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MissVega (Hamburg)

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Kidnapped - Die Entführung des Reagan Pearce [Blu-ray]
Kidnapped - Die Entführung des Reagan Pearce [Blu-ray]
DVD ~ Ryan Phillippe
Preis: EUR 14,99

1.0 von 5 Sternen Sumpf-Mumpf, 24. Januar 2015
Ryan Phillippe, Ex von Reese Witherspoon, fühlt sich nun also auch, wie so viele Schauspieler vor ihm (und sicherlich noch viele nach ihm) dazu berufen, mehr zu sein als nur Darsteller. Deshalb hat er sich für "Kidnapped" erstmals auf den Regiestuhl geschwungen und auch gleich noch das Drehbuch zu diesem Sumpf-Mumpf verzapft. Ach ja, produziert hat er den uninspirierten Quatsch natürlich auch. Multitasking oder künstlerische Qualität, die über das Schauspielern hinausgeht, ist offensichtlich nicht so Phillippes Ding, wie er mit "Kidnapped" eindrucksvoll beweist. Phillippe ist ein durchaus respektabler Darsteller und auch schon lange genug im Business, um als Profi durchzugehen, aber eben nur vor der Linse, nicht dahinter. Denn leider kann er weder gute Drehbücher schreiben noch Regie führen. Wenn er seine momentan eh schon stagnierende Karriere nicht noch weiter gefährden will, sollte der "Eiskalte Engel"-Darsteller in Zukunft tunlichst die Hände von eigenen Storyentwürfen und der Kamera lassen.

Die Ausstattung der Blu Ray bietet ähnlich wenig Erfreuliches wie der Hauptfilm, aber wenigstens bei Bild und Ton (in deutsch und englisch in DTS HD 5.1, Untertitel in deutsch) gibt's nichts zu meckern. Warum man so einen Film allerdings in 3D veröffentlicht, erschließt sich mir nicht, weshalb ich mich auch mit der 2D-Variante begnügt habe. Als Extras haben wir hier lediglich den Trailer des Films in deutsch und englisch sowie vier weitere Trailer.

So, also. Reagan Pearce (Phillippe) ist Schauspieler, dessen Karriere allerdings etwas ins Stocken geraten ist. (James) Cameron ist er zu alt für die Rolle eines Actionhelden und sein letzter erfolgreicher Film liegt Jahre zurück. Deshalb macht er sich notgedrungen auf den Weg nach Louisiana, wo er in einer kleinen Produktion eines nur vermeintlich visionären Regisseurs mitwirken soll. Dort angekommen ist Reagan allerdings entsetzt von Regisseur und Drehbedingungen und würde am liebsten sofort alles hinschmeißen. Dennoch lässt er sich von seinem Manager überreden, am nächsten Tag am Set zu erscheinen. Doch der Wagen, der ihn am nächsten Morgen abholt, ist nicht von der Produktionsfirma. Vielmehr haben der völlig durchgeknallte Mike (Ian Barford, "30 über Nacht") samt Neffe Junior (Stephen Louis Grush, "Um jeden Preis") den strauchelnden Schauspieler entführt und verschleppen ihn in eine marode Bruchbude mitten im Sumpf. Dort wird Reagan aufs übelste gefoltert und gedemütigt und sein Ruf via Internet mittels pikanter Geheimnisse und gefälschter Aussagen ruiniert. Reagan wird schnell klar, dass hier kein filmreifes Happy End zu erwarten ist und er zusehen muss, dass er seinem Gefängnis entkommt. Nur, wie soll er das machen, gefesselt und schwer verletzt, wie er ist?

Ja, und wen interessiert das eigentlich? Niemanden, der den Film sieht, würde ich mal meinen. Ryan Phillippe hat sich hier eindeutig zu viel zugemutet. Er mag ein guter Schauspieler sein, als Regisseur und Drehbuchautor jedoch ist Phillippe eine völlige Niete. Die Story ist so konstruiert wie unglaubwürdig, dazu noch mies umgesetzt, voller Logiklöcher und mit einer nicht vorhandenen Dramaturgie gesegnet. Es gelingt einem nicht, Empathie für Reagan zu entwickeln, einfach, weil Phillippe diesen Charakter so oberflächlich und schludrig ausgearbeitet hat, dass man einfach kein Interesse für ihn aufzubringen vermag. Sicherlich tut es einem leid, wie schwer Reagan hier misshandelt wird, darüber hinaus aber kann man sich für keinen der Protagonisten auch nur im Ansatz erwärmen.

Der Anfang des Films ist unpersönlich und langweilig, dann folgt der gewalteruptive, wirre und endlos lange Mittelteil, der dann von einem kurz spannend aufflammenden Finale abgelöst wird, das durch den viel zu langgezogenen, schwülstigen Nachklapp aber wieder konterkariert wird. Und das ganze Elend dauert dann auch noch satte 98 Minuten, wobei die Story höchstens für die Hälfte der Laufzeit ausreicht.

Nachdem wir Reagan als lustlosen, maulfaulen Schauspieler auf der Ersatzbank kennengelernt haben, wird er auch schon von den zwei Hillbillys in den Sumpf gezerrt, wo er fortan sein Dasein angekettet in der ramponierten Buffelbutze von Mike und Junior fristen muss. Er wird aufs übelste verprügelt und misshandelt und Mike konfrontiert ihn mit dem Grund für seine Entführung. Dann haut Mike ab, weil er kurz arbeiten muss, bevor er retournieren und Reagan den Rest geben will, so dass Reagan nun allein mit dem geistig nicht ganz auf der Höhe befindlichen Junior ist. Es wird ein bisschen geredet, ein Alligator wird getötet, Junior streift durch den Sumpf und brüllt sinnlos in der Gegend rum, während Reagans Kräfte zusehends schwinden. Die mentale Manipulation Juniors durch Reagan hat nur teilweise Erfolg, so dass Reagan sich bald überlegen muss, wie er sich aus seiner misslichen Lage befreien kann, bevor Mike zurückkommt. Dann gibt's nen unglaubwürdigen Showdown und einen schmierigen, erleuchteten Nachklapp und dann kann man diese sumpfige Geschichte endlich ad acta legen.

Die Charaktere sind verschwommen und nachlässig gezeichnet, das Ausmaß der Gewalt und Erniedrigung steht in keinerlei Beziehung zu Reagans angeblichem Fehlverhalten und die ganze Geschichte wird so uninspiriert, langweilig und sinnfrei erzählt, dass man "Kidnapped" nur als Flop bezeichnen kann. Phillippe meistert seinen Part dennoch meist ganz ansehnlich und auch Ian Barford und Stephen Louis Grush kann man keine völlige Talentfreiheit vorwerfen, dennoch sind die Charaktere aller so klischeehaft und unglaubwürdig, dass man schnell von ihnen genervt ist. Reagan liegt nur gepeinigt auf dem Boden rum und versucht halbherzig, sich zu retten, Mike brüllt nur ekstatisch in der Gegend rum und Junior faselt permanent wirres, uninteressantes Zeug.

Man kann nur hoffen, dass "Kidnapped" kein Omen für Phillippes eigene Karriere ist und er irgendwann so endet wie Reagan, denn ein paar Parallelen gibt es da ja leider schon. Phillippe hat seit Jahren keinen erfolgreichen Film mehr gemacht und taucht in keiner nennenswerten Produktion mehr auf. Mit "Kidnapped" hat er leider nur ein weiteres Argument geliefert, ihn nicht zu engagieren, denn der Film ist einfach ganz großer Mist. Hoffen wir mal, dass Phillippe das begriffen hat und sich zukünftig nicht mehr als Regisseur und Drehbuchautor versucht. Für diesen misslungenen Sumpf-Mist also gerade mal noch einen von fünf erfolglosen Schauspielern, für die dieser Film hoffentlich nicht das Karriere-Ende bedeutet.


Now Is Good - Jeder Moment zählt
Now Is Good - Jeder Moment zählt
DVD ~ Dakota Fanning
Preis: EUR 7,97

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Let go, 22. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Now Is Good - Jeder Moment zählt (DVD)
Mit "Now is Good" liegt nun die 2012er-Verfilmung des berührenden Romans "Bevor ich sterbe" von Jenny Downham vor. Ich hatte ein wenig Angst, diesen Film zu sehen, da mir die Buchvorlage so gut gefallen und mich so sehr berührt hat, dass ich befürchtet habe, die Verfilmung könne diesem wundervollen Roman gar nicht gerecht werden. Und in einigen Bereichen reicht "Now is good" natürlich auch nicht an die Intensität und emotionale Tiefe des Romans heran, dennoch kann man die Verfilmung in weiten Teilen als gelungen bezeichnen, was vorrangig an der behutsamen Regie von Ol Parker (Drehbücher zu "Best Exotic Marigold Hotel" und "The Second Best Exotic Marigold Hotel") liegt, der auch hier das Drehbuch geschrieben hat.

