Profil für Hagen Hoffmann (Media-Mania) > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Hagen Hoffmann...
Top-Rezensenten Rang: 4.069
Hilfreiche Bewertungen: 580

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Hagen Hoffmann (Media-Mania)

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10
pixel
Das Festmahl des John Saturnall: Roman
Das Festmahl des John Saturnall: Roman
von Lawrence Norfolk
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Farbenprächtiger Historienroman vor grandioser Kulisse, 2. März 2013
Historischer Leckerbissen

Lawrence Norfolk legt mit "Das Festmahl des John Saturnus" seinen vierten historischen Roman vor, nachdem er 1991 mit "Lemprières Wörterbuch" einen Welterfolg landete. "Das Festmahl des Saturnus" ist aus gleichem Holz geschnitzt, oder sollte man sagen: Aus demselben brodelnden Topf gekocht? In einer wundervollen, bildhaften Sprache eröffnet Norfolk uns das England des 17. Jahrhunderts, schildert glaubhaft Dorf- und Adelskultur und zeigt, wie die politisch-religiösen Wirren auch die Köpfe der Menschen erfassten. Das schon im Titel angelegte kulinarische Motiv des Kochens, das hier symbolhaft der Freudlosigkeit und dem Verzicht des Puritanismus entgegengesetzt wird, zieht sich durch den gesamten Roman. So unterbrechen immer wieder Kochrezepte aus dem "Buch des Saturnus" die Handlung, die von derben, üppigen Genüssen vergangener Zeiten künden.

Am Ende etwas zerfasert

Kann Norfolk in der ersten Romanhälfte die Spannung durchaus halten, zerfasert zum Ende hin die Handlung zunehmend. Der vom Leser erwartete Clou bleibt aus, eine überraschende Wendung kommt zu spät und auch zu zögerlich. Dennoch ist das Buch ein Lesevergnügen - die Formulierkunst des Autors, exzellent ins Deutsche übertragen von Melanie Walz, trägt auch ereignisarme Passagen. Wer seinen Historienroman eher mit großem Konflikt und Waffengeklirr schätzt, könnte allerdings enttäuscht sein.

Fazit
"Das Festmahl des John Saturnus" ist ein ruhiger, farbenprächtiger Historienroman vor grandioser Kulisse. Zwar lässt er die ganz großen Linien vermissen, wie sie etwa ein Umberto Eco oder ein Salman Rushdie auf das Papier zu bannen vermag, doch Norfolk spielt klar in der gleichen Liga. Wer sich für die Epoche Cromwells interessiert und beim Mittagessen den saftigen Schweinebraten einem Salat vorzieht, wird den Roman mit Genuss lesen.


Der Archipel der Schlaflosigkeit: Roman
Der Archipel der Schlaflosigkeit: Roman
von António Lobo Antunes
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fordernder, aber lohnender Familienroman mit historischem Subtext, 2. März 2013
Die Schatten des portugiesischen Franquismus

Der portugiesische Schriftseller Antònio Lobo Antunes behandelt auch in diesem Roman wieder das große Trauma Portugals, unter dem das Land seit dem Sturz des franquistisch-faschistischen Salazar-Regimes in der "Nelkenrevolution" leidet. Das Landgut erscheint als Mikrokosmos der portugiesischen Gesellschaft, die sich teils willfährig, teils apathisch der Tyrannei eines rücksichtslosen Patriarchen beugte. In seiner Anlage gleicht der Roman dabei einem früheren Werk von Antunes, dem großartigen "Handbuch der Inquisitoren" aus den 1990er Jahren. Auch dort vergällte ein siecher, moralisch verkommener Gutsherr, der an den Autokraten Salazar angelehnt war, seiner Familie das Leben.
"Der Archipel der Schlaflosigkeit" schildert eine ähnliche Geschichte, allerdings noch konsequenter, dunkler und anspielungsreicher: Die Familie als Alptraum, das idyllische Landgut als Gefängnis, der Patriarch als Monster. Wie Antunes hier auf 300 Seiten ein halbes Jahrhundert verdichtet, ist bemerkenswert.

