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Rezensionen verfasst von
Beate Neugebauer-Kraft

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SOS Kinderseele: Was die emotionale und soziale Entwicklung unserer Kinder gefährdet -  - und was wir dagegen tun können
SOS Kinderseele: Was die emotionale und soziale Entwicklung unserer Kinder gefährdet - - und was wir dagegen tun können
von Michael Winterhoff
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,99

76 von 84 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Toller Erfahrungsbericht! Sand für das Getriebe gegenwärtiger Bildungspolitik, 13. Oktober 2013
Herzlichen Glückwunsch, lieber Herr Dr. Winterhoff! Endlich mal jemand der sich traut, einfach einen Erfahrungsbericht zu schreiben. Ohne jeden verkaufsträchtigen Schnickschnack, ohne den erklärten Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Klasse! Es liest sich „so nebenbei“ und sollte deswegen Pflichtlektüre für alle Entscheidungsträger in Sachen Bildung und Erziehung sein.
Sehr geehrte Damen und Herren Politiker, Sie müssen sich gar nicht anstrengen. Nur einfach mal lesend einem erfahrenen Praktiker Gehör schenken und Ihr Handeln vor diesem Hintergrund überdenken. Sie werden schnell erkennen, dass wir den Auftrag unserer Bildungseinrichtungen dringend um den der Entwicklungsbegleitung erweitern müssen, wollen wir unseren Kindern weiterhin ein Leben in Selbstständigkeit und Unabhängigkeit ermöglichen.
Aus meiner Perspektive als Schulleiterin kann ich Winterhoffs Beobachtungen und Praxiserfahrungen nur bestätigen: Viele unserer Kinder sind nicht mehr altersentsprechend entwickelt, zahlreiche Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert. Sie brauchen dringend Hilfe. Winterhoff spricht von gesellschaftlich bedingten Beziehungsstörungen und gibt zahlreiche Tipps zur Umstrukturierung des pädagogischen Alltags, um die gesunde psychische Entwicklung von Kindern zu unterstützen bzw. ein Nachreifen zu ermöglichen. Nach einigen Jahren der Erprobung seiner Vorschläge kann ich sagen, dass sich Winterhoffs praktische Anregungen als überaus hilfreich erwiesen haben und erweisen. Viele Kinder reifen in kurzer Zeit nach und sind für Lernen wieder zugänglich, können ihr Potenzial voll ausschöpfen. Abgesehen davon macht es wieder Spaß, mit diesen Kindern zu arbeiten.
Vor diesem Erfahrungshintergrund wünsche ich mir sehr, dass Winterhoff sich noch mehr in die diesbezügliche politische und gesellschaftliche Diskussion einmischt. Er hat aufgrund seiner langjährigen Praxiserfahrung zu den Kindern und Jugendlichen unserer Zeit tatsächlich etwas zu sagen und, wenn man es mal nicht verstanden hat: Man darf ihn auch fragen. Im Gegensatz zu vielen anderen, vollmundig palavernden Schwätzern meint Winterhoff das mit dem Helfen ernst.
Und wenn das Buch auch an einigen Stellen redundant und wenig strukturiert ist. Na und? In einem Erfahrungsbericht stört das gar nicht. Nicht diejenigen, die am schönsten reden oder schreiben bringen unsere Gesellschaft voran, sondern die, die erkennen, was zu tun ist.
Der Vorschlag von Frau von der Leyen, den Personalmangel in Kitas kurzerhand mit den durch die Schlecker-Pleite arbeitslos gewordenen Frauen auszugleichen (S.159), ist ein gut gewähltes Beispiel schlechter Gegenwartspolitik. Es erlaubt die Frage: Wie viel ist Bildung und Erziehung unserer Gesellschaft oder besser gesagt, unserer Politik, wert? Geben wir uns zukünftig damit zufrieden, Kindern beim Großwerden zuzuschauen oder werden wir uns weiter dafür einsetzen, dass aus ihnen (mit-) fühlende, soziale Wesen werden, die imstande sind, menschliche Kultur weiter zu tragen und weiter zu entwickeln? Ich gehe ganz und gar konform mit Winterhoffs mahnenden Worten. Sollten wir uns nicht sehr schnell um die gesunde psychische Entwicklung unserer Kinder bemühen, werden diese dauerhaft auf dem Stand eines Kleinkindes bleiben: egozentrisch, kleinkindhaft – narzisstisch, lustorientiert, nicht sozialfähig. Wenn wir so weitermachen, könnte es sein, dass wir uns als menschliche Spezies zurückentwickeln und irgendwann auf dem Niveau eines Bandwurms wiederfinden: triebgesteuert, nur noch mit Nahrungsaufnahme und Fortpflanzung beschäftigt. Nein, danke! Evolutionär hatten wir da schon ein anderes Niveau erreicht und ich möchte auch gerne auf diesem weiterleben. Ebenfalls wünsche ich das unseren Kindern, die unsere Zukunft sind.
Ich bin froh, dass Winterhoff dieses Buch geschrieben hat. Wäre doch schön, wenn tatsächlich mal all diejenigen, die tagtäglich mit den fatalen Auswirkungen gesellschaftlicher Veränderungen sowie mit denen unserer miserablen Bildungspolitik konfrontiert sind, den Mut fänden, das auch auszusprechen und zwar nicht nur im persönlichen Gespräch oder per privatem Mailkontakt. Unsere Kinder haben nur eine Lobby und das sind wir Erwachsenen. Wenn wir uns nicht trauen, zu sagen, was wir sehen und denken, wer soll es denn dann tun?
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 13, 2015 12:14 AM MEST


