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Leseratte

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Vom Vulgärlatein zu den romanischen Einzelsprachen: Überlegungen zur Aufgliederung von Protosprachen
Vom Vulgärlatein zu den romanischen Einzelsprachen: Überlegungen zur Aufgliederung von Protosprachen
von Wolfram Euler
  Broschiert
Preis: EUR 25,30

4.0 von 5 Sternen Vom Vulgärlatein zu den romanischen Einzelsprachen, 17. März 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wolfram Eulers „Vom Vulgärlatein zu den romanischen Einzelsprachen: Überlegungen zur Aufgliederung von Protosprachen“ beschäftigt sich mit der Entwicklung der romanischen Sprachen aus dem Vulgärlatein im Zeitraum vom Ende des weströmischen Reiches bis ins Mittelalter. Als Sprachwissenschaftler und Indogermanist geht er dabei in dieser sehr wissenschaftlichen Forschung sehr detailliert v.a. auf die „gängigen“ Sprachen Französisch, Spanisch und Italienisch ein- wie es auf dem Umschlagtext heißt- geht aber auch auf andere romanische Sprachen ein, z.B. das Portugiesische, Sardische und Rumänische. Um dieses Buch zu verstehen, muss man sich schon auf einer (sprach)wissenschaftlichen Ebene mit diesem Thema beschäftigt haben, ansonsten wird es einem „nur“ allgemein interessierten Leser schwerfallen, dem Thema zu folgen- was sehr schade ist, da man sehr vieles lernen kann, selbst wenn man sich mit dieser Thematik nur oberflächlich beschäftigt hat. Er gibt einige Informationen, die durchaus interessant sind und über die es (anscheinend) keine weitere Literatur gibt, obwohl gerade diese sehr aussagekräftig sind, was Sprachentwicklung anbelangt: z.B. erfährt man, dass sich das Spanische und Portugiesische, also die iberoromanischen Sprachen, von einem eher „höheren“, also klassischen Latein ableiten, während die ostromanischen Sprachen Italienisch und Rumänisch ein eher vulgärlateinisch geprägtes Vokabular aufweisen, da in Hispanien während der Römerzeit eher eine römische Oberschicht lebte, die ein „höheres“ Latein „importierte“, in Rumänien hingegen es einfache Söldner waren, die ein „Straßenlatein“ mitbrachen und das Rumänische deshalb Begriffe nutzt, die weniger der klassischen Schrift- als denn der allgemeinen Volkssprache entsprechen, so wie in Italien- natürlich- die Sprache auch stärker durch die Umgangssprache der „normalen“ Leute geprägt worden ist. Man erfährt auch vieles über die Trennung zwischen dem Spanischen und Portugiesischen oder auch über die Trennung zwischen Nord- und Westgermanen, auf die Euler u.a. im zweiten Teil seiner Arbeit eingeht. Ergänzt wird die Entwicklung der Romania durch Einblicke in die germanischen, slawischen und indoiranischen Sprachen, wodurch man auch wiederum vieles erfährt und den ersten Teil über die romanischen Sprachen in einen indoeuropäischen Kontext stellen kann, zumal- und dies ist besonders interessant!- es teilweise parallele Entwicklungen gab oder auch erhebliche Unterschiede darin, wie aus der ursprünglich einheitlichen indogermanischen bzw. indoeuropäischen Sprache eine ganze Sprachfamilie entstanden ist. Eine insgesamt sehr aufschlussreiche Arbeit, für die man jedoch schon ein vertieftes Interesse mitbringen muss, da man als Laie vermutlich wenig versteht- Laien dürften jedoch auch nicht die Zielgruppe dieser Lektüre sein. Die romanischen Sprachen werden sehr gut erklärt, allerdings- obwohl dies durchaus interessant und inhaltlich sinnvoll ist- geht es in gut 40-50% der Arbeit eben auch um die anderen indoeuropäischen Sprachgruppen, so dass der Titel insofern falsch gewählt ist, da Euler eigentlich eine Entwicklung aller indoeuropäischen Zweige mit einem anfänglichen Schwerpunkt auf den romanischen Sprachen vorlegt, bei denen es jedoch nicht bleibt und der Indogermanist einen tiefen Ausblick auch auf die anderen Zweige gibt. Dies ist sinnvoll und interessant, allerdings geht es dann letztlich nicht mehr nur um die romanischen Sprachen und ihren Entwicklungsweg aus dem (Vulgär)Latein, sondern um indoeuropäische Sprachen insgesamt. Lesenswert, auch für den Experten!


