Profil für Gottchiller > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Gottchiller
Top-Rezensenten Rang: 2.726
Hilfreiche Bewertungen: 431

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Gottchiller

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3
pixel
Dead Snow - Red vs. Dead (Steelbook) [Blu-ray] [Limited Edition]
Dead Snow - Red vs. Dead (Steelbook) [Blu-ray] [Limited Edition]
DVD ~ Jocelyn DeBoer
Wird angeboten von dvd-blockbuster (Alle Preise incl. MwSt)
Preis: EUR 23,49

18 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einer der besten Funsplatterfilme der Neuzeit, 29. August 2014
2009 drehte Tommy Wirkola mit einem Budget von unter 1 Mio. Dollar einen kleinen humorvoll angehauchten Horrofilm über Nazizombies in den verschneiten Bergen Norwegens, der langsam aber sicher immer mehr Popularität erlangte und eine beständig wachsende Fanbase um sich scharrte. Dieser noch mit wirklich bescheidenen Mitteln gedrehte Dead Snow brachte Wirkola soviel Ansehen ein, dass er 2013 sogar bei der Hollywoodgroßproduktion Hensel & Gretel: Witch Hunters den Regieposten übernehmen durfte. Nun schreiben wir das Jahr 2014 und der Hollywoodjüngling besinnt sich auf seine Wurzeln zurück, um in seiner Heimat die Fortsetzung zu Dead Snow zu drehen, dieses Mal aber mit enorm erweitertem Budget. Da u.a. auch amerikanisch stämmige Charaktere auftreten, wird sowohl Norwegisch, als auch Englisch gesprochen.

Teil 1 endete (leider muss hier das Ende verraten werden), wie Martin (Vegar Hoel) als Einziger, wenn auch nur noch einarmig, den Nazizombiehorden entkommen konnte, letztendlich aber doch von Oberst Herzog, dem Anführer der Zombies, aufgespürt wurde. Teil 2 setzt genau dort an und zeigt den Kampf zwischen Martin und Herzog, der letztendlich damit endet, dass Herzogs Arm abreißt, in Martins Auto liegen bleibt und dieser unter Panik gegen einen Baum brettert. Am nächsten Morgen wacht Martin in einer Krankenstation auf und muss feststellen, dass die Ärzte den Arm im Auto für seinen gehalten und ihn deshalb angenäht haben. Dieser Arm verleiht Martin die Kräfte von Oberst Herzog und so kommt es schon zu einer Handvoll Toten, weil Martin erst noch mit seinen übernatürlichen Kräften klarkommen muss. Herzog ist währenddessen nicht untätig und stellt eine neue Untotenarmee zusammen, um den zweiten Weltkrieg weiterzuführen. Nun liegt es an Martin, der Horde Einhalt zu gebieten, wobei er Unterstützung von drei Zombienerds aus den Staaten bekommt.

Wer literweise Blut mag und sich bei so einer Story denkt, dass der Film doch nur genial werden kann, darf Dead Snow 2 auf gar keinen Fall verpassen. Während der erste Teil erst ab der zweiten Hälfte langsam mal in Fahrt kam, drückt Teil 2 gleich von Beginn an das Gaspedal bis zum Anschlag durch. Kontinuierlich bekommt man deftigen schwarzen Humor, Leute niedermetzelnde Nazizombies, Nazizombies niedermetzelnde Überfäuste, Slapstick und reihenweise bescheuert witzige Sprüche serviert. Es wird absolut nie langweilig und wenn man glaubt man hat schon die Krone der verrückten Einfälle gesehen, wartet der Film im Finale doch tatsächlich mit einem Kampf zwischen Nazi- und Kommunistenzombies auf. Wer allergisch auf alberne Dialoge und Slapstick reagiert, ist mit diesem Film vielleicht nicht unbedingt bestens beraten. Für alle anderen gibt es aber im Gegensatz zu Teil 1 auch abseits der Splatterphasen immer etwas zu lachen.

Sowohl inhaltlich, als auch handwerklich, macht Dead Snow 2 im Vergleich zu seinem Vorgänger einen gewaltigen Schritt nach vorne. Das Blut wird stets durch praktische Effekte und nie (zumindest nicht erkennbar) durch CGI realisiert. Man muss ehrlich gestehen, dass es lange keinen Splatterfilm mit solch hohem handwerklichem Niveau zu sehen gab. Und mit Blut wird definitiv nicht gegeizt. Blutfontänen, Ausweidungen und fliegende Körperteile sind an der Tagesordnung und sind absolut überzogen, in ihrem Rahmen aber wirklich realistisch dargestellt. Nicht aber nur auf Gekröse, sondern auch auf richtige Kampfszenen und Explosionen darf man sich freuen. Hier macht sich das höhere Budget deutlich bemerkbar.

Und als wäre das nicht genug, kann der Film sogar auf schauspielerischer Ebene punkten. Alle Darsteller sind sichtlich mit Spaß bei der Sache und tragen maßgeblich zum lockeren (wenn natürlich auch ziemlich gewaltvollen) Ton des Films bei. Vegar Hoel, der in beiden Teilen die Rolle des Martin übernimmt, war in Dead Snow 1 eher ein Amateurdarsteller unter vielen. Hier kann er jetzt aber seine wahren Qualitäten unter Beweis stellen und verleiht seinem Charakter eine so sympathische Note, dass man mit ihm liebend gerne noch ein drittes Abenteuer bestreiten würde. Für spaßige überzogene Rollen ist dieser Schauspieler einfach perfekt geeignet.

Fazit:
Dead Snow 2 ist seinem Vorgänger in allen Bereichen weit voraus und macht von vorne bis hinten einfach nur Spaß. Der Markt wird überflutet mit billigen Splatterproduktionen und richtige Qualitätsware ist rar gesät. Dead Snow 2 ist eine dieser wenigen Ausnahmen und eines der absoluten Splatterfilm-Highlights der letzten Jahre. Wer überzogene und nicht ernst zu nehmende Horrorfilme schlicht albern findet, ist hier natürlich an der falschen Adresse, aber für Freunde schwarzhumoriger Gewaltexzesse ist Dead Snow 2 ein unumstößliches Must-See! Heil Five!

9/10 (für Genrefans)

PS: Laut Splendid ist diese Fassung des Films ungekürzt.
Kommentar Kommentare (4) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 26, 2014 2:03 PM CET


Lucy [Blu-ray]
Lucy [Blu-ray]
DVD ~ Scarlett Johansson
Preis: EUR 9,90

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Klasse inszenierter, wenn auch ziemlich abstruser Action-Thriller, 13. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Lucy [Blu-ray] (Blu-ray)
Lucy ist ein Film, den man am besten ohne viele Vorkenntnisse guckt, im Idealfall sollte man nicht einmal den Trailer schauen. Die Story von Lucy ist mehr als nur verrückt und umso verblüffender ist sie, wenn man nicht genau weiß, was einen erwartet.

Zur Geschichte sei nur soviel gesagt:
Lucy (Scarlett Johansson) gerät ungewollt in die Position einer Warenlieferantin für einen Gangsterboss (Choi Min-Sik). Dieser belässt es natürlich nicht bei der Übergabe der Ware (ein Koffer voll mit einer neuartigen Droge, die die Gehirnleistung steigert), sondern missbraucht Lucy als Drogenschmugglerin, indem er ihr einen der mit Drogen gefüllten Beutel in den Unterleib operieren lässt. Dummerweise platzt dieser Beutel und verabreicht Lucy dadurch eine so hohe Dosis, dass sie dadurch ungeahnte Fähigkeiten erlangt. Lucy begibt sich daraufhin auf eine Reise, deren Ziel dem Zuschauer lange Zeit verborgen bleibt, doch es sei gesagt: Es geht viel zu Bruch und haufenweise Gegner werden ausgeschaltet.

