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Apefred "Fred Ape" (Dortmund Deutschland)
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1913: Der Sommer des Jahrhunderts
1913: Der Sommer des Jahrhunderts
von Florian Illies
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pflicht für alle, die den Kopf über Wasser halten wollen, 11. Mai 2013
Und schon wieder so ein Buch, wo ich mir ziemlich demütig und dumm vorkomme. Aber dafür ist es ja vielleicht auch für mich geschrieben. Denn wenn man, so wie ich, versucht den Kopf irgendwie über Wasser zu halten, also nicht am allgemeinen Geplärre zu verblöden, dann ist so ein Buch enorm wichtig.
Wer in Philosophie macht, oder komm her, egal...Literatur, Kunst, Politik, Medizin, und was weiß ich noch alles, der muss dieses Buch aus historischen Gründen lesen. Pflichtlektüre.
Was für ein Jahr dieses 1913. Wie viel Lunten wurden da zum ersten mal angezündet, wie viel Geniales zusammengefasst, wie viel unglaubliche Kunstwerke erschaffen, wie viel Existenzialismus und Weltdepressivität poltert durch dieses Jahr. Will ich all die Namen nennen, die mir fast alle irgendwie geläufig sind, dann ist es ebenso unglaublich, dass diese Schnittstelle, eben 1913, so viele großartige (und das Gegenteil natürlich) Menschen zusammenbringt. Dieses 1913 kommt als größtes gemeinsames Vielfaches (um es mal aus der Mathematik zu leihen) daher. Die einen sterben grade, die andern beginnen ein neues Leben, und manchmal wäre es besser, wenn der eine oder andere, dieses neue Leben nicht begonnen hätte. Wie gesagt, ich will bewusst keinen Namen nenne, das Buch handelt ja davon, aber das diese Wege sich in diesem Jahrhundertjahr kreuzen, ist eine eindrucksvolle Entdeckung, für die man Florian Illies nur danken kann. Hut ab vor so viel Weltwissen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 12, 2014 1:31 AM CET


Gibraltar
Gibraltar
von Sascha Reh
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Buddenbrooks reloaded, 12. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Gibraltar (Gebundene Ausgabe)
Mannoman. In dieser Zeit mit einem Bankerroman rauszukommen, erfordert viel Chuzpe. Wer kann sich schon vorurteilsfrei dem Thema stellen. Unsere Gedanken, unsere Wut, unsere Hilflosigkeit, spiegelt sich tagtäglich in sich immer mehr überschlagenden Meldungen, über diese Bankenkrisen, ausgelöst durch skrupellose Gier von Derivaten - Zertifikaten - Zocker, gedeckelt und abgesichert durch einen unsäglichen Neoliberalismus, dessen Ursprung in der Reagen - Kohl und Thatcher Zeit liegt. Nun mal langsam Fred, hier handelt es sich um Prosa; da hat sich einer bemüht, sich dem Thema zu nähern und die Menschen und deren unterschiedliche Dramen und Sichtweisen zu beschreiben, bzw. erzählen zu lassen. Ein wenig erinnert der Zusammenfall des Bankhauses Alberts an die Buddenbrooks. Nur 150 Jahre weiter. Also heute. Ich war mir die ganze Zeit nicht sicher, ob mir der Roman gefällt. Aber ich habe ihn zu Ende gelesen. Und dadurch, dass die sechs Hauptprotagonisten jeweils ihr eigenes Buch im Buch bekommen haben, ist es auch wieder interessant. Eine oder mehrere Szenen wiederholen sich dann in einer unterschiedlichen Wahrnehmung. Wobei eine Person (Valerie) nicht nur grenzwertig fern von mir ist, und die Beschreibung einer schizoiden Persönlichkeit bis zum Erbrechen, nervt. Nun gut, der Mann hat Ahnung davon, wie man im Klappentext liest. Trotzdem fehlt mir bei dem ganzen Buch ein wenig die Haltung. Nicht, dass ich wissen will, warum Banken auf die Pleite ganzer Staaten wetten (dürfen), aber ein wenig mehr Hintergrund hätte ich gut gefunden. Am Ende des Tages bleibt ein Gefühl, ein seltsames Buch gelesen zu haben, das sich nicht entscheiden konnte. Ich kann es nur bedingt empfehlen.


