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jiumi (Germany)

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Zwei nach Shanghai: 13600 Kilometer mit dem Fahrrad von Deutschland nach China
Zwei nach Shanghai: 13600 Kilometer mit dem Fahrrad von Deutschland nach China
von Hansen Hoepner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

54 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Zwillingsmär, 1. November 2013
Zwei Chinesen fahren mit dem Rad durch Deutschland. Irgendwo in der Provinz trinken sie ein wenig über den Durst, fallen über eine Verkaufstheke und reißen elektronisches Equipment mit. Als der Besitzer den Schaden aufnehmen lassen will, machen sie eine riesige Szene, rufen die chinesische Botschaft an und bezichtigen den Besitzer des Betrugs. Was das mit dem Buch zu tun hat? Die Szene kommt in dem Buch vor, nur mit zwei Deutschen, den Autoren, die im Suff ein Telefon vom Tresen reißen. Und dann genauso reagieren, wie die fiktiven Chinesen am Anfang der Rezension.

Der Perspektivenwechsel hilft, um zu verstehen, was da auf der Reise der Zwillinge Hansen und Paul Hoepner passiert. Da rasen zwei Egomanen ohne Rücksicht auf Menschen, Kulturen und Fakten durch die Welt, oder besser: Von Berlin nach Shanghai. Mit dem Fahrrad. Glaubt man der Verlagswerbung, haben sie damit etwas Einzigartiges geleistet. Auf gleicher oder ähnlicher Strecke sind jährlich ein paar hundert Radler unterwegs, ohne das Ganze zu überhöhen. Einige schreiben auch darüber, in Blogs und in Büchern. In schwankender Qualität. Meiner bescheidenen Meinung nach ist das Buch der Zwillinge Hoepner mit Abstand das schlechteste.
Zugegeben: Ich hätte die Buchbeschreibung besser lesen sollen. Da wird ja schon deutlich, dass es sich um einen Egotrip der beiden handelt. Ich hätte also gewarnt sein sollen. Aber wenn man, wie ich gerade, selbst in China auf dem Fahrrad sitzt und einem der Lesestoff ausgeht, kommt so ein Download auf dem Kindle gerade recht. Die Egozentrik möchte und kann ich den beiden folglich nicht vorwerfen, auch wenn sie mich bis zur Unerträglichkeit genervt hat.

Was das Buch aber auch sonst zu einem Ärgernis macht (abgesehen davon, dass zuweilen der Reiseblog nahezu unredigiert übernommen wird, inklusive der Rechtschreib- und Sachfehler) ist der Umgang mit Situationen und Fakten vor Ort. Das fängt schon beim Teaser auf Amazon an.
- Die längste Strecke von Berlin auf dem Landweg wäre Singapur, nicht Shanghai.
- "Ein Zelt, Isomatten und zwei Fahrräder – mehr brauchen Paul und Hansen nicht, um von Berlin nach Shanghai zu radeln." Und eine sündhaft teure Kameraausrüstung, die Großzügigkeit unzähliger Menschen am Wegesrand, die oft noch nicht einmal namentlich benannt sind.

Erbsenzählerei? Als singuläre Fehler, sicherlich. Aber das weitgehend faktenfreie private Zusammenreimen der Situationen vor Ort zieht sich durch alle Geschichten der Zwillinge. Ganz surreal, wenn man den Ikeshtam Pass selbst mal gefahren ist, die Einreise nach China. Was war jetzt in China, was in Kirgisien, wer kontrolliert die Speicherkarten und wer zwingt Hansen, Wodka zu trinken an der "Grenze"? Die Geschichte ist so, wie sie geschildert wird, rein logistisch nicht plausibel.