Fiebriger Stil

Dazu muss man sich freilich auf den Stil des großen portugiesischen Autors einlassen, der die Sätze wie fallende Dominosteine nebeneinander drapiert und montiert, mit manchmal mikroskopischem Blick Stimmungen einfängt, dann wieder Gedanken als fiebrigen brainstorm bündelt. Sätze und Satzzusammenhänge werden unterbrochen, geteilt, wieder aufgenommen oder manchmal auch einfach abgewürgt. Einer flüssigen Rezeption entzieht sich "Der Archipel der Schlaflosigkeit" wie sämtliche Bücher von Antunes. Vermutlich hat diese Marotte dem Portugiesen bisher auch größere Leserschaften verwehrt.

Fazit

Wer dem anspruchsvollen, fordernden Stil von António Lobo Antunes etwas abgewinnen kann, der bekommt mit "Der Archipel der Schlaflosigkeit" einen Familienroman serviert, der mit seiner Stimmung, seinem historischer Subtext und seiner Atmosphäre seinesgleichen sucht. Ein großer, wichtiger Roman und eines der literarischen Ereignisse des vergangenen Jahrs.


Feldherren, Krieger und Strategen: Krieg in der Antike von Achill bis Attila
Feldherren, Krieger und Strategen: Krieg in der Antike von Achill bis Attila
von Raimund Schulz
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 32,95

5.0 von 5 Sternen Lesenswerte und spannende Untersuchung des Kriegs in der Antike,, 11. Februar 2013
Bis in die Antike lässt sich diese rote Spur verfolgen. Der Althistoriker Raimund Schulz erzählt in seinem voluminösen, über 600 Seiten starken Buch eine Geschichte des Kriegs "von Achill bis Attila". Er widmet sich den großen Konflikten der hellenischen und römischen Epoche; von den Expansionskriegen der Perser, Athener und Spartaner, von dem legendären Feldzug Alexander des Großen, der bis an die Grenzen Indiens führte, und natürlich von dem effizienten Niederringen der Gegner Roms durch den militärisch versierten Stadtstaat, der bald die gesamte antike Welt beherrschen sollte.

Dabei hat Schulz aber nicht nur die "großen Schlachten" (Troja, Issos, Seeschlacht von Salamis) im Blick. Bereits in den Anfangskapiteln weist er darauf hin, dass eben gerade nicht sie das Bild des antiken Kriegs ausmachten, sondern meist nur kleine Kampfverbände, eingeschworene Truppen aus 50-100 Mann, die auf der Suche nach Beute umherzogen - organisierte Räuberbanden, könnte man mit böser Zunge behaupten. Der Krieg war eben immer auch ein Handwerk, von dem viele Menschen - nicht nur die Soldaten - lebten; er war nicht nur ein Verheerer, sondern auch ein Ernährer.

Das Hauptaugenmerk des Autors liegt aber freilich auf den "großen" Konflikten der antiken Ära. Er beschreibt umfassend die Bedingungen, unter denen der Aufstieg von Makedonien, Karthago und Rom stattfinden konnte, und wie eng dies mit dem kriegerischen Potential dieser Mächte verbunden war. Er stellt die Heerzüge Hannibals, Cäsars Krieg gegen die Gallier oder die gotische Eroberung Roms in einen größeren Kontext und unterscheidet sich in diesem Punkt auch deutlich von ähnlichen militärhistorischen Untersuchungen, die den Blick stärker auf einzelne Schlachten und Taktiken richten. Lobenswert auch, dass Schulz die Umwälzungen der Spätantike nicht vergessen hat - das letzte Kapitel behandelt die Abwehrkämpfe des christlichen Roms, das den Krieg nun auch (und das erstmals in der Geschichte) als moralisch-theologische Konstante begreift und seine Ausweitungskriege in "göttlichem Auftrag" führt.

