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Kalliope

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Das Leben ist ein Erdbeben und ich stehe neben dem Türrahmen
Das Leben ist ein Erdbeben und ich stehe neben dem Türrahmen
von Fabian Neidhardt
  Taschenbuch
Preis: EUR 10,00

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Roman, der das Herz erwärmt, 22. Dezember 2012
Zunächst hat mich bei diesem Roman ja erst einmal das Cover gefangen genommen. Ich kann gar nicht sagen, wie lange ich es betrachtet habe und zu entschlüsseln versuchte. Immer wieder blickte ich im Laufe des Lesens erneut auf den Buchdeckel, um mit fortschreitender Handlung herauszufinden, wie die Grafik die verschiedenen Personenkonstellationen abbildet. (Neugierig geworden? Der Klick auf's abgebildete Cover macht groß und zeigt die kryptisch anmutende Darstellung im Detail.) Erst kurz vor dem Ende entdeckte ich, dass der Grafik auch eine Legende mitgeliefert wird, doch für mich hatte das eigene Rätseln darüber einen großen Reiz und ließ mich der Handlung besonders aufmerksam folgen.

Ebendiese bildet der Klappentext auf grandiose Weise ab. Ich war reichlich neugierig, wie die zahlreichen Themen und Figuren denn alle ihren Platz in diesem Roman finden würden. Was ich fand, war ein Roman, der das Herz erwärmt, denn nicht nur Will, sondern auch alle weiteren Figuren sind auf treffende Weise beschrieben und dem Leser somit greifbar vor Augen. Nicht alle sind wirklich sympathisch, doch sie sind so realistisch dargestellt, dass es fast ist, als würde man in das turbulente Leben einer Familie von nebenan blicken. Vielleicht sind Wills Sorgen nicht die alltäglichsten, doch in der Absurdität, in der Will sich in seinem ganzen Schlamassel wiederfindet, liegt doch auch einfach der ganz normale Alltagswahnsinn - denn das Leben erschüttert einen immer wieder, wie ein Erdbeben. Dummerweise steht Will eben nicht im Türrahmen, um Halt und Sicherheit zu finden, sondern eben daneben und so nimmt das Chaos seinen Lauf...

Oberflächlich betrachtet hat Will nicht viel mehr im Sinn, als Inspiration für seine Pornogeschichten zu finden. Dazu kramt er nicht nur in verschiedensten Erinnerungen, sondern sucht auch neue Geschichten, die das Leben schreibt. Tiefer geblickt, sucht er in den Wochen, während derer ihn der Leser begleiten darf, nach dem tieferen Sinn seines Lebens - der auch mit der Frage zu tun hat, ob für die Zeitung am Frühstückstisch Platz ist.

Ein Roman, der auf hintersinnige Weise zu unterhalten weiß, irgendwie fröhlich macht, und doch mit einem besonders starken Erdbeben endet, das ich persönlich sehr traurig fand.


Die Landkarte der Liebe: Roman
Die Landkarte der Liebe: Roman
von Lucy Clarke
  Taschenbuch
Preis: EUR 9,99

4.0 von 5 Sternen Einfühlsam, 21. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Landkarte der Liebe: Roman (Taschenbuch)
Zwei Schwestern, wie sie unterschiedlicher wohl nicht sein könnten, teilen sich eine gemeinsame Wohnung in London. Während das für Katie als die sinnvollste und langfristigste Lösung erscheint, nachdem ihre Mutter verstorben ist und ihnen eine beachtliche Summe Geld vermacht hat, scheint dies für ihre Schwester Mia aber nicht das richtige zu sein. So verwundert es nicht, dass Mia sich ein Jahr Auszeit nehmen und die Welt bereisen will - nur widerwillig bespricht sie ihre ungefähre Route mit ihrer großen, so vernünftigen Schwester, die gern alles genau plant. Eine Reise entlang verschiedenster Meeresküsten, ein Jahr Sommer soll es werden - und irgendwie ist Katie froh, dass sie die Verantwortung für ihre kleine Schwester für einige Monate in andere Hände legen kann. Doch in dieser Nacht wird Katies Welt auf den Kopf gestellt; oder vielleicht auch einfach nur angehalten: Auf die schockierende Nachricht von Mias Tod kann sie nämlich zunächst kaum reagieren, ihr Körper steht unter Schock, sie fröstelt, vor allem aber begreift sie nicht: Wie konnte Mia sterben? Und warum geschah das auf Bali, wo diese Insel doch gar nicht auf ihrer Reiseroute lag?