Tessa (Dakota Fanning, "Hide and Seek") ist 16 Jahre alt und hat Leukämie im Endstadium. Sie weiß, dass sie bald sterben wird, möchte sich vorher aber noch ein paar Wünsche erfüllen, bevor ihr junges Leben ein so tragisches Ende erfahren wird. Zusammen mit ihrer Freundin Zoey (Kaya Scodelario, "Maze Runner") zieht sie durch Brighton, lernt Jungs kennen, um ihre Unschuld endlich zu verlieren, lässt sich vom lokalen Radiosender interviewen und versucht, Auto zu fahren. Doch dann passiert das Einzige, was Tessa nicht wollte: sie verliebt sich in den neuen Nachbarsjungen Adam (Jeremy Irvine, "Gefährten"). Nachdem dieser von Tessas tödlichem Schicksal erfährt, weiß er nicht, ob er bereit ist, sich auf Tessa und ihre Krankheit einzulassen, da das baldige Ende ja gewiss ist. Dennoch können die Beiden nicht voneinander lassen und bauen eine innige Beziehung zueinander auf. Doch es kommt natürlich, wie es kommen muss: Tessas Zustand verschlechtert sich zusehends, so dass den beiden Jugendlichen nicht mehr viel Zeit bleibt, ihre junge Liebe zu genießen…

Was Lesern der Romanvorlage auffällt, ist, dass Parker hier nicht Tessas Wunschliste in den Mittelpunkt des Geschehens rückt, sondern die Beziehung zwischen Tessa und Adam. Das ist ein wenig schade, da Tessas Liste einige ungewöhnliche und witzige Wünsche beinhaltet, die der Film überhaupt nicht thematisiert. Vielmehr wird eigentlich nur am Rande erwähnt, dass es diese Liste überhaupt gibt und wie wichtig es für Tessa ist, sich ihre kleinen Wünsche noch zu erfüllen. Dass darin auch ihre anfängliche Abneigung gegen ihre Gefühle gegenüber Adam begründet liegt, wird im Film ebenfalls nicht erwähnt. Vielmehr präsentiert Regisseur Parker einen kranken Teenager, der schon nach kurzer Spielfilmdauer (insgesamt sind es übrigens 103 Minuten) Hals über Kopf verliebt ist und hält den Fokus anschließend auch auf dieser Liebesgeschichte. Die komplexen Beziehungen Tessas zu ihrem besorgten Vater, der völlig überforderten Mutter, ihrem quirligen Bruder und ihrer Freundin werden nur am Rande gestreift und geben den Film so einer gewissen Oberflächlichkeit preis.

Somit bleibt natürlich auch die emotionale Tiefe der Romanvorlage immer mal wieder auf der Strecke. Nun ist klar, dass man einen Roman nicht 1:1 filmisch umsetzen kann, dennoch gibt es hier einige Defizite, die meiner Meinung nach ausgemerzt hätten werden können. Parker macht aus der Vorlage eine mehr oder weniger willkürliche Abfolge verschiedener Ereignisse, die manchmal nicht so richtig zusammenfinden wollen. In relativ schneller Abfolge präsentiert er Tessa, ihre Familie, den Krankheitsverlauf und ein paar der Wünsche, die Tessa noch hat. Auch ihre Beziehung zu Adam folgt einem holprigen Pfad, so dass die tiefe Verbundenheit zwischen den Teenagern nicht so recht nachvollziehbar wird.

Dennoch hat "Now is Good" viele kleine, berührende Momente, die ans Herz gehen. Man ist darüber hinaus froh, dass es sich hier - trotz einiger amerikanischer Darsteller - um einen britischen Film handelt, auch Regisseur Parker ist Engländer, was den Film vor einer kitschigen, allzu amerikanischen Verfilmung bewahrt. Da der Film in Brighton gedreht wurde, gibt es darüber hinaus wunderhübsche Settings, von gischtschaumigen Felsküsten über grüne Wiesen bis hin zum pittoresken dörflichen Charakter von Brighton selbst.

Und auch bei der Besetzung hat Ol Parker im Großen und Ganzen alles richtig gemacht. Lediglich Hauptdarstellerin Dakota Fanning wirkt manchmal wie ein Fremdkörper im Film, obwohl sie ihre Rolle gut meistert. So ganz will sie dennoch nicht zu den anderen britischen Darstellern passen und fügt sich auch nicht ganz so harmonisch in die englische Umgebung ein. Jeremy Irivne, der aussieht wie eine Mischung aus Ryan Philippe und Ethan Hawke, meistert seinen nicht immer einfachen Part souverän, darüber hinaus ist er ein wirklich attraktiver junger Mann. Paddy Considine ("Pride") überzeugt als besorgter, wütender und hilfloser Vater, der es nicht ertragen kann, seine Tochter zu verlieren. Olivia Williams ("An Education") als völlig überforderte, ängstliche Mutter hat leider zu wenig Screentime, Gleiches gilt für Kaya Scodelario als Tessas beste Freundin, dennoch spielen beide Frauen ihre Parts gut.

Ol Parkers größtes Verdienst ist es, dass er aus "Now is Good" kein tränenreiches, kitschiges Drama gemacht hat, sondern einen gefühlvollen, authentischen Film, der sich nicht in permanenten Weinkrämpfen, gefühlsduseligen Monologen oder theatralischen Aktionen ergeht, sondern einfach seine Geschichte erzählt, die davon handelt, wie ungerecht das Leben manchmal sein kann. Und auch, wenn "Now is Good" nie die emotionale Dichte und Tiefe des wundervollen Romans "Bevor ich sterbe" erreicht und eine andere Hauptdarstellerin vielleicht noch etwas besser geeignet gewesen wäre, ist der Film durchaus sehenswert, eben weil er nicht die sonst oft typische, übertriebene Sichtweise amerikanischer Werke imitiert und somit erfreulich bodenständig bleibt. Gute drei von fünf Schicksalsschlägen, denen man sich stellen muss, ob man will oder nicht.


St. Vincent
St. Vincent
DVD ~ Bill Murray
Preis: EUR 15,22

2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen (Un)Heilig, 19. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: St. Vincent (DVD)
(Kinoversion)

Vincent MacKenna (Bill Murray, "Lost in Translation") wäre wohl der Letzte, dem man den Zusatz "Saint" (Heiliger) verpassen würde. Dass es Regisseur Theodore Melfi dennoch gelingt, Vincent in diesem Licht erscheinen zu lassen, ist ein großes Verdienst. Melfi, der bislang nur einen Langfilm gedreht hat, und das 1999 ("Winding Roads"), wartet hier mit einem unspektakulären, aber charmanten kleinen Film auf, in dem Knautschgesicht Bill Murray mal - politisch völlig inkorrekt - die Sau rauslassen kann. Als überaus talentiert erweist sich auch der 12jährige Jaeden Lieberher, der Bill Murray mühelos die schauspielerische Stirn bieten kann, und das, obwohl sein Oliver Jaedens erste "richtige" Rolle (nach einem Auftritt in einem Kurzfilm) ist. Große Schauspieler in einem kleinen Film also, das funktioniert über weite Strecken des 102Minüters ziemlich gut, dennoch fehlt "St. Vincent" leider ein kleines bisschen Irgendwas, um zur echten Indie-Perle zu avancieren.

Vincent (Bill Murray) ist ein versoffener, übellauniger und fauler Kerl, der seine Zeit in Kneipen, auf der Rennbahn oder mit Perserkater Felix im Sessel verbringt. Sein kleines Häuschen in Brooklyn ist verwahrlost, und Vincent ist es auch. Bis auf seine wöchentlichen Besuche bei Sandy in einem Seniorenheim bringt er nichts Anständiges zuwege und steht darüber hinaus bei seiner Bank, dem Kriminellen Zucko (Terrence Howard, "Prisoners") und dem Wirt seiner Lieblingsspelunke in der Kreide. Folglich ist die frisch nebenan eingezogene alleinerziehende Mutter Maggie (Melissa MacCarthy, "Taffe Mädels") samt Söhnchen Oliver (Jaeden Lieberher) nicht gerade begeistert von Vincent. Da sie als Krankenschwester aber oft länger arbeiten muss, bittet sie Vincent notgedrungen, nach der Schule auf Oliver aufzupassen. Gegen Cash ist Vincent zu ziemlich allem bereit, er hätte wohl aber nicht damit gerechnet, dass er beginnen würde, Oliver zu mögen, und noch weniger, dass der Junge auch ihn zu mögen scheint. Dennoch verhält Vincent sich nicht gerade vorbildlich. Er bringt dem schmächtigen Jungen zwar bei, sich selbst zu verteidigen, schleppt ihn aber auch mit in seine Stammkneipe und macht ihn mit seinem Dienstags-Date, der schwangeren russischen Prostituierten Daka (Naomi Watts, "Diana") bekannt. Doch dann wird Vincents und Olivers Freundschaft auf einige harte Proben gestellt…

"St. Vincent" scheint geradezu prädestiniert dafür, ein wunderbar-verschrobener Indie-Film zu sein. Kauziger Alter, liebenswerter Junge, widrige Umstände, die die scheinbar unvereinbaren Charaktere zusammenführen, verlottert-charmante Settings in Brooklyn usw. usf. Ein bisschen fehlt es dem Film dann aber leider doch an - ich weiß auch nicht genau - Herzblut? Noch knackigeren Dialogen? Ein bisschen vom "gewissen Etwas" einfach, was man manchmal gar nicht so genau beschreiben kann. Alles in allem wirkt der Film einen Hauch zu gemächlich, manchmal doch etwas bemüht in seiner Komik oder szenenhaft zu uninspiriert, um wirklich voll und ganz überzeugen zu können. Und dabei möchte man so gerne voll und ganz überzeugt sein.