Gerade der Anfang überzeugt u.a. durch intelligent hineingeschnittene Aufnahmen von Tieren bei der Jagd, die als eine Art Metapher funktionieren. Je mehr sich Lucy bedroht fühlt, desto näher pirscht sich der Leopard an die Gazelle heran, und als Lucy gefangen genommen wird, erlegt der Leopard seine Beute. Dieses Intellektniveau versucht der Film darauf weiterhin zu halten, indem er sich gerade zum Schluss hin philosophischen Themen widmet wie der Frage nach dem, zu was unser kontinuierlicher Drang nach neuem Wissen führt oder was einen Menschen überhaupt ausmacht. Dass Lucy den Namen eines berühmten Urzeitmenschen trägt, ist kein Zufall. Trotz dieser interessanten Ansätze versagt der Film auf dieser intelligenten Ebene leider kläglich. Das erste Problem ist, dass sich der Film auf der Tatsache stützt, dass der Mensch nur 10% deines Gehirns nutzt, was bereits seit längerem widerlegt ist. Zweitens geschehen in dem Film so verrückte Dinge (wobei telepathische Fähigkeiten nur der Gipfel des Eisbergs sind) und ein Logikloch reiht sich an das andere, dass man Lucy eigentlich nicht so richtig ernst nehmen kann und der Film ins reine Popkornkino abdriftet.

Und genau hier zeigt das Filmchen seine Stärken. Luc Besson lässt das Publikum nicht lange zappeln und verzichtet auf eine lange Einführungsphase. Der Film beginnt und schon kurze Zeit später gibt es mitten auf die 12. Zu Anfang bleibt der Film auf einem bodenständigen Realitätsniveau und schafft es wirklich eine unbehagliche Atmosphäre zu erzeugen. Mit Gewalt wird nicht gegeizt und dass der Film hierzulande eine Freigabe ab 12 trägt, ist doch arg verwunderlich. Es bleibt spannend und aufregend von Anfang bis Ende und je mehr Fähigkeiten Lucy entdeckt, desto skurriler und abgedrehter werden darauf die Kampfszenen. Hier verlässt der Film seinen Realitätsanspruch und präsentiert in regelmäßigen Abständen einen verrückten Einfall nach dem anderen, bei denen man die Logik nicht zu sehr hinterfragen und sich einfach den Bildern hingeben sollte. Verfolgungsjagden, Prügelszenen, Schießereien, von allem ist was dabei. Zum Schluss gibt es noch einen großen Knall mit bahnbrechendem Effektfeuerwerk, das einfach nur wunderbar anzusehen ist und bei dem man die Augen einfach nicht abwenden kann.

Ein Problem gibt es aber dennoch, und zwar im Skript. Lucy wird im Verlauf des Films immer stärker und stärker, ohne das es einen Gegenspieler gibt, bei dem man wirklich das Gefühl bekommt, dass dieser ihr etwas entgegen zu setzen hat. Etwas flach fallen auch die Charaktere aus und die Darsteller sind schauspielerisch nicht sonderlich gefordert. Gerade Choi Min-Siks Talent (u.a. bekannt aus Oldboy oder I Saw the Devil) wirkt ein wenig verpulvert, auch wenn es zum Großteil seiner Mimik zu verdanken ist, dass der Anfang des Films seine Wirkung nicht verfehlt. Scarlett Johansson läuft die meiste Zeit mit relativ emotionslosem Gesicht durch die Szenerie, wobei das aber ihrer Rolle geschuldet ist.

Fazit:
Lucy präsentiert am Anfang ein paar wirklich interessante Regiekniffe, versucht sich dann an intellektuellen Ansätzen, versagt dabei und entpuppt sich stattdessen als schwer unterhaltsames Popkornkino mit rasanten und abgedrehten Actionszenen. Ein paar Schwächen im Drehbuch schmälern zwar den Gesamteindruck, aber dennoch macht Lucy wirklich Spaß. Misst man Lucy aber an seinem zu Beginn selbst definierten Anspruch, ist der Film als höchstens mittelmäßig zu bewerten, aber wenn man gerade Lust auf überdrehten Quatsch hat und seine Ansprüche etwas herunterschraubt, kann man gerne einen Blick riskieren.

7/10 (inkl. kleinem Trashbonus)

[Ich bitte darum, nicht einfach nur auf "nicht hilfreich" zu klicken, sondern im Kommentarbereich auch anzumerken, was Ihnen an meiner Kritik nicht gefallen hat. Nur so kann ich mich als Rezensent verbessern. Wenn Sie einfach nur anderer Meinung über den Film sind, freue ich mich auch auf eine Diskussion (in angemessenem Tonfall). Ich appelliere auch an Ihre Fairness, dass Sie die "nicht hilfreich"-Funktion nicht missbrauchen, nur weil Sie eine andere Meinung haben. Dafür ist diese Funktion nicht gedacht.]


Godzilla Limited Collectors Edition (exklusiv bei Amazon.de) [3D Blu-ray]
Godzilla Limited Collectors Edition (exklusiv bei Amazon.de) [3D Blu-ray]
Wird angeboten von sandra7508
Preis: EUR 246,99

10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Blockbuster mit Drehbuchschwächen und ungewöhnlichem, für mich aber herausragendem Regiestil, 15. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Gareth Edwards‘ Debutfilm Monsters war für viele schon ein zweischneidiges Schwert, versprach dieser doch einen Monsterfilm und bot größtenteils eher ein Drama. Genau dieser Regisseur wurde für seine zweite Regiearbeit gleich auf das Multimillionenprojekt Godzilla losgelassen, das nach zehn Jahren Leinwandabstinenz der Kultechse wieder den Sprung in die Kinosäle bescheren soll. Das klingt nach einem ziemlich riskanten Unterfangen, aber zumindest ist mit Edwards jemand am Werk, der an einer würdigen Umsetzung der japanischen Vorlage interessiert ist, während Roland Emmerich (Regisseur des letzten US-Godzilla-Filmes von 1998) in späteren Interviews sogar zugab, den japanischen Godzilla nicht einmal zu mögen. Zudem stand von vornerein klar, dass Godzilla dieses Mal gegen ein anderes Riesenmonster antreten darf.

Der Film erinnert relativ stark an die Godzilla-Filme der 90er Jahre (auch Heise-Reihe genannt). Der Grundtenor ist konsequent ernst gehalten, auch wenn Godzilla hier eher als unfreiwilliger Held erscheint. Die Story ist (teils konfuses) Beiwerk und mehr Mittel zum Zweck, um zwei (oder mehr) Riesenmonster aufeinander loszulassen. Die Neuauflage beginnt eher im familiären Bereich und erzählt von der in Japan lebenden Familie Brody, deren Eltern Joe und Sandra (Bryan Cranston und Juliette Binoche) in einem Atomkraftwerk tätig sind. Es kommt zu einem fatalen Erdbeben, das die gesamte Anlage zum Einsturz bringt und Sandra das Leben kostet. Die Umgebung und somit auch das Haus der Brodys wird zum Quarantänegebiet erklärt, während sich Joe fortan Verschwörungswahnvorstellungen widmet und fanatisch nach der Ursache des Bebens sucht. Der Sohn Ford (Aaron Taylor-Johnson) zieht nach erlangter Volljährigkeit in die USA, gründet dort eine eigene Familie mit seiner Frau Elle (Elizabeth Olsen) und arbeitet als Bombenspezialist beim US-Militär. Doch eines Tages deutet sich eine Wiederholung des Bebens von vor vielen Jahren an und Joe begibt sich gemeinsam mit seinem Sohn in das Quarantänegebiet, um Aufzeichnungen aus dem alten Wohnhaus zu besorgen. Dort müssen sie feststellen, dass weit mehr hinter den Vorfällen steckt und schon bald bekommt es nicht nur Japan mit zerstörungswütigen Riesenkreaturen zu tun.

Das sich anbahnende Familiendrama weicht relativ schnell einer Abfolge von Zerstörungsszenen und einem sich anbahnenden Finalkampf zwischen Godzilla und seinem Widersacher Muto. Hierbei erscheint es ziemlich verwunderlich, dass die Geschichte des titelgebenden Monsters eigentlich eher in den Hintergrund rückt und die Entstehungsgeschichte seines Widersachers im Fokus steht. Das ist ein Umstand, dessen man sich unbedingt bewusst sein sollte, da man sonst weniger Godzilla bekommt, als vielleicht erwartet. Die Story ist allgemein nicht unbedingt ein Oscarkandidat und es gibt durchaus ein paar Ungereimtheiten und etwas an den Haaren herbeigezogene Begründungen. Die Frage „Was zum Teufel macht das Militär da den ganzen Film über eigentlich?“ ist durchaus berechtigt. Der Charakter Dr. Serizawa (Ken Watanabe), übrigens eine nette Homage an den Originalfilm, dient eigentlich nur der Erklärung der Ursprünge der Kreaturen, und der Brody-Sohn Ford, der menschliche Protagonist des Films, ist eine relativ eindimensionale Soldatenfigur, die ihre Familie retten will. Mit zunehmender Laufzeit geraten die menschlichen Charaktere allgemein immer mehr in den Hintergrund und nur Ford darf noch aktiv am Geschehen teilnehmen.

