwebe und selbst am Ende kann man nicht so richtig sicher sein, was man denn nun denken und glauben soll.

Was mir persönlich besonders gut gefallen hat, ist die dem Film innewohnende Wirtschaftskritik, die ebenfalls nicht plakativ vorgetragen wird. Yellas Beziehung ist über die Pleite der Firma ihres Mannes in die Brüche gegangen und sie möchte nun einen Neuanfang im entfernten Hannover wagen. Yellas Geschichte ist die einer Frau, die mehr zufällig in die Welt des großen Geldes rutscht und Gefallen an ihrer neuen Rolle findet. Nina Hoss' famoses Spiel spiegelt den Wandel dieser Frau hervorragend wider. Zunächst wirkt sie fahrig, geduckt, verängstigt, ist eine Frau, die es gewohnt ist, auf der Verliererseite zu stehen. Doch später wächst ihr Selbstbewusstsein, in Verhandlungen tritt sie souverän auf, sie wächst auch körperlich in die Gewinner-Rolle. Allerdings möchte Yella auch weiter gehen, erliegt der Versuchung des schnellen Geldes, möchte neben dem beruflichen nun auch ihr privates Glück machen. Und so ist ihr Wandel zur Gewinnerseite auch ein Wandel zu Amoral. Dabei geht sie einen Schritt zu weit und stürzt andere Leute ins Verderben. Bis sie schließlich selbst - noch einmal - stürzt.

Dieser Film ist ein echtes Kunstwerk. Neben den durchweg gut besetzten Rollen sind es insbesondere das Spiel mit Farben und die Tonebene, die "Yella" weit über den Durchschnitt hinausheben. Wie sich das Rascheln der Blätter, das Säuseln des Windes und das Rauschen des Wassers in Yellas Momenten größter Verwirrung zu einem bedrohlichen Klangszenario wandeln, ist große Kunst. Die surreal angehauchten Szenen, in denen Yella wie fremd wirkt, andere Leute durch sie hindurchschauen, als sei sie nicht existent, sind sehr gut umgesetzt worden, ohne dabei den stilistischen Rahmen des Films zu durchbrechen. Hier handelt es sich nicht um groteske David-Lynch-Lookalike-Szenen, sondern um Szenen, die nur knapp neben der Realität stehen. Und dennoch haben diese Szenen ebenso eine Sogwirkung wie Lynch in seinen besten Momenten.

Meine uneingeschränkte Empfehlung für diesen in jeder Hinsicht gelungenen Film!


Madonnen
Madonnen
DVD ~ Sandra Hüller
Preis: EUR 20,99

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Bodensatz der Gesellschaft, 24. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Madonnen (DVD)
Es ist schon allerhand, was uns Regisseurin Maria Speth da auftischt. Eine nüchtern beobachtete, äußerst bedrückende Studie über Bindungsunfähigkeit und die fehlende Liebe zur eigenen Familie. Die Figuren in diesem Film handeln oftmals auf für den Zuschauer nicht nachvollziehbare Weise. Hauptfigur Rita sehnt sich auf der einen Seite nach Nähe, kann sie aber gleichzeitig nicht zulassen. Unvermittelt schlägt sie in plötzlichen Wutanfällen auf Telefonzellen oder auch ihre Mitmenschen ein, schreit ihre Kinder an: "Ich bin die Mutter, du bist das Kind, begreif das doch mal!"
Aber das ist wahrlich nicht so einfach zu begreifen, denn Rita mangelt es an allem, was eine Mutter gemeinhin auszeichnen sollte und was die meisten wohl für selbstverständlich halten: Wärme, Nähe, Interesse, Fürsorglichkeit - Fehlanzeige!
Woher jene beklemmende Lieblosigkeit in diesem Film kommt, das ist die große Frage, für die es aber keine Antworten gibt. Ritas Mutter, Rita selbst und ihre älteste Tochter, sie alle wirken erschreckend in sich gekehrt und so völlig unfähig, mit anderen Leuten oder auch sich selbst sinnvoll umzugehen. Und man ahnt, dass das immer so weitergehen könnte, dass auch Ritas Kinder in nicht allzu ferner Zukunft Eltern sein werden, die in ihrer eigenen Kindheit nie gelernt haben, was "Nestwärme" bedeutet und es in sofern auch nicht weitervermitteln können.
Wir blicken hier nicht wirklich auf den sozialen Abgrund Deutschlands, zumindest nicht aus finanzieller Sicht. Die Möglichkeiten, sich ein echtes Leben einzurichten, wären durchaus vorhanden, aber es mangelt an Antrieb dazu. Rita sagt an einer Stelle: "Ich könnte überall leben", doch dabei verwechselt sie wohl "leben" und "überleben". Ihr selbstbezogenes Dahinvegetieren kann man kaum als Leben bezeichnen.