Raimund Schulz, der bereits mit dem höchst unterhaltsamen Buch "Die Antike und das Meer" bewiesen hat, wie er längst vergangene Epochen auch für Laien verständlich zum Leben erweckt und ihre Grundzüge herausarbeitet, überzeugt auch mit diesem sehr kurzweiligen Historienbuch. Der Stil ist unterhaltsam, nie gelehrig, die martialischen Konflikte sind deutlich herausgearbeitet, ohne zu viel Vorwissen vom Leser zu verlangen, ihn aber auch nicht zu unterfordern. Ein paar Karten illustrieren hier und da den Text - es hätten allerdings gerne auch mehr sein können.

Fazit: Eine lesenswerte und spannende Untersuchung des Kriegs in der Antike, der sich nicht nur auf einzelne Schlachten und Feldherren-Hagiographien beschränkt, sondern die gesellschaftlichen Bedingungen, in denen es zu kriegerischen Handlungen kam, niemals ausblendet.


western touch
western touch
von Robin Vehrs
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

4.0 von 5 Sternen Für Comicfans, die um die Ecke lachen können, 17. Dezember 2012
Rezension bezieht sich auf: western touch (Taschenbuch)
In Vehrs' Comics passieren nämlich allerlei seltsame Dinge. Da trägt jemand einen Pistolenhut und schießt seinem Gegenüber den Kopf weg. Ein Personalchef, der eigentlich ein Auto ist, will im Gespräch seine menschliche Seite zeigen. Ein Bürgermeister wird gewählt, weil er eine riesige Nase hat ... so riesig, dass die Bürger sich bei Regen darunterstellen können. Und ein praktisches Gerät entfernt Kohlensäure aus handelüblichem Sprudel.

Dieser gediegene Quatsch kommt bei Vehrs in kantigen, offenbar mit der Maus am Computer gemalten Kritzeleien daher. Die Bilder sind ebenso grobschlächtig wie prägnant und haben durch die Reduktion auf Knollennasenmännchen, schlicht gemusterte Hintergründe (mit dem Fill-In-Effekt erstellt) und unförmige Sprechblasen einen ganz eigenen Charme. Das passt zum Inhalt der absurden Comics, die immer mit vollem Karacho an jeder denkbaren Pointe vorbeibrettern, dass da nur Absicht dahinterstecken kann. Am Anfang irritiert das noch stark, doch irgendwann hat Robin Vehrs einen mit seiner schrägen Komik angesteckt, und man blättert neugierig weiter mit einem Grinsen auf dem Gesicht. Was mag dem Kerl wohl auf der nächsten Seite einfallen?

Fazit: Nicht für jedermann, sondern ausschließlich für Comicfans, die auch um die Ecke lachen können. Die allerdings werden einen Heidenspaß haben.


Bismarck: Magier der Macht
Bismarck: Magier der Macht
von Jonathan Steinberg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 29,99

10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Grandiose Biographie, wenn auch mit hagiografischer Schlagseite, 17. Dezember 2012
Die Figur Bismarck hat seit jeher Historiker beschäftigt, gerade auch in den USA. Doch welche Akzente kann nun Steinberg mit seiner Biographie setzen, die sich immerhin mit einflussreichen Publikationen wie Nobert Galls "Der weiße Revolutionär" oder eben Otto Pflanzes zweibändiges Werk "Bismarck" (deutsch erschienen bei C.H. Beck) messen muss. Steinbergs Ziel ist es nicht, ein ausgewogenes Bild des Machtpolitikers Bismarck zu zeichnen; er möchte eine neue Erzählung wagen, jene des Charismatikers Bismarck, dessen außergewöhnliche Persönlichkeit ihn zu außergewöhnlichen Taten beflügelte.
Dabei bemüht Steinberg - akribisch wie kaum einer der genannten Historiker vor ihm - eine Unzahl an Qullen: persönlichen Aufzeichnungen und Tagebucheintragungen von Personen aus dem engsten Umfeld des Reichskanzlers, Berichten seiner Freunde, Mitarbeiter, Konkurrenten und Feinden, oft auch von Diplomaten, die den Kanzler hautnah, jedoch von einer Außenperspektive aus gesehen erlebten. Anhand dieser Quellen, die Steinberg deutet und in den Kontext einordnet, verfolgt er Bismarcks Leben, von seinen familiären Wurzeln in der preußischen Junkerschaft über die Bürgerliche Revolution von 1848, die für Bismarck zur Initialzündung seiner politischen Überzeugungen wurde, bis hin zu seinem rasanten Aufstieg zum eigentlichen Staatslenker, der die gesamte europäische Geschichte bis heute geprägt und verändert hat.
Das alles ist hochspannend geschrieben und erlaubt es, dem Menschen Bismarck so nah zu kommen, wie es nur möglich ist. Dennoch beschleicht den Leser das Gefühl, dass Steinberg sich von dem Charisma seines Titelhelden ebenso hat blenden lassen wie viele der Zeitgenossen Bismarcks. Trotz kritischer Töne gerät das Werk in manchen Passagen zur Hagiographie, die dem Reichskanzler nahezu übermenschliche Weitsicht, Klugheit und Überzeugungskraft zuschreibt, ihn eben zum "Magier der Macht" erklärt. Inwieweit Bismarcks Selbststilisierung als außergewöhnliche Persönlichkeit auch Inszenierung war, bleibt ungeklärt; ja, Steinbergs These zeugt eher von den anhaltenden Bewunderung, die Bismarck im Ausland, auch und gerade in den Vereinigten Staaten, entgegengebracht wird.

