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MissVega (Hamburg)

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Verdorbenes Blut: Roman
Verdorbenes Blut: Roman
von Geoffrey Girard
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,99

3.0 von 5 Sternen Resurrection, 22. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Verdorbenes Blut: Roman (Taschenbuch)
Was wäre, wenn es möglich wäre, einige der schlimmsten Serienmörder der Welt genetisch zu klonen? Zu rein wissenschaftlichen, gewaltpräventiven Zwecken natürlich. Um zu erforschen, ob das Wesen eines Killers genetisch vorbestimmt ist oder erst durch sein Umfeld und seine Erziehung gebildet wird. Um für die Zukunft zu verhindern, dass solch grauenhafte Verbrecher immer wieder auf die Menschheit losgehen. Das wäre doch toll, oder? Nicht so toll wäre es, wenn einige dieser Klone, gut getarnt in den Körpern von Jugendlichen, aus dem Labor ausbrächen und eine blutige Spur durch ganz Amerika ziehen würden. Doch genau das passiert in Geoffrey Girards Thriller und es geht für kaum einen der Beteiligten gut aus…

In einem geheimen Labor in Pennsylvania werden Menschenversuche durchgeführt. Mithilfe des DNA-Materials einiger der berüchtigtsten Serienmörder der jüngeren amerikanischen Vergangenheit werden Klone geschaffen und in unterschiedliche soziale Umfelder verbracht. Die einen werden misshandelt, gedemütigt und vernachlässigt, die anderen wachsen in einem normalen Umfeld oder im wissenschaftlichen Zentrum selbst auf. Dies alles dient der Erforschung des nur vermeintlich genetisch bedingten "Bösen" und dessen eventueller medikamentöser Behandlung. Doch eines Tages brechen einige der Klone aus und beginnen einen blutigen Feldzug durch halb Amerika. Deshalb wird Ex-Soldat Shawn Carillo darauf angesetzt, die Ausreißer wieder einzufangen…oder zu töten, wenn denn nötig. Womit Carillo allerdings nicht gerechnet hat, ist, dass er auf einen 15jährigen Klon des Serienmörders Jeffrey Dahmer trifft, der allerdings so gar nicht den Erwartungen entspricht, die man an einen 17fachen Mörder gemeinhin so hat. Notgedrungen nimmt er Jeffrey mit auf seine Jagd, da der Junge über Informationen der anderen Killer verfügt und ihm auch sonst noch nützlich sein könnte. Doch schon bald laufen die Dinge ziemlich aus dem Ruder und Castillo muss um sein eigenes Leben fürchten, während die Ausbrecher einen Mord nach dem anderen begehen und darüber hinaus offensichtlich noch einen ganz anderen Auftrag haben…

Girards Thriller bedient sich einiger beunruhigender Fakten, was heutzutage im Namen der Wissenschaft oder der Verteidigung eines Landes alles an- und hergestellt wird. Durch einige der Aussagen im Buch entsteht so manch kalter Schauer, der einem den Rücken runterläuft, alleine dadurch, dass man annehmen muss, dass Girards Aussagen zumindest in Teilen auf Tatsachen beruhen. Da wird fröhlich geklont und experimentiert, als gäbe es kein Morgen, ohne Rücksicht auf Menschenleben oder -würde. Sicherlich kommt bei vielen Forschungen auch Gutes heraus und gewisse Opfer sind sicherlich immer nötig, aber Vieles, was die breite Öffentlichkeit bestimmt nie erfahren wird, mutet so abnorm und grausam an, dass man sich wirklich fragen muss, ob das ethisch oder sonstwie überhaupt noch vertretbar ist.

Dieses beunruhigende Grundgefühl ergänzt Girard dann um seine rein fiktive Story um geklonte Serienmörder und künstlich erzeugte menschliche Kampfmaschinen, die kaltblütig aufeinander losgehen, um ihren Trieben oder angezüchteten Bedürfnissen zu frönen. Etwas zu kurz kommt hier meiner Meinung nach der Bezug zu den Klon-"Vorbildern", die darüber hinaus teilweise fehlerhaft dargestellt werden. Einem Autor, der sich mit dem Thema Serienmörder beschäftigt, sollte nicht der Fehler unterlaufen, Serienmörder mit Massenmördern gleichzusetzen. Das sind zwei völlig verschiedene Tätergruppen, die auch psychologisch kaum weiter voneinander abweichen könnten. Darüber hinaus wird Jeffrey Dahmer hier von Girard als "berüchtigtster Serienkiller aller Zeiten" beschrieben, was natürlich völliger Blödsinn ist. Dahmer war sicherlich einer der grausamsten Mörder des letzten Jahrhunderts, aber es gibt noch grausamere als ihn, die darüber hinaus eine wesentlich höhere Opferzahl vorweisen können. Ted Bundy, John Wayne Gacy und vermutlich auch Ed Gein habe alle mehr Menschen umgebracht als Dahmer und sind dabei nicht minder schauderhaft vorgegangen. Schlussendlich sollte man, wenn man recherchiert, ordentlich recherchieren und John Wayne Gacys Opfer nicht auf dem Dachboden verstecken, wenn diese allesamt unter Gacys Haus gefunden wurden. Solche Fehler sind klein, aber überflüssig; Girard muss doch damit gerechnet haben, dass sich viele Fans von Büchern über Serienkiller sein Buch kaufen und dementsprechend über entsprechende Vorkenntnisse verfügen.

Wobei man diese nicht zwingend braucht. Für das Handlungsverständnis ist es unerheblich, ob man weiß, was diese Psychopathen in Wirklichkeit getan haben. Girard beschreibt dies zwar rudimentär, sonderlich viel Einblick in das "Wirken" der Killer bekommt man allerdings nicht und wird dieses nur vermissen, wenn man sich gut mit den hier erwähnten Killern (Gacy, Gein, Dahmer, Lucas, Rader, Bundy, Fish, Chikatilo, Berkowitz und einige Wenige mehr) auskennt. Ich hätte mir hier schon etwas mehr Tiefgang bezüglich Taten und Wesen der Klon-Originale gewünscht, da man ihr Verhalten dann besser hätte ein- und zuordnen können. Auch sonst bleibt Girard bei der Charakterzeichnung seiner Protagonisten recht blass. Das ist teilweise auch gut so, da man gar nicht immer viel über eh nur kurz auftauchende Personen wissen muss. Manchmal, besonders bei Castillo und seinem Schützling und dessen Vater hätte man sich allerdings doch gerne etwas tiefer in deren Psyche vertieft. So aber glänzt Girard hier vorrangig mit gängigen Klischees wie einem natürlich durch ein posttraumatisches Stresssyndrom beeinträchtigten Jäger, der noch ordentlich mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen hat oder einem natürlich wahnsinnigen Wissenschaftler, der trotz allen Irrsinns natürlich unheimlich clever und superschlau ist und von dem vorher niemand bemerkt haben will, wie durchgeknallt er ist. Nun ja…

"Verdorbenes Blut" ist durchaus spannend und Girards grausame Phantasie wird so manches Horrorherz höher schlagen lassen, so dass die weniger gelungenen Parts nicht allzu sehr ins Gewicht fallen. Die wissenschaftliche Fachsimpelei und auch die dem Lexikon entnommenen Kapitelvorworte sind so schwer verständlich wie irrelevant, da man auch ohne ihre Kenntnis dem Handlungsverlauf folgen kann. Probleme machen da ab und an die etwas unverständlichen Parallelstories, da man sich hier meist erst selbst einen Überblick verschaffen muss, wem man im wahrsten Sinne des Wortes gerade folgt. Wenn dann noch mehrere Klone denselben oder sehr ähnliche Namen haben oder wiederum Bezug auf ihre realen "Vorbilder" genommen wird, kann es manchmal etwas haarig werden mit dem Verständnis. Vor allem die Geschichte um den Wissenschaftler Jacobson ist ziemlich konfus. Für wen er sich warum hält und warum er tut, was er tut, teilweise dargeboten in kryptischen Tagebucheinträgen, lässt manchmal jegliche Logik oder Nachvollziehbarkeit vermissen.

Alles in allem ist "Verdorbenes Blut" rasant erzählte Thrillerkost, die spannend, abnorm und beunruhigend daherkommt, aber auch manchmal etwas zäh wird durch das ganze wissenschaftliche Gerede und logisch nicht immer zu Ende Gedachte. Die etwas krude Mischung aus wissenschaftlicher Abhandlung und perversem Killer-Thriller kommt um diverse Klischees nicht herum und bleibt somit in der Bewertung für mich nur guter Durchschnitt. Deshalb genetische drei von fünf Klonen, die nicht immer logisch, dafür aber krass drauf sind.


Ich bin die Nacht: Thriller
Ich bin die Nacht: Thriller
von Ethan Cross
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Aka Ich bin umnachtet, 18. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ich bin die Nacht: Thriller (Taschenbuch)
Ethan Cross ist das *mysteriösen Gesichtsausdruck aufsetz* Pseudonym eines amerikanischen Thrillerautors, der mit Frau und zwei Töchtern in Illinois lebt und mit "Ich bin die Nacht" debütiert. Vorher hat der gute Ethan seine Zeit ein bisschen als Musiker verklimpert, sich dann aber doch aufs Schreiben nicht sehr glaubwürdiger Romane verlegt. Die hier angefangene und nicht ganz zu Ende erzählte Geschichte geht im Folgeband "Ich bin die Angst" weiter, aber ich weiß wirklich nicht, ob ich noch mal bereit bin, mich einem Roman von Ethan Cross zu widmen. Der an sich gar nicht mal so schlecht startende Thriller verliert sich mehr und mehr in unglaubwürdigen Szenarien, bedient sich einer sehr plakativen Sprache, deren pseudo-dramatische Übertreibungen einen zunehmend nerven und gipfelt in einem derart hanebüchenen und bescheuerten Finaltwist, dass man sich doch sehr wundern muss, welche beschränkten Lektoren diese Geschichte zum Druck freigegeben haben.

