Profil für Oliver Drescher > Rezensionen

Persönliches Profil

Beiträge von Oliver Drescher
Top-Rezensenten Rang: 313.980
Hilfreiche Bewertungen: 684

Richtlinien: Erfahren Sie mehr über die Regeln für "Meine Seite@Amazon.de".

Rezensionen verfasst von
Oliver Drescher "je1741" (Hamburg)
(REAL NAME)   

Anzeigen:  
Seite: 1 | 2 | 3 | 4
pixel
Neustädter Hamburg 2009/2010: Cityguide und Umzugsplaner für Neu-Hamburger
Neustädter Hamburg 2009/2010: Cityguide und Umzugsplaner für Neu-Hamburger
von Ulf Dubbels
  Gebundene Ausgabe

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen zu viel Nebensächliches drin, aber auch gute Hilfen, 6. September 2010
Für unseren Umzug nach Hamburg war dieses Büchlein ein durchaus hilfreicher Begleiter, z.B. bei der Frage nach der KfZ-Ummeldung und ähnlichem. Hier ist einiges zusammengestellt, was man sich sonst mühsam zusammensucht - und ein Buch ist eben nicht immer durchs Internet zu ersetzen.

Zu bedenken geben möchte ich aber zweierlei:
1. Wie schon andere vor mir bemerkt haben: Die viele Werbung nervt. Wenn bei vielen Themen direkt dabei passende Werbeanzeigen abgedruckt sind, sägt das auch ein wenig am ansonsten seriösen Bild des Ratgebers: Kann ich mir dann immer noch so sicher sein, dass rein objektiv beurteilt und empfohlen wird, wenn Werbeieinnahmen eine solche Rolle bei der Finanzierung spielen? Ich vermute: Ja. Aber ich halte das Konzept für unglücklich.
2. Ich verstehe nicht ganz, warum die Redaktion zweigleisig fährt und meint, auch noch Tourismus- und Kulturführer sein zu müssen. Tipps zu "Gastro & Party" u.ä. gibt es doch anderswo zuhauf! Es wird wohl kaum jemand nach Hamburg ziehen ohne einen einschlägigen Ratgeber zur Freizeitgestaltung - und dann nehme ich auch einen reinrassigen und keinen Hybrid. Die Chrakterisierung der Hamburger Stadtteile hingegen halte ich (z.B. zur Stadortentscheidung) für sehr sinnvoll und gelungen.

Meine Empfehlung wäre: Werbung um zwei Drittel kürzen, auf Kulturteil verzichten, dafür noch ein paar mehr Details zur eigentlichen Fragestellung - und heraus käme ein zwar etwas teureres und dünneres, aber deutlich übersichtlicheres Buch genau von der Art, wie es sich "Neustädter" wünschen.

Aber dennoch: Wer nach Hamburg zieht, wird von diesem Büchlein auch in der vorliegenden Form auf jeden Fall profitieren, darum empfehle ich es.


Unterricht in der christlichen Religion - Institutio Christianae Religionis
Unterricht in der christlichen Religion - Institutio Christianae Religionis
von Matthias Freudenberg
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 54,00

25 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Man muss kein Calvinist sein, um dieses Buch zu lieben, 22. Oktober 2009
Calvins 'Unterricht in der christlichen Religion' war ursprünglich als Katechismus für damalige Christen gedacht und sollte diese im Glauben stärken und in ihrem geistlichen Leben anleiten. Außerdem ging es ihm darum, die 'neue Lehre' des Protestantismus, die von der katholischen Kirche scharf verurteilt wurde, gegenüber ihren Kritikern zu verteidigen. Calvin wollte darlegen, dass sich alle Glaubenssätze der Reformation direkt aus der Bibel ableiten lassen und hoffte darauf, dass dadurch weiteren Verfolgungen vorgebeugt werden könnte.

23 Jahre lang hat er dieses Werk stetig überarbeitet und erweitert. Das Ergebnis war eines der reifsten, klarsten und profundesten Lehrbücher über den christlichen Glauben, die die Kirchengeschichte je hervorgebracht hat - einer der großen christlichen Klassiker.

