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Rezensionen verfasst von
Tobi (Filderstadt)

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Psychologie der Massen
Psychologie der Massen
von Gustave LeBon
  Broschiert
Preis: EUR 8,90

30 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Amerikas Massenwahn verstehen, 2. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Psychologie der Massen (Broschiert)
Ich finde, es gibt kein Buch, das das ganze Drumherum um das augenblickliche Amerika (USA) besser erklären kann.
LeBon beschreibt, wie die Massenseele funktioniert. Was braucht es, um eine Masse zu bilden, sie aufzurütteln und alle demokratischen Grundrechte zu vergessen?
Es braucht ein die Massenseele berührendes Ereignis.
Hier haben wir Amerika, der 11. September.
Die amerikanische Masse, längst unsicher und im Wandel begriffen, greift dieses Ereignis auf. Ein dummer aber die Massenseele berührende Sprücheklopfer (Bush) nimmt dieses Ereignis und schafft es, mit Einverständnis der Masse Dinge zu bewerkstelligen, die kein vernünftiger Mensch tun würde. Wahrheit interessiert nicht mehr, Gerechtigkeit interessiert nicht mehr. Die ängstliche Massenseele will nur noch Sicherheit und gibt ihre individuelle Integrität, ja sogar ihre demokratischen Grundrechte freiwillig auf.
LeBon geht auch auf die Anführer ein. Sie sind meistens nicht sonderlich intelligent, haben aber ein gutes Gespür für die Massenseele und die Worte und Bilder, die sie braucht. Sie sind auch immer ein wenig wahnsinnig, nie intellektuell und nie der Zeit vorausgreifend. Man begreift beim Lesen einfach besser, wie es so einer Witzfigur wie Adolf Hitler gelingen konnte, ein ganzes Volk zu begeistern: Er hat das gar nicht getan! Die Massenseele war einfach auf der Suche nach jemandem, der ihre Triebe befriedigen kann. Deshalb ist das Wort "Führer" auch falsch. Da oben stand und steht kein Anführer, sondern nur ein demagogischer Trottel, der die Massen bedient und der vom Wahn besessen ist.
Der Einzelne mag sich wehren, doch in der Masse gibt es keinen Einzelnen. Massen werden nicht durch Vernunft regiert, nicht durch individuellen Willen. Liberale Gedanken sind ebenso wenig von Bedeutung wie Menschenrechte. Nichts zählt mehr, alles ist emotional.
LeBon nennt den Massenwahn ein hypnotisches Phänomen. Wer verstehen will, wie dieser Wahn entsteht, muss LeBon lesen.
Ich war schwer beeindruckt. Als Einzelner steht man wie doof davor und fragt sich: "Wie war Hitler möglich, wie Mussolini?" "Wie kam dieses ganze Kopfabschlagen in England und Frankreich zustande?" "Wie können einzelne Menschen, für sich genommen so klug, intelligent und ehrenhaft plötzlich zum wilden Tier werden?" Ich konnte es einfach nicht nachvollziehen. Jetzt verstehe ich es: Es ist einfach ein ganz anderes System. Etwas bildet sich und dieses Etwas ist ein wildes Tier ohne Sinn und Verstand, von Furcht geleitet oder Aggression. Es hat keine Vernunft, es hat nur Trieb. Wenn man LeBon liest, dann versteht man plötzlich die Oktoberrevolution und das, was danach kam. Man versteht, dass dieses Tier jeden und alle verfolgt, die gegen es sind. Man versteht die Hooligans, egal ob sie politisch sind oder Fußballfans. Man versteht: Die Masse folgt immer einer Religion. Der chinesische Kommunismus zum Beispiel ist so eine Religion, auch wenn es dort heißt "Religion ist Opium fürs Volk!". LeBon erzählt, wie ein überzeugter Christ beschloss Atheist zu werden. Er nimmt all seine Statuen weg von Christus und Maria und das Kreuz, stellt Bilder seiner Philosophenatheisten auf und zündet dann die Kerzen auf dem Altar neu an.
Das Tier handelt rein instinktiv, es ist brutal, es löscht alles Andersdenkende aus und es kann dabei sogar noch Moral kennen, auch wenn diese total absurd wirkt. LeBon erzählt z.B. an einer Stelle, dass diejenigen, die den letzten französischen König zum Schafott führten, nichts in seinem Palast anrührten. Sie konnten ihm die Guillotine bringen, weil die durchgedrehte Massenseele das für gerecht befand, doch dieselbe Massenseele war nicht fähig zum Raub, sondern bildete mitten im Wahn einen verschrobenen Gerechtigkeitssinn.
LeBon erzählt das alles sehr nüchtern und ohne überflüssige Dramaturgie. Man merkt: Hier hat jemand wirklich nachgedacht und beschreibt das was passiert so einfach und verständlich, dass man den Wahn irgendwie betrachten kann. Die Fassungslosigkeit verschwindet zwar nicht, aber man hat es in Worte gepackt und kann es erklären, und das hilft. Mir hilft es auch dabei, die Konsumentenmassen zu begreifen, die jeden Unsinn kaufen müssen, die sich vollstopfen und die ganz ohne Verstand sind und sich dummdoof den Rest ihres Hirns beim Swappen verderben und ansonsten meistens dabei erwischt werden, wie sie andere erwischen.
Ich denke, dass das Buch dabei helfen kann, sich selbst davor zu bewahren, bei diesen Dingen mitzumachen. Es kann aber wohl kaum dafür sorgen, dass dergleichen nicht passiert, denn wir leben im Massenzeitalter, da geht kein Weg dran vorbei. Wir leben kaum noch in einer Demokratie, sondern unter der Knute der Massen. Politiker führen nicht mehr, sie bedienen, Medien klären nicht mehr auf, sie liefern nur Futter fürs sabbernde Tier.
Beim Lesen wurde mir klar: Man kann nur versuchen wenn sowas wie das Dritte Reich zum Beispiel passiert, irgendwie unauffällig zu bleiben oder man riskiert Kopf und Kragen im Namen einer Gerechtigkeit, für die die Masse keinen Sinn hat. Jetzt verstehe ich meine Urgroßeltern besser, Er überzeugter Nazi, Sie die typische deutsche Kinderproduktionsmaschine. Sie waren Teil der Masse. Ihre individuellen Sinne für Anstand waren in der Masse aufgegangen. Sie wussten von den KZs, aber sie waren von der Massenseele besessen und erklärten sich das irgendwie zurecht, so dass es für sie einen Sinn ergab. Ihre individuellen Seelen waren nicht da und wären sie da gewesen, wäre ihnen nur entweder Stillhalten und Feigheit geblieben oder aber Widerstand. Das Eine kostet die Seele, das Andere das Leben.
Fazit: LeBon ist großartig zu lesen. Man sieht danach klarer und kann sich besser von dem abgrenzen, was einfach widerlich ist.


