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Rezensionen verfasst von
MartyJo (Berlin)

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Heaven & Earth (Digipak)
Heaven & Earth (Digipak)
Preis: EUR 17,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein entspanntes Songwriting Album, 27. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Heaven & Earth (Digipak) (Audio CD)
Wer hätte gedacht, dass Yes nach "Tormato" und "Open Your Eyes" nochmal ein so kontrovers diskutiertes Album hinkriegen? Schon vor der Veröffentlichung erntete "Heaven And Earth" S***stürme en masse. Wie man mit so einem entspannten Album so viel Hass auf sich ziehen kann ... Don't mess with the ProgRock Inquisition!
Die Band die sich seit November 2008, mit wechselndem Programm und wechselnden Mitspielern, quasi auf Dauertour befindet hat zwischendurch ein wenig Zeit gefunden um ein weiteres Album aufzunehmen.

"Heaven And Earth" hat einiges zu bieten ... und anderes nicht. Das Songwriting steht diesmal mehr im Mittelpunkt, als virtuoses Gefrickel der einzelnen Musiker (mal abgesehen von Steve Howe). Auch Bass und Drums wirken eher unaufgeregt, was der Mix noch unterstützt. In einem Interview bezeichnete Anderson-Substitut Davidson die Musik als Mix aus Rock, Soul und Folk. Letzteres ist deutlich hörbar, Souleinflüsse sind es nicht. Die Texte könnten fast von Anderson sein, der spirituelle Inhalt ist ähnlich, nur kann man sie sogar verstehen, wenn man will.

Zwei krasse Ausfälle sind zu beklagen, "It Was All We Knew" (in dem Yes kaum noch zu erkennen sind) und vor allem "Step Beyond" ("O - O - One Step Beyond ..."). Gebe es noch Single B-Seiten hätte man vielleicht noch einen Platz für "Step". An der exponierten dritten Stelle im Album ist er jedenfalls komplett deplaziert.
"In A World Of Our Own" und "Light Of The Ages" sind weder positiv noch negativ besonders auffällig.

Die Anschaffung von "Heaven" rechtfertigen meiner Meinung nach allein vier Tracks:
"Believe Again", "The Game", "To Ascend" und "Subway Walls". Das weiß auch die Band, denn nur die erstgenannten drei tauchen auch in der aktuellen Setlist der "Heaven And Earth" betitelten Tour auf.

Ein guter Produzent hätte die Band vielleicht gebeten zu warten bis mehr gutes Material zur Verfügung gestanden hätte. Warum die Band Roy Thomas Baker haben wollte wundert jeden der sich ein bisschen mit der Yes - Geschichte auseinander gesetzt hat. Während der "Paris Sessions" im November 1979, bei denen er Regie führte trennten sich damals Anderson und Wakeman vom Rest der Band. Die bereits aufgenommenen Songs sind zu hören auf den Rhino CD-Ausgaben von "Tormato" und "Drama". Wäre dieses Album damals erschienen würde es keine Diskussion mehr um das schlechteste Yes Album aller Zeiten geben.
Ein guter Produzent treibt an, motiviert, schafft eine Atmosphäre in der Musiker alles geben. Genau das fehlt eben auch bei "Heaven And Earth". Rick Rubin, der Black Sabbath ein grandioses Comeback Album ermöglicht hat, wäre so ein Mann - oder Steven Wilson. Leider steht nicht zu erwarten, dass Eddie Offord diesen Job noch einmal übernimmt. Ohne ihn wären alle die Alben der 70er, vom "Yes Album" bis "Relayer", nicht das was sie heute sind - Klassiker.

"Heaven And Earth" ist weit davon entfernt einer zu sein. Die vier genannten Songs gehören meiner Meinung nach dennoch zum besten was die Band zumindest seit 1997 zu bieten hat. Vielleicht gerade weil "Heaven" nicht zwanghaft versucht Prog zu sein oder krampfhaft auf Klassiker getrimmt wurde. Ein entspanntes Songwriting Album.


Complete Jazz Series 1953 - 1954
Complete Jazz Series 1953 - 1954
Preis: EUR 5,99

4.0 von 5 Sternen Count Basie Komplett, 4. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die "Complete Jazz Series" ist eine mp3-Version der im Dezember 1989 begonnenen und im Juli 2008 eingestellten "Chronological Classics"-Serie (bis zur Nr. 1279 übrigens typographisch fehlerhaft als "Chronogical"). Die Serie wird zwar leider nicht fortgeführt, die bisherigen Veröffentlichungen sind jedoch als mp3-Dateien bei iTunes und Amazon weiterhin als "Complete Jazz Series" erhältlich. Das Frontcover ist ein bisschen anders und auf das eh schon spartanische Booklet muss man nun ganz verzichten. Dafür zahlt man nun nur noch knapp 6 Euro. Wer die alten CDs besitzen möchte muss für einige Ausgaben auf dem Gebrauchtmarkt schon Liebhaberpreise hinlegen. Die hier vorliegende bekommt man aktuell bei Amazon derzeit (noch) für 14 - 30 Euro.
Von Count Basie liegen in dieser Serie 17 Ausgaben vor. "1953-1954" (im Februar 2008 erschienen) war die letzte und wird es leider wohl auch bleiben.