Dieser Roman legt seinem Leser ein einfühlsam verfasstes Werk in die Hand, in dem die Beziehung zwischen den zwei ungleichen Schwestern im Mittelpunkt steht - vor allem aber stehen die Fragezeichen, die blinden Flecken ihrer Beziehung mitten im Raum und Katie muss sich eingestehen, dass sie längst nicht alles kontrollieren, planen und für ihre kleine Schwester durchdenken kann und konnte. Oder wie soll sie es deuten, dass sie vom kürzlichen Zerwürfnis von Mia und ihrem langjährigen besten Freund gar nichts wusste? Und wie soll sie es einordnen, dass alle Zeugenaussagen zum Tod ihrer Schwester einen Selbstmord nahe legen? Alles, was Katie bleibt, ist das Reisetagebuch ihrer Schwester. Schnell fasst sie einen folgenschweren Entschluss: Sie kündigt ihren Job und macht sich auf die Spuren von Mias Reise. Tag für Tag vollzieht sie Mias Route nach und liest ebenso Tag für Tag die Einträge des blauen Büchleins mit den sorgfältig beschriebenen Seiten...

Es kommen große Veränderungen auf Katie zu, die ihr Leben, nachdem es nun angehalten wurde, schon bald in ganz neue Bahnen zu lenken versprechen. Bald hinterfragt Katie nicht mehr nur die Beziehung zu ihrer verschlossenen Schwester, sondern stellt ihr ganzes Leben in Frage und sucht nach neuen Antworten in sich selbst und in Mias Erbe. Tragisch, dass es dazu eines solchen Schicksalsschlags bedarf, denn ich möchte mir niemals im Leben auch nur vorstellen müssen, meine kleine Schwester verlieren zu können...

Ein vielschichtiger und liebevoller Roman über eine ganz besondere Verbindung, wie sie wohl nur unter Schwestern herrschen kann.


"Krieg ich schulfrei, wenn du stirbst?": Geschichten von einem chaotischen Grundschüler und seinem Rabenvater
"Krieg ich schulfrei, wenn du stirbst?": Geschichten von einem chaotischen Grundschüler und seinem Rabenvater
von Jess Jochimsen
  Taschenbuch
Preis: EUR 7,90

4.0 von 5 Sternen Rabenvater statt Supermutti, 10. September 2012
Aus der in ähnlichen Büchern doch eher seltenen Perspektive des Mannes wird hier der ganz alltägliche Wahnsinn der Kindererziehung geschildert - und das auf höchst amüsante Weise. Der schonungslos ehrliche Ich-Erzähler, Vater von Tom, ist doch häufig mit seiner Weisheit am Ende, wenn der aufgeweckte Tom ihn durch seine stets direkten, stets ehrlichen Fragen nicht nur auf die Dinge hinweist, die er selbst nicht weiß, sondern ihm auch vor Augen führt, wie scheinheilig wir doch in unseren Erziehungsansprüchen sind: Stets die Wahrheit sagen, niemals lügen, etwas, das man Kindern immer wieder einschärft - aber dass man die olle Tante nicht lieb hat, das darf man ihr natürlich nicht sagen. Doch dieses Buch endet nicht in der bloßen Darstellung des Zwiespalts, in dem sich Toms Vater angesichts des eigentlich unumstößlichen Gebots "Du darfst nicht lügen" befindet, nein, es geht noch ein Stück weiter und zeigt, dass Toms Vater eigentlich sogar stolz darauf ist, dass sein Sohn sich nicht verbiegen lässt, nur weil man bestimmte Dinge so nicht sagt...

Mit seinem Buch zeigt Jochimsen, wie viel doch eigentlich dran ist an dem Zitat "Kinder sind Spiegel, die zeigen, was wir gerne verbergen." - Und das tut er auf eine überaus charmante und humorvolle Art und Weise. In ca. 30 Episoden von jeweils 2-5 Seiten bekommen die Leser einen Einblick in das oftmals chaotische, fast immer humorvolle, und irgendwie stets so glaubwürdige Leben von Tom und seinem Vater. Natürlich hat Tom auch eine Mama, allerdings wird man hier nicht immer ganz schlau aus der Konstellation der Familie: Leben die Eltern nun zusammen oder getrennt? Manchmal wirkt es, als lebte Tom mit seinem Vater allein in einem Männerhaushalt. Doch dann beschwert sich Tom an einer Stelle, dass sein Leben so langweilig ist, weil seine Eltern "geheiratet" sind und nicht "verschieden"... Mit einer gehörigen Prise Wortwitz stößt Tom durch solche Äußerungen ganz ungewollt fast philosophische Gedanken seines Vaters an, die aber immer wieder schnell auf den Boden des Alltags zurück geholt werden, wenn so profane Dinge wie das verlorene Taschengeld und die eiserne Reserve der an der Schule hoch gehandelten "Panini"-Bilder in den Vordergrund rücken.