Sieht man darüber hinweg, kann man sich als Leser an Steinbergs klugem, scharfen Stil und an seiner bildhaften Sprache erfreuen, mit der er ein exaktes Bild von Bismarcks Zeit entwirft und die Kämpfe des Reichskanzlers gegen den Katholizismus, die Sozialdemokratie, den störrischen Wilhelm II. und seine zahlreichen Kontrahenten nachzeichnet. Ergänzt wird der voluminöse Text - knapp 750 Seiten umfasst das Werk mitsamt Quellenangaben - durch einige Bildtafeln im Innenschnitt, die Fotografien von Bismarck und seinem Umfeld aus verschiedenen Zeitabschnitten zeigen.

Fazit: Ein erstaunlich emphatischer Blick auf den "Eisernen Kanzler" legt der amerikanische Historiker Jonathan Steinberg hier vor und schrammt dabei knapp an einer Hagiographie Bismarcks vorbei. In Ergänzung zu dem deutlich kritischeren Werk von Norbert Gall überzeugt diese aktuelle Biographie jedoch durch ihre mutige, lebendige Darstellung, die von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln weiß.


Encheduanna - Geheime Offenbarungen: Oberflächlich als Tempelhymnen bezeichnete 4.300 Jahre alte Berichte einer sumerischen Priesterfürstin über ... Originaltitel "Bewunderswert aufragend ..."
Encheduanna - Geheime Offenbarungen: Oberflächlich als Tempelhymnen bezeichnete 4.300 Jahre alte Berichte einer sumerischen Priesterfürstin über ... Originaltitel "Bewunderswert aufragend ..."
von Hermann Burgard
  Taschenbuch

6 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Zuviele Bäume mußten sterben, 17. Dezember 2012
Moment wird der eine oder andere Leser rufen, hat dieses Thema nicht schon Erich von Däniken ausgiebig beackert? In der Tat - und das wesentlich spannender und unterhaltsamer als diese öde Aneinanderreihung von Spekulationen, die Burgard darlegt. Nach einem einführenden Kapitel, in dem der herkömmlichen Archäologie und Ägyptologie bewusste Täuschung und Unterschlagung dieser bahnbrechenden Erkenntnisse unterstellt wird, begibt der Autor sich in die Exegese. In oft fragwürdiger Übersetzung der sumerischen Quelle fahndet Burgard nach Hinweisen für seine These, die er auf Biegen und Brechen bewiesen sehen möchte. Das klingt dann zum Beispiel so: Im Originaltext liest er folgende Zeilen:

Staunenswert errichteter großer Schrein / der 'Glänzer' wird von Fachleuten überprüft / Ein mächtiges Gerüst rivalisiert mit der großen Halle.

