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Rezensionen verfasst von
MissVega (Hamburg)

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Maggie
Maggie
DVD ~ Abigail Breslin
Preis: EUR 12,90

2.0 von 5 Sternen Infected, 4. September 2015
Rezension bezieht sich auf: Maggie (DVD)
(Kinoversion)

»Intro«

Arnie versucht, was schon viele Actionstars vor ihm versucht haben: er wechselt zu vermeintlich anspruchsvolleren Charakterrollen. Doch während dies z. B. seinem Kollegen Sylvester Stallone schon anno 1997 mit "Cop Land" hervorragend gelungen ist, muss man leider sagen, dass Schwarzenegger in seiner ersten ernsthaften Rolle weitestgehend versagt. Den leidgeplagten Vater einer zum Zombie mutierenden Tochter nimmt man ihm leider nicht ab, da er gewohnt granitgesichtig und ausdruckslos vor sich hinagiert und keinerlei Emotionen beim Zuschauer generieren kann. Und auch Abigail Breslin gelingt es hier nicht wirklich, einem ihre von Ängsten und stärker werdenden fleischlichen Gelüsten geplagte Teenagerin näherzubringen. Wahrscheinlich war Regiedebütant Henry Hobson mit dem Script von Drehbuchdebütant John Scott schlicht überfordert oder wollte einfach zu viel. Für einen waschechten Zombiefilm ist "Maggie" zu blutleer, für ein gelungenes Drama viel zu emotionslos.

»Wassup?«

Es gibt mal wieder eine Zombie-Apokalypse in den USA. Die Regierung ist jedoch fleißig bemüht, einen Impfstoff gegen das Virus zu finden. So lange dies noch nicht gelungen ist, werden die zu Zombies Mutierenden kurz vor ihrer "Verwandlung" eingesperrt und kontrolliert getötet, alles angeblich total human. Das wiederum glaubt Wade Vogel (Arnold Schwarzenegger) nicht und hat deshalb beschlossen, seine sich langsam verwandelnde Tochter bei sich zu Hause unterzubringen. So ganz legal ist das nicht, aber vorerst kommt Wade damit durch. Die zwei anderen Kinder der Vogels werden vorsichtshalber zur Omi abgeschoben, man weiß ja nicht, was noch so mit Maggie (Abigail Breslin, "Little Miss Sunshine") passiert, wenn sie sich wandelt. Auch Wades zweite Frau Caroline (Joely Richardson, "Die Tudors") bleibt skeptisch. Währenddessen fängt Maggie langsam an zu verfaulen, verliert ihren Appetit auf normales Essen und bekommt nach und nach Lust auf Menschenfleisch. Wird Wade es im Zweifelsfall fertigbringen, seine eigene Tochter umzubringen? Oder schafft er sie doch noch in eine der Kliniken, die die Untoten töten?

»Let's get real«

"Maggie" ist kein typischer Zombiefilm. Es gibt zwar auch ein paar herumirrende Zombies, die zähnefletschend Menschenfleisch begehren und sich im Schneckentempo vorwärtsbewegen, aber im Großen und Ganzen spielen sie eher eine Nebenrolle. Auch Blut gibt es kaum zu sehen, denn Regisseur Hobson hat für seinen ersten Film einen anderen Fokus gewählt. Keine schlechte Idee an sich, er hätte nur wissen müssen, wie man ein Zombiedrama gekonnt inszeniert oder überhaupt etwas gekonnt inszeniert.

Der Film ist gleich auf zwei Ebenen blutleer - es gibt weder viel Blut zu sehen noch kann der Film auf der emotionalen Ebene überzeugen. Das Dramatische, das die Story in sich birgt, können weder Regisseur noch Darsteller glaubhaft vermitteln. Man kann weder zum Vater noch zur Tochter eine emotionale Bindung aufbauen, da sie überwiegend so gefühlsarm agieren, dass man einfach keinen Draht zu ihnen kriegt.

Dies liegt einerseits an der hölzernen Darstellung der beiden Protagonisten, andererseits an der unzureichenden Story an sich. Und dadurch wird der Film leider eins: langweilig. Es passiert auch einfach zu wenig. Maggie wird von Daddy nach Hause geholt, nach dem sie sich schon selbst in die Todesklinik eingewiesen hatte. Fortan dümpelt sie zu Hause rum, will nix essen und niemanden sehen. Wade hingegen plagt sich mit dem Schmerz, den der nahende Tod seiner Erstgeborenen mit sich bringen wird und mit ein paar Cops, die Maggie lieber heute als morgen in der Klinik sehen würden.

So steuert der Film gemächlich und unterkühlt auf sein unabwendbares Finale zu, ohne dem Zuschauer dabei Maggie oder ihren Vater irgendwie näher zu bringen. Grusel, Ekel oder Ähnliches gibt es auch nur in minimalen Dosen, so dass "Maggie" belanglos am Zuschauer vorbeiplätschert. Schade.

»Players«

Arnold Schwarzenegger gelingt es leider nicht, seine inneren Kämpfe und Sorgen akzeptabel auf sein Gesicht zu projizieren. Versteinerten Antlitzes stapft er durch die Szenerie und guckt abwechselnd grimmig oder zahnschmerzig. Selbst wenn er sich mal eine Träne abringt, bleibt sein Gesicht emotionslos. Dazu kommt noch, dass man in der englischen Originalversion Arnies grauenvollen österreichischen Akzent zu hören bekommt, der Schwarzeneggers Untalentiertheit als ernst zu nehmender Schauspieler leider irgendwie noch verstärkt. Mimisch und akustisch glänzt Schwarzenegger also leider nur durch Talentfreiheit. Und auch Abigail Breslin, die durchaus gut schauspielern kann, agiert hier lustlos und emotional gebremst. Das gehört ein Stück weit sicherlich zur Rolle einer sich wandelnden Untoten, dennoch bleibt Breslin in ihrer Darstellung weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Auch erfahrene Mimen wie Joely Richardson können keine Akzente setzen, so dass man hier zwar von einem erfahrenen, aber leider keinem sonderlich überzeugenden Cast sprechen muss.

»Quintessence«

"Maggie" ist der Versuch eines zombieesken Dramas, der leider weitestgehend gescheitert ist. Trotz annehmbarer düsterer Kulissen und einer apokalyptischen Grundstimmung gelingt es Regisseur Hobson leider nicht, die inneren Kämpfe und Gefühle seiner Protagonisten sicht- und nachvollziehbar zu machen. Da nicht viel passiert, außer, dass Maggie langsam zum Zombie wird, bleibt der Film in seinen 95 Minuten überwiegend belanglos und unterkühlt. Arnold Schwarzenegger sollte sich also zukünftig auf das beschränken, was er gut kann: den wortkargen Kämpfer geben oder den leidlich akzeptablen Komödiendarsteller. Drama kann er einfach nicht. Insofern leider nur zwei von fünf Zombies, denen man bei ihrer Verwandlung wirklich nicht zusehen braucht.


Extinction
Extinction
DVD ~ Matthew Fox
Preis: EUR 10,49

4.0 von 5 Sternen Welcome to Harmony, 4. September 2015
Rezension bezieht sich auf: Extinction (DVD)
(Kinoversion)

»Intro«

"Extinction" war für mich eine echte Überraschung auf dem Fantasy Filmfest. Wäre der Film nicht direkt vor dem Abschlussfilm gelaufen, hätte ich ihn mir wahrscheinlich gar nicht angesehen. So aber diente er sowohl als zeitliche Überbrückung zum Abschlussfilm als auch als wahrer Glücksgriff kurz vor dem Ende des diesjährigen Festivals. Der Trailer war düster, wirkte etwas langweilig und die 110 Minuten Laufzeit waren ein zusätzlicher Zweifel-Indikator für mich. Dann aber entpuppte sich "Extinction" als einer der besten Festivalfilme dieses Jahr und ich bin froh, mich für ihn entschieden zu haben. Die hier endlich einmal gelungene Mischung aus Horror und Drama (an der zum Beispiel "Maggie" so kläglich gescheitert ist) überzeugt in jeder Filmminute und man kann der spanisch-ungarischen Produktion von Regisseur Miguel Ángel Vivas ("Kidnapped") höchstens vorwerfen, beim Ende einen allzu konventionellen, fast hollywoodesken Weg eingeschlagen zu haben.

»Wassup?«

Die Apokalypse bricht unerwartet über die Passagiere eines Busses herein, der des Nächtens auf dem Weg ins Städtchen Harmony ist. Mal wieder sind blutgierige Untote unterwegs, die die Anzahl der Passagiere rasch und brutal dezimieren. Auch Jack (Jeffrey Donovan, "Burn Notice") samt Freund Patrick (Matthew Fox, "Lost") und der just Mutter gewordenen Emma (Valeria Vereau, "Volver") mit Baby Lu befinden sich in dem Bus, als die Kreaturen diesen überfallen. Schnitt. Neun Jahre später. Die Welt ist ein kalter, mit Schnee und Eis bedeckter und fast menschenleerer Ort, in dem sich Jack, die mittlerweile neunjährige Lu (Quinn McColgan, "Non-Stop") und Patrick notdürftig eingerichtet haben. Die Kreaturen scheinen die eiskalten Temperaturen nicht überlebt zu haben, dennoch ist Jack extrem vorsichtig und lässt Lu nicht außerhalb des Grundstückes spielen. Die Freundschaft zu Patrick ist zerstört, dieser wohnt völlig verlottert und zottelig mit Hund "Dog" gleich nebenan und betäubt sich, wenn er nicht gerade auf der Jagd nach Nahrung ist, mit Unmengen von Alkohol. Doch dann sind die Kreaturen plötzlich zurück, angepasst an die neuen, kalten Lebensbedingungen und bluthungriger denn je. Nach einem Angriff auf Patrick und auf Jacks Haus müssen sich die beiden ehemaligen Freunde gezwungenermaßen zusammentun, um ihr eigenes, vor allem aber Lus Leben zu schützen.