Zum einen ist die 'Institutio' (nach dem lateinischen Namen des Originals) ein zeitgeschichtliches Dokument: Zwischen den Zeilen riecht man die Härte der Auseinandersetzungen, und auf jeder Seite spürt man, dass dieses Buch keine 'Abhandlung' ist, sondern mit Herzblut geschrieben wurde - in einer Zeit, in der Protestanten damit rechnen mussten, für ihren Glauben verbrannt zu werden: Es atmet Leidenschaft für die Wahrheit, Sorge um die verfolgten Christen und den großen Wunsch Calvins, über allem Gott die Ehre zu geben.

Und zum andern haben wir hier ein zeitlos wertvolles Werk, von dem auch Christen von heute noch enorm profitieren können: Calvin hatte eine außergewöhnliche Gabe, den Kern der Dinge herauszuarbeiten, Licht auf schwierige theologische Fragen zu werfen und die Bibel fundiert und ausgewogen auszulegen. Seine gedankliche Exaktheit und Schärfe ist - gerade angesichts der heutigen Unklarheit in vielen Fragen - ein wahrer Segen. Und doch ist nicht reine Gelehrsamkeit das Ziel, sondern eine persönliche Lebensführung, die Gott verherrlicht. Wer meint, Calvin habe nur immer über Erwählung reden wollen, wird daher überrascht sein, zu sehen, welches Gewicht er in diesem Buch auf Themen wie z.B. das Gebet legt, und wie nah er den ganz praktischen Fragen des christlichen Alltags ist.

Ich möchte so weit gehen, dieses Hauptwerk Calvins für jeden christlichen Haushalt zu empfehlen - vorausgesetzt, man bringt die Bereitschaft mit, ein 'altes Buch' zu lesen und sich etwas hineinzudenken. Denn ein Standardwerk, das den Glauben gut erklärt und geistlich motiviert, braucht man einfach, und ein besseres als dieses wird nicht leicht zu finden sein. Es hat Tiefe, ist aber auch dem Nicht-Theologen zugänglich. Man muss kein 'Calvinist' sein, um von dieser Lektüre sowohl theologisch als auch persönlich viel mitzunehmen. Und man muss diesen Wälzer auch nicht ganz durchlesen, er eignet sich hervorragend zum gezielten Nachschlagen einzelner Fragen. Aber die Warnung sei gegeben: Wer erst einmal damit anfängt, mag sich dabei ertappen, dass er sehr viel mehr liest, als er ursprünglich vorhatte...
Kommentar Kommentar (1) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Oct 15, 2011 9:28 AM MEST


C. H. Spurgeon - wie ihn keiner kennt: Zum 100. Todestag des Fürsten der Prediger
C. H. Spurgeon - wie ihn keiner kennt: Zum 100. Todestag des Fürsten der Prediger
von Iain H Murray
  Taschenbuch

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spurgeon war mehr als nur ein Prediger, 4. August 2009
Es wäre schön, wenn es ein solches Buch gar nicht geben müsste. Denn es ist entstanden aus der Beobachtung heraus, dass in dem Bild, das von C.H. Spurgeon meist gezeichnet wird, etwas Zentrales zu kurz kommt: nämlich seine theologischen Überzeugungen. Das mag daran liegen, dass sie heute unpopulär sind - doch umso lohnender ist es, sich ihnen einmal zu stellen. Bei mir persönlich, der ich Spurgeons 'erbauliche' Seite schon lange zu schätzen wusste, hat dieses Buch eine regelrechte Wende ausgelöst, die meinem Glauben sehr gut getan hat.
Worum es geht? Es geht um Gottes Größe, um die Frage nach dem freien Willen, um die Wahrheit der Bibel und um Gemeindetrends seiner und auch unserer Zeit - aufgezeigt anhand von verschiedenen Kontroversen, in denen Spurgeon stand. Offen gesagt: Ein Buch, für das sich viele von vornherein nicht interessieren werden. Wer sich aber mehr Tiefgang und Festigkeit im Glauben wünscht - oder einach sein Spurgeon-Bild vervollständigen will - wird hier fündig. Schwere Themen einfach und treffend zu formulieren war Spurgeons große Stärke. Es ist gewiss keine Einschlaflektüre. Aber nahrhaft. Um ihn selbst zu zitieren: 'Das ist starke Kost, sagt ihr? So seid denn starke Männer und zehrt davon...' (S. 162).