Das Konzept der Serie war die Veröffentlichung der Mastertakes aller Studioaufnahmen, beginnend mit jener Jones-Smith Incorporated-Session vom 08.Oktober 1936 (mit Lester Young). Unglücklicherweise entschied man sich für eine generelle CD-Länge von 70 Minuten, was bedeutete dass eine Session häufig unterbrochen und erst auf dem nächsten Tonträger weitergeführt wurde. Im vorliegenden Fall fehlen aus diesem Grund die letzten vier Aufnahmen vom 17.August 1954. Darunter solche Klassiker wie "Two Franks" und "Eventide". Ärgerlich ist das vor allem weil es diesmal keine Fortsetzung geben wird. Die chronologisch nächste Session wären dann soviel ich weiß die Tracks gewesen, die als "April In Paris"-Album Furore machten (dazwischen nahm Basie im September '54 lediglich ein paar Tracks als "Joe Newman And The Boys In The Band" und im Mai '55 zwei Singles mit Joe Williams auf). Der Traum einer komplett fortlaufenden Dokumentation aller Basie Studioaufnahmen ist hier also zuende.

Diese vier fehlenden Tracks hätte man natürlich locker als Bonus an dieses mp3-Album hängen können. Es wären selbst mit Bonus weniger als 80 Minuten geworden.
Ich vermute mal die Nachlassverwalter der Chronological Classics interessiert das herzlich wenig und es ist wie so oft: ein Label ist pleite und die Reste werden irgendwie noch verwertet.

Anyway, zum Inhalt: Die ersten sechs Tracks sind aus einer Session vom 12.12.1953. Die fehlenden beiden Songs befinden sich auf dem Vorgänger "Complete Jazz Series 1952-1953". Die Tracks 7 - 19, sowie die erwähnten fehlenden vier, sind aus der Session vom 16., bzw. 17.August 1954. All diese Tracks waren schon einmal komplett auf dem Verve-Vinyl Doppel-Album "Sixteen Men Swinging" veröffentlicht worden. Leider ist es nie als CD oder mp3-Album erschienen, zwei der ursprünglichen Alben aus denen "Sixteen Men" zusammengestellt wurde ("Dance Sessions" und "Dance Sessions, Vol. 2") als "Complete 1953-1954 Dance Sessions" jedoch schon. Die restlichen Titel sind von einem 8 Track Clef Album namens "Basie". Verwirrenderweise wurden die Track später neu durcheinandergewürfelt und erschienen dann auf den zwei Alben "King Of Swing" und "Band Of Distinction". Vor einigen Jahren erschien ein 24-Bit Digitally Remastered 2 CD Set das ebenfalls "Band Of Distinction" hieß und "King Of Swing" und "Band Of Distinction" enthielt, plus "Live At The Savoy Ballroom" (zwölf Radiomitschnitte vom July 1954).

Was die Titel von Jazz Alben angeht sieht man hier bereits wie undurchsichtig der Markt ist. Gerade im mp3s Bereich bei Amazon werden zahlreiche Alben mit identischem Titel und verschiedenen Songs angeboten. Beispiel "King Of Swing". Unter diesem Titel kursieren mittlerweile unzählige Alben. Darunter eines von "Stardust Records" das mit einer Länge von fast zwei Stunden und 31 Tracks das hier zu besprechende Album, sowie die fehlenden Tracks und vieles mehr beinhaltet und zudem recht annehmbar klingt. Aber Vorsicht: die Kundenbewertungen bei diesem "King Of Swing"-mp3 Alben hier bei Amazon.de betreffen alle das gleichnamige Verve Album.

So verwirrend wie sich meine Rezension bisher vermutlich liest ist das Angebot an Basie Alben leider eben auch. Genau deshalb war ich auch so begeistert von der Existenz dieser Serie in der man alle Aufnahmen chronologisch, ohne Überschneidungen und labelübergreifend bekommen konnte ... also egal ob die Aufnahmen von Basie ursprünglich nun bei Decca, Columbia, RCA , Clef/Verve, Roulette oder Pablo veröffentlicht wurden.

Die Musik auf diesem Album beinhaltet die 1953 mittlerweile etablierte New Testament Band in HiFi-Mono, mit den ersten Aufnahmen mit Frank Wess und Frank Foster (die sich über die Jahre zu den wichtigsten Musikern des Orchesters entwickelten). Gus Johnson, den viele damals für den ersten legitimen Nachfolger von Jo Jones hielten ist noch dabei (bevor er durch den ebenfalls legendären Sonny Payne ersetzt wurde).

Die Klassikerdichte ist recht hoch bei diesen Aufnahmen, angefangen beim stapfenden "Bubbles", der schlürfenden Ballade "Softly With Feelings" mit Glenn Miller ähnlichen Bläsersätzen und 50s Orgel, dem explodierenden "Right On", dem für Basie Verhältnisse fast Bebopigen "You For Me", dem flötengestützten "She's Just My Size", bis zu den perfekten Swingern "Stereophonic" und "Sixteen Men Swinging". Neue Töne auch bei "Perdido" (wo sich die Bläser fast überschlagen) und "Mambo Mist" (ja, ein Mambo!). Das klingt alles für seinerzeitige Verhältnisse modern, einfallsreich und - dank Basies Pianosprenkseln - unglaublich sympathisch. Ich persönlich mochte Jazz nie besonders, was vor allem an den pseudointellektuellen Jazzfans lag, die jedes Solo mit der Stoppuhr begutachteten und Musik ohne Undezimen und Quintolen als kommerziellen Schrott verdammten. Auch wenn die hier vorliegenden Aufnahmen deren Ansprüchen vermutlich genügen würden, ist es eben auch warmherzige, einfallsreiche und vor allem humorvolle Musik, die sich nicht scheut zu unterhalten.