»Let's get real«

Nach einem blutigen Intro nimmt sich Regisseur Vivas erst einmal viel Zeit für seine drei Protagonisten, bevor er die Kreaturen erneut ins Geschehen einbringt. Und das ist auch gut so, denn nur so kann man verstehen, wie die Drei leben und warum sie so handeln, wie sie es eben tun. Mit spärlichen, aber erkenntnisreichen Rückblenden setzt sich so nach und nach ein Bild zusammen, in welcher Beziehung die drei Charaktere stehen und warum Jack und Patrick nicht mehr miteinander reden.

Bis zur blutigen Rückkehr der Untoten aber gewährt Vivas eindrucksvolle Einblicke in das Leben einer postapokalyptischen Welt, die von Schnee und Eis überzogen wurde und einen sehr unwirtlichen Lebensraum abgibt. Jack ist der besorgte und vorsichtige Vater, der sich selbst kaum vor die Tür traut, aus Angst, ihm oder seiner Tochter könnte dann etwas geschehen. Somit ans Haus gebunden, wird das Leben von Lu und Jack von Eintönigkeit und Routine geprägt. Jack unterrichtet Lu zu Hause, spielt mit ihr oder die Beiden gedenken Lus toter Mutter.

Patrick hingegen betrinkt sich jeden Tag aufs Heftigste, schafft es aber dennoch, mit seinem Schneemobil auf die Jagd zu gehen oder im Stadtkern von Harmony die Geschäfte zu plündern. Abends versucht er per Funk herauszufinden, ob es irgendwo noch andere Überlebende gibt, bevor er sturzbetrunken ins Bett fällt.

Die Schilderung der Eintönig- und Ausweglosigkeit der Lebensumstände der drei Protagonisten nimmt zwar recht viel Zeit in Anspruch, dennoch gelingt es Vivas, seinem Film immer eine unterschwellige Spannung zu verleihen. Ist Jacks Angst berechtigt, ist er zu Recht so übervorsichtig und wie lange werden die Vorräte noch reichen, wenn Jack nicht auf die Jagd oder plündern geht? Wie lange noch wird Lu sich so ans Haus fesseln lassen, wie lange noch kann sie ohne jegliche soziale Kontakte zu anderen Kindern oder auch einer Frau noch auskommen? Und warum trinkt Patrick so viel, hat sich offensichtlich aufgegeben, fährt aber dennoch jeden Tag los, um sein Überleben zu sichern?
Diese Fragen werden nach und nach beantwortet, die Geduld, die der Zuschauer anfangs für "Extinction" aufbringen muss, wird aber belohnt. Nachdem die Lebensumstände der Drei sich auch gedanklich beim Zuschauer verankert haben, lässt Vivas die Bedrohung erneut auf seine Protagonisten los. Man ahnte es schon, die Halbwertzeit dieses einsamen, übervorsichtigen, tristen Lebens war erreicht, denn aus dem Leben war längst nur noch ein Überleben geworden.

Notgedrungen müssen Jack und Patrick sich trotz ihrer Feindschaft und ihrer unterschiedlichen Mentalität wieder zusammenraufen, um den Kreaturen zu trotzen, die sich erstaunlich gut an ihren neuen, unwirtlichen Lebensraum angepasst haben. Und hier kehrt das postapokalyptische Drama zu seinen blutigen Anfängen zurück und rückt die furchtbaren Kreaturen vorübergehend ins Scheinwerferlicht, so dass für ein paar grausige Szenen gesorgt ist. Und obwohl "Extinction" seinen Fokus auf das Zwischenmenschliche legt, kommen gruselige und spannende Momente nicht zu kurz, so dass man gespannt verfolgt, wie es weitergeht und mittlerweile auch Sympathien für die Protagonisten entwickeln konnte.

»Players«

Das dies möglich ist, liegt an den durch die Bank weg hervorragenden Darstellerleistungen. Zwar gibt es hier nur wenige Protagonisten, aber diese sind allesamt mühelos in der Lage, ihre Rollen glaubwürdig und nachhaltig zu spielen. Die absolute Gegensätzlichkeit der beiden Haupt-Charaktere wird durch Jeffrey Donovan und Matthew Fox hervorragend herausgearbeitet. Donovans Jack ist ein liebevoller, aber sehr besorgter und wohl auch latent ängstlicher Vater, dem das Wohl seines Kindes über alles geht. Er verlangt - zu Lus eigenem Besten - Gehorsamkeit von ihr, um sie vor der unwirtlichen Welt draußen beschützen zu können. Und er bemüht sich nach Kräften, die sozialen und emotionalen Defizite auszugleichen, unter denen Lu zwangsweise leidet. Auch Fox überzeugt als anfangs langhaariger, bärtiger Säufer, der im Angesicht der sich verändernden Umstände eine Wandlung durchläuft. Wobei man hier sehen kann, dass Matthew Fox mit seinen mittlerweile 49 Jahren ganz schön alt geworden ist, der nur vier Jahre jüngere Donovan schlägt sich da optisch etwas besser. Quinn McColgan als Lu spielt ebenfalls wunderbar, ihre Wandlung vom kleinen Mädchen zum latent rebellischen Prä-Teenager gelingt ihr überzeugend, ihre Lu ist ein cleveres, liebenswertes und charakterstarkes Kind. Leider erst relativ spät im Handlungsverlauf taucht die wunderbare Clara Lago ("Das verborgene Gesicht") auf, die so leider nicht mehr viel von ihrem Können zeigen kann. Alles in allem ein prima Cast, an dem es absolut nichts zu meckern gibt.

»Quintessence«

"Extinction" hat fast alles richtig gemacht. Regisseur Vivas ist ein überzeugender apokalyptischer Endzeit-Horror mit authentischen Drama-Elementen gelungen, der mit einer Laufzeit von 90 statt 110 Minuten noch einen Tick schnittiger geworden wäre. Die kleinen dramaturgischen Längen fallen aber kaum ins Gewicht, da "Extinction" sauber inszeniert ist, aus dem Budget das Beste herausgeholt wurde und darüber hinaus fähige und überzeugende Mimen glaubwürdig abliefern. Lediglich das Ende kann nicht ganz überzeugen. Man ahnt zwar, dass es so kommen wird, hätte sich aber dennoch gewünscht, dass Vivas hier etwas mehr Mut bewiesen und an der finalen Weggabelung in die andere Richtung abgebogen wäre. Das hätte dem Film noch etwas mehr Dramatik und Überzeugungskraft verliehen. Doch genau in diesen Momenten wirkt die europäische Produktion (mit Beteiligung der USA) dann leider etwas sehr amerikanisch. Ansonsten aber ist "Extinction" (Auslöschung) ein sehr guter Genrebeitrag, der überzeugend sowohl Dramatik und Empathie als auch blanken Horror vermitteln kann. Insofern gerne vier von fünf Freundschaften, die ihm Angesicht der Gefahr ihre wahre Größe zeigen.


Mission Impossible: Rogue Nation
Mission Impossible: Rogue Nation
DVD ~ Tom Cruise
Preis: EUR 17,99

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hunt, Ethan Hunt: Geschüttelt, nicht gerührt, 21. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Mission Impossible: Rogue Nation (DVD)
(Kinoversion)

»Intro«

Man kann ja von Super-Scientologe Tom Cruise halten, was man will - Action kann er. So fragwürdig sein Privatleben auch sein mag, so professionell und erfahren ist Cruise als Schauspieler. Auch im vierten Aufguss des Originals von 1996 macht der mittlerweile 53jährige (!) nahezu alle Stunts selbst - ob er nun in halsbrecherischem Tempo auf einem Motorrad durch Marokko prescht oder sich mal eben an ein startendes Flugzeug hängt - zu 90% ist es Cruise selbst, der diese waghalsigen Manöver ausführt. Die "Mission Impossible"-Reihe scheint zu Cruises persönlichem Action-Vergnügungspark geworden zu sein, in dem er Film für Film noch eine Schippe drauflegt, was Action und Stunts angeht. Die Stories solcher Filme sollte man ja generell nicht allzu genau hinterfragen, weil man dann feststellen würde, dass die Gesetze von Logik und Physik fast immer sträflich vernachlässigt bzw. sehr großzügig ausgelegt werden. Also, abgesehen von der natürlich recht hanebüchenen Story ist "Rogue Nation" ein ziemlich knackiger, spannender und in seinen immerhin 131 Minuten überwiegend kurzweiliger Actioner geworden, der sich mittlerweile nicht mehr hinter den ähnlich schlagkräftigen und spannenden James-Bond-Filmen mit Daniel Craig verstecken muss. Im Gegenteil, der 47jährige Craig muss aufpassen, dass Cruise ihm nicht das actiongetränkte Wasser abgräbt.

»Wassup?«

Das IMF steht vor dem Aus. Durch die unkonventionellen und manchmal extrem zerstörerischen Aktionen, die Ethan Hunt (Tom Cruise) und sein Team starten, um - in der Regel - die Welt zu retten, gehen dem Pentagon und CIA-Chef Hunley (Alec Baldwin, "30 Rock") zu weit. Das IMF wird aufgelöst und deren Agenten in die CIA integriert, so dass Benji (Simon Pegg, "The World's End") und Brandt (Jeremy Renner, "American Hustle") dort - notgedrungen - neue Jobs haben. Hunt jedoch ist auf der Flucht. Er war gerade dabei, einer Geheimorganisation, die sich "Syndikat" nennt, auf die Spur zu kommen, als er kaltgestellt wird. Und da Hunt nicht bereit ist, von seiner Spur abzuweichen, hat er nun nicht nur das Syndikat im Nacken, das den Agenten ausschalten will, sondern auch noch die CIA, die das Syndikat für ein Hirngespinst Hunts hält und ihren Agenten zur Räson bringen will. Doch schon bald müssen Hunley & Co. einsehen, dass das Syndikat nicht nur existiert, sondern weltweit Anschläge ausführt und IMF-Agenten tötet, um seine Macht unter Beweis zu stellen und weiter auszubauen. Hunt macht sich auf die Suche nach dem Kopf der Organisation, Solomon Lane (Sean Harris, "Erlöse uns von dem Bösen") und wird dabei nicht nur von seinem Team, sondern auch von der geheimnisvollen Ilsa Faust (Rebecca Ferguson, "The white Queen") unterstützt, deren Motive vorerst im Dunkeln bleiben. Wird es Hunt gelingen, das Syndikat zu zerschlagen, bevor er und sein Team von diesem ausgeschaltet werden?