Die Abenteuer des Joel Spazierer: Roman
Die Abenteuer des Joel Spazierer: Roman
von Michael Köhlmeier
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Satan, der Weise, 26. März 2013
Es ist jetzt fast fünf oder sechs Jahre her, dass mich ein Buch so in den Bann zog. Abendland, Autor Michael Köhlmeier. Und jetzt dies: Die Abenteuer des Joel Spazierer. Auch von Köhlmeier. Dieses Buch ist nicht zu fassen, weil Du nie dahinter kommst, ob das Geschriebene sich nicht genau so abgespielt hat. Diese Lebensgeschichte, oder eher - Beichte, ist ein so umfassendes gesellschaftliches Portrait der letzten 50 - 60 Jahre, dass man sich ganz klein und doof vorkommt. Auf der anderen Seite allerdings mit stetem Zweifel behaftet, dass man uns da mit einer Mischung aus Krull, Münchhausen und Eulenspiegel, einen derartigen Bären aufbindet - dass man sich selbst wundert, warum man so atemlos weiter liest. Es ist in den letzten Jahren modern geworden, Romane zu schreiben, in denen Personen der Weltgeschichte, plötzlich zu Romanprotagonisten werden. Wie in dem Buch, Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg... sich die Hauptperson Allan Karlsson (Autor: Jonas Jonasson) mit Mao, Stalin, Pol Pot und was weiß ich noch für Massenmörder traf, sogar bei der ersten Atombombe half, dass diese funktionsfähig wird, und eben Geschichte schelmisch auferstehen ließ. Das kann man so machen. Im Buch Der Hundertjährige... war es mir etwas zu trivial. Hier bei Köhlmeier ist es beklemmend. Ich kann den Begriff Schelmenroman, obwohl es in dem Buch selbst eine Definition dafür gibt, hier nicht anwenden.
Die Hauptperson, als Ich Erzähler, bei den vielen Namensänderungen, besser so, ist ein Gesicht in der Menge. Schon als Kind zu hübsch geraten und die Menschen um ihn herum, schmelzen wie Butter. Und das nutzt er bis zum Ende gnadenlos aus. Er ist Lügner, ein Mörder, ein Familienvater. Er durchrast die fünfziger und sechziger Jahre, ist Prostituierter und Dealer. Er ist ein Teufel und Philosoph, er hinterfragt, nur als Mittel zum Zweck, die (Nicht-) Existenz Gottes und wird durch Schweigen, was eigentlich eine weitere Lüge ist, sogar zu einem Universitätsprofessor in der DDR wo er mit all den Kasperköpfen wie Mielke, Mischa Wolf, Günter Mittag und Konsorten, an einem Tisch sitzt, und diese ihn, in ihrer Hilflosigkeit bitten, in die Zukunft zu sehen, was wohl aus dem Sozialismus wird, etc.... Sie vermuten in Joel Spazierer eine transzendente Fähigkeit. Und sie ahnen wohl auch das nahe Ende der DDR. Und wieder schafft es Joel, sich aus allem rauszuhalten, bei gleichzeitigem bewundert werden. So viel Leben kann man nicht leben, eigentlich kann all das nicht wahr sein, und trotzdem zweifelt man doch und fragt sich, warum eigentlich nicht? Die Welt ist so krank, da kann so ein Leben auch mal geführt werden. Jenseits von Moral und glatten Karrieren. Unbedingt lesen.