Aaron Taylor-Johnson, den meisten wohl als Kick-Ass bekannt, macht seine Sache ganz passabel, wobei seine Rolle allerdings auch nicht die Fordernste ist und als richtige Identifikationsfigur will er leider nicht so recht funktionieren. Herausstechen tut eindeutig Bryan Cranston, der es schafft, gerade dem Anfang des Films eine emotionale Seite zu verleihen. Leider macht seine Rolle insgesamt keinen großen Anteil am Film aus. Ken Watanabe darf eigentlich nur wissenschaftliche Erklärungen von sich geben und die Rolle von Elizabeth Olsen ist so klein, dass man eigentlich nicht näher auf sie eingehen muss.

Das war es an Kritikpunkten, die man objektiv gesehen schlicht nicht schön reden kann. Sauer aufgestoßen ist vielen zudem der Regiestil von Edwards, der sich nahtlos an sein Erstlingswerk Monsters reiht und dessen Fokus auf die Charaktere sich aufgrund der Drehbuchschwächen nicht unbedingt rechtfertigen lässt. Zudem werden Monsterkämpfe zweimal dramaturgisch groß angekündigt und wenn es dann zum Kampf kommt, wird einfach weggeschnitten. Der Regiestil ist der große Knackpunkt, der schlicht einen Meinungsspalter darstellt. Und genau hier hat mich der Film so stark überzeugt, dass die Kritikpunkte fast alle in den Hintergrund rücken. Man bekommt die Monster immer häppchenweise zu sehen und sieht sie meist nur ausschnittsweise oder im Dunkeln, oft aus Perspektiven von am Boden laufenden Zivilisten, und wird auf diese Weise von der Größe der Kreaturen gerade zu überwältigt. Bei diversen Szenen (z.B. Muto am Fluss, Godzillas Angriff auf die Brücke) ist mir ohne Witz die Kinnlade heruntergeklappt, so überwältigt war ich von den Auftritten der Ungeheuer, und sowas ist mir bei CGI-Effektszenen noch nie passiert. Hätte man mit der Kamera die ganze Zeit voll auf die Monster draufgehalten, wär diese Wirkung niemals zustande gekommen. Der Film spielt meistens bei Nacht, erzeugt dabei aber eine unglaubliche Atmosphäre. Bezüglich der Monsterkämpfe wird man immer wieder hingehalten und auch ich bekam ein „Was soll das denn?“-Gefühl. Umso eindringlicher empfand ich dadurch allerdings den Schlusskampf, weshalb diese Taktik meiner Meinung nach komplett aufgegangen ist. Genau dieser Schlusskampf stellt das wohl Epischste dar, das ich je auf der Leinwand zu Gesicht bekommen habe (und ich habe schon wirklich viel gesehen). Godzilla hat deutlich weniger Screentime als die Mutos, was der Handlung geschuldet ist. Die Mutos fand ich aber ebenso beeindruckend, und diese sieht man am laufenden Band irgendetwas zerstören. Wer sich also damit abfindet, dass Godzilla nicht im Fokus steht, bekommt dennoch allerlei unterhaltsame Monsterszenen.

Ein großes Lob geht zudem an den Score von Alexandre Desplat, welcher die düstere Atmosphäre des Films perfekt einfängt und gerade in der Titelsequenz richtig Gänsehaut hervorruft. Die Musik erreicht nicht ganz den Ohrwurmcharakter der Kompositionen der früheren Godzillafilme von Akira Ifukube, passt in diesen Film aber wie die Faust aufs Auge.

Fazit:
Godzilla ist kein Charakterfilm und ganz sicher keine Drehbuchglanzleistung. Der Fokus liegt auch nicht unbedingt auf den Monsterkämpfen, sondern auf einer finsteren Endzeitatmosphäre. Das, was man aber von Kreaturen zu sehen bekommt, wird auf einem so hohen Level gezeigt, wie es noch bei keinem dieser Filme der Fall war. Godzilla hat klare Schwächen, doch er verkommt nicht als weitere reine Transformers-CGI-Orgie und erzeugt seine Bildgewalt durch eine wirklich gelungene Regie, tolle Kameraarbeit und einen wunderbar passenden Score. Es gibt schlicht keinen Film, wo Riesenmonster imposanter in Szene gesetzt wurden als hier. Wie stark man nun die Gewichtung vornimmt und ob einem der Regiestil zusagt, ist schlicht Geschmackssache. Mit einem besser ausgearbeiteten Skript und einem etwas sympathischeren menschlichen Hauptdarsteller, könnte die bereits angekündigte Fortsetzung aber ein wahres Meisterwerk werden.

GANZ WICHTIG:
Wer der Film zuhause auf seinem kleinen Rechnermonitor oder auf einem Mini-TV und nur über die eingebauten Boxen guckt und hört, kann es sich eigentlich sparen, Godzilla überhaupt zu gucken. Godzilla ist fürs Kino gemacht und sollte zuhause auch mit großem Fernseher und Surroundanlage konsumiert werden, sonst verliert der Film seine Wirkung und seine Schwächen rücken zu stark in den Vordergrund.

8,5/10 (inkl. Riesenmonsterfanbonus und ohne 3D-Wertung)
7,5/10 (ohne Fanbonus und ohne 3D)

Einen kleinen Wehmutstropfen stellt leider das 3D-Bild dar. Der Film wurde nachträglich konvertiert und das fällt das eine oder andere Mal auf. Pop-Outs gibt es keine, was mich persönlich nicht stört, aber auch eine richtige Plastizität sucht man vergebens. Kleine Spielereien, die wahrscheinlich für 2D konzipiert waren, funktionieren allerdings auch oder gerade in 3D gut und z.B. der aus dem Teaser bekannte HALO-Jump, der direkt an Godzilla vorbeiführt und am Ende aus der Ich-Perspektive gezeigt wird, bekommt durch das 3D einen merklichen Mehrwert. Insgesamt betrachtet kann man Godzilla allerdings, ohne groß an Schauwerten zu verlieren, auch in 2D schauen und sich den Aufpreis sparen.

7/10 (inkl. 3D-Wertung und ohne Fanbonus)

Noch kurz zur Blu-ray:
So imposant wie im Kino kommt der Film natürlich nicht rüber, aber selbst hier wirkt der Sound mehr als beeindruckend. Aufgrund der oftmals vorherrschenden Dunkelheit des Films kommt man um das Verdunkeln des Raumes nicht herum (wer einen Kinofilm zuhause gucken will, muss in Kauf nehmen, auch mal für Kinoverhältnisse zu sorgen).
Enttäuschend ist leider die Bonussektion. Keiner der Trailer des Films ist enthalten, obwohl diese viele exklusive (teils Monster-)Szenen enthalten. Ein Audiokommentar fehlt und ganze besonders: Die Deleted Scenes! Dass es diverse ungenutzte Szenen gibt (z.B. ein Cameo eines Toho-Darstellers), war bereits bekannt und so bekommt man das Gefühl, dass man später noch einmal für eine Extended-Fassung zur Kasse gebeten werden könnte. Das Steelbook ist allerdings wirklich chic geraten und hat ein tolles exklusives Motiv zu bieten.

Zur Figur:
Ja, 129€ sind viel Geld, vielleicht auch etwas zu viel. Dennoch ist die 30cm-Figur einfach nur der Wahnsinn. Diese wirklich hochwertige und detaillierte Statue dürfte jede Filmsammlung optisch einiges aufwerten.