Denn Bill Murray gibt hier wirklich alles, um möglichst unsympathisch rüberzukommen. Kalkweiß, schmerbäuchig, delliges Gesicht, gerne in Shorts und Sandalen mit Socken, wirkt er schon optisch nicht gerade vertrauenerweckend. Kombiniert man dies dann mit seiner rüden Unhöflichkeit, dem nahezu völligen Desinteresse an seinen Mitmenschen und dem fast grenzenlosen Egoismus, kommt ein Zeitgenosse heraus, den man eigentlich lieber nicht kennenlernen möchte. Doch es steckt mehr in Vincent, wie sich im Filmverlauf noch herausstellen soll, und Oliver scheint ein Gespür dafür zu haben, dass Vincent nicht nur der übellaunige, ungehobelte Klotz ist, den er nach außen hin darstellt.

Der Film wird denn auch getragen von diesem ungleichen Paar, das über 50 Jahre trennt. Und sowohl Murray als auch Jaeden Liebenher überzeugen voll und ganz in ihren Parts. Vincents unmöglichem, rüpelhaftem Verhalten hat Oliver ausgesucht gute Manieren und einen aufgeweckten, interessierten Geist entgegenzusetzen. Er lässt sich von der Fassade des griesgrämigen Säufers nicht abschrecken und kann Vincent schon bald positive Seiten abgewinnen. Unterstützt werden Murray und Liebenher von einem souveränen Sub-Cast, angefangen bei (der hier selbst für ihre Verhältnisse ziemlich aus dem Leim gegangenen) Melissa McCarthy, die endlich mal zeigen kann, dass es bei ihr zu mehr als dem prolligen Klamauk-Fettmops reicht, den sie sonst immer gibt. Naomi Watts sieht erschreckend alt und verbraucht aus und hat sich einen gruseligen russischen Akzent antrainiert, ist dadurch aber umso überzeugender als abgewrackte Nutte mit Herz und Schwangerschaftsbauch. Chris O'Dowd ("Radio Rock Revolution") kann wunderbare kleine Akzente setzen als spitzzüngiger katholischer Lehrer, Terrence Howard als Schuldeintreiber bleibt dafür recht blass. Alles in allem gibt es aber überhaupt nichts auszusetzen an der Besetzung.

"St. Vincent" nimmt nur langsam Fahrt auf, obwohl Vincent von Anfang an keine Zweifel aufkommen lässt, dass er ein ziemlich unangenehmer Zeitgenosse ist und man deswegen vermutet hätte, dass der Film etwas mehr Pep hätte. Umso schöner dann (während man unbewusst doch immer ein wenig auf den letzten charmant-herzigen Kick wartet, der diesen Film perfekt gemacht hätte) die letzten Minuten des Films, in dem Oliver beweist, dass seine Menschenkenntnis ihn nicht getrogen hat und er Vincent ein wirklich zauberhaftes und (für Vincent) gänzlich unerwartetes Denkmal setzt. Der Schlussakkord ist vorhersehbar, aber stimmig, so dass man zufrieden, aber nicht begeistert wieder aus "St. Vincent" hinausgeht. Dafür gerne solide drei von fünf Heiligen, die manchmal genau da auftauchen, wo man sie überhaupt nicht vermutet hätte.


Win Win [Blu-ray]
Win Win [Blu-ray]
DVD ~ Paul Giamatti
Preis: EUR 11,97

4.0 von 5 Sternen Patchwork, 16. Januar 2015
Rezension bezieht sich auf: Win Win [Blu-ray] (Blu-ray)
Es gibt sie immer noch, diese kleinen, feinen Filme, über die man irgendwann stolpert und gar nicht mehr weiß, wie man dazu gekommen ist, sie sich anzusehen. Von denen man nicht viel erwartet oder skeptisch ist, ob sie einem überhaupt gefallen werden. Filme mit nicht allzu bekannten, aber tollen Darstellern, gemacht von Regisseuren, von denen man noch nichts oder wenig gehört hat oder sogar schon Filme gesehen hat, die einem nicht gefallen haben. Und dann schaut man sich einen dieser Filme an und überlegt im Nachhinein, warum genau er einem so gut gefallen hat, obwohl doch eine recht unspektakuläre Geschichte erzählt wurde, man die Darsteller nicht kennt und auch von nennenswerter Spannung keine Rede sein kann. Und dennoch, man hat sich wohl gefühlt beim Anschauen eines solchen Films, man mochte den leisen Humor, die warmherzig erzählte Geschichte, die unspektakulären, aber grandios aufspielenden Darsteller und das Gefühl, das dieser Film in einem hervorgerufen hat. Und genau so ein Film ist "Win Win".

Ausstattung der Blu Ray: Ton in deutsch, englisch und französisch in DTS 5.1, außerdem englisch für Hörgeschädigte, Untertitel in denselben Sprachen, darüber hinaus noch in dänisch, niederländisch, finnisch, norwegisch, schwedisch. Extras: Deleted Scenes, ein Gespräch mit Regisseur Tom McCarthy und Drehbuchautor Joe Tiboni über "Win Win", David Thompson (einer der Darsteller) at Sundance 2011, Paul Giamatti und David Thompson at Sundance 2011, Family, Musikvideo "Think you can wait" von The National, Kinotrailer. Das Bild ist klar und scharf, der Ton muss etwas lauter gedreht werden.

Mike Flaherty (Paul Giamatti, "Sideways") schlägt sich mehr schlecht als recht als Anwalt durch, die Kanzleiräume sind marode, die Mandanten spärlich gesät und sein Verdienst mager. Auch seine nebenberuflich ausgeübte Tätigkeit als Coach des Highschool-Ringerteams ist nicht von Erfolg gekrönt, seine Mannschaft konnte noch keinen einzigen Kampf gewinnen. Doch plötzlich scheint sich Mikes Schicksal zu wenden. Er springt für seinen demenzkranken Mandanten Leo (Burt Young, "Rocky") als Vormund ein und verspricht, sich persönlich um ihn zu kümmern. Tatsächlich jedoch bringt er ihn in einem Pflegeheim unter, kassiert aber dennoch die monatliche Zahlung, die er für Leos Betreuung erhält. Als er dann auch noch Leos Enkel Kyle (Alex Shaffer, "The Lifeguard") kennenlernt, der zufällig ein ausgezeichneter Ringer ist, scheint es für Mike endlich einmal glatt zu laufen. Er nimmt Kyle bei sich zu Hause und im Ringerteam auf und freut sich mit seinen Freunden Terry (Bobby Cannavale, "Boardwark Empire") und Stephen (Jeffrey Tambor, "Hangover") auf eine erfolgreichere Zukunft. Doch dann droht Mikes nicht ganz sauberer Pflege-Deal aufzufliegen und Kyles frisch aus dem Drogenentzug entlassene Mutter (Melanie Lynskey, "Two and a half Men") meldet Ansprüche auf ihren Sohn und das Geld ihres Vaters an…

Regisseur Thomas McCarthy ist Spezialist für solche kleinen, feinen Filme. Sein Debüt "Station Agent" von 2003 ist ähnlich unspektakulär wie "Win Win", aber mit Peter Dinklage und - schon damals - Bobby Cannavale wunderbar besetzt und ein ganz zauberhafter Film. "Ein Sommer in New York" von 2007 war hingegen nicht durchgängig überzeugend, aber mit "Win Win" findet McCarthy 2011 zu alter Form zurück. 2015 startet in den USA McCarthys vierter Film, "The Cobbler", mit Adam Sandler. Darüber hinaus ist McCarthy auch als Darsteller sehr aktiv, er wurde in Nebenrollen u. a. in "2012", "Syriana", "Michael Clayton" und "Meine Braut, ihr Vater und ich" besetzt. Und die Drehbücher zu seinen Filmen hat McCarthy natürlich auch noch selbst geschrieben.