Francis Ackerman jr. hat das Bestreben, der berühmt-berüchtigtste Serienmörder der Geschichte zu werden. Dafür geht er mit seinen Opfern auch entsprechend grausam um und ist darüber hinaus nicht viel mehr als ein Phantom, das sich geschickt jeglichem gesetzlichen Zugriff zu entziehen weiß. Doch im Verlauf einer unglückseligen Nacht trifft Ackermans tiefschwarze und geschundene Seele auf einen Widersacher, der es mit dem überaus cleveren Killer aufnehmen zu können scheint. Ex-Cop Marcus Williams kreuzt unvorhergesehenerweise Ackermans Weg und wird von diesem sofort als würdiger Gegner angesehen. Williams wollte sich nach seiner zwangsweise beendeten Karriere als Polizist eigentlich ganz in Ruhe ein neues Leben aufbauen, was in der direkten Nachbarschaft zu einem von Ackermans zukünftigen Opfern natürlich flugs ad absurdum geführt wird. Und ehe Williams sich versieht, hat er bestechliche Bundesbeamte und gewaltbereite Sheriffs an den Hacken und einen wahnsinnigen Killer vor sich auf der Flucht, einer gefährlicher als der andere…

"Ich bin die Nacht", im Original übrigens weit weniger dramatisch als "The Shepherd" (der Hirte) betitelt, fängt eigentlich ganz gut an. Wir bekommen einen Einblick in des Killers dunkle Seele, seinen nahezu grenzenlosen Sadismus, aber auch seine perfekte Tarnung, die ihn bislang unangreifbar gemacht hat, obwohl die Polizei genau weiß, wen sie da zu jagen hat. Parallel zu Francis Ackerman lernen wir den Ex-Cop Marcus Williams kennen und einige zukünftige Opfer Ackermans. Cross beschreibt gekonnt das normale Leben verschiedener Menschen, bevor sie die tödliche Bekanntschaft von Ackerman machen. Das alles ist verstörend, blutig und recht spannend.

Aber schon nach gut einem Drittel des Buches entgleiten Cross sowohl Story als auch Rhetorik nachhaltig. Zum Einen werden die Haken, die die Geschichte schlägt, immer absurder und phantastischer, zum Anderen bedient sich Cross vermehrt einer hyperdramatischen Sprache, die zunehmend lächerlich wirkt. Da "heulte der Wind wie der Schrei einer Todesfee" oder "öffneten sich brüllend die Pforten der Hölle in seinem Rücken" oder "kämpften sie wie zwei Titanen, die verflucht sind, für alle Ewigkeit zu fechten". Das klingt dann irgendwann einfach nur noch nach BILD-Zeitungs-Journalismus, vor allem ob des inflationären Gebrauchs solcher reißerischen Plattitüden. Außerdem verlagert sich der Fokus vom psychologisch eigentlich viel interessanteren Protagonisten Francis Ackerman auf den Ex-Cop Williams (der, soviel Klischeehaftigkeit muss sein, natürlich mit einem dunklen und schmerzhaften Geheimnis aus seiner Vergangenheit behaftet ist). Dazu werden wahllos noch ein paar dubiose Charaktere in die Handlung geworfen, die Williams entweder gut oder böse gesonnen sind und die Story mal unglaubwürdig vorantreiben, mal lau stagnieren lassen.

Sichtlich genervt von der zunehmenden Schundroman-Rhetorik sehnt man das Ende von "Ich bin die Nacht" mehr und mehr herbei und hofft wenigstens auf ein spannendes und gerne auch blutiges Finale. Aber was bekommt man dann? Eine dermaßen abstruse, schwachsinnige und unglaubwürdige Auflösung, dass man nur noch fassungslos den Kopf schütteln kann. Das Kaninchen, das Cross hier aus dem Hut zaubert, wäre mal besser in seinem Bau geblieben und hätte weiter an irgendwelchen Möhrchen geknispelt. Was Cross hier wahrscheinlich für wahnsinnig clever hielt und beim Leser für einen "Wow"-Effekt sorgen sollte, ist unfassbar bescheuert, moralisch mehr als fragwürdig und einfach total hirnrissiger Bockmist. Und dann leistet Cross sich auch noch die Frechheit einer a) obskuren Andeutung bezüglich der Beziehung zwischen Jäger und Sammler und einem b) latent offenen Ende, damit man auch Cross' Nachfolgewerk "Ich bin die Angst" brav kauft. Pah.

Somit ist "Ich bin die Nacht" anfangs gar nicht mal so schlecht, wird dann aber immer seltsamer, schlichter und unlogischer. Das geweckte Interesse des Lesers an einem Psychopathen wird nicht befriedigt, vielmehr versteift Cross sich mehr und mehr auf den "Guten" in der Geschichte und dessen Jagd nach dem Killer bzw. dessen Flucht vor Obrigkeiten, die ihm aus völlig bekloppten Gründen ans Leder wollen. Gekrönt wird das (auch rhetorische) Schmierentheater dann von einem dämlichen und vollkommen an den Haaren herbeigezogenen Finale, das noch nicht einmal alle Fragen beantwortet bzw. sogar noch neue aufwirft. Träumchen.

Insofern war ich von "Ich bin die Nacht" ziemlich enttäuscht, vor allem, weil es dem Autor zumindest am Anfang gelingt, einen für ihn einzunehmen. Da er dann aber sowohl sprachlich als auch inhaltlich völlig aus dem Ruder gerät, kann ich das Buch kaum empfehlen. Deshalb für die recht hübsche Covergestaltung (die sozusagen einmal "rundrum" geht) und einen guten Anfang gerade mal noch zwei von fünf Nächten, die man sich mit diesem Buch besser nicht um die Ohren hauen sollte.


Gang nach Canossa: Ein Mann, ein Ziel, ein Abenteuer
Gang nach Canossa: Ein Mann, ein Ziel, ein Abenteuer
von Dennis Gastmann
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 18,95

3.0 von 5 Sternen Wurzelsepp, 14. Juli 2014
2012 machte Gastmann sich im Frühjahr auf eine 1.637 km lange und drei Monate dauernde Reise von Hamburg-St. Pauli nach Canossa in Norditalien, um den Weg, den einst König Heinrich der IV. ging, um den Papst dazu zu bewegen, den über ihn verhängten Kirchenbann aufzuheben und für seine Sünden zu büßen, nachzugehen. Ob zur eigenen Buße oder Selbstfindung oder einfach nur aus journalistischer Neugier, so ganz klar ist sich Gastmann über seine Motive selbst nicht. Jedenfalls soll es in Canossa die besten Tortellini geben, zur Not muss das als Grund reichen.

Bereits 2011 ist Dennis Gastmann "Mit 80.000 Fragen um die Welt" gereist, nun scheint es, als wolle er sich selbst ein paar Fragen stellen, und wo ginge das besser als auf einem Trip allein durch ein paar europäische Länder. Da den Jakobsweg ja mittlerweile jeder läuft, hat Gastmann sich wohl gedacht, etwas Innovativeres muss her, also beschloss er, sich auf den Weg nach Canossa zu machen. So könne er mal in Ruhe über sein Leben, seine (vermeintlichen) Sünden und alles mögliche Andere nachdenken, was ihm unterwegs noch so durchs Gehirn schießen würde oder seinen Weg kreuzt.

Die erste Etappe führt ihn von Hamburg nach Buxtehude, von dort geht es über Wildeshausen und Osnabrück (kurzer Besuch bei Mutti) zum Rothaarsteig, dann Gastmann erstmalig an seine körperlichen Grenzen bringt. Von dort wandert er weiter nach Frankfurt, Neustadt, Speyer usw., bis er in Genf im berühmten Hotel Beau Rivage (Stichworte: Barschel und Badewanne) absteigt, man gönnt sich ja sonst nichts. Die nächste, nahezu unbezwingbare Herausforderung liegt im Mont Cenis, den Gastmann zum Glück aber mit einem erfahrenen Bergsteiger namens Bolognesi (ja wirklich) bewältigen kann, um dann über Turin endlich an der Burg Canossa in Norditalien anzukommen. Übrigens: Ich habe hier nicht jede einzelne Station von Gastmanns Reise aufgelistet, weil es mir einfach nicht interessant genug erschien.