So lange ich lebe, will ich Gott lieben: C. H. Spurgeon - Ein Leben
So lange ich lebe, will ich Gott lieben: C. H. Spurgeon - Ein Leben
von Stephan Steinseifer
  Audio CD

1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Chancen eines Hörbuches voll ausgereizt, 4. August 2009
Es ist ein mutiges Unterfangen, ausgerechnet über den 'Fürsten der Prediger' ein Hörbuch anzufertigen - in dem natürlich auch dieser selbst imitiert werden muss. Stephan Steinseifer wagt es - und gewinnt, wie ich meine. In 231 min präsentiert der erfahrene Rundfunkredakteur ein abgerundetes, plastisches und sehr lebendiges Bild Spurgeons - und lässt sich auch dadurch nicht aus dem Konzept bringen, dass dessen Ehefrau Susannah Spurgeon höchstpersönlich mitten in der Aufnahme ins Studio platzt...

Das Hörbuch umfasst Themen wie: England im 19. Jahrhundert, Werdegang und Privatleben, Kritik und Zuspruch, Spurgeon als Prediger, Menschenfreund und Schriftsteller, Kontroversen, sein 'Erfolgsrezept', u.v.m. Die sorgfältige Arbeit an diesem Lebensbild und seine liebevolle Umsetzung vermitteln einem das Gefühl, man wäre mitten dabei. Und es gibt exklusives 'Bonusmaterial': Der Autor hat einige theologische Ausbildungsstätten angeschrieben und zitiert aus ihren Antworten auf die Frage, welche Bedeutung Spurgeon heute noch in der Predigerausbildung hat.

Fazit: informativ, tiefgründig und doch kurzweilig, und mit wertvollen geistlichen Impulsen. Ein wirklich gelungener Wurf! Geeignet als Einstieg ins Thema, aber auch für Spurgeon-Kenner aufgrund der Lebendigkeit lohnend. Genau so stelle ich mir ein gutes Hörbuch vor.


Vom Sinn der Schwermut
Vom Sinn der Schwermut
von Romano Guardini
  Broschiert
Preis: EUR 8,95

30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen der Schwermut ihre Würde zurückgeben, 11. Juni 2009
Rezension bezieht sich auf: Vom Sinn der Schwermut (Broschiert)
Hier ist jemand, der versteht, dass Schwermut (oder Depression) mehr ist als nur ein Krankheitsbild, für das passende Medikamente zu finden die nächste Aufgabe wäre. Guardini spricht von der metaphysischen Leere, von der empfundenen Langeweile, die der Depressive kennt, weil er in den Dingen des bürgerlichen Lebens mit Leidenschaft nach einer Tiefe sucht, die es ihm aber nicht bieten kann. Das wiederum sondert ihn ab von den anderen, die im Klein-Klein des Alltags aufgehen und nichts Wesentliches vermissen, und es vermehrt seinen Schmerz.

So mag der schwermütig veranlagte Mensch versucht sein, seine 'Krankheit' zu verfluchen, bringt sie ihm doch Leiden und Einsamkeit ein. Und genau an diesem Punkt liegt das große Verdienst dieses Büchleins: Der Autor zeigt keinen Fluchtweg vor der Schwermut auf, als wäre sie die Pest, sondern er gibt ihr ihre Würde zurück: 'Die Schwermut ist die Beunruhigung des Menschen durch die Nachbarschaft des Ewigen'; aus der 'guten Schwermut' steige 'Werk und Werden hervor'. Das ist wie Balsam für die geplagte Seele! Denn sie begreift: In der Schwermut liegt eine tiefe Empfindung für das Ewige verborgen, eine Sehnsucht nach Gott, eine heilige Unzufriedenheit mit einer gefallenen Welt - und diese Sicht ist nicht krankhaft, sondern zutreffend. Der Schwermütige blickt in die Tiefe, er sucht, was 'dahinter' ist. Und darin liegt, bei allem Leiden, eine Chance, ein Auftrag, ein großer Wert.

Diese Abhandlung ist keine leichte Lektüre. Man muss schon eine gewisse Bereitschaft mitbringen, Guardini auf den Pfaden der Metaphysik und Theologie zu folgen. Aber sprachlich gelingt ihm diese kleine Reise in erstaunlich verständlicher Form. Und bei all dem spürt man ihm durchgehend die freundschaftliche Verbundenheit und das Einfühlungsvermögen eines wahren Seelsorgers ab.

'Vom Sinn der Schwermut' ist eines der kürzesten Bücher, die ich besitze, und eines der allerbesten. Denn es trifft den Kern der Dinge, und das gibt es nicht oft.