In "Win Win" passiert eigentlich nicht sonderlich viel, dennoch fühlt man sich die ganzen 106 Filmminuten bestens unterhalten.
Man schaut Mike Flaherty einfach gerne dabei zu, wie er versucht, sich nicht unterkriegen zu lassen, wie er sich für sein Ringer-Team einsetzt und wie er den jungen Kyle unter seine Fittiche nimmt und ihn trainiert. Der ganze Film ist durchzogen von feinem, hintersinnigen Humor, auch wenn nicht jeder Gag ins Schwarze trifft. Das ist das Einzige, was man "Win Win" unter Umständen ankreiden könnte, dass das humoristische Potenzial nicht voll ausgeschöpft wurde und man dem Film ansieht, dass da noch mehr drin gewesen wäre. Ansonsten aber findet man sich schnell in Mikes Welt zurecht, schmunzelt über den enthusiastischen Terry oder den resignierten Stephen, fühlt sich heimisch bei Mike zu Hause, wo er mit seiner smarten Frau und seinen beiden Töchtern lebt und empfindet schnell Empathie für den ausgerissenen Kyle, dem bei Mike zum ersten Mal Geborgenheit und Anerkennung widerfährt. Die sowohl klugen als auch witzigen Dialoge bringen einen zum Schmunzeln und man ist schon nach kurzer Zeit ernsthaft interessiert am weiteren Schicksal der Protagonisten.

Die Darsteller liefern allesamt hervorragend ab. Paul Giamatti, seit nunmehr 25 Jahren im Geschäft, liefert wie immer überzeugend ab. Bobby Cannavale als leicht überdrehter Freund von Mike und mit seltsamer Frisur entlockt einem mehr als einmal ein Schmunzeln. Melanie Lynskey, die 1994 an der Seite von Kate Winslet in Peter Jacksons "Heavenly Creatures" bravourös debütierte, gelingt der Spagat zwischen verzweifelter und raffgieriger Mutter perfekt und Alex Shaffer, der in "Win Win" sein Schauspieldebüt gibt, überzeugt als vernachlässigter, aber höflicher Teenager, dem sein großer Erfolg als Ringer nicht zu Kopf gestiegen ist. Darüber hinaus freut man sich über ein Wiedersehen mit Burt Young aus den "Rocky"-Filmen, über die grandiose Margo Martindale ("The Millers") und die resolute Amy Ryan ("Gone Baby Gone") als Mikes Ehefrau Jackie.

Durch die fähige Regie von Thomas McCarthy und einen spielfreudigen und überaus talentierten Cast wird "Win Win" auch zur Win-Win-Situation für den Zuschauer. Und auch, wenn hier vermeintlich gar nicht viel passiert und die Story nicht sonderlich spektakulär klingt, wird man mit einem warmherzigen, witzigen, manchmal auch tragischen, auf jeden Fall aber gelungenen Film belohnt, den man sich gerne auch noch ein zweites und drittes Mal ansehen würde. Ergo gerne vier von fünf Tiefschlägen, von denen man sich keinesfalls unterkriegen lassen sollte.


Das Jahr der Schatten: Roman
Das Jahr der Schatten: Roman
von Hannah Richell
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,99

5.0 von 5 Sternen Still ruht der See, 9. Januar 2015
Hannah Richells Erstling, "Geheimnis der Gezeiten", hat mir ausnehmend gut gefallen, deshalb habe ich mich sehr auf ihren zweiten Roman gefreut, der ebenfalls eine spannende Geschichte versprach. Glücklicherweise konnte Richell ihr Versprechen halten und hat auch mit "Das Jahr der Schatten" einen großartigen Roman abgeliefert.

Hannah Richell ist Engländerin, die in Großbritannien und Kanada aufgewachsen ist. Seit 2005 lebt sie jedoch in Sydney, wo sie 2008 während ihres Mutterschutzes mit dem Schreiben begann. Sie hat bislang zwei Romane veröffentlicht.

England, 1980: Kat, Ben, Simon, Mac und Carla haben gerade ihr Studium hinter sich gebracht und wollen sich dem Ernst des Lebens noch nicht stellen. Bei einem Ausflug in den Peak District entdecken sie an einem See ein einsam gelegenes, verwittertes Cottage. Spontan beschließen sie, sich eine kleine Auszeit zu nehmen, bevor sie alle ins Berufsleben starten müssen. Sie wollen ein Jahr lang in dem leerstehenden, scheinbar besitzerlosen Cottage bleiben und sich von dem ernähren, was Wald, See und der verwilderte Garten so hergeben und so im Kleinen einen Gegenentwurf zum hektischen, materiellen Großstadtleben in London proben. Doch was als abenteuerliches Experiment geplant ist, endet in einer Katastrophe... 30 Jahre später: die Innenausstatterin Lila erholt sich gerade von einem traumatischen Erlebnis, als sie erfährt, dass ihr ein anonymer Spender ein Cottage im Peak District vermacht hat. Lila hat keine Ahnung, wer diese Person ist, aber die Neugier und ihr desolater seelischer Zustand, in dem sie sich nach Zurückgezogenheit und Ruhe sehnt, veranlassen sie, sich das Cottage anzusehen. Spontan beschließt sie, sich für eine Weile dorthin zurückzuziehen, das verwitterte Häuschen zu restaurieren und ihren Mann Tom in London zu belassen, da die Ehe sowieso gerade in einer schweren Krise steckt. Doch Lila spürt irgendeine seltsame Verbindung zu dem Haus, hat aber keinerlei Erklärung dafür, wie das möglich sein sollte…

"Das Jahr der Schatten" spielt abwechselnd auf zwei Zeitebenen. Gekonnt springt Richell zwischen der unkonventionellen Cottage-WG anno 1980 und Lilas Leben ca. 30 Jahre später hin und her. Und beide Handlungsstränge verlaufen gleichermaßen spannend, so dass man hier praktisch zwei gute Geschichten zum Preis von einer bekommt.

Nahezu meisterhaft versteht es Richell, die Spannungsbögen der beiden Geschichten langsam und kontinuierlich immer weiter anzuziehen und dem Leser portionsweise Informationen zukommen zu lassen, die einen regelrecht dazu zwingen, selbst herausfinden zu wollen, wie Lila, die WG von damals und das Cottage miteinander verbunden sind.

Abwechselnd schildert Richell das erst harmonische, freie und unbekümmerte Leben der fünf jungen Leute auf dem Land, das mit dem hereinbrechenden Winter und den immer schneller schwindenden Geldreserven zunehmend schwierig wird und für immer mehr Konflikte sorgt. Simon mausert sich immer mehr zum Anführer der Gruppe, die seine Entscheidungen keineswegs immer begrüßt, aber dennoch billigt. Der zurückhaltende Mac fühlt sich als Außenseiter, Carla und Ben, die ein Paar sind, können sich immer weniger mit Simons Lebensentwurf für sie alle anfreunden und Kat ist schwer und vor allem heimlich in Simon verliebt, was das Zusammenleben mit ihm nicht gerade einfacher macht. Tom und Lila hingegen haben gerade einen schweren Verlust erlitten, zudem ist Lilas Vater vor einigen Monaten gestorben und das Verhältnis zu Lilas Mutter leidet schon seit Langem unter unausgesprochenen Konflikten. Als Lila das Cottage geschenkt bekommt, erfährt ihr Leben weitere dramatische Wendungen, die ihr Leben dauerhaft und unwiederbringlich verändern werden. Neben der aufwendigen Renovierung des Cottages muss Lila darüber hinaus auch noch ihre Ehe in Ordnung bringen, die an dem erlittenen Trauma zu zerbrechen droht.

Beide Geschichten entfalten ihre ganz eigene Dynamik und fesseln den Leser von Seite zu Seite mehr ans Geschehen. Irgendwann beginnt man unwillkürlich, eigene gedankliche Nachforschungen anzustellen und die Geheimnisse, die Richell hier noch wohl behütet, lüften zu wollen. Darüber hinaus kann man sich in nahezu alle Protagonisten hineinversetzen, weil Richell sie so plastisch und gelungen beschreibt, dass sie praktisch vor dem inneren Auge des Lesers zum Leben erwachen.

Hannah Richell hat einen wunderbar dichten, mysteriösen, spannenden und authentischen Roman geschrieben, der sowohl inhaltlich als auch stilistisch überzeugt. Wenn es einer Schriftstellerin gelingt, den Leser wirklich hineinzuziehen in die Geschichte und sein Interesse an Fort- und Ausgang der Story nachhaltig zu wecken, hat man eigentlich alles richtig gemacht. Und ja, so ist es dann auch wirklich mit "Das Jahr der Schatten": Ein rundum gelungener, komplexer, emotionaler und sehr spannender Roman, an dem ich überhaupt nichts auszusetzen habe. Insofern eine unbedingte Leseempfehlung und volle fünf von fünf Geheimnissen, die langsam aus dem Schatten treten.