"Madonnen" lässt den Zuschauer einen oft ungläubigen Blick in die Hölle sozialer Verarmung werfen. Maria Speths fast dokumentarischer Stil lässt das Gesehene noch viel echter wirken, und ich hatte während des Sehens den fatalen Gedanken, dass ich zwar nicht glauben kann, was ich da sehe, aber sehr wohl glauben könnte, dass hier eine Realität abgebildet wird, die irgendwo in Deutschland tatsächlich existiert. Insbesondere Sandra Hüllers Spiel fällt einmal mehr positiv auf, sie wirkt in diesem fast-dokumentarischen Setting äußerst echt und überzeugend, spielt sehr zurückgenommen. Und beweist damit nach ihrem furiosem Auftritt in "Requiem" endgültig, dass sie zur Spitzenklasse deutscher Schauspielerinnen gehört.


PROMETHEUS Lernatlas der Anatomie. Kopf und Neuroanatomie
PROMETHEUS Lernatlas der Anatomie. Kopf und Neuroanatomie
von Michael Schünke
  Gebundene Ausgabe

15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mit Köpfchen übers Köpfchen!, 19. Februar 2007
Der dritte Band der Prometheus-Reihe weist alte Stärken auf: Superbe Abbildungen, die eine räumliche Vorstellung möglich machen und das Lernen der zum Teil sehr verzwickten Gefäßverläufe im Kopfbereich sehr erleichtern. Die Neuroanatomie beschränkt sich hier nicht nur auf eine bloße Darstellung von Strukturen, sondern es werden auch zahlreiche funktionelle Bezüge hergestellt [Schlaganfälle, Lähmungen, Gesichtsfeldausfälle...], so dass auch der Band "Kopf und Neuroanatomie" wieder als Atlas und Lehrbuch in einem betrachtet werden kann.

Qualitativ ist jedoch ein kleiner Abfall gegenüber den vorherigen Bänden festzustellen. Immer wieder stößt man auf Fehler in den Abbildungen und Lerntexten, die für einige unnötige Verwirrung sorgen können. Womöglich liegt das daran, dass nach der langen Wartezeit auf diesen letzten Band die Autoren unter Termindruck standen...?

Die Behandlung des Themas "Kleinhirn" fällt eher dürftig aus und sollte dringend mit einem anderen Lehrbuch nachgeholt werden, da das ja schon von Belang ist. Auch die Hirnsinus sind für meinen Geschmack ungewöhnlich unsystematisch aufgearbeitet und man muss sich aus mehreren Abbildungen das Wichtigste zusammensuchen, während die zugehörigen Lerntexte vieles gleich von vorneherein verschweigen. Die Blutversorgung innerer Gehirnteile ist nur schemenhaft skizziert und dürfte für Prüfungen nur unzureichende Kenntnisse vermitteln.

Nichtsdestotrotz handelt es sich um ein empfehlenswertes Werk [zum Ausgleich der genannten Mängel muss man eben auf die Werke von Trepel, Zilles oder Benninghoff zurückgreifen]. Insbesondere möchte ich die Schnittbildanatomie hervorheben, die ja auch im Präparierkurs einen großen Teil der Zeit einnimmt. Mit den Darstellungen im Buch bekommt man wirklich ein gutes Verständnis von den räumlichen Verhältnissen. Großartig sind außerdem die zusammenfassenden Darstellungen der Hirnnervenverläufe und der Durchtrittsstellen der Schädelbasis - was ja wohl die so ziemlich beliebtesten Prüfungsthemen sind. Hier weiß man die Qualität der Prometheus-Reihe dann wieder in ihrer ganzen Pracht zu schätzen.


PROMETHEUS Lernatlas der Anatomie. Hals und Innere Organe
PROMETHEUS Lernatlas der Anatomie. Hals und Innere Organe
von Michael Schünke
  Gebundene Ausgabe

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Prometheus - was sonst!?, 19. Februar 2007
Auch der zweite Band der Prometheus-Reihe kann wieder mit einer klaren Gliederung, verständlichen Lerntexten und herausragenden Abbildungen überzeugen. Die Zusammenfassung der Organversorgungen [Arterien, Venen, Nerven, Lymphabflüsse] am Ende des Werkes habe ich bei der Wiederholung vor den Prüfungen sehr zu schätzen gelernt.

