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Rezensionen verfasst von
Apefred "Fred Ape" (Dortmund Deutschland)
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Aus der Hölle ans Licht: Zehn wilde Jahre mit dem BVB
Aus der Hölle ans Licht: Zehn wilde Jahre mit dem BVB
von Tim Gräsing
  Broschiert
Preis: EUR 12,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine wichtige Geschichte zur Zeit: BVB 2015-2015, 12. Juli 2015
Der Titel hat schon was Religiöses. Könnte von den Zeugen Jehovas kommen oder sonst welchen religiösen Fundis. Irgendwie ist ja Fußball auch nix anderes. Ich bin zwar auch mitten im Geschehen und verfolge den BVB auch schon mein ganzes Leben, hab seit 30 Jahren eine Dauerkarte und pöhle selbst immer noch. Aber ich bin weder fanatisch noch Ultra oder sonst was. Ich guck einfach zu. Und ab und an fallen mir auch gute Bücher über Fußball in die Hände. Die sind rar gesät, genauso gibt es auch wenig gute Fußballlieder. Beim BVB ist es vor dem Spiel (natürlich außer "You'll never walk alone") nur zum Ohren zuhalten. Gute Bücher sind für mich zum Beispiel die von Ronald Reng "Robert Enke, Ein viel zu kurzes Leben" oder "Der Traumhüter"; Tim Sparks "Eine Saison mit Verona" oder Nick Hornby "Fever Pitch". Und nun habe ich Tim Gräsings BVB "Übersicht" der letzten zehn Jahre in der Hand (2005 - 2015). Besser noch, wir gehen vor dem Spiel in den gleichen Biergarten (hier "Rothe Erde", jeder Fan hat eben seinen Lieblingsvorbereitungstreff) und gewinnen dem Leben außerhalb des Fußballs noch eine Menge ab. Gräsing erzählt von seinen Reisen, seinen Studienaufenthalten in der ganzen Welt und bei diesem globalen Erlebnishorizont fragt man sich natürlich, wo hat der Mann die Knete her. Also er klärt uns auf. Das Elternhaus liegt pekuniärweit über den eines BVB - Durchschnittsfans, denn alleine die endlosen An- und abreisen 600 KM aus Eisenhüttenstadt, (geht es noch weiter nach Osten?) und die Kurzfristigen Trips zu CL - Spielen oder mal eben mit dem Flieger vor irgendwoher. Naja, egal. Das fiel mir nur auf, kein Neid - denn das Buch ist wichtig und gut. Lässt nichts aus, was ein gut informierter Fan über die letzten zehn Jahre wissen muss. Und die hatten es in sich. Von dem Erfolg der Kloppära ist man ja auch ganz geblendet und man will von den bitteren Jahren, in der das Trio Niebaum, Meier und Sammer, den Verein in die Gosse gewirtschaftet haben, nichts mehr wissen. Und die Geschichte grade mal 10 Jahre her ist eigentlich unglaublich, denn der Verein hätte unter normalen Umständen in die Insolvenz gehen müssen! Zurückversetzt in die Oberliga, was auch immer. Und deshalb ist es wichtig, die Fakten aus der Zeit noch mal auf dem Tisch zu haben. Jubeln beim Gewinnen kann jeder. Aber mal wieder Namen ins Gedächtnis holen, das hat mir Riesenspaß gemacht. Und was waren das für Versuche mit Röber, Doll, Scala und van Marwijk bis irgendwann "Der Erlöser" kam. (Jetzt sind wir wieder beim Religiösen) Aber das war eben nicht nur Klopp. Watzke, Rauball und zum Teil auch Zorc haben das Schiff, obwohl schon aufgesetzt und leck, wieder ins ruhige Fahrwasser bewegen können. Und das waren Jahre. Und ich war dabei, und Tim Gräsing war dabei. Vielleicht gehe ich beim ersten Heimspiel gegen MG mal mit einem Schild im Biergarten rum, da steht dann "Tim Gräsing bitte melden" drauf. Und wenn er sich tatsächlich meldet, dann lass ich mir sein Buch signieren, es ist es nämlich absolut wert.