Himmel über der Wüste: Roman
Himmel über der Wüste: Roman
von pociao
  Taschenbuch

9 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein sehr kleiner Gatsby, 1. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Himmel über der Wüste: Roman (Taschenbuch)
Wie so etwas zur Kunst erhoben werden kann, ist mir ein Rätsel.
Die durchweg völlig weltfremden und irrealen Personen bestechen bestenfalls durch ihre Absurdität. Die Sprache, vielleicht durch die Übersetzung verfremdet, überzeugt ganz und gar nicht. Wenn ich lese "Die Straßen zögerten aufzuhören", rollen sich mir die Fußnägel hoch. Ist es eine Sache der Zeit, in der das Buch geschrieben wurde, dass das Ganze so schauderhaft wirkt?
Für mich ist gute Literatur solche, die eine Botschaft hat und die schön geschrieben ist. Hier fehlt mir beides. Nur zwei Sterne, weil ich nicht sicher bin, ob das ein Simmel-Phänomen ist (den ich auch nicht lesen kann, der aber gleichwohl von Vielen für gut befindet wird) oder ob das Buch wirklich so schlecht ist, wie es auf mich wirkt. Verglichen mit Fitzgerald jedenfalls schneidet Bowles wirklich schlecht ab. Fitzgerald ist wenigstens bei seinen Charakteren so abgedreht, dass klar ist, worum es geht. Bowles hingegen gibt dem ganzen einen realistischen Touch, der von der ersten bis zur letzten Seite unglaubwürdig bleibt. Sollte es solche Menschen wirklich geben, wären wir echt am Ende.
Kommentar Kommentare (3) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Sep 16, 2011 12:09 PM MEST


Das vollständige Kamasutra
Das vollständige Kamasutra
von Mallanaga Vatsyayana
  Broschiert

24 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einfach ein tolles Buch, 1. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Das vollständige Kamasutra (Broschiert)
Es ist schön zu lesen, dass Sexualität in anderen Kulturen nie so ein Tabuthema war wie es hier bei uns heute noch ist.
Man erfährt hier viel Wichtiges rund um Sex, aber auch dazu, wie man einfach ein schönes Leben leben kann. Ich habe viele Anregungen dazu, wie ich das Zusammensein mit meiner Freundin noch schöner gestalten kann gefunden. Lustig die Infos über Aphrodisiaka, besser Mutter Natur als Viagra finde ich.
Beim Lesen ist mir aufgefallen, wieviel lockerer alles wird, wenn man so ein Thema mal aus einer Sicht auf das Leben selbst und wie man es gestalten kann angeht. Wir Europäer und vor allem wir Deutschen sind ja wenn wir sachlich werden immer gleich nüchtern. Dabei kann etwas Sachliches durchaus gleichzeitig sehr interessant sein. Vielleicht ist es die uns eigene Trockenheit, die Sexualität so sehr zur Sonderstellung werden ließ? Inder sehen das jedenfalls ganz anders, andere Asiaten auch. Geht man nach Japan oder nach Indien, dann fällt sofort auf, dass der Sex da einfach als was ganz Natürliches zum Leben dazu gehört. Das Kamasutra ist wirklich ein bedeutender Text!


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