Denn so wirklich spannend oder bahnbrechend unterhaltsam ist das nicht, was der selbsternannte "Wurzelsepp" (so fühlt Gastmann sich unter all den feinen Pinkeln bei seiner Ankunft im Nobelhotel Beau Rivage) hier erlebt. Und sein Weg zum inneren Ich ist es leider ebenso wenig. Er erlebt ein paar seltsame Dinge (er umarmt z. B. Bäume und hätte fast in seine Thermoskanne gepinkelt) und trifft komische Leute (die Zeugen Jehovas oder die Frau, die vor ein paar Jahren den Hersteller von minderwertigen Brustimplantaten verklagt hat), aber alles in allem vermag das nur wenig oder punktuell zu fesseln. Und auch Gastmanns vielgepriesener und angeblich so sarkastischer Humor findet nur wenig Einzug in sein Buch…oder erschließt sich mir einfach nicht. Gastmann kann durchaus gut schreiben und auch formulieren und manches Mal kommt man um ein Schmunzeln nicht umhin, aber da das Buch inhaltlich (für mich) so wenig hergibt, kämpft man sich mit Gastmann von Etappe zu Etappe, ohne ihm wirklich zu folgen.

Das mag allerdings auch an der unwirtlichen Jahreszeit liegen, zu der Gastmann seine Reise beginnt. Im noch oft verschneiten, verregneten und kalten deutschen Frühjahr, in dem die Felder braun, die Bäume kahl und die Luft feucht ist, gibt es nur wenig Positives oder gar Sonniges zu berichten. Gastmann friert, wird nass bis auf die Knochen und rutscht aus in Schlamm und Schnee. Darüber hinaus sind viele Abschnitte von Gastmanns Reise landschaftlich so karg, hässlich oder belanglos, dass auch diese Beschreibungen nicht unbedingt die Laune heben. Deutsche und europäische Tristesse, immer mal wieder, sowas will man eigentlich nicht unbedingt lesen.

Da der Autor nicht überzeugend vermitteln kann, was ihn zu dieser Reise angetrieben hat, folgt man ihm auch nur mäßig interessiert auf seinem vermeintlichen Büßergang. Mal wandert er an der Schnellstraße entlang, dann wieder durch Wald und Wiesen, wo er sich auch gerne mal verläuft, dann wieder fährt er ein Stück mit dem Zug oder dem Bus, macht Halt in hübschen oder furchtbar hässlichen Gasthöfen, bekommt widerlichen Fraß und exzellente Küche vorgesetzt, pflegt abwechselnd die böse schmerzenden Beine, Füße oder Hüften und lernt zauberhafte und nervtötende Leute kennen. Tja…

"Gang nach Canossa" bietet durchaus interessante Einblicke und stimmige Zu- und Umstandsbeschreibungen und kann immer mal wieder durchaus witzig sein. In der Summe aber ist es ein recht belangloser und unspektakulärer Reisebericht, der für den Autor definitiv mehr Nutzen hatte als für den Leser. Vielleicht gebe ich Gastmanns gemütlicher, unaufgeregter Schreibe noch mal eine Chance, denn dieses "Mit 80.000 Fragen um die Welt" klingt da weitaus interessanter und vor allem: internationaler als diese Zustandsbeschreibung bundesdeutscher Tristesse. Und vielleicht erschließt sich mir dann auch Gastmanns angeblicher Humor, den ich in diesem Buch nur ab und an habe aufblitzen sehen. Somit knappe drei von fünf Tortellini, die in Canossa vielleicht besser schmecken als anderswo…vielleicht aber auch nicht.


Die perfekte Welle
Die perfekte Welle
DVD ~ Eastwood
Preis: EUR 14,07

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Gott ist ein Surfbrett, 10. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Die perfekte Welle (DVD)
Da greift man sich ganz unschuldig einen Surferfilm aus dem Videothekenregal, weil es darin um Surfen, Neuseeland, Bali, Südafrika und so gehen soll, denkt sich noch, ach, der Sohn von Clint Eastwood spielt mit und sogar Cheryl Ladd ("Drei Engel für Charlie" 1977-81), das Ganze basiert auch noch auf einer wahren Geschichte, das wird bestimmt ganz nett und dann… landet man in einem derartigen bekehrungswütigen, gottesfürchtigen Drecksfilm, dass man Regisseur und Drehbuchautor am liebsten mit der Bibel, diesem Märchenbuch, verprügeln möchte.

Schon die Ausstattung der DVD ist eine Beleidigung: Ton in deutsch und englisch in DD 5.1, Trailer des Films, 4teilige Trailershow, das war's.

Der 24jährige Neuseeländer Ian McCormick (Scott Eastwood, "Texas Chainsaw") weiß noch nicht so genau, was er mit seinem Leben anfangen soll, also beschließt er, mit seinem Kumpel Greg (Jack Halloran in seiner ersten Rolle) erstmal ne kleine Surf-Reise zu unternehmen. Los geht's in Sydney, von da aus weiter nach Bali, wo Ian die hübsche Anabel (Rachel Hendrix) kennen- und lieben lernt. Mit ihr fährt er auf eine kleine indonesische Insel, wo sich dann herausstellt, dass es mit der großen Liebe doch nicht so weit her ist. Na, egal, weiter geht's nach Mauritius, immer auf der Suche nach der einen, perfekten Welle für Ian. Dann allerdings wird Ian beim Nachttauchen von einer hochgiftigen Qualle gestochen. Mit letzter Kraft schafft er es ins Krankenhaus, wo er aber leider stirbt. Ach nee, doch nicht, denn während er klinisch tot war, hat Gott (oder Jesus, egal) dem Atheisten Ian ins Ohr geflüstert, dass Sterben jetzt doch irgendwie doof wäre und Gott es viel geiler finden würde, wenn Ian wieder auferstehen und Gottes Gefasel unter die Leute bringen würde (gegen günstiges Marketing hat auch Gott nichts einzuwenden), zumal so ne coole Wiedererweckung bestimmt noch ein paar zusätzliche Neu-Gläubige in die Kirchen spülen würde. Also gut, denkt sich Ian, lebe ich halt weiter und erzähle meine unfassbar profane und natürlich nicht wahre Geschichte jedem, der sie hören oder auch nicht hören will. Der echte Ian lebt übrigens mittlerweile als Vater von drei Kindern mit seiner Frau als Pastor in London und missioniert fröhlich weiter.

Oh mein Gott, kann man da nur sagen. Wenn es ihn wirklich geben sollte, dürfte es nicht in seinem Sinne sein, dass sein Name für so einen bes******** Film missbraucht wird. Besonders, da die Glaubwürdigkeit von Ian McCormack und der ganzen komischen Wiederauferstehungsgeschichte stark angezweifelt werden darf, welch Überraschung. Jedenfalls ist "Die perfekte Welle" ein ganz mieser Trick, die Leute mit einem vermeintlich cool-lockeren Surffilm zu ködern, nur um sie schlussendlich massiv missionieren zu wollen und eine derart abstruse Geschichte zu erzählen, dass man wirklich nur noch mit dem Kopf schütteln kann.

Der Film erfüllt aber auch wirklich alle schlechten Voraussetzungen, die man sich vorstellen kann. Der Regisseur Bruce Macdonald versucht sich hier an seinem ersten Film und… scheitert auf ganzer Linie. Ich weiß nicht, ob man ihn mit Messwein abgefüllt hat, damit er sich bereit erklärt, so einen Rotz nicht nur zu "dirigieren" sondern gleich auch noch zu produzieren, oder ob er aufgrund des übermäßigen Messwein-Konsums nicht erkannt hat, was für ein bes********* Skript die Ebenfalls-Debütanten William A. Wood III. und Billy Wood sowie Fast-Debütant Roger Hawkins hier verbrochen haben. Keinerlei Erfahrung, keine Ahnung von vernünftigen Dialogen, glaubwürdiger Dramaturgie, stimmigem Tempo, Spannungsbogen, Schauspielführung (und -auswahl) und vor allem: dem Erkennen, wenn man absolute unglaubwürdige, miese S****** produziert.

Allerdings möchte ich mir kurz die Zeit nehmen, die drei Dinge zu benennen, die Macdonald gut gelungen sind: Es gibt eine kurze Nachtsurf-Sequenz, in der die Surfer mit beleuchteten Neoprenanzügen und Surfbrettern durch die nachtschwarzen Wellen gleiten, was sehr cool aussieht. Überhaupt sind die Bilder des Films wunderschön… Balis sattgrüne Reisterrassen, traumhafte Sonnenuntergänge, teilweise sehr schöne Locations (drinnen wie draußen), das alles macht optisch einiges her. Und schlussendlich ist auch der Soundtrack recht stimmig und gefiel mir immer dann besonders gut, wenn er eine dieser unsäglichen Dialogsequenzen ersetzte. Trotz dieser marginal gelungenen Aspekte kann man "Die perfekte Welle" leider nicht anders als unfassbar schlecht finden.

Der Film ist von derart simplem intellektuellem Gemüt, dass die haufenweise heruntergeleierten Binsenweisheiten kaum zu ertragen sind. Besonders Ian ergeht sich in zahllosen Plattitüden, darüber hinaus sind eigentlich auch alle anderen Dialoge so flach wie Surfbretter. Es wird vom Sinn des Lebens gefaselt, vom Suchen und Finden der perfekten Welle, von übernatürlichen Begebenheiten, die Ians Mutter auf telepathische Weise auch über tausende Kilometer hinweg mit ihrem Sohnemann verbinden (in dem Moment z. B., als Ian auf Mauritius von der Qualle gestreift wird, fällt Mutti daheim in Neuseeland ein Teller aus der Hand, uhh), darüber, dass Atheismus tödlich sein kann, aber alles gut wird, wenn man nur immer schön an Gott glaubt, und zwischendrin immer noch jede Menge dünnsinniges Partygelaber oder schwülstige Erkenntnisse, die jeglicher Grundlage entbehren. Hier wird auf Teufel (uhh, sorry Gott) komm raus derart hirnloses Zeug dahergeredet und so schlecht geschauspielert, dass man aus dem ungläubigen (jawohl!) Kopfschütteln gar nicht mehr herauskommt.