Der Distelfink
Der Distelfink
von Donna Tartt
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein ganz großer Wurf!, 12. Juli 2015
Rezension bezieht sich auf: Der Distelfink (Gebundene Ausgabe)
Au Mann, mal wieder ein Tausendseiter, ein „Kilobuch“, da muss man sich erst mal ran wagen. Lange genug habe ich gewartet, denn eigentlich fand ich "Die geheime Geschichte" von ihr damals schon absolut faszinierend. Der Roman beginnt in der Gegenwart geht schnell in eine Rückblende, baut das Leben nach und endet heute. Als Roman oft so genutzt. Aber das muss man auch können. Und Donna Tartt kann es. Man wird in die Geschichte förmlich rein gezogen, erfährt viele (mir) unbekannte Sachen aus der klassischen Kunst und Malerei, erfreut sich an Details des Restaurierungswesen und kriegt quasi ganz nebenbei eingeschüttet, für was Menschen Geld ausgeben. Das ist die eine Seite. Die Didaktische. Wie man so schön sagt, die zweite Ebene eines Buches. Gibt bestimmt ein Fremdwort dafür.
Und dann ist es eben die Lebensgeschichte von Theodore Decker, der 13 - jährig und voller Lebenszweifel bei intensivster Liebe zu seiner Mutter, eben diese durch einen eine Explosion in einer Museumsgalerie verliert und im Chaos mit dem Bild des Distelfinks, wieder aufwacht. Hier geht es richtig los. Dieses Ereignis und der Distelfink (gemalt 1654 in Holland von einem gewissen Fabritius, ein Schüler Rembrandts) welcher nun fortan und illegal quasi an seinem Leib klebt, krempeln sein Leben völlig um; er kommt auf seinem Weg mit ganz vielen, und unterschiedlichsten Menschen zusammen, von denen drei in dem Roman die wichtigsten sind: Pippa, in die er sich kurz vor der Explosion auf der Stelle verliebt hat, Hobie, der zu seinem väterlichen Freund wird und Boris, der ukrainische Schlawiner, der Theo mit seinem Drogen- und Alkoholkonsum fast fertig macht und der, gleichwohl als Freund, bis zum Ende windig und undurchschaubar bleibt.
Ein Aspekt, der mir am Ende immer wieder durch den Kopf ging, ist eben dieser lakonische Drogenmissbrauch, diese Selbstverständlichkeit, des sich Abschießens, das Treffen mit den Dealern, und immer eine "Nase" zur Hand. Wenn ich mir heute mal einen Schnaps gönne, was kaum geschieht, aber wenn, habe ich anderntags Kopfschmerzen. Und da wird alles in sich rein geschüttet, was auch nur annähernd, die Sinne vernebeln könnte. Aber vielleicht mein Problem, soll keinen interessieren. Interessieren wird vielleicht meine Wertung: absolut lesenswert!


Fünf Viertelstunden bis zum Meer
Fünf Viertelstunden bis zum Meer
von Ernest Kwast
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,00