Jochimsen betont, dass es sich bei seinen Texten um reine Fiktion handelt, doch könnte jede dieser Geschichten so oder ähnlich an jedem Tag in jeder beliebigen Familie stattfinden und das macht dieses Büchlein so besonders. Und gleichzeitig ist dieses Buch nicht nur reine Komödie, es ist auch ein Plädoyer dafür, sein Kind einfach zu lieben, es so anzunehmen, wie es ist, ihm gleichzeitig Flügel und Wurzeln zu verleihen, wie es einst schon Goethe von einer gelungenen Erziehung forderte. - Vergesst Erziehungsratgeber, die euch nur das Geld aus der Tasche ziehen und doch mehr Fragen aufwerfen, als echte Antworten zu bieten. Blickt lieber mit einem Augenzwinkern auf die kleinen Hürden und Tücken im Alltag der Kindererziehung und habt den Mut, ein Rabenvater zu sein anstelle einer Suppermutti. Denn Raben haben ihren Ruf zu unrecht: Ganz im Gegensatz zu allen Unkenrufen kümmern sie sich nämlich aufopferungsvoll um ihren Nachwuchs.


Raum: Roman
Raum: Roman
von Emma Donoghue
  Gebundene Ausgabe

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Beklemmend, 10. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Raum: Roman (Gebundene Ausgabe)
Jack lebt mit Sharon in Raum. In diesem kleinen, überschaubaren Universum mangelt es Jack oberflächlich betrachtet an nichts, und zugleich an allem - denn was Jack nicht weiß, ist, dass Sharon seit mittlerweile sieben Jahren von einem ihr ursprünglich wildfremdem Mann in einem bunkerartigen Gartenhaus eingesperrt und regelmäßig missbraucht wird. Jack ist Sharons fünfjähriger Sohn. Er hat nie etwas anderes erlebt als die Zweisamkeit mit seiner Ma in Raum. Die beiden haben zwar einen Fernseher, aber was Jack dort sieht, ist ja schließlich nicht in echt. Echt ist nur das, was er kennt. Doch kurz nach Jacks fünftem Geburtstag gerät seine Welt ins Wanken, denn er entdeckt, dass es außer Raum doch noch etwas anderes gibt und nach und nach deckt seine Ma die ihn ängstigende Wahrheit über das Draußen auf. Und genau dorthin will Sharon zurück...

Donoghues zutiefst berührender Roman wird aus der Sicht von Jack erzählt. Deshalb ist die Sprache manchmal holperig, denn sein Wortschatz und seine Grammatik stehen hinter der eines Erwachsenen zurück. Zugleich birgt diese Erzählperspektive ihre ganz eigenen Schock-Elemente, denn so naiv Jack seine Welt auch betrachtet, der erwachsene Leser zählt eins und eins schnell zusammen und versteht, was es damit auf sich hat, dass die Luft so komisch riecht, wenn Old Nick in der Nacht wieder da war, während Jack versteckt in einem Schrank geschlafen hat. Das Einfühlungsvermögen, mit dem Donoghue Jack seine Geschichte erzählen lässt, hat mich tief beeindruckt, denn man nimmt Jack seine Erzählung in jeder Zeile ab - inklusive seiner Panik vor dem Draußen, denn Draußen ist nicht Zuhause, Draußen ist nicht Raum, Draußen macht Jack Angst. Warum nur versteht seine Ma nicht, dass er dorthin nicht will, dass er es vielleicht in einem Jahr probieren würde, aber nur vielleicht?

"Raum" hinterlässt ein Gefühl der Beklemmung. "Raum" schlägt auf's Gemüt. "Raum" beschönigt nicht. Da sollte man sich als Leser nichts vormachen. "Raum" wirft viele Fragen auf. Was mir aber vor allem an "Raum" imponiert: Dieser Roman wertet und urteilt nicht. Natürlich ist Old Nick der klare Bösewicht des Romans, natürlich wird die Freiheitsberaubung als genau das menschenverachtende Unrecht angeprangert, das sie ist, und natürlich wird in jeder Zeile deutlich, dass dieses Unrecht somit als genau solches gewertet wird. Doch es gelingt Donoghue, die dramatischen Auswirkungen dieses Erlebnisses auf Jack und Sharon in einer Art und Weise darzustellen, die ohne den erhobenen, mahnenden Zeigefinger auskommt - wohl gerade deshalb, weil sie Jack selbst zu Wort kommen lässt, der zwar längst nicht alles begreift, was um ihn herum passiert, aber eben viel mehr mitbekommt, als sein Umfeld ihm zutraut.

Einzig das Ende des Romans kam mir zu übereilt daher. Ob Jack und Sharon jemals von ihren Traumata geheilt werden, sei dahin gestellt - hier gibt auch "Raum" nur eine vage Hoffnung darauf mit auf den Weg. Der eingeschlagene Weg erschien mir aber rein zeitlich betrachtet mit nur wenigen Wochen einfach zu kurz gegriffen.