Die Musik an sich verdient die Höchstwertung. Das Produkt selbst finde ich aufgrund der unkompletten letzten Session jedoch eher suboptimal, obwohl "komplett" ja eigentlich das Motto der Veröffentlichung sein sollte. Ich persönlich würde unbedingt empfehlen sich die kompletten Sessions zu besorgen, d.h. inklusive "Two Franks", "Rails", "Eventide" und Ain't Misbehavin'" (von 1954) und den anderen Stücken der '53er Sessions. Wer sorgfältig vorhört kann sich die einzelnen mp3s auch von verschiedenen Quellen zusammenstellen. Einige hab ich schon genannt. Leider gibt es gerade unter den Jazzaufnahmen der Mono-Ära viele sehr schlecht klingende Aufnahmen auf dem Markt. Am besten erscheint mir da noch das genannte 24-Bit Digitally Remastered 2 CD Set "Band Of Distinction". Aber vielleicht sollte man es gleich richtig machen und sich die "Complete Clef & Verve Fifties Studio Recordings" besorgen. Selbst in der virtuellen Version ist das jedoch nicht ganz billig.

Bis zur vorletzten Folge dieser Serie kann ich dennoch für "Chronological Classics" eine Kaufempfehlung aussprechen, vor allem für die Phase der "Old Testament Band" während der Schellack Ära.


The Very Best of Van Morrison
The Very Best of Van Morrison
Preis: EUR 7,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Warnung! Finger weg!, 31. Juli 2013
Rezension bezieht sich auf: The Very Best of Van Morrison (MP3-Download)
Vorsicht. Hierbei handelt es sich KEINESWEGS um "The Very Best Of Van Morrison" sondern um die immer wieder gleichen frühen Aufnahmen von Van Morrison. Diese werden seit Jahrzehnten unter verschiedenen Titeln wie "Bang Masters"; "Brown Eyed Girl", "Midnight Special", "Van Morrison", "Collection", "Best Of", "Very Best Of" etc. immer wieder neu veröffentlicht. Die Cover, die Reihenfolge und Auswahl der Aufnahmen sind jedesmal verschieden, abgebildet ist oft nicht einmal DER Van Morrison von 1967 der diese Aufnahmen machte, sondern Fotos aus späteren Jahrzehnten. Ich halte das für eine Irreführung der Kunden. Auch Van Morrison, der schlichtweg die Rechte an diesen Aufnahmen nicht hatte, hat das immer wieder selbst angeklagt. Acht Songs aus diesen Sessions wurden ursprünglich 1967 als "Blowin" Your Mind" veröffentlicht. 1973 wurde diese Sammlung erstmals wieder mit geänderter Tracklist unter "T:B.Sheets" herausgegeben. Seitdem ist der Markt kaum noch zu überschauen.
Ähnliches passiert auch mit den Decca-Aufnahmen von Genesis, Cat Stevens oder David Bowie. Also: Augen auf und Finger weg!


1962-1966 (Red Album) (Remastered)
1962-1966 (Red Album) (Remastered)
Preis: EUR 22,99

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Historisch interessant, aber eine alles andere als perfekte Zusammenstellung, 31. August 2012
Rezension bezieht sich auf: 1962-1966 (Red Album) (Remastered) (Audio CD)
Wer mit den Beatles aufgewachsen ist wird das sicher anders beurteilen, aber für mich als "Next-Generation-Fan" ist ein Teil des Red Albums allenfalls historisch interessant. Das gilt insbesondere für die erste CD, die im wesentlichen aus den ersten neun UK Singles und je einem Album Track aus "With The Beatles" (All My Loving), "A Hard Day's Night" (And I Love Her), "Beatles For Sale" (Eight Days A Week) und "Help" (Yesterday) besteht. Das scheint das Konzept von Allen Klein gewesen zu sein, allerdings fehlt dann konsequenterweise ein Track vom ersten Album und das wäre idealerweise "I Saw Her Standing There", unbestritten DER Klassiker auf "Please Please Me". Wären dann noch "I Should Have Known Better" vom dritten und "Every Little Thing" vom vierten Album dabei hätte man wirklich die essentiellen Lennon/McCartney Frühwerke zusammen. Mit 16 Tracks wäre die erste CD dann zwar immer noch viel zu kurz, aber damit könnte ich gut leben. Ich weiß, ich weiß ... alle die das rote Album aus ihrer Jugend kennen möchten es gerne so haben wie es war, aber mir als Nachgeborenen geht es eher um die perfekte Zusammenstellung (die mir dann den Kauf den ersten vier, fünf Alben, die ich eh in ihrer Gesamtheit nicht so toll finde, ersparen würde).
CD Nr. 2 beginnt dann mit der Single Nr. 10 und einem der besten Albumtrack von "Help". Mit "I've Just Seen A Face" hätte man dann auch die wichtigsten Songs des fünften Albums beisammen, aber auch der fehlt hier. "Rubber Soul" und "Revolver" sind Alben, die man eh komplett haben sollte, folglich sind diese hier auch mit fünf, bzw. zwei Tracks besser vertreten. Die George Harrison Songs sind dabei leider komplett ausgespart worden, wobei das Fehlen von "If I Needed Someone" und "Taxman" besonders schmerzlich ist. Die Lennon Songs "Rain" und "Tomorrow Never Knows" wegzulassen ist sowieso unverzeihlich. All diese Songs hätten noch locker Platz gehabt auf diesen zwei CDs. Alleine dafür gibt es für mich schon einen Stern Abzug.
Die Tonqualität ist für mich ein weiterer Kritikpunkt. Seit dem "Yellow Submarine Songtrack" weiß man wie gut und zeitgemäß Beatles Aufnahmen klingen können. Dass man 2012 immer noch mit Mono und Ping-Pong-Stereo Aufnahmen der Beatles leben muss ist für mich ein Anachronismus. Da nützt auch das schönste Remastering nichts. Als Gitarrenlehrer hab ich mit Schülern zu tun, die die Beatles grundsätzlich sehr interessant finden, aber aufgrund der nicht mehr zeitgemässen Tonqualität niemals eine Beatles CD kaufen würden.