Balzar von Flammersfeld - Roman vom Westerwald.
Balzar von Flammersfeld - Roman vom Westerwald.
von Spielmann
  Gebundene Ausgabe

5.0 von 5 Sternen Balzar von Flammersfeld, 14. Dezember 2013
Johann Christian Karl Spielmanns Roman „Balzar von Flammersfeld“ ist eigentlich der einzige wirkliche historische Roman aus und über den Westerwald und beschreibt das Leben von Andreas Ludwig Balzar, der von 1769 bis 1797 im Westerwald lebte und ein Räuberanführer war, der bisweilen auch mit dem Schinderhannes verglichen wird, wenn er auch anders als sein „Kollege“ aus dem benachbarten Hunsrück schon weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Balzar, ältester Sohn des Pfarrers von Flammersfeld, wird an der Hohen Schule in Herborn als ein lang gesuchter Wilddieb enttarnt und kehrt zu seinem Elternhaus zurück, wo ihn sein Vater jedoch abweist. Im Buch nicht behandelt ist die Überlieferung, Andreas Balzar sei dann nach Russland gezogen und habe es dort bis zu einem hohen militärischen Rang gebracht, sei dann aber aus ebenfalls ungeklärten Ursachen wieder in den Westerwald zurückgekehrt. Dort schloss er sich einer Räuberbande an, gründete schließlich seine eigene Bande und bekämpft- der Roman spielt im Jahre 1794- die französischen Besatzungstruppen, nachdem seine große Liebe, Gretchen, von einem französischen Militärarzt missbraucht worden ist. Balzer- der historische als auch der Romanheld- kämpfte auf Seiten der kaiserlichen Truppen und führte eigene Unternehmungen durch, tötete insgesamt 21 französische Offiziere. Von den Franzosen als „Capitain noir“ gesucht gerät er wiederholtin Gefangenschaft, kann immer wieder fliehen, bis er 1797 durch einen Hinterhalt gefasst wird und man ihn darauf als Aufständischen in Westerburg erschießt, woraufhin die ohnehin schwache Widerstandsbewegung auf dem Westerwald schließlich ganz erliegt. Spielmann beschreibt das Schicksal des „Balzar vom Westerwald“ sehr anschaulich, wenn er auch die Russland-Episode auslässt. Auch das Leben zwischen sich abwechselnden Besatzungen mit all ihren Belastungen für die Bauernbevölkerung wird anschaulich geschildert. Das Buch wurde 1906 geschrieben und zeigt schon hier und da leichte antisemitische Züge, wie sie eben schon 1906 in der deutschen Gesellschaft latent bis offen vorhanden waren. Balzar wird auch immer wieder als Forderer eines geeinigten Deutschlands gezeigt und gleichzeitig wird das Leben einer Räuberbande im Wald auch ein wenig romantisch dargestellt, Balzar als der gutaussehende und verwegene Freiheitskämpfer, der edelmütig auch seinen größten Feinden verzeiht, wenn er auch die Franzosen als Besatzer Deutschlands tötet- insofern entspricht das Werk sehr dem Zeitgeist des beginnenden 20. Jahrhunderts, worüber man sich als Leser klar sein muss. Historisch gesehen ein sehr gutes und lesenswertes Buch, schade, dass es nie mehr aufgelegt wurde!


Das Trügerische am Berufsbild des Übersetzers
Das Trügerische am Berufsbild des Übersetzers
von Heiko Ahmann
  Taschenbuch