Tiere in der Stadt: Eine Naturgeschichte
Tiere in der Stadt: Eine Naturgeschichte
von Bernhard Kegel
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,00

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was wir sehen, ist ein Tropfen, was wir nicht sehen, ist ein Ozean (frei nach Newton), 7. März 2013
Ein Buch, das mir einfach so vom Verlag zu geschickt wurde. Danke jedenfalls. Tiere in der Stadt? Wäre ich jemals drauf gekommen, darin zu blättern? Eher nicht. Aber nun, ich fing an zu lesen, und war doch ständig wahlweise belustigt oder bestürzt, betroffen oder erstaunt. In erster Linie aber so gut wie unwissend. Es gibt ja diesen wunderbaren Satz von Isaac Newton: Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ist ein Ozean! Ersetzen wir das Wort wissen mit sehen, so kommen wir schon auf die Quintessenz dieses Buches, welches eher als Sachbuch daherkommt.
Tiere in der Stadt, da denkt man an Amseln, Tauben, Ratten. Hier und da hört man jetzt von Mardern und Waschbären. Bernhard Kegel nimmt uns aber mit in eine andere Welt. Auch in die, die sich unter einem Elektronenmikroskop verbirgt. Schier unglaublich was sich so in den Ritzen und Betten abspielt, was hinter Wänden lauert und was uns sirrend die Nächte um die Ohren haut. Waren bisher Berichte von ungeheuren Flohpopulationen eher einmalige mediale Sensationen, so wissen wir jetzt, dass es uns jederzeit und immer treffen kann. Und es nimmt die Gefahr diametral zu, wo man meint absolut hygienisch sein zu müssen. Ich selbst ertappte mich nach ein paar Kapiteln dabei, einfach mal mein Bett saugen zu müssen. Denn wie viel Millionen Milben sich da tummeln, das weiß ich jetzt. Und da kommen wir zu dem springenden Punkt des Buches: muss ich das wirklich wissen? OK, eine notwendige Sensibilisierung für Spinnen, Käfern, Fliegen einerseits und andrerseits deshalb den eben erwähnten Staubsauger mal im Schrank zu lassen, wenn es irgendwo huscht, ist dem Buch gelungen. Aber wer nimmt das Buch schon in die Hand? Ich will mal so sagen: der ganze Duktus der populär wissenschaftlichen Sprache erinnert mich an meine Lieblingstiersendungen aus meiner Kindheit. Prof. Dr. Bernhard Grzymek, Heinz Sielmann, oder besser noch Horst Stern. Das Buch ist im Moderationsstil geschrieben und man denkt sich quasi die Bilder die dazu gehören, schon selbst herbei. Ein großes Lehrbuch, für den, der Stadtflora und Fauna, mit all den gewachsenen, geschichtlichen Unterschieden, erfahren will. Der Wanzenpopulationsstatistiken interessant findet und der dann mit einem ganz anderen Ohr und Auge durch die Stadt geht. Sich auf eine Bank setzt und dem summenden Treiben zusieht und -hört. Und bitte nicht verschenken, eventuell trifft man auf einen psychisch schwer angeschlagenen Menschen, der grad seine Spinnenphobie psychotherapeutisch los werden will.


Der traurige Polizist: Roman
Der traurige Polizist: Roman
von Deon Meyer
  Taschenbuch

5.0 von 5 Sternen Du schaffst es..., 26. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Der traurige Polizist: Roman (Taschenbuch)
Ein Südafrikakrimi den ich wärmsten empfehlen kann. Der übliche Captain mit brüchiger Vita, der zu viel raucht, schlecht isst und seine Einsamkeit ersäuft. Aber er zeigt es allen noch einmal. Ein klug inszenierter Fall, mit einem nicht unbedingt erwartbaren Ende. Sehr gut zu lesen. Schatten der Vergangenheit, die in der Geschichte die Gegenwart einholen und die ermittelnden Beamten vor nahezu unlösbare Rätsel stellt. Eine parallel verlaufende Banküberfallserie führt zu hektischen Fehlurteilen und - verhalten. Und der traurige Polizist wird fast Opfer seiner bis zur Unkenntlichkeit abgestumpften Sexualität, als ihn ein Häschen in der Nachbarschaft gefährlich aufweckt. Ist viel drin in dem Buch. Mit happy end. Wenn man das so sagen kann.