Fazit: Wer aus Nostalgiegründen auf "seinem" roten Album besteht ist mit dieser Veröffentlichung sicher gut bedient. Mein persönlicher Kaufreiz wäre mir den Kauf der ersten vier, fünf Alben zu ersparen, die ich als Ganzes nicht bräuchte (was diese Zusammenstellung einfach nicht leistet) und die Beatles endlich mal in einem zeitgemäßen Klanggewand zu geniessen (was im 50. Jahr nach Erscheinen des ersten Album mehr als angesagt wäre).
Die Musik an sich steht natürlich über dem persönlichen Geschmack. "Yellow Submarine" z.B. kann ich zwar nicht mehr hören, aber egal wie ich darüber denke, es bleibt ein Klassiker und gehört als solcher dazu.
Ärgerlich finde ich insbesondere dass es derzeit (noch) keine Alternative gibt. "A Collection Of Beatles Oldies" (von 1966), "Hey Jude" (von 1970) und "1" (von 2000) sind völlig indiskutabel weil sie nur Singles (und nicht mal vollständig) und keine Albumtracks enthalten. Und wer nur die Singles will ist eh mit den "Past Masters" besser versorgt ...


The Definitive America
The Definitive America
Preis: EUR 8,99

7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Derzeit beste Compilation, 15. September 2011
Rezension bezieht sich auf: The Definitive America (Audio CD)
Compilations könnten so eine schöne Sache sein. Die ersten drei "America"-Alben kann man bedenkenlos komplett durchhören. Auf den nachfolgenden Alben gab es für mich unverzichtbares neben Tracks für die wohl die Skip-Taste erfunden wurde. Die allererste Zusammenstellung "History" war da wenig hilfreich. Die ersten sieben Songs wurden von George Martin sogar noch remixt und klangen nun so süßlich wie der Rest seiner Produktionen.
Vor 10 Jahren wurden auf den beinahe zeitgleich erschienenen "The Complete Greatest Hits" und "The Definitive America" alle 12 Tracks von "History" (zum Glück wieder in den Urversionen) um diverse Songs erweitert. Ausser den zwei neuen Songs auf "Complete" wurden die Jahre nach 1983 komplett ausgespart. Schade, zumindest "Young Moon" (1994) und "From A Moving Train" (1998) vermisse ich hier

Für welche der beiden Zusammenstellungen man sich entscheidet ist natürlich Geschmackssache.

Beide erweitern "History" um folgende Songs:
Amber Cascades (1976)
Today's The Day )1976)
You Can Do Magic (1982)
The Border (1983)

Songs, die nur auf "Complete Greatest Hits" zu finden sind:
Everyone I Meet Is From Caifornia (1972)
Another Try (1974)
California Dreamin' (1979)
Right Before Your Eyes (1982)
Paradise (2001)
World Of Light (2001)

Songs, die nur auf "Definitive America" zu finden sind:
To Each His Town (1972)
She's Gonna Let You Down (1973)
Rainbow Song (1973)
God Of The Sun (1977)
Political Poachers (1977)
Survival (1980)
The Last Unicorn (1982)

Eine wirkliche Werkschau bieten natürlich beide CDs nicht. Hier kann man im Moment nur die 2000 erschienene 3 CD-Box "Highway" empfehlen. Dort findet man auch einige Songs von "Hideaway", die von den damaligen George Martin Überarrangements (Bläser, Streicher, Chöre...) befreit wurden. Erstaunlich wie zeitlos America plötzlich klingt. Das sollte man mit allen Alben der George Martin-Ära machen (Holiday, Hearts, Hideaway, Harbor, Silent Letter).
"America" zu mögen gilt in meinen Kreisen als absolut uncool. Meiner Meinung nach liegt das nicht am Songwriting, sondern eher an den Arrangements und der Produktion der Alben von 1974 ("Holiday") bis 2002 ("Holiday Harmony"), was insbesondere das von Adam Schlesinger und James Iha 2007 schlanker produzierte "Here & Now" beweist. Zu America passen einfach keine großen Hallräume, Streicher, Bläser und Synthesizer, obwohl es die - wenn auch sparsam - auch auf "Homecoming" und "Hattrick" gab...