Flucht eines Toten
Flucht eines Toten
von David Bielmann
  Broschiert
Preis: EUR 19,90

5.0 von 5 Sternen Eine Hommage an das Leben, 17. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Flucht eines Toten (Broschiert)
Albert Leblanc hat nicht viel, was ihn an sein junges Leben bindet. Wenn man es genau nimmt, kommt er nur seiner täglichen Pflicht nach und folgt einem tristen Alltag, der durch die Tatsache, dass die Bewohner seines Heimatortes Rechthalten nur Spott für ihn übrig haben, nicht gerade verschönert wird. Hätte Albert nicht seine Gitarre, er stünde vor dem Nichts. Keine Familie. Keine Freunde. Keine sozialen Bindungen. Nur sein Job als Koch im Gasthof des kleinen Ortes. Nur seine Gitarre. Gut, und nur die Wirtin Mona, für die Albert insgeheim schwärmt. Aber das ändert auch nichts an seinem Entschluss, seinem kurzen Leben mit (ausgerechnet!) 27 Jahren ein Ende zu setzen: Albert plündert die Valium-Vorräte seines Chefs, betrinkt sich mit Unmengen von Absinth und zündet kurzerhand sein Haus an. Schließlich sollen die Leute im Ort nicht noch über seine sterblichen Überreste lachen können. Er hinterlässt der Welt nicht viel: Einen Brief an Mona und den Wunsch, seine Gitarre zu seinem Grabstein zu machen. Das war's. Und ausgerechnet kurz vor seinem Tod kommt ihm diese teuflisch gute Melodie in den Kopf...

Bielmanns Roman ist gespickt mit der Liebe zur Musik. Das beginnt mit Akkordfolgen, die den Kapiteln vorangestellt sind und ihnen ihre Melodie mit auf den Weg geben, die so sehr zu ihrer Stimmung passen, geht weiter mit Alberts einzig möglicher Flucht aus dem Alltag durch sein Gitarrenspiel und gipfelt schließlich in kursiv eingestreuten Textpassagen, die aus bekannten Liedern stammen, die den Zeitgeist der Handlung (sie spielt 1967) und vor allem die Stimmung Alberts so wunderbar transportieren. Da Bielmann diese Texte aber nicht einfach nur zitiert, sondern ins Deutsche überträgt, muss man an der einen oder anderen Stelle schon ein wenig überlegen, welcher Song hier die Inspiration bot. Ein toller Kniff, der noch mehr als Bielmanns einfühlsame Sprache ohnehin schon dazu beiträgt, dass die Stimmung des Romans fast greifbar wird.

Albert Leblanc - nomen est omen - bleibt dem Leser erhalten, während sich Rechthalten von ihm verabschiedet und plötzlich ganz ergriffen tut. Denn so einfach ist das mit dem Ausstieg aus dem Leben wohl doch nicht, zumindest nicht für Albert, der sich im letzten Moment nicht mehr traut und vor seinem Großbrand flüchtet. Das weiß aber in Rechthalten niemand und ungeahnt findet sich Albert in Freiheit wieder, führt "Das Leben eines Toten" (wie das zweite Buch im Buch so treffend heißt) und beginnt all das auszukosten, was das Leben ihm bisher verwehrte. Alles? Kann man wirklich in Freiheit leben, wenn dort, wo man herkommt, niemand wissen darf, dass man am Leben ist? Bald gerät Alberts Flucht aus Rechthalten zu einer Sinnsuche in seinem ziel- und lieblosen Leben. Und obwohl sich in die Moll-Klänge seines Lebens mehr und mehr Dur-Akkorde schleichen, wird Albert seine Affinität zu diesem E-Moll-Akkord einfach nicht los...

Bei aller Melancholie (oder gerade deswegen?!) eine Hommage an die Musik, an die Liebe, an das Abenteuer, an das Selbst, an das Leben - in all seinen Farben und Klängen. Und wenn all das nicht schon neugierig genug auf diesen Roman macht, dann höre man sich den zeitlos genialen Song "Norwegian Wood" der Beatles an und mache sich auf die Suche nach Bielmanns ganz eigener Verarbeitung dieses Songs in seinem Roman!