»Let's get real«

"Rogue Nation" heißt so viel wie "Schurken-Nation", und Schurken gibt es hier wirklich jede Menge. Zuvor sei jedoch erwähnt, dass ich sämtliche Unwahrscheinlichkeiten und die Abwesenheit von Logik und die Beachtung physikalischer Gesetze in "MI 5" außer Acht lassen werde, denn wenn man bei diesem Film so anfängt, braucht man ihn sich gar nicht erst anzugucken. Dass Ethan Hunt also an einem fliegenden Flugzeug hängt und sich an diesem nur mit den Händen festhält; dass Dutzende Kugeln versierter Schützen nie ihr Ziel finden, wenn es drauf ankommt; dass die Fliehkraft praktisch nicht existent ist; dass man knapp fünf Minuten die Luft anhalten kann (wenn man das zuvor gar nicht trainiert hat)…Schwamm drüber. Denn was "MI 5" an der Logikfront vermasselt, gleicht der Film mit Unmengen spektakulärer Stunts, beeindruckender Kampf-Sequenzen und einem hohen und fast durchgängigen Maß an Spannung wieder aus.

Regisseur Christopher McQuarrie, für den "MI 5" erst sein dritter Film (nach "Way of the Gun" und "Jack Reacher) ist, legt hier ein beachtliches Maß an Professionalität an den Tag. Die Actionszenen sind wunderbar choreographiert und überaus spannend inszeniert. McQuarrie versteht von Schauspieler-Führung genauso viel wie vom Erzählen einer eben auch nicht immer logischen Geschichte bzw. davon, den Zuschauer auch eine unlogische Geschichte gut finden zu lassen. Kein Wunder, hat er doch die Scripts zu u. a. "Die üblichen Verdächtigen", seinen eigenen Filmen und noch ein paar anderen geschrieben. Zwar ist "MI 5" mit seinen 131 Minuten ein wenig zu lang geraten, aber für so einen langen Actionfilm ist er eben doch verdammt gut und vor allem kurzweilig geworden. Ein Showdown (anstatt dreien) hätte zwar auch gereicht, aber sei's drum, man fühlt sich ausreichend gut unterhalten, um zwischendurch nicht auf die Uhr zu gucken.

Hunt und sein Team jagen um die halbe Welt, um hinter das Geheimnis des Syndikats zu kommen und gleichzeitig ihre eigene Regierung davon zu überzeugen, dass ohne den IMF schon mal gar nichts geht. Casablanca, Marrakesch, London, Wien, Kuala Lumpur…egal, wo Hunt und sein Team auftauchen, es geht ordentlich zur Sache. Es wird ebenso oft draufgehauen wie sensibles Taktieren erforderlich ist, so dass der Zuschauer sich sowohl an atemberaubenden Stunts und wildesten Verfolgungsjagden erfreuen kann, als auch an filigraner Maßarbeit, bei der immer die Uhr tickt und es mindestens fünf vor zwölf ist. Und mit Ilsa Faust hat McQuarrie ein weibliches Pendant zu Hunt geschaffen, das ihm tatsächlich ebenbürtig ist. Darüber hinaus baut McQuarrie ein paar hübsche Catch 22-Situationen ein, die den Zuschauer ordentlich mitfiebern lassen, wie die jeweilige Person sich da wohl wieder rauslavieren wird.

»Players«

Der Cast, überwiegend bekannt aus den Vorgängerfilmen, agiert wie erwartet: Simon Pegg ist als Benji immer latent nervös und überfordert, Jeremy Renner als Brandt akkurat und besonnen, Ving Rhames als Luther wie immer supercool, und Tom Cruise variiert ebenfalls wie gewohnt zwischen verbissener Einsatzbereitschaft und hintersinniger Überlegenheit. Rebecca Ferguson kann als ambivalente Agentin ebenfalls überzeugen, vor allem mit ihren Kampfkünsten. Alec Baldwin hat einen kleinen Part als CIA-Chef, der ihm darstellerisch keine Mühe bereitet. Und Sean Harris als Bösewicht überzeugt ebenso optisch wie auch inhaltlich, da er hier keine Variation des größenwahnsinnigen Schurken gibt, sondern besonnen und kaltblütig seine Ziele verfolgt und kompromisslos umsetzt.

»Quintessence«

Also: Es gibt weder an den Darstellern, noch an der Spannung, noch an den wirklich spektakulären Stunts etwas auszusetzen. Damit verfügt "MI 5" über gleich mehrere Pluspunkte - im Actiongenre keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Man kann dem Film natürlich seine hanebüchene Story und die latente Überlänge mit mehreren Showdowns vorwerfen…man kann es aber auch einfach lassen und sich mit "MI 5" überwiegend kurzweilig amüsieren und spannende zwei Stunden verbringen. Wer die "MI 5"-Reihe mag und sich nicht an Cruises scientologischem Lebenswandel stört bzw. aufgrund dessen seine Filme boykottiert, wird mit "Mission: Impossible - Rogue Nation" vermutlich ziemlich viel Spaß haben. Deshalb gerne vier von fünf Stunts, bei denen Tom Cruises Versicherung sicherlich wieder die Hände über dem Kopf zusammenschlägt.


Die Landkarte der Liebe: Roman
Die Landkarte der Liebe: Roman
von Lucy Clarke
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sea Sisters, 20. August 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Landkarte der Liebe: Roman (Taschenbuch)
»Intro«

Das fing ja gut an. Wirklich! Mein Einstieg in "Die Landkarte der Liebe" (mal wieder ein unsagbar grausamer deutscher Titel, im Original heißt das Ganze schlicht "The Sea Sisters") lief wunderbar. Apartes Buchcover, britische Autorin, die darüber hinaus sehr hübsch und sympathisch aussieht und mit einem Surfer verheiratet ist und deren Erstlingswerk von zwei Schwestern handelt, die an einige Orte reisen, wo ich selbst auch schon war. Und glücklicherweise bewahrheitete sich mein erster Eindruck von Buch und Autorin. Lucy Clarke hat einen wunderbaren Roman um die Schwierigkeiten zweier Schwestern miteinander geschrieben, der abenteuerlich, emotional, schön und traurig zugleich ist und darüber hinaus auch noch spannend. Ich betone erneut: Es handelt sich um ein Erstlingswerk! Und ich betone ebenfalls: Dies ist kein kitschiger Liebesroman, wie es der unpassende deutsche Titel vermuten ließe, sondern ein teilweise recht tiefgründiges, wendungsreiches und spannendes Buch, das von der "klassischen" Liebe nur am Rand gestreift wird.

»Writer«

Lucy Clarke hat in Cardiff Englische Literatur studiert. Heute lebt sie mit ihrem Mann, einem hauptberuflichen Windsurfer, im Sommer in Bournemouth, im Winter reisen die Beiden. Auf "Sea Sisters" von 2013 folgte 2014 der auch in Deutschland erschienene "Der Sommer, in dem es zu schneien begann" ("A Single Breath"). Aktuell hat Lucy Clarke ihr drittes Buch, "The Blue" in England veröffentlicht, welches noch nicht auf Deutsch erschienen ist.

»Wassup?«

Mitten in der Nacht wird Katie, 27, von der Polizei aus ihrem Bett in London geklingelt. Sie muss erfahren, dass ihre Schwester Mia, 24, die sich seit Monaten mit ihrem besten Freund Finn auf Weltreise befindet, auf Bali ums Leben gekommen ist. Angeblich hat Mia sich umgebracht, indem sie sich von einer Klippe gestürzt hat. Katie kann das einfach nicht glauben, also fasst sie, trotz anstehender Hochzeit mit ihrem Verlobten Ed, den Entschluss, Mias Weg "nachzureisen". Unter den zurückgeschickten Sachen Mias war auch ihr Tagebuch, so dass Katie die Reiseroute ihrer Schwester perfekt nachvollziehen kann. Sie packt Rucksack und Tagebuch, welches sie immer nur bis zum nächsten Ort auf Mias Reise liest und nähert sich so Stück für Stück ihrer entfremdeten Schwester, Bali und somit dem Geheimnis um Mias Tod an.

»Let's get real«

Sicherlich ist "The Sea Sisters" (ich verweigere mich dem schmalzigen deutschen Titel, der so gar nicht zu diesem Roman passen will) im Bereich der femininen Trivialliteratur anzusiedeln. Aber das macht ja eigentlich auch nichts, oder? Schließlich kann man ja nicht tagein, tagaus nur Kafka und Shakespeare lesen *erschöpft die Hand an die Stirn leg*. Da kommt einem so eine fluffige Belletristik-Lektüre doch gerade recht. Und mir im Besonderen, da ich ja sowieso ein Faible für "Brit Lit" und Reise- und Selbstfindungsgeschichten habe. Aber "The Sea Sisters" ist eigentlich gar nicht mal so trivial, sondern überrascht mit unerwarteter Tiefe und Wahrheit, vor allem, weil es um so viel mehr geht als "die Liebe". Es geht um das schwierige Verhältnis zweier Schwestern untereinander, ihre zunehmende Unfähigkeit, miteinander zu reden und offen und ehrlich zu sein, um familiäre Geheimnisse, Vertrauen, Krankheit, Tod, Trauer, Lebensmut, Reiselust- und -last und exotische Länder und deren Schönheit. Und dann ist "The Sea Sisters" auf einmal gar nicht mehr trivial…

Lucy Clarke beginnt ihren Roman mit der schrecklichen Nachricht von Mias plötzlichem Tod, der Katie komplett den Boden unter den Füßen wegreißt. Erst vor einem Jahr haben die Schwestern die Mutter an den Krebs verloren und nun steht Katie (dank verschollenem Vater) ganz alleine da. Sie ist völlig verzweifelt, vor allem, weil das letzte Telefongespräch der Schwestern im Streit endete, der die partielle Entfremdung der Geschwister an eine unüberbrückbare Grenze geführt hat. Katie ist also nicht nur verzweifelt, sie fühlt sich auch schuldig. Und dann ist da noch dieses Gefühl, das ihr sagt, dass ihre Schwester sich niemals selbst umgebracht hätte. Als sie auch von Mias bestem Freund Finn, mit dem diese die Reise zusammen unternommen hatte, keine zufriedenstellende Erklärung für Mias Tat bekommt, beschließt Katie, sich anhand Mias Tagebuch auf dieselbe Reise zu begeben wie ihre Schwester. Vielleicht kann sie sie dann etwas besser verstehen und Licht ins Dunkel um Mias mysteriösen Tod bringen.