Die Schlussfolgerung für Burgard liegt auf der Hand: "Wer je Fotos der modernen Startgerüste von Kap Canaveral oder Baikonur gesehen hat, wird sofort verstehen." Ganz klar, hier sind Raketenabschussrampen gemeint. Im ähnlichen Stil pflügt sich Burgard durch sämtliche Quellen, wobei er verschweigt, wie er zu den tendenziösen Übersetzung (wie 'Fachleuten' oder 'Gerüst' in obiger Stelle) gelangt. Er will sehen, was er sehen will, und finden, was gefunden werden muss.
Wäre das alles wenigstens mit Witz, Charme oder wenigstens Begeisterung geschrieben, könnte man darüber schmunzeln und das Buch an esoterikaffine Freunde verschenken. Aber dieser kruden Abhandlung fehlt es sogar an dem nötigen Sendungsbewusstsein, von dem klugen Witz und der Zurückhaltung eines von Däniken ganz zu schweigen.

Fazit: Zu viele Bäume mussten sterben.
Kommentar Kommentare (6) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 26, 2014 12:13 PM CET


Bad Lieutenant 2
Bad Lieutenant 2
DVD ~ Harvey Keitel
Preis: EUR 7,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Irreführender Filmtitel eines italienischen Psycho-Thrillers, 8. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Bad Lieutenant 2 (DVD)
Konfuses Drehbuch

Ein konfuses Drehbuch und eine Handlung, die man sich zum Großteil selbst erschließen muss, machen den Psychothriller zu einem eher unbefriedigenden Filmerlebnis. Gerade in der ersten halben Stunde bleibt vieles unklar - vor allem die Motivation der Hauptfiguren. Zwar wird eine homoerotische Beziehung zwischen Fred und Bob angedeutet, doch sie bleibt vage; auch die sehr körperlichen, gewalthaltigen Szenen zwischen Fred und Leo deuten auf unterschwelliges Begehren hin. Überhaupt scheint Leo eine symbolische Figur zu sein, Freds innerer Wiedergänger, sein fleischgewordenes schlechtes Gewissen. Ist am Ende Fred selbst der wahre Copkiller?
Die Auflösung - die hier natürlich nicht verraten wird - bleibt allerdings klassisch, und der Film verebbt im Diffusen.

Film und DVD

Diffus auch die Szenerie: Das im Film porträtierte New York bleibt erstaunlich anonym; gelegentlich überraschen die italienischen Zeitungsmeldungen oder Straßenschilder, die einen Hinweis auf das Produktionsland geben. Kameraführung und Schnitt sind eher konventionell, allerdings sind die Szenen im Badezimmer, wo der nackte Leo von Fred gefangengehalten wird, durchaus beklemmend. Bedingt durch das Alter des Films sind Bild und Ton auf der DVD ziemlich verwaschen, was aber zum Schmuddelcharme des Films beiträgt. Immerhin: Auf der DVD findet sich auch die originale italienische Sprachfassung, zudem die US-Fassung (die wohl etwas anders geschnitten ist) und ein paar Deleted Scenes sowie eine Bildergalerie. Untertitel sucht man allerdings vergebens.

Für wen lohnt es sich?

Das Fazit bleibt zwiespältig. "Copkiller" (alias "Bad Lieutenant 2") hat fraglos seine Momente und entfaltet eine düstere, suggestive Atmosphäre, ist aber letztlich viel zu konfus erzählt und auch zu unentschlossen in den psychologischen Details. Auch der junge Harvey Keitel ist längst noch nicht auf dem Gipfel seiner Schauspielkunst angelangt und legt seine Figur zu verschlossen, zu kryptisch an. Johnny Rotten allerdings macht seine Sache als Psycho-Freak gut. Trotzdem kann der Film nur Fans des Genres oder jenen von Harvey Keitel empfohlen werden, die ihren Star auch mal in einer früheren Rolle erleben wollen. Alle anderen lassen sich von dem irreführenden Filmtitel besser nicht hinters Licht führen und schauen sich lieber den echten "Bad Lieutenant" an.


