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Rezensionen verfasst von
Apefred "Fred Ape" (Dortmund Deutschland)
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Winterjournal
Winterjournal
von Paul Auster
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

5.0 von 5 Sternen Auf dem Weg zum Zahltag!, 10. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Winterjournal (Gebundene Ausgabe)
Wenn ein Autor in der Lage ist, eine Biographie durchweg spannend, hoch unterhaltsam wie emotional mächtig niederdrückend zu schreiben, dann sollte man den Hut ziehen. Ich tue es hiermit. Mag sein, dass es daran liegt, dass mein Thema, nicht nur literarisch, immer mehr über die Phänomene des Älterwerdens handeln, sondern auch, weil ich selbst mitten in diesem Prozess stehe. Der Prozess des Lebens, abgeschossen als Pfeil mit der Geburt und schon da auf dem Weg ins Ziel. Unausweichlich. Vieles was dazwischen liegt, haben wir selbst in der Hand, können es so gut es geht gestalten, aber die meisten Lebensdramen entwickeln sich aus sich selbst heraus. Begegnungen und Zufälle, zufällige Begegnungen, Süchte, Unfälle, Krankheiten, seltsame Berührungen, Kinder, unvorstellbare Verliebtheit, und tiefe Fälle ins Bodenlose. All das erzählt Auster mit seiner lakonischen Erzählweise und nimmt uns mit in die Gegenwart der jeweils beschriebenen Ereignisse und Erlebnisse, die für ihn wichtig waren und sind. Und das, in dem er diese Geschichten auch im Präsens schreibt. Etwa, "ich bin 9 Jahre alt und..." dann kommt irgendein Ereignis in Jetztzeit. Ein kunstvoller Lesegenuss und wie so oft, reihen sich politische und philosophische Erkenntnisse quasi ganz nebenbei ein in dieses wunderbare Lebensjournal eines großen Autors.


Letztendlich sind wir dem Universum egal: Roman
Letztendlich sind wir dem Universum egal: Roman
von David Levithan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen ... und täglich grüßt das Murmeltier, 6. August 2014
Eine Buchempfehlung eines Freundes. Und der war so begeistert über den Roman, dass ich, als ich mal wieder durch den Buchladen meines Vertrauens streunte, auf einmal genau dieses Buch in der Hand hatte und es schließlich, nahezu ohne weitere Prüfung, mitnahm. Ich erwartete, durch den Titel schon allein, dass es sich um hier evtl. um die philosophisch-astrophysikalische Erkenntnis dreht, die der Titel auch durchaus richtig widergibt, nämlich, dass wir dem Universum tatsächlich vollkommen egal sind. Um dieser bitteren Erfahrung zuvor zukommen, wurde die Religion erfunden, mit all ihren schlimmen Auswüchsen. Macht nur die Nachrichten zur nächsten vollen Stunde an. Das Buch entpuppte sich dann aber eher als eines aus der Jugendliteratur. Bestimmt eines der besseren, aber ich verlor relativ schnell das Interesse. Es handelt sich um so eine Art „und täglich grüßt das Murmeltier“ Effekt. Die Hauptperson ist jetzt grad so in der Postpubertät und hat schon immens viele Jahre hinter sich, in denen er täglich und zwar jeden Morgen, in einem anderen – gleichaltrigen – Körper erwacht. Das ist manchmal spannend, vor allem für den, der sich immer neu mit den jeweiligen Erfahrungen und Lebensdramen, des von ihm für einen Tag besetzten Körpers, auseinandersetzen muss. Was nicht vorkommen darf, ist Liebe. Genau das passiert, aber wie das anstellen, wenn man täglich ein anderer ist? Ach ja… am Ende weiß auch der Autor nicht mehr so recht weiter. Ich sowieso nicht!