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Trügerische am Berufsbild des Übersetzers, 8. Dezember 2013
Heiko Ahmanns Dissertation „Das Trügerische am Berufsbild des Übersetzers“ ist eine sehr profunde Untersuchung des Bildes, welches der Beruf des Übersetzers in Deutschland „genießt“ und den leider nicht sehr ermutigenden Tatsachen über den Weg zur eigentlichen Berufsfindung. Einerseits steigt der Bedarf an Übersetzern kontinuierlich an, andererseits leidet der Berufsstand immer noch an tradierten Vorurteilen und Klischeevorstellungen: Übersetzer unterscheiden sich nicht von Dolmetschern, Übersetzer und Dolmetscher arbeiten in „exotischen“ Welten und erleben allerhand außergewöhnliche Dinge oder sie sitzen im einsamen Kämmerchen bei Kerzenschein bis tief in die Nacht und übersetzen Literatur. Übersetzer sind Experten für Sprache und Kultur, die sich vornehmlich mit dem „Schönen“ beschäftigen und von technischen Dingen keine Ahnung haben, letztlich also Dienstboten unserer Zeit, die charakterlich bescheiden und zurückhaltend zu sein haben. Niemand weiß um die technischen Herausforderungen, denen ein Übersetzer heute ausgesetzt ist, ob es nun diverse Tools oder Computersysteme sind, Softwartelokalisierung, Managementfähigkeiten oder Projekterfahrung. Übersetzen ist harte Arbeit, die v.a. Fachwissen voraussetzt und Stress bedeutet und die mit den Vorstellungen der meisten nichts, aber auch gar nichts gemein hat. Ahmann geht in einer imagologischen Analyse den Ursachen nach, untersucht akribisch das Bild, welches in Medien, im Internet und letztlich aus den Informationen der Ausbildungsstätten selbst in der Gesellschaft entsteht und geht dabei vor dem Hintergrund dessen, welche Informationen Studieninteressierte daraus ziehen und welche Erwartungen diese an die Übersetzerausbildung haben abschließend auf ein Bild des Übersetzers ein, das letztlich auch von den „Betroffenen“ selbst reichlich verklärt und realitätsfremd gezeichnet wird. Die Analyse der Medien ergibt, dass eigentlich kaum über „den“ Übersetzer berichtet wird und dieser, wenn überhaupt, lediglich als Randfigur, verzerrt oder als exotischer Kauz erscheint. Printmedien berichten- auch hier: wenn überhaupt- lediglich von Literaturübersetzern und die namhaften Ausbildungsstätten selbst- Germersheim, Heidelberg, Leipzig und Saarbrücken- vermitteln eher ein Bild des sprach- und kulturinteressierten Fremdsprachenexperten als dem professionellen Übersetzer, der sich nicht nur in Sprachen, sondern auch in IT und Technik auskennt. Last not but least werden auf Internetforen diesen verzerrten Vorstellungen ganze Kronen aufgesetzt, in dem selbsternannte Experten Schulabgängern und Studienanfängern die Welt des Übersetzers erklären. Fazit ist, dass Anfänger wenig Chancen haben, das Bild des Übersetzers in der (deutschen) Öffentlichkeit zum entzerren. V.a. Übersetzern, die als solche arbeiten, spricht diese Dissertation aus dem Herzen und wäre es wert, zu einem weniger „Dissertationsartigen“ Buch umgeschrieben zu werden, da dies wohl die einzige Publikation überhaupt ist, die dieses Problem der Wahrnehmung beschreibt und damit sich der „Sache“ der professionellen Übersetzer und ihrem notorisch verzerrten Ansehen annimmt. Sehr lehrreich sind auch Ahmanns Ausführungen zur Wahrnehmung überhaupt. Er legt genau dar, welches die Unterschiede zwischen Vorurteilen, Klischees und Images sind, welche Rolle die Medien und auch das Internet in der Gesellschaft spielen und wie unerschütterlich z.B. aus dem Internet „Erfahrungen“ gesammelt werden, die von einer breiten Öffentlichkeit als geltende Wahrheit angenommen werden und nur schwer zu widerlegen sind- dieser psychologische Exkurs ließe sich auch auf andere Bereiche und Themen, Berufsgruppen und Fragestellungen anwenden, da wohl in kaum einen anderen Land die Meinungs-„Mache“ durch (Massen)Medien so stark ausgeprägt ist wie in Deutschland. Hier und da unterlaufen ihm jedoch auch Fehler- das Goethe-Institut z.B. wird als „Deutschsprachschule“ bezeichnet, interessanterweise „leidet“ jedoch auch das Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland an falschen Images, wird je nach Blickwinkel als Sprachschule, Stiftung o.ä. empfunden. Gut wäre es gewesen, hätte Ahmann einen Blick auf die europäischen Nachbarn geworfen, es wäre interessant gewesen zu erfahren, warum beispielsweise in Großbritannien der Berufsstand des Übersetzers einen viel angeseheneren Ruf hat als in Deutschland- wobei dies vielleicht den Rahmen der Arbeit gesprengt hätte. Fazit: eine sehr wahre wissenschaftliche Analyse eines alltäglichen Problems von betroffenen Übersetzern und denen, die es werden wollen.