Zwölf Wasser Buch 1: Zu den Anfängen: Roman
Zwölf Wasser Buch 1: Zu den Anfängen: Roman
von E. L. Greiff
  Taschenbuch
Preis: EUR 16,90

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine symbolträchtige, mystische Welt, 8. August 2012
Ein Fantasy-Roman, der ein Thema aufgreift, dass auch für uns aktuell ist - immerhin wird immer wieder vermutet, dass sich die nächsten Kriege der Menschheit nicht mehr um Öl, sondern um Wasser drehen werden. Ganz so drastisch mag es hoffentlich niemals kommen, doch die Augen vor der Realität einer Süßwasserknappheit zu verschließen wäre gefährlich.
Wasser - Element des Lebens. Wasser - Erhalter des Kreislaufs von Leben und Tod. Wasser - der Stoff, der in dieser Geschichte zu versiegen droht. Die geheimnisvollen Frauen der Undae sprechen von einem Sinken der Pegel der zwölf Quellen. Den Grund dafür kennen sie nicht, aber sie tun diese Beobachtung kund und verwundern damit alle Beteiligten, denn noch nie - soweit die Erinnerung zurück reicht - haben sich die Undae aktiv zum Geschehen auf der Welt geäußert. Es scheint ernst zu sein und drei der besten Krieger sollen begleitet von je einer Unda zu den Quellen ausziehen. - Um ihr Versiegen zu verhindern? So darf man vermuten, doch die lyrische Sprache der Undae liest sich rätselhaft und die Krieger sind nun auch nicht gerade das, was man als geschulte Empfänger für verschlüsselte Botschaften bezeichnen würde... - »Was meinst du: Wissen sie wirklich nicht, was vorgeht ' was ich immer noch nicht glauben kann ', oder sagen sie es uns nur nicht? Oder habt ihr einfach nicht verstanden, was sie euch gesagt haben?« (Greiff 2012: 174)

Greiff entführt seinen Leser in eine zugleich fremde und doch bekannte Welt: Die Landstriche und Personen haben für unsere Ohren ungewöhnliche Namen, die Geschichte des Kontinents ist rätselhaft und verschlüsselt, die Bräuche sind uns weitestgehend unbekannt. Und doch blitzt immer wieder etwas zwischen den Zeilen hervor, das zeigt: So anders ist die Welt der Zwölf Wasser gar nicht... Die Hauptfiguren in dieser Geschichte kämpfen mit Emotionen und Schicksalsschlägen wie du und ich, sie müssen sich ihren finstersten Ängsten stellen und zu sich selbst finden. Und ja, all dies hat tatsächlich etwas mit den zwölf Quellen zu tun, die auf diesem Kontinent sprudeln - noch sprudeln. Wenn sie versiegen, droht der Verlust der Menschlichkeit, denn das Wasser ist nicht einfach nur flüssiges Element, sondern es trägt viel mehr mit sich, als die Menschen je ahnen dürften. Nur die Undae können diese Information lesen, aber bewahrt das die Welt tatsächlich vor ihrem drohenden Untergang? - »Wir sehen finsteren Zeiten entgegen«, sagte Reva streng. »Aber die Undae sind nicht gewillt, die Menschen aufzugeben. Uns, wie es scheint, sind auch nicht alle Szaslas bereit, den Untergang des Kontinents zu verschlafen. Denn, glaubt mir, der Mensch ist groß, der Kampf lohnt sich.« (Greiff 2012: 556)

Ist das so? Nun, nicht alle Protagonisten in diesem Buch sind davon überzeugt, und betrachtet man, zu welcher Grausamkeit der Mensch fähig ist, mag sich tatsächlich die Frage stellen, ob es sich lohnt, für seinen Erhalt zu kämpfen... Und nicht erst hier eröffnet sich neben einer symbolträchtigen, geradezu mystischen auch eine philosophische Ebene der Geschichte.
Mehr Einblicke in die Handlung möchte ich auch gar nicht geben, denn dieses Buch, das auf mitreißende Weise in die Welt der Zwölf Wasser einführt, lebt vom langsamen Entdecken der ungeahnten Zusammenhänge! Während man als Leser zunächst im Dunkeln tappt und vor allem während der ersten Kapitel dieses Buches noch nicht so recht den Roten Faden zu finden vermag, streckt die Geschichte langsam, aber unaufhaltbar ihre Finger aus, die einen mehr und mehr in den Sog dieser grandios durchdachten und entwickelten Welt ziehen und nicht mehr loslassen.


Die beste Bande der Welt
Die beste Bande der Welt
von Saskia Hula
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 14,90

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wunderschönes Buch mit wertvoller Botschaft, 11. Juli 2012
Rezension bezieht sich auf: Die beste Bande der Welt (Gebundene Ausgabe)
Oskar fühlt sich in letzter Zeit sehr allein. Um ihn herum sind einfach alle in irgendeiner Bande, doch zu keiner passt er dazu. Für die Radfahrer ist er zu klein, für die Kleinen zu groß, er hat keine gelbe Regenjacke, keine zottigen Haare, ist nicht furchtbar gefährlich und auch kein Mädchen. So muss er seine Runden auf dem Hof allein ziehen und schmollt. Bis ihm schließlich eine pfiffige Idee kommt: Er gründet seine eigene Bande. Die kleinste Bande der Welt. Einen Geheimclub. Und er ist der Anführer...