Lasst Kinder wieder Kinder sein! Oder: die Rückkehr zur Intuition
Lasst Kinder wieder Kinder sein! Oder: die Rückkehr zur Intuition
von Michael Winterhoff
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

68 von 81 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hervorragende Analyse - überflüssiges Beiwerk, 17. September 2011
Winterhoff ist ein Meister der Analyse. So gelingt es ihm in seinem neuen Buch Lasst Kinder wieder Kinder sein trefflich, die durch die veränderte Medienkultur wie auch durch unseren gesamten gegenwärtigen Lebensstil verursachte Belastungssituation für unsere Psyche nachvollziehbar zu analysieren und zu beschreiben: Wir befinden uns ständig im Katastrophen Alarm und treiben deswegen das Hamsterrad, in dem wir uns befinden, unaufhaltsam weiter an. Der Verlust der Mitte, der inneren Ruhe, ist die Folge davon. Der Zugriff auf unsere Intuition ist verstellt.
Eine gelungene Ergänzung und Weiterführung seiner bisherigen Bücher. Wenngleich der Titel des Buches eine andere Erwartungshaltung weckt, nämlich die, dass dieses Buch sich schwerpunktmäßig mit der gesunden Entwicklungsbegleitung von Kindern beschäftigt, was es jedoch nur peripher tut. Dennoch lohnt sich das Lesen allein für die Wissenserweiterung durch o.g. Analyse. Sie ist kurz und knapp dargestellt, mit Beispielen verdeutlicht. Das kann Winterhoff: Er ist, wie gesagt, ein Meister der Analyse, allerdings kein Meister des Wortes. Nein. Sprache fließt ihm nicht zu. Bei seinem neuesten Buch hatte er jedoch offensichtlich gute Berater, denn es liest sich stilistisch sehr viel glatter als seine ersten drei Bücher. Es ist schriftstellerisch deutlich besser.

Dennoch erscheint es, bei aller Bedeutung der Kernaussage, eine merkwürdige Konstruktion verschiedener Teile zu sein. Das erste Drittel - samt Vorwort - überzeugt als authentisch, ebenso das letzte Drittel, wenngleich das wieder etwas schwerfälliger geschrieben ist. Das mittlere Drittel hätte auf wenige Sätze reduziert werden können, da es zu diesen Themen schon sehr viel Literatur von Autoren gibt, die das viel besser können als Winterhoff. Einige Passagen, ebenso wie das zum ersten Mal in einem Winterhoff Buch gehäuft auftretende Zitieren anderer Autoren, befremden und sind aus meiner Sicht gänzlich entbehrlich. Warum traut sich Winterhoff nicht, einfach einen Erfahrungsbericht zu schreiben: Das beobachte ich, das könnte daraus entstehen, so könnte man es auf einen anderen Weg bringen. Punkt.? Ist das zu unpopulär? Wissenschaftlich ist seine Arbeit sowieso nicht. Dazu wäre mehr als das Einbauen einiger Zitate nötig. Aber der Praxis genügen Erfahrungen mit fachlich plausiblen Schlussfolgerungen vollkommen. Noch immer war es so, dass die Praxis die Theorie überholt hat. Nur ein wenig Mut braucht es dazu. Hat Winterhoff den nicht?