Auch das bei Studenten gefürchtete Thema "Hals" mit den unzähligen Leitungsbahnen und den komplexen topographischen Beziehungen, die im Wesentlichen aus der Embryologie heraus zu verstehen sind, werden hier nachvollziehbar und auf die tatsächlichen Verhältnisse am menschlichen Körper übertragbar dargestellt.

Im Gegensatz zum ersten Band sind manche Themen allerdings ein wenig zu kurz geraten und man sollte schon auch mal in Anatomie-Lehrbüchern nachlesen [die Milz ist z.B. so ein Thema, das hier auf einer Doppelseite abgehandelt wird und zu dem es schon noch etwas mehr zu sagen gäbe]. Somit kann der Band "Hals und innere Organe" den allumfassenden Anspruch des ersten Bandes nicht ganz beibehalten, bleibt aber dennoch die allererste Nennung auf der Empfehlungsliste, wenn es um die Frage geht, wie man den Situs-Teil der Anatomie am besten lernt.


PROMETHEUS Lernatlas der Anatomie. Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem
PROMETHEUS Lernatlas der Anatomie. Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem
von Michael Schünke
  Gebundene Ausgabe

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Jetzt schon ein Klassiker!, 19. Februar 2007
Manchmal frage ich mich, wie Studenten früher Anatomie gelernt haben, als es noch nicht den Prometheus gab. Wenn man im ersten Semester in den Präparierkurs geworfen wird und den Bewegungsapparat bearbeiten soll, dann braucht man möglichst schnell eine Orientierung in dem Wust an Informationen. Da wird der erste Band der Prometheus-Reihe schnell zum besten Freund des Medizinstudierenden. Dieses umfangreiche Werk ist Atlas und Lehrbuch in einem und zumindest für den Bewegungsapparat-Teil ist es den Machern gelungen, ein Werk zu schaffen, das weitere Literatur kaum mehr nötig macht. Alles, was man zum Thema wissen muss, steht im Prometheus wirklich drin.

Über die Qualität der Abbildungen braucht man nicht zu diskutieren, ich denke, sie suchen ihresgleichen. Dabei schaffen sie es, von höchstem künstlerischen Wert zu sein und die "Faszination Anatomie" zu wecken, ohne aber die tatsächlichen Verhältnisse zu verklären und somit ein Wiedererkennen der Strukturen am echten Menschen zu erschweren. Das lästige Muskelpauken im Bewegungsapparat-Abschnitt wird mit dem Prometheus zu einer runden und vor allem systematischen Sache. Eine klare topographische Gliederung des Lern-Atlas erleichtert die Übersicht.

Die mitunter aufkeimende Frustration ob des schier nicht enden wollenden Lernstoffes [ich würde schon denken, dass der Bewegungsapparat der umfangreichste Teil der Anatomie ist] wird vom Prometheus sanft abgefangen und in Motivation verkehrt. Ich würde ganz dogmatisch sagen, dass an diesem Werk wirklich gar kein Weg vorbeiführt.


Biochemie und Pathobiochemie (Springer-Lehrbuch)
Biochemie und Pathobiochemie (Springer-Lehrbuch)
von Georg Löffler
  Gebundene Ausgabe

12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der König der Lehrbücher!, 19. Februar 2007
Zugegebenermaßen hatte mich der große Umfang dieses Lehrbuches auch erst abgeschreckt, so dass ich zunächst versuchte, die Biochemie mit dem kompakteren Lehrbuch von "Horn et al." zu bearbeiten. Als dann die Neuauflage des Löfflers rauskam, hatte ich endlich einen Grund, dieses Projekt entnervt aufzugeben.

Natürlich hat man von keinem Lehrbuch etwas, wenn man es nicht liest. Und deswegen muss man Zeit mitbringen, wenn man sich an dieses Buch setzt. Im Medizinstudium ist Zeit natürlich Mangelware und so mussten dann eben die Weihnachtsferien dran glauben, um eine intensive Beschäftigung mit der Biochemie zu ermöglichen.

Der Löffler macht es ziemlich schwierig, einfach mal einen einzigen Sachverhalt nachzuschlagen, da die Themen meist in den Komplex zumindest eines Kapitels fest eingebettet sind. Deswegen sollte man die Bearbeitung dieses Buches systematisch angehen und wirklich ganze Kapitel lesen. Es lohnt sich, da man sich auf diesem Wege ein wirklich umfassendes Verständnis für die Biochemie aneignet, mit dem man dann auch nicht mehr die unzähligen Sachverhalte bloß auswendig lernen muss, sondern sich einen großen Teil auch logisch herleiten kann.