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Intensiv, traurig, lyrisch und ganz einfach nur schön!, 31. März 2015
Vor drei Jahren fiel mir ein Roman des preisgekrönten japanischen Autors Haruki Murakami in die Hände. Ein „Männerroman“ aus Japan, den sicher auch viel Frauen gelesen haben, denn er ist literarisch von außerordentlicher Qualität. Es ist die Geschichte einer Obsession, geboren in den Kinder - und vorpubertären Jahren von Hajime und seiner Jugendliebe Shimamoto.
Das kann sicher jeder gut nachvollziehen. Es gibt, wenn ich etwas wühle in meinen Gedanken, Geschichten und Dramen aus all den erlebten Jahrzehnten, immer wieder das eine oder andere Gesicht aus der Vergangenheit, bei dem, wenn es dann tatsächlich auftaucht, ein Schwall Emotion einen nahezu unerklärlich überwältigt. Es kann ein Gesicht sein aus frühen Jahren oder die Erinnerung an eine frühe erotische Situation. Im vorliegenden Büchlein, vielleicht sollte man sagen, Novelle, empfand ich alles als noch besser getroffen. Es ist ein Liebesroman, unvergleichlich schön in seinen starken Bildern, kurz, es ist wie Kopfkino; ein Film, der sich die ganze Zeit vor dir abspielt weil alles so stimmig ist. In „Fünf Viertelstunden bis zum Meer“ sehen Ezio und sein Bruder Alberto sprachlos, wie die 20-jährige Giovanna Berlucchi wie ein Traumbild dem Meer entsteigt. Und hier beginnt das Drama. Ezio fängt sich als erster und rennt auf sie zu. Giovanna ist keck, schön und das alles weiß sie auch. Sie trägt einen „frühen“, zweiteiligen Badeanzug, der erst viel später, als Bikini bekannt wurde. Es kommt in diesem ersten friedlichen Jahr nach dem zweiten Weltkrieg zu hocherotischen Begegnungen zwischen Ezio und Giovanna in der immer gleichen Strand-, Sandmulde. Ihr Liebesnest liegt 8 KM von ihrem Heimatdorf, doch der Weg zum Strand ist wie ein Weg durchs Paradies. Als Giovanna sich allerdings für ihre „Freiheit“, also für ihr Ungebundenheit entscheidet, kommt für Enzio nur noch die Flucht in Frage. Er dreht sich nicht mehr um und verlässt das Dorf am Stiefelabsatz Italiens und landet 1000 KM weit im Norden, in Bozen, Südtirol, und wird Meister des Apfelpflückens. Giovanna bleibt seine einzige Liebe, 60 Jahre hört er nichts von Ihr, bis ein Brief von ihr in seinem Postkasten landet. Er ist erschüttert. Und alt. Aber Giovanna auch. Er fasst sich ein Herz und fährt zurück. Zu ihr. Ich hatte die ganze Zeit die Rollen vorzüglich besetzt mit Sophia Loren und Mario Adorf vor mir gesehen. Zumindest leben sie beide noch und könnten die Jetztzeit spielen. Wunderbare Lektüre, die man sich auch vorlesen lassen kann. Intensiv, traurig, lyrisch und ganz einfach nur schön!


Still
Still
von Zoran Drvenkar
  Broschiert
Preis: EUR 16,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Deprimierend entsetzlich, 12. Februar 2015
Rezension bezieht sich auf: Still (Broschiert)
Labile Menschen sollten sich bevor sie dieses Buch anfangen zu lesen, vielleicht mal mit den Danksagungen des Autors am Ende des Buches beschäftigen. Hier dankt er Freunden und Beratern tatsächlich dafür, dass sie ihm halfen, beim Schreiben dieses Romans nicht durchgedreht zu sein. Aha.
Dieser Thriller ist eine "Sie sind unter uns" - Geschichte. Ein Pädophilenring wäre noch eine harmlose Untertreibung bei der Beschreibung dieses unglaublichen Geschehens. Eine Art Geheimbund ist hier am Werk und existiert schon weit vor der Zeit der Internetpornographie. Ein Horrorrülpser aus den Untiefen menschlichen - oder eher unmenschlichen Daseins. Schade nur, dass ich sofort an ein anderes Buch denken musste, das hier wohl Pate stand: * Jagdzeit* von David Osborn. Auch hier stand vorweg in einer Rezension: "Wer keine Angst davor hat, in Romanen von extremer Gewalt und dem sexuellem Missbrauch zu lesen, der sollte sich *Jagdzeit* (im Original *Open Season*) von David Osborn nicht entgehen lassen. Allen anderen sei gesagt - Finger weg." Trotz allem: das Buch ist spannend und klug aufgebaut, aber wie gesagt, wie weit darf so was gehen? Zoran Drvenkar spielt mit Albträumen von Eltern und unvorstellbaren Psychopathologien der Akteure.
Und was Kinder hier durchzumachen haben, kann und will man einfach nicht beschreiben. Ich bin mir nicht sicher, ob ich dieses Buch empfehlen kann. Passiert nicht schon genug unglaublicher Scheiß?