Das Remastering von "Highway", "Complete Greatest Hits" und "Definitive America" scheint identisch zu sein. Klingt auch 2011 noch auf der Höhe der Zeit.
Der überraschende Tod von Dan Peek und die Veröffentlichung des neuen America (Cover-) Albums "Back Pages" wären vielleicht eine würdevoller Anlass für eine neue Compilation, die auch die Jahre nach 1983 mit einbezieht. Bis dahin würde ich "Definitive America" empfehlen.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Feb 6, 2012 12:53 AM CET


Still on Top (Collector's Set)
Still on Top (Collector's Set)
Wird angeboten von zoreno-deutschland
Preis: EUR 17,35

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beinah perfekte Best Of ..., 29. August 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Still on Top (Collector's Set) (Audio CD)
Diese Rezension bezieht sich auf die 3 CD Version von "Still On Top" und richtet sich vor allem an die, die eine gute Zusammenstellung, bzw. Übersicht des Gesamtwerkes des Künstlers suchen.

Nach den ersten beiden Best Ofs (1990 und 1993) erschienen 2007 plötzlich fünf Compilations: im Februar "Van Morrison At The Movies", im Juni "The Best Of Volume 3" und im November "Still On Top" in drei Versionen (mit 1, 2 oder 3 CDs). Meine Hoffnung war natürlich, dass dieses 3 CD Paket alle anderen Compilations überflüssig macht. Kann "Still On Top" das erfüllen?

Von der ersten Best Of sind tatsächlich alle Titel dabei, bis auf "Sweet Thing" von "Astral Weeks" (wahrscheinlich aus rechtlichen Gründen). Schade, aber "Astral Weeks" sollte man eh komplett erwerben.

Von der Best Of Nr.2 vermisse ich vor allem schmerzlich "It's All Over Now", aber auch einiges andere fehlt hier ("A Sense Of Wonder", "Sometimes I Feel Like A Motherless Child", "I'll Tell Me Ma", "Enlightenment", "Evening Meditation", "The Mystery", "Don't Look Back" und eine Live-Fassung von "Rave On John Donne"). Von den 15 Tracks sind also nur 6 auch auf "Still On Top"enthalten. "The Best Of Volume Two" lohnt sich also durchaus zusätzlich zu erwerben (gibt's allerdings nur noch gebraucht) oder zu behalten, sofern man sie schon besitzt.

"Van Morrison At The Movies" ist eine völlig überflüssige Zusammenstellung, deren Daseinsberechtigung sich mir nicht erschließt. Nix für Neulinge und auch nicht für Fans. Einzig interessant ist hier eine 2007er Neueinspielung von "Brown Eyed Girl", die auch in "Still On Top" gut gepasst hätte. Auf "Comfortably Numb" (vom Berliner Roger Waters "The Wall" Spektakel) singt Van Morrison nur wenige Parts und auch dort kann man ihn kaum hören. Muss man also eh nicht haben.

Mit "The Best Of Volume 3" gibt's releativ wenig Überschneidungen. Hier sind nur "Shenandoah" (von den Chieftains mit Morrison als Gastsänger), "When The Leaves Come Falling Down" und "Ancient Highway" drauf, die meiner Meinung nach auf "Still On Top" gehört hätten.

Fazit: Taugt "Still On Top" - zumindest in der 3er Variante - nun als "All-In-One-Best Of"? Naja, es ist keine perfekte Zusammenstellung, aber wann gab es je eine? Ein Track von "Veedon Fleece" ist auch schon nah an der Schamgrenze. Warum eigentlich keine 4 CD-Box? Für eine 43 Jahre währende Karriere (mittlerweile sogar 47) wär das mehr als angemessen. Vielleicht gibt es die ja 2014 zum 50. Jubiläum.
Bleibt noch der Sound dieser Compilation von 2007. Das Remastering bringt die Aufnahmen auf den Stand der Zeit, mit anderen Worten: lauter und mehr Höhen.
Alles in allem schon eine klare Kaufempfehlung ... wenn man auf die genannten Tracks verzichten kann.