Sabotage - Uncut [Blu-ray]
Sabotage - Uncut [Blu-ray]
DVD ~ Arnold Schwarzenegger
Preis: EUR 9,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Leider kein zweiter End of Watch und auch kein richtiger "Arnie-Actioner", 8. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Sabotage - Uncut [Blu-ray] (Blu-ray)
David Ayer lieferte 2012 mit seiner dritten Regiearbeit End of Watch einen innovativen Actionfilm mit dokumentarischem Flair und verrückten Kameraperspektiven ab und setzt die Messlatte für sein nächstes Projekt relativ hoch an. Auch Arnold Schwarzenegger durfte in The Last Stand nochmals unter Beweis stellen, dass er auch in hohem Alter noch für ein paar Faustkämpfe und One-Liner zu haben ist und dabei immer noch eine gute Figur macht.

In Sabotage dürfen die beiden nun auch zusammen arbeiten und präsentieren uns die Geschichte einer Sondereinheit des US-Drogendezernates unter der Leitung von John „Breacher” Wharton (Schwarzenegger), die bei einer Razzia eine nicht zu verachtende Menge Geld in die eigene Tasche steckt und das dummerweise nicht ganz geheim halten kann. Nicht nur, dass sich die Einheit auflöst, auch das erbeutete Geld verschwindet spurlos. Nach längerer Inaktivität und gegenseitigem Misstrauen, schafft es die Truppe doch noch, sich wieder zusammenzuraufen und wieder miteinander zu arbeiten. Doch auf einmal scheint jemand systematisch Jagd auf die Einheit zu machen und einer nach dem anderen segnet das Zeitliche. Die Verbliebenen holen zum Gegenschlag aus und begeben sich (mehr oder weniger) zusammen mit einer FBI-Agentin (Olivia Williams) auf die Suche nach dem Übeltäter.

Leider erfüllt Sabotage weder die Anforderungen, die aufgrund Ayers vorigem Werk entstehen, noch die eines “Arnie-Actionfilmes“. Auf optische Experimente wird komplett verzichtet und in seiner Machart ist der Film relativ ordinär ausgefallen. Das ist für sich betrachtet natürlich nichts unbedingt Schlimmes, im Vergleich zu seinem Vorgänger aber schon verwunderlich. Leider versagt die Regie an so mancher Stelle und es kommt zu einer deplatzierten, wie aus dem Nichts entstehenden und äußerst hölzern erscheinenden Liebesgeschichte, gerade zum Schluss hin unrealistischen Verfolgungsjagden, wo die Physik scheinbar einfach außen vor gelassen wurde, und einer völlig unnötigen Actionszene am Ende, die man komplett hätte streichen können, da die Geschichte eigentlich schon zu Ende erzählt ist. Auch scheint man nicht so recht gewusst zu haben, in welche Genrerichtung der Film nun eigentlich verlaufen soll. Die Actionszenen können sich wirklich sehen lassen und kommen schön roh rüber. Diese sind auf die Laufzeit aber nur sporadisch verteilt und zwischen Ihnen konzentriert man sich mehr auf die Ermittlungen des FBI bzw. der Soldaten. Immer wenn wieder eine neue Leiche entdeckt wird, geizt Sabotage auch nicht mit unerwartet brutal verstümmelten Körpern und hat durchaus die eine oder andere überraschte Reaktion sicher. Hier zeigt der Film dann auch seine Stärken, denn besagte Szenen sind mal schön atmosphärisch und spannend umgesetzt in einem verlassenen Haus bei Nacht angesiedelt oder es wird mit einer geschickten Montage der Bilder gespielt, die verschiedene Zeitebenen verschwimmen lässt. Eine Mischung aus Krimi und Actionfilm hätte wirklich eine interessante Genrekreuzung werden können. Leider aber schafft es der Film in seinen Ermittlungspassagen nicht, ein wirklich spannendes „Wer ist der Täter“-Spiel auf die Beine zu stellen. So dümpelt Sabotage von Zeit zu Zeit leider etwas zu sehr vor sich hin und man wartet eigentlich nur auf die nächste Schießerei oder entdeckte Leiche.

Die schauspielerischen Leistungen sind eigentlich durchweg solide. Gerade Sam Worthington verblüfft durch sein Auftreten mit Glatze und langem Bart und seine Darbietung hat mich im Vergleich zu früheren Filmen sogar positiv überrascht. Jetzt kommt aber das große Problem, und das ist Schwarzenegger! Ein wirklich guter Schauspieler war er nie und sein Akzent ist eher erheiternd denn ernstzunehmend. Als Killerroboter oder in humorvollen Actionfilmen mag das noch in Ordnung gehen oder sogar zur Unterhaltung beitragen, in einem ernsten Action(krimi) wirkt das allerdings total deplatziert und führt zu unfreiwillig komischen Szenen. Ich frage mich ehrlich, warum man hier nicht einen anderen Darsteller besetzt hat.

Sabotage ist leider nicht die erhoffte Steigerung zu End of Watch geworden, ja sogar ein deutlicher Rückschritt. Als Arnie-Actioner funktioniert das Ganze auch nicht, wobei der Film in die Richtung auch gar nicht konzipiert ist. Schwarzenegger ist zwar eine Fehlbesetzung und die Mischung aus Actionfilm und Krimithriller mag auch nicht so recht gelingen, aber dennoch macht der Rest der Cast einen guten Job, die (wenn auch rar gesäten und nicht immer realistischen) Actionszenen sind solide inszeniert und so manche Gore-Einlage kommt wirklich hart daher und verfehlt ihre Wirkung nicht. Eine richtige Empfehlung lässt sich aber nicht aussprechen.

5,5/10

[Ich bitte darum, nicht einfach nur auf "nicht hilfreich" zu klicken, sondern im Kommentarbereich auch anzumerken, was Ihnen an meiner Kritik nicht gefallen hat. Nur so kann ich mich als Rezensent verbessern. Wenn Sie einfach nur anderer Meinung über den Film sind, freue ich mich auch auf eine Disskusion (in angemessenem Tonfall). Ich appeliere auch an Ihre Fairness, dass Sie die "nicht hilfreich"-Funktion nicht missbrauchen, nur weil Sie eine andere Meinung haben. Dafür ist diese Funktion nicht gedacht.]


Jack Ryan: Shadow Recruit [Blu-ray]
Jack Ryan: Shadow Recruit [Blu-ray]
DVD ~ Chris Pine
Preis: EUR 7,99

86 von 105 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Durchschnittlicher Action-Thriller ohne Tiefgang, 15. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Jack Ryan: Shadow Recruit [Blu-ray] (Blu-ray)
Mit Shadow Recruit bekommt die Filmreihe um Jack Ryan (enthält u.a. The Hunt for Red October) ein weiteres Reboot und gleichzeitig den ersten Eintrag, der nicht auf einem Roman von Tom Clancy basiert.

Jack Ryan (Chris Pine) muss nach einem fatalen Angriff auf seinen Helikopter das Militär verlassen und eine längere Therapie durchstehen, um überhaupt wieder richtig laufen zu lernen, wobei er sich in seine Therapeutin Cathy (Keira Knightley) verliebt. Kurz vor Ende der Therapie bekommt er jedoch Besuch von William Harper (Kevin Costner), der ihm das Angebot unterbreitet, während er parallel an der Wall Street arbeitet, verdeckt für die CIA tätig zu sein und auffällige Ungereimtheiten in der Finanzwelt zu melden. Da er seine Nebentätigkeit vor seiner Mittlerweile-Freundin Cathy geheim halten muss, wird diese immer misstrauischer und es kriselt in der Beziehung. Nicht gerade hilfreich ist es da, dass Jack allein nach Moskau reisen muss, um Informationen über den russischen Geschäftspartner der USA Viktor Stazov (Kenneth Branagh) zu besorgen, der scheinbar schwerwiegende Geheimnisse zu hüten scheint. Nicht nur, dass Jack in Moskau knapp einem Mordanschlag entgeht und seine Freundin dort unverhofft auftaucht, auch stellen sich die Pläne von Stazov als weit verheerender heraus als ursprünglich gedacht und es liegt an Jack, die USA vor einer großen Katastrophe zu bewahren.