Der Allesforscher: Roman
Der Allesforscher: Roman
von Heinrich Steinfest
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unfälle, Zufälle, Liebe, 6. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Allesforscher: Roman (Gebundene Ausgabe)
Mein letzter Roman, den ich von ihm gelesen habe, war „Das himmlische Kind“- ein modernes Hänsel und Gretel Drama – und es hat mich auch sehr beeindruckt. Eigentlich alles was Steinfest geschrieben hat (Lilli Steinbeck, Mariaschwarz, etc…), ist wunderbar phantasievoll, unterhaltsam dabei durchweg durchdacht bis hin zum philosophischen Roman. Die Skurrilität der Ausgangspunkte ist ihm extrem wichtig und es fesselt auch sofort. Genau wie bei dieser munteren Geschichte eines Ex Managers, in seinem Job anfangs leidlich erfolgreich, weil, er brauchte nicht viel zu tun; das Alleinstellungsmerkmal seines von ihm präsentierten Produktes, brachte ihn auf Geschäftsreisen rund um die Welt. Bis ihm, ja bis vor ihm auf offener Straße, in Taiwan, mitten in der Stadt, frühmorgens, nach einem suboptimalen Bordellbesuch, ein Wal explodiert. Und jetzt nimmt eine märchenhafte und verrückte Geschichten Fahrt auf. Wie es endet, soll hier nicht verraten werden, die Umwege zum glücklich sein, sind genauso verworren wie das Leben selbst. Zufälle und Unfälle sind gleichrangig, aber die Liebe bleibt ewig, muss aber immer wieder neu beschnuppert und gelernt werden.


Am Ufer
Am Ufer
von Rafael Chirbes
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,95

4.0 von 5 Sternen Arschtritt und das war es, Was ist das Leben?, 6. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Am Ufer (Gebundene Ausgabe)
„Krematorium“, der Vorgänger aus 2008, war eines der besten Bücher, die ich in meinem Leben gelesen habe, und letztendlich habe ich dadurch auch eine meiner (von mir aus gesehen) besten und durchdachtesten Kritik geschrieben. Und - ich traute Chirbes einen Literaturnobelpreis zu. „Am Ufer“ hat mich dann doch etwas enttäuscht. Thematisch und geographisch bleiben wir gleichwohl im heißen Südosten Spaniens, einem Land der Sümpfe im Hinterland, der flimmernden nicht auszuhaltenden Hitze, von einer plastischen Endlichkeit geprägt, die einem schier die Luft zum atmen nimmt. Aber diese Finalität wird nunmehr auf die agierenden Personen übertragen. Die geplatzte Immobilienblase ist nur noch ein Randthema, man wendet sich nicht nur literarisch mittlerweile gähnend ab. Chirbes nimmt sich einen der Verlierer zur Brust, Estaban, und beschreibt gnadenlos körperliche und gesellschaftliche Veränderungen. Ein Roman über das Altwerden, über den Versuch der Armut zu entkommen ohne Zukunftsperspektiven zu sehen. Man strampelt sich ab und bleibt auf der Stelle. Kriegt einen Arschtritt und das war es. Eine gnadenlose Sonne brettert auf die Bauruinen Andalusiens.