Ein ganzes Leben: Roman
Ein ganzes Leben: Roman
von Robert Seethaler
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 17,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mit einem abgerissenen Lachen und einem einzigen, großen Staunen!, 14. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Ein ganzes Leben: Roman (Gebundene Ausgabe)
Erst im letzten Drittel beeindruckte mich das Buch wirklich. Dann aber auch tief. Andreas Eggers Geschichte ist die eines Alpenländlers, von denen es bestimmt viele gab und gibt, ärmlich aber festen naturverbunden, wetterkundig und leidlich mürrisch. In Gasthäusern auf Eckbänken still die Suppe löffelnd und draußen steht der Schlitten, den der bärtige Wuchtling, eigenhändig, beladen mit den Vorräten eines Monats, auf seine einsame Hütte zieht. Die steht hoch oben am Hang mit gnadenloser Aussicht auf das Wetter von Übermorgen. In etwa so. Eine schwere Kindheit bei Adoptiveltern, auch schwer geschlagen in Armut und Glauben, mit ein paar Widerwärtigkeiten durch den Bauern und der still leidenden Bäuerin. Aber aus Eggers wird ein kräftiger, wenn auch nicht im schulwissenden Sinne, kluger Mensch, der versteht, sich durch dieses karge Leben zu manövrieren. Dann ist er dabei, wie in dieses, bisher gottverlassene Tal, die Elektrizität einkehrt und er übersteht, ohne recht zu wissen, was eigentlich los ist, den Krieg als alpiner Soldat im eiskalten Kaukasus und sieht dabei sogar dem Russen ins Auge. Nach Jahren der Gefangenschaft, die er fast gleichmütig übersteht, kehrt er in sein Tal zurück und hat die erste und letzte Begegnung mit Marie. Es endet tragisch. Vorher gibt es noch ein verwirrendes Erlebnis mit dem Hörnerhannes, den Eggers retten will, aber dieser Greis entwischt ihm im Schneetreiben. Dann gibt es so was wie Ruhe in seinem Leben, er wird Seilbahnbauer und auf Grund seiner Kraft und Ruhe ein guter Arbeiter. Er lebt am Ende in einer dieser weiter oben beschrieben Hütte und ab und an im Tal, sieht er sogar 1969 im Fernseher eines Wirtshauses, wie der erste Mensch den Mond betritt. Und wie gesagt im letzten Drittel oder noch später kommen so wunderbare Zeilen wie: „Bald kommt der Frühling. Die Vögel haben ihn schon gesehen. In den Knochen regt sich was. Und tief unterm Schnee platzen schon die Zwiebeln“. Und jetzt wird klar warum ich hier aufhorchen musste: ein Gedicht von mir, ca. 10 Jahre alt, fängt folgendermaßen an: „Noch Wintertag, da regt sich was, nicht nur bei Murmeltieren, auch mir ist so als würd` ich‘ s spüren, unter mir wächst schon das Gras“. Und somit schaute ich noch genauer hin und mit diesem wunderbaren Zitat will ich schließen: „Er hatte geliebt. Und er hatte eine Ahnung davon bekommen, wohin die Liebe führt. Er hatte gesehen wie Männer auf dem Mond herumspazierten. Er war nie in die Verlegenheit gekommen, an Gott zu glauben, und der Tod machte ihm keine Angst. Er konnte sich nicht erinnern, wo er hergekommen war, und letztendlich wusste er nicht, wo er hingehen würde. Doch auf die Zeit dazwischen, auf sein Leben, konnte er ohne Bedauern zurückblicken, mit einem abgerissenen Lachen und einem einzigen, großen Staunen.“ Da kommen mir die Tränen. Aber echt!