Dieses Büchlein eignet sich wunderbar zum Vorlesen für Kinder und bringt ihnen auf einfache Weise ganz große Themen näher: Was tun bei Gruppenzwang? Wie verhalten bei Ausgrenzung? Oskar erweist sich als schlaues Kerlchen. Weder vergräbt er sich in Traurigkeit über die gemeine Welt da draußen, noch passt er sich bedingungslos einer der Banden an. Zwar versucht er es, mit allen Kontakt aufzunehmen, doch als er merkt, dass er sein eigenes Wesen aufgeben müsste, um dazu gehören zu können, besinnt er sich auf sich selbst. Seine Idee, einen eigenen Geheimclub zu gründen, erweist sich schließlich als die beste Möglichkeit, auch anderen zu zeigen, wie toll es doch sein kann, einer Bande anzugehören, in der keine festen Regeln vorgegeben sind, wie man auszusehen und sich zu verhalten hat. Und: Oskar ist nicht nachtragend, das finde ich toll.

Die Geschichte ist mit ganz einfachen und wenigen Worten erzählt, wundervolle Illustrationen unterstreichen das Geschriebene. Auf jeder Seite gibt es viele Details zu entdecken, die auch in der Geschichte erwähnt werden, so dass es allein deshalb beim Vorlesen nicht langweilig werden kann. Doch auch so bietet die Geschichte genügend Anhaltspunkte, um über das Gehörte zu sprechen. Vielleicht macht das eigene Kind gerade die Erfahrung, dass es nicht so recht dazu gehört? Da könnte dieses Buch einen Einstieg bieten, um darüber zu sprechen, wie sich das anfühlt und was man in so einem Fall tun kann. Vielleicht zeigt es aber auch auf, dass es unschön ist, andere auszugrenzen nur weil sie ein bisschen anders sind. Und nicht zuletzt ist es ja auch einfach spannend, selbst eine Bande zu gründen! Was gilt die Wette, dass Kinder spätestens nach dieser Lektüre eigene Geheimparolen erfinden und sich ein Geheimquartier einrichten?


Kassiopeia. Roman
Kassiopeia. Roman
von Bettina Balàka
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 22,90

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wir sind eben keine Inseln, die einsam im Ozean schwimmen, 12. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Kassiopeia. Roman (Gebundene Ausgabe)
Judith Kalmann führt ein Leben, das für uns "Normalsterbliche" wohl kaum vorstellbar ist. Ihre reichen Eltern erfüllen ihr so ziemlich jeden Wunsch und Judith hat noch nie für ihr Geld arbeiten müssen. Zwar hat sie nicht so ganz das gemacht, was ihre Eltern sich vorgestellt hatten (den Reichtum dazu nutzen, unbeschwert von finanziellen Sorgen eine Familie zu gründen oder sich eine tolle Karriere aufzubauen), dennoch steht niemals außer Frage, dass es für Judith einfach so weitergehen kann: Leben in Saus und Braus, von Land zu Land pendelnd - nur, mal ganz ehrlich, irgendwie so ohne tieferen Sinn.

Wie passend, dass Judith fast krampfhaft versucht, ihrem Leben feste Strukturen zu geben. Nur äußern sich diese eben nicht in einem geregelten Arbeitsleben oder einer immer gleichen Umgebung, sondern im steten Zwang, alles in Listen zu ordnen: Listen von Dingen, die sie isst. Listen von Dingen, die es früher gab. Listen von Maßnahmen, die sie ihren Traummann Markus Bachgraben für sich gewinnen lassen. Auf eben diesen wurde Judith durch seinen Roman aufmerksam, der den Titel "Kassiopeia" trägt - immerhin die Nummer 3 auf der Liste ihrer Lieblingswörter. Natürlich gelingt es ihr schnell, Kontakt zu dem aufstrebenden Autoren aufzubauen und bald führt sie eine Beziehung mit ihm, die sie jedoch nicht - wie sonst in ihrem Freundeskreis üblich - mit ihren Freundinnen bis ins Detail erörtert. Und deshalb folgt ihr Erika auch nach Venedig, wo Judith ihren Freund überraschen will. Bald muss Judith sich jedoch eingestehen, dass längst nicht alles so ist, wie es scheint.