Hervorzuheben ist die famose Didaktik des Buches, das wirklich darauf abzielt, dass man die Inhalte versteht. An einigen Stellen geht es dann natürlich doch zu arg ins Detail, ansonsten sind viele kleine und kleinste Sachverhältnisse bei uns in Dsseldorf auch tatsächlich behandelt worden, so dass ich nur schwerlich behaupten könnte, die Darstellung wäre unnötig ausführlich. Toll an dem Buch ist auch die Sprache, die stets sehr sachlich bleibt, aber so klar strukturiert ist, dass innerhalb der Texte wirklich ein Verständnis möglich wird.

Dank des Löfflers bin ich problemlos durch die Biochemie gekommen. Dabei habe ich mir vieles aufgrund mancher Vorlesung von zweifelhafter Qualität wirklich im Selbststudium beigebracht. Und man muss sicherlich nicht alle 1200 Seiten gelesen und verinnerlicht haben, um den prüfungsrelevanten Stoff zu lernen.

EIne Sache noch: Man sollte Chemie-Vorkenntnisse mitbringen, wenn man sich für den Löffler entscheidet, da er, im Gegensatz zu anderen Lehrbüchern, die chemischen Grundlagen nicht noch einmal erläutert. Wer also bei einer realistischen Betrachtung [manche Leute neigen ja dazu, ihre eigenen Fähigkeiten permanent kleinzureden und zu unterschätzen...] Chemie als seine Achillesferse betrachten würde, sollte vorsichtig sein.


Physiologie des Menschen. MIT Pathophysiologie (Springer Lehrbuch)
Physiologie des Menschen. MIT Pathophysiologie (Springer Lehrbuch)
von Robert F. Schmidt
  Gebundene Ausgabe

28 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Auch dies ist nicht der große Wurf!, 19. Februar 2007
Etwas enttäuscht musste ich feststellen, dass es für die Physiologie nach wie vor kein wirklich empfehlenswertes Lehrbuch liegt. Während Kurzlehrbücher zu knapp ansetzen und die komplexe Thematik allzu sehr auf ein Auswendiglernen von Kennwerten beschränken, verpassen es sowohl der "Klinke/Silbernagel" als auch dieses Buch, der traditionsreiche "Schmidt/Lang/Thews", in ihrer allumfassenden Darstellung die Übersicht zu bewahren.

Kommen wir zunächst zu den Pluspunkten dieses Lehrbuches: Was nicht im "Schmidt/Lang/Thews" steht, das kann man auch getrost außen vor lassen. Die Physiologie wird hier in all ihren Facetten abgehandelt und darüber hinaus kann man auch noch die halbe Biochemie sowie zahlreiche klinische Beispiele mit diesem Buch lernen. Die zumeist sehr einfach gehaltenen Grafiken zeigen deutlich, worauf es ankommt und sind im Vergleich zum Lehrbuch von "Klinke/Silbernagel" [wo die Abbildungen sich in all ihrer Farbenpracht in Unübersichtlichkeit verlieren] die klaren Gewinner.

Leider gibt es auch zahlreiche Schattenseiten. Jedes Kapitel ist von einem anderen Autor verfasst worden, so dass man einen roten Faden, der sich konzeptionell wie inhaltlich durch das Werk zieht, vergebens sucht. Auch hat man an manchen Stellen nicht den Eindruck, dass es den Autoren um Wissensvermittlung geht. Vielmehr möchten sie möglichst verklausuliert einen Zugang zu den Inhalten verhindern, so scheint es mir. Die Darstellung des Frank-Starling-Mechanismus oder der Ausbreitung von Durckpulswellen [um nur einige Beispiele zu nennen] sind eine Zumutung. Es handelt sich dabei um gar nicht einmal so komplexe Themen, aber sie werden hier so schlecht und unverständlich dargestellt, dass man nur wütend werden kann.

Manche Kapitel, insbesondere zum Sehen, Hören und Gleichgewichtssinn, kann man sehr gut und mit großem Gewinn lesen, während andere Bereiche, insbesondere das Atmungs- und Kreislaufkapitel, mit diesem Buch Black Boxen bleiben müssen. Ich persönlich war an vielen Stellen besser beraten, mich auf Vorlesungsinhalte zu verlassen, als dieses Buch zu Rate zu ziehen.

Ziel eines Lehrbuches sollte es meiner Ansicht nach sein, Leuten, die sich neues Wissen erwerben wollen, diesen Zugang zu ermöglichen. Deswegen sollten unnötig verschachtelte Formulierungen und den [Noch]-Laien ausschließende Fachsimpelei außen vor bleiben. Fakten, die für eine Neuauflage des Buches dringend überdacht werden sollten.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: May 22, 2011 6:43 PM MEST


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