Fly from Here
Fly from Here
Preis: EUR 19,29

4.0 von 5 Sternen Resteverwertung auf hohem Niveau, 9. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Fly from Here (Audio CD)
Aus irgendeinem Grund wird "Fly From Here" immer wieder als 20. Yes-Album bezeichnet, meiner Meinung nach ist es jedoch das 19. Studio-Album der Band. Laut Wikipedia sind die beiden "Keys" Alben als zwei Studio-Werke gelistet, das sind aber eigentlich Live-Alben mit damals neuen Studio-Aufnahmen als Bonus, die gesammelt dann Mai 2001 als "Keystudio" veröffentlicht wurden.
Anyway, ob nun Nr. 19 oder 20 ist ja eigentlich auch egal. Jedenfalls ist es , nach "Drama" das zweite ohne Jon Anderson. Sicher gibt es einige Parallelen, jede Menge Buggles-Kompositionen, fast identische Besetzung (Trevor Horn ist hier zumindest als Backing-Sänger zu hören und Geoff Downes ersetzt zu weiten Teilen wie damals Wakeman, diesmal nur Oliver statt Rick). Klingen tut es dennoch anders.
Mit "Drama" versuchten Yes anno 1980 nicht nur zu beweisen, dass es auch ohne Anderson geht, sondern auch, dass sie im Zeitalter des New Wave modern klingen konnten ohne ihre ProgRock-Wurzeln aufzugeben. Mittlerweile wird "Drama" sehr viel mehr geschätzt, als noch vor 31 Jahren.
Squire, Howe, White & Co. standen nach erfolgreichen Tourneen mit Benoit David nun unter dem Druck nicht nur eine ProgRock-Oldie-Show abzuliefern, sondern sich auch auf dem aktuellen CD- und mp3-Markt behaupten zu können. Dazu musste ein neues Studio-Album her. Im 21. Jahrhundert können Künstler jedoch kaum noch von CD-Abverkäufen leben. Eine allzu lange Unterbrechung der lukrativen Live-Aktivitäten musste man wohl daher vermeiden. Neue Yes Kompositionen waren aus Zeitmangel wohl aber kaum machbar. Dieses Dilemma löste Chris Squire auf geniale Weise. "Fly From Here" - der Song - wurde schon auf der Drama-Tour gespielt und tauchte dann (in Demo Fassung) auf dem 2010 wiederveröffentlichten zweiten Buggles Werk auf. Trevor Horn hatte schon durch den Promotion-Live-Auftritt 2010 wieder Kontakt mit Geoff Downes aufgenommen. Der wiederum hatte seit 2005 mit Steve Howe Asia wiederbelebt. Es war also geradezu naheliegend das "Drama" Line-Up für dieses Comeback zu revitalisieren. Clever, wie ich finde.
Durch den Mix der Chris Squire und Trevor Horn Backings klingt Benoit David diesmal deutlich weniger nach Jon Anderson als noch auf den letzten Tourneen. Auch die Keyboards klingen eher nach 1980 als nach 2011. Deswegen ist in den Rezensionen hier sehr häufig von Drama, Part 2 die Rede. Dennoch gibt es einige Unterschiede. Drama Nr. 1 klang deutlich aggressiver, treibender. Wie gesagt, Yes mussten Anfang der 80er beweisen, dass sie noch keine Boring Old Farts, keine "Rock-Dinosaurier" sind. Damals waren Longtracks out. "Machine Messiah" mit seinen 10:27 war da schon vergleichsweise episch, aber auch nicht länger als "Marquee Moon" der Post-Punk-Kapelle "Televison". Heute verlangt die ProgRock-Fraktion unter den Yes-Fans mindestens einen Track mit epischer Länge. Also wird "Fly From Here" (der Titeltrack) auf knappe 20 min Dauer aufgeblasen. Es funktioniert, das vorweg, aber ich fragte mich schon hin - und wieder wie oft man noch "Fly From Here", "We Can Fly ..." etc. singen kann. Ein bisschen overdone, wie ich finde. Auf der B-Seite (das wäre es noch zu Vinyl-Zeiten gewesen) dann die Short-Tracks: "Life On A Film Set" - noch ein Buggles Demo (früher "Riding A Tide"), "The Man You Always Wanted Me To Be" - ein Chris Squire Solo Leftover, "Solitaire" - die unvermeidliche Steve Howe Solo-Gitarren Nummer, "Hour Of Need", das auch von Asia stammen könnte und schließlich "Into The Storm" - die einzige Gruppenkomposition zu der offensichtlich noch Zeit war.
Alles in allem klingt das sehr entspannt - sehr viel entspannter als Drama Part 1 - und eben, wie von Trevor Horn nicht anders zu erwarten, sehr gut produziert. Eine Resteverwertung auf hohem Niveau, die ich nicht wirklich schlecht finden kann. Yes, bzw. die Formation, die derzeit unter diesem Label agiert haben ein zeitloses Album eingespielt, dem man den Druck nicht anmerkt, unter dem es entstanden sein muss. Das ist vielleicht einer der großen Vorzüge des Alters, in dem sich 4/5 der Band mittlerweile befinden. Man sieht die Dinge offensichtlich gelassener.
Sollten Anderson & Wakeman je wieder einem Yes Line-Up angehören werden diese Songs (wie damals bei "Drama") höchstwahrscheinlich wieder von den Live-Setlists verschwunden sein. Ein Grund mehr sich Karten für die kommende Tour zu besorgen.


Panic of Girls (Limited Edition Collector's Pack)
Panic of Girls (Limited Edition Collector's Pack)

1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schade, 8. Juli 2011
Mit Blondie ist es ein bisschen wie mit den Ramones, vier grandiose Frühwerke, ein ambitioniertes Übergangswerk (hier: Autoamerican, dort End Of The Century) und dann das Spätwerk, aus dem maximal ein, zwei großartige Songs pro Album herausragen. Dazu der Abgang eines wichtigen Songwriters (hier Jimmy Destri, dort Dee Dee Ramone).
"Love Doesn't Frighten Me" und "Mother" sind meiner Meinung nach die Höhepunkte von "Panic Of Girls", wobei letzteres haarscharf an "Maria" vorbeikomponiert scheint.
Alles in allem kein wirklich schlechtes Album, aber eben auch nicht mehr als ein Dokument des Überlebens. Live sind Blondie immer noch unschlagbar. Und von Madonna bis Lady Gaga ist der Einfluss von Debbie Harry immer noch deutlich sichtbar. Debbies Gesang hat sogar noch an Intensität gewonnen, vorallem im tiefen Bereich.
Auch die Produktion weiß zu überzeugen, wirkt hin- und wieder aber auch etwas zu überladen. Was fehlt sind die Songs, die dieses Album unsterblich machen würden.
Für mich ein Fall für Rick Rubin, der so manchen Künstler zu neuen Glanztaten inspirieren konnte. Oder vielleicht sollte Dave Grohl seine Qualitäten als Produzent ausloten.
Fazit: Schön, dass es Blondie noch gibt. Aber mehr als ein willkommenes Lebenszeichen ist "Panic Of Girls" nicht. Schade.