Ja, die Schauspieler… eigentlich ist Scott Eastwood kein wirklich schlechter Darsteller, allerdings hat er sich hier eine Rolle ausgesucht, die man wahrscheinlich so schlecht spielen muss, weil sie einfach so schlecht ist. Ich hoffe, Clint kriegt diesen Mist nie zu sehen, es wäre ein Anlass, sich für seinen Sohn in Grund und Boden zu schämen. Gut, Cheryl Ladd kriegt mit ihren 63 Jahren nur noch ein paar Angebote für TV-Serien, der Ruhm der "Drei Engel für Charlie"-Zeiten ist auch verblasst, irgendwoher muss die Kohle für Salat, Botox und Miete ja kommen. Rachel Hendrix als rehäugige Weltenbummlern ist zumindest optisch gut zu ertragen. Sobald sie allerdings den Mund aufmacht, kommt auch hier nur Mumpf raus und man möchte sie am liebsten mit ihrem reizenden Bikini erdrosseln. Jack Halloran besticht vorrangig durch eine selten dämliche Friese, die ganz wunderbar mit seinem dummdreisten Grinsen und dem inhaltslosen Schwachsinn korrespondiert, den er (zum Glück nicht allzu oft) absondert. Es gibt noch weitere, bedeutungslose, peinliche, beschämende und mies gespielte Rollen, mir gehen nur langsam die schmähenden Adjektive aus.

"Die perfekte Welle", dieser mehr als krude Mix aus Selbstverwirklichungstrip, oberflächlicher Love Story (die allerdings schnell wieder im Sande verläuft), übersinnlichem Hokuspokus und fast fanatischem Beschwörungsgebrabbel samt aufdringlicher Einrede, gefälligst an Gott zu glauben, ist nahezu abstoßend schlecht und hat vor allem so gut wie nichts mit einem Surferfilm zu tun. Ab und zu sieht man Ian mal auf dem Brett, aber dass es hier eigentlich um etwas ganz anderes geht, wird einem leider viel zu spät klar, nämlich dann, wenn man schon mitten in einem wirklich miesen, missionierenden Drecksfilm steckt, dessen oberstes Ziel es ist zu bekehren und weitere dumme Schafe in Gottes Herde zu treiben. Das ist nicht nur unfassbar dreist, sondern leider auch unfassbar schlecht umgesetzt.

Nach dem man dann endlich am Ende dieses 94minütigen Fernseh-Gottesdienstes angelangt ist und erleichtert auf die Stop-Taste drücken möchte, wird man noch mit einer "Message" des echten Ian McCormick belästigt, der uns gerne noch einmal erzählen möchte, wie er damals das Licht sah und sich vom Dunklen abwandte, hin zu Gott, der seine Trommelfelle in den endlosen Minuten des Todes zum Schwingen brachte, indem er einfach totalen Blödsinn hineinpustete und Ian damit so das Hirn vernebelt hat, dass dieser nach seiner jesusgleichen Wiederauferstehung (natürlich) sofort das Missionieren angefangen und wahrscheinlich testamentarisch festgelegt hat, dass Haus und Hof nach seinem zweiten (und dann hoffentlich endgültigen) Tod an die Kirche gehen. Hach, wunderbar.

Also, wer Surferfilme mag, nein, wer Filme generell mag, sollte unbedingt die Finger von "Die perfekte Welle" lassen. Ein hübsches DVD-Cover und eine arglistige inhaltliche Täuschung verleiten einen dazu, sich einen Film anzugucken, der wohl mit zur miesesten Propaganda für die Kirche gehören dürfte und das Surfen nur als Einstiegs-Alibi benutzt, um dann kraut und rübig so plump drauflos zu missionieren, dass es eine Unverschämtheit ist… und darüber hinaus echt schlecht gespielt. Deshalb, trotz hübscher Bilder, satte null von fünf Surfbrettern, mit denen ich abwechselnd Ian McCormick, den Regisseur und die Drehbuchautoren verkloppen möchte.


Lunchbox
Lunchbox
DVD ~ Nimrat Kaur
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schicksalhafte Verwechslung, 8. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Lunchbox (DVD)
Hört man die Worte "Indischer Film", denken die meisten sicherlich an grellbunte Bollywood-Streifen mit kitschiger Handlung und zahlreichen Musik- und Tanzeinlagen. Dass es auch ganz anders geht, zeigt Regisseur Ritesh Batra in seinem ersten Film. Er zeichnet ein realistisches Bild der Bewohner von Mumbai, gefangen zwischen Tradition und Moderne und portraitiert das weltweit einmalige Lunch-Liefersystem Mumbais, in dem durch über 5.000 Fahrradfahrer abertausende Angestellte tagtäglich ihr Mittagessen von ihren Ehefrauen oder Restaurants geliefert bekommen. "Lunchbox" ist weniger ein Liebesfilm denn ein leise und realistisch inszeniertes Drama, das sich in 104 Minuten langsam aber beharrlich seinen Weg ins Herz des Zuschauers bahnt.

Ila (Nimrat Kaur) will die erloschene Leidenschaft ihrer Ehe wieder etwas aufpeppen, indem sie ihren Mann mit ganz besonders leckeren Speisen verwöhnt, die ihm täglich durch einen Lieferservice zugestellt werden. Sehr viele Angestellte nehmen den Abhol- und Bringdienst der über 5.000 Fahrradkuriere in Anspruch, die die Mittagessen bei Ehefrauen oder Restaurants abholen und den Ehemännern und Angestellten zustellen. Ila ist eine sehr gute Köchin, wie auch der kurz vor der Pensionierung stehende Buchhalter Saajan (Irrfan Khan, "Life of Pi", "Slumdog Millionär") feststellen kann, bei dem die Lunchbox irrtümlich landet. Als Ila feststellt, dass ihr Mahl an den Falschen gegangen ist, kontaktiert sie Saajan über eine kurze Nachricht, die sie in die nächste Lunchbox steckt. Daraus entspinnt sich schon bald ein regelmäßiger Austausch der beiden einsamen Menschen, der nicht ohne Auswirkungen bleiben soll. Ila vermutet, dass ihr Mann eine Affäre hat und weiß nicht, wie ihr Leben weitergehen soll. Der verwitwete Saajan ist nach dem Tod seiner Frau zum Misanthropen geworden, dessen soziale Kontakte allesamt erloschen sind. Doch durch das gegenseitige Briefeschreiben entwickelt sich eine ungewöhnliche Seelenverwandtschaft zwischen Ila und Saajan, von der beide profitieren. Als Ila Saajan vorschlägt, sich zu treffen, hat das unabsehbare Folgen für das Leben der Beiden…

Die Ausstattung der DVD ist bedauerlicherweise recht dünn: Ton in deutsch und indisch, Untertitel in deutsch. Dazu gibt es einen interessanten Audiokommentar vom Regisseur und seinen beiden Hauptdarstellern (Original mit Untertiteln) und ein Interview mit dem Regisseur in Cannes. Darüber hinaus finden sich lediglich der Trailer des Films sowie eine 7teilige Trailershow auf der Scheibe.

"Lunchbox" ist ein Film, dem man Zeit geben muss. In langen, ruhigen Einstellungen stellt Regisseur Batra seine beiden Protagonisten vor und zeigt, wie sie leben. Ila fristet das typische Hausfrauendasein, sie kocht, wäscht, putzt und kümmert sich um die Erziehung von Tochter Yashvi. Fast täglich kommuniziert sie über das Küchenfenster mit der über ihr wohnenden "Auntie", die ihr in einem Körbchen oft leckere Zutaten von oben herablässt, damit Ila ihren Mann mit ausgefallenen Rezepten verwöhnen kann. Man sieht Ila in vielen alltäglichen Situationen, wodurch Batra es geschickt erreicht, nicht nur die gesellschaftlich vorgegebene, sondern auch die buchstäbliche Gefangenschaft indischer Frauen in Konventionen und lieblosen Ehen zu zeigen. Ila kann ihren Mann nicht verlassen, sie wäre gesellschaftlich erledigt und geächtet, darüber hinaus hat sie kein Einkommen. Visualisiert wird dies auch durch die Enge und Behelfsmäßigkeit der kleinen Wohnung, in der sich Ilas Leben fast ausschließlich abspielt.

Saajan hingegen ist im Laufe der Jahre zu einem wortkargen, verbitterten Misanthropen geworden, der seine Arbeit gewissenhaft verrichtet, darüber hinaus aber verlernt hat, Freude am Leben zu empfinden. Er verweigert den spielenden Nachbarskindern den auf seinem Balkon gelandeten Ball und weigert sich auf subtile Weise auch, seinen jungen Nachfolger Shaikh (Nawazuddin Siddiqui, "Gangs of Wasseypur") vernünftig einzuarbeiten. Abends steht er rauchend auf seinem Balkon und wirft sehnsüchtig-verbitterte Blicke zur Nachbarsfamilie, die allabendlich zum Essen zusammenkommt. Erst durch Ilas wunderbare Gerichte und die Kommunikation mit ihr beginnt Saajan, wieder aktiv an seinem eigenen Leben teilzunehmen und längst fällige Veränderungen vorzunehmen.