Feindkontakt - Gefechtsberichte aus Afghanistan
Feindkontakt - Gefechtsberichte aus Afghanistan
von Sascha Brinkmann
  Broschiert

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Feindkontakt, 19. November 2013
„Kriegsliteratur“ zu Afghanistan, die bisweilen auch ein wenig an Erlebnisliteratur erinnert, die gibt es zu Hauf. Nichts gegen die sicherlich oftmals traumatischen Erlebnisse von noch sehr jungen und sehr lebensunerfahrenen Menschen, die an den Hindukusch geschickt werden und das Eingeschlossensein in den Camps als Trauma oder/und die tatsächlich schlimme und aufrüttelnde Dinge erleben, dennoch gibt es in diesem Bereich inzwischen sehr viele autobiographische und biographische Werke, die verarbeiten sollen und letztlich dann doch nicht wirklich wahrgenommen werden, denn wer interessiert sich schon (noch) für den Krieg in Afghanistan, gerade in den letzten Jahren vor Abzug der internationalen Truppen und dem fallenden Medieninteresse. Insofern ist „Feindkontakt“ eine herausragende Ausnahmeleistung, die eben nicht in das Genre eben dieser Literatur einzuordnen ist, bei der nicht wenige achselzuckend sagen, dass es nun mal die eigene persönliche Entscheidung der Betroffenen ist und war, dorthin zu gehen, sondern ein sehr gut recherchierter Sammelbericht (wenn man das so sagen kann) von insgesamt elf Soldaten und Bundeswehrangehörigen, die jeweils ihre Sicht der Erlebnisse und Angriffe- eben den direkten „Feindkontakt“- beschreiben. Gut ist die Mischung: es gibt Berichte, es gibt aber auch Erklärungen und es kommen auch obere Leitungsränge zu Wort, Hintergründe werden klar skizziert und beschrieben und dennoch kommen auch die menschlichen Seiten zum Zuge: Ängste, Wut, Verzweiflung, Angst ohne dabei jedoch in eine Art literarische Traumaaufbearbeitung zu „verfallen“. Auch die Afghanen werden nicht dämonisiert, zwar werden durchaus Probleme der Zusammenarbeit und auch Skepsis bezüglich der Zukunft des Landes unter der sog. „Afghan Ownership“ angesprochen, aber es wird differenziert und auch dargelegt, dass „der Afghane“ nicht gleich „der Taliban“ ist und so erfährt man auch einiges über die Gemengelage auf afghanischer Seite, die beileibe nicht einfach und in erstgenannter Literaturart oftmals gar nicht dargestellt wird. Es geht nicht um die Verherrlichung einer Armee (keiner, weder der deutschen noch der afghanischen oder sonst einer), es geht um Fakten, die dennoch nicht nur als trockene Fakten, sondern als Fakten mit Menschen, die mit diesen zu tun haben, zu tun haben. Schließlich wird auch darüber geschrieben und nachgedacht, was die Rolle einer Armee und eines Soldaten eigentlich heute bedeutet- was heißt es, zu töten und zu sterben? Sicherlich spaltet sich die deutsche Gesellschaft in der Beurteilung dieses Krieges. Die Rolle bzw. das Ansehen oder Nicht-Ansehen der Bundeswehr ist traditionell ein heikles Thema, welches von den Autoren jedoch nicht aufgegriffen wird bzw. wenn, dann so, dass sich der Leser sein eignes positives oder negatives Bild machen kann. Das Buch schildert offen, was dort alles geschieht und lässt auch Platz zum eigenen Nachdenken- dies ist sehr positiv, da auf einen Überschwang an Emotionen trotz des Themas weitgehend verzichtet wird, was gut tut, da man fast schon ideologisch in Deutschland entweder völlig pro oder völlig contra ist, was diesen Einsatz anbelangt. Sicherlich „stehen“ die Betroffenen in ihrem Berichten zu ihrem Tun, was auch OK ist, da sie letztlich die Entscheidung getroffen haben und es ihr Job ist,- dies bleibt jedoch ohne Wertung so stehen, diese kann der Leser persönlich für sich selbst finden. Folglich ein sicherlich nicht uninteressantes Buch, das trotz seiner mitunter gewöhnungsbedürftigen Sprache, die v.a. Anfangs etwas „militärisch“ anmutet und der Laie sich erst einlesen muss, einen eindringlichen, aber dennoch weitgehend neutralen Eindruck gewinnt. Die gewöähnungsbedürftige "Fachsprache" wäre ein kleiner Minuspunkt, v.a. beim Lesen der ersten Seite fällt die Vorstellung schon schwer, das ganze Buch zu lesen, obwohl man sich einliest.


