Profil für Apefred > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Apefred
Top-Rezensenten Rang: 4.088
Hilfreiche Bewertungen: 1085

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Apefred "Fred Ape" (Dortmund Deutschland)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-17
pixel
Vorsicht vor Leuten: Roman
Vorsicht vor Leuten: Roman
von Ralf Husmann
  Gebundene Ausgabe

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine echte Gute Laune Nummer, 1. Juli 2011
Es ist immer was besonderes, wenn man die Kollegen persönlich kennt, die irgendwann im Laufe ihrer Karriere anfangen, Bücher zu schreiben. Beäugt man die kritischer? Ist man etwa neidisch? Nein, ganz ehrlich - ich freue mich. Letztens Frank Goosen oder jetzt Ralf Husmann. Wir haben uns auf diversen Kabarett Bühnen getroffen und ich wusste immer dass er ein erfolgreicher Comedy- und Formatautor geworden ist. Und jetzt mein erstes Buch von ihm. Und ich habe des Öfteren laut gelacht, was ich eigentlich selten mache, wenn ich alleine lese. Einige seiner Sätze haben Kultstatusreife, so wie gleich der Erste dieses unterhaltsamen Romans: - Solange sich ein Mann noch eine Bratwurst macht, hat er nicht aufgegeben -! Oder: - Ob Pub oder Krankenhaus, wenn es kein Bier mehr gibt, geht der Engländer-! Usw.
Die Geschichte kommt einem immer bekannt vor; es ist halt die übliche Köpenikiade , oder ein Felix Krull - Verschnitt, die man sich durch die Altmeister Loriot oder Polt bestens verfilmt vorstellen kann. Es ist die Geschichte von hanebüchenen Missverständnissen, die Lorenz Brahmkamp an die Sonne spült. War er doch bisher eher auf dem Weg nach unten, als fauler Verwaltungsangestellter nicht mehr tragbar und er sah sich schon in der Gosse oder in Hauseingängen schlafen und in seinem Selbstmitleid nicht zu toppen.
Aber auf dem Mund gefallen ist er nicht, blitzschnell kombiniert er und lotet seine Chancen aus. Als er dem smarten Alexander Schönleben über den Weg läuft, wird alles anders.
Brahmkamp erobert die Welt. Kriegt seine Frau zurück, wirft in Mallorca mit Geld um sich und wird auf einmal zu Hause vom Bürgermeister und seinen ehemaligen Chefs hofiert.
Wer auf der Suche nach Kleinsstadtprovinzkomödien ist, der trifft mit diesem Buch ins Schwarze. Eine echte Gute Laune Nummer.