Jack Ryan: Shadow Recruit setzt die komplette Filmreihe wieder auf null, es sind also keine Vorkenntnisse nötig, um der Handlung zu folgen. Lässt man die vorigen Filme außer Acht und betrachtet Shadow Recruit als eigenständigen Film, so lässt er sich trotzdem nur als mittelmäßig bezeichnen. Das liegt weder an den Darstellern, noch an der Inszenierung der Actionszenen, sondern ganz allein am Drehbuch. Die Geschichte, die Shadow Recruit zu bieten hat, bietet einfach keine Überraschungen, keinerlei Plottwists und ist die meiste Zeit relativ vorhersehbar. Wirklich schade ist das, zumal der erste Angriff in Moskau ziemlich unverhofft eintritt und es durchaus Potenzial gehabt hätte, wäre Jack in einem Land, dessen Sprache er nicht spricht, auf sich allein gestellt gewesen, permanent verfolgt und gleichzeitig mit der Pflicht beglückt, einem reichen Finanzboss das Handwerk zu legen. Das hätte das Rad auch nicht neu erfunden, wäre aber zumindest einigermaßen spannend geworden. Leider trifft Jack ziemlich bald wieder auf Mitglieder der CIA und man schmiedet Pläne, um den russischen Boss auszutricksen. Das Ganze wird zwar nicht langatmig erzählt, entwickelt sich aber auch nie zu einer wirklich spannenden Handlung. Zudem überschlagen sich die Ereignisse zum Ende hin etwas zu sehr und es bedurfte einer unrealistisch langen Reihe an brillanten Einfällen seitens der Charaktere, um die Handlung irgendwie zum Abschluss zu bringen. Auch wirkt das Skript als hätte man versucht, ohne großen Aufwand schnell eine Filmreihe ala James Bond zu starten. Anders kann ich mir die Textzeile „Mein Name ist Ryan, Jack Ryan“ nicht erklären (dieser Satz kommt wirklich im Film vor).

Kenneth Branagh (nicht nur Antagonist, sondern auch Regisseur des Films) holt aus der eher dürftigen Story zumindest noch das Beste raus, sodass die eher thrillerlastige erste Hälfte und auch die actionlastigere zweite Hälfte des Films zumindest unterhaltsam bleiben und man nicht das Bedürfnis verspürt, das Kino verlassen zu müssen. Die Actionszenen sind rasant und wuchtig inszeniert und Chris Pine, der jedem seit den Star Trek-Reboots ein Begriff sein sollte, liefert eine solide darstellerische Leistung ab, sodass man ihm dann doch gerne bis zu den Endcredits auf seinem Weg begleitet. Branagh spielt zwar nicht den furchteinflößendsten Bilderbuchbösewicht, weiß aber seinem Charakter eine unangenehme Note zu verleihen. Man sollte sich aber darauf einstellen, dass man die im Trailer versprochene Action erst nach einer Weile geliefert bekommt.

Ein Vergleich zu früheren Jack Ryan-Filmen wurde bewusst ausgelassen, da mir die vorigen Verfilmungen nicht bekannt sind. Fans von Tom Clancy könnten sich daher an diesem Film erheblich stärker stören als ich.

Alles in allem:
Überraschungsarme aber solide inszenierte 08/15-Story, dessen Umsetzung zumindest nicht langweilig wird. Eigentlich ist dieser Film perfekt geeignet für eine 20:15Uhr-Vorstellung auf den privaten Sendern, wo man dann auch nicht wütend den Fernseher beschimpft, sobald wieder stümperhaft platzierte Werbeblöcke auftreten. Jack Ryan Shadow Recruit ist definitiv kein Film, den man gesehen haben muss, aber auch keiner, den man unbedingt bereut gesehen zu haben.

5,5/10

[Ich bitte darum, nicht einfach nur auf "nicht hilfreich" zu klicken, sondern im Kommentarbereich auch anzumerken, was Ihnen an meiner Kritik nicht gefallen hat. Nur so kann ich mich als Rezensent verbessern. Wenn Sie einfach nur anderer Meinung über den Film sind, freue ich mich auch auf eine Disskusion (in angemessenem Tonfall). Ich appeliere auch an Ihre Fairness, dass Sie die "nicht hilfreich"-Funktion nicht missbrauchen, nur weil Sie eine andere Meinung haben. Dafür ist diese Funktion nicht gedacht.]
Kommentar Kommentare (8) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Aug 7, 2014 8:12 PM MEST


A Long Way Down [Blu-ray]
A Long Way Down [Blu-ray]
DVD ~ Tuppence Middleton
Preis: EUR 8,99

28 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Einfühlsame Tragikomödie mit tollen Charakteren, 5. April 2014
Rezension bezieht sich auf: A Long Way Down [Blu-ray] (Blu-ray)
A Long Way Down von Pascal Chaumell, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Nick Hornby, erzählt von dem Zusammentreffen vierer Personen, die sich zufällig alle zeitgleich vom selben Gebäude stürzen wollen, um ihren Leben ein Ende zu setzen. Irgendwie traut sich dann aber doch keiner in Anwesenheit der anderen, Selbstmord zu begehen und so verlässt die aus einem gescheiterten Showmaster (Pierce Brosnan), einem erfolglosen Musiker (Aaron Paul), einer überforderten Mutter (Toni Collette) und einem psychisch labilen Teenie-Mädchen (Imogen Poots) bestehende Gruppe, die Selbstmordgedanken zumindest für wenige Wochen bis zum Valentinstag zurückzuhalten, damit sich jeder wohl überlegen kann, ob er sein Leben wirklich beenden möchte. Da alle vier kein wirklich gefestigtes soziales Umfeld besitzen und sich mit ihren Problemen nicht länger allein fühlen wollen, wächst die Gruppe immer mehr zusammen und es entsteht eine enge Freundschaft zwischen den Vier. Abschnittsweise wird zu jeder der Personen ihr Leben näher beleuchtet und die Hintergründe für den Selbstmordwunsch dargelegt.

Das Ganze wird in einem ruhigen, aber nicht zu langsamen Tempo erzählt und schafft es immer wieder, interessante Puzzlestücke preiszugeben, die dabei helfen, die Charaktere mehr und mehr zu erschließen und ihre Beweggründe nachzuvollziehen. A Long Way Down greift dabei viele verschiedene Lebenshürden wie die Pflege einer behinderten Person, Krebs, karriereruinierende Gerüchte, Erfolglosigkeit oder Einsamkeit auf. Im Verlauf des Films kommt noch eine der wohl kompliziertesten psychischen Krankheiten hinzu und obwohl diese Aufzählung extrem negativ klingt, so wirkt der Film an sich alles andere als negativ. Immer wieder wird die Trübsal durch schwarzen britischen Humor aufgelockert, der wiederum so dezent bleibt, dass der Film nicht an Ernsthaftigkeit verliert. Die Charaktere sind wirklich sympathisch ausgefallen und man freut sich mit ihnen, wenn die Gruppe immer weiter zusammen wächst und endlich wieder Freude in das Leben der Vier gelangt. Es kommt zwar immer wieder zu Rückschlägen, aber am Ende kommt man mit einem angenehmen Gefühl aus dem Kino. A Long Way Down wird nie zu einem besonders bedrückenden Drama oder zu einer Kracherkomodie mit Gags am Fließband, sondern macht eine angenehme Gradwanderung, die von den Schattenseiten des Lebens berichtet, aber ebenso die schönen Seiten nicht außer Acht lässt.

Wer Fan des britischen Humors ist, der bekommt durchaus einiges zu Schmunzeln. Großes Lob geht hier an Imogen Poots, die in ihrer Rolle als freches junges Mädchen vollends aufgeht und einen zynischen und bissigen Kommentar nach dem anderen abgibt. Auch der Rest der Darstellerriege lässt sich sehen. Der aus der Serie Breaking Bad bekannte Aaron Paul zeigt, dass er auch das Talent zum Filmschauspieler hat und erzeugt mit dem routiniert gut spielenden Pierce Brosnan und der überzeugend traurig und schüchtern dreinblickenden Toni Collette ein stimmiges Gesamtbild.

Groß zu bemängeln gibt es an diesem Film eigentlich nichts. Dennoch fehlt das gewisse Etwas, das A Long Way Down zu etwas Besonderem machen würde. Die Machart ist relativ gewöhnlich, traut sich nicht viel. Der Film ist zwar wirklich schön, wiederum aber auch nicht so emotional, dass man richtig mit den Figuren mittrauert oder in Freudentränen ausbricht. Das versucht der Film aber auch gar nicht, er möchte den Zuschauer einfach nur mit einem lebensbejahenden guten Gefühl nach Hause schicken.