Der Roman wechselt sich in der Erzählperspektive zwischen Katie und Mia ab. Katies Part beginnt in der Nacht, in der sie von Mias Tod erfährt, Mias ein halbes Jahr früher, als sie sich auf den Weg nach San Francisco, Maui, Australien und Bali macht. Als Katie dann selbst unterwegs ist, gleichen sich die Passagen aus Mias Blickwinkel zeitlich den Tagebucheinträgen an, die Katie jeweils gerade liest und aufgrund derer sie ihrer Schwester "folgt". So bekommt man irgendwann parallel die Ereignisse aus zwei Blickwinkeln geschildert, was überhaupt nicht - wie man ja vielleicht vermuten könnte - langweilig ist, sondern im Gegenteil sehr aufschlussreich und interessant.

Darüber hinaus reichert Clarke ihre Geschichte um diverse Rückblenden in die Kindheit der Schwestern an, als diese sich noch besser verstanden haben. Und das ein oder andere Geheimnis wird gelüftet. Und es gibt nicht vorhersehbare Wendungen. Und ja, ein bisschen Liebe und Herzschmerz gibt es auch. Dass das alles zu einer wunderbaren Melange verschiedenster Emotionen wird und nicht zum platten Klischeebrei, ist dem Talent Lucy Clarkes geschuldet. Sie schreibt authentisch, nachvollziehbar, emotional und spannend und zieht den - vermutlich vorrangig weiblichen Leser - langsam, aber zielsicher in ihre Geschichte hinein, wo er bzw. sie dann auch gerne bis zur letzten Seite verweilt…gewünscht sogar noch darüber hinaus. Am Ende bleibt eine winzige Tür leider offen, die man sich - in einer idealen Romanwelt - ebenfalls geschlossen gewünscht hätte. Andererseits bleibt Clarke sich so treu in ihrem authentischen Stil.

»Quintessence«

Man könnte noch viel mehr schreiben über dieses wunderbare Erstlingswerk, aber dann würde man den hoffentlich nun interessierten Leserinnen zu viel vorwegnehmen und sie um das Erlebnis dieser doppelten literarischen Entdeckungsreise bringen. Lucy Clarke hat hier einen sehr schönen ersten Roman vorgelegt, der verschiedene Themen und sogar Genres harmonisch verbindet und rhetorisch gelungen und versiert umschreibt. Eine Autorin, die man im Auge behalten sollte, definitiv. Für mich ein rundum gelungenes Debüt. Wer sich für die erwähnten Themengebiete erwärmen kann, ist mit "The Sea Sisters" bestens bedient. Deshalb gerne fünf von fünf Tagebüchern, die nicht nur mit der Hand, sondern auch mit dem Herzen geschrieben wurden.


Ab ins Bett
Ab ins Bett
von David Baddiel
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sex, Lies and Videotape, 18. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Ab ins Bett (Gebundene Ausgabe)
»Intro«

Ich habe angefangen, meine Bücherregale mal wieder etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und mich entschlossen, mir das ein oder andere meiner früheren Lieblingsbücher erneut zu Gemüte zu führen, um zu gucken, ob ich sie 20 Jahre später immer noch so genial finde wie einst. Den Anfang machte "Ab ins Bett", an das ich inhaltlich nur noch eine rudimentäre Erinnerung hatte (irgendwelche Vorteile muss das Älterwerden ja haben), von dem ich aber noch wusste, dass ich mich damals über Inhalt und vor allem Stil und Humor des Autors kaputtgelacht habe und das Buch bedingungslos jedem weiterempfohlen habe, der es hören wollte oder auch nicht. Nun…20 Jahre später sieht die Sache ein wenig anders aus. Ich muss gestehen, dass ich "Ab ins Bett" bei weitem nicht mehr so euphorisch betrachte wie einst und es heute - ehrlich gesagt - nicht mehr unbedingt weiterempfehlen würde. Was genau dazu geführt hat, eines meiner absoluten Lieblingsbücher vom Thron der schriftstellerischen Genialität zu stoßen, erfahrt Ihr hier.

»Writer«

David Baddiel wurde 1964 in New York geboren, wuchs aber als Kind jüdischer Eltern in London auf. Er hat Englisch studiert und das College mit Bestnote abgeschlossen. Im Alter von 20 Jahren trat Baddiel als Stand-up Comedian im Fernsehen auf und hatte auch mit einer Comedy-Show im Radio großen Erfolg. Mit seinem Comedy-Partner Rob Newmann, mit dem er Texte sowohl für Fernseh- als auch Radiosendungen schrieb, trat Baddiel 1993 in einer Comedy-Serie auf, die so erfolgreich lief, dass die Beiden sogar einen Live-Auftritt in der ausverkauften Wembley-Arena in London hatten. Nebenbei hat Baddiel dann noch, 1996, zusammen mit dem Komiker Frank Skinner, die überaus erfolgreiche Fußballhymne "Three Lions" geschrieben, die es bis auf Platz 1 der englischen Charts schaffte. Bislang hat Baddiel vier Bücher veröffentlicht: 1996 "Ab ins Bett", 2002 "Was man so Liebe nennt", 2006 "The secret Purposes" und 2011 "Halb so wild". Baddiel unterstützt gemeinnützige Organisationen und lebt mit seiner Freundin und seinen zwei Kindern im Norden Londons.

»Wassup?«

Gabriel Jacoby ist um und bei 30, arbeitslos (und das gerne) und stinkefaul. Er wohnt mit seinem Kumpel Nick (der Autofahrern an Ampeln auflauert, um ungefragt ihre Scheiben zu putzen) in London in einer verdreckten Rumpelbutze und interessiert sich für nichts außer Sex und Fußball. Und für Alice, die bedauerlicherweise mit seinem Bruder Ben verheiratet ist. Gabriel leidet unter Schlafstörungen, einer passiv-aggressiven Katze namens Jezebel, den Flöhen, die diese im wohnzimmerlichen Sessel hinterlässt und seiner heimlichen Besessenheit von Alice. Darüber hinaus ist er mit einer überfürsorglichen Mutter, die fanatisch Devotionalien der "Hindenburg" sammelt und einem ständig touretteartig fluchenden Vater geschlagen. Und als wäre das alles noch nicht schlimm genug, driftet sein Kumpel Nick langsam in die Schizophrenie ab, was unter anderem dazu führt, dass er sich in der Mülltonne vor dem Haus versteckt. Und dann taucht plötzlich ein Hoffnungsschimmer am Horizont auf, denn Alice teilt Gabriel mit, dass ihre Schwester Dina aus New York nach London zurückkehrt. Wenn Dina nur ein bisschen so ist wie ihre Schwester, hofft Gabriel, wäre sie vielleicht ein adäquater Ersatz für die unerreichbare Alice. Doch bis es so weit ist, dies herauszufinden, guckt Gabriel erstmal weiter Pornos, schlurft im Bademantel durch die Wohnung oder ärgert sich mit seinem Jobberater herum. Bis er Dina dann kennenlernt…

»Let's get real«

Tja…dann mache ich mich mal an die Demontage eines meiner einstigen Lieblingsbücher. Sicherlich ist "Ab ins Bett" an vielen Stellen immer noch ein sehr witziges und kurzweiliges Buch, häufiges Schmunzeln ist definitiv garantiert. Das liegt an Baddiels Talent, absurde Situationen zu kreieren und aus Banalitäten und Alltäglichkeiten großes Humorkino zu machen. Wenn er beschreibt, mit welcher Inbrunst Gabriels Vater seine Frau beschimpft und diese einfach lächelnd darüber hinweggleitet, wie Gabriel sich verzweifelt wünscht, dass seine neurotische, biestige Katze endlich einmal auf seinen Schoß springt und sich streicheln lässt oder wie Kumpel Nick im durch Haschisch ausgelösten Schizo-Wahn die verrücktesten Dinge tut, ist das definitiv witzig. Baddiel treibt seinen absurden Alltags-Humor stilistisch gekonnt auf die Spitze, man merkt dem Buch an, dass es von einem begabten und vor allem britischen Comedian geschrieben wurde. Auch diverse Screwball-Sequenzen, die sich von nichtigen Unachtsamkeiten zu drohenden Katastrophen auswachsen, finden sich in "Ab ins Bett".

Aber abgesehen davon gibt es leider auch einen gewissen Prozentsatz an Beliebig- und Belanglosigkeiten, die Baddiel darüber hinaus um recht explizite sexuelle Phantasien und Beschreibungen ergänzt, die man lieber nicht SO detailgetreu erfahren hätte. Gabriel redet ständig über seine Schlaflosigkeit und walzt dieses Thema und das, was er während der unfreiwillig wachen Stunden tut, über Gebühr aus. Auch auf seine seitenlangen Gedanken zu Analverkehr und wie er ein benutztes Kondom entsorgt, hätte man als Leser gut verzichten können. Baddiel kann dies zwar sehr wortreich und phantasievoll umschreiben, dennoch wirkt es latent befremdlich und teilweise plump.