Die Entdeckung des Sonnenaufgangs: Roman
Die Entdeckung des Sonnenaufgangs: Roman
von Walter Veltroni
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Büchlein ist ein Wunder! Eine tolle Entdeckung, 22. Juni 2011
Ich komme mir vor wie ein Muschelsucher. Ich öffne zig Muscheln und plötzlich finde ich eine Perle. So ging es mir bei diesem schmalen Büchlein, grade mal 156 Seiten, aber voller Poesie, Weltklugheit und Spannung. Qualität zeigt sich nicht an der Vielzahl der Seiten. Dies belegt Walter Vetroni. Und fangen wir mal mit dem einfachsten an: selten habe ich eine Umschlaggestaltung mit dem Buchinhalt so korrespondierend gesehen. Der Ich-Erzähler schreibt eine Art Tagebuch, ist seines Zeichens auch beruflich damit befasst, die Dramen und Geschichten von Menschen zu archivieren, die ebenfalls Tagebuch geschrieben haben oder schreiben. Es ist die Geschichte eines Mannes, der in einer noch halbwegs funktionierenden Familie seinen Platz gefunden hat und die Farben, Stimmungen und Gerüche des Sonnenaufgangs als wichtigsten Bestandteil seines Lebens entdeckt hat. Kurz umreißt er die Geschichte seiner Familie; die, seiner der Karriere verfallenen Frau, die, seines hochintelligenten Sohnes Lorenzo und die seiner Tochter Stella, mit einem Down Syndrom geboren. Neben all den einfühlsamen Beschreibungen allen Lebens um ihn herum, faszinierte mich noch eine kleine Geschichte, quasi nebenbei erwähnt. Stella, das Down Mädchen, mittlerweile 12 Jahre fängt an zu menstruieren. Unvorbereitet von der fast schon gefühlskalten Mutter und dem vor sich hin philosophierenden Vater. Lediglich Bruder Lorenzo ist in diesem Moment, wie so oft, zur Stelle und bei Stella. Mal ehrlich, wann habe ich über diese Dinge mal nachgedacht? Es geht um italienische Geschichte, über dreißig Jahre vorbei, die Zeit der roten Brigaden, des Terrorismus in den Siebzigern. Giovanni Astegno ist der Ich Erzähler und der Sohn eines Professors für Architektur, der, eben vor 30 Jahren, seine Frau und seinen Sohn Giovanni plötzlich verlässt und nie wieder aufgetaucht ist. Bis zum heutigen Tag bleibt dies alles ein Rätsel, bis Giovanni sich entschließt, das frühere Ferienhaus der Astegno Sippe zu besuchen. Wie ein verwunschenes Hexenhaus steht es immer noch da und verwildert vor sich hin. Giovanni betritt das Haus, voller Erinnerungen an großartige Feste, mit lachenden Gesichtern und Geschichten. Irgendwo steht ein altes schwarzes Gabeltelefon. Zu seiner Verwunderung hört er ein Freizeichen. Er wählt zufällige Nummern, so aus den aktuellen Bekanntschaften - aber nichts funktioniert. Als letztes probiert er die Nummer des Telefonanschlusses seiner Familie, die als sein Vater noch lebte und er kleiner Junge dem Leben entgegenstrebte. Wie durch ein Wunder hebt jemand ab. Es beginnt eine Aufhebung von Raum und Zeit, aber so charmant und bewegend, dass die Unmöglichkeit dieser Situation vollkommen unwichtig wird. Ich will hier abbrechen, denn ich würde zu viel verraten. Das Buch ist ein kleines Wunder.


Der Assistent der Sterne: Roman
Der Assistent der Sterne: Roman
von Linus Reichlin
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Phänomen ist schon die Zeit, die erst entsteht, wenn sie vergeht, 24. Mai 2011
Das ist ja mal was ganz anderes. Ein frühpensionierter Kommissar aus Süddeutschland ist im belgischen Brügge gestrandet, verliebt sich hier in eine blinde Schönheit, die auch ein Kind von ihm erwartet, wobei die Beziehung trotzdem auf wackeligen Füßen zu stehen scheint. Annick ist eine selbstbewusste Behinderte", die es aber immer im Leben immer noch selbst wissen will. Sie lässt sich nicht am Arm führen sondern die Richtung ansagen, in die sie zu gehen hat. Skurril das alles. Dazu kommt die Vorliebe, bzw. das Interesse des Ex - Kommissars Hannes Jensen an der Naturwissenschaft im Allgemeinen und der Astrophysik im Besonderen. Es gibt seitenlange Darstellungen über Quantendiffusitäten und Licht-Raum Phänomene mit der kausalen Frage: was ist Zeit? Wann findet Zeit statt und wann nicht? Etc...Das wird ihm auch zum Verhängnis, wird er doch von einem VHS Seminarleiter gebeten an einer Exploration nach Island teilzunehmen. Auch diese Reise ist bescheuert und alles ballert an die Grenze eines satirischen Romans. Die Handlung ist leidlich spannend, weil immer, zwischen Zukunftsvorhersage via Fetisch und tatsächlichen Begebenheiten die dann kommen, die Übersinnlichkeit nistet. Aber Hannes Jensen ist Realist und will den Dingen auf die Spur kommen, auch mittels Relativitätstheorie und Quantenmechanik, die er jeweils in Erklärungsmuster dieses Falles einordnet. Der Fall ist eine abstruse Geschichte von Kindesentführung, Menschenhandel und Rachefeldzügen. Es liegt an dem Ex Kommissar, da die Zügel in der Hand zu halten und am Autor Linus Reichlin, selbst den Faden nicht zu verlieren. So wird es zuweilen anstrengend zu folgen, aber man legt das Buch nicht aus der Hand. Es kommen eben immer wieder überraschende Wendungen, vorher prophezeit oder auch nicht. Egal. E= mc² sagt Einstein dazu und so würde ich es auch sehen.