Stück für Stück, wie bei einem Puzzle, oder auch: Stern für Stern, wie bei einem Sternbild wie der Kassiopeia, setzt sich die Handlung für den Leser zusammen und weiß dabei spätestens im letzten Drittel reichlich zu überraschen. Ich gebe zu, mir fiel es zwischenzeitig schwer, am Ball zu bleiben, denn Balàka lässt ihren Leser nicht nur Judith, Markus und Erika genauer kennenlernen, sondern webt immer wieder detailreiche Geschichten aus dem Leben zahlreicher Nebencharaktere in die Erzählung ein. Dabei scheut sie auch nicht die Darstellung fieser Charaktere, die dem Leser durch das Erfahrene extrem unsympathisch werden können. Vor allem aber scheut sie nicht die gänzlich unerwartete Wendung, das große Moment der Überraschung, wenn sich herausstellt, mit welchen Motiven die verschiedenen Akteure die venezianische Bühne betreten. Aber ist so nicht auch das Leben? Voll von unerwarteten Dingen, die im Verborgenen ablaufen, aber irgendwann doch an die Oberfläche drängen. Und nicht zuletzt zeigt Balàka, dass wir eben keine Inseln sind, die einsam im Ozean schwimmen. Wir sind vielleicht einzelne Sterne am Firmament, aber wir stehen in einem Zusammenhang zu anderen Sternen, bilden mit ihnen ganze Sternbilder. Und so stellen sich all die erzählten Nebenstränge als wichtig an ihrem Platz heraus, denn eine Schnur besteht aus vielen einzelnen Fäden, die miteinander verwoben sind...


Jetzt ist gut, Knut: Roman
Jetzt ist gut, Knut: Roman
von Bettina Haskamp
  Broschiert

4.0 von 5 Sternen Wer sind wir, wenn wir uns nicht allein über unser Umfeld und unsere Rollen definieren?, 12. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Jetzt ist gut, Knut: Roman (Broschiert)
Haskamp gelingt es in ihrem neuen Roman, einen bewundernswerten Einstieg zu finden, denn ihre Ich-Erzählerin Lilli schwelgt am liebsten in Selbstmitleid und trotzdem klappt man das Buch nach den ersten Seiten nicht genervt zu, sondern kann das Augenzwinkern, mit dem Haskamp ihre Hauptprotagonistin entwickelt, förmlich sehen. Und so bleibt man am Ball, um zu erfahren, wie es in Lillis Leben weitergeht, das gerade so gar nicht rund läuft: Ihr Ehemann Knut interessiert sich mehr für die Schwangerschaft einer Orang Utan-Dame im Zoo, in dem er arbeitet, Töchterchen Julia ist ständig in der Welt unterwegs und scheint sich ihrer einfachen Abstammung zu schämen, über ihre Chefin brauchen wir erst gar nicht zu reden und ihre beste Freundin Tina ist ja sowieso jenseits von Gut und Böse, schließlich unterstellt sie Lilli eine Ich-Störung. Und wenn nicht diese, dann mindestens ein mangelndes Selbstbewusstsein. Dabei nutzt Lilli ihren kleinen Lügen doch nur dazu, um sich auch mal interessant und im Mittelpunkt stehend zu fühlen. Es ist doch schließlich nichts dabei, wenn man mal in eine andere Rolle schlüpft und wildfremden Menschen abenteuerliche Geschichten erzählt, oder?

Natürlich muss Lilli im Laufe des Romans einsehen, dass da wohl doch etwas dabei ist. Vor allem, wenn sie auch noch beginnt, sich von ihren Lieben abzuwenden und Geheimnisse vor ihnen zu haben. Aber bis zu dieser Einsicht ist es ein weiter Schritt, denn so negativ, wie Lilli ihrem Leben gegenüber eingestellt ist, ist das mit dem Selbstmitleid eben doch einfacher, als das eigene Leben ernsthaft anzupacken und ihm eine neue Richtung zu geben. Und wenn man ausgerechnet in einem solchen Moment an die falschen Leute gerät... Bald findet sich Lilli in dem ganzen Chaos, genannt ihr Leben, kaum noch zurecht und muss sich darauf besinnen, was ihr wirklich wichtig ist.

So leicht und humorvoll die Erzählung auch dahin schwingt, so birgt dieser Roman doch auch ernstere Themen, die man auf den ersten Blick vielleicht gar nicht erwarten würde. Und so wurde aus einem Buch, das ich schon fast als seichte, aber mit wundervoller Ironie gespickte Sommer-Lektüre abstempeln wollte, ein Roman, der gar nicht so leichte Themen anschneidet. Denn wer sind wir, wenn wir uns nicht allein über unser Umfeld und unsere Rollen definieren? Ist die Ich-Erzählerin Elisabeth die graue Maus Lilli, die sich immer alles gefallen lässt, oder steckt doch mehr von der mondänen Lillian in ihr, deren aufregendes Leben sie so gern führen würde? Und ehe sich Lilli versieht, steckt sie mitten in der größten Ehe-Krise ihres Lebens. Allerdings hätte sie niemals erwartet, dass der wortkarge Knut derjenige sein könnte, der seine Koffer packt und von heute auf morgen aus der gemeinsamen Wohnung auszieht. Ist das nun etwa der Neuanfang, den Lilli sich so lange gewünscht hat?