Baddiel verzettelt sich viel zu oft in weitschweifigen Einzelheiten und unbedeutenden Nebensträngen seiner Geschichte. Viel zu viele Protagonisten, die kaum eine Rolle spielen, werden ausufernd beschrieben und vorgeführt, immer weiter verzweigt Baddiel seine Story und verliert dabei seinen Fokus - Gabriel - aus den Augen. Wobei eben dieser Fokus auch nicht immer lesenswert ist, da Gabriel einem teilweise auch auf den Zeiger geht mit seiner Faulheit, seiner sexuellen Besessenheit und der Unfähigkeit, sein Leben langsam mal in den Griff zu kriegen. Gepaart mit diversen Abseitigkeiten, denen Baddiel definitiv zu viel Platz einräumt, wird "Ab ins Bett" so zur immer mal wieder anstrengenden, langweiligen und auch unerfreulichen Lektüre.

»Quintessence«

Schlussendlich geht es in "Ab ins Bett" um einen Thirtysomething mit diversen Problemen, der versucht, sein Leben auf die Reihe zu kriegen, ohne noch größeres Chaos anzurichten, als eh schon herrscht. Er ist intelligent, aber faul und nicht in der Lage, der Realität ins Auge zu sehen. Seiner obsessiven Schwärmerei für seine Schwägerin versucht er halbherzig mit einer Beziehung zu deren Schwester Herr zu werden, ansonsten präsentiert er sich als genervter Sohn, hygienisch fragwürdiger Mitbewohner und überforderter Freund. Das ist durchaus immer wieder mal witzig und teilweise auch wunderbar schräg und skurril, aber für über 350 Seiten reicht die doch recht dünne und auch langweilige Story um einen unreifen Faulpelz mit Schlafstörungen dann einfach nicht aus. Und obwohl ich den sarkastischen, pechschwarzen und staubtrockenen Humor der Briten goutiere, hat Baddiel hier leider nur den komödiantischen Halbmarathon geschafft. Und ein bisschen erschrocken war ich auch, dass ich dieses Buch vor 20 Jahren als stilistisch genial und brüllkomisch empfunden habe. Nun ja, mit Anfang 20 wusste ich es wahrscheinlich einfach nicht besser. Wie dem auch sei, nach erneuter Lesung kann ich mich heute nur noch zu knappen drei von fünf Lebenskünstlern, deren erfundene Biographie man nicht unbedingt gelesen haben muss, durchringen.


Wir wollten nichts. Wir wollten alles
Wir wollten nichts. Wir wollten alles
von Sanne Munk Jensen
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 16,99

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Duo suizidal, 14. August 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
»Intro«

Im Zuge der derzeit populären Teenager-Dramen in Romanen und Filmen (u. a. "Das Schicksal ist ein mieser Verräter") haben jetzt auch die beiden Dänen Sanne Murk Jensen und Glenn Ringtved ein Jugendbuch verfasst, das sich mit junger Liebe, Schmerz und Tod auseinandersetzt. An thematisch ähnlich gelagerte Bücher reicht dies jedoch meiner Meinung nach aufgrund der fehlenden emotionalen Intensität nicht heran. "Wir wollten nichts. Wir wollten alles" spart zwar nicht an Dramatik, lässt den Leser aber Tiefe und Nähe zu den Protagonisten vermissen. Und dies vor allem, weil ihr Denken und Handeln oft einfach nicht nachvollziehbar ist.

»Writers«

Die Dänin Sanne Munk Jensen wurde 1979 in Skagen geboren. Sie hat Medienwissenschaften studiert und schreibt heute sowohl Romane als auch Drehbücher. Ihre Romane für Teens und Twens wurden bereits mehrfach ausgezeichnet, so auch "Wir wollten nichts. Wir wollten alles", der 2013 mit dem Autorenpreis des dänischen Kultusministeriums geehrt wurde.

Der Däne Glenn Ringtved wurde 1968 in Usserod geboren. Er ist in Dänemark einer der bekanntesten Kinder- und Jugendbuchautoren und hat bislang über 40 Bücher geschrieben.

»Wassup?«

Louise ist 16, als sie in ihrer Heimatstadt Aalborg den knapp zwei Jahre älteren Liam kennenlernt. Der irisch-dänische Junge hat es ihr sofort angetan, und Liam scheint es ähnlich zu gehen. Die Beiden beginnen eine intensive, allumfassende Beziehung, die bedauerlicherweise damit endet, dass sie, mit Handschellen aneinander gefesselt, aus dem nahegelegenen Fluss gezogen werden. Liam und Louise sind tot, und sowohl Louises Eltern als auch Liams Vater können einfach nicht begreifen, wie das passieren konnte. In Rückblenden erzählt die nun tote Louise, wie es so weit kommen konnte und warum zwei so verliebte junge Menschen den Weg in den Freitod gewählt haben.

»Let's get real«

Ich kann mir nicht helfen, aber die beste Jugendbuch-Autorin ist und bleibt für mich Jenny Downham ("Bevor ich sterbe", "Ich gegen dich"). Das, was Downham so unnachahmlich gelingt, vermögen weder John Green ("Das Schicksal ist ein mieser Verräter") noch Jensen und Ringtved: das gleichermaßen einfühlsame wie authentische Abbilden jugendlicher Gefühlswelten, und zwar so, dass es einen wirklich berührt.
Phasenweise ist "Wir wollten nichts. Wir wollten alles" durchaus gelungen und auch spannend. Man kann, je mehr man von den Umständen erfährt, die zum Tod dieser beiden Teenager geführt haben, durchaus mitfiebern und auch ab und an nachvollziehen, was sie umtreibt. Oft aber gelingt dies dem Autoren-Duo leider nicht. Denn für das, in was Louise und Liam sich da hineinmanövriert haben, hätte es auch einen anderen Ausweg gegeben, einen weitaus naheliegenderen sogar. So vermutet man zwangsläufig eine generelle Lebensunlust oder Todessehnsucht bei einem der Beiden, für die dann wiederum aber keine Anhaltspunkte geliefert werden, so dass der Freitod letztendlich mehr Fragen aufwirft, als die vorangegangene Geschichte beantworten kann.

Überhaupt ist diese "große Liebe" nicht wirklich nachvollziehbar. Bei Louise scheint es sich eher um eine latent ungesunde Abhängigkeit zu handeln, bei Liam um eine Flucht aus den nicht ganz einfachen Familienverhältnissen und dem nicht verwundenen Tod der Mutter. Dazu kommt eine gehörige Portion postpubertärer Fatalismus und jugendliche Dummheit. Alles Dinge, die einem die Protagonisten nicht unbedingt sympathisch oder den Leser empathisch werden lassen. Besonders die Zuspitzung der Ereignisse verfehlt ihr Ziel: man fiebert nicht mehr mit, man reagiert eher mit zunehmendem Unverständnis auf Gedanken und Aktionen der Beiden.

Darüber hinaus ergehen sich Jensen und Ringtved in recht expliziten Gewaltschilderungen, die zwar sehr authentisch wirken, aber nicht so recht zum Grundton einer - wenn auch dramatischen - Teenager-Romanze passen wollen. Hier wird zwar nicht die schaurige Intensität von "Die Kinder vom Bahnhof Zoo" erreicht, dennoch passieren einige - sagen wir mal - beunruhigende Dinge, die zartbesaitete oder jugendliche Leser durchaus verstören könnten.

Geschickt hingegen der "Kniff", die Geschichte mit dem Tod der Teenager beginnen zu lassen und sodann die tote Louise sowohl als Erzählerin für die vorangegangenen Ereignisse zu wählen als auch durch Louises "Beobachten" der Lebenden verfolgen zu können, wie ihre Eltern, Liams Vater und ihre Freunde mit dem Tod der Beiden umgehen.

Last but not least sollten zumindest rudimentäre Englischkenntnisse beim Leser vorhanden sein, da die Autoren sowohl Liam als auch seinen Vater ab und an Englisch miteinander reden lassen und diese Passagen nicht übersetzt werden.

»Quintessence«

"Wir wollten nichts. Wir wollten alles" ist sicherlich kein schlechter Beitrag zum Thema jungendliche Liebe und ihrer manchmal sehr schmerzhaften und auch übertriebenen Folgen. Meiner Meinung nach gelingt es dem Autoren-Duo jedoch nicht oder nicht in ausreichendem Maße, den Leser für die Protagonisten einzunehmen. Wirklich mitfiebern und -leiden mag man nicht mit Louise und Liam, einfach, weil den schönen Seiten einer jungen Liebe zu wenig Aufmerksamkeit zuteil wird und der Strudel unglücklicher Ereignisse, der letztendlich zum Tod zweier junger Mensch führt, nicht wirklich nachvollziehbar ist bzw. abwendbar gewesen wäre. Vielleicht geht es Jugendlichen beim Lesen dieses Buches aber auch ganz anders und nur ich alte, abgeklärte Tante lasse mich vom Pragmatismus übermannen. Da ich aber dank Jenny Downham weiß, wie gut vermeintliche "Jugendliteratur" sein kann, bleibt mir nicht viel mehr, als für mich ganz persönlich nur zwei von fünf Paar Handschellen zu vergeben, mit denen sich Jugendliche nicht aneinander fesseln sollten, um in einen Fluss zu springen.


Die falsche Braut: Roman (suhrkamp taschenbuch)
Die falsche Braut: Roman (suhrkamp taschenbuch)
von Lisa Zeidner
  Taschenbuch
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Brautalarm, 13. August 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
»Intro«

Lisa Zeidners Buch wurde in der Presse hochgelobt. Warum, erschließt sich mir nach der Lektüre ihres Romans allerdings nicht. "Die falsche Braut" (oder im Original "Love Bomb") ist ein unfassbar langweiliger, geschwätziger und uninteressanter Roman, der zwar erkennen lässt, dass Frau Zeidner durchaus rhetorisches Talent besitzt, aber nicht die Fähigkeit, gute oder fesselnde Geschichten zu erzählen. "Die falsche Braut" verliert sich permanent in tausenden unwichtigen Details, die zu verschleiern suchen, dass die Story letztendlich vollkommen belanglos und furchtbar erzählt ist.