In seinem Buch sind zudem weder der umständlich bemühte gute alte Kierkegaard noch das Interview mit der sowieso in allen Medien ständig präsenten Margot Käßmann inhaltlich zielführend. Ebenfalls nicht nachvollziehbar ist das Darstellen von Gesprächen mit gesellschaftlich anerkannten oder hochrangigen Persönlichkeiten oder solchen, von denen man meint, dass es so wäre, wie dem BMW-Personalchef Harald Krüger oder dem Thomas-Kantor Georg Christoph Biller. Will Winterhoff seiner Arbeit damit mehr Autorität, ihr mehr Gewicht verleihen? Oder geht es nur darum deutlich zu machen, mit welchen bekannten Persönlichkeiten er Gespräche geführt hat, um dieses Buchergebnis erarbeiten zu können? Mich hat das nicht überzeugt. Bei den Ausführungen von Georg Christoph Biller beispielsweise frage ich mich als Leser ebenso wie bei den Erläuterungen von Harald Krüger, wie sich das wohl aus Sicht der anderen Seite, der Mitarbeiter bzw. der Jugendlichen des Chores, anhören würde. Ich denke, Winterhoff hätte gut darauf verzichten können.

Was er richtig gut kann ist das Analysieren psychischer Abläufe und Zustände. Aufgrund seiner vielfältigen, langjährigen Praxiserfahrungen kann er das, sowohl in seinen Vorträgen wie auch in seinen Büchern, mit Hilfe zahlreicher Beispiele sehr überzeugend und anschaulich verdeutlichen. Dabei sollte er es schriftstellerisch und vortragend aber auch belassen und sich stattdessen stärker in die praktische Umsetzung seiner Forderungen einbringen, um zu beweisen, dass die von ihm beschriebenen Fehlentwicklungen tatsächlich umkehrbar sind. Dass es keine Utopien sind, dass hier eine Wende herbeigeführt werden kann. Das würde den Menschen Hoffnung geben und gerade die fehlt uns allen so sehr in diesen Tagen.

Allerdings habe ich den Eindruck, dass sich Winterhoff derzeit nicht so recht entscheiden kann, was er eigentlich will. Tatsächlich muss es jemandem, der nach vielen Jahren fleißiger Arbeit quasi im Verborgenen, von einer solchen Welle der Popularität überrollt wird, der medial zu einem neuen Heilsbringer hochstilisiert wird, einfach schwer fallen, hier nicht die Orientierung zu verlieren. Insofern ist dieses mediale Interesse mit seinen Zwängen und Forderungen vermutlich Winterhoffs Hamsterrad.

Ich würde mir sehr wünschen, Winterhoff konzentrierte sich auf sein Handwerk, auf das der Analyse und würde ohne allen verkaufsträchtigen und medienwirksamen Schnickschnack irgendwann einmal die Winterhoffschen Analysen gleichsam als Lose Blattsammlung mit ständig durch ihn zu ergänzenden Nachlieferungen - nämlich immer dann, wenn er gerade mal Zeit und Lust zum Schreiben hätte (!) - veröffentlichen. In der Zwischenzeit könnte er sich mit seinen Kompetenzen sehr viel aktiver beratend und unterstützend in die gegenwärtige Bildungs- und Erziehungsarbeit einmischen. Das wäre sicherlich ein großer Gewinn für unsere psychisch angeschlagene Gesellschaft und eine echte Chance für unsere Kinder.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 15, 2013 10:14 AM MEST


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