Ein Ausflug nach wohin eigentlich keiner will: Zu Besuch in Afghanistan
Ein Ausflug nach wohin eigentlich keiner will: Zu Besuch in Afghanistan
von Kurt Krömer
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein Ausflug nach wohin eigentlich keiner will, 9. November 2013
Ein sehr schwer zu beurteilendes Buch. Kurt Krömer besucht zweimal jeweils für ein paar Tage Afghanistan, das erste Mal auf Einladung der Bundeswehr-Truppenbetreuung den Norden und das zweite Mal privat die afghanische Hauptstadt Kabul. Und darüber schreibt er ein Buch, schildert (kurze) Begegnungen und spricht dem Leser, der Afghanistan kennt, aus dem Herzen, indem er deutlich macht, dass es auch in Afghanistan Alltag, Lebensfreude und Normalität wie in jedem anderen Land gibt. Dabei verschließt er auch die Augen vor der anderen Realität nicht, wobei diese eher die Armut als denn das Dauerthema Afghanistankrieg erwähnt. Es hat also was Anrührendes, Krömer nimmt den Leser mit in ein Land, von dem wir in Deutschland tatsächlich immer dieselben Bilder präsentiert bekommen und dieselben Clichés bearbeitet werden und da er eine bekannte Persönlichkeit in den deutschen Medien ist, hört man ihm (wahrscheinlich) auch zu. Dies macht dieses Buch sehr lohnens- und lesenswert, denn die Menschen in Afghanistan haben es verdient, auch einmal anders dargestellt zu werden. Er nimmt ein bisschen was von dem Image dieses Landes, dass alle Frauen Burkha tragen, jeder militanter Islamist ist und ansonsten das Leben ausschließlich vom Krieg geprägt wird. Das ist gut und verdient eigentlich fünf Sterne. Gut ist auch, dass er zwei Besuche gegenüberstellt. Schon eine verrückte Welt, das Übersicherheitsgebaren der deutschen Streitkräfte einerseits und dann die doch relative Bewegungsfreiheit, die er als Privatmensch erlebt. Das entdämonisiert und auch dies ist gut. Insofern ein sehr gutes Buch im Afghanistan-Regal einer deutschen Buchhandlung, in der man in der Regel sonst nur Kriegsliteratur findet, es nimmt mit, zeichnet ein „normaleres“ und auch menschlicheres Land. Es ist nicht anzuzweifeln, dass Kurt Krömer es ernst meint mit diesem Land, dass er wirklich bemüht ist, etwas zu vermitteln, für das weder deutsche Medien noch die deutsche Öffentlichkeit ein Ohr haben. Er gibt ein Interview wieder, in dem er sich selbst zitiert: „Journalisten kommen zu dir, führen ein zweistündiges Gespräch und die Quintessenz dessen ist dann doch wieder nur: Afghanistan ist gleich Krieg, Soldaten, Tote, Taliban, allenfalls noch Heroin. Schön auf einen kleinen Beitrag zusammengeschnitten, der die Marke von einer Minute dreißig nicht überschreitet. Bei dem man dann mal kurz die Chipstüte beiseitelegt, gebannt zuschaut, sich beim Gang zum Kühlschrank denke, die spinnen doch die Moslems, um dann, mit einem Bier in der Hand, spätestens beim Beginn des Musikantenstadls, wieder alle weltpolitischen Probleme zu vergessen“. Das trifft es ganz genau. Schwierig ist allerdings, dass Krömer eben trotzdem nur wenige Tage im Land verbringt und hier und da dann doch gerne ausschweift (nicht nur, indem mal wieder eine Zigarette geraucht wird), kleinere Exkursionen in seine Vergangenheit unternimmt und damit Seiten füllt und Geschichten hier und da ergänzt, was allerdings nicht mehr mit Afghanistan zu tun hat. Er entwickelt Gefühle für dieses Land, die er auch überzeugend vermittelt, aber wirklich viel gesehen und erlebt hat er nicht und daran fehlt es denn auch schließlich. Er wäre noch überzeugender, würde er, wie er es am Ende auch schreibt, tatsächlich nochmals nach Afghanistan kommen, um noch tiefer einzusteigen und v.a. auch länger zu bleiben als ein paar Tage- dann hätte er durchaus die „Schreibe“ und auch mehr als nur wenige Eindrücke, um wirklich etwas zu vermitteln.