Es bleibt also ein wunderbar gefühlvoll erzähltes Filmwerk, das interessante Charaktere und tolle Darsteller zu bieten hat und seine teilweise betrübenden Inhalte durch passenden Humor auflockert. A Long Way Down ist kein herausragendes Meisterwerk, aber insgesamt auf jeden Fall ein positives filmisches Erlebnis geworden, das einem in deprimierter Gemütslage die Stimmung wieder auf Trab bringen kann.

8/10
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Apr 11, 2014 2:23 PM MEST


We Love You (Deluxe Edition)
We Love You (Deluxe Edition)
Preis: EUR 18,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Erfrischend anders, abwechslungsreich, aber erst nach mehrmaligem Hören richtig zugänglich, 22. März 2014
Rezension bezieht sich auf: We Love You (Deluxe Edition) (Audio CD)
[Manche Songtitel mussten zensiert werden, da die Rezension sonst im Amazonfilter hängen bleibt.]

Schon letztes Jahr bekam der geneigte Combichristfan bereits einen Vorgeschmack auf das neue Album in Form des Songs From My Cold Dead Hands. Bereits hier waren die Meinungen gespalten, ich für meinen Teil fand das Lied beim ersten Hören etwas ungewohnt, aber schon beim zweiten Durchlauf einfach nur grandios. Combichrist haben hier gezeigt, wie man leichte Dubstep-Einflüsse in seiner Musik verarbeiten kann, ohne dabei wie jeder x-beliebige Interpret zu klingen und haben einen kraftvollen, innovativen und ohrwurmtauglichen Monstertrack auf die Beine gestellt.

Besonders gespannt war ich demzufolge lange Zeit auf das komplette Werk und gerade die Frage nach der stilistischen Ausrichtung ist nicht von unerheblicher Wichtigkeit. Für Feinde des DmC-Soundtracks lässt sich leider keine Entwarnung geben: In mehreren Liedern herrschen dominante Gitarren vor und ein Track geht sogar fast gänzlich in Richtung Hardcore. Ebenso präsent sind allerdings die elektronischen Parts, die einerseits an frühere Alben erinnern, andererseits aber auch komplett neue Wege gehen. Eine CD, die fast komplett nach From My… klingt, darf man nicht erwarten. Das Ergebnis ist aber ein äußerst abwechslungsreiches Album, das sich nicht wirklich in ein Musikgenre einordnen lässt. Nach dem ersten Hördurchgang hatte das Album überhaupt nicht bei mir gezündet, da man nie so recht weiß, was man von den Liedern erwarten darf und oftmals bekommt man nicht das, was sich in dem Moment gewünscht hätte. Mit der Zeit weiß man aber, mit was man es zu tun hat und kann sich besser auf die Lieder einlassen, auf die jetzt noch einzeln eingegangen werden soll.

Den Auftakt liefert We Were Made to Love You, eine stark metallastige Nummer, die ziemlich chaotisch und uneingängig daherkommt und mehr als Einleitung denn als eigenständiger Song konzipiert ist. Nach einer Weile hat mir aber auch dieser Track gefallen. Every Day Is War erinnert stark an frühere Stücke wie What the F*** Is Wrong With You, kommt was die Melodieführung betrifft aber etwas, sagen wir „fröhlicher“ daher und wird durch Gitarren begleitet. Eingängiger, gut tanzbarer Track. Can’t Control ist ein kleines, nicht ganz so aggressives, mehr an einen Gamesoundtrack erinnerndes und rein elektronisches Musikexperiment, auf das man sich erst einlassen muss, das sich dann aber richtig entfaltet und Combichrist von einer neuen Seite zeigt, sehr zu empfehlen! Satans Propaganda ist eine witzige kurzweilige Mischung aus Aggrotech und Metal-Breakdowns, die u.a. zu der nicht vorhandenen Möglichkeit der Genreeinordung dieses Albums beiträgt. Maggots at the Party setzt daraufhin auf groovige Gitarrenriffs und einen eingängigen Chorus. Eigentlich ist dieser Track rundum gelungen, leider empfinde ich Andys Gesang im Chorus irgendwie als etwas deplatziert wirkend, schade, aber ansonsten trotzdem wirklich guter Song. Denial ist etwas langsamer und zu Beginn ruhiger und unspektakulärer, überzeugt dann aber durch einen wirklich gelungenen Refrain und steigert sich mit der Laufzeit. The Evil in Me ist so eine Sache. Mir persönlich gefällt Andys Akzent in seinen Balladenliedern nicht sonderlich. Der Schluss ist aber schön atmosphärisch geworden. F*** Unicorns ist wirklich ein ungewöhnlicher Song geworden, irgendwie eine kryptische Tanznummer, was gänzlich neues von Combichrist, interessant anzuhören, wird aber nicht jedem gefallen. Love Is a Razorblade ist die zuvor genannte Hardcorenummer. Hier wird ohne große Elektronikparts durch die Laufzeit gebrettert. Sonderlich innovativ ist der Song nicht, aber als Einzelstück zur Abwechslung zwischendurch finde ich das wirklich gelungen. From My Cold Dead Hands ist wie vorher schon angemerkt ein absoluter Oberkracher. We Rule the World, Motherf***ers ist ein gelungener atmosphärischer EBM-Song, der wieder an frühere Tage erinnern. Retreat Hell Part 1 fällt leider zu belanglos aus und der Refrain ist verdammt schief gesungen, der einzige richtige Ausfall auf dem Album. Part 2 geht zwar über acht Minuten, ist aber eigentlich nur ein ruhiges Outro, das nach dreieinhalb Minuten keine richtige Musik mehr enthält.

We Love You muss man unbedingt mehrere Chancen geben, dann erwartet einen eine wirklich innovative Genremixtur. Beinhartfans der alten Alben werden wohl Ihre Probleme mit dieser CD haben, aber wer sich für eine vielfältige Verbindung aus diversen elektronische Genres, Brüllgesang und Gitarren interessiert, sollte sich unbedingt näher mit diesem Album beschäftigen. Es ist nicht jedes Lied ein richtiger Volltreffer, aber in seiner Gesamtheit weiß es auf jeden Fall zu überzeugen und nur zum Ende hin gibt es ein Lied, das nicht als gelungen zu bezeichnen ist. Die Band hat sich definitiv in eine interessante und eigene Richtung weiterentwickelt und liefert ihr bisher anspruchsvollstes und meines Erachtens auch bestes Werk ab.

8,5/10

Anspieltipps: Every Day Is War, Can’t Control, Satans Propaganda, Maggots at the Party, From My Cold Dead Hands, We Rule the World, Motherf***ers

Noch kurz zur Darkside-CD namens The Art of Riots:
Hier sind wieder die typischen Musikexperimente von Andy enthalten, wie man sie aus den früheren Deluxe Editions kennt. Meinen Geschmack treffen sie nicht unbedingt, aber wer die früheren Darksides kennt und sich diese Edition holt, wird wissen, was ihn erwartet, und somit werde ich sie auch nicht negativ in die Albumwertung miteinrechnen. Hervorzuheben seien aber die Tracks Confrontation und Norwega.


Lone Survivor [Blu-ray]
Lone Survivor [Blu-ray]
DVD ~ Mark Wahlberg
Preis: EUR 9,99

16 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Abwechslungsarmer Actionfilm getarnt als Kriegsfilm, 20. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Lone Survivor [Blu-ray] (Blu-ray)
Lone Survivor von Peter Berg (berühmt berüchtigt für seinen intellektuell besonders herausfordernden Battleship) ist eine Verfilmung der Ereignisse, die unter dem Namen Operation Red Wings während des Afghanistankrieges vorgefallen sind, dessen einziger Überlebender Marcus Luttrell das Erlebte schriftlich veröffentlichte.

Ziel der Operation war die Ausschaltung eines einflussreichen Guerillaanführers. Vier Soldaten werden in sicherer Entfernung mittels Helikopter abgesetzt und rücken in Richtung des Terroristenlagers vor, das mitten in einer hügeligen Einöde Afghanistans liegt. Dummerweise werden sie von Ziegenhirten entdeckt. Diese können zwar überwältigt werden, nur ist man sich uneinig, wie man weiter mit ihnen verfahren soll. Der Trupp entscheidet sich gegen die Hinrichtung der Menschen und lässt sie frei, bricht die Mission ab und macht sich auf den Rückweg. Leider reicht der Vorsprung nicht aus. Schon bald werden die Soldaten von unzähligen Guerillakriegern eingeholt und sie geraten in einen regelrechten Kleinkrieg.