»Writer«

Lisa Zeidner, amerikanische Journalistin und Schriftstellerin, hat bislang fünf Romane und zwei Gedichtbände geschrieben. Darüber hinaus schreibt sie für die New York Times, GQ und andere Magazine. Sie unterrichtet Kreatives Schreiben an der Universität in Camden, New Jersey und lebt mit Mann und Hunden in New Jersey.

»Wassup?«

Tess und Gale wollen heiraten, und zwar im Haus von Tess' Mutter Helen in New Jersey. Just musste die im Garten geplante Hochzeit ob drohendem Regen nach drinnen verlegt werden, als eine Frau im weißen Hochzeitskleid mit Springerstiefeln, Gasmaske und Waffe bei den Gästen auftaucht und diese allesamt als Geiseln nimmt. Ihre Forderungen bleiben unklar, vorerst begnügt sie sich damit, alle Hochzeitsgäste in einem Raum zusammenzupferchen und eine Entschuldigung zu verlangen. Von wem wofür genau, sagt sie nicht. Durch ihr Verhalten wird allerdings deutlich, dass ihr offensichtlich daran gelegen ist, dass die Polizei auftaucht. Was das nun wieder zu bedeuten hat, wird sich erst im Verlauf des Abends herausstellen. Vorerst sind die Gäste, unter ihnen diverse Psychiater und der afrikanischstämmige Teil von Gales Familie, damit beschäftigt, mit dieser unerwarteten und höchst unangenehmen Situation fertigzuwerden.

»Let's get real«

Klingt doch gut, oder? Eine gesprengte Hochzeit, eine falsche Braut mit weißem Kleid und Gasmaske samt geheimnisvoller Forderungen und dazu ein Haufen Geiseln, die alle ganz unterschiedlich auf die Situation reagieren. Jaaaa…wenn es Frau Zeidner denn gelungen wäre, genau diese Stimmung zu transportieren und aus ihrem Roman wirklich ein spannendes Geiseldrama mit überraschendem Ausgang zu machen. Aber genau das passiert hier eben nicht, im Gegenteil.

"Die falsche Braut" zieht sich über endlose 335 Seiten und schafft es dabei an keiner Stelle, Spannung zu generieren. Darüber hinaus geht einem schon nach wenigen Seiten das Interesse an sämtlichen Protagonisten flöten, weil es a) so viele sind, dass man sie sowieso nicht auseinanderhalten geschweige denn sich merken könnte und b) sie alle so langweilig oder unsympathisch wirken, dass es einem herzlich egal ist, was mit ihnen passiert.

Neben dem Schildern des Voranschreitens der Geiselnahme driftet Lisa Zeidner immer wieder zu gedanklichen Ausschweifungen diverser Geiseln, vorrangig aber zu Helens Gedankensalat ab oder verliert sich in verschiedenen Biographien einzelner Gäste. So geht es fast den ganzen Roman durch, die Geiselnahme an sich gerät beinahe zur Nebensache. Da wird endlos darüber geschrieben, wer wann was in seinem Leben erlebt hat, wie wer sich kennengelernt hat, welche Schicksalsschläge zu erdulden waren oder wie der Alltag einiger Personen aussieht. Und Zeidner macht da wirklich vor gar nichts halt. Das Leben der Kellnerin des Catering-Services wird ebenso enervierend beleuchtet wie das der Brautmutter.

Auf der Hochzeit tummelt sich zwar eine illustre Gästeschar, aber von geschiedenen Eltern und deren verschiedenen neuen Partnern samt weiteren Kinder zu lesen, von quengeligen Babys, einem Haufen Psychiater, einem jugendlichen an Asperger Erkrankten, einer Schauspielerin und ihrem Lover oder auch dem belanglosen Leben der Geiselnehmerin, ist leider nur eins: entsetzlich langweilig. Zeidner gelingt es meiner Meinung nach überhaupt nicht, dem Leser ihre Protagonisten näherzubringen. Das liegt zum einen an der schieren Masse an Charakteren: Die Hochzeitsgesellschaft besteht aus über 50 Leuten, dazu kommt noch diverses Personal, und man hat das Gefühl, dass fast alle hier vorgestellt und beschrieben werden. Aufgrund der schwierigen Familienverhältnisse mit diversen Ex- und neuen Frauen samt Nachwuchs verliert man ziemlich schnell den Überblick, wer denn nun eigentlich wer ist. Zum Anderen entfernt sich Zeidner immer wieder vom Kern der Geschichte, der Geiselnahme. Sie lässt unendlich viele Gäste gedankliche Lebensbeichten ablegen, die den Leser vom Zentrum des Geschehens wegzerren und in einem Sumpf aus Banalitäten und abstrusen Storys versinken lassen.

Erfährt man dann irgendwann, warum die falsche Braut tut, was sie tut, wird es auch nicht besser. Das Ganze wirkt einfach nur völlig willkürlich und total überzogen, und da man auch für die Geiselnehmerin keine Sympathien aufzubringen vermag, ist einem ihr Schicksal vollkommen egal. Das ist denn auch das Grundproblem des Romans - neben seiner unfassbaren Endlos-Schwafelei: Man interessiert sich einfach für niemanden und ist massiv angeödet von den dutzendfachen Beschreibungen wildfremder Menschen, die einem eben auch fremd und somit vollkommen egal bleiben.

»Quintessence«

"Die falsche Braut" ist für mich ein totaler Fehlgriff gewesen. Aufgrund der sehr positiven Resonanz in der Presse hatte ich einen spannenden, witzigen, absurden, kurzweiligen und abwechslungsreichen Roman einer anarchistischen Terrorbraut in Weiß erwartet, die die mittelständische Gutbürgerlichkeit eines kleinen Städtchens in New Jersey mal gründlich aufmischt. Bekommen habe ich leider nur eine pseudo-intellektuelle Ansammlung von Nichtigkeiten, endlose Langeweile, nicht enden wollendes, nichtssagendes Geschwafel über Menschen, deren Schicksal einem vollkommen egal bleibt und eine an sich unglaubwürdige und bescheuerte Geschichte mit null emotionalem Gehalt. Ich kann nur dringend abraten, sich diese falsche Braut ins Haus zu holen. Ergo satte null von fünf Grundkursen im Kreativen Schreiben, die Frau Zeidner alle belegen sollte.


Palo Alto
Palo Alto
DVD ~ Emma Roberts
Preis: EUR 11,99

3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Once upon a boring time in Palo Alto, 11. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Palo Alto (DVD)
»Intro«

James Franco tanzt gerne auf vielen Hochzeiten. Der Schauspieler hat noch viele andere Interessen, als sich nur vor der Kamera rumzutreiben. Er malt Bilder, er schreibt Bücher und er produziert Filme und führt Regie. Aus seinem Buch "Palo Alto" hat nun Regisseurin Gia Coppola (Enkelin von Francis Ford Coppola und Cousine von Nicolas Cage) 2013 ihren ersten Film gemacht. Zusammen mit Franco hat sie darüber hinaus auch das Drehbuch zum Film geschrieben. Palo Alto ist eine Stadt in Kalifornien und darüber hinaus Francos Geburtsort und die Stadt, in der er aufgewachsen ist. In "Palo Alto" hat er die Erinnerungen an seine Jugend aufgearbeitet, wobei man natürlich nicht weiß, wie viel in "Palo Alto" nun Fiktion oder Wahrheit ist. Das ist aber eigentlich auch egal, weil "Palo Alto" in jedem Fall kein guter Film geworden ist.

»Disc«

Ausstattung der DVD: Ton in Deutsch und Englisch in DD 5.1, Untertitel in Deutsch. Extras: Making-of, Trailer des Films sowie vier weitere Trailer: An Ton und Bild gibt es nichts auszusetzen, es gibt aber auch nichts Wesentliches darüber zu sagen. Alles im Normbereich.

»Wassup?«

Was ist wohl so los in Palo Alto? Was geht ab, wenn man so um und bei 16 ist und gerade mitten in der Pubertät steckt? Nun, offensichtlich nicht allzu viel, wenn man mal vom Kiffen, Rumhängen und Stuss reden absieht. Denn viel mehr tun die Protagonisten dieses Films nicht. Da wäre Teddy (Jack Kilmer, Sohn von Val, in seiner ersten Rolle), der gerne mal einen trinkt oder kifft oder Beides, ansonsten eher schüchtern ist, keine Frisur hat und heimlich April (Emma Roberts, Nichte von Julia, "Wir sind die Millers") anschmachtet. April weiß noch so gar nicht, was aus ihr werden oder wen sie nun mögen soll. Fred (Nat Wolff, "Das Schicksal ist ein mieser Verräter") hingegen ist chronisch überdreht und irgendwie ständig auf irgendwen oder irgendwas wütend. Und Emily (Zoe Levin, "Trust") hat den Ruf der Schulschlampe, weil sie vor jedem Jungen in die Knie geht, obwohl sie doch eigentlich nur jemanden sucht, der sie liebt. *gähn* Die Vier hampeln sich unkoordiniert durch Palo Alto und ihre beginnende Adoleszenz und sind mit Beidem hoffnungslos überfordert.

»Let's get real«

Vielleicht bin ich einfach nur nicht die Zielgruppe…vielleicht verstehen Jugendliche und Pubertierende, was Coppola und Franco uns hier sagen wollten. Vielleicht aber sind Jugendliche von diesem stumpf abgefilmten Dünnsinns-Gesprächsmarathon genauso genervt wie ältere Semester. Denn schlussendlich passiert hier nicht viel mehr, als dass Teenagern dabei zugeguckt wird, was sie den lieben langen Tag so machen und welche unglaublichen Mengen an Stuss sie dabei von sich geben.