Max Slevogt und die Pfalz: Reihe Stationen 3
Max Slevogt und die Pfalz: Reihe Stationen 3
von Sigrun Paas
  Broschiert
Preis: EUR 7,95

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Max Slevogt und die Pfalz, 9. November 2013
Dieses kleine, nur rund 70 Seiten umfassende Büchlein ist eigentlich eine Biographie des 1868 in Landshut geborenen und 1932 in der Pfalz gestorbenen bedeutenden deutschen Impressionisten Max Slevogt, der bis 1901 vornehmlich in München und Süddeutschland wirkte, nach einem kurzen Frankfurtaufenthalt nach Berlin zog und fortan die Hälfte des Jahres dort und die andere Hälfte in seiner geliebten Pfalz verbrachte, die er schon aus seiner frühen Kindheit kannte. Slevogt gilt neben Max Liebermann zu den herausragenden deutschen Impressionisten und hinterließ eine Fülle von Zeichnungen, Illustrationen, Gemälden und Wandmalereien, die leider nur noch in der Pfalz und Bremen zu sehen sind. In diesem kleinen Werk werden seine Lebensstationen nachgezeichnet und reichlich mit Bildmaterial ergänzt. Man gewinnt also nicht nur neue Informationen über sein Leben und Wirken, sondern hat auch sehr viel Anschauungsmaterial, das den Impressionisten, der trotz seiner bedeutenden Rolle dieser Kunstrichtung in Deutschland doch immer sehr im Schatten des Max Liebermann geblieben ist, näher bringt. Ein sehr gut lesbares und trotz seines kleinen Formates und Umfangs doch höchst informatives kleines Buch, das zudem sehr ansprechend gestaltet ist. Schnell und mit Spaß und Interesse zu lesendes Buch!


Westerwald mit Lahntal und Siegtal. Burgen unseres Landes.
Westerwald mit Lahntal und Siegtal. Burgen unseres Landes.
von HERMANN-JOSEF. HUCKE
  Taschenbuch

2.0 von 5 Sternen Burgen unseres Landes: Westerwald mit Lahntal und Siegtal, 4. November 2013
Hermann-Josef Huckes Westerwald-Band der Reihe „Burgen unseres Landes! Ist ein 64seitiges Bändchen einer Reihe, die relativ systematisch den Südwesten Deutschland und eben den Westerwald durchkämmend Burgen, Schlösser und andere Wehranlagen aus dem Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert kurz beschreibt. Sicherlich sind viele Informationen veraltet und die Texte sind auch nicht sonderlich „spannend“, eben kurz und informativ und eben- siehe oben- anscheinend immer der Vorgabe folgend, nicht 64 Seiten zu überschreiten. Aber dafür werden, zumindest in diesem Band, so ziemlich alle Burgen und Schlösser der Region wenigstens einmal erwähnt, was ausreicht, um einen kurzen Überblick zu bekommen, der nicht sonderlich touristisch, aber dennoch relativ informativ ist. Man könnte mit den Angaben wohl kaum eine Rundreise starten, da die „Objekte“ relativ lose geordnet beschrieben sind, aber dafür hat man einen kompakten doch recht vollständigen Überblick. Das Buch wird nicht mehr aufgelegt, worum es auch nicht wirklich schade ist, für den Regionalspezialisten sicherlich nicht uninteressant, da man auch etwas von Kleinoden erfährt, die man gar nicht kennt, aber um richtig etwas zu erfahren doch nicht wirklich ergiebig. Andererseits die wohl umfassendste und klarste Übersicht, die sich in diesem Gebiet mit Burgen beschäftigt, allerdings nicht sehr wissenschaftlich, da die Texte recht kurz sind.