Meine erste Kinderbibel
Meine erste Kinderbibel
von John Dillow
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 6,99

28 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen wertvollster Inhalt in billigster Verarbeitung - warum???, 10. Mai 2008
Rezension bezieht sich auf: Meine erste Kinderbibel (Gebundene Ausgabe)
Ich schließe mich einigen meiner Vorrezensenten an: Diese Bibel ist von ihrer liebevollen Gestaltung her ein Volltreffer. Wir benutzen sie sehr gern als Einstiegsbibel, so für die Altersspanne zwischen 2 und 5 Jahren. Unsere Tochter liebt sie so sehr, dass sie sie oft mit in ihr Bett nimmt und blättert und blättert. Der Inhalt ist zwar nicht hundertprozentig korrekt, aber die Fehler halten sich in Grenzen. Von all diesen Aspekten her ist diese Kinderbibel eine klare Empfehlung - wenn sie nur nicht...

... so schrecklich billig produziert würde! Es fallen zwar keine Seiten raus, aber die Qualität des Einbands ist miserabel, er ist ruck-zuck abgerissen. Bei uns steht bald der Kauf des dritten Exemplars an... Da kann von günstig keine Rede mehr sein.

Fazit: Ja, ich empfehle die Bibel eindeutig zum Kauf! Aber entweder darf das fragile Exemplar erwachsene Hände nicht verlassen (was einfach zu schade wäre!),' oder man kauft sich vorsorglich gleich zwei oder drei Stück davon. Meine Frau meint zwar, ich sollte trotzdem vier Sterne vergeben, aber mich ärgert das einfach. Warum muss ausgerechnet die Bibel (und noch dazu eine so schöne) unter den Kinderbüchern als erstes kaputt gehen? Das hat sie wirklich nicht verdient.


Blink!: Die Macht des Moments
Blink!: Die Macht des Moments
von Malcolm Gladwell
  Gebundene Ausgabe
Preis: EUR 24,90

174 von 179 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Faszinierendes Thema, unfertiges Buch, 19. Mai 2006
Ach, diese Amis! Sie erzählen und erzählen und erzählen – oft sehr gut, aber meistens lang und breit – und, husch!, ist das Buch zuende, und man hätte noch so viele Fragen gehabt, die aber offen bleiben. Und wenn man zurückblättert, findet man die wenigen grundsätzlichen Aussagen vor lauter Geschichten kaum wieder. Da aber, laut Nachwort, so viele kompetente Leute das Manuskript vorab gelesen haben, muss es wohl so gewollt sein – ich bin als deutscher Leser wahrscheinlich zu anspruchsvoll...

Aber nun im Ernst:

Dieses Buch verfolgt drei Ziele (S. 20f): Es will helfen,

1. zu begreifen, wie effektiv der "erste Blick" sein kann;

2. unterscheiden zu lernen, wann wir unseren Instinkten vertrauen dürfen und wann nicht;

3. zu begreifen, dass wir unsere Spontanurteile verfeinern und für uns nutzen können.

Das erste Ziel wird zu 100 Prozent erreicht. Dieser Teil überzeugt sehr und ist ein Lesegenuss.

Bei Ziel 2 und 3 gibt es einige hilfreiche Ansätze, hier wirkt das Buch aber leider oberflächlich, bzw. unfertig – was sehr schade ist:

"Blink!" lebt, wie schon erwähnt, im Wesentlichen von seinen faszinierenden Geschichten und Forschungsberichten, und das macht es lesenswert: Es sind in der Tat für den Durchschnittsleser einige wertvolle neue Erkenntnisse dabei, manche geradezu frappierend. Und Gladwell versteht sein Handwerk als (erzählender) Schreiber und Didakt sehr gut. Allerdings machen diese Erzählteile mindestens 85% des Buches aus und leiden an zu großer Ausführlichkeit. Das führte bei mir irgendwann zu Ermüdung. Ich erwartete wenigstens gegen Ende noch etwas mehr Schlussfolgerungen vom Autor selbst, aber nein: Noch eine Story und noch eine... Hat er denn selbst so wenig zu sagen?