Die Unperfekten: Roman
Die Unperfekten: Roman
von Tom Rachman
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

4.0 von 5 Sternen Menschen wie Du und ich, 10. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Unperfekten: Roman (Taschenbuch)
Manchmal fühlte ich mich an das großartige Buch Fabian" von Erich Kästner erinnert. Das war wohl einer der ersten Romane, die sich kritisch mit dem Innenleben (newsroom) einer Redaktion auseinandersetzte. Fabian, als Neuling, fragt (wenn ich das recht erinnere) was denn der nächste Aufmacher sein solle? Es gäbe nix. Da antwortet der Chefredakteur, man solle einfach schreiben 8 Tote bei Zugunglück in Peking" - ob das stimme oder nicht, interessiert morgen keinen mehr.

Und so ist man immer auf der Suche, nach sensationellem, eben das was Auflage bringt - und die Auflage garantiert das Überleben. Tom Rachmann allerdings stellt die Menschen, die unmittelbar mit der Zeitung zu tun haben, anders vor; nämlich in ihren persönlichen Dramen, Konflikten, Ängsten, Hochmütigkeiten, etc... Das macht diese Geschichten so anders. Es sind meist abgeschlossene Einheiten von Lebenskrisen der einzelnen Protagonisten, die auch allesamt unterschiedlich mit der in Rom erscheinenden englischsprachigen Zeitung zu tun haben. Vom Redakteur bis hin zur Chefbuchhalterin. Das ist nicht immer interessant, teilweise nervt es auch, wie zum Beispiel die Story aus Kairo. Da kommt so ein professioneller Kriegsberichterstatter, der in seinem comedyartigen Duktus eher in einen Film von Monthy pythons oder M.A.S.H. gepasst hätte. Alles in allem fand ich wieder mal, nach den ungeheuren Vorschusslorbeeren, dass echt übertrieben wurde. Ich teile die Einschätzung eines Freundes, der dies Buch zur gleichen Zeit gelesen hatte. Er sagte,... na ja....normale Menschen, mit normalen Fehlern, aber alles war entweder zu vorhersehbar oder zu banal.....das Leben von außen betrachtet ist vielleicht immer genauso und nur wenn wir in der Mitte davon stecken, erscheine es manchmal mysteriös oder Besonders. Er habe das Buch zügig durchgelesen und sich auch nicht gelangweilt.....aber irgendwie war ihm schon immer klar, was auf der nächsten Seite stehen würde. Spannender, und deshalb legt man das Buch auch nicht weg, ist da schon die in kursiv gehaltene Geschichte der Zeitung, die sich jeweils nach den einzelnen Kapiteln, historisch langsam dem Heute nähert. Das ist deshalb interessant, weil wir einerseits die Dekaden der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts durchschreiten und man wieder an geschichtsträchtige Ereignisse erinnert wird, und andrerseits die Personen kennen lernen, die dahinter stecken. Vom großen Cyrus Ott als Gründer der Zeitung und im Vorstand bzw. der Besitzer eines Multinationalenkonzerns, bis hin zu seinem degenerierten Enkel, der das große Erbe dieses Unternehmens und somit auch der Zeitung an die Wand fährt.

Die großen Veränderungen im Nachrichtenmarkt tun ein Übriges. Das Internet lässt grüßen. Lesenswert allemal, aber nicht der große Wurf, den ich erwartet habe.