Es war einmal oder nicht: Afghanische Kinder und ihre Welt
Es war einmal oder nicht: Afghanische Kinder und ihre Welt
von Roger Willemsen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es war einmal oder nicht, 3. November 2013
Roger Wilhelmsens Buch „Es war einmal- oder nicht“ ist ein überraschend und geradezu erfrischend anderes Buch zum Thema Afghanistan, über das es leider in aller Regel nur Horrornews und dramatische Geschichten und Erlebnisberichte von Soldaten gibt, die traumatisiert von den Schrecken dieses Landes berichten und den Eindruck erwecken, in Afghanistan gebe es nur den blanken Horror und Fundamentalismus, Ausweglosigkeit und keine Zukunft. Wilhelmsen lässt Kinder zu Wort kommen, berichtet aber auch von Menschen und deren Alltag und entwirft dabei ein völlig anderes Bild, ohne die in der Tat teilweise schlimmen Zu- und Umstände zu beschönigen. Er lässt beides nebeneinander gelten und zu Wort kommen und gibt ein Bild von einem Land im Kriegszustand, indem aber auch Menschen leben wie du und ich, die ebenfalls ihre Sorgen und Wünsche haben und einen Alltag erleben, der in vielen Teilen auch bei Kindern anderswo nicht anders ist. Dies verleiht dem Land einen Anstrich von Normalität die es, ja, auch in Afghanistan gibt- und dies tut gut. Er beschreibt und kritisiert mit allem Recht auch das internationale Engagement, kritisiert z.B. die Sinnlosigkeit mancher internationaler Projekte, ohne dabei zynisch zu werden (was man wahrlich könnte!!!), stellt hier und da auch die geleistete „Hilfe“ in Frage und beschreibt, wie die Menschen damit umgehen- so wie Menschen in diesem geschundenen Land sowieso mit dem umgehen, was ihnen die jüngere Geschichte überlassen hat. In diesem Buch schreibt er über seine Reisen nach Afghanistan und seine Besuche in Schulen und lässt dabei Kinder zu Wort kommen, die ihren Alltag, ihre Ängste und Wünsche und Träume beschreiben lässt. Was die Kinder da äußern ist dann auch tatsächlich die „Stimme Afghanistans“, da Wilhelmsen nur wiedergibt, ohne zu interpretieren. Klar geht es dabei auch um Trauma, er beschreibt dies auch, wie z.B. Jungs mit Holzscheiden Krieg spielen und so ihre Erfahrungen verarbeiten, aber viel mehr erfährt man dann wie kleine Mädchen berichten, dass sie davon träumen, Ärztin oder Architektin zu werden, um ihrem Land zu helfen. Dies sind Hoffnungszeichen und diese überwiegen in diesem Buch. Sprichwörtlich untermalt werden die Berichte von Kindern, die wie kurze Aufsätze über weite Stücke des Buches aneinandergereiht sind, durch ca. 200 Bilder, die Kinder gemalt haben- sicherlich auch hier Darstellungen von Krieg und Tod, aber vor allem auch Darstellungen vom Alltag und Familie, Natur und Geborgenheit- und auch Bilder von dem, was sich die Kinder unterm dem Leben in Deutschland und dem Westen vorstellen. Afghanistan kommt in diesem wunderschönen- und auch sehr ästhetisch gestalteten Buch- von seiner nicht-militärischen Seite zu Wort. Es zeigt ein anderes, das wirkliche Afghanistan, in dem vieles omnipräsent ist, eben all das, was man in den westlichen Medien hört und liest, es aber um dieses alles herum auch ein lebens- und liebenswertes Afghanistan gibt, dessen Menschen zurecht nicht verstehen, warum man sie alle verteufelt und man vor ihnen Angst hat. Das Schöne an dem Buch von Wilhelmsen ist, dass es eigentlich gar kein Buch von Wilhelmsen ist, sondern er wie ein zurückhaltender und bescheidener Moderator lediglich die Kinder, die dort vornehmlich zu Wort und Schrift kommen, sozusagen auf die Bühne bittet und diese über ihr Land berichten- weitgehend unkommentiert und ehrlich. Kein „Westler“ der dem Leser Afghanistan „erklärt“, der Ängste und Dämonen heraufbeschwört von einem mittelalterlichen Land im fernen Hindukusch, sondern ein empathischer Moderator, der afghanischen Kindern Raum gibt, über ihr Land mit alle seinen Schatten- und auch Sonnenseiten zu berichten. Wunderschön uns sehr lesenswert- eines der wohl ehrlichsten und aufrichtigsten Bücher zum Thema Afghanistan!