Das himmlische Kind: Roman
Das himmlische Kind: Roman
von Heinrich Steinfest
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wir basteln uns einen Engel - trotzdem schön!, 26. Februar 2013
Steinfest scheint sich aber auch mit allen Fragen des Lebens auseinander setzen zu wollen. Nicht anders sind seine höchst unterschiedlichen Bücher zu erklären. In Inhalt, Komik oder Philosophie. Im vorliegenden Büchlein Das himmlische Kind" wird man sofort an seine Kindheit und an die Brüder Grimm erinnert. Das ist gewollt. Gretel rettet ihren Bruder Hänsel. Im Buch, Miriam, 12 jährig und der kleine Bruder Elias als Hänsel, ich glaube 5 Jahre alt. Aber das ist noch lange nicht alles. Kurz zur Vorgeschichte: die Mutter will, auf Grund von Depressionen, ihre beiden Kinder mit in den Tod nehmen. Klassisch pathologischer Fall. Eine psychisch kranke Frau, von sich und Ehemann verlassen, nicht mehr recht lebensfähig, meint dann auch für ihre Kinder das Beste zu tun, in dem sie diese mit in den Tod reißt. Aber Miriam ahnt den Braten. Die Mutter stirbt, Miriam rettet sich und ihren Bruder und sie befinden sich plötzlich in einem einsamen Wald, im einsetzenden Schneetreiben, nahezu hilflos. Die ganze Zeit allerdings nehmen wir Teil an Miriams Gedankenwelt. Und genau mit dieser Zeit vermischt sich alles. Es gibt eine Geschichte, die Miriam erfindet, und diese Geschichte ist auch Teil des Überlebens vom geschockten kleinen und totkranken Bruder Elias. Wir treiben sowohl mit der einen Geschichte und mit der anderen, durch Philosophie und Träume, fiebernd und hungrig. Die beiden traumatisierten Kinder überleben tatsächlich, vor allem durch die Großgeistigkeit in allen Bereichen der zwölfjährigen Miriam. Ob es sowas gibt oder nicht, ist egal. Wie eine Heilige bringt sie sich und ihren Bruder durch und am Ende der Geschichte steht man ganz klein da und denkt, großes Kino. Auch Sophies Welt von Jostein Gardner hat mich damals ähnlich fasziniert und mir wieder ins Gedächtnis gerufen, wie wichtig ein philosophisches standing in dieser Welt ist.


Verachtung: Der vierte Fall für Carl Mørck, Sonderdezernat Q Thriller
Verachtung: Der vierte Fall für Carl Mørck, Sonderdezernat Q Thriller
von Jussi Adler-Olsen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Teufelswerk und Carl Mørcks Beitrag, 26. Februar 2013
Der vierte Fall für Carl Mørck und sein Sonderdezernat für ungelöste Fälle. Und mein viertes Buch aus der Reihe, das ich lese. Das zweite war echt über, aber eins, drei und vier lassen sich gut lesen, mit Genuss ohne Reue. Von Adler Olsen ist ja zwischenzeitlich sein Frühwerk, das Alphabethaus, erschienen. Kein großer Wurf, aber die Botschaft war klar: Knast, Heimunterbringung, Zuchthäuser, Verwahranstalten, etc... in totalitären Staaten, religiös fanatisch oder politisch faschistoiden Gemeinwesen, lassen die Insassen schwer bluten. Psychisch und physisch. Und auch in Verachtung geht es um schlimmste Zustände in einem Heim für gefallene Mädchen im Dänemark der fünfziger Jahre. Fundamental kranke Ärzte mit rassistischem Hintergrund, treiben die Gynäkologie auf die Spitze. Und zwar mit gezielten Abtreibungen um die Rsse rein zu halten. Schlimmer geht's nicht. Diesen Fall aufzurollen, ist nun die Aufgabe des Sonderdezernats Q für ungelöste Fälle im Keller des Kopenhagener Präsidiums. Gewohnt komisch und lakonisch die Gedankenwelt Carl Mørcks und seines Assistenten Assads, der immer noch ein großes Geheimnis aus seinen arabischen Wurzeln mit sich führt - und letztlich Rose, die organisatorischen Herrscherin des Kellers. Spannend, lehrreich, wütend machend. Guter Roman. Gottes Werk und Teufels Beitrag von John Irving fällt mir manchmal ein und man bekommt Lust, einfach dieses Thema auch mal wieder anders gespiegelt zu lesen.