Und dann geht das große Schießen los. Während der erste Akt des Films die typischen Operationsplanungen zeigt, so besteht fast der komplette zweite Akt aus einer überlangen ausgewalzten Actionszene. Was anfangs noch wirklich spannend und atmosphärisch anfängt, wirkt nach gewisser Zeit einfach nur ermüdend. Es wird geschossen, geschossen, Deckung gesucht, geschossen, geschossen, der erste Soldat getroffen, geschossen, der erste Soldat sterbend in langer Zeitlupe gezeigt, geschossen, in übertriebener Zeitlupe einen Hang heruntergesprungen, geschossen, Deckung gesucht, geschossen, völlig deplatziert wirkender Oneliner zum Besten gegeben, geschossen, die Zeitlupe des nächsten blutigen Todes gezeigt, und so weiter und so weiter. Eigentlich sollte man schon tot sein, aber das Gewehr kann man trotzdem noch ein weiteres Mal heldenhaft den Feinden entgegenrichten und mit erstaunlicher Präzision abfeuern. Ich selbst war nie im Krieg, ich habe keine medizinischen Arbeiten über die Belastbarkeit des menschlichen Körpers gelesen, aber was die Soldaten da teilweise an Kugeln einstecken können und wie effektiv sie trotzdem noch weiterkämpfen können, wirkt doch arg übertrieben. Irgendwie bleibt der Realismus ein wenig zu sehr auf der Strecke und man bekommt bis zum Ende des zweiten Aktes einen abwechslungsarmen Dauerkugelwechsel serviert. Die diversen überspitzenden Kameraeinstellungen wirken, als wolle man dem Zusschauer explizit sagen: Jetzt musst du dich betroffen fühlen. Und so etwas bewirkt bei mir dann genau das Gegenteil und es ödet mich an. Hier fehlt es definitiv an inszenatorischem Feingefühl.

In so manchem Popkornkinofilm kann Daueraction durchaus noch unterhaltsam sein (siehe The Raid), Lone Survivor will allerdings ein ernster und seriöser Kriegs(-Action)film sein. Den Taten der realen Soldaten in allen Ehren, aber bei Lone Survivor wird man das Gefühl nicht los, einen Werbefilm zu sehen, der zeigen soll, wie stark und heldenhaft doch die Soldaten der Vereinigten Staaten sind. Auch die überlange Huldigung am Ende verstärkt den Eindruck, als hätte der Gedanke, den tapferen Soldaten Tribut zu zollen, eher im Vordergrund gestanden, als einen guten Film zu drehen. Inwiefern sich die schriftliche Vorlage von Luttrell an die Realität gehalten hat, ist auch nicht ganz unumstritten. Gerade die Anzahl der Gegner wurde in dem Bericht übertrieben dargestellt, was Nachforschungen herausstellten. Der körperliche Zustand von Luttrell war zudem einiges schlimmer als im Film zu sehen, was zusammen mit der übertrieben großen Gegnerzahl eben ein unrealistisches Gesamtbild abgibt.

Von einem Totalausfall kann man wiederum auch nicht reden. Das liegt auf der einen Seite klar an der wirklich überzeugenden Inszenierung abseits der Slow-Mos und Oneliner. Die Schusstreffer wurden oldschoolig rein mit Bloodpacks umgesetzt, was einiges realistischer aussieht, als so mancher Blutspritzer aus dem Computer. Wenn vereinzelt CGI in dem Film verwendet wurde, so fällt dies kein Bisschen auf und es entsteht ein optisch wirklich stimmiges Gesamtergebnis, das einen nie aus der Filmillusion reißt. Die Actionszenen verfehlen ihre Wirkung nicht und man bekommt fast das Gefühl, mit den Soldaten im Dreck zu liegen und einen aussichtslosen Kampf zu führen (halt nur solange, bis die Kampfszene irgendwann unspektakulär, da zu eintönig, wird). Was auf der anderen Seite wirklich als positiv anzumerken ist, ist ein gewisser Aspekt, den ich hier nicht unbedingt spoilern möchte. Gesagt sei, dass ein gewisser Meinungskontrast innerhalb der muslimischen Kreise aufgezeigt wird, den man nicht sonderlich häufig in dieser Art von Film findet und was Lone Survivor zumindest in dieser Hinsicht eine erfrischende Note verpasst.
Um noch kurz etwas zum Schauspiel zu schreiben: Die Charaktere sind nicht unbedingt besonders interessant gestaltet, halt blasse Soldatenfiguren, und die Darsteller spielen so gut es die Rahmenbedingungen zulassen.

Summa summarun ergibt sich ein handwerklich gut gemachter Film, der einen angenehmen neuen Aspekt ins Kriegsfilmgenre bringt, allerdings die US-Soldaten trotz starker Verwundungen unrealstisch mächtig dargestellt, zu viele Over the Top-Stilmittel verwendet und eindeutig mehr Handlung bzw. Abwechslung in den Actionszenen gut hätte vertragen können. Lone Survivor kann man sich durchaus anschauen, allerdings sollte man nicht allergisch auf übertreibene Inszenierungen reagieren und die Ereignisse nicht unbedingt für bare Münze nehmen

6/10

[Ich bitte darum, nicht einfach nur auf "nicht hilfreich" zu klicken, sondern im Kommentarbereich auch anzumerken, was Ihnen an meiner Kritik nicht gefallen hat. Nur so kann ich mich als Rezensent verbessern. Wenn Sie einfach nur anderer Meinung über den Film sind, freue ich mich auch auf eine Disskusion (in angemessenem Tonfall). Ich appeliere auch an Ihre Fairness, dass Sie die "nicht hilfreich"-Funktion nicht missbrauchen, nur weil Sie eine andere Meinung haben. Dafür ist diese Funktion nicht gedacht.]
Kommentar Kommentare (11) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Nov 18, 2014 12:15 AM CET


Sleepwalker
Sleepwalker
Preis: EUR 18,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überzeugend von vorne bis hinten, 4. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Sleepwalker (Audio CD)
Der musikalische Stil von The Anix lässt sich wohl ungefähr als eine etwas düstere Mischung aus Thirty Seconds to Mars mit ein Bisschen Coldplay (bzgl. der Melodieführung) beschreiben, während der Sänger ein wenig nach Bob Swire von Pendulum klingt (ich hoffe, ich trete mit dem Vergleich niemandem auf den Schlips). Sleepwalker ist bereits das vierte Release der Band, wobei sich die ersten Beiden (An Illusion of Time und Play Dance Repeat) stark in ihrer Tracklist ähneln, Genaueres zu dem Hintergrund weiß ich leider nicht. Ich hatte etwas in Demolition City hineingehört und so richtig wollte die Musik nicht bei mir zünden. Das neueste Werk scheint aber so etwas wie die finale Stilfindung darzustellen, zumal auch Tracks vom Vorgängeralbum neueigespielt wurden.

Ich muss sagen, dass mich Sleepwalker wirklich umgehauen hat und ich kann es ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, dass diese Band noch so unbekannt ist. Natürlich gibt es Qualitätsschwankungen auf dem Album, was das Songwriting angeht, aber es ist kein Song vorhanden, den ich wirklich als Ausfall bezeichnen würde. Interessant ist auch, dass das eine oder andere Lied wirklich den Raumklang (oder zumindest gute Kopfhörer) benötigt, um sich richtig entfalten zu können. Natürlich klingt alles über eine gute Anlage besser, aber gerade bei diesem Album waren besondere Abstriche zu verzeichnen, wenn man es mit schlechteren Kopfhörern auf seinem MP3-Player hört.