Passagier 23: Psychothriller
Passagier 23: Psychothriller
von Sebastian Fitzek
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

7 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Ärgerlich, 30. Dezember 2014
Was für eine ärgerliche Zeitverschwendung. Ich habe mich blenden lassen. Genau dort, wo man immer seine Finger von lassen sollte: nämlich von den Bücherstapeln am Eingang der Buchumschlagplätze in den dicken Fußgängerzonen mit den noch dickeren Plakaten wie „Spiegelbestseller“ oder sonst irgendwelchen Listen und Lügen. Da stand ich nun eines Tages und wartete auf eine Bekannte. Es dauerte und regnete. So kam ich zu diesem Buch. Nun bin ich ja gerne Kreuzfahrer, hab als Künstler schon einiges von der Welt sehen dürfen und mag das Leben auf solchen Schiffen. Nicht so Riesenpötte wie die hier beschriebene „Sultan of the sea“ eher ein-zwei Nummern kleiner, aber was solls. Eben Kreuzfahrt. Es gibt auch Psychothriller die ich mag. Ehrlich. Hab schon viele gute gelesen und hab die ganzen Nordländer geliebt, angefangen von Mankell, über Dahl, Adler Olsen, Nesbo, ach was weiß ich. Und jetzt dieser Blödsinn. Eine Gemische und Gewürge aus allen Zutaten dieses Genres. Angefangen von der leichten klaustrophobischen Spannung, die so eine Kreuzfahrt immer hat in den Kabinen, vor allem in denen ohne Bullaugen; auf Ozeanen, die tausende Meter schwarzes Wasser unter Dir bereithalten, immer schluckbereit. Und jetzt komm her: ehemaliger, einsamer Bulle, Frau und Kind mysterös vor Jahren auf eben diesem Schiff verschwunden, ein bisschen Schweigen der Lämmer, quälende Zellen im dunklen Bauch des Schiffes, alle tragen Geheimnisse, die nach jedem kurzen Kapitel um halt Interesse für das Weiterlesen zu erzwingen, irgendeine unglaubliche neue Grauenhaftigkeit, formulieren und alle aktuellen gesellschaftlichen Gemeinheiten unserer Zeit wie Pädophilie dazu gerührt, und dann, zack. Bestseller. Verstehe wer will.


Die Frau auf der Treppe
Die Frau auf der Treppe
von Bernhard Schlink
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,90

4.0 von 5 Sternen Zeit und Liebe, 24. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Die Frau auf der Treppe (Gebundene Ausgabe)
Es ist bestimmt ein Kreuz, einen so wunderbaren Weltklasseroman wie "Der Vorleser" geschrieben zu haben. Fortan wird man dran gemessen. Das ist in der Musik so, und in fast allen kreativen Bereichen, man nennt dieses Phänomen auch "one trick pony" oder "one hit wonder", oder was immer. Zuletzt habe ich diese Problematik einer Schaffenskrise in einem sehr guten Buch des amerikanischen Autors Joel Dicker gelesen: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert. Mehr durch Zufall schreibt ein junger Romancier einen Welterfolg und sonnt sich jahrelang in dem Ruhm, und macht auf Sunnyboy im Jetset. Dann kommt die Depression, Schreibblockade. Nun, warum erzähle ich das? Schlinks neuer Roman "Die Frau auf der Treppe" ist meilenweit weg von der Klasse des "Vorlesers". Trotzdem immer noch besser als der Durchschnitt. Denn Hin und wieder blitzt die unglaubliche Erzählkunst Schlinks auf. Hier ein schönes Zitat: "Ich klage nicht darüber, dass ich alt bin. Ich neide der Jugend nicht, dass sie das Leben noch vor sich hat; ich will es nicht noch einmal vor mir haben. Aber ich neide ihr, dass die Vergangenheit, die hinter mir liegt, kurz ist. Wenn wir jung sind, können wir unsere Vergangenheit überschauen. Wir können ihr einen Sinn geben, auch wenn es immer wieder ein anderer ist. Wenn ich jetzt auf die Vergangenheit zurückschaue, weiß ich nicht, was Last und was Geschenk war, ob der Erfolg den Preis wert war und was sich in meinen Begegnungen mit Frauen erfüllt und was sich mir versagt hat" (Zitatende, Seite 55), Da ist mit Sicherheit viel Autobiographisches drin. Die Story: Der Ich Erzähler trifft zufällig in Australien auf einer Geschäftsreise in einer Galerie das Bild einer Frau, in die er damals, Anfang zwanzig und Juniorpartner in einer Frankfurter Kanzlei, verliebt war. Er rollt die Geschichte dieser Liebe, dieser Frau und die zwei weiterer Protagonisten auf, die sich dann ca. 40 Jahre später auf einer Insel in Australien, zum Showdown treffen. Alle sind alt geworden, um das Bild wird immer noch gestritten. Die Frau, um die es geht, die auf der Treppe gemalt wurde, ist nunmehr todkrank. Viele Weisheiten werden gedacht und ausgesprochen, Resümees gezogen und mit vielem abgeschlossen. Man hat sein Leben gelebt und fragt sich, zurückschauend, wie alles so kam und warum es heute so ist. Ein Schicksalsroman halt, aber einer, und das kennt wohl jeder von uns, der vierzig Jahre in unserem Hirn eingebrannten Bilder, mit einer Plötzlichkeit wieder lebendig werden lässt, als wäre alles gestern gewesen. Lesenswert!