Ein Mehr an Tiefe, Systematik und Anwendung hätte dem Buch gut angestanden. Vieles riecht zwar sehr nach Praxis – aber wenn es darum geht, die gewonnenen Erkenntnisse als Leser auf das eigene Leben anzuwenden, bleibt dieser ziemlich allein. Die Übertragung gelingt nur teilweise – eben deshalb, weil die Verarbeitung all der Beispiele nur im Ansatz stattfindet. Das Thema ist großartig, aber es ist nicht wirklich ein Sachbuch daraus geworden, sondern eher eine thematisch geordnete Stoffsammlung mit wenigen eigenen Gedanken des Autors. Das ist zu wenig.

Trotzdem lohnt sich der Kauf, sofern es ein lockerer Ersteinstieg ins Thema mit Unterhaltungselementen sein soll. Weil das Thema eigentlich jeden Menschen betrifft, flüssig zu lesen und auf seine leichte Weise informativ ist, eignet sich dieses Buch auch gut als Geschenk. Gefreut hat mich der gut zusammengestellte Anhang mit einigen Literaturhinweisen zu den Kapiteln – (wenigstens) hier findet sich die Möglichkeit zur Vertiefung. Insgesamt aber wären mehr als drei Sterne geschmeichelt.
Kommentar Kommentare (2) | Kommentar als Link | Neuester Kommentar: Mar 21, 2011 10:27 PM CET


Fordern statt Verwöhnen. Die Erkenntnisse der Verhaltensbiologie in Erziehung
Fordern statt Verwöhnen. Die Erkenntnisse der Verhaltensbiologie in Erziehung
von Felix von Cube
  Taschenbuch

34 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Schlaraffenland ist in Wirklichkeit keines, 16. August 2005
Mit großem Interesse habe ich dieses Buch gelesen und viele Dinge bestätigt oder endlich erklärt gefunden, die mir vorher eher diffus bekannt waren. Von Cube bearbeitet ein Thema, das gerade in der gegenwärtigen Gesellschaft - Konsumlust, lange Lebenszeiten nach Beendigung der Erwerbstätigkeit, viele Arbeitslose (die zwangsweise über viel Freizeit verfügen, die es gilt, sinnvoll zu gestalten) - von großer Bedeutung ist. Die Hauptaussage des Buches - dass Lust an Leistung gebunden ist und Verwöhnung katastrophale Folgen hat (aggressive Langeweile etc.) ist durchgehend überzeugend und eine sehr nötige Einsicht.
Das Buch ist an sich gut zu lesen, wobei der Leser aber gut daran tut, sich bestimmte Fachwörter aus dem ersten Teil zu merken, denn das Vokabular bleibt doch etwas technisch - dadurch wird aber andererseits die nötige Präzision in der Aussage erreicht. Der Abschluss mit "Erziehungsstrategien" in den Bereichen Familie, Schule, betriebliche Ausbildung und Freizeitpädagogik bringt einiges noch einmal gut in der Praxis auf den Punkt, obwohl sich der praktisch interessierte Leser sicher insgesamt noch mehr Anwendungen gewünscht hätte. Gestört hat mich der ständige Bezug auf die Evolutionstheorie. Das gehört zwar zum verhaltensbiologischen Weltbild, die meisten Aussagen des Buches wären aber auch von rein menschheitsgeschichtlichen und gegenwärtigen Beobachtungen her genau so gültig. Insgesamt ein gut strukturiertes, solides und überzeugendes Buch, das wesentliche Erkenntnisse vermittelt, die jedermann bekannt sein sollten. Zu empfehlen nicht nur für Pädagogen und Eltern, sondern generell für alle, die sich Gedanken über Themen wie etwa sinnvolle Freizeitgestaltung oder Freude an Arbeit machen.