Der Koch
Der Koch
von Martin Suter
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ja ja, Liebe geht durch den Magen., 29. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Koch (Gebundene Ausgabe)
Ich habe das Buch immer wieder zur Seite geräumt und was anderes vorgezogen. Heute weiß ich, es war keine schlechte Entscheidung, denn dieser Roman ist schwerlich dazu geeignet, Begeisterung zu wecken (Außer bei Köchen). Er ist einfach zu speziell. Und die Rahmenhandlung, also die politischen Wirrnisse in und um Sri-Lanka, vermischt mit einer verrückten Geschäftsidee (Der Koch, der Tamile Maravan, fertigt mit sensationeller Kochkunst erotische Liebesmenüs namens Love food), im seltsamen Schweizer Umfeld - inmitten der Finanzkrise - ist einfach zu einfach. Maravan und Andrea sind Kollegen in einem angesagten Schweizer Nobelrestaurant und von hier aus nimmt das Schicksal seinen Lauf. Dalmann, ein nicht immer gern gesehner Gast im Huwyler, so der Name dieser mehr Schein als Sein Restauration, ist ein Geschäftevermittler, also einer der alle Leute skrupellos zusammenbringt um dann stillschweigend Provisionen einzustreichen. Und er wird auch in Pakistan und Sri Lanka aktiv - und es ist ihm egal welche Seite er beliefert. Irgendwann wird ihm das zum Verhängnis, das wird früh klar. In dieser Grauzone gibt es natürlich ohne Ende Callgirls, diskrete Vermittlungen und die Love Food Idee hat hier die ersten Erfolge. Maravan und Andrea sind im Geschäft. Das läuft so mit Höhen und Tiefen und Maravan hat noch tiefe emotionale und religiöse Verbindungen zu seiner tamilischen Heimat und muss mit ansehen, wie diese zerbombt wird. Sein sehr schlechtes Gewissen beruhigt er mit Geldspenden - wo aber auch nicht klar wird, wo die eigentlich hingehen.
Egal jetzt - für jemanden, der sich für solche Kochkünste interessiert, ja, dies mal ausprobiere will, also wer mit den Begriffen Buchenholzräuchermehl. Kardomon, Blattsilber, Garam, Masala, Kaschmir Currypulver, Xanthan, etc...,was anfangen kann, bitte, das Buch lesen oder sofort hinten anfangen - denn da stehen die Rezepte. Und dann, ja und dann - ab ins Schlafzimmer. Da geht dann die Post ab. Ich werde jetzt zum Spargel essen gehen. Mal sehen, ob ich was merke.


Rubinrotes Herz, eisblaue See: Roman
Rubinrotes Herz, eisblaue See: Roman
von Morgan Callan Rogers
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Von der Schwierigkeit Erwachsen zu werden, 26. April 2011
Der Roman entwickelte sich bei mir wie die Pubertät der Hauptperson: zu einem guten Ende. Denn wie auch die Pubertät ein ziemliches Chaos in der Gefühlswelt der Heranwachsenden bedeutet, war ja bei mir nicht anders, fängt dieser winterliche Neu- England Roman sehr durcheinander an. Man muss schon genau lesen, wer zu wem gehört und wer, wer ist. Obwohl es sich tatsächlich um einen Mikrokosmos, eben ein kleines Fischerdorf in Maine handelt. Florine, die wir hier über ca. ein Jahrzehnt begleiten, die - Ich Erzählerin - verliert unter dubiosen Umständen ihre Mutter, sie ist einfach weg - spurlos verschwunden unauffindbar. Kein wirkliches Zeichen von Verbrechen, und das deshalb nur einsame Fragen übrig läßt. Im Übrigen auch für Florines verzweifelten Vater, der sich allerdings schnell Trost sucht. Er kann nicht alleine sein. Das führt zu ganz schlimmen, emotionalen Konflikten und Spannungen zwischen Vater und Tochter und noch schlimmer, mit Tochter und der Neuen, Stella, der Bettgefährtin des Vaters. Florine zieht zu Grand, ihrer Großmutter. Florine hält Grand für unsterblich. Aber auch hier nehmen die Dinge ihren weltlichen Lauf und irgendwann ist Florine (vermeintlich) alleine auf der Welt. Aber ganz langsam gibt es ein Licht am Ende des Tunnels. Aus dem, an dem Verlust der Mutter verzweifelten Mädchen, wird doch noch eine willensstarke Person, die sich dem Leben stellt. Hört sich an wie ein Mädchenroman, das würde ich auch nicht verneinen. Als Vater einer Tochter ist man auch vielleicht näher dran und versteht die Wirrungen des Zöglings eher. Genuss ohne Reue, nicht der ganz große Wurf, aber, wie gesagt, wenn man dabei bleibt, formt sich mit dem Charakter von Florine auch das Bild des Lesers, oder der Leserin, über den Roman zum Positiven.