Hierfür findet Batra wunderbar aussagekräftige Bilder, die ein realistisches Bild vom Millionenmoloch Mumbai zeichnen. Da braucht es gar kein Übermaß an Dialogen, Batras Bilder sprechen für sich. Die überfüllten Pendlerzüge, die altmodisch anmutenden Büros ohne PCs, die kleinen, schlecht ausgestatteten Wohnungen. Und mittendrin die Dabbawallahs, die Essenskuriere, von denen es mehrere tausend in der Stadt gibt. Nur mit einem Zahlen- und Buchstabencode versehen, transportierten sie tägliche unzählige Lunchboxen zu ihren Empfängern, ohne, dass ihnen dabei jemals ein Fehler unterläuft, und das, obwohl die Boxen mit Fahrrad und Zug transportiert werden und durch verschiedene Hände gehen, bis sie beim Empfänger ankommen. So ist denn der Fehler, den Batra hier als Ausgangsposition für seine Geschichte voraussetzt, das einzig Unrealistische am Film, da den Dabbawallahs nachgewiesenermaßen noch nie ein einziger Fehler beim Ausliefern passiert ist. Batra zeigt Mumbai als laute, überfüllte, moderne, aber auch als traditionsreiche und rückständige Stadt, die zwischen Vergangenheit und Zukunft schwankt und der Masse an Menschen, die zu ihr drängt, kaum noch Herr werden kann. Das geht so weit, dass Saajan nach seinem Tod vermutlich mit einem "Steh"-Grab vorlieb nehmen muss, da kein Platz mehr vorhanden ist, die Toten alle liegend zu begraben. Eine Schmach für ihn, der "schon sein ganzes Leben in Bussen und Zügen" gestanden hat.

"Lunchbox" bewegt sich erfreulicherweise meilenweit entfernt vom gängigen Bollywood-Kitsch. Die ruhig erzählte, oft nur mit knappen Worten und Dialogen ausgestattete Geschichte entfaltet ihren Zauber langsam, aber nachhaltig. Mehr und mehr dringt die Hoffnung auf Veränderung in das Leben von Ila und Saajan ein, die Kommunikation miteinander gibt Beiden Kraft, sich und ihr Leben zu verändern. Wenn man ein bisschen Geduld hat und bereit ist, sich auf diese ungewöhnliche Geschichte einzulassen, wird man mit einem warmherzigen und sehr besonderen Film belohnt, für den Batra ein wunderbares, weil realistisches Ende gefunden hat, das sich erfreulicherweise ebenso wenig an gängige Bolly- oder Hollywood-Happy-End-Konventionen hält. Genauso muss das sein, denn genauso ist das nun mal im "richtigen" Leben.

Somit ist "Lunchbox" ein außergewöhnlicher, erst verschlossener, dann aber emotional immer weiter prosperierender Film über das Leben im heutigen Indien, seinen mühsamen Weg in die Moderne, der immer noch von vielen moralischen und gesellschaftlichen Rückschlägen begleitet wird. Liebe, Selbstverwirklichung, Kommunikation, Vertrauen und Freundschaft sind zentrale Themen des Films, die von den hervorragenden Darstellern überzeugend transportiert werden und dem Regisseur so zu einem oscarnominierten Erstlingswerk verholfen haben, das lange und gerne im Gedächtnis bleibt. Somit gerne fünf von fünf Lunchboxen, deren Irrwege ein wahrer Segen sein können.


Genug gesagt
Genug gesagt
DVD ~ Julia Louis-Dreyfus
Preis: EUR 12,93

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mid Agers, 5. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Genug gesagt (DVD)
Nicole Holofcener ist seit knapp 25 Jahren in der Branche, sie hat neben mehreren Independentfilmen ("Walking and Talking", "Freunde mit Geld") auch ein paar Episoden von "Sex and the City" und "Parks and Recreation" gedreht und das ein oder andere Kurzfilmchen. Die Schauspielerin Catherine Keener scheint die Lieblingsdarstellerin der Regisseurin zu sein, sie taucht in fast allen Spielfilmen von Nicole Holofcener auf, so auch in "Genug gesagt". "Genug gesagt" ist die amerikanische Variante eines typisch französischen, hm, Laberfilms. Das ist gar nicht mal böse gemeint, Fakt ist einfach, dass hier unheimlich viel geredet wird, wobei vorrangig viel Lärm um nichts gemacht wird. Endvierzigern bei ihrer untereinander stattfindenden Gesprächstherapie zuzuhören, könnte durchaus charmant und witzig sein, wenn…ja, wenn Frau Holofcener ein witzigeres und charmanteres Drehbuch geschrieben hätte. So sinkt dieser sehr dialoglastige Film in die Durchschnittlichkeit ab, was wirklich schade ist, wenn man bedenkt, dass Hauptdarsteller James Gandolfini hier in seiner vorletzten Rolle vor seinem viel zu frühen Tod im Juni 2013 zu sehen ist (zum allerletzten Mal lässt sich Gandolfini demnächst mit Tom Hardy und Noomi Rapace in "The Drop" bewundern).

Eva (Julia Louis-Dreyfus, "Seinfeld") ist Ende 40, geschieden, selbständige Masseurin und Mutter einer gerade flügge werdenden Tochter, die demnächst gen College abwandern wird. Die Angst vor dem baldigen Alleinsein vergeht, als Eva auf einer Party den etwa gleichaltrigen Albert (James Gandolfini, "Die Sopranos") kennenlernt. Obwohl der mopsige Halbglatzkopf eigentlich so gar nicht ihr Typ ist, schafft Albert es recht schnell, Eva für sich zu gewinnen. Auf der Party hat Eva allerdings auch die Dichterin Marianne (Catherine Keener, "Captain Phillips") kennengelernt, mit der sie sich schnell anfreundet. Marianne erzählt ihr viel über ihre gescheiterte Ehe und die unzähligen Macken ihres grauenhaften Ex-Mannes. Und während Eva sich noch glücklich mit dem unkomplizierten und gemütlichen Albert wähnt, muss sie erfahren, dass ebendieser der Ex von Marianne ist. Schnell beginnt Eva, Albert mit Mariannes Augen zu sehen und stellt ihre noch junge Beziehung auf eine harte Probe und vor allem in Frage. Vor allem, weil sie weder Marianne noch Albert erzählt, dass sie mit deren Ex-Partner befreundet bzw. liiert ist…

Die 93 Minuten Filmlänge kommen einem manchmal durchaus länger vor. In "Genug gesagt" passiert einfach nicht wirklich viel und das, was passiert, macht nicht immer Sinn. Holofcener flicht diverse Nebenstränge in ihre Haupthandlung, die eigentlich überflüssig sind und sich so als dramaturgisches Füllmaterial zu erkennen geben. Es hat keinerlei Relevanz, ob Eva sich mit der Freundin ihrer Tochter anfreundet und ihre Tochter das nicht so toll findet. Auch ist es völlig irrelevant, dass Alberts Tochter eine arrogante Ziege ist. Und inwiefern es auch nur von marginalem Interesse sein soll, dass Evas Freundin Sarah (Toni Collette, "A long way down") offensichtlich davon besessen ist, ihre Wohnzimmermöbel ständig umzustellen, weiß auch keiner. Holofceners Bemühungen um Authentizität und Humor laufen leider manchmal einfach nur ins Leere und zaubern dem Zuschauer nicht mehr als ein Fragezeichen ins Gesicht.

Dennoch verfügt "Genug gesagt" über einen manchmal sehr gelungenen Realismus und gibt viele Wahrheiten aus der Gefühlswelt der Menschen wider, die im zweiten Drittel ihres Lebens stehen, schon gescheiterte Beziehungen oder Ehen hinter sich haben und sich nun fragen müssen, was sie mit dem Rest ihres Lebens anfangen wollen. Wenn dann auch noch die Kinder das elterliche Zuhause verlassen, steht manch mitteljunger/-alter Single auf einmal ziemlich alleine da. Denn auch der Angst vor einer neuen Bindung und den damit einhergehenden eventuellen Verletzungen plus den übersteigerten Ansprüchen, die man im Laufe der Jahre entwickelt hat, will erstmal begegnet werden. All dies verpackt Holofcener in authentische Szenen und Dialoge, die mitten aus dem Leben gegriffen sind.

Allerdings wird hier mehr geredet als wirklich gesagt. Irgendwann geht einem die Überkommunikativität der weiblichen Protagonisten latent auf den Senkel, weil sich hier wahlweise über Belangloses echauffiert wird oder alles bis ins letzte Detail ausdiskutiert werden muss. Darüber hinaus fehlt es dieser Dramödie sowohl an Drama als auch an Komik. Die Dialoge sind lasch und die Charaktere nicht wirklich sympathisch.

Catherine Keener gibt die überhebliche Künstlerin ohne viel Charme, der ihre arrogante Art etwas negieren könnte. Toni Collette kommt über eine letztendlich überflüssige Nebenrolle nicht hinaus, was wirklich eine Verschwendung ist. Julia Louis-Dreyfus als Eva ist eigentlich ganz sympathisch, bis sie durch ihr Verhalten Albert gegenüber Vieles kaputtmacht und der Zuschauer kaum noch Mitleid mit ihr hat. Erstens lügt sie ihn an und zweitens behandelt sie ihn schlecht, sobald sie von seinen Macken erfährt, die sie vorher gar nicht gestört haben. Einzig James Gandolfini kann hier auf der Sympathie-Skala punkten, sein gelassener, witziger Albert hat solche Weiber einfach nicht verdient. Den Darstellern ist hier nichts vorzuwerfen, sie liefern alle überzeugend ab, sie haben nur überwiegend keine netten Charaktere abbekommen.