Atlas eines ängstlichen Mannes
Atlas eines ängstlichen Mannes
von Christoph Ransmayr
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Geschenk!, 5. Oktober 2014
Ich sah im Buchladen meines Vertrauens, etwas in Eile aber durchaus noch wählerisch, ein Taschenbuch von Christoph Ransmayr liegen. Sofort fielen mir wieder die Bilder aus "Die Schreckens des Eises und Finsternis" ein, was ich damals (20 Jahre her?) atemlos las. Vor kurzem fiel mir noch ein Interview in die Hände, welches zusätzlich zu Ransmayr noch einen anderen Heroen meiner Wege, befragte: Reinhold Messner. Er und Ransmayr sind gute Freunde und haben zusammen nicht nur schon viel erlebt, sondern wohl auch viel über das Leben nachgedacht. In dieser Atmosphäre von Weltklugheit muss dieses Buch entstanden sein: "Atlas eines ängstlichen Mannes". Warum hier ängstlich steht, bleibt ungewiss, vielleicht weil jeder Mann a priori ein Angsthase ist und sein Leben lang vor was auch immer fort läuft. Begreifen wir es mal so. Aber es gibt eben auch das Staunen über die Wunder des Lebens, der Begegnungen mit Menschen und mit der überwältigenden Natur. In siebzig kleinen Episoden, die alle mit "Ich sah.." anfangen (deshalb auch mein literarisch sensationeller Einstieg) begleiten wir Ransmayr durch die Welt. Jede kleine Geschichte ist an sich schon ein Geschenk und bildet zusammen einen Atlas eines durch die Welt sehenden Mannes und man kann froh sein, diesen durch die Augen und Sinne Ransmayrs verfolgen zu können. Wunderbar ist es - kurz vor dem Einschlafen - diese kurzen Eindrücke mit in die Träume zu nehmen.