Die große Versuchung - Lügen bis der Arzt kommt
Die große Versuchung - Lügen bis der Arzt kommt
DVD ~ Brendan Gleeson
Preis: EUR 12,99

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Would I lie to you? Yes!, 4. Januar 2015
Don McKellar hat das Drehbuch zu "Stadt der Blinden" geschrieben und 1998 und 2004 zwei Filme gedreht ("Die letzte Nacht", "Childstar"). Nun nimmt er sich des kanadischen Films "Die große Verführung" von 2003 an und sicherte sich auch einen der damaligen Drehbuchautoren, der das Script für "Die große Versuchung" einfach nochmal runtergetippt hat. Der Schauplatz ist nun ein kleines Dorf (oder ein Hafen, wie es im Film immer wieder betont wird) in Neufundland und gesprochen wird nicht mehr französisch sondern englisch. Ich weiß nicht, ob das Original von 2003 ähnlich behäbig und bemüht komisch ist, die Neuauflage jedenfalls versprüht durchaus einen gewissen Charme, muss sich aber Kritik an Tempo, Dialogen und dem nur partiell vorhandenen Humor gefallen lassen.

Ausstattung der DVD: Ton in deutsch und englisch in DD 5.1, Untertitel in deutsch. Bild und Ton sind einwandfrei, viel besser kann es bei der Blu Ray-Version eigentlich auch nicht aussehen. Extras: Audiokommentar von Brendan Gleeson und Mark Critch, Comedian Mark Critch über den Film (3 Teile), Auf dem roten Teppich, Interview mit dem Cast, Trailer des Films sowie sieben weitere Trailer.

In Tickle Cove in Neufundland ist nicht mehr viel los. Die örtlichen Fischer haben alle ihren Job verloren und neue Jobs gibt es nur auf dem Festland. Als ein großer Konzern ankündigt, in Tickle Cove eine Fabrik hochzuziehen, ist die Freude zunächst groß. Allerdings sind an den Bau und somit der Schaffung neuer Arbeitsplätze einige Bedingungen geknüpft: der Ort muss über mehr als 150 Einwohner verfügen (tut er nicht), es soll eine "Sonderzahlung" an den Firmeninhaber gezahlt werden (aber die örtliche Bank verfügt nur über Ressourcen zur Auszahlung der Sozialhilfe-Schecks) und es muss ein Arzt ansässig sein (es gibt keinen). Als Tickle Cove durch einen Kniff des ehemaligen Bürgermeisters unverhofft zu einem Arzt (Taylor Kitsch, "John Carter") kommt, der allerdings nur vier Wochen bleibt, tut Ortsvorsteher Murray (Brendon Gleeson, "The Guard") alles, um den Doc auf der Insel zu halten. Das ganze Dorf macht mit und tischt dem sympathischen Arzt eine Lüge nach der anderen auf, während es nebenbei noch versucht, den Zuschlag für den Bau der Fabrik zu erhalten.

"Die große Versuchung" ist ein netter kleiner Film, der aber aufgrund der dünnen und nicht immer gut erzählten Story nicht seine 113 Minuten Laufzeit rechtfertigt. Weder Regisseur McKellar noch seine beiden Drehbuchschreiber waren hier sonderlich kreativ. Die Geschichte ist vorhersehbar und verfügt in der Summe nur über wenige spannende und komische Momente. Die meiste Zeit plätschert "Die große Versuchung" sympathisch vor sich hin, so dass zwar keine Langeweile aufkommt, sich aber auch das Interesse an den Charakteren und dem Fortgang der Geschichte in Grenzen hält.

Zunächst bekommt man einen Einblick ins dörfliche Leben in Tickle Cove, dann in die Probleme einzelner Dorfbewohner. Es gibt keine Jobs, das Geld ist knapp und die Aussicht auf den Bau der Fabrik ist an (teure) Bedingungen geknüpft. Ta-da…Auftritt Doc Lewis. Der hat sich am Flughafen mit etwas Koks erwischen lassen und ist dabei dem ehemaligen Bürgermeister von Tickle Cove, der nun dort als Sicherheitsbeamter arbeitet, in die Falle getappt. Der schlägt ihm den Deal vor, ihn, anstatt ihn zu verhaften, nach Tickle Cove zu verfrachten, wo er vier Wochen lang praktizieren soll, damit der Ort aufgrund des nun vorhandenen Arztes den Zuschlag als Fabrikstandort bekommt. Dann folgen die zahlreichen Bemühungen der Dorfbewohner, Lewis von der Einzigartigkeit des Ortes zu überzeugen, damit Lewis über die vier Wochen hinaus bleibt. Man hört sein Telefon ab, serviert ihm seine Lieblingsspeisen, lässt ihn sich als Arzt unentbehrlich fühlen, baut ein Cricketfeld für den sportbegeisterten Doc, Murray geht mit ihm angeln und agiert als Vaterfigur und am besten wäre es sowieso, wenn Doc Lewis sich mit der Dorfschönheit Katherine zusammentun würde, dann wäre doch alles geritzt.

Im letzten Drittel dann geht es um den Kampf um den Zuschlag für den Bau der neuen Fabrik in Tickle Cove und die moralischen Konflikte, die vor allem Murray mit sich ausficht, weil er den Doc mittlerweile recht gern gewonnen hat. Und dann freut man sich irgendwann doch über den Abspann, einfach weil "Die große Versuchung" viel zu behäbig daherkommt, viele Gags einfach ins Leere laufen und es sowieso viel zu wenige gibt. Story und Charaktere bieten eine wunderbare Basis für einen kurzweiligen, lustigen und auch spannenden Film, leider hat der Regisseur nicht viel daraus gemacht. Der Film hätte viel mehr gelungene Gags und noch einen Hauch mehr Schrulligkeit gebraucht, so ist aus ihm leider nicht viel mehr geworden als eine ganz nette, aber letztendlich belanglose Komödie, der viel zu schnell die Luft ausgeht.

Und das bei einem so wunderbar aufspielenden Cast. Brendan Gleeson als bärbeißiger Murray, der sich die Wahrheit gerne mal zurechtbiegt, Gordon Pinsent als kauziger Sidekick Simon. Taylor Kitsch gibt den Doc und fällt hier wenigstens mal nicht unangenehm auf, und Liana Balaban als unterkühlte Natural Beauty, die dem Doc gehörig den Kopf verdreht. Auch in den Nebenrollen finden sich versierte Mimen, so dass es definitiv nicht an den Darstellern liegt, dass aus "Die große Versuchung" kein wirklich gelungener Film geworden ist.

Diese etwas hüftlahme Komödie krankt an zu wenig Humor, einer zu behäbig erzählten Story und an der allzu großen Vorhersehbarkeit der doch recht dünnen Geschichte. Bedauerlich auch, dass man dem Film ansieht, wie gut er hätte werden können. Man fühlt sich mit "Die große Versuchung" leidlich gut unterhalten, der Film tut keinem weh, allerdings verpasst man auch nichts, wenn man hier mal nicht der großen Versuchung unterliegt und den Film einfach links liegen lässt. Ergo knappe drei von fünf Lügen, die früher oder später doch ans Tageslicht kommen.


Meine Lehrerin, Dr. Dora Lux: 1882-1959. Nachforschungen
Meine Lehrerin, Dr. Dora Lux: 1882-1959. Nachforschungen
von Hilde Schramm
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 19,95

0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ungebrochen, 31. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dass man den Namen Hilde Schramm erst einmal nicht mit dem Nationalsozialismus in Verbindung bringt, dürfte daran liegen, dass Frau Schramm diesen Namen nach ihrer Heirat angenommen hat. Ihr Mädchenname ist Speer, und da dürften schon eher die Glocken klingeln, nicht wahr? Hilde Schramm ist die Tochter des "Architekten des Führers", Albert Speer, der nach Kriegsende zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde. Umso interessanter erscheint es, dass Hilde Schramm ihrer ehemaligen jüdischen Lehrerin Dora Lux mit ihrem Buch über sie ein Denkmal setzen wollte. Obwohl sie nur zwei Jahre von Frau Dr. Lux unterrichtet wurde, hat sich diese Zeit und besonders diese Frau in Hilde Schramms Gedächtnis gebrannt. Nach jahrelanger Recherchearbeit hat sie dann 2012 dieses Buch über Dora Lux veröffentlicht.

Hilde Schramm wurde 1936 in Berlin geboren und besuchte von 1953 - 55 die Elisabeth-von-Thadden-Schule, ein Mädchengymnasium in Heidelberg, wo sie von Frau Dr. Lux in Geschichte und Latein auf das Abitur vorbereitet wurde. Hilde Schramm studierte später Soziologie, Latein und Geschichte und promovierte in Berlin. Später kamen noch Erziehungswissenschaften dazu, darüber hinaus war sie in den 80er Jahren Vizepräsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses. Ihr Mann, der Germanist Ulf Schramm, verstarb 1999, die Beiden haben einen Sohn und eine Tochter.