"Genug gesagt" ist ein letztendlich belangloser, ganz netter Film, der die Darsteller nicht wirklich fordert und auch nicht viel zu sagen hat. Holofcener gelingen ein paar charmante und authentische Wahrheiten, oft wird in "Genug gesagt" allerdings der Filmtitel schlicht ignoriert und einfach weitergequatscht. Viel Erhellendes kommt dabei leider nicht rum. Eigentlich nur zwei, aufgrund des wunderbaren James Gandolfini aber schlussendlich knappe drei von fünf kleinen Lebenskrisen, die so schlimm nun auch wieder nicht sind.


Homefront
Homefront
DVD ~ Jason Statham
Preis: EUR 12,99

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Don't you mess with the Broker, 2. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Homefront (DVD)
Sylvester Stallone ist ja nicht nur als knautschgesichtiger Actiondarsteller bekannt, sondern auch als Drehbuchautor und Regisseur. Der hier vorgestellte Film basiert auf einem alten Drehbuch von Stallone, der die Hauptrolle damals selbst übernehmen wollte. Da Stallone durch das lange Herumliegen des Scripts mittlerweile zu alt geworden war, um für die Hauptrolle noch in Frage zu kommen, hat er den Part kurzerhand seinem "Expendables"-Kumpel Jason Statham angeboten, der gern zugegriffen hat. Stallone fungiert bei dem Film darüber hinaus noch als Produzent, hat den Regiestuhl aber Gary Fleder ("Sag kein Wort") überlassen.

Die Ausstattung der DVD: Ton in deutsch und, englisch DD 5.1, Untertitel in deutsch für Hörgeschädigte. Extras: Deleted Scenes, Featurettes "Gator" und "Standoff", deutscher und englischer Trailer des Films sowie ein Teaser und eine 7teilige Trailershow.

Phil Broker (Jason Statham, "Transporter") beschließt nach einem missglückten Undercover-Einsatz als Agent der Drogenvollzugsbehörde und dem Tod seiner Frau, mit seiner 9jährigen Tochter Maddy (Izabela Vidovic) in eine Kleinstadt irgendwo in Louisiana zu ziehen, um neu anzufangen. Als seine Tochter einem Schulkameraden, der sie gemobbt hat, eine blutige Nase verpasst, ist es vorbei mit der Ruhe für Phil Broker. Cassie, die drogensüchtige Mutter des Jungen (Kate Bosworth, "21") flippt total aus und setzt ihren Bruder Gator (James Franco, "127 Hours"), den örtlichen Drogenboss, auf Broker an. Als Gator beim Herumschnüffeln in Brokers Haus herausfindet, dass Broker ein ehemaliger Agent der Drogenbehörde ist, mit dem ein inhaftierter Gangster noch eine Rechnung offen hat, sieht er seine Chance, groß rauszukommen, wenn er Broker ans Messer liefert. Doch weder die flugs anreisenden Gangster noch Gator haben mit Phils "Beharrlichkeit" gerechnet, die er an den Tag legt, um sein neues Leben und das seiner Tochter zu verteidigen. Einzig Gators Ex-Freundin Sheryl (Winona Ryder, "Black Swan") rechnet mit dem Schlimmsten…und das nicht zu Unrecht.

"Homefront" ist kein klassischer Actionfilm. Drehbuchautor Sylvester Stallone gibt seiner Geschichte knapp 60 von insgesamt 100 Minuten Zeit, sich langsam zu entwickeln. Nach einem bleihaltigen Intro wird es erstmal sehr ruhig um Phil Broker und seine Tochter. Zwar haut Maddy ihrem Mitschüler schnell eins auf die Nase, aber bis die Situation wirklich eskaliert und Broker in den unerbittlichen Verteidigungsmodus schalten muss, vergehen knapp zwei Drittel des Films. Das sollte man wissen, falls man sich auf eine der üblichen Jason-Statham-Kampf-und-Schießorgien eingestellt hat.

Und auch wenn es ein paar kleine Scharmützel mit Gators "Angestellten" und eine kleine verbale Auseinandersetzung mit dem örtlichen Sheriff (Clancy Brown, "Highlander") gibt, passiert ansonsten nicht wirklich viel im ländlichen Louisiana. Maddy spielt mit ihrer Baby-Katze (die James Franco übrigens nach Ende der Dreharbeiten "adoptiert" hat), Broker werkelt am neuen Haus rum, Gator verjagt ein paar kiffende Kids aus seinem Territorium, Cassie prollt in der Gegend rum und wirft noch ein paar Drogen ein, Maddy feiert ihren zehnten Geburtstag und ihre Lehrerin und Broker lächeln sich dümmlich an. Alles ganz nett anzusehen, aber recht unspektakulär.

Im letzten Drittel dann geht es zur Sache, Broker rüstet auf und macht mit Händen und Waffen alles platt, was ihm in die Quere kommt. Beim Showdown wird zwar ordentlich rumgeballert, aber recht wenig auf die gute altmodische Art gekämpft. Statham kann hier nur wenig von seinen beachtlichen Kampfkünsten zeigen, was wirklich schade ist. Vorrangig rennt er mit einer großen Knarre durch die Gegend und ballert auf alles, was sich bewegt. Zwar darf er zwischendurch auch ein paar ordentliche Faustschläge in den Gesichtern seiner Gegner platzieren, aber mehr als Standard-Prügel-Choreographien kommen dabei nicht heraus.

Die Charakterzeichnungen bleiben trotz der vielen Zeit, die sich Regisseur Fleder hier anfangs für die Protagonisten nimmt, ziemlich blass, stereotyp und oberflächlich. Broker ist der Harte, der innendrin natürlich ganz zart ist und den die Lehrerin natürlich sofort ganz toll findet. Die Gangster sind böse und tumb oder böse und verschlagen, die Frauen drogenumnebeltes oder anderweitig nutzloses Beiwerk und der Sheriff ist natürlich korrupt, am Ende aber geläutert. Herrje, mit dieser Figurenzeichnung hat Stallone sich nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert.

Dennoch kann man "Homefront" nicht absprechen, recht solide und ohne größere Patzer inszeniert worden zu sein. Die Darsteller machen ihre Sache gut, Fleder hat hier einen recht prominenten Cast vor seiner Kamera versammeln können. In viel zu kleinen Rollen tauchen wunderbare Darsteller wie bereits erwähnter Clancy Brown auf, darüber hinaus Frank Grillo ("Warrior") und Pruitt Taylor Vince ("Identity"). Statham liefert wie immer mimisch sehr reduziert, dafür physisch überaus agil ab. James Franco darf hier einmal mehr nur Klischees bedienen und bleibt genauso unterfordert wie Winona Ryder.

Alles in allem ist "Homefront" zwar sehr langsam in die Gänge kommende, dann aber recht bleihaltige Actionkost. Die Story bleibt simpel genug, um das Hirn nicht zu überanstrengen und die Darsteller fallen nicht durch besonders herausragende, aber souveräne Leistungen auf. Innovation oder gut choreographierte Fights sollte man hier nicht erwarten, dann wird man mit einer annehmbaren Statham-/Stallone-Kooperation belohnt. Knappe drei von fünf Kätzchen, die bei James Franco ein neues Zuhause gefunden haben.


Kein Ort ohne dich: Roman
Kein Ort ohne dich: Roman
von Nicholas Sparks
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

4.0 von 5 Sternen The Longest Ride, 28. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Kein Ort ohne dich: Roman (Gebundene Ausgabe)
Nicholas Sparks ist ein amerikanischer Autor, der seit knapp zwei Jahrzehnten seine (wohl vorwiegend weibliche) Leserschaft mit romantisch-dramatischen Liebesgeschichten unterhält, von denen bereits diverse auch den Weg auf die Leinwand geschafft haben ("Message in a Bottle", "Wie ein einziger Tag", "Das Leuchten der Stille"). Auch Sparks' 17. Roman, "Kein Ort ohne Dich" wird gerade verfilmt, der Filmstart ist für 2015 vorgesehen. Sparks lebt mit seiner Frau und seinen fünf Kindern in North Carolina, wo auch die meisten seiner Romanen spielen.