"Palo Alto" ist ein Jugendportrait allererster Langeweile-Güte. Man wird mit enervierendem Teenie-Gequatsche geradezu bombardiert und sieht diesen nervtötenden Rotzblagen lediglich dabei zu, wie sie sich besaufen, sich die Rübe weichkiffen, faul in der Gegend rumhängen oder stotternd voreinander stehen und küchenpsychologische Plattitüden von sich geben. Natürlich dürfen diverse Klischees nicht fehlen: So verknallt sich April natürlich in ihren Sportlehrer (James Franco) und natürlich geht das nicht gut. Natürlich ist der schüchterne Nerd verknallt in April, natürlich ist da immer einer, der durch gewagte Aktionen und cooles Gefasel darauf aufmerksam machen will, wie leer und einsam er sich eigentlich fühlt und natürlich sind die Eltern allesamt unaufmerksame oder uninteressierte Erwachsene, die nur mit sich selbst beschäftigt sind…oder sie sind so neben der Kappe wie Aprils Vater (Val Kilmer), der sich fröhlich eins kifft, während er mit Stirnband, ohne Frisur und im Bademantel ihre Aufsätze korrigiert bzw. gleich ganz neu schreibt.

Ansonsten findet hier keinerlei merkbare Entwicklung statt. Nach 100 Filmminuten sind die Protagonisten noch genauso schlau und nervtötend wie am Anfang der Geschichte, gelernt haben sie also nichts, gemacht haben sie auch nichts. Na toll. Warum genau muss man sich dann mit dieser langatmigen, bedeutungslosen und überaus dämlichen Blutgrätsche aus postpubertärer verbaler Inkontinenz und nicht erlangter Adoleszenz herumschlagen? Mehr als eine endlose Abfolge von phrasengedroschenen, vollidiotischen Laberlaberdingdong-Statements bekommt man hier nämlich leider nicht geboten. Spannung? Nope. Empathie? Nope. Humor? Nope. Message? Turn it off!

»Players«

Ja, die armen Deppen, die sich hier vor der Kamera entblöden mussten. Keine schlechten Schauspieler, was sie glücklicherweise an anderer Stelle größtenteils schon bewiesen haben. Hier haben sie ja nicht viel mehr zu tun, als bekifft, wütend oder gelangweilt-depressiv aus der Wäsche zu gucken und mehr oder weniger dekorativ in Palo Alto rumzuhängen. Am wenigsten nerven und ehesten überzeugen kann Emma Roberts, der es gelingt, ihrer April authentische Gefühle zwischen Verletzbarkeit, Naivität und erwachender Sexualität zu entlocken. Nat Wolff macht seine Sache als cholerischer, überdrehter Fred zumindest so gut, dass man endgenervt von ihm ist. Zoe Levin als liebesbedürftiger Blasebalg bleibt indifferent und blass und Jack Kilmer muss noch viele Stunden Schauspielunterricht nehmen, bis er mal so gut wird, wie sein Vater einst war. James Franco begnügt sich mit der Nebenrolle als Sportlehrer und das kriegt er erwartungsgemäß gut hin. Er sollte bei der Schauspielerei bleiben und das mit dem Bücher schreiben lassen, wirklich.

»Quintessence«

Wer sich einen guten Coming-of-Age Film ansehen will, der greife doch bitte zu "Raus aus Amal", "Restless", "American History X", "Beautiful Thing" oder "Rushmore", unter keinen Umständen jedoch zu "Palo Alto". Selbst für Jugendliche, die sich in einem ähnlichen pubertären Kosmos bewegen, dürfte der Film wenig zu bieten haben, wahrscheinlich gibt es schon tausende "Palo Alto"-Lookalikes…mit dem Smartphone gefilmte Videosequenzen, in denen Teenies sich bei ihren Alltäglichkeiten und Experimenten mit Alkohol und Marihuana zugucken. Da zumindest der Cast weiß, was er tut - auch wenn er tunlichst verkörpern soll, dass er nicht weiß, was er tut - gerade mal noch eins von fünf schwachsinnigen (Dreh)Büchern, die man Frau Coppola und Herrn Franco mal gepflegt über die Rübe zimmern sollte.


May und die Liebe
May und die Liebe
DVD ~ Bill Pullman
Preis: EUR 14,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Glaube, Liebe, Durcheinander, 8. August 2015
Rezension bezieht sich auf: May und die Liebe (DVD)
»Intro«

"May und die Liebe" ist ein jordanisch-amerikanischer Film der Regisseurin und Schauspielerin Cherien Dabis. Dabis legt hiermit ihren zweiten Langfilm vor, ihr Debüt lieferte sie 2009 mit "Willkommen in Amerika" ab. Ihr Schauspieldebüt hingegen findet hier in "May und die Liebe" statt. Dabis' zweiter Film ist eine bunte Collage aus Familienstreitigkeiten, der Frage, welcher Religion man sich zugehörig fühlt und natürlich diversen amourösen Irrungen und Wirrungen. Herausgekommen ist dabei ein etwas willkürliches Gemisch, das zuweilen rech amüsant anmutet, aber in seinen 99 Minuten nicht immer überzeugen kann.

»Disc«

Ausstattung der DVD: Ton in Deutsch in Stereo DD und DD 5.1 oder in Englisch/Arabisch in DD 5.1, Untertitel in Deutsch. Extras: Trailer des Films sowie neun weitere Trailer. Weder am Bild noch am Ton gibt es etwas auszusetzen, sie liegen im DVD-typischen Bereich.

»Wassup?«

May (Cherien Dabis) lebt eigentlich mit ihrem Verlobten Ziad in New York, geheiratet werden soll aber in ihrer Heimatstadt Amman in Jordanien. Deshalb macht sich die erfolgreiche Buchautorin auch vier Wochen vor der geplanten Hochzeit auf gen Heimat, um alles in Ruhe vorbereiten zu können. Probleme gibt es vor Ort dann aber nicht nur mit ihren zwei unterschiedlichen Schwestern Dalia (Alia Shawkat, "Ruby Sparks") und Yasemine (Nadine Malouf), sondern vor allem mit ihrer christlichen Mutter Nadine (Hiam Abbass, "Ein Sommer in New York"), die die Hochzeit ihrer Tochter boykottieren will, da diese einen Moslem heiratet. Dann erscheint plötzlich auch noch Mays Vater Edward (Bill Pullman, "Independence Day") wieder auf der Bildfläche, der sich nach der Scheidung von Nadine in den letzten Jahren recht rar gemacht hat. Und als wäre das noch nicht genug, bekommt May langsam kalte Füße vor der Hochzeit, woran der sympathische Karim (Elie Mitrie) nicht ganz unschuldig ist. May steht eine turbulente Zeit in Amman bevor, in der sie ein paar wichtige Entscheidungen zu treffen hat…

»Let's get real«

"May und die Liebe" ist das, was man einen "netten" Film nennen würde. Und das kommt ja normalerweise einem Todesurteil gleich. Aber "May…" ist wirklich nett. Nett anzusehen, nette Darsteller, nette Locations, nette Stimmung. Der Film macht nicht wirklich Spaß und so richtig spannend oder emotional wird es auch nicht, aber dennoch ist das alles irgendwie ganz…nett eben. Man mag der sympathischen und hübschen Regisseurin und Hauptdarstellerin nicht wirklich böse sein ob des schlussendlich recht beliebigen Filmchens, das sie hier gedreht und bespielt hat.

Vielleicht liegt das an dem leicht exotischen Touch, den "May…" aufgrund seiner teiljordanischen Herkunft verströmt. Dem Culture Clash zwischen Orient und Okzident, der hier immer mal wieder spielerisch aufgegriffen wird. Oder schlicht an dem gut aufgelegten Ensemble, das einen ab und an vergessen lässt, dass "May…" eigentlich kein besonderer und auch kein überragend guter Film geworden ist.

Die Handlung um May und ihre Familie plätschert so vor sich hin und wird mit allerlei Belanglosigkeiten angereichert. Da wären die drei unterschiedlichen Schwestern, eine schwermütig und verdrossen, eine oberflächlich und partygeil und die dritte vernünftig und erfolgreich. Diese Unterschiede führen natürlich zu den verschiedensten mehr oder weniger komplizierten Situationen, die mal witzig, mal ernst angegangen werden. Dann kommt noch Mays nicht ganz leichtes Verhältnis zu ihrer Mutter dazu. Die Mutter ist gläubige Christin und ziemlich intolerant anderen Glaubensrichtungen gegenüber. Darüber hinaus ist sie immer noch verbittert, dass ihr Ex-Mann sie für eine Jüngere verlassen hat. Hinzu kommt das schwierige bzw. kaum existente Verhältnis, das die drei Schwestern zu ihrem Vater pflegen, der plötzlich wieder auf der Bildfläche erscheint. Und schlussendlich plagen May Versagensängste ob ihrer Zukunft als Autorin, da ihr für ihr zweites Buch partout nichts einfallen will; darüber hinaus hegt sie Zweifel, ob sie Ziad wirklich heiraten soll, obwohl dem Mann nichts vorzuwerfen ist, er ist der nahezu perfekte zukünftige Ehemann.

Diese ganzen kleinen Querelen und Befindlichkeiten streckt Cherien Dabis auf 99 Filmminuten - leider aber kann die Handlung die Filmlänge oft nicht rechtfertigen. Der Film wankt unentschlossen zwischen Familienportrait, Prä-Hochzeitsdrama und Geschwisterkomödie hin und her und kann sich nicht so ganz entscheiden, was er denn nun eigentlich sein will. Dies geht zu Lasten des Tempos und des Humors des Films. Ein paar nette Schmunzler, ein paar herzige Momente, aber in der Summe eben doch nichts wirklich Greifbares oder Relevantes.

»Players«

Das Ensemble hingegen ist gut aufgelegt und erfüllt die Vorgaben des Drehbuchs (übrigens ebenfalls von Cherien Dabis) passgenau. Sowohl Alia Shawkat als auch Nadine Malouf als Mays Schwestern können als grummelige Pessimistin und unbeschwerte Partymaus überzeugen. Auch Dabis selbst wird der Doppelbelastung vor und hinter der Kamera gerecht und reichert ihre May mit schön gegensätzlichen Wesenszügen an, die ihr emotionales Dilemma nachvollziehbar machen. Hiam Abbass als verbitterte und verletzte/verletzbare Mutter dieser drei unterschiedlichen Töchter ist wunderbar, Bill Pullman als reuiger Vater bleibt hingegen etwas blass. Den Verlobten kriegt man erst ganz am Schluss einmal kurz zu Gesicht, etwas mehr Präsenz hat dahingegen Elie Mitrie als eventuelles Love Interest von May. Alles in allem ein guter Cast also.