Was genau Hilde Schramm dazu bewogen haben mag, über 50 Jahre nach ihrem Besuch des Mädchengymnasiums in Heidelberg, wo sie Dora Lux als ihre Lehrerin kennenlernte, ein Buch über diese Lehrerin zu schreiben, hat sich mir auch nach der Lektüre nicht wirklich erschlossen. Sicherlich war Dora Lux in vielen Dingen eine ungewöhnliche, mutige und entschlossene Frau, andererseits war ein emotionaler Zugang zu ihr teilweise nur schwer möglich und Hilde Schramm hat Dora Lux lediglich zwei Jahre als Lehrerin kennengelernt, noch nicht einmal als Privatperson. Zudem wirkt das Buch mehr wie ein Sachbuch über Nationalsozialismus und Feminismus als die Biographie über eine Frau, die für Hilde Schramm eine besondere Rolle in ihrem Leben gespielt haben soll.

Hilde Schramms Buch ist voll von Fakten, Zahlen, Namen und historischen Ereignissen, Dora Lux scheint hier meist nur als Aufhänger zu dienen, um diese Fakten zu publizieren. Hilde Schramm ergeht sich in der weitverzweigten Aufschlüsselung der Familien- und Verwandschaftsverhältnisse von Dora Lux, geht dabei mehrere Generationen zurück und zählt endlos Großeltern, Onkel, Tanten, Nichten, Neffen, Bekannte und Nachbarn auf, die in Dora Lux' Leben eine große oder auch nur sehr kleine Rolle gespielt haben. Dasselbe macht sie mit der Familie ihres Mannes, Heinrich Lux, so dass man schnell und immer mal wieder den Überblick verliert, wer hier wer ist und zu wem gehört und warum genau diese Personen überhaupt alle erwähnt werden. Darüber hinaus ergeht sich Hilde Schramm in endlosen Erwähnungen politischer Ereignisse und Statistiken zum Nationalsozialismus, dem Judentum und der beginnenden Emanzipation deutscher Frauen. Und so interessant Manches davon durchaus sein mag (man kann hier gewiss noch Einiges lernen), bringt einem das alles Dora Lux nur sehr bedingt näher. Da Dora Lux bereits 1959 im Alter von 76 gestorben ist, war Hilde Schramm darauf angewiesen, mit noch lebenden Verwandten und Bekannten über sie zu sprechen, um etwas über sie zu erfahren. Vor allem Lux' Töchter Gerda und Eva haben ihr hier Auskunft erteilt, aber auch ehemalige Schülerinnen der Elisabeth-von-Thadden-Schule oder andere noch lebende Bekannte. Dadurch und dadurch, dass Hilde Schramm hier historischen Ereignissen einen so großen Raum einräumt, kommt man Dora Lux kaum ein Stück näher.

Zwar beschreibt Hilde Schramm detailliert Werdegang und Familienleben von Dora Lux, dennoch fokussiert sie sich auch immer wieder auf historische Details, die Dora Lux zwar betreffen, aber viel zu trocken und allgemeingültig beschrieben werden, um sie direkt mit Dora Lux in Verbindung zu bringen. Dora Lux war eine der ersten Abiturientinnen ihrer Zeit, eine der ersten Lehrerinnen, die an deutschen Schulen unterrichten durfte, die erste Studienrätin, die verheiratet war und zwei Kinder hatte (zur damaligen Zeit durften Lehrerinnen eigentlich nicht verheiratet sein, geschweige denn Kinder haben, damit sie sich voll und ganz auf ihren Job konzentrieren konnten) und eine der wenigen Jüdinnen (obwohl die atheistisch veranlagte Dora Lux sich nie als solche gesehen hat), die auch nach der Machtergreifung der Nazis noch regimekritische Artikel publizierte und sich schlicht weigerte, sich - obwohl vorgeschrieben - als Jüdin registrieren zu lassen. Ihre Sturheit, aber vor allem ihre hohe Intelligenz, haben ihr letztendlich das Leben gerettet und ihr Verfolgung und Deportation erspart.

Dora Lux scheint eine äußerst intelligente, ehrgeizige und willensstarke Frau gewesen zu sein, die man in diversen Bereichen sicherlich als Pionierin bezeichnen kann. Und dennoch - wer diese Frau wirklich war, was sie für viele persönlich so besonders gemacht hat, will sich einem nie so ganz erschließen, egal, was ihre Töchter über sie erzählen oder ob ehemalige Schülerinnen von ihrer gerechten und geradlinigen Art schwärmen, die ihnen noch heute Respekt und Bewunderung abnötigt.

Hilde Schramm reist anhand biographischer Daten aus Dora Lux' Leben durch 70 Jahre Geschichte und legt dabei eine nahezu besessene Detailverliebtheit an den Tag, die die Lektüre oft anstrengend und ermüdend macht. Man erwartet einfach nicht, hier die Lebensgeschichten von Dutzenden Verwandten von Dora Lux aufgetischt zu bekommen oder tausend historische Details über Nationalsozialismus und Feminismus. Man möchte etwas über die für Hilde Schramm so faszinierende Frau Lux erfahren, etwas über ihre Persönlichkeit, ihr Denken, ihre Gefühle. Davon bekommt man zwar durchaus etwas vermittelt, aber es ist in meinen Augen viel zu wenig oder zu emotionslos formuliert, als dass man Hilde Schramms Interesse an dieser Frau, der sie immerhin ein aufwendig und jahrelang recherchiertes Buch gewidmet hat, nachvollziehen könnte.

Wer sich für historische Details zu den oben erwähnten -ismen interessiert, wird hier mit Sicherheit fündig. Das Buch birgt viele Informationen, die einem so sicherlich noch nicht bekannt waren, auch, wenn Hilde Schramm es hier mit ihren exzessiven Ausführungen und Aufzählungen übertreibt. Wer aber nachvollziehen möchte, warum eine Frau ihrer Lehrerin, von der sie nur zwei Jahre unterrichtet wurde, ein Buch gewidmet hat oder hofft, hier eine gut erzählte, persönliche und bewegende Geschichte über eine außergewöhnliche Frau vorzufinden, wird wohl enttäuscht werden. Ich hatte jedenfalls eine gänzlich andere Erwartungshaltung an das Buch…was man Hilde Schramm aber natürlich nur subjektiv gesehen vorwerfen kann. Für mich war "Meine Lehrerin, Dr. Dora Lux" über weite Strecken einfach langweilig, unpersönlich und anstrengend zu lesen, die "nur" 344 Seiten kamen mir mindestens doppelt so lang vor. Deswegen von mir leider nur zwei von fünf ungewöhnlichen Leben, für die ich mir ein besseres, persönlicheres Buch gewünscht hätte.


Blutiger Auftrag - Es gibt kein Entkommen [Blu-ray]
Blutiger Auftrag - Es gibt kein Entkommen [Blu-ray]
DVD ~ Max Minghella
Preis: EUR 12,99

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Tödliches Großraumbüro, 27. Dezember 2014
Regisseur Joe Johnston ist seit 25 Jahren im Geschäft und begann seine Karriere als Regisseur mit "Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft", es folgten "Jumanji", "Hidalgo" und "Captain America". Alles durchaus Filme mit bekannten Darstellern und ordentlichem Budget. "Blutiger Auftrag" hingegen kann weder mit dem einen noch dem anderen aufwarten. Die Darsteller sind größtenteils unbekannt bzw. noch nicht sehr bekannt und die Ausstattung des Films lässt vermuten, dass nicht allzu viel Geld zur Verfügung stand. Und dann hat auch noch Adam Mason (der den wahnsinnig schlechten "The Devil's Chair" fabriziert hat) mit am Drehbuch rumgewerkelt, so dass dieser blutige Auftrag unter keinem sonderlich guten Stern stand.

Ausstattung der Blu Ray: Der Film ist in 15 Sprachen abspielbar, darunter alle nordischen sowie deutsch, englisch, französisch, italienisch usw. usf., Gleiches gilt für die Untertitel. Ansonsten keine weiteren Extras, nicht mal Trailer. Das Bild ist klar und scharf, den Ton allerdings muss man recht laut drehen, bis man dem Geschehen akustisch gut folgen kann.

Tom Miller (Max Minghella, Sohn von Regisseur Anthony Minghella) arbeitet als Anwaltsgehilfe in einer renommierten Kanzlei und ist überaus ehrgeizig. Als er es mit seinem Wunsch, Karriere zu machen, in den Augen seines Chefs (Christian Clemenson, "Boston Legal") etwas übertreibt, wird er kurzerhand gefeuert. Doch bevor Tom die Kanzlei ein letztes Mal verlassen kann, bemerkt er in der Lobby einen Mann, der einen Koffer abstellt, der kurz darauf von einem anderen Mann abgeholt wird. Tom folgt Mann und Koffer, nur um sodann zu beobachten, wie der Unbekannte (JJ Feild, "Captain America") eine Angestellte kaltblütig erschießt. Tom versucht nun, die wenigen noch arbeitenden Kollegen zu warnen, sich gleichzeitig vor dem Killer zu verstecken und darüber hinaus herauszufinden, was hier eigentlich los ist. Derweil kommt der Killer ihm schneller auf die Spur, als Tom erwartet hat…

"Blutiger Auftrag" kommt wie eine schlechte Mischung aus "Die Hard" und "Boston Legal" daher und scheitert schlussendlich am recht dünnen Script von Adam Mason und Simon Boyes (der den Federkiel auch schon beim grottigen "Blood River" geschwungen hat) und der unmotivierten Regie von Routinier Johnston. Die Story ist oberflächlich, dünn und überwiegend einfallslos und reicht noch nicht mal für die lediglich 74 Minuten Filmlänge, die "Blutiger Auftrag" verbraucht. Darüber hinaus patzt Johnston diverse Male bei der Logik (Menschen in völlig verräucherten Räumen haben weder Atemnot noch müssen sie husten, ein Schuss in die rechte - nicht linke, wohlgemerkt - Brusthälfte führt zum sofortigen Tod, eine Protagonistin geht ohne Handtasche rein, aber mit Handtasche wieder raus usw.), was den Zuschauer zusehends irritiert.