Tarmac - Apokalypse für Anfänger: Roman
Tarmac - Apokalypse für Anfänger: Roman
von Nicolas Dickner
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

3 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Neue kanadische Literatur? Tja, ist wohl nicht meine., 21. März 2011
Ja, ganz ehrlich, ich habe mich auf das Buch gefreut. Und bin am Ende mehr als ratlos. Was habe ich da gelesen? Gut, die Grundidee war ja eigentlich das, was mich interessierte. Die Apokalypse als chronische Psychose einer Familienvita über sieben Generationen. Was ich aber dann zu lesen bekam, war (wohl) junge, kanadische Literatur, deren Hauptaugenmerk darin zu liegen scheint, auch für den dämlichsten Vergleich, immer neue Superlative zu finden. Ein Kopfschmerz ist nicht einfach ein Kopfschmerz, sondern gleich Golgatha. Das Auto auf der anderen Straßenseite ist Lichtjahre weg. Und wenn unser junger Ich - Erzähler von Hope, dass ist der letzte Spross dieser Apokalypsensklaven, einen Kuss auf die Wange bekommt, dann brennt der wie tausend Sonnen, und so weiter.
Wie gesagt, man hätte einen satirischen Roman daraus machen können, einen Blick auf die weltweiten apokalyptischen Reiter werfen und zum Spaß ein paar Runden mit reiten können. Aber nichts da. Es gibt die durch geknallte Mutter von Hope, Ann Randall, und eben Hope selbst und ihr Fan Mickey, eben als derjenigen, der zufällig Hope trifft und von dem hoch intelligenten Mädel fasziniert-, ja wohl auch verliebt ist Dabei kommt es aber zwischen den beiden nie zu irgendeiner erotischen Handlung, als wenn da der Bischof die Hand drüber hielte. Ach, machen wir es kurz: Hope kommt auch nicht von ihrer genetischen Prägung los, und ist alsbald fixiert auf ihr Weltuntergangsdatum, nämlich der 17.07. 2001. Durch eine Kette von Zufällen, meint sie, den Urheber dieser nostradamischen Ausrechnung suchen zu müssen, und fliegt überstürzt nach Tokio ab. Kurz leuchtet hier auf, weil ja grad so eine Art Apokalypse in Japan abläuft, dass ich ein Buch in den Händen halte, welches seinerseits, die ganze Scheiße mit Japan schon vorausgesehen hat. Also self filling prophecy. Aber nein, alles Quatsch. Japan ist eigentlich unbewohnbar, das wissen wir sowieso jetzt, eine wackelige Angelegenheit, gespickt mit Atomtod und den Horror Taifunen und Tsunamis ausgesetzt. Zurück zum Buch: ach nein, lieber nicht!


Keller fehlt ein Wort: Roman
Keller fehlt ein Wort: Roman
von Patrick Tschan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,90