»Quintessence«

"May und die Liebe" (im Original übrigens kaum origineller mit "May in the Summer" betitelt) ist ein Film, der niemandem weh tut, der aber auch niemanden vom Hocker reißt. Wer sich für das moderne Leben in Jordanien interessiert und damit zufrieden ist, dass einem hier keine großen emotionalen Höhen und Tiefen geliefert werden, der kann ruhig mal einen Blick auf May riskieren. Wer allerdings eine kurzweilige, witzige und wendungsreiche Komödie erwartet, der sollte vielleicht doch lieber die Finger von May und ihrer Familie lassen. Ergo durchschnittliche drei von fünf Sommern, die man mit May verbringen kann, aber nicht muss.


Hope Lost
Hope Lost
DVD ~ Mischa Barton

1 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Im Hostel mit Stummer Zeugin A Serbian Film gucken, 6. August 2015
Rezension bezieht sich auf: Hope Lost (DVD)
»Intro«

Nach einer beträchtlichen Anzahl von Kurzfilmen versuchte sich der italienische Regisseur David Petrucci erstmals 2012 an einem Langfilm ("Canepazzo"), drei Jahre später folgte dann dieses krude Werk. Die drei Drehbuchautoren sind zu zwei Dritteln blutige Anfänger und der Dritte im Bunde kann auch nur vorrangig Scripts für Dokumentationen vorweisen. Und trotz eines soliden B-Casts (Danny Trejo, Michael Madsen, Daniel Baldwin) ist bei "Hope Lost" buchstäblich jede Hoffnung verloren, einen guten Film zu Gesicht zu bekommen. Nach schier endlosen 94 Minuten ist dieser italienische Torture Porn-Murks endlich vorbei und man mag sich noch nicht mal über die praktisch nicht-existente DVD-Ausstattung aufregen, da man keinesfalls noch mehr über diesen Film erfahren will.

»Disc«

Ausstattung der DVD: Ton in Deutsch und Englisch in DD 5.1, keine Untertitel. Extras: Trailer des Films sowie zehn weitere Trailer: Ton und Bild sind DVD-Standard, wobei eh nicht wirklich viel zu erkennen ist, da der Film vorrangig nachts spielt und teilweise suboptimal ausgeleuchtet ist. Zumindest tonal gibt’s nix zu meckern, abgesehen davon, dass man leider viel zu gut hören kann, was die Protagonisten für einen Stuss faseln.

»Wassup?«

So. Da hätten wir die rumänischstämmige Sofia (Francesca Agostini in ihrer ersten Rolle nach einem Auftritt in einem Fernsehfilm), die in einer Textilfabrik arbeitet, aber insgeheim von einem Leben als Schauspielerin träumt, ganz so wie die Helden der von ihr geliebten italienischen Seifenopern. Als sie eines Nachts in einem Club den schmierlappigen angeblichen Produzenten Gabriel (Andrey Chernyshov) trifft, behauptet der, ihr in Rom eine Rolle verschaffen zu können, logisch. In Rom angekommen, muss Sofia dann allerdings feststellen, dass Gabriel für sie eine Rolle als Prostituierte bei Zuhälter Manol (Michael Madsen, "Reservoir Dogs") vorgesehen hat, um seine (Gabriels) Schulden bei diesem abzuarbeiten. Fortan muss Sofia sich also in den Außenbezirken Roms als Hure verdingen, immer beaufsichtigt von Schläger Marius (Danny Trejo, "Machete"). Ein wenig Hoffnung gibt ihr die Freundschaft zu Leidensgenossin Alina (Mischa Barton, "O.C. California") und ihrer "Kundin" Eva (Alessia Navarro). Als dann aber Widerling Ettore (Daniel Baldwin, "Homicide") auftaucht, wird es richtig brenzlig…denn der hat für Sofia eine Hauptrolle in einem ganz besonderen Film vorgesehen…

»Let's get real«

Ach herrje…"Hope Lost" lässt einen schon sehr schnell jegliche Hoffnung auf einen guten Film verlieren. Das fängt an mit der wundervoll schlechten Synchronisation, die sich anhört, als hätte man legasthenische Valiumabhängige den Text im Halbdunklen ablesen lassen. Besonders Mischa Barton fällt hier stimmlich negativ auf, allerdings muss man ihrem Sprechdouble hoch anrechnen, dass sie genauso trantütig und emotionslos spricht wie Barton hier spielt.

Weiter geht es mit der aus verschiedenen Filmen ähnlicher Art zusammengeklauten Story und Inszenierung. Ein bisschen "Hostel" hier, ein wenig "Stumme Zeugin" da, dazu noch eine Prise "A Serbian Film" und das Ganze dann noch garniert mit ein paar billigen italienischen Giallo-Anleihen. Eigene Ideen oder Innovation? Fehlanzeige. Wenn es denn wenigstens unter dem Motto "Lieber gut geklaut als schlecht selbst gemacht" laufen würde… aber noch nicht einmal das gelingt Dilettant Petrucci. Seine Darsteller (zumindest die ohne eine Landkarte aus Falten im Gesicht) agieren wie die Marionetten in der Pupsburger Augenkiste und sind dazu verdammt, derart hirnrissigen Blödsinn von sich zu geben, dass einem die Haare zu Berge stehen würden, wenn man sich diese nicht schon aus lauter Verzweiflung vom Kopf gerupft hätte. Die B-Movie-Veteranen haben sich Dinge wie Stolz oder das Lesen von Drehbüchern längst abgewöhnt, Trejo, Baldwin und Madsen spielen einfach, was man ihnen vor die Füße wirft. Was wirklich bedauerlich ist, da sie allesamt nachweislich gute Schauspieler sind (nun gut, bei Trejo legen wir den Begriff "guter Schauspieler" mal etwas großzügiger aus), aber mit ihrer Rollenauswahl immer wieder mit beiden Händen ins Klo greifen. Eindeutig ein Fall für den Comeback-Spezialisten Quentin Tarantino, der ja zum Beispiel mit Madsen schon gute (Dreh-)Erfahrungen gemacht hat.

Also, neben der geklauten, wirr zusammengeschusterten, dünnen und vor allem dämlichen Story haben wir Darsteller, die diesen Namen entweder gar nicht verdienen oder sich schämen sollten, ihren noch nicht gänzlich lädierten Namen für so einen Rotz herzugeben. Dazu kommt die absolute Unglaubwürdigkeit einiger Charaktere (z. B. der der lesbischen Ex-Söldnerin - also bitte!) und Prosciuttos, ach nee, Petruccis völlige Talentlosig- und Unfähigkeit, eine gute, spannende Geschichte zu erzählen oder seiner Crew irgendeine Art von kreativer Führung angedeihen zu lassen. Und schlussendlich sollte mal jemanden den Beleuchter feuern, man kann einen Film nicht nur mit drei Energiesparlampen ausleuchten, funktioniert einfach nicht.

»Players«

Die bereits erwähnte Gurkentruppe aus Veteranen und Unfähigen findet sich nicht zu einer homogenen und vor allem überzeugenden Masse zusammen. Michael Madsen sieht mit seinen schlecht gefärbten Haaren ähnlich lächerlich aus wie Danny Trejo, vor allem, weil die Beiden im Gesicht aussehen wie zerknülltes Butterbrotpapier. In Punkto Schmierlappigkeit liefern sich Baldwin und Madsen ein Kopf-an-Kopf-Rennen, Trejo verlegt sich da eher ganz subtil auf die Devise "Weniger Worte, mehr Fäuste", ein zumindest kleiner akustischer Lichtblick. Die Drei könn(t)en, wenn sie woll(t)en, wollten aber offensichtlich nicht und beschämen so wahlweise durch ihr lustloses/völlig übertriebenes/peinliches Spiel.
Viel besser machen es die jungen Darsteller aber auch nicht. Francesca Agostini ist mit der Darstellung des Unschuldslämmchens im Sündenpfuhl hoffnungslos überfordert, Andrey Chernyshov als Produzent/Pseudo-Zuhälter kann ebenfalls weder mimisch noch rhetorisch überzeugen, Alessia Navarro sieht zwar aus wie eine Kampflesbe, kann ihrer geschundenen Seele aber ebenfalls keine emotionale Tiefe verleihen und Mischa Barton…ja, die ist nun wohl ganz unten angekommen. Von dem ehemaligen "O.C. California"-Girl ist nicht mehr viel übrig, in ihrer Filmografie finden sich mittlerweile obskure Titel wie "Zombie Killers" und "L.A. Slashers". Mehr ist dazu wohl nicht zu sagen. Wundert allerdings auch nicht, sollte Barton immer mit der Energie eines Faultiers an ihre Rollen herangehen. Außerdem, wer hat ihr denn bitte die fürchterlich-biedere Friese für diesen Film verpasst? Gab es in der Maske auch nicht mehr als eine Glühbirne?

»Quintessence«

Bei "Hope Lost" ist der Titel Programm. Der Film kann sich a) nicht entscheiden, was er nun eigentlich sein will (tragisches Drama oder harter Thriller) und verfügt b) weder über die entsprechenden Fähigkeiten vor und hinter der Kamera, um irgendeine Form von Güte zu erlangen. Er taugt noch nicht mal als gelungener Trashfilm, das muss man auch erstmal schaffen, Prosciutto! Zugutehalten kann man diesem hoffnungslosen Quark höchstens die recht gute Musik, die diesen Schrott recht stimmungsvoll übertönt und den dezent verwaschenen Look des Films, der recht gut zur mangelhaften Ausleuchtung und dem Hauch des Versagens passt, der dieses Werk umweht. Sehr gerne also null von fünf Hoffnungsschimmern, die hier gnadenlos im Keim erstickt werden.


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