Olympia
Olympia
Wird angeboten von toppreis321
Preis: EUR 3,98

11 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein paar Gedanken zu einem wohl doch nicht ganz so spektakulären Ferry Werk, 6. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Olympia (Audio CD)
Ein neues Album von Bryan Ferry ist immer willkommen. Keine Frage. Aber nach mehrmaligem Hören und intensiver Lektüre der anderen Rezensionen hier finde ich es doch mal nötig ein paar Sätze dazu zu schreiben.
Viele betonen, dass hier zum ersten wieder Brian Eno und andere Roxy-Kollegen dabei sind. Das ist schlichtweg falsch. Derartige Kollaborationen gab es schon 2002 bei "Frantic" und 1994 bei "Mamouna". Die Frage ist nur, ob man das auch wirklich hört. Ich persönlich hab da so meine Mühe. Is auch nicht weiter schlimm, nur als Kaufgrund sollte man das nicht sehen. Gleiches gilt auch für David Gilmour, Nile Rodgers oder Steve Nieve. Sie alle sind nur ein Teil des Klangteppichs, haben aber keinen wirklichen Einfluß auf die Musik. Pures Name-Dropping.

Wer - wie ich - seit der Roxy Music Live-Reunion auf eine Rückbesinnung auf alte Stärken gehofft hat sollte die Finger von diesem Album lassen. Seit 1980, also seit "Flesh + Blood" (das mit dem Roxy Music Sound kaum noch etwas zu tun hatte und auf dem Manzanera & Mackay schon zu Statisten degradiert wurden) regiert bei Bryan Ferry ein gepflegter, Keyboard gestützter weißer Schlafzimmer-Soul im Midtempo-Bereich. Das war OK solange dabei ein paar wirklich große Songs herauskamen. Die aber fehlen spätestens seit "Bête Noire". Wenn man mal bedenkt wieviele Veränderungen es bei Bryan Ferry & Roxy Music in den wenigen Jahren 1972 bis 1980 gab (das waren gerade mal 8 Jahre) und dann mit den letzten 30 Jahren vergleicht ist die Innovationsquote schon reichlich dünn. ... und mal ehrlich, selbst die Single "You Can Dance" wäre auf "Avalon" bestenfalls ein ordentlicher Albumtrack gewesen.

Wie viele Roxy Music-Fans war ich ziemlich enttäuscht, dass es das lange angekündigte Reunion-Werk nun doch nicht mehr geben soll. Ich habe allerdings den Verdacht, dass einige, der hier vertretenen 8 Original Kompositionen (der Rest sind die üblichen Ferry-Cover) als Beiträge für eben dieses Album gedacht waren. Für diese Theorie sprechen einige Verdachtsmomente. Erstens war auf dem Roxy Album eine Zusammenarbeit mit den Scissor Sisters angekündigt. Die gibt es nun hier. Zweitens ziert "BF Bass" die Kompositions Credits "Ferry/Manzanera". Drittens arbeitet Bryan Ferry bekanntermassen ewig an seinen Alben. Woher soll er also so schnell 8 neue Songs hergenommen haben, wenn er bis zuletzt an einem Roxy Music-Album gearbeitet hat und alle Roxy Kollegen (bis auf Paul Thompson) auch hier dabei sind. Viertens: das Cover, das auf den ersten Blick eindeutig als Roxy Werk identifizierbar scheint.
Wenn meine Annahme stimmt macht es auch wirklich Sinn das Werk nun unter "Bryan Ferry" zu vermarkten, statt unter dem "Roxy"-Banner. Die Erwartungen an ein Band-Album wären ungleich höher gewesen. Als Ferry-Werk muss es sich nur mit "Boys And Girls" messen und da schneidet es - trotz einem fehlenden neuen "Slave To Love" - ganz ordentlich ab. "Frantic" und "Mamouna" hatten bessere Momente, insgesamt aber wirkt "Olympia" wesentlich ausgeglichener, homogener. Natürlich wäre es mal schön ein Album ganz ohne Fremdkompositionen zu haben. Dann aber würde "Song To The Siren" fehlen, eindeutig einer der Höhepunkte von "Olympia". Totalausfälle (wie es einige bei "Frantic" gab) sind hier nicht zu verzeichnen. Allerdings nerven einige Details wie z.B. die hohen weiblichen Backings bei "Heartache By Numbers". Ferrys Stimme wird quasi regelrecht beerdigt unter den Tonnen von hohen Stimmen. Sowas tut man einfach nicht. Die Bassarbeit ist dagegen grundsätzlich superb. Davon profitieren u.a. "Alphaville", "You Can Dance", "Shameless, "Song To The Siren" und "BF Bass", womit auch schon die Anspieltipps genannt seien.

Bleibt unter dem Strich ein fantastisch klingendes Album mit passablen Songideen. Spektakulär ist aber anders ...


Invented
Invented
Preis: EUR 15,27

17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Als Fan machen es JEW einem wahrlich nicht leicht ..., 25. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Invented (Audio CD)
Drei Jahre Wartezeit ist doch ganz schön lang ... und aus "warten" wird irgendwann "erwarten". Wie für viele war "Clarity" meine Intitialzündung in Sachen JEW-Fantum. Ehrlich gesagt hat mich jedes Album danach erstmal enttäuscht. Ich erinner mich auch deutlich an die ersten Reaktionen auf "Bleed", das ja heute allgemein als Klassiker gewertet wird. Damals bemängelten viele die Hinwendung zum Mainstream. Aber mal ehrlich: Anzeichen dafür gab es selbst bei "Clarity" schon reichlich. Streicher gab es dort auch schon (Table For Glasses, A Sunday). Für mich persönlich sieht es jetzt - erstmal - auch so aus, also ob JEW den Bogen diesmal überspannt haben.