In China wird es dann ganz wild. Erstaunlich, wie viele chinesische Polizisten in den abgelegensten Regionen plötzlich Englisch auf Konversationsebene sprechen (nach meiner Erfahrung jeder 100., wenn überhaupt). Erstaunlich, dass die Zwillinge vorgeben, ein wenig Chinesisch gelernt zu haben, und dann (selbst nach Lektorat!) "Miu! Miu!" statt "Meiyou" schreiben, immerhin das zuweilen in China am meisten gehörte Wort ("gibt es nicht!). Danke heißt "Xiexie", nicht "Sche, Sche", aber das nur nebenbei. Mautstationen werden mit Checkpoints verwechselt, die Autoren regen sich darüber auf, dass auf der autobahnähnlichen Mautstraße hinter Kashgar keine Läden zu finden sind (die alte Landstraße verläuft parallel und wäre für Radler, die etwas vom Land sehen und mit der Bevölkerung in Kontakt kommen wollen bei weitem die bessere Wahl gewesen). Überhaupt: Was wäre denn eigentlich passiert, wenn es die Zwillinge hinter Kashgar nach Tibet geschafft hätten? Kasghar - Lhasa ist mit dem Rad bei Idealbedingungen und optimalem Fitnesszustand 30 Tage (an denen man aber weder am Everest, noch am K2 vorbeikommt, wie im Buch geschrieben), Lhasa - Chengdu oder Lhasa - Kunming noch einmal mindesten ein Monat. Der Weg von Kunming oder Chengdu nach Shanghai dann noch einmal 30 Tage, wenn man den Turbo zündet. War das wirklich die ursprünglich geplante Route? Mehr als 30 Tage über dem Zeitplan? Oder ist das einfach eine Geschichte, die sich gut vermarktet? Generell nehme ich den Zwillingen die beschriebene Naivität nicht ab. Einerseits ständig Routen auf Google Maps plotten und dann regelmäßig abstrus falsch fahren. Komplett unrealistische Pläne bei einer ansonsten technisch anscheinend perfekt durchgeplanten Reise schmieden. Ständig über Geldnot reden und dann zeitgleich 5000 Yuan für eine Kamera auf den Tisch blättern, stolz, das Geld zu haben und den dummen Locals mal zeigen, dass man trotz dreckiger Kleidung etwas Besonderes ist (so lese ich den Subtext in der Xining-Episode).

Ab Yichang wird dann nur noch durch Land gebrettert, die Mär erzählt, dass die Chinesen mit dem Autobahnbau alle anderen Straßen verkommen lassen (das Gegenteil ist der Fall: Der Hauptverkehr geht auf die Autobahnen und die Nebenstraßen sind leidlich bis sehr gut ausgebaut und weitgehend verkehrsfrei). Einige unglaubwürdige Geschichten später radeln die Zwillinge dann in Shanghai ein, können zwei Kilometer vorher schon ihr Ziel, das Ehrenmal für die Helden des Volkes am Bund sehen, anscheinend mit Röntgenaugen, da für den Normalsterblichen hinter Promenaden und Hochhäusern versteckt und sind dann am Ziel. Ein Chinese namens Ching Ching Dali erzählt dann der Mutter der Zwillinge, wie stolz China auf die beiden ist. Das rührt so sehr, dass sich die beiden noch nicht einmal die Mühe machen, den Chinesen nach seinem (richtigen) Namen zu fragen. Ching Ching Dali heißt in China kein Mensch, allein schon deshalb, weil es die ersten beiden Silben so im Chinesischen gar nicht gibt.

Eine zuweilen recht kurzweilig erzählte Geschichte, die mit zunehmender Dauer aber sehr repetitiv wird (Streit, Erschöpfung, Zweifel, Freude über das Erreichte; in der Endlosschleife). Leider in den von mir nachvollziehbaren Teilen (d.h. die Streckenabschnitte, die ich selbst schon gefahren bin) so weit von der Situation vor Ort entfernt und an der Realität vorbei, dass ich mich gefragt habe, wie viel die Autoren im Rest des Buches noch frei vor sich hingesponnen haben. Warum das Buch so gehypt wird, ist mir auf jeden Fall unverständlich.
Kommentar Kommentare (34) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jul 11, 2014 4:25 PM MEST


China: Der Reiseführer vom Spezialisten
China: Der Reiseführer vom Spezialisten
von Hans-Wilm Schütte
  Broschiert
Preis: EUR 14,80

14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Werbekatalog, 2. Januar 2013
Dies ist kein Reiseführer, sondern einfach ein Werbekatalog von China Tours. Für die eigenen Kunden sicherlich ein nettes Give-away mit schönen Bildern und ein paar Hintergrundinformationen. Das aber an Nicht-China-Tours-Kunden als Reiseführer zu verkaufen, ist schlichtweg eine Frechheit!