Ira erwacht aus der Bewusstlosigkeit und muss feststellen, dass er mitten im Februar bei eisiger Kälte offenbar mit seinem Wagen von der Fahrbahn abgekommen ist und einen Unfall hat. Kopf und Arm sind schwer verletzt und er kann sich nicht bewegen. Doch der eventuell drohende Tod macht dem 91jährigen keine Angst. Seit seine geliebte Frau Ruth vor neun Jahren gestorben ist, hat das Leben für Ira keinen großen Reiz mehr. Doch er hat das Glück, Ruth wiederzusehen. Zwar nur als unfallbedingte Halluzination, aber dennoch. Zusammen mit ihr tritt er noch einmal eine Reise durch ihr gemeinsames Leben an, das viele dramatische und glückliche Momente einer über 60 Jahre währenden Ehe bereithält. Ein anderes Paar steht noch ganz am Anfang seines gemeinsamen Weges…wenn es denn überhaupt einen gemeinsamen Weg geben sollte. Denn die junge Studentin Sophia ist gerade in ihrem letzten Collegejahr ihres Studiums der Kunstgeschichte, als sie den Mittzwanziger Luke kennenlernt. Der Cowboy lebt mit seiner Mutter auf einer Ranch und ist professioneller Bullenreiter. Sophia würde nach ihrem Studium gerne in einem Museum arbeiten, Luke hingegen muss seiner Mutter auf der Ranch helfen, um diese vor dem Ruin zu bewahren. Dennoch entwickeln die Beiden Gefühle füreinander, die denen, die Ruth und Ira einst und immer noch füreinander hegten, nicht unähnlich sind. An einem verschneiten Februartag schließlich verbinden sich die Schicksale dieser vier Menschen miteinander…

Sparks' Geschichte bezieht ihre Spannung und zumindest latente Tiefgründigkeit aus den drei Perspektiven, aus denen die Geschichte erzählt wird. Zum einen ist da Ira, der nach einem Unfall im Auto festsitzt und auf den nahenden Tod wartet. Sparks stellt ihm mittels unfallbedingter Halluzinationen die Liebe seines Lebens an die Seite, die vor neun Jahren verstorbene Ruth. Gemeinsam mit ihr begibt sich Ira auf eine Reise in die Vergangenheit, die vom ersten Kennenlernen bis zum Tode Ruths das gemeinsame Leben des Ehepaares mit allen Höhen und Tiefen beleuchtet. Auch für den Leser wird dies zur abwechslungsreichen Reise in eine Zeit, die von Krieg, Entbehrungen und dem langsamen Wiederaufstieg einer Nation geprägt war. Es macht Spaß, an Iras und Ruths Leben teilzuhaben und sie in unterschiedlichen Stadien ihres Lebens kennenzulernen. Sparks gelingt es gut, diese für beide einzigartige Verbindung und Liebe authentisch und emotional zu beschreiben.

Zum anderen wird die Geschichte darüber hinaus sowohl aus Sophias als auch aus Lukes Perspektive erzählt, was es dem Leser ermöglicht, die sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen den Beiden aus zwei Blickwinkeln zu betrachten. Luke, der Bullenreiter, der gesundheitlich angeschlagen ist und seiner Mutter auf der Ranch helfen muss, um ihrer beider Überleben zu sichern. Als Halbwaise und einziges Kind lastet die gesamte Verantwortung für Haus und Hof auf seinen Schultern, zumindest empfindet er es so. Im Gegensatz dazu kommt Sophia aus einer kinderreichen Familie, die ein eigenes, gutgehendes Delikatessengeschäft besitzt. Ihre größte Sorge ist, welchen beruflichen Weg sie einschlagen soll, nachdem ihr Studium beendet ist. Sie kann sich nur schwer vorstellen, etwas Ernsthaftes mit Luke anzufangen, weil ihre beiden Leben unterschiedlicher kaum sein könnten. Dennoch können weder Luke noch Sophia verhindern, dass sie sich Hals über Kopf ineinander verlieben, was natürlich auch so einige Probleme mit sich bringt.

Bevor das Schicksal diese drei Menschen zusammenführt, braucht es fast die gesamte Romanlänge. Das macht aber nichts, weil dies nicht wirklich ausschlaggebend für die Story an sich ist. Es dient lediglich dazu, die Geschichte zu einem passablen, wenn auch recht einfältigen Ende zu führen. Sparks ist ja dafür bekannt, seine Geschichten oft ausweglos und dramatisch enden zu lassen, so dass man sich bei ihm nie sicher sein kann, ob denn mit der letzten Buchseite auch "alles wieder gut wird". Hier liegt dann auch ein wenig die Crux solcher romantischen Romane. Einerseits wünscht man sich vielleicht, dass es mal kein Happy End geben mag, damit die Geschichte dem wahren Leben etwas näher kommt. Dem steht aber wohl andererseits der weibliche Wunsch nach einem romantischen und glücklichen Ende einer Love Story entgegen. Es steht bei "Kein Ort ohne Dich" zu befürchten, dass Hollywood aus der Verfilmung des Romans ein klischeehaftes Liebesfilmchen zaubern wird, das auf den Buchseiten zwar noch recht subtil und somit annehmbar ist, in der Filmversion aber zum kitschig-romantischen Supergau mutieren könnte.

Mir hat "Kein Ort ohne Dich" gut gefallen, auch wenn es sich hier wohl um typische Frauenlektüre und naturgemäß recht leichte Kost handelt. Man kann die über 500 Seiten prima weglesen und ist dank Sparks' routinierter Erzählkunst durchaus interessiert am wendungsreichen Leben der Protagonisten, welches Sparks dramatisch und abwechslungsreich gestaltet und das seinen Reiz auch daraus bezieht, verschiedene Blickwinkel anzuwenden und einen Zeitraum von ca. 70 Jahren abzudecken. Beim recht vorhersehbaren und profanen Ende bleibt man zwiegespalten zurück. Einerseits wünscht man den Protagonisten nur das Allerbeste, andererseits geht so natürlich ein bisschen Spannung und Originalität verloren. Trotz einiger schwülstiger Bekenntnisse bleibt "Kein Ort ohne Dich" weitgehend schmalzfrei und ist somit einfach eine gut erzählte Geschichte. Deshalb gerne vier (zugegebenermaßen östrogenlastige) von fünf Liebesgeschichten, die eben typisch Sparks sind.


Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Das Schicksal ist ein mieser Verräter
DVD ~ Shailene Woodley
Preis: EUR 14,99

6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein kurzer Blick aufs Glück, 20. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Das Schicksal ist ein mieser Verräter (DVD)
(Kinoversion)

Nach seinem überaus erfolgreichen Jugendroman "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" kann sich Autor John Green nun auch über eine sehr eng an das Buch angelehnte und somit gelungene Verfilmung seines Romans freuen. Die begeisterte Leserschaft des Romans kann sich beruhigt in das 126minütige Werk von Regisseur Josh Boone ("Love Stories" - Erste Liebe, zweite Chancen") begeben, Boone hat aus der literarischen Vorlage eine nahezu 1:1-Verfilmung gemacht, in der es nur wenige kleine Änderungen gibt und natürlich ein paar Kürzungen, was sich bei der Verfilmung von Romanen ja nie ganz vermeiden lässt. Mir ging es letztendlich genauso wie beim Lesen des Buches, vollständig konnte ich mich nicht auf Protagonisten und Story einlassen, vielleicht liegt das aber auch einfach daran, dass ich meine Teenagerzeit schon lange hinter mir habe und mich nicht mehr ganz in diese Welten einfühlen kann oder mag. Gelungen ist "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" aber allemal, was zum einen an Boones behutsamer Regie und zum anderen an zwei fabelhaft gecasteten Hauptdarstellern liegt.

Hazel (ShaileneWoodley, "Die Bestimmung - Divergent") ist 16 und hat seit drei Jahren Schilddrüsenkrebs, der auch schon in ihre Lungen gestreut hat. In der Selbsthilfegruppe für krebskranke Kinder, die sie nur widerwillig besucht, lernt sie eines Tages den ein Jahr älteren Augustus (Ansel Elgord, ebenfalls "Die Bestimmung - Divergent", "Carrie") kennen. Dieser hat zwar ein Bein an den Krebs verloren, gilt aber durch die Amputation als geheilt. Schnell verlieben sich die Beiden ineinander, auch wenn Hazel sich anfangs dagegen wehrt, da sie fürchtet, andere durch ihren nahenden Tod zu verletzen, wenn sie sie zu nah an sich heranlässt. Doch gegen Augustus' Charme ist sie machtlos, und als er ihr auch noch eine Reise nach Amsterdam zu ihrem Lieblingsautor (Willem Dafoe, "The Hunter") ermöglicht, ist es gänzlich um Hazel geschehen. Doch diese Momente des Glücks werden schon allzu bald wieder vom Krebs überschattet, der Hazels und Augustus' junge Liebe auf eine leidvolle Probe stellt.

Viel mehr braucht man zum Inhalt nicht sagen. Die, die das Buch kennen, wissen sowieso, wie es weiter- und ausgeht. Die, die es nicht kennen, sollten nicht mehr wissen, um sich von der Story noch ausreichend überraschen lassen zu können. Fakt ist, dass auch die Verfilmung des weltweit erfolgreichen Romans sehr zu Herzen geht, dabei aber auch durch hintersinnigen und charmanten Humor glänzt. Nie sind die jungen Protagonisten einfach nur krank und/oder bedauernswert, sie sind auch ganz normale Teenager, die Streit mit den Eltern haben, cool sein wollen und sich Hals über Kopf verlieben. Sie haben gute und schlechte Tage, wie alle anderen Teenager auch. Allerdings enden ihre schlechten Tage oft auch im Krankenhaus und können lebensbedrohend werden. Umso erfreulicher ist es, mit anzusehen, wie sie trotz allem die Kraft finden, in der Zeit, die ihnen noch bleibt, ihre Träume wahr werden zu lassen.