Auf "Heart Is Hard To Find" gibt es Glocken, mehr Streicher denn je, Handclaps und ausschließlich Akustikgitarren. Man hat förmlich das Gefühl, dass die Band da schon ein wenig an's Weihnachtsgeschäft gedacht hat. Damit das Album zu eröffnen ist schon sehr mutig.
"My Best Theory" ist dagegen schon wieder ein Schritt zurück. Klingt nur leider wie eine B-Seite mit Hitarrangement.
"Evidence" versöhnt da schon wieder. Vielleicht der erste Anspieltipp um die Enttäuschung gering zu halten.
Danach "Higher Devotion". Synthesizer? ... und dann die Oktavdopplung im Chorus. Daran muss man sich wohl erstmal gewöhnen. Eigentlich kein schlechter Song. Hm, Fassungslosigkeit ...
"Movielike" bietet dann wieder die typischen "aaaahhh"-Chöre, die man von "Chase" schon gut kennt. Stadion-Rock.
"Coffee And Cigarettes" ist dann sowas wie ein "Road-Movie-Song". Der Text erschließt sich schneller als der anderer Titel. Fast schon Classic-Rock. Offensichtlich wollen JEW da hin. "Uplifting" ist so ein Wort, dass mir zu der Musik von JEW immer zuerst einfällt. Hebt die Laune. Kann ich deswegen nicht wirklich schlecht finden.
"Stop" bedient so ziemlich jedes Klischee eines JEW-Songs. Hätte quasi auf jedem Album sein können, wäre aber auch dort nur ein Lückenfüller gewesen.
"Littlething" hat dann wieder einen Text der Gänsehaut produziert. Das Arrangement unterstützt das auch gut. Ein Highlight des Album.
Der Groove von "Cut" erinnert ein wenig an "Stand By Me". Sich bei Klassikern zu bedienen ist absolut legitim. Vielleicht wieder etwas zuviel "ah ah ah"-Chöre, fast schon eine schlechte Angewohnheit, die seit "Bleed" fester Bestandteil des JEW-Sounds zu sein scheint. Trotzdem: schöne Ballade.
"Action Needs An Audience". Tom singt. Schon allein deshalb wirkt es wie ein Rückblick auf "Static"-Zeiten ... und damit auch ein wenig wie ein Fremdkörper auf dem Album. Fans der ersten Stunde werden das begrüßen. Ich auch.
"Invented" ist dann noch eine Ballade. Davon scheint es gefühlt immer mehr zu geben. Der gebrochene Gesang klingt mir etwas zu kalkuliert. Hat man einfach zu oft gehört. Das Arrangement ist hier mal etwas sparsamer. Schon irgendwie schön. Aber wieder "aaahs" ohne Ende. Zum Schluss dann wieder die Gitarrenkeule. Das überraschende ist aber dass es einen eben nicht mehr überrascht. Dumm nur, dass einen die wirklichen überraschenden Ideen auf diesem Album nicht so ansprechen. Naja, erstmal NOCH nicht, denn auch mit "Chase" hatte ich fast ein Jahr lang Anfreundungsprobleme.
"Mixtape" ist dann schon der letzte Song. Kennt man schon live von YouTube. Im Grunde drei Akkorde, die sich endlos wiederholen. Da muss man schon tief in die Produktionskiste greifen damit es nicht langweilig wird. Das Ziel wird auch erreicht. Die Melodie ist dazu einfach zu hypnotisch. Bei den letzten "ah ah ah"-Chören ist das Album dann aber auch schon zu Ende.

Das ist es nun also - das Album auf das man drei Jahre sehnsüchtig gewartet hat. Ob es so wachsen wird wie die Alben zuvor muss die Zukunft zeigen. Da wage ich noch keine Prognose. Als Fan machen es JEW einem wahrlich nicht leicht. Unter Kopfhörern gibt es schon einiges zu entdecken. Da gibt es schon großartige Soundideen, die sich sonst nicht erschließen. Das Songwriting ist meiner Meinung nach eher das Problem, weniger die Texte, als vielmehr der musikalische Gehalt an sich. Zu viele Akkordwendungen, die man schon viel zu oft so gehört hat und bestenfalls Variationen der Klassiker sind. "Mehr wagen" möchte man Adkins, Linton & Co. zurufen.

Um es Neueinsteigern zu empfehlen fehlt mir die nötige Distanz. Wenn ich mir die aktuelle Musiklandschaft so betrachte liegt selbst dieses Album aber mit Sicherheit weit über dem Durchschnitt. Vier Sterne sind daher mehr als angemessen. Die Verweigerung des fünften erscheint mir aber unvermeidbar. Selbst mit "Chase This Light" kann "Invented" nicht mithalten. Dazu fehlen einfach solche Überhammer wie "Firefight" oder "Gotta Be Somebody Blues", die das letzte Album dann doch noch auf Klassiker-Niveau hieven konnten.

"Clarity", "Bleed American" und "Futures" bleiben die Sternstunden der Band. Daran werden sie leider immer wieder gemessen werden. Das ist eigentlich auch unfair, denn "besser" geht es wohl kaum, höchstens "anders". Ob Jimmy Eat World das auch selber merken werden wir wohl leider erst wieder in drei Jahren wissen ...
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 5, 2010 1:12 PM MEST


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