The Longest Way: 4646 Kilometer zu Fuß durch China
The Longest Way: 4646 Kilometer zu Fuß durch China
von Christoph Rehage
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

28 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen 444 Seiten durch Christoph Rehage, 25. Oktober 2012
Christoph Rehage läuft durch China. Über 4.000 Kilometer. Zwischendrin fliegt er mal nach München, dann nach Hainan. Wegen seiner Freundin. Um Juli, so ihr Name, geht es auch vor allem in dem Buch. Und um Christoph Rehage. Wäre das vorliegende Buch ein Book on Demand oder als "Buch von einem, der loslief, um sich selbst zu finden" betitelt, wäre es ein bis zwei Sterne mehr wert.

Leider erscheint "The Longest Way" bei Malik, einem ausgewiesenen Reisebuchverlag, und verspricht einen ungewöhnlichen Blick auf China. Hierfür ist der Autor jedoch viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass er Lesenswertes über China schreiben könnte. Die wenigen Informationen über das Land sind dann auch eher dürftig und zudem meist falsch (Jiang Qing war nicht Maos erste Frau und Deng Xiaoping nicht sein direkter Nachfolger, um nur zwei Beispiele von vielen zu nennen). Manch eine Übersetzung chinesischer Ausdrücke und Ortsnamen ist eher Küchen-Chinesisch, so dass sich der sprachkundige Leser wundert, wie Rehage seine Gespräche mit Chinesen auf dem dargestellten Niveau geführt haben soll. Alles nicht weiter tragisch, aber bei der durch Werbung und Klappentext erzeugten Erwartungshaltung doch ein bisschen wenig. Bei den wenigen interessanten Begegnungen mit Chinesen geht es dann leider auch nur am Rande um deren Geschichte. Rehage ist und bleibt die Hauptperson, nimmt sich nie zurück, um einem interessanten Charakter ein wenig Raum zu geben. Das ist auf die Dauer sehr nervig.

Zudem hätte sich der Leser über einen fähigen Lektor gefreut, der mal nachfragt und eingreift, wenn eine angefangene Geschichte abrupt ohne Auflösung endet oder die immer gleichen Gedanken wiedergekäut werden.

Spätestens nach 200 Seiten Selbstbespiegelung des Autors wird die Lektüre zäh, ab Seite 300 musste ich mich zwingen, das Buch weiterzulesen. Die Hoffnung, dass vielleicht doch noch etwas Interessantes passiert, hat mich dann bis zu Seite 400 gebracht. Dann war es zu spät zum Aufhören und auf Seite 444 (dem Ende des Buches) fühlte ich mich ähnlich müde wie Christoph Rehage nach seiner Wanderung. Über den Autor habe ich gelernt, dass er passabel schreiben kann, gut fotografiert und perfekte Selbstvermarktung betreibt. Lesenswert macht das sein Buch leider nicht.
Kommentar Kommentare (5) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jun 14, 2013 12:11 PM MEST


Linksaufsteher: Ein Montagsroman
Linksaufsteher: Ein Montagsroman
von Matthias Sachau
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,99

9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Abgezocke, 20. Juli 2011
Hey, schrieb der Verlag, Deine Bücher verkaufen sich gut, leg mal einen nach! Der Autor hatte wohl keine Lust, konnte das Geld aber ganz gut gebrauchen und setzte sich launig an den Schreibtisch, in die Kneipe, oder legte sich in die Badewanne.

Herausgekommen ist eine wenig stringente, konfuse, bedingt witzige Geschichte voller Stereotypen und Klischees, mit einer Hauptfigur, die beliebig und vollkommen konstruiert daherkommt. Auch die anderen Charaktere sind nur Abziehbilder und der Plot ist durchsichtig und unspannend.