Boone hält sich wirklich sehr eng an die Vorlage. Die meisten Dialoge sind identisch mit denen im Buch und auch die Settings hat man sich größtenteils beim Lesen genauso vorgestellt, wie Boone sie in seinem Film präsentiert. Ähnlich geht es einem bei den Hauptdarstellern, auch sie entsprechen sehr gut den Beschreibungen, die Romanautor Green sich für seine Protagonisten ausgedacht hat. Und man muss diesen beiden Jungmimen eins lassen: für ihr Alter (Woodley ist 22, Elgort 20) und zumindest Elgorts geringe Schauspielerfahrung (er war vor diesem Film erst in zwei anderen zu sehen) meistern sie diese sicherlich schwierigen Rollen sehr gut. Willem Dafoe, Laura Dern und Sam Trammell ("True Blood") müssen sich mit Nebenrollen begnügen, die sie natürlich routiniert beherrschen.

Natürlich kommt man bei einer Buchverfilmung nicht umhin, den Inhalt ein wenig zu kürzen oder abzuändern. So hat auch Boone sich einige wenige künstlerische Freiheiten genommen und ein paar Szenen leicht verändert und ein paar Situationen und Erklärungen (oder sogar Personen - wie Hazels Freundin z. B.) wegfallen lassen. Das fällt dem aufmerksamen Leser des Buches natürlich auf, zum Glück aber nicht negativ. Die Änderungen beschränken sich größtenteils auf Nebensächlichkeiten, meist ist man sowieso damit beschäftigt, begeistert darüber zu sein, wie nah Boone ansonsten am Buch geblieben ist. Darüber hinaus verhilft Boones wirklich sensible und gekonnte Regie (obwohl dies erst sein zweiter Film ist) dem Film dazu, im richtigen Moment witzig oder auch ergreifend zu sein.

So ganz habe ich dennoch (wie schon beim Buch) nicht den Zugang zu "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" gefunden. Manchmal fehlte mir doch der emotionale Zugang zu den Protagonisten oder deren Schicksal. Die Komplexität, die der Roman zwar auch nicht vollständig, aber besser als der Film bietet, fehlte mir an der ein oder anderen Stelle und ich habe stellenweise doch die 126 Minuten Filmlänge "gemerkt", obwohl es nie wirklich langweilig oder belanglos war. Glücklicherweise gab es aber auch diverse Momente, die mich wirklich zu Tränen gerührt haben. Ich denke, wäre ich erst 15 oder 20, hätte der Film bei mir weitaus mehr ausgelöst. Vielleicht auch nicht, ich weiß es nicht, Fakt ist, so ganz fühle ich mich nicht der wahrscheinlichen Zielgruppe des Films zugehörig.

Alles in allem ist "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" eine sehr gelungene Buch-Verfilmung, die sowohl darstellerisch als auch inszenatorisch punkten kann. Ausstattung und gefühlvoller (manchmal auch rockiger) Soundtrack tun ein Übriges, den Film zum Pflichtprogram für Teens und Twens werden zu lassen, besonders, wenn diese das Buch kennen. Ältere oder die Vorlage nicht-kennende Zuschauer mögen manchmal vielleicht nicht ganz eintauchen können in Hazels und Augustus' Welt, werden aber dennoch von deren Schicksal berührt. Für mich (und nur für mich ganz persönlich) sehr gute drei von fünf Buchverfilmungen, denen man eigentlich nicht viel vorwerfen kann, die mich aber dennoch nicht ganz so berührt haben, wie ich es mir gewünscht hätte.


Das große Los: Wie ich bei Günther Jauch eine halbe Million gewann und einfach losfuhr
Das große Los: Wie ich bei Günther Jauch eine halbe Million gewann und einfach losfuhr
von Meike Winnemuth
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wenn eine(r) eine Reise tut…, 18. Juni 2014
Meike Winnemuth, geboren 1960 in Neumünster, ist Journalistin und Autorin. Sie hat Anglistik und Germanistik studiert, lebt in Hamburg und München und schreibt unter anderem für den Stern, das SZ Magazin und Geo Saison. Im Oktober 2010 gewann sie bei "Wer wird Millionär" 500.000 Euro und beschloss daraufhin, eine einjährige Weltreise zu unternehmen. Diese begann nach einer feuchtfröhlichen Silvesterfeier in Istanbul am 1. Januar 2011.

Meike Winnemuth wollte in 12 Monaten 12 verschiedene Städte besuchen und in jeder Stadt einen Monat leben. Nicht im Hotel, sondern in einer "richtigen" Wohnung, die sie jeweils für vier Wochen mietete. Ihre Reise begann in Sydney und führte sie anschließend nach Buenos Aires und Mumbai. Von ihrem ursprünglichen Plan, dann nach Tokio weiterzureisen, musste sie wegen der Tsunami-Katastrophe und dem Reaktorunfall in Fukushima kurzfristig Abstand nehmen und entschied sich alternativ für Shanghai. Von dort ging es nach Honolulu und San Francisco, um rechtzeitig zum europäischen Sommer erst in London, dann in Kopenhagen und schließlich in Barcelona Station zu machen. Im letzten Reisequartal ging es dann noch nach Tel Aviv, Addis Abeba und Havanna. Von dort beschloss Meike Winnemuth, auf einem Containerschiff zurück nach Hamburg zu fahren, anstatt zu fliegen. Anfang Januar 2012 war sie zurück in ihrer Heimat, bestückt mit unendlich vielen Erinnerungen, Erlebnissen und dem Wunsch zu diversen Veränderungen.

"Das große Los" ist eine wunderbar gelungene Mischung aus Reisebericht, Selbsterfahrungstrip und rhetorisch gekonntem kosmopolitischen Journalismus. Meike Winnemuth schreibt offen und ehrlich über ihre Eindrücke, die die verschiedenen Städte bei ihr hinterlassen, mehr aber noch über die Menschen, die sie unterwegs und auch über ihren Blog, den sie während der gesamten Reise geschrieben hat, kennengelernt hat und über das, was diese Reise mental bei ihr bewirkt. Von unglaublichen Glücksgefühlen, aber auch von deprimierenden und schwierigen Tagen. Von ihrem Mut, immer neue Dinge auszuprobieren und sich vom Alleinreisen nicht einschüchtern zu lassen, ungewöhnliche Wege zu beschreiten und zu lernen (ob nun eine neue Sprache, Tauchen, Sticken oder Tango tanzen). Das Buch ist voll von interessanten Begegnungen, wunderschönen Erlebnissen, einzigartigen Momenten, besonderen Menschen und erstaunlich offenen Einblicken in Meike Winnemuths Innenleben. Aber auch die nicht so schönen Tage, die Zweifel, die temporäre Überforderung, der innere Rückzug und der ein oder andere Kulturschock werden nicht verschwiegen und machen "Das große Los" so zu einem authentischen und immer wieder überraschenden und abwechslungsreichen Buch.

Meike Winnemuth gliedert ihr Buch kapitelweise in die 12 Stationen ihrer Reise. Sie schreibt diese in Briefform an verschiedene Freunde, ihre Eltern, aber z. B. auch an ihren Publikumsjoker bei Günther Jauch, der ihr bei der 500.000-Euro-Frage letztendlich zum Sieg verholfen hat und an ihr jüngeres Ich. Nach einem kurzen Vorwort geht es auch schon los, nach jedem Kapitel schließt Meike mit einem "10 Dinge, die ich in … gelernt habe"-Resümee. Am Ende ihrer Reise folgt ein Epilog, in dem sie ihr Leben eine Woche, einen Monat und ein Jahr nach ihrer Rückkehr beleuchtet und berichtet, wie es ihr ergangen ist und was sie in ihrem Leben verändert hat oder noch ändern will. Darüber hinaus gibt sie hilfreiche Tipps, wie man so eine Reise organisieren kann (was weit weniger aufwendig ist, als man meinen sollte) und was es zu beachten gilt. Schlussendlich ist das Buch mit zahlreichen Fotos angereichert, die Meike Winnemuths gekonnte Beschreibungen visuell komplettieren.

"Das große Los" ist einfach ein wunderbares Buch. Es beflügelt die Gedanken, sowohl in die eine Richtung (was will ich noch sehen von der Welt?) als auch in die andere (wie gefällt mir mein momentanes Leben, was möchte ich tun, was ich bisher noch nicht getan habe und was hält mich davon ab?). Es verleitet dazu, Reiseziele wie Äthiopien oder Israel ins Visier zu nehmen, weil es einfach unglaublich spannend ist, was es dort alles zu sehen und zu erleben gibt. Die Freundlichkeit der Menschen, Orte, wie unsere westliche Welt sie nicht kennt, unglaubliche Landschaften. Und es lässt einen ernsthaft darüber nachdenken, wie erfüllt das eigene Leben ist oder ob es da nicht doch noch den ein oder anderen Traum gibt (es muss ja nicht immer eine Weltreise sein), den man aus Angst oder vermeintlicher Überforderung noch nicht umgesetzt hat. Eine wahrlich beflügelnde Reise, die man hier mit Meike Winnemuth antritt.

Kurzum: "Das große Los" ist unbedingt empfehlenswert, selbst, wenn man kein sonderlich großes Interesse daran hat, die Welt zu bereisen. Es ist inspirierend, interessant, abwechslungsreich, authentisch und wunderbar fluffig geschrieben. Es weckt sowohl Fernweh als auch Heimatgefühle und macht den, der dafür empfänglich ist, vielleicht sogar ein kleines bisschen mutiger…weniger denken, einfach machen. Sich vom Leben und sich selbst überraschen lassen, ausprobieren, kennenlernen, neugierig bleiben. Insofern gerne volle fünf von fünf Weltreisen, die zumindest ich gerne noch machen würde.


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