Koma: Kriminalroman (Ein Harry-Hole-Krimi)
Koma: Kriminalroman (Ein Harry-Hole-Krimi)
Preis: EUR 19,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eigentlich immer das Gleiche..., 8. März 2014
Zu diesem Roman muss ich mal was Grundsätzliches sagen. Ich glaube, es ist mein fünfter oder sechster Roman mit und um den heiligen, gefallenen, alkoholsüchtigen, genialen, traurigen, hundert Mal durch die Hölle gegangenen Ermittler der Osloer Kripo, der im Laufe seines Lebens, aber auch alle Scheiße durchgemacht hat. Und sogar mehrmals tot war. Und hier setzt auch an was ich sagen will: Harry Hole ist nicht von dieser Welt und ist doch mittendrin im Sumpf. Und wir sind immer nah dran, wenn mal wieder eine Grenze erreicht ist. Emotional oder durch eine ermittlungstechnische Falle. Das ist alles schön und gut, aber ich bin es schon seit dem „Schneemann“ leid, immer nur auf falsche Fährten gelockt zu werden. Ständig kriegen wir die lange Nase gezeigt, und man kann an der Dicke des Buches erkennen und auf welcher Seite man grade ist, dass, was immer grad passiert und ist es noch so grausam, es nicht der ist, der sich am Ende des Buches als Oberverbrecher, in diesem Fall der „Polizeischlächter“ (eben auswechselbar „Schneemann“ oder „Leopard“), outet. Ich finde das wird langsam langweilig…da lohnt sich schon kaum das mitdenken, oder sich die Charaktere zu merken. Man wird sowieso „auf die falsche Fährte“ gelockt. Und jetzt, wo ich das Buch endlich zu Ende gelesen habe, habe ich schon keine Lust mehr, es zu kritisieren. Hinterher locke ich den geneigten Nesbø Freund auf die falsche Fährte.
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Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert: Roman
Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert: Roman
von Joël Dicker
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch ist ein Buch ist ein Buch..., 8. Januar 2014
Toller Roman. Gute Idee. Beste Unterhaltung. Reicht schon oder? Aber der Reihe nach. Es geht um vermeintliche Bestsellerautoren und um Schreibblockaden. Das scheint sich zu bedingen. Wer einmal in die Hitlisten der Bücherwelt aufgestiegen ist, von dem wird auch weiterhin meisterhaftes erwartet. Aber das ist nicht selbstverständlich. Es geht um zwei Autoren und um ein Mädchen, namens Nola. Marcus Goldmann, ist der jüngere Autor, von seinem ersten Erfolg quasi umgehauen, genießt ein paar Jahre seinen Status des junger Wilder der Schriftstellerei und merkt so nach und nach, dass er nicht mehr schreiben kann. Er wendet sich an seinen alten Freund und Professor Harry Quebert und bittet ihn um Hilfe. Dieser Harry ganz Elderstatesman und Mentor in einem, versucht Marcus zu beruhigen. Dann wird im Garten von Harry, der sich in New Hampshire einen exklusiven Ruhesitz angeeignet hat, die Leiche der damals 15jährigen Nola gefunden. Mit dabei hat sie ein Manuskript, und zwar das des Welterfolges Der Ursprung des Übels" von Harry Quebert. Der wird verhaftet. Marcus glaubt nicht, dass Harry Nola vor 33 Jahren ermordet - und das Mädchen dazu noch in seinem Garten verscharrt haben soll, und beginnt zu recherchieren. Diese Recherche ist am Ende das vorliegende Buch. Der neue Welterfolg von Marcus Goldmann. Es bleibt von Anfang bis Ende spannend, aber das ist eins der Bücher, wo man auch nicht andeutungsweise jemandem sagen sollte, wie es ausgeht. Wir sind bei der Spurensuche hautnah dabei, und es tauchen immer neue Unwirklichkeiten, Lügen und Verdrehungen auf, die zwar am Ende Harry reinwaschen ihn aber als gebrochenen Menschen zurücklassen.


Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt: Roman
Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt: Roman
von Sven Regener
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sehsucht nach Herrn Lehmann, 8. Januar 2014
Sven Regener habe ich tatsächlich über Herr Lehmann" kennengelernt. Erst später dann über eine der außergewöhnlichsten Deutsch-Rock- Indie-Folk, was weiß ich, Gruppen, die sich wohltuend von allem unterschied und noch unterscheidet. Element of crime braucht keine Hitparaden, keine Medieneinsätze. EoC hatte und hat immer ihre fans. Und womit? Mit Recht. Sven Regener, ist der Vorzeigelyriker, der Prosaist unter den Songwritern, der Anti Liedermacher - Liedermacher. Und er hat verdammtes Schreibtalent. Man könnte vor Neid erblassen, grad, wenn man - wie ich - auch in dieser Suppe schwimmt, von Kreativität und Songwriting gewürzt. Wie gesagt, Herr Lehmann, paar Jahre her, so lange, dass man es vielleicht wieder lesen sollte. Denn wer mit Magical Mystery bei Regener einsteigt, erwischt ihn, und somit auch sich, auf dem falschen Fuß. Hochachtung, um es gleich vorwegzunehmen, vor der Beschreibung des Entzugs, von was immer für Drogen oder Alkohol. Karl Schmidt, damals schon im Berliner Dunstkreis von Franki Lehmann, lebt seit fünf Jahren in einem Altonaer Wohnprojekt mit dem Ziel, clean zu werden, bzw. zu bleiben. Aufgabe der Sozialarbeiter: Tagesstruktur für Ex-Junkies, Ex-Alkis, etc... Der Zufall will es, dass er gefunden wird, von den alten Jungs, die ihn brauchen, und er gleich wieder in die Szene einsteigen soll, so als Tourfaktotum, hier allerdings geht es um rave. Also Mayday und so Sachen. Bumm, Bumm in Endlosschleifen. Um die Aufleger, mit dem einem Ohr immer am Kopfhörer. Das ist alles teilweise lustig, aber auch manchmal langatmig, weil sich der Tourstress immer wiederholt und irgendwann fängt man an, zu überlesen. Es gibt auch kein wirkliches Ende. Es plätschert dahin. Aber genial, die Beschreibung von Karl, wie er erklärt, wenn und wie die Persönlichkeit austickt, wegdriftet, sich im freien Fall befindet. Man wartet auf einen Aufprall den wir normal Abhängige, ja oft genug schmerzhaft erleben - aber die pathologisch abhängigen (Juhnke winkt aus dem Himmel) prallen nicht auf. Sie fallen permanent. Wie auf einem Kettenkarussell, bei dem sich eine Gondel löst und dann abgeht, aber nie aufknallt. Unbehaglich richtig beschrieben. Eins will ich in meinem Leben allerdings nicht mehr kennenlernen: Fluxihotels. Vor allem nicht in Schrankenhusen - Borstel.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 22, 2014 9:51 AM MEST