Die unbekannten Darsteller und billigen Sets tragen ebenfalls dazu bei, den Film statisch und nicht immer glaubwürdig wirken zu lassen. Die Dialoge wirken gestelzt, der Handlungsverlauf schluderig zusammengeschustert und so richtig Sinn macht das alles irgendwie nicht. Tom rennt recht kopflos durchs Großraumbüro und versucht, Herr der Lage zu bleiben oder zu werden, während ein schießwütiger Killer im Gebäudekomplex rumballert und alle Zeugen ummäht, die sich ihm in den Weg stellen. Dies ist leider nur an wenigen Stellen wirklich spannend, da einem die Charaktere überwiegend egal sind und man sich, trotz dünner Story, keinen rechten Reim auf die Geschehnisse machen kann.

Trotz ihrer relativen Unbekanntkeit kann man den Darstellern hier kaum etwas vorwerfen, sie sind noch das Beste am ganzen Film. Max Minghella ("Prakti.com", "Darkest Hour", "The Ides of March") macht seine Sache angesichts des schwachen Drehbuchs recht ordentlich, auch wenn sein Spiel nicht immer überzeugt. Tom Gallop war schon in dutzenden Nebenrollen zu sehen ("CSI", "Will & Grace"), ist aber vorrangig im Fernsehbereich unterwegs, und liefert hier in seiner kleinen Rolle gut ab. JJ Feild macht auch mehr Fernsehen als Kino, kann aber als eiskalter Killer durchaus überzeugen. Und Christian Clemenson tauchte in seinen bislang 84 Rollen sowohl im Fernsehen als auch im Kino regelmäßig auf und weiß, was er vor einer Kamera zu tun hat.

Was "Blutiger Auftrag" knapp über die Unterdurchschnittlichkeit hebt, ist sein gelungener Schlussakkord, der zwar auch nicht gänzlich unerwartet kommt, aber gängigen Filmenden zumindest ein bisschen die Zunge rausstreckt. Darüber hinaus tragen die lediglich 74 Minuten Filmlänge dazu bei, dass man gar nicht genug Zeit hat, um sich richtig über den Film zu ärgern. Muss man auch nicht, Teilaspekte sind Regisseur Johnston ja ganz gut gelungen, aber letztendlich ist "Blutiger Auftrag" ein recht lieblos abgefilmter, konstruierter und überraschungsarmer Film, den man wirklich nicht gesehen haben muss. Insofern zwei von fünf Großraumbüros, die schnell zur tödlichen Falle werden können.
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Jan 19, 2015 3:38 PM CET


Oculus [Blu-ray]
Oculus [Blu-ray]
DVD ~ Katee Sackhoff
Wird angeboten von media4world
Preis: EUR 14,65

3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Was guckst du?, 21. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Oculus [Blu-ray] (Blu-ray)
Böse Spiegel bzw. Spiegel, hinter denen sich Böses verbirgt, gibt es im Film und hier speziell im Horrorgenre ja zuhauf. Angefangen bei Märchen wie Schneewittchen über Filme wie "Mirrors" bis hin zum Candyman gibt es immer wieder Filme, in denen Spiegeln eine zentrale Rolle zukommt. Auch Regisseur Mike Flanagan drehte 2006 einen Kurzfilm, in dem ein Mann beweisen wollte, dass von einem bestimmten Spiegel Böses ausgeht. Aus dieser Ausgangssituation machte Flanagan dann sieben Jahre später seinen Horrorfilm "Oculus". So richtig gelungen ist ihm sein 104Minüter nicht, zumindest nicht durchgehend. Doch dank guter Darsteller und einer Handvoll gruselig-blutiger Szenen ist "Oculus" zumindest kein totaler Reinfall, was für Horrorfans ja fast schon ein Grund zum Feiern ist.

Ausstattung der Blu Ray: Ton in deutsch und englisch in DTS-HD 5.1, Untertitel in deutsch für Hörgeschädigte. Extras: Audiokommentar von Regisseur und Produzent des Films, sechs zu Recht Deleted Scenes, ein knapp zehnminütiges Making-of (nur auf englisch), der dem Film zugrundeliegende Kurzfilm "Oculus Chapter 3" (32 Min.), der gar nicht mal so gut ist, der Trailer des Films sowie sieben weitere Trailer.

Vor elf Jahren wurden die Geschwister Kaylie und Tim getrennt, nachdem ihre Mutter vom Vater erschossen wurde, der dann wiederum vom Tim erschossen wurde, um seine Schwester vor dem sicheren Tod zu bewahren. Tim kam in eine psychiatrische Klinik, Kaylie musste das erlebte Trauma in verschiedenen Pflegefamilien selbst verarbeiten. Mit 21 wird Tim als geheilt aus der Klinik entlassen, wohingegen seine Schwester eine nahezu manische Obsession entwickelt hat, was die wahren Umstände der grausamen Nacht vor elf Jahren betrifft. Kaylie ist überzeugt davon, dass hinter dem riesigen Spiegel, der damals in Papas Arbeitszimmer hing, das Böse schlechthin lauerte, welches sowohl ihren Vater als auch ihre Mutter verrückt gemacht hat. In jahrelanger Recherche hat sie über mehrere Jahrhunderte verteilte grausame Unglücksfälle ausgemacht, die alle mit dem Spiegel zusammenhängen sollen. Ihr Bruder, der die Ereignisse von damals entweder gut aufgearbeitet oder gut verdrängt hat, glaubt ihr natürlich kein Wort, dennoch erklärt er sich bereit, seiner Schwester dabei zu helfen zu beweisen, dass der Spiegel eine unmittelbare Gefahr für seinen jeweiligen Besitzer ausstrahlt. Schon bald finden sich die Geschwister in ihrem alten Zuhause wieder und werden von Halluzinationen aus der Vergangenheit geplagt, die bis in die Gegenwart hineinreichen und ihrer beider Leben ernsthaft bedrohen.

Schaut man sich Flanagans recht unbeholfenen und ehrlich gesagt ziemlich langweiligen Kurzfilm an, der dasselbe Thema behandelt und der Vorläufer von "Oculus" ist, kann man froh sein, dass Flanagan aus dieser Idee einen wesentlich besser budgetierten und atmosphärisch dichteren Langfilm gemacht hat. Er verlagert die Handlung von einem einzigen Raum auf ein ganzes Haus und ein paar wenige Außenaufnahmen, hat die Settings ordentlich ausgestattet und routinierte Darsteller gefunden, die den mittelmäßigen Anforderungen des Drehbuchs gewachsen sind. Außerdem hat Flanagan seinen Film mit einem geschickten Kniff versehen, der es dem Zuschauer ein ums andere mal schwer macht, zwischen Wahn und Wirklichkeit zu unterscheiden.

Die Handlung springt ständig vor und zurück zwischen den Ereignissen vor elf Jahren, als Kaylie und Tim 13 und zehn Jahre alt waren und ihrem jetzigen Aufenthalt in ihrem Elternhaus. Der Spiegel besitzt die Macht, den, der hineinschaut, mental zu manipulieren und so Unglück unvorhersehbaren Ausmaßes über die Betroffenen zu bringen. Durch die ständigen Zeitsprünge kommen nicht nur Kaylie und Tim ganz durcheinander, auch der Zuschauer geht dem Spiegel einige Male auf den Leim, bevor er seinen Irrtum erkennt und Realität und Fiktion zu unterscheiden vermag. Daraus generiert sich ein bestimmtes Maß an Spannung, die Flanagan allerdings irgendwann überstrapaziert, so dass sich gewisse Abnutzungserscheinungen einschleichen. Für 104 Minuten ist das ein bisschen wenig, vor allem, weil sich die recht klassischen Schockeffekte, die "Oculus" anbietet, an einer Hand abzählen lassen. Es wird zwar ab und an mal kurz ein bisschen gruselig und es gibt sogar ein wenig Blut zu sehen, alles in allem ist das aber zu wenig, um den Film über seine gesamte Laufzeit spannend zu halten.