Stoner: Roman
Stoner: Roman
von John Williams
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schöne Einsichten, zeitlos und rührend!, 5. Oktober 2014
Rezension bezieht sich auf: Stoner: Roman (Gebundene Ausgabe)
Schöne Einsichten geben dem Roman Klasse. Zum Beispiel "...dass nämlich jene Person, die man zu Beginn liebt, nicht jene Person ist, die man am Ende liebt, und das Liebe kein Ziel, sondern der Beginn eines Prozesses ist, durch den ein Mensch versucht, einen anderen kennenzulernen." Da stockt man erst mal, liest den Satz noch zwei, drei Mal, schaut auf sein eigenes Leben, das von anderen und ist plötzlich in so einer wohligen philosophischen Schauderei! Dabei ist das Leben von William Stoner ein hartes. Aufgewachsen auf jener, schon fast klischeehaft anmutenden kleinen Ranch, die ums nackte Überleben kämpft in irgendeinem amerikanischen Mittelwest Provinznest, und wo die Familie dem kargen Boden und dem ausgemergelten Vieh das Überleben abringt. Stoner als einziger Sohn der Familie, schafft den Sprung auf die Universität, aber widmet sich nicht, wie vom Vater erwartet, der Agrarwirtschaft, um anschließend die nahezu zum Tode verurteilte Ranch, durch komplexes Wissen, zu retten. Nein, er verschreibt sich der Philologie, Literatur und Philosophie, wird zum Professor für englische mittelalterliche Dichtung. Er gründet gar eine Familie und er versucht mit unendlicher Geduld seine Tochter groß zu ziehen. Die Ehe ist von Anfang an zerrüttet, aber Stoner begegnet allem mit eigentümlicher Gleichmut. Er hat kaum Freundschaften, wenn überhaupt oberflächliche kleine Männertrinkrunden und alles wäre gut und er würde irgendwann völlig unauffällig und genügsam, an der Uni emeritieren- und die Zeit schlägt ein Ei über alles und Stoner wäre darin verschluckt worden. Nun begibt es sich aber, dass er in so eine Art Mobbingsituation gerät, die er im Anfang ziemlich unterschätzt. Er hat ja eigentlich nur seine Arbeit gemacht und einem jungen arroganten Doktoranden eine entsprechend ungenügende Note gegeben. Fortan wird er mehr oder weniger geächtet, bleibt aber an dieser trockenen, typisch moralisierenden - amerikanischen Universität im mittleren Westen und gilt nun, in den frühen Jahren nach dem zweiten Weltkrieg, als ein geduldeter Kauz. Sensationell verliebt er sich auf einmal im "hohen" Alter von 43 Jahren und seine Liebe wird von einer jungen Doktorandin namens Katherine Driscoll erwidert. Das Schicksal nimmt nun seinen erwarteten Verlauf. Und trotzdem ist es rührend wie Stoner sein Leben begreift und bewältigt und spiegelt. Ein Schicksalsroman, wie er im Buche steht! Schon 1967 zum ersten Mal erschienen aber in seiner Emotionalität gleichbleibend aktuell. Empfehlenswert.


Winterjournal
Winterjournal
von Paul Auster
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf dem Weg zum Zahltag!, 10. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Winterjournal (Gebundene Ausgabe)
Wenn ein Autor in der Lage ist, eine Biographie durchweg spannend, hoch unterhaltsam wie emotional mächtig niederdrückend zu schreiben, dann sollte man den Hut ziehen. Ich tue es hiermit. Mag sein, dass es daran liegt, dass mein Thema, nicht nur literarisch, immer mehr über die Phänomene des Älterwerdens handeln, sondern auch, weil ich selbst mitten in diesem Prozess stehe. Der Prozess des Lebens, abgeschossen als Pfeil mit der Geburt und schon da auf dem Weg ins Ziel. Unausweichlich. Vieles was dazwischen liegt, haben wir selbst in der Hand, können es so gut es geht gestalten, aber die meisten Lebensdramen entwickeln sich aus sich selbst heraus. Begegnungen und Zufälle, zufällige Begegnungen, Süchte, Unfälle, Krankheiten, seltsame Berührungen, Kinder, unvorstellbare Verliebtheit, und tiefe Fälle ins Bodenlose. All das erzählt Auster mit seiner lakonischen Erzählweise und nimmt uns mit in die Gegenwart der jeweils beschriebenen Ereignisse und Erlebnisse, die für ihn wichtig waren und sind. Und das, in dem er diese Geschichten auch im Präsens schreibt. Etwa, "ich bin 9 Jahre alt und..." dann kommt irgendein Ereignis in Jetztzeit. Ein kunstvoller Lesegenuss und wie so oft, reihen sich politische und philosophische Erkenntnisse quasi ganz nebenbei ein in dieses wunderbare Lebensjournal eines großen Autors.


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