Pegasus Spiele 17853G - Mystery Rummy: Al Capone
Pegasus Spiele 17853G - Mystery Rummy: Al Capone
Preis: EUR 9,47

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr schöne neue Rummy-Variante mit Canasta-Einschlag, 22. April 2012
= Haltbarkeit:5.0 von 5 Sternen  = Spaßfaktor:5.0 von 5 Sternen  = Pädagogisch wertvoll:5.0 von 5 Sternen 
Auch diesmal treten wieder 2-4 Personen gegeneinander an (in der Vier-Spieler-Variante in Teams), um den Gangsterboß dingfest zu machen. Gespielt wird nach wie vor nach Rummyregeln ... sollte es hier tatsächlich jemanden geben, der Rummy nicht kennt? Nun gut, im Schnellvorlauf: Beim klassischen Rummy (oder auch Rommé) sammeln die Spieler Sätze gleicher Karten (Könige, Damen, Asse) oder Kartenreihen, um diese abzulegen und die letzte, die elfte Karte, von der Hand auszuspielen. Bei Mystery Rummy ist es nicht anders ... gesammelt werden allerdings keine gewöhnlichen Karten, sondern "Hinweise" auf die skrupellosen Gangmitglieder Capones, ob nun "Greasy Thumb" Jake Guzik oder "Three Finger Red" William White. Man muss versuchen, eine Meldung von mindestens drei Karten auf die Hand zu bekommen, diese dann auszuspielen und klug zu ergänzen ... oder gar zu komplettieren. Der Clou dieser Rummy-Variante ist, dass bei der am Ende folgenden Punktezählung komplette Sätze satte Extrapunkte bringen. Das bringt einen Hauch Canasta in die Welt des "Mystery Rummy" und tut dem Spiel sehr gut ... "Al Capone" unterscheidet sich somit deutlich von den anderen Spielen der Reihe.
Ziel des Spiels ist es natürlich auch hier wieder, alle Karten von der Hand abzuspielen und dabei möglichst viel Punkte zu erzielen - ganz so wie im klassischen Rummy. Der Spieler zieht dabei vom Nachziehstapel Karten und sammelt die Hinweise auf Capones Gangster. Ist eine Meldung (ein Satz von mindestens drei gleichen Karten) gemacht und auf den Tisch gelegt, können später weitere Karten hinzugelegt werden ... selbst wenn die Meldung beim Kontrahenten erfolgte.

Natürlich gibt es neben den Hinweiskarten auch wieder Ereigniskarten, die als taktisches Element eingesetzt werden, all dies wunderschön eingebettet in die Gangster-Thematik. So untersucht der Gangsterjäger Elliot Ness etwa die obersten sieben Karten der sogenannten Fallakte (der Abwurfstapel) und holt dort versteckte Meldungen zurück ans Tageslicht. Beim Agententreffen wiederum kann man eine Meldung von den Handkarten seines Gegners abfragen - und so seinen eigenen Kartensatz aufstocken.
Zu gefallen wissen wieder die Illustrationen (auch wenn der Erstling "Jack The Ripper" unerreicht bleibt) und die verständlich verfasste Spielregel, und wie gewohnt nervt die zwar schöne, aber beim Mischen störende Gummierung der Karten.

Fazit: Ein würdiger Vertreter der "Mystery Rummy"-Serie, der durch Canasta-Elemente unerwartet viel Pfiff in das gute alle Rummy bringt. Fans der drei anderen Kartenspiele sollten hier unbedingt zugreifen.


Die Furcht des Weisen, Teil 2: Die Königsmörder-Chronik. Zweiter Tag
Die Furcht des Weisen, Teil 2: Die Königsmörder-Chronik. Zweiter Tag
von Patrick Rothfuss
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