Der ein oder andere mag sich darüber hinaus daran stören, dass Flanagan keinerlei Erklärung dafür abliefert, was genau nun hinter dem Spiegel lauert, warum es böse ist und wie und warum es sich seine Opfer auswählt. Mir reicht die Erklärung eines seelenhungrigen Spiegeldämons vollkommen aus, das Warum-Wieso-Weshalb würde hier nichts Wesentliches zur Story beitragen und ist meiner Ansicht nach auch entbehrlich.

So kann man sich in "Oculus" an recht standardisiertem Grusel erfreuen, der seine nicht uninteressante Wahn-oder-Wirklichkeit-Idee erst geschickt ausspielt, dann aber etwas überstrapaziert und so zu leichten Ermüdungserscheinungen führt. Dafür ist der geplagte Horrorfan froh über souveräne Darsteller (Katee Sackhoff, "Battlestar Galactica", Karen Gillan, "Guardians of the Galaxy", Brenton Thwaites, "Maleficent" und Rory Cochrane, "Argo"), die die etwas fußlahme Story gekonnt auffangen und "Oculus" somit im soliden Mittelfeld halten können. Wirklich unheimlich wird es nur an wenigen Stellen des Films, was daran liegt, dass a) bald klar ist, dass Flanagan keinerlei Überraschungshäschen aus dem Hut zaubern wird, was die Motivation des Spiegels angeht und b) sich seine einzige clevere Idee, gekonnt zwischen Zeitebenen und Realität und Halluzination zu wechseln, irgendwann abnutzt. Der richtig große, gruselige, spannende Wurf ist "Oculus" somit nicht geworden, aber wenigstens muss man sich nicht mit strunzdämlichen Dialogen, unfähigen Darstellern oder einer total bekloppten Story rumärgern. Insofern mal solide drei von fünf Spiegeln, die nun mal einfach böse sind. Basta.


Gallows Hill - Verdammt in alle Ewigkeit (Uncut)
Gallows Hill - Verdammt in alle Ewigkeit (Uncut)
DVD ~ Peter Facinelli
Preis: EUR 11,50

7 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Galgenhügel, 18. Dezember 2014
Peter Facinelli dürfte - wenn überhaupt - durch zwei Dinge rudimentäre Bekanntheit erlangt haben: erstens durch seine zwischen 2002 und 2003 ausgestrahlte Serie "Fastlane", die irgendwie ganz cool war und zweitens durch seine 12 Jahre andauernde Ehe mit Jenny Garth ("Beverly Hills 90210"), mit der er drei Töchter hat. Zwar hat er auch in den "Twilight"-Filmen mitgespielt, vorrangig aber mäandert Facinelli sich mittlerweile durch die amerikanische TV-Serienlandschaft oder taucht in B- und C-Produktionen auf, die meistens direkt im Videothekenregal landen. Und dies auch zu Recht, wenn man sich den galgenhügeligen Mumpitz ansieht, den Regisseur Víctor García hier auf Zelluloid gebannt hat. Nun ja, wenn man sich Garcías Filmographie anschaut, hätte man das ahnen können, zeichnet er doch für so schlechte Filme wie "Mirrors 2" und "Hellraiser: Revelations" verantwortlich. "Gallows Hill" ist billig gemachter Hexenmumpitz mit sehr mäßig begabten Darstellern, an dem das Gruseligste die schlechten Dialoge sind.

Ausstattung der DVD: Ton in deutsch in DD 2.0 u. DTS 5.1, in englisch in DD 5.1, Untertitel in deutsch. Extras: Making-of, englischer und deutscher Trailer, Interviews mit Hauptdarstellern und Produzenten und eine fünfteilige Trailershow. Die Bildqualität ist selbst für eine DVD nicht sonderlich gut und kommt vorrangig gräulich und verwaschen daher.

David (Peter Facinelli, "Nurse Jackie") hat den Tod seiner kolumbianischen Frau Marcela überwunden und will wieder heiraten, und zwar Lauren (Sophia Myles, "Transformers 4"). Da auch seine Tochter Jill (Nathalia Ramos, "House of Anubis") bei der Hochzeit dabei sein soll, fliegt er kurzerhand mit Lauren nach Bogotá, um Jill abzuholen, die gerade bei ihrer Tante Gina (Carolina Guerra, "Da Vinci's Demons") weilt. Da das vergessliche Kind aber seinen Pass im sechs Stunden entfernten Medellin vergessen hat, macht man sich trotz Unwetter auf, diesen zu holen. Aufgrund erdrutschartiger Regenfälle macht der Wagen irgendwann schlapp und das Quintett (Ginas Kameramann und Jills Part-Time-Lover Ramon ist auch noch anbei) sucht in einem nahegelegenen ehemaligen Hotel bei Hausbesitzer Felipe Unterschlupf. Als man entdeckt, dass dieser in seinem Keller ein kleines Mädchen gefangen hält, befreit man das verdreckte Gör kurzerhand aus dem Verlies. Böser Fehler, wie Felipe dem tumben Haufen noch klarzumachen versucht. Denn die Kleine ist bei weitem nicht das unschuldige Opfer, für das die Truppe sie hält. Im Gegenteil, sie ist eine böse Hexe, die munter den debilen Rettungshaufen dezimiert und dabei fröhlich von einem Körper zum nächsten wandert. Bis die fünf Deppen das allerdings geschnallt haben, sind schon nicht mehr allzu viele von ihnen übrig…was ja irgendwie auch nicht unbedingt ein Verlust ist.

Nachdem ich ungefähr zehn Minuten dieser akustischen Unfähigkeits-Olympiade gelauscht habe, habe ich flugs von der deutschen zur englisch-spanischen Originalversion gewechselt, was die strunzdämlichen Dialoge wenigstens etwas erträglicher gemacht hat. Fakt ist jedoch, dass García in seinem 87minütigen Film jede Menge gestelzter, unrealistischer und blöder Dialoge untergebracht hat, die nur noch von der vorhersehbaren, blödhammeligen Handlung übertroffen werden. Einzig sein FX-Department hat halbwegs überzeugende Arbeit geleistet, so dass man in "Gallows Hill" ein paar zwar recht gängige, aber immerhin schön blutige Sequenzen vorfindet.

Bis es aber soweit ist, muss man erstmal haufenweise sinnlose Handlungen und überflüssiges Gerede über sich ergehen lassen. Man redet Blödsinn in Bogotá, labert weiteren Dünnsinn auf der Autofahrt nach Medellin und steigert sich richtig schön ins Schwachsinn reden hinein, als man in Felipes Rumpelbutze angekommen ist. Jill findet es voll doof, dass ihr Trottelpapa wieder heiraten will, Amazone Gina gibt erfolglos die gütige Tante, Ramon denkt vorzugsweise mit seiner Lendengegend, Lauren macht einen auf verständnisvolle Stiefmutter und David ist heillos überfordert damit, seine bockige Tochter in den Griff zu kriegen oder sich auf sonst eine Weise auch nur im Ansatz Respekt zu verschaffen oder als das Alphatier zu agieren, als das Regisseur García ihn vollkommen unverständlicherweise vorgesehen hat. Dazwischen murmelt Felipe ein paar Gebetsbrocken vor sich hin und das vermeintlich gefangen gehaltene Kind probt sich am Sprechen mit Stimmverzerrer. Was für ein herrliches Durcheinander…

Nein, was für ein Schwachsinn, ehrlich gesagt. Die Story um eine jahrhundertealte Hexe, die sich fröhlich durch Kolumbien killt, ist so einfallslos wie schlecht erzählt. Die völlig konstruiert wirkenden Konflikte, die dann ach so überraschend nach und nach aufbrechen, sind ebenso wenig überzeugend wie die gestelzte Vater-Tochter-Liebe, die im Augenblick der Gefahr natürlich neu entfacht und intensiviert wird. Letztendlich stolpert ein Haufen hysterischer Vollidioten, dessen Vorausschau bereits an der eigenen Nasenspitze endet, durch ein dreckstarres Haus oder wahlweise durch strömenden Regen und kriegt aber auch wirklich so gar nichts gebacken.

Wenigstens kann man sich von den schlechten Darstellerleistungen, die durch die Bank weg hölzern und verkrampft wirken, mit einer Handvoll hübsch blutiger Sequenzen ablenken. Diese sind zwar ebenfalls nicht sonderlich einfallsreich, aber immerhin besser als der Rest des Films. Leider sind es ihrer zu wenig, um vergessen zu lassen, wie lang 87 Minuten sein können, wenn man einen schlechten Film vor sich hat.

Schlussendlich ist "Gallows Hill" hanebüchener Murks, dem es fast an allem fehlt: einem guten, blutigen und vor allem temporeichen Drehbuch, Spannung, guten Schauspielern, einem talentierten Regisseur, einer Story, die nicht schon tausendmal erzählt wurde und obendrauf auch noch fähigen Synchronsprechern. Die standardisierten Metzeleien rechtfertigen es leider nicht, seine Zeit mit "Gallows Hill zu verschwenden. Insofern gerade mal noch einen von fünf blöden Hügeln, auf die man den Regisseur treiben und einfach stehenlassen sollte.


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