Bobby Z: Kriminalroman (suhrkamp taschenbuch)
Bobby Z: Kriminalroman (suhrkamp taschenbuch)
von Don Winslow
  Taschenbuch
Preis: EUR 8,95

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eher ein durchgeknalltes Drehbuch, 7. Januar 2013
Irgendwann kommt man wohl an Don Winslow nicht vorbei. Natürlich ging ich in die Buchhandlung meiner Wahl, um mir Tage der Toten" zu besorgen. Das wäre mein Einstieg gewesen. War aber nicht da, also nahm ich einen anderen Winslow: Bobby Z. Etwas ungläubig verfolgte ich dann diese Mischung aus Drogenkrimi und Butch Cassidy und Sundance Kid Satire. Winslow schickt den angeblichen Versager und Vollpfosten Tim Kearney auf eine Reise, die in Teilen an eine James Bond Film Eröffnung erinnert. Kearney, ein Golfkriegveteran, wird zur Kampfmaschine, zu einem John Rambo, der quasi im Alleingang Verfolger abschüttelt - und zwar aus den unmöglichsten Sackgassen, in der er sich manövriert hat. Und bei Golfkriegveteran stutzte ich auch sofort, denn Kearney ist verdammt jung in dem Buch und tatsächlich, dieser Roman ist schon 1997 erschienen. Da macht junger Golfkriegveteran noch Sinn. Und gleich hatte ich wieder das Gefühl, hier liegt wegen des großen aktuellen Erfolges des Autors, ein posthume Veröffentlichung vor. Trotzdem wird schon an dem noch etwas hingerotzten Schreibstil dieses Frühwerks klar, der Winslow kann was. Tim Kearney als Ich - Erzähler, hat eine sehr sympathische Sicht auf die Dinge. Verwandelt sich in kürzester Zeit vom Terminator in ein Sensibelchen mit Vatergefühlen. Die Kulisse tut das Übrige dazu: mexikanische Wüsten, Canyons, Hitze und kalifornische Strände. Wie ein Filmscript. Nach ein paar Recherchen wurde auch klar, das Ding ist tatsächlich schon im Kino gelaufen. OK, kann man lesen, auch zu Ende - aber jetzt freue ich mich auf Tage der Toten". Wenn das, was Winslow in Bobby Z an Talent andeutet, wird jeder neue Winslow ein Mordsspaß!