0 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zauberhaft geschriebener Campusroman, der nur zufällig in einer Fantasywelt spielt, 24. Januar 2012
Wieder verknüpft Rothfuss kunstvoll eine gediegen-ruhige Rahmenhandlung mit der von Kvothe selbst erzählten Wiedergabe seines Lebens: Wie er die Prüfungen als Magier an der Universität besteht, sich den Zugang zur Bibliothek erstreitet, sein Lautenspiel vervollkommnet (unter anderem, um auf diese Weise das knackige Hörgeld zu verdienen) und nebenbei mit seiner ewigen Amour fou, der erreichbar-unerreichbaren Danna flirtet. Dass er sich dabei missgünstiger Mitstudenten, fieser Professoren und der mysteriösen Bedrohung durch die Chandrian erwehren muss, versteht sich von selbst.
Im Kern ist "Die Furcht des Weisen" - übrigens liegt bislang nur der erste Band der im deutschen geteilten Originalausgabe von "The Wise Man's Fear" vor - ein klassischer Campusroman, der mehr aus Zufall an einer magischen Universität spielt. Zechgelage, Nöte vor Zwischenprüfungen, Büffeln in der Bibliothek, ein gemeiner Zauberanschlag, mißglücktes Balzen um schöne Mitstudentinnen ... das alles liest sich sehr viel irdischer, als man es von einem Fantasyroman erwarten darf. Reizvoll ist dabei vor allem die im Roman gewählte Perspektive - Rothfuss lässt den alten Kvothe auf seine Studienzeit zurückblicken und ihn aus der Ich-Perspektive erzählt. Stilistisch auf hohem Niveau, wenn auch im Detail manchmal zu ausschweifend, ist der Leser rasch gefesselt von der Geschichte und folgt dem sympathischen (obwohl oft großspurigen) Helden bis zur letzten Seite.

Ein rundes Ende hat "Die Furcht des Weisen" indes nicht - man merkt dem Buch an, dass es eben nur ein halbes ist. Die zweite Hälfte soll allerdings bereits Anfang 2012 bei Klett Cotta erscheinen. Man darf gespannt sein, wie Rothfuss seinen Entwicklungsroman fortgeschrieben hat.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 24, 2012 5:58 PM CET


Erlas Elfengeschichten: Die »isländische Elfenbeauftragte« erzählt
Erlas Elfengeschichten: Die »isländische Elfenbeauftragte« erzählt
von Erla Stefansdottir
  Broschiert
Preis: EUR 11,95

8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Zauberhafte "wahre" Elfengeschichten aus Island von der staatlichen Elfenbeauftragten, 4. Januar 2012
In dem kleinen Bändchen "Erlas Elfengeschichten" plaudert die isländische Feenbeauftragte aus ihrem Berufsleben. Da erklingt in einem Garten zauberhafte Musik von unsichtbarer Hand, auf geheimnisvolle Weise gehen Scheren und silberne Löffel verloren, über Wasserfällen tanzen Feen im feinen Sprühnebel, und auf unschuldige Weise spielen Elfen- und Menschenkinder zusammen, wie es in unseren Gefilden wohl kaum möglich wäre. Ja, Erla Stefansdottir berichtet gar von einem Ausflug in die USA, wo sie seltsame Erscheinungen beobachten konnte ... es scheint, als hätte ihr Beruf ihre Augen auf besondere Weise geschult.

Freilich, man kann dies alles für reine Spinnerei halten. Wer allerdings selbst mal auf Island war und den Zauber dieser überwältigend schönen und einsamen Landschaft erlebt hat, der versteht vielleicht etwas besser, wie ein so manifester Glauben an das huldafólk entstehen und sich halten konnte; der versteht vielleicht besser, warum Island eine Elfenbeauftragte braucht und dass die Geschichten von Erla Stefansdottir nicht mit den Kategorien "wahr" oder "ausgedacht" zu fassen sind. Irgendwie sind sie sowohl das eine als auch das andere. Auf jeden Fall entfaltet sich ihr Zauber in einer klaren, schlichten und ehrlichen Sprache, ohne jeden Schwulst, ohne esoterische Missionarsattitüde.

Wer sich von "realistischen" Eflengeschichten verzaubern lassen möchte, ist deshalb mit dem schmalen Bändchen (zauberhaft illustriert von Erla Steffansdottir selbst) gut bedient. Ob er die Geschichten glaubt oder nicht, bleibt ihm freilich selbst überlassen.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10