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine großartige Entdeckung mit genialen Formulierungen, 6. März 2011
Man das hätte ich nicht besser schreiben können. Ich will es gleich belegen. Zuerst das Thema: langsames auseinander leben einer Beziehung! Originalzitat (man muss ja heute vorsichtig sein) Seite 163:
" So erlagen er wie Edna den durch alle Ritzen pfeifenden Winden der Gleichgültigkeit, den brütendheißen Sonnenstrahlen, welche die letzten Halme des Eros verdorrten, und den sintflutartigen Gewittern, die Schicht um Schicht gegenseitigen Respekts abtrugen. Und irgendwann trat der nackte Fels hervor und Keller wusste, sie waren auf der dunklen Seite der Intimität abgekommen. Dort, wo jedes Wort als Forderung empfunden wird und sich jede Umarmung aus vorangegangenem Schmerz ableitet." (Zitat Ende) Oder Seite 187, hier speziell zu (Keller` s) seinem Aphasieproblem, um das es in dem Buch geht. Eine unglaubliche Zustandsbeschreibung einer Phase, doch auf dem Weg zur Besserung. Hat man jemals das Thema Wortfindungsstörung besser beschrieben? Hier bitte: "Vier Seiten, Papier, geschrieben im Abstand von wahrscheinlich wenigen Wochen, spiegelten die ganze Zerstörung wider: Worte, Sätze, Grammatik - ein zerbombtes Land. Durchzogen von umgeschichteten Schützengräben, in denen tote Wörter neben abgetrennten Satzgliedern lagen, aus denen noch im Stocken begriffene Buchstaben tropften. Ein Land, zerwühlt von Geschosskratern, an deren Rändern Konjunktionen verzweifelt um Hilfe schrien, in der Hoffnung, jemand möge ihrem unerträglichen Phantomschmerz ein schnelles Ende setzen. Und in all dem Chaos irrten Substantive blind und orientierungslos auf der Suche nach ihren verwaisten Artikeln umher." (Zitatende)
Also, ich bin begeistert über die Formulierkunst dieses Autors. Kurz zur Geschichte des von mir dringend empfohlenen Buches: Keller, 47, leidlich erfolgreicher Werbetexter mit Hang zur Baseler Gemütlichkeit, bemerkt einen leichten Hirnschlag nicht, der eine bestimmte Region des Gehirns so sehr schädigt, dass eine Aphasie einsetzt. Diese Wortfindungsprobleme werden immer mehr, zumal er ein zweites Mal von einem Aneurysma heimgesucht wird. Allein seine körperlichen Fähigkeiten bleiben erhalten, nur sein Sprachzentrum explodiert. Es geht um den weiten Weg, um den Kampf, aus diesem Dilemma rauszukommen; Synapsen und Neuronen so neu zu strukturieren, das irgendwann wieder was verständliches aus seinem Mund quillt. Und es es ist die Stärke dieses Buches, das diese tragisch - komische Geschichte immer unterhält - ja, das man über das Handicap von Keller laut lachen muss, denn Patrick Schwan lässt seinen Keller in die absurdesten Fallen tappen. Aber Keller kämpft und wir mit ihm. Er kämpft um seinen verloren geglaubten Sohn und um eine neue Beziehung. Klasse.
Wer irgendwann mal an dem großen Neurologen Oliver Sacks vorbei gekoommen ist und zum Beispiel "Der Mann der seine Frau mit einem Hut verwechselte" oder "Der einarmige Pianist" gelesen hat, der weiß eventuell schon ein wenig mehr über die neuronalen Hirn - Sackgassen, die Menschen heimsuchen. Patrick Tschan gelingt hier ein ganz großer Wurf und bringt uns dieses Aphasie Phänomen nahe, und - unterhält doch auf großartige Weise.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 24, 2013 7:47 AM CET


Solar
Solar
von Ian McEwan
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,24

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Superstrings und Tangas, einsame Klasse und noch lustig, 13. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Solar (Gebundene Ausgabe)
Spontan fiel mir ein älteres Werk des Großmeisters John Updike ein:
Das Gottesprogramm: Rogers Version. Irgendwann in den Achtzigern erschienen. Auch damals hat es mich unglaublich fasziniert, wie ein Romanautor naturwissenschaftliche Erkenntnisse, astrophysikalische Phänomene und den derzeitigen Stand der Forschung in Bezug auf Singularität, also die Entstehung des Universums, bis hin zur Suche nach der Weltformel, was also alles im Innersten zusammenhält, prosaisch aufbereitet. Da schreibt einer Romane und weiß so verdammt viel und noch mehr: er bindet das in eine Gesellschaftssatire ein und macht also daraus einen prallen, erotischen und gleichzeitig wissenschaftlichen Roman.
So, das Gleiche gilt hier für Ian McEwan. Großartig wie lakonisch er das wissenschaftliche Durcheinander um den Klimawandels aufbereitet und quasi nebenher mit Begriffen aus der Quanten-, Strings-, Quarkstheorie oder Unschärferelation um sich wirft.
Michael Beard, Mittfünfziger, schrullig, fettleibig, weiberverrückt und quasi zufällig Nobelpreisträger, führt uns durch sein skurriles Leben.
Nobelpreisträger deshalb, weil er Einsteins Relativitätstheorie mit irgendeiner theoretischen Formel ergänzt hat, die da nun als Einstein-Beard Theorem festgezurrt ist. Davon lebt er in Muße, hält hier und da Vorträge, erlaubt sich fünf gescheiterte Ehen und hat aber von den Frauen längst nicht genug. Dann und wann wird er in wissenschaftliche Beiräte gewählt und erhält sogar Forschungsaufträge, für die er sich aber selbst kaum noch interessiert. Immer wieder schweifen seine kruden Gedanken ab, und erlässt uns teilhaben an der Verrücktheit der Welt, aus seiner Sicht. Köstlich sein gesponserter Aufenthalt in dem eisklirrenden Spitzbergen, wo er mit einem Haufen esoterischer Künstler, den Klimawandel abwenden soll. Zumindest theoretisch. Eines Tages, hat natürlich alles mit sex und crime zu tun, beschäftigt er sich eher aus Langeweile mit einer Mappe eines ehemaligen Mitarbeiters, der, wie er nach und nach erkennt, die Lösung für alle energiepolitischen Fragen der Welt hat. Nun, der ursprüngliche Autor ist unter dubiosen Umständen (auch sehr lustig - auf einem Eisbärenfell ausgerutscht) zu Tode gekommen und Beard apostrophiert die Erkenntnisse einfach für sich. Er ist eben so, dieser Professor Beard. Macht sich deshalb keinen Kopf. Ach was soll ich weiter erzählen. Einfach lesen. Wer sich halbwegs für Naturwissenschaft interessiert und die Suche nach den kleinsten Teilchen auch schon fast für eine riesige Glosse hält, der ist hier zu Hause. Hier, bei dem sympathischen Professor - der Michael Beard in uns allen. Klasse!