Die Frauen, die er kannte: Ein Fall für Sebastian Bergman
Die Frauen, die er kannte: Ein Fall für Sebastian Bergman
von Michael Hjorth
  Broschiert
Preis: EUR 14,95

3.0 von 5 Sternen Überkonstruiert und müde machend, 14. November 2013
Nachdem ich relativ zügig und gut unterhalten durch den ersten Roman der beiden Bestsellerautoren gekommen bin (Der Mann, der kein Mörder war) war ich doch relativ gespannt auf die Fortsetzung. Jetzt, nach der Lektüre, mit dem Blick und den Gedanken auf das vor mir liegende Buch, muss ich leider von einer Enttäuschung sprechen. Und somit werde ich mir den dritten Krimi aus der Reihe mit dem angenockten, arroganten, sexsüchtigen Profiler und Kriminalpsychologen Sebastian Bergman, schenken. Eine vorhersehbare Handlung, mühevoll konstruiert und mit Anleihen aus - Das Schweigen der Lämmer -. Edward Hinde ist so eine Art Hannibal Lecter für Arme, der aus dem Knast heraus (Hochsicherheitstrakt) ein psychopathologisches Spielchen mit seinem Staatsfeind Nr. 1, eben Sebastian Bergman, der vor 14 Jahren, eben ihn, Hinde, überführte. Jetzt scharrt Hinde zwei Jünger um sich, die Frauen nach einem immer wieder kehrenden, von Hinde vor 14 Jahren vorgemachten, Ritual ermorden, so dass sich Torkel (Leiter) und das ermittelnde Team genötigt sieht, Sebastian Bergman wieder ins Team zu holen. Dieser erkennt schnell einen furchtbaren Zusammenhang, der mit ihm zu tun hat. Und jetzt beginnt der berühmte Wettlauf mit der Zeit, der aber, wie schon gesagt, relativ vorhersehbar ist. Auch die eingeführten Charaktere im ermittelnden Team, mit all ihren Schwächen und Stärken, verflachen zusehends und kommen dann teilweise überhaupt nicht mehr vor. Am Ende wurde der Roman anstrengend.