"Schief gewickelt" war klasse, "Kaltduscher" unterhaltsam, "Linksaufsteher" ist einfach nur der Versuch, den angefixten Fans ein Lesevergnügen vorzugaukeln, das leider noch nicht mal eine Zugfahrt überdauert. Immerhin - einmal habe ich mich zwischen Berlin und Freiburg nicht am meisten über die Bahn geärgert.


Radnomaden: Mit dem Fahrrad nach China
Radnomaden: Mit dem Fahrrad nach China
von Markus Fix
  Taschenbuch

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Nett aber oberflächlich, 25. September 2008
Um es vorweg zu nehmen: Dies ist der beste Reisebericht, den es im deutschsprachigen Raum bisher von Reiseradlern auf der Route Europa-China in Buchform gibt. Das ist aber eigentlich keine gute Nachricht. Viel zu oberflächlich und selbstbezogen ist das Buch, nett zu lesen und teilweise gut und witzig geschrieben, aber eben nicht viel mehr als ein kaum redigiertes Reisetagebuch. Es geht ums Radfahren, den nächsten Pass, die nächste Übernachtung und die Schwierigkeiten, die auf so einer Reise auftauchen. Die durchreisten Länder sind dabei nur Kulisse, die Menschen vor Ort können mangels Sprachkenntnisse der Autoren nicht mehr sein als Statisten und sind daher austauschbar, flüchtige Begegnungen, ohne das der Leser etwas über sie oder deren Länder erfährt. Immerhin, Sandra und Markus setzten sich sehr positiv von anderen Reiseradlern ab, die im Stile des Duos Glöckner/Brümmer mit dem ignoranzgetriebenen Dampfhammer durch fremde Kulturen preschen. Sie beobachten, fühlen sich in die Länder im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein und meinen nicht, den Leser belehren zu wollen. Dafür den dritten Stern, ansonsten ist das doch recht belanglose Buch inhaltlich zu dünn und gerade einmal zwei Sterne wert. Interessierte Radler finden im Internet weitaus bessere Berichte.


Und alles, was bleibt, ist für dich: Roman
Und alles, was bleibt, ist für dich: Roman
von Xu Xing
  Broschiert

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein chinesisches Juwel, 30. Juli 2006
Das Buch hebt sich angenehm von den immergleichen Selbstbespiegelungen einer Mian Mian, Wei Hui und Hong Ying ab und führt in einem Parforceritt in die Befindlichkeiten einer chinesischen Zwischengeneration, bei der die chinesischen Reformen neben Aufbruchs- auch Katerstimmung und Orientierungslosigkeit hinterlassen haben. Die Übersetzung mag manchmal launig sein, lässte den Leser aber nicht, wie so manch eine andere Übertragung aus dem Chinesischen, immer wieder über Unverständlichkeiten stolpern. Absolut empfehlenswert!


Einmal einfach Chongping - Wuhan: Mit dem Verkehrsschiff auf dem Yangtze
Einmal einfach Chongping - Wuhan: Mit dem Verkehrsschiff auf dem Yangtze
von Lutz Simon
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Verlorene Zeit, 7. Juni 2006
Herr Simon schreibt ein Tagebuch über seine Reise von Chongqing nach Wuhan. Dabei wird sehr schnell deutlich, dass er über China eine vorgefertigte Meinung hat (er wird nicht müde, seine Chinaerfahrung sowie seine Doktortitel herauszustellen), die Chinesen als störendes Beiwerk ansieht und seine Kabine nur in Notfällen verlässt, da draußen, so die Kernaussage, Schmutz und Chaos herrschen.

Tagebuchschreiben ist eine schöne Sache für den Privatgebrauch. Wer die deutsche Sprache so wenig beherrscht wie der Autor (nicht alles, was hinkt ist ein Vergleich!), Rechtschreibfehler am laufenden Band produziert und nichts zu erzählen hat außer über die eigene Unfähigkeit, sich auf ein fremdes Land einzulassen, sollte besser von einer Veröffentlichung absehen. Als Reisebericht für den Leser unbrauchbar, als Lektüre einfach nur ein Ärgernis.


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