Robert Enke: Ein allzu kurzes Leben
Robert Enke: Ein allzu kurzes Leben
von Ronald Reng
  Gebundene Ausgabe

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Aus der Tiefe des Raumes, 12. Januar 2011
Am Anfang war ich skeptisch. Ich hatte ein komisches Gefühl. Deshalb weil ich selbst immer Torwart war (und bin) und in dem Alter, als Enke sich das Leben nahm, sagen wir mal vorsichtig eine depressive Phase hatte, an die ich mich nur noch ungern erinnere. Damals brach für mich eine Welt zusammen, alles passte nicht mehr, Zukunftsangst und was weiß ich. Vielleicht hat jeder Mann um die 30 herum mal so eine Phase, es ist die Zeit, da verlässt man die Unbeschwertheit der Jugend, des Unbesiegbaren, und man betritt schon fast den entscheidenden Teil des Lebens. Und wenn man da unfertig ist, nicht recht weiß, und dann an allem zweifelt...gut, man nennt das auch einen seelischen Schnupfen. Bei Robert Enke aber ist es eine klinische Depression. Eine schwarze schlimme Krankheit, ohne das man weiß, was sie auslöst, bzw. wie es zu solch dramatischen Schüben kommt. Als ich den Namen des Autors las, Ronald Reng, war ich von der Qualität des Buches überzeugt. Er begeisterte mich vor ca. 10 Jahren schon mal mit dem Buch "Der Traumhüter" und er ist bekannt, für seine sensible Herangehensweise an die handelnden Personen. Nicht zufällig lese ich in der Tageszeitung meiner Wahl heute wieder einen Artikel von ihm; über Timo Hillebrand. Auch einer, der es im Moment nicht leicht hat und auf der Ersatzbank von Sportling Lissabon schmort.
Ich will nicht viele Worte machen, vor mir haben viele tolle Rezensenten das Buch über alles gelobt. Ich will mich dem einfach anschließen. Diese Geschichte eines Leidensweges ist überzeugend dargestellt, alle Menschen die um ihn herum leben, bzw. lebten, sind auf dem Punkt gezeichnet und zitiert. Niemandem werden bittere Vorwürfe gemacht und bei allem, ist man so nah dabei, dass man meint, selbst Teil der Geschichte zu sein. Noch dazu, wenn man fußballbegeistert ist wie ich, und die zeitlichen Zusammenhänge, Teams, Trainer, Erfolge, auch sofort einordnen kann. Bei all dem bleibt natürlich klar, dass der Fußball eigentlich nur eine marginale Rolle spielt. Die Krankheit schlägt unabhängig von Beruf, Erfolg, persönlicher Leistung, gesellschaftlicher Stellung zu. Und es kann so schlimm werden, dass es für das Leben nicht mehr reicht. Man hat noch die letzte Wahl. Welch eine Energie das kostet, vermag ein "normaler Mensch" nicht ahnen. Geht auch nicht. Was bleibt, ist die Erkenntnis, den Umgangston bei Menschen, bei denen zumindest die Möglichkeit besteht, dass er/sie auf dem Weg ist in eine schlimme Melancholie zu verfallen, dieses ewige "Nun reiß dich doch mal zusammen" für alle erkenntlich das Gegenteil bewirkt. Es ist gut, dass ich das Buch gelesen habe und ich werde es immer weiter empfehlen.


Seite: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11-17