Das größere Wunder: Roman
Das größere Wunder: Roman
von Thomas Glavinic
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wunderlich, 4. Oktober 2013
Everestgeschichten haben mich schon immer fasziniert. Tensing Norgay und Sir Edmund Hillary. Ich kann mich noch erinnern, dass bei den wenigen Büchern, die bei meinen Eltern damals standen, eines dabei war, dass hieß: Sturm auf den Thron der Götter. In der Nachfolge habe ich dann die Bücher von Reinhold Messner verschlungen, oder auch John Krakauers „In eisigen Höhen“ Eben solche Extremsituation, wie sie auch von Christoph Ransmayr, in „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ beschrieben werden. Genug davon. Aber extrem ist das neue Buch von Thomas Glavinic auch. Und bei der Titelauswahl „Das größere Wunder“ sind wir auch gleich im Thema: ein wunderliches Buch. Es gibt zwei Handlungsstränge. In beiden spielt Jonas die Hauptrolle, es geht um sein Leben. Immer. Der eine Handlungsstrang ist die Gegenwart und sie führt uns gleich in das Basislager einer Everest Expeditionen. Und da sind gleich mehrere Expeditionen, mit hunderten Gipfelverrückten, die auf den Aufstieg warten, quasi auf besseres Wetter, was ja im Himalaja nicht grad selbstverständlich ist. Dieser Teil des Romans wird umso langweiliger, je mehr das Buch zum Gipfel strebt. Endlose Husten - und Würge Attacken, quälen Jonas, das Leben in den Lagern unterhalb der Todeszone ist kein Zuckerschlecken. Aber die Beschreibungen ermüden. Man fragt sich dann ernsthaft, warum machen die das? Haben die kein Zuhause? So banal diese Frage hingeworfen ist, beschreibt sie doch das Problem von Jonas. Seine Rastlosigkeit ist der andere Handlungsstrang. Der Start in sein Leben wird gleich erschwert, weil seine Mutter nicht in der Lage ist, Jonas eben ein Leben zu bieten, welches man landläufig als normales Heranwachsen bezeichnet. Seine Mutter ist Alkoholikerin mit ständig wechselnden Männerbekanntschaften. Dazu kommt ein behinderter Zwillingsbruder von Jonas, was alles nicht leichter macht. Über Umwege und die Freundschaft zu seinem Freund Werner wird er von einem gewissen, unerschöpflich reichen, Picco, adoptiert. Werner und Jonas wachsen ohne jegliche Geldsorgen heran, sind zu klug für alle Schulen, und können mit dem Leben experimentieren. Ein Experiment geht schief und Werner stirbt früh. Jonas begibt sich auf eine seltsame und nahezu endlose Reise, die mit wunderlich noch weich formuliert ist. Das Bucht driftet auch hier und da ins Metaphorische. Eine Sonnenfinsternis spielt eine durchgehende Rolle, ebenso wie die bizarre Fähigkeit von Jonas, fast alle Sprachen der Welt zu verstehen und zu sprechen, als hätte man ihm ein Sprachmodem ins Hirn gepflanzt. Das Buch ist alles in allem schon faszinierend, aber oft hat man das Gefühl, dem Autor ist die Phantasie durchgegangen. Aber, warum nicht? Mir geht auch oft genug die Phantasie durch, und es ist gut so.


Cookys: Roman
Cookys: Roman
von Werner Köhler
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Leben, die Liebe und der Koch, 12. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Cookys: Roman (Taschenbuch)
Eine Reise in die eigene Vergangenheit. Wunderbar und lustig, tragisch und schön. Gerd Krüger, genannt Cooky, macht all die Erfahrungen, die man macht, wenn man in den Fünfzigern geboren ist und den Hauptteil seiner Jugend und des Erwachsenwerdens in den Sechzigern und Siebzigern erlebt. So weit, so (mir) ähnlich. Erste sexuelle Annäherungen, Drogen, mehr oder weniger ausgeprägt, Trips, viel Alkohol, aber auch unermesslich tiefe und langanhaltende Freundschaften. Cooky erkennt früh seine Berufung. Er ist fasziniert von der Küche, vom Kochen überhaupt und gierig saugt er schon früh alles auf, was an Rezepten, Genüssen, lukullischen Zaubereien von diversen Omas, bis hin zu italienischen Spitzenköchen, auf die Teller gebracht werden. Und am Ende macht er ein sensationell laufendes Restaurant auf und seine Truppe liebt ihn, so wie er sie liebt. Immer wieder wunderbare Rückblenden von frühen Verliebtheiten, vom schulischen Scheitern, der prägenden Rockmusik aus jener Zeit – das alles ist toll erzählt, nachfühlbar und teilweise melancholisch, und ich war oft geneigt, an die guten alten Zeiten zu denken und ein Bier aufzumachen. Aber wir haben genug zu tun. Cooky und ich auch. Als Koch steht man auch ständig auf der Bühne, eine einzige permanente Performance für eine leckere Küche. Das „Cookys“ so heißt auch sein Restaurant, ist ein Szenelokal mit ungeheurer Ausstrahlung und Qualität. Aber wichtiger sind die Beziehungen zu den Menschen, die sich Cooky in den Jahren aufgebaut hat. Und als Tom stirbt, gibt es ein innehalten. Der erste Tote der Clique, aus dieser Gemeinschaft, da muss man erst mal mit klar kommen. Es geht auf eine Reise zu einer Beerdigung an die kalte französische Nordseeküste. Eine Liebeserklärung an das Leben, an die Liebe und an das Kochen. Toll.


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