Unterwegs: Politische Erinnerungen
Unterwegs: Politische Erinnerungen
von Gerd Ruge
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 21,90

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unterwegs, 29. Oktober 2013
Kaum ein anderer deutscher Auslandskorrespondent dürfte wohl so stark mit Russland und China in Verbindung gebracht werden wie Gerd Ruge. Jeder, der noch eine lebendige Erinnerung an die 70er und 80er Jahre hat, der sich an die Umwälzungen in Russland und China in den 80er und 90er Jahren erinnert, wird dabei Gerd Ruges Gesicht vor Augen und seine Stimme in den Ohren haben, die zu jeder Zeit ein ganzes Land mit den Geschehnissen im „Osten“ mit seiner Person verbinden- Gerd Ruge gehörte allabendlich zur ARD einfach dazu, sozusagen ein Hörrohr der alten Bundesrepublik hinein in die Sowjetunion und die letzten Jahrzehnten des kalten Krieges. Schwer vorstellbar, dass dieser Mann, der sicherlich den Auslandsjournalismus prägte wie kaum ein anderer, schon 85 Jahre alt ist- war es nicht erst gestern, als er noch aus Moskau und Washington berichtete? Gerd Ruges Bücher- z.B. Alltag in Moskau-lesen sich heute wie nostalgische Zeitzeugen einer vergangenen Welt, die vielen heute vielleicht sogar sicherer erscheint als sie es tatsächlich war. Es ist immer schon alleine deswegen ein Genuss, seine Reportagen noch einmal zu sehen oder seine alten Bücher, die er v.a. über China und die Sowjetunion schrieb, zu lesen. Mit seinen Memoiren, „Unterwegs“, nimmt er den Leser nochmals mit auf seine Stationen, die viele Leser mit ihm verfolgt haben und die er zusammenfassend nochmals revue passieren lässt und beschreibt die Highlights seiner journalistischen Erfahrungen und Erlebnisse auf drei Kontinenten, Szenen, die er bereits in seinen vorherigen Büchern beschrieben hat und die hier zusammengefasst sozusagen die Quintessenz eines journalistischen, wenn nicht sogar politischen Lebens darstellen. Es geht- wie immer bei Ruge- vornehmlich um seine Stationen in der Sowjetunion bzw. Russland, wo er dreimal akkreditiert war, ein Land, das ihn auch nach seiner Pensionierung nie mehr wirklich losließ. Auch seine Stationen in Washington und Peking beschreibt er, nimmt den Leser dabei mit auf eine Zeitreise vom China nach der Kulturrevolution bis zum Tiananmen-Massaker 1989. Man merkt, wie sehr ihm diese Länder ans Herz gewachsen sind, wie er sie stets neugierig in ihrer Entwicklung verfolgte und spürt auch, wie wichtig ihm die menschlichen Begegnungen waren. Das Ganze- ganz in seiner Art- beschreibt der Journalist eben wie ein Journalist eher in Form von Erinnerungen- wie es der Untertitel auch sagt- und weniger als Memoiren. Persönliches lässt er aus, es geht um reine Fakten, die den Leser auch nochmals über die historische Entwicklung der letzten Jahrzehnte an den (damaligen) Hotspots der Weltpolitik informiert. Er schreibt lebhaft und beschreibt das Erlebte so, als sei es gestern gewesen- man spürt, wie sehr er noch immer im Erlebten und Gesehenen „lebt“. Der Anfang des Buches beginnt eigentlich wie Memoiren mit seiner Kindheit und Jugendzeit unter der NS-Diktatur, aber auch schon hier beschreibt er alles eher politisch bzw. gesellschaftspolitisch- auch hier geht es schon, wie im ganzen Buch- um die Darstellung der gesellschaftlichen Veränderungen aus Sicht eines politisch engagierten und interessierten Journalisten. Dieser Linie blieb er in seinem Korrespondentenleben treu- und auch in diesem äußerst lesenswerten Buch.


Leben in der Pfalz
Leben in der Pfalz
von Bernhard Kukatzki
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,90

5.0 von 5 Sternen Leben in der Pfalz, 8. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Leben in der Pfalz (Gebundene Ausgabe)
Normalerweise sind derartige Werke oftmals sehr oberflächlich und eigentlich taschenbuchgroße Bildbände- Kukatzkis und Beckers „Leben in der Pfalz“ jedoch ist eine sehr gute Mischung: sehr gute und kurze Texte, sehr schöne Aufnahmen und eine sehr gelungene Zusammenstellung von Text und Bild. Auch das Hardcover ist sehr schön, so wie das gesamte Buch sehr ansprechend ist- man lernt trotz kurzer und prägnanter Texte etwas über die Zeit einer deutschen Landschaft zwischen 1880 und 1960, die so oder so ähnlich wohl auch in anderen Gegenden Deutschland ausgesehen haben mag. Ohne Zweifel eines der besten Bücher dieser Reihe, die im Sutton Verlag erschienen sind und durchaus ein „Coffee table book“, das etwas hermacht und sehr viel bietet! Für den nicht allzu günstigen Preis bekommt man sehr viel.


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