Einer dieser Songs ist gleich der Opener Enemys Eyes, eine düstere aber eingängige Rocknummer, die relativ schnell beginnt und im melancholischen Refrain das Tempo herunterbricht. Der Refrain wirkt irgendwie zu leer, sollte das Soundsystem nicht ausreichend sein. Weiter geht es mit dem sehr gut tanzbaren Warning Signs, das schön mit Streichern beginnt und sich als etwas positiver von der Gemütslage her entpuppt, top Song. Cry Little Sister, eine Coverversion des The Lost Boys-Themesongs, fährt dann etwas härteres Gitarrengeschütz auf, bleibt dabei aber immer melodisch und tanzbar und lässt sich nur als wirklich gelungenes Cover bezeichnen. Take My Future ist als einer der schwächsten Songs des Albums zu bezeichnen, die Melodie des Refrains will einfach nicht so richtig zünden. Entschädigt wird man dann allerdings durch den absolut genialen Titeltrack, ein wunderschön verträumt trauriges Lied, das für mich das Highlight des Albums darstellt und dessen Chorus man so schnell nicht mehr aus den Gehörgängen bekommt. Auf hohem Niveau geht es weiter mit Glass, bei dem es wieder etwas härter zur Sache geht und das seinem Vorgänger in fast nichts nachsteht. Resident One ist relativ poppig ausgefallen. Trotzdem ist es als äußerst gelungen zu bezeichnen und bringt mit seinem eher fröhlichen Tanzbeat etwas Abwechslung ins Album. Ob es so klug ist, seinen Song wie eines der bekanntesten Lieder von Linkin Park zu nennen, sei mal dahin gestellt, aber In the End führt das Album gut fort und geht etwas in die Richtung von Glass, wenn auch nicht ganz so hart bzgl. der Gitarrenarbeit. Endlessly ist wieder langsamer ausgefallen und fällt leider qualitätsmäßig etwas ab. Es ist definitiv kein schlechter Song, aber auch hier kann einen der Chorus nicht so recht aus den Socken hauen. Die vom Tempo her eher gemäßigten Lieder Long Way out und In the Dark sind zwar keine Offenbarungen, aber durchaus solide, gut hörbare Songs. Zum Schluss kommt mit The Passenger der Hauptgrund, warum ich das Thema Soundsysteme angesprochen habe. Während das Lied auf schlechten Kopfhörern eher enttäuscht, so entwickelt es sich bei guten Lautsprechern zu einem richtig atmosphärischen Stück Musik, bei dem ich immer wieder Gänsehaut bekomme.

Das war es mit dem Hauptalbum, aber da die Bonus-CD nicht Teil einer Special Edition, sondern Bestandteil des normalen Releases ist, kann man deren Stärken durchaus zur Albumwertung dazurechnen. Das The Cure-Cover Burn (eventuell bekannt aus dem The Crow-OST) stellt sich nämlich als ein weiteres Highlight der Veröffentlichung heraus und weiß gerade im Refrain sogar mehr als das Original zu überzeugen. Die Remixe sind insgesamt eigentlich nur eine nette Dreingabe. Hervorzuheben sind aber der Tommie Sunshine Remix von Glass, der dem Song in eine elektronische Tanznummer verwandelt und ihm eine ganz andere Wirkung verleiht, der Powerman 5000 Remix von Enemys Eyes, der aus dem Song eine Metalnummer macht, und der wahrscheinlich vielen bekannte Invader! Remix von Sleepwalker. Der Invader! Remix ist im Groben eine interessante Alternative zum eh schon grandiosen Original, nur die deplatziert wirkenden “Dubstep-Schredder-Parts“ hätten nicht unbedingt sein müssen. Der Rest der CD ist nettes aber nicht unbedingt nötiges Beiwerk.

Fazit:
Sleepwalker ist ein durchweg mehr als nur überzeugendes Album geworden, das eine ganze Reihe von Songs mit Ohrwurmcharakter und eigentlich keine richtigen Ausfälle vorzuweisen hat. Um das gesamte Potential der Platte auszuschöpfen, sollte man allerdings auf gute Lautsprecher/Kopfhörer zurückgreifen. Auch die Bonus-CD ist einen Hördurchgang wert und man darf gespannt sein, in welche Richtung sich die Band weiterentwickelt und ob sie noch den Durchbruch schafft. Verdient hätte sie es jedenfalls.

9/10

Anspieltipps:
Warning Signs, Cry Little Sister, Sleepwarker, Glass, Resident One, The Passenger, Burn


Non-Stop [Blu-ray]
Non-Stop [Blu-ray]
DVD ~ Liam Neeson
Preis: EUR 11,99

18 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Kein Non-Stop-Actionfilm, sondern überzeugender Thriller, 4. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Non-Stop [Blu-ray] (Blu-ray)
Jaume Collet-Serra könnte dem Einen oder Anderen vielleicht durch seine Regiearbeit an dem meiner Meinung nach genialen Orphan durchaus ein Begriff sein. Zusammen mit Liam Neeson beglückte er uns bereits 2011 mit Unknown und nun darf das Duo ein weiteres Mal in Non-Stop die Mattscheibe in Beschlag nehmen.

Die Rahmenhandlung ist dabei nicht sonderlich komplex. US-Marshal Bill Marks (Liam Neeson) dient als Sicherheitskraft für eine Fluglinie. Während eines Fluges bekommt er auf einmal eine SMS von einem Passagier, der ihn dazu auffordert, die Fluggesellschaft 150 Millionen Dollar auf ein Konto überweisen zu lassen. Anderweitig wird alle 20 Minuten eine Person an Bord getötet. So liegt es nun am Marshal, den Erpresser ausfindig zu machen, doch dieser hat einen ausgeklügelten Plan und trickst Bill immer wieder aus.

Was man auf keinen Fall erwarten darf, ist eine adrenalingeladene Aneinanderreihung von diversen Actionszenen. Für lange Zeit sind Kampfszenen wirklich rar gesät und nur zum Ende hin darf auch ein wenig geschossen werden. Das Augenmerk liegt auf dem Katz-und-Maus-Spiel zwischen Bill und dem Erpresser. Immer wieder glaubt Bill, er hätte den Täter gefunden, nur um zu erkennen, dass dieser ein fieses Spiel mit ihm treibt und immer wieder Haken schlägt (der Trailer verrät hier vielleicht sogar schon ein wenig zu viel). Der Film schafft es dabei, durchwegs spannend zu bleiben, den Zuschauer rätseln zu lassen, wer denn der Erpresser ist (das fällt beim zweiten Mal schauen natürlich weg), und seinen doch eher einfachen Plot zu übertünchen. Neeson liefert eine gewohnt gute darstellerische Leistung ab und auch der Rest der Crew macht eine gute Figur. Besonders ausgefeilte Charaktere darf man natürlich nicht erwarten und Julianne Moore als Sitznachbarin und später Assistentin von Bill kann ihr schauspielerisches Talent nicht unbedingt gänzlich entfalten, aber ein Thriller dieser Art legt nun mal andere Akzente. Actionszenen sind wie gesagt nicht im Übermaß vorhanden, sind aber wuchtig inszeniert und geben dem Film die nötige Würze, zumal das Setting fast gänzlich auf das Flugzeug beschränkt ist.

Dennoch muss man dem Film vorwerfen, dass er teilweise etwas zu routiniert wirkt. Es gibt die typische (wenn auch nur grob angedeutete) Liebesbeziehung des Helden mit einer Mitstreiterin, den klischeehaften Gangsterrapper, der meint, er wäre etwas Besseres und müsse rumpöbeln, und das kleine zu rettende Mädchen in Not darf auch nicht fehlen. Arrogante Anzugträger sind natürlich ebenfalls vertreten. Eine gewisse Slow-Motion-Szene zum Ende hin wirkt zudem auch etwas überstilisiert. Das alles sind aber nur kleine Kritikpunkte, die den Gesamteindruck nicht allzu sehr schmälern und dem Film nicht seiner Spannung berauben.

Jaume Collet-Serras Non-Stop ist keine Non-Stop-Action, sondern setzt auf Non-Stop-Spannung. Der Plot an sich ist nicht überwältigend und es gibt auch ein paar Abzüge in der B-Note, aber im Ganzen ist der Film durchaus ein überzeugender, seine Spannung haltender und mit einem irrwitzigen “Wer ist der Täter“-Spiel ausgestatteter Thriller geworden, den man durchaus weiterempfehlen kann. Nur beim zweiten Mal Schauen dürfte dem Film etwas die Puste ausgehen. Zudem sollte man sich den Trailer am besten vorher nicht oder zumindest nicht ganz angucken!

7/10
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 19, 2014 3:12 PM CET


Seite: 1 | 2 | 3