Bruder Kemal: Ein Kayankaya-Roman
Bruder Kemal: Ein Kayankaya-Roman
von Jakob Arjouni
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Mein erster und letzter Fall mit Kayankayas, 7. Januar 2013
Bisher habe ich zwei Bücher von Arjouni gelesen, die mir sehr gut gefallen haben. Ein zunehmend irritierendes Werk (Hausaufgaben) über einen Lehrer, der den Boden unter den Füßen verliert, und wo man als Leser ganz durcheinander kommt, auf welcher Seite man eigentlich steht. Ein messerscharfes Gesellschaftsdrama. Der zweite Roman (Magic Hoffmann) - ein leichter, fast philosophischer Roman über Werte, Wandel, Zeit und Freundschaft und wie man bei all dem Haltung bewahrt. Gut. Dann griff jetzt wieder zu als ich den Namen des Autors sah und muss sagen, dass ich bisher nicht wusste, dass es da von dem Autor auch eine Reihe von Fällen über einen gewissen Privatdetektiv namens Kayankaya gibt und - ich muss sagen, sehr enttäuschend. Fast vermute ich, der Mann schreibt einfach zu viel. Vielschreiberei hört sich etwas blöd an, aber stimmt hier wohl. Diese Geschichte aus dem Frankfurter Reichen und- Armenvierteln, ist mühsam konstruiert und scheint mir eher eine Vorlage für einen Tatort, bzw. irgendein Krimi fürs Fernsehen zu sein. Da nutzt auch das Philip Marlowe Gewese nichts. Arjouni ist eben kein Chandler. Er hat andere Stärken, wie oben beschrieben. Dieses Durcheinander von Upperclass Mief, Personenschutz, Rotlicht und Auftragskillerei, ach was...ich habe den Roman tatsächlich zu Ende gelesen, da kann ich mir sicher sein. Aber ich habe alles sofort vergessen. Also keine Empfehlung.


Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry. Roman
Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry. Roman
von Rachel Joyce
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,99

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ich war noch niemals in New York..., 1. Dezember 2012
Immer wieder schöne Bilder: loslaufen, alles hinter sich lassen, noch einmal von vorne anfangen und was weiß ich noch alles. So trivial wie richtig. Einfach machen.
Ich sehe sie doch vor mir, die griesgrämigen Ehepaare, die seit undenklicher Zeit zusammen leben ohne einander zu haben. Mürrisch wird das Leben weg gelebt.
Und dann kommt der Augenblick, in dem sich alles verändert. Der Weg. Im vorliegenden Roman läuft der Rentner Harold Fry an einem Briefkasten vorbei, weil er denkt, lass mal noch paar Schritte weiter gehen. Und dann geht er am nächsten Briefkasten vorbei und so weiter und er beginnt seinen Marsch. Der Brief war adressiert an eine ehemalige Mitarbeiterin, die ihm unvermittelt von Ihrer Krebserkrankung unterrichtete und dass haut ihn aus den Schuhen. Diese Frau, Queennie Hennessy befindet sich in Berwick, am anderen Ende von England. Er setzt sich in den Kopf, Hennessy retten zu können, in dem er die Strecke, mal eben gut 1000 Kilometer, zu Fuß geht. So eine Art Projektion: wenn ich die Strecke bewältige, bleibt Hennessy am Leben. Maureen, Harolds Frau, ist eine in sich zusammen gesackte Frau, ohne Leben, ohne Ziel, bepackt mit Reinlichkeitsneurosen und einer ehelichen Sprachlosigkeit. Es gibt einen gemeinsamen Sohn, David, der quasi als letzter Halt für Maureens Existenz herhalten muss.
Also alles nicht schön. Dann der Weg. Es gibt wunderbare Begegnungen, Austausch mit fremden Leben und Geschichten, unvermutetes Näherkommen, Verständnisse, Einsichten, Naturerlebnis - eben, der Mann spürt sich zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder. Ein schmerzvoller Marsch für den untrainierten Harold. Irgendwann, ist klar, wird er zum Medienereignis, war ja auch vorhersehbar und er bekommt ein paar Jünger, die ihn teils anbeten, teils beneiden. Und ich will jetzt auch nicht zu viel verraten, bis auf die Tatsache, dass er tatsächlich ankommt.
Es ist ein schönes, hoffnungsvolles Buch. Literarisch weiß ich es nicht so recht einzuordnen. Gut ist jedenfalls, obwohl es eine Art Pilgerreise ist, dass die Religion außen vor bleibt. Am Schluss kommt keine Grotte oder irgend so ein Bettlaken von Jesus. Am Ende ist er bei Hennessy. Und findet - gut, ich sag es - endlich wieder zu sich selbst. Und nicht nur er!


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