Natürlich wird das Ende nicht verraten, aber so viel sei gesagt: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Ein schönes Buch, eine tolle Sommerlektüre, und unerwarteter Tiefgang. Aber wer hat bloß dieses Cover entwickelt? Das passt irgendwie so gar nicht zum Inhalt...


Stimmen in der Nacht: Roman
Stimmen in der Nacht: Roman
von Laura Brodie
  Taschenbuch
Preis: EUR 14,90

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Roman, der mich in vielerlei Hinsicht zu überraschen wusste, 27. Mai 2012
Rezension bezieht sich auf: Stimmen in der Nacht: Roman (Taschenbuch)
Eine kleine, nach außen glücklich scheinende Familie in der einsamen Idylle in einem geräumigen Haus außerhalb der Stadt, malerisch gelegen an einem kleinen Bachlauf am Waldrand. Wer könnte sich nicht vorstellen, seinem Kind hier eine abwechslungsreiche und naturverbundene Gegend zum Aufwachsen zu bieten? So sieht das zumindest Emma Greene, die mit ihrem Mann Rob und ihrer fünfjährigen Tochter Maggie in diese Abgeschiedenheit gezogen ist. Doch an diesem Abend soll sie feststellen, dass es nicht immer gut ist, wenn der nächste Nachbar erst in einigen Kilometern Entfernung lebt... Auf dem Grundstück der viel zu gutmütigen College-Dozentin tummeln sich drei ihrer Studenten, offensichtlich reichlich angetrunken und auf der Suche nach Ärger. Und ausgerechnet an diesem Abend ist Rob länger arbeiten, weshalb Emma selbst versucht, die lärmenden Studenten des Grundstücks zu verweisen, damit ihre Tochter in Ruhe schlafen kann. Die Situation eskaliert und es fließt Blut. Viel Blut. Ein Mensch stirbt - und die kleine Maggie muss alles mit ansehen und künftig ohne ihre Mutter aufwachsen.

Welch grausame Vorstellung. Wie traumatisiert die kleine Maggie sein muss, wird schon daran deutlich, dass sie lange Zeit nicht über den Vorfall spricht. Nur in ihren Alpträumen von dieser schrecklichen Nacht kann sie die Vorkommnisse "verarbeiten" und erst nach einigen Jahren Gesprächstherapie kann sie die schlimmen Träume überwinden und ein halbwegs normales Leben führen. Bis zu diesem Tag, an dem sie auf die Highschool kommt. Mittlerweile sind neuneinhalb Jahre seit der Tat vergangen, deren genauen Ablauf nur die direkt Beteiligten kennen. Nicht einmal Maggie hat die Wahrheit über diese verhängnisvolle Nacht jemals offen ausgesprochen, doch nun muss sie sich ihrer Vergangenheit erneut stellen, die Alpträume sind wieder gekehrt und ihre neue Mathe-Lehrerin scheint sie auszulösen...

Ein Roman, der mich in vielerlei Hinsicht zu überraschen wusste. Nach den ersten Seiten scheint der Plot klar, der Leser bleibt aber gespannt, welche Wahrheit Maggie eigentlich verschweigt, während er der überzeugenden und einfühlsamen Charakterisierung Maggies folgt, die viel zu früh in ihrem Leben ihre kindliche Unschuld verloren hat und mit Dingen konfrontiert wurde, deren Erleben man einfach niemandem wünscht. Wen verwundert es da, dass sie sich in Sarkasmus und "Außenseitertum" flüchtet? Und noch während man der Geschichte aus Maggies Sicht folgt, nimmt der Roman plötzlich eine Wendung, die mich außerordentlich zu verblüffen wusste und mit neu angestachelter Spannung der Handlung folgen ließ, die im weiteren Verlauf auch aus anderen Perspektiven erzählt wird. Um hier die Spannung nicht wegzunehmen, werde ich mich hüten, mehr über den Inhalt des Buches zu verraten, doch so viel sei gesagt: Mit einem Roman, der drei Frauenschicksale, wie sie unterschiedlicher wohl nicht sein könnten, auf solch eindringliche und nachvollziehbare Weise schildert, hätte ich bei diesem Plot nicht gerechnet.

Hut ab für diese durch und durch überraschende Geschichte, die mir zwar an mancherlei Stelle zu klischeehaft erschien, wenn über die Rollenbilder von Mann und Frau und über Grundzüge feministischer Ideen philosophiert wurde, sonst aber mit psychologischem Feingespür zu überzeugen wusste. Zugleich liest sich das Buch wie ein Krimi, auch wenn es keiner sein will, doch eine gewisse Grundanspannung bleibt bis zum Schluss und ständig rechnet man mit einer neuen, vielleicht auch blutigen, Wendung - so ging es zumindest mir.


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