Teurer als Rubine [VHS]
Teurer als Rubine [VHS]
VHS

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen klischeehaft, aber trotzdem sehenswert, 27. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Teurer als Rubine [VHS] (Videokassette)
Ein feinfühliger, ernsthafter Film, der - ohne zuviel gefühlte Schwere - zum Nachdenken anregt, mit René Zellweger m.E. gut besetzt: Sie spielt die junge Mutter Sonja, die an der Seite eines aufrichtig um Gottesfurcht bemühten jüdischen Lehrers, der aber leider seine Religion in der Lebenspraxis missversteht, immer mehr verkümmert. In der jüdischen Gemeinde stößt sie mit ihren Zweifeln und Fragen auf Unverständnis, wird vom Schwager kaltblütig ausgenutzt, aus der Gemeinschaft verstoßen und steht schließlich allein da. Die Schlussszene macht die Zerrissenheit ihres Lebens deutlich: Zwischen zwei Welten, zwischen zwei Männern, mit einem schmerzhaft offenen Ende der Geschichte (wenn auch mit einem kleinen Teil-Happy End)...
Es ist ein Film, der ein wenig an "Der einzige Zeuge" mit Harrison Ford erinnert, wo John Book, der Großstadt-Polizist, eine Frau aus der Gemeinschaft der Amish People lieben lernt und letztlich nicht bei ihr bleiben kann, weil die Unterschiede zu groß sind. Sonja ist, wenn auch formell dazugehörig, ähnlich stark ein Fremdkörper in der Gemeinschaft, in der sie lebt. Leider ist die Darstellung der Juden recht einseitig geraten (als starr, gefühlsarm und z.T. heuchlerisch), sodass der Zuschauer intuitiv dagegen Stellung bezieht - gegen das Judentum und letztlich auch gegen einen jüdischen oder christlichen Gottesglauben allgemein, denn es wird nicht deutlich, dass die dargestellten Juden ihren Glauben z.T. verfremden. Das ist klischeehaft und nicht ganz fair, und das hätte die Handlung, nebenbei bemerkt, auch nicht nötig gehabt - schade. Das Alte Testament ist in keiner Weise gefühls- oder lustfeindlich, aber der durchschnittliche Zuschauer wird das nicht wissen, und so wird wieder mal ein falsches Bild vermittelt, was ärgerlich ist.
Aber trotz dieses Vorbehalts lohnt sich der Film: Sonja ist einfach lieb, sie verkörpert einen Menschen, der schlichtweg leben will, aber daran gehindert wird. Als sie ihre Arbeit als Juwelierin aufnimmt, lernt man sie noch einmal völlig anders kennen: Selbstbewusst, kompetent, mutig (was einige herrliche Szenen hergibt) - aber dann auch wieder schwach, zweifelnd, verletzlich. Die verschiedenen Lebenswelten und Wertvorstellungen, die hier aufeinanderprallen, geben viel Stoff zum Nachdenken und Reden. Ein Film, der anrührt und über den man nachher gut ins Gespräch kommt.


Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft: Die Kunst des Krieges
Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft: Die Kunst des Krieges
von Tsu Sun (Sunzi)
  Taschenbuch

9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Weisheiten in Wiederholungen, 26. Juni 2005
Auch wenn ich den Taoismus persönlich nicht vertrete, meine ich doch, dass es sinnvoll ist, einen solchen Klassiker zu kennen. Besonders habe ich mich auf Weisheiten gefreut, die alltagstauglich sind. Meine Erwartungen haben sich zum Teil erfüllt, teilweise auch nicht. Ich habe mich für diese Version des Buches (Serie Piper) wegen der Einleitung und der Kommentare anderer Meister entschieden. Die Einleitung hätte zwar straffer ausfallen können, ist aber insgesamt sehr hilfreich und ich würde nicht raten, sie zu überspringen. Die Kommentare erläutern, vertiefen und machen durch ihre Interpretationen die Vielschichtigkeit dieses Buches deutlich. Das ist eine Stärke dieser Ausgabe.
Eine Schwäche ist allerdings, dass sich zunächst über weite Strecken viele Wiederholungen finden, vor allem (aber nicht nur!) durch die Kommentare, wodurch die Motivation zum Weiterlesen leidet. Auch sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Sun Tsu selbst gar nicht so viel zu Wort kommt wie das bei der Seitenzahl den Anschein erweckt und der Text durch die Kommentare einiges an Zusammenhang verliert. (Ist diese Ausgabe eine gekürzte Fassung? Wenn ja, dann sollte das auch klargestellt werden.) Gegen Ende wird es m.E. wieder interessanter und abwechslungsreicher. Die Alltagstauglichkeit habe ich mir stärker vorgestellt, vieles bleibt abstrakt und ist schwer übertragbar. Da hatte ich mir mehr erwartet - aber das kann auch mein Problem sein. Auf jeden Fall aber ein Buch, das sich zu lesen lohnt, wobei man unterschiedliche Ausgaben lieber vorher vergleichen sollte. Diese eignet sich für eine Vertiefung des chinesischen Denkens, das auf Sun Tsu aufbaut. Wer nur ihn selbst, und das in einem flüssigen Text, haben will, wird zu einer anderen Ausgabe greifen


Seite: 1 | 2 | 3 | 4